Monatsarchiv



„Der Papst sollte nach Darfur reisen“

20. April 2009 | Von | Kategorie: Befreiung

„Der Papst sollte nach Darfur reisen“
Benedikt XVI. besucht Afrika Continue reading “„Der Papst sollte nach Darfur reisen“” »



Erfahrungen auf dem Teeweg

7. April 2009 | Von | Kategorie: Interkultureller Dialog

Erfahrungen auf dem Teeweg
Von Christian Modehn
„Der Tee-Weg gründet auf der Verehrung des Einfachen und Schönen inmitten des schmutzigen Alltags. Er umschließt Reinheit, Harmonie und das Geheimnis des Mitleidens. Die Tee-Zeremonie ist eine Verehrung des Unvollkommenen, sie ist ein zarter Versuch, etwas Mögliches zu vollenden in diesem Unmöglichen, das wir Leben nennen“. Kakuzo Okakura, einer der hervorragenden Tee-Meister Japans, beschreibt einen „Weg“, der nach japanischer Auffassung zu Ausgeglichenheit, Continue reading “Erfahrungen auf dem Teeweg” »



Die brasilianische Religion CANDOMBLE in Deutschland

7. April 2009 | Von | Kategorie: Interkultureller Dialog

Von Christian Modehn

ein Radiobeitrag für den WDR.

Moderationshinweis:
Eine „Karnevals – Religion“ ist der Candomblé sicher nicht. Wie jeder anderen Glaubensgemeinschaft geht es auch dieser „Religion der Naturkraft“ um die grundlegenden Fragen von Leben und Tod. Aber Candomblé ist viel zu brasilianisch, als dass er den Karneval in Rio oder Salvador da Bahia einfach ignorieren könnte. Jetzt ist Candomblé auch in Deutschland mit einem Tempel und einer Gemeinde vertreten. Christian Modehn berichtet. Continue reading “Die brasilianische Religion CANDOMBLE in Deutschland” »



André Comte Sponville. Atheistische Spiritualität

7. April 2009 | Von | Kategorie: Interkultureller Dialog

ANDRE COMTE SPONVILLE

Eingetaucht in die Leere des Kosmos
Mystik ohne Gott: Der Philosoph André Comte-Sponville hat sich vom Christentum abgewandt.
Er vertritt eine atheistische Spiritualität – ohne Militanz Continue reading “André Comte Sponville. Atheistische Spiritualität” »



Die lateinamerikanische Theologie der Befreiung

7. April 2009 | Von | Kategorie: Befreiung

Der folgende Beitrag ist der Text einer RADIO Sendung des Saarländischen Rundfunks 2005.

Wir weisen auf aktuelle Ergänzungen vom 9.5. 2016 hin mit Beiträgen des kompetenten Befreiungstheologen Kardinal Lorscheider über die „Option für die Armen“, die unglückliche Rolle von ADVENIAT“ usw. Klicken Sie zur Lektüre dieses Beitrags hier.

Ein „Vorwort“ am 4. 2. 2011: Mich freut es sehr, dass dieser Beitrag vielfach gelesen und hoffentlich auch verbreitet wird. Ich weise nur noch einmal darauf hin, dass dieser Beitrag, eine Radiosendung, aus dem Jahr 2005 stammt. Die Befreiungstheologien haben sich seit der Zeit natürlich weiter entwickelt. Ich arbeite daran und hoffe, bald Aktualisierungen zu bieten. Aktuelle Themen könnten sein: Die Zusammenarbeit von Papst Johannes Paul II. mit dem us amerikanischen Präsidenten Reagan im gemeinsamen Kampf gegen die Befreiungstheologie; die direkte und indirekte Unterstützung für Diktatoren in Chile, Argentinien, Brasilien usw. Die enge sehr freundschaftliche Verbindung Johannes Paul II. mit dem erklärten Gegner der Befreiungstheologie, dem Chef der Legionäre Christi, Marcial Maciel; die Rolle des opus dei als Motor des kampfes gegen die Befreiungstheologie wäre zu untersuchen, abgesehen von den genau wichtigen Themen wie der Rolle der Theologinnen in der Befreiungstheologie, die Bedeutung der indigenas Religionen, der afrobrasilianischen Kulte usw. Die neue „Macht“ der Pfingskirchen und die offiziell theologische Degradierung der Basisgemeinden usw…

Eine weitere Ergänzung am 2.3.2016 zu Kardinal Müller, Rom, und der Theologie der Befreiung bzw. der so laut herausgestellten Freundschaft von Gustavo Gutierrez und Gerhard  Müller, Rom, klicken Sie hier.

Das Thema gehört in einen „religionsphilosophischen Salon“, weil diese lateinamerikanische Theologie eng mit den großen Perspektiven einer freien, einer emamzipierten Welt verbunden ist.

„Für mich ist der christliche Gott genau der Gott der universalen Gerechtigkeit. Und das ist der Gott, der das Leben ALLER Menschen will. Wer zu Gott DU sagt, und den Mitmenschen zum Objekt seiner Interessen erniedrigt, der betet nicht zu Gott, sondern zum privaten Hausgötzen seiner partikulären Interessen. Es geht um eine Theologie, die Stachel im Fleisch bleibt. Es steht dein ewiges Heil am Spiel, ob du bereit bist, den zu sehen, der nichts zu essen hat“.

Martha Zechmeister ist Ordensfrau und Professorin für katholische Theologin an der Universität Passau. Regelmäßig arbeitet sie als Dozentin auch in Lateinamerika, vor allem im zentralamerikanischen Staat El Salvador. Sie teilt dort mit den Armen die bescheidenen Behausungen, erlebt die tägliche Sorge um sauberes Wasser und halbwegs genießbare Nahrung. Die meisten Bewohner in diesem Land leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Wirtschaft ist – wie fast überall in Lateinamerika – am Boden. Das Elend wächst und damit auch die Bereitschaft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Aber die Armen fragen in den christlichen Gemeinden nach der Bedeutung des Glaubens inmitten von Elend und Unterdrückung. Dabei hat Martha Zechmeister entdeckt, dass der Kern des Christentums eigentlich etwas ganz Einfaches ist:

„Die Herrlichkeit Gottes ist der Mensch, der lebt. Das heißt mich: Ohne die Armen kein Heil. Das ist nicht ein spirituelles Problem, sondern das ist ein politischer Anspruch“.

In Lateinamerika stellen sich heute zahlreiche katholische, aber auch etliche protestantische Theologen den politischen Ansprüchen des Glaubens. Frei Betto, Jon Sobríno, Elsa Támez, Paulo Suess, Leonardo Boff, Gustavo Gutiérrez: Sie und viele andere Theologen haben sich entschieden, für die Hungernden, die Ausgrenzten und Arbeitslosen Partei zu ergreifen. „Option für die Armen“ heißt ihr Motto. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kirchen gibt es eine systematisch ausgearbeitete Theologie der Unterdrückten; eine „Wissenschaft von Gott und dem Glauben“, die nicht am Schreibtisch entsteht, sondern im Einsatz für mehr Gerechtigkeit. Der peruanische Priester Gustávo Gutiérrez hat vor 35 Jahren diese „teología de la liberación“, die Theologie der Befreiung,  in ihren Grundzügen formuliert. Bei einer Konferenz in Frankreich sprach Gustavo Gutiérrez kürzlich erneut über seine wichtigsten theologischen Lehrmeister:

„Wir nennen diese Menschen die Bedeutungslosen. Sie haben keine Bedeutung für die Wirtschaft. Sie zählen nichts aufgrund ihrer Hautfarbe. Sie zählen nichts, weil sie Frauen sind. Diese wirkliche Ausgrenzung und Armut ist der Ausgangpunkt unserer theologischen Überlegungen. Denn wir sind überzeugt,  die Frage der Armut ist nicht nur ein soziales Problem. Vielmehr wird von der Armut her unser ganzes Verstehen der christlichen Botschaft geprägt“.

