Liebe AbonnenTinnen des newsletters des Religionsphilosophischen Salons Berlin,

mit herzlichem Gruß nur einige Hinweise, die vielleicht als Ideen weiterführen.

Natürlich hat auch Philosophie etwas Wesentliches zur Fastenzeit zu sagen, die ja bekanntlich heute, am Aschermittwoch, offiziell beginnt.

Philosophen wollen die noch übliche Verteilung des „Aschekreuzes“  an diesem Tag nicht schlecht machen: Die Erinnerung an den eigenen Tod (symbolisiert durch das Kreuz aus Asche auf der Stirn) ist ja immer sinnvoll für eine vernünftige Lebensgestaltung.

Philosophisch hilfreicher wäre es meiner Meinung nach, an diesem Tag oder einem anderen, den Interessierten mit gut duftendem Öl einen schönen Kreis auf die Stirn zu malen, als Zeichen für den Geist, die Lebendigkeit des Geistes, die uns alle bestimmen sollte. Als symbolische Aufforderung, es zu wagen, das eigene Leben geistvoller zu gestalten. Das wäre eine positive Wendung des „Asche“ Ritus.

Die Fastenzeit ist, philosophisch gesehen, durchaus auch die Zeit, in der "man" verzichtet. Nämlich: Auf die eingefahrene Abwehr philosophischen Denken zu verzichten!  Dies ist sozusagen die Dialektik, der Verzicht auf den Verzicht, der zu neuem Lebendigsein führt. Also wieder zu beginnen, (selbst)kritisch zu denken. Und darüber sich auszutauschen.

Philosophen waren ja bekanntermaßen am „Fasten“ interessiert. Und, wen wundert s, es war Epikur, der sich fürs Fasten besonders einsetzte. Dass Epikur alles andere als ein „Epikuräer“ war, hat sich ja allgemein herumgesprochen. Er wollte im Fasten sich einüben, auf überflüssigen Luxus zu verzichten. Es sollte körperliche Ermüdung durchs Fasten überwunden werden. Ja, auch dies sehr sinnvoll: Um dann, sozusagen „leer“,  wieder stärkere seelische, geistige und erotische Erlebnisse haben zu können. Verzicht also als Möglichkeit, einen anderen, einen inneren Reichtum zu gewinnen. Ein Hinweis, um unsere Wachstums-Ideologie zu überwinden?

Ich erlaube mir, Ihnen vier Hinweise zur Lektüre mitzuteilen, Beiträge, die im Religionsphilosophischen Salon Berlin kürzlich entstanden sind:

1. Dieses wichtige Buch ist gratis zu haben!!: Eine kritische Auseinandersetzung mit den (alten) rechten Ideologen, den Hintergrund-Männern, der heutigen neuen Rechten und Rechtsextremen.  Herausgegeben vom Zentrum liberale Demokratie“ in Berlin. Mein Tipp: Bitte bestellen und vorher meine Besprechung mit der entsprechenden Adresse lesen.

2. Hölderlin hat am 20. März 2020 seinen 250. Geburtstag, er ist zweifellos einer der wichtigsten Dichter Deutschlands, und ein Philosoph und Freund von Philosophen (Hegel, Schelling etc.). Ich schlage vor, Hölderlin einmal als Beispiel einer „multi-religiösen“ poetischen Existenz zu lesen, wegen seiner Liebe zu Griechenland natürlich...Bitte hier klicken.

3. Es gibt einen überzeugten atheistischen Philosophen, der sich stark macht fürs objektive Verstehen der religiös Glaubenden gegen die flachen Autoren, wie Richard Dawkins und Co. Der Philosoph Tim Crane hat das Buch „Die Bedeutung des Glaubens“ verfasst. Sehr anregend. Klicken Sie bitte hier.

4. Ich habe kürzlich einen Vortrag gehalten zur religiösen Epochenwende, d.h. zum Ende des Katholizismus in Europa und Amerika. Ein sicher anregender, vielleicht aufregender Beitrag. Denn meines Erachtens wurde in dieser Deutlichkeit bisher noch nicht das faktische geistige wie personelle Ende des Katholizismus in Europa und Amerika auf den Punkt gebracht. Und neue Wege aufgezeigt...Klicken Sie hier. Vielleicht bieten diese Beiträge Anregungen zum Denken und Widersprechen.

Das nächste religionsphilosophische Salon-Gespräch (über einige zentrale Aspekte im Denken Hegels) findet am 27. März statt, zuvor sende ich noch einige Hinweise.

Eine "philosophische Fastenzeit" wünscht 

Christian Modehn

 

 

 


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