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Erinnerung an Erich Fromm. Vor 30 Jahren gestorben, seine Erkenntnisse leben

15. März 2010 | Von | Kategorie: Denken und Glauben, Religionskritik

Erinnerung an Erich Fromm.
Vor 30 Jahren, am 18. März 1980, ist der Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm gestorben. Für ihn stand die „Menschlichkeit des Menschen“ im Mittelpunkt seines Arbeitens. Außer Freud und Marx wurde für ihn auch die humanistische Interpretation der jüdischen und der christlichen Tradition wichtig. Auch die Mystik, etwa Meister Eckart, war für ihn entscheidender Impuls. Für ihn ist deutlich: Es gibt eine autoritäre Religion, die der Entfaltung der Menschen im Wege steht. Wer dem autoritär geformten Gewissen folgt, ist von der Angst der Autorität geprägt. Ungehorsam erzeugt dann Schuldgefühle. Wahre Gottesbeziehung ist für Fromm identisch mit Befreiung von autoritären Gottesbildern, gleichzeitig sollte der Mensch sich selbst befreien von egozentrischen Strukturen.
Aus der Fülle der Anregungen Erich Fromms greifen wir nur einen Impuls heraus: Sein Eintreten für die in vielen Religionen und Philosophien empfohlene ethische Regel: die so genannte „Goldene Regel“.

In seinem Buch „Die Kunst des Liebens“ erinnert Erich Fromm daran, dass diese ethische Lebensregel NICHTS zu tun hat mit der im Kapitalismus verwurzelten, rein aufs Handeln und Geschäftemachen bezogenen „Fairness-Regel“, die propagiert: „Sei fair in deinem Tauschgeschäft mit anderen“.
Fromm schreibt:
„Die Goldene Regel ist nur eine andere Formulierung des biblischen Gebotes der Nächstenliebe und der Selbstliebe und der Gottesliebe. Seinen Nächsten lieben heißt, sich für ihn verantwortlich fühlen und mit ihm eines fühlen. Die Fairness Regel besagt nur, dass man die Rechte seines Nächsten (äußerlich) respektiert, nicht aber, dass man den Nächsten liebt. Es gibt einen Unterschied zwischen Fairness und Liebe. (S. 130, Kunst des Liebens)

Schon in dem Buch „Psychoanalyse und Ethik“ (1947) greift Erich Fromm einen nicht weniger wichtigen Gedanken zur „Goldenen Regel“ auf:
„Alles, was wir einem anderen antun, es mag gut oder böse sein, tun auch wir uns selbst an. Man kann also sagen: Was du anderen antust, das tust du dir selber an. In irgendeinem menschlichen Wesen die Kräfte zu verletzen, die auf das Leben gerichtet sind, schlägt unfehlbar auf uns selbst zurück. Unser eigenes Wachstum, unser Glück, beruhen auf der Achtung vor diesen Kräften. Und es ist nicht möglich, sie in anderen zu verletzen und zugleich selber unberührt bleiben. Die Achtung vor dem Leben, dem fremden wie dem eigenen, gehört zum Lebensvollzug selbst und ist eine Bedingung für die psychische Gesundheit“ (s. 226)

PS: Siehe auch im Religionsphilosophischen Salon zu Erich Fromm in dem Beitrag: „Wider die Macht der Gewohnheit“.