<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Religionsphilosophischer Salon &#187; CM</title>
	<atom:link href="http://religionsphilosophischer-salon.de/author/admin/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://religionsphilosophischer-salon.de</link>
	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
	<lastBuildDate>Sat, 25 May 2013 17:24:30 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Lob der &#8220;Salonchristen&#8221;. Eine Korrektur.</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3986_lob-der-salonchristen-eine-korrektur_religionskritik</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3986_lob-der-salonchristen-eine-korrektur_religionskritik#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 25 May 2013 17:15:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Christen im Salon]]></category>
		<category><![CDATA[die Bürokratie der Kirche tötet den Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Rahner den Geist töten]]></category>
		<category><![CDATA[Lob des Salon - Christentums]]></category>
		<category><![CDATA[Modehn hat philosophischen Salon in Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Modehn philosophischer Salon]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus fordert mehr Verrücktheit]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus liebt die verrücktheiten]]></category>
		<category><![CDATA[Salon Christen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3986</guid>
		<description><![CDATA[Lob der „Salonchristen“
Eine Korrektur
Von Christian Modehn
In der Beilage zur Wochenzeitung „Die Zeit“ mit dem Titel „Christ &#038; Welt“ berichtet Christiane Florin auf Seite 3 der Ausgabe vom 23. Mai 2013, dass Papst Franziskus sich ein „gesundes Maß an Verrücktheit“ für die katholische Kirche wünsche. Sie schreibt, immer im Blick auf jüngste Äußerungen von Papst Franziskus: [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Lob der „Salonchristen“<br />
Eine Korrektur<br />
Von Christian Modehn</p>
<p>In der Beilage zur Wochenzeitung „Die Zeit“ mit dem Titel „Christ &#038; Welt“ berichtet Christiane Florin auf Seite 3 der Ausgabe vom 23. Mai 2013, dass Papst Franziskus sich ein „gesundes Maß an Verrücktheit“ für die katholische Kirche wünsche. Sie schreibt, immer im Blick auf jüngste Äußerungen von Papst Franziskus: „Die Kirche brauche Menschen, die unbequeme Dinge sagten und sich nicht scheuten, die wohl situierten Verhältnisse zu stören. Die   Unverrückten (hingegen) stempelte er, also Papst Franziskus, zu = Salon-Christen =“.<br />
Nun kann ich mich nur auf die in der Zeitung mitgeteilten Informationen über die päpstliche Kritik an den angeblich wohlsituierten „Salon – Christen“ beziehen. Ich finde allerdings die offenbar hier päpstlich unterstellte logische Verbindung von „Wohlsituiertheit“ und „Salon“ für völlig unzutreffend. Richtig wäre es, von einer unheilvollen Verbindung von bürokratischer Struktur bzw. dem Vorrang für finanzielle Interessen innerhalb der Kirche(n) zu sprechen, wenn man denn eine freie Kirche will, die „unbequeme, also verrückte  Dinge sagt“. Solches wünscht sich nun zum ersten Mal seit Jahrhunderten ein Papst ausdrücklich und erstaunlicherweise. Aber: Gerade die „Salons“ waren und sind immer Orte für allerhand Verrücktheiten im Denken, und wenn es sich um religiöse Fragen handelt, auch im Glauben. Ein so genanntes „Salon – Christentum“ lebt gerade von der lebendigen und Diskussion gleich berechtiger PartnerInnen gerade im Salon. Davon können wir gern berichten nach 5 Jahren Erfahrung in einem „religionsphilosophischen Salon“. Da werden ungewöhnliche, in der Sicht der Hierarchie verrückte Dinge gesagt, etwa im Blick auf die dogmatisch erstarrten Gottesbilder oder die Kirchenbürokratie, die den Geist tötet, wie der Theologe und Jesuit Karl Rahner so treffend sagte. Wir verteidigen also das Salon – Christentum und die Salon – Christen und dort, selbstverständlich gleichberechtigt willkommen, die „Nicht christen“ oder Atheisten, also Menschen, die den freien Disput über schlechterdings alles schätzen. Außerhalb der Gemeinden und in neuen, freien Zusammenschlüssen werden gerade in Salons Themen angesprochen, die den Hierarchen als Verrücktheiten erscheinen müssen. Und dabei wird es bleiben, zumal sich immer weniger Menschen an die dogmatischen Vorgaben ihrer Religion halten können und halten wollen. Sie können sich dann also ganz im Sinne des Papstes – endlich einmal – als die so heiß geliebten „Verrückten“ fühlen &#8211; und die Verrücktheiten im Salon formulieren. Dabei sind sie dann eigentlich die „Normalen“ und Vernünftigen, wenn man das Feld religiöser dogmatischer Erstarrungen betrachtet.<br />
PS: In einem unserer Salons haben wir uns kürzlich mit der Frage befasst: Können Philosophen Revolutionen auslösen? Zur Lektüre eines kleinen inspirierenden Textes <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/1662_gibt-es-revolutionen-die-philosophen-auslosen-der-nachste-salon-abend_denkbar">klicken Sie hier</a>. </p>
<p>Copyright: christian modehn </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3986_lob-der-salonchristen-eine-korrektur_religionskritik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Religionsphilosophischer Salon nun auch in Bremen</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3972_religionsphilosophischer-salon-nun-auch-in-bremen_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3972_religionsphilosophischer-salon-nun-auch-in-bremen_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 May 2013 07:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Modehn Gründer des Religionsphilosophischen Salons]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsphilosophischer salon Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsphilosophischer Salon Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Remberti Gemeinde Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Wiulhelm Gräb in Bremen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3972</guid>
		<description><![CDATA[Religionsphilosophischer Salon in Bremen gegründet.
Wie uns Prof.Wilhelm Gräb, Humboldt Universität, mitteilt, wurde vor kurzem auch in Bremen ein philosophischer Club gegründet, der auch den in Berlin nun schon seit 7 Jahren bekannten Titel &#8220;Religionsphilosophischer Salon&#8221; trägt. Wir haben in Berlin ca. 70 Salonabende bisher gestaltet.
Prof. Gräb schreibt uns, dass unser Saon in Berlin dabei für [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Religionsphilosophischer Salon in Bremen gegründet.</p>
<p>Wie uns Prof.Wilhelm Gräb, Humboldt Universität, mitteilt, wurde vor kurzem auch in Bremen ein philosophischer Club gegründet, der auch den in Berlin nun schon seit 7 Jahren bekannten Titel &#8220;Religionsphilosophischer Salon&#8221; trägt. Wir haben in Berlin ca. 70 Salonabende bisher gestaltet.<br />
Prof. Gräb schreibt uns, dass unser Saon in Berlin dabei für die Bremer inspirierend gewirkt hat. Das freut uns natürlich, dass es da eine gewisse Anregung gibt. Der neue religionsphilosophische Salon ist in der protestantischen Gemeinde Remberti in Bremen zuhause; diese Gemeinde folgt als eine der wenigen Gemeinden ausdrücklich der theologisch &#8211; liberalen Position. Wir haben in Berlin immer wert darauf gelegt, einen philosophischen Salon außerhalb kirchlicher oder religiöser Gebäude zu plazieren. Philosophie ist nicht nur öffentlich und &#8220;für alle&#8221;, sie ist auch als Religionsphilosophie an &#8220;weltlichen Orten&#8221; am besten plaziert. Wir verweisen im <a href="http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/bremen-nordost/schwachhausen_artikel,-Wie-die-Band-Die-Toten-Hosen-zu-Gott-fuehrt-_arid,562606.html">link auf einen Beitrag des Weser Kurier </a>zur Gründung des Salons in Bremen. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3972_religionsphilosophischer-salon-nun-auch-in-bremen_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Pfingsten &#8211; Fest der Philosophen? Ein Vorschlag von G.W.F.Hegel</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3637_pfingsten-fest-der-philosophen-ein-vorschlag-von-g-w-f-hegel_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3637_pfingsten-fest-der-philosophen-ein-vorschlag-von-g-w-f-hegel_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 May 2013 16:12:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Modehn deutet Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel als Mystiker]]></category>
		<category><![CDATA[hegel der Philosoph von Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel und die Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel und Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[hegel und Protestantismus]]></category>
		<category><![CDATA[ist Mystik etwas für Hegel?]]></category>
		<category><![CDATA[Modehn Pfingsten philosophisch]]></category>
		<category><![CDATA[Pentecote]]></category>
		<category><![CDATA[Pentecote et Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Pentecote et la Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten philosophisch]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten philosophisch deuten]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten vernünftig deuten]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[unbekanntes Pfinsten]]></category>
		<category><![CDATA[was ist Pfingsten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3637</guid>
		<description><![CDATA[Der Seelenfunken in jedem Menschen:
Pfingsten in der Deutung Hegels
Von Christian Modehn
Wer philosophisch nach der Bedeutung des Pfingst – Festes fragt, also jenes Feiertages der Erinnerung an die Gabe des „heiligen Geistes“ an die Gemeinde nach dem Tod und der Auferstehung Jesu, der wird fast wie von selbst, möchte man sagen, zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Seelenfunken in jedem Menschen:</p>
<p>Pfingsten in der Deutung Hegels</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Wer philosophisch nach der Bedeutung des Pfingst – Festes fragt, also jenes Feiertages der Erinnerung an die Gabe des „heiligen Geistes“ an die Gemeinde nach dem Tod und der Auferstehung Jesu, der wird fast wie von selbst, möchte man sagen, zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel geführt. Er ist der Philosoph des Geistes „schlechthin“, wobei er von der grundlegenden Erfahrung geleitet ist, dass die Philosophie den Geist als ihr Thema hat und sonst eigentlich nichts, könnte man sagen. Diese Erfahrung der alles gründenden Bedeutung des Geistes könnte man auch „Voraussetzung“ des Denkens Hegels nennen. Dabei ist es selbstverständlich: Eine reflektierte und kritisch betrachtete Voraussetzung als Philosoph zu haben ist an und für sich jeder Philosophie eigen, etwa auch für die  „Materialisten“. Die Frage ist nur, inwieweit diese Voraussetzungen kritisch „eingeholt“ werden können und inwieweit sie sich fruchtbar machen lassen für das Verstehen der ganzen Wirklichkeit. Aber vielen Menschen ist wie schon zu Zeiten Hegels der Geist, auch das Erleben des eigenen Geistes, so fern und fremd, dass es einer neuen Anstrengung bedarf, sich auf die Geist – Philosophie einzulassen und auch als Hilfe, das eigene Leben transparenter zu sehen. Von daher mag die Hegelsche „Pfingstphilosophie“ vielleicht heute zu anspruchsvoll wirken, tatsächlich aber hält sie viele Vorschläge der Reflexion auch für heute bereit.</p>
<p>Um gleich den Kern der Hegelschen Geist – Philosophie anzudeuten: Die Philosophie hat im Hegelschen Selbstverständnis „keinen anderen Inhalt als die christliche Religion. Aber die Philosophie (Hegels) gibt (d.h. präsentiert, C.M.) den christlichen Inhalt in der FORM DES DENKENS. Die Philosophie stellt sich so nur über die Form des Glaubens, der Inhalt ist derselbe“ (in: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II., Suhrkamp, S. 341). Mit anderen Worten: In der Philosophie wird der christliche Glaube in der Klarheit und Systematik des Denkens und des Gedankens aufgehoben, d.h. beides: bewahrt und auf eine neue Ebene gehoben. Unter dieser Bedingung schaut Hegel die überlieferten Begriffe und Ereignisse der christlichen Religion an. Dabei wird der Begriff, das Denken, zum Kriterium in der „philosophischen Übersetzung“ christlicher Ereignisse: Hegel schreibt: „Das Denken ist der absolute Richter, vor dem der Inhalt (auch der Religionen) sich bewähren und beglaubigen soll“ (ebd., S. 341). In seiner „Philosophie der Religion“, in Berlin als Vorlesung mehrfach vorgetragen, spielt deswegen auch das philosophisch verstandene Pfingst – Ereignis eine zentrale Rolle. Hegel erörtert dieses Thema in dem Kapitel „Die Idee im Element der Gemeinde: Das Reich des Geistes“, in dem es – theologisch übersetzt &#8211; um die Wirklichkeit der Kirche, der Gemeinde, geht. Nach der unmittelbaren Erfahrung der Gestalt Jesu ereignet sich also mit dem Pfingstfest der Übergang des Verstehens weg vom historischen Ereignis in ein „geistiges Element“, wie Hegel schreibt (ebd., S 301). Indem das Neue Testament behauptet, der Geist sei „ausgegossen“ in die Gemeinde, übersetzt der Philosoph diese Erfahrung in die Worte :“Die Subjektivität erfasst nun ihren unendlichen Wert: Vor Gott sind alle Menschen gleich“: Damit werden auch politische Perspektiven der freien Gestaltung von Staat und Gesellschaft eröffnet, die Hegel ausführlich entwickelt.</p>
<p>Uns interessiert hier im Zusammenhang des Pfingstfestes Hegels deutlicher Hinweis auf die nun in den Menschen „gegenwärtige Göttlichkeit“ (durch den Heiligen Geist) (S. 305). In der Gemeinde (Kirche) sammeln sich diese nun mit dem göttlichen Geist beschenkten Menschen.</p>
<p>Man muss als philosophischer Leser den  anspruchsvollen philosophischen Aussagen  tatsächlich standhalten, etwa wenn Hegel sagt: „Dies ist der Glaube der Gemeinde: der einzelne Mensch wird gewusst als Gott (sic, C.M.) und mit der Bestimmung, dass er der Sohn Gottes sei, mit all dem Endlichen befasst, das der Subjektivität als solcher in ihrer Entwicklung angehört“ (S. 312). Der Mensch als (endlicher) Sohn Gottes, ein gewaltiger Anspruch.</p>
<p>Indem Pfingsten sozusagen den Menschen, jeden Menschen, erhebt zu einem mit Gott „ausgestatteten“ Wesen, wird, wie Hegel schreibt, „die Versöhnung (Erlösung) an und für sich vollbracht“ ( 318). Aber Versöhnung ist für Hegel stets praktisch, also geht es um Gestaltung der Freiheit des Geistes in der Welt (Staat, Gesellschaft). Pfingsten ist insofern ein politisches Fest der Freiheit; der freie Geist will sich äußern, also ent -äußern, verleiblichen, wenn man so will.  Dabei traut Hegel diese Leistung, etwa einen Rechtsstaat zu errichten, ausschließlich der protestantischen Religion zu;  der römische Katholizismus ist für ihn nach wie vor zu stark in der mittelalterlichen Welt befangen und zu veräußerlicht und korrupt.</p>
<p>Uns interessiert noch ein Aspekt, der bisher in der Hegel – Forschung nicht so starke Berücksichtigung findet: Die eher versteckt, implizit anwesende mystische Dimension seines Denkens. 1830 sagte Hegel in einer Rede anlässlich der „Erinnerung an die Augsburgische Konfession von 1530“: „Gott wollte den Menschen zu seinem Ebenbild und seinen Geist, der ein Funke des ewiges Lichts ist, diesem (göttlichen) Licht zugänglich machen“. (S. 33, in den „Berliner Schriften“, Ausgabe Meiner, S 33). Der menschliche Geist als „Funke des ewigen Lichts“: Diese – in anderen Zusammenhängen viel zitierte Formulierung &#8211; erinnert an den Philosophen und „Mystiker“ Meister Eckhart, für den sich die Anteilhabe des Menschen an Gott mit dem Begriff “göttlicher Funke“  ausdrückt. Dieser „göttliche Funke“ führt, so Hegel in diesem Vortrag, nicht nur in eine höhere Erkenntnis, sondern vor allem in die Liebe zu Gott: Auch die Wirklichkeit der Gottesliebe führt zu den Traditionen Meister Eckarts. Innerhalb seiner Vorlesungen zur „Geschichte der Philosophie“ bietet Hegel nach der Darstellung der in seiner Sicht oberflächlichen und verstandesmäßig abstrakt argumentierenden mittelalterlichen Scholastik auch ein knappes Kapitel zur „Mystik“ (in der Suhrkamp Werkausgabe II, s 583 ff.) Dabei nennt er Meister Eckart nicht, hingegen z.B. ausführlicher Raimundus Lullus. Im Unterschied zur Scholastik sieht Hegel in den Mystikern „edle Männer, die der scholastischen Sucht nach Verendlichung aller Begriffe „gegenüberstanden“ (S. 583). Er nennt Mystiker „fromme, geistreiche Männer“, die „echtes Philosophieren betrieben haben“.</p>
<p>Jedenfalls ist die mystische Erfahrung für Hegel alles andere als fremd. Hegel als Mystiker &#8211; das wäre ein spannendes Thema, das auch die &#8220;Phänomenologie des Geistes&#8221; und die &#8220;Logik&#8221; einbeziehen müßte.</p>
<p>Hegel hat also zu Pfingsten einen vernünftigen Vorschlag zu unterbreiten: Es ist etwas pathetisch und gar nicht werbewirksam gesagt: &#8220;Das Fest des göttlichen Funkens in jedem Menschen“, sozusagen das Ewige in einem jeden, das als Ewiges auch Endliches überdauert. Die Fragen rund um den Tod erhalten so ein neues Licht.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3637_pfingsten-fest-der-philosophen-ein-vorschlag-von-g-w-f-hegel_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Pfingsten &#8211; Fest des Geistes. Interview mit Prof. Wilhelm Gräb</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3624_pfingsten-fest-des-geistes-interview-mit-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3624_pfingsten-fest-des-geistes-interview-mit-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 10:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundamental vernünftig: Religiös aus freier Einsicht. Interviews mit Prof. Wilhelm Gräb]]></category>
		<category><![CDATA[der heilige Geist in allen]]></category>
		<category><![CDATA[der heilige Geist ist überall]]></category>
		<category><![CDATA[fragen stellte Christian Modehn]]></category>
		<category><![CDATA[fundamental vernünftig]]></category>
		<category><![CDATA[heilige Geist ist skeptisch]]></category>
		<category><![CDATA[Modehn fundamental vernünftig]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[Pfingsten - Fest des geistes]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Gräb deutet Pfingsten]]></category>
		<category><![CDATA[was ist pfingstem]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Gräb berlin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3624</guid>
		<description><![CDATA[Pfingsten – das Fest des Geistes
Interview mit Prof. Wilhelm Gräb
Die Fragen stellte Christian Modehn
Hat das Pfingstfest eine Bedeutung für die heutige moderne Lebenserfahrung, die so oft sagt: Wir leben in geistlosen Zeiten?
Bereits der Gregorianische Hymnus aus dem 9. Jahrhundert ruft nach der schöpferischen Kraft des Geistes. „Veni Creator Spiritus“ – „Komm Schöpfer Geist“. Offensichtlich war [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Pfingsten – das Fest des Geistes<br />
Interview mit Prof. Wilhelm Gräb</p>
<p>Die Fragen stellte Christian Modehn</p>
<p><i>Hat das Pfingstfest eine Bedeutung für die heutige moderne Lebenserfahrung, die so oft sagt: Wir leben in geistlosen Zeiten?</i></p>
<p>Bereits der Gregorianische Hymnus aus dem 9. Jahrhundert ruft nach der schöpferischen Kraft des Geistes. „Veni Creator Spiritus“ – „Komm Schöpfer Geist“. Offensichtlich war der Eindruck schon immer der, dass es an Geist mangelt oder jedenfalls, dass wir um den Geist bitten müssen. Nach dem Geist verlangen, um den Geist bitten wir, weil wir nicht über ihn verfügen, weil wir ihn nicht machen können, aber doch von diesem Geist leben! In uns selbst aufkommend, aber eben unverfügbar aufkommend: ‚Da hatte ich eine Idee!‘ ‚ Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen!‘ Jetzt wird mir die Sache klar!‘ Wir wissen, wie sehr alle menschliche Kreativität vom gelungenen Einfall lebt!</p>
<p>Geistlose Zeiten? Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Ich bin immer wieder erstaunt, was Menschen alles können, auf den Gebieten von Wissenschaft und Technik, von Kunst und Kultur. Großartiges mit zuvor ungeahnten Möglichkeiten finden wir auch in unserer Zeit, denken wir nur an den Computer und das Internet. Wozu der Mensch fähig ist, das freilich ist auch an Grausamkeit nicht zu überbieten. Der menschliche Geist ist wirklich zu allem fähig!</p>
<p>Ich sehe im Geist die göttliche Kraft in uns Menschen, das Schöpferische und Kreative. Ich sehe in ihm den göttlichen Grund der menschlichen Freiheit. Deshalb, so meine ich, verlangt und ermöglicht zugleich der Geist aber auch, dass wir uns bewusst und d.h. letztlich immer auf verantwortliche, kritische Weise zu ihm verhalten. Wir verfügen nicht über den Geist. Er ist vielmehr die schöpferische Energie aus der wir leben. Genau dies können wir uns jedoch bewusst klar machen. Dann sehen wir darauf, dass wir verantwortlich mit unseren schöpferischen Fähigkeiten umgehen müssen.</p>
<p>Der schöpferische Geist von uns Menschen kann sich in eine teuflische Kraft verwandeln, ins Zerstörerische und Mörderische. Auch deshalb braucht er die kulturelle und ethische Formung. Er muss sich ausrichten können an dem, was dem Leben dient. Er braucht die Einsicht in das, was gut ist für alle Menschen.</p>
<p>Der menschliche Geist ermöglicht aber selbst auch die Selbstthematisierung, in ethischer und in religiöser Hinsicht, die Ausrichtung am Guten, die Vergewisserung dessen, dass der Mensch in Gott gründet – einem Gott, der nichts als Liebe ist. In dieser Selbstbesinnung auf die Kraft des Geistes liegt die Bedeutung des Pfingstfestes.</p>
<p><i>Wenn der Geist geehrt und gefeiert wird zu Pfingsten: Ist denn der &#8220;heilige Geist&#8221; in jedem Menschen lebendig?</i><br />
Der „heilige“ Geist ist keine Größe, die wir uns in gegenständlicher Gegebenheit vorzustellen hätten. Die biblisch fundierte Bildwelt des Christentums hat zwar für solche Vorstellungen gesorgt – Feuerzungen auf den Häuptern; die Taube, die vom  Himmel herabfährt – aber das sind symbolische Zeichen, die dafür stehen, dass der Geist uns Menschen ergreift, dass er über uns kommt, uns erfüllt. Wir spüren seine Kraft, aber wir können dieses Spüren nicht selbst hervorrufen. Wenn wir aber diese uns erfüllende Kraft spüren, dann können wir uns bewusst zu ihr verhalten, ihr eine Form geben und sie zu lebensdienlicher Wirkung bringen.</p>
<p>So verstanden ist der „heilige Geist“ in jedem Menschen lebendig als diese unwahrscheinliche Lebenskraft. Allerdings achten wir zumeist gar nicht darauf, dass wir von Voraussetzungen leben, die wir selbst nicht hervorgebracht haben und hervorzubringen nicht in der Lage sind. Deshalb, wenn wir an Pfingsten den Geist feiern, dann feiern wir im Grunde das Wunder des Lebens, dann zelebrieren wir die Energie, die in uns Menschen steckt, unseren Einfallsreichtum, die elementare Kraft zur Bewältigung dieses oft so komplizierten Lebens.</p>
<p><i>Alle Menschen haben Geist, haben Vernunft: Haben sie dadurch Göttliches in sich selbst, das sich vielfältig ausdrückt? </i></p>
<p>Die Kraft des Geistes ist in allen. Insofern kann man auch sagen, alle Menschen haben Göttliches in sich, so wie der Theologe Friedrich Schleiermacher der Meinung war, alle Menschen seien Künstler, ein Dictum, das ebenso von dem Aktionskünstler Joseph Beuys überliefert ist. Gemeint ist das kreative Potential, das in uns Menschen steckt, von dem aber ebenso gilt, dass es in Form gebracht, bewusst gestaltet, mit vernünftiger Einsicht vermittelt werden will.</p>
<p><i>Wenn der göttliche Geist so allgemein ist: Sind dann die vielen nichtchristlichen Religionen auch von dem einen göttlichen Geist beeinflusst?</i></p>
<p>Da muss ich die Bibel zitieren: „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh 3, 8) Der Geist kennt keine Grenzen. Er richtet sich nicht nach den sozialen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeiten, in die wir die Menschen und Menschgruppen einteilen. Er ist unverfügbar, in seinem Woher und Wohin nicht manipulierbar. Dadurch ist er der Grund der menschlichen Freiheit, selbstverständlich der Freiheit aller Menschen.</p>
<p>Der heilige Geist ist kein Christ. Die verschiedenen Religionen sind vielmehr verschiedene Formungen des menschlichen Geistes, sofern dieser sich seines göttlichen Grundes bewusst wird. Wo Menschen nicht nur aus der Kraft des ihnen innewohnenden göttlichen Geistes leben, sondern sich dieser Kraft bewusst werden, als einer solchen, die von außen, von Gott her, über sie kommt, dort ist gelebte Religion – in welcher Form auch immer. Jede Religion ist als Religion umso lebendiger, je klarer sie die bewegende Kraft des Geistes feiert, dann aber ihr auch eine lebensdienliche, in der Liebe eifrige Form gibt.</p>
<p><i>Wir identifizieren oft Geist mit der Fähigkeit zur Kritik. Ist der heilige Geist also auch skeptisch, auch kritisch, aber wem oder was gegenüber?</i><br />
Das genau gehört entscheidend zur Formung, zu der die Bewusstheit des Geistes diesem selbst verhilft, die Fähigkeit zur Kritik. „Gott ist Geist und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh 4, 24) Wo wir der Lebendigkeit des Geistes in uns selbst bewusst werden, ihn gar religiös feiern, ihm begeistert unsere Lieder singen und unser Herz schenken, da tun wir dies nur dann auf rechte Weise, wenn wir uns zu seiner Wirkung in uns selbst und in anderen kritisch verhalten. Wir müssen prüfen, ob das, was wir in der Kraft des Geistes, der unsere Lebendigkeit ausmacht, tun, auch wirklich dem Leben dient, uns selbst förderlich ist und denen, für die wir da sind und Verantwortung tragen, für diese Welt und ihre Zukunft.</p>
<p>Die sich ihrer bewusst werdende Lebendigkeit des Geistes ist immer kritisch, kritisch sich selbst gegenüber. Sie weiß, dass der Geist  zu allem fähig ist, auch zu teuflischem Tun. Deshalb können wir den Geist nicht feiern, ohne ihn zu prüfen. Das Kriterium der lebendigen Kraft des Geistes liegt aber bereits in ihr selbst. Zu prüfen ist, ob sie dem Leben dient.</p>
<p>copyright: Prof. Wilhelm Gräb und Religionsphilosophischer Salon</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3624_pfingsten-fest-des-geistes-interview-mit-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zum 200. Geburtstag Kierkegaards: Die Unvernunft des Glaubens</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3614_zum-200-geburtstag-kierkegaards-die-unvernunft-des-glaubens_denken-und-glauben</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3614_zum-200-geburtstag-kierkegaards-die-unvernunft-des-glaubens_denken-und-glauben#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 May 2013 11:37:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Abraham tötet Isaac findet Kierkegaard richtig]]></category>
		<category><![CDATA[Christliche Kunst ist heidnisch]]></category>
		<category><![CDATA[Einübung im Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube ist unvernünftig]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard 200. Geburtstag]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard ähnlich wie erzbischof Lefèbvre]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard gegen bürgerliche Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard gegen christliche Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard gegen liberale Theologie Abraham tötet Isaac]]></category>
		<category><![CDATA[Kierkegaard hält Glauben für unvernünftig]]></category>
		<category><![CDATA[Sie haben ihn entthront]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3614</guid>
		<description><![CDATA[Glauben gegen alle Vernunft?
Anlässlich von Kierkegaards 200. Geburtstag
Von Christian Modehn
Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ kann den 200. Geburtstag des Philosophen und Schriftstellers Sören Kierkegaard (am 5. Mai 2013) nicht einfach übersehen. Denn Kierkegaards Denken und sein sehr umfangreiches Werk sind fundamental durchdrungen von religionsphilosophischen bzw. theologischen Überlegungen. Er betrachtete sich zeit seines Lebens als Christ, stets [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Glauben gegen alle Vernunft?</p>
<p>Anlässlich von Kierkegaards 200. Geburtstag</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ kann den 200. Geburtstag des Philosophen und Schriftstellers Sören Kierkegaard (am 5. Mai 2013) nicht einfach übersehen. Denn Kierkegaards Denken und sein sehr umfangreiches Werk sind fundamental durchdrungen von religionsphilosophischen bzw. theologischen Überlegungen. Er betrachtete sich zeit seines Lebens als Christ, stets auf der Suche nach dem wahren, dem echten, dem tiefen und radikalen Glauben. Darin fühlte er sich „als einzelner“ wahrer Christ durchaus abgehoben von der großen Masse derer, die das Christentum bloß „betrachten“, wie er sagte, und nicht bis zur letzten Konsequenz, also leidend für Christus, Jesus Christus praktisch nachfolgen. Die dänische lutherische Staatskirche erschien ihm viel zu bürgerlich und angepasst, zu „modern“ und „liberal“ könnte man sagen. Darauf wird oft hingewiesen, nicht so oft hingegen auf Kierkegaards radikales Selbstbewusstsein, sozusagen der bessere, der wahre Christ zu sein. Ob man diese Position vernünftig finden kann, ist eine offene Frage, bei allem Respekt vor dem persönlichen Glauben dieses „einzelnen“. Dieses Thema wurde unseres Erachtens in den vielen lobenden und preisenden Zeitungsbeiträgen anlässlich seines 200. Geburtstages nicht erwähnt.</p>
<p>Kierkegaard hatte protestantische Theologie studiert, spielte auch mit dem Gedanken, Pfarrer zu werden, er besuchte regelmäßig die lutherischen Gottesdienste, auch an Werktagen, er ging zur damals noch üblichen lutherischen Beichte, gelegentlich predigte er.</p>
<p>In seinem Buch „Einübung im Christentum“ hat er zahlreiche, auch längere persönliche Gebete notiert.</p>
<p>Angesichts der von ihm erlebten „ganz anderen“ Göttlichkeit Gottes suchte er nicht nach vernunftgesteuerten Glaubensformen; er meinte, dem göttlichen Gott kann der Mensch nur durch bedingungslose Übergabe, gegen alle vernünftigen Argumente, antworten. Totale Hingabe zähle mehr als der Gebrauch der Vernunft auch Gott gegenüber. Manche sagen, Kierkegaard habe auf diese Weise eine breite Tür geöffnet für eine Vernunftfeindlichkeit, die sich später vor allem in evangelischen Kreisen wie selbstverständlich breit machte, bis hin zur Theologie Karl Barths. Leitend war dabei für Kierkegaard sicher auch die tiefe Ablehnung der (Religions-) Philosophie Hegels.</p>
<p>Was aber ist das für ein Gott, so fragen Kritiker, zu denen auch der Religionsphilosophische Salon gehört, der den Menschen so miserabel erschafft, dass die Vernunft sozusagen das Letzte, das Schlimmste ist, was Gott gegenüber aktiv werden kann.</p>
<p>Jedenfalls gilt: Kierkegaard rühmt etwa die Gestalt Abrahams, der gegen alle väterlichen Gefühle, gegen alle ethischen Einsprüche seines Gewissens bereit ist, auf Gottes Befehl sozusagen „blind“ und ohne vernünftigen Einspruch oder Widerspruch, seinen Sohn Isaac zu töten. „Der Glaube ist ein Paradox“, sagte der dänische Philosoph, „welches einen Mord zu einer heiligen, Gott wohlgefälligen Handlung zu machen vermag“. Hoffentlich lesen diesen Satz nicht allzu viele Islamisten&#8230; Im Glauben, so scheint es, können also die ethischen Maßstäbe übersehen werden, jene grundlegenden Regeln der Vernunft (und damit des Gewissens), die alle Menschen eigentlich gemeinsam haben.</p>
<p>Kierkegaard fordert die unmittelbare Bindung an Jesus Christus, er spürte in ihm DIE alles entscheidende Offenbarung Gottes. Dabei hält er Jesus für einen „Menschen, der Gott sein soll“. Wir halten diese enge Sicht auf Jesus als Gott für verfehlt und unangemessen, Jesus war nicht (nur) „Gott“, er ist und bleibt in erster Linie ein Mensch. Jedenfalls ist Kierkegaard so überwältigt von diesem „Gott“ Jesus Christus, dass er wider alle Vernunft die totale Entscheidung für ihn fordert. Darin sieht Kierkegaard die Würde des Menschen, als einzelner radikal vor diese Wahl für oder gegen Jesus Christus gestellt zu sein. Darüber hinaus denkt wohl Kierkegaard daran, die gegen alle Vernunft gelebten Glaubensentscheidung als eigene menschliche Lebensform zu verstehen, sozusagen für die (größere, höhere?) Vernunft in der glaubensmäßigen Unvernunft zu plädieren.</p>
<p>Wir halten diese offenbar zentrale Position im Denken Kierkegaards für hoch problematisch, weil der Schritt in den Glauben dann zu einem irrationalen Geschehen wird, bestenfalls mit der Entschuldigung formuliert, das sei alles Gnadengeschenk. Einige wenige sind dann von Gott berufen und auserwählt, die vielen anderen (dummen Christen der Volkskirche) eben nicht. Solche Ideen Kierkegaards erinnern deutlich an Blaise Pascal und seine Bindung an die augustinische Gnadentheologie der Jansenisten rund um das Kloster Port Royal. Auffällig ist auch für Leute, die mit der Theologie des Erzbischofs Marcel Lefèbvre vertraut sind, also dem Gründer der traditionalistischen“ Piusbrüder, wie es da sprachliche Identitäten zwischen Kierkegaard und Lefèbvre gibt in der Beschreibung der von beiden erlebten sogen. Glaubenskrise: Kierkegaard verwendet in seinem Buch „Einübung im Christentum“ mehrfach den Begriff „enthronen“ und „Enthronung“, um zu zeigen, wie in der dänischen Kirche das Christentum, also in seiner Sicht der wahre radikale Glaube, verachtet wird. Eine der wichtigsten Bücher von Erzbischof Lefèbvre hat den Titel „Sie haben ihn entthront“ (1988), damit will er sagen: Die in seiner Sicht liberale und lasche Konzilskirche habe Jesus Christus vom Thron gestürzt, „entthont“. Beide, Kierkegaard wie Lefèbvre sehen, so wörtlich, nur in der „STRENGE“ eine Rettung des Christentums, beide fühlen sich so wörtlich „einsam“ unter diesen angeblich laschen Christen, beide wollen sich, so wörtlich „nicht beliebt“ machen. Dabei loben beide die „veraltete Sprache“ des Christentums von einst, beide glauben, dass man rational den Glauben „nicht verteidigen“ kann. (siehe zu Kierkegaard, Einübung im Christenum, DTV, 1977, S. 236 ff., zu Lefèbvre passim in seinen Publikationen).</p>
<p>Durch diesen Hinweis wollen wir nicht behaupten, Lefèbvre hätte Kierkegaard gelesen oder gekannt. Wichtig ist nur, auf Ähnlichkeiten hinzuweisen bei zwei Männern, die beide von ihrer religiösen „Sonderrolle“ oder „Sonderberufung“ überzeugt waren.</p>
<p>Irritierend ist bei Kierkegaard, dass er die heutige Kirche als die „(real) bestehende Christenheit“ mehrfach nennt, sie sei die triumphierende Kirche im Unterschied zur wahren Kirche, der streitenden und leidenden Kirche. Nur ihr fühlt sich Kierkegaard verbunden.</p>
<p>Unannehmbar ist auch die Meinung des dänischen Philosophen, die christliche Kunst sei Ausdruck des „neuen Heidentums“ (S. 261). Er behauptet, Christus hätte niemals gewünscht, gemalt zu werden, deswegen ist alle christliche Kunst eine Art Wahn. Kierkegaard vergisst, dass seine Beschreibungen zur Gestalt des göttlichen Christus selbst bildhaft ist.</p>
<p>Wir haben Mühe, selbst anlässlich des 200. Geburtstages von Sören Kierkegaard, in seinem Buch „Einübung im Christentum“ (von 1850) wirklich Inspirierendes zu finden, etwas, das in der vernünftigen Auseinandersetzung über Möglichkeiten religiösen Glaubens heute weiter helfen könnte. Aber solche Gedanken hätte Kierkegaard wohl von vornherein zurückgewiesen, ging es ihm doch, so sagte er, um die Rettung des einzelnen. Darum sein Insistieren auf dem Recht des einzelnen gegenüber allgemeinen Strukturen und allgemeinen Gesetzen. Aber sein Buch „Einübung im Christentum“ hat er ja wohl nicht nur als Zeugnis einer einsamen einzelnen Seele verstanden, er wollte etwas bewirken, im Sinne der von ihm gelobten „kämpferischen Kirche“.</p>
<p>copyright:Christian Modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3614_zum-200-geburtstag-kierkegaards-die-unvernunft-des-glaubens_denken-und-glauben/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Von der Heiligkeit der Person: Ein philosophischer Hinweis zum &#8220;16. April, dem Tag der Demokratie und Toleranz&#8221;</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3548_von-der-heiligkeit-der-person-ein-philosophischer-hinweis-zum-16-april-dem-tag-der-demokratie-und-toleranz_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3548_von-der-heiligkeit-der-person-ein-philosophischer-hinweis-zum-16-april-dem-tag-der-demokratie-und-toleranz_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:17:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA["Wir für Demokratie" am 16. April]]></category>
		<category><![CDATA[16. April 2013]]></category>
		<category><![CDATA[16. April der tag der Demokratie und Toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Gräb und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Joas]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Joas Heiligkeit der person]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte als Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte und Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte und Spiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[Ministerien für Tag der demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Sakralität der Person]]></category>
		<category><![CDATA[Tag der demokratie und toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Tag und Nacht für Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Wir für Demokratie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3548</guid>
		<description><![CDATA[Ist die Person von sakraler Würde?
Ein Hinweis auf Überlegungen von Hans Joas und Emile Durkheim
Von Christian Modehn
&#8220;Wir für Demokratie &#8211; Tag und Nacht für Toleranz&#8221;: Ein ultrakurzes Motto für ein eigentlich normales Thema: Der 16. April 2013 soll rund um die Uhr im Zeichen der Menschenrechte stehen. So will es die Bundesregierung.
