Artikel mit Stichwort ‘ Geschiedene werden katholisch nicht gesegnet ’



Tiere segnen und Autos, aber nicht alle Menschen, jetzt aber auch Handys

12. November 2010 | Von | Kategorie: Philosophische Satire

TIERE SEGNEN, AUTOS SEGNEN, PFERDE SEGNEN usw…
Philosophische, aber leicht satirische Randbemerkungen…In der Philosophie der sehr lebendigen Aufklärung (im 18. Jahrhundert und später) wurde immer wieder auf gesellschaftliche, ökonomische, kulturelle und kirchliche Merkwürdigkeiten hingewiesen. Wir folgen gern dieser Tradition und veröffentlichen gelegentlich kleine „Fragezeichen“, d.h. kleine philosophisch gemeinte Satiren. Der folgende Text ist insofern keine Satire, kein Bericht aus surrealen Welten, sondern real, vielleicht realsatirisch…

Alle Tiere werden gesegnet, auch Autos, aber nicht alle Menschen…

Am 18.1.2012 erweitern wir die Informationen. Denn nun finden auch im unmittelbaren Umfeld des Vatikans derartig intensive Tiersegnungen statt, dass der Gestank sicher alle Gemächer der Hochwürden erreicht hat… Wir bleiben stilistisch bei der philosophischen Satire. Wir haben gar nichts prinizipiell gegen Tiersegnungen, sollen doch alle Geschöpfe irgendwie am katholischen Segen teilhaben, wenn die Tierfreunde dies wünschen. Tiere sind ja in unmenschlichen Zeiten bekanntermaßen die besten Freunde vieler Menschen…Aber davon abgesehen. Wir wollen nur weiter dokumentieren, dass Tiere den katholischen Segen erhalten, hingegen nicht alle Katholiken, die um den Segen bitten..
Unsere auf den ersten Blick absonderliche Dokumentation wirft einen Blick auf die Verfassung katholischer offizieller Theologie. kath.net dokumentierte, wir zitieren nur kurz:
17. Januar 2012,
Vatikan: Hohe Tiere zu Besuch
Mehrere Dutzend Pferde, Rinder, Hühner und andere Haustiere haben am Dienstag in Rom vor der Kulisse von Berninis Kolonnaden vom italienischen Kardinal Angelo Comastri einen Segen erhalten. Anlass für die Zeremonie unmittelbar vor den Vatikangrenzen war der Gedenktag des heiligen Mönchsvaters Antonius, des Patrons der Haustiere und Tierzüchter.
Der italienische Tierzüchterverband Aia hatte die Tiere aus der Umgebung von Rom in überdachten Pferchen untergebracht. Die Bandbreite reichte von einem weißen Tolfa-Bullen bis hin zu schwarz-weiß gestreiften Hühnern der aus England stammenden Rasse «Plymouth Rock». Tierärzte boten kostenlose Untersuchungen für Katzen und Hunde an.
Antonius wurde er zum Patron der Haustiere und Tierzüchter. Antonius gilt zudem als einer der Gründerväter des Mönchtums.

Soweit Auszüge aus dem offiziellen Bericht.
Jetzt folgen weitere Dokumente.

Auch die Segnungen von Gegenständen durch die katholische Kirche erfreuen sich kreativer Beliebtheit: Jetzt wurden (am Wochenende 2. Oktober 2011) in Nizza von Pater Gil Florini in einem Gottesdienst in der Kirche St. Pierre d Arène bei 400 Teilnehmern ausgerechnet auch noch Handys gesegnet. „Mögen diese Handys Freude bereiten und den Frieden stärken“, sagte der Priester. Offenbar weiß der geistliche Herr nicht, was er sagt: In einer Tv Dokumentation des WDR wurde z.B. gezeigt, wie Kinder unter sklaverei ähnlichen Bedingungen in der Demokratischen Republik Kongo die Rohstoffe für Handys suchen und „erarbeiten: Coltan und Kassiterit. Der Bürgerkrieg in dem Land, in dem Mord und Totschlag an der Tagesordnung sind, führt zu diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen … zugunsten der Handys…. „Mögen sie den Frieden stärken“… Unklar ist, wie viel Weihwasser die frommen Handy Fans ihren nun gesegneten, also gott wohlgefälligen Geräten, zumuteten…
…….Dies ist eine aktuelle Meldung, die am 3. 10. 2011 noch eingefügt wurde…

