Stille und Spiritualität Erfahrungen in leeren Kirchen. Eine Radiosendung.

8. Okt 2016 | von | Themenbereich: Denken und Glauben, Termine

Stille und Spiritualität: Erfahrungen in leeren Kirchen
Von Christian Modehn

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Die Sendung lief auf NDR Kultur am Sonntag, dem 02. Oktober 2016, von 08:40 bis 09:00 Uhr.

Zum Hintergrund: Der Besuch leerer Kirchen, also außerhalb der Gottesdienst-Zeiten, hat seinen eigenen Reiz. Nicht nur, um unser Interesse an Kunst und Architektur zu befriedigen. Das stille Verweilen in Kirchen „ohne viel Betrieb“ kann eine Form der inneren Sammlung werden. Gerade in den Dörfern, etwa Brandenburgs und Mecklenburgs, sind bis in den Herbst viele alte kleine Dorfkirchen auch während der Woche geöffnet. Sie sind oft der einzige „Schmuck“ in den Dörfern, die oft verlassen wirken, wenn nicht gelegentlich wie ausgestorben. Wegen der Kirchen machen die durchfahrenden Reisenden öfter mal einen „Kirchen-stopp“. Der spirituelle Geist kann in den renovierten, oft auch nur „halb-fertigen“ Kirchen geweckt werden. Darauf macht der Text aufmerksam, die Sendung ist über den NDR Glaubenssachen auch noch zu hören. Für Philosophen und Theologen stellt sich die Frage: Werden diese ruhigen Räume, diese Orte von Religion, Geschichte, Kultur und Politik (man denke an die Verwüstungen in Kriegen, an die Nazi-Zeit, an die Vernachlässigung vieler Kirchbauten in der DDR-Zeit usw.) heute umfassend genutzt? Als Orte dann nicht nur der privaten Stille, sondern auch der angeleiteten Meditation, des Gesprächs, der Initiativen, der interreligiösen Begegnung, der philosophischen Debatte? Die entscheidende Frage ist: Hat die Kirche etwas daraus gelernt, dass sich in den gelegentlichen Sonntagsgottesdiensten in den Dorfkirchen um 10 Uhr sonntags (oder manchmal um 14 Uhr) nur höchstens 10 Personen versammeln? Wie können neue religiöse Feiern in alten Kirchen so gestaltet werden, dass die Menschen, auch die Atheisten, gerne mitfeiern, mitdenken, mitsprechen? Diese Frage ist meines Erachtens bis jetzt weithin ohne Antwort. Die Kirchen „fahren“ (oder besser „humpeln“ ?) lieber auf den uralten Gleisen alter Liturgien weiter, Neues macht Arbeit. Das Ergebnis dieser altgewohnten Veranstaltungen ist ihnen offenbar egal. Irgendeiner wird dann in 10 Jahren auch in den renovierten Dorfkirchen das Licht ausmachen. Und was ist dann?   Christian Modehn

Der Pressetext als Hinweis auf die Sendung:

Bei jedem Wind und Wetter sind sie spannungsgeladene Räume: Kirchen, Kathedralen und Kapellen. Sie inspirieren auch außerhalb der Gottesdienste, wenn man allein in ihnen verweilt, still sitzt oder andächtig umhergeht. Man nimmt die Vielfalt der Bilder oder die Pracht der Fenster intensiv wahr. In der schlichten Dorfkirche genauso wie in einem gotischen Dom. Diese Räume sprechen in der Stille, aber geben keine definitiven Antworten. Sie stellen Fragen, weisen ins Weite, öffnen den Geist.

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