Artikel mit Stichwort ‘ Versöhnung mit Piusbrüdern ’



Die reaktionären Piusbrüder sind bald wieder römisch-katholisch.

3. August 2016 | Von | Kategorie: Religionskritik, Termine, Theologische Bücher

Die Reaktionären setzen sich durch: Die Piusbrüder sind bald wieder offizieller Teil der katholischen Kirche.

Ein Hinweis von Christian Modehn.

Religionen verändern heute – wie immer schon – auch inhaltlich ihre Schwerpunkte. Religiöser Wandel ist niemals nur Wandel im äußeren Erscheinungsbild. Diese „inneren“ religiösen Entwicklungen betreffen dann aber auch das Zusammenleben in der Gesellschaft. Jetzt ist es absehbar, dass die theologisch reaktionäre, auch politisch, ethisch, philosophisch reaktionäre, „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ wieder offiziell in die römisch-katholische Kirche integriert wird. Das ist auch politisch und sowieso auch religionsphilosophisch eine wichtige Neuigkeit, die das „Gesicht“ der römischen Kirche langfristig verändern wird. Deswegen lohnt es sich auch für philosophisch Interessierte, sich mit dieser bevorstehenden Integration der Reaktionären auseinanderzusetzen. Wir gehen in unserem Religionsphilosophischen Salon davon aus, dass die Grundbegriffe und die wichtigen Daten zu den Piusbrüdern bekannt sind bzw. leicht nachgelesen werden; beschränken uns also weitgehend auf die aktuelle Entwicklung (Stand 3.8.2016). Die populäre, aber naive Meinung, der Katholizismus sei doch „modern“ bzw. werde immer „zeitgemäßer“, wird nun einmal mehr als Irrtum erscheinen. Das wahrzunehmen, gehört zu den Aufgaben religionsphilosophisch Interessierter. Denn Philosophien und Religionswissenschaften in ihrer Distanz zu den katholischen Institutionen sind viel mehr als die institutionell nun einmal von Amts wegen immer kirchen/obrigkeits-abhängigen Theologen in der Lage, eine freie und objektive Analyse zu bieten.

Der Zeitpunkt ist interessant: Im Vorfeld der Reformationsfeierlichkeiten und hoffentlich umfassenden theologisch-philosophischen Besinnungen auf Luther und die anderen Reformatoren stellt die katholische Kirche jetzt deutlich wieder ihr konservativ- römisches Profil in den Mittelpunkt. Dass es wieder Ablässe gibt und dafür ganz ausdrücklich geworben wird, dass der Marienkult blüht und die Heiligenverehrung auch unter Papst Franziskus, ist allgemein bekannt. Nun aber geht es um die Integration (das ist mehr als „Versöhnung“) der Piusbrüder in die offizielle Kirche: Es ist jene inzwischen international verbreitete traditionalistische Gemeinschaft, die sich auf Erzbischof Marcel Lefèbvre (1905 – 1991) als „Gründergestalt“ beruft.

Zur Erinnerung: Erzbischof Lefèbvre hatte drei Feinde der Religion und des Staates (an Demokratie dachte er nicht!) immer wieder benannt: „Die Protestanten, die Sozialisten, die Freimauer bzw. die Liberalen“. Religionsfreiheit war für ihn, den Päpsten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts treu folgend – ein Wahnsinn, der zur Zerstörung der menschlichen Kultur führe genauso wie auch die Ökumene und der Dialog der Religionen schädlich seien. Daran halten die Piusbrüder und ihre weltweiten Gemeinden bis heute selbstverständlich fest.

Lefèbvre wurde aber 1988 exkommuniziert, nicht etwa wegen seiner Lehren, sondern weil er ohne päpstliche Erlaubnis vier seiner Priester zu Bischöfen weihte. Ungehorsam gegen den Papst wiegt also schwerer als Verdammung der Religionsfreiheit und Demokratie…

Die Kreise, die sich um ihn international scharten, es sind wahrscheinlich 150.000 weltweit, wurden –bis vor einigen Jahren – von Rom eher wie eine Sekte außerhalb der römischen Kirche behandelt und eben eher rechts liegen gelassen. Rom gründete die konservative Konkurrenz „Petrusbruderschaft“ (Wigratzbad) wohl in der Meinung, dass die Leute um Lefèbvre für Rom sowieso wohl für Rom „verloren“ sind… Über die Nähe etwa der französischen Traditionalisten bzw. Piusbrüder zu den Parteien des Rechtsextremismus (Le Pen und co.) ist viel, auch im Religionsphilosophischen Salon geschrieben worden. Interessant ist auch immer noch der Beitrag von 2009, der auf Verbindungen Lefèbvres zu Pinochet, Franco, Salazar hinweist: „A l extreme droite de Dieu“,http://www.resistances.be/fsspx01.html

Aber Papst Benedikt XVI. selbst sehr konservativ, meinte es gut mit den Reaktionären und hob die Exkommunikation der Lefèbvre Bischöfe auf. Und jetzt? Seitdem Papst Franziskus Erzbischof Guido Pozzo als Sekretär für den Dialog mit dieser traditionalistisch-reaktionären Gemeinschaft bestätigt hat, wird die Intergration betrieben. Zwischendurch hatte Papst Franziskus schon für einen gewissen „Dialog“ gesorgt, als er seinen Katholiken die Beichte bei einem eigentlich schismatischen Lefèbvre- Priester als gültiges Sakrament gestattete. Zudem hat er den Chef der Bruderschaft, Bischof Bernhard Fellay, in Privataudienz empfangen. Papst Franziskus will ausdrücklich einen freundschaftlichen Dialog mit den Traditionalisten, wie Bischof Pozzo in einem ausführlichen Interview mit der Zeitung „Christ und Welt“ vom 28. Juli 2016, Seite 5, darlegt.

Nur so viel aus dem ausführlichen Interview, das Julius Müller-Meiningen führte: Es werden jetzt gezielt in Rom Schritte unternommen, die „zur vollen Aussöhnung mit den Traditionalisten“ führen, so Pozzo. Rom scheint beruhigt zu sein, dass der bekannte antisemitische traditionalistische Bischof Richard Williamson aus der der Pius-Bruderschaft 2012 (von dieser) ausgeschlossen wurde. Ob antisemitische, xenophobe und homophobe Kreise – etwa in Frankreichs traditionalistischen Gemeinden – noch bestehen, scheint den Vatikan nicht zu interessieren. Zentraler Punkt in der Integration der Reaktionären ist die Deutung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es wurde bisher von ernstzunehmenden Theologen immer als Reformkonzil, als Neubeginn, wenn nicht als „Einschnitt“ in der theologischen Entwicklung gedeutet. Diese Theologen, wie Küng, Schillebeeckx, Rahner usw. sahen darin vernünftigerweise einen Ausdruck von Leben und geistvoller Lebendigkeit. Früher verdammten Päpste die Religionsfreiheit, im Konzil wird sie gelobt. Früher verdammten Päpste die Reformation, nun wird Ökumene offiziell gepflegt. Wenn das kein Einschnitt, kein Bruch, kein Neubeginn ist? Aber Rom liebt heute wieder das Starre und Ewige, das Depositum, den uralten Text usw. mehr als die Lebendigkeit und die zum Leben immer gehörende Veränderung. Über die psychischen Strukturen solcher erstarrter Bürokraten hat Erich Fromm Wichtiges geschrieben und sie treffend als Nekrophilie, Liebe zum Toten und Erstarrten, gedeutet…

Aber Pozzo und mit ihm wohl auch der Vatikan behaupten stur: Das Zweite Vatikanische Konzil liegt ganz auf der Linie der früheren Konzilien und der Tradition, die ja bekanntlich das römische Lehramt festlegt. Also: Ökumene, Religionsfreiheit, Toleranz gehören gar nicht ins Zentrum katholischen Glaubens. Deswegen können die Piusbrüder auch guten Gewissens dieser römischen Kirche wieder beitreten. Denn sie halten – wie gesagt – gar nichts von Ökumene, Religionsfreiheit, Toleranz…Vielleicht gelingt dann eine hübsche Ökumene der Piusbrüder mit den fundamentalistischen Muslims und den Wahabiten… Dies als kleiner, nicht ganz falscher Scherz zur Auflockerung dieser trübsinnigen Entwicklung.

Wenn die Integration der Piusbrüder also zustande kommt, und wenig spricht in römischer Sicht dagegen, dann wird also Profil der römischen Kirche selbst unter Papst Franziskus wieder reaktionärer. Denn er will ja diese Piusbrüder wie eine Art katholischer Sondergemeinschaft, als „Prälatur“, wie das ähnlich organisierte Opus Dei, IN die römische Kirche integrieren. Noch einmal: Für Erzbischof Pozzo vom Vatikan sind die Lehren vom Dialog und der Religionsfreiheit, die das Zweite Vatikanische Konzil einschärfte, „nicht Glaubenslehren oder definitive Aussagen, sondern bloß Anweisungen oder Orientierungshilfen für die pastorale Praxis. Über diese pastoralen Aspekte kann auch nach der kanonischen Anerkennung (der Piusbrüder, also ihrer definitiven Integration in die römische Kirche) weiter diskutiert zu werden, um sie einer Klärung zuzuführen“. Soweit Pozzo. Nebenbei: „Pastoral“ heißt in vatikanischer Bedeutung immer: „weniger wichtig“, „relativ“…Diese Worte Pozzos muss man sich förmlich auf der Zunge zergehen lassen: Sind denn nicht Religionsfreiheit und Ökumene ein für allemal beschlossene Sache auch unter Katholiken? Was soll denn da noch weiterdiskutiert werden mit den reaktionären Piusbrüdern? Ja, es kann weiter diskutiert, damit auch relativiert werden zur Ökumene und Religionsfreiheit, so Pozzo… Hingegen, so meint er, darf überhaupt nicht im entferntesten „die Sakramentalität der Bischöfe“ (also die Klerus-Vorrangstellung) und „die Lehre über den Primat des Papstes und des Bischofskollegiums“ diskutiert werden, so in der 3. Spalte des genannten Artikels in „Christ und Welt“. Noch einmal: Katholisch ist für diesen Herrn, wer an den Primat des Papstes glaubt und an den gottgewollten Vorrang des Klerus. Alles andere, Menschlichkeit, Toleranz, Religionsfreiheit, Liberalität, Ökumene ist verhandelbar, also auch einzuschränken. Kann man im Ernst theologisch so tief sinken, fragen Mitglieder des Religionsphilosophischen Salons? Welche Schande auch, wenn Pozzo ausdrücklich eine „Anpassung an irgendeine Kultur der Gegenwart“ zurückweist  (5. Spalte im genannten Artikel). Die Anpassung an sein Luxusleben im Vatikan und anderswo wird er wohl gern genießen…Dass Papst Johannes XXIII. bei der Eröffnung des Konzils immer wieder zustimmend vom aggiornamento der Kirche sprach, wird unterdrückt von diesen Klerikern. Aggiornamento heißt ja wohl Anpassung. Papst Johannes XXIII. ist wohl nun ein Ketzer, wenn er ausdrücklich Anpassung der Kirche wünschte.

Das Zweite Vatikanische Konzil ist nun in römischer Sicht eines von vielen Konzilien, Teil einer großen Tradition, die sich Erzbischof Pozzo allerdings hütet, genauer zu beschreiben: Denn dann würde er das ganze Grauen dieser Tradition sehen: Päpstliche Macht in einem korrupten Staat, Hexenverfolgung, Ketzerverbrennung, aggressive Mission, Frauenunterdrückung usw.

Was sind die tieferen Gründe für das Versöhnungsbedürfnis des Papstes mit diesen Kreisen? Eine praktische Antwort: Bei einer immer noch auf den Klerus fixierten römischen Kirche gelten alle Kreise sehr viel, die noch viele junge Priester „stellen“ können, das sah man etwa, als der hoch umstrittene Orden „Legionäre Christi“ mit seinem verbrecherischen Gründer Marcial Maciel eben NICHT aufgelöst wurde. Warum? Weil die Legionäre Christi immer noch viele junge Priester haben. Zur Piusbruderschaft gehören heute 600 (meist jüngere) Priester und 200 Seminaristen. Diese könnten doch den allgemeinen Mangel an Priestern gut „beheben“ und man bräuchte nicht über eine Aufhebung des Zölibates nachzudenken.

Eine theologische Antwort: Es ist für den Vatikan unerträglich, dass es noch eine weitere (kleine) Kirche gibt, die sich auch katholisch nennt und das Papsttum als solches so liebt und die Traditionen, die Rosenkränze, die Sühneandachten, das Sich Aufopfern für Maria usw… Diese Konkurrenz ist für eine große Kirche, die alles auf Uniformität und Einheit setzt, unerträglich.

Journalisten und Theologen sollten sich wirklich mal die Mühe machen und das offizielle Mitteilungsblatt der Piusbrüder etwa in Deutschland lesen, das „Mitteilungsblatt Omnia instaurare in Christo“ („Alles in Christus wieder aufrichten“). In der Ausgabe vom Juli 2016 ist ein Vortrag des Piusbruderchefs Bischof Bernard Fellay vom 1. Mai 2016 publiziert. Darin bestätigt Fellay die Aussagen des vatikanischen Erzbischofs Pozzo. Fellay betont: „Kürzlich durften wir in Rom zum ersten Mal hören, dass wir das (Zweite Vatikanische) Konzil nicht mehr akzeptieren müssen. Stellen Sie sich das vor: das ist enorm. Man sagte uns: Sie dürfen bei Ihrer Meinung bleiben…Man sagt uns: Das Konzil ist nicht verpflichtend, man muss niemanden zur Annahme des Konzils zwingen, um katholisch zu sein...Man sagt uns: Das Konzil ist nicht doktrinal (von der Lehre her maßgebend), es ist pastoral. Das ist ungefähr das, was wir selbst immer gesagt haben…“ (Seite 24 f. in dem genannten Heft der Piusbrüder). Aber: Für die Piusbrüder ist diese Entwicklung noch kein „Triumph, „es handelt sich um eine neue Phase im Krieg (mit Rom)“, so der Traditionalisten Chef Fellay wörtlich (Seite 25)

Die Traditionalisten fühlen sich nach wie vor so stark und selbstbewusst, dass sie in ihren Heftchen und Publikationen heftig Papst Franziskus kritisieren, etwa sein Schreiben „Amoris laetitia“. Dieses stelle „einen Dammbruch dar, der die gesamte katholische Morallehre in Frage stellt“, so der Piusbruder Pater Matthias Gaudron, im Mitteilungsheftchen vom Juni 2016, Seite 33.

Aber im Vatikan selbst gibt es bedeutende Stimmen machtoller Kleriker, die ähnlich denken. Von daher sind solche Attacken der Piusbrüder gegen den Papst nicht hinderlich für die bevorstehende Integration.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 



Die Piusbrüder sind politisch sehr rechtslastig. Erinnerung an Fakten

16. September 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik

Die Piusbrüder sind politisch rechtslastig. Erinnerungen an Fakten.
Wieder muss der Religionsphilosophische Salon sich mit aktueller Religionskritik befassen, man hat manchmal den Eindruck, als lebten wir in einer Phase der Aufklärung rund um Voltaire, der das ancien régime überwinden wollte …
Wir möchten jene zur Vorsicht und intellektuellen Auseinandersetzung einladen, nicht länger die tatsächlich nachweisbare und indiskutable Rechtslastigkeit der Pius Brüder herunterzuspielen, wie das auch deutsche Bischöfe gern tun Sie wollen den Eindruck vermitteln, die Piusbrüder seien bloß einbesonders frommer Club. Die Tatsachen sind anders. Und insofern hat Volker Beck mit seiner Kritik auch recht.
Nur kurz diese Hinweise, die wir schon öfter publizierten und die sich auf Fakten allein beziehen:
Der Gründer der Piusbrüder, der Priester und spätere Erzbischof Marcel Lefèbvre, war schon in jungen Jahren mit der „action francaise“ verbunden, diese „intellektuelle“ Bewegung war bekanntermaßen antidemokratisch und antisemitisch. Das weiß jeder Historiiker.
Der Gründer der Piusbrüder, Marcel Lefèbvre, ist nach wie vor so etwas wie „das heilige Vorbild“ dieser Herren, er lobte bekanntlich mehrfach den Faschisten Franco und die faschistischen Diktatoren in Chile und Argentinien Ende der 1970 Jahre. Diese Diktatoren wurden zwar von Johannes Paul II. gern bei sogenannten „Pastoralreisen“ besucht, sie haben viele engagierte Katholiken erschossen und die Befreiungstheologie kaputt machen wollen.
Die französischen Piusbrüder in ihrem Zentrum St. Nicolas du Chardonnet in Paris 5. Arrondissement, haben mehrfach Messen für die äußerst rechtslastige Partei Front National Le Pens zelebriert. Das weiß jeder, der sich nicht nur im Osservatore Romano informiert. Diese Piusbrüder hatten diese Kirche übrigens der Gemeinde entrissen und halten sie bis heute besetzt. Es stände den deutschen Verteidigern der Piusbrüder gut an, sich endlich mal im Ursprungsland der Piusbrüder, das ist Frankreich, kundig zu machen und erhebliche Wissens – Lücken zu überwinden.
Nur so viel:
Kardinal Ratzinger, damals Chef der Glaubenskongregation, versöhnte sich z.B. mit dem Le Pen freundlichen (und Lefèbvre freundlichen) Kloster Le Barroux bei Avignon, dort gingen Le Pens Ideologen ein und aus. Ratzinger holte diese Herren wieder in die römische Kirche.
Einzige Bedingung für die sogen.“Versöhnungmit Rom“: den Papst anerkennen….
Diese und viele andere Fakten zur äußerst rechtslastigen Tradition der Piusbrüder und zur alten Liebe Joseph Ratzingers für diese sehr rechtslastigen Herren ist nachzulesen in dieser website unter dem Titel: Benedikt XVI. ist politisch rechtslastig.
copyright: Christian Modehn.



Benedikt XVI. ist politisch “rechtslastig” – Religionskritische Perspektiven zu Joseph Ratzinger

9. Februar 2011 | Von | Kategorie: Benedikt XVI. - Kritische Hinweise, Religionskritik

Vorwort:
Von verschiedenen FreundInnen des „Religionsphilosophischen Salons“ aus dem fernen Ausland wurden wir gebeten, einen ziemlich grundlegenden Beitrag von mir über die politische Rechtslastigkeit von Joseph Ratzinger bzw. Benedikt XVI. auch im Internet zugänglich zu machen. Der Beitrag ist 2009 in einem Buch des Verlages PUBLIK FORUM erschienen, unter dem Titel: „Rolle rückwärts mit Benedikt“, hg. von Thomas Seiterich und Norbert Sommer. Das Buch mit Beiträgen verschiedener Autoren ist sehr empfehlenswert, auch anläßlich der bevorstehenden Deutschland Reise des Papstes im September 2011. Mein Beitrag wurde bereits viel zitiert usw., es wäre nett, wenn dies immer mit einer Quellenangabe geschieht. Ansonsten gilt für den Text: : copyright: christian modehn.
Dieser Beitrag gehört ins Zentrum einer aktuellen Form von Religionskritik.

Die rechte Hand Gottes
Politisch – theologische Optionen Joseph Ratzingers
Von Christian Modehn, verfasst am 22. 3. 2009

1. Regensburg
„Joseph Ratzingers Bruder ist der Chef der Regensburger Domspatzen. Aber das könnte eigentlich kein Grund sein, von Tübingen weg zu gehen“, bemerkte der katholische Theologe Karl Rahner in der ihm eigenen Ironie (1). Tatsächlich war es nicht die Liebe zur Musik, die Professor Ratzinger dazu führte, schon nach drei Jahren, 1969, seinen Dogmatik Lehrstuhl an der Universität Tübingen aufzugeben. Es war eher die Frustration darüber, dass z. B. sein Kollege Hans Küng sehr wohl mit den rebellierenden Studenten 1968 diskutieren konnte. Dem eher schüchternen Ratzinger aber war das „rebellische Aufbegehren“ zuwider. (2) Der Wechsel nach Regensburg wurde für die weitere Zukunft zur entscheidenden Neuorientierung. Karl Rahner betont: „Ratzinger hat eingestandenermaßen eine Wendung gemacht, als er von Tübingen nach Regensburg ging“. (3) An die theologische Fakultät in Regensburg wurde er nur deswegen berufen, weil ein ursprünglich für Judaistik bestimmter Lehrstuhl dort nicht besetzt werden konnte und der freie Platz nun in katholische Dogmatik umgewidmet wurde! Den Start in Regensburg empfand er als glücklich, wie er gesteht: „So war bald wieder das rechte universitäre Fluidum gegeben, das mir für meine Arbeit so wichtig war“ (4). Sein Dogmatik – Kollege war nun der konservative Johann Auer, ein Verteidiger mittelalterlicher Theologie und Liebhaber eines von der Tradition her geprägten römischen Lehrsystems. Hans Küng bezeichnete den Umgang des Dogmatikers Auer mit der Bibel eine „neuscholastische Steinbruchexegese“ (5) Aber Ratzinger war mit Auer „in inniger Freundschaft verbunden“. (6), vor allem weil beide die Kirchenväter vom 1. bis 5. Jahrhundert über alles schätzten. Ratzinger beteiligte sich sogar an Auers Lehrbuch (!) „Kleine Katholische Dogmatik“. Mit dem Umzug nach Regensburg begann für Ratzinger die intensive Mitarbeit an der „Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio“ , an deren Gründung er im Herbst 1969 beteiligt war. (7) „Communio“ erschien 1972 als Gegenprogramm zur internationalen progressiven Zeitschrift CONCILIUM, die an einer Fortschreibung des II. Vatikanischen Reformkonzils arbeitet, zahlreiche renommierte Konzilstheologen wie Rahner, Küng, Schillebeeckx gehören zu den Gründern. Bei „Communio“ sammelten sich von Anfang konservative Denker, etwa der erklärte Rahner-Gegner und konservative Ex- Jesuit Hans Urs von Balthasar, der CSU Kultusminister Hans Maier oder der CDU Publizist Otto B. Roegele. Er war Herausgeber des bischöflichen, „linientreuen“ Rheinischen Merkurs. Auch Karl Lehmann gehört von Anfang zum COMMUNIO Kreis! War er und ist er das etwas liberale „Alibi“ dieser Zeitschrift? Wichtig ist: Von Anfang an gehörte zum engen COMMUNIO Kreis auch Jorge Medina Estevez, ein Theologe aus Santiago de Chile. 1987 wurde er Bischof von Rancagua, später von Valparaiso. Dort war er als ein enger Freund des Diktators Pinochet bekannt, den er bis zu dessen Tod öffentlich verteidigte! Als Kardinal kümmerte sich Medina in Rom später sehr wohlwollend um die Versöhnung mit den Pius Brüdern. Und ihm kam die schöne Aufgabe zu, am 19. 4. 2005 sozusagen „urbi et orbi“ mitzuteilen, dass „Josephus Ratzinger“, sein bewährter „Communio – Freund“, zum Papst gewählt wurde.
So wirken Regensburger Verbindungen bis zur Papstwahl und zur Versöhnung mit den Piusbrüdern weiter. Wichtig ist, dass schon von Regensburg aus Joseph Ratzinger über Jorge Medina Kontakte vor allem zu Jesuitenpater Roger Vekemans in Chile bekam: Er schrieb schon 1973 gegen die Befreiungstheologie in „Communio“. Vekemans, auch er ein erklärter Feind von Staatspräsident Allende und allen Linken, gehörte auch seit 1976 mit dem Adveniat Chef und Opus Dei Freund Bischof Franz Hengsbach zu dem Studienkreis Kirche und Befreiung, der gegen diese lateinamerikanische Theologie der Armen polemisierte. Die Wurzeln von Ratzingers Feindschaft gegen die Befreiungstheologie liegen in Regensburg! Der damalige, für Ratzinger „zuständige“ Regensburger Bischof Rudolf Graber war ein unumstrittener Marienverehrer (Sein Motto: „Durch Maria zu Jesus“), er bewunderte vor allem die Wunder von Fatima. Überdies war er ein Verehrer der stigmatisierten Theresa Neumann von Konnersreuth. Als „leidenschaftlicher Mahner“ vor den Übertreibungen des II. Vatikanischen Konzils gehörte er auch zu den Autoren der von Ratzinger geprägten „Communio“. Bischof Graber imponierte wohl dem Theologen Ratzinger, weil sein Bischof ein Gegner alles „Modernistischen“ war und durchaus Sympathien hatte für die neu gegründete, explizit papsttreue Zeitschrift „Der Fels“. In einem Interview mit KNA vom 28. Juli 1989 legte Ratzinger noch einmal dar, „dass es auch viel Treue und Liebe zu Rom in der Katholischen Kirche in Deutschland gibt“. Treue und Liebe zu Rom: Das heißt Liebe zum Papst, zum Vatikan, zum „Römischen“, das wurde in Regensburg schon gepflegt! Unter einem Bischof wie Rudolf Graber muss sich Professor Ratzinger recht behütet gefühlt haben. Weitere Autoren von „Communio,“ die ein internationales Netz konservativer Denker knüpfte, waren die späteren Opus Dei Freunde Prof. Nikolaus Lobkowicz und der Philosoph Robert Spaemann.
In Regensburg trat eine andere Gestalt in Ratzingers Freundeskreis: 1975 wurde Kurt Krenn, ein bislang völlig unbekannter Theologe mit extrem wenigen Publikationen, in Regensburg Ratzingers Kollege im Fach Systematische Theologie. Diese verstand Krenn vor allem als scholastische neothomistische Doktrin. Ratzinger hat mit Krenn, wie er als Papst jetzt sagt, eine „alte Verbundenheit“. Auf die Liaison Krenn – Ratzinger wird später noch hingewiesen.