In der ursprünglichen Predigt Jesu werden die Armen selig gepriesen, ihnen gehöre das Reich Gottes, sie seien von Gott besonders geliebt. Die Kirchen haben diese biblischen Weisungen zwar nie ganz vergessen. Aber erst lateinamerikanische Befreiungstheologen haben diese Forderungen wieder in die Mitte kirchlicher Praxis gestellt. Sie erinnern daran, dass Jesus von den Reichen verlangte, den Besitz zu teilen. Auch einige Bischöfe unterstützen diese Theologie, die so leidenschaftlich an einer besseren Welt interessiert ist, zum Beispiel der inzwischen pensionierte Kardinal Evaristo Arns aus Sao Paulo in Brasilien:

„Die Menschenrechte sind der Kern des Evangeliums. Also sie kommen aus dem Herzen des Evangeliums heraus. Gott ist Mensch geworden, um den Menschen zu retten, also dass er Mensch werde, dass er Mensch bleiben kann, dass er wirklich alle seine Möglichkeiten als Mensch verwirklichen kann für die anderen. Und wenn er das nicht kann, dann ist Christus umsonst auf die Welt gekommen und Gott hat den Menschen umsonst geschaffen“.

Befreiungstheologen wollen das leibliche, das materielle Wohlergehen der Armen fördern. Nur so kann für sie Kirche glaubwürdig sein! Glaube darf niemals beruhigendes Opium werden, „der Himmel soll geerdet werden“, sagen sie. Die Erlösung durch Gott muss auch weltlich und politisch erfahrbar sein. Dagegen haben führende Vertreter des Vatikans bis hin zu Papst Johannes Paul II. entschieden protestiert. Auch Kardinal Ratzinger meinte als Chef der Glaubenskongregation, die Befreiungstheologen leugneten den Himmel, wenn sie für die irdische Gerechtigkeit hier und jetzt eintreten. Ganz auf dieser Linie denkt ein führender Mitarbeiter der vatikanischen Behörden Jorge Medína Estévez:

„Wenn man die Befreiungstheologie in einem horizontalistischen, also bloß weltlichen Sinne versteht, dann reicht das nicht! Es ist falsch zu glauben, die Rettung durch Christus betrifft vor allem die Veränderung der menschlichen Strukturen, die Arbeitsstrukturen und die ökonomischen Verhältnisse der Armen. Damit hat die Rettung durch Christus nichts zu tun. Denn der wahre katholische Glaube betrifft vor allem das Herz des Menschen. Der Arme ist für den Christen jemand, in dem Christus sichtbar wird. Es geht nicht um den Armen selbst, sondern darum, den Armen in Christus zu sehen“.

Kardinal Medina war in den achtziger Jahren als Erzbischof in Valparaíso, Chile, einer der engsten Freunde und Mitarbeiter des Diktators Augusto Pinochet. Noch als Kurienkardinal in Rom setzt er sich für den Diktator ein. Medina hat auch dafür gesorgt, dass Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Santiago de Chile vom Diktator aufs herzlichste empfangen wurde und mit ihm eine Privat-Messe feierte. Befreiungstheologen haben dagegen protestiert! Aber ihnen ist es wichtiger, gegen eine abwegige Frömmigkeit zu kämpfen, die den Armen sozusagen „vergeistigt“, zu einem Objekt der Christus-Frömmigkeit macht! Den Befreiungstheologen geht es tatsächlich um die Armen als Arme in ihrer Armut! Sie kämpfen für ein besseres Leben hier und jetzt. Und sie glauben, dass genau dies der Wille Gottes ist. Der weltweit bekannte brasilianische Befreiungs-Theologe Leonardo Boff hat diese Meinung vertreten. Er wurde nach vielfachen Schikanen von Rom mit Rede- und Schreibverbot bestraft. Mitte der neunziger Jahre resignierte er und gab sein Priesteramt auf. Ob er noch einmal rehabilitiert wird und die kirchliche Lehrbefugnis, die missio canonica, erlangt?

„Da ich gerade so die Haltung habe, die sehr kritisch ist und deswegen auch mich nicht ganz in der Linie von Rom mich fühle, werde ich nie diese missio canonica bekommen. Und ich bedauere diese Situation, weil es die Freiheit in der Kirche einschränkt und man kann nie eine gute Theologie treiben, ohne Freiheit, ohne Kreativität“. .

Der Vatikan hat mit seiner Politik der Bischofsernennungen die Befreiungstheologie in allen Ländern Lateinamerikas systematisch untergraben. Konservative Oberhirten sollen für Ruhe und Ordnung sorgen. So entspricht die Kirche auch den Vorstellungen der Machthaber in den Ländern selbst, vor allem aber den Wünschen der allmächtigen US Regierung. Für sie heisst „Option für die Armen“ immer noch „Option für den Kommunismus“; eine abwegige Vorstellung, die so oft  widerlegt wurde, aber immer noch in den Köpfen der Herrscher herumspukt. Ludger Weckel hat am Institut für Politische Theologie in Münster diese globale Kirchenpolitik am Beispiel El Salvadors genau beobachtet:

„Der ermordete Erzbischof Romero 1980 war einer der ganz grossen Verteidiger der Befreiungstheologie an der Seite der Armen. Ist deswegen umgebracht worden. Sein Nachfolger war durchaus eher in der Linie, ein eher vorsichtiger Mensch, aber trotzdem in der Linie der Befreiungstheologie. Und heute ist ein Erzbischof, in San Salvador am Werk, der ist in erster Linie Militärbischof und als solcher auch mit seinen Positionen vertreten. Und favorisiert in diesem Bistum ganz eindeutig sehr konservative, sehr reaktionäre Kräfte“.

Und die machen sogar auch noch den bescheidenen Studienzentren der Befreiungstheologie das Überleben möglichst schwer. Die Theologieprofessorin Martha Zechmeister hat dies bei ihren Studien – Aufenthalten in San Salvador erfahren:

„Repressalien gibt s genug. An der UCA, der Universität der Jesuiten, haben die Diözesan Priester von San Salvador das Verbot dort zu studieren. Und Ordensgemeinschaften,  die dürfen nicht auf Diözesangebiet wohnen. Also die müssen lange Fahrwege in Kauf nehmen. Der Erzbischof verweigert das Wohnrecht. Also es sind Repressalien massiver Natur. Verrückt auch!“

Aber in gewissem Sinne „verrückt“ erscheint es vielen Beobachtern, dass sich die Befreiungstheologen und die mit ihnen verbündeten Armen NICHT mundtot machen lassen. Darin folgen sie ihrem Vorbild, dem von Militärs ermordeten Erzbischof Oscar Romero aus San Salvador. Seiner Vision folgend, halten sie daran fest, nach einem „geerdeten Himmel“ zu suchen. Dabei nehmen sie es in Kauf, dass sich die Wohlhabenden und Reichen von ihnen abwenden. Professor Martha Zechmeister erlebt dies ständig in der Kathedrale von San Salvador:

„Die Unterkirche ist die Krypta Monsignore Romeros. Und da sind die Campesinos, die ihren Tagesmarsch hinter sich haben und wo das Volk feiert mit ihrem Märtyrer in einer sehr vitalen und ausdrucksstarken Weise. Und sie haben darüber die Kathedrale, die ist jetzt in einem Neoklassizismus wunderbar vollendet. Und da feiert Erzbischof Saenz, der jetzige Opus Dei Erzbischof von San Salvador, seine Hofliturgie, mit dem Präsidenten in der ersten Reihe. Frauen in hübschen Kostümchen, Uniformen, sammeln die Kollekte ein. Und da gibt es auch die einzige Orgel im Land. Es sind auf engsten Raum zwei kirchliche Welten, die nicht kompatibel sind“.

Heute wird in der Öffentlichkeit bereits von einer Spaltung der katholischen Kirche in Lateinamerika gesprochen, vom einer Spaltung zwischen Reichen und Armen Christen. Die wenigen Begüterten haben ihre eigenen „Wohlstandstheologen“. Sie gehören vor allem zum Umfeld der Geheimorganisation Opus Dei und der Ordensgemeinschaft Legionäre Christi. Aber von diesen Problemen abgesehen: Die Armen und die mit ihnen verbündeten Theologen haben noch viel heftigere Konflikte auszustehen:

„Unsere größte Schwierigkeit, für die Befreiung einzutreten, kommt von der politischen Macht, von der ökonomischen und militärischen Macht; diese Systeme töten die Christen, sie haben Erzbischof Romero getötet und Hunderte von engagierten Christen“.

Die Liste der Opfer ist lang. Wer im Engagement für die Befreiung sein Leben ließ wird oft wie ein Heiliger verehrt. Die Täter sind meist bekannt: Denn der gezielte, zum Teil tödliche Kampf gegen die Befreiungstheologen und ihre Freunde wird besonders von den USA aus organisiert. Inzwischen hat Amnesty International nachgewiesen, dass vor allem in der Militärakademie „School of Americas“ im Bundesstaat Georgia Tausende von Scharfschützen im Kampf gegen die aufmüpfigen Armen Lateinamerikas ausgebildet wurden. Aber die engagierten Gruppen lassen sich nicht einschüchtern. Im Gegenteil, an der Basis entstehen immer mehr Initiativen, NGOs wie man heute gern sagt. Sie versammeln sich regelmäßig, z.B. bei den Treffen des Weltsozialforums. Der Befreiungstheologe Franz Hinkelammert aus Costa Rica war bei diesen Treffen in Brasilien dabei:

„Es entsteht ein Christentum auf der Strasse. Diese Gruppen, die sich heute etwa in Porto Alegre treffen haben eine enorme Partizipation von christlichen Personen; aber auch christliches Denken spielt eine grosse Rolle.  Aber Christentum geht wieder auf die Strasse, da habe ich überhaupt keine Zweifel,. Und zwar auf eine sehr autonome Art und Weise. Die machen richtige Gottesdienste und die holen dann auch mal einen Priester dazu, oder auch nicht. Aber da ist eine selbstständige Welt am Entstehen“.

Aber diesen Basis-Gruppen weht der Wind stärker denn je ins Gesicht. Die ökonomische Macht in den reichen Ländern nimmt immer mehr Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas. Die Völker werden wegen der hohen Auslandsverschuldung so unter Druck gesetzt, dass sie den Weisungen der internationalen Konzerne Nordamerikas und Europas folgen müssen. Um des Profits willen werden gewisse soziale Errungenschaften in Frage gestellt, wie das Verbot der Kinderarbeit, der Streik der Gewerkschaften, der Mutterschutz, die Krankenversicherung, die Umweltgesetze usw. Sie gelten den Herren der allumfassenden Privatisierungen als „Marktverzerrungen“. Und die  müssen abgeschafft werden! Der Theologe und Ökonom Professor Franz Hinkelammert aus Costa Rica spricht in dem Zusammengang von dem Kampf der Basis gegen das allmächtige Imperium:

„Die grossen Schritte gibt s nicht im Moment, aber es gibt unglaublich viele Volksbewegungen, in Argentinien, Venezuela usw. Die Sache ist nicht verloren, wenn auch die Volksbewegungen das Imperium selbst nicht treffen können, das ist klar“.

Es sind die Theologen der Befreiung, die Ordensleute sowie die gebildeten Frauen und Männer aus aktiven Gemeinden, die sich der Allmacht der globalisierten Wirtschaft immer noch widersetzen. Sie haben inzwischen viele Mitstreiter gefunden. Zum Beispiel: 180 Millionen Hektar Ackerland liegen in Brasilien brach, es gehört den Großgrundbesitzern. Und gleichzeitig hungern Millionen Menschen! In ihrer Not besetzen immer mehr Arme das ungenutzte Land;  für sie die einzige Chance zu überleben. Die brasilianische Bewegung der Landlosen ist daraus entstanden, sie zählt mehr als 400.000 Mitglieder. Der Franziskaner Pater Augustinus Diekmann aus Bacabal in Nordost-Brasilien unterstützt diese Gruppen.

„Das Bezeichnende ist nicht nur an der Landlosen-Bewegung,  sondern auch an anderen Basisbewegungen in Brasilien ist, dass die mehr und mehr unabhängig geworden sind, unabhängig von Kirchen, Parteien, von Gewerkschaften und anderen sozialen Gruppierungen. Was ich sehe begrüsse: Wer dort mitmachen will, kann das tun, auch wir von der Kirche, Aber wir haben nicht in erster Linie das Sagen. Das Positive ist, dass eine betroffene Gruppe, nämlich die Landlosen, ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben“.

Die Ideale der Befreiungstheologie sind nicht totzukriegen: Die größte brasilianische NGO ist das Werk „Crianza, Hilfe für elende Kinder“. Einige Millionen Heranwachsender wurden durch diese Initiative eines gesundheitlichen Basisdienstes vor dem Tod bewahrt! Gegründet hat diese Bewegung „Crianza“ die brasilianische Ärztin Zilda Arns, sie ist die Schwester von Kardinal Arns:

„Wir haben 262.00 ehrenamtliche Menschen, die uns helfen, von diesen die meisten leben in ganz armen Gemeinden. Die Armen helfen den Armen! Wir geben Kurse zur Bildung dieser Armen, dass gut die Kinder können aufpassen, gesund und Erziehung und alles. Und dann diese armen Leute vermehren die Solidarität mit den anderen Familien, den Nachbarn. Und dann haben wir eine Million und dreihundert tausend  Familien, die jeden Monat sind besucht. Es ist wichtig, dass wir gute Krankenhäuser haben, aber es ist mehr wichtig die Prävention“.

In einer Situation, in der selbst progressive Parteien von Korruptionsskandalen erschüttert werden, sind oft die christlichen Gemeinden und ihre Befreiungstheologen noch die einzigen Verteidiger der Menschenrechte. Bischof Erwin Kräutler vom Riu Xingu in Brasilien versteht sich als „ökologischer Befreiungstheologe“, wenn er sich gegen die globalen Rodungen der Wälder in der Amazonas Region wehrt:

„Da brennen einem die Augen Tag und Nacht vom Rauch. Da fahre ich hunderte Kilometer im Jeep, und was ich in diesen Monaten sehe, ist nichts als Asche und verkohlte Baumstämme auf beiden Seiten der Strasse. Alle 500 Meter kommt mir zudem ein schwerbeladener Lastwagen entgegen  aus dem nicht noch nicht abgebrannten Urwald und aus den Indianerreservaten werden Tausende von Kubikmetern Mahagoni Holz in die Nächste   geschickt. Auch dieses Holz gehört nicht den Brasilien, sondern den Europäern und den Nordamerikaner. Die Kirche darf nicht neutral bleiben, denn es geht um Leben und Tod. Tatenlos zuzusehen wie Gottes Schöpfung zerstört wird, das ist Gottes Lästerung“.