Manche gläubige Menschen wollen gesegnet werden. Katholisch gesegnet werden, so richtig mit Choralgesang, Orgel und Weihrauch. Die Existenz als solche reicht diesen Menschen nicht, vielleicht bereitet sie zu viel Angst und Schrecken. Da reicht es dem Frommen auch nicht zu glauben, dass er ja eigentlich getauft ist und eigentlich durch den Heiligen Geist mit dem Unendlichen verbunden ist. Nein, er braucht den Segen, er will mit Weihwasser besprengt werden, eine eigene, leibliche Zuwendung durch Handauflegung spüren. Zusätzlich, in besonderen Lebenssituationen.
In der katholischen Kirche hat sich das Segnen von Gegenständen traditionellerweise über die Jahrhunderte gehalten. Da werden Häuser und Wohnungen gesegnet, sogar Flugzeuge, ICEs und Autos werden unter den Schutz Gottes gestellt oder zumindest der Hilfsbereitschaft des Patrons Christophorus anheim gestellt. Auto Segnungen gibt es ja seit Jahren in vielen Städten; damit wurde wohl gleichzeitig das Auto und damit der Autoverkehr heilig gesprochen, in die himmlische Sphäre gezogen. Autofahren ist gottgewollt, immer mehr Autobahnen dann auch? Der „Heiligste“ aller „heiligen“ Gebrauchsgegenstände wurde sozusagen sakralisiert. Auch Tiere werden seit Jahrhunderten gesegnet, es wird etwa das Sankt Rita Öl verkauft, es soll auch bei schweren Geburten (etwa bei Kühen, Pferden) hilfreich sein, man muss nur an der richtigen Stelle das Öl auftragen. Es werden sogar Tier – Segnungs – Gottesdienste veranstaltet, meist im Umfeld des Sankt Franziskus Tages. Eine nette Idee, die sprachlose Schöpfung in den Raum der segnenden Kirche einzubeziehen. Aber was ist, wenn bestimmte Menschen um den Segen Gottes bitten, den ihrer Meinung nach ja besonders feierlich die Katholische Kirche austeilen darf? Was ist also, wenn Menschen nach der Scheidung ihre zweite oder dritte Ehe gesegnet haben wollen? Oder wenn homosexuelle Menschen um den Segen für ihre Partnerschaft bzw. ihre Ehe bitten. Es soll ja noch einige wenige Homosexuelle geben, die auf solche Segnungen durch die katholische Kirche wert legen. Diese armen Teufel wie auch die wiederverheiratet Geschiedenen aber werden von der Amtskirche zurückgewiesen. „Wir segnen nur Autos und Eigentumswohnungen, wir segnen nur Flugzeuge und Tiere, etwa Kühe“, heißt es dann lapidar aus Rom und allen Bistümern weltweit, und die Kleriker fahren fort: „Denn wir segnen doch keine Sünder“, so heißt es im offiziellen Katechismus der römischen Kirche von Homosexuellen. Und Geschiedene sollten doch bitte schön Buße tun…Also konzentriert sich die segnende Kirche weiterhin lieber auf Tiere und Gebrauchsgegenstände. Einige ganz clvere, unbedingt auf Segen erpichte katholische Homosexuelle im Fürstentum Liechtenstein haben eine Art Notlösung gefunden: Sie haben sich als schwules Paar in ein zu segnendes Auto gesetzt, in dem festen Glauben, dadurch sozusagen „mit – gesegnet“ zu werden. Im Vatikan ist allerdings umstritten, ob solche „Mitsegnungen“ den eigentlichen Wert von Segnung haben. Man darf gespannt auf das Urteil warten.. Kürzlich fand wieder eine Tiersegnung statt, diesmal wurden in der Steiermark wieder einmal Pferde gesegnet. Da setzte sich ein segnender Pfarrer auf das Tier und wurde nach kurzem Ritt heruntergeworfen. „Wehren sich jetzt die Tiere gegen Segnungen, wollen sie etwa auf diejenigen Menschen verweisen, denen eine gar nicht so gnädige Kirche den Segen verweigert?“ Wir wollen diese Frage, die uns aus Österreich erreicht, gern weitergeben. Die Österreicher schreiben: “Wir wünschen dem reitenden und segnenden Tier-Pfarrer natürlich gute Genesung… und viel Segen“.
