Die Ideologie der rassistischen Mörder: Tarrant, Breivik…

Ein Hinweis von Christian Modehn
Siehe auch am Ende dieses Beitrags einen „Zwischenruf“ von Herrn Kleist.

1.Der rassistische Massenmörder Anders Breivik, Norwegen, und der immer noch „mutmaßlich“ genannte Massenmörder und Terrorist Brenton Tarrant (aus Australien, Mörder in Neuseeland) haben explizite ideologische Hintergründe. Diese Terroristen zehren förmlich – auch in ihren Aktionen – von Ideologen, deren Werke sie studiert haben: Vor allem ist da der Franzose Renaud Camus zu nennen und die Autorin Bat Ye or:
Renaud Camus hat schon 2011 in einem Buch die Ideologie verbreitet, das christlich geprägte Europa werde bald von Muslims beherrscht, d.h. für ihn: die europäische Bevölkerung werde „ausgetauscht“, remplacé. Auf das Buch von Renaud Camus „Remplacement“ bezieht sich Brenton Tarrant in seinem 74 Seiten umfassenden Pamphlet. Diese „Replacement Ideologie“ hat auch im englischen Sprachraum Aufmerksamkeit gefunden. Und die jüdische Autorin Bat Ye or hat eine ähnliche Ideologie der muslimischen Machtübernahme in Europa schon früher in zahlreichen Büchern verbreitet. „Selbstverständlich“ lehnen die Autoren jeden Zusammenhang ihrer ideologischen Behauptungen mit den schrecklichen Taten ab. Aber es ist ja bekannt, dass die „Neue Rechte“ auf die „kulturelle Revolution“ setzt: Also auch auf Ideologien, etwa in Büchern verbreitet, die dann von „Praktikern“ der „Szene“ „umgesetzt“ werden. So läuft die neurechte Revolution, also die Zerstörung der Restbestände demokratischer Ordnung in Europa: Erst Ideologien verbreiten, bis einige „Mutige“ zur tötenden, umwälzenden Tat schreiten. Es wird Zeit, dass sich Demokraten über diese gefährlichen Zusammenhänge viel mehr aktiv verständigen…
2. Bemerkenswert ist auch: Seit 2017 ist Luc Ravel Erzbischof von Strasbourg. In einem Interview mit der Tageszeitung „Dernières nouvelles d Alsace“ vom Juli 2017 hat er sich als Kenner der rassistischen remplacement – Ideologie geoutet: Der Erzbischof sagte etwas stammelnd, das dann auch so gedruckt wurde: „Les croyants musulmans le savent très bien que leur fécondité est telle qu’aujourd’hui, comment ils appellent ça ?… le Grand Remplacement. Ils vous le disent de façon très calme, très positive, ‘mais de toute façon, un jour tout ça, ça sera à nous…’. (Die gläubigen Muslime wissen sehr sehr gut, das ihre Fruchtbarkeit derartig ist, dass heute, wie nennen sie das? Das große Ersetzen (der hiesigen Bevölkerung) (kommt). Die Muslime sagen Ihnen das auf sehr ruhige Art, sehr positiv! Aber trotzdem, wenn das eines Tages so ist, dann wird das etwas für uns sein…“ Mir ist nicht bekannt, dass der Erzbischof von Straßburg sich von diesen Worten öffentlich distanziert hat.
3. Das Buch des rechtsextremen Autors Renaud Camus über den großen Bevölkerungsaustausch wird nun hoch gepriesen von dem wieder im rechten katholisch-theologischen Lager gelandeten Ex-Gay-Aktivisten David Berger: Ausgerechnet einen Monat vor dem großen „Abschlachten“ hilfloser Menschen muslimischen Glaubens durch den australischen Terroristen publizierte Berger diese Lobeshymne auf den Kampf gegen den „Austausch“, wer sich diesen Text zur Lektüre antun will…
David Berger ist zudem offenbar freundschaftlich vereint mit dem Dominikanerpater und Theologen Wolfgang Ockenfels für die AFD nahe politische Stiftung Erasmus tätig.
4.Die rassistischen Ideologien, wie die „Remplacement-Ideologie“ bzw. dieser Wahn, setzen sich immer mehr in katholischen Kreisen durch. Kann man diese Menschen noch gesprächsweise zur Vernunft, zur Humanität und Toleranz bringen? Man muss es hoffen! Sonst fliegt uns der demokratische Staat und die noch demokratisch sein wollende Gesellschaft um die Ihren. Die Nazi-Wehsportgruppen üben schon für den Ernstfall in Deutschland.
5.Es ist Zeit, dass die Christen und die Kirchen viel stärker auf die muslimischen Mitbürger zugehen, mit ihnen gemeinsam Gottesdienste feiern, mystische islamische Texte in christlichen Gottesdiensten vorlesen etc. Um endlich eine christlich-muslimische Ökumene zu leben, die den Namen verdient. Warum werden leerstehende christliche Kirchen (in Deutschland) nicht den Muslims zum Umbau als Moschee übergeben? Warum verkauft man leerstehende Kirchen lieber an Geschäftsleute als dass man sie Muslims überlässt? Versteckt sich da bei den Christen eine anti-islamische Hatung? Wahrscheinlich! Christen dürfen nicht zulassen, dass immer mehr pauschal „die“ Muslime zu Gewalttätern gestempelt werden.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin
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Der Zwischenruf von Herrn Kleist:
Was haben der AFD-Erasmus-Stiftungs-Kurator,
Rechtsextremist und Verschwörungstheoretiker
David Berger und der 50fache Mörder von
Neuseeland/Christchurch, Brenton Tarrant, gemeinsam?

Beide beziehen sich auf den Wahnideologen Renaud Camus.
Der behauptet gegen jede wissenschaftliche-statistische
Vernunft-, dass 15 Jahrhunderte ein stabiles Volk [sic] (das eigene Land, Frankreich) besiedelt hätte [Ernest
Renan (1823-1892) würde sich im Grab halb tot lachen] und dass nun (in Deutschland und Europa) Merkel und
Juncker (sowieso an allem schuld), dieses stabile Volk
gegen ein oder mehrere andere Völker austauschen würden.

Der Massenmörder Brenton Tarrant nahm diesen strunzenden
Blödsinn und rassistischen Appel an die Trottel zum Anlass,
wahllos (nicht etwa in Frankreich oder Deutschland
sondern in Neuseeland) Muslime zu ermorden.

50 unschuldige Menschen hat Tarrant mutmaßlich
umgebracht. Überschrieben hat der Mörder sein 70
seitiges Rechtfertigungs-Pamphlet mit Camus‘ Begriff des
„The Great Replacement“, jener Verschwörungstheorie,
mit der Renaud Camus in seinem Buch
populistisch an
Xenophobien aus der Steinzeit appelliert. Jene
Verschwörungstheorie (frz. remplacement), die David Berger
samt ihrem Urheber über den Klee auf seiner Blogseite (siehe
den letzten Hyperlink unten) lobt. Man kann nur froh sein,
dass Rechtsextremisten wie David Berger oder Bernd Höcke
keine Kinder mehr unterrichten (dürfen) und dass der Mörder
Brenton Tarrant hinter Schloss und Riegel sitzt.

Aus wissenschaftlicher Sicht befindet sich David Berger
auf dem wissenschaftlichen Stand des 13ten Jahrhunderts,
alle drei trinken aus der schon im 19ten Jahrhundert ver-
sumpften, schmutzigen Quelle des Vorurteils und des
Chauvinismus.

Was macht eigentlich der Verfassungsschutz gegen die
Hassideologen wie Höcke, Berger, Tarrant oder andere
Adepten des Renauld Camus‘? Jener Dummkopf, der
-wie seinerzeit der Despot Ruhollah Chomeini-
stolz darauf ist, niemals zu lachen.

Es ist grotesk, dass Veranstaltungen an denen sich der
Rechtsextremist Berger beteiligt, wie die AFD-Sumpfblume
,,Erasmus-Stiftung“ (der polyglott-multikulturelle Erasmus
von Rotterdamm würde sich im Grabe totlachen, welche
Toren sich auf ihn berufen), von Steuergeldern finanziert
wird.

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/attentaeter-von-christchurch-wer-ist-brenton-tarrant,RKrjOZq
http://www.staff.uni-giessen.de/~g31130/PDF/Nationalismus/Was_ist_eine_nation.pdf

Wenn Europa islamisch wird: Die Ängste der jüdischen Forscherin Bat Ye´Or


http://archive.is/F3uPp#Bergers-Blödsinn—Zugriff-ohne-Datenfluss-an-Berger
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Das Spiel mit dem Feuer. Zu einem Buch von Alain Finkielkraut

Wenn ein Philosoph mit dem Feuer spielt

Ein Hinweis zu Alain Finkielkraut „L` Identité malheureuse“ (Stock 2013), Paris. 240 Seiten, 19,50€

Von Christian Modehn

Wenn die äußerst rechtslastige, manche Kenner sagen „rechtsextreme Partei“ Front National (FN) unter der Führung von Marine Le Pen bei den Europawahlen 2014 in Frankreich als sehr starke, wenn nicht als stärkste Partei hervorgeht, dann hat das viele Ursachen: die (auch intellektuellen) Schwächen der anderen Parteien, die „ungelösten“ sozialen Differenzen, die Arbeitslosigkeit usw.. Man hört schon förmlich die übliche „Litanei“ der nach der Niederlage etwas betroffen blickenden Politiker der demokratischen Parteien.

Nicht ganz unbeachtet sollte dabei die geistige Stimmung, die kulturelle „Wetterlage“, bleiben, die bekanntlich von geistigen Impulsen, auch von philosophischen Büchern mit –  bestimmt wird. Förderlich, wenn auch im einzelnen naturgemäß nicht exakt nachweisbar, für die Zustimmung zur rechtsextremen Partei FN könnte auch das neue Buch des Philosophen Alain Finkielkraut (geb 1949 in Paris) „L Identité malheureuse“ (Die unglückliche Identität) sein. „Le Monde“ berichtet am 11. 4. 2014, dass bisher 80.000 Exemplare verkauft wurden. Dieses Buch bewegt in Frankreich seit seinem Erscheinen im Herbst 2013 die Gemüter äußerst heftig.

Finkielkraut ist ein extrem viel beschäftiger, damit ein „typisch“ Pariserischer „Intellektueller“. Er ist als Philosophieprofessor an der „Ecole Polytechnique Paris“ vor allem Buchautor … und jetzt wieder einmal Dauergast im Fernsehen. Zudem leitet er eine beachtliche Sendung auf Radio „France Culture“ (sie heißt „Repliques“). Er nennt sich selbst laizistischer und atheistischer Jude, verteidigt den Staat Israel absolut (siehe Le Figaro, 21. 11. 2011), er ist auch regelmäßiger Mitarbeiter bei dem Privatsender „Radio Communauté Juive“ (RCJ). Nun also hat er ein weiteres Buch geschrieben, das genau die Stichworte in den Mittelpunkt stellt, die auch die Getreuen der äußerst rechtslastigen (und explizit „europa-feindlichen“, bei Putin sehr beliebten) Partei FN propagieren: Es ist die Angst um die französische „Identität“. Ihm geht es auch in diesem Buch, das viele zurecht wohl ein Pamphlet nennen, um den Niedergang der alten französische Identität, verursacht durch den Zustrom von Immigranten. Nur ein paar Zitate aus dem Buch: „Europa ist zum Einwanderungskontinent verkommen“. Die Franzosen (welche ? CM) fühlen sich wegen der Einwanderer fremd auf ihrem eigenen Boden“. „Wir sind der Andere des Anderen (also des Immigranten CM), Und hat dieser Andere (also die Franzosen) nicht das Recht zu sein und sein Sein zu bewahren?“ „Der Franzose muss die Auslöschung seines eigenen Gesichts verhindern“.

Bemerkenswert ist hier, dass da jemand schreibt, der, so wörtlich, meint, „bis zum Jahr 1972 sei Frankreich noch eine homogene Nation“ gewesen. Dabei vergisst Finkielkraut, dass 1972 in diesem Frankreich bereits Italiener, Spanier, Polen und Russen usw. lebten, und eben auch Askenazim, zu denen sich Finkielkraut rechnet. Und es lebten auch Franzosen aus Algerien in diesem offenbar so homogenen Frankreich. Die Tendenz von Finkielkraut ist klar: Er will unter allen Umständen auf die angeblichen Gefahren aufmerksam machen, die von den muslimischen Einwanderern aus Afrika verursacht werden.  Er will die „Autochthonen“, also die irgendwie schon lange in Frankreich lebenden Franzosen, retten; er empört sich, dass man heute das Wort Rasse nicht mehr unschuldig verwenden kann, er sieht den Niedergang der (alten) von ihm wie in einer Nostalgie geliebten französischen Kultur der Nähe und Treue verursacht durch … je wen wohl? Durch die Einwanderer aus Afrika in den Vorstädten.

Der französische Philosoph sieht nicht die politischen Fehler, die mit der Ausgrenzung dieser oft in Frankreich geborenen muslimischen Franzosen, begangen wurden. Die (christlichen ?) Herrschaften in Paris wollten besser unter sich bleiben, und haben deswegen die Armen, die „Afrikaner“ und andere Muslims in die hässlichen Vorstädte transportiert. Sie sind eine Last in der Sicht der Herrschaften in Paris.

Aber der für solche Fragen blinde Finkielkraut fürchtet, wie Frankreich zu einer „auberge espagnole“ wird, also zu einem primitivem Schuppen ohne Kultur, was dieses Wort bedeutet. „In dieser Situation wissen die Franzosen (aber welche? CM) nicht mehr , wo sie sind“.

Besonders auffällig ist, dass Alain Finkielkraut sich ohne Skrupel dem Denken und dem Vokabular von Renaud Camus anpasst, „für den Finkliekraut eine vehemente Leidenschaft hat“, wie „Le Monde“ am 23. 10. 2013 schreibt. „Denn dieser Schlossherr und Schriftsteller aus dem Gers wird nicht nur von seinem Freund und Protektor zitiert, er tritt wortwörtlich als dessen Buchredner auf“, heißt es weiter in „Le Monde“. Renaud Camus hat bekanntlich sich klar und deutlich bei Wahlen für die Chefin des Front National ausgesprochen. All das stört offensichtlich Alain Finkielkraut nicht.

Die weltweit geschätzte Historikerin Elisabeth Badinter versucht dieses irritierende Verhalten und Denken ihres Mitbürgers zu verstehen: “Finkielkraut teilt mit einer gewissen Anzahl von Intellektuellen diese Charakteristik: Geboren in jüdischen Familien, eingewandert nach Zentraleuropa; sie widmen dann Frankreich dermaßen eine Liebe, die man sich kaum vorstellen kann, auch einen tiefen Respekt vor den Gesetzen Frankreichs“ (so in Le Monde 1. Nov. 2013).

Die Frage bleibt, bei allem Verständnis für diese psychologischen Hinweise: Wie kann sich ein so „kluger Philosoph“ auf diese Ebene mit einem offensichtlich reaktionären Schriftsteller wie Renaud Camus begeben? Vor allem, dies wäre eine weitere Frage. Welche Bindungen bleiben da noch bei Finkielkraut an einen seiner Lieblingsphilosophen, an  Emmanuel Lévinas. In dem Buch „Die Weisheit der Liebe“ (1984) hatte Finkielkraut z.B. noch geschwärmt, wie „der andere“, auch „der Fremde“,  mich zu meinem wahren Dasein ruft und förmlich „zwingt“. Man lese etwa in der deutschen Ausgabe von 1987 (Hanser Verlag) die Sätze Finkielkrauts: “Die Moral ist eine Konversion im eigentlichen Sinne. Etwas Fremdes – das Antlitz des anderen Menschen – kommt und zwingt mich, meine Gleichgültigkeit aufzugeben. Ich werde durch den anderen … zu einer Verantwortung gerufen“ (S. 154. Im übrigen ist Finkielkraut auch Mitbegründer des Levinas Studienzentrums in Jerusalem!  Wie passt das alles zusammen? Was bleibt von einer geistigen, vor allem radikal ethischen Präsenz von Lévinas in diesem Pamphlet? Vielleicht gar nichts?

Das Pamphlet, viel gelesen, viel besprochen, ist wirksame, wenn auch kulturell nur indirekte Werbung für Madame Le Pen; sie schämt sich vielleicht etwas, öffentlich zuzugeben, nun einen sehr rührigen jüdischen Unterstützer und Maitre à penser zu haben.

Das Buch ist von tiefem Pessimismus geprägt. Finkielkraut sieht Frankreich als ein riesiges Getto, die heutige französische Kultur ist für ihn ein riesiger Friedhof toter Texte… Die Philosophin Elisabeth de Fontenay schreibt auf der website JDD: „Finkielkraut hört nicht den Gesichtspunkt, der sich ihm entgegenstellt. Er hält keinen Dialog mit dem anderen, der sich in ihm selbst befindet und auch außerhalb, im anderen. Er hält nur einen Dialog so, um sich dann ein Stück wegzunehmen, aber nicht um sein eigenes Denken zu verändern“.

Mit (nur) 16 von 28 Stimmen wurde Alain Finkielkraut am 10.4. 2014 zum Mitglied der berühmten „Academie Francaise“ gewählt, man nennt die Mitglieder aufgrund ihres Renommees „Die Unsterblichen“. Hoffentlich bleibt das Buch „Identité Francaise“ nicht unsterblich.

 

Copyright: Christan Modehn Religionsphilosophischer Salon Berlin.