Artikel mit Stichwort ‘ Alan Posener verteidigt Relativismus ’



Für den Relativismus. Ein Widerspruch gegen Benedikt XVI.

19. September 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik

Der Papst nennt den Relativismus eine Dikatur. Eine Entgegnung

Benedikt XVI. wird, wenn er sich selbst treu bleiben will und nicht bloß diplomatische Floskeln verbreitet, im Berliner Bundestag wie sonst auch überall die Ehe von Mann und Frau als einzige Lebensform verteidigen. Sein Kampf gilt dabei der von ihm so genannten „Diktatur des moralischen Relativismus“. Darauf weist der Publizist und Buchautor Alan Posener hin: „Ich bin der Meinung, dass der Papst nicht einfach ein alter Mann mit gestrigen Ideen ist, sondern auch jemand, der eine geschlossene Weltanschauung hat. Er kritisiert unsere demokratische Gesellschaft als Diktatur des Relativismus. Und ich sage, diesen Relativismus wollen wir uns bewahren. Was wäre Gegenstück, das wäre die Diktatur der Wahrheit. Diese Diktatur lässt keine Opposition zu.
Der Papst repräsentiert eine Weltmacht. Wenn man nach Afrika schaut, etwa Angola, dort sind die meisten katholisch, und die richten sich meist nach den moralischen Geboten der Kirche, etwa im Verbot der Kondome. Deswegen darf man nicht sagen, was hat der Papst schon zu sagen. Man muss sehen, was er weltweit immer noch zu sagen hat.
Wenn er also unsere Gesellschaft als Diktatur des Relativismus kritisiert, dann kritisiert er unsere Gesetzgebung in Sachen Abtreibung, in Sachen Homo Ehe usw. Und wenn er solches und anderes sagt, dann darf im Bundestag kein Abgeordneter widersprechen, weil es sich um ein Staatsoberhaupt handelt, dem man nicht widersprechen darf. Das finde ich problematisch“.
Dieser Einsicht schließt sich der Philosoph, Medienwissenschaftler und Autor Umberto Eco an. Er schreibt in der Berliner Zeitung vom 19.9.2011, Seite 10:
„Die Polemiken Benedikt XVI. gegen den so genannten Relativismus sind, wie ich finde, einfach nur sehr grob. Nicht mal ein Grundschullehrer würde es so formulieren wie er. Seine (d.h. Benedikts) philosophische Ausbildung ist sehr schwach. Man könnte also sagen, ich betrachte Papst Benedikt als guten Kollegen. Frage: Sie lachen. Aber Sie haben Benedikt scharf für seine These kritisiert, der Atheismus sei für einige der schlimmsten Verbrechen der Menschheit verantwortlich. Antwort von Eco: Das zielte genau auf den Kampf gegen den Relativismus ab. Geben Sie mir sechs Monate, dann organisiere ich Ihnen ein Seminar zum Thema Relativismus. Und Sie können sicher sein: Am Ende werde ich Ihnen mindestens 20 verschiedene philosophische Positionen vorlegen. Sie alle in einen Topf zu werfen, wie Papst Benedikt das macht, als gäbe es eine einheitliche Meinung dazu, das finde ich schlichtweg naiv„.