Wie viel Geheimnis brauchen wir, ertragen wir? Ein philosophischer Salon

Datum: 15. März 2019

Salons

In unserem Salonabend am Freitag, den 15. März 2019, wollen wir uns mit der alltäglichen Realität des Geheimnisses auseinandersetzen: Vieles verschweigen wir! Wir wollen unsere Identität schützen; die Wahlen sind geheim; die Anonymität (also auch das Sichverbergen im Geheimnisvollen) ist gerade heute beliebt und manchmal notwendig; jeder und jede hat sein ganz einmaliges "Lebensgeheimnis". Aber, so fragen die Philosophen, ist das Leben als solches nicht immer schon etwas Nie- Zuklärendes, also nie etwas total Transparentes: Also ein bleibendes Geheimnis? Wenn man schon an Gott denkt: Ist Gott nicht nur als ewiges Geheimnis überhaupt denkbar, trotz aller kirchlichen Besserwisserei?
Geheimnis ist etwas, das nie total transparent werden kann: Warum bin ich hier, warum bin ich in die Welt gesetzt worden? Ist denn Liebe restlos erklärbar? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Geheimnis und (wissenschaftlichem) Rätsel?
Herzliche Einladung zu einem intensiven Austausch: In der Kunstgalerie FANTOM, Hektorstr.9,in Wilmersdorf. Beginn um 19 Uhr.
Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Das Fiasko in Rom heute: Die Predigt des Papstes am Ende der Konferenz zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker

Startdatum: 24. Februar 2019

Enddatum: 25. Februar 2019

Kongress

Ein Kommentar von Christian Modehn am 24.2. 2019

Es kam so, wie es kritische Beobachter erwarteten: Die Rede des Papstes am Ende des „Gipfels“ über den sexuellen Missbrauch durch Priester und Bischöfe ist eher eine allgemein gehaltene kulturkritische Predigt über das furchtbare Geschehen des Missbrauchs von Kindern im allgemeinen, mit dem unverbindlich und unkonkret gegebenen Versprechen, dass sich die Kirche in dieser Sache „reinigen“ will. Im ganzen also: Diese in finanzieller Hinsicht aufwändige, in medialer Hinsicht von Erwartungen überladene, in einigen Statements (besonders der Opfer und von Frauen) zwar manchmal noch denkwürdige Konferenz ist insgesamt ein Fiasko. Denn das letzte Wort hat nun einmal der Papst in den Strukturen der Kirche. Und der denkt gar nicht daran, etwa den Pflicht-Zölibat abzuschaffen oder Frauen ins Priesteramt zu lassen...Alles wie gehabt, also. Was sollte nur dieser ganze Aufwand? Nach außen wollte die Klerus-Kirche agil und etwas schuldbewusst auftreten! Das ist alles.
Und das für mich erstaunlich: Dieser „Gipfel“, manche sprachen gar von „Synode“, wird nun im Titel der Papst-Predigt zum allgemeinen „Kinderschutz-Gipfel“ umbenannt wurde: Diese allgemein kulturelle Öffnung des Themas erlaubt es dem Papst, möglichst wenig vom kirchlichen Missbrauch und den nötigen Veränderungen IN der Kirche zu sprechen.
Diese frommen Worte des Papstes Franziskus (manche nannten ihn ja einst progressiv) zeigen ihn befangen in der klerikalen Sonderwelt, dieser Papst, das zeigt sich immer mehr, ist den Konservativen verpflichtet. Er will, kann und darf aus der Welt der Privilegien der Kleriker nicht heraustreten. Man bedenke: Der Klerus glaubt bis heute allen ernstes „in der Person Christi des Hauptes der Kirche zu handeln“ (Katechismus, § 1549). Der katholische Priester ist förmlich der zweite Christus. Und in diesem all-verbindlichen Katechismus von 1993 ist sogar „der Bischof Abbild des Vaters (Gott-Vaters)“. Wer so in der Nähe Gottes lebt, kommt da nicht mehr raus. Maßlose Ansprüche, die keine Reform, sondern nur eine neue Reformation abwenden könnte.
Im ganzen gesehen haben sich angesichts dieser frommen – im letzten belanglosen Worte des Papstes die reaktionären Kräfte im Vatikan durchgesetzt, jene machtvollen Kleriker, die sich ständig gegen Aufklärung, Vernunft und tief greifende Reformen aussprechen.
Nach diesen frommen Worten des Papstes bleibt die katholische Kirche also in der Sackgasse.
Siehe LINK:

Cpyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Sonder“gipfel“ des Klerus über sexuellen Missbrauch durch den Klerus im Vatikan

