Der heutige newsletter, wie immer mit herzlichem Gruß, bietet einige Hinweise und eine Einladung zum nächsten Salongespräch am Freitag, den 15. Juli 2016 um 19 Uhr in der Galerie Fantom in der Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf.
Die große Ausstellung „El siglo de oro“, „Das goldene Jahrhundert“, zur Zeit in der Gemäldegalerie, ist der Anlass unseres Themas: Was ist das goldene Zeitalter? Unter welchen Bedingungen wird von wem eine bestimmte Epoche "golden" genannt bzw. als golden verklärt?
Haben wir in unserem Leben auch die Tendenz, bestimmte eigene Lebenszeiten oder die erlebte politische Geschichte als golden oder gar goldig zu (v)erklären?
Über diese Fragen werden wir uns unterhalten.
In jedem Fall geht es also um Ideologiekritik:
Die Werke des „Siglo de Oro“, Velazquez, Zurbaran und die vielen hierzulande noch unbekannten Meister im 17. Jahrhundert in Spanien sind, für sich betrachtet, großartig, das ist keine Frage, die Porträts von Königen, Hofnarren und Zwergen,die eher alltäglich wirkenden Gesichter der Heiligen, das schmerzvolle Antlitz des sterbenden Christus usw. Alles sehenswert, sehr individuell, berührend, zum Teil mit ganz sanfter Herrschaftskritik.
Aber in unserem Salon wird deutlich: Alle diese Gemälde waren bestellte Arbeiten, bestellt von den Königen und inhaltlich dirigiert von der allmächtigen katholischen Kirche. Gerade sie sorgte für die unendliche Wiederkehr immer desselben Themas: der gekreuzigte Christus... Als gäbe es nichts anderes in dieser (schönen, furchtbaren) Welt. Wird da die Gewöhnung ans Leiden versteckt sprituell propagiert?
Wir werden uns mit einem außergewöhnlichen Philosophen dieser Zeit befassen, mit Baltasar Gracián aus dem Jesuitenorden, besonders mit seinem viel gelesenen Werk „Handorakel und die Kunst der Weltklugheit“ (bei Fischer auf deutsch erschienen, übersetzt von Artur Schopenhauer (sic!). Gracián vertritt eine Weisheitslehre, die ganz auf das erfolgreiche Überleben des einzelnen in einer feindlichen Umgebung setzt. Aus Angst vor der allmächtigen Inquisition in diesem angeblich goldenen Zeitalter empfiehlt er u.a. die Kunst, sich richtig zu verstellen...Gracian wurde dann von seinem Orden bestraft...
Wer teilnehmen will, sollte sich wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen bitte anmelden: christian.modehn@berlin.de und man könnte sich vorweg informieren zum Thema: Hilfreich ist auch für Spanien-Freunde die Lektüre des kritischen Buches des spanischen Philosophen Juan Goytisolo „Spanien und die Spanier“ bei Suhrkamp erschienen, auf den ersten Seiten wird die ganze machtvolle Tristesse Spaniens erläutert nach der Vertreibung der Muslime aus dem Land der erzwungenen Konversion der spanischen Juden. Nicht golden, sondern eisern war dieses 17. Jahrhundert. Und man fragt sich, warum ausgerechnet jetzt, mitten in der tiefen europäischen Krise, auch der politischen Krise Spaniens, der Flüchtlingsabwehr in ganz Europa usw., eine Ausstellung „Goldenes Zeitalter“ gemacht wird. Soll Kunst noch etwas Glanz in trübe Zeiten bringen?
Freuen wir uns auf ein Wiedersehen am 15. 7.2016, auf konzentrierte, kritische Gespräche. Übrigens wie immer bei einem Glas Wein, spanischem Wein natürlich. So kommt wenigstens ansatzweise der Gedanke an eine kleine gemeinsame Fiesta auf...
herzlich, Christian Modehn
PS: Zum angekündigten Ausflug nach Karlshorst am Freitag, den 26. August, werden dann Infos weitergegeben.
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