Ein neuer Newsletter des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ am 14. Mai 2014 mit herzlichen Grüßen an alle, die sich für unsere Themen interessieren.

Der nächste Salonabend findet am Freitag, den 30. Mai 2014, um 19 Uhr, wieder in der Galerie Fantom statt, Hektorstr. 9 in Wilmersdorf.

Herzliche Einladung! Diesmal zu einem Thema, das in die Mitte der Religionsphilosophie führt: Es geht um ein Verständnis der Forderung des mittelalterlichen Philosophen Meister Eckart (aber bitte: Mittelalter hier selbstverständlich nicht mit „finster“, „dunkel“  etc. assoziieren, sondern eher mit „modern“). Meister ECKART, Dominikaner-Philosoph, lebte in Erfurt, Paris, Köln von 1260 – 1328.

Er schrieb in seiner Predigt (Über die Armut) zweimal die bewegenden und erschütternden Sätze: „Darum bitten wir Gott, dass wir =Gottes= ledig werden (also von ihm befreit werden)...“ Und an anderer Stelle in derselben Predigt: “Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt (also leer) mache“.

Nach einer einleitenden Erklärung von Christian Modehn könnten wir fragen:

Was meint Eckart, wenn er Gott selbst bittet, ihn von Gott zu befreien? Ist das Atheismus, verbirgt sich da Nihilismus?

Ist da von zwei unterschiedlichen Erfahrungen Gottes die Rede?

Zielt seine Forderung auf ein radikales Aufgeben, auf ein Los- Lassen von allem Weltlichen? Erich Fromm hat diesen Aspekt entdeckt.

Ist da eine Relevanz für uns? Nur ein Hinweis vorweg: Die Relevanz könnte aktueller und größer nicht sein: Für Meister Eckart liegt darin die Überwindung der Todesangst: Sind wir doch in seiner Sicht im Wesentlichen göttlich, ewig, deswegen im Wesen, nicht als Leib, unsterblich.

Der Philosoph Kurt Flasch hat in seinen zahlreichen neuen und berühmten Studien zu Meister Eckart darauf hingewiesen, Eckart nicht als Mystiker, nicht als frommen Schwärmer, zu verstehen, sondern als Philosophen. Die Erkenntnisse, die er vorlegt, sind begründbar, argumentativ zu erschließen, es sind keine Glaubenssachen.

Wir wollen uns mit der deutschen Predigt „Beati pauperes“ befassen, sie führt in noch weitere spekulative Tiefen, das verspricht also ein spannender Abend, durchaus konzentriert, zu werden.

Wir schlagen vor, wenn es denn geht mit der persönlichen Lektüre dieses zweifelsfrei nicht einfachen Textes zu beginnen. Fremdheit kann ja auch beglücken, muss nicht stören. Lesen Sie wenigstens diese eine Predigt, es sind etwa 4 Seiten!!

Den Text dieser Predigt „Beati pauperes“ gibt es im Internet in einer alten Übersetzung zum Herunterladen: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Meister+Eckhart/Predigten,+Traktate,+Spr%C3%BCche/Predigten/16.+Von+der+Armut

 Diese Predigt „beati pauperes spiritu“ befindet sich auch in 2 Büchern, die man auch antiquarisch kaufen kann für weniger als 5 Euro:

 Einmal im Insel Verlag als Taschenbuch: „Meister Eckart Mystische Schriften“, hg. von dem berühmten Gustav Landauer, da sieht man die enorme Breitenwirkung Eckarts: Landauer war anarchistischer Sozialist, Vertreter der Räte-Bewegung, er wurde im Gefängnis von seinen Feinden totgetreten...Gustav Landauer sagte von Eckart: „Er muss als Lebendiger auferstehen“.... Und das ist er...

 

Ebenso empfehlenswert ist die Textsammlung des Germanisten Josef Quint, Deutsche Predigten und Traktate, Diogenes , antiquarisch ab  3,50 Euro.  Natürlich kann man beide Bände auch neu kaufen! Allein diese Verbreitung von Eckarttexten zeigt, dass er heute als Zeitgenosse wahrgenommen wird. Auch der Spezialist für Gestalt – Therapie, Stefan Blankertz, hat ein sehr lesenswertes, eher meditatives Buch herausgegeben: Meister Eckart, Heilende Texte. Im Peter Hammer Verlag. Vom „Gestaltsalon“ seiner Frau Gabriele Blankertz in Prenzlauer Berg haben wir ja schon (empfehlend!) berichtet. 

 

Wer sich anmeldet für unseren Salon am 30.5.2014  erhält von mir noch eine kleine Lesehilfe zugesandt. Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de

 

PS: Unseren Plan, im Juli nach Weimar u.a. ins Nietzsche Haus zu fahren, haben wir erst mal verschoben, wegen Unterbringungsproblemen zu dem Zeitpunkt ... und weil einfach mir nicht klar ist, wer sich wirklich definitiv anmelden will und diesen definitiven Willen auch mit der Bezahlung des Hotels dokumentiert.

Darüber können wir am 30. 5. Darüber noch sprechen und über eine andere Möglichkeit, gemeinsam im Juli das Bonhoeffer Haus in Charlottenburg zu besuchen, mit einem Gespräch dort mit den Mitarbeitern, auch über die Frage: Warum ist ein „religionsloses Christentum“ (Bonhoeffer) heute aktuell? Wer da mitmachen will, an einem Abend im Juli, sollte sich dann definitiv am 30.5. melden. Dann versuche ich das auch als kleinen Ausflug zu arrangieren. Wir wollen ja, wenn das Interesse besteht, durchaus eine Form des Miteinanders und des Austauschs probieren!Wir meinen: Angesichts der zunehmenden Anonymität in einer Großstadt brauchen doch einige Menschen Gesprächskreise, überschaubar, freundlich, nicht-kommerziell, nicht konfessionell, offen.

 

Beste Grüße sendet für den Religionsphilosophischen Salon

Christian Modehn

in der Hoffnung, dass wir uns wieder sehen und weiterdenken, im Sinne von "viel weiter denken als wir sind"...

 

 

 

PS: Falls jemand gern mal Radio hört, ein Hinweis in eigener „Sache“:

 

Auf NDR KULTUR am Sonntag 25. Mai um 8.40 wird mein Beitrag gesendet:

 

Jeder Mensch hat seinen Gott. Für ein neues Verstehen des Atheismus.

 

 

 

 

 

 

To unsubscribe click here, to edit your profile click here.