Was heißt christlich glauben?

Hinweise auf eine Lebens-Philosophie
Von Christian Modehn

1.
Was „christlich glauben“ heute bedeuten kann, ist nicht allein den Definitionen der Kirchen und ihren Institutionen zu überlassen. Selbstverständlich kann auch Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie Vorschläge machen, Hinweise geben.
Hier also, kurz gefasst und für „weite Kreise“ nachvollziehbar, Hinführungen zum christlichen Glauben, Skizzen zum Weiterdenken. „Den christlichen Glauben“ gibt es nur im Plural, verteilt auf unterschiedliche Kirchen, aber auch individuell – auch außerhalb der Kirchen – gedacht und gelebt von unterschiedlichen Menschen, die sich auch in unterschiedlichen Gesprächskreisen, etwa „philosophischen Salons“, treffen.
Dies auch als Beispiel für eine „freisinnige“ Theologie. Sie muss sich gegen die so mächtig wirkende, zerstörerische fundamentalistische Theologie behaupten.
2.
Ich plädiere hier für einen christlichen Glauben als eine Lebens –Philosophie. Das heißt: Der/die einzelne kann für sich selbst im Nachdenken, in der Meditation oder in der aktiven, auch gesellschaftlichen Praxis den Kern des christlichen Glaubens entdecken, erleben, erkennen, zur Sprache bringen, oft auch in der je eigenen Poesie, die man manchmal auch Gebet nennen kann. Dabei bezieht sich dieser „Kern“ des Glaubens auf einige Grundeinsichten Jesu von Nazareth.
3.
In der Frühzeit des Christentums wurden der christliche Glaube selbst als eine philosophische „Schule“ verstanden, auch von den Philosophen und ihren Schulen (Neoplatoniker, Stoiker usw.). Der Austausch der unterschiedlichen philosophischen Schulen endete damit, als sich die Christen als die einzige, die wahre philosophische Schule durchsetzten und die anderen Schulen als eigene, wertvolle Lebensmodelle ignorierten oder unterdrückten. Ich kann hier zur Vertiefung nur auf einen ausführlicheren Beitrag verweisen. LINK
4.
Christen beziehen sich in ihrem religiösen Glauben vor allem zentral auf einen Text, die Bibel. Besonders auf die vielfältigen Texte des Neuen Testaments (NT). Dass darin wiederum je unterschiedliche Interpretationen der Hebräischen Bibel (Altes Testament, AT) erscheinen, kann hier nicht weiter entfaltet werden.
5.
Im Mittelpunkt des Glaubens steht die Gestalt Jesus von Nazareth, der gerade dann, wenn er zentraler Mittelpunkt im Leben sein soll, Jesus als der Christus genannt wird. Christus bedeutet wörtlich übersetzt: der Gesalbte, also der Mensch mit einer besonderen Würde, vor allem der eines Königs. Und „Christus“ heißt für heute übersetzt bedeutet: Dieser Jesus gilt als das wichtige, befreiende und erlösende „Vorbild“.
6.
Jesus von Nazareth selbst, den man zu Lebzeiten auch Propheten und „Menschensohn“ nannte, haben nur relativ wenige Menschen kennen gelernt und nach seinem grausamen Tod auch weiterhin geschätzt, verehrt, geliebt und von ihm gesprochen. Dieser Freundeskreis ist etwa in den Jahren zwischen 40 bis 60 gestorben. Man nennt diese „Anhänger“ Jesu „die JüngerInnen“ bzw. auch „die 12 Apostel“. Und wiederum deren Freunde haben die 4 Evangelien aufgeschrieben, in den Jahren zwischen 60 bis 80. Mit anderen Worten: Was etwa der Apostel Petrus selbst sagte oder der “Lieblingsjünger“ Johannes selbst mitteilte, ist unbekannt. Alle Berichte des NT beziehen sich auf eine vielfältige mündliche Erinnerung an Jesus von Nazareth, die dann die Erzähler selbst wiederum unterschiedlich verwenden. Unmittelbar ist Jesus von Nazareth selbst in den Texten des NT nicht „erreichbar“.
7.
Seit dem Jahr 50 etwa kann man Jesus von Nazareth nur über die Texte des Neuen Testaments, vor allem durch die vier Evangelien, erkennen. Die so genannten apokryphen Evangelien sind in einem noch größeren zeitlichen Abstand zum Leben Jesu verfasst worden, sie bieten viele, von der offiziellen Kirche unterdrückte Legenden aus dem Leben Jesu…
Zentral ist die Erkenntnis: Wer Jesus Christus als Mittelpunkt des Lebens, etwa der eigenen Lebensphilosophie, sucht, ist auf Erzählungen anderer angewiesen. Eine ähnliche Situation gibt es etwa im Falle von Sokrates, dessen authentische Worte nicht überliefert sind, durch Platon wird seine Gestalt lebendig. Von wichtigen religiösen „Vorbildern“ – etwa auch von Buddha – gibt es keine schriftlichen, „authentischen“ Selbstdarstellungen.
8.
Warum aber das Interesse an Jesus? Seine Person soll eine Offenbarung Gottes sein. Die Kirchen lehren: Gott offenbart sich in dem Menschen Jesus von Nazareth. Der Unendliche, der/die Ewige, das absolute Geheimnis, wie auch immer man die alles gründende Wirklichkeit nennt, kann sich über die Gestalt Jesu von Nazareth erschließen.
9.
Gott selbst „spricht“ nicht direkt als solcher. Gott „spricht“ durch die Vermittlung der Erzählungen der Freunde Jesu. Wer christlich glauben will, kann sich also niemals in einem Text direkt auf Gott beziehen. Jede Behauptung: „Dies sagt Gott“. „Dies will Gott“ usw. , ist also in dieser Absolutheit von vornherein unzutreffend. Solche Sätze legen einen Fundamentalismus frei: Dies ist der Wahn einiger bzw. jetzt leider vieler, die da meinen, auf der Seite Gottes zu stehen…
10.
Das Neue Testament ist (als vielfältige Interpretation des Glaubens der ersten Christen) Menschenwort und als solches historisch und kritisch, d. h. wissenschaftlich, zu untersuchen. Damit kann auch die Dimension des Außerordentlichen der Jesus-Gestalt erschlossen werden.
11.
Die Redeweise in den Gottesdiensten der Kirchen: „Sie hören Gottes Wort“ ist also lediglich eine Art poetische Sprache. Treffender müsste es heißen: „Sie hören nun die für uns inspirierende Deutung der göttlichen Wirklichkeit durch die ersten Freunde Jesu von Nazareth“. Das wäre die Wahrheit.
12.
Die entscheidende Frage ist: Kann die innere Bewegtheit, also der Glaube, wie ihn die damaligen Jesus-Freunde (gerade in ihrer, uns zum Teil befremdlichen Sprache) uns vorlegen, auch uns zu „unserer“ spirituellen Bewegtheit führen, zu einer christlichen Lebensphilosophie?
Hinzu kommt noch die Auseinandersetzung (und manchmal die kritische Abwehr) der vorgefundenen Dogmen und Bekenntnisse, die sehr umfangreich seit dem 3. Jahrhundert von der Kirchenführung formuliert wurden.
13.
Wer diese durchaus „spannende“ Mühe des Studiums und des Lernens erlebt, ist aber im „Resultat“ immer frei, auf die je eigene Weise bestimmte Aspekte für die eigene christliche Lebensphilosophie herauszustellen. Man kann etwa die „wunderbaren“ Gleichnisse Jesu für sich selbst in den Mittelpunkt der eigenen Lebensphilosophie stellen oder die anspruchsvolle und verstörende Bergpredigt oder die Erzählungen von der Auferstehung Jesu: Da wird sichtbar: Wie Jesus, der als verstorbener Mensch wie alle Verstorbenen im Grab bleibt, dennoch als „Auferstandener“ gedeutet und erlebt wird. Weil er – als ein „Sohn Gottes“ – vom Ewigen und Göttlichen in sich selbst ausgezeichnet ist. Diese Auszeichnung ist sozusagen die „Kraft“ der Auferstehung. Jesu Überwindung des Todes schließt aber auch die Erkenntnis ein: Alle Menschen sind als Geschöpfe Gottes auch mit dem Ewigen in Einheit verbunden, deswegen haben auch sie Anteil an der Auferstehung. In welcher Weise und Form dies geschieht? Diese Details entziehen sich dem Begreifen des Menschen. In der christlichen Lebensphilosophie wird sozusagen nur ein Türspalt über den Tod hinaus geöffnet, ein Türspalt, in dem das Licht des Ewigen etwas spürbar wird. Mehr nicht. Aber das ist schon viel, zumal für Menschen, die von einer christlichen Lebensphilosophie auch einen Hinweis, wenn nicht eine Antwort auf den Tod oder auf die Angst vor dem Tod (als definitives Verschwinden im Nichts?) erwarten.
14.
Es gibt aber eine weitere, eine andere Möglichkeit, den christlichen Glauben kennen zu lernen und ihn dann möglicherweise als Mittelpunkt des eigenen Lebens anzunehmen:
Zu den überlieferten Worten des Propheten Jesus von Nazareth gehört auch der Vorschlag: Die Liebe soll die alles entscheidende, gestaltende Kraft im Leben, in der Gesellschaft sein. Liebe ist über alles zu stellen: Die Nächstenliebe als universale Form der Liebe. Denn jeder und jede kann der „Nächste“ sein. Diese Nächstenliebe erscheint aber im NT immer als Einheit mit der Gottesliebe. Jesu von Nazareths zentrale, alles andere in den Schatten stellende Erkenntnis und Weisheit heißt: Wer den Nächsten liebt, der liebt Gott. Weil in der Liebe der Sinngrund des Lebens mit bejaht wird, also Gott. Der große katholische Theologe Karl Rahner hat über diese Einheit von Nächstenliebe UND Gottesliebe wichtige Erkenntnisse mitgeteilt.
15.
In einer Lebenspraxis, die von Liebe, Friedfertigkeit, Solidarität, Empathie, Großzügigkeit bestimmt ist, geht dem Menschen inmitten dieser Praxis sozusagen ein Licht auf. Und dieses Licht wird von christlichen Lebensphilosophen als stille Anwesenheit eines überraschend Befreienden, „Beglückenden“, Überraschend – Göttlichen erfahren und ausgesprochen. In gewisser Weise hat wohl sogar der historische Jesus selbst diese Erfahrung beschrieben, als er von dem alles entscheidenden Urteil der göttlichen Wirklichkeit über das gelebte Leben der Menschen sprach: Entscheidend ist allein das Tun, das Tun des Guten und Gerechten. Konkret heißt das: Die Hilfe für Hungernde, das Trösten der Traurigen, der Beistand für die Leidenden usw. Man lese etwa im 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums die Verse 34 bis 46.
16.
Wenn eine solidarische Lebenspraxis bereits entscheidend die christliche Lebensphilosophie ist, dann ergeben sich ganz neue Verbindungen unter den Menschen, die diese Lebenspraxis auf je eigene Art leben: Ich möchte hier nur an eine Erkenntnis des Theologen Paul Bolkovac SJ (Hamburg, 1907-1993) erinnern: „Sobald und solange jemand aus sich herausgeht, über sich hinauswächst und auf einen Anderen zugeht, fremde, andere Belange wahrnimmt, im doppelten Sinn des Wortes, dann ist er mit einer solchen Einstellung im Einklang mit Gott… Diese Praxis macht deutlich, wofür oder wogegen der Mensch steht. In der Gottlosigkeit befindet sich jeder, sobald und solange er in seinem privaten und auch kollektiven Egoismus befangen ist und gefangen bleibt“ (in: „Atheist im Vollzug – Atheist durch Interpretation“, in dem Buch „Atheismuskritisch betrachtet“, 1971, S, 22f.). Mit anderen Worten: Christen und Atheisten sind eng verbunden, sind Freunde, wenn sie eine Lebenspraxis der Solidarität (als Überwindung des Egoismus) leben. Und Atheisten (im Sinne des Egoismus) sind jene Christen und sich christlich nennende Politiker, die etwa eine Politik der Respektosigkeit für die Armen leben.
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So ist auch eine bestimmte solidarische Lebenspraxis im Respekt für die „anderen“ selbst schon christlicher Glaube. Aber diese richtige Glaubensform wird von den Kirchen so oft als gleichwertig zum „theoretischen Glauben“ übersehen. Wie alle Lebensphilosophie braucht auch diese eben eigene Worte, d.h. eine Poesie, Gebete genannt. Sie wird sich auch mit anderen austauschen und Gottesdienste gestalten, jenseits aller Routine.
18.
An eine dritte Möglichkeit einer christlichen Lebensphilosophie soll noch erinnert werden: Das Suchen und Fragen nach einem tragenden Sinn im Leben kann zu der Erkenntnis werden: Der Mensch ist selbstverständlich alles andere als ein bloßes „Naturwesen“. Er ist durch seinen Geist über alles Endliche „hinaus“ und damit verwiesen auf etwas Unendliches. Man lese Hegel in dem Zusammenhang! Der menschliche Geist ist nicht eingezwängt ins Weltliche, er transzendiert immer schon alles Vorfindliche – Gegebene. Wer achtsam diese Verwiesenheit auf das Unendliche lebt und zur Sprache bringt, kann von da aus einen Zugang auch zum christlichen Glauben finden. Er kann viele zentrale Glaubens-Wirklichkeiten inmitten seines eigenen Lebens erfahren und zur Sprache bringen: Die Erfahrung der Gnade etwa als das Geschehen eines (zu – fälligen) Beschenktwerdens. Oder die Sehnsucht nach einem Vorbild, das nicht (etwa als Guru oder gar als Führer) ausbeuterisch in die Irre führt, sondern zum je eigenen Sein befreit. Dieses immer schon im Geist, in der Seele, gesuchte Vorbild könnte dann in der Gestalt des Jesus von Nazareth entdeckt bzw. wieder-gefunden werden. Oder die berechtigte innere Sehnsucht nach einer heilsamen Gemeinschaft könnte zu einer Vorstellung einer Gemeinschaft oder Gemeinde führen, die im Geist der Offenheit und des Respekts die christliche Lebensphilosophie feiert. Wer dafür eine klassische theologische Begründung wünscht: Sie hat ihr Fundament in der Lehre vom „heiligen Geist“, der in jedem Mensch wirksam und kreativ handelnd und denkend lebt!
19.
Damit will ich sagen: Vom geistigen Leben der Menschen aus ließen sich die Grunderkenntnisse der biblischen Lehren selbst schon erschließen und ansatzweise formulieren. Auch die überlieferten Erzählungen und Lehren des Neuen Testaments sind nichts anderes als Äußerungen, schriftliche „Objektivierungen“, des inneren Erlebens der Autoren dieser Texte. Sie haben ihr eigenes inneres Bewegtsein niedergeschrieben so, wie sich heute Menschen in eigener Poesie ihr eigenes inneres Bewegtsein vom Glauben niederzuschreiben. So entstehen in gewisser Weise auch „heilige Schriften“ im Laufe der Glaubens – und Kirchengeschichte. Sie stehen in einem Dialog miteinander. Wobei den Texten der ersten Freunden (NT) sicher eine besonders zu respektierende Bedeutung zukommen wird.
Es gibt also ein Christentum, das von „unten“, von der seelischen und geistigen Bewegtheit entsteht.
20.
Warum ist hier immer von christlicher „Lebensphilosophie“ die Rede? Weil der christliche Glaube –„Gott sei Dank“ – weit über den kirchlich fixierten christlichen Glauben hinaus weist. Und weil Philosophie alles andere ist als ein abstraktes Theoretisieren. Philosophieren entsteht inmitten der Lebenspraxis und führt – reflektiert – wieder in eine neue, dann veränderte, möglicherweise tiefere, „verbesserte“ Lebenspraxis zurück. Und dann geht die geistige Bewegung erneut weiter. Christliche Lebensphilosophie ist niemals Stillstand, niemals Stagnation, obwohl so viele Kirchen heute immer noch diesen Eindruck hinterlassen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Von Luther (fast) nichts gelernt: Zum „Reformationsgedenken“ 2016-2017

