Albert Camus wird 100: Zwei neue Bücher

Albert Camus wird 100: Zwei neue Bücher
Von Christian Modehn

Siehe auch einen Beitrag in der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM, zur Lektüre klicken Sie bitte hier.

Das Interesse an Albert Camus wird hoffentlich noch über seinen Geburtstag am 7. November hinausreichen. Natürlich steht an erster Stelle die Lektüre seiner Werke, sie liegen auf Deutsch – zum Teil in Neuübersetzungen ! – vor, zudem sind sie preiswert im Rowohlt Verlag publiziert.
Leider sind unseres Erachtenes wichtigste einführende Arbeiten nicht auf Deutsch zugänglich. Wegen Camus Französisch lernen, das wäre ja auch ein sinnvolles Lebensprojekt.
An erster Stelle muss das „Dictionnaire Albert Camus“ erwähnt werden, das unter der Leitung von Jeanyves Guérin bei Robert Lafffont, Paris, erschienen ist. Es liegt seit 2009 als preiswerte Taschenbuchausgabe vor und ist zum Preis von 30 Euro nahezu ein Geschenk. Das Buch umfasst 974 Seiten und ist, als Dictionnaire eben ein Camus – Lexikon von A bis Z, mit einem Personenregister, einer Bibilographie und Filmographie, auch ausführliche biographische Daten fehlen nicht. An dem Lexikon haben nach unserer Zählung 65 PhilosophINNen und PhilologINNen mitgearbeitet, darunter auch die deutsche Camus Forscherin Brigitte Sändig, Potsdam, sie hat ja die empfehlenswerte Camus Monographie (bei Rowohlt) geschrieben.
Gerade religionsphilosophisch Interessierte werden in dem Dictionnaire gründlich informiert (und auf weitere Literatur verwiesen, immer wieder übrigens auch auf den deutschen Philosophen und Camus Spezialisten Heinz Robert Schlette.) Die religinsphilosophisch relevanten Artikel beginnen bei Absolu, gehen weiter über Absurde, Atheisme, Bonheur, Cain, Dieu, Eglise usw… Interessant auch ein eigener Beitrag „Réception Chrétienne“, wo deutlich wird, dass Camus mit Mauriac, Marcel, Jan Marie Domenach diskutierte, mit Bernanos war er befreundet. Die großen katholischen Zeitschriften in Paris haben sich mit ihm befasst, mit den wenigen Theologen der Résistance war Camus ebenfalls freundschaftlich verbunden. Von den Dominikaner – Patres in Paris wurde Camus zu einem Gespräch ins Kloster eingeladen. Die eigene Spiritualität von Camus wird in den Stichworten Nature, Nemesis, Soleil, Solidarité usw. deutlich. Man wünscht sich dringend eine Übersetzung dieses Buches.
Bescheidener, doch nicht weniger inspirierend ist das Sonderheft der Reihe „Une vie, une Oeuvre“ der Tageszeitung Le Monde, das vor kurzem über Albert Camus erschienen ist. „la révolte et la liberté“ ist der Titel. Das Vorwort von Bernard – Henri Lévy verdient kritische Beachtung, vor allem seine Ausführungen über Camus „Ja und das Nein zur Natur“ (S. 13 f.). Das Heft hat 122 Seiten, es enthält viele Fotos, Daten, Textauszüge, Literaturangaben usw. und kostet nur 7,90 Euro.
Christian Modehn