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„Das echte Leben“. Monat der Philosophie in Holland

15. April 2011 | Von | Kategorie: Das philosophische "Wort zur Woche", Denkbar

Was ist das „echte, das authentische Leben“?
Zum 10. Mal findet in Holland der „Monat der Philosophie“ statt.
Alle Freundinnen und Freunde der Philosophie können aufatmen: Während in Deutschland die Philosophie und das Philosophieren gesellschaftlich immer noch ein eher marginales Dasein fristen, trotz einiger „philosophischer Praxen“ und einiger philosophischer Cafés: In Holland sind die Menschen von der Philosophie begeistert. Immer mehr Verlage drucken philosophische Bücher; die sehr ansehnliche Monatszeitschrift „filosofie magazine“ erscheint nun schon im 20. Jahr und hat eine Auflage von 17.000 Exemplaren, das ist für den relativ kleinen Leserkreis der Niederlande (16 Millionen Einwohner) sehr beträchtlich. Zur „Nacht der Philosophie“ im klassischen Kulturzentrum „Felix Meritis“ in Amsterdam kamen am 8. April 800 Teilnehmer zusammen, junge und ältere Menschen, in Holland geborene „Autochthone“ wie auch viele Menschen anderer Kulturen. Gäste waren u.a. Peter Bieri, Berlin und Susan Neiman, Direktorin des Einstein – Forums Potsdam. Von abends um 8 bis bis nachts um 2 wurde diskutiert und nachgedacht; ab Mitternacht sorgten Musiker für eine Auflockerung des Denkens. Der finanzielle Rahmen für solche äußerst erfolgreichen Events scheint gesichert zu sein: In jedem Jahr wird ein eigens geschriebener philosophischer Essay unters Volk gebracht, in diesem Jahr hat die junge Philosophin Stine Jensen ein äußerst anregendes Buch über Intimität und Freundschaft durch „facebook“ geschrieben, „Echte Vrienden“ ist der Titel des 122 Seiten umfassenden Buches, es liegt stapelweise in den Buchhandlungen und kostet nur 4, 95 Euro. Im ganzen Land finden insgesamt 200 philosophische Veranstaltungen im April statt, die Themen sind alles andere als abstrakt und verstaubt, es geht um Philosophie und popmusik, um Wahrheit und Lüge, die Auseinandersetzung mit dem Tod, Philosophie und Arbeit usw… Oft sind philosophische Cafés die Träger dieser Initiative, wie etwa die Gemeinde der protestantischen freisinnigen Kirche der Remonstranten in Haarlem, die allein vier Veranstaltungen im April anbieten. Der Philosoph Marc de Kesel diskutierte dort z.B. über die Notwendigkeit des Zweifels in jeder monotheistischen Religion. Vor 10 Jahren hat dieser Monat der Philosophie bescheiden gestartet, heute ist er aus dem kulturellen Leben in Holland nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg verdankt sich einer kleinen, energischen Gruppe von Philosophen, die das Denken aus dem Elfenbeinturm der Universitäten befreien wollen. Sie haben Erfolg gehabt! Sie haben eine Stiftung gegründet, die ohne öffentliche Unterstützung auskommt. Den diesjährigen Preis im philosophischen Monat erhielt der Philosoph Hans Achterhuis (Universität Twente), vor allem als Anerkennung für sein neuestes Buch: „De utopie van de vrije markt“. (Die Utopie vom freien Markt).

Siehe www.filosofiemagazine.nl
www.maandvandefilosofie.nl