„Die Katholische Kirche ist gespalten“: Aktuelle Analysen aus dem Vatikan und den USA

Hinweise von Christian Modehn am 21. 7. 2017

Heutige Religionsphilosophie bezieht sich als Nachdenken über Religionen und weltanschauliche Ideologien, also auch auf den „atheistischen Glauben“, immer auch, als ein Thema neben anderen !,  auf die faktisch bestehenden Religionen und beobachtet kritisch deren Entwicklung. Ein Hinweis zur Kirchenspaltung in der römischen Kirche.

Die neusten Studien zu der de facto bestehenden Spaltung der römischen Kirche heute kommen aktuell von dem us – amerikanischen Religions-Spezialisten Mark Silk. Er publiziert seine Studien regelmäßig auch auf der website religionnews.com. Mark Silk ist nach meinem Eindruck heute leider in Deutschland weithin unbekannt! Silk ist auch Professor am berühmten „Trinity College“ in Hartford, Connecticut. Er zeigt, dass die Spaltung der katholischen Kirche noch nie so groß war wie heute. Die letzte, meint er sicher treffend, war die Spaltung zwischen Jansenisten und Jesuiten vor allem im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts. Damals ging es bekanntlich um die Bedeutung der Gnade, ein „ewiges“ und heute absurd erscheinendes Thema, das von Augustinus (4. Jahrhundert) vorgebracht wurde.

Wenn man also unvoreingenommen wahrnimmt, wie sich im Vatikan jetzt Anti- Papst – Franziskus – Gruppen unter den Kardinälen und Bischöfen bilden; wie der EX – Papst Joseph Ratzinger sich immer noch als Papst titulieren lässt und in aktuelle Ereignisse mit seinen päpstlichen Wortmeldungen präsent ist, etwa bei der Bestattung seines Intimus Kardinal Joachim Meisner; wenn man bedenkt, wie Herr Gänswein, seit langem Intimus von Ex – Papst Ratzinger, diesen immer als Papst Benedikt öffentlich anspricht: Dann ist eigentlich jedem nur an den wenigen Beispielen schon klar: Diese Kirche ist de facto an der Spitze gespalten, schon durch die zwei so unterschiedlichen Päpste, die in engster Nachbarschaft, aber auch getrennt wohnen. Diese Kirche ist innerhalb der Ordensgemeinschaften gespalten, sie ist an der Basis der Laien schon seit langem gespalten, weil sich viele noch „praktizierende“ Katholiken nicht an die Kirchengebote halten; andere, Konservative, diese natürlich revidierbaren Kirchengebote wie Gottes Gebote brutal verteidigen: Dann wird auch die Frage selbstverständlich: Wie lange hält diese Kirche noch die innere unversöhnte Pluralität als Zerrissenheit aus? Dabei bedenke man auch die meist konservativ – theologische Haltung der afrikanischen Katholiken usw…. Und man überlege, wenn eines Tages Papst Franziskus ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen sein Papstamt niederlegen muss und Ratzinger immer noch lebt und dann auch noch ein jüngerer dritter Papst gewählt wird: Dann wird durch die Ereignisse vielleicht selbst deutlich: Die Zeiten des einen und einzigen Papstes für 1,6 Milliarden Katholiken sind tatsächlich vorbei. Man braucht ganz offensichtlich mehrere Päpste, in einer demokratischen Kirche. Aber das ist Zukunftsmusik.

Zurück zu den Fakten:  Die us – amerikanische katholische Kirche ist sogar auch in offizieller vatikanischer Sicht gespalten: Darauf hat jetzt der Chefredakteur der Wochen-Zeitschrift „La Civilità Cattolica“ hingewiesen; die Artikel dieser Zeitschrift werden, wie es sich für die katholische Vorstellung von „Pressefreiheit“ gehört, vom „Staatssekretariat des Vatikans“ geprüft und dann für gut (oder eben nicht gut) befunden. Chefredakteur ist der italienische Jesuit Antonio Spadaro, er gilt als engster Vertrauter des Jesuiten-Papstes Franziskus. Pater Spadaro hat sich jetzt zusammen mit dem presbyterianischen Pastor Marcelo Figueroa über die gefährliche theologische Spaltung unter US – amerikanischen Christen, vor allem auch der Katholiken, geäußert. Pastor Figueroa ist – bemerkenswerterweise – Chefredakteur der für Argentinien bestimmten Ausgabe der international verbreiteten, ebenfalls offiziellen katholischen, vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“. Pastor Figueroa ist ebenfalls ein („alter“) Freund von Bergoglio, von Papst Franziskus. Eine erfreuliche Form der ökumenischen Zusammenarbeit, sind doch einige Kreise der Presbyterianischen Kirche (also letztlich der Reformierten, einst Calvinisten genannt) eher progressiv und links. Dies gilt offenbar auch für den argentinischen Pastor.

Was sagen die beiden Autoren in der offiziellen Papst – Wochenzeitung „La Civilità Cattolica“, Ausgabe vom 13. Juli 2017? Es gibt theokratische Versuchungen unter den Kirchen und Christen in den USA. Das heißt: Christen, die eine sich aus Bibelsprüchen ihre Politik zusammenbasteln. Genannt wird ausdrücklich der reaktionär – katholische Berater von Mister Trump, Steve Bannon. Er und seine Kreise ( die ja auch im Vatikan Freund und Unterstützer haben, CM) „rechtfertigen jegliche kriegerische Aktion auf theologische Weise“, schreiben Spadaro und Figueroa. In der gegenwärtigen US – Regierung würden die politischen und die religiösen Bereiche verwischt, heißt es in vatikanischer Sicht weiter. Dabei ist Politik ein „weltlich Ding“, möchte man diese treffende Sicht im Vatikan von heute interpretieren. Hingegen: Diese theokratische Sicht (d.h.: Gott, also der Gott dieser erzkonservativen Herren in den USA, solle politisch herrschen) werde allerdings nicht nur von konservativen, fundamentalistisch denkenden Katholiken verteidigt, sondern in gutem Einvernehmen mit weiten Kreisen der die Bibel ebenfalls fundamentalistisch verstehenden bzw. nicht – verstehenden Evangelikalen. Es gibt also einen neuen ökumenischen Block von fundamentalistischen (theokratischen) Katholiken und fundamentalistischen Evangelischen. Sie wollen ein christliches reaktionär – theologisches Amerika; sie bedrohen also elementar die Religionsfreiheit. Und sie lesen die Mythen der so genannten Johannes „Apokalypse“ im Neuen Testament als historisch und politisch relevante Texte!

Diese Herrschaften deuten jegliche Kritik an ihnen sofort als Krieg gegen die „wahren Glaubenden“.

Es geht also ein Bruch, ein Kommunikationsabbruch, durch die US – Kirche(n). „Diese fundamentalistische US – Ökumene schafft nur Angst unter den Menschen“, schreiben beide Autoren aus dem Vatikan. Und sie erwähnen dabei Papst Franziskus, der „unaufhörlich dagegen kämpft, gegen diese Erzählungen der Angst. Man muss nun „diese Manipulation (also die gemeinsame fundamantalistische Lektüre von konservativen Katholiken und evangelikalen Evangelischen) bekämpfen“.

Es ist klar, dass gegen diese sehr deutliche Abgrenzung des Papstes (durch die beiden offiziellen Autoren Spadaro und Figueroa ausgesprochen) unter konservativen US Katholiken ein Aufschrei durch das Land geht; unter den zahlreichen militanten reaktionär – katholischen Gruppen vor allem, die stramm hinter Mister Trump stehen, man denke an die Gruppe „church militant“ der die website Crux.

Der Jesuit Spadaro hat der ebenfalls angesehenen US amerikanischen Jesuitenzeitschrift AMERICA sofort seine und damit des Papstes Position verteidigt: „Diese von uns integralistisch (also theokratisch orientierten, CM) genanten Katholiken und die fundamentalistischen Evangelischen sind gemeinsam auf dem politischen Feld tätig, das bereitet Probleme“.

Damit wird deutlich: Selbst der Vatikan, selbst der Papst, kann eine reale Kirchenspaltung des Katholizismus nicht mehr ignorieren. Es gibt also de facto eine Spaltung unter den US – Katholiken: Sie haben ihre eigenen Medien, Universiutäten und TV Stationen, ihre eigenen Netzwerke und jeweils, je nach Lager, ihre besonders geliebten Bischöfe und Kardinäle: Die Konservativen (Trump Freunde) halten sich etwa an den konservativen Kardinal vom New York, Timothy Dolan. Die eher Progressiven, pro Papst Franziskus gestimmten, halten sich an den sehr aufgeschlossenen, auch für gay-rigts! Bemerkenswert deutlich engagierten Kardinal von Newark, Joseph Tobin, aus dem Orden der Redemptoristen. Dass dieser Pater noch Kardinal werden konnte, verwundert selbst die Progressiven. Tatsache ist nämlich auch, dass Papst Franziskus immer auch gern sehr konservative Kleriker zu Bischöfen ernennt, wie den im politischen und theologischen Rechtsaußen angesiedelten Luc Ravel, den neuen Erzbischof von Straßburg. Offenbar will Franziskus, „jesuitisch schlau“, jonglieren und doch noch auf diese diplomatische Weise die auseinander strebenden Tendenzen beruhigen. Ob das auf Dauer gelingt, ist mehr als fraglich!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.