2. München
Als Professor Ratzinger am 28. Mai 1977 zum Erzbischof von München und Freising geweiht wurde, setzte sich die Regensburg – Connection fort: Zu den Bischöfen, die Ratzinger „weihten“, gehörte der bereits erwähnte Bischof Graber aus Regensburg und auch Bischof Stangl aus Würzburg. Dass Bischof Stangl von Ratzinger zur Weihe in den Liebfrauendom in München eingeladen wurde, verwundert insofern nicht, als auch Stangl und Ratzinger befreundet waren. Und daran ist erstaunlich: In Stangls Diözese Würzburg war ein Jahr zuvor, am 1. 7. 1976 in Klingenberg am Main, die Studentin Anneliese Michel infolge zahlreicher Exorzismus Sitzungen an Entkräftung gestorben. Die beiden Exorzisten, die Priester Arnold Renz und Ernst Alt, wurden wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Bischof Stangl als der verantwortliche Oberhirte muss ja von Amts wegen jeden Exorzismus genehmigen, er aber betonte, von „allem nichts gewusst zu haben“. „Die beiden Exorzisten deckten letztendlich Joseph Stangl und seine Berater, zu denen auch der damalige Theologie-Professor Joseph Ratzinger gehört haben könnte. Denn Stangl und Ratzinger hatten eine „tiefe Beziehung“ (Main-Post, 6.9.2006) zueinander. Und es wäre unwahrscheinlich, wenn der heutige Papst von dem Exorzismus ebenfalls nichts gewusst hätte“. (8). Es ist bekannt, dass Benedikt XVI. bis heute den Exorzismus ausdrücklich verteidigt. Bei seiner ersten Generalaudienz 2005 ermunterte er die versammelten Exorzisten „weiterzumachen“…
Als Erzbischof von München hatte sich Ratzinger das für ihn so typische Motto „Cooperatores Veritatis“ gewählt. Als „Mitarbeiter DER Wahrheit“ fühlte er sich seitdem nun auch von seinem bischöflichen Amt her. Er hatte nichts Eiligeres zu tun, als die schon damals weltweit umstrittene missionarisch offensiv werbende, theologisch äußerst konservative und Papst – ergebene Gemeinschaft der „Neokatechumenalen“ in seinem Erzbistum zu etablieren. Das berichtet der Neokatechumenale Führer Giuseppe Gennarini aus den USA und er fährt fort: “Als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hat er uns später stets geholfen und in mehreren seiner Bücher den Neokatechumenalen Weg wirklich positiv bewertet“ (9)

Als „Mitarbeiter der Wahrheit“ betonte er schon in seiner Münchner Sylvesterpredigt, dass Gehorsam die Antwort auf die Wahrheit sei, weil der christliche Glaube eindeutig sei. Das sagte er in einer allgemein erregten Situation, weil sein Tübinger Kollege Hans Küng wenige Tage zuvor durch Maßnahmen der römischen Glaubensbehörde seine Lehrbefugnis als katholischer Theologe verloren hatte. Ratzinger sagte in München: „Im hochmütigem Verzicht auf die verbindliche Wahrheit stellt sich der Mensch Christus entgegen“ ( 10) Schon damals zeigte sich der „so bedeutende Intellektuelle“ als ein heftiger Kritiker der kritischen Vernunft: “Dem kirchlichen Lehramt ist es aufgetragen, den Glauben der Einfachen gegen die Macht der Intellektuellen zu verteidigen“(11). Hier klingen spätere Vorlieben Benedikt XVI. für populäre Volksheilige an, etwa für den angeblich stigmatisierten, von vielen Beobachtern aber als Scharlatan bezeichneten Kapuziner Pater Pio in Süditalien an, und auch an den völlig anti – intellektuellen Heiligen Pfarrer von Ars in Frankreich; dieser Johannes Vianney, der sich selbst „schlicht im Denken“ nannte, wird nun im Jahre2009 von Benedikt XVI. offiziell als Vorbild aller Priester gepriesen.
Als Mitarbeiter „der“ rechten Wahrheit zeigte sich Ratzinger beim Durchgreifen gegen aufmüpfige Pfarrer: Ungehorsam und eignes Denken haben in einem autoritären Denken keinen Platz. Deswegen wollte er im Sommer 1980 den Pfarrvikar Willibald Glas aus Arget aus seinem Amt entfernen: Dieser hatte dem Aufruf des Erzbischofs widersprochen, die Gemeinden sollten großzügig für den Peterspfennig spenden: Dadurch sollten die vatikanischen Finanzen saniert werden. Pfarrer Glas widersprach: Johannes Paul II, der so unmenschlich mit den Wiederverheiratet Geschiedenen umgeht, verdiene keine Geldspende. Der Kardinal war empört. Wegen deutlicher Solidarisierung der Laien mit ihrem Pfarrer durfte dann Glas im Amt bleiben. (12)
Auch seine theologischen Abneigungen gegen progressive, angeblich linke Theologen setzte Ratzinger in München durch. Als Nachfolger des Theologieprofessors Heinrich Fries wurde von der Münchner Theologischen Fakultät der kritische und „politische Theologe“ Johann Baptist Metz aus Münster, ein Freund des Konzilstheologen Karl Rahners, vorgeschlagen. „Der Kardinal Ratzinger hat in Zusammenarbeit mit dem Kulturminister (und Communio Mitarbeiter) Hans Maier, der Metz auch nicht mochte, bewirkt, dass 1979 das Ministerium Metz bei der Berufung überging“ (13), schreibt Karl Rahner. Metz hatte schon damals seine Sympathien für die Befreiungstheologie bekundet. Hans Maier hat als Präsident der Zentralkomitees der Deutschen Katholiken lange Jahre die Entwicklung der katholischen Kirche in seinem konservativen Sinne (im Einverständnis mit Kardinal Ratzinger) geprägt. Nur 4 Jahre konnte Joseph Ratzinger als Erzbischof gewisse Erfahrungen an der kirchlichen Basis machen.