Das Thema Demokratie sollte [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ist die Person von sakraler Würde?</p>
<p>Ein Hinweis auf Überlegungen von Hans Joas und Emile Durkheim</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>&#8220;Wir für Demokratie &#8211; Tag und Nacht für Toleranz&#8221;: Ein ultrakurzes Motto für ein eigentlich normales Thema: Der 16. April 2013 soll rund um die Uhr im Zeichen der Menschenrechte stehen. So will es die Bundesregierung.</p>
<p>Das Thema Demokratie sollte in einer Staatsform, die sich demokratisch nennt, doch wohl ein all &#8211; tägliches Thema sein. Es muss schon ziemlich schlimm stehen, wenn nun einige Ministerien ausdrücklich die Bürger auffordern, sich doch bitte auf die Demokratie und ihre elementare Tugend, die Toleranz, (wieder) zu besinnen und alles zu tun, damit Demokratie als Sache aller (wieder) lebendig wird. Offenbar erinnern sich nur in Zeiten zunehmender Intoleranz viele Demokraten an das, was Toleranz bedeuten könnte.</p>
<p>Welchen Beitrag kann Philosophie und speziell Religionsphilosophie leisten, wenn es um den Einsatz für Demokratie und Menschenrechte – und damit zentral um Toleranz geht? Für Philosophie ist kritisches Denken die störende Begleitung und oft auch der Beginn politischen Handelns. Für den 16. April und natürlich weit darüber hinaus hat der Religionsphilosophische Salon einen Vorschlag der Lektüre und des gemeinsamen Nachdenkens: Und dieser Vorschlag ist alles andere als oberflächlich oder populär. Er erinnert an die wesentliche Dimension jeglichen Menschseins: Wir weisen empfehlend hin auf <strong>das Buch „Die Sakralität der Person. Eine neue Genealogie der Menschenrechte“ hin (Suhrkamp Verlag, 2011)</strong>. Autor ist der  inzwischen weltweit beachtete Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas, u.a. Professor für Soziologie an der University of Chicago. Wir möchten hier nur auf das Kapitel 2 empfehlend verweisen.</p>
<p>Inhaltlich ist dabei interessant: Die hier entwickelte Qualifizierung des Menschen als einer „sakralen Person“ darf keineswegs als Plädoyer für eine neue Konfessionalisierung des menschlichen Wesens oder als eine religiöse Verschleierung oder Überhöhung des Daseins verstanden werden. Sakralität, so betont Joas, hat etwas mit Heiligem zu tun, und die Erfahrung und Geltung des Heiligen liegt allem Religiösen (schon gar dem konfessionell Religiösen) voraus!</p>
<p>Wenn Kant in seiner Philosophie, etwa in der „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“, von der „Würde“ des Menschen spricht, erwähnt er auch die „Heiligkeit“ des menschlichen Wesens. „Würde“ hat keinen Preis, sie kann nicht erworben, schon gar nicht gekauft, kann auch nicht durch Willkür anderer beseitigt werden. Menschliche Würde ist mit dem Dasein selbst da, sie steht für sich selbst, sie ist nicht menschlich verfügbar: Wer in dieser Weise von der unantastbaren Menschenwürde spricht, denkt, so Kant, wie von selbst auch an die Heiligkeit, im Sinne des Erhabenen, also des über den Menschen und ihrem Zugriff Stehenden. Im Erleben der eigenen Person wie der Personenwürde anderer tritt deutlich zutage, was man das Heilige nennen könnte: Nur ein Beispiel: Im ungerechten Leiden anderer Personen, etwa der gefolterten Widerstandskämpfer gegen diktatorische Gewaltherrschaft, können Menschen erleben, wie sich vor allem in der Empathie mit den Opfern eine starke Überzeugung auch emotionaler Art bildet, sie ist wie eine umfassend intellektuelle Kraft. Sie sagt absolut Nein zu dem Unrecht, zur Folter, zur Qual. Warum? Weil da die Heiligkeit und Unverletzbarkeit der Person, ihre Unantastbarkeit, verteidigt werden soll.</p>
<p>Diese philosophische Erfahrung der „Sakralität“ der Person hat nichts zu tun mit einer Vergötterung des Menschen, schon gar nichts mit dem Konzept des Übermenschen, der an die Stelle des toten Gottes gesetzt werden soll (Nietzsche). Sakralität der Person bezeichnet nur den absolut zu verteidigenden, unverfügbaren Wert eines jeden Menschen. Dieser Einsatz für die Sakralität ist nichts anderes als das konkrete Engagement für die Menschenrechte; diese sind selbstverständlich stetig weiter zu entwickeln, wie auch die Demokratie niemals etwas Fertiges ist.</p>
<p>Hans Joas lässt sich von dem französischen Soziologen und Ethnologen Emile Durkheim (1858 – 1917) inspirieren, der in seinen zahlreichen Studien, vor allem im Erleben des antisemitischen Dreyfus – Skandals, von der universalen Menschenwürde als der „Religion der Moderne“ sprach (etwa in seinem Aufsatz „Der Indvidualismus und die Intellektuellen“, von 1898). Durkheim schreibt: „Die menschliche Person wird als heilig betrachtet, sozusagen in der rituellen Bedeutung des Wortes. Sie (die Person) hat etwas von der transzendenten Majestät, welche die Kirchen zu allen Zeiten ihren Göttern verleihen&#8230;Wer auch immer einen Menschen oder seine Ehre angreift, erfüllt uns mit einem Gefühl der Abscheu, in jedem Punkt analog zu demjenigen Gefühl, das der Gläubige zeigt, der sein Idol profanisiert sieht“. (Joas, S. 82f).</p>
<p>Die Sakralität ist für Durkheim die allgemeine, die menschliche Spiritualität, sie gilt für Gläubige und konfessionell nicht – gläubige Menschen. Aber Joas weist darauf hin, dass aus dieser elementaren Heiligkeitserfahrung durchaus Religion werden kann (S. 94) Aber es bleibt dabei: Die Sakralitätserfahrung der Person ist das Erste und Grundlegende.</p>
<p>Die Frage ist natürlich, wie es gelingen kann, in der zunehmend anonym werdenden Massengesellschaft Menschen darauf aufmerksam zu machen: Ihr seid eigentlich von sakraler, also heiliger Würde? Diese Einsicht – auch pädagogisch für alle Altersklassen &#8211; zu vermitteln ist genauso wichtig wie das Engagement für die universale Geltung der Menschenrechte und damit der Demokratie.</p>
<p>Menschenrechte sind also nicht nur eine &#8220;Verhandlungsmasse&#8221; auf politischer Ebene, oft vom Kalkül bestimmt und aufgrund ökonomischer Zwänge allzu häufig verraten und vernachlässigt. Menschenrechte haben eine eigene &#8220;Aura&#8221;; sie bleiben selbstverständlich der vernünftigen Argumentation verpflichtet. Aber es ist die Vernunft selbst und nicht irgendeine religiöse Phantasie, die die Erkenntnis erschließt: Die Menschenrechte sind etwas Besonderes und absolut zu Verteidigendes. Die Person zu schützen, hat also kaum mit politischer Taktik zu tun; es ist vielmehr elementar auch eine spirituelle Aufgabe, die Person (und mit ihr die Menschenrechte) ganz hoch zu halten und &#8211; ja, auch dies &#8211; zu ehren. Wie weit die (immer weiter zu entwickelnden) Menschenrechte zum Kernbestand relgiösen Glaubens werden können, ist eine dringende Frage: Sie führt zu dem Problem: Wie können Menschenrechte Teil der Verkündigung &#8211; etwa der Kirchen- werden.</p>
<p>Wir weisen auf ein inspirierendes<b> Interview mit Prof. Wilhelm Gräb</b> über die spirituelle Bedeutung der Menschenrechte auf unserer website hin: <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/3150_die-erklaerung-der-menschenrechte-bekenntnisgrundlage-einer-universalen-religion-von-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab">Klicken Sie hier zur Lektüre. </a></p>
<p>copyright: christian modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3548_von-der-heiligkeit-der-person-ein-philosophischer-hinweis-zum-16-april-dem-tag-der-demokratie-und-toleranz_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ostern &#8211; Karfreitag &#8211; Karsamstag: &#8220;Der ohnmächtige Gott der Liebe&#8221;. Von Prof. Wilhelm Gräb</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3505_ostern-karfreitag-karsamstag-der-ohnmaechtige-gott-der-liebe-von-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3505_ostern-karfreitag-karsamstag-der-ohnmaechtige-gott-der-liebe-von-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 08:14:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundamental vernünftig: Religiös aus freier Einsicht. Interviews mit Prof. Wilhelm Gräb]]></category>
		<category><![CDATA[der allmächtige Gott stirbt]]></category>
		<category><![CDATA[Gott selbst ist tot]]></category>
		<category><![CDATA[Gräb deutet Ostern und Karfreitag]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung auf Gott im Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[was bedeutet Karsamstag]]></category>
		<category><![CDATA[was ist karfreitag?]]></category>
		<category><![CDATA[was ist ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Gräb deutet ostern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3505</guid>
		<description><![CDATA[„Der ohnmächtige Gott der Liebe“
Ostern – Karfreitag – Karsamstag: Ein Interview mit Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität zu Berlin.

Die Fragen stellte Christian Modehn
Das Osterfest wird in der christlichen Tradition als Ereignis der Auferstehung Jesu begangen. Wie kann die Erfahrung der ersten Christen &#8220;Jesus ist lebendig über den Tod hinaus&#8221; heute im Blick auf Jesus selbst [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b><i>„Der ohnmächtige Gott der Liebe“</i></b></p>
<p><i>Ostern – Karfreitag – Karsamstag: Ein Interview mit Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität zu Berlin.<br />
</i></p>
<p><i>Die Fragen stellte Christian Modehn</i></p>
<p><i>Das Osterfest wird in der christlichen Tradition als Ereignis der Auferstehung Jesu begangen. Wie kann die Erfahrung der ersten Christen &#8220;Jesus ist lebendig über den Tod hinaus&#8221; heute im Blick auf Jesus selbst verstanden werden. Und welche Bedeutung hat dieser Auferstehungsglaube für die religiösen Menschen heute?<br />
</i></p>
<p>Sie formulieren ja selbst schon so, dass das Missverständnis vermieden wird, die Auferstehung Jesus sei ein beobachtbares Faktum gewesen, in dem Sinne, dass der zuvor gekreuzigte Jesus am Ostermorgen seinen Jüngern und Jüngerinnen erschienen und das Grab, in das man den Leichnam gelegt hatte, leer gewesen sei. Es mag sogar alles tatsächlich so gewesen sein wie die neutestamentlichen Texte berichten. Die Behauptung der Tatsächlichkeit des Geschehens sagt aber über dessen religiöse Bedeutung gar nichts aus. Darauf machen die neutestamentlichen Texte selbst aufmerksam, insbesondere Paulus. Das Neue Testament ist im Wesentlichen eine Sammlung von Deutungen des Todes und der Auferstehung Jesu. Nie geben sich die Texte mit der Behauptung des Faktischen zufrieden, immer geht es ihnen um die existentiell-religiöse Bedeutung der Worte und Taten, des Lebens und Sterbens Jesu.</p>
<p>Entscheidend für das Verständnis des Auferstehungsglaubens scheint mir eben diese Unterscheidung zwischen dem Ereignis und seiner Deutung zu sein. Indem Sie, lieber Herr Modehn, davon sprechen, dass es die „Erfahrung der ersten Christen“ war, dass Jesus „über den Tod hinaus lebendig“ sei, nehmen sie diese Unterscheidung ebenfalls vor. Die Überzeugung, die sich den Jüngern und Jüngerinnen Jesu in der Begegnung mit dem irdischen Jesus gebildet hat, war die: Dieser Mensch ist unzertrennbar mit Gott verbunden. Er kann und wird aus dieser Verbundenheit nicht herausfallen. In der Lebensgemeinschaft mit ihm, als die an ihn Glaubenden, kann auch uns nichts von der Liebe Gottes trennen. So die Interpretation des Kreuzes Jesu, explizit durch Paulus: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8, 38f.)</p>
<p>Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist kein Fürwahrhalten eines Wunders, eines Mirakels, also der Wiederbelebung eines Leichnams. Sondern es ist eine persönliche Überzeugung, die ihren biblischen Anhalt an dieser Deutung des Kreuzestodes Jesus hat. Wer zu der Überzeugung kommt, zu der die ersten Jünger und Jüngerinnen und seither viele Christen gefunden haben, dass Jesus lebt, ja, dass er mit seiner Hoffnungsbotschaft in uns selbst lebendig ist, in dem keimt dann möglicherweise auch die Hoffnung auf die eigene Auferstehung. Dann setze ich darauf (was kein Wissen ist und niemals sein kann), dass es nicht unsere menschliche Bestimmung ist, letztlich nur eine „Krankheit zum Tode“ zu sein, sondern Gott uns ewig in seinen „Händen“ hält.</p>
<p><i>Vor der Auferstehung gedenken Christen am Karfreitag der Kreuzigung und des Todes Jesu. Welchen Sinn hat es heute noch zu sagen: Durch Jesu Blut wurden wir erlöst? Gibt es zugänglichere Aussagen, die andeuten: Dieser Tod hat eine große Bedeutung, weil er auf einen bedeutenden, vielleicht einmaligen Menschen bezogen bleibt?</i></p>
<p>Die Vorstellung vom erlösenden Opferblut Jesu sollten wir in der Tat ablegen. Sie entspricht auch nicht dem Grundsinn der Deutung des Todes Jesu, die das Neue Testament gibt. Dieser geht selbst dort, wo die Opfervorstellung angesprochen wird, dahin, in Jesu Gang ans Kreuz das Ende aller Opfer zu sehen. Jesus wurde ja nicht zum Opfer gemacht, sondern er hat sein Leben gegeben, sein Leben zum Einsatz gebracht – damit alle, die darauf schauen, das ewige Leben haben.</p>
<p>Diese Bedeutung des Todes Jesu geht aus seinem Leben hervor. Mit seinem Leben hat Jesus gezeigt, was unbedingt wichtig ist und dieser Welt eine gute Zukunft eröffnet: Dass dies die Gottes- und Nächstenliebe ist, dass nur die Liebe zählt, die vorbehaltlose Verbundenheit mit Gott und der Menschen untereinander – unbedingt und radikal, über alles uns Trennende hinweg, unabhängig von unseren religiösen, nationalen, kulturellen Zugehörigkeiten, unserer Hautfarbe und unserem Geschlecht. Diese universale Gottes- und Menschenliebe hat Jesus gelebt. Sie aber vertrug sich nicht mit den Gesetzen und Herrschaftsinteressen in dieser Welt. Sie tut es bis heute nicht. Deshalb musste Jesus sterben. Die Bedeutung seines Todes liegt insofern darin, dass wir die Unbedingtheit seiner liebenden Selbsthingabe erkennen. Sie war für ihn selbst nicht ohne Schmerzen, nicht ohne den tiefsten Schmerz der Gottverlassenheit.</p>
<p><i>Zwischen Karfreitag und Ostersonntag liegt der &#8220;Karsamstag&#8221;, ein traditioneller kirchlicher Feiertag, dessen Bedeutung so schwer zu fassen ist. Hegel hat ja in seiner Religionsphilosophie so eine Art Karsamstagsphilosophie angedeutet, indem er auf den alten Liedvers (von 1628) verwies: &#8220;O große Not, Gott selbst ist tot&#8221;. Ist also der Karsamstag das Fest des &#8211; zumindest vorübergehend &#8211; toten Gottes?<br />
</i></p>
<p>Blicken wir auf den Menschen Jesus, dann erkennen wir die Bedeutung seines Lebens und seines Sterbens darin, dass er die völlige Verbundenheit mit Gott und der Menschen untereinander gelebt hat, ja, dass er an dieser Verbundenheit festgehalten hat, auch noch als ihn in der Stunde seines Todes das Gefühl überkam, jetzt doch von Gott und aller Welt verlassen zu sein. Gerade im Lichte des Schreis der Gottverlassenheit am Kreuz kann – von Gott aus betrachtet – der Tod des die Einheit mit Gott lebenden Jesus auch als der Tod Gottes gedeutet werden. Das meinte Hegel mit dem „spekulativen Karfreitag“, dass Gott, der das Leben, lebendiger Geist ist, in sein Gegenteil eingeht. Doch nicht um in der bloßen Negativität zu verharren, sondern um sie ihrerseits zu negieren, den Tod in den ihn überwindenden absoluten Geist, in das ewige, alles einigende Leben der Liebe aufzuheben.</p>
<p>So ist Jesus derjenige, der Gott uns als den bekannt gemacht hat, der mit hineingeht in unsere menschliche Situation, auch noch in unser Sterben und unseren Tod, der sogar die Verzweiflung der Gottverlassenheit mit erleidet. Doch nicht, um uns darin allein zu lassen, sondern mit der Hoffnung auf den Sieg der Liebe über den Tod zu erfüllen. Der Gott, der am Kreuz stirbt, ist Gott der Allmächtige. Der Gott, der seit Ostern der Grund unserer Hoffnung ist, ist der ohnmächtige Gott der Liebe, der Gott, der in den Schwachen mächtig ist und den wir in der Kraft eines unwahrscheinlichen Lebensmutes jetzt schon in uns wirksam fühlen. Dieser Gott lässt uns nicht allein, auch wenn wir sterben müssen.</p>
<p>Copyright: Prof. Wihelm Gräb und Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3505_ostern-karfreitag-karsamstag-der-ohnmaechtige-gott-der-liebe-von-prof-wilhelm-graeb_fundamental-vernunftig-religios-aus-freier-einsicht-interviews-mit-prof-wilhelm-grab/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Ich, begrenzt und entgrenzt: Eine Seminarreihe in der Mainzer7</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3537_das-ich-begrenzt-und-entgrenzt-eine-seminarreihe-in-der-mainzer7_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3537_das-ich-begrenzt-und-entgrenzt-eine-seminarreihe-in-der-mainzer7_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 11:18:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturraum Mainzer7]]></category>
		<category><![CDATA[Mainzer 7]]></category>
		<category><![CDATA[Seminare in Mainzer7]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Maurenbrecher]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3537</guid>
		<description><![CDATA[Unsere FreundInnen im Kulturraum Mainzer7 in Neukölln, www.mainzer7.de, veranstalten ab April 2013 eine philosophische Seminarreihe zum Thema
&#8220;Das Ich in seiner Begrenzung und Entgrenzung&#8221;.
Wir weisen gern auf diese Veranstaltungen hin. Schon früher hat der Religionsphilosophische Salon auf den Kulturraum Mainzer7 aufmerksam gemacht, weil es sich dort auch um eine private philosophische und kulturelle Basisinitiative mitten in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere FreundInnen im Kulturraum Mainzer7 in Neukölln, www.mainzer7.de, veranstalten ab April 2013 eine philosophische Seminarreihe zum Thema</p>
<p><strong>&#8220;Das Ich in seiner Begrenzung und Entgrenzung&#8221;</strong>.</p>
<p>Wir weisen gern auf diese Veranstaltungen hin. Schon früher hat der Religionsphilosophische Salon auf den Kulturraum Mainzer7 aufmerksam gemacht, weil es sich dort auch um eine private philosophische und kulturelle Basisinitiative mitten in Neukölln handelt, inspiriert und geleitet vor allem von dem Soziologen Dr. Thomas Maurenbrecher.</p>
<p><strong>Der Text des Flyers:</strong></p>
<p>Das Ich taucht mit einem neuen Ton in der Philosophie der Neuzeit auf, seit Montaigne und Descartes; beide philosophieren vom Zweifel her.</p>
<p>Locke, Hobbes u.a. haben darüber nachgedacht, wie sich die Individuen in einer Gesellschaft zueinander verhalten, die sich nicht mehr an einer göttlichen Ordnung ausrichtet. Wie sich die Interessensphären abgrenzen lassen, ohne dass es Mord und Totschlag gibt.</p>
<p>Zentral dabei ist, ob man von einem optimistischen oder einem pessimistischen Menschenbild ausgeht.</p>
<p>Durch den Wegfall der traditionellen Gesellschaft ergibt sich eine gewisse Entfesselung des Menschen.</p>
<p>Das Ideal der Selbstverwirklichung bildet sich heraus, hat aber antisoziale Elemente in sich; durch die Kapitalakkumulation steigern sich die sozialen Spannungen. Das Problem der Ausbeutung scheint sich heute zur Selbst-Ausbeutung zu steigern und epidemisch Erschöpfung auszulösen.</p>
<p>Political correctness ist ein gängiger Minimalbegriff in der Öffentlichkeit geworden.</p>
<p>Die Sehnsucht nach Transzendenz verschwindet oder wird auf Nebenschauplätze abgedrängt.</p>
<p>Wo zeigt sich das Ich?</p>
<p><b><span style="text-decoration: underline;">Themen der Seminare/Workshops:</span></b></p>
<p><b> 1. Was ist das Ich? Inwiefern kann es sich begrenzen und entgrenzen und nach welchen Kriterien?</b></p>
<p>20.4. 19 Uhr (Vortrag) + 21. 4 11 Uhr (Gespräch)</p>
<p>Dr. Uwe Petersen Philosoph, Berlin</p>
<p><b>2. Geschichte – die der Mensch ist (Ich – Gedächtnis – Geschichte)</b></p>
<p>25.5. 19 Uhr (Vortrag) + 26 5. 11 Uhr (Gespräch)</p>
<p>Gerhard Nurtsch, Philosoph, Köln</p>
<p><b>3. Das Ich im nicht – westlichen Kontext: die afrikanische Ubuntu- Philosophie</b></p>
<p>7.9. 19 Uhr (Vortrag) +8.9. 11 Uhr (Gespräch)</p>
<p>Roger Künkel, Philosoph, Berlin</p>
<p><b>4. Ich – Du – Wir. Identitätsbildung im 21. Jahrhundert</b></p>
<p>28.9. 19 Uhr (Vortrag) + 29.9. 11 Uhr (Gespräch)</p>
<p>Michael Braun, Philosoph, Berlin</p>
<p><b>5. Das Ego und das wahre Selbst. Was wir SIND -  der ungeborene und unsterbliche Grund unserer Existenz</b></p>
<p>19.10. 19 Uhr (Vortrag) + 20.10. 11 Uhr (Gespräch)</p>
<p>Hans Torwesten, bildender Künstler, Schriftsteller, Kieming (Chiemsee) war</p>
<p><b>Hinweis: ausführliche Texte zu den Themen der einzelnen Workshops auf unserer Webseite <a href="http://www.mainzer7.de/">www.mainzer7.de</a></b></p>
<p><b> </b></p>
<p><b> </b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b> </b></p>
<p><b> </b></p>
<p><b> </b></p>
<p><b> </b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>„Zwei Welten werden immer Gegenstand der Spekulationen der Philosophen sein: die ihrer Fantasie, in der alles wahrscheinlich und nichts wahr ist, und die Natur, in der alles wahr ist und nichts wahrscheinlich zu sein scheint.“</p>
<p>Rivarol, französischer Moralist (1753-1801)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><b> </b></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3537_das-ich-begrenzt-und-entgrenzt-eine-seminarreihe-in-der-mainzer7_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Paradies Glaube&#8221; &#8211; Zum Film von Ulrich Seidl</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3502_paradies-glaube-zum-film-von-ulrich-seidl_denken-und-glauben</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3502_paradies-glaube-zum-film-von-ulrich-seidl_denken-und-glauben#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2013 16:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[intoleranter katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus in Österreich heute]]></category>
		<category><![CDATA[Mariastatuen in Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Mission mit Maria]]></category>
		<category><![CDATA[reaktionärer Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Seidl Paradies Glaube keine Phantasie]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Seidl Paradies Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Seidl zeigt den wahren Katholizismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3502</guid>
		<description><![CDATA[„Paradies Glaube“: Alles andere als ein „Phantasie“ – Paradies
Einige theologische und philosophische Hinweise zu einem wichtigen Film von Ulrich Seidl
Von Christian Modehn
Über den 2. Teil der Trilogie „Liebe – Glaube – Hoffnung“  des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl ist viel geschrieben worden. Leider hat man den Film &#8220;Paradies Glaube&#8221; oft den schwächsten der drei Filme genannt. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>„Paradies Glaube“: Alles andere als ein „Phantasie“ – Paradies</b></p>
<p>Einige theologische und philosophische Hinweise zu einem wichtigen Film von Ulrich Seidl</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Über den 2. Teil der Trilogie „Liebe – Glaube – Hoffnung“  des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl ist viel geschrieben worden. Leider hat man den Film &#8220;Paradies Glaube&#8221; oft den schwächsten der drei Filme genannt. Das mag auf das Gesamtwerk Seidls bezogen eigens geprüft werden wie auch auf die Regieleistung in diesem Film selbst; sie hat  vielleicht den nötigen „informativen biographischen Hintergrund zu den beiden Hauptprotagonisten Anna Maria und Nabil nicht deutlich berücksichtigt.</p>
<p>Der Religionsphilosophische Salon ist jedoch der Meinung, dass der Film sehr wichtig ist, weil er keineswegs nur eine marginale oder gar nur konstruierte, sozusagen imaginäre katholische Welt zeigt. „Paradies Glaube“ ist alles andere als eine unterhaltsame Satire. Maria Hofstätter spielt als aufdringlich missionarisch werbende und total katholischer Frömmigkeit hingegebene Anna Maria keineswegs eine „religiöse Irrläuferin“ einer monströsen und unwirklichen Glaubenshaltung.</p>
<p>Anna Maria ist in Wien förmlich getrieben von dem Gedanken, eine Marienstatue in die Wohnungen ihrer Meinung nach besonders ungläubiger Menschen zu bringen. Sie drängt den Menschen diese in Dutzendware produzierte Marien- Figur förmlich auf. Denn sie ist überzeugt: Mit dieser Maria kommen Rettung, Heil und Erlösung in das Leben dieser – ihrer Meinung  nach – gescheiterten Menschen, oft sind es „Ausländer“.</p>
<p>Das greifbare Heil in die Häuser tragen: Diese Praxis ist in der katholischen Volksfrömmigkeit durchaus üblich, sie beginnt bei der jährlichen Wohnungssegnung, geht über die Pflege privater Hausaltäre bis zum Brauch der  „Herbergssuche“ von (Kitsch) Figuren Marias und Josefs in der Adventszeit. Da verweilen diese Figuren einen Tag oder eine Woche in einer Familie. Das Abirren einer Frömmigkeit, die die Ikone für die dargestellte Heilige selbst nimmt, wird in dem Film deutlich gezeigt. Man sehe sich aber auch in Marienwallfahrtsorten (Lourdes, Fatima, La Salette usw) um, wie dort die Darstellungen (!) Marias selbst höchste Verehrung genießen; die Berührung heiliger Objekte (etwa der schon fast abgeküsste Zeh der Petrus – Statue im Petersdom) gehört auch dazu. Anna Maria küsst mit Vorliebe Christus Bilder oder das Kreuz, in einer deutlich erotisch anmutenden Haltung.</p>
<p>Es ist im Katholizismus immer noch üblich, Reliquien auf Wanderschaft zu schicken: Man denke etwa an die Weltreisen der Reliquien der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, die von Lisieux aus rund um den Globus geschickt wurden in den letzten Jahren. Warum? Damit die Reliquien als solche ihre heilsame, wundertätige Wirkung „vor Ort“ ausüben können. Man denke weiter an die Flut von Pater Pio Bildern in allen Autos, Kneipen und Wohnungen Italiens: Dieser angeblich stigmatisierte, aber schon von Pius XII. unter dem Verdacht der Scharlatanerie kritisch begutachtete Kapuzinerpater ist sozusagen als Ikone das leibhaftige Heil in den Wohnungen usw.</p>
<p>Kurz: Anna Marias Verhalten ist zwar filmisch zugespitzt, aber durchaus verwurzelt im katholischen Milieu.  In der privaten Gebetsrunde ihrer Vereinigung zu Ehren des Herzens Jesu wird gebetet und geschworen, dass Österreich wieder katholisch werde. Was das heißen mag, wird an Anna Marias Verhalten gegenüber ihrem (schwerkranken) muslimischen Ehemann deutlich: Von den geringsten Spuren der Toleranz und des Mitgefühls ist nichts zu spüren. Von einem Respekt vor dem muslmischen Glauben ihres Mannes kann keine Rede sein. Sie hat etwa im Wohnzimmer das Bild aus Mekka verdeckt und verhangen. Mekka passt nicht zu Christus und Maria, denkt sie.</p>
<p>Anna Marias Gebetsrunden werden tatsächlich in weiten offiziell – katholischen Kreisen praktiziert; es gilt doch, die „Neuevangelisierung Europas“ voranzubringen, wie es Benedikt XVI. so sehnlich wünschte. Bezeichnenderweise werden ja auch ganze Städte und Länder wieder Maria oder einem Heiligen geweiht. Was Anna Maria in ihrer Gruppe betend vollzieht, ist also üblich.</p>
<p>Bei den &#8220;missionarischen Hausbesuchen&#8221; mit der Gipsmadonna im Köfferchen fällt auf, wie ausschließlich Anna auf die helfende Wirkung des Gebetes allein setzt. Da spielt der Wunderglaube an die Allmacht des Gebets eine entscheidende Rolle; aber das hat Anna Maria in der Kirche so gelernt, so wird sie in der offiziellen Lehre vertreten! Angesichts menschlicher Probleme vermag Anna Maria allein mit frommen Sprüchen und Floskeln zu reagieren, auch das ist ja nicht nur ein Hinweis, wie stark die religiöse Indoktrination alle menschliche Reflexion, von kritischer Reflexion ganz zu schweigen, töten kann.</p>
<p>Im Umgang mit ihrem schwerkranken muslimischen Mann (auch er ist sicher nicht Inbegriff der Liberalität) sieht man zudem, wie sogar die Gefühle der Menschlichkeit ignoriert werden aufgrund katholischer Indoktrination. Als ihr muslimischer Mann fragend und protestierend in die Gebetsrunde seiner Frau hineingerät, spricht man nicht etwa mit ihm. Sondern man betet gemeinsam, sozusagen um den Teufel fernzuhalten, das apostolische Glaubensbekenntnis.</p>
<p>Anna Maria ist eine Frau, die einzig nur aus der katholischen Religion lebt; schon zum Frühstück hört sie das durchaus in Wien real existierende katholische Radio Maria, entsprechende Werbung schmückt auch ihr Auto. Und die Sprüche, wie „Kein Tag ohne Gebet“, mit denen Anna Maria eines ihrer Zimmer tapeziert hat, gibt es in dieser Form und in diesem Format tatsächlich. Sie sind in vielen österreichischen oder bayerischen Kirchen etwa am Eingang oder Ausgang oder auf Infotafeln zu finden. (Radio Maria Österreich: <a href="http://www.radiomaria.at/index.php?nID=254">http://www.radiomaria.at/index.php?nID=254</a>)</p>
<p>Es muss also nachdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Frömmigkeit Anna Marias durchaus eine gewisse Breitenwirkung hat und in Österreich, Süddeutschland oder in den romanischen Ländern zum Alltag an der Basis etlicher Pfarreien gehört. Dort gibt es die zahlreichen neuen geistlichen Gemeinschaften mit ihren entsprechenden Verlagen, die derartige Frömmigkeit praktizieren und empfehlen, ohne dass ein Bischof einschreitet. Das ultra konservative Radio Maria in Polen, mit ihrem Leiter, dem Redemptoristen Pater Rydzik, ist selbst den ohnehin konservativen polnischen Bischöfen zu extrem. Aber sie schaffen es nicht, und auch die Päpste schaffen es auch nicht, dieses aufhetzende antisemitische katholische Programm zu verbieten. Daran sieht man, die Hierarchie will das „tief fromme“ Volk nicht verprellen.</p>
<p>Der Film „Paradies Glaube“ zeigt sehr früh schon, wie Anna Maria sich vor dem Kruzifix auspeitscht und später auch mit einer Art „Geißel – Gürtel“ ausstattet. Dieses „fromme Sichauspeitschen“ hat ja bekanntlich Tradition in einer der mächtigsten katholischen Organisationen mit ca.80.000 Mitgliedern, dem Opus Dei; Anna Maria befindet sich in solcher Sühne  &#8211; Aktion sozusagen in offizieller, in „bester Gesellschaft“.</p>
<p>Überhaupt der Sühnegedanke: Anna Maria ist besessen davon, für die Sünder anderer (und auch die eigenen Versagen) Sühne zu leisten, also durch eigene religiös anstrengende Praxis Gott zu versöhnen und zu beschwichtigen. Über das naive Gottesbild eines solchen Verhaltens wäre eigens zu sprechen. Bei Anna Maria heißt Sühneleisten auch das schmerzhafte Herumrutschen auf den Knien in der eigenen Wohnung, um den ganzen Rosenkranz zu beten, immerhin sind das 50 laut gesprochene Ave Maria. Im Katechismus wird ausdrücklich das Sühnegebet empfohlen. In Kirchen vieler deutscher Großstädte finden immer noch Sühne – Gebetsnächte statt, oft veranstaltet von der Gemeinschaft des „Neokatechumenalen Weges“ (Informationen über diese überaus einflussreiche, weltweit agierende, offiziell anerkannte Bewegung: <a href="http://www.relinfo.ch/nk/info.html#suende">http://www.relinfo.ch/nk/info.html#suende</a> ). Es sind viele dieser so genannten neuen geistlichen Gemeinschaften, die extreme Formen der Frömmigkeit praktizieren&#8230;</p>
<p>Die Reinheit ist oberstes Gebot für Anna Maria: Nicht nur das über &#8211; korrekte Putzen des Hauses wird gezeigt, auch ihre Abscheu vor &#8220;schmutziger&#8221;, praktizierter Sexualität wird deutlich: Nachdem sie überraschenderweise nachts Sex im Park beobachtet (!) hat, fühlt sie sich sofort gedrängt, sich gründlich in der Badewanne zu säubern. Sexuelle Lust ist für sie apriori  schmutzig, das hat man sie ja auch so gelehrt. Aber selbst mit ihrem Mann lehnt sie Sex ab, hingegen holt sie sich nachts ihr allzu geliebtes Kruzifix ins Bett&#8230; Diese künstlerisch sehr konsequente und deswegen wichtge Szene wurde übrigens von der katholischen, ultrakonservativen italienischen Bewegung NO 194 (siehe: <a href="http://no194.org/">http://no194.org/</a>) zum Anlass genommen, den Regisseur wegen Blasphemie anzuklagen.</p>
<p>Der Film „Paradies Glaube“ zeigt nicht, wie SPIEGEL – Online  meinte,  „religiöses Hinterwäldlertum, das vielleicht folkloristische Züge besitzt, der gegenwärtigen Glaubensdoktrin wohl kaum entspricht“. Tatsächlich dokumentiert Ulrich Seidl eine Haltung, die weite Verbreitung hat im heutigen Katholizismus. Verurteilen wird man die vielen Menschen, die so sind wie Anna Maria, natürlich nicht. Aber man wird sich fragen, wie in Europa die theologische Bildung eigentlich greift angesichts dieser religiösen Praxis, die eher einem Wahn gleicht.  Wem Jahre lang eingeredet wird und es auch innig glaubt, außerhalb der katholischen Kirche gebe es kein  Heil, der greift schnell zu seinem Köfferchen mit der Madonna, um die Welt zu retten, „heil zu machen“.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3502_paradies-glaube-zum-film-von-ulrich-seidl_denken-und-glauben/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wider den Egoismus der neoliberalen Wirtschaft. Vorschläge von Axel Honneth</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3467_wider-den-egoismus-der-neoliberalen-wirtschaft-vorschlaege-von-axel-honneth_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3467_wider-den-egoismus-der-neoliberalen-wirtschaft-vorschlaege-von-axel-honneth_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 22:16:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Honneth]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Honneth Das Recht der Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[die ethischen Voraussetzungen des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Durkheim und Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Hegels Vorschlag zur Reform des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reform des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Freiheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3467</guid>
		<description><![CDATA[Wider den Egoismus der neoliberalen Wirtschaft
Vorschläge von Axel Honneth
Von Christian Modehn
Die Philosophie kann die Ökonomie nicht sich selbst überlassen. Und das führt zu neuen Erkenntnissen. Philosophen haben eigene Vorschläge zur Reform des offensichtlich kaputten ökonomischen kapitalistischen Systems. Das zeigt das neue Buch des Frankfurter Professors für Philosophie und Direktors des dortigen Instituts für Sozialforschung, Axel [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wider den Egoismus der neoliberalen Wirtschaft</p>
<p>Vorschläge von Axel Honneth</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Die Philosophie kann die Ökonomie nicht sich selbst überlassen. Und das führt zu neuen Erkenntnissen. Philosophen haben eigene Vorschläge zur Reform des offensichtlich kaputten ökonomischen kapitalistischen Systems. Das zeigt das neue Buch des Frankfurter Professors für Philosophie und Direktors des dortigen Instituts für Sozialforschung, Axel Honneth. Das überaus anregende Werk von 628 Seiten hat den Titel „Das Recht der Freiheit. Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit“ (Suhrkamp 2012). Honneth ist ein viel gefragter Philosoph, wenn es um die Frage der Herausbildung normativer Ordnungen geht. Er will die Sozialphilosophie nicht loskoppeln von der Gesellschaftsanalyse und weist auch eine abstrakte, sozusagen empirie &#8211; freie Ethik zurück.</p>
<p>Wir können hier für die Gespräche in unserem Salon zuerst nur einen Aspekt herausgreifen: Das Kapitel über &#8220;Markt und Moral&#8221;, dort besonders die Ausführungen unter dem Titel &#8220;Eine notwendige Vorklärung&#8221;.</p>
<p>Der Titel des Buches sagt es schon: Es geht um Moral und Ethik innerhalb des Wirtschaftslebens. Kann der kapitalistische Markt heute zu einem Bereich sozialer Freiheit werden, wo Ausbeutung und Unterdrückung stark reduziert und stetig bekämpft werden, wo Selbstbestimmung als gemeinschaftliches Projekt gilt, also als ein Geschehen, in dem die dort Handelnden von Gerechtigkeit und Respekt geprägt sind? Das ist eine der drängenden Fragen, die der Frankfurter Philosoph Axel Honneth entwickelt und beantwortet. Er erinnert daran, was wir in den letzten zwei Jahrzehnten in der kapitalistischen Ökonomie erlebt haben: Von einer „Institutionalisierung sozialer Freiheit“ kann auf dem neoliberalen Markt eigentlich keine Rede sein. Offenbar handelt es sich, so Honneth, um eine „Expansion kapitalistischer Profitinteressen“ oder auch um  eine „Refeudalisierung“&#8230; D.h. wir leben in einer Wirtschaftsordnung, in der die einen Akteure in der (umfassend verstandenen) Freiheit des anderen gerade NICHT die Bedingung auch der eigenen Freiheit erkennen. Wer die anderen übersieht und nur die eigene Freiheit realisiert, hat bald selbst diese nicht mehr, weil tendenziell diese Situation alles andere als den Frieden fördert. Ohne Ethik auch in der Wirtschaft ist sozusagen der &#8220;Gesamtbestand der Welt&#8221; gefährdet.</p>
<p>Dieser Zustand egoistischer Freiheit in der Ökonomie wird zu recht angeklagt. Axel Honneth geht als Philosoph über das Jammern hinaus, er zeigt Wege, wie das Wirtschaftshandeln von Innen her reformiert werden kann. Und das beginnt mit der Erkenntnis, welche ethischen Implikationen und Voraussetzungen immer schon im Wirtschaftshandeln selbst enthalten sind. Man muss nur genau drauf schauen, um die abstrakte Engführung von Freiheit im kapitalistischen Wirtschaften aufzuarbeiten. Also nicht nachträglich muss dem neoliberalen, „egoistischen“ Agieren ein humaner Touch aufgeklebt werden wie eine reformistische, vielleicht sogar bloß caritative Geste. Vielmehr: Es mangelt dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem ein Verständnis dafür, dass schon VOR diesem Wirtschaftshandeln eine wechselseitige Anerkennung der unterschiedlichen Akteure die Basis ist.</p>
<p>Die Bürger dürfen also die Wirtschaftssphäre gerade NICHT den Ökonomen überlassen, die wie Fachidioten nichts als die Ökonomie kennen. Die moderne Entwicklung der Ökonomie zu einer abstrakten, von Geschichte und Philosophie völlig losgelösten Wissenschaft, ist für Honneth ein Irrweg. Denn Wirtschaften ist gerade nicht das strategisch – taktische und  raffinierte Tun von egoistischen Einzelsubjekten; sondern ist ein Geschehen,  in dem intersubjektiv aufeinander bezogene „Kommunikationspartner“ miteinander handeln.</p>
<p>Wir können nur darauf hinweisen, dass Axel Honneth unter anderem zentrale Erkenntnisse aus Hegels „Rechtsphilosophie“ (1820 in Berlin als Buch erschienen) aktualisiert: Das heißt, es wird zurecht damit gerechnet, dass auch Erkenntnis noch die Kraft des Wandels und der Reform  hat. Allen ökonomischen Verträgen voraus liegt die Anerkennung seiner selbst und der anderen als „verantwortlicher Rechtspersonen“ (S. 322 in dem genannten Buch von Axel Honneth), in diesem, allem ökonomischen Agieren voraus liegenden Bewusstsein rechtlicher Freiheit bildet sich der Rechtsstaat: Er ist die Voraussetzung für die rechtlich gestalteten Beziehungen ökonomischen Austauschs unter Privatpersonen. Mit anderen Worten: Erst der Respekt vor dem Rechtsstaat ermöglicht soziale Freiheit auch im Wirtschaftshandeln. Dieses Bewusstsein muss sozusagen prägend sein und prägend bleiben.</p>
<p>Freilich erleben wir heute den „homo oeconomicus“, als den ausschließlich aufs egoistische erfolgreiche Wirtschaften zielenden Menschen. Er ist sozusagen Repräsentant des gängigen Lebens, das nur als beschädigtes sozialen Leben begriffen werden kann. Schon seit dem 18. Jahrhundert wird von Philosophen und Schriftstellern wahrgenommen, wie die Kommerzialisierung der Gesellschaft den einzelnen Menschen erniedrigt, ihn zu einem „bloßen Abdruck des ökonomischen Geschäfts macht“ (F. Schiller). In einem normativen Menschenbild der umfassenden Freiheit muss dagegen gesteuert werden.</p>
<p>Hegel und später dann auch Durkheim drängen auf die Erkenntnis: Es gibt ein Solidaritätsbewusstsein, das allen Verträgen und allem ökonomischen Handeln VORAUS liegt, das also wie eine sachliche Prämisse dieses ökonomische Tun von Innen her bestimmen sollte. Denn nur diese solidarischen Einstellungen, in die sozusagen das ökonomische Handeln „eingebettet“ ist, ermöglichen überhaupt das „reibungslose Funktionieren des Marktmechanismus“ (S. 328). Ohne menschliche Rücksichtnahme, ohne Respekt der unterschiedlichen Partner voreinander, ist kein Marktgeschehen möglich, meint Hegel. Fehlt dies, gerät das ökonomische Handeln zu einem Manöver von Betrug und Aggression. Eine letztlich doch um des Erfolges willen auch angezielte „harmonische Integration der wirtschaftlichen Einzelinteressen“ kann ohne diese „allem voraus liegenden moralischen Regeln“ nicht gelingen. So „pragmatisch“ allgemein nachvollziehbar kann man diesen Hegelschen Gedanken ausdrücken.</p>
<p>Axel Honneth weist darauf hin, dass es aber doch recht unbestimmt bleibt, „wie die von (Hegel und Durkheim) prätendierten  Moralnormen als Bestandteile (!) der Markwirtschaft begriffen werden sollten.“ Der Vorschlag von Honneth ist klar: Das Marktgeschehen braucht die von Hegel und Durkheim entwickelte „sittliche Rahmung durch vor – vertragliche Handlungsnormen“, weil die Wirtschaft nur unter dieser normativen Voraussetzung mit dem Einverständnis aller Beteiligten rechnen kann. „Wie jede andere soziale Sphäre bedarf auch der Markt der moralischen Zustimmung durch alle an ihm mitwirkenden Teilnehmer“ (S. 333).</p>
<p>Diese Erkenntnis ist fundamental: Der Markt braucht also für sich selbst, aus eigenem Überlebensinteresse, die moralischen Normen, die ihm selbst noch als Bedingung seiner Existenz (und seines Erfolges) voraus liegen. Mit anderen Worten: Ein kluger Teilnehmer auf dem Mark ist moralisch. Wer als Kapitalist Fairness und Gerechtigkeit verletzt, schadet letztlich sich selbst. Es gibt also philosophisch gesetzte Grenzen des kapitalistischen Marktes. Versagt der Markt, führt das nicht nur zu ökonomischen Krisen. Schlimmer noch und auch politisch viel erschütternder ist der Verlust an Glaubwürdigkeit und Legitimation durch die Bevölkerung. Ein Phänomen, das wir angesichts der sogen. Bankenkrise seit 2008 immer deutlicher erleben: Die Krise der Banken, also das egoistische, völlig unverantwortliche Verhalten vieler Banker, entwickelt sich heute zur Krise der Demokratie. Darum gilt auch von daher die Einsicht: Die moderne Marktordnung ist alles andere als ein normenfreies System (S. 359). Denn etwa das Unrechtsempfinden, die Selbstzweifel, die Fragen nach Sinn und Legitimation des eigenen (egoistischen) Handelns sind IM Handeln der neoliberalen Akteure ja wenigstens unthematisch anwesend, diese Akteure haben de facto diese moralischen Fragen, auch wenn sie sie unterdrücken oder als irrelevant zurückweisen. Etliche Banker haben ja selbst die Erfahrung (offenbar nur kurzfristig?) machen können, wie es ist, plötzlich arbeitslos auf der Straße zu stehen. Nur wenige haben wohl erkannt, dass diese ihre Situation nur der Ausdruck des Fehlens moralischer Normen IM ökonomischen Prozess ist.</p>
<p>Honneth will diese Erkenntnis förmlich einschärfen: Ein sittliches, die Freiheit garantierendes Verhalten ist nur möglich, „wenn es gelingt, die Sphäre des Marktes als ein in vormarktlichen (also noch logisch vor dem Markt liegenden CM) Solidaritätsbeziehungen begründetes und auf sie zurückgehendes System von wirtschaftlichen Aktivitäten zu beschreiben“(352 f.).</p>
<p>Axel Honneth ist sich bewusst, dass die dargestellte Problematik mit dem Gedanken an Karl Marx (Das Kapital) verbunden werden muss. Vor allem die These müsste hier weiter diskutiert werden, ob die Kapitalisten eine solche Monopolstellung haben, dass sie in jeder Weise erfolgreich, aber unsittlich ökonomisch handeln können. Das dann zu besprechende Ungleichgewicht zwischen „Herren und Knechten“ wäre dann zu diskutieren, etwa der Kampf des Knechtes gegen seinen Herrn.</p>
<p>Um so dringender müssen die von Hegel und Durkheim beschriebenen Möglichkeiten der Einfügung des sittlichen Freiheitsbewusstseins IN den Kapitalismus besprochen werden, zumal wohl nur die grundlegende Reform des Kapitalismus, nicht aber dessen Abschaffung zugunsten eines Staatssozialismus zur Debatte steht. Es geht um die gestaltbare Zukunft eines allseits (!) freiheitlichen, gesellschaftlich kontrollierten Kapitalismus&#8230; Wichtiger Schritt ist dabei die städnige öffentliche Freilegung des hässlichen Gesichts des Kapitalismus.</p>
<p>Wir haben uns hier auf einen Ausschnitt aus dem Buch  Honneths begrenzt. Aber dieser Aspekt aus dem wichtigen Buch ist schon inspirierend genug, zeigt er doch die absolute Dringlichkeit, eine sozialen Freiheitsethik weiter zu diskutieren.</p>
<p>Im ganzen zeigte sich Axel Honneth in einem Gespräch (mit &#8220;Forschung Frankfurt 1/2012) doch etwas zuversichtlich für die weitere Entwicklung sozialer Freiheit: „Wir haben eine gemeinsame Geschichte, gemeinsame Erinnerungen an normative Rückschritte und moralische Verbesserungen, an Niederlagen und Siege im Kampf um die Verwirklichung der uns gemeinsamen Freiheitsversprechen. Insofern sind die Chancen da.“</p>
<p>Zum Schluss noch ein Hinweis (ebd.) des dänischen Philosophen Raffnsøe-Møller (Aarhus): Für ihn ist das Buch „gegen den Mainstream der politischen Philosophie geschrieben“. Es kann „insofern der Debatte über soziale und gesellschaftliche Gerechtigkeit viele Impulse geben und auch zu einer Erweiterung dieser Diskussion beitragen“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Copyright: christian modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3467_wider-den-egoismus-der-neoliberalen-wirtschaft-vorschlaege-von-axel-honneth_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Radikaler Neubeginn in Rom?</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3449_radikaler-neubeginn-in-rom_religionskritik</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3449_radikaler-neubeginn-in-rom_religionskritik#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 15:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio verbietet moderne Kunst in Buenes Aires]]></category>
		<category><![CDATA[Blasphemie Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[die dunke Vergangenheit von papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[für die Armen und gegen die Homoehe]]></category>
		<category><![CDATA[kann ein papst sich Franziskus nennen]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn duch papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus ein populist?]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus gegen Homoehe]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus ist konservativ theologisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3449</guid>
		<description><![CDATA[Auf der website der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM befindet sich seit dem 19. 3. 2013 ein Beitrag mit dem Titel &#8220;Radikaler Neubeginn in ROM&#8221;. Zur Lektüre dieses Kommentars klicken Sie bitte hier.
Bei der Gelegenheit können Sie sich gleich für ein Probe &#8211; Abonnement (oder besser für ein wirkliches Abonnement) entscheiden. Publik Forum hat seit 40 [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der website der empfehlenswerten Zeitschrift PUBLIK FORUM befindet sich seit dem 19. 3. 2013 ein Beitrag mit dem Titel &#8220;Radikaler Neubeginn in ROM&#8221;. Zur Lektüre dieses Kommentars klicken Sie bitte <a href="http://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/radikaler-neubeginn-in-rom">hier.</a></p>
<p>Bei der Gelegenheit können Sie sich gleich für ein Probe &#8211; Abonnement (oder besser für ein wirkliches Abonnement) entscheiden. Publik Forum hat seit 40 Jahren das Motto: &#8220;Kritisch &#8211; christlich &#8211; unabhängig&#8221;, d.h. auch unabhängig von kirchlichen Weisungen und amtskirchlichem Geld.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3449_radikaler-neubeginn-in-rom_religionskritik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das argentinische Gesicht von Kard. Bergoglio, jetzt Papst Franziskus</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3421_das-argentinische-gesicht-von-kard-bergoglio-jetzt-papst-franziskus_religionskritik</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3421_das-argentinische-gesicht-von-kard-bergoglio-jetzt-papst-franziskus_religionskritik#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 17 Mar 2013 23:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[argentinische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio gegen Homoehe]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio konservativer Bischof]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio Kritiker in Buenos Aires]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio liebt eher Caritas]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio und Befreiungstheologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio vertritt dieselben theologischen Positionen wie Hector Auguer]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio zensiert die Künstler]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof Hector Aguer]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof von La Plata]]></category>
		<category><![CDATA[Homoehe ist teuflisch]]></category>
		<category><![CDATA[Horacio Verbitzkyund Papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[Jesuiten in Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Kardinal Bergoglio in Buenos Aires]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche in Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[konservativer Bischof Bergoglio]]></category>
		<category><![CDATA[La Plat bischof und Bergoglio]]></category>
		<category><![CDATA[La Plata Bischof]]></category>
		<category><![CDATA[Leon ferrari wird von Bergoglio zensiert]]></category>
		<category><![CDATA[Mallimaci]]></category>
		<category><![CDATA[Nachfolger Bergoglios in Buenos Aires]]></category>
		<category><![CDATA[Perez esquivel and the pope Franzisco]]></category>
		<category><![CDATA[Perez Esquivel et le pape Francois]]></category>
		<category><![CDATA[Perez Esquivel kritisierte Bergoglio 2005]]></category>
		<category><![CDATA[Perez Esquivel und Bergoglio]]></category>
		<category><![CDATA[Perez Esquivel y el papa Francisco]]></category>
		<category><![CDATA[Perez Esquvel ändert seine Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Fortunato Mallimaci]]></category>
		<category><![CDATA[Progressiver Priester aus dem Amt entfern]]></category>
		<category><![CDATA[Verbitzky Horacio]]></category>
		<category><![CDATA[Verbitzky untersucht Bergoglio]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3421</guid>
		<description><![CDATA[Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio, jetzt Papst Franziskus
Hinweise von Prof. Fortunato Mallimaci.
Ein Beitrag von Christian Modehn
Ergänzung am 24.3. 2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zu einer Stellungnahme von Adolfo Pérez Esquivel vom 5. April 2005 im argentinischen Fernsehen &#8220;Canal America&#8221; über Kardinal Bergoglio.
Ergänzung am 31.3.2013: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio, jetzt Papst Franziskus</p>
<p>Hinweise von Prof. Fortunato Mallimaci.</p>
<p>Ein Beitrag von Christian Modehn</p>
<p><strong>Ergänzung am 24.3. 2013:</strong> Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zu einer Stellungnahme von Adolfo Pérez Esquivel vom 5. April 2005 im argentinischen Fernsehen &#8220;Canal America&#8221; über Kardinal Bergoglio.</p>
<p><strong>Ergänzung am 31.3.2013</strong>: Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Hinweis zur Diskussion in Argentinien unter dem Stichwort: &#8220;Von welcher Option für die Armen spricht Papst Franziskus&#8221;. Mit einem Hinweis auf die entscheidende Tatsache, dass die Befreiungstheologie in Argentinien fast ganz auf den stets von den Bischöfen bekämpften (zahlenmäßig kleinen) Kreis der &#8220;Priester für die Dritte Welt&#8221;, &#8220;Sacerdotes para el tercer Mundo&#8221;, begrenzt war.</p>
<p><strong>Ergänzung am 3. 4.2013:</strong> Am Schluss dieses Beitrags finden Sie einen Link zu einem Interview mit dem argentinischen Journalisten und kenntnisreichen und kritischen Beobachter der argentinischen Kirchen- Szene Horacio Verbitzky; das Interview über Kardinal Bergoglio in Argentinien damals sendete der NDR (Fernsehen) am 27.3.2013, das Interview wurde vom NDR übersetzt. Das Interview wird noch einmal wiederholt im NDR (ZAPP heißt die Sendereihe) am 5.4. um 2.45 (sic).</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..</p>
<p>Auch in Deutschland ist der argentinische Soziologieprofessor Dr. Fortunato Mallimaci kein Unbekannter. Er hat in der umfangreichen Studie „Kirche und Katholizismus seit 1945“ in Band VI „Lateinamerika und die Karibik“ den Beitrag über Argentinien geschrieben (zusammen mit seiner Kollegin, der argentinischen Soziologin Veronica Gimenez Beliveau). Das Buch ist im Jahr 2009 im katholisch geprägten Schöningh Verlag erschienen, es wurde herausgegeben von dem katholischen Kirchenhistoriker Prof. Johannes Meier und dem katholischen Theologen Veit Strassner. Der Sammelband von 559 Seiten enthält ausschließlich Beiträge von Katholiken, sogar von Mitarbeitern der kirchen- offiziellen bischöflichen &#8220;Aktion für Lateinamerika Adveniat&#8221;  in Essen.</p>
<p>Also in diesem quasi offiziell katholischen Buch ist Prof. Fortunato Mallimaci mit seinem wissenschaftlichen Beitrag über die katholische Kirche in Argentinien von 1945 bis ca. 2008 vertreten; sein Artikel umfasst 23 Seiten und hat 61 umfangreiche Fußnoten: Fortunato Mallimaci hat in Paris studiert, vor allem an der berühmten Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales. Er ist (geboren 1950) Professor für Sozialgeschichte Argentiniens und Religionssoziologie an der „Universidad de Buenos Aires“. Er hat zahlreiche Gastprofessuren im In – und Ausland wahrgenommen. Erstaunlich ist, dass der Beitrag nicht die Beziehungen der katholischen Kirche zur Regierung Kirchner untersucht, obwohl die Literaturangaben bis ins Jahr 2006 reichen, etwa durch Hinweise der beiden Wissenschaftler auf die Arbeiten des kritischen Journalisten H. Verbitzky &#8220;La Argentina católica y militar&#8221;, erschienen in Buenos Aires 2006.</p>
<p>Dieser lange Hinweis ist notwendig, um die Seriosität von Prof. Mallimaci von vornherein gegen alle Anwürfe zu betonen. Mallimaci ist einer der wichtigsten Interviewpartner der unabhängigen demokratischen und ökumenischen Presse in Argentinien, in diesen Tagen, nach der Papstwahl. Wir können von seinen zahlreichen ausführlichen Interviews und Beiträgen zum damaligen Kardinal Bergoglio (Buenos Aires) nur schrittweise den deutschen Lesern zugänglich machen. Religionskritik ist ja ein Teil der Religionsphilosophie.</p>
<p>Noch eine Vorbemerkung: Für die deutschen Leser muss wohl noch einmal an das wahre, nahezu unsägliche  Ausmaß der Militärdiktatur in Argentinien (1976 -  1983) wenigstens elementar erinnert werden: Der Diktator Jorge Rafael Videla (1976) hatte das Ziel, &#8220;die moralische Ordnung der Nation, die wirtschaftliche Effizienz und die nationale Sicherheit wiederherzustellen&#8230;Die katholische Kirche war von der Diktatur besonders betroffen, da ihre internen Brüche offensichtlich wurden&#8221;, schreiben F. Mallimachi und V. Gimenez Béliveau in ihrer Studie auf Seite 425. Und sie fahren fort, und jetzt wird es wichtig, um die wahre Dimension unseres Themas wahrzunehmen: &#8220;Mit aktiver Unterstützung von Mitgtliedern der Kirche wurden Verbrechen an anderen Mitgliedern der Kirche verübt. Die Bischöfe, die den Staatsstreich begrüßten, versuchten die progressiv &#8211; christlichen Gruppen zunächst zu isolieren und schließlich aufzulösen. <strong>Die Militärs zerschlugen mit bischöflicher Billigung und Unterstützung die aktivsten Gruppen und ermordeten eine Reihe engagierter Christen.</strong> Priester, Mitglieder von Basisgemeinden, Ordensfrauen, Laien und sogar einzelne Bischöfe (wie Bischof Enrique Angelelli aus La Rioja  und Bischof Carlos Ponce de Leon aus San Nicolas), die sich für die Verfolgten einsetzten, wurden Opfer des Staatsterrros: Sie wurden verfolgt, ins Exil geschickt, entführt, gefoltert, ermordet&#8221;. (ebd., S 425). Über die unmittelbare, wohlwollende Unterstützung der Militärdiktatur durch die meisten Bischöfe schreiben die Autoren u.a.:&#8221;Die Machtübernahme durch die Militärjunta unter dem Katholiken Videla wurde von führenden Mitgliedern des Episkopars ausdrücklich begrüßt und unterstützt&#8221;,so auf Seite 426 mit ausführlichen Literaturhinweisen, auch zur wohlwollenden Haltung des Nuntius damals, Msgr. Pio Laghi. Bischof Victorio Manuel Bonamin aus dem Salesianerorden etwa forderte schon 1975 die Intervention der Streitkräfte: &#8220;Die Armee sühnt die Unreinheit unseres Landes. Die Soldaten wurden im Jordan vom Blut gereinigt, um die Führung unseres Landes zu übernehmen&#8221;, zit. ebd. (Nebenbei: Es wird nicht dokumentiert, wie die Bischofskonferenz mit solchen bischöflichen Mitbrüdern umging nach dem Ende der Militärdiktatur). Die beiden Autoren schreiben weiter auf Seite 427: &#8220;Die Legitimität, die die Bischöfe der Militärregierung zubilligten, beschränkte sich nicht auf die politische Unterstützung, sondern sie wurde auch auf die Rechtfertigung willkürlicher Folter ausgedehnt&#8230;.Die Militärs führten ihren Reinigungsprozeß in der Kirche mit der Zustimmung einiger Bischöfe und aktiver Unterstützung einer erheblichen Zahl von Priestern durch. <strong>Einige unterstützten sogar Folterer moralisch und waren bei Folterungen in den Haftzentren</strong> anwesend. Die Militärregierung dankte der Kirche dafür durch einige Privilegien, <strong>die Bischöfe wurden fortan über den Staatshaushalt</strong>  <strong>finanziert</strong>&#8230;Das Regime konnte sich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) der Untertsützung durch den Gesamtepiskopat gewiss sein&#8221; (ebd). Unter den bischöflich geduldeten Massakern an ihren Mitchristen erwähnen wir nur die Ermorderung von drei Ordensleuten und zwei Theologiestudenten aus dem Pallottinerorden sowie die Entführung und das Verschwinden der beiden französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet, sie hatten das &#8220;Verbrechen&#8221; begangen, Familien von Verschwundenen zu unterstützen. Léonie Duqet wurde nach ihrer Ermordung bei einem der üblichen Todesflüge der Mörderbanden ins Meer geworfen. Zu den Opfern gehörte übrigens auch Elisabeth Käsemann, die Tochter des protestantischen Theologen Prof. Ernst Käsemann, Tübingen.</p>
<p>Es ist bezeichnend, dass die beiden Autoren, F. Mallimaci und V. Giménez Béliveau, unter den wenigen mutigen Widerstand leistenden Klerikern nur zwei Bischöfe ausdrücklich erwähnen: Bischof Jorge Novak SVD, Bischof von Quilmes und Bischof Jaime de Nevares SDB, Bischof von Neuquen (Fußnote 49, Seite 427). <strong>Der Name Jorge Mario Bergoglio</strong>, Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien von 1973 bis 1979, <strong>taucht in dem Zusammenhang des Widerstandes jedenfalls nicht auf.</strong> Das widerständige &#8220;Format&#8221; von Novak und de Nevares hatte er wohl nicht, sonst hätten ihn die beiden so gründlich recherchierenden Autoren zweifelsfrei in ihrer ausführlichen Studie erwähnt. Bergoglio wird übrigens von beiden nur einmal ganz kurz als Kardinal von Buenos Aires (seit 2001) erwähnt, und zwar als &#8220;Kardinal italienischer Herkunft&#8221;, dies Ausdruck für die &#8220;Italienisierung der argentinischen Amtskirche&#8221; (so die Autoren), die knappe Erwähnung Bergoglios befindet sich in der Fußnote 6 auf Seite 411!</p>
<p>Diese Hinweise sind wichtig, um die tiefe Bindung des argentinischen Klerus an die Werte der Nation, die klassischen Familienwerte (gegen Homosexualität etwa) und gegen den angeblich allgegenwärtigen Kommunismus zu vestehen.</p>
<p>Wir beginnen mit einem Beitrag Fortunato Mallimacis, der am 31. Juli 2010 veröffentlicht wurde in dem blog „La Máquina de Escribir“ in der Verantwortung von Anibal Jorge Sciorra. Quelle: http://lamaqdeescribir.blogspot.de/2010/07/entrevista-fortunato-mallimaci-el-rol.html</p>
<p>Wir können nicht den langen Beitrag übersetzen, wir bieten nur einige zentrale Aussagen des Religionssoziologen Prof. Mallimaci zu Kardinal Bergoglio von Buenos Aires, dem Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz. Es lohnt sich, den ganzen Text auf Spanisch zu lesen!</p>
<p>Hier einige wesentliche Erkenntnisse Mallimacis:</p>
<p>1.“Bergoglio versteht nicht, was heute in der Gesellschaft passiert“.</p>
<p>2.“Die bischöfliche Hierarchie Argentiniens befindet sich in einem fieberhaften, nervösen Zustand. Sie zeigt sich als eine Institution der Macht“.</p>
<p>3.“Das wird deutlich in der Amtsenthebung des progressiven Priesters Nicolas Alessio, Cordoba in Argentinien, der es wagte, sich öffentlich für die Rechte Homosexueller einzusetzen“.</p>
<p>4. „Die argentinischen Bischöfe, auch Erzbischof Bergoglio, setzen ausschließlich auf das unwandelbare und ewige Naturrecht. Sie haben keinen Sinn für den gesellschaftlichen Wandel. Sie fühlen sich wie in einem „Krieg Gottes“ und , verwenden den Begriff inneren „Krieg“, der unter General Videla noch benutzt wurde“.</p>
<p>5. „Die Christen an der Basis sagen angesichts der Bischöfe: „Wir finden in der Haltung der Bischöfe nicht mehr Jesus wieder“.</p>
<p>6. „Die Bischöfe verteidigen die „klassische Familie“ bedingungslos“. Mallimaci spricht von einem „Kreuzzug“ der Bischöfe, Kardinal Bergoglio sei einer der Fahnenträger dieses Kreuzzuges. „El rol que juega Bergoglio es nefasto“, sagte Mallimaci: „Die Rolle, die Bergogio in diesem Kreuzzig (für die alten Familienwerte z. B. und gegen die Moderne) spielt, ist, so wörtlich, =nefasto=, d.h. unheilbringend. Die Bischöfe sprechen eine militärische Sprache&#8230;“</p>
<p>7. „Bergoglio hat geschwiegen, als der Militärseelsorger, der Priester Christian von Wernich, verurteilt wurde wegen seiner Mittäterschaft in der Diktatur, ihm wurden Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt“.</p>
<p>8. „Als der Priester Julio Grassi wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagt wurde, hat Bergiglio den Anwalt bezahlt, Grassi wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt“.</p>
<p>9. „Bergoglio hat auch Erzbischof Edgardo Storni von Santa Fé noch unterstützt, als er wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt und verurteilt wurde“.</p>
<p>10. „Bergoglio hat die Idee verbreitet: Der Relativismus sei der Hauptfeind der Gesellschaft“, darin in voller Übereinstimmung mit Benedikt XVI.</p>
<p>11.“In der argentinischen Kirche unter dem Chef der Bischofskonferenz Bergoglio gibt es keine öffentliche Meinung, keine Diskussion. Die Angst ist stärker als die Freiheit, wenn sich Kritiker äußern wollen“.</p>
<p>12. „Die Kirche Argentiniens befindet sich im Dauerkonflikt mit der liberalen Welt der Demokratie“.</p>
<p>13. „Bergoglio hat 2004 dafür gesorgt, dass eine Ausstellung des berühmten Künstlers Leon Ferrari wegen Blasphemie für einige Zeit verboten wurde. Später wurde sie gerichtlich doch noch durchgesetzt. Von allen Kanzeln ließ er gegen den Künstler wettern. Das brachte ihm allerdings weiteren Ruhm ein., betonte Ferrari. Jedenfalls wollte Kardinal Bergoglio eine Art Zensur für moderne Kunst durchsetzen“. Siehe dazu einen umfangreichen Beitrag in der spanischen Tageszeitung el periodico vom 14. 3. 2013, zur Lektüre klicken Sie <a href="http://www.elperiodico.com/es/noticias/sociedad/jorge-bergoglio-voz-del-rechazo-matrimonio-gay-arte-vanguardia-2340263">hier. </a></p>
<p>14. Mallimaci weist ausführlich darauf hin, dass Bergoglio, der Jesuit, und der erzkonservative Opus &#8211; Dei Bischof Hector Aguer von La Plata in sehr vielen zentralen Fragen eng verbunden und einer Meinung waren: Mallimaci nennt etwa die gemeinsame Auffassung von der Familie als einer =patriarchalen Struktur=, dass die Frauen an die 2. Stelle gehören, dass Verschweigen besser sei als Aufklären, dass Gehorsam die zentrale Tugend ist, sowie, wörtlich, &#8220;dass schmutzige Wäsche besser versteckt werden sollte&#8221;.</p>
<p>In einem Interview für die Tagezeitung Pagina/12 vom 17.3. 2013 geht Fortunato Mallimaci erneut auf die Strategie der argentinischen Bischofskonferenz ein, deren Präsident Kardinal Bergoglio war: &#8220;Die Bischofskonferenz hat sich weder zur Verurteilung des pädophilen Priesters Julio Grassi noch gegenüber dem (Sexuellen Mißbrauch durch)  Bischof Edgardo Storni noch gegenüber dem Verbrecher, Pfarrer Christian von Wernich,  offiziell ausgesprochen, im Unterschied etwa zu den Bischfskonferenzen in den USA, wo offizielle Statements zur Pädophilie unter Priestern abgegeben wurden. Zur Lektüre des Interviews klicken Sie <a href="http://www.pagina12.com.ar/diario/elpais/1-215980-2013-03-17.html">hier. </a></p>
<p>Weitere Informationen zur Auseinandersetzung um die Homoehe in Argentinien:</p>
<p><strong>Anlässlich der Debatte über die Homoehe sagte Kardinal Bergoglio:</strong> „Es steht auf dem Spiel die Identität und das Überleben der Familie:  Papa, Mama und die Kinder. Seien wir nicht naiv: Es handelt sich hier nicht um einen politischen Kampf. Es handelt sich um einen destruktiven Anspruch gegenüber dem Plan Gottes. Es handelt sich nicht um ein bloßes gesetzliches Vorhaben, sondern um eine Bewegung, die vom Vater der Lüge (dem <strong>Teufel</strong>) ausgeht, die die Söhne Gottes verwirren und täuschen will.“ Quelle: <a href="http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/">http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/</a>Gelesen am 18.3. 2013</p>
<p>Über die Beziehung zu dem <strong>&#8220;Verbrecher Priester&#8221; Christian von Wernich</strong>, dem Militärgeistlichen z.Z. der Diktatur und Mörder heißt es weiter: „Es ist erwiesen, dass Pfarrer von Wernich schuldig ist für die Verbrechen, die zu seiner Verurteilung führten. Tatsächlich half die argentinische Kirche ihm, zuerst noch nach Chile zu entkommen, dort lebte er unter einem falschen Namen in einer Pfarrei. Ohne diese Tatsachen zu beachten, spielte Bergoglio auf das Urteil des Gerichts an und nannte es eine verleumderische Verfolgung der Kirche und nannte diejenigen Verräter, die die Vergangenheit nur  verfluchen. Hingegen rief er zur Vergebung auf&#8230; Diese Erklärung hängt zusammen mit einer Unterstützung Bergoglios für die Aktionen von <strong>Cecilia Pando</strong>, die die Straflosigkeit der Militärs damals nachdrücklich forderte unter dem scheußlichen Slogan: memoria completa, d.h. die Erinnerung ist vollständig, sie reicht&#8221;.  Quelle: <a href="http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/">http://www.elblogoferoz.com/2013/03/15/el-nuevo-papa-colaboro-con-la-dictadura-militar-argentina/</a></p>
<p>Diese rechtsextreme Aktivistin Maria Cecilia Pando hat jubiliert angesichts der Wahl Bergoglios zum Papst: Quelle:   <a href="http://www.agenciapacourondo.com.ar/secciones/sociedad/10936-cecilia-pando-festeja-la-eleccion-de-bergoglio.html">http://www.agenciapacourondo.com.ar/secciones/sociedad/10936-cecilia-pando-festeja-la-eleccion-de-bergoglio.html</a>,  gelesen am 18.3. 2013. Cecilia Pando sagte: &#8220;Qué alegría ! Bergoglio Papa !!! Una gran bendición para nuestro país que tanto lo necesita. Bergoglio, el Papa Argentino !!! Bienvenido Francisco I, un orgullo para nuestro país !!! Estaremos a su lado, dándoles fuerzas por medio de la oración&#8221;. (Welche Freude. Bergoglio ist Papst. Ein großer Segen für unser Land,  das den (Segen) so dringend braucht. Willkommen Franziskus I., ein Stolz für unser Land. Wir werden an seiner Seite sein, wir werden ihm Kraft geben durch unser Gebet&#8221;.</p>
<p>Wir weisen noch auf einen weiteren Beitrag  des religionsphilosophischen Salons vor allem über den inzwischen verurteilten Kollaborateur, den Priester Christian von Wernich, hin, zur Lektüre <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/94_argentiniens-kirchliche-vergangenheit-2007_religionskritik">klicken Sie bitte hier</a>.</p>
<p><strong>ERGÄNZUNG am 24. 3. 2013:</strong> Zu den Aussagen von Adolfo Pérez Esquivel über Kardinal Bergoglio.</p>
<p>Horacio Verbitzky hat am 24.3. 2013 in der Tageszeitung &#8220;Pagina 12&#8243; in Buenos Aires  einen Hinweis zu verschiedenen Aussagen des Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel publiziert.</p>
<p>In einem TV Beitrag vom 15. 4. 2005 (drei Tage vor der Wahl von Papst Benedikt XVI.) (zur Ansicht: www.youtube.com/watch?v=Qu2iET8fc5s<b>) </b> brachte &#8220;Canal Argentina&#8221;, Informe special, einen Beitrag mit Interviews u.a. mit A. Perez Esquivel. In dem Beitrag für Pagina/12 bezieht sich H. Verbitzky auf dieses Interview, er schreibt jetzt u.a.: &#8220;Perez Esquivel erinnerte damals daran, dass viele Bischöfe zur Zeit der Militärdiktatur einen doppeldeutigen Diskurs hielten. &#8220;Als er selbst gefangen war damals, sagten die Bischöfe seiner Frau: Sie würden für ihn, Perez Esquivel, eintreten. Dann taten sie genau das Gegegenteil&#8221;. Dann fragten ihn die Reporter konkret zur Haltung des argentinischen Kardinals (Bergoglio). Da antwortete Perez Esquivel, &#8220;ohne zu zweifeln, dass die Haltung von Bergoglio &#8220;se inscribe&#8221;, also dazugehört zur Haltung aller dieser Leute aus der Politik, die da denken: Alle, die sozial mit den Ärmsten und Bedürftigen arbeiteten, waren Kommunisten, Subversive und Terroristen. &#8230; Bergoglio ist ein intelligenter Mann, er ist fähig, aber doch eine zweispältige Person. Ich hoffe, dass der Heilige Geist heute (beim Konklave 2005) wach ist und sich nicht irrt&#8221; (also Bergoglio sollte nicht Papst werden) .</p>
<p>H. Verbitzky schreibt in dem genannten Artikel weiter: Die erste Erklärung Perez Esquivels nach der Wahl von Bergoglio zum Papst bestand darin zu sagen: Andere Bischöfe hätten mit der Diktatur kollaboriert, aber nicht Bergoglio. Aber er sei nicht allzu energisch gewesen in der Verteidgung der Menschenrechte. Diese Aussage irritierte offenbar den Vatikan: Deswegen:</p>
<p>Am Donnerstag, 21. März, treffen sich Papst Franziskus und Perez Esquivel im Vatikan, sie sprechen über die Menschenrechte, berichtet Perez Esquivel danach, sie hätten sich in der in Buenos Aires üblichen Umarmung verabschiedet und betont: &#8220;Vielleicht hat sich Bergoglio damals nicht in den Streit begeben, aber er hat eine schweigsame Diplomatie betrieben&#8221;.  Zur Lektüre des Beitrags in Pagina/12 klicken Sie <a href="http://www.pagina12.com.ar/diario/elpais/1-216484-2013-03-24.html">bitte hier. </a></p>
<p>Der Artikel verweist empfehlend auf das Buch von Mignone, &#8220;Iglesia y dictatura&#8221;, <span style="font-family: Arial; font-size: small;"> El papel de la iglesia a la luz de sus relaciones con el régimen militar.<br />
por Emilio Mignone, Ediciones del Pensamiento Nacional, 4° Edición, Septiembre de 1987.</span></p>
<p><strong>Ergänzung am 31. 3. 2o13:</strong> Wir verweisen auf den ausführlichen theologischen Artikel des Autors Washington Uranga in der Tageszeitung Pagina 12 aus Buenos Aires (31.3. 2013) mit dem Titel: <strong>&#8220;Von welcher Option für die Armen spricht der Papst&#8221;</strong>. Der Autor weist nach, wie der religionsphilosophische Salon schon früher, dass sich Kardinal Bergoglio in Buenos Aires eher der caritativen Unterstützung der Armen widmete &#8220;und versuchte, diese Position mit der politischen Macht listig und diskret zugleich zu vermitteln&#8221;. Bergoglio also dachte (und denkt) eher in der Kategorie &#8220;Kirche FÜR die Armen&#8221; als in der befreiungstheologischen Kategorie &#8220;Kirche der Armen&#8221;, im Sinne von: &#8220;Kirche gestaltet VON den Armen&#8221;. Uranga schreibt:&#8221; Bergoglio hat sich der radikalen Position der Befreiungstheologen nicht angeschlossen. Das lag auch daran, dass sich argentinische Theologen, wie etwa der populäre Lucio Gera, niemals mit der Befreiungstheologie anfreunden konnten, weil sie auch Beiträge des Marxismus für richtig befand&#8230;Insgesamt hat sich die argentinische Kirche &#8211; von der kleinen Bewegung &#8220;Priestern für die Dritte Welt&#8221; abgesehen &#8211; Ende der sechziger und in den siebziger Jahren (Konferenzen von Medellin und Puebla) fremd und fern und mißtrauisch verhalten gegenüber den anderen (oft befreiungstheologisch eher freundlicheren) katholischen Kirchen in Lateinamerika. Und dies waren genau die Jahre, in den Bergoglio als Priester sich bildete und als Theologe. Die argeninischen Bischöfe waren auf den entscheidenden Bischofsversammlungen in Medellin und Puebla wenig &#8220;präsent&#8221; (im Sinne von aktiv dabei), anders hingegen auf den späteren Konferenzen von Santo Domingo und Aparecida: Diese wurde von Papst Benedikt XVI. geleitet oder stark geprägt, die Endredaktion der Texte von Aparecida (2007) hatte Kardinal Bergoglio.</p>
<p>Wir fragen: Erstaunlich bleibt, dass Befreiungstheologen wie Leonardo Boff (oder auch Bischof Kräutler, beide Brasilien) große Hoffnungen in den eigentlich der Befreiungstheologie gar nicht gewogenen Papst Franziskus setzen. Wissen sie zu wenige Fakten von Bergoglio? Wollen sie den Papst durch allzu heftiges Loben auf ihre Seite ziehen? Oder ist es ein &#8220;gesamtlateinamerikanischer Stolz&#8221; der beiden, dass nun ein Latino überhaupt einmal Papst geworden ist? Abetr wir stark werden Argentinier im allgemeinen überhaupt als &#8220;Latinos&#8221; wahrgenommen, das ist eine andere Frage.</p>
<p><strong>Das Interview mit dem argentinischen Journalisten und kritischen Beobachter der Kirchenszene Argentiniens Horacio Verbitzky wurde </strong> im NDR am 27. 3. 2013 gesendet; zur Lektüre klicken Sie bitte <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/verbitsky103.html">HIER. </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>copyright: Christian Modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3421_das-argentinische-gesicht-von-kard-bergoglio-jetzt-papst-franziskus_religionskritik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kapitalismus als Religion. Zur Diskussion über einen Text von Walter Benjamin</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3413_kapitalismus-als-religion-zur-diskussion-ueber-einen-text-von-walter-benjamin_denken-und-glauben</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3413_kapitalismus-als-religion-zur-diskussion-ueber-einen-text-von-walter-benjamin_denken-und-glauben#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 17 Mar 2013 19:48:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Deutschmann]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Fleischmann]]></category>
		<category><![CDATA[das gute Leben als Projekt der Religion]]></category>
		<category><![CDATA[das kapitalistische Syste]]></category>
		<category><![CDATA[die Banker als Götter]]></category>
		<category><![CDATA[die Überflüssigen]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Baecker]]></category>
		<category><![CDATA[Dogmen des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm Orientierungsrahmen]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm.]]></category>
		<category><![CDATA[flexibel sein]]></category>
		<category><![CDATA[Geldscheine mit Bildern von Göttinnnen]]></category>
		<category><![CDATA[Göttinnen auf geldscheinen]]></category>
		<category><![CDATA[Heribert Böttcher]]></category>
		<category><![CDATA[iszt innen verfault]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus als Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus als Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus ist Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus von innen erneuern]]></category>
		<category><![CDATA[Passagen]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Skidelsky]]></category>
		<category><![CDATA[Sittlichkeit Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Skidelsky]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin Kapitalismus als Religion]]></category>
		<category><![CDATA[weiter Religionsbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Wie viel ist genug?]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3413</guid>
		<description><![CDATA[Kapitalismus als Religion?
Von Christian Modehn
In unserem religionsphilosophischen Salon am 15. März 2013 ließen wir uns (19 TeilnehmerInnen) von den Thesen und Vorschlägen inspirieren,  die Walter Benjamin (1892 – 1940) in seinem Fragment „Kapitalismus als Religion“, (geschrieben 1921, veröffentlicht 1985), hinterlassen hat.
Der Berliner Philosoph Dr. Jürgen Große begleitete kritisch unsere Gespräche.
Die Aktualität des Thema wird immer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Kapitalismus als Religion?</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>In unserem religionsphilosophischen Salon am 15. März 2013 ließen wir uns (19 TeilnehmerInnen) von den Thesen und Vorschlägen inspirieren,  die Walter Benjamin (1892 – 1940) in seinem Fragment „Kapitalismus als Religion“, (geschrieben 1921, veröffentlicht 1985), hinterlassen hat.</p>
<p>Der Berliner Philosoph Dr. Jürgen Große begleitete kritisch unsere Gespräche.</p>
<p>Die Aktualität des Thema wird immer offenkundiger: Am 30. März 2013 z.B. veröffentlichte die &#8220;Berliner Zeitung&#8221; ein ausführliches Gespräch mit dem Ökonomen Robert Skidelsky und dessen Sohn, dem Philosophen Edward Skidelsky anläßlich ihres gemeinsamen Buches &#8220;Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens&#8221; (A. Kunstmann Verlag, 2013). Weitere Hinweise am Schluss dieses Beitrags.</p>
<p>Zuerst zu unserem Salon am 15. 3. 2013:</p>
<p>Deutlich wurde, dass allein schon die These „Kapitalismus als Religion“ zu kontroversen Diskussionen führt. Einigen TeilnehmerInnen vermuteten, dass der Begriff der Religion viel zu weit gefasst werde, wenn er auch die „säkulare“ „Wirtschaftsordnung“ des Kapitalismus einbezieht. Religion, so die Meinung, hat nur mit religiösen Gründergestalten, mit einem theistischen System, mit explizit spiritueller Praxis in Gebet und Gottesdienst usw., zu tun.</p>
<p>Aber es besteht bei allen die Offenheit, sich dem Vorschlag Walter Benjamins zu stellen: Der Kapitalismus selbst IST Religion.</p>
<p>Dieser These kann man sich von verschiedenen Seiten nähern:</p>
<p>Etwa von dem Philosophen und Psychologen Erich Fromm (in: „Die Natur des Menschen und sein Charakter“, jetzt in Gesamtausgabe Band II, Seite 35f.) wird der Begriff „Rahmen der Orientierung und Hingabe“ eingeführt, als ein Oberbegriff, der ausdrücklich das Gemeinsame theistischer wie nichttheistischer  (!) (Sinn-) Systeme beschreibt. Erich Fromm sieht deutlich das seelische Bedürfnis des Menschen, über ein „System der Orientierung und Hingabe zu verfügen“ (S. 36). Fromm weist in diesem Aufsatz aus dem Jahr 1947 ausdrücklich darauf hin, dass es „Millionen von Menschen gibt, die sich dem Streben nach Erfolg und Prestige hingegeben haben“, also in dieser Hingabe der religiösen Hingabe ähnlich sind. Und der Psychologe stellt die nur noch rhetorische Frage, ob es nicht auffällig sei, „dass diese weltlichen Ziele (Erfolg, Prestige usw.) mit der gleichen Intensität und dem gleichen Fanatismus verfolgt werden, wie wir es in den Religionen betrachten können?“ Erich Fromm kommt in diesem Aufsatz der These Benjamins nahe, wenn er schreibt, „dass die meisten Menschen sich in unserem Kulturraum zwar zum Monotheismus bekennen, während ihre tatsächliche Hingabe Systemen gilt, die dem Totemismus  (als etwa der Verehrung von Gegenständen, CM) und der Götzenanbetung (also etwa dem Geld, CM) näher stehen als irgendeiner Form des Christentums“ (ebd).</p>
<p>Mit anderen Worten: In der Sicht Erich Fromms ist es faktisch so, dass auch Christen ihre zentrale Lebens &#8211; Orientierung in der Bindung an Güter und Geld finden: Kapitalismus als Religion entspringt dann sozusagen einem seelischen Bedürfnis.</p>
<p>Von theologischer Seite wird Religion die alles bestimmende Wirklichkeit genannt, etwa von Rudolf Bultmann und Paul Tillich. Diese Definition entspricht formal der Überzeugung Benjamins, der Kapitalismus sei die alles bestimmende Wirklichkeit: Der durch Geld vermittelte Warenaustausch ist sozusagen alles gründend, er ist universal; das Bedürfnis Profit zu machen, immer mehr Geld zu verdienen, gilt absolut und darf nicht bezweifelt werden. Es soll ein ständiges ökonomisches Wachstum herrschen. Das ist eine Form des Glaubens, der als zentraler „Orientierungsrahmen“ von Menschen im Kapitalismus übernommen wird.</p>
<p>„Kapitalismus als Religion“ heißt: Alle Bereiche des Lebens werden der Geldvermehrung und Kapitalvermehrung unterworfen. Noch bevor man sich auf die einzelnen Hinweise Benjamins einlässt, wird deutlich: Es wird im Kapitalismus nicht für den Gebrauch produziert, sondern für den Tausch, und der soll Gewinn, soll Geld bringen. Und wenn Geld ohne Arbeitskraft, also ohne Menschen erzielt wird, dann wird das auch praktiziert.  Der Soziologe Christoph Deutschmann weist darauf hin, dass Geld nicht nur ein ( hochheiliger) Tauschwert sei, sondern auch ein „Vermögen“: Es schenkt die allumfassende (göttliche) Freiheit.</p>
<p>Darin zeigt sich der Geist des Kapitalismus:</p>
<p>1. Jeder andere Mensch ist auf dem Markt mein potentieller Konkurrent und damit auch mein Gegner, den es zu besiegen gilt. Er kann mich schädigen. Ich muss mich schützen, auch vor denen, die nichts haben. Es entsteht eine feindliche Welt, man schottet sich von einander ab. Misstrauen herrscht vor. Der Mitmensch wird einzig unter der objekthaften Fassade des „Händlers“, der Produzenten oder des Arbeiters gesehen. Der Mensch als Mensch im Sinne von absoluter Personenwürde und „Zweck an sich“ (Kant) kommt nicht vor.</p>
<p>2. Um auf dem Markt sich durchzusetzen und zu bestehen: Muss man „selbst – los“ werden, d.h. ohne ein ausgeprägtes Selbst sich präsentieren, im letzten: Ohne ein eigenes Selbst sein, d.h. totale Flexibilität ist oberstes Gebot. Bindungen an Familie, Heimat usw. spielen keine Rolle; es gilt, dorthin zu gehen, wo es Arbeit (noch) gibt. Dies wird vonseiten der Eigentümer an Produktionsmitteln allen Arbeitern wie ein Dogma eingehämmert, also den Menschen, die nur ihre Arbeitskraft auf den Markt werfen können. Diese Entwicklung  kann man eine neue Form der „Selbst &#8211; Verlorenheit“ nennen. Alle Empfehlungen „Sei du selbst“ haben deswegen in der kapitalistischen Ökonomie einen schweren Stand; manche sprechen von einem illusorischen Charakter. „Sei du selbst“, das weckt Hoffnungen, die kaum zu erfüllen sind.</p>
<p>3. Es wird die unbefragte, wie ein Dogma verbreitete Lehre gelehrt: Arbeit ist das wichtigste im Leben. Freie Zeit hat nur Sinn, wenn sie für die Arbeit wieder fit macht. Arbeit ist der absolute Wert, dem sich jeder unterwerfen soll: Selbst die ausgedehnte Waffenproduktion etwa in Deutschland wird damit begründet, Waffenproduktion und Waffenhandel (selbst mit blutigsten Diktaturen in der arabischen Welt) schaffe Arbeitsplätze.</p>
<p>Das Motto ist: Irgendeine Arbeit ist besser als keine Arbeit. Das ist Credo besonders von Parteien, die sich nicht genieren, das C, also das Christliche, in ihrem Namen zu führen. Die absolute Hochschätzung der Arbeit ist DAS Dogma des Kapitalismus, das zudem „alternativlos“ genannt wird.</p>
<p>Es gibt zum Kapitalismus keine Alternative, wird eingeredet, so wie es eigentlich zum Bezogensein auf eine göttliche, transzendente Wirklichkeit keine Alternative gibt: Entweder man ist gläubig und bejaht Gott oder man ist ungläubig und setzt sich negierend vom Bezogensein auf ihn ab. Immer aber bleiben alle auf ihn bezogen, auf den Kapitalismus oder auf Gott.</p>
<p>4. Alles wird der Verwertung unterworfen; auch die Menschen werden als Gegenstände taxiert t und nach ökonomischen Einstellungen gebraucht/mißbruacht. Der um sich greifende und lukrative Menschenhandel ist nur die Spitze des Eisberges. (Jährlich werden im Windschatten der Globalisierung mehr als 2,4 Millionen Menschen wie Ware gehandelt, müssen die schlimmsten Formen wirtschaftlicher Ausbeutung erfahren und brutalste Verletzungen ihrer Menschenrechte hinnehmen. Die Gewinne aus dem Menschenhandel werden weltweit auf 32 Milliarden US-Dollar geschätzt – jährlich, Quelle: <a href="http://reset.to/knowledge/handelsware-mensch-menschenhandel-im-21-jahrhundert">http://reset.to/knowledge/handelsware-mensch-menschenhandel-im-21-jahrhundert</a>, gelesen am 17.3.2013).</p>
<p>Damit verbreitet sich die unbefragte Mentalität: Es gibt wertvolle (d.h. ökonomisch relevante Menschen) und unwichtige Menschen. Wer nichts gilt, das sind etwa die alten Menschen, die Kranken und Behinderten, die Roma und Sinti, die (allein erziehenden) Frauen oder die Flüchtlinge. Indische  Computerspezialisten sind begehrt, weil sie unser Wachstum fördern. Man kann sie ja nach erbrachter Leistung wieder rausschmeißen.</p>
<p>5. Die Philosophin Hannah Arendt hat darauf hingewiesen, dass Menschen, die von der Gesellschaft als „Überflüssige“ ausgegrenzt werden, tendenziell zu totalitären Haltungen neigen, wobei die Ausgrenzung selbst schon totalitär, faschistisch ist. Mit anderen Worten: Das kapitalistische System erzeugt Kriege, Bürgerkriege. Z.B. In Ungarn sprechen kluge Beobachter wegen des maßlosen Nationalismus und der Ausgrenzung von Minderheiten von Vorstufen für einen bevorstehenden Bürgerkrieg dort.</p>
<p>Dies sind die Annäherungen, um sich intellektuell aufzuschließen für die These Walter Benjamins „Der Kapitalismus ist Religion“.</p>
<p>Diese Religion, der Kapitalismus, prägt uns ständig und indirekt und unaufgefordert. Sie vermittelt uns von Kindheit an „Werte“:</p>
<p>Durchsetzungskraft, Macht, Gewinn, Quantität sei wichtiger als Qualität, Geld ls oberster Wert, der Freiheit schenkt, Wachstum der Wirtschaft, aus allem materiellen Gewinne ziehen. (Nebenbei: Nach einem Besuch in der Sowjetunion im Jahr 1926 zweifelte Benjamin daran, dass eine „sozialistische Ordnung“ besser sei als die kapitalistische: beide liegen auf der selben Ebene, was die Einschätzung des einzelnen, seine Personenwürde usw. angeht.)</p>
<p>Nun zum Text Walter Benjamins selbst: Es ist ein Fragment, 3 Din A 4 Seiten umfassend; es ist also äußerst knapp und kurz gehalten die Argumentation! Die im Fragment angegeben Literaturhinweise deuten darauf hin, dass eigentlich von Benjamin weiter gearbeitet werden müsste.</p>
<p>Wir können nur auf einige zentrale Erkenntnisse des Fragments hinweisen: Der Soziologe Max Weber, hatte betont, die Wirtschaftsordnung des Kapitalismus sei BEDINGT durch den Protestantismus, vor allem durch pietistische Formen des Calvinismus.</p>
<p>Walter Benjamin geht noch weiter, wenn er sagt: Kapitalismus IST selbst Religion und nicht nur von Religionen bedingt.</p>
<p>Für Benjamin ist klar: Der heute alles bestimmende Kapitalismus dient der Befriedigung derselben Sorgen wie die Religionen, es geht auch dem Kapitalismus, „um Befriedigung von Sorgen, Qualen, Unruhen“. Man denke an den auf Gewinn zielenden Kulturbetrieb, der durchaus Sinn stiftende Vorschläge macht, etwa in der Popkultur, in der Freizeit – Industrie usw.</p>
<p>Für Benjamin ist klar: Der Kapitalismus will den Menschen Befriedigung geben und Sinn stiften wie die (traditionellen) Religionen. Die Frage ist: Wie weit hat der Kapitalismus als Religion bereits die „klassischen“ Religionen, wie die Kirchen, abgelöst, inwieweit bestehen diese nur noch als Strukturen weiter.</p>
<p>Vier zentrale Thesen im Fragment Benjamins sollen erwähnt werden:</p>
<p>1.</p>
<p>Kapitalismus ist eine kultische Handlung. Kultreligion ist für Benjamin eine typisch heidnische Religion.</p>
<p>Dieser Kult – Kapitalismus hat nach Benjamin keine Dogmatik und keine Theologie (was meines Erachtens eine sehr fragwürdig Behauptung ist CM). Der Kult heißt: Nur arbeiten und gewinnen, die Arbeit verehren, um den Profit zu vermehren. Es ist ein Kultus der Ware. Tauschwert und Gewinn werden religiös als absolut verklärt. Die Orte des Handels werden kultisch überformt: Weltausstellungen sind für Benjamin Wallfahrtsorte des Fetischs Ware. Die (Handels) Passagen in Paris wirken auf ihn wie Kathedralen. (Kaufhäuser werden heute oft ohne Ironie Konsumtempel genannt). Am Beispiel der großen Weltausstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts hat Benjamin diese Tendenz der modernen Welt in seinem Passagen-Werk untersucht. &#8220;Die Weltausstellungen &#8230; eröffnen eine Phantasmagorie, in die der Mensch eintritt, um sich zerstreuen zu lassen. Die Vergnügungsindustrie erleichtert ihm das, indem sie ihn auf die Höhe der Ware hebt. Er überlässt sich ihren Manipulationen, indem er seine Entfremdung von sich und den anderen genießt.&#8221; (Benjamin V.1, 50f)</p>
<p>2.</p>
<p>Kapitalismus als Kult kennt keine Pausen; er ist zeitlich allgegenwärtig, auch am Sonntag. An allen Tagen herrscht Konsum. An allen Tagen gilt das Gesetz der Arbeit.</p>
<p>3.</p>
<p>Kapitalismus bringt keine Entsühnung, d.h. keine Erlösung; er ruft ein stetig wachsendes Schuldgefühl hervor. Er bringt Schuld und Schulden. Als Schuldner muss man durchhalten. Kapitalismus lädt allen immer mehr Schulden auf. Den Schulden kann keiner entkommen.</p>
<p>Das erinnert an die Unentrinnbarkeit. Kapitalismus offenbart sich wie eine  Schicksalsmacht! Darin drückt sich auch eine Form der Hoffnungslosigkeit aus. Es macht keinen Sinn, sich um Verbesserungen zu bemühen. Benjamin sagt: „Dass es so weitergeht ist die Katastrophe“</p>
<p>Sehr bedenkenswert ist die Aussage Benjamins:</p>
<p><b>„Der Kapitalismus ist ein Parasit des Christentums“.</b> D.h. er ist mit dem Christentum groß geworden. Das heißt für Benjamin: Es gibt keine vom Christentum unabhängige Geschichte des Kapitalismus.</p>
<p>Und: An die Stelle des transzendenten Gottes tritt dann der Übermensch.</p>
<p>Nebenbei eröffnen sich interessante historische Belege für das „heilige Geld“ seit dem 19. Jahrhundert vor allem: es sind die Götter- bzw. Göttinnen – Darstellungen auf den Geldscheinen. Auf dem 50 Gulden Schein der herzogl. Landesbank von 1845 sind mehrere Götter abgebildet. Weit verbreitet sich auch Darstellungen von Fruchtbarkeitsgöttinnen auf Geldscheinen. Dies ist wie eine religiöse Verheißung an den Geldscheinbesitzer: Dein Geld bringt Glück. Und es weckt das Gefühl: Ich kann die Götter anfassen. Man wagte es damals nicht, den einen, den absoluten, monotheistischen Gott abzubilden, offenbar aus Angst vor Blasphemie Vorwürfen durch die Kirchenführer.</p>
<p>Was hat diese These Kapitalismus als Religion für Auswirkungen auf die traditionellen monotheistischen Religionen, etwa die Kirchen? Sie müssen, so glauben die meisten Kirchenführer, zum Überleben auf der zum Markt gewordenen Welt, selbst marktkonform sein. Das Gefühl ist allgemein: Religion muss etwas bringen, etwas bewirken, muss mir mein Funktionieren in der Welt erleichtern. Religion wird zum Ausdruck instrumentell agierender Vernunft.</p>
<p>Jetzt erleben wir die Phase des offenbar noch vollkommen ungefährdet herrschenden Kapitalismus. Wie lange wird das noch gelten angesichts der Krisen der Banken, der Milliardenkredite, die nicht den Menschen helfen, sondern den Bankmanagern und den (auswärtigen) Gläubigern?</p>
<p><b>Kapitalismus als Religion: </b>Was nützt diese Erkenntnis für die Lebensorientierung heute? Darauf wie auf viele andere Fragen konnte unser Salon naturgemäß keine definitiven Antworten finden.</p>
<p>Die Frage bleibt: Kann man in der allmächtigen Religion des Kapitalismus überhaupt noch „unreligiös“ werden? Also zum  Atheisten des Kapitalismus werden?</p>
<p>Das Fragment „Kapitalismus als Religion“ wird uns im religionsphilosophischen Salon weiter beschäftigen. Weitere Themen wäre etwa das Wort Martin Luthers im Großen Katechismus „Worauf du dein Herz hängest&#8230; das ist eigentlich dein Gott“. Oder die Rede von der „unsichtbaren Hand“ der modernen Wirtschaft, die (angeblich, so Adam Smith) wie die göttliche Vorsehung den Wohlstand der Nationen befördert. Wer dem Konzept der unsichtbaren Hand folgt, der folgt einem Glauben. D.h. der Kapitalismus ist selbst auf einem Glauben basiert, er verlangt gläubige (und nicht rundum ein  rational begründete) Zustimmung. Weitere Themen sind: Ist politische Stabilität denkbar ohne das permanente Wachstum? Welches Wachstum wäre noch förderlich für die allmählich ausgeplünderte Erde? Was ist das für ein Menschenbild, das die Personen primär als Konsumenten anspricht und in der Werbung mit religiösen Begriffen arbeitet, wie „absolute“ oder Eternity oder himmlisch oder göttlich usw. Der Publizist Christoph Fleischmann weist in seinen Publikationen (empfehlenswert: „Gewinn in alle Ewigkeit“, Kapitalismus als Religion, Zürich 2010)  darauf hin, dass „die Messe vom Ort der Gottesoffenbarung zum Handelsplatz geworden sei, dass der Erlös die christlich verstandene Erlösung ersetzt“ usw. „Begriffe, Vorstellungen und Medien der alten Religion sind von der neuen Religion (dem Kapitalismus) okkupiert und umgedeutet worden (so Christoph Fleischmann in dem Aufsatz „Kapitalismus als Religion“ in „Blätter für deutsche und internationale Politik, 2007).</p>
<p>Für die nächste Zeit heben wir uns im Salon die Frage auf, ob oder auch wie der Kapitalismus in seiner Zwiespältigkeit (Fortschritt und Modernisierung vermittelnd und doch Unterdrückung schaffend) reformiert werden kann. Der „soziale Kapitalismus“ darf dabei wohl nicht als eine zusätzlich „aufgepfropfte Dimension“ künstlicher Art erscheinen. Vielmehr muss wohl an Hegels Rechtsphilosophie angeknüpft werden, in der Hegel die Sittlichkeit als die Basis aller Geschäftsbeziehungen geltend macht, so dass also von der sittlichen Freiheitsbasis aus der Kapitalismus zu reformieren wäre. Wegweisend ist hier das neue Buch von Axel Honneth, „Das Recht der Freiheit“, Suhrkamp, 2012.  Das Buch hat den bezeichnenden Untertitel: „Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit“-</p>
<p>Wir weisen auch auf die allgemein zugänglichen, inspirierenden Texte von Heribert Böttcher hin, er ist als katholischer Theologe Leiter der Pax – Christi – Arbeit in Trier.</p>
<p>Zum Fragment Walter Benjamins empfehlen wir die Aufsatzsammlung „Kapitalismus als Religion“, erschienen im Kulturverlag Kadmos Berlin, 2003. Herausgegeben von Dirk Baecker.</p>
<p>Der Soziologieprofessor Christoph Deutschmann wurde schon kurz erwähnt: Wichtig ist sein Buch „Die „Verheißung des absoluten Reichtums. Zur religiösen Natur des Kapitalismus“. Campus Verlag 2001. Es gibt auch  zahlreiche weitere Publikationen Deutschmanns zum Thema.</p>
<p>Sehr empfehlenswert ist auch die website zur Erforschung des Werkes Walter Benjamins: http://www.walterbenjamin.org/</p>
<p><strong>Eintrag am 1.4.2013</strong>: Zu dem oben genannten Buch vom Robert Skidelsky und Edward Skidelsky. Wir bieten nur einige besonders wichtige Zitate:</p>
<p>Edward Skidelsky: &#8220;Wenn wir nach dem streben, was andere haben, wir aber nicht, dann liegt das im kapitalistischen System, das uns zur Jagd nach immer mehr verdammt. Der Kapitalismus gießt Öl ins Feuer des menschlichen Verlangens. Politik hat jeden Versuch aufgegeben, die Marktkräfte zu steuern&#8221;.</p>
<p>Und der Ökonom Robert Skidelsky ergänzt: &#8220;Unsere Politiker haben für die Zielbestimmung der Wirtschaft nichts anderes auf Lager als Wachstum, Wachstum,Wachstum. Derweil kassiert eine habgierige Plutokratie im Westen ab&#8230;.. dass dieses ganze (kapitalistische) System von innen her moralisch verfault, spricht kaum einer aus&#8230;Die schwerreichen Banker und die Milliardäre sind alle Frankensteins auf ihre Art. Sie halten sich für unfehlbar. Sie glauben, sie seine unglaublich wertschöpferisch tätig, was schlicht nicht stimmt. In Wahrheit sind sie Gierhälse, viele von ihnen auch Betrüger. <strong>Wir verehren sie wie Götter, </strong>aber es es sind falsche Götter &#8211; moralisch, ökonomisch, politisch&#8221;.</p>
<p>Der Vorschlag des Ökonomen R. Skidelsky und des Philosophen E. Skidelsky heißt: Wir müssen persönlich und in Gruppen deutlicher an dem arbeiten, was GUTES LEBEN für uns heute bedeutet: z.B: Weniger Arbeit, weniger Gier, mehr freie Zeit, mehr Achtsamkeit, mehr Zeit fürs Nachdenken, auch mehr Zeit fürs philosophische Gespräch, für die Kunst, für die Religion. Wobei dieses &#8220;mehr&#8221; nicht im Sinne des quantitativen Steigerns gemeint ist&#8230; Die Leitidee des guten Lebens, die uns schon mehrfach im Religionsphilosophischen Salon beschäftigte (zuletzt auch über das Konzept des &#8220;buen vivir&#8221; in Eciador und Bolivien) werden wir weiter besprechen. Warum kann ein religionsphilosophischer Salon sich nicht überhaupt unter das Motto stellen:&#8221;Für das gute Leben&#8221;?.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3413_kapitalismus-als-religion-zur-diskussion-ueber-einen-text-von-walter-benjamin_denken-und-glauben/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Franziskus &#8211; der &#8220;zweite Christus&#8221;. Hinweise zum Namen des neuen Papstes</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3384_franziskus-der-zweite-christus-hinweise-zum-namen-des-neuen-papstes_denken-und-glauben</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3384_franziskus-der-zweite-christus-hinweise-zum-namen-des-neuen-papstes_denken-und-glauben#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Mar 2013 10:37:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio ein Befreiungstheologe? Bergoglio eher für katholische Soziallehre]]></category>
		<category><![CDATA[Bergoglio kritisiert Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus - der zweite Christus]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus als retter der Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus liebt die Muslime]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus liebte Clara]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus radikal]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus und Innozens III.]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus von Assisi]]></category>
		<category><![CDATA[Franziskus war Laie]]></category>
		<category><![CDATA[Name der Ppstes revolutionär]]></category>
		<category><![CDATA[neuer Papst]]></category>
		<category><![CDATA[noch nie gab es einen Papst Franziskus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3384</guid>
		<description><![CDATA[Franziskus – der „zweite Christus“.
Mit einer Ergänzung am 17.3.2013: Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio. Kritische Hinweise von Prof. Fortunato Mallimaci, Buenes Aires. Bitte klicken Sie zur Lektüre hier.
Von Christian Modehn
Der neue Papst hat einen höchst ungewöhnlichen Namen gewählt: Franziskus. Liegt darin eine Verheißung für eine Reform der römischen Kirche oder ist diese Namenswahl eine beruhigende [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Franziskus – der „zweite Christus“.</p>
<p>Mit einer Ergänzung am 17.3.2013: <strong>Das argentinische Gesicht von Kardinal Bergoglio</strong>. Kritische Hinweise von Prof. Fortunato Mallimaci, Buenes Aires. Bitte klicken Sie zur Lektüre <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/3421_das-argentinische-gesicht-von-kard-bergoglio-jetzt-papst-franziskus_befreiung">hier</a>.</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Der neue Papst hat einen höchst ungewöhnlichen Namen gewählt: Franziskus. Liegt darin eine Verheißung für eine Reform der römischen Kirche oder ist diese Namenswahl eine beruhigende Besänftigung? Das wird sich zeigen. Immerhin wollen wir auf einige Aspekte zum Papstnamen Franziskus aufmerksam machen:</p>
<p>Etwa seit dem 11. Jahrhundert ist es üblich, dass sich Päpste nur vordem schon gewählte Namen aussuchen.  Bis dahin herrschte eine bunte Fülle von Namen, Vigilius, Agapet, Pelagius usw.</p>
<p>Ein gewisser &#8220;Bruch&#8221;  in der Namenswahl wurde 1978 durch den so freundlichen, aber nur wenige Tage regierenden Johannes Paul I. eingeleitet.</p>
<p>Der religionsphilosophische Salon, von außen die Szenerie der Kirchen beobachtend, meint: Allein die Wahl dieses Namens Franziskus ist sensationell, wenn sie nicht sogar auf einen radikalen, neuen Stil und Geist im Papsttum hinweisen könnte. Ob sich allerdings die Sanftheit des heiligen Franziskus wiederfindet in der schroffen Ablehnung etwa der Homoehe durch Kardinal Bergoglio (gerade in einer von Machismo geprägten lateinamerikanischen Welt, in der Homosexuelle immer noch belästigt und beleidigt werden) ist  fraglich. Und ob Kardinal Bergoglio franziskanisch denkt, wenn er die Zusammenarbeit von Kirche und Militär in Argentinien eher höchst diplomatisch bespricht und wohl auch vieles verschleiert, ist ebenfalls höchst problematisch. Franziskus von Assisi lag an der öffentlichen Freilegung aller Gewaltstrukturen!</p>
<p>Dennoch: Den Namen Franziskus hat bisher kein Papst zu wählen gewagt. Mit gutem Grund: Franziskus von Assisi (1182 – 1226) ist nicht nur der beliebteste und hoch verehrte Heilige der Katholiken, sondern weithin auch in der Ökumene, etwa in evangelischen Franziskus &#8211; Bruderschaften oder in der Anglikanischen Kirche bekannt. Selbst die säkulare Ökobewegung bezieht sich auf Franziskus, zurecht!</p>
<p>Mehr noch: Der heilige Franziskus wird populär unter Katholiken als der „zweite Christus“ verehrt. So makellos, so radikal wird die Beziehung des Franz von Assisi zur biblischen Botschaft, zum Evangelium vor allem, erlebt. Bisher wagte kein Papst, sich auf diesen „zweiten Christus“ in der Namenswahl zu beziehen! Ist die Wahl des Namens Franziskus vielleicht eine &#8220;Überforderung&#8221;, fast eine &#8220;Blasphemie?&#8221; Einen Papst Petrus II. hat es ja bekanntlich bisher nicht gegeben. Nun also der Name des &#8220;zweiten Christus&#8221; Franziskus, das ist auch äußerst anspruchsvoll&#8230;.</p>
<p>Wenn jetzt ein Jesuit als Papst den Namen Franziskus wählt, will er sich offenbar in die Linie der Radikalität der Bergpredigt stellen, könnte man vermuten. Bergpredigt bedeutete für Franziskus von Assisi: Gewaltfreiheit und Dialog, Respekt vor allen Wesen, Armut. Aber: Kann ein Papst Franziskus in einem Renaissance Palast des Vatikans überhaupt nur den schwachen Anschein wecken, arm zu sein? Stehen also bald Umzüge im Vatikan, in Rom, bevor?</p>
<p>Franziskus von Assisi war am Dialog, nicht an der Mission der Muslime in Nordafrika ausdrücklich interessiert. Franziskus, der sanfte, ist wohl eine Inspiration für das Miteinander von Christen und Muslims.</p>
<p>Franziskus von Assisi fühlte sich als radikaler Kirchenreformer. Der machtvolle (machtbesessene) Papst Innozens III. (als Papst von 1198 – 1216)  sah im Traum, so der Künstler Giotto, wie Franziskus von Assisi die zusammenstürzende Kirche, die Lateranbasilika, stützt. Deswegen wollte Innozens III. den radikalen  Reformer Franziskus in die Kirche stark einbeziehen.</p>
<p>Der heilige Franziskus als Retter der römischen Kirche – auch das ist ein Bild, das sich tief unter Katholiken eingeprägt hat.</p>
<p>Franziskus, der Gründer einer radikalen Laienbewegung, fügte sich dann aber doch den Befehlen der Päpste, und ließ zu, dass ein päpstlich kontrollierter „überschaubaren“ Franziskaner &#8211; Orden mit Priestern entstand, Franziskus selbst war aber immer &#8220;Laie&#8221; geblieben.</p>
<p>Franziskus von Assisi hat aus seiner (erotischen?) Verbundenheit mit seiner Gefährtin, der Nonne Clara,  nie einen Hehl gemacht. Ist es hoch spekulativ, aus diesem historischen Vorbild, auf einen Impuls zur Neubestimmung des Pflicht &#8211; Zölibats im katholischen Klerus zu schließen? In Fragen der Erotik ist Herr Bergiglio bekanntlich nicht der mutigste Erneuerer, siehe seinen scharfen Protest gegen die Homoehe in Argentinien.</p>
<p>Franziskus von Assisi ist sicher der populärste Heilige in Lateinamerika. Seine Verehrung ist dort enorm. Der damalige Franziskanerpater Leonardo Boff aus Brasilien hat mehrere Franziskus Studien geschrieben. Boff ist einer der Gründer der Befreiungstheologie, er wurde von Rom (Kardinal Ratzinger) verurteilt. Die Befreiungstheologie hat in Argentinien nie eine so explizite Rolle gespielt wie etwa in Brasilien, Chile oder Peru. Es gab nur wenige Bischöfe, die offen die Befreiungstheologie verteidigten, einige kamen dabei ums Leben, wie der Bischof von Avellaneda. Bergoglio hat sich in Argentinien sicher nicht als Befreiungstheologe gezeigt, diese Theologie scheint ihm &#8211; pauschal sicher nicht treffend &#8211; &#8220;marxistisch&#8221; zu sein. Tatsächlich pflegen Befreiungstheologen die Analyse der Klassengesellschaft, sie deuten die Kirchliche Lehre im Licht der Befreiung, was zurecht zu heftiger Kritik an der römisch &#8211; katholischen Dogmatik und Moral führt, etwa, wenn die klassische Dogmatik Jesus vor allem als Gottmenschen hoch über der Erde plaziert, und ihn nicht mehr als Jesus von Nazareth gebührend menschlich &#8211; sozialkritisch und rebellisch würdigt. Jedenfalls zeigte sich Kardinal Bergoglio in Buenos Aires als caritativ engagierter Freund der Armen. In den letzten Jahren hat er den Kapitalismus heftig kritisiert, damit hat er wohl die Linie der katholischen Soziallehre weiter radikalisiert und Aspekte der Befreiungstheologie sicher &#8211; unthematisch &#8211; übernommen. SPIEGEL ONLINE schreibt am 14. 3. 2013: &#8220;Vor wenigen Wochen warnte Bergoglio vor der &#8220;alltäglichen Übermacht des Geldes mit seinen teuflischen Folgen von Drogen und Korruption sowie dem Handel von Menschen und Kindern, zusammen mit der materiellen und moralischen Misere&#8221;. Aber SPIEGEL Online fügt hinzu, und das vervollständigt das Bild: &#8220;Als Bergoglio die Gesetzesvorlage zur gleichgeschlechtlichen Ehe als &#8220;Teufels-Manöver&#8221; bezeichnete, antwortete Argentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner, diese Kritik erinnere an die Zeiten der Inquisition&#8221;. Überhaupt spricht Papst Franziskus auch jetzt bereits oft vom Teufel&#8230;</p>
<p>Wenn man seine Tätigkeit in Buenos Aires kritisch betrachtet, wie dies Prof. Fortunato Mallimaci tut, kommen gewisse Zweifel, wie franziskanisch Papst Franziskus werden könnte. Zur Lektüre des Beitrags klicken Sie bitte <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/3421_das-argentinische-gesicht-von-kard-bergoglio-jetzt-papst-franziskus_befreiung">hier. </a></p>
<p>Copyright: christian modehn</p>
<p>Über die Kirche in Argentinien habe ich im Religionsphilosophischen Salon früher schon einige Hinweise publiziert, besonders zur Verquickung von Militär und Kirchenführung. Zur Lektüre klicken Sie bitte <a href="http://religionsphilosophischer-salon.de/94_argentiniens-kirchliche-vergangenheit-2007_religionskritik">HIER: </a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3384_franziskus-der-zweite-christus-hinweise-zum-namen-des-neuen-papstes_denken-und-glauben/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kapitalismus &#8211; Surrogat oder Steigerung von Religion?</title>
		<link>http://religionsphilosophischer-salon.de/3373_kapitalismus-surrogat-oder-steigerung-von-religion_denkbar</link>
		<comments>http://religionsphilosophischer-salon.de/3373_kapitalismus-surrogat-oder-steigerung-von-religion_denkbar#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 21:58:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkbar]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://religionsphilosophischer-salon.de/?p=3373</guid>
		<description><![CDATA[Einige Thesen für den Salon am 15. 3. 2013 von Jürgen Große, Philosoph in Berlin
Kapitalismus – Surrogat oder Steigerung von Religion?
Fragen zu Walter Benjamins Fragment „Kapitalismus als Religion“ (1921)
1. Kapitalismus als Surrogat für Religion:
- Kann der Kapitalismus die Religion ersetzen, und wenn ja: Welche Religion ist in welcher Hinsicht durch den Kapitalismus ersetzbar?
- Was sind [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Einige Thesen für den Salon am 15. 3. 2013 von Jürgen Große, Philosoph in Berlin</p>
<p><b>Kapitalismus – Surrogat oder Steigerung von Religion?</b></p>
<p>Fragen zu Walter Benjamins Fragment „Kapitalismus als Religion“ (1921)</p>
<p>1. Kapitalismus als Surrogat für Religion:</p>
<p>- Kann der Kapitalismus die Religion ersetzen, und wenn ja: Welche Religion ist in welcher Hinsicht durch den Kapitalismus ersetzbar?</p>
<p>- Was sind die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen, um diese Frage entscheiden zu können? Kann man von spezifisch ökonomischen und spezifisch religiösen Erfahrungen so weit abstrahieren, dass Kapitalismus und Religion/Christentum als bloße Strukturen vergleichbar werden?</p>
<p>- Was sind Benjamins wichtigste Evidenzen für eine Strukturanalogie von Kapitalismus und Christentum?</p>
<p>[Evtl. noch zu diskutieren: Worin weicht Benjamin von M. Weber, Marx, Nietzsche ab?]</p>
<p>2. Kapitalismus als gesteigerte Religiosität:</p>
<p>- Benjamin nennt vier Merkmale von Religion, die im Kapitalismus ausschließlichen Charakter erhalten hätten. Diese Betrachtungsweise hat historische, zum Teil apokalyptische Implikationen. Ist sie mit der These einer Substituierbarkeit von Christentum durch Kapitalismus kompatibel, wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?</p>
<p>3. „Die Sorgen: eine Geisteskrankheit, die der kapitalistischen Epoche eignet“</p>
<p>- Benjamin nennt die Sorgen einen Index des „Schuldbewusstseins der Ausweglosigkeit“. In welcher Hinsicht können Sorgen mehr als eine vorübergehende Seelenlage bezeichnen? Sind Sorgen im Kapitalismus eine Übersteigerung alltäglicher Sorgen, die zum psychischen Zusammenbruch des Einzelnen führen muss? Oder ist die Permanenz der Sorgen eine Systemeigenschaft des Kapitalismus, die nicht an bestimmte Menschentypen oder Situationen gebunden ist (= relative Gesundheit des Einzelnen in einem ‚kranken System’)?</p>
<p>- Können sich die Sorgen des Menschen im Kapitalismus als grundlos bzw. nichtig erweisen?</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://religionsphilosophischer-salon.de/3373_kapitalismus-surrogat-oder-steigerung-von-religion_denkbar/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
