Pater Ockenfels: Die AFD wird von katholischem Theologieprofessor unterstützt

Über Pater Wolfgang Ockenfels und seinen Dominikanerorden

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die AFD setzt sich in christlichen Kreisen immer mehr durch: Ein Thema auch für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon in Berlin, er weiß sich der Philosophie des demokratischen Rechtsstaates, der Menschenrechte und damit der allseitigen Religionskritik verpflichtet.

Jetzt ist es nicht unwahrscheinlich, dass es demnächst einen „Arbeitskreis von Theologen in der AFD“ geben könnte, selbstverständlich ökumenisch vereint. In der Lutherischen Kirche Sachsens (etwa in Bautzen) würde man sicher fündig werden; im Katholizismus hat nun der in konservativen Kreisen ohnehin umtriebige Theologe und Dominikanerpater Prof. Wolfgang Ockenfels ein Zeichen gesetzt: Er gehört zum „Kuratorium“ der AFD „nahen“(wie man vornehm sagt) „Stiftung Desiderius Erasmus“. Dabei dauern die Verbindungen von Ockenfels zur AFD schön länger: Etwa im März 2017 sprach er über „Gewalt und Religion“ auf einer Tagung der AFD von Baden-Württemberg: Den Koran sollte man lesen, meinte er, ihn zu lesen hielt er dann aber für eine „grauenhafte Zumutung“, so berichteten sehr rechtslastige websites pünktlich zum Vortrag! Die schon lange andauernden Beziehungen Ockenfels´zur rechtslastigen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ sind bekannt.

Auch der katholische Theologe David Berger (2010 Autor des heftig antiklerikalen Erfolgs-Buches „Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“) gehört jetzt zum Kuratorium dieser AFD Organisation. David Berger ist ein Kenner des Werkes des mittelalterlichen Theologen und Dominikaners Thomas von Aquin, deswegen hat er enge Verbindungen zu einzelnen Dominikanern in Berlin und in Rom (dazu in dem genannten Buch S. 128 ff.). Er hat sich vom konservativen katholischen Theologen erst zum heftigen Kirchenkritiker und Gay-Aktivisten nun wieder zum AFD nahen Theologen (zurück-?) „entwickelt“. Eine interessante „Karriere“…

Ockenfels jedenfalls kann aufgrund seiner sehr weitreichenden vielfältigen Kontakte vor allem im rechts-konservativen katholischen Milieu nun seine AFD Affinität wohl ab jetzt auch werbend in seinen Kreisen zur Sprache bringen: Er ist emeritierter Professor für Christliche Soziallehre an der theologischen Fakultät der Universität Trier (dort seit 1985, er hat also viele Religionslehrer usw. ausgebildet); er ist geistlicher Beirat im „Bund katholischer Unternehmer“; Beiratsmitglied der Akademie des deutschen Handwerks/Schloß Raesfeld; Präsident der Internationalen Stiftung Humanum (Lugano), Referent beim sehr konservativen „Forum deutscher Katholiken; häufiger Mitarbeiter des sehr reaktionären katholischen Blattes „Der Fels“; Chefredakteur der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“. Zur Redaktion gehören auch zwei andere Dominikaner, der eine, Pater Wolfgang Spindler, hat etwa kürzlich „Gedichte für und über Carl Schmitt“ in der Carl Schmitt Gesellschaft herausgegeben. Carl Schmitt war ja bekanntlich der „Kronjurist der Nazis“… Autor der „Neuen Ordnung“ von Pater Ockenfels ist auch der heftige Gegner/Feind von Papst Franziskus, Kardinal Walter Brandmüller.

Es ist ja wohl nicht davon auszugehen, dass beide Herren, Ockenfels und Berger, in kritischem Elan innerhalb des Kuratoriums den Ungeist von AFD Positionen und vor allem Praktiken (Nähe zu Pegida usw.) freilegen. Denn diese Herren sind zweifelsfrei mindestens AFD nahe. Können wir uns also auf Tagungen dieser AFD Stiftung freuen, etwa zum Thema „Warum Katholiken national denken und nur den Nächsten, und das sind Deutsche, lieben sollten“. Denkbar wäre auch eine missionswissenschaftliche Tagung über „Afrikaner gehören in ihre schöne afrikanische Heimat“. Aber Ironie beiseite…

Am 24. Juli 2018 hat nun auch der für Pater Ockenfels zuständige Provinzialobere des Dominikanerordens in Köln, Pater Peter L. Kreutzwald, eine Stellungnahme publiziert. Sie ist am Ende dieses Beitrags auf dieser Webseite erreichbar.

Diese eher knappe Stellungnahme des Provinzials besteht aus zwei Teilen.

Um es vorweg zu sagen: Diese Stellungnahme entspricht nicht der Bedeutung, dass nun ein katholischer Theologieprofessor sich in einer AFD Organisation engagiert. Diese Tatsache ist eine schlimme Wende, sie führt hin zur „Normalisierung“ dieser AFD Partei und ihres Umfeldes sowie ihrer bekannten Connections mit rechtsextremen Parteien in Europa und mit Mister Trump über dessen „Vordenker“ Steve Bannon.

Im ersten Teil erwähnt Pater Kreutzwald die im Dominikanerorden offenbar übliche Pluralität, man liebt dort die „kontroverse Diskussion“. Und angesichts dieser damit angedeuteten Toleranz im Dominikanerorden wird dann auch die „Haltung“ von Pater Ockenfels, also seine Sympathie für die AFD, als „persönliche Einzelmeinung“ förmlich abgewertet. Aber: „Diese persönliche Einzelmeinung“ wird „von der Provinzleitung nicht geteilt“. Immer dies wird gesagt. Ob nun kontroverse Debatten, offenbar in dem Orden üblich, nun auch mit Pater Ockenfels geführt werden, auch öffentlich, wird vom Provinzial nicht einmal angedeutet. Wie toll wäre es doch einmal einen kritischen Dialog unter Dominikanern, die nennen sich ja offiziell „Predigerbrüder, über das Thema öffentlich zu erleben.

Wie streiten sich Dominikaner, die politisch ein bisschen links sind mit solchen, die sehr rechts sind? Oder redet man schon gar nicht mehr miteinander? Und trennt die Konvente in progressivere und konservativere? Ein gepflegtes Nebeneinander also in einem Orden?

Diese äußerst knappe allgemeine Abgrenzung bedeutet letztlich: Ein Ordensoberer ist gegen die Meinung eines zudem einflussreichen Ordensmitglieds machtlos; der Ordensobere zeigt hilflos, nicht mehr als die offizielle Ablehnung dieser Privatmeinung eines einzelnen Mitglieds im Orden mitzuteilen. Man könnte sich im Fall dieser gravierenden AFD Unterstützung ja auch denken: Dass der Ordensobere entscheidet, die Ordensmitgliedschaft des Betreffenden „ruhen“ zu lassen, solange dessen AFD Aktivitäten fortgesetzt werden. Ein anderes Beispiel: Der Prior des Dominikanerordens in Montpellier (Frankreich) hat den „linken“ Dominikaner Jean Cardonnel  (1921 – 4.7.2009) einfach aus dem Kloster herausgeworfen  (2002), indem er in einer Zeit der Abwesenheit von Pater Cardonnel einfach dessen  Zimmer im Kloster leer räumte und dessen „Hab und Gut“ auf die Straße stellte. Pater Cardonnel ist dann außerhalb seines Klosters in einem Altersheim gestorben. So weit wird man im Falle des AFD Theologen und Dominikaners Ockenfels nicht gehen müssen, zumal ja Pater Ockenfels recht hübsch sicher außerhalb eines Klosters privat wohnen darf als privater Mönch…

Hingegen suggeriert der Ordensobere an der Stelle seiner knappen Stellungnahme, als wäre diese persönliche Einzelmeinung von Ockenfels nur von so geringer Bedeutung wie etwa eine absolute Vorliebe fürs vegetarische Essen oder für anstrengende Bergwanderungen. Mit anderen Worten: Der Ordensobere spielt in diesem ersten Absatz die AFD von Pater Ockenfels herunter. Damit wird indirekt für andere das Zeichen gesetzt: Wenn schon ein Dominikaner Theologe sich AFD nah engagiert, warum kann ich als katholischer Laie dies nicht auch? „Also los, wählen wir AFD“, sagen sich praktizierende Katholiken, die nachweislich immer noch sehr autoritätshörig sind. Insofern hat die milde Beurteilung der AFD Aktivität des Theologen Ockenfels durch den Provinzialoberen verheerende Folgen. Offenbar wissen die Ordensleute noch zu wenig über die Hintergründe dieser AFD…

Und ich frage mich: Was bedeutet eigentlich heute noch das klassische Ordensgelübde des Gehorsams, das jedes Ordensmitglied ausspricht, oder hat man es nur „abgelegt“, im doppelten Sinne der Bedeutung. Tatsache ist: Angesichts des zunehmenden Mangels an „Ordensnachwuchs“ kann jedes noch verbliebene Ordensmitglied offenbar machen und sagen und tun, was es will, der Ordensobere hat nur noch die „persönliche Haltung und Einzelmeinung“ abzunicken. Und wenn Ordensleute privat wohnen, wie Ockenfels, kann das Gelübde der Armut wohl einfach auch „abgelegt“ werden. Bemerkenswert jedenfalls ist auch die Toleranz von Ockenfels gegenüber dem offen homosexuell lebenden, einstigen Chefredekteur des Gay – Magazins „Männer“ im schwulen Bruno Gmünder Verlag in Berlin: Gegenüber seinem Co-Beirat David Berger in der AFD Stiftung zeigt sich Ockenfels sehr tolerant: Er hält den nun AFD affinen (ehemaligen ?) Gay-Aktivisten und Gay-Publizisten David Berger für einen „sehr anregenden, kompetenten Gesprächspartner“. Dabei ist diese tolerante Aussage von Ockenfels hoch erstaunlich: Sie steht wohl ganz im Dienste der gemeinsamen AFD-Verbundenheit: Denn Ockenfels hat sonst gegen alle „moderne“ Moral (der „68 er- Bewegung“) gewettert, gegen Feminismus und Gender-Forschung etwa. Gegen die so genannte „Homoehe“ argumentierte Ockenfels in einem von Norbert Geis (CSU – Hardliner) herausgegebenen Buch mit dem Titel „Homoehe“,er verfasste den beitrag “Staatliche Prämierung der Unfruchtbarkeit“ (gemeint sind „die Homos“). AFD Homos sind jetzt – dank David Bergers Liebe zur AFD – offenbar nicht mehr so „unfruchtbar“.

Wenn man sich das weite Netzwerk von Ockenfels anschaut innerhalb eines konservativ – katholischen Milieus, kann man sich nicht so recht vorstellen, dass der Provinzial in Köln den Mut hat und sagt: Lieber Ockenfels, gib deine AFD Hilfsbereitschaft und AFD Nähe auf. Oder wir lassen deine Mitgliedschaft im Orden „ruhen“. Verhungern würde er als Nicht – Dominikaner Ockenfels sicher nicht, erhält er doch als emeritierter Universitätsprofessor z.B. auch eine gute Pension… Aber diese Aktion des Provinzials wäre ein Zeichen: „Wir dulden keine AFD affinen Leute im Orden …und auch nicht in kirchlichen und theologischen Ämtern“.

Im zweiten, etwas längeren Teil der „Stellungnahme“ von Pater Kreutzwald wird dann ohne jeden ausdrücklichen Bezug zur AFD – Mitarbeit des Dominikaners Ockenfels nur Allgemeines zur politischen Situation Deutschland und Europas gesagt: Die AFD wird von dem Provinzial durchaus als „rechtsgerichtete Partei“ bewertet. Dass rechtsgerichtet“ noch zu milde klingt, ist klar! Kreutzwald gibt zu, diese Partei argumentiere mit „vereinfachender Polemik“ bis hin zu offener Feindseligkeit. Die Frage stellt der Provinzial an dieser Stelle nicht: Darf ein Theologe, darf ein Christ, sich zu dieser offenen Feindseligkeit (die die AFD nachweislich inszeniert) bekennen? Er meint verbreitet dann noch die allgemeine Weisheit, dass nur „nationale Lösungen der Flüchtlingsthematik angegangen werden sollten“.

Zum Schluss erinnert der Obere an den Anspruch des Dominikanerordens, des Predigerordens, „in einer vernünftigen Sprache differenziert und ausgewogen die gegenwärtigen Herausforderungen ins Wort zu bringen“.

Dazu gehört aber mehr kritisches Nachdenken und mehr Mut, als diese knappe Erklärung von Pater Kreutzwald zeigt. Der Provinzial beschwört die „Verkündigung der guten Botschaft Jesu zum Heil aller Menschen“ als Ziel des Ordens. Zu dieser Botschaft gehört doch aber auch das Nein, das Abstandnehmen, das prophetische Wort, die Warnung. „Persönliche Einzelmeinungen“ anzuerkennen, auch wenn man sie nicht „teilt“, reicht nicht; es geht darum, Wahres von Falschem zu trennen, Gutes von Gefährlichem in der Politik. Einst waren die Dominikaner die großen Meister in der Verfolgung von Ketzern, auch im Rahmen der Inquisition. Solche Zeiten dürfen niemals wieder kommen. Aber andererseits: Sind Dominikaner (in Deutschland) jetzt zu Meistern der letztlich resignativen Hinnahme „persönlicher Einzelmeinungen“, auch im von Fall Bindungen an die AFD, geworden?

Die AFD wird sich freuen, dass ihr der Einstieg ins katholische Theologen- und Ordensmilieu gelungen ist. Das könnte sich allerdings noch ändern, wenn auch die Dominikaner sich an der Erforschung des europäischen Rechtsextremismus beteiligten und entsprechende Konferenzen organisierten. Und ein umfassend, argumentierendes prophetisches Wort als NEIN zur AFD wagen. Wird das geschehen? Dies wäre eine utopische Erwartung!

So dämmern die Kirchen dahin, angesichts der AFD, der Pegida, der Oligarchen in Europa und den USA, und dem Katholiken Steve Bannon, der explizit alles Freiheitliche vernichten will. „Eine Schande ist dieser Dämmerzustand der Kirchen und der noch halbwegs intellektuellen Orden“, schreibt mir ein Leser. Ich kann ihm nicht widersprechen. „Nationalistisch“ und „christlich“ wird sich bald wieder reimen…Macht Pater Ockenfels den Anfang?

…… DER TEXT von Pater Kreutzwald ist erreichbar über: http://www.dominikaner.de/

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin