Themen bisheriger Salon-Gespräche



Themen einiger Salon – Abende

3. August 2010 | Von | Kategorie: Themen bisheriger Salon-Gespräche

Themen einiger Salon – Gespräche, erneut aktualisiert am 23.2.2013 von Christian Modehn

Es gibt den Religionsphilosophischen Salon nun schon seit 6 Jahren, mit ca. 60 Salon Abenden, so die Zählung im Februar 2013. Diese relativ lange Dauer einer philosophischen “Basis – Initiative” ist ein Zeichen dafür, dass viele Menschen eine Sehnsucht haben nach philosophischen Gesprächen im kleineren Kreis, als Alternative zu kulturellen Großveranstaltungen. Etwa 700 Menschen haben in der Zeit an Gesprächen in unserem Salon teilgenommen.

Wir können hier nur einen kleinen Einblick bieten in die Vielfalt der Themen:

Im Juni 2012 machten wir einen Rundgang durch Galerien in Berlin – Mitte.

Im Juli 2012 unternahmen wir einen philosophischen Spaziergang im Naturschutzgebiet “Tegeler Fließ” in Lübars mit dem Thema: Gibt es noch “Natur”?

Im August 2012 sprachen wir über das Konzept buen vivir, Gutes Leben, mit dem Politologen Thomas Fatheuer von der Böllstiftung. Seit der Zeit sind wir in der galerie fantom, in der Hektorstr. 9, zu Gast.

Im September 2o12 sprachen wir über einige religionsphilosophische Aspekte im Werk Nietsches.

Im Oktober 2012 starteten wir mit der Lektüre und Diskussion des Buches von Peter Bieri “Wie wollen wir leben”?

Anfang Dezember 2012 hatten wir ein vierstündiges Intensiv – Gespräch (mit gemeinsamen Essen) zum Thema Selbsterkenntnis. Der Künstler und Kunstpädagoge interpretierte für uns ein Gemälde von Caspar David Friedrich “Der Wanderer über dem Nebelmeer”. Seit diesem Salon wollen wir verstärkt auch philosophische Bild – “Betrachtungen” pflegen und auch musikalische Erfahrungen einbeziehen.

Im Januar 2013 diskutierten wir über Selbstbestimmung in der Religion, auch zum Thema “multireligiöse Bindung”.

Im Februar 2013 diskutierten wir -mit dem Philosophen Michael Braun- über die Überforderungen angesichts der Selbstbestimmung.

rückblickend noch einige Hinweise zu unseren Themen:

Im Januar 2012 sprachen wir über die Stoa und Epikur: Perspektiven der Lebensorientierung?

Im Februar 2012 sprachen über ein Motto, das von Friedrich II. stammen soll: “Jeder soll nach seiner Facon selig werden”

im März 2012 sprachen wir den philosophischen Beitrag des brasilianischen Pädagogen und Philosophen Paulo Freire: Wege aus der Unterdrückung.

Im November 2011  war die Philosophin Prof. Petra von Morstein Referentin in unserem Salon, anläßlich des Welttages der Philosophie sprach sie über die Frage: Wie können wir die Vernunft retten in unvernünftigen Zeiten?

Im Oktober 2011 sprachen wir über die französische Aufklärung, vor allem über die Frage: Kann kritische Philosophie eine Revolution “auslösen”.

…..Nur eine kleine Auswahl:

Im Mai 2011 diskutierten wir einige Aspekte der Philosophie Wittgensteins, vor allem die Frage: Wie kann in Wittgensteins Spätwerk eine “Mystik” entdeckt werden?
Ende Mai hatten wir auch eine Führung durch die sehr gut gestaltete Wittgenstein Ausstellung im “Schwulen Museum Berlin” durch die Kuratorin Kristina Jaspers.

Im Juni 2011 diskutierten wir anläßlich des Buches “Böse Philosophen” (Hanser Verlag) über französische Aufklärung, vor allem über Diderot und Baron d Holbach: Wie wird Philosophie politisch?

