Der Newsletter im Februar 2016: Ein herzlicher Gruß und die Einladung zu unserem nächsten Salon-Gespräch am Freitag, den 26. 2. 2016 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf.Für die Raummiete beträgt der Beitrag 5 EURO.

Wer teilnehmen möchte, wird  - wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen – wieder gebeten, sich anzumelden per email: christian.modehn@berlin.de

Die bisherigen Anmeldungen sind selbstverständlich notiert... Ca. 10 Plätze sind noch frei...

Das Thema ist schon bekannt, ich habe es noch einmal zugespitzt formuliert:

Die Macht des Privateigentums und die Ohnmacht des Gemeinwohls.

Vielleicht haben Sie Interesse, ein paar Hinweise zur Einstimmung zu lesen:

Philosophie ist, wie Hegel in seiner Rechtsphilosophie treffend sagte, der Versuch, „die Zeit (der Gegenwart)  in Gedanken zu fassen“. Diesem Vorschlag wollen wir wieder folgen und uns um kritische Erkenntnis bemühen, die ja bekanntlich die Voraussetzung ist für jegliches Handeln. 

Unser Salon Abend stellt sich also der dringenden, manchmal gar schon verzweifelten Frage: Wie ist eine gerechtere (Welt) Gesellschaft bei zunehmendem ökonomischen Ungleichgewicht noch möglich?

Nur einige Hinweise:Dass jeder Mensch elementar etwas Besitz (durchaus auch Eigentum) für sein individuelles Leben benötigt, ist zweifelsfrei klar. Es kommt nur darauf an, diesen „elementaren“ Besitz (Eigentum) zu definieren.

62 Menschen haben ein Eigentum, das so groß ist wie das gesamte  Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung zusammen, also die 3,5 Milliarden Menschen.Der Kapitalismus, Neoliberalismus, ist heute die alles bestimmende Wirklichkeit. 

Der Kapitalismus, Neoliberalismus, bestimmt die viel besprochene, ewig wiederholte Tatsache: „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer“. Wir müssen fragen, gibt es dazu Alternativen?

Der Philosoph Helmut Rittstieg schreibt in der „Enzyklopädie Philosophie“, Hamburg 2010, Band I, S. 454:
„Es gibt keine pauschale Rechtfertigung für die eigentumsrechtlichen Strukturen der gegenwärtigen Marktgesellschaften. Eben sowenig ist der jeweilige konkrete Bestand an erworbenen Eigentumsrechten sakrosankt. Es gibt wohl erworbene und schlecht erworbene Eigentumsrechte, und auch die wohl erworbenen Eigentumsrechte müssen dem politischen Zugriff offen stehen, wenn sie der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung schädlich sind, wie der Übergang der Feudalgesellschaft zur bürgerlichen Gesellschaft gezeigt hat“.

Wir wollen auch über die Commons reden und über das leidenschaftliche Kämpfen für die absolute Nicht-Privatisierbarkeit von Natur, Luft und Wasser... Aber es geschieht schon schamlos (aber rechtlich angeblich gültig in einem  so genannten Rechtssystem) überall, siehe Land-Grabbing in Afrika, Indonesien  usw. Die Gier der privaten Multimilliardäre nach dem gemeinsamen Gut aller Menschen ist grenzenlos und offenbar kaum zu stoppen. Sie leben für die pure Geld-Vermehrung zu ihren Gunsten.

Wir wollen in unserem Salon auch das Thema christliche Religion mit berücksichtigen:
Welche Hierarchen und Theologen betrachten Gott als ihren klerikalen Besitz? Kann man so ohne weiteres sagen: Gott ist ganz der meine, er steht auf meiner Seite usw.

 Wie oft wurde und wird in der christlichen Lehre Privatbesitz heilig gesprochen: Der französische und katholische Politiker Adolphe Thiers (1797-1877) sagte in „De la Propriété“ (1868) allen Ernstes: „Ich verlange Gerechtigkeit für die Reichen. Der Reiche friert nicht, er hat keinen Hunger. Das stimmt. Aber sehen sie doch sein sorgenvolles Gesicht. Vielleicht leidet der Reiche mehr als der Arme“.

Heute gibt es – wenig beachtet - die weltweite katholische reaktionäre „Bewegung für Tradition, Familie und Privateigentum“, begründet von Plinio Correa de Oliveira, in Deutschland mit Sitz in Bad Homburg und mit Lobbyarbeit in Brüssel. Die drei Begriffe sind raffiniert gewählt: Aus der Tradition soll die klassische (Hetero)-Familie mit der üblichen Rolle der Frau-Mutter gepflegt werden und dabei das Privateigentum durch den fleißigen Mann vermehrt werden.  Der ebenfalls reaktionäre Papst Gregor XVI. (1831-1846 als Papst) sagte: „Es gibt eine von Gott gewollte Ungleichheit im Recht, Besitz, in der Macht“. Diese Gedanken sind heute noch lebendig: Wer für die absolute und heilige Bedeutung des Privateigentums (contra Gemeinwohl) eintritt, will eine hierarchische Gesellschaft der Ungleichen. Und zwar auch Ungleichheit in der Würde. Genau das ist der politische Mittelpunkt der rechtsextremen Positionen, die sich heute überall breit machen.  Gustavo A. Solimeo, Mitglied der us-amerikanischen „Bewegung für Tradition, Familie und Privateigentum“:„Ungleichheit der Menschen ist ein Naturgesetz. Gott erschuf alles mit Ungleichheit. In allen Bereichen der Schöpfung gibt es Ungleichheit. Nur soziale Ungleichheit erlaubt sozialen Fortschritt: Je mehr Abstufungen es auf einer Gesellschaftsstufe gibt, desto leichter ist es, voranzukommen und gesellschaftlich aufzusteigen“.

...Es könnte ein inspirierender Salonabend werden...um die eigene „Gegenwart besser in Gedanken zu fassen“...

Und vielleicht finden eines Tages auch wir Debattierer unseres Salons zu einem gemeinsamen Projekt des humanen Handels, etwa zugunsten der Commons...  In der ursprünglichen Konzeption von Salons im Frankreich der Aufklärung des 18. Jahrhunderts war Salon auch ein Ort gemeinsamen Austausches über alle Debatten hinaus. Aber das nur am Rande.

 

 Mit den besten Grüßen, Ihr Christian Modehn

 

PS: Sie können einige interessante Hinweise finden auf www.religionsphilosophischer-salon.de  etwa zum 50. Todestag des kolumbianischen Befreiungstheologen Camilo Torres. Oder zum 28. 2. ein Hinweis zu Michel de Montaigne und seinen Essais.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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