Von Luther (fast) gar nichts gelernt.

Ein Hinweis von Christian Modehn, erneut publiziert als Meditation zum Ostersonntag 2017

1983, anlässlich des 500. Geburtstages von Martin Luther, hatte ich u.a. einen Dokumentarfilm fürs ERSTE (SFB) realisiert mit dem Titel „Wir haben von Luther gelernt“. Den Titel hatte ich vorgeschlagen. Mit dem „Wir“ waren die Katholiken im allgemeinen gemeint.

Das Zweite Vatikanische Konzil war damals erst knapp 20 Jahre vergangen und es herrschte in weiten Kreisen der europäischen katholischen Theologie eine Art Aufbruchsstimmung. Die meisten waren enthusiastisch, freuten sich, dass die Messen nun (wie bei Luther) in der jeweiligen Landessprache gehalten wurden. Dabei vergaß man, dass die Texte der deutschen Messe zum Teil wortwörtlich aus dem Lateinischen übersetzt wurden und auch auf Deutsch kein größeres Verständnis weckten. Man freute sich aber, dass 300 Jahre nach der Aufklärungsphilosophie die Katholische Kirche sich bequemte, auch die Religionsfreiheit anzuerkennen. Man freute sich auch, dass sich der Papst in Zukunft etwas beraten lassen wollte. Vom wem? Von anderen Klerikern. Man freute sich, dass es Synoden in den Bistümern gab: In den Synoden durften Laien zwar mit großem Engagement endlos debattieren und einiges beschließen: Aber die Beschlüsse galten nichts, sie mussten vom Klerus, von Rom usw., genehmigt werden. Und genehmigt wurde kein Reformvorschlag, etwa zum Priesteramt der Frauen. Höchstens, dass die Kerzen zur Fronleichnamsprozession auch die Farbe gelb haben dürfen. Es wurden „Kirche von unten“ – Gruppen gebildet, die aber niemals eine anerkannte Position etwa der Mitbestimmung bekamen. Insgesamt aber gab es eine allgemeine (sich nicht selbst kritisch reflektierende) Mentalität, eine Art Glaube, dass der Katholizismus sich reformiert habe und „modern“ werde. Also auch von den reformatorischen Grundideen Luthers gelernt habe.

Ich selbst bin dieser allgemeinen euphorisch gestimmten Haltung gefolgt. Hans Küngs Bücher hatten Massenauflagen erreicht, viele Enthusiasten glaubten dummerweise, es werde alsbald einen Hans-Küng-Katholizismus geben, also einen vernünftigen, modernen, kritischen. Inzwischen hatten sich reaktionäre Kräfte im Katholizismus gesammelt, nicht nur um Erzbischof Lefèbvre, sondern auch im Opus Dei, bei den Neokatechumenalen usw., die die Traditionen lieben und alles andere als einen modernen Katholizismus wollen. An diese Kreise, die so treu klerikal sind, hält sich Rom mit großer Vorliebe. Diese Kreise haben auch Geld. … und viele junge Priester.

Zurück zu 1983: Viele enthusiastische Katholiken ließen sich in die Irre der blinden Euphorie führen. Bald merkten sie, dass Rom eben doch Rom bleibt, und der Katholizismus nur ein paar Äußerlichkeiten verändert, schweren Herzens. Denn Veränderungen sind immer auch Machtverzicht des allmächtigen Klerus.

Nur einige Beispiele, die zeigen: „Wir (Katholiken) haben von Luther nichts gelernt und wollen es auch nicht“. Wobei sich das Lernen von Luther auch auf die von ihm inspirierte Kirche bezieht.

Die Liste ist lang und wird hier nur unvollständig präsentiert:

– Die Zölibatsverpflichtung für Priester besteht trotz der richtigen Erkenntnisse Luthers nach wie vor im Katholizismus.

– Die (Männer) Orden (Luther war Augustiner) haben ihre alte klerikale Struktur ungebrochen bewahrt. Deswegen sind sie in Europa heute so wenig einladend für junge Leute, dass die Orden und Klöster bald verschwinden.

– Die oberste Entscheidung in der Kirche liegt nach wie vor ALLEIN beim Papst und beim Klerus. Es gibt keine synodale Struktur, wenigstens Ansätze für eine synodale demokratische Struktur im Katholizismus. Alle Synoden, an denen auch einige wenige zuverlässige Laien teilnehmen dürfen, gewähren diesen kein Stimmrecht.

– Laien sind immer noch das gehorsame Fußvolk, das dem Klerus folgen soll. Manche freuen sich, großartige Rebellen zu sein, weil es als konfessionsverschiedenes Ehepaar eben bei einem unbekannten Priester die Kommunion empfängt…

– Es gibt immer im Jahr 2016 bei Papst Franziskus, dem „Progressiven?“ die Praxis und Theologie des Ablasses.

– Es wird immer noch eine Heiligenverehrung gefördert, die magische Elemente wie zu Zeiten Luthers hat: Etwa die Verehrung von Knochen(resten) angeblich heiliger Menschen. Man nennt das Reliquienkulte, wie kürzlich noch im Petersdom, als die Knochen des heiligen Scharlatans Padre Pio zur Verehrung ausgestellt wurden.

– Es wird katholischerseits immer noch geglaubt, die Heiligen im Himmel seien Fürsprecher für uns hier auf Erden. Diesem (Aber) Glauben kann man ja folgen, aber was ist dann noch der Unterschied zur Esoterik, die die Katholische Kirche bekanntlich verdammt.

– Mit der freien theologischen Forschung hapert es immer noch: Theologen etwa an staatlichen Universitäten in Deutschland, finanziert von Steuergeldern, werden nur mit Zustimmung der Bischöfe berufen. Was wäre, wenn Politologen an der Universität vom Außenministerium berufen würden usw.

– Das Papsttum tritt immer noch in dieser doppelten Gestalt auf. Einerseits geistliches Oberhaupt; andererseits Staatschef des Staates Vatikan, mit allen diplomatischen Rechten und Privilegien. Der Nuntius ist der Kontrolleur des Papstes in den Staaten. Der Staat Vatikan hat seine Banken, seine Mafia usw. Alles das ist endlich etwas bekannter geworden. Was ist der Unterschied zum Rom, das Luther kannte? Wer stellt diese Frage?

– Laien haben keinerlei Mitentscheidungsrecht für die sie unmittelbar bewegenden Fragen, etwa die heute übliche und rasante Zusammenlegung von Pfarreien aufgrund des Priestermangels. Geld genug ist ja in Deutschland bekanntlich bei den Milliarden-Etats da. Nur weil zölibatäre Priester fehlen, werden Pfarreien zusammengelegt. Der Klerus bestimmt allein. Und Laien müssen auf gewisse pastorale Nähe und Dienste verzichten, falls denn Priester überhaupt noch als Seelsorger angesprochen werden können. Diese Zusammenlegung von Pfarrgemeinden einzig und allein deswegen, weil es so wenige zölibatäre Priester gibt, ist wohl einer der größten katholischen Skandale heute überhaupt. Denn nicht im entferntesten wird daran gedacht, Laien die Verantwortung für die Sonntagsgottesdienste und die Sonntagsmesse zu geben. So würden alle Gemeinden lebendig bleiben und Nähe und Nachbarschaft bestände weiter. Wenn der Klerus vom „allgemeinen Priestertum aller Gläubigen“ noch gelegentlich spricht, dann sind das leere Worte, die keine praktische Bedeutung haben.

Ich breche hier die Liste der Beispiele ab, die zeigen, dass der Katholizismus bis heute tatsächlich und nachweisbar fast nichts von Luther gelernt hat.

Mir tut es im nach hinein leid, dass ich mit dem Filmtitel von 1983 aus heutiger Sicht eine falsche Fährte gelegt habe. Heute müsste man einen Film mit dem Titel machen: „Wir haben von Luthers praktisch gar nichts gelernt“. Und der Klerus will es auch nicht, müsste man treffender weise dazusetzen. Das heißt ja nicht, dass es da und dort einige vernünftige Kleriker gibt, die das System durchschauen und Änderungen. Aber sie haben keinen Mut, dies öffentlich zu sagen!

Das gilt, trotz aller öffentlichen Ökumene, all der Begegnungen und Dispute, die alle das Ergebnis haben: „Noch ist die Zeit nicht reif für eine Kircheneinheit oder einer Einheit in Verschiedenheit“. Immer wieder ist zu hören: „Wir müssen weiter beten“. Die Frage. Wie lange darf man beten, wenn sich trotz heftigen (?) Betens keine Ergebnisse zeigen?

Aber kann Luther umfassender Lehrmeister der Ökumene“ heute sein? Das ist die andere Seite des Themas. Er kann es sicher nicht im umfassenden Sinne sein. Zu viele „Schattenseiten“ und Denk-Fehler Luthers sind mittlerweile allgemeines Wissen geworden: Etwa Luthers (damals sicher weithin übliche) Form der Verachtung der Juden; vor allem Luthers Ablehnung der positiven Leistungen der Philosophie; damit zusammenhängend: Seine Zurückweisung des Humanismus. Sowie, sicher zentral, sein Fixiertsein auf einzelne Traditionen, etwa im Neuen Testament: Da besonders auf den Paulus des Römerbriefes und Galaterbriefes. Mit den verheerenden Konsequenzen, die zur unsinnigen und noch immer gültigen Opfertheologie führten („Gott lässt seinen Sohn Christus sich abschlachten für die Rettung der Welt“) und auch die nicht akzeptablen Ansätze der Prädestinationslehre, die dann von Calvin noch ins Extreme gefasst wurde.

Also, so furchtbar Vieles gibt es nun von Luther (und Calvin) auch nicht zu lernen, nicht nur für Katholiken, sondern für alle spirituell interessierten Menschen. Und es verwundert, aus der philosophischen und christlich – humanistischen Ecke betrachtet, die die unsere ist, mit welcher Bravour dann doch noch ab dem 31. 10. 2016 ein Jahr lang eben Luther in allen nur denkbaren Variationen gefeiert werden soll.

Das ist die entscheidende Frage: Wird es aus der Kraft dieser so intensiven (und teuren) Formen des Erinnerns eine dringend erforderliche neue Reformation geben, eine solche, die die Menschheit heute tatsächliche und wirksame Schritte tun lässt zur Beendigung des Mordens in den Kriegen weltweit, zur Einschränkung des Waffenhandels, zur Beendigung eines blind – wütenden totalen und kaum noch zu kontrollierenden Kapitalismus? Vor allem: Wird man mit Luther und der neuen Reformation auch den Wahn des neuen Nationalismus beseitigen können? Wird es eine Gesellschaft geben, die den anderen, den Fremden, voll respektiert und schätzt? Werden das die Kirchen etwa in Deutschland leisten können, diese kreative Leistung vollbringen, die Mut erfordert, in den Auseinandersetzungen mit den Regierungen standfest zu bleiben und nicht weich zu werden angesichts der vielen Privilegien, die diese deutsche Gesetzgebung immer noch finanziell den Kirchen bietet?

Die wichtigste neue Reformation ab 31.10 2016 wäre wohl das mutige Beiseitelegen vieler dogmatischer Traditionen, die nur noch als Last des Vergangen mitgeschleppt werden, an die aber kein vernünftiger Christ mehr sich halten will: Von der Opfertheologie war die Rede, sie versteht kein Mensch mehr, der ein irgendwie vernünftiges Gottesbild hat; von der Zurückweisung der alten Erbsündelehre müsste die Rede sein; von dem Credo, das immer noch so viele unverständliche Floskeln enthält, etwa „der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohn aus“, und dieser „sei gezeugt, aber nicht geschaffen“ usw…Kurz und gut: Die neue Reformation wäre theologisch gesehen eine Übernahme zentraler Erkenntnisse der liberalen Theologie. Aber darauf zu hoffen, dass diese Leistung geschieht, diese Reduzierung der Berges von uralten und veraltetem Dogmen-Wissens auf eine einfache (jesuanische) Weisheit: Darauf hoffen wohl nur sehr wenige (liberale) Theologen und Religionsphilosophen.

Nachtrag am 26. 11. 2016: Wie es mit der Unmöglichkeit für grundlegende Reformen in der römischen Kirche, selbst unter Papst Franziskus, aussieht, dokumentiert Julius Müller-Meiningen in „Christ und Welt“ vom 24. 11. 2016 auf Seite 2. Nur ein zentrales Zitat, das eigentlich auch im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 wenig Hoffnungen macht auf größere katholische Reformen: „Die Kritiker des Papstes Franziskus haben schon längst ein Ziel erreicht: Sie haben seinen Spieraum begrenzt. Innerkirchlich dreht sich die Diskussion auch drei Jahre nach der ersten Vatikan-Umfrage zum Thema Ehe und Familie immer noch um die Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten…“  „Dogmatische Verbissenheit alter Kardinäle“, „rigide Engstirnigkeit im Vatikan“, „Leben der Kleriker dort wie auf einem anderen Planeten“: Diese Worte hört man, wenn man sich unter „Vatikanologen“, also journalistischen Vatikan-Spezialisten, umhört. Nello Scavo, Journalist bei der katholischen Tageszeitung Avvenire, hat 2015 in Italien (Edizione Piemme Spa, Milano) ein Buch publiziert, das 2016 in Paris (im katholischen Verlag Bayard) unter dem Titel „Les ennemis du Pape. Ceux qui veulent le reduire au silence. Ceux qui veukent le discrediter. Ceux qui veulent sa mort“, auf Deutsch: „Die Feinde des Papstes. Die ihn zum Schweigen bringen wollen. Die ihn diskreditieren wollen. Die seinen Tod wollen“. Auf Seite 376 nennt Nello Scavo den us-amerikanischen Kardinal Raymond Leo Burke mit den drohenden Worten:“Ich werde dem Papst widerstehen im Fall der Öffnung zugunsten der Wiederverheiratet-Geschiedenen und der Gays. Ich kann gar nicht anders handeln“. Und der reaktionäre Kardinal Burke hat jetzt, im November 2016, gehandelt. Zusammen mit den greisen Kardinälen Meisner und Brandmüller hat er die rechte katholische Lehre des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ öffentlich in Zweifel gezogen. Wird Papst Franziskus allmählich von einigen seiner Kardinäle zum Ketzer erklärt?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

Humanistin predigt in protestantischem Gottesdienst in Amsterdam

Ein Hinweis und ein Impuls von Christian Modehn

Am Sonntag, den 29. Mai 2016, predigt die neue Direktorin des Humanistischen Verbandes der Niederlande, Christa Compas, im Sonntagsgottesdienst der protestantischen Gemeinde der Remonstranten in Amsterdam, die Kirche heißt „de Vriburg“. „Gebt mir Brot und auch Rosen“ ist das Thema. Christa Compas ist Politologin und in vielfältiger Weise auch für die Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft aktiv. Der „Humanistische Verband Hollands“ ist eine bekannte Organisation, in der sich agnostische und atheistische Menschen zusammenfinden; sie haben z.B. eine eigene Universität in Utrecht. Uns freut es sehr, dass die Remonstranten eine prominente Humanistin zur Predigt im Sonntagsgottesdienst einladen. Und fragen uns natürlich, ob solches in Deutschland, etwa in Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD), möglich wäre. Vonseiten des HVD bestimmt… Übrigens: Eine führende Mitarbeit des theologischen Instituts der Remonstranten in Amsterdam, Christa Anbeek, war als Theologin auch Dozentin an der genannten humanistischen Universität in Utrecht. Sicher kommen sich auf diese Weise, durch gemeinsame christlich-humanistische Veranstaltungen, Glaubende und Skeptiker (Agnostiker, Atheisten…) näher und entdecken: Was uns verbindet ist größer als das,was uns trennt: Uns verbindet die Sorge um die Menschen, etwa, dass sie alle  „Brot und Rosen“ haben und diese teilen und sich daran erfreuen, um den Titel der Predigt von Christa Compas in der Amsterdamer Kirche noch einmal aufzugreifen.

Ich möchte hoffen, dass der universale humanistische Geist (der ja nie ein explizit antireligiöser und atheistischer war und ist) allmählich als gemeinsame menschliche Basis wieder entdeckt und gepflegt wird. Die entscheidende Erkenntnis: Zuerst kommt der allen gemeinsame Humanismus. Und erst dann die speziellere Interpretation des Menschen, die religiöse oder eher agnostische.  Aber dies ist die zweite Ebene! Und sie sollte auch als solche (eben nicht so dringende Dimension) gelebt und gelehrt werden, gerade jetzt.

Weitere Informationen zur Predigt von Christa Compas und der protestantischen Kirche de Vrijburg in Amsterdam finden Sie hier.

Christian Modehn, religionsphilosophischer salon berlin

Orte der Lebenskunst: Über die Zukunft christlicher Gemeinden

Gemeinden als Orte der Lebenskunst

Zur Zeitschrift ADREM der Remonstranten

Von Christian Modehn

Die Remonstranten in den Niederlanden, diese freisinnige christliche Kirche, nennt ihre Monatszeitschrift ADREM. Dieser Titel klingt lateinisch: „Zur Sache“, heißt die Übersetzung. Es geht um die „Sache“ spirituellen Lebens im Heute … auf der Basis einer vernünftigen, kritischen, „modernen“ Theologie. Aber der Titel ADREM unterstreicht auch, dass eben REMonstranten selbst zeigen, wie sie in der Gesellschaft, die säkular ist, pluralistisch, der Globalisierung ausgesetzt usw., ihr Leben gestalten.

Das neueste Heft, 26. Jahrgang, erschienen im Juli 2015, ist im besten Sinne ein vielstimmiges Plädoyer für eine Dimension der Lebenskunst: die Einübung der Stille, die Überwindung von Stress und Hektik.

Die Philosophin Joke H. Hermsen plädiert für das „langsame Leben“, die Unterbrechung, die Pause, die Stille. Nur dann können wir das menschliche Maß wieder finden, uns befreien aus Weiterlesen ⇘

„Ehe für alle“: Homosexualität ist normal und darum auch die Homo-Ehe.

EHE für alle: Homosexualität ist normal… und darum auch die Homo-Ehe

Philosophische und theologische Hinweise. Sie wurden vor 2 Jahren schon einmal in einer längeren Fassung hier publiziert. Aus aktuellem Anlass erinnern wir an „bleibende“ Einsichten zum Thema EHE FÜR ALLE. Es wird dabei als Nebenthema nicht uninteressant sein, am Ende des Beitrags zu lesen: Die Katholische Kirche segnet mit großer Selbstverständlichkeit Autos, Hunde und Katzen und Handys, aber nicht Homosexuelle, wenn sie denn eine religiöse Feier ihrer Ehe in einer katholischen Kirche wünschen…

Ein Kommentar von Christian Modehn am 29.6.2017

Zum Titel dieses Beitrags nur die kurze Erinnerung an gültige wissenschaftliche Erkenntnisse: Homosexualität ist gegenüber der Heterosexualität eine andere,  genauso wertvolle Form der menschlichen Sexualität, also etwas Normales…

Jetzt (d.h. im Moment der ursprünglichen Veröffentlichung 2015) hat der Supreme Court für das Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließung in allen (!) US-Staaten gestimmt. Die Urteilsbegründung durch den konservativen katholischen Richter Anthony Kennedy (er wurde 1988 von Reagan ernannt !) wird als historisches Dokument für die Gleichstellung homosexuellen Lebens und Liebens gelten können. Anthony Kennedy ist Katholik. Er könnte also sehr gut den Papst beraten in diesen Fragen! Anthony Kennedy hat einen Text der Urteilsbebegründung geschrieben, den die Herren der römischen Kirche durchbeten sollten, um in letzter Minute vielleicht noch Anschluss zu finden an eine vernunftbestimmte, allgemeiner werdende Zustimmung zur Ehe für alle. Oder wollen sich die Herren der römischen Kirche und die Führer orthodoxer und evangelikaler und pfingstlerischer Gemeinschaften Seite an Seite wissen mit den erklärtermaßen Homo-hassenden Diktatoren nicht nur in den arabischen Staaten? Können sich Christen in einem solchem Milieu wohlfühlen? Die bis jetzt bestehende geistige Nähe zu diesen Verächtern der Menschenrechte ist zumindest für den Vatikan höchst blamabel. Mit einem offiziellen Schuldbekenntnis des Papstes zur Jahrhunderte währenden Verfolgung und Unterdrückung Homosexueller durch die Kirche wäre ein erster Schritt in Richtung Vernunft getan. Im Evangelium steht die Liebe an allererster Stelle. Von Homosexualität im heutigen Lebenszusammenhang ist im Neuen Testament bekanntlich absolut keine Rede. Das sagen die Bibelwissenschaftler seit 50 Jahren, aber die Institution der Herrschenden, der Kirchenfürsten,  glaubt diese wissenschaftliche Bibelerkenntnis einfach ignorieren zu dürfen im Rahmen ihrer eigenen, ganz auf Herrschaft fixierten Theologie! Die katholischen Bischöfe der USA haben, wie zu erwarten, die Entscheidung des Supreme Court verurteilt, die vielen Stimmen der Bischöfe dort hat die eher progressive katholische Wochenzeitung „National Catholic Reporter“ gesammelt, zur Lektüre des Beitrags klicken Sie bitte hier.

Durchaus wegweisend im katholischen Milieu sind die schönen, fast poetischen Worte des katholischen und konservativen US-Richters Anthony Kennedy: „Keine Bindung ist so tief wie die Ehe. Denn sie verkörpert die höchsten Ideale von Liebe, Treue, Hingabe, Opfer und Familie. Wenn zwei Menschen den Bund der Ehe eingehen, werden sie etwas, was größer ist als das, was sie einst waren…“

Der Respekt vor der Ehe wird durch den Willen vieler Homosexueller zu heiraten, ja nur unterstrichen! Der Richter Anthony Kennedy betrachtet es als „furchtbar unfair, dass das Potential eines einzelnen in irgendeiner Weise dadurch begrenzt würde, dass er einer Gruppe (etwa „den“ Homosexuellen) zugeordnet würde“. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass es nun eine Art Verpflichtung für Homosexuelle gibt, die gesetzliche Möglichkeit der Ehe (mit Kinder-Adoptionselbstverständlich) auch persönlich wahrzunehmen. Vielfalt der Lebensformen bleibt oberstes Gebot bei rechtlicher Gleichstellung.

Die Allianzen von Rechtsextremen und Katholiken gegen die Homoehe im Jahr 2015:

In den konservativ-christlich geprägten Milieus wird der Kampf gegen die „Ehe für alle“ oft verbunden mit dem Kampf gegen „Genderismus“ und für die „alten“ Familienwerte, die nun angeblich durch die Homoehe zerrüttet werden. Dass dabei die alte Heteroehe oft bereits zerrüttet ist und etwa in vielen katholischen Regionen, wie Lateinamerika, als „klassische Liebes-Ehe“ kaum noch besteht, ist ein anderes Thema.

Wichtiger ist hier: Es gibt eine direkte Verbindung und Verbrüderung der Gegner von „Familie für alle“ mit rechtsextremen Parteien und Politikern, die alles andere sind als“lupenreine Demokraten“. Hier kann nur an den Moskauer Kongress vom 1. September 2014 erinnert werden unter dem Thema: „Große Familien und die Zukunft der Menschheit“. Mit dabei war die katholische Publizistin Gabriele Kuby, sie ist Mitglied im konservativen „Forum deutscher Katholiken“, einer Art reaktionären Alternative zum offiziellen „Zentralkomitee der Deutschen Katholiken“ (ZDK). Das Forum deutscher Katholiken wird unterstützt u.a. von den Legionären Christi, von Neokatechumenalen, von einzelnen charismatischen Gruppen, früher war Kardinal Ratzinger dort gern gesehener Vortragender. Die Tagungen haben den hübschen Titel „Freude am Glauben“. Die mit diesen Kreisen eng verbundene katholische Zeitschrift/Tageszeitung „Deutsche Tagespost“ (Würzbunrg) veröffentlichte einen Jubelbericht zur Moskauer Tagung, verfasst von Gabriel Kuby. Auch bei den Evangelikalen, beim Pressedienst IDEA, ist Frau Kuby schriftstellerisch tätig. Da haben sich also, von einer breiteren Öffentlichkeit kaum bemerkt, ganz neue Formen einer reaktionären Ökumene. Frau Kuby lobte in Moskau die hochrangigen Politiker, die in Moskau dabei waren: Es handelte sich um Aymeric Chauprade von dem sehr rechtslastigen Front National, Frankreich; auch ein führender Politiker der rechtslastigen und populistischen FPÖ war dabei: Johann Gudenus, Wien, er beklagte die angebliche weltweite Homolobby…Der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels, Prof. für katholische Theologie an der staatlichen Universität Trier, wollte Putin verteidigen, er klagte über „die Medien, die ihren Hass auf den Teufel Putin kaum noch zügeln können“. Putin gilt in reaktionären Kreisen weltweit, auch unter französischen Katholiken, als Lichtgestalt eines ordentlichen, der alten Familie verpflichteten gläubigen Europas. Die „Herder Korrespondenz“ erwähnt in ihrer Ausgabe vom Januar 2015, Seite 52, dass ein deutscher Prälat in Rom, ein Mitarbeiter der Kurie, so wörtlich, „die wachsende Übereinstimmung des Heiligen Stuhls mit Russland unter dem praktizierenden Christen Putin“ lobte.

Nur wer sich die internationalen Netzwerke vergegenwärtigt, im Rahmen einer rechtslastigen Ökumene, die reaktionäre Katholiken, Evangelikale und selbstverständlich Orthodoxe vereint, der kann die Bedeutung des „Kampfes für Ehe für alle“ ermessen. Der kann aber auch ermessen, in welchem Licht das offizielle katholische Anti-Homo-Verhalten steht. Diese Bündnispartner im Kampf gegen die „Ehe für alle“ zu haben, ist eigentlich noch peinlicher als der Kampf gegen die Homoehe selbst!

Wenn in Deutschland die Debatte um die so genannte Homoehe die Gesellschaft zu spalten droht, so gibt es in unserer Sicht, auch vom Forum der Remonstranten Berlin, einen Vorschlag, in dieser Diskussion weiterzukommen:

Religiöse Menschen innerhalb der Kirchen sollten erkennen, dass in der Auseinandersetzung mit der Homosexualität nicht die Bibel oder andere heilige Bücher leitend sein können. Es gilt, nicht alte Sprüche heiliger Texte nachzusprechen, sondern die Vernunft anzustrengen und im gemeinsamen Disput den Weisungen einer vernünftigen Ethik zu folgen. Christen müssen müssen also die Homosexualität diskriminierenden Texte ihrer eigenen religiösen Traditionen beiseite legen, d.h. nur noch der Historie wegen studieren; diese Texte haben aber keine existentielle Bedeutung (mehr). Christen sollten also wissen: Bei diesen „homofeindlichen“ neutestamentlichen Texten handelt es sich um fromme Poesie von vorgestern. Erst wenn religiöse Menschen aufhören, bestimmte angeblich heilige Bücher in ihrer Wortwörtlichkeit unmittelbar als Gottes Wort zu verstehen, kann Gleichberechtigung und Respekt und damit Demokratie möglich werden. Warum stellen sich fromme Leute nicht die Frage: Will denn nun der „liebe Gott“ Menschlichkeit oder will er Ausgrenzung und Diskriminierung? Will er die besseren „korrekten“ Fundamentalisten allein als Gläubige? Aber was wäre das für ein lieber Gott, der Diskriminierung will? Einen solchen sollte man getrost beiseite lassen. Wann wird man in Europa solche Worte von Kirchenführern und Theologen hören, von islamischen Gelehrten ganz zu schweigen?

Erst wenn Bibel und Koran historisch-kritisch gelesen werden, kommt die Emanzipation voran. Menschenrechte sind wichtiger als religiöse Weisungen frommer Leute, die vor etlichen hundert Jahren mit einem ganz anderen Weltbild gelebt haben. Die menschliche Vernunft entwickelt sich, auch das Verstehen des Religiösen entwickelt sich. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daran zu erinnern. Viele religiöse Menschen benutzen z.B. vorbehaltlos moderne Technik, sind aber religiös auf dem Niveau des Altertums stehen geblieben. Dabei vergessen sie zudem, dass das Bild der Heterofamilie und Hetero-Ehe selbst aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammt, aus einer Zeit, als sich die bürgerliche Heteroehe durchsetzte. Die Päpste und Prälaten haben komischerweise nie etwas gegen die üblichen Mätressen der Fürsten und Könige gehabt und selbst die mittelalterliche Kirche duldete die Prostitution. Etwas mehr historische Bildung würde den leidenschaftlichen Hetero-Ehen-Vorkämpfern also sehr gut tun. Wie hieß doch das Motto des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart kürzlich? „damit wir klug werden“. Klug werden heißt doch wohl, der kritischen Vernunft den absoluten Vorrang zu lassen. Hat der Kirchentag in Stuttgart dazu beigetragen? Bisher sehen wir dafür keine Anzeichen.

Die Gleichberechtigung homosexueller Menschen in den wenigen demokratischen Staaten ist das Ergebnis eines politischen Kampfes, eines schmerzvollen Kampfes um Emanzipation und Menschenrechte. Eigentlich kann von diesem offenen Eintreten für den Respekt für Homosexuelle erst seit 100 Jahren die Rede sein. Vorher war, sozusagen seit Adam und Eva, von Homosexualität als Normalität und als Wert wie die Heterosexualität nie öffentlich die Rede. Die Geschichte der Homosexualität ist seit Adam und Eva eine Geschichte des Verschweigens und Verfolgens, eine Leidensgeschichte, oft eine Geschichte der Lügen (man rettete sich, indem man sich heterosexuell nannte usw.).

Der Kampf um die Gleichberechtigung war ein Kampf gegen die etablierten und mächtigen Religionen, er war in Europa immer auch ein Kampf gegen die Deutungshoheit der Kirchen. Die Kirchen haben bis ca.1980 die gut bürgerlichen Vorstellungen der Ehe sozusagen heilig gesprochen und alle sexuelle „Andersheit“ ignoriert bzw. verfolgt.

Wenn es heute in demokratischen und halbwegs demokratischen Staaten keine Verfolgung von Homosexuellen mehr gibt: Dann nur als Sieg über die Ansprüche der religiösen und kirchlichen Traditionen „seit Adam und Eva“. Kirchlich und religiös definiert sich eben bis heute als unkritisch, alten Sprüchen verhaftet usw.

Eine kleine protestantische Kirche, die Remonstranten in Holland, folgte 1986 der vernünftigen Einsicht, stellte also die uralten antihomosexuellen und menschenverachtenden Texte der Bibel beiseite und erklärte: Wir segnen selbstverständlich auch homosexuelle Paare, auch jene, die nicht Mitglieder dieser Gemeinschaft sind.

Entscheidend ist, dass eine neue Kirchenordnung der Remonstranten existiert, jetzt werden alle Beziehungen zwischen Menschen, ob nun hetero – oder homosexuell, einfach nur „Levensverbintenis“ genannt, also, wörtlich übersetzt:„Lebenskontrakt“ bzw. „Lebensvertrag“ nennt. Auf den Begriff „Ehe“ wird verzichtet, weil er zu exklusiv noch an die Verbindung zwischen Heterosexuellen erinnert. „Der Grundgedanke dabei war, dass alle Theologie eben auch von der Gnade der Neuinterpretation (etwa der Bibel) lebt“, so Tom Mikkers, damals der „Allgemeine Sekretär der Remonstranten“ in dem empfehlenswerten Buch „Coming Out Churches“, Meinema Verlag, 2011, Seite 68). „Gnade der Neuinterpretation“: Dieses Wort mögen bitte die Gegner der Homoehe auf ihrer spirituellen Zunge genießen.

Dieser Schritt der Remonstranten, homosexuelle Menschen als absolut gleichwertig in jeder Hinsicht zu sehen, wurde damals von anderen Kirchen heftig kritisiert. Aber es gab auch vereinzelte katholische Stimmen, die der Veränderung der Kirchenordnung der Remonstranten zustimmten: So sagte der damalige Studentenpfarrer in Amsterdam, der Jesuitenpater Jan van Kilsdonk, Homosexualität sei „eine gute Erfindung des Schöpfers“,

Der niederländische Gesetzgeber hat dann im Jahr 2001 als erstes Land der Welt überhaupt die bürgerliche Ehe auch für homosexuelle Menschen geöffnet, das geschah 15 Jahre nach dem Beschluss der Remonstranten. Nebenbei: Die Remonstranten gehören selbstverständlich zum „Ökumenischen Rat der Kirchen in Holland“, sie sind Mitglied im „Weltrat der Kirchen in Genf“…

Tom Mikkers dokumentiert zusammen mit dem Reformierten Pastor Wiellie Elhorst in dem Buch ein Stückweit die Wirkungsgeschichte der Initiative der Remonstranten von 1986: Denn inzwischen sind auch etliche Gemeinden der offiziellen Protestantischen Kirche der Niederlande (PKN) „zum Segen bereit“, sowie grundsätzlich die Kirche der Mennoniten (Doopgezinde in NL), die „Apostolisch Genootschap“ und die „Vrijzinnige Geloofsgemeenscap NPB“. Hinzukommen auch die Amsterdamer „Basisgemeiden“ wie „Dominikus“ , „de Duif“ oder die „Studentenecclesia“ (gegründet von Huub Oosterhuis).

Die Remonstranten haben sich jedenfalls gefreut, als sie im Jahr 2010 von dem landesweit hochgeschätzten (und gar nicht immer kirchlich gesinnten) Verein zur homosexuellen Emanzipation (COC) einen Preis der Anerkennung erhielten. Die Hetero –Ehe- Paare verlieren gar nichts, schon gar nicht werden sie diskriminiert oder gar verfolgt und ins Elend getrieben, wenn es auch Homo (Ehe) Paare gleichberechtigt gibt und diese heiraten und Kinder adoptieren und erziehen. Wovor haben die Hetero-Eheleute eigentlich Angst? Ihnen wird nichts weggenommen, wenn auch Homosexuelle heiraten wollen und als Ehepaar Kinder adoptieren.

Autos und Handys und Tiere werden katholischerseits gern gesegnet, aber nicht alle liebenden Menschen

Die katholische Kirche pflegt nach wie vor die Autosegnungen. Kürzlich sah ich, wie im Stift St. Paul im Lavanttal/Österreich, sogar Oldtimer und Motorräder von Priestern gesegnet werden. Ich hatte ja früher schon einmal katholischen Homopaaren -ironischerweise – empfohlen, wenn sie denn katholischen Segen wünschen: Sich am besten in ein Auto zu setzen bei einer Autosegnung. Dann werden diese Menschen, die die römische Kirche NICHT segnen will, vielleicht indirekt mit-gesegnet. Der Vatikan hat bisher auf diese liturgische Mit-Segnung nicht reagiert. Zur Lektüre dieses Beitrags klicken Sie bitte hier. Tatsache aber ist: Auf andere Weise ist eine Homo-Ehe-Segnung innerhalb der römischen Kirche wohl nicht zu bekommen. Und daran wird auch der angeblich so progressive Papst Franziskus nichts ändern. Eigentlich ist diese theologische Haltung nichts anderes als eine menschenverachtende Verdinglichung, sagen wir: eine theologische Liebe zum Gerät: Man will modern erscheinen, indem man Autos segnet oder eben auch Tiere, Kühe, Hunde, Katzen usw. …etwa am Tag des Heiligen Franziskus von Assisi).

copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin und Forum der Remonstranten Berlin.

 

 

 

 

Philosophie des Osterfestes: Abschied von den Definitionen

Wesentliches lässt sich nicht definieren

Ein philosophische Meditation (nicht nur) zu Ostern

Von Christian Modehn

Lässt sich ein für alle mal definieren, was Leben / leben ist? Die äußerst anregende neue philosophische Zeitschrift HOHE LUFT (Hamburg) bietet in ihrer 2. Ausgabe (2012) auf Seite 8f. eine „Miniatur“  über das „Leben“. Diese „Miniatur“ von Tobias Hürter inspiriert zu großem/weiten  Denken: Der Autor schreibt: „Was also ist Leben? Die Frage ist ein Klassiker. Es gibt unüberschaubar viele Antworten. Der amerikanische Biologe Radu Popa begann vor einigen Jahren, die Definitionen von Leben zu sammeln und hörte bei 300 auf zu zählen…“

Natürlich spricht nichts dagegen, Leben immer wieder definieren zu wollen, also möglichst viel Klarheit zu finden und Grenzen zu ziehen, was Leben ist und Leben nicht ist. Aber das Thema, das Objekt der Abgrenzung, und das ist ja De – finieren, Abgrenzen, lässt sich niemals endgültig umgrenzen. Denn das setzte voraus, dass man sozusagen denkerisch das Leben umgreifen kann; in den Griff bekommen kann, Grenzen ziehen kann. Aber IM Leben sind wir schon immer, wir können nicht aus diesem Im  – Leben  – Sein heraustreten und es selbst, überschauend, in den Blick nehmen. So bleibt das Leben für uns selbst immer endgültig un – definierbar.

Das undefinierbare, hingegen durchaus annähernd immer neu umschreibbare Leben ist nicht das einzige Phänomen, das die menschliche Vernunft niemals endgültig „fassen“ , also definieren kann.

Wir erinnern an das Sein, IN dem wir uns immer schon bewegen, und das umfassender ist als wir selbst. Jeder, der nur einmal Martin Heidegger gelesen hat, weiß das.

Ähnlich ist es wohl mit Licht, mit Geist, mit Seele. Wissen wir definitiv, was LIEBE ist? Wissen wir, wer der / die Geliebte ist? Kämen wir auf den Gedanken, den / die Geliebten zu definieren?

Daraus folgt: Das Wesentliche, das menschliches Dasein und Welt überhaupt strukturiert, ist nicht definierbar, nicht endgültig greifbar. Es entzieht sich dem herrschenden Anspruch der Vernunft.

Ähnlich ist es wohl mit der Frage nach Gott. Wer Gott – in Dogmen – definieren will, hat nichts von Gott verstanden. Gott lässt sich immer nur annähernd und relativ umschreiben. Und immer neu annähernd aussagen. Die Krise der Kirchen kommt auch daher, dass sie zu viel (!) von Gott wissen wollen. Es immer eine Hierarchie, die dieses Sonderwissen beansprucht und ihr All – Wissen mit Macht durchsetzt.

Abschied nehmen vom endgültig – Überzeugtsein, vom Glauben, endgültige Definitionen zu haben: das ist auch mit Ostern der Fall. Da wird in christlichen Traditionen bezeugt, dass irgendwie der Tod überwunden wurde durch Jesus von Nazareth. Wie genau? Das wird in den biblischen Texten gerade nicht gesagt. Kann nicht gesagt werden, denn auch der Tod ist wohl nicht zu definieren, weil niemand den Tod überschaut. Wir stehen immer nur VOR dem Tod, nicht schon hinter ihm. Ist die Auferstehung Jesu Christi, so allgemein gesagt, also Blödsinn, bloß weil sie nicht zu definieren ist? Wohl kaum. Wenn bestimmte Menschen erleben, dass etwas Außergewöhnliches geschieht (vorausgesetzt diese Menschen sind nicht spinös und irre), dann kann man das Erlebte ruhig doch mal stehen lassen. In dem Bewusstsein: Wesentliches lässt sich nicht definieren. Unser Wissen und damit auch unser Leben bleibt immer im Offenen, Suchenden, in der Schwebe. Menschliches Leben ist wesentlich immer von vorläufigem Wissen geprägt. Dieses Vorläufige wird nie  durchschaut werden, darin irrt aller Wissenschafts – Optimismus.

Wir leben immer im Vorläufigen. Das wäre eine philosophische „Definition“ des Osterfestes. Wer im Vorläufigen lebt, will nicht herrschen, kann nicht definitiv bestimmen. Und er zögert immer, wenn er einmal bestimmen muss…Er will hören auf das, was das Dasein ist.

copyright:christian modehn, berlin.