Anfang des Jahres 2011 gab es Salon – Gespräche zu diesen Themen:
- Wenn die Vernunft das Denken respektiert: Liberale Theologie heute, mit Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität Berlin.
- Über den Humor. Der Beitrag Kierkeaards und des jüdischen Philosophen Elazar Benyoetz: Humor, Leichtsinn der Schwermut mit Prof. Michael Bongardt, FU Berlin
- Über die Langeweile. Anregungen von Martin Heidegger
-  Arbeit und Kontemplation. Anregungen des Philosophen Byung – Chul Han.
Im Mai 2010 war der Salon zu Gast in der Galerie “Georgia”, sie ist, wie der Name sagt, auf Kunst aus Georgien spezialisiert. Sie befindet sich in der Beibtreustraße 17 in Berlin – Charlottenburg. Der Künstler Zaza Tuschmalischvili und die Galeristin Annilie Hillmer zeigten, wie verschiedene stilistische Traditionen aus Georgien und Westeuropa zur Einheit finden, z.B. im Werk von Zaza Tuschmalischvili. Diskutiert wurde u.a. die Frage: Wie stark verändert sich “das Eigene” bei einem längerem Aufenthalt in anderen Kulturkreisen? Ist das “Eigene” immer schon von “Fremdem” mit geprägt? Wie sehr ist unser Bewußtsein tatsächlich eine je individuelle “Mischung” aus verschiedenen Traditionen, die uns sogar befremdlich erscheinen, wenn sie bewußt werden. Das abstrakte Gegenüber von Eigenem und Fremdem hat jedenfalls keinen Sinn. Welchen Sinn hat dann die Beziehung zur “Heimat”? Ist sie die wichtigste Inspirationsquelle für Künstler, die sich in unterschiedlichen Kulturen aufhalten? Droht das spezifische Profil von “Heimat” allmählich zu verschwinden angesichts einer alles gleichmachenden (Englisch sprechenden) Global – Kultur? Werden dann die Traditionen der Heimat zu bloßen folkloristischen Elementen?
Das Thema des Salon Gesprächs im April 2010 war: Erfahrungen des Fremden Horizonterweiterung durch Begegnung. Deutlich wurden einige Perspektiven: Das Subjekt, das “Ich”, konstituiert sich immer schon in Verbindung mit anderen. Die anderen, bzw. vom Ich aus gesehen, die Fremden, sind also niemals nur in einem 2. Schritt als “Beigabe” zum Ich zu sehen. Dies ist als Kritik gemeint an einer auf die Innenschau des Subjekts konzentrierte Philosophie. Welchen Unterschied gibt es zwischen dem “anderen” und dem “Fremden”? Wie können wir dem Fremden begegnen, dass er wirklich “er selbst” bleibt und nicht durch unsere Kategorien zu unserem “Selbst” gemacht wird, das seine Andersheit verliert. Wie weit kann die Toleranz gehen in der Anerkennung der Vielfalt des Fremdartigen des Fremden? Berichte aus Südafrika z.B. machten den Teilnehmern deutlich: Es gibt z.B. dort eine große Angst der Weißen vor den Schwarzen und umgekehrt. Die (reichen) Weißen mauern sich ein, wollen die anderen, die Schwarzen, fernhalten. Ein Phänomen, das auch in Deutschland sichtbar wird. Wie kann eine Kultur des Respekts gefördert werden, in der sich alle, also alle “anderen”, frei und gleichwertig entwickeln können? Welche Politik fördert diese Perspektiven? Was kann Kultur, was kann Kunst in der Begegnung mit dem Fremden leisten? Ist sie mehr als “multikultureller Spaß” und schöne Freizeitbeschäftigung? Tatsächlich geht es in der Begegnung mit Fremden nicht bloß um “Horizonterweiterung”, sondern wohl um tiefere “Lebensveränderung” durch Kritik von anderen und Selbstkritik. Dies gilt natürlich für alle “anderen” und nicht nur bloß für eine kleine Gruppe.

Das Thema der Diskussion am 12. 3.2010 war: Die goldene Regel. Eine ethische Basis für alle Menschen?
Durch die Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong (London) wird jetzt mit Nachdruck daran erinnert, dass Religionen sich vom Ursprung her als praktische Lebensorientierung verstanden haben. “Buddha, Konfuzius und Jesus halten Metaphysik und Theologie eindeutig für schädlich”, so in Lettre 2009/84, S. 71. Nicht nur Karen Armstrong, viele andere Philosophen und Religionswissenschaftler weisen darauf hin: “Die Goldene Regel ist die gemeinsame Basis großer spiritueller Traditionen. “Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht”, heißt es in der jüdischen Tradition, “das ist das ganze Gesetz (Thora), und alles andere ist nur die Erläuterung”.
Inwiefern weckt die Goldene Regel Empathie? Wie leben unterschiedliche Menschen unterschiedlicher Kulturen auf dieser Basis zusammen? Wie ist die philosophische Kritik an der goldenen Regel (etwa durch Kant) zu bewerten?

Im Salon im Februar 2010 sprachen wir über die Frage: Wer ist ein Weltbürger? Diese einzelnen Themen wurden besprochen und werden uns weiter beschäftigen: Wie ist die Menschheit als EINE Menschheit zu denken? Ist der Kosmoplit die wahre Alternative zu Bindungen an nationalstaatliche Herkünfte und Verpflichtungen? Wie nimmt der Weltbürger sein Engagement für die “Welt” wahr? Worin liegt der Unterschied zu einem Vertreter der imperialen Kultur (etwa der USA), der den kulturellen Zwängen des Imperiums folgt, und einem Weltbürger? Wie kann der Weltbürger seine praktische Verantwortung für die noch unmenschlich lebenden Menschen (etwa in der sogen. “Dritten Welt”) leben? Die Philosophin Martha Nussbaum (USA) macht den Vorschlag: Nationen sollten sich heute nicht nur für ihre eigenen Bürger, sondern für die Sicherung der Grundfähigkeiten aller (!) Menschen zuständig fühlen. Martha Bussbaum bietet in ihrer Ethik eine Begründung für die Einheit der Menschheit, sie kann die Basis sein für eine kosmopolitische Philosophie.

Weitere Themen in früheren Jahren waren:

- Das Absurde annehmen? Albert Camus (wir sprachen über ihn anläßlich seines 50. Todestages am 4. Januar 2010) verteidigt den Sisyphus, der den Stein immer wieder von neuem nach oben wälzt. ABER: Beim Heruntergehen zu dem Stein entdeckt Sisyphus sein Selbstbewußtsein: ICH bin es, der den Stein immer wieder nach oben stemmt. Ich bin durch meinen Geist, durch mein Selbstbewußtsein, nicht nur über den Stein, sondern auch über das Hinaufstemmen erhaben. Ich bin MEHR als diese absurde Situation. Ich kann stolz sein, dass ich angesichts dieser verdammten, absurden Situation doch etwas erhaben bin. “Wir müssen uns Sisyphus als einen glücklichen Menschen denken”. (A. Camus, Der Mythos des Sisyphus. Reinebek 2008, Seite 160.

* Eine Philosophie des Festes und der Feier? Beispiele für eine Philosophie, die mehr kennt als den Alltag
* Willensfreiheit – eine Illusion?
* Wie gehen wir mit dem um, was wir “das Unvermeidbare” und “Unabänderliche” nennen?
* “Warum Denken traurig macht”. Anläßlich eines Buches von George Steiner. Unsere Frage: Unter welchen Bedingungen macht Denken traurig? Ist es nicht auch und zuerst (?) eine positive Lebensenergie?
* Achtsamkeit – eine Lebensqualität? Philosophische Zugänge und Vorschläge zur Praxis”. Deutlich wurde: Achtsamkeit ist eine Lebenshaltung, nicht eine “Tugend” neben anderen. Achtsamkeit ist Wachheit; bewußtes Leben in der Welt; Bereitschaft zur Re – flexion; die Abwehr, viele Dinge gleichzeitig zu tun; innere Sammlung; Widerstehen allem Geschwätz und aller ideologischen und dogmatischen Indoktrination.
* Gibt es einen Fortschritt in der Gesellschaft und im persönlichen Leben?”
* Was bedeutet Ratgeben
* Gott denken
* Selbstbestimmung?
* Glück als Lebensziel