Sexueller Missbrauch: Noch immer eine Tatsache im katholischen Orden der „Legionäre Christi“

Ein Hinweis zum Generalkapitel dieses Ordens in Rom seit dem 20.1.2020

Von Christian Modehn

Vor 15 Jahren wurden die Verbrechen des Ordensgründers der Legionäre Christi und der weltweiten Laiengemeinschaft „Regnum Christi“, Marcial Maciel, öffentlich im Vatikan als solche –endlich – anerkannt, wenn auch der Täter von der kirchlichen Obrigkeit (Benedikt XVI.) nicht der staatlichen Justiz übergeben wurde. Dies war üblicher Ausdruck der bekannten „Solidarität unter Klerikern“…

Nun tagt also jetzt in Rom ein so genanntes „Generalkapitel“ dieses Ordens. Und es wurde eröffnet mit dem Geständnis: Schon wieder ist vor kurzem ein Priester aus dem Orden der Legionäre Christi der Vergewaltigung von Mädchen in Cancun, Mexiko überführt worden. Fernando Martinez wurde in dem Priestertum entlassen. Associated Press hat nachgewiesen, dass Pater Martinez von einem ganzen Netzwerk innerhalb des Ordens Jahre lang in voller Kenntnis seiner Verbrechen „gedeckt“ wurde. Diese hilfreiche „Deckung“, „brüderliche Unterstützung in Untaten, war ja üblich zu Zeiten des Ordensoberen Maciel. Das mexikanische Magazin PROCESO berichtet darüber ausführlich!
Dieses Netzwerk der Pädoverbrecher innerhalb des Ordens der Legionäre Christi hat jetzt, nach all den Debatten auch in Klerus – Kreisen, vor allem in Mexiko für höchste Erregung gesorgt. Sogar der Nuntius dort, Mgr. Franco Coppola, hat sich an die Opfer gewandt mit dem Wunsch, „dass die vatikanische Glaubenskongregation sich mit diesem Netwerk der Unterstützung für den Pater Martinez befasst im Lichte der Erklärungen der Opfer“. Wie einfühlsam!

Bekannt ist auch: Der zuständige Obere der Legionäre Christi, hatte den Missbrauchstäter, Pater Martinez, nach Spanien versetzt, ohne dabei zu verlangen, dass er dort mit Kindern nicht mehr in Kontakt kommt. Also die übliche alte Weise des klerikalen Umgangs mit Pädo-Verbrechern. Inzwischen ist dieser Ordensobere Pater Eloy Bedia gar nicht mehr zum Generalkapitel nach Rom gereist.
Eine große Erschütterung hat die Nachricht ausgelöst:
Mindestens 20 enge Vertraute des Ordensgründer Marcial Maciel sind bei diesem Generalkapitel als offizielle Delegierte (insgesamt 66) vertreten. Etwa: Der alte Freund von Maciel, Pater Luis Garza, ist in Rom wieder dabei und Pater Anthony Bannon, der als Finanzgenie dafür sorgte, dass die Legionäre Christi von kundigen Katholiken sehr treffend „Millionäre Christi „genannt werden.
Das heißt: Die Getreuen Maciels repräsentieren den alten Ungeist dieses Ordens heute offiziell weiter. Und etliche Beobachter sagen: Dieser Orden gehört verboten und aufgelöst. Was ist schon ein katholischer Orden wert, der von einem Verbrecher und Psychopathen ca. 50 Jahre geleitet wurde? Ein Orden, der den Namen seines Gründers, nicht mehr zu nennen wagt (ein Rest von Scham?).
Xavier Leger, EX – Legionär Christi und Autor eines wichtigen Buches zum Thema, sagt in „La Croix“ vom 22.1.2020: „Die Legionäre verbringen heute ihre Zeit damit, die Kardinäle und die römischen Behörden zu verführen. Wann auch immer sie können, sagen sie dem Papst: Sie wollten die Kirche retten. Papst Franziskus macht in der Hinsicht nichts Wichtiges. Die Legionäre Christi zeigen sich wieder ganz bösartig, sie wollen ihre eigene Geschichte schön umdeuten. Man hätte den Orden schon vor 10 Jahren schließen sollen. Die Legionäre Christi sind gefährlich, ihr Denken und Reden ist nicht vereinbar mit dem Evangelium“.

Noch 2016 hatte ich einen weiteren sexuellen Missbrauch durch einen Legionär Christi aus Chile dokumentiert. LINK

Ganz nebenbei: Man lese die katholisch-reaktionäre website kath.net: Dort treten immer noch Legionäre als „geistliche Meister“ auf…

Wichtige aktuelle Infos über die Legionäre Christi in der Zeitschrift PROCESO, Mexico: https://www.proceso.com.mx/tag/legionarios-de-cristo

Dieser Hinweis verdankt sich vielen aktuellen Informationen der katholischen (!) Tageszeitung La Croix, Paris.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin