Liebe AbonnentInnen des newsletters des Religionsphilosophischen Salons in Berlin,

wir werden am 3. Mai 2019 in unserem philosophischen Salon über das Misstrauen sprechen, durchaus auch ein Wert als Korrektur des übertriebenen „blinden“ Vertrauens, etwa gegenüber Institutionen oder auch Menschen. Unbedingtes Vertrauen gibt es nicht. Genauso, wie es nicht unbedingtes, totales Misstrauen geben darf.

Es geht also um ein grundlegendes Thema der eigenen Lebensphilosophie.

Noch sind 2 oder 3 Plätze in unserer Veranstaltung am 3. Mai um 19 (Hektorstr. 9) frei: Wer teilnehmen möchte, sollte sich bitte anmelden per email: christian.modehn@berlin.de

Einige Informationen zum Thema:

1.Der viel zitierte Spruch von Lenin „Vertrauen ist gut. Kontrolle besser“ ist nicht nur naiv, sondern auch falsch. Kontrolle kann nie so total sein, dass sie Vertrauen überflüssig macht. Sollte Vertrauen wirklich überflüssig gemacht werden? Ist eine Gesellschaft denkbar, wünschbar, die ohne Vertrauen (Vertrauensvorschuss, wie ein Kredit also) auskommt?

Ein Thema für unser Gespräch: Was ist das so genannte, im Menschen offenbar a priori angelegte und vorhandene Urvertrauen?

2. Für den Theologen Wilhelm Gräb, Berlin,  ist das Ur-Vertrauen die Basis religiösen Lebens und der Religionen. Er spricht von einem bei allen Menschen grundsätzlich lebendigen Vertrauen in den Lebenssinn.  Ich habe kürzlich mit Wilhelm Gräb ein Interview geführt und dieses veröffentlicht, es bezieht sich auf sein neues Buch „Vom Menschsein und der Religion“(2018, Tübingen).

3.Das Vertrauen in die bestehenden kirchlichen Institutionen zerbricht immer mehr, die einzelnen sind spirituell befreit und auf sich allein gestellt. Und können nun andere spirituelle Gemeinschaften suchen oder gestalten. Pater Klaus Mertes SJ, der 2010 den sexuellen Missbrauch durch Patres am Berliner Canisius Kolleg aufdeckte, hat 2013 ein Buch (bei Herder) mit dem bezeichnenden Titel veröffentlicht: „Verlorenes Vertrauen. Katholisch sein in der Krise“.

4. Politiker erschüttern das demokratische Basisvertrauen: Die Liste wird immer länger: Trump, Orban, viele „Führer“ in der AFD, erzkatholische Politiker der PIS Partei in Polen, Leute wie Mister Seehofer mit seinem gefährlichen (dummen?) Spruch: „Ich bin nicht bereit, Orban als Demokraten in Frage zu stellen“.  

5. Für den Zusammenhalt und das Funktionieren einer liberalen und den Menschenrechten verpflichteten DEMOKRATIE ist die ständig von allen zu pflegende Unterscheidung zwischen Meinungen und Tatsachen unerlässlich: „Trotzdem tolerieren wir die Ausbreitung einer Meinungskultur, die auf Fakten wenig gibt und von Empörung, Zuspitzung und Polarisierung lebt“ (Christina Morina, Politologin, Uni Amsterdam, Tagesspiegel, 23.4.2019, Seite 19).

Wer sich weiter informieren will, lese den Beitrag der bekannten Historikerin Ute Frevert, „Vertrauen, historische Annäherung an eine Gefühlshaltung“.

WEITERE HINWEISE:

6. Eine Buchempfehlung für „philosophische Einsteiger“: Kurze Interviews, inspirierende Texte, von 15 meist europäischen Philosophen und Soziologen: „Leben in schwierigen Zeiten“. Eine Buchbesprechung von Christian Modehn. 

7. Eine Utopie zu Notre Dame de Paris:

Anlässlich des bevorstehenden Umbaus der Kathedrale Notre Dame hatte ich. auf die riesige Spendenbereitschaft der Milliardäre in Frankreich hingeweisen: Für Steine spenden, aber nicht für Menschen. Und dann den utopischen Vorschlag gemacht: Die Kathedrale Notre Dame als interreligiöses Zentrum neu zu gestalten. Ein Ort, an dem die Religionen der Menschheit sich treffen, Gemeinsames gestalten, und auch Skeptikern und Atheisten einen Raum für den Austausch bieten. Die Rekonstruktion einer konfessionell geprägten Kathedrale ist meines Erachtens theologisch vorbei. Aber darüber wurde sonst, so weit ich sehe, noch nicht einmal diskutiert. LINK 

 

Mit herzlichen Grüßen,  Christian Modehn

 

 

 

 

 


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