3. Rom
Als Leiter der obersten Glaubensbehörde im Vatikan seit November 1981 hat er linke, kritische Theologen und Bewegungen bekämpft und ausgegrenzt, das ist bekannt. Weniger bekannt sind seine gleichzeitigen expliziten Vorlieben für eher rechtslastige Strömungen und Theologen in Kirche und Gesellschaft. Diese „rechte Vorliebe“ kann hier nur an exemplarischen Beispielen verdeutlicht werden. Sie zeigen aber einmal mehr, wo die Interessen des Kardinal Ratzinger bzw. Papstes liegen. Wer von der „rechten Seite“ her die Kirche schützen will, kann der Moderne angemessene demokratische Formen der Mitentscheidung von Laien in der Kirche, etwa im Rahmen von Nationalsynoden, nur als „Hirngespinst“ bezeichnen, wie der kanadische Jesuit Michael Fahey (im Januar Heft von Concilium 1989, S. 84) schreibt: „Für Ratzinger ist diese Idee einer gemischten Synode als einer permanenten Form höherer Autorität in der Kirche ein ausgewachsenes Hirngespinst. Auch kann er es sich nicht denken, dass je ein Laie Autorität über eine Diözese ausüben könnte“. Aufgrund dieser tiefen Abneigung gegen das Demokratische in der Kirche kann Ratzinger nur Gruppen anerkennen, die „Rom nicht nur lieben“, wie er gern sagt, sondern die auch die klerikale Macht- Struktur und den Vatikan als ein absolutistisches System ohne jegliche Kontrolle durch das viel beschworene „Kirchenvolk“ prinzipiell unterstützen und verteidigen. Die Psyche solcher Menschen, die sich für solche Verteidigung hergeben, ist ein eigenes, viel zu wenig bearbeitetes Thema…
Als Chef der obersten Glaubensbehörde ging es ihm darum, sein eigenes Verständnis von Glauben und Theologie, von Freiheit und Autorität, in der ganzen Kirche, ja möglicherweise in der westlichen Gesellschaft durchzusetzen. Karl Rahner hat diese Haltung von Anfang kritisiert. Er schreibt im Jahr 1984: „Wichtig wäre für Ratzinger, eindeutig und klar zu unterscheiden zwischen Ratzinger als Theologen mit seinen berechtigten, vielleicht auch problematischen Eigenmeinungen, und Ratzinger als Chef der Römischen Glaubenskongregation. Das sind zwei ganz verschiedene Sachen. Es ist selbstverständlich, dass ein römischer Prälat eine bestimmte theologische Meinung hat. Trotzdem darf er sie anderen nicht amtlich aufzwingen“. (14). Tatsächlich aber hat Ratzinger gemäß seinem bischöflichen Wahlspruch als „Mitarbeiter der Wahrheit“ seine Interpretation der Wahrheit, die er als ein ewiges und festes depositum fidei (“fix und fertiges Glaubensgut“) versteht, auch mit Zwangsmaßnahmen und unter Druck durchgesetzt. Die Liste der von Ratzinger z.B. ausgestoßenen, international hochgeschätzten Theologen ist sehr lang. Noch länger ist die Liste derer, die aufgrund dieses rigiden Systems sich von der römischen Kirche befreit haben. Ratzinger hat insofern als „Befreiungstheologe“ ganz besonderer Art gewirkt.
Wie stark die Verbundenheit Ratzingers mit rechten Gruppen ist, zeigt auch die Auswahl seiner Haushälterinnen: Als Kardinal in Rom versorgten ihn Frauen der geistlichen Gemeinschaft „Das Werk“, eine Gründung von „Mutter Julia Verhaghe“ aus Flandern, 1996 beschuldigten 2 Priester aus Limburg/Niederlande diese inzwischen internationale, auch in Deutschland arbeitende Bewegung würde sich sektiererisch benehmen und ihre Mitglieder unter schweren moralischen Druck setzen bei einer mittelalterlichen Spiritualität. Der zuständige holländische Bischof Wiertz durfte die Vorwürfe nicht untersuchen, weil „Das Werk“ direkt dem Papst unterstellt ist…(siehe Volkskrant, Amsterdam, 28.8.1996).
Im päpstlichen Palast kümmern sich jetzt Frauen der ebenfalls konservativen Bewegung „Comunione e Liberazione“ ums leibliche Wohl des Papstes. Diese internationale Bewegung war früher der Motor der italienischen Christdemokraten, heute steht sie Berlusconi sehr nahe.
Im Haushalt des Papstes geht ihm sein Privatsekretär zur Hand: Prälat Georg Gänswein hat Beziehungen zum Opus Dei: Er war als Kirchenjurist einige Jahre Dozent an der römischen Opus Dei Universität. Selbst wenn er nicht zum Opus gehören sollte: Diese Universität beschäftigt zweifelsfrei nur Leute, die der Opus Dei Richtung zumindest nicht kritisch gegenüber stehen!

Was Ratzingers theologischen Vorlieben für Deutschland betrifft, so ist seine Unterstützung für das im sehr konservativen Bereich angesiedelte „Forum deutscher Katholiken“ bemerkenswert. Das „Forum“ versteht sich als Alternative zu den immerhin ökumenisch interessierten Deutschen Katholikentagen. Das Forum deutscher Katholiken organisiert seit 2001 Jahrestreffen, bei dem sich das ganze einschlägige Spektrum eines explizit römischen Katholizismus versammelt. Mit dabei sind die Legionäre Christi, die Gemeinschaft der Seligpreisungen, das Opus Dei, die Totus Tuus Bewegung, die sich der so von Rom propagierten „Gesamthingabe“ befleißigen sowie Vertreter des deutschen Hochadels, die im Regnum Christi mittun, der Laienorganisation der Legionäre Christi usw. usw. „Kardinal Ratzinger war bei unserem ersten Treffen natürlich dabei und 2005 sollte er bei uns den Schlussgottesdienst halten, aber da war er schon Papst“, berichtet der Organisator Hubert Gindert. Er ist auch Chefredakteur der dem Papst noch aus Regensburger Zeiten bekannten Monatszeitschrift „Der Fels“. Gindert fährt fort: „Ich habe natürlich Kardinal Ratzinger damals auch aufgesucht in seiner Wohnung in Pentling bei Regensburg, dort hat er mir gesagt: Mir kommt es nicht auf die große Zahl an. Mit kommt es darauf an, ob es in der Kirche missionarische Zellen gibt“. (15)
Es ist kein Wunder, dass Kardinal Ratzinger von Anfang auch die „missionarischen Zellen“ der traditionalistischen Petrus Brüder unterstützte, jene Priester, die sich 1988 von Erzbischof Lefèbvres Gruppen losgesagt haben, aber treu die alte lateinische Messe weiter feiern dürfen. In deren Priesterseminar Wigratzbad in Bayern war Kardinal Ratzinger neben den ebenfalls ultrakonservativen Kardinälen aus Österreich Groer, Stickler und Mayer gern gesehener Gast! (16)
Die tiefe Verbundenheit mit diesen Kreisen ist bei Ratzinger sicher auch in der Sehnsucht nach der gehorsamen und uniformen, in sich geschlossenen, „schönen“ Kirche der Kindheit und Jugend begründet. Aber auch harte Berechnung ist dabei: Denn die ultrakonservativen Priestergemeinschaften, wie die Petrus Brüder oder die Legionäre Christi, haben viele Priesteramtskandidaten, die mit Begeisterung ihre klerikale Identität im schwarzen Priestergewand bekennen und Gehorsam als oberste Tugend praktizieren. Diese Kreise sollen in der Sicht Ratzingers die Macht der alten klerikalen Kirche retten!

