Liebe AbonnentInnen des Newsletters aus dem Religionsphilosophischen Salon Berlin,

in der Hoffnung, dass es Ihnen/Euch einigermaßen gut geht! Und dass Ihr/Sie Interesse an religionsphilosophischen Fragen nach wie vor habt, senden wir euch einen etwas längeren Newsletter mit einigen Hinweisen und Lektüre-Vorschlägen.

Wir werden uns mit der Erkenntnis vertraut machen müssen: Durch Corona hat eine „andere Welt“ für die Menschen begonnen. Corona ist ein ganz tiefer Einschnitt, es gibt wohl nur ein „vorher“ und ein „jetzt und später“ mit Corona. Das gilt, auch wenn hoffentlich alsbald Impfungen möglich werden. Bloß: Wer wird geimpft? Alle, wirklich alle, auch in Indien, Guatemala und Zimbabwe? Wer ist es „wert“ und wer kann es sich leisten, geimpft zu werden? Von den ökonomischen Zusammenbrüchen ganz zu schweigen.

Ethische Fragen wären gemeinsam zu besprechen. Etwa auch: In welcher Weise hat das pauschale und eigentlich bislang unbefragte Respektieren jeglichen, äußerst üppigen und wahrscheinlich „unverdienten“ Privateigentums in diesen Zeiten menschlicher und ökonomischer Krisen und Zusammenbrüche noch Gültigkeit? Wir wissen, diese Frage ist ketzerisch, aber wer definiert eigentlich, was ketzerisch ist?

Mit anderen Worten: Manche erwarten eine vernünftige öffentliche Diskussion: Was tun die vielen tausend Euro/Dollar- Milliardäre mit ihrem Geld – auch für den Erhalt demokratischer Staaten und Gesellschaften jetzt, auch für die Gesundheit der vielen in dieser Krise.

Die Gesellschaft explodiert, wenn die „Schere“ zwischen den relativ wenigen Milliardären/Millionären und den allermeisten Armen und Elenden weltweit immer größer wird. Das sagen alle klugen Ökonomen und Soziologen.

Über eine Philosophie/Ethik des Eigentums wäre also zu sprechen.

Sie merken schon: Welche Themen eigentlich „dran“ wären für eine philosophische Debatten mit leiblicher Präsenz. Nur so funktioniert ein Salon.

Warten wir also ab...und hoffen das Beste...

Ich erlaube mir, falls die Zeit zum Lesen und zum Nachdenken vorhanden ist, auf einige neue Publikationen der website hinzuweisen: Diesmal sind die Links nicht in leichtester Form des Klickens dargestellt, weil wir momentan einen anderen Computer benutzen müssen. Aber Sie kommen bei Interesse mit der Kopie des Link-Textes und dert Einfügung in firefox usw. sicher auch klar...

Bald, am 27.8., hat Hegel seinen 250.Geburtstag, das kann kein Philosophierender ignorieren. Wir haben es gewagt, 14 Tage vorher, Tag für Tag, ein Zitat von Hegel zu veröffentlichen, sozusagen mit „Hegel in den Tag“, was ein philosophisches Wagnis ist, denn Hegel eignet sich „eigentlich“ nicht für Aphorismen: 

https://religionsphilosophischer-salon.de/12913_taeglich-ein-satz-von-hegel-eine-art-geburtstagsgeschenk-zum-250_denkbar

Um unseren Blick international zu weiten: Wir erinnern an einen wirklich Bedeutenden: Er war Mystiker, leidenschaftlicher Verteidiger arm Gemachten und der Unterdrückten. Und: Man glaubt es kaum, er war katholischer Bischof, zudem ein Poet: Ich erinnere an den kürzlich verstorbenen Pedro Casaldáliga in Brasilien, Amazonas-Region. Ihn sollte man in der Erinnerung bewahren für eine „bessere Menschlichkeit“ nicht nur jetzt, unter dieser grässlichen Bolsonaro – Regierung: 

https://religionsphilosophischer-salon.de/12928_der-freund-der-unterdrueckten-ein-mystiker-ein-bischof-ueber-den-ungewoehnlichen-pedro-casaldaliga_interkultureller-dialog

Gedenktage sind Tage zum Denken: Am 25. August denken wir besonders anlässlich seines 120. Todestages an Friedrich Nietzsche. Auch seine Philosophie  ist ein „Einschnitt“: Er hat gemeint, Hegel definitiv zu verabschieden, was falsch ist. Trotzdem sind seine Meinungen inspirierend.  Seine sprachliche Kompetenz ist erstaunlich, aber man hüte sich, seine vielen Aphorismen zu schnell zu lesen...

Ich empfehle allen, die bisher noch nicht so viel von Nietzsche gelesen haben, zwei sehr knappe Einführungen. Es handelt sich um zwei kleine Stücke in zwei auch sonst sehr lesenwerten Büchern:

1.   Von dem bekannten Philosophen Vittorio Hösle, „Eine kurze Geschichte der deutschen Philosophie“, C.H.Beck Verlag, dort die Seiten 185  bis 207 über Nietzsche.

2.   In dem insgesamt hoch interessanten Sammelband „Grundlinien der Vernunftkritik“, hg. Von Christoph Jamme, Suhrkamp Verlag, 1997, dort S. 226 – 242 ein sehr erhellender Aufsatz des Philosophen und Theologen Christoph Türcke, Leipzig, mit dem schönen Titel „Nietzsches Lektüre in den Eingeweiden des Geistes“. Auch die anderen Beiträge in dem 610 Seiten umfassenden Buch lohnen sich wirklich sehr!

3.   Wer das alles nicht so will und zudem Geld sparen will, kann ja auch meine – wie immer gratis verfügbaren Beiträge- auch über Nietzsche, lesen:

https://religionsphilosophischer-salon.de/event/mit-nietzsche-weiterdenken-hinweise-anlaesslich-seines-120-todestages-am-25-8-2020

Ein Zeitgenosse Nietzsches war einer der reaktionärsten Päpste, die es überhaupt gab: Papst Pius IX. Über ihn hat der große Historiker Hubert Wolf (Uni Münster) eine sehr anschauliche und kritische Biographie geschrieben, ein Buch, das sich spannend liest, in die italienische Welt des 19.Jahrhunderts führt  und vieles verständlich macht, worunter der Katholizismus bis heute leidet: Unter dem Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, durchgesetzt von diesem Pius IX., den viele seiner Zeitgenossen übrigens ernsthaft für geisteskrank hielten... Solche Themen gehören in unseren religionsphilosophischen Salon, er ist  immer auch Religionskritik im Sinne der Vernunft    als dem Kriterium religiöser Dogmen und Traditionen:

https://religionsphilosophischer-salon.de/12895_ueber-die-papstkirche-und-den-absoluten-papst-pius-ix_religionskritik

Um zum Schluss noch mal auf Hegel zurückzukommen: Hegel hat sich selbstverständlich auch mit dem Katholizismus befasst: Er war für ihn eine „aufgehobene“, also in gewisser Hinsicht überholte, veraltete, aber immer noch bestehende Religion. Ganz interessant und aktuell eigentlich, darüber hat bisher kaum jemand gearbeitet!

https://religionsphilosophischer-salon.de/7474_der-katholizismus-ist-veraeusserlicht-aus-aktuellem-anlass-ein-hinweis-zur-religionskritik-georg-w-f-hegels_denken-und-glauben

Dies senden wir  Ihnen /Euch mit herzlichen Grüßen in der immer noch vorhandenen Hoffnung auf ein Wieder-Sehen und Wieder-Hören und Wi(e)dersprechen!

Christian Modehn und Hartmut Wiebus.

 

 

 

 

 

 

 

 


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