Eine katholische Predigt anläßlich von Gay Pride, Pride Weeks und der Christopher – Street – Day Demos (CSD)

Von Christian Modehn am 10.7.2026

Liebe Gemeinde,

in diesen Tagen und Wochen der Gay-Pride, also der Präsenz der Queer – Community, ist es für uns als katholische Priester wichtig, Ihnen, den Katholiken, eine ganz besondere Predigt zu bieten.

Diese Predigt heute ist unser offizielles katholisches Schuldbekenntnis, als Bitte um Vergebung für das Leid und seelische Elend, das die katholische Kirche im Laufe ihrer langen Geschichte und bis heute den Schwulen und Lesben und Transsexuellen und allen aus der weiten Gemeinde der Queers angetan hat.

Dieses Schuldbekenntnis bedeutet zugleich eine entscheidende Wende im Zusammenleben von Heterosexuellen und Queers in der katholischen Kirche. Unsere zentrale Aussage ist: Homosexuelles Leben und Lieben ist genauso gut und wertvoll wie heterosexuelles Leben und Lieben. Mit anderen Worten: Homosexuelles Leben und Lieben ist normal. Es ist weder abartig noch Sünde.

Bestimmte Sprüche des Alten wie des Neuen Testaments der Bibel, die eine Verurteilung homosexuellen Lebens und Liebens betonen, sind ab sofort nicht mehr relevant in unserer Kirche. Inzwischen haben selbst die Kirchenführung, sogar der Papst und seine Behörden im Vatikan erkannt: Diese anti – homosexuellen Urteile der Bibel sind nichts als zeitbedingt, sie haben weder etwas mit der universellen göttlichen Liebe zu allen Menschen zu tun noch mit den heute absolut geltenden universellen Menschenrechten.

Diese universellen Menschenrechte gelten selbstverständlich auch für uns Katholiken als oberste normative Orientierung, nicht Bibelsprüche, nicht so genannte theologische Prinzipen stehen für uns Katholiken an oberster Stelle. Sondern, wie gesagt, die Menschenrechte. Dass diese in Europa formuliert wurden als ihrem geistigen Entstehungsort sagt nichts aus gegen die universelle Gültigkeit der Menschenrechte überall, wo Menschen leben. Was verlangen denn die unschuldig Verurteilten in chinesischen, russischen, Nord – koreanischen Lagern usw.? Sie verlangen für sich als Asiaten den absoluten Respekt der Menschenrechte. Das nur nebenbei.

Ich komme jetzt zum zweiten Teil meiner Predigt, also zu der Liste der nun offiziellen Bitte um Verzeihen und Entschuldigung für alle Verbrechen, die die katholische Kirche an Homosexuellen, Queers, wie wir heute sagen, begangen hat. Diese Liste ist unvollständig, möge jeder und jede diese Liste aus eigenem Erleben ergänzen. In jedem Fall bitte ich alle, vor allem die Gays und Queers, diese offizielle Bitte um Vergebung anzunehmen.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den KatholikInnen, die wegen ihres homosexuellen Lebens und Liebens durch die ungerechte Haltung der Kirche körperlichen Schaden, vielleicht sogar den Tod im Rahmen dieser üblen Inquisitions- Prozesse erleiden mussten.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den KatholikInnen, die wegen ihres homosexuellen Lebens und Liebens durch die ungerechte Haltung der Kirche schweren seelischen Schaden, seelische Krankheiten hinnehmen und ertragen mussten. Diese sind entstanden durch die – von der Kirche- erzwungene Verleugnung der eigenen persönlichen sexuellen Prägung, so zusagen nach Innen, für sich selbst, wie nach außen, für die Gesellschaft und Kirche.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den vielen Priestern, Ordensleuten und Nonnen, die ihre eigenen Homosexualität absolut versteckt und verleugnet leben mussten wegen der verachtenden Haltung der offiziellen Kirche.

Die katholische Kirche ist dankbar, dass immer wieder einzelne Soziologen und Religionswissenschaftler in ihren Studien gezeigt haben, wie weit verbreitet tatsächlich das heimliche homosexuelle Leben etwa von Priestern, Bischöfen und Kardinälen und Päpsten ist. Wir denken dabei an das Buch von Frédéric Martel, „Sodom“, S. Fischer Verlag 2019. Der französische Soziologe Martel dokumentiert z.B. ausführlich das total verlogene Leben eines einflußreichen homosexuellen Kardinals, des kolumbianischen Kardinals Lopez Trujillo (S. 360 ff., Lopez Trujillo war ein enger Freund Papst Johannes Paul II. und dem katholischen Geheimbund „Opus Dei“ sehr nahestehend, er war als Erzschwuler ausgerechnet für Fragen der Hetero-Familien im Vatikan zuständig).

Viele weitere Namen (verstorbener) Kleriker wären zu nennen. Wir verurteilen nicht die Homosexualität dieser Kleriker, wir bedauern, dass sie nicht offen und frei ihre ganz normale, ihre homosexuelle Liebe, leben und öffentlich aussagen und gestalten konnten. Es sind dies die Verbrechen der offiziell verordneten Verleugnung der eigenen personalen Identität, die so katastrophal ist für die betroffenen Homosexuellen selbst wie für die Gemeinden, die mit diesen verklemmt und deswegen oft hoch – neurotischen homosexuellen Priestern oder lesbischen Nonnen zu tun haben.

Liebe Gemeinde, ich will diese Litanei der Bitte um Vergebung und Verzeihung hier abbrechen. Die große, man sage endlich einmal radikale Wende der Kirche im Umgang mit Homosexuellen bzw. Queers ist deutlich geworden.

Nur diese Bitte um Vergebung muss ich noch vortragen: De facto werden Homosexuelle bzw. Queers in der katholischen Kirche bis jetzt immer noch als Katholiken zweiter Klasse behandelt. Der offizielle römische Katechismus hat die disqualifizierenden Aussagen zur Homosexualität noch nicht aus dem Buch entfernt, es wird höchste Zeit, was soll dieser Wahn, wenn der Katechismus behauptet: „Homosexuelle Handlungen sind nicht in Ordnung“ oder „sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz.. Sie sind in keinem Fall zu billigen“ (§ 2357). Dieser Unsinn, das sagte ich am Anfang, gilt ab sofort nicht mehr, denn Homosexualität ist eine normale Variante unter allen Formen der Sexualität. Die Kirche macht bekanntlich Entwicklungen, Korrekturen, ist nicht erstarrt in ihren Traditionen.

Und zum Schluss noch muss ich mich entschuldigen dafür, dass der Papst nun eine gewisse Segnung homosexueller Paare erlaubt, aber diese Segnung soll bitte sehr dezent und versteckt ausfallen, soll überhaupt keine Ähnlichkeit mit der Hetero – Ehe reservieren Zeremonie haben.
Also: Diese nun erlaubte, aber von reaktionären Klerikern selbstverständlich abgelehnte Segnung homosexueller Paare ist eine Diskriminierung; sie erkennt nicht an, dass auch Homosexuelle längst in vielen Staaten als Ehepaare leben.
Weil die Kirchenführung ihre Fehler einsieht, wird es also bald feierliche Eheschließungen von homosexuellen Eheleuten auch in Katholischen Kirchen geben. Natürlich als Sakrament. Die Ehe ist bekanntlich ein Sakrament der Kirche.

Zum Schluß: Wir haben hier nur von der katholischen Kirche gesprochen. Natürlich sind alle christlichen Kirchen aufgefordert, ihre Verbrechen gegenüber Homosexuellen einzugestehen und sich bei den Opfern zu entschuldigen. Das gilt auch für die machtvoll agierenden, politisch rechtsextremen so genannten evangelikalen Kirche oder Teile der Pfingstkirchen, natürlich auch für alle Formen der orthodoxen Kirchen.
Und ich will nicht verschweigen, dass es eine kleine christliche Kirche in den Niederlanden gibt, für die homosexuelles Leben und Lieben seit Jahrzehnten selbstverständlich ist. Es handelt sich um die Kirche der Remonstranten. (Siehe Weiteres dazu Fußnote 1).

Wer die lange Leidensgeschichte anschaut, die die katholische Kirchenführung und die von dieser Kirchenführung indoktrinierten heterosexuellen Gläubigen den vielen tausend Homosexuellen angetan hat, kann sich eigentlich nur voller Schauer, wenn nicht Ekel und Empörung von dieser Kirche abwenden. Aber einige Weisheiten des Weisheitslehrers und Propheten Jesus von Nazareth bleiben wichtig, darum werden einige wenige katholische Homosexuelle noch in dieser Kirche bleiben.

Unsere große Aufgabe ist: Den Kardinälen und Bischöfen und dem ganzen Klerus (auch dort sind rein statistisch gesehen etliche Homosexuelle!) IN AFRIKA klar zu machen: Deren kämpferische Ablehnung der Homosexualität und der Homosexuellen in ihren Staaten, meist Diktaturen, fördert nur die Verfolgung von Homosexuellen in diesen Ländern. Diese rigide Ablehnung der allermeisten katholischen Kirchenfürsten in Afrika widerspricht, wie gesagt, dem Evangelium, sie widerspricht vor allem den über allem und allen stehenden universell geltenden Menschenrechten.

Darum ist unsere Kollekte heute für ein bedrohtes Zentrum der Hilfe und Unterstützung für Homosexuelle in Uganda gewidmet. Die Kollekte zum Ausbau unserer Orgel entfällt also. Auf das vierte Manual unserer Orgel können wir gern verzichten, es gibt sehr viel Dringenderes.

Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Nachdenken dann auch über die Frage:

Sind denn die hier mitgeteilten Bitten um Verzeihung tatsächlich auch von der katholischen Bürokratie in Rom und in den Behörden der Bischöfe unterstützt???

Ich sage nur so viel: Was ich hier als Predigt anbot, ist leider eine totale Utopie.

Gehet in Frieden …und noch etwas: Streicht aus eurer Bibel die homo-feindlichen Stellen, sie gelten ab sofort nichts mehr, wie ich eingangs sagte. Kommt zur Vernunft und lest die Bibel vernünftig. Die Bibeltexte sind auch nichts als Texte von religiösen, aber begrenzten Menschen, die ihren Glauben in ihrer Zeit und für ihre Zeit (4. Jahrhundert vor Chr. bis 1. Jh. nach Chr.). aussagten. Die Bibel ist Ausdruck frommer Seelen, sie bietet interessante, aber immer zu kritisierende Weisheiten. Mehr nicht.

Und auch dies noch: Wenn eine CSD-Veranstaltung, eine Gay Pride, in Ihrer Stadt stattfindet, gehen sie bitte hin, nehmen sie teil, unterstützen sie diese Menschen, die jetzt von gewalttätigen Rechtsextremen bedroht werden. Eine Demo von Homosexuellen in ostdeutschen Städten muss LEIDER genauso geschützt werden wie eine Demo jüdischer Gemeinden.
Und: Falls Sie Bischöfe treffen, die sich mit den Queers bei einer Demo solidarisieren, sagen Sie es mir. Diese Bischöfe sollten selbstverständlich in vollem Pomp, genannt Ornat, auftreten, bitte mit Mitra… Verwechslungen mit Drag – Queens sind wohl ausgeschlossen… Normale jung gebliebene Gemeinde- Priester werden wieder verkleidet wie so oft dabei sein.

In 300 Jahren wird es vielleicht besser bestellt sein im Umgang der katholischen Kirche mit den Homosexuellen bzw. Queers. Das ist unsere Hoffnung, unter der Einschränkung, falls dann die katholische Kirche in Europa noch mehr ist als eine kleine Sekte…

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

FUßNOTE 1:

Der Remonstranten Theologe, Pastor Jan Berkens, predigt am Sonntag, dem 10.7.2027, in der Remonstranten Kirche „de Vriburg“ in Amsterdam um 10.30 Uhr.

Zur Einstimmung schreibt er:
„Amsterdam ist seit jeher ein Freiraum für Vielfalt. Unser Gemeinde „Vrijburg“ ist es ebenfalls. (Siehe: www.vrijburg.nl/)
Die Akzeptanz des „Andersseins“ im weitesten Sinne des Wortes steht weltweit unter Druck.
Deshalb sind Veranstaltungen wie die Gay – Pride wichtig. Auch die Kirchen haben dabei eine Rolle zu spielen. Gerade in den Kirchen geht es darum, dass jeder und jede angenommen wird, wer auch immer man ist.

In der Bibel wird zwar recht oft Homosexualität verurteilt, aber es gibt auch eine andere Strömung, bei der es gerade um Akzeptanz geht. Manchmal ist das ziemlich überraschend. Lass dich von meiner Predigt überraschen und von dem Werk des Künstlers Louis Fratino berühren.