Startdatum: 21. Februar 2019

Enddatum: 24. Februar 2019

Ort: Vatikan

Kongress

Vom 21. bis 24. Februar 2019 werden vor allem Bischöfe aus aller Welt über den sexuellen Missbrauch durch Priester beraten. Der Papst will die Täter bestrafen. Jetzt hat er den emerit. Erzbischof von Washington McCarrick als Strafe in den Laienstand versetzt. Ist das wirklich eine Strafe? Ist es denn eine Strafe, gar eine Schande, Laie in der katholischen Kirche zu sein? Vielleicht! Aber viel härtere Strafen verfügt der Papst, wenn Kleriker das Kirchenrecht missachten, die Macht des Papstes ignorieren und etwa eigenmächtig Bischöfe weihen.
Darum merke: Vergehen gegen das Kirchenrecht und die Macht des Papstes werden schärfer vom Vatikan bestraft als Vergehen gegen die Menschlichkeit, wie etwa den sexuellen Missbrauch von Kindern.
Copyright: Christian Modehn
Zum Umfeld Sexualität und Vatikan: Kürzlich veröffentlichte einen Hinweis:Papst Franziskus schafft einen § 175 für den Klerus, LINK.
Zwei Beiträge, sozusagen als background, zeigen, dass der §175 für den Klerus immer noch besteht; mein Hinweis vom 23.1.2017 zeigt zudem, wie stark im Klerus immer schon Homosexuelle vertreten waren und sind. Das ist an sich normal und gut! Schlimm ist es, dass diese Herren im Klerus (aber auch die Nonnen) ihre eigene Homosexualität auch öffentlich verleugneten (man denke daran, dass Papst Paul VI. öffentlich zu der Aussage hinreißen ließ, er sei NICHT homosexuell), und vor allem: dass diese Priester als Homosexuelle NICHTS taten, um anderen Homosexuellen beizustehen und für eine rechtliche Gleichstellung der Homosexuellen zu sorgen! Diese vielen homosexuellen Priester waren also mindestens "Feiglinge", und sie schädigten sich (seelisch) selbst mit ihrem Doppelleben!
Der erste Beitrag: Klicken Sie hier. Der zweite Beitrag: Klicken Sie bitte hier.

Der russische Philosoph Nikolaj Berdjajew, gestorben am 23. März 1948

Datum: 23. März 2019

Gedenktag

Es ist sicher nicht unzutreffend: Gebildete West-Europäer wissen zu wenig über russische Philosophen, die sich nach dem Sieg der Bolschewisten in Russland ins westliche Exil begegen haben bzw. begeben mussten. Nikolaj Berdjajew verdient Aufmerksamkeit, weil er eben nicht wie viele russische Exilanten zu reraktionären Positionen neigte, also pauschal jeden Gedanken an die Notwendigkeit einer Revolution ablehnte. Am 23. März 1948 ist Berdjajew in Paris gestorben.

Thomas Bernhard als Kirchenkritiker: Anlässlich seines 30. Todestages am 12.2.2019

Datum: 12. Februar 2019

Gedenktag

Am 12.2.1989 ist der große Schriftsteller Thomas Bernhard in Gmunden, Österreich, gestorben, geboren wurde er am 9.2.1931. An ihn kann man in vielfacher Hinsicht erinnern. Auch die Auseinandersetzung mit der Religion, speziell mit der katholischen Kirche in Österreich, ist für ihn ein zentrales Thema. Und dies ist nicht Vergangenheit, wenn man an den sexuellen Mißbrauch von Kindern durch zahlreiche Priester denkt. Entsprechende Informationen "Bernhard und die Kirche" finden Sie hier.

Thomas Bernard scheibt in seinem Roman: „Auslöschung“:

Wir sind katholisch erzogen worden, hat geheißen, wir sind von Grund auf zerstört worden, Gambetti. Der Katholizismus ist der große Angsteinjager, der große Charaktervernichter des Kindes...Die katholische Kirche hat den zerstörten Menschen auf dem Gewissen, den chaotisierten, den letzten Endes durch und durch unglücklichen, das ist die Wahrheit...Die katholische Kirche duldet nur den katholischen Menschen, keinen anderen... Sie macht aus Menschen stumpfsinnige Kreaturen, die das selbständige Denken vergessen... Die Katholiken lassen die katholische Kirche für sich denken und dadurch auch für sich handeln, weil es ihnen bequemer ist, weil es ihnen anders nicht möglich ist“. (Auslöschung, Suhrkamp Verlag, 1. Aufl., 1986, S. 141 f.).

Das ist für Bernard der Skandal: Die Kirche macht aus Menschen nur noch „Gläubige“, ideologisch indoktrinierte Wesen, denen die Ganzheit des Lebendigen abhanden kommt. „Gläubige sind keine freien Geister“; für Bernhard besteht das Ziel des Lebens, wenn man das überhaupt bei ihm so sagen darf, „ein freier Geist“ zu werden.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

suhrkamp

Am 2. März vor 80 Jahren wurde Eugenio Pacelli zum Papst (Pius XII.) gewählt.

Datum: 2. März 2019

Gedenktag

Am 2. März 2019 sind es 80 Jahre her, dass Kardinal Eugenio Pacelli zum Papst gewählt wurde. Er nannte sich Pius XII. Es ist klar, dass anlässlich dieses halbwegs „runden Gedenktages“ wieder viele offiziell – katholische apologetische Statements vom Vatikan aus verbreitet werden, Statements und Bücher, die seit 1945 schon dem Motto folgen: „Pius XII. hat es doch so gut gemeint“. Und wieder ist zu erwarten, dass das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth (1963) verantwortlich gemacht wird für diese in vatikanischer Sicht böse Einstellung einer kritischen Öffentlichkeit gegenüber einem Papst, der schon seit 1965 „selig gesprochen“ werden soll. Aber es klappt nicht so recht, diese heilig mäßige Vorbildlichkeit Pius XII. wirklich zu erweisen. Pius XII. wollte einzig und allein die Kirche retten. Der Faschismus war ihm ein kleineres Übel gegenüber dem Sozialismus und Kommunismus.

Erinnerung an die spanische Philosophin Maria Zambrano

Datum: 6. Februar 2019

Gedenktag

Spanische Philosophen und Philosophinnen sind in Deutschland einem "breiteren", interessierten Publikum leider fast unbekannt, zumal jene, die eigenständige Wege im Denken suchten, also abseits der Universitäts-Philosophien mit ihren ziemlich rigiden Themen der "Philosophie für Philosophen".  Am 6. Februar 1991 ist die große spanische Philosophin Maria Zambrano gestorben, geboren wurde sie am 22.4. 1904.

Maria Zambrano wurde doppelt marginalisiert: „Einfach“ schon deswegen, weil sie als Frau eine bedeutende Philosophin war. Und: Weil sie einen anderen Stil, eine andere Gestalt der Philosophie lebte und in einem umfassenden Werk publizierte: Ein lebendiges Philosophieren in Verbindung von Literatur, Kunst, Mystik. Sie wehrte sich gegen die herrschende „schulphilosophische Kultur“ (S. 273 in Fornet-Betancourt).

Einer ihrer entscheidenden Lehrer war José Ortega y Gasset (1883-1955). „Mit dem Sieg der Faschisten in Spanien musste Maria Zambrano emigrieren“(S.277), sie ist ständig unterwegs, lebt in Mexiko, Kuba, Puero Ricos, Schweiz, Frankreich...

Philosophisch wehrt sie sich gegen die Engführungen einer rationalistischen Moderne. Sie plädiert für eine „poetische Vernunft“ (S. 289), ein Thema, das nach wie vor aktuell ist.

Diese poetische Vernunft stellt sich den Abgründen des Daseins, die ein rationalistisches Denken eher überspielt. Diese Gedanken entwickelt Zambrano in ihrem Buch „Der Mensch und das Göttliche“, auf Deutsch leider nicht mehr erreichbar.

Empfehlenswert ist die Einführung in ihr Denken (und zu ihrem sehr bewegten Leben) von Raúl Fornet-Betancourt, in seinem Buch "Modelle befreiender Theorie in der europäischen Philosophiegeschichte", IKO Verlag, Frankfurt Main - London, 2002, dort Seite 269 bis 304.

Welttag der Religionen

Datum: 20. Januar 2019

Gedenktag | Jahrestag

Am 20. Januar findet wieder der Welttag der Religionen statt, eine Initiative der Bahaii Religion. Wie kann die Versöhnung und Kooperation der verfeindeten Religionen vorankommen? Christian Modehn meint: Durch die Philosophie, die allgemein menschliche Basis, auf der alle Religionen und alle (religiösen) Menschen stehen. Die Theologien sind viel zu befangen, kritisch auf sich selbst zu schauen und Unsinniges aus den Traditionen aufzugeben. Ein Thema für den interreligiösen Dialog...Man spürt, dass Lessings Ideen leben. Gott sei Dank.

Für weitere Informationen klicken Sie hier.

Weltjugendtage in Panama, kritische Hinweise

Startdatum: 22. Januar 2019

Enddatum: 27. Januar 2019

Ort: Panama

Kongress

Hinweise von Christian Modehn zum Weltjugendtag in Panama vom 22. - 27.1.2019

Wer weiß: Vielleicht werden bald neue „Panama Papers“ veröffentlicht. Diesmal geht es um theologisch – politische (und dann auch finanzielle) Enthüllungen. Die so schwer eigentlich gar nicht freigelegt werden können. Sie werden in aller Ausführlichkeit im Umfeld der katholischen „Weltjugendtage in Panama“ veröffentlicht, falls es Journalisten gibt, die sich bei dem Kirchen-Thema für objektive, also kirchenunabhängige Recherche und umfassende Investigation interessieren. Dass die äußerst wohlhabende katholische Ordensgemeingemeinschaft "Legionäre Christi" schon im Dezember 1984 drei OFF-shore Unternehmen in Panama gründete, kann hier nur zum vertiefenden Studium empfohlen werden (8).

Die katholischen, vom Papst und den Bischöfen inspirierten und offiziell vom „Amt“ auch geleiteten internationalen „Weltjugend-Tage“ finden zum 34. Mal in Panama statt. Es war der polnische Papst, der diese Weltjugendtage „erfand“, wohl auch, um zu demonstrieren: Die katholische Kirche hat zumal in den neuen geistlichen, aber sehr konservativen Bewegungen wie den Neokatechumenalen, den Focolarini, dem Opus Dei, dem Regnum Christi etc. doch noch junge Leute vorzuweisen. Sie kann also noch die Jugend „mobilisieren“, die sich von der männlichen Kirchenführung gern leiten lässt. Beim letzten Treffen in Krakau (im Juli 2016) kamen etwa 3 Millionen junge Katholiken zusammen. In Panama rechnen die Veranstalter mit 200.000 TeilnehmerInnen aus etwa 150 Ländern.

Welche Themen müssen in den neuen „Panama –Papers“ kritisch untersucht werden?

Zunächst die neuerbaute luxuriöse Residenz des Botschafters des Vatikans in Panama, dort wohnt der Papst. Man kann sich den Palast des Nuntius ja mal im Link ansehen,in einem Land, in dem die überwiegende Zahl der Menschen in Armut lebt, jeder Vierte sogar  "unterhalb der Armutsgrenze"... An dem Beispiel  zeigt sich, was das päpstliche Reden von der "Kirche für die Armen" bedeutet: Sie ist bloß für die Armen, zynisch gesagt: Sollen sich diese noch an den Luxustempeln des Klerus erfreuen...

Es ist das offizielle Motto dieses Welt- Jugendtreffens in Lateinamerika, das tiefe Irritationen hervorruft, selbst unter fest- angestellten Mitarbeitern der Kirche. Die ihre Kritik natürlich nicht, wie üblich, nach außen hin öffentlich machen können/wollen.

Das Motto dieses Weltjugendtreffens ist ein Zitat, das wie immer bei solchen Treffen dem Neuen Testament entnommen ist. Diesmal ist es ein Wort der Jungfrau Maria, wie es das Lukas – Evangelium übermittelt: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lukas, 1, 38).

Das heißt: Der biblischen Erzählung, dem „Mythos“, folgend, wird das Mädchen Maria von einem Engel besucht. Und der kündigt ihr als Jungfrau eine Jungfrauengeburt an, also die Geburt ihres Sohnes Jesus, der nicht von ihrem Gatten bzw. Lebenspartner Josef gezeugt ist. Maria ist vorbildlich gehorsam, sie sieht sich ausdrücklich als Magd „des Herrn“, und sie stimmt dieser „wunderbaren“ Empfängnis zu („unbefleckte Empfängnis“ sagte früher die katholische Theologie !, der Titel auch ein Hinweis zum Umgang mit Sexualität in der Kirche: „Befleckung“...)

Ich halte dieses Motto der Weltjugendtage in der Lebenswelt heutiger (junger) Menschen zumal in Lateinamerika und der arm gemachten Bevölkerung weltweit für eine „ideologische Katastrophe“. Denn wer als jugendlicher „Nicht-Theologe“ nur diesen Satz des gehorsamen Mädchens Maria hört und liest, wird förmlich ermuntert, den Gehorsam als entscheidend zu deuten. Gehorsam wird also von der Kirche verlangt! Und vor allem Frauen und Mädchen mögen doch bitte wie Maria gehorsam sein. Also konkret: Den Männern gehorchen.

Die Unterdrückung der meisten Frauen und Mädchen in Lateinamerika ist himmelschreiend: In den meisten lateinamerikanischen Ländern sind dank des politischen Einflusses der römischen Kirche fast alle Formen der Geburtenregelung und des Schwangerschaftsabbruchs gesetzlich verboten. Wie viele tausend Mädchen sterben bei „Kurpfuschern“, die reichen Damen fliegen nach Nordamerika zur medizinisch korrekten Abtreibung. Lediglich Uruguay ist in Lateinamerika eine vorbildliche Ausnahme. Warum? Weil die römische Kirche dort wenig Einfluss hat. Eben ein laizistischer Staat.

Hinzu kommt die ständige Bedrohung junger Menschen, vor allem der Mädchen, die wie Objekte für Vergewaltigungen missbraucht werden, in Zentralamerika, aber letztlich in ganz Lateinamerika: In Zentralamerika herrscht, abgesehen von Costa Rica, die totale Gewalt der Jugendbanden, der so genannten Maras. Diese rekrutieren als brutale männliche Verbrecher eben auch Mädchen. (1) Und die finden nur die Mitgliedschaft bei einer der „Familien“ der Maras, wenn sie sich vorher vergewaltigen lassen. Warum ist es dem so genannten Heiligen Vater nicht bekannt, dass beim Frauenmord, den Femiziden, die Gewalt gegenüber Frauen in ganz Lateinamerika erschreckend hoch ist? (2) Was soll in einer solchen Misere der Mythos von der gehorsamen Maria, die dem HERRN (!) gehorsam folgt und alles annimmt, was der HERR über einen Engel vermittelt ihr da zumutet.

Noch einmal: Diesen Satz aus dem Mythos des Lukas Evangeliums als Motto zu wählen, ist ein skandalöser Fehlgriff.

Die Entscheidung für das Motto soll der angeblich progressive Papst Franziskus selbst getroffen haben: Er und die anderen Herren im Vatikan hätten nur ein paar Verse im Lukas-Evangelium weiter lesen müssen, dann hätten sie DAS wegweisende Motto für die arm gemachten Millionen Menschen gefunden. Da spricht Maria in dem berühmten, sehr politischen Gebet, Magnificat genannt, diese revolutionären Worte:

„Gott stürzt die Mächtigen vom Thron, und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“. (Verse 52 und 53).

Hätte man diese Worte als Motto gewählt, würden vielleicht ganz andere Jugendliche in Scharen zu den Weltjugendtagen in Panama kommen, nicht unbedingt Mitglieder frommer, eher fundamentalischer Gruppen, sondern eben politisch wache Leute, die Gerechtigkeit fordern und nicht Gehorsam gegenüber den „Herren“. Aber auch für den Vatikan und den Papst selbst wäre dieses Motto gefährlich, möchte er wirklich als Mächtiger im Sinne Marias „vom Thron gestürzt“ werden? Das hat Luther leider vergeblich schon versucht...Das fromme Motto zugunsten der gehorsamen Frau in einer brutalen Macho-Kultur gefällt sicher auch dem Präsidenten Panamas, dem Herrn Juan Carlos Varela Rodriguez (3). Er bekennt von sich selbst, in enger Verbundenheit mit der katholischen Geheimorganisation OPUS DEI zu leben.

Er ist nach außen hin ein sehr eifriger Katholik, er reist gern in den Vatikan mit seiner Familie, er folgt unmittelbar den Reisen des Papstes, wie etwa nach Krakau, zum letzten Weltjugendtreffen der Katholiken. Als engster Freund des Opus Dei hat er sich sogar seine Wahlkampagne vom Opus Dei mitfinanzieren lassen, mindestens 3 Millionen US Dollar hat er von dieser katholischen Geheimorganisation erhalten (4).

Der Opus Dei Staatspräsident Varela und sein Stab mit Verbindungen zur römischen Opus Die Zentrale üben eine großen Einfluss aus, was die Gestaltung der Weltjugendtage im Januar 2019 betrifft. Bei einem seiner Besuche in Rom hat Varela in einem Opus Dei Zentrum förmlich die Leitlinien des Weltjugendtreffens im Januar besprochen (5).

Staatspräsident Varela ist zudem mit dem Erzbischof von Panama Stadt eng befreundet und auch eng liiert mit dem Kardinal Jose Luiz Lacunza, Bischof der Stadt David in Panama. Beide sind mit einem Augustiner Orden verbunden. Sie haben sich zu feierlichen Pontifikal-Ämtern mit Opus Dei Leuten bereit gefunden und dem Staatspräsidenten dadurch viel Freude gemacht. Zahlreiche Dokumente aus der Presse belegen dies!

Über weitere Details wäre zu berichten, über die die noch halbwegs freie Presse Panamas berichtet:So wurde etwa ein roter Teppich für die Begrüßung des Papstes am Flughafen angefertigt, Kostenpunkt: 14.000 US Dollar.

Die Regierung hat in den ersten 19 Monaten ihrer Amtszeit mehr als 16,7 Millionen Dollar für die Kirchen, vor allem die katholische, ausgegeben. Selbst wenn dabei Renovierungen alter Kirchengebäude eingeplant waren: Die Bevorzugung der katholischen Kirche durch den Staat ist schon auffällig, meint etwa der Historiker Ricardo Rios Torres (6):

Die „Neue Panama Papers“ hätten also genug Material, etwa auch zur neu erbauten und luxuoriös ausgestatteten Nuntiatur in Panama – Stadt, wo ja bekanntlich der Reichtum nur in den wenigen monumentalen Türmen der Neoliberalen sichtbar ist und in den entsprechenden Wohnvierteln. Denn die meisten Menschen in Panama leben in Armut, da passt ein luxuriöses Gebäude des päpstlichen „Botschafters“ gut ins Bild: Die Leute wissen, wo Papst und Kirche sich wohlfühlen... Ob Papst Franziskus dort wohnen wird, ist noch unbekannt. (7). Sogar eine offizielle Publikation des katholischen Hifswerkes ADVENIAT erwähnt in "Blickpunkt Latenamerika", Ausgabe 4, 2018, auf Seite 16, die neue Residenz des päpstlichen Botschafters in Panama, also des Nuntius: "Dieser moderne Prachtbau wurde gerade für mehrere Millionen US Dollar luxuriös saniert und steht deswegen stark in der Kritik". Ob der Papst als Verkünder der Option FÜR die Armen in der Residenz wohnen wird, ist laut offiziellen Meldungen wahrscheinlich. Über die vorherrschende Gewalt im Land, zumal in der Stadt Colon, berichtet in dem Heft Gaby Herzog: "Kriminaliät gehört bei uns in Panama zum Alltag... Die Straßen werden in Colón von Banden regiert. Die Regierung hat keinen richtigen Plan, wie sie der Gewalt begegnen kann", sagt der Interviewpartner Yithzak Gonzalez, ein Mitarbeiter von Adveniat in Panama. "Und zu oft schlägt sich die Regierung auf die falsche Seite, lässt Wohnungen abreißen und an die Stelle moderne Wohn - und Geschäftshäuser bauen"....(ebd.)

Panama wird ständig von Korruptionsskandalen erschüttert: 2015 wurden mehrere Ex – Minister verhaftet, der ehemalige Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes wurde wegen Urkundenfälschung zu 5 Jahren Haft verurteilt usw.

Man wird in diesem „Sumpf“ den Eindruck nicht los: Das bewusst gewählte,tatsächlich bei den Verhältnissen  verrückte Macho - Motto dieses Weltjugendtages und das Zusammenspiel von Papst Franziskus und dem Opus Dei Staatspräsidenten wecken schlimme Ahnungen ... in diesem seit langem bekannten Land der Korruption. Hoffentlich kommen die 200.000 frommen Jugendlichen wie Maria „unbefleckt“ daraus wieder nach Hause.

Zudem werden sich die kritischen Beobachter fragen:

--Wie progressiv, um diese etwas abgegriffene Bezeichnung noch mal zu verwenden, ist Papst Franziskus wirklich, wenn er ein solches absurdes Motto für den Weltjugendtag in der von Gewalt geprägten katholischen Kultur Lateinamerikas durchsetzt?

--Wie verbunden ist Papst Franziskus, um des eigenen Überlebens willen, mit dem Opus Dei?

Ich meine: Papst Franziskus jongliert hin und her, aber wesentlich ist: Im Grunde aber ist er ein sehr konservativer Theologe. Man lese nur seine Predigten im Haus Santa Marta! Und ein Befreiungstheologe ist er schon gar nicht, auch wenn er von der „Option FÜR (!) die Armen spricht, also von der caritativen Geste „der“ Kirche FÜR die Armen. Und eben nicht MIT ihnen in gleichberechtigter demokratischer Partnerschaft.

--Wie wird des 1971 ermordeten Sozialpriesters Hector Gallego gedacht? Er wurde verschleppt, gefoltert und von Militärs aus einem Hubschrauber  Meer geworfen. Gallego organisierte - sozusagen als einer der ersten Begreiungstheologen - arme Landarbeiter. Staat und Kirche nannten ihn ihrer gemeinsamen Verblendung wie üblich einen Kommunisten. Eine ideologische Redeweise, der sich auch Papst Johannes Paul II. und Ratzinger gern bedienten, um Befreiungstheologen mundtot und dann auch mit staatlicher, d.h. rechtsextremer diktatorischer Hilfe, "tot zu machen"... Siehe Erzbischof Romero etc...

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Quellenangaben:

(1)https://de.globalvoices.org/2016/02/14/die-gefahrliche-und-komplexe-wirklichkeit-der-frauen-in-banden-in-zentralamerika/

(2)

https://www.boell.de/sites/default/files/geschlechtergerechtigkeit_in_zentralamerika_2014.

(3)

http://elpostantillano.net/politica/17912-2016-08-08-15-56-08.html

(4)

https://www.panamaamerica.com.pa/nacion/campana-de-varela-recibe-financiamiento-del-opus-dei-911321

(5) https://www.prensa.com/mundo/Varela-todavia-entendido-impacto-JMJ_0_4996000362.html

(6)

https://laicismo.org/gobierno-de-panama-dona-millones-de-dolares-a-la-iglesia-catolica/

(7)

http://laestrella.com.pa/panama/nacional/bella-residencia-donde-hospedara-papa-francisco/23965851

(8)

En Panamá, por ejemplo, el propio Marcial Maciel estableció el 6 de diciembre de 1984 tres empresas offshore: First Fountain, Dawn Development Company y Southwest International, Inc., con el auxilio del despacho International Legal Advisors, competidor con Mossack Fonseca en la creación de compañías ‘fachada’ en paraísos fiscales.

Quelle: https://contralacorrupcion.mx/web/paradisepapers/legionarios/      Von   RAÚL OLMOS

 

Erinnerung an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Datum: 15. Januar 2019

Fernsehsendung | Jahrestag

Vor 100 Jahren, am 15. Januar 1919, wurden die beiden Sozialisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf bestialische Weise in Berlin ermordet, inszeniert von der herrschenden SPD (u.a. Ebert), diese SPD nannte sich nun "staatstragend" und sowieso anti-revolutionär. An Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sollten sich auch bürgerliche, antisozialistische Kreise erinnern, vor allem auch an das Wort der großen Humanistin Rosa Luxemburg "Die Freiheit ist immer die Freiheit der anders Denkenden". Das mussten auch bürgerliche Kreise in Deutschland langsam lernen... Siehe zu dem Thema meinen Beitrag auf der website mit einem Hinweis auf eine ARTE Dokumentation am 15.1. 2019 zu später Stunde. Und die Buchempfehlung: Sebastian Hafner, "Die deutsche Revolution", jetzt neu erschienen im Rowohlt Verlag. Ein wichtiges Thema ist auch: Rosa Luxemburg und die Spiritualität, klicken Sie hier.

Revolution! Welche Revolution? Eine mystische, eine spirituelle Revolution! Ein Salon-Abend über Thomas Merton.

Datum: 25. Januar 2019

Uhrzeit: 19.00 bis 21.00

Salons

Am Freitag, den 25. Januar 2019, um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin Wilmersdorf.

2019 ist ein Jahr des Gedenkens an die „Revolution(en) 1918/1919“. Zahlreiche Ausstellungen gerade auch in Berlin sind dem Thema gewidmet. Siehe dazu die vielen lesenswerten Beiträge im „Museumsjournal Berlin und Potsdam“ Heft 4/2018! (6,90 €)

Der religionsphilosophische Salon stellt sich dem Thema: Über die Religionskritik von Karl Marx (und den aktuellen Klassenkampf) hatten wir bereits einen interessanten Abend 2017 gestaltet.

Nun also: Thomas Merton, (1915-1968), der wahrlich berühmte katholische Mönch in den USA: Der Kampfer gegen den Vietnamkrieg, der Autor, der Liebhaber, der Anstifter für einen christlich-buddhistischen Dialog, und dies vor allem: Der Mystiker, der heute weltweit wie ein „Lebemeister“ (ein Wort von Meister Eckart) auch viele „Nichtglaubende“ inspiriert. Bekanntlich stellte der Mönch Thomas Merton in seiner letzten Rede in Bangkok 1968 einige Aspekte des Marxisten Herbert Marcuse vor.

Wir fragen mit ihm: Kann eine indivuell gelebte, spirituelle Revolution, vernünftig-kritisch reflektierend und politisch, die geistige „Basis“, um in diesen verrückten Zeiten als Mensch zu überleben?

Herzliche Einladung und die Bitte um eine email Anmeldung an: Christian.Modehn@berlin.de

Zur Einführung empfehle ich das antiquarisch (preiswert) noch erreichbare Taschenbuch: Thomas Merton: „Zeiten der Stille“. (Herder Verlag), wichtig in unserem Zusammenhang ist vor allem der Beitrag "Um der Weisheit willen den Aktivismus zügeln" (S. 81 bis 88), auch verweise ich auf meinen Beitrag über Thomas Merton, auf der website veröffentlicht. Als Voraussetzung für eine sinnvolle Teilnahme an diesem Salon ist auch das Buch von Thomas Merton "Sich für die Welt entscheiden" (Arbor Verlag) sehr zu empfehlen, etwa die Beiträge ab Seite 53 ff. über Kontemplation und auch die Texte auf S. 120 und 122, S. 154 und zum Zusammenhang Kloster-Politik: S. 163f.

 

 

Wo können wir noch Halt finden? Ein Ra­dio­sen­dung NDR Kultur am 20.1.2019

Datum: 20. Januar 2019

Uhrzeit: 8.40 bis 9.00

Ra­dio­sen­dung

Wenn immer mehr unsicher wird: Eine Ra­dio­sen­dung von Christian Modehn, NDR Kultur, 20.1.2019 um 8.40 Uhr

Über das Haltfinden

Viele Gewissheiten von einst gelten nicht mehr: Dass die Zukunft, global betrachtet, besser wird: Das glauben nur noch wenige. Wir leben heute auf schwankendem Boden, dem Absturz nahe. Hilft da die Flucht in den Rausch, etwa in den Konsumrausch? Oder sollten wir eher Halt suchen im freundlichen Miteinander? In der Solidarität? Vielleicht sind Philosophien und Religionen eine bleibende “Stütze“ im bedrohten Leben. Weil sie die Vernunft aktivieren?

Die Sendung kann als Text nach gelesen oder als Wortbeitrag "nach" gehört werden, siehe LINK:

Der fantastische Jesus. Ein Beitrag im Radio zum Weihnachtsfest.

Datum: 5. Januar 2019

Ra­dio­sen­dung

Weihnachtsgeschichten der frühen Kirche

Eine Ra­dio­sen­dung von Christian Modehn. Der Beitrag wurde am 25. 12. 2018 um 9.04 gesendet. Weil die Weihnachtszeit  bis zum Fest der Heiligen Drei Könige (6.1.) dauert: Ist die Sendung immer noch inspirierend...DOWNLOAD

„Es begab sich aber zu der Zeit ...“. So beginnt die bekannte Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium.

Darüber hinaus finden sich über die Geburt Jesu und den Alltag in der Heiligen Familie weder bei Lukas noch beim Evangelisten Matthäus erschöpfende Hinweise. Mit so mageren Informationen wollten sich die ersten Christen aber nicht zufriedengeben. Sie verfassten, von frommer Fantasie geleitet, weitere Legenden und Erzählungen, sogenannte „apokryphe“, verborgene Evangelien: Da wird von der Geburt in einer Höhle berichtet, von neugierigen Hebammen und den Eltern der „Gottesmutter“ Maria. Das wundertätige Baby entwickelt sichzum trotzigen, frechen Jungen. Die Kirchenführung ignoriert diese Texte; das fromme Volk sowie Künstler und Schriftsteller lassen sich von ihnen bis heute inspirieren. „Der Glaube braucht fantastische Bilder“, sagen Liebhaber dieser ersten „Jesus-Romane“.

„Unterbrechungen – Abstandnehmen – Freiwerden“: Ein philosophischer Salon anläßlich von Weihnachten

Datum: 14. Dezember 2018

Salons

Ein philosophischer Salon am Freitag, den 14. Dezember 2018 um 19 Uhr.

Unterbrechungen sollten zu (m)einer Lebensphilosophie gehören. Unterbrechungen sind zum Beispiel Feste und Feiern. Wenn wir sie denn als wirklichen Ausstieg aus dem Alltag gestalten. Darüber wollen wir sprechen. Denn auch Weihnachten ist – eigentlich - eine Unterbrechung.

Und es wird philosophisch kaum bedacht: In den Mythen der Bibel wird sogar von einer Unterbrechung Gottes in seinem Himmel berichtet: Der ewige göttliche „Logos“ verlässt den Himmel und wird Mensch in Jesus von Nazareth. Der Logos als armer Mann. Man lese im Neuen Testament mal den Philipperbrief, Kap. 2, Verse 6 bis 9. Wenn Gott ein Mensch wird, dann wird der Mensch als Mensch aufgewertet, so, dass er Göttliches in sich hat. Eine uralte Einsicht, auch bei Feuerbach. Man lese aber auch den Philosophen Meister Eckart. Der sagt klar: Der Mensch „hat“ etwas Ewiges, Göttliches. (Man lese Meister Eckart, Vom Wunder der Seele, Reclam Heft, Seite 64 und 65, 3 Euro!). Ist das plausibel?

Ein philosophischer Salon also mit einigen (hilfreichen) religionsphilosophischen Überraschungen. Und auch mit Wein und etwas Gebäck...

Herzliche Einladung und die Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Wir treffen uns in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, in Wilmersdorf.

Für die Raummiete bitte ich um 5 Euro, Studenten haben freien „Eintritt“.

Christian Modehn