Liebe Freunde, Abonnenten, des „Newsletters“ aus dem „Religionsphilosophischen Salon Berlin“,

 

wir hoffen, dass es Ihnen/Euch „so einigermaßen“  (das ist heute schon viel) gut geht.

Diesmal ein etwas längerer Newsletter, etwas mehr Lesezeiten haben wir ja vielleicht.

Leider können wir noch keinen Termin nennen für den nächsten „wirklichen“ Salon als Gesprächskreis. Er sollte doch noch in diesem Jahr stattfinden, vielleicht im Sommer „im Freien“. Nur hat unser religionsphilosophische Salon weder einen Garten noch eigene Räume. Wir sind als eine Art philosophische „Basis-Initiative“ frei von jeglicher offizieller „Unterstützung“. Und das ist auch gut so. Wer philosophiert, kann dies nur tun in je neu errungener Freiheit, kritisch begleitet und kontrolliert von den Grundsätzen der Vernunft. Sie ist der Schutz vor Wahn, Aberglauben, Verschwörungstheorien.

Gefühle sind wichtig im Leben. Aber erst, wenn sie zur Sprache (d.h. zur Vernunft) gebracht werden, wird ihre Bedeutung deutlich. Das gilt selbstverständlich auch für religiöse Gefühle.

Die Corona-Krise verlangt nicht nur Abstandhalten, sondern auch Abstandnehmen. Also Abstandnehmen von den „herrschenden Werten  vorher“. Nur ein Beispiel:

„Vorher“ waren unsere Gesellschaft, unsere Staaten, bestimmt von einer „heiligen“ Idee: Dem Imperativ der Wachstumsgesellschaft. Soll sie, darf sie, so ungebrochen wiederkehren, wieder aufgebaut werden? Man denke an die jetzige „Rettung“ der Auto-Produktion. Also wieder mehr Autos, mehr SUVs?

Diese Wachstumsgesellschaft hat sich im ganzen verheerend und mörderisch gezeigt; zum Beispiel in Brasilien, was das Abholzen der Wälder betrifft und vor allem was den Rassismus gegen die bedrohten indigenen Völker angeht.

Und wir hier in Deutschland? Wir  profitieren „ganz selbstverständlich“ von der Ausbeutung der südosteuropäischen Arbeiter in deutschen Schlachthöfen, von der Ausbeutung der Saisonarbeiter auf den Spargelfeldern, von den an Sklaverei erinnernden Arbeitsbedingungen der Flüchtlingen aus Afrika auf den monströsen Obst/Gemüse Plantagen in Andalusien und so weiter und so weiter.

Eigentlich müsste man von einer Niederlage der Vernunft sprechen. Denn der politische Wahn setzt sich durch, etwa, wenn die Corona Krise als Krieg bezeichnet wird, wie es Mister Trump herausposaunt: Lieber ein paar Tausend Corona-Tote mehr („Kämpfer in diesem Krieg“) als einen finanziellen Niedergang der Konzerne hinnehmen.

An eine tief greifende Korrektur des Begriffes „Privateigentum“ (von Millionären, Milliardären) denkt in dieser Krise der Menschheit niemand. Das „heilige Privateigentum“ wäre mal ein Thema...

Die Niederlage der Vernunft begann schon – im Bereich der medizinischen Vorsorge usw. – viele Jahre vor der Corona Pandemie. Das Versagen der  Regierungen „vorher“ ist kaum zu entschuldigen. Zum Ausbruch von Epidemien führen immer wieder: Klimawandel, Umweltbelastungen, ruinierte Ökosysteme, aber auch extreme Armut. Und: Man lese die ausgezeichnete deutsche Ausgabe von Le Monde Diplomatique, Mai 2020 zum Thema Corona...

Philosophie muss in diesen Zeiten erneut Gesellschaftskritik werden, auch Ethik, die sich durch die Vernunft (und nicht durch Religionen!) begründet, siehe Kant.

Sisyphus ist dabei vielleicht das neue philosophische Vorbild. Uns bleibt aber auch die Überzeugung: Dass die Hoffnung das unverzichtbare Geschenk Gottes, der Götter, ist ... und also philosophische Debatten nicht ganz sinnlos sein müssen.

Falls Sie/Ihr in diesen Zeiten einige Impulse zum Weiterdenken und Widersprechen aus der „Werkstatt“ des religionsphilosophischen Salons wünscht:

Ich nenne hier einige neuere Beiträge, die auf der website erreichbar sind:  Dabei sind religionsphilosophische, d.h. immer auch religionskritische Aspekte wichtig:

 

1.Was bedeutet eigentlich „Christi Himmelfahrt“ und Pfingsten: Hier Link. 

2.Welch ein politischer Missbrauch wurde mit dem Marien-Kult getrieben, interessant in diesem „Marien Monat Mai“:

3. Der kaum zu bremsende Wahn des Aberglaubens muss reflektiert werden. 

4.Voltaire kann inspirieren, wenn es um die Gestalt eines vernünftigen Glaubens geht.

5. Im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin wurde jetzt eine Ausstellung über de Philosophin und Politologin Hannah Arendt eröffnet: Dazu einige Hinweise, auch auf die Studien von Emmanuel Faye bezogen: 

6. Eine Buchempfehlung: Der Philosoph Alain de Botton will mit seinen Büchern immer auch praktische Lebenshilfe aufzeigen. Dies probiert er wieder in seinem Buch mit dem Titel „Wie Kunst Ihr Leben verändern kann“.

Dies wie immer mit freundlichen Grüßen aus Berlin

von Christian Modehn und Hartmut Wiebus.

PS: Über Feedbacks,  Fragen, Anregungen, ja sogar Erinnerungen an frühere Begegnungen, Gespräche freuen wir uns.

 

 

 

 


To cancel click here, to edit your subscription click here.