Rupert Neudeck und Albert Camus.

1. Jun 2016 | von | Themenbereich: Alternativen für eine humane Zukunft, Befreiung, Philosophische Bücher

Rupert Neudeck: Von Albert Camus inspiriert

Ein Hinweis von Christian Modehn

In den zahllosen wichtigen Erinnerungen an den großen Humanisten Rupert Neudeck wird meines Erachtens oft vergessen: Rupert Neudeck wollte nicht nur in der Tat den radikalen ethischen Forderungen des Jesus von Nazareth entsprechen, den ursprünglichen, noch kirchlich nicht verfälschten Lebensweisheiten Jesu, wie sie im Neuen Testament, etwa in der Bergpredigt oder den „Endzeitreden Jesu“, deutlich werden. Wichtig ist: Rupert Neudeck lebte auch aus dem Geist des humanistischen Philosophen Albert Camus. Das Denken Albert Camus war ihm, darf ich sagen, genauso wichtig wie die Bibel. Humanismus ist eben niemals nur „atheistischer Humanismus“. Humanismus ist in der weitenTradition vielmehr immer auch eine Verbindung von religiösem-etwa auch christlichem- und philosophischem Denken. Das hat Rupert Neudeck als Einheit gelebt. Dafür sind ihm so viele so dankbar. Er ist ein Lebens-Retter.  Insofern ist Rupert Neudeck auch ein Mensch, der zeigt: Auch philosophische Vorschläge und philosophische Erkenntnisse können ein Leben gestalten. Philosophieren hat mit dem Leben zu tun. Sie ist keine graue Theorie…

Über „Die politische Ethik bei Jean Paul Sartre und Albert Camus“ wurde Rupert Neudeck 1972 in Münster zum Doktor der Philosophie promoviert.

Im Jahr 2013 hatte ich erneut Gelegenheit, Rupert Neudeck in Berlin (anläßlich einer Konferenz über das „ROTE KREUZ“) zu sprechen und für die ARD Sender zu interviewen. 2013 war das Jahr der Erinnerung an Albert Camus (geboren 1913).

Nur drei zentrale Zitate Rupert Neudeckes zu Albert Camus:

1. „Ich erzähle immer die Geschichte, dass wir unseren Mitarbeitern bei Cap Anamur, wenn sie rausgegangen sind nach Kambodscha, Somalia, Uganda, immer ein Buch mitgegeben haben, und das geradezu das Vademecum der humanitären Arbeit ist, nämlich die „Die Pest“ von Camus, von Albert Camus“.

….. Der Roman „Die Pest“ handelt von menschlicher Solidarität in verzweifelter Lage: Rupert Neudeck:

2. „Wenn man diese Parabel gelesen hat, verstanden hat, dann weiß man die Richtung, in die man gehen muss. Und die Richtung ist nicht, dass man auf etwas verzichten muss, sondern das einzige, wozu wir in der Lage sein müssen, ist, dass wir uns schämen müssen, allein glücklich zu sein.“

Aus den Vorschlägen Albert Camus` zieht Rupert Neudeck diese Konsequenzen:

3. „Wenn wir uns ehrlich vor Augen was wir sind, was für Waschlappen wir sind, dann ist es schon etwas ganz Erfreuliches, wenn man nicht aufgibt. Wenn man nicht sagt: Macht alles keinen Sinn. Ich denke, dass es nicht stimmt, dass alles auf der Welt zum heulen ist und kaputt geht. Das ist nur eine Hälfte der Realität, es gibt eine andere, in der uns was gelingt, in der Solidarität gelingt, in kleinen Einheiten, in Kommunen, Gemeinden Dinge passieren, die großartig sind. Diese Geschichten vom Gelingen, die brauchen wir, um uns nicht immer wieder zu verzehren im Wortsinn“.

Zwei kurze, zentrale Zitate von Albert Camus, die Rupert Neudeck genau gesprochen hätte:

– „Schöpferisch sein, bedeutet zweimal zu leben“.

– „Ich empöre mich. Also sind wir!“

Zur Vertiefung in die Spiritualität von Albert Camus finden Sie u.a. in einem Beitrag des NDR, klicken Sie hier.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

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