Die Christen, die immer noch für die Befreiung von sozialer Ungerechtigkeit kämpfen, haben eine spirituelle Heimat, einen Ort, wo sie religiöse Kraft empfangen für ihr stets bedrohtes Leben. Und das sind die kleinen, überschaubaren Basisgemeinden. Allein in Brasilien sind über eine Million Menschen mit ihnen verbunden. Pater Augustinus Dieckmann:

„In diesem Netz der Basisgemeinen ist gar nicht wegzudenken diese Verkoppelung von Glauben und Leben. Zum Beispiel eine viel stärkere Nachbarschaftsstruktur als hier in Deutschland, auch unter Christen. Dass es einem nicht egal ist, wie es den Alten geht, wie es den Kindern geht, ob die Schule funktioniert. Es ist nicht eine Gemeinde, die man mit einem Supermarkt vergleichen könnte, wo die Kirche halt Dienstleistungen und darunter auch die Sakramente anbietet, es geht eher in die Richtung eines persönlichen Engagements. Ich entscheide mich dafür, weil ich von meinem Glauben überzeugt bin, dass es gut ist, in solch einer Gemeinschaft mitzumachen“.

Die Mitglieder der Basisgemeinden wählen als demokratisch strukturierte Gruppen ein Team von Frauen und Männern zu Gemeindeleitern. Und diese Verantwortlichen möchten gern auch die Messe mit ihren Kreisen feiern. Aber der Vatikan ist strikt dagegen, er zeigt sich wie übermächtiger Verwaltungs-Apparat: Nur zölibatären Priestern erlaubt er die Feier der Eucharistie. Viele tausend Basisgemeinden in ganz Lateinamerika müssen darum auf die Messe verzichten, weil es viel zu wenige Pfarrer gibt. Gegen diese vom Klerus bestimmte Kirchen-Struktur wehren sich Befreiungstheologen, wie zum Beispiel Pater Heribert Rembecki aus Bacabal in Nordost-Brasilien:

„Wir haben eine komplizierte Art, Kirche zu verwirklichen. Wir haben eine komplizierten Apparat, wir müssen unsere Missionsarbeit, unsere kirchliche Arbeit, viel viel einfacher machen. Weniger zentralistisch. Und immer mehr Laien auch Verantwortung übergeben, nicht nur mal hier und da“.

Die Katholische Kirche Lateinamerikas steht vor einer globalen Wende: Die Befreiungstheologen, offiziell eingeschränkt und manchmal verteufelt, arbeiten an der Basis weiter. Auf der anderen Seite pflegt Rom beste Kontakte zu den politisch-ökonomischen Herrschaftseliten. In dieser Situation wenden sich viele tausend lateinamerikanische Katholiken den modern erscheinenden, flexibel agierenden evangelischen Pfingstkirchen zu. In manchen Ländern gehört schon jeder Fünfte diesen eher fundamentalistisch frommen Gemeinen an. Nur wenige katholische Bischöfe haben überhaupt noch den Mut, Reformen anzumahnen. Zu ihnen gehört Bischof Norberto Strothmann aus Chosica in Peru:

„Wir brauchen als Motivationsschub eine starke eine starke sozialengagierte, linke Theologie. Sie müssen davon ausgehen, dass wir in Lateinamerika in einer Unrechtssituation sind. Und es kann doch nicht sein, dass der katholische Kontinent, was soziale Ausgewogenheit angeht, so ziemlich an letzter Stelle auf Weltebene herumhantelt. Das bedrückt mich und macht mich ungeheuer besorgt. Wenn Sie in dem Zusammenhang eine Diagnose erlauben, ich würde wünschen, dass Rom so etwas hört: Wenn das noch 20 Jahre so weitergeht, dass zu sozialen Fragen nicht dezidierter Stellung genommen wird, dann könnte es zu einem grossen Erdrutsch kommen. Denn man sollte sich nicht darüber hinwegtäuschen, die Zuwachsraten bei den rechtsgerichteten Sekten christlicher Provenienz sind sehr hoch, aber es könnte auch so sein, dass die Enttäuschung über die katholischen Kirche ihr noch mal leicht 50 Prozent ihrer Mitglieder wegbrechen lassen könnte“.

Die offizielle Ausgrenzung der Befreiungstheologie hat die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigt. Die Armen fühlen sich alleingelassen, wenn nicht verraten von dieser weltumspannenden kirchlichen Organisation, die offenbar selbst Teil der globalen Herrschaft geworden ist. Anders können es sich die Armen ja nicht erklären, dass der Vatikan ungerührt an uralten, im europäischen Mittelalter entstandenen Kirchengesetzen festhält und diese den Lateinamerikanern heute aufdrängt. Wer kann es den Armen dann verdenken, wenn sie jetzt ihr Heil in kleinen, überschaubaren Pfingstgemeinden suchen? Ob sie dort eine Antwort finden für ihre Suche nach umfassender Befreiung ist allerdings die Frage. Es bleibt ein mühevoller Prozess, „den Himmel zu erden“.



Argentiniens Kirche und die Beziehungen zu den Diktatoren

7. April 2009 | Von | Kategorie: Befreiung, Religionskritik

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Helder Camara 100 Jahre

7. April 2009 | Von | Kategorie: Befreiung

Dom Helder Camara:

„Wer noch hofft, wird radikal“

Von Christian Modehn, Berlin Continue reading “Helder Camara 100 Jahre” »



Für eine neue Kultur des Abschieds

7. April 2009 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

RBB Kulturradio
Am 21. 3. 2008 um 9. 04

SPRECHER
Es passiert jeden Tag. Ein Mensch stirbt. Für die Angehörigen bricht eine Welt zusammen. Aber jetzt ist keine Zeit zum Trauern. Todesanzeige, Trauerfeier, Grabstätte, Sarg bestellen, so vieles muss  geregelt werden. Sie wenden sich an ein Bestattungsunternehmen.. Continue reading “Für eine neue Kultur des Abschieds” »



Der philosophische Glaube

7. April 2009 | Von | Kategorie: Denken und Glauben

Der philosophische Glaube

Ein Vorschlag von Karl Jaspers
Von Christian Modehn

Sprecher
Zitator
4 O Töne,

Sprecher:
Wer den Philosophen Karl Jaspers in seiner Wohnung in Basel besuchte, traf auf einen heiteren, Continue reading “Der philosophische Glaube” »



“Laien gibt es nicht“

7. April 2009 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Denken und Glauben

„Laien gibt es nicht“

Holland: Die katholischen Gemeinden sollen aus ihren eigenen Reihen die Vorsteher für die Eucharistie wählen

Von Christian Modehn
Mskr. abgeschlossen am 21. Nov  2007

Einmal im Jahr wählt die Gemeinde „de Duif“ („Die Taube“) an der Amsterdamer Prinsengracht Continue reading ““Laien gibt es nicht“” »



Was hat das Denken mit dem Glauben zu tun?

7. April 2009 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise

Den Abschied feiern
Die neuen Tempel der Trauer 
Von Christian Modehn

Wer geht schon gern zum Bestatter? Von den Erben gutbetuchter Immobilienhändler einmal abgesehen oder den Nichten und Neffen millionenschwerer Hollywood-Stars. Die meisten Menschen machen einen großen Bogen um Bestattungsunternehmen: Bleich sind die Fenster, grau die Vorhänge. Sie verwehren den Blick ins Innere der Geschäfte; schließlich ist hier „Pietät“ angesagt. Manche dieser Läden heißen „Abschied“ oder „Heimkehr“. Neben den Urnen verbreiten Schwarz-Weiss-Fotos von Friedhofsengeln einen kalten Charme. Im Halbdunkel der Bestatter Büros glaubt der Besucher einen morbiden, leicht süßlichen Geruch zu spüren. Er legt sich wie ein Schleier auf die ausgestellten Särgen und die weisse Totenwäsche.
Ganz anders das Haus der Begegnung in Hannover Buchholz: Im Foyer stehen Kaffeehaus Tische, sie laden ein zu verweilen, eine Tasse Tee zu trinken, Zeitschriften zu lesen, mit den Mitarbeiterinnen zu plaudern. Die Herbstsonne erfüllt den hell ausgemalten Raum. In der Mitte einige Skulpturen afrikanischer Künstler, umgeben von Birken und Lorbeer – Bäumen, die fast bis an die Decke reichen. In Bodenvasen sind frische Blumen. Ein Bestattungshaus der besonderen Art! Friedrich Pagel schaut hier öfter mal vorbei: 

Ich kenne ja einige Bestattungssachen, zum Beispiel meine Eltern, meine Schwiegereltern und und und. Wie das da so gelaufen ist, man ging rein, man war froh, wenn man wieder draussen war. Und hier ist das so offen, und auch die Gestaltung ist so wunderbar drin. Allein schon, wenn man reinkommt:  Der Empfangsraum. Ich sag mal so: Jeder Spaziergänger könnte hier reinkommen. Es sind immer Ausstellungen hier usw. Kein Bedrückungsgefühl, kein Nichts. Sondern man kann hier frei offen rein, mit freiem Herzen.

Friedrich Pagel hat sich mit den Bestattern angefreundet. Vor allem Andrea Condag hat ihm beigestanden in tiefstem Schmerz, war ihm nahe wie eine liebe Verwandte. Denn die Pagels hatten es besonders schwer: Der einzige Sohn war nach langer Krankheit an Krebs gestorben, die Eltern hatten ihn gepflegt. Sie waren am Ende ihrer Kräfte. In dieser Situation war die Bestatterin die einzige Stütze:  
 
Sie hat uns zu Hause aufgesucht. Und die ganze Art, wie sie das gebracht hat, war für uns eine enorme Erleichterung. Auch in seelischer Art. Und dann die Form der Bestattung, die Trauerfeier. Man konnte erst mal die eigenen Wünsche vorbringen, was an Musik oder sonst irgendwie. Und dann die Trauerrede, die sie gehalten hat. So wunderbar. Wir haben von hier eine Erleichterung erfahren, kann man sich gar nicht vorstellen.

Das Haus der Begegnung in Hannover bietet zwar alle üblichen Dienstleistungen eines Bestatters. Aber jeder Besucher ist willkommen, selbst wenn der „Trauerfall“ weit zurückliegt. Alle zwei Monate gibt es eine neue Ausstellung, an manchen Abenden wird Poesie vorgetragen, kleine Kammer-Konzerte sind meditative Pausen im Alltag, am Totensonntag gibt es eigene Gedenkveranstaltung, Auch Kurse zum kreativen Umgang mit Blumen und Pflanzen werden angeboten. Bei einem seiner Besuche hat Friedrich Pagel sein Herz ausgeschüttet: Seine Frau ist inzwischen so schwer erkrankt, dass es geboten ist, die eigene Bestattung zu planen:

Meine Frau, die ist nicht in der Lage mehr, Entscheidungen zu treffen. Denn sie hat Alzheimer. Sie kann keine Entscheidungen mehr treffen. Aber ich weiss, dass dann von hier es entsprechen gestaltet wird. Das ist eine Beruhigung. Sollte meine Frau vor mir sterben, dann weiss ich, dass ich von hier gut betreut werde und auch in entsprechender Form getröstet werde über alles.

Bestatter, die trösten: Das ist etwas anderes als das sanfte Klopfen auf die Schulter; das ist anspruchsvoller als nur ein paar Sätze zu murmeln, wie „Kopf hoch“! „Es wird schon wieder“. Im Haus der Begegnung in Hannover ist eine eigene Trauer – Begleiterin angestellt, sie ist evangelische Theologin. Auch als Rednerin für „konfessionsfreie Abschiedsfeiern“ steht sie zur Verfügung. Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, nehmen das Angebot gerne an. Der religiöse Umbruch, wie etwa der Abschied von den Konfessionen, ist in einem Bestattungshaus besonders deutlich zu spüren. Andrea Condag:

Es ist ja so, dass Kirche ihre Aufgabe in dem Maße gar nicht mehr wahrnehmen kann, wie es früher geschehen ist. Die Gemeinden werden halt immer grösser und die Betreuung durch die Pastorinnen und Pastoren kann in dem Ausmaß nicht mehr gewährleistet  werden. Und insofern denke ich, dass der Bestatter da wirklich eine sehr wichtige Funktion einnimmt. Im seelsorgerlichen Bereich gerade dann auch, zumindest im Betreuungsbereich. Für Angehörige dazusein, Zeit zu haben ist ein ganz wichtiger Faktor.
 
In einem freundlichen hellen Saal wird die Trauerfeier gestaltet, bevor die Beisetzung stattfindet. Trauerkultur muss alle Hektik vermeiden: Die Angehörigen können in kleinen Zimmern am offenen Sarg Abschied nehmen von ihrem Verwandten, dem Freund, dem Nachbarn. Sie können ungestört ihrer Trauer Ausdruck geben, können weinen, klagen, schreien, oder einfach nur still dasitzen. Manche suchen auch das Gespräch mit den Mitarbeiterinnen. Andrea Condag:  

Wir haben in diesem Haus ganz vielfältige Möglichkeiten, auf individuelle Wünsche  von Angehörigen einzugehen. Wir haben die verschiedenen Abschiedsräume, in denen man sich unheimlich viel Zeit nehmen kann. Wir bieten eben die Möglichkeit, wenn ein Verstorbener hier aufgebahrt wird, dass Angehörige sich den ganzen Tag, das ganze Wochenende Zeit nehmen können, um hier Abschied nehmen zu können, im gleichen Raum, mit dem Verstorbenen zusammen.

Mit dem Tod leben. Ihn aus der Tabuzone des Verdrängens und Verschweigens befreien: Darin sehen die Mitarbeitern im Haus der Begegnung ihre wichtigste Aufgabe. Darum sind Volkshochschulen und Gymnasien, Gemeindekreise, Elternvereine oder Künstlergruppen immer als Besucher willkommen. Ingo Meyer-Wahlers ist der Geschäftsführer: 

Vor kurzem hatten wir eine Kindergruppe hier, wurde sehr positiv aufgenommen von den kleinen Kindern,  die natürlich gar nicht wissen, was ist das eigentlich, ein Bestattungsunternehmen. Dabei waren Erzieherinnen, dabei waren die Eltern, die hier durch die Räumlichkeiten gegangen sind. Hier treffen sie wirklich Trauernde, die auch hier waren in dem Haus zum Zeitpunkt dieser Veranstaltung, die also hier Gespräche geführt  haben. Und in einem anderen Raum haben wir ein Theaterstück aufgeführt. Das ist die Begegnung in der klassischen Form, aber so ist auch die gewollt. Wir wollen hier tatsächlich eine Plattform bieten für gesellschaftliche Gruppierungen, die sich hier austauschen können. Dass man einfach sagt: Dieses Haus ist für uns Normalität, das ist  Kultur wird angeboten in diesem Haus. Und der Rahmen ist tatsächlich das Bestattungsunternehmen.

