Jan Hus – 600 Jahre danach: Anlass zu Selbstkritik und Dialog Von Pfarrer Manfred Richter, Berlin

Jan Hus – 600 Jahre danach: Anlass zu Selbstkritik und Dialog

Am Sonntag, den 9. August 2015, wird um 11.30 in der Ev. Gemeinde in Nikolassee eine Ausstellung über den tschechischen Reformator Jan Hus eröffnet. Weitere Hinweise siehe am Ende dieses Textes.

Von Pfarrer Manfred Richter, Berlin

Die Gedenkfeierlichkeiten 600 Jahre nach der Hinrichtung von Jan Hus, der seiner biblisch gegründeten Glaubensüberzeugung allen Überredungsversuchen zum Trotz nicht abschwören wollte, sind gerade vorbei: In Husinec, im südlichen Böhmen, wo der Sohn einer armen Familie geboren wurde, der bis zum Rektor der Prager Universität aufsteigen sollte; in Prag, wo nach bereits ökumenisch angelegten Studientagungen eine öffentliche Ehrung, nach großer Prozession, am Hus-Denkmal stattfand; in Konstanz, wo ausgerechnet das zur Kirchenreform angetretene Konzil den ernsthaftesten Reformer der Zeit schmählich hinrichten ließ. Und auch in Rom, wo Delegierte der Böhmischen Brüderkirche (derjenigen Hus-Nachfolge-Kirche, der auch Brüderbischof Jan Amos Comenius und viele der “Rixdorfer” Böhmen entstammten) und der „Tschechischen Hussitischen Kirche“ an den Apostelgräbern einen ökumenischen Versöhnungsgottesdienst feierten. Dabei wurden sie von Papst Franziskus empfangen. Dieser nahm Worte des Bedauerns seines Amts-Vorvorgängers, des polnischen  Papstes auf, der schon 1999 sein „tiefes Bedauern über den grausamen Tod” des böhmischen Reformators geäußert hatte. Dabei ging Ppst Franziskus darüber hinaus, indem er eine Neubewertung “ohne ideologische Vorurteile” verlangte als “Dienst an der historischen Wahrheit”, er warb für einen “Weg der Versöhnung und des Friedens”, in dem die  Auseinandersetzungen der Vergangenheit “endgültig” überwunden werden können.

Hier nicht hinreichend vorgearbeitet zu haben, ist erneut der EKD und dem Lutherischen Weltbund vorzuwerfen: Dieses Jahr 2015 in der Reformation-en-Dekade hätte vorrangig Jan Hus gewidmet werden müssen. Das hätte auch der Arbeit an den Anliegen von 2017 gedient. Zumindest versuchten Margot Kässmann und Ellen Überschär durch ihre Anwesenheit in Prag und auf der Ziegenburg bei Tabor ein Zeichen dieser nicht lösbaren Verkoppelung der Reformation-en zu setzen. Doch, wenn Martin Luther bald erkannte, “daß wir alle” (da denkt er auch an Paulus und Augustinus) ”Hussiten waren, ohne es gewusst zu haben” – so fragt es sich doch, wie wir heute – in allen Kirchentümern – vor Jan Hus bestehen könnten? Anlass zu Selbstkritik, zu Versöhnung und zu gemeinsamen Vorangehen in unabweislichen Reformanforderungen unserer Zeit sollte die Botschaft dieses Hus-Gedenkens sein. Dies brachte m. E. vorbildlich eine gemeinsame Erklärung der Mitgliedkirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Konstanz zum 6. Juli 2015 Ausdruck: “Wir sehen uns in der Nachfolge der Verantwortung der im 15. Jahrhundert noch ungeteilten west-römischen Kirche”.

Es gibt eine interessante Ausstellung in BERLIN:

Die Wanderausstellung aus dem Tabormuseum, die in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Kulturministerium erarbeitet wurde, gibt uns Gelegenheit zu  dieser Selbstbesinnung. In 14 Bild- und Text-Tafeln stellt sie den Lebensweg des Jan Hus dar. Dazu seine zumal aus den Evangelien geschöpfte Verkündigung, die Hauptkonflikte, in die er geraten ist und sein aufrechtes Bekenntnis zur “Wahrheit, die nicht in Flammen untergeht” noch nach der Verurteilung durch das Konzil. In Deutschland wird die Ausstellung, nach Bernau und Naumburg, nun gezeigt in Berlin

– ab 9. August im Jochen-Klepperhaus, Gemeinde Nikolassee in Zehlendorf, Kirchweg 6. Eröffnung 11.30 durch Steffen Reiche, Einführung Manfred Richter (bitte Öffnungszeiten erfragen)

– ab 25. August im Haus der Kirche, Amt Kirchlicher Dienste Goethestr. 26-30 in Charlottenburg, Eröffnung 2. September  18 h durch Matthias Spenn, Einführung Manfred Richter

– ab 13. September im Gemeindezentrum der Brüdergemeine, Kirchstr. 14 in Neukölln, Eröffnung Christoph Hartmann (genaue Zeitangabenbitte vor Ort erfahren).

Ein Hinweis des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“:

Pfarrer Manfred Richter hat kürzlich eine umfangreiche Studie über COMENIUS publiziert: Und zwar über „Das Colloquium Charitativum von Thorn 1645“, zu einem Hinweis klicken Sie bitte hier. Manfred Richter war Leiter des Hauses der Kirche in Charlottenburg und auch viele Jahre Leiter des „Kunstdienstes“ der evangelischen Kirche in Berlin.