Auch in Österreich hat Kardinal Ratzinger stets auf die kleinen, absolut kirchentreuen und rechtslastigen Kreise gesetzt, etwa auf den „Linzer Priesterkreis“. Ende der 1980Jahre war Ratzinger Referent bei den jährlichen Sommerakademien in Aigen, wo er schon damals ausdrücklich die lateinische Messe verteidigte. Ständige Referenten waren die Kardinäle Scheffczyk vom Opus Dei oder der konservative Dogmatiker Prof. Anton Ziegenaus.
Schon früh ist also Ratzinger bestens mit Oberösterreich vertraut. Auch der nach heftigen Protesten zurückgetretene Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner gehört diesem Priesterkreis an (17). Der Linzer Priesterkreis wurde entscheidend geprägt von Ratzingers Freund und ehemaligen Regensburger Kollegen Kurt Krenn. 1987 wurde er zur Überraschung aller Insider zum Weihbischof in Wien ernannt, offenbar hatte sein Freund Ratzinger daran mitgewirkt: „Die Wiener wunderten sich noch mehr darüber, dass dem neu ernannten Weihbischof Krenn besondere Verantwortung für die Welt der Kunst, Literatur und Wissenschaft übertragen wurde. In einem Fernsehinterview konnte er keinen einzigen zeitgenössischen österreichischen Künstler, Maler, Dichter, Bildhauer, Schriftsteller, Musiker oder Wissenschaftler nennen. Das war beunruhigend. Der wahre Grund, warum Krenn ernannt wurde, war der, ein Wachhund über die österreichische Bischofskonferenz zu sein, wo er, trotz seines Status als dienstjüngster, dadurch Gewicht bekam, dass er als einer galt, der „das Ohr des Heiligen Vaters hatte“. (18) 1991 wurde Krenn zum Bischof von Sankt Pölten ernannt: Dort konnten sich ohne römischen Widerspruch etliche spirituell extrem konservative Gruppen etablieren, die selbst aus bayerischen Diözesen wegen ihrer reaktionären Haltung vertrieben wurden, wie der Orden „Servi Jesu et Mariae“, wörtlich übersetzt „Sklaven Jesu und Mariens“. Im Ort Blindenmarkt hat dieser Orden seine Zentrale. Gründer ist der als Initiator der konservativen „Pfadfinder Europas“ bekannte ehemalige Jesuit Pater Andreas Hönisch. Über Krenns autoritäres und für die meisten Laien und Priester unerträgliches Regieren wurde vielfach berichtet, so z.B. von dem früheren Abt von Geras, Joachim Angerer (19) Nach einer Pornografie – Affäre und offensichtlicher homosexueller Kontakte zwischen Seminarleitung und Studenten in seinem Priesterseminar gab Krenn 2004 sein Bischofsamt auf. Seit der Zeit ging es ihm gesundheitlich nicht gut. Am 18.6. 2005, wenige Wochen nach seiner Papstwahl, hatte sein alter Freund und Gönner, Joseph Ratzinger, nichts Eiligeres zu tun, als ihm einen salbungsvollen Brief zu schreiben. Dieses Dokument muss allen, die unter dem Regime von Bischof Kurt Krenn gelitten haben, wie eine Ohrfeige erscheinen. Der Brief offenbart auch die (wahre?) spirituelle Dimension des gegenwärtigen Papstes: Hier nur einige Zitate aus dem handschriftlich unterzeichneten Brief: „Lieber Mitbruder! Wie ich höre, leidest du an Leib und Seele. So liegt es mir am Herzen, Dir ein Zeichen meiner Nähe zukommen zu lassen. Seit langem bete ich jeden Tag für dich! …. Unser Herr hat uns letztlich nicht durch seine Worte und Taten, sondern durch seine Leiden erlöst. Wenn der Herr dich nun gleichsam mit auf den Ölberg nimmt, dann sollst du wissen, dass du gerade so ganz tief von seiner Liebe umfangen bist und im Annehmen deiner Leiden ergänzen helfen darfst, was an den Leiden Christi noch fehlt (Kol 1, 24) Ich bete sehr darum, dass dir in allen Mühsalen diese wunderbare Gewißheit aufgeht……. Von Herzen sende ich dir meinen apostolischen Segen. In alter Verbundenheit! Dein Papst Benedikt XVI. (20).
Die Formulierungen dieses Briefes sind von einer traditionalistisch anmutenden Frömmigkeit geprägt, die ein Lefèbvre treuer Piusbruder wohl nicht anders formulieren könnte, einmal abgesehen davon, dass jeglicher kritische Hinweis auf Krenns unsägliches Verhalten fehlt, etwa seine viel besprochene Nähe zu dem rechtskonservativen Populisten Jörg Haider FPÖ. Kurt Krenn zierte sich auch nicht, ins offizielle Kondolenzbuch für diesen tödlich verunglückten Politiker zu schreiben: „Hochgeschätzte Trauerfamilie,
darf ich Ihnen mein tiefstes Mitgefühl zum so plötzlichen und unerwarteten Tod des Herrn Landeshauptmannes Dr. Jörg Haider aussprechen. Ich durfte mit ihm einige Male zusammentreffen und lernte ihn als integren Menschen und interessanten Gesprächspartner kennen… Im Gebet Ihrer gedenkend, Ihr + Kurt Krenn“ (21). Diese Worte des Ratzinger Freundes sind eine Schande, wenn man bedenkt, welche Hetzreden Haider gegen Ausländer zum Beispiel führte…
Bei seinem Besuch in Österreich ließ es sich Benedikt XVI. nicht nehmen, die ebenfalls als Hort der Tradition bekannte Klosterhochschule Heiligenkreuz bei Wien zu besuchen, die er kurz vor seinem Besuch im September 2007 noch im Januar desselben Jahres zur „Päpstlichen Hochschule“ erhoben hatte. Weihbischof Andreas Laun, extrem konservativer Theologe aus Salzburg, gehört dort zum Lehrkörper… Die Liebe Benedikts XVI. zu Heiligenkreuz hat zwei Gründe: Viel „klassischer Priesternachwuchs“ und die „ewige“, die klassische Theologie!
Manche theologischen Vorschläge Ratzingers finden dann auch Interesse im politisch explizit rechtsextremen Milieu. Das “Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW)“ hat den AULA Verlag in Graz als rechtsextrem eingestuft. Dort wurde 1998 in der von Otto Scrinzi herausgegebenen Festschrift „1848 . Erbe und Auftrag“ Ratzingers COMMUNIO Beitrag von 1995 mit dem Titel: „Freiheit und Wahrheit“ nachgedruckt. Auch wenn dieser Beitrag nicht explizit rechtsextrem ist: Erstaunlich ist es schon, wenn Herausgeber überhaupt auf den Gedanken kommen, Ratzinger in ihrem eigenen Umfeld zu präsentieren. Dem „Spiegel“ liegt der Schriftverkehr des Vatikans mit dem Aula Verlag vor, aus dem hervorgeht, dass der damalige Sekretär des Kardinals, Josef Clemens, der Publikation des Aufsatzes ausdrücklich zustimmte. Der Aula Verlag hatte Arbeiten des Holocaust Leugners Walter Lüftl gelobt, woraufhin sich sogar die FPÖ vom Verlag distanzierte(22). Der Aula Verlag wirbt in seinem Internetauftritt für das umstrittene Buch über 1848 bis heute (21. 3. 2009) mit dem ausdrücklichen Hinweis „Mit einem Beitrag von Kardinal Ratzinger“. Dem Papst scheint dieser Hinweis nicht unangenehm zu sein, oder er liest nicht die internationale Presse, die seit dem 14..3. 2009 über diese Zusammenhänge berichtet.