Kaffeehaus Musik in einem Berliner Salon der besonderen Art: Leichter Weißwein wird serviert; ältere Damen bevorzugen ein Glas Tee, sie halten sich auch an den Apfelkuchen. Die etwas Jüngeren greifen zu den Kanapees. Die Stimmung ist fröhlich, aber nicht ausgelassen: 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sozialstationen und Pflegeeinrichtungen haben gerade an einem „Informations-Nachmittag“  teilgenommen: Sie wurden durch das Haus der Begegnung in Berlin-Charlottenburg geführt. Jetzt sitzen sie in einem Raum, der wie ein gemütliches Café wirkt:

Kaffee-Haus-Musik beim Bestatter: Die Firma Ahorn-Grieneisen hat sich für ein neues Konzept entschieden. Nicht nur in Hannover, auch in Leipzig, Halle und Berlin, wurden in den letzten Monaten neue, großzügig angelegte Häuser für eine neue Kultur des Abschieds, des Sterbens und des Todes errichtet: In der architektonischen Form sind sie alle ähnlich: Neben den kleinen Bistrots für Empfänge gibt es immer auch ein lichtes Foyer, das einen meditativen  Charme hat; die kleinen Springbrunnen und die uralten Steine erinnern vielleicht an einen buddhistischen Garten. In jedem Fall: Ein Ort zum Verweilen, Plaudern, Nachdenken ist entstanden. Das kommt bei den Besuchern an:  

Es wirkt alles sehr warm, von den Farben her auch, dass man sich gleich wohlfühlt. Nicht überfrachtet. Und es tröstet einfach die Atmosphäre drumrum;  dass sich Menschen Mühe gegeben haben in der Gestaltung, und da sind und Wärme und Zuspruch geben wollen, Trost geben wollen. Wenn sie rauskommen, dass sie doch wieder lächeln können. Und ins Leben gehen. Und das denke ich, ist hier gut gelungen.

Frau Scholz berichtet von unmittelbaren Eindrücken. Im Keller befinden sich das Sarglager und die Kühlräume für die Leichen. Parterre gibt es den grossen Abschiedsraum, den manche auch Kapelle nennen: Hier ist ausreichend Platz für 100 Trauernde. Die Stühle können individuell auch zu kleinen Runden zusammengestellt werden. Ein Altar steht zur Verfügung, auf den auch ein Kreuz gestellt werden kann. Musik kann von CD-Playern zugespielt werden, selbst dezente Filmaufnahmen sind möglich. Hier fanden schon Trauerfeiern für buddhistische Mönche statt. Der Weihrauch-Duft hat dann noch tageslang das ganze Haus erfüllt. Auch Muslime kommen gern hierher, betont der deutsche Imam Mohammed Herzog: 

Bei uns ist ja wichtig die dreimalige Waschung, die Einbettung in drei weisse Tücher. Das findet im Erdgeschoss statt. Und wenn die Angehörigen gerne wünschen, dass sie ihren Toten noch mal sehen möchten, dann wird er hier in einem Raum aufgebahrt. Wird gross in Anspruch genommen. Also die Moslime nehmen das schon in Anspruch. Wenn wir Moslime etwas hier haben, dann ist klar, dass in diesem Raum dann kein Kreuz hängt, dann nehmen wir es ab. Wenn ein Buddhist eine Beerdigung hat, wird es auch abgenommen, dann kommen ihre Sachen rein. So wie, die Angehörigen es gerne wünschen.   
Mariachi-Musik. Eine mexikanische Band zu Gast im Berliner Haus der Begegnung. Sie spielt Lieder, die in Mexiko die Trauerfeiern umrahmen.

Das Toten – Gedenken im Alltag pflegen: Ein Anspruch, dem sich das Haus der Begegnung stellt: In Zeiten der Globalisierung gehört dazu auch die Kenntnis von Toten-Riten ausserhalb Europas. Der Arzt Dr. Kay Blumenthal-Barby berichtet in einem Vortrag im vollbesetzten „Haus der Begegnung“ über seine Beobachtungen zur Trauerkultur in Mexiko:

Eine prachtvolle Dame, reich geschmückt,  sie symbolisiert, dass der Tod dort viel leichter genommen wird als hier, dass man sich über ihn lustig macht. Dass man Todesanzeigen für Freunde in die Zeitung setzt, die sich bester Gesundheit erfreuen oder seiner Fußballmanschaft ein schlimmes Schicksal vorhersagt. Nicht genug damit. Kinder sind auf der Strasse am Toten-Köpfe knabbern, da ist Zuckerguss drin. Alles Einstellungen zu Sterben und Tod, die ganz entscheidend den unseren widersprechen. Aber die Menschen erfüllt. Am 2. November beim Totenfest auf den Friedhöfen ihre Toten empfangen und bewirten und gemeinsam feiern und mit ihnen tanzen.
 
So weit wird es in Deutschland nicht kommen. Aber einen neuen, einen weniger verkrampften Umgang mit den Toten wünschen sich die Bestatter vom Haus der Begegnung schon. Der wichtigste Schritt in diese Richtung: Das Aufbahren der Toten in den eigens geschaffenen Abschiedsräumen! Daran liegt dem Bestatter Hans-Jürgen Barth ganz besonders:
 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es für die Menschen  sehr wichtig ist, diese letzte Begegnung mit einem lieben Menschen zu haben. Und das nicht in einer Atmosphäre wie es oft noch in Berlin ist, auf Friedhöfen, in Kellern, in der Dunkelheit oder teilweise auch hinter Glasscheiben. So wird wirklich hier die Möglichkeit gegeben, auch in Sichthöhe, wir haben extra diese Wagen anfertigen  lassen,  Kontakt zu haben.  Noch mal anzufassen, noch mal zu streicheln, Worte mit dem Verstorbenen zu wechseln. Das geht hier von 5 Minuten bis 5 Stunden. Und diese Zeit können Menschen haben. Menschen haben  Angst vor dem Tod , und die trauen sich im ersten Moment nicht, den Toten noch mal anzufassen. Das können wir begleiten, indem sie Blumen mitbringen. Darf ich denn jetzt. Fass ihn mal an, dann verlieren sie Scheu. Darf ich denn noch mal einen Kuss geben? Natürlich. Wir haben das geklärt, dass das möglich ist. Es gibt auch Leichen, wo es nicht möglich ist, wo es aus hygienischen Vorschriften verboten ist, da müssen wir sagen. Das geht leider nicht. Aber das sind die absoluten Ausnahmen. Und das tut den Menschen gut, noch mal den letzten Kontakt zu haben. 

…Denn nun wissen sie aus eigener Erfahrung: Die Mutter, der Onkel, die Freundin, sind wirklich tot. Sie sind nicht irgendwohin verreist, wie es die Phantasie so gern einredet. Nein! Sie leben wirklich nicht mehr. Definitiv, endgültig! Wer das erfährt, kann menschlich  Abschied nehmen, ohne dabei in Melancholie oder gar depressive Stimmungen zu fallen. Viele tausendmal sieht ein Fernsehzuschauer im Laufe eines Jahres Tote auf dem Bildschirm. Aber alles Sterben im Spielfilm ist nur virtuell oder, wie in Kriegsgebieten, sehr weit weg. Die Abschiedsräume machen den Tod greifbar, dadurch holen sie den Tod mitten ins Leben der noch Lebenden. Rolf-Peter Lange vom Berliner „Haus der Begegnung“:

Wir haben hier einen kleinen Raum, da passen 5 bis 8 10 Personen rein. Die können den Raum gestalten, noch mal den Lieblingsteppich der Großmutter reinlegen, wir hängen ihr Lieblingsbild auf, ein kleiner Nachttisch mit ihrem aufgeschlagenen Buch. Die Lesebrille drauf. Das ist Erinnerung an eine Abschiednahme. Also ganz persönlich, ganz individuell, wo noch einmal heimische Atmosphäre entsteht. Dann sind die Kinder, die Enkelkinder, Freunde, Verwandte da. Wir können Ihnen nicht den Schmerz nehmen, aber wir können versuchen, Ihnen den Schmerz erträglicher zu machen. Indem wir versuchen die Trauersituation zu analysieren und möglichst viel an Individualität und Humanität mit ein zu bringen.

Auch von den Opfern von Unfällen und Katastrophen sollten sich die Angehörigen unmittelbar verabschieden: Daran hat das Haus der Begegnung gedacht und eigens einen Thanatologen angestellt, einen Todeskundigen; er sorgt sich darum, das Aussehen der Leichen zumutbar zu gestalten: Hans – Jürgen Barth:

Das sind so medizinische Eingriffe, mit einigen wenigen Eingriffen das Bild des Verstorbenen verändern kann, wieder positiv gestalten kann. Denn oft sieht der Tod nicht schön aus. Wir bekommen auch oft Verstorbene, die nicht versorgt wurden in den Krankenhäusern, mit offenen Augen, mit offenem Mund. Auch mit Verletzungen teilweise. Man kann mit wenigen Griffen und Tätigkeiten bestimmte Dinge wieder so hinbringen, dass man den Menschen das anvertrauen kann und zumuten kann. Denn sonst ist das für sie schrecklich. Man muss aufpassen, dass der Tote nicht schöner aussieht wie vorher. Das ist so ein bisschen Amerika.  

Die Mitarbeiter in den Häusern der Begegnung, in Berlin wie in Hannover, in Leipzig wie in Halle, wollen langfristig das Berufs-Bild des Bestatters verändern: Sie wissen genau, dass sie bis heute eher als die technischen, die bürokratischen Fachleute gelten. Oft genug mit dem Image eines korrekten Beamten ausgestattet, der den Trauernden alle äusseren Belastungen, z.B. alle Behördengänge abnimmt. Mit den offenen Angeboten für Trauernde kommen aber auf die Bestatter neue Aufgaben zu. Rolf-Peter Lange:

In dem Augenblick öffnen sich die Menschen, sehen uns als Seelsorger an. Legen ihr
Innerstes  auf den Tisch und es entsteht eine ganz besondere Vertrauenssituation  natürlich auch. Sie haben oftmals niemand. Kinder, Enkelkinder sind weg,  oder sie sind vereinsamt, wenn sie sehr alt, haben niemand! Und wir kommen dann in die Rolle des Seelsorgers, der Vertrauensperson. So endet unsere Tätigkeit  ja auch nicht mit der Beisetzung des Sarges, der Urne. Sondern die Menschen kommen ja auch danach noch mit ihren Sorgen zu uns, weil ja neben der Trauer in der Regel das grosse Problem steht, nun alleine das Leben zu organisieren. Und da kommen 80 Jährige Witwen, die sagen: Ich muss meine Miete überweisen, habe ich nie gemacht,  hat immer mein Mann gemacht. Die kommen zu uns in die Beratungsstelle.  Bringen einen Schwung Post, und sagen, ich weiss hier gar nicht, ich muss die Miete überweisen, also Lebensgestaltende Probleme kommen auf diese Menschen zu, die noch in Trauer sind. Das führt an die Grenzen unserer Kapazität. Wir haben darauf reagiert, dass wir seit Jahren vermittelnd dann tätig werden  Wir vermitteln den Rentenberater, den Notar, wir vermitteln einen Hilfsdienst, wenn ich im Badezimmer ausrutsche,  es kommt ein Notdienst. Wir vermitteln fahrbaren Mittagstisch etc.

„Den Trauernden umfassend beistehen – und alle anderen an den Tod erinnern“: So könnten die neuen Bestatter mit ihren neuen Trauerhäuser ihren Auftrag definieren: Dabei ist deutlich, dass die Dienstleistungen auch ihren Preis haben. Bei Grieneisen Berlin ist das billigste Angebot für 990 Euro zu haben, eine „gehobene Beerdigung“, wie man sagt, kostet schnell 2000 Euro und mehr.

Das ist ein Service, und in diesen Service verpackt ist natürlich auch eine Marketingstrategie. Dass wir sagen, die Menschen sollen ja zu Lebzeiten gerne hier herkommen;  und wir wollen, wenn sie hier Kunst, Kultur erlebt haben, genossen haben. Wir wollen sie auch werben,  dann ihre Trauerfeier hier zu durchführen. Und da wären wir schlechte Geschäftsleute, wenn wir hier abnorme Preise nehmen würden.

Die Trauerkultur in Deutschland ist im Umbruch: Selbst kleinere Bestattungsfirmen erweitern ihre Angebote. Der alte triste Grauschleier wird entfernt, das Design wird sozusagen aufgepeppt: Im Stadtteil Schöneberg zum Beispiel hat das „Berliner Trauer- und Bestattungshaus“ die Büroräume wie gemütliche Wohnzimmer gestaltet. Die Besucher sitzen in Sesseln, können klassische Musik hören, ein Gläschen Wein trinken. Kürzlich wurden 60 bis 80  Teddybärchen in die beiden Schaufenster gestellt. Sie sollen die Passanten auf das tödliche Krebs-Krankheit bei Kindern aufmerksam machen. Etliche bleiben stehen, fragen sich verwundert: Ist das ein neuer Spielzeugladen? Eine Passantin:                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

Ich finde es erst mal ein bisschen ungewöhnlich, würde ich sagen, also wenn ich jetzt hier vorbeikomme und ein Angehöriger wäre verstorben, würde ich erst mal denken: Na was haben die hier vor. Vielleicht auch, dass ich denke: Wollen die Tod so ein bisschen verniedlichen. Auf der anderen Seite, wenn man den Menschen begegnet. die hier arbeiten oder die einem entgegen kommen, ist das ja was sehr Persönliches. Also ich könnte mir vorstellen, dass die mich in meiner Trauer ernst nehmen, mich in meinen Fragen, also das kann ich mir gut vorstellen. Ich glaube, dass das die Menschen brauchen. Die brauchen keinen Menschen, der hinter einem Schreibtisch sitzt, und sagt: Welchen Sarg möchten Sie sich aussuchen. Sondern der sagt, kommen sie erst, setzen sie sich erst mal, möchten sie was trinken anbieten, erzählen wie mal, was ist passiert, dann gucken wir mal weiter.

Zum Bestatter gehen….So, als würde man eine Buchhandlung aufsuchen oder das Büro eines Lebensberaters: Das wäre eine Idealvorstellung für ein neues Image des Bestatters. Daran arbeitet der Leiter dieses ungewöhnlichen Trauerhauses „mit den Teddybären im Fenster“.  Marcus Siekmann:

Ich glaube, die Menschen haben hier eher die Möglichkeit,  auch mal nebenbei reinzukommen, und zu sagen: Ich habe eine Frage, können sie mir beantwortet werden. Und sie trauen sich eher in unser Geschäft rein als in andere. Wir müssen den Leuten auch mal vorzeigen, dass ihr Leben nicht damit endet mit der Diagnose, die sie gestellt kriegen. Sondern, dass möglicherweise das Leben erst anfängt, wo sie die Zeit, die sie noch haben, effektiv  nutzen. Auch wenn es das erste und das einzige Mal in ihrem Leben ist, dass sie diese Zeit so bewusst  nutzen. 

Und manche haben dann die Kraft, dass sie ihren eigenen Tod, das eigene Sterben bewusst annehmen, ins Leben integrieren. So verliert das Ende etwas von seinem Schrecken. Manche kommen zu den Bestattern und suchen sich die eigene Urne aus, das erlebt Claudia Marschner immer wieder:

Wenn jemand nicht kreativ genug ist und sich das nicht zutraut, dann haben wir die Möglichkeiten, den Sarg lackieren zu lassen, ihn von einem Siebdrucker bedrucken zu lassen oder von einem Künstler völlig anders umgestalten zu lassen. Aber wenn jemand kommt, der zum Beispiel sagt: Ich bin kreativ genug, gestalte den Sarg selbst, dann ist das auch möglich. Dann wird der einfachste Sarg zur Verfügung gestellt und dann wird hier im Laden oder in Werkstatt kann er dann gestaltet werden. Also ganz konkretes Beispiel, wir hatten mal einen Graffitisprayer, da ist jemand aus dieser ganzen Freundschaftsgruppe gestorben, da war es klar, dass die den natürlich besprühen den Sarg.

Gemeinsam den Sarg bemalen: Ein neues Ritual, das sich im Gedächtnis einprägt. Bestatter sind zunehmend als Gestalter von bescheidenen symbolischen Aktionen gefragt, in denen die Menschen ihre Gefühle angesichts des Todes ausdrücken können. Kondolenzbesuche sind in den Städten heute weitgehend in Vergessenheit geraten; schwarze Trauerbinden auf den Jacken trägt niemand mehr. Die meisten Menschen heute sind eher ratlos, wenn es gilt, die eigene Trauer öffentlich auszudrücken. Das Bestattungshaus „Ahorn Grieneisen“ will mit einer Broschüre die Diskussion vertiefen: „Mut zu einer neuen Trauerkultur“ heisst die neueste Publikation. Einige Vorschläge provozieren vielleicht. Etwa die Empfehlung, am offenen Grab auch mal ein Glas Champagne zu trinken, sozusagen aus Freude darüber, dass das lange, qualvolle Leiden eines Menschen ein Ende hat! Für ein breites Publikum können auch alte Traditionen in neuem Gewand hilfreich sein: Wolfgang Litzenroth vom Hamburger Bestattungshaus „GBI“, dem „Großhamburger Bestattungsinstitut“, ermuntert seine Kunden zum Beispiel immer wieder, eine bewährte Form des Totengedenkens weiter zu pflegen:

Nehmen wir mal das einfache, häufig belächelte Leichenschmaus, in Hamburg heisst das vornehm Kaffee Trinken. Dieses Kaffeetrinken hat ne  Funktion, den Lebenden zu signalisieren: Es gibt noch so was wie Perspektive. Leben geht weiter, Simpel, aus der Situation heraus: Es wird wieder gelacht. Da es gibt Trauergäste, die unterhalten sich über den Verstorbenen, die unterhalten sich über gemeinsame Geschichte. Die treffen sich wieder. Familienzusammenführung ist einer der Aspekte. Man erfährt plötzlich, das Leben geht weiter. Und auch die am tiefsten betroffenen, engsten Angehörigen erfahren das, nehmen das mit wahr.

Die neue Trauerkultur ist in Deutschland noch längst nicht Allgemeingut geworden. Fast jede zweite Beerdigung in Hamburg zum Beispiel findet ohne jede Trauerfeier statt; die Leiche verschwindet sozusagen ohne jede menschliche Anteilnahme. Sie wird verscharrt, sagen manche. Immer mehr Menschen verfügen ihre eigene anonyme Bestattung: Irgendwo landet dann die Urne auf einer Wiese; niemand kennt mehr die letzten Spuren eines Menschen. Die Bestatter beobachten zudem: Viele Angehörige verlangen nur eins:  Bestattungen sollen schnell „über die Bühne“ gehen. Wolfgang Litzenroth vom GBI Hamburg: 
 
Ich bin so weit Realist, dass ich nicht glaube, dass wir eine gesellschaftsweite Entwicklung in Gang setzen können. Aber da wo, wir die Möglichkeit haben, Tod im Gespräch mit anderen zu reflektieren, auf bestimmte Funktionen von Ritualen z.B. hinzuweisen, tun wir das, um einfach ein Bewusstsein zu schaffen aus der Erkenntnis heraus für sich selbst etwas tun zu können. Sie merken, die Ansätze sind sehr bescheiden, wir würden keineswegs so weit gehen, dass wir glauben, Massstäbe setzen zu können, wir wollen im Kleinen agieren, um vielleicht selbst in unserem persönlichen Umfeld eine kleine Veränderung zu erreichen. 

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Zum Welttag der Philosophie am 15. November 2007

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Denken als Lebenshilfe
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Braucht das philosophische Denken Werbung und Reklame? Die UNESCO ist offenbar davon überzeugt.Sie hat vor 5 Jahren den „Welttag der Philosophie“ eingerichtet, er wird immer am dritten Donnerstag im Monat November „begangen“ oder besser Continue reading “Zum Welttag der Philosophie am 15. November 2007” »



Denken macht glücklich

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1.musikal. Zusp.: Rondo, bleibt  0 05“ freistehen. Dann etwas reinblenden: Continue reading “Denken macht glücklich” »



Freundschaft unter Männern

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Der Turm von Montaigne

Der Turm von Montaigne

„Bei der Freundschaft umfasst uns eine alles durchdringende, dabei gleichmäßige und wohlige Wärme, beständig und mild, ganz Innigkeit und stiller Glanz. Nichts Beißendes ist in ihr, nichts, das uns verzehrt“. Michel de Montaigne erzählt Continue reading “Freundschaft unter Männern” »



Was glauben Atheisten? Über die „Frömmigkeit“ der Gottlosen

7. April 2009 | Von | Kategorie: Was hat Mystik mit Atheismus zu tun?

Von Christian Modehn

1. SPR.: Berichterstatter
2. SPR.: Übersetzer

16 25“ O TÖNE (incl. der musikal. Einblendungen)
12 Min Text.

1.SPR.:
Zum „Chinesischen Garten“ in Berlin – Marzahn gehören Pavillons und Teiche, Konfuzius-Statuen … und ein „klassisches Teehaus“ mit einem geräumigen Salon. Dort  haben zwanzig Menschen Platz genommen: Aus feinem Porzellan trinken sie behutsam ihren Tee. Continue reading “Was glauben Atheisten? Über die „Frömmigkeit“ der Gottlosen” »