Mit herzlichem Gruß ein Hinweis zu unserem nächsten Religionsphilosophischen Salon am Freitag, den 28. August 2015 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9.
... Zugleich eine Einladung, noch sind 5 Plätze frei, vorausgesetzt, dass diejenigen, die sich angemeldet haben, tatsächlich auch teilnehmen.
Wir bitten der begrenzten Anzahl der Plätze und der überschaubaren Gesprächsatmosphäre wegen um Anmeldung an: Christian.Modehn@berlin.de
Der Beitrag zur Raummiete beträgt 5 Euro pro Person. StudentIinnen haben selbstverständlich freien „Eintritt“.
Das Thema ist, wie schon angekündigt, „Ethik ist wichtiger als Religion“. Der Titel ist bezogen auf eine kurz gefasste Publikation des Dalai Lama, erschienen im Juni 2015, im Verlag benevento books in Salzburg, zum erschwinglichen preis von 4,99 Euro. Das Buch kann man sich auch kostenfrei herunterladen, habe ich früher schon geschrieben.
Dieser Text des Dalai Lama ist offenbar bezogen auf das mörderische Verhalten einiger sich religiös nennender Menschen heute und früher. Hätte IS auch nur die Spur allgemeiner, d.h. menschlicher-vernünftiger Ethik, würde das Schlachten und Köpfen etc. im Namen Gottes dort ein Ende haben. Aber wie kann man religiöse Fanatiker von ihrem Glauben befreien?
Die Lektüre dieses kurzen Textes sollte eine Voraussetzung sein fürs Gespräch am 28.8.
Aus dem Umfeld des Themas biete ich zum Weiter-Denken einige Zitate aus einer meiner Radiosendungen (RBB Kultur) über Immanuel KANT. Er hat das Gegeneinander von Ethik und Religion in seiner Philosophie gründlich diskutiert und Lösungen vorgeschlagen. So kann das Umfeld der Thesen des Dalai Lama möglicherweise noch weiter gedacht werden.
Mit herzlichen Grüßen Christian Modehn
Der Philosoph Herbert Schnädelbach (jetzt Hamburg) sagte in der KANT-Sendung:
1. Herbert Schnädelbach
Bei Kant ist es ja so: Ich kann religiös sein, wenn ich moralisch bin. Aber ich muss nicht religiös sein, um moralisch zu sein.
2. Herbert Schnädelbach zum Kategorischen Imperativ Kants:
Der kategorische Imperativ verpflichtet nur dazu, in den Rechtszustand einzutreten! Und das Recht ist dann nichts anderes als die Regulierung der Verträglichkeit der Freiheit eines jeden mit der Freiheit eines jeden anderen.
Der kategorische Imperativ bezieht sich auf Maxime, auf subjektive Grundsätze. Wenn du einen Grundsatz hast, z.B. ich will fremdes Eigentum nicht respektieren. Dann überlege dir, was passiert, wenn das allgemeines Gesetz wäre. Wenn ich sage: Verhaltet euch locker in der Eigentumsfragen, fremdes Eigentum soll mir egal sein...Dann widerspreche ich mir, weil ich ja selber für mich Eigentum in Anspruch nehme. Also ich zerstöre meine eigene Zielsetzung dadurch, dass ich diese Maxime nicht befolge.
3. Herbert Schnädelbach zu Ethik und Religion:
Was jetzt die Religion betrifft, also die gelebte Religion, da hat er ja in der Religionsschrift gesagt, alles, was daran zu retten ist, können wir nur verstehen als Anhang zur Moralphilosophie. Er sagt eben, alles, was wir glauben tun zu können, um gottgefällig zu sein, außer dass wir moralisch leben, das ist alles Abgötterei und Aberglaube.
4. Herbert Schnädelbach sieht jedoch auch eine eigene, noch „vor der Ethik“ bestehende Rolle der Religion, im Anschluss an Schleiermacher:
Ich würde schon sagen, da ist Schleiermacher doch wirklich sehr wichtig, weil Schleiermacher ganz entschlossen die Religion aus der Gefangenschaft der Moral befreit hat. Und das ist eigentlich für mich eine der wichtigsten Einsichten, dass Religion nicht eben ein Anhängsel der Moral ist, und dass sie auch keine Metaphysik ist, also keine Welterklärung. Und diese Befreiung der Religion von den moralischen Aufgaben, das hat sich eben bis heute immer noch nicht herrum gesprochen, weil viele Leute immer noch erwarten, dass die Kirchen die moralischen Oberinstanzen sind.
5. Der (Katholische) Theologe und Ethiker Michael Bongardt (FU) sagte in der Radiosendung:
Für Kant ist es keine Begründung einer Regel zu sagen: diese hat Gott gesetzt. Ein göttliches Gebot können wir ohnehin nicht als solches erkennen! Wer kann uns mit Sicherheit sagen, dass ein Gebot von Gott kommt und nicht von Menschen erfunden ist, die dann halten sagen: Es ist von Gott. Aber, so sagt Kant sehr selbstbewusst: Selbst wenn es ein göttliches Gebot wäre, wären wir verpflichtet, nur das zu tun, was wir selber kraft eigener Vernunft für gut halten.
6. Michael Bongardt: Zum Gewissen als „Basis“ der Ethhik:
Wir alle kennen so etwas wie das Gewissen, wie einen Anspruch, der in unserem Inneren steckt, etwas zu sollen. Es wäre widersprüchlich zu sagen, wir empfinden ein Sollen, und gleichzeitig zu sagen, diesem Sollen entspricht kein Können. Das wäre absurd. Von daher ist es ein Indiz für die Freiheit, dass wir das Sollen in uns spüren. Wenn wir von Ethik reden, müssen wir davon ausgehen, dass es sinnvoll möglich ist, von menschlicher Freiheit zu sprechen.
Am 20.8. 2015 hat der Religionsphilosophische Salon wieder einmal einen Tagesausflug, diesmal nach Jüterbog unternommen. 10 TeilnehmerInnen waren dabei. Übereinstimmend wurde diese Fahrt als sehr angenehm, sehr inspirierend empfunden.
In den beiden großen Kirchen von Jüterbog, St. Nicolai und Liebfrauen, sowie in dem sehr beliebten Kulturzentrum (dem ehemaligen Franziskanerkloster, angemessen und wohltuend "umgewidmet" schon zu DDR Zeiten!) wurde auch an die Spuren des Reformators Thomas Müntzer erinnert sowie an den dortigen Ablasshandel, an dem Martin Luther Anstoß.
Zu beiden Themen habe ich wegen der Exkursion nach Jüterbog zwei kleine kritische Hinweise publiziert.
Vielleicht sind beide Texte eine Hilfe zu weiterem Forschen, Nachdenken, zu weiterer Kritik...
Zum Reformator Thomas Müntzer:
Und zum Ablass(un)wesen in der römischen Kirche damals und auch heute:
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