Für die musikalische Umrahmung sorgen Jan Pieter Lanooy und Dwight Sampi. Dwight war an unserem Surinam-Niederlande-Austausch unserer Gruppe „Arminius“ in den Jahren 2023 und 2024 beteiligt und er ist gerade für kurze Zeit in den Niederlanden. Er wird für uns das „Vaterunser“ auf Saramacanisch singen.

Der Gottesdienst am 9. August steht im Zeichen der Word Pride und wird zum 40-jährigen Jubiläum der offiziellen Segnung von homosexuellen Lebenspartnerschaften in den Remonstrantenkirchen gefeiert!

Der Gottesdienst ist auch s zu sehen über www.vrijburg.nl/kerk-tv.

 

Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte heute!

Ein Hinweis – mit einigen zentralen Erkenntnissen zum Thema – von Christian Modehn am 14 .Juni 2026.

Und eine Ergänzung am 8. Juli 2026 zu katholischen rechtextremen Politikern in Lateinamerika (Nr. 9 in diesem Beitrag).

1.
Eindeutige Stellungnahmen zugunsten der universell geltenden Menschenrechte gibt es unter Katholiken und katholischen Organisationen nicht, auch heute nicht, im Jahr 2026.
Auch andere christliche Kirchen, andere Religionen, ignorieren die universell geltenden Menschenrechte. Von der „Entwicklung“ der russischen Orthodoxie unter Patriarch Kyrill I. zur PUTIN-Kirche wäre etwa zu sprechen, von den Evangelikalen in den USA als nationalistisch-christlicheStützen des Trump- Regimes usw.

Unser Thema aber ist:„Die Katholische Kirche und Menschenrechte“. Es folgen viele tausend Katholiken rechtsextremen Parteien überall in Europa und Amerika. Sie widersetzen sich der Ethik Jesu von Nazareth, der Ethik der Brüderlichkeit, Geschwisterlichkeit, sowie der vernünftigen Ethik der universell geltenden Menschenrechte.

2.
Der Umgang mit den Menschenrechten ist in der katholischen Kirchenführung zwiespältig bis heute:
Oft sind auch die Päpste in den letzten 70 Jahren in ihren politischen Statements – etwa auf Auslandsreisen – für die Menschenrechte eingetreten. Dabei aber wurde von ihnen die Erkenntnis beiseite geschoben: Der Papst – Staat „Vatikanstaat“/„Heiliger Stuhl“ hat die Erklärung der Menschenrechte von 1948 nicht unterzeichnet. Schlimmer noch: In der katholischen Kirche selbst gelten die Menschenrechte nicht: Umfassende Menschenrechte für Frauen („Gleichheit“) gibt es nicht. Homosexuelle werden im offiziellen Katechismus als Katholiken „2. Klasse“ bewertet. Ihnen wird deswegen eine angemessene feierliche Form der Segnung ihrer Partnerschaft oder Ehe in den Kirchen verweigert. In Afrika, etwa Uganda, Kenia, Ghana, Simbabwe usw. sind katholische Bischöfe alles andere als mutige Verteidiger der Menschenrechte für Homosexuelle gegenüber den autoritär regierenden schwulenfeindlichen Regierungen dort.
Der Katholizismus ist also in seiner Akzeptanz der universell geltenden Menschen gespalten, in der Theorie wie in der Praxis. Und weil das so ist, finden rechtsextreme Ideologien unter Katholiken immer wieder viele Anhänger und Sympathisanten.

3.
Die Katholische Kirche definiert sich selbst auch heute noch explizit als eine „nicht-demokratische“ Organisation: KatholikInnen werden von Gesetzen beherrscht, die von Klerikern erdacht wurden, sie sind nach wie vor bestimmend, trotz aller „verständnisvoller“ Debatten mit Laien. Die Theologie, die diese Herrschaft der Papstkirche zementiert, ist fundamentalistisch, ignorant gegenüber den wissenschaftlichen Forschungen der Bibelwissenschaften. Es ist in der Kirchenführung überhaupt nicht üblich, Bibelverse, die angeblich klerikale Herrschaft ausdrücken, kritisch, im historischem Kontext, richtig zu verstehen. Die Papstkirche glaubt, ohne Respekt zugunsten der theologischen und bibelwissenschaftlichen Forschung, herrschen zu können.

4.
Päpste nennen ihre Regierungsform selbst (naiv oder stolz?) eine „absolute Wahl – Monarchie“. Gewählt wird dieser Monarch, der Papst, von einer Gruppe von Männern, Kardinälen, die sich selbst permanent intern erneuern, einzig erwählt durch die Ernennung zu Kardinälen durch den Papst. Diese Monarchie ist ein stetiger, sich selbst aus sich selbst erneuernder klerikaler Kreislauf. Und dies sei von Gott persönlich so gewollt, sagen diese Herren…
Die Auswirkungen, die Konsequenzen dieser „absoluten Wahlmonarchie“ in einem demokratisch bestimmten Europa, fördern nur den Niedergang der Kirche: In Europa verlassen Katholiken zu hunderttausenden jährlich diese Kirche,: Diese Kirche erscheint ihnen völlig fremd in einer – noch zu verteidigenden – demokratischen Kultur, und sie ist oft stolz darauf! Den zahlenmäßig stets dokumentierten Niedergang der Kirche in Europa kennen die Päpste, aber sie entscheiden sich als Antwort darauf nicht für die grundlegende Reformation der Kirche. Die Kleriker suchen etwas Trost in den 10.000 oder 15.000 Erwachsenentaufen pro Jahr, etwa in Frankreich, sie ignorieren aber, dass dies nur eine geringe Anzahl ist verglichen mit dem Trend, dass viele Tausend in ganz Europa aus der Kirche „austreten“…

5.
Einige wichtige empirische, soziologische Tendenzen:
Theologisch ultra – konservative Rechtsextreme und ihre Organisationen versuchen die Kirche ihres jeweiligen Landes und darüber hinaus zu bestimmen, mit ihrem Geld, Einfluss und ihrer internationalen Vernetzung.
Das Problem für die Kirche und die Kirchenführung ist: Diese Katholiken so sehr sie sich als katholisch nach außen hin brüsten, widersetzen sich den Weisungen der Bischöfe.
Die „Oberhirten“ müssen pflichtbewusst – seit dem 2. Vatikanischen Konzil – in ihren politischen Erklärungen nach außen hin die Menschenrechte öffentlich verteidigen. Reaktionäre Katholiken lassen sich davon nicht beeindrucken.

5.1. FRANKREICH
Wichtig ist der Milliardär und Medienmogul Vincent Bolloré, über den wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon schon berichteten: LINK.

Das „Institut du Bon Pasteur“ , „Institut vom Guten Hirten“, (Zentrale in Bordeaux), ist eine traditionalistische Priestergemeinschaft, die sich aber nach Verhandlungen mit Ratzinger/Benedikt XVI. bereit fand, den Papst als obersten Chef anzuerkennen. Ihre traditionalistische Theologie verbreiten sie also weiter. „Der Gute Hirte“ hat ca. 70 Mitglieder, Tendenz steigend.
Das „Institut Christ Roi Souverain Prêtre“ hat da 150 Mitglieder, Tendenz steigend, international verbreitet, auch in Deutschland. LINK 

Es ist typisch für die religionspolitische Situation des Katholizismus in Frankreich: Es gibt zahlreiche Gruppen und Gemeinschaften, die sich als absolut papsttreu definieren, aber tatsächlich eine starke Neigung zu politisch identitären Ideen und Parteien haben. Es handelt sich sozusagen um die Grauzone zwischen papsttreu und sehr rechtslastig, rechtsextrem. Dazu zählen kritische, also nich von der Kirche abhängige Beobachter die zahlenmäßig stest wachsende Gemeinscaft St. Martin. Wikipedia France schreibt u.a.: „Zusammen mit den Charismatikern bilden die restitutivistischen (also „zum alten Zustand der Kirche zurück“) Gruppen (Opus Dei, Gemeinschaft Saint-Martin, Gemeinschaft Saint-Jean, Legionäre Christi, Foyers de Charité) laut der Politikwissenschaftlerin Magali Della Sudda die Netzwerke des „Identitätskatholizismus“ , wobei die „Identitätskatholiken“ als diejenigen definiert werden, die „die Kirche in ihrem traditionellen Status als Wegweiser für die Gesellschaft“ wiederherstellen wollen.“ (https://fr.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_Saint-Martin, gelesen am 18.6.2026, Übersetzung des französischen Textes durch deepl.)

Wer die traditionalistische katholische Welt verstehen will, muss sich mit der Lefèbvre -Bewegung befassen, geführt von der „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ :

Die Pius Brüder und deren Gemeinden weltweit folgen der Lehre des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre. Für ihn ist die Ablehnung der Menschenrechte Mittelpunkt der Theologie, (Fußnote 1) und keineswegs nur, wie oft behauptet wird, ist es die Feier der lateinischen Messe in der Form des 16. Jahrhunderts..

Der Widerstand gegen die Menschenrechte, speziell gegen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, ist bis heute der Kampfplatz der Piusbrüder. Sie sind gegen die Anerkennung und Entwicklung der Rechte für (sexuelle) Minderheiten, gegen die Selbstbestimmung der Frauen, gegen die Integration und Gleichberechtigung von Flüchtlingen und Ausländern. Die Menschenrechte werden von der heutigen Leitung der Bruderschaft, etwa dem Generaloberen Davide Pagliarani, „als Ablenkung von der eigentlichen geistlichen Mission der Kirche“ abgelehnt.

Zur Erinnerung: Die Zurückweisung der Menschenrechte hat der Initiator dieser reaktionär katholischen Sonderkirche, Erzbischof Marcel Lefèbvre, mehrfach deutlich formuliert: Etwa in seinem Brief an Papst Johannes Paul II. vom 31. 8.1985 (Fußnote 3). Lefèbvre betont, es gebe ein göttliches Gesetz, das die Menschen zwinge (sic), dem katholischen Glauben anzugehören, freier Religionswahl widerspreche dem göttlichen Gebot. Das Gottesbild ist bezeichnend: Gott ZWINGT, so Lefèbvre, mit seinen Gesetzen….Lefèbvre formuliert seine Kritik: „Die Erklärung über die Religionsfreiheit des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965) räumt dem Menschen ein natürliches Recht ein, frei zu sein von dem ZWANG, den ihm das göttliche Recht auferlegt, dem katholischen Glauben anzugehören, um gerettet zu werden, also einem Zwang, der notwendig auch in den kirchlichen und weltlichen Gesetzen seinen Ausdruck findet, diese Gesetze sind der gesetzgeberischen Gewalt Unseres Herrn Jesus Christus unterworfen.“
Beim 2. Vatikanischen Konzil sammelt Lefèvre ca 70 Konzilsteilnehmer, Bischöfe, zu einem reaktionär – oppositionellen Arbeitskreis: Fußnote 2.

Dass die heutige Kirche nun alle Menschen von dem ZWANG befreit, unbedingt katholisch zu werden, also auf die freie Religionswahl zu verzichten, ist für Lefèbvre die Ursünde der Kirche des 20.Jahrhunderts. Er kann die Konzilserklärung „Über die Religionsfreiheit“ nur „eine gottlose und gotteslästerliche Erklärung“ nennen.
Die für Religionsfreiheit eintretende Erklärung der Kirche von 1965 sei, eine Art „vergiftete Quelle, um den erklärten Feinden der Kirche, um den Häretikern, den Schismatikern, den falschen Religionen und den erklärten Feinden der Kirche, wie den Juden, den Kommunisten und den Freimaurern willfährig zu sein.“ (S 278.)

Man vergesse nicht: Die Ablehnung der Menschenrechte ist bei Lefebvre und den Seinen stets explizit politisch motiviert. Diese Kreise – in Frankreich sind es über 100.000 Sympathisanten- unterstützen – theologisch indoktriniert – die rechtsradikalen Parteien, etwa in Frankreich die Le Pen Partei, jetzt RN, oder Reconquete…
Inzwischen gilt für die offizielle römische Kirche Marcel Lefèbvre als „Schismatiker“: Und zwar seit 1988, als er die unerlaubte Weihe von vier Pius- Brüder-Priestern zu Bischöfen vornahm. Dem katholischen Kirchenrecht entsprechend muss der Papst diese unerlaubte Weihe aber als gültig anerkennen: Das heißt, die Schismatiker machen sich unerlaubt aber gültig in der offiziellen Kirche breit…

Und nun werden diese Bischöfe, erneut eigenmächtig und unerlaubt, vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Am 1.7. 2026 wird in Econe, Schweiz, dieser Akt geschehen, der automatisch die Exkommunikation vonseiten des Papstes nach sich zieht. Durch diese Bischofsweihe will diese reaktionär-katholische Kirche ihr kirchenrechtliches Überleben sichern: Denn ohne gültig geweihte Bischöfe kann es keine sich katholisch nennende Kirche geben, und darauf legen dien Piusbrüder allen Wert.

5.2. POLEN:
Mehrere Organisationen verbinden katholischen Glauben mit heftigem Nationalismus und der Ablehnung der universell geltenden Menschenrechte:

„Młodzież Wszechpolska“ („Allpolnische Jugend“). Die „Allpolnische Jugend“ ist eine nationale katholische Organisation, sie sieht in ihrem Gott den höchsten universellen Wert, der eine zentrale politische Bedeutung hat. „Diese Organisation unterstützt den Aufbau des katholischen Staates der polnischen Nation, der zu einer Säule der lateinischen Zivilisation werden soll. Die Nation, eine Gemeinschaft aus Glauben, Geschichte, Kultur, Land, Sprache und Bräuchen, wird von der Allpolnischen Jugend als der höchste zeitliche Wert anerkannt.“  LINK. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Allpolnische_Jugend

„Ordo Iuris“ ist eine ultrakonservative katholische juristische Organisation: Siehe den wikipedia Beitrag: LINK https://en.wikipedia.org/wiki/Ordo_Iuris.
Die Stiftung „Ordo Iuris“,“Rechtsordnung“, wurde 2013 gegründet, leistet Lobbyarbeit für traditionell katholische Ziele. Sie unterstützt Abtreibungsgegner und will die Ehe – und Familienpolitik bestimmen. Dabei versucht sie, Einfluss auf Behörden und Politik zu nehmen und ihre fundamentalistische Weltanschauung im Gesetz zu verankern.“ (Quelle: MDR, 7.3.2023).

Radio Maryja, das rechtsextrem nationalistische z. T. Antisemitsche – katholische Mediennetzwerk in Torun. Darüber haben wir mehrfach berichtet. LINK

5.3. ITALIEN:
Etwa 70 Prozent der ItalienerInnen nennen sich katholisch. Rechtsextreme Katholiken sammeln sich vor allem in den entsprechenden Parteien, die die universell geltenden Menschenrechte theoretisch wie praktisch ablehnen.

Die „Lega“: Matteo Salvini hat als Chef dieser einstigen Regionalpartei diese „Lega“ zu einer rechtspopulistischen und nationalistischen Kraft umgewandelt. Sie will die „christliche Identität“ Europas verteidigen — gegen den Islam und gegen die Flüchtlinge.……Bei der letzten italienischen Parlamentswahl (September 2022) erhielt die „Lega“ landesweit 8,77 Prozent der Stimmen.

Die „Fratelli d’Italia (FdI)“: Die Partei von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni; sie ist eine bekennende Katholikin mit nationalkonservativer Leidenschaft. Auch diese Partei betont – wie überall innrechtsextremen Kreisen üblich – den Schutz de traditionellen Familie, d.h. sie fördert die Bekämpfung der Abtreibung und will insgesamt die Verteidigung der so genannten christlichen Kultur.
„Gott, Familie, Vaterland“ ist das Motto der Partei, es galt bereits bereits für den Faschisten Mussolini und seine Partei. Bei den Parlamentswahlen 2022 erhielt die „Fratelli d Italien“ 26 % der Stimmen. Wegen der Familienpolitik und der Pro-Life-Bindung dieser Partei findet sie viel Zuspruch unter praktizierenden Katholiken. Praktizierende Katholiken haben viel zum Wahlsieg Melonies beigetragen: Quelle: https://it.finance.yahoo.com/notizie/lavoratori-autonomi-e-cattolici-portano-165706305.html)

5.4. PORTUGAL:
Die inzwischen sehr bedeutende rechtsextreme Partei in Portugal, mit der sich sehr viele Katholiken verbunden fühlen heißt „Chega!“ ( „Es reicht!“)
Chega! ist im Parlament fest etabliert als drittstärkste Partei. Bei den Präsidentschaftswahlen 2026 erhielt der Parteiführer André Ventura 33,3 Prozent der Stimmen. Parteichef Ventura hat katholische Theologie im Priesterseminar on Lissabon studiert, er hat das Theologiestudium abgebrochen… katholisch nennt er sich öffentlich immer noch. Er behauptet, von Gott zu seiner „politischen Mission“ berufen zu sein

5.5. SPANIEN:

In einem Interview erklärt Maria San Gil, stellvertretende Generalsekretärin des katholischen Laienverbandes `Asociacion Catolica de Propagandistas`, (Quelle: „Die Tagespost“, 5. 6.2026, S. 7.): „Man muss das Thema Einwanderung richtig einordnen. Unsere erste Verantwortung, das sagt auch der Katechismus, besteht darin, für die Unserer zu sorgen und unsere Familien zu unterstützen. Danach müssen wir uns selbstverständlich auch um den fremden kümmern. Aber zuerst müssen wir das Eigene schützen und stärken“. Bekenntnisse, die man aus Kreisen der identitären Bewegung kennt.
Die katholische „Propagandistin“ ist Mitglied der Partei PP, der konservativen Nachfolgepartei des faschistischen Staatschefs Franco. Die „Propagandistin“ vertritt mit ihrer Bevorzugung: „Zuerst kommen die eigenen Leute, also die Spanier“, letztlich auch die Überzeugung der neuen rechtsradikalen Partei VOX. Diese Partei hat viel Erfolg, zumal unter „praktizierenden Katholiken“. Etwa 20 Prozent der so genannten praktizierenden Katholiken wählten VOX. Die zentrale Ideologie von VOX: Spanier müssen bei der Vergabe von Sozialleistungen grundsätzlich bevorzugt werden….Die spanischen Bischöfe haben dem widersprochen..

6.
Wichtig ist: Diese Ideologien der sich katholisch nennenden Organisationen sind de facto mit der Ideologie der Identitären – Bewegung verbunden. Der Philosoph Micha Brumlik hat 2019 in einem Aufsatz die zentrale Aussage des führenden „Identitären“ Walter Spatz zitiert: `Der Sammelbegriff Mensch ist in seiner identitätären Bedeutsamkeit nur für die jeweilige Völker angebracht. Einen weltweiten An – und Zuspruch gibt es nicht. Dieser ist letztlich Ausdruck der Machenschaft einer abstrahierten Identität, die uns vom Eigenen trennt`“. (Das Zitat: „Gelassen in den Widerstand – Ein Gespräch über Heidegger“, Schnellroda 2015, S. 51. Das Zitat von Brumlik in „Das alte Denken der neuen Rechten“, 2019, S. 36).

7.
Ein Hinweis auch zu den USA. Der katholische us-amerikanische Vizepräsident J.D. Vance hat seine eigene, ihm politisch passende Deutung der universell geltenden Menschenrechte. Er meint: Das Evangelium befehle, zuerst die eigene Familie zu lieben, danach die Nachbarn, dann das eigene (weiß, us-amerikanische ) Volk und zum Schluß auch noch die anderen, die übrige Menschheit, also etwa die Fremden, Ausländer, Flüchtlinge. Sie verdienen am wenigsten „Liebe“. LINK : https://www.ewtnnews.com/world/us/what-is-the-ordo-amoris-jd-vances-comments-on-christian-love-spark-debate. Siehe auch Fußnote 4.

Zur Kritik an Vance durch Papst Franziskus LINK https://katholisch.de/artikel/59458-papst-schreibt-brandbrief-an-us-bischoefe-zu-trumps-deportationspolitik
Zur Kritik an Vance durch Papst Leo LINK. https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-05/papst-leo-kritik-donald-trump-jd-vance-migration

Beide Päpste haben dieser nationalistischen Interpretation des christlichen Aufforderung zu universell geltender Nächstenliebe widersprochen. Aber ohne Erfolg: Die MAGA Bewegung, zu der auch viele Katholiken gehören, rückt nicht ab von ihrer Ideologie eines menschenrechtsfeindlichen, sich christlich nennenden Nationalismus. LINK https://religionnews.com/2024/04/03/the-strange-world-of-catholic-christian-nationalism/

Zur ideologischen Trump – Bindung der katholischen Bischöfe der USA betont die katholische Theologin Prof. Hille Baker, Loyola University in Chicago: „Falls Trump durchregiert und freie Wahlen verhindern will, werden zwei Drittel der Bischofskonferenz still sein. Aber es gibt Bewegung unter den Bischöfen, die Papst Franziskus eingesetzt hat.“ (Publik Forum,  12. Juni 2026,.S. 18).

Von großer politischer Bedeutung sind einige katholische Intellektuelle:
Bei Gladden Pappin, Politikwissenschaftler und Publizist, wird die Ideologie des katholischen Integralismus sichtbar: Diese Lehre wird von etlichen konservativen Intellektuellen und rechtsextremen katholischen Organisationen vertreten: Danach soll die Kirche auch die Politik bestimmen, also die Organisation des Staates und seine Gesetze.
Die Ideologie von Pappin wird von der Theologin Michaela Quast-Neulinger Kommentiert: „Als eine Gefahr für Demokratie und Kirche hat die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger den Integralismus bezeichnet. Dieser stelle eine „Machtideologie“ dar, die darauf ziele, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens der katholischen Kirche zu unterwerfen. Damit stelle der Integralismus eine Spielart einer Politischen Theologie mit einer religiös-totalitären Stoßrichtung dar, führte Quast-Neulinger in Wien aus. Der Integralismus stehe in einem „massiven Widerspruch zur Gesamtheit der katholischen Lehre“ und stelle eine „antimodernistische Machtideologie“ dar, „die sich eine eigene Version des wahren katholischen Glaubens zurechtzimmert, um auf dieser Grundlage dann ein totalitäres Regime zu errichten“. (Quelle: LINK https://katholisch.de/artikel/67474-theologin-warnt-vor-gefahr-des-integralismuMichaela Quast-Neulinger)

Weitere katholische extrem rechte katholische Intellektuelle:
– Patrick Deneen, Professor an der University of Notre Dame
– Chad Pecknold: Theologieprofessor an der Catholic University of America in Washington, D.C
– Adrian Vermeule: Professor an der Harvard Law School.

Wichtig ist auch die von Katholiken geprägte „Heritage Foundation“, 1973 von Paul Weyrich gegründet, jetzt unter Leitung von Kevin Roberts, dem Opus Dei verbunden. Wichtig auch das vom Millionär Tim Busch zusammen mit dem Jesuiten Robert J. Spitzer 2011 gegründete NAPA-Institut
Ebenso: Die juristische Vereinigung `Federalist Society´, gegründet vom katholischen Juristen Leonard Leo: Er hat großen Einfluss, etwa zur Ernennung von Richtern auf Lebenszeit. Etwa 30 Prozent der von Trump ernannten Richterinnen und Richter und die Wahl von drei Obersten Verfassungsrichtern gehen auf die Vorschläge dieser ´Federalist Society´ zurück. Leonhard Leo ist auch mit dem Opus Dei verbunden, er gehört zum Vorstand des ´Catholic Information Center´ vom Opus Dei in Washington.

8.
Unser Thema „Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“ ist alles andere als ein „nur“ theologisches Problem. Es ist von größter politischer Relevanz, zumal diese Rechtsextremen ihre Ideologie auch politisch nicht nur in Europa und Amerika durchsetzen.
Diese Ideologie hat inzwischen eine solche Macht, dass demokratische Politiker und etliche ihrer Parteien die von Rechtsextremen propagierte Bedrohung der angeblich christlichen Kultur Europas durch Flüchtlinge übernehmen. Die entsprechenden Entscheidungen im EU Parlament im Juni 2026 geschahen in enger Zusammenarbeit von Rechtsextrem und sich christlich nennenden Parteien…Es gilt das „Gemeinsame Europäische Asylsystem“ GEAS, eine fundamentaleUmwälzung des Schutzsystems.

Die EU und ihre rechten und christlichen Parteien vor allem bauen nun Europa zu einer Festung aus: „Sich abschotten“ ist das zentrale Slogan, Sich abschotten gegen Fremde und Flüchtlinge.

9. Lateinamerika: 

Über den rechtsextremen Politiker und Katholiken, Mitglied der internationalen Schönstatt-Bewegung zur Verehrung der Jungfrau Maria, Antonio Kast in Chile, haben wir schon hingewiesen, jetzt ist Kast Präsident Chiles. LINK

Wichtig ist in dem Zusammenhang der argentinische Präisdent Javier Milei, seit Dezember 2023 im Amt. Milei werde katholisch getauft, sympathisiert aber jetzt laut eigenem Bekenntnis mit jüdischer Spiritualität. Im Juni 2024 wurde Milei von der sehr rechts-liberalen Hayek-Gesellschaft in Hamburg geehrt LINK.

Seit etwa 10 Jahren fördert die der CSU sehr verbundene Hans-Seidel-Stiftung Ausbildungsprogramme für den Verein „Frente Joven“, eine ultrakonservative Bewegung in Argentinien, die der Regierungspartei von Milei nahesteht.

Auch die Stiftung der FDP, die Friedrich Naumann Stiftung, ist in Argentinien zugunsten Mileis aktiv. „2016 förderten die Naumann-Stiftung und ihre argentinischen Freunde drei Persönlichkeiten, die später zu Schlüsselfiguren der Milei Partei „La Libertad avanza“ wurden… Derzeit (2025) unterstützt die FDP Naumann Stiftung den aktuellen Präsidenten Milei nicht ausdrücklich. Durch ihre Förderung hat sie in den vergangenen zehn Jahren aber maßgeblich dazu beigetragen, dass Milei vom Außenseiter zum Politiker wurde.“ (zit. in „Südlink – Magazin“, Nr. 211, März 2025, Seite 28 f. Ein Beitrag der Mitarbeiter der argentinischen Menschenrechtsorganisation CELS, Vanina Escales und Gariela Mitidieri.)

Zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch Milei: LINK 

Fußnote 1:
Man beachte, bei allem Respekt vor der viel zu späten Anerkennung der Menschenrechte durch das Konzil: Im Konzilsdekret von 1965 heißt es gleich zu Beginn, in §1, offenbar um die vielen katholischen reaktionären und konservativen Kreise etwas zu beruhigen: „Die einzige wahre Religion, so glauben wir Konzilsväter, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten“. Da wird also gleich zu Beginn, wie mit einem Paukenschlag, die vernünftige Aussage zur Religionsfreiheit wieder durch die alte, klassische Theologie relativiert.

Fußnote 2:
Lefebvre und sein Netzwerk:
Das Netzwerk der reaktionären Bischöfe nannte sich „Coetus Internationales Patrum“ (Internationaler Zusammenschluss der Väter), es hatte tatsächlich etwa 250 Mitglieder unter den bischöflichen Konzilsteilnehmern. Neben Erzbischof Marcel Lefebvre (CSSp) die Kardinäle Michael Browne (OP), Arcadio Larraona Saralegui, Antônio de Castro Mayer, Antonio Bacci sowie den brasilianischen Erzbischof Geraldo de Proença Sigaud (SVD) aus Diamantina. Sigaud nutzte seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken, um einen scharfen Kurs gegen den Kommunismus auf dem Konzil einzufordern. Er war einer der heftigsten Feindes des Befreiungstheologen und Erzbischofs Dom Helfer Camara. Sigaud nutzte dabei seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken…

Fußnote 3:
Marcel Lefèbvre: „Offener Brief an die ratlosen Katholiken“, 1986, Mediatrix – Verlag, Wien, S. 278.
Siehe auch zur Ablehnung der Religionsfreiheit durch Lefebvre: LINK.  https://fsspx.org/en/religious-liberty-contradicts-tradition-30142

Fußnote 4:
Zu Vance und dessen Papstkritik: LINK
https://katholisch.de/artikel/59858-bei-gebetsfruehstueck-us-vize-vance-kontert-papst-kritik-zu-migration

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon in Berlin

Wie verstehen wir unsere Gegenwart?

Über den massiven Trend, viele Begriffe der gegenwärtigen Kultur mit „post“ = „nach“, auszustatten…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18. 5. 2026.

Zu unserem Vorschlag, angesichts der vielen Post-Identitätenauch den Begriff Post – Katholisch einzuführen, siehe Fußnote 11.

1.
Wir leben in einer Welt, die unfähig ist, ihren aktuellen Zustand von Kultur, Politik, Ökonomie, Religionen mit eigenen, neuen, adäquaten Begriffen zu bestimmen.

2.
Bei dieser Schwäche, die eigene Gegenwart adäquat auf den Begriff zu bringen, setzt sich der Gebrauch der Vorsilbe POST deutlich durch: POST wird den Begriffen vorangestellt, um durch die Vorsilbe POST etwas Klarheit zu schaffen, etwa über den jetzigen Zustand des heutigen Feminismus als Post-Feminismus, der heutiger Romantik als Post – Romantik, der Moderne als Post – Moderne und so weiter. Dieses „post“, dieses „nach“ bzw. „danach“ kettet das Verstehen heutiger Erfahrungen mit Feminismus, Romantik, Moderne usw. an frühere, vergangene, überholte Inhalte: So kann ein adäquates Verstehen der Gegenwart verhindert werden.

3.
Der Philosoph Dieter Thomä (UNI St. Gallen) hat sich intensiv und kritisch mit dieser offenkundigen Schwäche des von ihm „Postismus“ genannten Phänomens auseinandergesetzt, einem Versagen, mit neuen Worten die heutige Lebenswelt, die Gesellschaft usw. auf den Begriff zu bringen: Die komplexe Lebenswelt des Feminismus in seiner Vielfalt, im Plural; oder: die Realität des Kolonialismus heute usw. lassen sich niemals mit einem einzigen „Post“- Begriff fassen. Auf diese Weise wird das Einsortieren von komplexen Wirklichkeiten in Schubladen nur gefördert.

4.
Dieter Thomä nennt in dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Postismen“, Suhrkamp, 2026, in lexikalisch – enzyklopädischer Kürze tatsächlich 52 Postismen, auf den Seiten 336 – 393. Wer diese 52, immer mit Literaturangaben ausgestatteten, „POST“ Beiträge gelesen hat, wartet förmlich darauf, dass nun alsbald auch von „Post -EU“  oder „Pst – Nato“ die Rede ist oder auch – angesichts der Distanz vom katholischen Glauben in Europa – auch von „Post – Katholizismus“ . Oder: Aangesichts der hohen Benzinpreise wird alsbald auch auch von „Post – Tourismus“ die Rede sein oder auch von „Post – Journalismus“ sollte man wohl sprechen bei der geringen Bedeutung von Recherche – Journalismus heute.
Nebenbei: Bei der miserablen Briefzustellung durch die Bundespost wird man sicher auch bald von der „Post-Briefzustellung“ sprechen müssen. Auf das von manchen Reformkatholiken erwartete „Post – Papsttum“ wird man allerdings noch eine Ewigkeit hoffen müssen.

5.
Man möchte also angesichts dieser hier nur angedeuteten Post – Phantasie meinen, es war vielleicht ein bißchen voreilig, als Dieter Thomä 2025 seine Studie über das POST – Phänomen im Titel mit dem Stichwort „Nachruf auf eine Vorsilbe“ verbunden hat. Noch wird weiter ge-`postet`. Und sicher wird es bald auch einen Post —Post-Feminismus geben, und auch wenn der überwunden kommt dann ein dritte Vorsilbe post hinzu? Ist das „Posten“ also eine unendlicher Prozess?

6.
Das Probleme bei den vielen „Postismen“ ist: Der eine Begriff, mit Post – ausgestattet, markiert etwa einen gewissen Abschied von dem ursprünglich Gemeinten, etwa „Post – Kolonialismus“. Andere „Post – Begriffe“, wie „post- säkular“  beschreiben nur den Wandel der Religiosität hin zu neuen Formen des Religiösen. Sehr viel mehr ist eigentlich dann nicht gesagt. Diesen Zwiespalt der inhaltlichen Bestimmung gilt es zu beachten!

7.
Mit der ausufernden Verwendung des Post – Vorsilbe zeigt sich eine globale Hilflosigkeit, die heutige Lebenswelt in allen Bereichen mit eigenständigen, durchaus die Zukunft mit formulierenden Definitionen zu bestimmen. Die schon sprachlich dominante Fixierung im Postismus auf das „Nach“ und „Danach“ „bleibt im Bann dessen, an das sich die Nachzeit nun hängt“ (S. 8 in „Postismen“, Suhrkamp Verlag). Dabei wäre das Denken der Zukunft unter den heutigen Bedingungen allein hilfreich: Wer eine Zukunft der Demokratie denken will, sollte erkennen: Eine starre Parteien – Demokratie ist zu überwinden. Der Einfluss der Lobby-Gruppen muss sehr eingeschränkt werden. Eine Demokratie, die Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle tatsächlich durchsetzen will, kann nicht auf neue Formen von Steuer, etwa Reichensteuer („Milliardärs-steuer“) verzichten usw. Eine solche noch zu gestaltende demokratischere Demokratie lässt sich selbstverständlich nicht mit dem einen kurzen Begriff „Post-Demokratie“ beschreiben.

8.
Die von Dieter Thomä angestoßene Debatte um die kleine Vorsilbe „Post“ ist von großer Bedeutung: Es wird erinnert, wie vergangenheits-bezogen heutige Lebensformen bleiben, wie sich darin sogar eine gewisse Erstarrung zeigt, durchaus als Angst vor der Zukunft zu interpretieren. Trotz aller Unsicherheiten und Gefährdungen unserer Welt heute lässt sich dringend ein Denken empfehlen, das mehr vorausschaut, also das „PRAE“ bevorzugt.

9.
Es wird oft behauptet, Philosophieren und Philosophien hätten zur Gestaltung von Zukunft wenig oder gar nichts zu sagen. Weil die Sache der PhilosophInnen sei das Re-flektieren, also das Zurück-denken und Zurück-schauen auf das Erlebte, das der Philosoph dann, nachträglich, im zeitlichen Abstand, auf den Begriff bringt. Dieser Gedanke ist zwar richtig, ist aber unserer Meinung zu einseitig: Denn gerade in der Philosophie des Handelns, der Ethik, gibt es Erkenntnisse, sozusagen aufleuchtend unmittelbar in der Gegenwart, wo der Mensch im Ereignis selbst dann handelt: Die spontane Handlung, etwa: Hilflose durch eigenes Handeln zu retten. Oder inmitten politischer Krisen, ausgelöst durch Rechtsextreme, diese Rechtsextremen sofort einzuschränken, öffentlich zu kritisieren usw. Das spontane ethische Handeln ist dann Ausdruck einer gewissen ethischen Bildung, die sich auch durch die Erkenntnis des gültigen Kategorischen Imperativs bildet. Wird dieses ethische Handeln dann im zeitlichen Abstand reflektiert, erkennt man Chancen einer schon gegebenen ethischen, philosophischen Grundhaltung.

10.
Es wäre eine eigene Überlegung, warum heute angesichts von neuen Erfahrungen in fast allen Lebensbereichen der Begriff POST so durchgehend verwendet wird und nicht, wie einst, die „Vorsilbe“ NEO, als Neo-Gotik, Neo-Romanik, Neo-Klassizismus. Zeigt diese „Vorsilbe“ Neo vielleicht eine größere kreative Freiheit an im Umgang mit dem Vorgegebenen als das „Post“? Wir vermuten das.

11.

Wer aufmerksam und kritisch die Entwicklung der katholischen Kirche in Frankreich heute beobachtet und dokumentiert, kann nicht darauf verzichten – bei einer „allgemeinen Tendenz, durch das `Post` die heutigen Realitäten zu identifizieren“- auch von Post – Katholisch zu sprechen. Der Politologe Alfred Grosser zeigte schon 2005, gut belegt und gute begründet: Die katholische Kirche in Frankreich scheint in mancher Beziehung dem Untergang nahe. (S. 185, in: `Wie anders ist Frankreich?`, C.H.Beck Verlag). Die französischen Bischöfe selbst sehen das in ihren offiziellen Stellungnahmen sicher anders und verweisen stolz auf einige Tausend Erwachsenen – Taufen jährlich, sie verschweigen dabei aber den rasanten Rückgang von vielen tausenden Kindertaufen pro Jahr und die Tatsache, dass der in Frankreich geborene Klerus ausstirbt und immer weniger Katholiken sonntags an der Messe teilnehmen, dass die Klöster allmählich verschwinden und so weiter. Wann werden erste theologische und religionssoziologische Studien zum Post – Katholischen in Europa erscheinen?

Dieter Thomä, „Post – Nachruf auf eine Vorsilbe“, Suhrkamp Verlag 2025, 399 Seiten.

„Postismen. Vom Nutzen und Nachteil eines Denkmusters für die Wissenschaften“. Hg. von Dieter Thomä, Suhrkamp Verlag, 2026, 387 Seiten.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Die USA und Papst Leo haben ein gemeinsames Motto

Ein Hinweis von Christian Modehn am 11.5.2026

1.
Dieser Hinweis versteht sich als Marginalie, Randbemerkung. Aber vielleicht wird doch auf Wesentliches hingewiesen zur Konstruktion und zum Gebrauch von Ideologien.

