Liebe AbonnentInnen des Newsletters des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“,
Ein herzlicher Gruß mit besten Wünschen!

Kommen wir gleich „zur Sache“:
Was können philosophierende Menschen angesichts der vielen gleichzeitigen großen Krisen jetzt als Hilfe entdecken? „Philosophische Hilfe“ kann nur eine geistige Hilfe des kritischen Nachdenkens sein, eine Hilfe, die zu politischer Reflexion und Aktion führen sollte.

Sicher ist hilfreich das meditative Abstandnehmen, also die Distanz von den verstörenden Ereignissen und Nachrichten. Gespräche, die in die Tiefe gehen, sind hilfreich, aber wo gibt es noch eine „Gesprächskultur“?

Was gibt uns Halt in diesem belastenden Leben? Wobei „wir“, verglichen mit dem Leiden der Menschen in der Ukraine, in Syrien, in Jemen, in den Slums weltweit, objektiv gesehen, immer noch materielle Auswege aus unserem Leiden finden.

Was gibt uns bleibenden Halt, auch angesichts des eigenen Todes? Dazu gibt es, wie immer in der Philosophie, keine Rezepte. Hannah Arendt empfahl - wie die meisten PhilosophInnen - das selbstkritische Denken, auch das besinnliche Nachdenken. Hannah Arendt sprach sogar von einem „Denken ohne Geländer“, „ohne stützenden Schutz“ also. Selber Denken als Wagnis. Und im Dialog!

Als Religionsphilosophen sagen wir: Die kritische Reflexion, die zum Transzendenten, Göttlich Genannten, sogar zur Mystik (Meister Eckart) führen kann, bietet hilfreiche Inspirationen. Wir leben in einer Kultur, die schon das undogmatisch vermittelte Transzendente, das Göttliche, für eine bloße Illusion, für Wahn, hält. Wir halten diese Position für eine Variante des  (naiven) Glaubens, nicht für eine begründete Weisheit.

Zu unseren Lektürevorschlägen:
1. Wir haben wieder einmal Kants eher kleine Studie „Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft“ gelesen und stellen einige aktuelle Aspekte vor, es geht um die aktuelle Frage der allgemeinen Vernunft-Religion. LINK

2. Der welt-bekannte Autor Julian Barnes hat einen neuen Roman geschrieben, der sich mit dem schwerwiegenden Thema Monotheismus contra Polytheismus ("Heidentum") befasst. Ein erster Hinweis zu dem Roman, der deutlich die Position des römischen Kaisers Julian Apostata  (der vom Christentum Abgefallene) verteidigt. Barnes lobt den Polytheismus... LINK

3. Man spürt den radikalen Bruch in den Mentalitäten, wenn ca. 60 Jahre nach Kant der Philosoph Ludwig Feuerbach sehr plakativ behauptet „Der Mensch schafft sich Gott“. Eine Auseinandersetzung mit Feuerbachs Buch „Das Wesen des Christentums“ führt sachlich notwendig zur Bejahung und zur Ablehnung. Eine kleine Lesehilfe finden Sie hier, interessant angesichts des 150.Todestages dieses Philosophen, der nicht nur zeitlich zwischen Hegel und Marx steht. LINK

4. Ist Gott nur eine menschliche Schöpfung? Das ist die große Frage.
Keine Frage hingegen ist, dass die christlichen Kirchen menschliche Schöpfungen sind, auch die katholische Kirche ist Menschenwerk und deswegen stets reformierbar. Das betonen wir gegenüber den nur dumm zu nennenden Behauptungen des zwischen konservativ und reaktionär changierenden Kardinals Ludwig Müller, er war sogar Professor für Theologie an einer staatlichen Universität, in München…Und Chef der vatikanischen Glaubensbehörde. LINK

5.Bleiben wir noch bei einem großen kirchlichen Ereignis: Der Ökumenische Weltrat der Kirchen (ÖRK) hält seine Weltkonferenz in Karlsruhe, vom 31.8. bis 6.9.2022.  
Besonders umstritten ist die Teilnahme der Delegation der Russisch-orthodoxen Kirche. Patriarch Kyrill wird nicht Moskau verlassen,  er muss als enger Freund Putins weiter den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verteidigen.
Wir haben mehrfach auf dieser website auf diese irritierende, ideologisch verirrte Gestalt Kyrills (einst KGB-Mitarbeiter wie Putin) hingewiesen und gefordert: Diese von ihm geführte russische Kirche sollte nicht länger Mitglied der Ökumene sein, solange, bis sie sich zur christlichen Friedensbotschaft bekehrt hat. Und als einzige noch sichtbare gesellschaftliche Organisation in Russland Putins Krieg offiziell und laut verurteilt. Das tut sie nicht.
Man stelle sich vergleichsweise vor, die Evangelische Kirche in der DDR hätte damals das SED Regime total unterstützt. Die evangelische Kirche war ein Freiraum. Die russische Kirche ist das nicht und will das nicht sein.
Eine Bestrafung, d.h. eine Isolierung der russisch-orthodoxen Kirche könnte das Ende des Putin-Regimes fördern. „Aber leider sind die meisten russisch-orthodoxen Bischöfe mehr Putin-Freunde als Freunde des Evangeliums“, sagte mir ein russischer Theologe, der aus Angst lieber anonym bleiben will.

Die Kirchen weltweit sind heute unglaubwürdig geworden, Stichwort „sexueller Missbrauch durch Priester“. Werden die Spiritualitäten der Zukunft ohne Kirchen leben ?, das ist die Frage, mit der wir uns philosophisch befassen. Wir denken: Ja sicher, ohne Kirchen eine Beziehung zu Gott leben, das ist möglich, siehe Kant.
Zu Russlands ideologischer Kirche und dem Treffen in Karlsruhe siehe diesen Hinweis:  LINK     

6. Putins vernichtende Ideologien wirken weltweit, wir haben einmal in die Diaktatur Nicaragua geschaut, die putin als Vorbild feiert: LINK


Beste Grüße senden Ihnen Christian Modehn und Hartmut Wiebus.

Wir freuen uns, wenn sie sich entschließen, Ihre Meinung zu den genanntenThemen und „auch sonst“ mitzuteilen, per email: christian.Modehn@berlin.de   Auch wenn im Augenblick keine Präsenz-Salon-Abende stattfinden, können wir gern in Verbindung bleiben!

 

 


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