„Rave war meine Idee“. Jean-Michel Jarre über die Geschichte der elektronischen Musik. Ein Hinweis auf einen wichtigen Beitrag in: dasfilter.com

12. Mai 2016 | von | Themenbereich: Denkbar

Jean Michel Jarre ist sicher einer der wichtigsten Komponisten heute. Die Website dasfilter.com  hat kürzlich ein ausführliches Interview mit Jarre veröffentlicht, protokolliert von den beiden Redakteuren Thaddeus HerrmannJi-Hun Kim.

Wir dokumentieren zwei Stellungnahmen Jarres, die vielleicht gerade im philosophischen Zusammenhang von Interesse sind und verweisen zur weiteren Lektüre auf http://dasfilter.com   Um das Interview in voller Länge zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Die beiden hier ausgewählten Zitate von Jean Michel Jarre:

„Für mich hatte der Erstkontakt mit elektronischer Musik eine große emotionale Wirkung: Man muss sich das wie mit abstrakter Malerei vorstellen. Ich habe mich damals sehr intensiv mit abstrakter Kunst beschäftigt und dachte sogar daran, eine Karriere als Maler einzuschlagen. Ich mochte das Nonfigurative wie bei Jackson Pollock und Pierre Soulages. Mit 14 war ich auf einer Ausstellung der beiden in Paris. Das hat mein Leben nachhaltig verändert und beeinflusst. Wenn also Pierre Schaeffer von der Musique Concrète sprach, davon, Musik in einem organisch-sinnlichen Sinn zu mischen und zu schaffen, denke ich, dass er es analog zur abstrakten Malerei verstand. Vielleicht hätte man abstrakte Malerei besser konkrete Malerei, „Peinture concrète“ nennen sollen. Man arbeitet mit den Händen wie ein Koch. Während klassische Musik viel konzeptueller ist und ein klassischer Maler versucht, die Welt um sich herum zu visualisieren, setzt sich abstrakte Kunst und später auch Medienkunst mit Texturen, Farben und Pixeln im Allgemeinen auseinander. Und bei elektronischer Musik geht es um Wellenformen, Frequenzen und ebenfalls um Texturen. Ich finde beide Ansätze sehr ähnlich“.

„Ich mag Raves. Vielleicht habe ich sie sogar erfunden. Und die letzten Jahre über dachte ich mir: Endlich haben es die Leute verstanden, worum es geht. Einen Ort zu kidnappen und für eine Nacht eine ganz andere Umgebung zu schaffen. Früher hatte man die Wahl zwischen Theaterbühnen für klassische Musik, Jazzclubs und Rockclubs, wo es schon eine gute Akustik für verstärkte Musik gab, und schließlich großen Mehrzweckhallen, wo am Montag ein Kongress stattfindet, Donnerstag eine BMW-Mitgliederversammlung, Freitag ein Boxkampf und Samstag ein Konzert. Diese Arenen klangen schon immer schlecht. Elektronische Musik ist für mich immer„out of space“. Ich wollte schon von Beginn an Kontrolle über den Klang und die Größe des Aufführungsortes haben. Also habe ich mit unterschiedlichen Venues experimentiert. Damals war das noch Neuland. Heute sind Rockkonzerte durchformatiert und im Prinzip nichts anderes als klassische Konzerte für meine Elterngeneration. Es gibt viele Codes. In der elektronischen Musik gibt es die noch nicht“.

 

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