Mit herzlichem Gruß an alle, die am „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ interessiert sind und zusäzlich auch den newsletter bestellt haben.
Vor allem eine herzliche Einladung zum nächsten Salonabend am Freitag, den 31. 10. 2014 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, in Berlin Wilmersdorf. Beitrag: 5 Euro für die Raummiete. Anmeldung bitte an: christian.modehn@berlin.de
Unser Thema ist diesmal auf die persönliche Lebensgestaltung bezogen, auf unser eigenes Sterben und unseren Tod. Nicht der Tod der anderen, unserer Sterben ist das Thema. Wie können wir menschenwürdig und in Freiheit unseren eigenen Tod gestalten und bestimmen.
Das Thema greifen wir auf auch anlässlich des neuen Buches „Glücklich sterben?“ (Piper Verlag) des Theologen und Initiators des „Weltethos-Ethos Instituts“ HANS KÜNG. Wir empfehlen, wenn möglich, die Lektüre dieses Buches. Freilich ist das keine „notwendige Bedingung der Teilnahme“.
Hans Küng, (87 Jahre alt), dieser wohl bedeutendste europäische Theologe der Gegenwart, katholischer Prägung, aber auch von Protestanten (und „Agnostikern“) sehr geschätzt, tritt ausdrücklich für sein persönliches Vorhaben ein, unter ärztlicher Hilfe bei schwerer Krankheit (er leidet unter Parkinson) selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Noch nie hat ein deutschsprachiger Theologe mit so viel Energie die Selbstbestimmung des Menschen am Lebensende verteidigt.
Das Thema ist auch politisch bedeutsam, denn bis Ende 2015 soll es in Deutschland ein neues Gesetz geben zur „Suizidbeihilfe“. Die Diskussionen sind seit langem hoch emotional und polemisch geprägt, selbst in der CDU gibt es schon nachdenkliche Stimmen für ein selbstbestimmtes Sterben wie Peter Hintze.
Nur einige zentrale Fragen zur Einstimmung und gedanklichen Vorbereitung. Dabei ist das Reden „über“ noch einmal etwas anderes als dann das tatsächliche Tun, also das Veranlassen von aktiver Sterbehilfe für mich selbst.
-Was heißt Selbstbestimmung und was bedeutet Selbstbestimmung am Lebensende?
- Warum wird behauptet, Gott der Schöpfer des Lebens habe etwas gegen die vollständige Selbstbestimmung seiner Geschöpfe?
- Wer hat welche Interesse daran, unsere eigene Selbstbestimmung am Lebensende einzuschränken?
- Welchen Sinn macht es, gerade bei dem Thema den möglichen Missbrauchspekt so stark in den Mittelpunkt zu stellen?
- Wie deutlich müssen die Nuancen gesehen werden, zwischen aktiver Sterbehilfe und einer (angeblich) pauschalen Freigabe des Beistandes bei jeglichem Suizid? (um Letzteres geht es ja gar nicht).
- Küng tritt für sich selbst für aktive Sterbehilfe ein, „weil ich der Meinung bin, dass das irdische Leben nicht alles ist“. S 23)
- Küng meint, zur Verantwortung für das eigene Leben gehört auch die eigene Verantwortung dem eigenen Tod gegenüber. (S.26).
- „Man kann aus Gottvertrauen freiwillig sterben“.
- „Ich gehe meinen eigenen Weg“ (S. 37)
- Für Hans Küng war auch eine wichtige Erkenntnis auf dem Weg zu seiner Entscheidung, das qualvolle Leiden seines (dann dementen) Freundes in Tübingen Walter Jens zu erleben.
Wir gestalten wieder einen religionsphilosophischen Salon, der immer versucht, philosophisch also argumentierend und nicht in der Weitergabe von Bekenntnissen sich einem Thema zu nähern. Aber Religionsphilosophie berührt die Welt des Religiösen, insofern kommen wir auch in theologische und religionswissenschaftliche Dimensionen hinein. Auch da kann ja bekanntermaßen argumentiert werden. Aus der Distanz, aber auch aus der reflektierten Betroffenheit.
Ich weise gern hin auf etliche Interviews, die ich um 2001 in Holland fürs ARD Radio führen konnte mit Pfarrern verschiedener Konfessionen, auch Katholiken, die Menschen begleiten, die sich für die Euthanasie entschieden hatten, so heißt die aktive Sterbehilfe in Holland. Sie sind auf der website zu lesen. - Auch ein Freund von mir, der katholische Priester, Poet und Politiker Hermann Verbeek in Groningen ist durch Euthanasie 2013 von seinem Leiden erlöst worden. Auch über ihn habe ich mehrere Beiträge auf der website verfasst.
Bezeichnend, dass wir auch in dem „Fall“ das Wort „erlöst“/“Erlösung“ gebrauchen.
Dieser Salon befasst sich, wie Hans Küng schreibt, mit einem Paradigmenwechsel in unserer heutigen europäischen Kultur. Die Bedeutung des Themas ist damit angedeutet. Bei Interesse und fester Zusage der Teilnahme (!) kann das Gespräch am 3. 11. fortgesetzt werden. Darüber entscheiden wir am 31. 10.
Zum Schluss empfehle ich Ihnen noch die Lektüre meines Beitrags „Über die Reformation hinaus“, sowie das Interview mit Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität, über „Gebet und Gedenken“.
Bitte denken Sie an den Welttag der Philosophie am 20. November. Der Religionsphilosophische Salon ist an diesem international auch gefeierten und „bedachten“ Anlass wieder dabei. Diesmal mit einem Gespräch und einer Diskussion mit Prof. Barbara Muraca, Philosophin der Uni Jena, über „GUT Leben“. Dies ist sozusagen die andere (oder dieselbe?) Seite unseres Themas am 31.10. Die Veranstaltung am 20. Nov. 2014 findet statt im Kulturzentrum AFRIKA Haus in der Bochumer Str. 25. Eintritt: 3 Euro. Herzliche Einladung auch an alle, die aus einem irgendwie als schlecht/belastend empfundenen Leben sich dem guten Leben suchend und fragend zuwenden wollen.
Man kann gern Freundinnen und Freunde auf diese Veranstaltung hinweisen und dazu einladen.Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Wagenbach Verlag, dort ist das Buch von Barbara Muraca „Gut leben“ (9.90 €) erschienen.
Mit freundlichen Grüßen, Verzeihung, dass diesmal der newsletter etwas lang geraten ist, für den Religionsphilosophischen Salon Berlin: Christian Modehn.
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