Gelassenheit. Ein Hinweis auf Epikur und Meister Eckart

2. Mrz 2014 | von | Themenbereich: Denkbar

Die Kriterien EPIKURS für ein Leben in der Gelassenheit, ataraxia. Und ein Hinweis zu Meister Eckart.

Zum Religionsphilosophischen Salon am Freitag, den 14. Februar 2014, in der Galerie Fantom.

Einige TeilnehmerInnen baten darum, noch einmal einige Thesen zum Salon nachlesen zu können….

 

Epikur war kein „Epikuräer“ im Sinne von  „Genießer“ und „Lüstling“.

Er wollte als Philosoph die Heilung der Seele bewirken. Das entspricht ganz der allgemeinen Zielsetzung des Philosophierens in der Antike.

Die Heilung als Ruhe der Seele gelingt nur, wenn sich der Mensch seiner Lust stellt und unterscheiden lernt im Umgang mit seiner Lust.

Entscheidend für ein lustvolles Leben ist, die Vielfalt der Bedürfnisse zu unterscheiden:

– Es gibt Bedürfnisse, auf die niemand verzichten kann, weil sie natürlich und notwendig sind, wie zum Beispiel das einfache Essen und die elementaren Getränke, etwa das Wasser. Auch die Erotik gehört – zumindest in unserem Verständnis – dazu.

– Mit Vorsicht sollte man sich hingegen Bedürfnissen hingeben, die zwar natürlich, aber nicht notwendig sind, wie etwa der Genuss von Wein oder der Vielzahl von Leckerbissen.

– Und meiden sollte man Lust – Bedürfnisse, die weder natürlich noch notwendig sind, also etwa Ruhm zu erwerben und mit großem Reichtum ausgestattet zu werden. Um würdig als Mensch zu leben, muss man nicht von überflüssigem Luxus umgeben sein.

„An alle Begierden muss man folgende Fragen richten: Was wird mir widerfahren, wenn das Ziel der Begierde erreicht ist? Und was, wenn das Ziel der Begierde nicht erreicht ist“ (aus der so gen. Vatikanischen Spruchsammmlung des Epikur, Nr. 71).

„Es kommt darauf an so zu leben, dass man weder am Körper Schmerzen noch an der Seele Unruhe spürt“ (Brief an Menoikeus)

Epikur plädiert für das einfache  Leben. „Wenn man sich an die einfachen und nicht aufwendigen Lebensweisen gewöhnt, dann macht das einen vollständig gesund, und es macht den Menschen unbesorgt“. (Brief an Menoikeus).

Am wichtigsten ist die Freundschaft, auch als Ort, Gelassenheit einzuüben.

Die Gemeinschaft: „Man hat darauf zu achten, mit wem man esse und trinke, als was man esse und trinke. Denn ohne Freunde beim Essen ist das Leben nichts als eine Abfütterung, wie bei einem Löwen oder Wolf“.

– Gelassenheit heißt: Keine Angst vor dem Tod zu haben:

„Wir sollten erkennen: Der Tod betrifft uns letztlich überhaupt nicht. Denn solange wir leben, ist der Tod nicht da. Wenn der Tod aber einmal da ist, sind wir als Menschen auch nicht mehr da. Der Tod betrifft also weder die Lebenden noch die Verstorbenen“.

Die „unphilosophische Seele“ krankt an falschen Vorstellungen.

Die philosophische Seele kann selbst den Weg zur Gelassenheit verstanden als Atarxia finden.

Copyright: Christian Modehn

 

Thesen zur Lehre von der Gelassenheit, Meister Eckart.

Über diese Thesen und weitere Erkenntnisse des Philosophen Meister Eckart werden wir später in einem Salon ausführlich sprechen.

Die Gelassenheit ist der Zustand, in dem der Mensch nach mühevoller Arbeit an sich selbst alles gelassen hat und vertrieben hat, was ihn von dem wahren Gott trennt. Der gelassene Mensch ist dann der Neugeborene, der Gerechte.

Der Eckart Spezialist, Prof. Kurt Flasch, empfiehlt als Leitlinie des Verstehens:

„Es ist die Vernunft, die Mensch und Gott vereint, nicht ein Gefühl, der Glaube oder eine Vision“ (Kurt Flasch, „Meister Eckart“ , Beck Verlag 2009, Seite 50).

Der Seelenfunken liegt verdeckt unter den Schichten der Selbstsucht und dem Ich.

Es gilt, die den Seelengrund verdeckenden Schichten abzutragen. (Quint, Meister Eckart, 1969, S. 28.)  „Klebe nicht an selbst gefälligen Werken“.

„Steig auf dem Weg der Abgeschiedenheit und der Gelassenheit hinab in die Tiefen deines eigenen Seinsgrundes, indem du die sterilen Hüllen und Schalen deines kleinen Ich durchbrichst“, so S. 48.

„In der Einigung mit der Gotteskraft erfährst du die mächtigen Antriebe zu einem wesentlichen Wirken“, ebd.

Es geht um die Überwindung des „Scheinseins“  (des alltäglichen, unreflektierten Lebens) hin zum wesentlichen Sein.

 

Das Innewerden des göttlichen Funkens in mir ist jedem Menschen möglich. Es ist der Zustand der Wiedergeburt, des neuen Menschen nach dem Tod des alten Menschen. Es ist das Innewerden der Erlösung.

Das Leben des gelassenen Menschen führt zu einem Leben, das aus dem Ewigen, dem Göttlichen, dem Einen, heraus handelt. Es ist eine neue Gesinnung, die den Gelassenen auszeichnet. „Dass man Ruhe habe IM mühevollen Leben, das ist das Allerbeste“, so Meister Eckart, (zit. in Quint, s 41.) Werde, der du bist. Auch dies ein Grundsatz Eckarts. Mensch werde wesentlich, so Quint, S. 48.

Das gelingt nur in dem Wissen: Alles Sein dieser Welt ist getragen vom göttlichen Urgrund und ist aufgehoben im unendlichen göttlichen Urgrund.  (Quint S. 50).

Copyright: Christian Modehn

 

 

 

 

 

 

 

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