Voltaire: Unterwegs zu einem vernünftigen Christentum

„Die wahren Philosophen sind die Apostel Gottes“
Ein Hinweis von Christian Modehn anlässlich von Voltaires Todestag am 30.5.1778

1.
In Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie kommt vieles vorher Selbstverständliche ins Wanken. So auch der traditionelle Glaube vieler Christen und ihrer offiziellen theologischen Lehrmeister. Bisher galt: Der Gott der Christen (und der Juden) handelt, indem er in die Geschichte eingreift. Diese Meinung ist bekanntlich der Kern der Theologie vom „Bund Gottes mit den Menschen“. Dieser Gott ist in der langen Tradition der liebende und der strafende Gott. Je nach dem. Eben unergründlich, unerklärlich, nichts als mysteriös, ein Bild, verwendbar je nach Lage.
Nun sagen viele Theologen heute: Die Corona Pandemie ist keine Strafe Gottes. Sie fordern als Theologen vernünftigerweise natürliche Erklärungen für diese tiefe Krise der Menschheit. Also greift Gott dann doch nicht ein. Nur einige Unentwegte und alte Dogmatiker glauben, dass ihr persönliches Bitt-Gebet den Gott im Himmel, vielleicht auch Maria und andere heilige Fürsprecher, bewegt, sie ganz persönlich zu retten. Und nicht etwa die anderen Menschen, sondern nur sie persönlich in diesen und anderen Krisen.
Es ist heute evident für alle Theologen, die ehrlich sind, dass dieser Glaube an diesen mal hier mal dort helfenden Bundesgott nicht mehr so viel gilt. Als Bild, Mythos von einst: Warum nicht. Aber wer kann es noch ernsthaft leugnen: Der Glaube an diesen Gott ist in der Krise. Und das ist gut so. Denn so wird der Aberglaube überwunden.
2.
So dass man also klar sehen muss: Woher kommen für religiöse Menschen von wem Inspirationen für einen Glauben und eine Spiritualität, die sozusagen „trotzdem“ den lebendigen Gedanken an Gott entwickeln wollen.
Ich bin so unverschämt, unverschämt freilich nur für viele letztlich verbliebene treue Dogmatiker, als Hilfe einige Gedanken des Philosophen Voltaire vorzustellen.
Voltaire ist für mich ein „Fremdprophet“, der von außen kommt und dem Christentum provozierend Wahres sagt. Der katholische Theologe Edward Schillebeeckx nannte diese Philosophen sehr richtig und voller Hochachtung „Fremdpropheten“.
3.
Willkommen also bei Voltaire, dem Fremdpropheten des Christentums, dem möglichen, noch unentdeckten Erneuerer des christlichen Glaubens. Vorausgesetzt, man nimmt alle so festsitzenden, förmlich „aufgepflanzten“ Scheuklappen ab. Und glaubt nicht länger, was in sich rechtgläubig gebenden Kreisen oder in katholischen Verlagen behauptet wird: „Voltaires prinzipielle Kritik ist mit keiner christlichen Position zu identifizieren oder zu harmonisieren“ (so der Romanist Dirk Hoeges im„Autorenlexikon Religionskritik“, HERDER Verlag, 1979, Seite 296).
Ich bin von dem Gegenteil überzeugt. Und plädiere jetzt, angestoßen von den dringenden Fragen in diesen Krisenzeiten, für Voltaire als Fremdpropheten. Weder Philosophie noch Theologie leben im luftleeren Raum, sie stehen in ständiger Konfrontation mit den Situationen der Gegenwart. Neuverständnis alter Lehren beginnt im Verstehen der aktuellen Zeichen der Zeit!
4.
Es geht mir hier darum, Voltaire als Religionsphilosophen (war er jemals etwas anderes?) zu verstehen. Und seine Vorschläge ernst zu nehmen. Denn Voltaire wusste früher als viele: Diese alte dogmatische Welt der Kirchen ist vorbei. Das ist die Voraussetzung heutiger Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien und vernünftiger Theologien. Die vertraute Theologie, die immer wieder Augustinus, Thomas von Aquin, Luther usw. hin und her drehte, diese Theologie weiß einfach zu viel von Gott. Viel zu viel. Was für eine Anmaßung. Woher wissen denn die traditionellen Theologen, beispielsweise, dass der Heilige Geist von Gott – Vater und dem Sohn „zugleich“ ausgeht? Und nicht nur vom Vater, wie die Ostkirche behauptet. Verstehe diese Debatten heute wer will und noch die nötige Zeit hat. Aber Teilnehmer an den Gottesdiensten, Messen, müssen diese magischen Worte nachsprechen. Als „ihr“ Glaubensbekenntnis.
Die theologischen, aber von der Kirchenführung abhängigen Gottesgelehrten klammern sich an ihren sehr gut bezahlten Job. Und respektieren alles andere als Fremdpropheten. Schon gar nicht Voltaire. Diese könnte ja ihre Lebensstellung an der Uni gefährden. Aber sie blamieren sich bei ihrer Gottesrede. Sie reden sich endlos heraus mit tausend Hin und Her: Gott ist gütig und er straft. Gott liebt alle, wirkt „Wunder“ bei wenigen, ist gnadenlos in seiner Gnadenwahl und beschenkt seine von ihm geschaffene Welt immer wieder mit Katastrophen. Adam und Eva haben die Erbsünde begangen, die bis heute im „Geschlechtsverkehr“ (so offiziell wörtlich) weitergegeben wird…Und so weiter.
5.
Tatsache ist: Diese alte Kirche und ihre Lehre ist eine Kirche der unlösbaren Widersprüche. Diese werden zugekleistert mit dem Begriff „Mysterium“, Gott ist Geheimnis. Basta. Gehen wir also in die Knie. Und rutschen auf dem Beton im Heiligtum in Fatima voran zur Erscheinung Marias. Oder: Versuchen wir die alten Knochen des Heiligen Pater Pio und seine Blutbinden wenigstens am Glassarg zu berühren: Sie helfen, sie helfen auch nicht. Zumindest wird unsere Geldbörse erleichtert aus Dankbarkeit, die Knochen gesehen zu haben. Es lebe die Magie, es lebe der Aberglaube
Welch ein Wahn.
6.
Christliche Kreise, und solche, die glauben, sie leben dem Evangelium entsprechend, deuten, wie gesagt, Voltaire nach uralter Art als einen Feind des Glauben, als einen Zerstörer des wahren Gottesbildes. „Je orthodoxer gedacht wird, um so heterodoxer, also ungläubiger, gilt Voltaire“ (so der Philosoph Kurt Flasch, in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Kampfplätze der Philosophie“, 2008, S. 346).
Ich will Voltaire nicht zum Heiligen erklären, überhaupt nicht! Aber er ist ein Fremdprophet, also ein Prophet, der aus der Fremde des freien philosophischen Denkens kommt! Und den spirituelle Menschen, Religionsphilosophen und Theologen, ernst nehmen sollen.
Denn Voltaires Denken hilft, heute einen vernünftigen, also einen menschlich möglichen Glauben zu bewahren. Oder soll der tradionelle Glaube weiter bestehen, wo irgendwie jeder sagen kann „Im Himmel ist Jahrmarkt“? Einen nicht mehr barocken, mit Puttenfiguren ausstaffierten Glauben brauchen wir als Menschen, mit Vernunft bekanntlich als „Gabe Gottes“ ausgestattet. Ich behaupte: Wir brauchen einen Glauben, der inhaltlich einfach, in ein paar Sätzen, gesagt werden kann. Und das ist möglich. Karl Rahner sprach ja bekanntlich von „Kurzformeln des Glaubens“… Es geht um einen Glauben, der Sinn macht für die Menschen, der orientiert und die Welt aus dem totalen Schlamassel der Egoismen herausführen könnte. Ein Glaube, der zum Handeln führt zugunsten der universalen Menschenrechte. Man denke an die so gen. Endgerichts-Reden Jesu: Da wird Menschlichkeit zum Kriterium Gottes! Welcher spirituelle Mensch wartet nicht auf diesen einfachen Glauben, Barocke Kirchen und Engel-Putten und himmlische Madonnen und Gregorianik kann man ja aus historischer Neugier noch angucken bzw. anhören. Aber Entrückungen und Verzückungen und Wundertäter bewegen uns innerlich nicht mehr. Sie sind vorbei. Wie auch der Hofstaat des Vatikans vorbei ist. Aber de facto noch besteht das alles noch und wird von den religiösen Herrschern fortgesetzt, weil sie meinen: Dumme Gläubige gehorchen uns besser. So ist das noch immer.
Nur ein Beispiel von vielen: Man schaue sich die aktuellem Fotos an, wie Bischöfe und Priester in Helicoptern des Militärs über die Städte der Dominikanischen Republik gleiten, die Fenster leicht geöffnet, die Priester mit bestem Mundschutz. Sie strecken die goldene Monstranz hinaus, darin die Hostie, also den Leib Jesu Christi in dieser rechtgläubigen Interpretation: Und sie segnen mit diesem Stückchen Brot (der Leib Christi kam ja bekanntlich grässlich um am Kreuz) die Stadt und die Menschen. Kann man sich mehr offiziell – katholischen Aberglauben noch vorstellen? Sollen doch diese Priester besser Zettel und Plakate drucken, die auf den Schutz vor dem tödlichen Virus hinweisen, sollen sie doch die Leute bilden, warnen, aus den Elendshütten herausholen und wenigstens für ein paar Wochen in den prächtigen Bischofspalais mit – wohnen lassen. Aber nein: Wie im Mittelalter: Wird mit einer Art Wunderwaffe (die Helicopter hat das Militär in bestem Einvernehmen mit den Bischöfen zur Verfügung gestellt) durch die Monstranz das Virus vertrieben und die Leute werden beruhigt. Wer Religion immer noch mit dummen Riten verwechselt, ist dort willkommen.
7.
Der Philosoph und Schriftsteller Voltaire ( Francois Marie Arouet) wurde von katholischer (und bei der Bindung an den Staat auch von Seiten des Königs) aufs Heftigste attackiert. Man hat ihm das Leben schwer gemacht. Aber er war klug sich zu schützen…
Voltaire entwickelt seine eigenen philosophisch fundierten Glaubensüberzeugungen in der Abwehr des überlieferten, damals wie heute sich rechtgläubig, orthodox gebenden Glaubens der Kirche.
Darum geht es hier! Und nicht um eine umfassende Biografie oder Deutung seiner vielfältigen Werke, die ja schon als vollendet geschriebene Prosa nicht nur inspirieren, sondern be-geistern, d.h. den kritischen Geist wecken soll. Und man muss leider auch feststellen, dass dieser große Geist von antisemitischen Vorurteilen geprägt war. Ohne diese Haltung zu entschuldigen, ist sie dennoch zeitbezogen verständlich zu machen: Durch Voltaires entschiedene Abwehr eines zu menschlich gedachten, willkürlich nach Laune handelnden, manchmal herrschsüchtigen, manchmal liebevollen Gottes der Offenbarung, auch des Alten Testaments.
8.
Das zentrale Hauptmotiv für Voltaires eigenes Glaubens-Denken ist die Kritik an einer Religion und damit an einer Gotteslehre, die die Texte der Offenbarung, also die Bibel, wörtlich versteht und entsprechend rabiat in die Praxis umsetzt. Zu Voltaires Zeit war diese Bibeldeutung die einzige kirchliche und staatlich erlaubte Exegese.
9.
Es ist in dem Zusammenhang entscheidend, Voltaires Buch „Philosophisches Wörterbuch“ zu beachten, das gern als populäre „Kampfschrift im Taschenbuchformat“ (so Karlheinz Stierle) bewertet wird: Collini, Voltaires Sekretär, berichtet: „Der Plan zu diesem Philosophisches Wörterbuch wurde in Potsdam geboren“, im Jahr 1752“, als sich Voltaire am Hof Friedrich II. aufhielt. Erst 1764 ist dieser „Dictionnaire philosophique portatif“ pseudonym – aus verständlicher Angst – erschienen: Voltaire saß bekanntlich schon als junger Mann im Gefängnis des sehr katholischen Königs…Das Buch wurde begeistert gekauft und gelesen, in neuen Auflagen immer auch ergänzt (1766 schon die 17. Auflage) …und es wurde von den Herrschern in Paris, Genf und Rom selbstverständlich verdammt und verbrannt. Der Papst setzte es auf den Index: „Ein verbotenes Buch“. Theologisch – klassisch etwas begabte Freunde dieser Herrscher schrieben auftragsgemäß ihre oberflächlichen „Gegenschriften“! Das Buch Voltaires als „Bestseller“ erschütterte die Welt.
10.
Die Kritik des damals wie heute üblichen orthodoxen biblischen Glaubens läuft bei Voltaire auf das Urteil hinaus: Dieser Kirchen-Glaube sei eine Form des Aberglaubens, der den Fanatismus verteidigt und fördert und deswegen weithin nur als Wahn bezeichnet werden kann. Beim Glauben an diesen Gott ist sozusagen alles möglich und auch gleichzeitig unmöglich. Gott wird zum Inbegriff der Unvernunft. Und dies nennen manche „göttlich“. Dieser Gott ist eher eine Projektion der zerrissenen Seelen. Vielleicht ein Tyrann?
Dem religiösen, sich christlich nennenden Aberglauben stellt Voltaire seinen von der kritischen Vernunft bestimmten Glauben gegenüber. „Voltaire war nie Atheist“, schreibt der Philosoph Kurt Flasch (a.a.O., S.335). Voltaire wollte den Atheismus absolut NICHT fördern mit seinem berühmten Spruch „écrasez l infame“, „Vernichtet das Niederträchtige, das Unverschämte“: Damit meinte er die engste Liaison von absoluter Herrschaft und fundamentalistisch verstandenem Glauben. Es ist die praktizierte Frömmigkeit, die Voltaire missbilligt, etwa den religiöse Fanatismus von Menschen, die lieber Gott (und den religiösen Traditionen) als den vernünftigen Gesetzen gehorchen wollen. Voltaire schreibt: „Und daher überzeugt sind, in den Himmel zu kommen, wenn man einem anderen Menschen – aufgrund von Gottes Willen – den Hals abschneidet“ (S. 246). Ein aktuell anmutender Hinweis!
Darum die Forderung: „Vernichtet den Aberglauben, auch den in der Kirche“. Diesem Impuls folgt sein Buch, das über einen längeren Zeitraum entstanden ist, das bewusst populär sein will und keinen Anspruch stellt auf ausgereifte philosophische Systematik.
11.
Voltaire verstand sich selbst, um oberflächliche Kategorien zu gebrauchen, nicht als Deist, sondern als THEIST. Diese Verwischung beider Begriffe war im 18. Jahrhundert üblich. Im „Philosophischen Wörterbuch“ nennt sich Voltaire „Theist“. (Man lese etwa den Artikel „Atheisten“ , S. 71 in der Ausgabe Reclam-Leipzig, 1967).Denn der Gott Voltaires lebt, er spricht in der Seele, er inspiriert zum Handeln, zum Tun des Guten. Er ist der Welturheber. Und nicht nur eine „Weltursache“.
12.
Heilmittel gegen Fanatismus ist für Voltaire die Philosophie, weil sie – wie die vernünftige Religion –„ die Ruhe der Seele bewirkt“ (246)
13.
Dies ist das Zentrum von Voltaires Theismus: Gott hat den Menschen ein vernünftiges moralische Gesetz gegeben. Diese Theisten „brauchen keinen äußeren Kultus“ (S. 72). „Sie sind friedfertig“, sie sind „Anhänger der Toleranz“ (73), diese Glaubenden „sind Philosophen“ (73). „Daher betrachte ich die wahren Philosophen als die Apostel Gottes“ (70). Newton ist Voltaires Vorbild. „Je besser man seitdem die Natur erforscht hat, je klarer hat man deren Schöpfer erkannt“ (71). Diese Theisten verteidigen eine universale Moral der Menschen, „im Gewissen dringt die Stimme Gottes zu den Menschen“ (74). „Möglicherweise gibt es in uns etwas Unzerstörbares, das empfindet und denkt, ohne dass wir die geringste Vorstellung davon haben, wie dieses etwas beschaffen ist…“ (82). Etwas UNZERSTÖRBARES im Menschen könnte es geben! Also etwas „Ewiges“.
14.
Die Vernunftreligion ist für Voltaire unverzichtbar für das Glück der Menschen. Atheismus ist für ihn – wie der Fanatismus – ein, so wörtlich, Ungeheuer, das die „Gesellschaft zerreißen und verschlingen kann“ (69). Voltaire respektiert Atheisten „als kühne Gelehrte“. Aber „sie sind vom rechten Weg abgekommen und ziehen die falschen Schlüsse, nehmen ihre Zuflucht zur Hypothese der Ewigkeit der Welt….weil sie Probleme wie die Schöpfung der Welt, den Ursprung des Bösen und andere Schwierigkeiten nicht bewältigen können“(78).
15.
Voltaires Vorschlag, Gott als das höchste Wesen zu denken, kann heute so interpretiert werden: Gott als den letzten und wahren Sinngrund wahrzunehmen, als einen umfassenden, bergenden Sinngrund, innerhalb dessen Menschen leben können in allen Situationen, von Liebe und Leid, Freude und Trauer. Jesus von Nazareth ist der Lehrer von Weisheit und das ewig lebendige Vorbild, dem zu folgen schon in diesem „irdischen Leben“ Erlösung bedeutet. Jesus lehrt als göttlichen Auftrag, respektvoll, gerecht, mitfühlend zu leben, gegenüber andere Menschen, gegenüber der Natur.
16.
Diese Ausführungen Voltaires zu seiner vernünftigen, also dem Menschen entsprechenden „theistischen Philosophie“ eröffnen neue religiöse Lebendigkeit. Bittgebete im magischen Sinne brauchen diese Frommen nicht mehr. Sie wissen sich als Gläubige von Gott geborgen, in einen tragenden Sinn gesetzt, der sie nicht verzweifeln lässt angesichts des Todes. Und das besprechen diese Gläubigen miteinander in einem reifen Gespräch ohne Tabus! Und plappern nicht ständig irgendwelche Bittgebete. Kann ja sein, dass manchmal diese Litaneien usw. einen tragenden (“göttlichen“) Lebenssinn ausdrücklich fördern, um so besser, aber dies unwahrscheinlich bei der rituellen Erstarrung.
Es gibt also eine vernünftige Spiritualität, die sich von Voltaire anregen lässt. Dieser Glaube ist für den einzelnen wie für andere intellektuell nachvollziehbar. Es ist dieser einfache christliche Glaube, der heute so vielen Menschen so erstrebenswert erscheint, als Einheit von einfacher Theorie/Theologie und humaner Praxis.
17.
Die alte kirchliche Welt, mit ihrer unüberschaubaren und immer noch barocken Fülle von Riten und Geboten und Gesetzen und Lehren und Dogmen und klerikalen Hierarchien: Diese alte Welt sollte von diesem vielem religiösen alten ideologischen Traditionen befreit werden. Dafür ist Voltaire eine inspirierende Hilfe. Er stellt uns die alles entscheidende Frage: Ist euer Glaube vernünftig, ist er vernünftig vermittelbar, hat er Auswirkungen für eine humanere Welt? Oder ist er nur ein euch egoistisch berauschendes charismatisches Tralala, ein Wunderglaube, Aberglaube, eine Bindung an Hierarchen, an den Klerus, der mehr sein will als die Laien, eine Bindung ausschließlich an Männer im Katholizismus, die diesen euren Respekt – siehe Missbrauchskandale – gar nicht verdienen.

Ob dieses vernünftige Christentum eine Chance hat, Wirklichkeit zu werden? Das hängt vom Geist, vom Mut, der Menschen ab.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.