Ein neuer Tempel in Berlin: Zu Ehren der vielen säkularen, weltlichen Götter

Polytheismus – die vorherrschende Religion in Berlin.
Ein leicht ironischer Hinweis von Christian Modehn am 27.6.2026

Ein Vorwort:
Eine große Tempelanlage für die größte Konfession in Berlin ist eigentlich schon seit langem erforderlich: Für den modernen säkularen Polytheismus, den Glauben an einen der vielen weltlichen Götter. Schließlich nennen sich etwa 70 Prozent der Berliner Bevölkerung „Konfessionslos“, und dieser Titel bedeutet sicher ein Nein zum Monotheismus der Christen, Juden und Muslims, hat aber auch nichts mit dem Bekenntnis zum Buddhismus oder Hinduismus zu tun. Und der „klassische“ kämpferische Atheismus als Nein zum Monotheismus ist auch heute eher selten.
Es geht also um neue Formen des Glaubens, des Glaubens an die modernen vielen Götter, an die leidenschaftliche Bindung an einen der weltlichen oder am besten gleich an mehrere, wesensverwandte weltliche Götter. Wir nennen den Viel-Götter – Glauben deswegen einen säkularen Polytheismus, weil die Götter, die da verehrt werden, nur weltlich, also nur säkular sind. Von Transzendenz ist bei diesen Göttern also keine Spur, alles dreht sich hier um die eingeschlossene, abgekapselte Welt, also die Bindung an die endlos gedachte nur weltliche Welt ohne transzendente Funken… Dinge der Welt werden dabei gern und enthusiastisch in den Rang von etwas Göttlichem, Absoluten, Hoch – Heiligen erhoben, und bestimmte Menschen werden zu säkularen Heiligen, wenn nicht zu Göttern erklärt (siehe die Bewunderung für Musk in den USA).
Dies also ist ein neues Thema für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, Religionswissenschaft und Soziologie. Wir sprechen davon in einer Form einer milden Satire, deren phantasiereiche Beschreibung so unwahrscheinlich ja nicht ist, zumal der Viel-Götter-Kult heute weltweit absolut sich durchsetzt. Das Denken schließt sich ins nur Weltliche – Dinghafte ein, bestenfalls die Kunst kann noch die Schatten eines Jenseits zeigen, die Kirchen vertreten ihre uralten Dogmen in einer abgeschotteten, sich absolut wichtig nehmenden Klerus – Welt. Dies interessiert bald wirklich niemanden mehr, vielleicht noch einige der ewigen Neurotiker aus der katholisch – rechtsextremen Szene…

1.
Am 7. Juni 2026 wurde in Berlin ein neuer prächtiger Tempel zu Ehren der vielen Götter des Hinduismus feierlich eingeweiht. „Den Polytheismus pur“, möchte man sagen, kann jeder Interessierte dort erleben. Aber, und das ist überhaupt nicht degradierend gemeint: Es sind – regional begrenzt – die vielen Götter der hinduistischen Religion Indiens, die sich da in Berlin – Neukölln zur Verehrung und Bewunderung niedergelassen haben. Hunderte Statuen von hinduistisch – indischen Göttern (Göttinnen) schmücken den Tempel innen wie außen. Zwanzig Jahre wurde an diesem Tempel zu Ehren des Gottes Ganesha gebaut … auch mit allerlei finanziellen Hindernissen: Aber der Gott Ganesha hat schließlich gesiegt: Er wird – also wohl zurecht – als der „Überwinder von Hindernissen“ verehrt und er gilt als der „Schreiber heiliger Texte“.

2.
Wenn sich der uralte, auch literarisch wertvolle hinduistische Polytheismus in Berlin nun so deutlich präsentiert, sollte man die Anregung aufgreifen und wahrnehmen: dass sich ein ganz anderer Polytheismus in Berlin (und in ganz Europa) durchgesetzt hat: Dieser säkulare, weltliche Polytheismus möchte sich nun öffentlich in einer wahrlich riesigen Tempelanlage einladend präsentieren. Denn, wie gesagt, nur 30 Prozent der Berliner Bevölkerung sind sozusagen noch klassische religiöse Monotheisten, wobei unter denen sicher auch säkulare Polytheisten, also Verehrer irgendeines weltlichen Gottes, zu finden sind. Stichwort: Liebe zum Geld…Die sündhafte Hinwendung der Monotheisten zum Polytheismus war ja bekanntlich schon das Problem der Propheten des Alten Testaments.

3.
Keine Frage: Es gibt ihn faktisch, den weltlichen Polytheismus, also die von Menschen erschaffenen Götter, die sich als Götter NICHT feierlich von selbst offenbaren, sondern Produkte der Menschen sind, also weltlich sind. Diesen „ihren“ Göttern schenken die Menschen ihre Lebensenergie, ihnen opfern sie (sich auf), sie sind der entscheidende Mittelpunkt ihres Lebens: Diese weltlichen Götter sind als hoch-heilig aufgewertete weltliche Objekte (oder auch Subjekte, Menschen) inmitten einer sonst weithin vom monotheistischen Gott entleerten Welt. Selbstverständlich kann, wie im klassischen Polytheismus üblich, der einzelne weltliche Polytheist mehrere dieser Götter verehren, also den einen mal beiseite stellen zugunsten der Entscheidung für einen anderen. Wir nennen hier schon mal einige Namen der säkularen Götter, auf die wir im einzelnen noch hinweisen: Geld, Privateigentum, Auto, Nation, Fußball usw…

4.
Der geplante polytheistische Tempel muss eine große Anlage sein. Für die vielen Götter muss ausreichend Platz zur Verehrung stehen, zur stillen Andacht, zum Preisen und Loben, zum ausdrucksvollen Bekenntnis, ja auch dies: Vielleicht auch nur zur Verabschiedung von diesem Gott, sagen wir vom Gott Auto; dies kann vielleicht sogar eine Art Bekehrung sein zu einem radikalen Atheismus. In der riesigen Tempelanlage muss also Platz sein fürs Erleben, Bedenken, Feiern und ernsthaftem Debattieren mit den anwesenden Priestern, die hier Counselors heißen, ein bißchen gebildet sollen sie sein…
Alle diese säkular -polytheistischen Tempel in der großen Anlage müssen flach gebaut sein, jeglicher Turm, der in eine irgendwie transzendente himmlische Höhe weist, ist verboten. Die Erdverbundenheit, als die Bindung an die endlos fließende total flache Welt des säkularen Polytheismus muss auch architektonisch zum Ausdruck kommen.
Es wäre sehr hilfreich, wenn dieser Tempel angesichts der Menge der Gläubigen eine gut erreichbare, zentrale Lage hätte, mitten in der Stadt, etwa auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre der Wunsch: Ihn wird der Berliner Senat, auch dort gibt es ja säkulare Polytheisten, wohlwollend unterstützen.

5.
Im Zentrum der Tempelanlage steht der mit echtem Gold verzierte Tempel für den Gott Geld, mit dem eigentlich alle Menschen immer schon sehr eng verbunden sind, auch die monotheistisch Frommen. Darum gebührt dem Gott Geld einer der Haupttempel in der weitläufigen, mit vielen bunten Blumen und allerlei Bäumen ausgestatteten Tempel-Anlage. In den kleinen Nebentempeln des Gottes Geld können auch die ebenfalls göttlichen Aktien verehrt werden oder auch Formen neuer heiliger Krypto – Währungen.
In einem ebenfalls benachbarten kleineren Tempel werden schalldichte Mauern und Türen gebaut, für Spekulanten, die bei extremen Kursverlusten dort laut schreien, weinen und heulen dürfen. Auf diese Weise sollen die Manager bei Kursverlusten nicht den persönlichen Kurs verlieren.

6.
Ein weiterer großer Tempelbau wird den Verehrern des göttlichen und immer noch offiziell heilig genannten Eigentums zur Verfügung stehen. Auf den Wänden werden stündlich aktualisiert auf Monitoren die Preisentwicklungen der Eigentumswohnungen etwa in Berlin, München, Zürich, Paris, London, New York, San Francisco, Rom und Monaco eingeblendet. Auch das Verhältnis im Bau von Mietwohnungen und Eigentumswohnungen wird dokumentiert, auch in dem Fall sind Schreie des Protestes oder des noch stärkeren Jubels der Eigentümer erwünscht. Selbstverständlich werden etliche Super – Luxus Yachten als begehbare heilige Objekte zur Verfügung stehen, nach gründlichen Reinigung in einem Pool im dritten Obergeschoß der Yacht kann man auch kurz die prächtigen Räume besichtigen, allerdings nur der Flüsterton ist auf den heiligen Super – Luxus -Yachten erlaubt. Nebenbei: Ein Glas Champagner wird „an Bord“ für selbstverständlich schon ermäßigte 50 Euro angeboten .

7.
Ein weiterer großer Tempelbau in der Gestalt einer riesigen, für mindesten 100 Fans begehbaren Kugel wird dem höchst aktuellen Gott Fußball gewidmet sein. Im Innern des Tempels werden permanent auf 100 Bildschirmen gleichzeitig alte und auch aktuelle Fernsehaufnahmen von Fußballweltmeisterschaften zu sehen sein. Ein großes Quiz wird angeboten: Wer genau weiß, wie viele Millionen Schweizer Franken Mister Gianni Infantino im Jahr verdient, kann an einem Losverfahren teilnehmen und zu einem Frühstück mit Infantino in Genf geladen werden. Die Sieger können selbstverständlich auch absagen.
Eine andere begehrte Quiz – Frage wird sein, die ich mal so formuliere: Welche Mannschaft hat 1958 im Spiel El Salvadors gegen die Fidschi – Inseln gesiegt? Der Sieger wird zu einem Wochenende ins leider wieder mal sehr diktatorische El Salvador in Mittelamerika eingeladen. Absagen der Gewinner sind – Stand jetzt – sehr ratsam, um nicht durch Zufall in einem der berechtigten Massen – Gefängnisse des Präsidenten zu laden.

8.
Der längste Flachbau auf der großen Tempelanlage der „säkularen Götter“ wird der Gestalt eines iPhones sehr deutlich nachempfunden sein. Von 1000 angebrachten iPhones werden die Tempelbesucher permanent berieselt mit Life – Plaudereien von iPhonenutzern aus aller Welt in mindestens 100 verschiedenen Sprachen. So wird Kakophonie in Kalophonie umgewidmet. Ob die Tempelbesucher die eigenen iPhones oder die Handys am Tempeleingang abgeben müssen, um möglichstnvom eigenen Trieb des Klickens nicht verführt zu werden, darüber wird noch der Bundestag entscheiden.

9.
Ganz im klassischen Bordell – Rot, wir sagen es ehrlich schon jetzt, wird es eine gewaltige begehbare Penis – Nachbildung im Tempel – Park geben. Aus dem „Milieu“ kommt bereits der Vorschlag, diesen Tempel, gelagert im spirituellen Zentrum des Tempelbezirks der säkularen Götter, entweder „Sanctus Penis“ oder „Sanca Vulva“ zu nennen… Um Orgien in diesem Tempel einzugrenzen, sollen die in der Szene bekannten „Schwestern vom Orden der perpetuellen Indulgenz“ ein bißchen für erotischen Anstand sorgen.

10.
Polytheistische Ordnungskräfte werden einen weiteren, allerdings hoch umstrittenen Tempel sichern müssen: Den Tempel des viel gesichtigen Gottes Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Dieser Gott als Einheit vieler Götter prägt die Geschichte der Menschheit seit Jahrhunderten, deswegen muss in einem eigenen Tempel daran erinnert werden. Von außen wird er – für Demokraten – betont häßlich sein, die Frage braun dominiert, Innen ist alles schwarz gehalten.
Eine explizite, verbale Verehrung dieser Götter ist in diesem Tempel untersagt. Er soll ein Tempel des Abscheus, des Neinsagens, vielleicht der Bekehrung zum wahren Menschsein werden. Rechtsradikale Parteien in Europa, also die AFD, die Le – Pen – Partei „Rassemblement National“ oder die spanische VOX Partei , aber auch Teil der US – MAGA – Bewegung planen – unterstützt von ihren Freunden in Millionärs-Kreisen, ihren eigenen, alternativen Tempel in der Nähe zu bauen. Der Staatsschutz sollte ermitteln…
Jeder halbwegs vernünftig gebliebene weltliche Polytheist kann in diesem gewaltig braun – schwarzen Tempel öffentlich seinem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, der Homophobie abschwören, er empfängt danach von den stets anwesenden Priestern, „Counselors“ genannt, eine schöne, gut lesbare Ausgabe der „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948. In einem Nebentempel werden übrigens die heiligen Rüstungsfirmen sich verehren lassen, Details werden noch ausgearbeitet. In jedem Fall werden die neuesten Panzer zur Bewunderung und Verehrung bereit stehen. „Mehr Geld für die Rüstung“ steht über dem Eingang!

11.
Selbstverständlich wird es einen Tempel zu Ehren des heiligen Autos geben. Dem Mercedes- Stern nachempfunden wird dieser Tempel errichtet, wer ihn von der zentralen der Mitte aus betritt, wird sofort von den allerneuesten Mercedes der S Klasse empfangen, auch der Merceds – Maybach S- Klasse. Die Frommen dürfen selbstverständlich diese Prachtexemplare lange Zeit streicheln, sie dürfen die Auto – Türen berühren, gegen Spenden für die Firma Mercedes (!) darf man auch ein paar Minuten innen im Auto sitzen, das Lenkrad umarmen, die Sitze bewundern. Lautes Jubeln ist erwünscht, auch das „großartig“ Rufen. Es stehen vor einigen einigen Limousinen auch Kissen bereit für Fromme, die vor dem Mercedes niederknien möchten. Kein Mann muss sich seiner Tränen der Freude schämen. Ob BMW im Tempel auch zugelassen wird, entscheiden zur Zeit die Gerichte…

12.
Wie schon angedeutet: In jedem der vielen Einzeltempel werden dem jeweiligen Gott entsprechend rituelle und kultische Vollzüge möglich sein, auch Sühneriten und Reue – Bekenntnisse sind möglich. Es stehen auch entsprechende „Priester“, hier „Counselors genannt, hilfreich und kenntnisreich zur Verfügung. So kann im Tempel zu Ehren des Gottes Geld der besonders Geld – Gierige, der Spekulant, symbolisch ein paar echte 10 Euro – oder 50 Euro Scheine auf einem Gold-Schälchen andächtig verbrennen, auf Wunsch auch mit Weihrauch Düften, um seinen Abschied von der Geld – Gier auszudrücken. Wer hingegen immer mehr Geld für sich wünscht, kann in Opferschalen einige hundert Euros als Spende hinterlassen, die ausschließlich zur Stütze der bedrohten Banken in Deutschland verwendet wird.

Nur dies noch: Wer von der Sucht befreit werden will, permanent seinem Gott Fussball zu dienen, also ständig Fußball im Fernsehen zu sehen, so oft Unsummen schwer verdienten Geldes fürs Stadion und den Club auszugeben, der kann im Vorraum des Tempels einen preiswerten Fußball kaufen und ihn im Tempel öffentlich vor aller Augen zertreten. Sozusagen als Ritus der Bekehrung und Befreiung von diesem zwanghaften, also letztlich lästigen und langweiligen Gott Fußball. Beim Zertreten des Balls muss der Gläubige allerdings schreien: „Ich will niemals mehr dem Gott Fußball dienen“. Dieses Versprechen wird selbstverständlich bei der üblichen Liberalität des polytheistischen Tempels nicht überprüft.
Die vielen unbeirrbaren Verehrer des Gottes Fußball können teure Memorabilien („Reliquien“) von weltberühmten Fußballer – Stars erwerben, etwa den kleinen Rest eines Schnürsenkels von Pelé oder den Fetzen aus einer Unterhose vom Star Cristiano Ronaldo.

13.
Das Projekt kann jetzt schon finanziell unterstützt werden, der Name besonders großzügiger Spender wird an der zentralen Tempel – Eingangstür eingraviert. Zu den wirklich bedeutenden, vom Projekt restlos begeisterten Förderern gehören bereits die Banken, große Immobilien-Konzerne, Hotelketten, Inhaber der großen Smartphones usw. Sie alle sind ja längst als strenge Gläubige eines der säkularen Götter bekannt. Eventuell geht der bislang unbekannte Betreiber dieses „Tempel der vielen säkularen Götter in Berlin“ auch an die Börse.
In jedem Fall sind bereits Sonderzüge der Bundesbahn nach Berlin geplant .. allein dieses Tempels wegen. Deswegen wird der Flughafen BER auch endlich stärker die internationalen Connections ausbauen. Der säkulare Polytheismus verspricht der Stadt Berlin wieder mehr Geld in die Kassen zu spielen…

14.
Die (monotheistischen) Kirchen in Berlin sind sehr irritiert vom Projekt des wahrlich nur monumental zu nennenden Tempels der weltlichen Götter: Die Kirchen sagen sich: Wir katholischen und evangelischen Kirchenführer schließen seit einigen Jahren unsere Tempel, unsere Kirchen, wir verkaufen sie, wir reißen sie ab: Was machen wir nur falsch? Und die säkularen Polytheisten bauen eine riesige Tempelanlage, weil sie so viele Gläubige haben.

Nebenbei: Unser Ratschlag an die Kirchen: Sie sollten bedenken, dass auch ihre führenden Kleriker oft auf der Spur der säkularen Götterverehrung (Geld, Macht, Kriege.. ) lebten. Man denke nur an die Päpste der Renaissance und sehe die prächtigen Kardinals – und Bischofs- Residenzen, die immer noch bewohnt werden trotz der vielen Kirchenaustritte: Aus diesen Palästen wollen die Kleriker jedenfalls – bis jetzt – nicht ausziehen und in kleine Wohnungen umziehen. Diese Residenzen werden sicher in 30 Jahren zu Tempel – Museen des einstigen klerikalen Monotheismus werden..

15.
Es bleibt für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ein dringendes Thema: Welche Bedeutung haben die hier genannten säkularen Götter für die Lebensgestaltung? Sind diese Götter befreiend, orientierend für ein humanes Leben, das den Namen verdient? Der alte „klassische“ Vorwurf atheistischer Kreise war: Die monotheistischen Religionen sind zu autoritär, gegen die Emanzipation eingestellt usw. Aber was trennt die polytheistischen säkularen, bekanntlich von Menschen gemachten Götter von dem monotheistischen Gott der Bibel? Ist nicht auch er von Menschen gemacht, vielleicht nur mit Hilfe des heiligen Geistes, wie die Dogmatik sagt? Aber wer weiß das schon genau? Und auch dies: Sind die polytheistischen Götter etwa fü rdie Emanzipation, für die Demokratie, für die universelle Gerechtigkeit? Ich fürchte die Antwort ist klar, sie heißt NEIN.
Der schöpferische Mensch schafft sich Gott und Götter. Die Differenz zwischen einem Gott der Monotheisten und einem Gott der Polytheisten, ob säkularer religiös, muss jeder Mensch für sich erkennen. Und sich entscheiden für ein Leben in Freiheit.

16.
Es muss daran erinnert werden, dass etliche Philosophen, Journalisten, Dichter und Denker usw. im 20. Jahrhundert explizit und kämpferisch den Polytheismus verteidigten und lobten, durchaus polemisch als angeblich einzig humane Alternative zum Monotheismus. Man denke an die „Nouvelle Droite“ und ihre Meisterdenker seit den 1970Jahren in Frankreich, etwa an Alain de Benoist, dessen Plädoyer für das polytheistische „Heide-Sein“ auch auf Deutsch 1982 als Buch erschien. Die „Konservative Revolution“ der rechten und rechtsextremen Meisterdenker liebt den Polytheismus.
Der bekannte Philosoph Odo Marquard (1926 – 2015) muss hier erwähnt werden: Allzu schnell übersieht man dessen reaktionäre Positionen angesichts seiner leicht zugänglichen, manchmal gewollte witzigen Redeweise. Udo Marquard hat sich in seinem Vortrag in Berlin im Jahr 1978 zu einem „Lob des Polytheismus“ hinreißen lassen (veröffentlicht in „Abschied vom Prinzipiellen“, Reclam, 1981). Und dabei behauptet, die demokratische politische Gewaltenteilung sei „ein aufgeklärter – säkularisierter – Polytheismus.“ (Seite 107). Also die für die Demokratie entscheidende Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive, Judikative – seien nur – wie im Polytheismus üblich – mögliche und immer revidierbare „Göttergestalten“ … diese drei demokratischen Gewalten nennt Marquard tatsächlich allen ernstes Götter (S. 107). Aber: Diese Gewaltenteilung ist von der Vernunft universell begründet und tatsächlich absolut fürs Leben der Demokratie geboten. Gewaltenteilung in der Demokratie ist kein möglicherweise auch wieder abzuschaffender oder abzulehnender Gott im polytheistischen Götterhimmel.
Und Odo Marquard schämt sich in dem von ihm diskutieren Zusammenhang von Polytheismus und Mythos nicht, den tatsächlich „berühmten“ Nazi-Philosophen Alfred Baeumler als Zeugen zu erwähnen, in einem Atemzug mit dem ganz anders denkenden Philosophen Roland Barthes. Jedenfalls steht für Marquard, den Schüler des ebenfalls viel zitierten Nazi-Philosophen Joachim Ritter (Uni Münster) fest: „Die Philosophie muss ihre Kollaboration mit dem Mono-Mythos (gemeint ist der Monotheismus der Juden und Christen) beenden“, so Marquard ziemlich rigoros, was er sonst ja nicht sein will…(S. 110).
Jedenfalls haben kompetente Wissenschaftler das Schwadronieren Marquards zum „Lob des Polytheismus“ differenziert zurückgewiesen, etwa die Historiker Jan Assmann und Arnold Angenendt.

17.
Der neue Tempel des säkularen, weltlichen Polytheismus trifft also eine zentrale Stimmung, Mentalität. Mit dem säkularen Viel – Götter – Glauben ist eine Auseinandersetzung geboten… zumal mit dem explizit politischen Viel – Götter – Glauben … bevor es zu spät ist und die AFD die „Kulturpolitik“ beherrscht.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Halbe Wahrheiten im offiziell – katholischen Journalismus: Zu Prof. Hans Maier (CSU)

Lobeshymen auf den verstorbenen führenden „Vorbild-Katholiken“ Prof. Hans Maier (CSU)
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.6.2026

Ergänzung am 17.6.2026: Siehe Nr. 11.

Ergänzung am 20.6.2026: Siehe Nr. 12.

…………

Am 9.6.2026 haben wir veröffentlicht:

1.
Was er alles doch alles leistete, der am 8. Juni 2026 im Alter von 94 Jahren in München verstorbene Prof.Hans Maier (CSU): Er war erstens Professor für Politische Wissenschaften, dann zweitens Kulturminister im Freistaat Bayern, dann drittens begeisterter Organist und viertens auch führender (selbstverständlich „praktizierender“) Katholik in Deutschland, vor allem in seiner Funktion als Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) von 1976 bis 1988.

2.
Das heutige ZdK hat am 9. Juni 2026 seine Trauer als eine Lobeshymne auf ihren einstigen ZdK Präsidenten Hans Maier veröffentlicht unter dem Titel: „Gesicht des politischen Katholizismus“. Und bei dem Titel bringt das ZdK das Kunststück fertig, die Bindung Maiers an die CSU (seine Karriere verdankt er Franz Josef Strauß) überhaupt nicht zu erwähnen.

3.
Etwas moderat kirchenkritisch, also kritisch gegenüber der Hierarchie und ihren Entscheidungen, wurde Hans Maier erst nach seiner Pensionierung und der Beendigung seiner Tätigkeit als ZdK Präsident. Das ist der so genannte Mut der alten Herren: die Karriere ist ja gut gelaufen, kann nichts mehr „passieren“, die Pension ist sicher, da kann man ein bißchen kritisch werden…

4.
Wir haben uns also die Mühe gemacht und den Lobeshymnen – Nachruf auf Hans Maier gelesen. Und sind über die Einseitigkeiten dieses offiziellen Journalismus wieder einmal verstört.
Und wir müssen nun die vergessenen, in unserer Sicht alles andere als erfreulichen Aspekte Maiers in aller Kürze nennen. Dafür nur einige zentrale Beispiele:

5.
1979 hatte sich der Theologe Johann Baptist Metz (Uni Münster) auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Münchner Universität beworben: Metz galt als links! Das ist das Grundübel in Bayern und für das CSU Mitglied Hans Maier. In bestem Einvernehmen mit dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger, wurde Metz selbstverständlich auch vom zuständigen Kulturminister Hans Maier (CSU) abgelehnt. Statt dessen wurde der als politisch zuverlässig geltende, eigentlich völlig unprofilierte Passauer Theologe Heinz Döring berufen. Diese Affäre bewegte damals die BRD, „Der Spiegel“ berichtete ausführlich, etwa auch über die Treue des Kulturministers gegenüber der Amtskirche: „So hievte der Minister (Maier) im März 1977 den Mainzer Professor Lothar Bossle, damals Soziologe und Politologe an der Pädagogischen Hochschule Lörrach, mit Amtsgewalt auf den Würzburger Lehrstuhl für allgemeine Soziologie – gegen die Voten des Senats, des Berufungsausschusses und des Fachbereichsrates der Universität, die Bossle für zu rechtslastig und zu wenig qualifiziert hielten.“ Quelle: Spiegel vom 6.1.1980, ein Beitrag, dessen Lektüre ich allen ZdK Mitgliedern empfehle, um nicht später wieder Totengedenken mit Lobeshymnen zu verwechseln.LINK

6.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich als betroffener Journalist an die üble Rolle Hans Maiers als Chef des Katholikentages in West – Berlin vom 4. bis 8. Juni 1980; zu der Zeit war schon Joachim Meisner Bischof in Berlin (mit Sitz in Ost-Berlin, aber mit häufiger Besuchsmöglichkeit in West – Berlin).

7.
Die Lobeshymne des ZdK auf Hans Maier vergißt die heftige Feindschaft Maiers beim Berliner Katholikentag gegen die damals frisch entstandene amtskirchen – kritische Initiative „Kirche von unten“. Sie wollte ihre Veranstaltungen inmitten des offiziellen Katholikentages anbieten, aber Pluralität oder gar Kritik waren nicht erwünscht, es ging um die ewige, bis heute viel beschworenen „Einheit“ aller Katholiken unter der Herrschaft der Bischöfe und des Papstes… so musste der Katholikentag von unten wegen der Intoleranz Maiers auf evangelische Gemeindehäuser ausweichen. Noch einmal: Danke für diese protestantische Gastfreundschaft!

Maier nannte die bundesdeutsche Initiative „Kirche von unten“ verächtlich eine Splittergruppe…Der journalistische, nicht Kirchen-abhängige Bericht über den Berliner Katholikentag wurde im SFB für die ARD im 1. Programm ausgestrahlt, an dem Film war ich als Autor direkt beteiligt. Die Tatsache, dass wir uns die journalistische Freiheit nahmen, auch und wegen des Neuigkeitswertes über den Katholikentag von unten zu berichten, weckte eine Flut von polemischen und häßlichen Stellungnahmen der konservativen Katholiken und ihrer Medien. Kein Bischof, kein ZdK Mitglied solidarisierte sich mit den Autoren und dem verantwortlichen Redakteur im SFB Johannes Huthmann; selbst Familienangehörige besaßen die Unfreudlichkeit, sich von einem Autor des Films öffentlich schriftlich zu distanzieren.
Walter Jens war objektiv und hatte Verständnis für die kritische Berichterstattung, er schrieb am 13. Juni 1980 einen entsprechenden Beitrag in „DIE ZEIT“ unter dem Pseudonym momos. Ein Zitat: „Jens lobte ausdrücklich, dass die ARD (SFB) die Bilanz des Katholikentages nicht „von den Kardinälen und Funktionären des Zentralkomitees, den großen Meistern jener zugleich ein- und vieldeutigen Kommuniqués, sondern von Teilnehmern ohne großen Rang und glanzvolle Namen gezogen wurde. Eine Bilanz von unten, ein Bilanz im Zeichen der Religion Christi, nicht der christlichen Religion“. Dann weist Walter Jens auf einen Zwiespalt im Katholikentag hin: „Wurde auf der einen Seite (im Film, CM) die Praktik der Oberen getadelt, sich nach außen hin offen zu geben, um nach innen rigoros abzuschotten- nur nicht zu viel Ökumene usw. – so sah sich auf der anderen Seite der gemachte, geplante professionell inszenierte Jugend Rummel attackiert…“. Walter Jens weist außerdem eindringlich darauf hin, wie vom offiziellen Katholikentag jegliches Gespräch mit Homosexuellen zurückgewiesen wurde, während es entsprechende Gespräche und Veranstaltungen auf dem „Katholikentag von unten“ selbstverständlich gab: Dank der evangelischen Freiheit protestantischer Gemeinden.“ (Quelle, mein Hinweis zu Walter Jens, 2013: LINK)

Die kritische Zeitschrift PUBLIK – Forum hat ausführlich über den „Katholikentag von unten“ in Berlin berichtet.

Nebenbei: Beim Berliner Katholikentag 1980 gab es noch 75.000 Dauerteilnehmer“. 2026, beim Katholikentag in Würzburg, wurden nur 34.000 Tickets verkauft, offenbar für Dauerteilnehmer. Diese Zahlen zeigen: Die eher klerikal beherrschte Form des Katholikentags hat sich offenbar nicht bewährt…Katholiken verabschieden sich von ihrer Kirche zu vielen tausend. Und die Bischöfe haben darauf keine Antwort, sinnieren über die „zunehmende Säkularisierung“…

8.
Es war natürlich Bischof Meisner von Berlin, der extrem empört war, dass vor allem junge Katholiken eigene theologische Meinungen haben, die sich auch gegen die Hierarchie richten. Solche Rebellion war der aus der DDR stammende, bekanntlich dann auch als Erzbischof von Köln bornierte Joachim Meisner weder im DDR Staat noch in der streng klerikalen Katholischen Kirche der DDR nicht gewöhnt.

Und der ZdK Präsident Hans Maier folgte als katholischer Laie treu auch diesem Oberhirten. Das ZdK (und seine Katholikentage) war also immer eine bischöflich bestimmte und kontrollierte Organisation, die Freiheit der Laien, die Pluralizäz im Glauben, gab es nicht.

9.
Wir haben uns die Mühe gemacht, noch einmal zu zeigen, wie befangen – „positiv“ offizieller katholischer Journalismus auch heute noch ist, das heißt: wie sehr nur die halbe Wahrheit veröffentlicht wird.

Dass die offizielle katholische Presse, etwa die so genannten „Bistumszeitungen“, heute nur noch sehr minimale Auflagen haben und in ca. 10 Jahren sicher verschwunden sein werden, hängt sicher mit dieser Ursünde des katholischen Journalismus zusammen: Nur die halbe Wahrheit zu sagen. Die ZDK Leute denken: Die ganze Wahrheit könnte das Image der Kirche schädigen… Aber das Gegenteil ist der Fall. Wie würde ein ZdK Bericht über Hans Maier aussehen, der deutlich zeigt: Dieser Hans Maier war ls ZdK Präsident ein den Bischöfe ergebener, treu-gehorsamer und von der CSU abhängiger Laie. Auf diese Weise glaubte er große Karriere machen zu können. Und … als alter Herr mit einer dicken Pension wurde er dann ein bißchen mutig.

Ich denke, eine kritische, gebildete Öffentlichkeit würde diesen Mut zur Wahrheit hoch honorieren: „Guck mal, das ZdK und die katholische Presse können auch selbstkritisch sein und versuchen, die ganze Wahrheit zu sagen…“

10.

Ergänzung am 15.6.2026 zum Erfolg des Katholikentages von unten in Berlin 1980:

„Der Erfolg des Berliner Katholikentages von unten (rund 50 000 Teilnehmer) beflügelte die Gegenkatholiken, die innerkirchliche Opposition organisatorisch zu verklammern. Sie gründeten im September 1980 die IKvu, die auch jetzt noch Zulauf hat, vornehmlich von Jungen, Linken und Bunten. Der Theologe Prof. Professor Greinacher führt das darauf zurück, die Mitglieder der Kirche von unten hätten »schockartig erkannt«, daß es »für die Kirche vielleicht schon fünf nach zwölf« sei. Der Exodus vor allem junger Katholiken habe ein für die Kirche vernichtendes Ausmaß angenommen – nach einer repräsentativen Umfrage besuchten 1963 noch 52 Prozent junger Katholiken zwischen 16 und 29 Jahren regelmäßig den Sonntagsgottesdienst; 1980 waren es nur noch 16 Prozent. Greinacher: »Ganze Generationen sind damit für die Kirche verloren.« (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/vierter-anlauf-a-c59c0dc7-0002-0001-0000-000014349583)

11.

Ergänzung am 17.6.2026:  Auch bei der Trauerfeier für Hans Maier am 17.6. 2026 wurde von der Präsidentin  des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ,Dr. Irme Stetter-Karp, erneut nur die halbe Wahrheit über Hans Maier verbreitet. Dr. Irme Stetter-Karp lobte Hans Maier als „Brückenbauer“, sie zitierte aus dessen Buch aus dem Jahre 2006 (!)  mit dem Titel „Keine Demokratie?“: „Die katholische Kirche muss demokratische Wege gehen, auch wenn sie selbst keine Demokratie ist“, so Maier. Dass die katholische Kirche offenbar niemals Demokratie sein kann, war für Maier selbstverständlich. Insofern war er ein dogmatisch – der Hierarchie getreuer Katholik. Er jonglierte dann im Alter „mutig“ mit „etwas Demokratie kann die Kirche doch sein“ hin und her, wie heute der „Snyodale Prozess“…

In seiner Funktion als oberster katholischer Laie hat Maier jedenfalls beim Katholikentag in Berlin 1980 de facto keine Brücken gebaut zu den vielen jungen, kritischen Katholiken beim „Katholikentag von unten“, sondern diesen Aufbruch verurteilt. Er war ein treuer Gefolgsmann der insgesamt damals sehr konservativen Hierarchie in Deutschland. Die Rede von Dr. Irme Stetter-Karp am 17.6.2026. LINK

Nebenbei: Das alte Sprichwort „de mortuis nihil nisi bene“ heißt ja NICHT: „Von den Toten sollte nur Gutes gesagt werden“, SONDERN: „Von Toten sollte nur gut, in guter Form, also der Wahrtheit verpflichtet, gesprochen werden.“ „Bene“ ist bekanntlich ein Adverb, kein Substantiv.

12.

Ergänzung am 20.6.2026:  Hans Maier hat als Kulturminister in Bayern die Berufung des Philosophen Jürgen Habermas an die LMU in München verhindert, das endgültige ablehnende Urteil sprach  er im August 1980 aus. Hans Maier warf Habermas vor, utopische Gesellschaftskritik zu betreiben, die sich von der wirklichen Praxis der Politik entferne. Die Kritik am „Utopischen“ und die Kritk alles „Linken-Kritischen“ leitete Hans Maier auch schon bei Katholikentag in Berlin im Juni 1980. Man möchte also deutlich einen Zusammenhang sehen zwischen der rigiden Abwehr Maiers als Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eines linken „Katholizismus von unten“ und der Zurückweisung von Jürgen Habermas auf einen Lehrstuhl in München LMU.

Und wir bleiben also bei unserer Feststellung der Ignoranz des heutigen ZdK gegenüber ihrem Hans Maier im Umgang mit kritischen Geistern, in seiner Funktion als Kulturminister in Bayern  wie innerhalb des Katholizismus ,,, vor seiner Pensionierung…Dann wurde Hans Maier „mutig“.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Warum macht kein kritischer, begabter Filmemacher einen großen Spielfilm: „Deutschland im Jahr 2030?“

Die 30. unserer unerhörten Fragen
Von Christian Modehn am 4.6.2026

Eine kurze Erläuterung:

Angesichts der leider unübersehbaren Zunahme der Bedeutung und damit der bevorstehenden Herrschaft rechtsradikaler Parteien in Europa, vor allem der AFD in Deutschland, wäre es eine heilsame Erfahrung für ein Millionenpublikum von Kino-Besuchern und TV -Zuschauern: Die leider ziemlich sicher bevorstehende Zukunft Deutschland in einem Spielfilm zu erzählen:
Also: Die Herrschaft der neuen Nazis.
Sozusagen als vernünftige, aber im Erzählen anhand konkreter Personen drastische Abschreckung.

Dieser Film über die leider (möglicherweise) bevorstehende Herrschaft der Rechtsradikalen und Extrem – Populisten in Deutschland könnte vielleicht noch helfen, Schlimmstes zu verhindern oder inmitten der Herrschaft der Rechtsradikalen vernünftigen demokratischen Widerstand zu organisieren…
Ein solcher auf die nahe Zukunft Deutschlands und Europas (von den USA ganz zu schweigen) gerichteter Spiel – Film ist unserer Meinung genauso wertvoll wie die permanente Erinnerung an die vergangene Nazi – Herrschaft. Ein solches auf die Zukunft bezogenes Film Projekt weckt politischen Einsatz und Widerstand.

Es geht mit dem Mitteln eines Kino – Films – oder einer Serie im Fernsehen der ARD oder des ZDF – um die emotionale wie vernünftig berührende – wirksame Warnung vor Nazi – Herrschaft jetzt – im Vorgriff, was diese Herrschaft denn bedeuten würde.
Selbstverständlich müssten auch die Politiker und Gruppen, Politiker auch der demokratischen Parteien, ins Spiel gebracht werden, die schon jetzt, 2026, in Berlin oder Brüssel, die Sache der Rechtsextremen direkt oder indirekt, unbewusst oder bewusst, vorantreiben..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Erinnerung an die Journalistin Monika Herrmann, Berlin

Erinnerung an Monika Herrmann, Journalistin in Berlin (1943-2026)

1. Ein Hinweis von Christian Modehn, am 2.6.2026

2. Die Ansprache von Thaddeus Herrmann in der Kapelle des Friedhofs „Sophien Zwei“ in Berlin Mitte anläßlich der Bestattung am 2. 7. 2026 um 10 Uhr

3. Eine Erinnerung an Monika Herrmann von Dorle Simon-Zeiske, Berlin, Dipl. Sozialarbeiterin

4. „Die Leidenschaft der Autorin Monika Herrmann galt den Armen und Obdachlosen“. Von Sibylle Sterzik, Redakteurin, Ein Beitrag für die  „Die Kirche“, Wochenzeitung in Berlin, veröffentlicht am 2.7.2026

 

1. Ein Hinweis von Christian Modehn 

Am Sonntag, dem 31.Mai 2026, ist meine liebe Schwester, die Journalistin Monika Herrmann, gestorben.

Angesichts unserer Trauer über ihren Tod können wir doch nicht darauf verzichten, an Monikas journalistische Arbeiten zu erinnern.

1943 in Berlin geboren, war sie seit 1977 als freie Journalistin tätig für verschiedene Zeitschriften, darunter für das kritische Magazin „Publik-Forum“ sowie für einige ARD-Radiosender, zumal für den Sender Freies Berlin (SFB, später RBB) und auch für das Kulturmagazin „DasFilter“. Auch etliche Bücher zum Thema Sterben und Tod hat Monika Herrmann veröffentlicht. In dem Buch „Kirche in der Stadt“ (KohlhammerVerlag 1981) veröffentlichte sie den Essay über Berlin: „Auf der Suche nach einer neuen Kirchlichkeit“.

Drei ihrer Beiträge wurden auf der Website des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons in Berlin als „Gastbeiträge“ veröffentlicht.

Ihr besonderes, leidenschaftliches, politisch-kritisches, stets mitfühlendes Interesse galt den Ausgegrenzten, den Obdachlosen und den vom Neoliberalismus/Kapitalismus arm Gemachten. Diese zahlreichen Beiträge über viele Jahre hinweg wurden vor allem in evangelischen Zeitschriften (etwa „Die Kirche“ Wochenzeitung in Berlin) veröffentlicht.

Monika Herrmann hat durch ihre Beiträge, inspiriert von kritischer Empathie zumal für die Ausgegrenzten, deutlich Spuren hinterlassen. Ihre Interviews, Aufsätze, Essays, Radiofeatures … zeugen von ihrem humanistischen Geist, der über alles Konfessionelle und Dogmatische hinausgewachsen war.

Monika Herrmanns viel beachtete Gastbeiträge in www.religionsphilosophischer-salon.de:

1. Über den Philosophen und Psychologen Roger Künkel in Berlin, vom 20.6.2011 LINK    https://religionsphilosophischer-salon.de/1672_zwischen-verstand-und-gefuhl-ein-interview_religion-und-philosophie

2.
Über Sineb El Masrar, eine Frau der islamischen Frauenrechts-Menschenrechts-Bewegung, vom 1.3.2016. LINK.  https://religionsphilosophischer-salon.de/7554_probleme-benennen-statt-zu-verschweigen-ueber-sineb-el-masrar-emanzipation-im-islam-ein-gastbeitrag-von-monika-herrmann_religionskritik

3.
Über die Jüdin Eva Kor, die die unglaubliche Kraft der Vergebung lebte, – auch gegenüber dem SS „Arzt“ Mengele, vom 6.7.2019

LINK     https://religionsphilosophischer-salon.de/1025_die-kraft-des-vergebens-eva-kor-vergibt-dem-ss-arzt-mengele_denkbar.

……..

2. Die Ansprache von Thaddeus Herrmann in der Kapelle des Friedhofs „Sophien Zwei“ in Berlin Mitte anläßlich der Bestattung am 2. 7. 2026

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste
schön, dass ihr da seid.
Trotz Traurigkeit und Trauer: Heute ist ein guter Tag. Wir verabschieden uns von Monika. Meine Mutter, eure Schwester, Freundin, Bekannte und Kollegin. Vor vier Wochen konnte sie unweit von hier, im Lazarus-Hospiz, loslassen. Endlich, möchte ich sagen, denn die Lust am Leben hatte sie schon seit einiger Zeit verloren. Dieser Prozess war so leise und schleichend, dass man ihn lange übersehen konnte. Einen großen Teil ihres Lebens hatte sie mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Sie stellte sich ihnen mit unglaublicher Kraft und Ausdauer.

Überwand sie.
Lernte, mit ihnen zu leben.
Doch dann wurden die gesundheitlichen Probleme immer stärker. So stark, dass sie den Dingen, die ihr am wichtigsten waren, immer weniger nachgehen konnte.
Rausgehen.
Unter Menschen sein.
Zuhören. Helfen und unterstützen.

Sich inspirieren lassen von den Geschichten und Schicksalen anderer.
Die Sehkraft ließ immer stärker nach. Das Gehör wollte auch nicht mehr, auch wenn sie das selbst erst ganz am Ende zugab. So wurde die Welt außerhalb ihrer Wohnung immer unberechenbarer. Sie zog sich Schritt für Schritt zurück.
Gezwungenermaßen.
Mit schlechtem Gefühl.
Denn für sie bedeutete das, sich nicht mehr kümmern zu können.
Und dabei verkümmerte sie selbst ein wenig.

Das vergangene Jahr war ein leiser Abschied von Mama. Der Krebs bebte laut in ihr. Während der Schnee- und Eisperiode im Winter verließ sie das Haus nicht mehr. Plötzlich war sie in einem Maße auf die Hilfe anderer angewiesen, das sie so nicht kannte und auch nicht akzeptieren wollte. Das war doch ihre Rolle. Ihr kleines Transistorradio wurde zum Tor zu der Welt, an der sie selbst nicht mehr teilnehmen konnte. Ich bin mir sicher, dass sie das selbst reflektiert hat. Nach außen jedoch, auch mir gegenüber, blieb sie lange unerschütterlich.

Diese Eigenschaft war prägend für ihr Leben. Gekämpft hat sie immer. Gegen ihre Gehbehinderung nach der Gehirnhautentzündung zum Beispiel. Vor allem aber für etwas: Gleichberechtigung, die Schwachen, die Vergessenen. Mit ihren Artikeln, Büchern und Radiobeiträgen gab sie Menschen eine Stimme, über die bis heute viel zu wenig gesprochen wird.
Und natürlich kämpfte sie auch für mich. Ich nahm das an und merkte erst viel zu spät, dass sie dabei sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurücknahm und ausblendete. Immer erst die anderen, das war ihre Maxime. Die anderen, das war zuerst ich. Dafür will ich danke sagen.

Dieser Kampfgeist, das uneingeschränkte Interesse an anderen, war bis fast ganz zuletzt präsent. Ich erinnere mich an einen unserer letzten gemeinsamen Gänge, nur schnell über den Hansaplatz zu ihrer Augenärztin. Auf dem Weg nach Hause brauchte sie auf jeder Bank im U-Bahnhof eine Pause, so schwach war sie schon. Eine obdachlose Frau kam auf uns zu und sprach uns an. Ich wiegelte ab. Doch Mama hob ihren Kopf und wollte schon zur ersten Frage ansetzen. Ihre Augen leuchteten. Da ist jemand, dem ich vielleicht helfen kann.

In ihren letzten Monaten sprach Mama oft über das Sterben. In Momenten, in denen es ihr noch schlechter ging als ohnehin, forderte sie es sogar vehement ein. In fast kindlich wirkenden Stoßgebeten an den lieben Gott oder in Appellen an mich. Das muss doch möglich sein, sagte sie dann. Geh doch Tabletten holen. In anderen Momenten wiederum wirkte sie gelöst und hoffnungsvoll. Bald bin ich bei meinen Eltern, sagte sie. Oft gefolgt von der Frage an mich: Kennst du die eigentlich?

Aber je mehr sich ihr Gesundheitszustand verschlimmerte, desto klarer wurde ihr Geist wieder. Ausführlich berichtete sie dann von der Vergangenheit. Über ihre Kindheit in Berlin, ihre Eltern, ihre Brüder Christian und Jochen, die Zeit in der Gemeinde, über die gemeinsame Zeit mit Konrad, ihr Wirken als Journalistin oder darüber, was ich so alles angestellt hatte. Anekdote auf Anekdote, bis sie erschöpft war, sich umdrehte und wieder das Radio einschaltete.

Wir alle haben sie auf ganz unterschiedliche Weisen kennen und lieben gelernt. Ich bin mir sicher, dass es dabei viele Überschneidungen gibt. Empathie, Liebe, Engagement, Nähe, Wut und Empörung im besten und positivsten Sinne des Wortes. So ging sie durchs Leben. So bleibt sie uns in Erinnerung.

Und deshalb ist heute auch ein guter Tag. Es ist kein Abschied. In unseren Erinnerungen lebt Monika fort. Auch wenn wir gleich ihre Urne in den Boden senken: Sie bleibt bei uns. Das ist ein schönes Gefühl und hallt hoffentlich lange nach. Denn Monika war noch lange nicht fertig mit allem. Und hat doch so viel erreicht und geschafft.

Danke für alles, Mama.

Ich möchte schließen mit dem Gedicht „Do Not Go Gentle Into That Good Night“ von Dylan Thomas, der sich 1947 genau mit diesem Zwiespalt auseinandersetze. Der Kampf endet nie. Es gibt noch so viel zu tun.

„Geh nicht in Frieden in die gute Nacht.
Wer alt ist, sollte schäumen voller Wut.
Empör dich, wenn das Tageslicht erstirbt!

Zwar wissen Weise: Dunkelheit hat Recht.
Doch weil sie selber keinen Blitz entzündet,
Gehn sie verzweifelt in die gute Nacht.

Und gute Menschen, deren schwache Taten
So gern in einer grünen Bucht getanzt,
Empör’n sich auf der letzten Lebenswelle.

Und wilde Männer, die die Sonne liebten
Verstehn zu spät, es war ein Missverständnis
Und klagen, fluchend, dass sie untergeht.

Und ernste Männer sehn, zu spät und lichtverbannt,
Auch blinde Augen könnten wie Meteore
Vor Freude strahl’n – und wüten, fast erblindet.

Mein Vater, du, hoch oben und in Trauer
 Verfluch mich, segne mich mit scharfen Tränen,
Empör dich, weil das Tageslicht erstirbt!
Geh nicht in Frieden in die gute Nacht!“

 

Zum Schluss hören wir noch ein Stück Musik und gehen dann gemeinsam zum Grab.

…….

3. Eine Erinnerung an Monika Herrmann von Dorle Simon-Zeiske, Berlin, Dipl.Sozialarbeiterin, Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose und Frauenwohnen, Wiener Str. Caritas-Verband für Berlin, 1978-2020.

Sehr bestürzt war ich als ich in der Kirchenzeitung gelesen habe, dass unsere liebe Monika Herrmann gestorben ist. Als zugewandte Journalistin und sehr treue Weg Gefährtin war sie mir in meinem beruflichen Alltag wichtig und kaum zu ersetzen. Sie verstand sofort, um was es ging und setzte sich ein für die Sache.

Monika Herrmann habe ich kennengelernt, als wir 1980 mit der ambulanten Arbeit mit obdachlosen Menschen in der Beratungsstelle Levetzowstraße anfingen. Monika nahm Anteil an unserer Sozialarbeit, die unkonventionell und auch oft auch für die Träger der Einrichtung nicht bequem war. Es war der Beginn einer ambulanten Arbeit mit Obdachlosen, in den 1980ziger Jahren ein Novum. Klar, es gab in Westberlin die Einrichtungen und großen Obdachlosenasyle, wo die Menschen einfach nur verwahrt wurden, aber es gab keine Straßensozialarbeit, keine medizinische Versorgung auf der Straße, keine persönliche individuelle Hilfe für den Einzelnen, wie Rechtsbeistand und Beratung. Da Monika in der Nähe unserer Beratungsstelle in Tiergarten wohnte, haben wir uns oft beim Gang zur U-Bahn getroffen, kurz erzählt und uns für weiteres verabredet. Irgendetwas gab es in unserer Arbeit immer, was „zum Himmel schrie“ oder “ dringend eines journalistischen Beistandes“ bedurfte. Denn wenn ein Artikel über die KNA  oder epd rausging, dann war das schon eine Kraft! Straßensozialarbeit und die Situation wohnungsloser Frauen war für sie immer von besonderem Interesse. Elend und große Not waren schon in diesen Jahren sichtbar auf dem Hansaplatz. Oft war Monika auch in der Beratungsstelle um Interviews zu führen und noch mehr zu erfahren über das „Soziale Projekt Beratungsstelle“. Es ging uns in den ersten Jahren überhaupt nicht gut. Wir kämpften an mehreren Linien, das Thema Obdachlosigkeit war alles andere als schick. Vor einigen Jahren traf ich Monika zufällig in einem anderen Zusammenhang und wir erzählten uns fast lachend, wie das „früher“ mit dem Thema so war und wie locker heute dieses Thema in den Gemeinden verankert ist.

Ach, vieles und viele gute Erinnerungen verbinden mich mit Monika Herrmann. Ihre freundschaftliche, stille und beharrliche Art werde ich in guter Erinnerung behalten. Auch ihre solidarische Anteilnahme an so einem schwierigen Feld der Obdachlosenarbeit bleibt mir unvergessen. Ich bin Monika Herrmann unendlich dankbar, für ihr Rückgrat, ihre Stärke, ihre Religiosität und für ihren Willen, mit ihrem Schreiben unsere Sozialarbeit aktiv zu unterstützen.

Wenn Monikas Beerdigung sein wird, werde ich leider nicht persönlich, aber in Gedanken dabei sein.

Herzliche Grüße
Dorle Simon-Zeiske

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4. Nachruf:  Die Leidenschaft der Autorin Monika Herrmann galt den Armen und Obdachlosen. Ihnen hörte sie zu, schrieb ihre Lebensgeschichten und setzte sich auch für sie ein, als Sie selbst kaum noch gehen konnte. Von Sibylle Sterzik, Redakteurin der Wochenzeitung „Die Kirche“ (Berlin) 

Sie schrieb als freie Autorin nicht nur sozial engagiert, sie lebte es. Monika zeigte Mitgefühl und Verantwortung gegenüber anderen. Im Hochhaus am Berliner Hansaplatz, in dem sie wohnte, war sie bekannt. Für Nachbarinnen und Nachbarn nahm sie sich Zeit, half bei Problemen, besorgte dies und das.

Verließ sie das Haus zum Einkauf, gesellte sie sich meist zu jemandem, der unten auf der Bank saß. Oft war das ein Obdachloser. Sie sprach mit ihnen, lang und intensiv, kannte keine Berührungsängste. Sie fragte, wie es geht, war interessiert, duzte immer gleich, schaffte Nähe. Ihre Leidenschaft, besonders für arme Menschen, für die vom Leben gebeutelten, ließ sie zu einem Menschen mit offenen Herzen werden. Frauen, Wohnungslose, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung, Prostituierte: Sie hörte zu und schenkte ihnen Würde.

Mit ihrer Aufmerksamkeit in ihren Artikeln oder Ra­dio­sen­dungen machte sie Schicksale sichtbar, die sonst unterm Radar liefen, kritisierte Ungerechtigkeit, forderte Unterstützung, zeigte, wie Menschen in ­Diakonie und anderen Einrichtungen sich ins Zeug legten.

Dabei mutete das Leben ihr selbst vieles zu. Schwer krank lag sie als junge Frau ein halbes Jahr im Krankenhaus. Ihr kleiner Sohn Thaddäus kam in die Obhut ihrer ­Eltern. Eine Gehbehinderung war die Folge einer Infektion. Sie prägte ihren ganz eigenen Gang, etwas wippend, immer dynamisch. Mit den Worten „Ich laufe wieder!“ rappelte sie sich auf und fing von vorn an.  Offen ging sie damit um. Im Alter ließ die Sehkraft nach. Die Makula-Degeneration schritt fort. Sie lief unsicher, stolperte, stürzte. Stand auch jetzt immer wieder auf.

Monika Herrmann lernte den Beruf Apothekenhelferin. Doch eine andere Aufgabe weckte ihr Interesse. Aus einer katholischen Familie stammend, arbeitete sie in der katholischen Gemeinde St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf mit. Ihr Bruder, Christian Modehn, der Katholische und Evangelische Theologie studiert hat, wurde ein Mentor für sie. Riet ihr zu einer ­katholischen Ausbildung, um Religion zu unterrichten. Auch das hatte seine Zeit. 1986 trat sie aus der katholischen Kirche aus, enttäuscht über deren Haltung zu Frauen, gleichgeschlechtlicher Liebe und sexualisierter Gewalt, und wurde Protestantin in der Heilandskirche Moabit.

Probier‘ es doch mal mit dem Schreiben, riet ihr Bruder Christian. Sie reichte Artikel und Interviews ein, machte Karriere als Quereinsteigerin. Von 1977 an schrieb sie für das Berliner Sonntagsblatt, die Evangelische Wochenzeitung für Westberlin. Später für das Berlin-Brandenburgische Sonntagsblatt und bis vor wenigen Jahren für „die Kirche“, „Publik Forum“ und den Evangelischen Pressedienst (epd). Sie arbeitete für den Sender Freies Berlin (SFB), für den Kirchenfunk beim Nachfolger Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), Antenne Brandenburg und den Evangelischen Rundfunkdienst (ERD).

Monika gehörte als Freie quasi zur Redaktion. Kam sie vorbei, dann nie ohne Kuchen.  Nur telefonieren oder e-mailen lag ihr nicht. Schlug sie ein Thema vor, warb sie begeistert. Dem konnte man sich kaum entziehen. Kritisch sah sie auf Kirche, etwa bei Streichungen im sozialen Bereich und schrieb darüber. Sie kritisierte auch, wenn ein ihr ein wichtiges Thema in der Kirchenzeitung fehlte, wollte mehr, weil die Sache ihr so wichtig war.  Schreiben war ihr Leben, ihre große Berufung. Es gab ihr Lebenskraft und Lebenssinn, sagt ihr Sohn Thaddeus, der heute selbst Journalist ist. Während Mutter ihre Texte einsprach, saß er im Studio und schaute zu, war dabei, wenn sie ins Konsistorium in der Bachstraße zum Sonntagsblatt oder dem epd ging.

Sie schrieb Bücher über Kirche in der Stadt, das Sterben im Hospiz. Wo sie einst dafür recherchierte, verbrachte sie ihre letzten Tage, liebevoll umsorgt von den Mitarbeitenden und ihrer Familie. Sie starb am 31. Mai. So viel wird bleiben.

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„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.

Ein Hinweis von Christian Modehn, geschrieben am 29.5.2026

Der Anlass
Freundinnen fragten mich: Wie kann ein Einstieg ins Philosophieren gelingen? Eine Möglichkeit: Beginnen wir, auf unsere Wörter und Begriffe des Alltags zu achten. Suchen wir den Inhalt, der über das oberflächliche, schnelle Sprechen hinausweist. Das ist ein erster Schritt. In unserer Sprache zeigt sich faktisch unsere Existenz:

Menschen leben zwischen den Räumen und zwischen den Zeiten. Dieses Zwischen zeigt: Menschen sind selten irgendwo „zu Hause“,  selten ganz „da“ oder definitiv „angekommen“. Wer aber meint, einen festen Platz ohne Zwischen gefunden zu haben, irrt, wird zum Ideologen. Die Existenz im „Zwischen“ ist der  „feste Platz“.

Das Motto
Es gilt also der Vermutung nachzugehen, dass Worte und Begriffe der Alltagssprache unsere schon faktisch gelebte „Philosophien unseres Lebens“ erschließen können.
Wir zeigen an einem Beispiel, die Vielschichtigkeit eines Wortes, selbst einer Präposition: Das „ZWISCHEN“.
Wer auf sein Leben reflektierend „im Ganzen“ schaut, kann nicht darauf verzichten, seine Existenz im ganzen als ein Zwischen zu verstehen. Dahin führen die hier vorgestellten, nicht vollständigen Reflexionen zu unserem Umgang mit der Vielfalt des Zwischen. Was auf den ersten Blick eher schlicht – für „Fachphilosophen zumal – erscheinen mag, führt in ein tieferes, wahres Verständnis der Existenz. Weiteres dazu siehe Nr. 4 in diesem Hinweis.

1.
Der Zwischenraum
Ich warte, gerade in einem Haus angekommen, auf den Einlass in den Behandlungsraum oder das Speisezimmer oder den Festsaal. Im Zwischenraum denke ich an zuvor Erlebtes, etwa den formellen oder freundschaftlichen Einlass ins Haus und warte auf das Zukünftige, das Ziel meines Besuches. Im Zwischenraum fällt die Konzentration und das Nachdenken über diesen Zwischenraum selbst eher schwer. Der Zwischenraum ist ein Wartezimmer, oft von Langeweile bestimmt.
Im Zwischenraum gibt es etwa auch die Schwelle zu bedenken, die ich überschreiten musste, um von der Eingangstür in das Wartezimmer zu gelangen und über die nächste Schwelle dann in weitere Räume, alles Zwischenräume…
Der Philosoph Dieter Thomä weist in seinem Buch „Post – Nachruf auf eine Vorsilbe“ (Berlin, 2025) auf die Schwelle hin, als dem Ort des Übergangs von einem Raum in den anderen (S. 326 ff.). „Die Schwellenlust richtet sich auf die Schwelle selbst. Die Schwelle lädt dazu ein, dass ich innehalte und eine Situation auskoste, die, so Baudelaire „transitoire und fugitive“, „vergänglich und flüchtig,“ ist. …Ich kann auf ihr nicht bleiben, aber kurz verweilen, um die Kunst des Übergangs zwischen Welt und zwischen Zeiten zu üben.“ (S. 329).

Das Zwischenarchiv
Ein Gegenstand wird aus der Ferne zugesandt, an, aber er ist noch nicht beim eigentlichen Empfänger angekommen: Er ruht also zur Abholung im Zwischenlager, im Zwischenarchiv, etwa in Rundfunkanstalten ein üblicher Begriff. Briefkästen sind auch Zwischenlager. Ein Computer voller ungelesener e – mails ist auch ein Zwischenarchiv. Wird die Information im Gehirn gespeichert, entsteht dann schon wieder ein Zwischenarchiv, ein Wissen wird dort gelagert, das irgendwann „abgeholt“ und aktualisiert wird.

Das Zwischenlager
Flüchtlinge, Asylsuchende – etwa aus Afrika – werden nach dem Willen der Demokraten zunächst in Zwischenlagern untergebracht, den sogenannten „Erstaufnahmeeinrichtungen“, welch ein Ungetüm von Wort des büroktatischen Ungeistes. Von diesen „ Erstaufnahmeeinrichtungen“ werden dann die Flüchtlinge wieder vorläufig auf andere Unterkünfte verteilt. Und dann beginnt eine Leben von der staatlicher Duldung bis hin zu einem deutschen Pass in ständigen existentiellen Zwischenräumen. Immer leben diese Menschen existentiell in irgendeinem „Zwischenlager“, sie sind nie angekommen, nie zu Hause, Menschenrechte gelten für sie nur eingeschränkt.. „Zu Hause sein“ – diesen Begriff reservieren sich viele in Deutschland geborene Deutsche und dieses „ihr von Fremden angeblich bedrohte Zuhause“ schotten sie ab, extremistisch-politisch (siehe AfD und die sich gut fühlende, bürgerliche Mitte…).
Die Zwischen-Lager als die speziellen „Einrichtungen“ für „spezielle“ („andere“) Menschen (Flüchtlinge, Gefangene, Dissidenten, Juden ….) sind Ausdruck von Nationalismus, Rassismus, von Herrschaft, die ins Totalitäre umkippen kann. Und in jüngster Vergangenheit umgekippt ist.

Die Zwischenlandung
Hier geht es um die nur hinzunehmende, eher unangenehme, weil zeitverzögernde Unterbrechung auf dem Weg zum Ziel. Die Zwischenlandung führt mich in einen Transitraum: Stilles und oft nervöses Warten und Hin -und Herlaufen in beengten Verhältnissen, Hoffen, dass der Weiterflug pünktlich gelingt. Im Transitraum spielt sich unser Leben wie auf einer abgeschlossenen Insel ab, einer Sonderwelt, die wir nicht verlassen dürfen.

Die Zwischenetage, auch Mezzanin genannt
In dem Wort ist enthalten das italienische Wort „mezzo“, „halb“. Die Zwischenetage befindet sich meist zwischen Erdgeschoss und Beletage, dem ersten repräsentativen Stockwerk. Die Zwischenetage hat niedrige, kleine, eher dunkle Zimmer, sie wurden in Gründerzeiten von den Bedientesten der Beletage bewohnt. Die Herrschaften waren etabliert, sie kannten architektonisch kein „Zwischen“-, während die aus der Fremde stammenden Bedientesten des Mezzanin auch existentiell im Zwischen lebten, zwischen dem Datum ihrer Anstellung und der oft willkürlichen Entlassung.

Die Zwischengrößen
Haben Sie eine ungewöhnliche Figur, lange Arme und kurze Beine, dicken Bauch und schmale Beine, dann brauchen Sie eine Zwischengröße. Der Kommerz der Bekleidungsindustrie denkt an alles und fördert auf seine Weise das Zwischen. Wer Zwischengrößen trägt, kann hoffen, alsbald wieder „normal“, also schlank, zu sein …oder er muss sich mit seinem Schicksal abfinden, modisch in das Normal nicht zu passen, also (da)zwischen zu sein.
Zum Zwischen in der Mode-Branche gehört auch der „Übergang“, in der Form des Übergangsmantels oder der Übergangsjacke: Wenn der Sommer vorbei ist und der Winter noch keine Kälte mit sich bringt, flüchtet man sich in Übergangs-Mode. Diese ist förmlich ein „Wartezimmer“ der Bekleidung, das überbrückende Warten auf die „richtige“ und typische Jahreszeit Winter oder Sommer…

3.
Zwischen den Zeiten
Dazu gehört die übliche Floskel „zwischen den Jahren“: Weihnachten haben Leute schon fast als Jahresende erlebt, aber es steht noch das eigentliche End-Datum Silvester, bevor:
Das Ende des Jahres erzeugt oft Irritationen, unbewusst auch Ängste vor dem Ende überhaupt. Diese Angst überspielen viele mit dem angeblich fröhlichen Silvesterspektakel wieder zu. Aber es gibt die fünf Tage „zwischen den Jahren“, die irgendwie ortlos sind, sie müssen ausgefüllt werden mit allerlei ablenkenden Aktivitäten, mit meditativen (Verdauungs-)Pausen, in der Gestaltung langweiliger Besuche. Es ist eine träge Zeit einer diffusen Erwartung: Neujahr!

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehört auch die „Pause“ , die zu als Freiraum zu genießen bekanntlich schwerfällt: Weil man inmitten der Pause doch oft daran denken muss, dass die „Pflicht“ der Arbeit, des Lernens, des Studiums alsbald und sehr schnell wieder das Leben bestimmt. Die Pause in der Opernaufführung ist dann wieder ein ganz kurzer Moment des alltäglichen Lebens – nach der „Verzauberung“ durch Musik und mit der Vorfreude auf die weitere Musik als „Entführung in „andere Welten“. Und nach dem „Opern – Erlebnis“? Wieder der Alltag mit seinen Zwischen-Stationen.

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehören auch „Ferien“, oft auch eher bürokratisch Urlaub genannt. Ferien sollten Festtage und Ruhetage sein. Sie werden aber oft nur als etwas längere Pause im Arbeitsalltag erlebt: Er hat eine solche Macht, dass die Ferien nur als Fortsetzung und Variationen des Arbeitsalltags gestaltet werden. Nicht nur in Japan soll es Menschen geben, die aus Liebe zur Arbeit auf die Ferien verzichten… Diese Menschen wollen offenbar ständig die Einförmigkeit, die Monotonie ihres Lebens, sie haben Angst vor Brüchen in ihrer zeitlichen Existenz. Das monotone Leben haben auch Menschen, die sind so arm, dass sie sich keine Ferien-Zeit leisten können. Sie leben in der Monotonie des Immer-(bettel-)arm-Seins, zu der sie die neoliberale Ökonomie getrieben hat.

Der Zwischenbescheid
Die Behörden sind freundlich und bestätigen den Eingang des Briefes, der Beschwerde usw. und fordern uns auf, zu warten, bis der endgültige Bescheid irgendwann eintrudelt. Zwischenbescheide beruhigen eigentlich nicht. Sie suggerieren uns: Die Bürokratie in Deutschland meint es mit dir gut und sie ist noch nicht ganz tot. Und die nächsten Anträge müssen ausgefüllt und auf Zwischenbescheide gewartet werden.

Das Zwischengericht
In guten französischen oder spanischen Restaurants wird nach dem Hors d` Oeuvre das Zwischengericht gereicht, es ist der kulinarische Abschied von der kleinen Vorspeise in Erwartung der Präsentation des großen Haupt – Gerichtes. Diese Erwartungsspannung auf das „Eigentliche“ kann vom gegenwärtigen Genuss ablenken.
Nebenbei: Oft machen Zwischengerichte ihrem Namen alle Ehre, weil sie selbst von der Temperatur her „dazwischen“ sind: Weder heiß noch kalt, sondern eben lauwarm. Lau ist eine Zwischentemperatur, aber auch die charakterliche Eigenschaft von Menschen, die sich nie entscheiden können. Sollen sie nun zum Beispiel leidenschaftliche Kämpfer sein oder stille meditative Mönche: Beide Lebensformen wollen „laue Menschen“ nicht, sie erfinden ihr Lausein und sehen es als eine normale, übliche Lebensform ohne Höhen und Tiefen und Verpflichtungen.

Das Zwischenurteil
In den Behörden der Gerichte gibt es oft die Zwischenurteile: Das Landgericht spricht ein Urteil, aber es wird die nächste Instanz eingeschaltet, vielleicht sogar dann auch das Bundesverfassungsgericht. Das Gerichtswesen mit den stets noch zu korrigierenden Urteilen ist eigentlich selbst ein Zwischen-Wesen. Gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann man nur den lieben Gott direkt – oder durch die Zwischen-Instanz Kirche ? – anrufen als den letzten und definitiven Richter.

Die Zwischenhölle
Aber auch der liebe Gott kennt – in der katholischen Version- sein Zwischen: Es gibt die Vor- Hölle, erfunden als Ort zwischen Tod und ewiger Verdammnis in der Hölle: Es gibt auch einen speziellen Zwischen – Ort, den Limbus puerorum, die Zwischenhölle der Kinder, erdacht von katholischen Theologen. Im Limbus befinden sich die ungetauft verstorbenen Babies. Sie sind verdammt, weil sie keine Taufe erlebten, also nicht von der total für alle Wesen geltenden Erbsünde befreit werden konnten. Papst Benedikt XVI. hat allerdings eine Zwischenlösung verordnet, indem er diese Zwischenhölle der ungetauften Kinder als ein nicht mehr als zum Glauben verpflichtendes Dogma definierte. Wie reformbereit doch dieser Papst war! Aber ganz abschaffen wollte Papst Ratzinger diesen himmlisch – höllischen Zwischenraum nicht. Er nahm Rücksicht auf die vielen naiv – reaktionären Katholiken, die gern an dieser Vorhölle – als Zwischenraum vor der endgültigen Verdammnis – festhalten…

4.
Unsere unvollständigen Hinweise zum vielfältigen alltäglichen Gebrauch des Wortes „Zwischen“ zeigen: Wir sind – nicht nur sprachlich – ständig umgeben und bestimmt von „Zwischen“ .Und diese Reflexionen auf das „Zwischen“ sind alles andere als philosophische Spielereien, sie können die Existenz insgesamt erhellen:
Denn mit jedem Gebrauch des Wortes Zwischen werden wir an die Übergänge mitten in unserem Leben erinnert.
Die Geburt ist ein entscheidender Übergang: Vom schützenden, nährenden Leib der Mutter treten wir in die sich langsam gestaltende Freiheit der individuellen Selbständigkeit ein. Aber auch der Prozess des „Erwachsenwerdens“ und das Leben als „Erwachsener“ ist immer von Übergängen bestimmt, von dem Zwischen des Abschieds von einer Lebensphase und dem Eintritt in eine neue.
Für uns ist die Erkenntnis wichtig: Die menschliche Existenz selbst selbst ist ein „Zwischen“, eine ständige Bewegtheit – zwischen einem ständigen Abschied und einem ständigen „Neustart“. Jeglicher Glaube an ein definitives Angekommensein, an ein endgültiges Etabliertsein auf dieser Lebenslinie wird zurückgewiesen.
Das lineare Zeitverständnis allerdings sollte aufgehoben werden von einer vertikalen Dimension, die als Transzendentes „in uns“ immer schon anwesend ist, in unserem Geist, in der Vernunft: Dieses innere Transzendieren reicht in eine größere, „ewige“ Transzendenz. Sie kann und soll die existentielle Unruhe des Lebens in den vielen Zwischenräumen zwar nicht aufheben, aber sie kann sie mit einem besonderen Sinn erfüllen.

5.
Wichtig bleibt: Ein lineares Zeitverständnis mit den vielen Zwischen – Zeiten und Zwischen – Räumen in unserem Leben führt zur Frage nach der Ganzheit unserer Existenz: Wir stammen von Eltern, die selbst erzeugt wurden, alle sind Geschöpfe, die ihre schöpferische Kraft weitergeben. Wir sind also nicht von unseren Eltern „erschaffen“, weil diese ja selbst Erschaffene sind.

6.
Um nicht nur vom Anfang unseres Lebens zu sprechen: Wir gehen auf ein definitives Ende unseres Lebens zu, das heißt auf das Verschwinden unseres Körpers …Etliche Philosophen lassen, wie es sich philosophisch gehört, diese Frage offen: Was denn „danach“ kommt für unseren Geist oder unsere Seele. Unser Körper wird in der Bestattung zu Asche verbrannt. Und einige fragen: Aber wird dabei auch Geist und Seele verbrannt? Oder sind sie als etwas Ewiges IM Menschen zu verstehen?

7.
In diesem Hinweis auf eine Philosophie anläßlich unserer Erfahrungen mit dem Zwischen fehlen noch gewisse Alltags – Sprüche, vielleicht „Weisheitssprüche“.
Zwei Beispiele:

Unsere LeserInnen müssen nicht die Kunst beherrschen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen: Wir wollen klar und eindeutig sprechen. Wer zum Lesen „zwischen den Zeilen“ neigt oder wegen der politischen Verhältnisse dazu gedrängt wird, weiß: Im Text selbst wird Wichtiges verschwiegen: Etwa aus Angst vor der Zensur. Zwischen den Zeilen lesen, diese kaum zu lehrende Kunst des Verstehens, entwickeln Dissidenten. Und sie schreiben auch oft „zwischen den Zeilen“, verständlich für Eingeweihte, von der dummen Zensur übersehen. Man denke an Christa Wolfs großen Roman, in der DDR verfasst, „Kassandra“. Wer nur zwischen den Zeilen schreiben darf, verschleiert auch sein eigenes Elend im Unrechtsregime. Lebst nicht gesund…Also: „Zwischen“ kann auch auf die stets gefährdete Existenz aufmerksam machen.

Oder: Zwischen zwei Stühlen sitzen: Wer eine besondere politische, kulturelle oder religiöse Meinung hat, etwa: wer links ist, aber aus guten Gründen weder zur SPD noch zur KPD neigt, der sitzt zwischen zwei Stühlen. Wird als Rebell bezeichnet etc.. Manche Literaten schreiben so ungewöhnlich, dass sie „zwischen allen Stühlen der literarischen Formen sitzen“, vielleicht gilt das für DADA oder den Surrealismus.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Spanien: Abschied von der „katholischen Nation“ . Zum Papst-Besuch im Juni 2026

Eine „apostolische Reise“ ist immer eine große Papst-Show….
Ein Hinweis vom Christian Modehn am 29.6.2026

Dieser Beitrag hat zwei Teile:

Zuerst wird gezeigt: Heute ist Spanien keine katholische Nation mehr. Das angesehene spanische Nachrichten-Portal „Religion digital“ berichtet am 29.5.2026: Nur 56 Prozent der Spanier nennen sich katholisch, LINK

Im zweiten Teil ein kurzer Hinweis auf die Wirkungsgeschichte von Papstreisen ins Ausland, vom Vatikan „apostolische Reisen“ genannt: Sie sind meist nicht mehr als katholische Spektakel, gut inszeniert, durchaus mit politisch – kritischem Inhalt in den mahnenden Predigten der Päpste. Aber diese „päpstlichen Pilgerfahrten“ bleiben meist ohne nachweisbare politische Wirkungen und ohne die erhofften „missionarischen“ Resultate. Das Thema „Wirkungen der `apostolischen Reisen`“ der Päpste wurde bisher wissenschaftlich, also soziologisch und religionswissenschaftlich, noch nicht untersucht.

Erster Teil: Katholizismus in Spanien:

1.
Die Bevölkerung Spaniens, des einst erz-katholischen Kernlandes Europas, verabschiedet sich, sozusagen kontinuierlich, aus der katholischen Kirche. Bestenfalls volksreligiöse Bräuche, wie die „semana santa“ oder Wallfahrten und Heiligen – und Reliquienkulte, interessieren noch viele „Nicht – mehr – kirchlich – gebundene“ SpanierInnen … auf der Suche nach der eigenen, subjektiven, dogmen-freien Spiritualität. (Quelle: LINK

Bürgerliche Kreise schicken ihre Kinder noch gern in katholische Privat – Schulen, weil sie dort eine katholische und gut- bürgerliche Bildung erhalten: Es gibt jetzt ca. 1.900 katholische Privatschulen mit ca. 1,5 Millionen SchülerInnen bzw. StudenTinnen. (Quelle: LINK

2.
Der extrem zahlreiche sexuelle Missbrauch durch Priester, oder auch die entsprechenden Verbrechen von Mitgliedern etwa des katholischen Ordens „Legionäre Christi“, haben den Abschied von der katholischen Kirche nur gefördert. Etwa 236.000 Opfer dieser Untaten von Priestern soll es geben, so eine gemeinsame, staatliche – kirchliche Kommission, Quelle: LINK https://www.domradio.de/artikel/spaniens-kirche-wird-missbrauchsopfer-entschaedigen

3.
Demokratische Kreise wissen einiges, welche Rolle die sehr diskrete, politisch – ökonomisch einflußreiche Geheimgesellschaft, das `Opus Dei“, in konservativen „Eliten“ und der Partei PP (der Nachfolgepartei Francos) spielt. In Spanien soll es 33.000 Opus Dei Mitglieder geben, und sicher viel mehr Sympathisanten: Denn bekanntlich müssen Priester und Bischöfe nicht offiziell Mitglieder im Opus Dei sein, um im Sinne dieses „Werkes Gottes“ zu denken und zu handeln. Die offizielle spanische Opus Dei – website zeigt die bedeutende Verbreitung in Spanien: LINK

4.
Es ist also eine Mischung aus vielfältigen Erfahrungen und Einsichten, die Spanierinnen in den letzten 50 Jahren massiv veranlasste, die Bindung an Katholische Kirche aufzugeben.
Dieser Abschied wird sich kaum noch „korrigieren“ lassen, auch nicht durch den intensiv propagierten Besuch Papst Leos in Spanien: vom 6. bis 12. Juni wird er Barcelona besuchen (u.a. die Kirche „Sagrada Familia“ von Antonio Gaudi), sowie Madrid und Teneriffa.

5.
Wie viele die SpanierInnen nennen sich heute noch katholisch? Jetzt sind es nur 46 Prozent, wie „Religion digital“ berichtet. Vor einem Jahr , 2025, wurde noch dokumentiert: „52 bis 55 Prozent nennen sich katholisch.“ Vor 50 Jahren, am Ende des Franco -Regimes, nannten sich noch fast 100 Prozent der SpanierInnen katholisch.
Konfessionslose, eine bunte `Mischung` auch mit Atheisten und Agnostikern, bilden sozusagen die zweitstärkste „weltanschauliche Gemeinschaft“.
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.
Sehr wichtig werden die 1,5 Millionen Protestanten, bei denen es sich ganz überwiegend um neue Pfingstgemeinden handelt, die vor allem in den Armen – Viertel der Latinos einen rasanten Aufschwung erleben und Gast – Prediger aus den USA bzw. dem Umfeld von Trump empfangen…Es gibt 23.000 katholische Kirchen als Pfarreien und schon 4.700 evangelische bzw. pfingstlerische „Tempel“…
Etwa 50.000 Juden leben heute in Spanien.

6.
Atheisten haben in Spanien, zumal in Katalonien, eine einflußreiche Organisation. Sie sehen in der staatlichen finanziellen Förderung der Papst – Reise jetzt einen Widerspruch zur – von ihnen behaupteten – religiösen Neutralität des Staates und sie wehren sich insgesamt gegen eine privilegierte Behandlung der Kirche durch den Staat, mit Verweis auf die aktuelle Konfessionsstatistik. Quelle: LINK

Zweiter Teil:

Die meisten der so genannten „Apostolische Reisen“ der Päpste – seit Johannes Paul II. – in alle Welt dürfte man als eine katholisch inszenierte Show zur öffentlichen Stärkung des Papsttums mit politischen Akzenten, Empfängen, Vorträgen, Predigten deuten.
Zu den Kosten: Nur ein Beispiel: Die „Apostolische Reise“ Papst Benedikt XVI. nach Deutschland im Jahr 2012 hat 30 Millionen gekostet, ein Beleg für viele und weiteres: LINK .
Die aufwendigen, teuren Papst – Reisen sind wirkungslose Termine, die den Staaten und der dortigen Kirche viel Geld kosten, vom CO2 – Verbrauch des Hin – und Her – Fliegens ganz abgesehen.

7.
Wird die „apostolische Reise“ Papst Leos nach Spanien die große Wende, die Rückkehr, zumal der jungen Generation, zur katholischen Kirche bringen? Ist seine apostolische Reise ein „Durchbruch“ der päpstlich ständig erwähnten „neuen Missionierung Europas“? Das ist sehr fraglich. Dass sich jetzt – wie in Frankreich – auch in Spanien einige hundert Erwachsene pro Jahr taufen lassen, wird von vielen Bischöfen als kleines Wunder gewertet, dabei aber wird übersehen, wie viele tausend Katholiken aus der Kirche jährlich austreten…

8.
Es ist also sehr treffend zu vermuten: diese Reise des Papstes nach Spanien wird, wie die meisten Reisen früherer Päpste, keinen erhofften „katholischer Aufbruch“ erzeugen. Es wird wie so oft ein Medienspektakel bleiben und viele Bilder in überfüllten Kirchen und Plätzen erzeugen: Jubel, Trubel, fromm eingegrenzte Heiterkeit. Es wird selbstverständlich die üblichen mahnenden Worte an eine linke Regierung geben, also an die sozialistische Regierung, sie möge doch dringend den Lebensschutz respektieren und Sterbehilfe, Abtreibung und Homoehe verbieten…Auf diesem Terrain glauben die Päpste noch etwas weltliche Macht zu haben.
Die Erkenntnis ist: Die apostolischen Reisen der Päpste unterstützten immer die politisch konservativen Parteien, die „Pro Life“ eingestellt sind.
In Spanien wird sich Leo wieder als „Sohn des heiligen Augustinus“ (so das offizielle päpstliche Selbstverständnis) präsentieren und den Besuch eines Augustiner-Klosters einplanen und seine Predigten mit Augustinus – Zitaten verzieren, allerdings immer Zitate des frühen, des noch sympathischen Augustinus. Der dogmatische, herrschsüchtige Augustinus im Alter wird klugerweise vom Augustiner Papst Leo immer verschwiegen: Über die gräßliche Erbsünden-Ideologie des alt gewordenen Augustinus hat Papst Leo bisher nicht gesprochen, geschweige denn sich davon distanziert… Der Augustiner- Papst Leo präsentiert seinen „Vater“ als liebevollen, weisen und aktuellen „Meister“…. dabei ist er ein Philosoph und Theologe aus den nun wirklich fernen Zeiten der Antike, 4. und 5. Jahrhundert.

9.
Für eine katholische „Renaissance“ in Spanien, befördert durch eine apostolische Reise“ wie auch anderswo in Europa, ist es – theologisch betrachtet – ohnehin zu spät: Zu viele Verbrechen, Skandale, politische Machenschaften rechtsextremer Katholiken belasten diese Kirche; zu sehr klebt die katholische Moral und Dogmatik insgesamt fest an überholten religiösen und moralischen Vorstellungen. Kritische, vernünftige Katholiken suchen ihre Spiritualität außerhalb dieser Organisation, die angesichts des nur universell zu nennenden Missbrauchs nicht auf den Gedanken kommt, wenigstens das gesamte betroffene bischöfliche Personal auszutauschen.

10.
Eine Wende (Utopie!) wäre vielleicht doch noch möglich: Wenn der Papst das Zölibatsgesetz von heute auf morgen aufheben würde, das könnte er, rein rechtlich gesehen; wenn er Frauen zu DiakonInnen und PriesterInnen weihen würde; wenn er den dickleibigen offiziellen Katechismus von 800 Selten auf 80 schrumpfen würde, wenn er Demokratie als Form katholischen Lebens insgesamt erlauben würde und damit auch die Allmacht des Papsttums und des Kleriker-Unwesens abschafft: Das alles gehört zur Kategorie „Utopie“.

11.
Hat man jemals wissenschaftlich, empirisch, soziologisch und kritisch – theologisch untersucht, was denn diese vielen „apostolischen Reisen“ der Päpste seit Johannes Paul II. an kirchlicher Erneuerung oder politischer Reform zugunsten der Menschenrechte bewirkt haben? Solche auf Fakten basierten wissenschaftlichen Nachweise gibt es nicht. Lediglich die Reisen des polnischen Papstes in seine kommunistische Heimat haben sichtbare Wirklungen gezeigt: Und das Ende des Kommunismus mit befördert…

Aber: Was hat denn die apostolische Reise, eigentlich eine Ein-Tages-Spritztour im Helikopter, Papst Leos ins Fürstentum Monaco, diese Oase der Milliardäre, bewirkt? Haben diese Herren einige Millionen für die verhungernden Völker in Afrika gespendet?
Oder: Welche Wirkungen hat die Fünf Tage Reise von Papst Franziskus in die Mongolei? Wahrscheinlich hat er jedem der 5000 in der Mongolei lebenden Katholiken persönlich die Hand geschüttelt. Und er hat sein spezielles päpstliches Image poliert und sein Ego gepflegt: „Die Katholiken ganz am Rande bevorzugt zu schätzen.“
Ein anderes Beispiel:
Ließen sich die Deutschen nach den „apostolischen Reisen“ etwa Papst Benedikt XVI. in Deutschland davon abbringen, aus der Kirche auszutreten? Sind etwa die Priesterseminare nach dieser Papst – Show und den vielen frommen Worten wieder mit „Seminaristen“ gut „bestückt“? Nachweislich nicht. Hat der Besuch Johannes Paul II. in den Niederlanden die progressiven Katholiken an die dort als reaktionär empfundene Kirche noch einmal binden können? Absolut nicht. Heute ist die katholische Kirche in den Niederlanden eine stets kleiner werdende Minderheit.
Die vielen Reisen Johannes Paul II. nach Lateinamerika haben die reaktionären Kreise in der Hierarchie und dem Klerus nur bestärkt, in Peru etwa das dort allmächtige Opus Dei oder die heute endlich (!) als verbrecherisch freigelegte katholische Organisation „Sodalicio“. Von der Verfolgung der linken katholischen Befreiungstheologen ganz zu schweigen. Diese „apostolischen Reisen“ waren für die Kirchen Lateinamerika eher eine Katastrophe.
Ein anderes Beispiel aus der langen Liste der „apostolischen Reisen“: Hat sich irgendein – zudem oft katholischer ! – Diktator irgendeines afrikanischen Landes, sagen wir in Kamerun oder in der „Demokratischen Republik Kongo“, einst Zaire, oder auch auf den Philippinen, nach den Papst – Besuchen der Demokratie und den Menschenrechten zugewandt und die privat erbeuteten Millionen – Dollar Konten in der Schweiz aufgelöst? Nachweislich nicht.

12.
Es sind eigentlich die Armen, die sich freuen, dass mal ein gut versorgter und gute genährter, letztlich immer in feinen Gewändern gekleideter europäischer Herrscher, freundlich lächelnd, also der Papst, bei Ihnen im Elend vorbeischaut und aufmunternde, tröstende fromme Worte verbreitet. Ihnen wäre wohl mehr geholfen, wenn wenigstens die Kirche umfassende Gerechtigkeit gegenüber diesen Armen leiblich – materiell spürbar leben würde, also sichtbar auf den eigenen Luxus des katholischen Kirchenlebens in Europa und Nordamerika verzichtet und alles tut, dass endlich diese himmelschreienden Lebensbedingungen der Armen im Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, und so weiter und so weiter überwunden werden. Voraussetzung wäre: Der Papst und sein klerikaler Club beteiligt sich selbst an diesem globalen Gerechtigkeitsprogramm, mit der sichtbaren Konsequenz: Papst und Kardinäle ziehen in einfache Verwaltungs- und Wohngebäude um und gestalten den Vatikan definitiv als ein großes Museum…

13.
Darum merke, bis zum Fakten – Nachweis des Gegenteils: Die „apostolischen Reisen“ der Päpste quer durch die Welt dienen zuerst und zunächst dem Ego der Päpste, sie sollen den machtvollen Glanz der allumfassenden katholischen Kirche verbreiten und die traditionell frommen Katholiken bestärken, weiterhin anhänglich – treu zum Nachfolger des Heiligen Petrus bzw. des Stellvertreters Christi auf Erden zu stehen und ihm zu gehorchen …

14.
Angesichts des Kerosin – Mangels für Flugzeuge jetzt, im Mai 2026: Unvorstellbar, dass Papst Leo demnächst auf Teneriffa für ein paar Wochen sozusagen auch „strandet“ – und festsitzt, aber vielleicht würde er dort sein „Castelgandolfo Nr. 2“ eröffnen und die dort in den Fischerbooten aus dem Senegal strandenden Flüchtlinge großzügig bewirten und einige von ihnen zum Wohnen in seinen apostolischen Palast mit nach Rom nehmen….

Zur weiteren Recherche:
Wichtig nach wie vor der ausführliche Hinweis von Christian Modehn: Der faschistische General Franco und die Kirche: LINK

Ausführliche Statistiken zur Katholischen Kirche in Spanien: LINK.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg? Fast die Hälfte (44,4 Prozent) trägt die öffentliche Hand!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.5.2026

Unser bekanntes Motto: Religionskritik und Kirchenkritik sind zentrale Aufgaben der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, heute wie damals

1.
Wer am 12.5.2026 im Internet Antwort sucht auf die Frage: Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg (13.5. bis 17.5.2026) erhält nur wenige ausführliche Links.

2.
Die „Mainpost“ bietet nur diese ultrakurze kostenfrei zugängliche Information vom 29. März 2026: „Der großzügigste Geldgeber ist der Freistaat Bayern, der den Katholikentag mit drei Millionen Euro fördert. 940.000 Euro gibt der Bund, 500.000 …“

3.
Wirklich umfassend berichtet am 12.5.2026 die Wiener Online -Zeitung „UZ – Unsere Zeitung – die Demokratische“, mit dem Titel „Glaubensevent auf Staatskosten“. Quelle:  LINK

Aus UZ -Unsere Zeitung- Die Demokratische ein zentrales Zitat:
„In Würzburg wird das Glaubensspektakel diesmal mit mindestens 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand gefördert. Das Land Bayern gibt drei Millionen Euro, der Bund anstatt wie traditionell 500.000 Euro erstmals 940.000 Euro und die mit über 815 Millionen Euro hoch verschuldete Stadt Würzburg steuert 500.000 Euro inklusive Sachleistungen bei… In Würzburg trägt die öffentliche Hand 44,4 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 10 Millionen Euro – viel Geld in Zeiten klammer Haushaltskassen.“

4.
Und weiter schreibt Unsere Zeitung – Die Demokratische“:
 „Dabei besitzen die deutschen Kirchen genügend Geldreserven, auch das Bistum Würzburg. Es besitzt ein – kaufmännisch schlank gerechnetes – Vermögen von 423,9 Millionen Euro. Allein aus Kirchensteuererträgen fließen in diesem Jahr 178 Millionen Euro in das klerikale Finanzportfolio. Freilich: Nicht alles daranzusetzen, das Millionenvermögen zu vermehren und zu schützen, wäre für die katholische Kirche beinahe ein Sündenfall. Aus diesem Grund schiebt die Kirche einen schlichten Katholikentagsverein als angebliche Laienbewegung vor, ohne eine Abrechnung vorzulegen. Religionsgemeinschaften sind in Deutschlands nicht rechenschaftspflichtig. Landesrechnungshöfe dürfen sie nicht überprüfen. So bleibt intransparent, wofür das staatliche Geld eigentlich eingesetzt wird. Transparenz sieht anders aus. Die Politik sollte endlich umdenken: die Kirchentagssubventionen sind mit einem weltanschaulich neutralen Staat nicht zu vereinbaren.“

5.
Merkwürdig ist, dass die offiziell katholische website kath.de am 31.3.2026 zur Frage: Was kostet der Katholikentag in Würzbug“ u.a. nur sehr wenig, wenn nicht aus heutiger Sicht falsch schreibt: „Das Bundesinnenministerium fördert die meist im jährlichen Wechsel stattfindenden Katholiken- und Kirchentage in Deutschland aufgrund ihrer „gesellschaftspolitischen Bedeutung“ jeweils mit rund 500.000 Euro. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Die Liberalen hatten darin nach den Grundlagen staatlicher Förderungen für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gefragt.“

6.
Zum Thema Kirche und Staat in Deutschland hat Prof. Horst Dreier, der Würzburger (!) Ordinarius für Rechtsphilosophie, Staatsrecht und Verwaltungsrecht das grundlegende, objektive Buch geschrieben: „Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne“, C.H.Beck Verlag, 2018. Siehe die Besprechung des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin: LINK:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin