Artikel mit Stichwort ‘ Hegel hat kein philosophisches Interesse am Leiden des einzelnen. Hegel hält die außereuropäische Welt für unbedeutend. ’



Kritik der Hegelschen Geschichtsphilosophie

7. Februar 2010 | Von | Kategorie: Philosophische Bücher

Dostojewski liest Hegel in Sibirien und bricht in Tränen aus“

Eine Arbeit von László F. Földényi.

Er ist ein inzwischen europaweit geschätzter Kulturtheoretiker, Literaturkritiker und Übersetzer, er lebt in Budapest.

Der Text bezieht sich auf die Auseinandersetzung Dostojewskis mit der „Philosophie der Weltgeschichte“ von G.W.F. Hegel, eine Auseinandersetzung, die ausgerechnet während der Verbannung des Dichters nach Sibirien (1849 – 1853) stattfand.

Der ungarische Autor kann auf wenigen Seiten ein Kernproblem der Philosophie Hegels auf den Punkt bringen. Warum gesteht der Philosoph der Wirklichkeit Sibiriens (wie anderer entlegener Regionen, etwa Afrika) keine welthistorische Bedeutung zu? „Hegel will von einer unbekannten Welt nichts wissen…Er kennt den Abgrund der (sibirischen) Hölle nicht“ (S. 45). Hegels „moderne Philosophie“ würdige nur den Fortschritt, nur die Vernunft, das Glänzende, das Siegreiche, für die Europäer natürlich. Für Abgründe und Unvernunft, für Höllen und Niederlagen gebe es bei Hegel keinen wesentlichen Platz. Dahinter verbirgt sich „Furcht vor dem Unverständlichen, Scheu vor der Dunkelheit“.

Meines Erachtens wurde selten in so komprimierter Form die Hegelsche Vernunft Philosophie als begrenzt und z.T. unmenschlich dargestellt, unmenschlich, weil sie dem Leiden des einzelnen keine Würdigung zuteil werden lässt.Darüber hinaus weckt dieses Buch wieder neues Interesse, Dostojewski, den Dichter – Philosophen, zu lesen. Nur ein aktueller Satz aus „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“: „Haben Sie noch nicht bemerkt, dass die raffiniertesten Schlächter und Henker fast ausnahmslos die zivilisiertesten Herren waren?“… (S. 54).

Der Text umfasst 60 (kleine) Seiten, er ist im Verlag Matthes und Seitz,  Berlin, 2008 erschienen und kostet 10 Euro.