Auch in Frankreich hat Joseph Ratzinger immer wieder bewiesen, dass er zu rechtslastigen und ultrakonservativen Gruppierungen eine besondere Nähe, wenn nicht Fürsorglichkeit hat. Typisch ist sein Bemühen um Versöhnung mit dem ursprünglich schismatischen, Lefebvre hörigen Kloster Sainte Madelaine in Le Barroux bei Avignon. 1989 kehrte das Kloster mit Abt Calvet wieder in den „römischen Mutterschoß“ zurück, weil die Mönche den Papst formal anerkannten; die alte neu-thomistische Theologie des 19. Jahrhundert wird dort weiter verbreitet und die Messe natürlich im Ritus des 16. Jahrhundert nach den Weisungen Pius V. weiterhin zelebriert. Zahlreiche Zeitungen hatten seit den 1980Jahren die engen Verbindungen von Abt Calvet mit rechtsextremen Politikern aus der Partei Front National (FN, Führer: Jean Marie le Pen) nachgewiesen. Bernard Antony, der „national- katholische“ Europa Abgeordnete dieser Partei, ist genauso eng mit dem Kloster verbunden wie der ebenfalls dem FN nahe stehende Publizist Jean Madiran. Er hat mit Abt Calvet Interviews in dem mit dem FN sympathisierenden „Radiosender Courtoisie“ geführt. Der nationale Katholik Jean Madiran hatte 1995 eine Gedenkfeier für den bekannten französischen Nazi Propagandisten Robert Brasillach (hingerichtet 1945) gehalten…
Diese Zusammenhänge waren dem „Mitarbeiter“ der offenbar nur göttlichen, nicht aber politischen „Wahrheit“ Joseph Ratzinger egal! Als diese Mönche dort ihr Messbuch nach den Weisungen des 16. Jahrhunderts herausgaben mit den entsprechenden Weisungen, am Karfreitag für die abtrünnigen Juden zu beten, schrieb Kardinal Ratzinger 1990 das Vorwort. (23) Das Messbuch ist noch heute in Klosterladen dort zu haben. Im September 1995 besucht Ratzinger als der oberste Glaubenchef das Kloster und feierte dort die Messe. Offenbar ist er dort sehr angetan, weil die vielen jungen Mönche noch die radikale Tonsur tragen und die alten Mönchsgewänder lieben. (24)
Benedikt XVI. hat am 6. September 2006 das ebenfalls im rechts außen angesiedelte „Institut du Bon Pasteur“ (Institut vom Guten Hirten) in Bordeaux zugelassen. Ein eigenes Priesterseminar „Sankt Vinzens von Paul“ wurde auf dem Besitz des Marquis de Gontaud-Biron in der Diözese Chartres erricht. Der oberste „gute Hirte“ ist der ehemalige Lefèbvre Priester Philippe Laguérie. Er hatte 1987 den rechtsextremen Politiker Le Pen offen verteidigt, als dieser behauptete es gäbe keine Gaskammern. „Die Thesen der negationistischen Professoren Roques und Faurisson, auf die sich Le Pen bezieht, sind perfekt wissenschaftlich“, meinte er damals. Pater Laguérie war Pfarrer von Saint Nicolas du Chardonnet in Paris, die seit 1977 von Traditionalisten besetzt wird, 1994 wollte Laguérie in Paris erneut eine Kirche dem Bistum Paris durch Besetzung entwenden, aber die Polizei griff diesmal ein. Er hat ein Requiem gehalten für Paul Touvier, den antisemitischen Chef der Miliz aus der Pétain Zeit. (25) Sein Mitbruder in Bordeaux ist Père de Tanoüarn, er war Mitarbeiter der rechtsextremen Zeitung „Choc du mois“ und des Le Pen Senders „Radio Courtoisie“. Jetzt sind diese Priester mit Zustimmung Benedikt XVI. wieder mit Rom vereint. Sie können nun offiziell katholisch inmitten der Kirche ihre rechtsextremen Gedanken verbreiten.
Internationale Verbindungen gibt es längst. Nur ein Beispiel: Probst Gerald Gösche von der ebenfalls mit Rom versöhnten Traditionalisten Gemeinschaft des Oratoriums Philipp Neri in Berlin (von Berlins Kardinal Sterzinsky wurde die Gründung genehmigt) gratulierte Pater Laguérie zu seiner neuen Rolle als guter Hirte in Bordeaux, Gösche hatte übrigens auch gute Beziehungen zum Kloster La Madelaine mit Abt Calvet. (26)
Auch an der Absetzung des linken, progressiven und von vielen Menschen außerhalb der Kirche hoch geschätzten Bischofs von Evreux, Jacques Gaillot im Jahr 1995, war das mit Rom versöhnte und von Ratzinger geschätzte Kloster in Le Barroux beteiligt: „Gruppen wie das Opus Dei und der Abt des Klosters in Le Barroux wurden in Rom zu meiner Sache gehört. Sie hatten sich geschworen, meine Haut zu bekommen. Jetzt haben sie sie, diese Leute haben gewonnen“ (27). Seit der Zeit seiner Degradierung und Bestrafung lebt der so beliebte Bischof Gaillot als Oberhirte des virtuellen Wüstenbistums Partenia in einem Zimmerchen im Kloster der „Väter vom Heiligen Geist“ in Paris. Und als der in die Wüste geschickte Bischof Gaillot im Oktober 2004 einen Vortrag in Bonn halten wollte, wurde ihm von Kardinal Meisner (Köln) ein Redeverbot erteilt. Vom „Kölner Stadt Anzeiger“ wurde Gaillot aus diesem Anlass die Frage gestellt: „Haben sie den Eindruck, dass Meisner versucht, Kardinal Ratzinger und vielleicht auch den Papst persönlich gegen sie zu mobilisieren?“ Da antwortete Bischof Gaillot: „Ja, das befürchte ich. Ich gehe davon aus, dass es da enge Kontakte gibt, die meine Person betreffen… meine Liberalität macht Angst“
(28)

4.
Die Beispiele für die konservativen Vorlieben Joseph Ratzingers und für seinen entschiedenen Kampf gegen alle Liberalen, Linken, freiheitlich gesinnten Katholiken könnte für viele Länder fortgesetzt werden. Interessant ist, dass er in Deutschland bislang völlig unbekannte, aber bereits machtvolle rechtslastige Orden fördert. Dazu gehört das „Instituto del Verbo Incarnato“ aus Argentinien, das inzwischen über 500 vor allem junge Mitglieder zählt. Dieser offizielle, römisch – katholische Orden ist ausdrücklich dem argentinischen Nationalismus eng verbunden. Er will „die reinen und natürlichen Werte Argentiniens“ gegen die Atheisten verteidigen. „Dieser Orden will die Gesellschaft bestimmen in Fragen der Politik, der Moral, der Erziehung“, berichtet die argentinische Soziologin Prof. Veronica Gimenez Beliveau in einem Artikel für „Courrier International“. Zahlreiche Bischöfe Argentiniens haben diesem Institut verboten, ein Priesterseminar zu eröffnen. Im Jahr 2001 fand sich Kardinal Ratzinger bereit, diesen bischöflich umstrittenen Orden in seinem eigenen Bistum Velletri-Segni in Italien anzusiedeln. Dazu muss man wissen. Kurienkardinäle sind immer auch dem Titel nach Bischöfe“ eines bestimmten Ortsbistums, so ist eben Kardinal Ratzinger Bischof von Velletri-Segni, Italien. Das „Institut vom Inkarnierten Wort“ hat darum gejubelt und so wörtlich der „Vorsehung gedankt“, als „Ihr Titularbischof“ auch noch Papst wurde (29). Die internationale Kulturzeitschrift „Courrier International“ gab ihrem Beitrag über den Orden den Titel: „Die Soldaten des Inkarnierten Wortes : wie im Mittelalter“. Inzwischen arbeiten diese jungen „dynamischen Missionare“ in vielen Ländern der Erde, darunter in Holland, Island und Grönland.

Zum Schluss muss noch auf Spanien hingewiesen werden, weil der Kampf zwischen fundamentalistischen Papst Fans und einer modernen Demokratie am heftigsten tobt. Am 28. Oktober 2007 hatte Benedikt XVI. fast 500 Opfer aus dem Spanischen Bürgerkrieg selig gesprochen, sie alle kämpften auf der „rechten Seite“, also auf Seiten des „Erzkatholiken“ und Dikators Franco. Dass es auch Priester und katholischen Laien gab, die ihr Leben im Rahmen der Volksfront gegen den Faschismus einsetzten, wurde vom Papst gen übersehen. So wurde die Seligsprechung zur späten Verklärung des Kreuzritters Franco und zur deutlichen politischen Kritik am sozialistischen Spanien von heute, wo so „gottwidrige Dinge“ passieren, wie die völlige Gleichberechtigung homosexueller Paare. Die oppositionelle „Volkspartei PP“ jubelte natürlich über diese politische Massenseligsprechung. Zwar hat Benedikt XVI. diese Zeremonie nicht selbst vorgenommen, aber sie geschah in bestem Einvernehmen mit ihm als dem Verantwortlichen für alle Selig – und Heiligsprechungen. Benedikt XVI. hat jetzt einen der heftigsten PP Anhänger und Verteidiger der „alten spanischen Ordnung“, Kardinal Canizares von Toledo, nach Rom berufen, er soll sich als oberster Chef um die „rechte Gestalt der Gottesdienste“ kümmern…Die vatikanische Bürokratie wird immer mehr zur Ansammlung sehr konservativer Kirchenfürsten und untergeordneter Prälaten, diese Entwicklung hatte unter Papst Johannes Paul II. bereits begonnen.
So schließt sich der Zirkel einer in sich abgeschotteten, antimodernen Kirche, die wesentlich von Joseph Ratzinger bestimmt wird. „Können sogenannte Sekten auch viele Millionen Mitglieder zählen“ ?, fragen sich kritische Intellektuelle im Blick auf den Zustand der römischen Kirche heute. Sie wissen natürlich, das allein schon die Frage vom „Hof“, also vom Vatikan, bestraft werden könnte…

Diese kurzen Beobachtungen zeigen: Die Liebe Joseph Ratzingers zu allem Rechtslastigen zieht sich wie ein „roter (?) Faden durch sein Leben „seit Regensburg“. Darum ist die Aufhebung der Exkommunikation der 4 traditionalistischen Bischöfe der Pius – Bruderschaft keine „Ausnahme“ und kein „Versehen“. Joseph Ratzinger wähnt sich als „Mitarbeiter DER Wahrheit“ wohl als die „rechte Hand Gottes“.

PS:
Wenn in dieser kleinen und unvollständigen Übersicht häufig das etwas plakative Wort „konservativ“ verwendet wird, so steht es in diesem Zusammenhang als Symbol für anti – feministisch, anti-emanzipatorisch, für schwulenfeindlich und eher anti-ökumenisch, und „mit Vorbehalt demokratisch usw., um dem Leser diese Aufzählungen dieser Prädikate ständig zu ersparen, verwende ich das zusammenfassende und keineswegs, wie man sah, „abgegriffene“ Symbol „konservativ“.

Fußnoten:
1)Karl Rahner, Bekenntnisse, Wien – München 1984, S. 40

2) so berichtet Prof. Hermann Häring, 1968 Theologiestudent in Tübingen, in einem Interview mit dem Autor im Jahr 2007.

3)Karl Rahner, ebd.. Die gleiche Meinung hat der Theologe Wolfgang Beinert, in: „Der Theologe Joseph Ratzinger“, 1977, Kösel Verlag, S. 4.

4) So zitiert die internetzeitung tagespunkt vom 1. 9. 2006, http://www.tagespunkt.de/

5) Hans Küng, Theologie im Aufbruch 1987.

6)Ulrich Lehner, Artikel Johann Auer, siehe http://www.bautz.de/bbkl/a/auer_j.shtml

7) Joseph Ratzinger, Symposium vom 28. Mai 1992 anläßlich des 20jährigen Bestehens von COMMUNIO an der Gregoriana, Rom, S. 3

8) siehe: www.theologe.de/bischof_josef_stangl.htm

9) Zenit, Informationsdienst der Legionäre Christi, 9.1.2006

10) Süddeutsche Zeitung vom 2. 1. 1980, ein Beitrag von Rosel Termolen.

11) ebd. Ein Argument, das immer wiederkehrt: “Die sehende Sicherheit des Glaubens ist oft weit mehr zu Hause
als da, wo Reflexion großgeschrieben wie. Umgekehrt macht der Intellekt nicht immer sehend“. So Ratzinger in: „Die Situation der Kirche heute“, Köln 1977, S. 24 f.

12) Hartmut Meesmann, in „Die Zeit“ vom 23. 1. 1981

13) Karl Rahner, ebd. S 42.

14) Karl Rahner, ebd. S 40f.

15) Hubert Gindert in Kaufering in einem Interview mit dem Autor 2006.

16) siehe die Internetseite der Petrusbrüder http://fssp.eu

17) Josef Bruckmoser, Salzburger Nachrichten vom 3.Februar 2009.

18)The Tablet, Katholische Wochenzeitung in London, 21. 2. 1991

19) Joachim Angerer, als progressiver Abt eines Prämonstratenser Klosters, selbst ein Krenn-Geschädigter, schrieb u.a. das Buch „Österreich nach Krenn und Co“, Wien 2000.

20) Dieser bemerkenswerte Brief ist (noch) nachzulesen unter: http://stjosef.at/bischof .k.krenn, unter der Rubrik News.

21) siehe das Jörg Haider Kondolenz Buch unter: http://kondolenz.ktn.gv.at/default.aspx?SIid=95&page=12

22) http://aula.buchdienst.at/buecher/?id=445

23) La Vie, Paris, L Hebdomadaire Chrétien d Actualité, Num. 3309, 29. Janvier 2009, S. 28.

24) Henri Tincq, Le Monde, Paris, 14. 06. 1998.

25) siehe im Internet: http://intransigeants.wordpress.com/2008/08/10/vive-labbe-laguerie/
auch
http://fr.wikipedia.org/wiki/Philippe_Lagu%C3%A9rie

26) Probst Gösche in einem Interview mit dem Autor in der Kirche St. Afra Berlin im Jahr 2003. Auf seine „freundlichen Kontakte den Benediktinern von „Le Barroux“ wird im Internet http://www.institut-philipp-neri.de/institut immer noch verwiesen!

27) in: Elie Maréchal, L Affaire Gaillot, Paris 1995, Seite 189, das Interview fand am 5. Februar 1995 im Ersten Französischen Fernsehen TF 1 statt.

28) Harald Biskup interviewt Jacques Gaillot, Kölner Stadtanzeiger, 26.10.2004.

29) Courrier international. Hors Serie: „Au nom de Dieu. Pourquoi les religions se font la guerre.“ Mars 2007, Seite 62.

Zur Verehrung des „Instituts des Inkarnierten Wortes“ für ihren Gönner Joseph Ratzinger: Siehe auch deren Internetseite: http://www.ive.org. Die hier genannte Information findet sich unter “Noticias“ vom 4/20/2005 mit dem Titel: „El Papa Benedicto XVI era nuesto obispo titular“.