PS.:Manche Segnungen hat die Kirche inzwischen wohl stark eingeschränkt: Die Segnung von Waffen, wie noch bis ins 19. Jahrhundert üblich, ist jetzt etwas tabu geworden. Wie sollte sich der liebe Gott denn auch entscheiden, wenn die Franzosen ihre Waffen gegen die Deutschen richteten und um Sieg der Franzosen beteten … und die Deutschen Selbiges auch taten, bloß gegen die Franzosen… Oder gab es damals National – Götter, die parteilich waren? Sind die unterlegenen, aber in den USA gesegneten Waffen (Kardinal Spellman, New York, war ein ganz großer Segner) im Vietnam Krieg, letztlich ein Hinweis auf die größere Stärke möglicherweise des dortigen buddhistischen Glaubens? Verloren haben die Menschen in allen Kriegen immer alles, auch mit dem Segen einer Herrschaftskirche…
Das Thema der Segnung von Objekten und der Zurückweisung von Segnungen für bestimmte Menschen nimmt kein Ende: Gerade berichtet der SPIEGEL in seiner Ausgabe vom 15.11.2010 (S. 62), wie der Bischof Limburg, Tebartz -Van Elst, an einer Segnung von Óldtimern teilgenommen hat. Spitzfindige Theologen werfen in dem Zusammenhang die Frage auf, was denn passiert, wenn diese Oldtimer vielleicht vor 50 Jahren schon einmal gesegnet wurden. Sind Doppel – Segnungen von Autos zulässig? Erhöhen sie den Grad der Segnung? Und aus Rom erreicht uns die Meldung, dass künftig auch die sündhaft teuren roten Prada Schuhe von Benedikt XVI. gesegnet werden sollen. Das wäre wohl der beste Segen für Prada…
PS.:Ursprünglich glaubten wir Mitglieder im Religionsphilosophischen Salon, man könne die Vorliebe der römischen Kirche für die allumfassende Segnung von Autos, Tieren, Waffen usw. und die Ablehnung der Segnung von ALLEN Menschen nur satirisch – realistisch fassen. Dem ist leider nicht so! Die Wirklichkeit ist stärker als die Satire: Benedikt XVI. hat in seinem so genannten Interview Buch „Licht der Welt“ jetzt im November 2010 wieder erneut seine, so berichten unsere römischen Korrespondenten, Haltung bestätigt: Segnungen homosexueller Paare /falls denn überhaupt noch ein solches Paar um römischen Segen bittet/ sind absolut ausgeschlossen. „Homosexualität …bleibt etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat“, so Ratzinger in dem genannten Buch. Woher weiß Joseph Ratzinger, was „Gott ursprünglich gewollt hat“, war er persönlich bei der Schöpfung dieser Welt und ihrer Menschen dabei? Welche politischen und sozialen Konsequenzen ergeben sich aus solchen Worten? Die Religionskritik kann nicht müde werden, abwegige und inhumane Überzeugungen zu kritisieren. Kritik ist das, was uns angesichts gegebener Herrschaftsformen (hoffentlich) bleibt.
Am 17.1.2011 berichtet KNA, hier nur in kurzem Hinweis: 17.01.2011 17:45: „Tiersegen am Vatikan
Vatikanstadt (KNA)
„Mit einer Tiersegnung am Petersplatz und einem Gottesdienst in der Basilika ist am Montag in Rom das Fest des heiligen Mönchsvaters Antonius begangen worden. Kardinal Angelo Comastri feierte im Petersdom…“ Wer unbedingt will, kann bei KNA weiterlesen. Also: Tiersegnungen sind für den Papst wichtiger als Menschensegnungen. Aber kann man die gesegneten Tiere dann eigentlich noch essen, fragen mich katholische Gourmets aus Paris. Oder wird damit ein päpstlicher Vegetarismus als ethische Pflicht der Glaubenden, der frommen Tierfreunde, eingeläutet? „Schön wär es“, sagen meine vegatarischen Freunde…