Ein herzlicher Gruß zum Weihnachtsfest 2015 und gute Wünsche für das kommende Jahr vom Religionsphilosophischen Salon Berlin. Dass die Vernunft nicht völlig verschwinde in Kriegszeiten, ist unser Wunsch.
Bei der Gelegenheit, zum Jahresende, schreiben Institutionen kleinerer oder größerer Art gern von ihren „Leistungen“ im vergangenen Jahres. Dem üblichen Eigenlob schließen wir uns nicht an; erinnern aber daran, dass wir als private Initiative seit 9 Jahren (bisher ca. 100 Salonabende und zahlreiche Publikationen) auch 2015 wieder Monat für Monat einen Gesprächssalon angeboten haben, diese Gelegenheiten des selbstkritischen Gesprächs fanden viel Interesse. Die Basis der Philosophie ist das Gespräch, das dann ins Philosophieren führen kann, d.h. zum Abstandnehmen von den alltäglichen, naiven oder zwanghaften Bindungen und zum kritischen Reflektieren der Gegenwart.
Darauf bezieht sich der nächste Salon am Freitag, 29. Januar 2016, um 19 Uhr, wieder in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, wo wir seit einigen Jahren gegen eine kleine Raummiete zu Gast sein können. Dafür besten Dank.
Der nächste Salon hat das Thema: Ist Sicherheit wichtiger als Freiheit? Angesichts der Entwicklungen vor allem in der arabischen Welt, die uns direkt betreffen, wird uns von Politikern in Europa eingeredet, Sicherheit sei über alles hoch zu schätzen und dabei bitte schön auf bürgerliche Freiheiten zu verzichten. Das sieht man etwa in Frankreich mit seinen neuen Notstandsgesetzen; vor allem in Polen, wo sich eine klerikal-bestimmte reaktionäre Regierungsform unter der PIS Partei wie in einem Staatsstreich durchsetzt. Dazu lesen Sie bitte diesen Beitrag, klicken Sie hier. Die Wochenzeitung Die ZEIT, 17.Dez. 2015, Seite 47, verdeutlicht die fundamentalistische Haltung des PIS Chefs: „Wer seine Hand gegen die Kirche erhebe, dem solle die Hand verdorren“. Verdorrte Hände en masse sind leider alsbald in Polen zu besichtigen. Denn der demokratische Widerstand beginnt...
Das Thema Sicherheit contra Freiheit ist natürlich explizit auch ein religionsphilosophisches Thema: Wollen wir eine göttliche Dimension, die nur Sicherheit bietet (vgl. Blaise Pascal)? Oder ist Freiheit als gestaltete Vernunft die göttliche Gabe schlechthin? Auch darüber werden wir am 29.1. 2016 um 19 Uhr sprechen. Anmeldungen wegen der begrenzten Anzahl der Plätze bitte an: christian.modehn@berlin.de
Prof. Wilhelm Gräb, protestantischer Theologe an der Humboldt Universität, und einer der wenigen Vertreter einer neuen „liberalen Theologie“, geht in seinem Dezember 2015 Interview für unsere website der Frage nach: “Wenn Gott Mensch wird, inwiefern wird dann der Mensch göttlich?“ Es läuft darauf hinaus, dass Weihnachten eigentlich das Fest der universalen Menscherechte ist. Leider geht diese politische Dimension im banalen Tralala des Weihnachtsgeschäftes völlig unter und wird auch so nur selten gepredigt, bestenfalls als Aufruf zum Spenden (für Länder, für Arme, die durch die westliche, auch us-amerikanische Politik kaputt gemacht wurden und werden). Zudem wird von Prof. Gräb auf das Göttliche in mir und in jedem Menschen verwiesen, das ist das Wichtigste, das bleibt, auch wenn man sich von den machtvollen Kircheninstitutionen und ihrer ausgeprägten Dogmen-Welt befreit oder befreit hat. Ein wichtiges Weihnachtsgeschenkt für uns. Zur Lektüre klicken Sie bitte hier.
Als Buchempfehlung für Sie und für Ihre Freunde und Verwandten empfehle ich dringend das großartige Buch des Nahost-Experten Michael Lüders „Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet“, erschienen in dem hervorragenden C.H.Beck-Verlag. Das Buch hat 172 Seiten und kostet nur 14,95 Euro. Meiner Meinung nach in der Kürze das Beste, was in diesem Jahr zum Thema veröffentlicht wurde. Das Buch hat innerhalb des Erscheinungsjahres 2015 schon 11 Auflagen erlebt. Wenn „Philosophie die Zeit in Gedanken erfassen will“, wie Hegel richtig den Auftrag der Philosophie benannte, dann ist das Buch von Michael Lüders so eine Art Basistext, geeignet für Gruppen, Akademien, interreligiöse Kreise, auch anlässlich der „Woche der Brüderlichkeit“. Wann wird Michael Lüders in evangelischen und katholischen und jüdischen und muslimischen Akademien auftreten, vielleicht auch in der American-Academy in Berlin als Ehrengast? Wir sind gespannt.
Ich würde mir wünschen, es gäbe ein so hervorragendes Buch auch von explizit philosophischer Seite. Aber da ist bisher nicht so viel zu vermelden, abgesehen von dem neuen Buch des Philosophen Slavoj Zizek, „Der neue Klassenkampf. Die wahren Gründe für Flucht und Terror“, erschienen in dem ebenfalls sehr seriösen ULLSTEIN Verlag. Für 8 Euro zu haben!
Philosophische Reflexionen interessieren uns immer auch im Blick auf Spuren der Transzendenz und Einsichten zum Unbedingten. Wer da, auch außerhalb der Kirchen, auf der Suche ist, seinen eigenen Weg zu gehen, der wird gut inspiriert von dem meines Erachtens immer noch gültigen Buch von Karl Jaspers, „Der Philosophische Glaube“. Das Buch, 152 Seiten, ist 1958 als Fischer Taschenbuch erschienen, es ist zumindest antiquarisch immer noch zu haben. In der Philosophie sind ja bekanntlich viele ältere Texte, wie dieser, keineswegs alt oder gar veraltet!
Am 11. Dezember 2015 hatten wir in der schönen und immer empfehlenswerten Weinhandlung Sinnesfreude in Neukölln, Jonasstr. 32, getroffen zu einem Salon über das schwere, aber wichtige Thema: Der schöne Schein und das Authentische. Einige weiterführende, jedoch keineswegs abschließende Hinweise habe ich danach publiziert, wenn Sie weiter denken wollen, klicken Sie bitte hier.
In der Hoffnung auf einen weiteren, kritischen und regen Austausch,
grüße ich Sie Christian Modehn
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