Liebe Abonnenten des „Newsletters“ aus dem Religionsphilosophischen Salon Berlin...Sie gehören zu den 600, die unseren "newsletter" abonniert haben, es freut uns, dass unsere Arbeit doch ein gewisses Interesse findet.
Ein herzlicher Gruß also … und einige Hinweise zu Möglichkeiten philosophischer Lebensgestaltungen:
Bloß, wo beginnen? Das alte philosophische Problem, auch diesmal. Denn die übliche, kurz gefasste Kommunikation in einem unserer „newsletter“ will mehr als die Weitergabe von Informationen sein.
Unser ultra-kurzer Essay von heute:
Jetzt im Sommer, für viele die Ferienzeit, haben wir die Chance, in Ruhe nachzudenken, im Gespräch oder auch allein. (Denken erfordert Einsamkeit, das ist eine Art philosophisches Dogma)…Ferien-Zeit als Denk-Zeit, ist dies eine mögliche Einstellung? Aber warum soll denn das eigene Nachdenken eine Last sein?
Nach-Denken, Re-flektieren, versucht, das Geschehene zu ordnen, die eigenen Normen und Werte kritisch zu prüfen. Was kann und was sollte dabei der Maßstab der Bewertung sein?
Bei dieser Frage wird man durchaus in Unruhe versetzt: Etwa: Sind heute unsere zentralen Optionen als Deutsche, als Europäer, vom Egoismus des Nationalen, des Wohlstandes, bestimmt? Oder lieben wir eigentlich die stets weiterzuentwickelnden Menschenrechte? Wir behaupten: Auch die Menschenrechte kann man lieben, als wertvoll schätzen, selbst wenn sie als absolute Ideen selten realisiert werden: Nur sie ermöglichen humanes Leben … für alle. Was denn sonst?
1.
Damit sind wir schon bei unserem ersten Lektüre-Hinweis. Wie heftig sind wir Europäer dabei, unser Europa einzumauern, abzuschirmen, von „Fremden und Unerwünschten“ freizuhalten? Dieser Frage gehen zwei Politologen nach in ihrem neuen, sehr anregenden und aufregenden, leicht lesbaren Buch „Hinter Mauern“. Sie zeigen: Europäer verlieren ihre Seele, ihre Vernunft, wenn sie sich gegenüber den Flüchtenden einmauern (hat ja die DDR auch schon mal erlebt)… LINK.
2.
Einsichten und Weisheiten für die eigene, private Lebensgestaltung kann man in den „Pensées“, den Gedanken, des Philosophen Blaise Pascal finden. Er hatte kürzlich seinen 400. Geburtstag, wurde als Universalgenie zurecht gefeiert. Aber philosophisch relevant erscheinen uns nur die ersten Kapitel seiner "Pensées", wir empfehlen eine deutsche Übersetzung. Theologisch war Pascals Denken von der Ideologie der Erbsünde verdorben, diese seine Polemik kann man lesen, um sich zu ärgern.. Aber, wie gesagt, in der Analyse der allgemeinen Befindlichkeit des Menschen bleiben die ersten Teile der Pensées sehr anregend …und aufregend …. LINK
3.
Philosophieren kommt auch durch meditative Bildbetrachtung in Schwung: Wir zeigen dies an einigen Werken des großen Caspar David Friedrich, an seinen Gemälden, die verfallene, heruntergekommene Kirchen, Ruinen, zeigen. Die Auseinandersetzung damit lohnt sich, auch aus aktuellem Anlass (Kirchenaustritte etc.) … Wir empfehlen zur Betrachtung der Gemälde ein preiswertes Buch… LINK
4.
Natürlich: Ferien-Zeit ist oft auch Reise-Zeit. Wir weisen auf einen international bekannten, aber durchaus verstörenden Autor hin, der förmlich ein leidenschaftlicher (aber sonderbarer) Reisender ist: Auf den polnischen Autor (und internationalen Verleger!) Andrzej Stasiuk. Er reist nicht nach Mallorca, nicht nach New York, nicht nach Paris, sondern von Polen (d.h. von den Besikden) aus in osteuropäische Länder, in Regionen, dort, wie „nichts los ist“, wie er schreibt. Reisen mit ihm - in der Lektüre - wird zur Anregung und Aufregung. Und das ist literarisch nicht langweilig. LINK
5.
Falls Sie nach Frankreich in den nächsten Tagen fahren und eventuell beim Aufräumen der dortigen Trümmer der „Rebellion der Jugend“ gegen diePolizeigewalt helfen… und sich auch noch fragen: Was hat eigentlich die katholische Kirche dabei für eine Rolle gespielt? Dann lesen Sie den ernüchternden Bericht über den Niedergang dieser Kirche dort, durchaus wichtig fü alle, wenn man den kulturellen, den religiösen Bruch verstehen will, der seit Jahren schon Europa bewegt. LINK.
6.
Religionsphilosophie ist unser Spezialthema, darum weisen wir immer wieder gern auf entsprechende Probleme hin: Diesmal plädieren wir mit Argumenten für die Abschaffung des alten Mythos und Dogmas der Dreifaltigkeit des christlichen Gottes, ebenfalls anregend und sicher für manche hoffentlich sehr aufregend: Uns geht es um einen elementaren, einen vernünftigen christlichen Glauben, der ohne Mythen des 4. Jahrhunderts auskommt (wie das „Trinitäts“-Dogma). LINK.
Wir wünschen Ihnen - wieder „trotz allem“ - eine angenehme Zeit… wir werden mit den UkrainerInnen unter den Belastungen des Krieges leiden und ihnen beistehen, wohlwissend, dass Gewaltlosigkeit und Friedensspiritualität VOR den Kriegen eingeübt und wirksam sein müssen…, „trotz allem“ also … trotz aller Zwietracht in der hiesigen Politik und der zunehmenden Vergiftung der Demokratien durch rechtsradikale, faschistische Parteien in ganz Europa, in fast allen Ländern der EU…
Die humane Vernunft der Menschenrechte hat leider- wie immer einen schlechten Stand … wegen der konkreten Menschen!
Und die Kirchen befassen sich fast nur mit sich selbst: Die katholische mit ihrem angeblichen synodalen, d.h. irgendwie halbwegs demokratischen Prozess; die protestantischen Kirchen mit ihrem Jonglieren mit den evangelikalen unvernünftigen randalierenden Trump-Glaubenden; die Orthodoxen in ihrer Überlegung, wie sehr sie sich immer stärker an den Verbrecher Putin binden und immer mehr Putin-Kirche werden sollen (siehe Patriarch Kyrill I., er ist wie Putin, ein KGB-Mann…) Zur Präsenz der Russisch-orthodoxen Kirche jetzt auch noch in Südafrika! LINK.
Christian Modehn und Hartmut Wiebus am 7.Juli 2023.
PS: Fragen und Kritiken sind willkommen, bitte senden an: christian.modehn@berlin.de
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