Zentral ist die Erkenntnis: Was EINHEIT ist, und wie sich Einheit trotz Vielfalt verwirklicht, bestimmen einzig die Herrscher: In den USA die Präsidenten, siehe jetzt Trump, den Alleinherrscher. Siehe die Päpste in ihrer langen Geschichte mit den Verfolgungen von Häretikern, Schismatikern usw., Und, selbst wenn Papst Leo XIV. jetzt von Einheit in der Vielfalt redet: Die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Einheit der Vielen in dieser dann päpstlich durchgesetzten Einheit bestimmt nach wie vor allein der Papst. Er ist der Herr der Einheit (und meint, dies habe ihm Gott selbst so befohlen…)…Das heißt: Die Rede von Einheit ist eine Ideologeie dieser Herrschenden…

2.
Es gibt ein bislang nicht beachtete interessante inhaltliche Nähe, wenn nicht Verbundenheit und sogar Gemeinsamkeit: Das Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV.

3.
Das Motto der USA heißt offiziell seit dem 20.Juni 1782: „E pluribus unum“, das offiziell übersetzt wird: „Aus vielen eines“. Gemeint ist: Die 13 ursprünglichen Bundesstaaten definieren sich als eins, als eine Nation, trotz verschiedener Konfessionen.

4.
Das Motto („der Wahlspruch“) Papst Leo XIV., das er sich schon als Bischof in Chiclayo, Peru, gewählt hatte: „In illo uno unum“, das heißt: „In jenem Einen (gemeint ist Christus) eins“. Das bedeutet: „In Christus sind alle unterschiedlichen Christen (Leo meint wohl Katholiken) eins“. Hier wird die Einheit explizit theologisch begründet.

5.
Das US- Leitwort „E pluribus unum“ ist heute auf dem Großen Siegel der USA zu sehen und auf Münzen. Wer oder was die Grundlage dieser Einheit sein soll, wird nicht gesagt. 1956 wurde dieses Motto durch ein neues, jetzt bekannteres ergänzt: „In God we trust“. Wer ist dieser Gott, von dem da auf den Dollarnoten die Rede ist? Nicht der konfessionelle Gott einer Kirche. Es ist der überkonfessionelle Gott, eher eine Idee, und vielleicht ist das Geld, der Dollar, als Gott gemeint, sagen Kritiker.

6.
Das Motto Papst Leos, Mitglied des Augustinerordens, stammt selbstverständlich vom heiligen Augustinus. Das Motto stammt aus einer Predigt Augustins zu Psalms 127, einer Predigt, die er in Hippo (heute Algerien) oder auch in Karthago hielt. Der Theologe Notger Baumann, Uni Erfurt, interpretiert diesen Satz: „Die Einheit in Christus ist keine Uniformität. Die Vielheit der Christen wird nicht aufgehoben, sondern bleibt bestehen.“Notger Baumann erläutert den Kontext dieser Aussage Augustins: Der päpstliche Wahlspruch zitiert das Schlussglied einer Antithese:  „Aus nos multi in illo uno unum wird die Abbreviatur „in illo uno unum“. Also: Wir vielen Katholiken sind in jenem einen (Christus) eins…

Quelle:  https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/der-wahlspruch-papst-leos-xiv.

7.
Das ist wichtig: Auch das Motto der USA von 1782 ist zwar auf den ersten Blick religiös neutral, hat aber deutliche Verbindungen zum Denken Augustins: Die so genannten Pilgerväter, die 1620 in die heutigen USA einwanderten, hatten eine gute Kenntnis des heiligen Augustinus. Und zwar durch Vermittlung des protestantischen Theologen und Reformators Jean Calvin, der ein Kenner und Verehrer Augustins war..Die Pilgerväter galten als strenge Calvinisten, sie hatten sich deswegen von der englischen Staatskirche losgesagt. Auffällig ist, dass das Motto der USA von 1782 in lateinischer Sprache formuliert wurde.

8.
Man kann also sagen: Das erste grundlegende Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV. beziehen sich auf die gleiche Quelle, den heiligen Augustinus, und beide Mottos beschwören ein Einheit in der oder: trotz der Vielheit. Und beide Mottos haben ihre strengen Grenzen, sind verglichen mit der faktischen politischen Situation der USA und der faktischen Situation der vielen Katholiken in der Kirche nichts als eine Behauptung, die der Realität nicht entspricht. Manche sprechen auch von „Verschleierung“ der gewünschten Verhältnisse.

9.
Schon bei der Formulierung des Mottos der USA im Jahr 1782 gab es keine Einheit unter den Menschen, es herrschte noch die Sklaverei. Und niemand wird behaupten, dass unter dem Regime von Präsident Trump auch nur annähernd eine Einheit im pluralen amerikanischen Volk gegeben ist. Eher wird unter Trump und seinen Scharfmachern eine Art Bürgerkrieg betrieben.

10.
Und kein nachdenklicher Katholik und kein kritischer Katholischer Theologe wird im Ernst behaupten: Alle Katholiken sind eins, im Sinne von gleichberechtigt und gleich wertvoll. Die lange Liste der vom Papst und den Klerikern im Vatikan zugelassenen Diskriminierungen muss hier nicht noch einmal wiederholt werden, wir nennen nur den verheerenden Ausschluss von Frauen vom DiakonInnen-Amt und vom PriesterInnen-Amt.

11.
Was bringt also die Reflexion auf die offenbar inhaltlich gemeinsamen Mottos der USA und von Papst Leo XIV.? Die Reflexion zeigt: Beide Mottos sind von Herrschern ausgegebene „Fern-Ziel“-Vorstellungen, von denen beide, Politiker der USA wie der Papst wissen: Diese Vorstellungen werden wohl nie erfahrbare Realität für alle werden. Sie werden ausgegeben, verbreitet, propagiert, um im Volk, bei den Gläubigen, einen guten Eindruck zu machen.

12.
Als die USA-Politiker merkten: das alte Motto von 1782 ist politisch betrachtet nichts als eine ferne Utopie, gaben sie sich das Motto „In God we trust“, das machte sich auch gut als religiöse Kampfansage gegen den atheistischen Ost-Block und die Sowjetunion. Und schließlich vertraute ja auch ein Armer damals auf Gott, aber auf seinen Gott, wie auch die Politiker oder die Kapitalisten auf ihren Gott vertrauten. Mit diesem neuen Motto konnten die Politiker also nichts falsch machen. Und die Einheit des Volkes, auch als Gerechtigkeit, war vergessen…

13.
Und Papst Leo XIV.? Er pflegt sein Motto („Wahlspruch“ offiziell genannt) auf populäre Art, biedert sich durchaus beim frommen Volk etwas an, jetzt wieder in Neapel, bewirkt dort das Gennaro-Wunder, sagt fromme Sprüche, Friedensappelle, genießt populistische Verehrung (wegen seiner NIKE-Sneaker etwa …). ABER: Da, wo wirklich Einheit als Gleichberechtigung unter Katholiken und vor allem auch unter den getrennten Christen und Kirchen bewirkt werden sollte: Da herrscht das große übliche päpstliche Nein zu grundlegenden Reformen vor. Angeblich, so der Vatikan, würden die afrikanischen Katholiken diese Reformen nicht verstehen, man hält afrikanische Katholiken also für dumm…Als könnten sie nicht das univsersell geltende Menschenrecht auch für Homosexuelle verstehen und damit auch die Gleichberechtigung der Homosexuellen in der katholischen Kirche Afrikas.

14.
Darum merke: Glaube bloß nicht den Mottos der Staaten oder der Päpste. Es sind bestenfalls Wunschvorstellungen, Utopien, etwa auch „Liberté, Egalité, Fraternité“ in Frankreich: Diese drei Grundwerte der Republik bestehen auch dort nicht für alle Franzosen als Realität. Oder auch: Die Mottos des USA und des Papstes sind eigentlich – faktisch betrachtet – Hoffnungen, Utopien, vielleicht sogar Lügen, weil sie von Präsidenten und Päpsten doch nur behauptet, nicht aber umfassend realisiert werden.

15.
Vielleicht könnten sich Trump und Leo wegen des gemeinsamen Mottos des heiligen Augustinus verständigen? Leider kann aber Papst Leo nicht als Vorbild gegenüber Trump auftreten: Auch er als Papst tut ja nicht alles für eine wirkliche Einheit als Gleichberechtigung unter allen Katholiken und Christen… Wie kann er dann ernsthaft und glaubwürdig von Trump die Einheit im us-amerikanischen Volk oder auch eine friedliche Einheit der Menschheit ohne Krieg einfordern? Die viel gepriesene „moralische Instanz“ des Papstes, der Päpste, ist also sehr frag-würdig, eine bloße Behauptung. Seit welchem Jahrhundert können eigentlich Päpste „moralische Instanzen“ genannt werden? Papst Alexander VI. zum Beispiel war eher eine unmoralische Instanz, wie etliche andere Päpste auch.

16.

Solange die katholische Kirche in ihrer eigenen Lehre und Moral nicht die Menschenrechte umfassend für alle Katholiken respektiert, ist alles moralische Reden der Päpste und Bischöfe usw. unglaubwürdig und wirkungslos. Die Menschenrechte stehen ÜBER der kirchlichen Lehre und Moral. Wird das die katholischeKirchenführung jemals begreifen? Wir meinen: Nein, denn die klerikale Macht will nach wie vor mit ihrer eigenen Ideologie (Theologie genannt) über den umfassenden, universell geltenden Menschenrechte stehen. 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

Die „Erklärung der Menschenrechte“ (1948) gehört zum Glaubensbekenntnis der Christen!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18.4.2026

ZUR EINFÜHRUNG:

Wir haben schon vor kurzem erneut für die Aufnahme der „Erklärung der Menschenrechte“ der UN von 1948 in das Glaubensbekenntnis der Christen heute plädiert. Wir dachten dabei an die niederländische Kirche der Remonstranten. Sie ist wohl als einzige christliche Kirche dogmatisch nicht gebunden und bekanntlich aufgeschlossen für neue theologische Vorschläge. (Siehe unten.)

Dieser Hinweis hier ist ein weiterer Versuch, das Thema der Öffentlichkeit vorzustellen und theologisch zu begründen, als Thesen, denen weitere Erläuterungen folgen.

Hier geht es nur um die enge Verbundenheit von Menschenrechten und christlichem Glauben. Auf andere Religionen bezogen müsste das Thema weiter reflektiert werden.

Die Erklärung der Menschenrechte ist zwar Ausdruck der universell geltenden menschlichen Vernunft. Aber eine solche Erklärung ist zugleich ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln. Deswegen bedarf sie zur Realisierung auch einer geistigen, spirituellen Haltung, also eines Überzeugtseins, dass die Menschenrechte richtig und wichtig und unersetzlich sind. So, wie etwa der „Kategorische Imperativ“ von Kant ein Faktum der Vernunfteinsicht ist, aber zur Realisierung eine emotionales Betroffenheit braucht, so werden die Menschenrechte auch durch eine innere Bindung der Menschen lebendig und wirksam. Die Menschenrechte sind als Rechte und Pflichten etwas grundlegend Anderes als die vielen „positiven“ Gesetze in unseren Gesellschaften und Staaten.

Erstens: Die klassischen, bis heute weithin üblichen Glaubensbekenntnisse der Kirchen stammen aus dem 4. und 5. Jahrhundert, diese Bekenntnisse versteht kein denkender Mensch heute ohne ausführliche Interpretationen und Kommentare. Schlimmer noch: Diese Bekenntnisse sprechen vor allem vom Leben Gottes im Himmel, von seiner Trinität, vom Herabstieg eines Logos auf Erden, der dann als Jesus den grausamen Willen des Vaters erfüllt und sich ans Kreuz schlagen lässt und so weiter…
Zweitens ist entscheidend: Die Lehre und Lebenspraxis Jesu von Nazareth entspricht den Idealen der Erklärung der Menschenrechte. Zugespitzt gesagt: Christen wissen heute aus der Botschaft des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth: Das Göttliche, Gott, der Ewige, der Schöpfer der Welt…., wie auch immer, gebietet geradezu als Lebensorientierung die Menschenrechte.

Damit ist nicht gesagt, dass die Menschenrechte der Kirche entstammen, das Gegenteil ist der Fall. Die Menschenrechte sind Resultat der Aufklärung, sie haben sich gegen die Kirchen langsam durchsetzen müssen. Erst als der kirchliche, etwa der katholische Widerstand gegen die Menschenrechte geradezu lächerlich wirkte und blamabel, hat etwa das 2. Vatikanischen Konzil die Menschenrechte, etwa die Religionsfreiheit, offiziell als wichtig und richtig anerkannt. Trotzdem hat der „Heilige Stuhl“, also der Papststaat Vatikan, als einer der wenigen Staaten die Menschenrechtscharta der UNO formell nicht unterzeichnet.

Das ZIEL dieses Vorschlags ist: Die „Erklärung der Menschenrechte“ als „Orientierung für die Praxis der Christen“ in ein christliches Glaubensbekenntnis einzufügen. Dabei wird das Bekenntnis, auf eine göttliche Wirklichkeit und auf Jesus bezogen, selbstverständlich neu formuliert werden müssen. Ein Beispiel ist das Glaubensbekenntnis der niederländischen Remonstranten – Kirche aus dem Jahr 2006. (Text siehe unten)

 

DIE THESEN:

1.
Der Vorschlag ist neu: „Menschenrechte sind der Kern des Evangeliums Jesu von Nazareth.“ Der mutige brasilianische Befreiungstheologe Kardinal Evaristo Arns von Sao Paulo (1921-2016) hat diese Einsicht mehrfach öffentlich geäußert! LINK

Diese Erkenntnis freizulegen und zu beweisen macht Mühe, angesichts der vielen Bilder und Symbole und Wundermythen, die im Neuen Testament von Jesus von Nazareth berichtet werden und sein Profil als humanen Weisheitslehrer verdunkeln und verzerren. Aber: Die Gleichnisse Jesu (etwa der „Barmherzige Samaritan“) oder Jesu Reden vom „End-Gericht Gottes über die guten und weniger guten Menschen“ zeigen: Einzig menschliche Qualitäten wie Liebe, Güte, Hilfsbereitschaft sind für einen Menschen, der authentisch leben will, entscheidend. Religion und Kultus und religiöse Gesetze sind für Christen zweitrangig. Die oberste Orientierung heißt: Menschlichkeit zu allererst: Das ist die Botschaft und die Praxis Jesu von Nazareth. Und die sind im Kern die Botschaft der Menschenrechte.

2.
Die „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 spricht nicht von Gott, das wird ihr von bestimmten frommen Christen als Mangel vorgeworfen. Aber die Menschenrechte als Ausdruck der philosophischen Vernunft, können Christen als gültig und allgemein anerkennen, weil sie als Christen wissen: Die Vernunft ist eine Gabe des schöpferischen Geistes Gottes…

3.
Die Menschenrechte werden heute, 2026, wie schon seit Jahren von autoritären, populistischen, faschistischen, kommunistischen und diktatorischen Kreisen verachtet, ignoriert, für Spinnereien ausgegeben. Weil sie die totale Herrschaft der Autokraten und Diktatoren stören. Und in Demokratien werden Menschenrechte als störende Elemente betrachtet im Rahmen einer immer üblicher werdenden „Realpolitik.“ Aber für Demokratien und Demokraten sowie demokratisch sich nennende Politiker sind die Menschenrechte in einem Rechtsstaat der unverzichtbare geistige Boden und der politische Horizont in allem Handeln. Wer als Demokrat und demokratischer Politiker gegen die Menschenrechte handelt, muss sich korrigieren, muss sich entschuldigen.

4.
Theologen und Kirchenführer wissen: Die Menschenrechte sind zwar in Europa nach langen Auseinandersetzungen auch mit den Kirchen formuliert worden: Aber die Menschenrechte sind nicht europäisch. Sie kann niemand deswegen diskreditieren, weil sie an einem bestimmten Ort – in Europa – entstanden sind. Universelle Geltung hat mit geografischer Herkunft nichts zu tun. Die Menschen in den Lagern und Gefängnissen der Diktaturen heute schreien geradezu nach der Geltung der Menschenrechte. Das Bewusstsein von er absoluten Würde eines jeden Menschen ist im menschlichen Geist verwurzelt. Menschenrechte entwickeln sich nach langen Diskussionen auch heute weiter: Sie werden im Zusammenhang der Klimakatastrophen neu formuliert. Oder die Rechte der Flüchtenden werden explizit verstärkt oder die Geschlechter-Gerechtigkeit…

5.
Wenn die Kirchen die Menschenrechte als zentralen Teil ihres eigenen Bekenntnisses wahrnehmen und auch leben, werden sie unterstützt werden von einer großen Gruppe von zivilgesellschaftlicher progressiver NGOs, die sich seit Jahren um die Durchsetzung der Menschenrechte kümmern. In der Diakonie und Caritas vieler Länder engagieren sich die Kirchen tatsächlich schon zugunsten der Menschenrechte. Sie sehen diesen Dienst als Ausdruck der gebotenen christlichen Nächstenliebe: Würden sie diesen Dienst auch explizit als politischen Dienst an den Menschenrechten sehen, hätten die Kirchen neue, ungewöhnliche Bündnispartner: Diese könnten die manchmal sehr eng konfessionell geprägte christliche Nächstenliebe ins Universelle erweitern, mit der Bereitschaft, gemeinsam POLITISCH gegen die Herrschaft der Diktatoren und Autokraten einzutreten.

6.
Das Probleme ist nur: Die Kirchen müssen sich selbst in der Gestaltung ihres „Innenlebens“ nach den Menschenrechten richten. Für den Katholizismus muss dann gelten: Die Menschenrechtserklärung der UN von 1948 muss der Vatikan formell anerkennen. Und zweitens: Der Papst muss die rechtliche Diskriminierung der Frauen in der Kirche, etwa Ausschluss von den Ämtern in der Kirche, sofort aufheben. Nur unter diesen Voraussetzungen wird das Engagement der katholischen Kirche für die Menschenrechte überhaupt glaubwürdig. Wie die Evangelikalen und fundamentalistischen Kreise sich zu den Menschenrechten verhalten, ist noch ein eigenes Thema. Ihre Verbundenheit mit der MAGA Bewegung des Donald Trump lässt starke Zweifel aufkommen, ob diese Kreise überhaupt von den universell geltenden Menschenrechten schon einmal gehört haben…

7.
Wird die Erklärung der Menschenrechte als Teil des Christlichen Bekenntnisses – etwa von Lutheranern, Reformierten, Katholiken, Anglikanern – anerkannt: Dann geschieht eine globale theologische Wende, die einer weiteren Reformation gleichkommen könnte. Diese Christen und ihre Kirchen befreien sich von den erstarrten Glaubensbekenntnissen voller fremder Formeln und Floskeln aus Nizäa und Konstantinopel im 4. und 5.Jahrhundert: Christen verstehen sich nun als Menschen, denen die universelle Gerechtigkeit für alle bester Ausdruck der Einsichten ihres Weisheitslehrers Jesus von Nazareth ist. Nun können sich Christen mit Atheisten und mit kritischen Menschen aller Religionen zu einem gemeinsamen Engagement vereinen, zugunsten der universellen Menschenrechte…

………………

Zu unserem früher schon publizierten Vorschlag: Die Kirche der Remonstranten, als offene, weithin undogmatische Kirche, könnte die Erklärung der Menschenrechte als Teil ihres Bekenntnisses aufnehmen: LINK

Das Glaubensbekenntnis der Remonstranten aus dem Jahr 2006: LINK

Sehr deutlich hat sich der protestantische Theologe Wilhelm Gräb (Berlin) für die Menschenrechte als Teil des christlichen Glaubensbekenntnisses eingesetzt: Etwa in seinem Buch „Vom Menschsein und der Religion.“ Tübingen 2018, S 213 ff.

Man beachte, dass Immanuel KANT in seiner Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie die ethische Praxis (der Menschenrechte) als den alles entscheidenden Kern des christlichen Glaubens angesehen hat. Siehe dazu etwa unseren Hinweis zu Kant: LINK

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Der neue päpstliche Botschafter in Berlin, der Niederländer Bert van Megen

Deutschlands Katholiken bleiben weiter unter konservativer Beobachtung!
Ein Hinweis von Christian Modehn am 10.4.2026

Der neue Nuntius des Papstes in Deutschland, Bischof van Megen, nennt die Kirche in Deutschland, so wörtlich, “ alt und grau„: Dies it wohl eine „richtige Haltung“, um sich unter Katholiken in Deutschland so richtig wohl zu fühlen und sie zu verstehen… soll er doch nach Kenia zurückkehren.., CM.  Siehe dazu einen Beitrag vom 15.5.2026: LINK

Papst Leo XIV. hat am 9.4.2026 für Deutschland einen neuen „Apostolischen Nuntius“, also einen Botschafter des „Heiligen Stuhls“, mit Sitz der „Nuntiatur“ in der Hauptstadt Berlin ernannt: Bischof Hubertus van Megen. Sein Vorgänger, Bischof Eterovic, wird am 22.4. feierlich aus Berlin verabschiedet, selbstverständlich mit einer feierlichen Messe… „Endlich geht er“ sagen einige Katholiken, die den sehr konservativen Nuntius Eterovic kennen.

Ob der Niederländer van Megen eine etwas progressivere Linie im Umgang mit den mehrheitlich eher progressiven Katholiken in Deutschland lebt, wird sich zeigen, ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn es ist lange her, dass Bischöfe aus den Niederlanden oder in den Niederlanden als progressiv bewertet wurden. Heute ist diese Kirche dort eine kleine konservative klerikale Gemeinschaft. Auch der neue Nuntius in Berlin wurde in dem extrem konservativen Priesterseminar (in Rolduc) des extrem konservativen Bischofs Gijsen (Roemond) ausgebildet. Deutliches Beispiel für van Megens reaktionäre Theologie ist seine Ansprache in Afrika aus dem Jahr 2024, Quelle: LINK 

Diese Ansprache liegt als Übersetzung vor, in Fußnote 1 unten.  Unter Nr. 6 dieses Hinweises wird auf diese theologische reaktionäre Rede van Megens bereits kurz hingewiesen.

1.
Ein päpstlicher „Nuntius“ ist nicht nur als „Botschafter“ hoher Diplomat des winzigen Staates „Heiliger Stuhl“, er ist weltweit sehr oft auch Doyen des diplomatischen Corps des jeweiligen Landes. In der Funktion des Nuntius wird die doppelte Rolle des Papstes deutlich: Er ist einerseits so genanter spiritueller Führer, heiliger Vater, Papst, der Katholiken weltweit. Und er ist zweitens absoluter Monarch des Zwergstaates Vatikan bzw Heiliger Stuhl, er kann so über die üblichen diplomatischen Wege auch politischen Einfluss nehmen auf die Politik der Staaten. Zu 184 Staaten unterhält der Papst -Staat diplomatische Beziehungen: Der Vatikan entsendet und der Vatikan erhält von den Staaten Botschafter, und ist manchmal empört, wenn denn der Vatikan-Botschafter eines Staates homosexuell ist. Etwa im Fall des Vatikan – Botschafters aus Frankreich Laurent Stefanini, der 2015 vom Papst abgelehnt wurde. Homosexuelle päpstliche Botschafter gibt es in demokratischen Staaten selbstverständlich, man denke etwa an den pädophilen Nuntius in der Dominikanischen Republik Bischof Jozef Wesolowski (dort Nuntius von 2008-2013) LINK oder an den speziell junge Männer (Polizisten) belästigenden Nuntius Bischof Luigi Ventura in Paris (2018 – 2019), er wurde von einem Pariser Strafgericht zu einer 8-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Darum merke: Auch der Papst entsendet homosexuelle Botschafter, Nuntien…(Zur Situation in Frankreich und auch zu Nuntius Ventura siehe einen Beitrag von Christian Modehn LINK
2.
Ein Päpstlicher Nuntius ist vor allem immer auch verschwiegener Beobachter im Sinne des Papstes und seiner vatikanischen Behörden: Er beobachtet, bewertet, kritisiert die jeweilige Kirche und auch die Politik. Schwerpunkt der politischen Interessen der Nuntien ist immer das gesetzliche Verbot der Abtreibung, der Ehe für alle, der aktiven gesetzlichen Sterbehilfe usw. in den jeweiligen Staates.
Der Nuntius hat starken Einfluss auf die Bischofsernennungen des jeweiligen Landes, dies alles geschieht in Abwehr von Öffentlichkeit und Transparenz. Katholiken der jeweiligen Länder haben selbstverständlich keinerlei Einfluss auf die Auswahl der jeweiligen Nuntius. Hingegen Bischöfe, die dem Papst und dem vatikanischen Apparat treu ergeben snd, haben auch Einfluss auf den Vatikan, selbstverständlich immer ohne öffentliche Transparenz. Welcher objektive, d.h. nicht kirchenabhängige Forscher macht sich noch die Mühe, etwa den Einfluss des Opus Dei (und dessen vieler Adepten, wie Kardinal Woelki,) auf die Auswahl der Nuntien und Bischöfe zu machen?
3.
Der Niederländer Hubertus Matheus Maria van Megen (65 Jahre alt), kurz Bert van Megen, ist also der neue Nuntius in Deutschland mit Amtssitz in Berlin. Biografische Details über van Megen sind etwa über wikipedia erreichbar.
Wir können hier nur einige entscheidende Stichworte zur Theologie des neuen Nuntius in Berlin zur weiteren Forschung nennen. Diese Stichworte können hilfreich sein, wenn es angesichts der Theologie und Kirchenpolitik des neuen Nuntius van Megen zu einer Bewertung der Reformbemühungen im deutschen Katholizismus kommen wird, etwa zum „Synodalen Prozess“, jenem zaghaften Versuch, etwas Demokratie in der römischen Kirche in Deutschland durchzusetzen und etwas gegen den totalen Ausschluss von Frauen von den kirchlichen Ämtern zu tun. In einigen Monaten wird man deutlicher sehen, warum Papst Leo XIV. ausgerechnet einen theologisch konservativen und streng – dogmatischen Niederländer zum Nuntius in Berlin ernannt. Diese Entscheidung wird auch hilfreich sein, um deutlicher zu sehen, ob denn nun Papst Leo eher etwas reformfreudig ist oder sehr am alten, versteinerten klerikal – dogmatischen System festhalten will.
4.
Der neue Nuntius Van Megen gehört zum konservativ bzw. sehr konservativen Flügel der katholischen Kirche in den Niederlanden. Sofern man dort überhaupt noch von „Flügeln“ sprechen kann, denn progressive bzw. reformorientierte Flügel gibt es seit etwa 20 Jahren nicht mehr. Die Progressiven haben das Weite gesucht… Die katholische Kirche der Niederlande ist also faktisch eine aussterbende konservative Klein-Kirche, manche sagen eine Sekte. Schuld daran sind die Päpste selbst, spätestens seit 1970 setzten der Papst und die vatikanische Bürokratie alles daran, die damals sehr progressive niederländische Kirche kaputt zu machen, und zwar durch die Ernennung von reaktionären Priestern zu Bischöfen, zuerst Bischof Adrian Simonis (ernannt 1970 zum Bischof von Rotterdam), dann Bischof Johannes Gijsen (ernannt 1972 zum Bischof von Roermond), andere ähnlich orientierte Bischöfe folgten.
Die progressiven Katholiken der Niederlande hatten nichts anderes vor, als die viel besprochene, durchaus offiziell geltende Inkulturation des katholischen Glaubens in ihrem demokratischen Land zu realisieren. Eben mit den Forderungen: Abschaffung des Zölibats-Gesetzes, neue Sprache für Dogmen und Moral, demokratische Strukturen in der Kirche der Niederlande….Sehr viele Priester und die meisten Bischöfe, wie Kardinal Alfrink (Utrecht) oder Bischof Ernst (Breda), teilten diese richtige Option. Aber sie wurde vom Vatikan systematisch zerschlage, und die Gläubigen wurden aus der Kirche vertrieben.
5.
Mit dem reaktionären Bischof von Roermond Johannes Gijsen und dessen neu errichtetem Priesterseminar in Rolduc ist der heutige Nuntius van Megen seit langem verbunden: An diesem Priesterseminar Gijsen studierte er: Rolduc galt von vornherein zurecht als extrem konservative Ausbildungsstätte für Priester, die sich total dem päpstlichen System verpflichten. An dieser kirchlichen Hochschule Rolduc, studierte auch Wim Dijk, der später Erzbischof und Kardinal von Utrecht wurde, auch er gilt unter objektiven Beobachtern der Kirchenszene Hollands als sehr konservativ.
1987 wurde van Megen von Bischof Gijsen zum Priester für das Bistum Roermond geweiht. Da lohn sich noch mal raufzuschauen: Leider (für die Opfer zumal) wurde erst post mortem von der niederländischen Kirche anerkannt, dass Johannes Gijsen als Kaplan damals zwischen 1958 und 1961 sexuellen Missbrauch an Knaben begangen hat. Nach seinem Rücktritt als Bischof von Roermond schon 1993 zog sich Gijsen zunächst in ein österreichisches Nonnen-Kloster zurück, er hatte wohl – angesichts seiner Unbeliebtheit – etwas Angst in Holland zu bleiben, dann wurde er durch den polnischen Papst auch noch zum Bischof von Island (Sic!) ernannt, so wurde Gijsen hin und her geschoben als reaktionärer Problemfall der Kirche, gestorben ist er 2013 in einem Nonnenkloster.

PS: Über den Niedergang des Katholizismus in den Niederlanden, verursacht auch durch den rigiden Umgang des Vatikans mit dieser Kirche: siehe etwa die große Studie „Tot vrijheid geroepen. Katholieken in Nederland 1945 – 2000“, Ten Have Verlag, 1999. Als Motto der nun zerstörten progressiven Kirche der Niederlande (sie war bis etwa 1985 sehr lebendig) kann das Wort des progressiven Kardinals Alfrink (Utrecht) gelten:  „Ich meine im Laufe der vergangenen Jahre gelernt zu haben: Dass die Kirche, will sie denn glaubwürdig sein für die Menschen von heute, eine menschliche Form von Machtausübung sichtbar machen muss, und dies muss so wahrnehmbar sein, dass sie ihre Basis hat in der Liebe zum Menschen  und in der Ehrfurcht vor der menschliche Würde.“ (Zit. in „Tot vrijheid geroepen, S. 311). Der Autor dieses Buches, Prof. Walter Goddijn, kommentiert diesen Satz gleich anschließend in dem selben Buch:“Eine schärfere Abweisung der Strategie von Bischof Gijsen, eine schärfere Abweisung auch des Eingriffs in die niederländische Kirchenprovinz durch die päpstliche Kurie in Rom hätte Kardinal Alfrink nicht geben können.“

6. Reaktionäre Positionen des Nuntius van Magen in Afrika:
1990 begann van Megen seine Karriere der diplomatischen Laufbahn für den Vatikan. 1996 wurde er – wie üblich bei diesen Karrieren – in katholischem Kirchenrecht promoviert mit dem Thema: „The concept of perfect society from Pius IX to the second Vatican council“.
Wichtig ist vor allem: von 2019 bis 2024 war van Megen päpstlicher Nuntius in Kenia. Das theologische Profil van Megens, wie es sich Afrika zeigt, beschreibt wikipedia sehr treffend: „Bei einer Tagung der Vereinigung der Bischofskonferenzen Ostafrikas (Amecea) in Nairobi im September 2019 warnte van Megen die Bischöfe der ostafrikanischen Länder vor westlichen Einflüssen und übte dabei Kritik an den westlichen Gesellschaften. Die Menschen im Westen hätten den Sinn für Gemeinschaft verloren und zeigten sich sowohl in der Politik als auch in ihren Familien verantwortungslos, sie kümmerten sich „nicht einmal um ihre eigenen Kinder“. Die Afrikaner sollten dagegen das in ihren Gesellschaften traditionell verankerte Miteinander stärken, um den Gefahren des Kapitalismus, Individualismus und Hedonismus zu trotzen, die in anderen Teilen der Welt zu Ungerechtigkeit und mangelnder Wertschätzung für das menschliche Leben geführt hätten. (Quelle: Nuntius warnt Ostafrikas Bischöfe vor westlichem Einfluss. In: Vatican News. 10. September 2019, abgerufen am 9. April 2026.).

Was die Abwehr der Gender-Theorie durch die Kirche und ihre Bischöfe bedeutet: „Die Mobilisierung gegen die Gender-Ìdeologie` reicht von von der deutschen AFD über us-amerikansiche Gouverneure bis zu brasilianischen Evangelikalen oder der im Umfeld Putins betriebenen Propaganda, in der Verwestlichung mit Verweichlichung und Entmännlichung gleichgesetzt wird“. So die Philosophin Rahel Jaeggi in „“Fortschritt und Regression“, Berlin 2025, S. 232, Fn. 38. In solchen Kreisen also bewegen sich Bischöfe, wenn sie die Gender-Theorie verurteilen.
7.
Auch bei einer Bischofsweihe in der kenianischen Diözese Eldoret im Mai 2024 äußerte sich Nuntius van Megen strak europakritisch, und er machte sich eine Aussage des Erzbischofs von Kinshasa, Fridolin Ambongo Besungu, zu Eigen, wonach die Kirche in Europa geschwächt sei und für die Kirche in Afrika kein Vorbild mehr sein könne. Dabei bezeichnete van Megen die „Lehren der westlichen Gesellschaft über Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie als „klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat“. (Quelle: https://katholisch.de/artikel/68050-hubertus-van-megen-papst-leos-neuer-mann-in-berlin. In: Katholisch.de. 9. April 2026, abgerufen am 9. April 2026).
8.
An diesen Aussagen des Niederländers van Megen in Afrika, in Kenia, ist vieles empörend: Er als Europäer will eine Moral für Afrika durchsetzen, die selbst in Europa nur noch von reaktionären Randgruppen vertreten.
Er will wohl meinen, mit dieser Position etwas für die Inkulturation des katholischen Glaubens in die afrikanischen Kulturen tun zu können, was Unsinn ist, wenn man sich diese seine „Werte“ anschaut. Nur zur Erinnerung: Inkulturation (dialogbereite, vernünftige Einfügung) des katholischen Glaubens in ein demokratischen Land wie Holland wird von diesen Herren der Kirche abgelehnt. Nun wird sie inkompetent in Afrika von einem Nuntius propagiert. Da gilt die vatikanische Versteinerung des „Immer so weiter“…
Noch schlimmer: Mit der Ablehnung der Gender-Theorie ist auch die Ablehnung der EHE für alle gemeint und damit auch das Menschenrecht für homosexuelle Menschen. Das sagt ein päpstlicher Nuntius in Kenia, wo die Lebensbedingungen LGBTQI+-Personen in Kenia von starker Homofeindlichkeit, rechtlicher Kriminalisierung und gesellschaftlicher Stigmatisierung bestimmt sind. Im Nachbarstaat Uganda ist die Feindseligkeit gegenüber homosexuellen Menschen äußerst drastisch, bei „schwerer Homosexualität“ droht sogar die Todesstrafe.
So viel Unsinn wagt also ein päpstlicher Nuntius in Ostafrika zu sagen, solche Äußerungen dienen überhaupt nicht dem demokratischen Miteinander oder der Durchsetzung der Menschenrechte. Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet ein solchermaßen bornierter päpstlicher Botschafter und Bischof dann 2019 vom Papst zum „ständigen päpstlichen Beobachter“ von Menschenrechtsorganisationen der UN ernannt wird, zum Umweltprogramm der Vereinten Nationen oder zum UN-Programm für menschliche Siedlungen (Habitat). Da wird sich der neue Nuntius in Berlin sicher alsbald stark zur Mieter-Debatte oder der Reichensteuer äußern…
9.
Die Homo-feindlichen und als solche also menschenrechts-feindlichen Äußerungen des Nuntius van Megen in Kenia liegen in gewisser Weise auf einer Linie mit den Stellungnahmen des ultra- reaktionären Kurien- Kardinals Robert Sarah aus Guinea, Westafrika, wir haben dazu einiges dokumentiert. LINK

Kardinal Sarah: Über den Liebling von EX-Papst Benedikt


10.
Das Gebäude des päpstlichen Botschafters in Berlin befindet sich bekanntlich an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln, also mittendrin in Problemvierteln. Botschafts-Gebäude sind ja eigentlich öffentlich zugänglich, etwa für Visa Anträge etc. Die Vatikan – Botschaft ist wie eine verschlossene Burg, nur für Erwählte oder bei gelegentlichen Führungen in der Kapelle zugänglich. Aber wer will, wer darf schon einen Antrag stellen, um Bürger des Vatikan – Staates zu werde? Wenn sich das bei den zur Ausreise verpflichteten Flüchtlingen rumsprechen würde … dann wären die Palazzi des Vatikans auf einmal von anderen Menschen, von Laien, vielleicht von Muslims, bewohnt und belebt…
Aber die päpstlicher Nuntiatur ist und bleibt eine großzügige, aber immer verschlossene moderne Wohnanlage mit einigen dienenden Prälaten und einigen Nonnen, die dort kochen, putzen, waschen und den hübschen Park pflegen dürfen.

Zur marginalen Situation des niederländischen Katholizismus heute siehe auch: LINK

In dem Beitrag des Link die richtige Einschätzung des bekannten Jesuiten Jan van Kilsdonk, Mitarbeiter von Huub Oosterhuis: „Im Herbst 1962 kam es zum offenen Zusammenstoß. Der Jesuitenpater van Kilsdonk, Studentenpfarrer in Amsterdam, übte vor katholischen Intellektuellen harte Kritik an der vatikanischen Bürokratie. »Der Apparat der römischen Kurie steht einem gesunden Dialog zwischen Rom und dem Kirchenvolk im Wege«, erklärte der Pater. ‚Die weltweite Glaubenskrise ist auf das Übergewicht der Kurie zurückzuführen.‘
Das Heilige Offizium in Rom forderte die Entlassung des ketzerischen Jesuiten. Die Holländer weigerten sich. Das vergaß ihnen die Kurie nicht. Sie sprach inoffiziell von ‚nördlicher Benebelung‘ und schwärzte die Holländer offiziell wegen ‚unzulässiger Praktiken‘ bei der Ritenkommission an.“

FUßNOTE 1: ( https://cisanewsafrica.com/2024/05/kenya-archbishop-bert-van-megen-warns-against-inflexible-ideologies-says-the-church-in-europe-is-weakened-the-church-in-africa-ever-stronger/ )

Der Apostolische Nuntius in Kenia und im Südsudan, S.E. Hubertus Maria van Megen, hat vor den Gefahren starrer Ideologien sowohl in der Kirche als auch in der Welt insgesamt gewarnt. Er hob hervor, wie solche Starrheit und Säkularismus dazu geführt haben, dass die tiefgründigen Lehren des Glaubens vernachlässigt wurden, und wie sie die Fähigkeit der Kirche beeinträchtigt haben, sich in den Komplexitäten der modernen Gesellschaft zurechtzufinden und dabei ihren grundlegenden Überzeugungen treu zu bleiben.

S.E. Hubertus Maria van Megen, Apostolischer Nuntius in Kenia und im Südsudan.
In seiner Predigt anlässlich der Bischofsweihe von Bischof John Kiplimo Lelei am 25. Mai in Eldoret erklärte der päpstliche Diplomat, dass es der heutigen Gesellschaft schwerfalle, die Lehren der Kirche – die Lehren Christi – anzunehmen, da diese Lehren ihren Wünschen und Bedürfnissen zuwiderliefen.
„Unsere Gesellschaft empfindet das Ideal, das Christus lehrt und lebt, als für normale Menschen unerreichbar und sollte es daher ablehnen, da es die Menschen in ihrer Freiheit einschränkt und sie an Erwartungen fesselt, die sie niemals erfüllen können“, erklärte er und fügte hinzu: „Die Lehren der Kirche, so die Argumentation, schränken die Freiheit des Menschen ein und sollten daher abgelehnt oder sogar verboten werden.“

Der aus den Niederlanden stammende Nuntius forderte die Gläubigen auf, aus den Fehlern der westlichen Gesellschaft zu lernen, die seiner Meinung nach ein eklatantes Beispiel dafür seien, was eine Abkehr von den Lehren Christi für eine Gesellschaft und die Kirche bedeute.
Er sagte, die „Denkweise“ der westlichen Gesellschaft habe zu sozialer Zersplitterung, einer Kultur des Materialismus und Konsumdenkens sowie zu geistiger Blindheit geführt, wodurch die Menschen den Kontakt zu ihrem angeborenen Sinn für Moral und Gewissen verloren hätten.
„In der westlichen Gesellschaft sehen wir deutlich, zu welcher Verirrung diese Denkweise führt. Wenn wir versuchen, die Lehren Christi an die Schwäche des Menschen anzupassen, rutschen wir unweigerlich immer tiefer in den Abgrund. Die Lehren der westlichen Gesellschaft zu Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie sind klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat und hilflos auf dem stürmischen Meer menschlicher Begierden treibt, in jeder Hinsicht erschüttert und geschwächt“, erklärte er.
Er führte aus: „Es ist für jeden offensichtlich, wie der Westen, eine säkulare Gesellschaft, seine Kraft verloren hat und immer selbstbezogener wird. Einst ein Licht für die Völker, hat sie nun ihre Lampe unter den Scheffel gestellt. Ihr Licht wird immer schwächer. Wie der Erzbischof von Kinshasa, Kardinal Ambongo, vor einigen Monaten sagte: ‚Die Kirche in Afrika wurde immer als Tochter der Kirche in Europa betrachtet. Doch nun kann man sie aus gutem Grund als Schwesterkirchen bezeichnen.‘ Die Kirche in Europa ist geschwächt, die Kirche in Afrika immer stärker.“

Erzbischof van Megen betonte, dass die Lehren Christi unverzichtbar seien und dass sie der einzige akzeptable Maßstab für alle Menschen seien, „so wie der Kompass das einzige verlässliche und unverzichtbare Instrument für einen Kapitän ist, der seinen Weg durch die dunklen und stürmischen Meere findet (Leo Tolstoi).“

Kommentar von Christian Modehn: Wenn, so Bischof van Megen,  die Lehren Christi unverzichtbar seien und dass sie der einzige akzeptable Maßstab für alle Menschen seien, dann ist damit heftigster Fundamentalismus gesagt. Man tausche nur „die Lehren Christi“ mit „den Lehren des Koran“ aus…
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Am 15.5.2026 ergänzt: Nuntius van Megen ist offenbar eng mit dem reaktionären Kardinal von Utrecht, Wim Eijk, befreundet, über die Reflexionen des Kardinal zur Homosexualität siehe aktuell:LINK 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Bittgebete: Unsinn … und gelegentlich Sinn: Über Beten als Poesie.

Bittgebete verstehen. Sie sind meist unsinnig, manchmal noch hilfreich!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 1. März 2026

Vorwort:
Beten ist eine persönliche Poesie inmitten des Lebens und Leidens. Und Bitt – Gebete können hilfreich sein, wenn ich mich meiner persönlichen Poesie vergewissere, einer Poesie, die in aller Vielfalt den tragenden Sinns des Lebens und Sterbens in Worte fasst. Dieser bergende Sinn ist für christlich orientierte Menschen eine göttliche Wirklichkeit: „Die gute, wunderbare, ewige Wirklichkeit, in der wir geborgen sind“, um an Dietrich Bonhoeffers Satz – leicht variierend- zu erinnern. Aber: Bittgebete sind niemals Wundermittel.

1.
Es wird jetzt, wie immer in Krisen-Kriegszeiten, offenbar viel gebetet, viele Aufforderungen zum Bittgebet werden, von den religiösen „Führern“, dem Klerus, als hilfreich empfohlen. Papst Leo redet ständig von Bittgebeten. Er meint wohl, nach uralter „klassischer“ Spiritualität, Gott als „Person“ im Himmel förmlich „bestürmen“ zu können mit unseren auch politischen Wünschen. Wie Gott im Himmel dann die eingehenden unterschiedlichen Wünsche koordiniert, d.h.“erfüllt“, wissen die Frommen mit ihrer ganz unterschiedlichen Wunschliste natürlich nicht. Und niemand kann das wissen. Das heißt: Die frommen Bittenden glauben eigentlich selbst nicht daran, dass ihre Wünsche erfüllt werden. Sie gehen dann mit den immer wiederkehrenden Enttäuschungen relativ gelassen um: Es ist wie beim Lotto-Spiel: Niemand ist erschüttert, wenn er auch diesmal nicht die richtigen sechs Zahlen getippt hat. „Dann halt beim nächsten Mal.“ Und es wird weiter um Frieden gebetet. Beten und Bitten kann gedankenlos werden…

2.
Das Bild eines allmächtigen und allwissenden Gottes im Himmel, der je nach Laune ins Weltgeschehen eingreift und plötzlich aus einem Kriegsverbrecher einen Pazifisten macht, dieses Gottes – Bild ist verstaubt und vergangen. Es macht aus dem Unendlichen und Ewigen förmlich einen Hampelmann, der sich abhängig macht von den jeweiligen Launen der Frommen: Fromme Russen beten für Putins Sieg, fromme Europäer beten zurecht für die Menschen in der Ukraine und die Niederlage Putins. Mein Gott, möchte man sagen, was soll Gott da alles erhören und richtig stellen, was Menschen in ihrer Freiheit zerstören.

3.
Bittgebete sind oft auch Ausdruck existentieller Hilflosigkeit. Aber diese Hilflosigkeit inmitten von Kriegen ist von Menschen verursacht, nicht von Gott im Himmel. Eine schöpferische göttliche Wirklichkeit hat die Menschen als freie Menschen erschaffen, das heißt mit Vernunft ausgestattet. Nur so können Menschen ihr Leben gestalten, sich aber auch aufgrund der Freiheit unsinnig und kriegerisch zerstörend austoben. Kriege sind Ausdruck von Freiheit. Wenn die Menschen, die Bürger aufpassen würden, könnten sie Kriegsherren wie Putin, Trump usw. doch wohl verhindern oder früh genug absetzen…
Das ist der Preis der Freiheit… Aber sind Menschen als Menschen denkbar, wenn sie unfrei wären?

4.
Und nun beten auch die Führer der US-Evangelikalen erwartungsgemäß wieder mal für ihren Führer und mit ihrem Führer Donald Trump, sie beteten vor laufender Kamera am 5. März 2026 für das Wohlbefinden der US Truppen und den Sieg der US Streitkräfte im Iran. Für das Leiden der „einfachen Menschen“ im Iran, im Libanon, in Israel usw. beteten sie explizit wohl nicht, diese Menschen sind als Opfer der Kriege doch nur „Kollateralschäden“, wie es in der Sprachen der Krieger heißt. LINK

5.
Beten für den Frieden kann nur bedeuten: Nachdenken, wie Frieden wieder möglich wird. Ausbildung zum Frieden und Lernen des gewaltfreien Widerstandes in den Gemeinden weltweit muss man als zentrale christliche Aufgabe verstehen. Diese ständige Arbeit am Frieden sollte auch ein Papst lehren und vorleben. Der Papst betet und bittet … und formuliert permanent sympathische diplomatische Friedens – Forderungen, oft verbrauchte Floskeln, als Chef des Staates Vatikan, genannt Heiliger Stuhl. Diesen „Heiligen Stuhl“ respektieren die meisten Diplomaten mit freundlichem Lächeln, aber dieser „Stuhl“ steht den Mächtigen immer nur im Wege, wenn sie ihre kriegerischen Untaten begehen. Kurz gesagt: Der Papst kann sich politisch nicht mehr durchsetzen, das Mittelalter ist vorbei. Ob der Papst als Papst das weiß? Als Papst müßte er sich um Wichtigeres kümmern: Christen zu Aktivisten des Friedens und der gewaltfreien Aktion ausbilden…
Die internationale katholische Friedensbewegung „PAX Christi“ hat in der Kirche einen marginalen Status, „Pax Christi“ gilt als eine Versammlung von Utopisten… und Spinnern.

6.
Wenn wir Bittgebete sprechen oder Bittgebete anderer uns berühren, dann sollten wir aufmerken: Was kann ich, was können wir tun, um aus dem konkreten Elend herauszufinden? Bittgebete sind Aufrufe zur Reflexion, zur Selbstreflexion wie zum Nachdenken der vielen, die einen Hilferuf als Bitte, als Bittgebet, hören.

7.
Manches Leid und viele Leiden lassen sich nicht – zumal bei Krankheiten oder im Erleben von Naturkatastrophen – überwinden oder aufheben. In solchen Situationen haben Bittgebete vielleicht eine heilende Wirkung und Bedeutung: Sie erinnern die Bittenden, die Christen zumal, an die eine, alles entscheidende Basis (!) ihres Glaubens: Gott ist der tragende, der gründende Sinn im Leben, trotz allem. Gott oder die schöpferische Kraft ist „die gute Macht, in der wir Menschen uns geborgen glauben“, wie es Dietrich Bonhoeffer ähnlich formulierte. Das heißt: Der Christ weiß, dass er immer von Gott behütet ist, da braucht er nicht dieses oder jenes von Gott zu erflehen. Der Christ soll handeln – zugunsten des Friedens, der universellen Gerechtigkeit. Und nicht so viel Beten. Seine poetischen Talente kann der Christ auch anderweitig ausprobieren…

8.
Wann könnte trotzdem ein Bittgebet als meine Poesie sinnvoll und hilfreich sein? Wenn wir die Gewissheit haben: Alles droht unterzugehen, Humanität droht zerstört zu werden und mein Leben und unser Leben ist am Kipppunkt, also christlich gesprochen am Übergang in eine andere Wirklichkeit ohne leibliches Dasein. Also: Unter solchen Bedingungen können Bittgebete als Poesie hilfreich sein. Sie vergewissern den einzelnen seiner Verbundenheit mit dem Ewigen, das Neue Testament oder auch Meister Eckart und Hegel würden sagen: Sie geben dem einzelnen die Gewissheit, mit dem göttlichen Geist, dem ewigen Geist des Ewigen, verbunden zu bleiben. Das Bittgebet als persönliche Poesie hat also auch in einem neuen, vernünftigen theologischen und religionsphilosophischen Verständnis eine begrenzte, hilfreiche Bedeutung. Bittgebet, so verstanden, führt in eine Form von bleibender Geborgenheit, als Hoffnung über den Tod hinaus. Aber Hoffnung bedeutet immer: Handeln im Sinne der universellen Gerechtigkeit.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin