Willkommen im Religions-Philosophischen Salon Berlin

Der Religionsphilosophische Salon Berlin. Einige Hinweise von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus.

Wer sich zunächst für die Vielfalt der Themen interessiert, die wir in unserem „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“ besprochen und diskutiert haben: LINK

1.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin ist seit 2007 eine Initiative von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus. (Biographische Hinweise: Fußnote 1.)
 Übliche, also öffentliche Salon – Veranstaltungen fanden monatlich von 2007 – 2020 statt. Jetzt gestalten wir philosophisch – theologische Gespräche in kleinerem Kreis. Regelmäßig werden neue Beiträge als Hinweise zur philosophischen und theologischen Debatte auf unserer Website publiziert, bis jetzt sind es 1.800 Beiträge, „Hinweise“ genannt, Stand 26.9.2025.

2.
 Titel und „Sache“ eines „(religions-)philosophischen Salons“ sind alles andere als verstaubt. Das Interesse an philosophischen Gesprächen und Debatten in überschaubarem Kreis, in angenehmer Atmosphäre eines Salons, ist evident. Das gilt, selbst wenn viele Interessierte beton(t)en, „Philosophie“ sei schwierig. Das ist sie vielleicht, nicht aber Philosophieren: Es ist das Lebenselement eines jeden Menschen.
 In unserem religionsphilosophischen Salon wird das möglichst eigenständige Philosophieren (kritische Nach – Denken) geübt.
 Philosophische Religionskritik gehört elementar zur Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Philosophische Religionskritik kann zeigen, welche Form einer vernünftigen Religion bzw. Spiritualität heute zur Lebensgestaltung gehören kann.

3.
 Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie gibt es nur im Plural, die (Religions-)Philosophien in Afrika, Asien und Lateinamerika dürfen nicht länger als „zweitrangig“ behandelt werden. In welcher Weise Religion dort zum „Opium“ wird angesichts des Elends so vieler Menschen, ist eine relevante Frage, auch angesichts der Zunahme von christlichem und muslimischem Fundamentalisten. Dringend ist die Frage: Inwieweit ist philosophisches Denken Europas eng mit dem kolonialen Denken verbunden?

4. 
In unseren Gesprächen wird oft erkannt: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien bieten in ihren vielfältigen Entwürfen unterschiedliche Hinweise zur Fähigkeit der Menschen, ihre engen Grenzen zu überschreiten und sich dem im Denken zu nähern, was die Tradition Gott oder Transzendenz nennt.

5.
 Uns ist es wichtig uns zu zeigen, dass Menschen im philosophischen Bedenken ihrer tieferen Lebenserfahrungen das Endliche überschreiten und das Göttliche, das Transzendente, erreichen können. Das Göttliche als das Gründende und Ewige zeigt sich dabei im Denken als bereits anwesend und dieses denkende Transzendieren ermöglichend. Die auf das Wesentliche reduzierte Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie von Kant gilt uns als wichtige Inspiration für eine heutige vernünftige (!) christliche Spiritualität.

6.
 Insofern ist Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie auch eine subjektive Form der Lebensgestaltung, d.h. eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln.
Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie kennt keine Dogmen, sicher ist nur das eine Dogma: Umfassend selbstkritisch zu denken und alle Grenzen zu prüfen, in die wir uns selbst einsperren oder in die wir durch andere, etwa durch politische Propaganda, durch Konsum und Werbung im Neoliberalismus, eingeschlossen werden. Der Widerspruch und der Kampf gegen alle Formen des Rechtsradikalismus (AFD, FPÖ, Le Pen, usw.) und Antisemitismus muss zum Mittelpunkt nicht nur unserer, sondern der philosophischen Arbeit insgesamt werden. Es gilt, die Demokratie zu retten.

7.
 Die „Entdeckungsreisen“ der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien können angestoßen werden durch explizit philosophische Texte, aber auch durch Poesie und Literatur, Kunst und Musik, durch eine Phänomenologie des alltäglichen Lebens, durch die politische Analyse der vielfachen Formen von Unterdrückung, Rassismus, Fundamentalismus, Kapitalismus. Mit anderen Worten: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie findet eigentlich immer – oft umthematisch – in allen Lebensbereichen statt.

8.
 Wo hat unser religionsphilosophischer Salon seinen „materiellen“ Ort? Als Treffpunkt, als Raum, eignet sich nicht nur eine große Wohnung oder der Nebenraum eines Cafés, sondern auch eine Kunst – Galerie. In den vergangenen 7 Jahren fanden wir in der Galerie „Fantom“ in Charlottenburg freundliche Aufnahme. Zuvor in verschiedenen Cafés. Kirchliche Räume, Gemeinderäume etwa, sind für uns keine offenen und vor allem keine öffentlichen Räume.

9. 
In unserem religionsphilosophischen Salon sind selbstverständlich Menschen aller Kulturen, aller Weltanschauungen und Philosophien und Religionen willkommen. Unser Salon ist insofern hoffentlich ein praktisches Exempel, dass es in einer Metropole – wie Berlin – Orte geben kann, die auch immer vorhandenen „Gettos“ überwinden.

10.
 Darum haben wir in jedem Jahr im Sommer Tagesausflüge gestaltet, mit jeweils 10 – 12 TeilnehmerInnen: Etwa nach Erkner (Gerhart Hauptmann Haus), Karlshorst (das deutsch-russische Museum), Jüterbog als Ort der Reformation, das ehem. Kloster Chorin, Frohnau (Buddhistisches Haus), das Dorf Lübars… Außerdem gestalteten wir kleine Feiern in privatem Rahmen anlässlich von Weihnachten. Auch ein Kreis, der sich mehrfach schon traf, um Gedichte zu lesen und zu meditieren, hat sich aus dem Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon entwickelt. Aber alle diese Initiativen waren (und sind wohl) mühsam, u.a. auch deswegen, weil letztlich die ganze Organisation von den beiden Initiatoren – ehrenamtlich selbstverständlich – geleistet wurde und wird. Das ist der Preis für eine völlige Unabhängigkeit.

11.
 Anlässlich der „Welttage der Philosophie“, in jedem Jahr im November von der UNESCO vorgeschlagen, haben wir größere Veranstaltungen mit über 60 TeilnehmerInnen im Berliner AFRIKA Haus gestaltet, etwa mit dem Theologen Prof. Wilhelm Gräb, dem Theologen Michael Bongardt. Der Berliner Philosoph Jürgen Große hat in unserem Salon über Emil Cioran gesprochen, der Philosoph Peter Bieri diskutierte im Salon über sein Buch „Wie wollen wir leben?“, die Politologin Barbara Muraca stellte ihr Buch „Gut leben“ vor, Thomas Fatheuer von der Heinrich – Böll- Stiftung vertiefte das Thema; der evangelische Pfarrer Edgar Dusdal (Karlshorst) berichtete über seine Erfahrungen in der DDR; der Theologe der niederländischen Kirche der Remonstranten, Prof. Johan Goud (Den Haag), war zweimal bei uns zur Diskussion, öfter dabei waren Dik Mook und Margriet Dijkmans-van Gunst aus Amsterdam…

Die Liste unserer Gäste und Refernten: Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören  Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Buddhismus-Lehrer Michael Peterssen (Berlin), der Komponist Joachim Gies (Berlin), Dr. Dorothea Hasskamp vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Berlin)……

12.
 Es ist uns leider deutlich, dass innerhalb der philosophischen Studiengänge an Hochschulen und Universitäten nicht im entferntesten daran gedacht wird, auch das Berufsbild eines Leiters, einer Leiterin besser „Inspiratorin“ philosophischer Salons zu entwickeln. Damit PhilosophInnen freilich ,als Salonnières arbeiten können, müsste die Kulturpolitik entsprechend handeln. Aber die interessiert sich offenbar absolut vor allem für die so genannte Hochkultur der Oper und der Theater, nicht aber für eine Form der „Basis-Philosophie“ als Möglichkeit, vor Ort unter den vielfältigen Menschen tiefere Kommunikation zu ermöglichen.
Eigentlich bräuchte es etwa in Berlin in jedem Stadtbezirk mindestens einen philosophischen Salon, besser noch ein philosophisches „Haus“ mit öffentlich zugänglicher kleiner Fach – Bibliothek , Lesezimmer, Meditations- Denk-Raum und Tee/ Kaffee-Stube.Viele leerstehenden Kirchen könnten entsprechend umgestaltet werden. Dass dort auch philosophisch – literarische Debatten oder Diskussionen zu Grundfragen der Politik, der Kunst und Musik und Spiritualität stattfinden können, ist keine Frage.

13.
 Die Bilanz: Einige wenige Interessenten außerhalb von Berlin haben die Idee des religionsphilosophischen Salons aufgegriffen. Aber wir können nicht sagen, dass etwa im kirchlichen Bereich, evangelisch wie katholisch, die Idee des freien und undogmatischen und offenen Salon-Gesprächs aufgegriffen und realisiert wurde.
Je mehr Christen aus den Kirchen austreten, um so ängstlicher und dogmatischer werden die Kirchen(führer), also auch ihre Pfarrer usw. Der Weg der Kirche in ein kulturelles Getto scheint vorgezeichnet zu sein, zumindest für die katholische Kirche. Tatsächlich haben sich über all die Jahre unserer Arbeit sehr sehr wenige „Vertreter“ der großen Kirchen für unsere Initiative überhaupt interessiert. Wir haben diese Ignoranz auch als Freiheit erlebt.

14.
 Hinweis zu unseren Themen:
Eine Übersicht unserer Themen im Salon von Februar 2020 bis 2015 finden Sie hier. Die Themen von 2009 bis 2015 werden demnächst dokumentiert. Die bisher 1.750 religionsphilosophischen und religionskritischen Hinweise von Christian Modehn, publiziert auf der Website www.religionsphilosophischer-salon.de, hatten bis zum  8.1.2026  3.007.000 „Zugriffe“, wie die Statistik dokumentiert.

15.
 Unser letztes öffentliches Salongespräch vor der Corona – Pandemie fand am Freitag, den 14.Februar 2020 , wie immer um 19 Uhr, statt, über das Thema: „Das Kalte Herz“. Mehr als ein Märchen (von Wilhelm Hauff). „Das kalte Herz“ offenbart die „imperiale Lebensweise“. 22 TeilnehmerInnen waren dabei. Leider mussten wir – wie öfter schon – acht Interessierten absagen, weil der Raum eben klein ist und nur eine überschaubare Gruppe eine Gesprächssituation ermöglicht. Aber das große Interesse, ohne jede öffentliche Werbung, allein im Internet, und ohne jede Finanzierung von außen, ist immer wieder bemerkenswert. Für einige vertiefende Hinweise zur imperialen Lebensweise: Beachten Sie diesen LINK.

16. Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören etwa: Der Philosoph Prof. Peter Bieri, der Philosoph und Theologe Prof. Michael Bongardt, der Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Physiker Dr. Hans Blersch (Berlin)…

17. Wir haben unsere philosophischen, religionsphilosophischen und theologischen Gespräche im Salon als Ausdruck der Spiritualität der freisinnigen protestantischen Remonstranten – Kirche (in Holland) verstanden. Dabei haben wir, ebenfalls der offenen, freisinnigen Theologie der Remonstranten entsprechend, keine Werbung für diese protestantische Kirche „betrieben“.

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Dieser Hinweis vom 7.2.2023 wurde am 3.2.2025 überarbeitet.

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FUßNOTE 1: 
Gründer und Initiatoren des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“:

Christian (Johannes, 2. Vorname) Modehn,  1948 in Berlin (Ost) – Friedrichshagen geboren, nach dem Abitur am Goethe – Gymnasium in Berlin – Wilmersdorf, Studium der katholischen Theologie (Staatsexamen nach 6 Jahren Studium in München, und St. Augustin bei Bonn und der Philosophie (Magister Artium in München, über Hegel). Christian Modehn war einige Jahre Mitglied einer katholischen Ordensgemeinschaft.  Christian Modehn arbeitet seit 1973 immer als freier Journalist über die Themen Religionen, Kirchen und Philosophien, für Fernseh- und Radiosender der ARD, sowie früher auch für die Zeitschrift PUBLIK – FORUM: LINK, sowie auch für „Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt“ (Hamburg), „Informations Catholiques Internationales“ (Paris), „de bazuin“ (Utrecht)  usw.. Zur Information über einige Hörfunksendungen und Fernsehdokumentationen und zu einigen Buchpublikationen: LINKSeit 2010 ist Christian Modehn Mitglied der freisinnigen protestantischen Kirche der Remonstranten (Niederlande). 

Hartmut Wiebus, 1944 in Seehausen/Altmark geboren, hat in Berlin (F.U.) Pädagogik (Diplomarbeit über Erich Fromm) und Psychologie studiert, und vor allem als evangelischer Klinikseelsorger gearbeitet. Er hat u.a. viele unserer Themen angeregt und immer als Moderator die Gespräche begleitet.

Copyright: Christian Modehn und Hartmut Wiebus. Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 20. Mai 2026 durch CM

Räume, wo wir SCHREIEN können…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 14.4.2022.

1.Wir brauchen heute Orte, wo wir schreien können, brüllen, fluchen, oft auch ohne Worte. Nur diese laute Klage! Kein eleganter Klage-Gesang, sondern nur brüllendes Stammeln, weil wir Krieg, Mord, Massenmord, Völkermord, nicht mehr runterschlucken und verdrängen können.

2. Der Krieg Putins gegen die Menschen im demokratischen Staat Ukraine sprengt unsere Geduld. Wir können das Abschlachten nicht mehr ertragen und nicht die horrenden Fehler der demokratischen Politiker gegenüber Putin seit spätestens 2014. Wir möchten unsere Wut darüber auch rausbrüllen.

Das kann uns dann wieder zur Sprache zurückführen, zum Disput, zur politischen Aktion.
Aber jetzt wollen viele ihre maßlose Wut, die hilflos ist, erst mal rausbrüllen, als Zeichen eines verzweifelten Neins zu diesem Verbrecher, der sich Politiker nennt und viele Jahre hofiert wurde, auch von deutschen Politikern…Auf Demonstrationen darf eher nicht geschrieen werden.

3. Haben wir fürs Schreien noch entsprechend große Räume und Orte? Nein. Obwohl diese Gebäude herumstehen, diese leeren Kirchen, die nur ein paar Stunden pro Woche von ein paar Leuten genutzt werden, sonst aber verschlossen sind als Beweis dafür, dass Kirche eigentlich verschlossen ist für die Menschen von heute und sich nichts Neues einfallen lässt, um in Kriegszeiten den Menschen auch hier beizustehen.

4.Gewiss: Wir brauchen Gesprächsräume angesichts des Krieges, Begegnungsräume mit Flüchtlingen, Räume, die Solidarität organisieren.
Aber wir müssen auch an unser seelisches Leiden denken. Für eine Therapie wären Räume nötig, wo wir schreien dürfen.

5. Eine Erinnerung:
„Räume des Schreiens“ habe ich in San Francisco Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre erlebt. Sie waren in Kliniken und in Hospizen eingerichtet. Hier konnten Menschen laut schreien und heulen und klagen in ihrer seelischen Qual, in den Stunden, wo sie gerade Freunde verloren hatten. Sie waren als Schwule an AIDS gestorben. Da konnten nur die hartherzigen Moralapostel fundamentalistischen evangekikalen christlichen Glaubens stumm bleiben oder die Schwulen als Schweine titulietren.
Diese Schrei-Räume waren „ehrlich“, das heißt: Sie hatten nichts von der vornehmen Verschwiegenheit der Abschiedsräume in Krematorien und auf Friedhöfen. In den Schrei-Räumen von San Francisco durfte wirklich gebrüllt werden. Schreien ist eine Sprache, die der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Und auch die Sprache des Gebets, man lese bitte mal wieder die allgemein zugängliche Poesie der Psalmen.
Diese Räume des Schreiens hatten gepolsterte Wände, so dass die Außenwelt nicht gestört wurde. Sie hätte ruhig gestört werden sollen, aber die USA sind nun mal darauf bedacht, eine gewisse Sterilität zu pflegen.
Die Schreienden blieben meist unter sich, wenn nicht einige mitfühlende Freunde das Schwererträgliche mit ertragen und mit hören wollten.

6. Heute aber müssen wir schreien, angesichts des Krieges in der Ukraine, eines Krieges, der die ganze bisherige Welt-„Ordnung“ durcheinander schmeißt. Alles wird umgekrempelt, auch aller gute und vertraute Sinn geht weltweit verloren, wird bewusst vernichtet, bloß weil ein Verbrecher in Moskau sich diesen Krieg ausgedacht hat. Und dabei unterstützt wird von dem Chef der russisch-orthodoxen Kirche, dem Patriarschen Kyrill I., auch er, wie Putin, führendes KGB Mitglied und wie sein Ideal ebenfalls Multimillionär.

7. Ich habe schon vor zwei Jahren auf dieser website für Räume plädiert, wo wir schreien können als spirituell – philosophische Initiative, damals dachte ich daran wegen des Abschlachtens der Menschen in Syrien, ich dachte an die auf dem Mittelmeer krepierenden Afrikaner, an die Menschen in den Lagern in Libyen, in Nordkorea …

8. Schreien ist auch eine Therapie-Form bei Leiden im engeren, persönlichen Erleben. Auch hier ist Schreien eine Tat der Befreiung von Unerträglichem.

9. Ich empfehle, in den Städten, möglichst in Parkanlagen, „Häuser des Schreiens“ einzurichten. Vielleicht kleine Rundbauten, kahl die Wände, eher dunkel der Raum. Ohne Schmuck. Eher ein Raum „ohne alles“, ein Raum des Nichts. Und da können die Menschen, die das Unerträgliche der Politik, den Hass in der Welt, nicht länger runterschlucken können, nicht länger ersaufen können, wenigstens laut schreien. Das kann ohne Worte geschehen, vielleicht schreit man nur „Hilfe“ oder „Es ist genug“ oder „Ihr verdammten Mörder“ oder nur das flehentliche Gebet „Hört auf“. Der Raum sollte so groß sein, dass mehrere Menschen, selbstverständlich in unterschiedlichen Sprachen, dort schreien können.

10. Vielleicht treffen sich diese schreienden verzweifelten Rebellen danach, seelisch ein wenig erleichtert, in einem separaten Raum innerhalb des „Hauses des Schreiens“ wieder und verabreden sich zum Gespräch. Vielleicht auch zu einer Aktion zugunsten der besonders Leidenden. Zugunsten der Menschenrechte.

11. Natürlich wäre es, wie gesagt, viel einfacher, die vielen leerstehenden Kirchen als Orte des Schreibens einzurichten. Orte für Urnen-Bestattungen, Kolumbarien, sind manche Kirche, sogar in Deutschland, schon geworden. Warum nicht auch diese leer stehenden Kirche in etwas Lebendiges verwandeln, in Orte des Schreiens.

12. Vielleicht sollte ein Bild, als  große Kopie, in einem sonst bildlosen Schrei – Raum hängen: Ein Gemälde, das der britische Maler Francis Bacon geschaffen hat und das in verschiedenen Formen Papst Innozenz den Zehnten (gestorben 1655) zeigt, nach einem Vorbild von Velasquez gemalt. Dieser Papst sitzt wie gefesselt auf einem Stuhl und brüllt. So wie, Papst Franziskus in seinen so prophetischen Weihnachtsansprachen vor den Kardinälen der Kurie auch am liebsten brüllen würde. … Natürlich war Innozenz der X. wie so viele Kirchenfürsten und Vatikan-Prälaten damals völlig haltlos. Also jähzornig brüllend. Aber dieses großartige Gemälde eines brüllenden Papstes geht tiefer: Weil selbst der so genannte Stellvertreter Christi und die Kirchen insgesamt absolut hilflos sind, bestenfalls noch schreien und brüllen können: Die Kleriker als Kleriker können den Mörderbanden weltweit keinen Einhalt gebieten. Der Glaube ist in der traditionellen Form absolut schwach. Ein Nichts? Wahrscheinlich: Den Päpsten und den Kirchen gelingt es nicht, mit Ethos und Glauben die Mörderbanden zu besiegen. Und dann reden sie von Erlösung. Da können die einzelnen nur noch schreien … und danach, seelisch erleichtert, auf die eigene Art Gutes tun. Vielleicht werden nur in kleinen Schritten Revolutionen vorbereitet.

13. Die Gemeinde der Schreienden ist ökumenisch und nicht-konfessionell. Sie ist über die etbalierten verschlossenen Kirchen hinausgewachsen, die bekanntlich wirklich oft „zum Schreien“ sind … nicht nur wegen der Verbrechen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker.

Copyright: CHRISTIAN MODEHN, Religionsphilosophischer Salon Berlin.
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Clara F. Janning schreibt uns:
Der Text „Räume wo wir schreien können“ ist mir aus dem Herzen gesprochen! Und dann wäre da ja, zur gedanklich-therapeutischen Unterfütterung, auch noch Arthur Janov mit seiner „Urschrei“-Therapie zu lesen – wobei ich meine, dass ein solches Zu-seinem-Schmerz-Gehen der professionellen, zumindest aber emotional intelligenten bzw. kompetenten Begleitung bedarf.
Goethes Tasso begnügt sich übrigens mit Wort und Träne, dank der von „einem Gott“ gegebenen Gabe, „zu  s a g e n, was [er] leide[t.
Das sei mit Dank für Ihre inspirierenden Gedanken (das utopische Denkmodell) hier zur Sache noch zitiert, mit besten Grüßen an den und in den Philosophischen Salon von Clara F. Janning
Ja, du erinnerst mich zur rechten Zeit! –
Hilft denn kein Beispiel der Geschichte mehr?
Stellt sich kein edler Mann mir vor die Augen,
Der mehr gelitten als ich jemals litt,
Damit ich mich mit ihm vergleichend fasse?
Nein, alles ist dahin! – Nur eines bleibt:
Die Träne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mensch [im Original: Mann] zuletzt
Es nicht mehr trägt – Und mir noch über alles –
Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.

Aktualisiert am 10. Februar 2026 durch CM

Erinnerung an die Journalistin Monika Herrmann, Berlin

Ein Hinweis von Christian Modehn am 2.6.2026

Am Sonntag, dem 31.Mai 2026, ist meine liebe Schwester, die Journalistin Monika Herrmann, gestorben.

Angesichts unserer Trauer über ihren Tod können wir doch nicht darauf verzichten, an Monikas journalistische Arbeiten zu erinnern.

1943 in Berlin geboren, war sie seit 1977 als freie Journalistin tätig für verschiedene Zeitschriften, darunter Publik-Forum sowie für einige ARD-Radiosender, zumal für den Sender Freies Berlin (SFB) und auch für das Kulturmagazin „DasFilter“. Auch etliche Bücher zum Thema Sterben und Tod hat Monika Herrmann veröffentlicht. In dem Buch „Kirche in der Stadt“ (KohlhammerVerlag 1981) veröffentlichte sie den Essay über Berlin: „Auf der Suche nach einer neuen Kirchlichkeit“.

Drei ihrer Beiträge wurden auf der Website des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons in Berlin als „Gastbeiträge“ veröffentlicht.

Ihr besonderes, leidenschaftliches, politisch-kritisches, stets mitfühlendes Interesse galt den Ausgegrenzten, den Obdachlosen und den vom Neoliberalismus/Kapitalismus arm Gemachten. Diese zahlreichen Beiträge über viele Jahre hinweg wurden vor allem in evangelischen Zeitschriften (etwa „Die Kirche“ Wochenzeitung in Berlin) veröffentlicht.

Monika Herrmann hat durch ihre Beiträge, inspiriert von kritischer Empathie zumal für die Ausgegrenzten, deutlich Spuren hinterlassen. Ihre Interviews, Aufsätze, Essays, Radiofeatures … zeugen von ihrem humanistischen Geist, der über alles Konfessionelle und Dogmatische hinausgewachsen war.

Monika Herrmanns viel beachtete Gastbeiträge in www.religionsphilosophischer-salon.de:

1. Über den Philosophen und Psychologen Roger Künkel in Berlin, vom 20.6.2011 LINK    https://religionsphilosophischer-salon.de/1672_zwischen-verstand-und-gefuhl-ein-interview_religion-und-philosophie

2.
Über Sineb El Masrar, eine Frau der islamischen Frauenrechts-Menschenrechts-Bewegung, vom 1.3.2016. LINK.  https://religionsphilosophischer-salon.de/7554_probleme-benennen-statt-zu-verschweigen-ueber-sineb-el-masrar-emanzipation-im-islam-ein-gastbeitrag-von-monika-herrmann_religionskritik

3.
Über die Jüdin Eva Kor, die die unglaubliche Kraft der Vergebung lebte, – auch gegenüber dem SS „Arzt“ Mengele, vom 6.7.2019

LINK     https://religionsphilosophischer-salon.de/1025_die-kraft-des-vergebens-eva-kor-vergibt-dem-ss-arzt-mengele_denkbar.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon

„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.

Ein Hinweis von Christian Modehn, geschrieben am 29.5.2026

Der Anlass
Freundinnen fragten mich: Wie kann ein Einstieg ins Philosophieren gelingen? Eine Möglichkeit: Beginnen wir, auf unsere Wörter und Begriffe des Alltags zu achten. Suchen wir den Inhalt, der über das oberflächliche, schnelle Sprechen hinausweist. Das ist ein erster Schritt. In unserer Sprache zeigt sich faktisch unsere Existenz.

Das Motto
Es gilt also der Vermutung nachzugehen, dass Worte und Begriffe der Alltagssprache unsere schon faktisch gelebte „Philosophien unseres Lebens“ erschließen können.
Wir zeigen an einem Beispiel, die Vielschichtigkeit eines Wortes, selbst einer Präposition: Das „ZWISCHEN“.
Wer auf sein Leben reflektierend „im Ganzen“ schaut, kann nicht darauf verzichten, seine Existenz im ganzen als ein Zwischen zu verstehen. Dahin führen die hier vorgestellten, nicht vollständigen Reflexionen zu unserem Umgang mit der Vielfalt des Zwischen. Was auf den ersten Blick eher schlicht – für „Fachphilosophen zumal – erscheinen mag, führt in ein tieferes, wahres Verständnis der Existenz. Weiteres dazu siehe Nr. 4 in diesem Hinweis.

1.
Der Zwischenraum
Ich warte, gerade in einem Haus angekommen, auf den Einlass in den Behandlungsraum oder das Speisezimmer oder den Festsaal. Im Zwischenraum denke ich an zuvor Erlebtes, etwa den formellen oder freundschaftlichen Einlass ins Haus und warte auf das Zukünftige, das Ziel meines Besuches. Im Zwischenraum fällt die Konzentration und das Nachdenken über diesen Zwischenraum selbst eher schwer. Der Zwischenraum ist ein Wartezimmer, oft von Langeweile bestimmt.
Im Zwischenraum gibt es etwa auch die Schwelle zu bedenken, die ich überschreiten musste, um von der Eingangstür in das Wartezimmer zu gelangen und über die nächste Schwelle dann in weitere Räume, alles Zwischenräume…
Der Philosoph Dieter Thomä weist in seinem Buch „Post – Nachruf auf eine Vorsilbe“ (Berlin, 2025) auf die Schwelle hin, als dem Ort des Übergangs von einem Raum in den anderen (S. 326 ff.). „Die Schwellenlust richtet sich auf die Schwelle selbst. Die Schwelle lädt dazu ein, dass ich innehalte und eine Situation auskoste, die, so Baudelaire „transitoire und fugitive“, „vergänglich und flüchtig,“ ist. …Ich kann auf ihr nicht bleiben, aber kurz verweilen, um die Kunst des Übergangs zwischen Welt und zwischen Zeiten zu üben.“ (S. 329).

Das Zwischenarchiv
Ein Gegenstand wird aus der Ferne zugesandt, an, aber er ist noch nicht beim eigentlichen Empfänger angekommen: Er ruht also zur Abholung im Zwischenlager, im Zwischenarchiv, etwa in Rundfunkanstalten ein üblicher Begriff. Briefkästen sind auch Zwischenlager. Ein Computer voller ungelesener e – mails ist auch ein Zwischenarchiv. Wird die Information im Gehirn gespeichert, entsteht dann schon wieder ein Zwischenarchiv, ein Wissen wird dort gelagert, das irgendwann „abgeholt“ und aktualisiert wird.

Das Zwischenlager
Flüchtlinge, Asylsuchende – etwa aus Afrika – werden nach dem Willen der Demokraten zunächst in Zwischenlagern untergebracht, den sogenannten „Erstaufnahmeeinrichtungen“, welch ein Ungetüm von Wort des büroktatischen Ungeistes. Von diesen „ Erstaufnahmeeinrichtungen“ werden dann die Flüchtlinge wieder vorläufig auf andere Unterkünfte verteilt. Und dann beginnt eine Leben von der staatlicher Duldung bis hin zu einem deutschen Pass in ständigen existentiellen Zwischenräumen. Immer leben diese Menschen existentiell in irgendeinem „Zwischenlager“, sie sind nie angekommen, nie zu Hause, Menschenrechte gelten für sie nur eingeschränkt.. „Zu Hause sein“ – diesen Begriff reservieren sich viele in Deutschland geborene Deutsche und dieses „ihr von Fremden angeblich bedrohte Zuhause“ schotten sie ab, extremistisch-politisch (siehe AfD und die sich gut fühlende, bürgerliche Mitte…).
Die Zwischen-Lager als die speziellen „Einrichtungen“ für „spezielle“ („andere“) Menschen (Flüchtlinge, Gefangene, Dissidenten, Juden ….) sind Ausdruck von Nationalismus, Rassismus, von Herrschaft, die ins Totalitäre umkippen kann. Und in jüngster Vergangenheit umgekippt ist.

Die Zwischenlandung
Hier geht es um die nur hinzunehmende, eher unangenehme, weil zeitverzögernde Unterbrechung auf dem Weg zum Ziel. Die Zwischenlandung führt mich in einen Transitraum: Stilles und oft nervöses Warten und Hin -und Herlaufen in beengten Verhältnissen, Hoffen, dass der Weiterflug pünktlich gelingt. Im Transitraum spielt sich unser Leben wie auf einer abgeschlossenen Insel ab, einer Sonderwelt, die wir nicht verlassen dürfen.

Die Zwischenetage, auch Mezzanin genannt
In dem Wort ist enthalten das italienische Wort „mezzo“, „halb“. Die Zwischenetage befindet sich meist zwischen Erdgeschoss und Beletage, dem ersten repräsentativen Stockwerk. Die Zwischenetage hat niedrige, kleine, eher dunkle Zimmer, sie wurden in Gründerzeiten von den Bedientesten der Beletage bewohnt. Die Herrschaften waren etabliert, sie kannten architektonisch kein „Zwischen“-, während die aus der Fremde stammenden Bedientesten des Mezzanin auch existentiell im Zwischen lebten, zwischen dem Datum ihrer Anstellung und der oft willkürlichen Entlassung.

Die Zwischengrößen
Haben Sie eine ungewöhnliche Figur, lange Arme und kurze Beine, dicken Bauch und schmale Beine, dann brauchen Sie eine Zwischengröße. Der Kommerz der Bekleidungsindustrie denkt an alles und fördert auf seine Weise das Zwischen. Wer Zwischengrößen trägt, kann hoffen, alsbald wieder „normal“, also schlank, zu sein …oder er muss sich mit seinem Schicksal abfinden, modisch in das Normal nicht zu passen, also (da)zwischen zu sein.
Zum Zwischen in der Mode-Branche gehört auch der „Übergang“, in der Form des Übergangsmantels oder der Übergangsjacke: Wenn der Sommer vorbei ist und der Winter noch keine Kälte mit sich bringt, flüchtet man sich in Übergangs-Mode. Diese ist förmlich ein „Wartezimmer“ der Bekleidung, das überbrückende Warten auf die „richtige“ und typische Jahreszeit Winter oder Sommer…

3.
Zwischen den Zeiten
Dazu gehört die übliche Floskel „zwischen den Jahren“: Weihnachten haben Leute schon fast als Jahresende erlebt, aber es steht noch das eigentliche End-Datum Silvester, bevor:
Das Ende des Jahres erzeugt oft Irritationen, unbewusst auch Ängste vor dem Ende überhaupt. Diese Angst überspielen viele mit dem angeblich fröhlichen Silvesterspektakel wieder zu. Aber es gibt die fünf Tage „zwischen den Jahren“, die irgendwie ortlos sind, sie müssen ausgefüllt werden mit allerlei ablenkenden Aktivitäten, mit meditativen (Verdauungs-)Pausen, in der Gestaltung langweiliger Besuche. Es ist eine träge Zeit einer diffusen Erwartung: Neujahr!

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehört auch die „Pause“ , die zu als Freiraum zu genießen bekanntlich schwerfällt: Weil man inmitten der Pause doch oft daran denken muss, dass die „Pflicht“ der Arbeit, des Lernens, des Studiums alsbald und sehr schnell wieder das Leben bestimmt. Die Pause in der Opernaufführung ist dann wieder ein ganz kurzer Moment des alltäglichen Lebens – nach der „Verzauberung“ durch Musik und mit der Vorfreude auf die weitere Musik als „Entführung in „andere Welten“. Und nach dem „Opern – Erlebnis“? Wieder der Alltag mit seinen Zwischen-Stationen.

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehören auch „Ferien“, oft auch eher bürokratisch Urlaub genannt. Ferien sollten Festtage und Ruhetage sein. Sie werden aber oft nur als etwas längere Pause im Arbeitsalltag erlebt: Er hat eine solche Macht, dass die Ferien nur als Fortsetzung und Variationen des Arbeitsalltags gestaltet werden. Nicht nur in Japan soll es Menschen geben, die aus Liebe zur Arbeit auf die Ferien verzichten… Diese Menschen wollen offenbar ständig die Einförmigkeit, die Monotonie ihres Lebens, sie haben Angst vor Brüchen in ihrer zeitlichen Existenz. Das monotone Leben haben auch Menschen, die sind so arm, dass sie sich keine Ferien-Zeit leisten können. Sie leben in der Monotonie des Immer-(bettel-)arm-Seins, zu der sie die neoliberale Ökonomie getrieben hat.

Der Zwischenbescheid
Die Behörden sind freundlich und bestätigen den Eingang des Briefes, der Beschwerde usw. und fordern uns auf, zu warten, bis der endgültige Bescheid irgendwann eintrudelt. Zwischenbescheide beruhigen eigentlich nicht. Sie suggerieren uns: Die Bürokratie in Deutschland meint es mit dir gut und sie ist noch nicht ganz tot. Und die nächsten Anträge müssen ausgefüllt und auf Zwischenbescheide gewartet werden.

Das Zwischengericht
In guten französischen oder spanischen Restaurants wird nach dem Hors d` Oeuvre das Zwischengericht gereicht, es ist der kulinarische Abschied von der kleinen Vorspeise in Erwartung der Präsentation des großen Haupt – Gerichtes. Diese Erwartungsspannung auf das „Eigentliche“ kann vom gegenwärtigen Genuss ablenken.
Nebenbei: Oft machen Zwischengerichte ihrem Namen alle Ehre, weil sie selbst von der Temperatur her „dazwischen“ sind: Weder heiß noch kalt, sondern eben lauwarm. Lau ist eine Zwischentemperatur, aber auch die charakterliche Eigenschaft von Menschen, die sich nie entscheiden können. Sollen sie nun zum Beispiel leidenschaftliche Kämpfer sein oder stille meditative Mönche: Beide Lebensformen wollen „laue Menschen“ nicht, sie erfinden ihr Lausein und sehen es als eine normale, übliche Lebensform ohne Höhen und Tiefen und Verpflichtungen.

Das Zwischenurteil
In den Behörden der Gerichte gibt es oft die Zwischenurteile: Das Landgericht spricht ein Urteil, aber es wird die nächste Instanz eingeschaltet, vielleicht sogar dann auch das Bundesverfassungsgericht. Das Gerichtswesen mit den stets noch zu korrigierenden Urteilen ist eigentlich selbst ein Zwischen-Wesen. Gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann man nur den lieben Gott direkt – oder durch die Zwischen-Instanz Kirche ? – anrufen als den letzten und definitiven Richter.

Die Zwischenhölle
Aber auch der liebe Gott kennt – in der katholischen Version- sein Zwischen: Es gibt die Vor- Hölle, erfunden als Ort zwischen Tod und ewiger Verdammnis in der Hölle: Es gibt auch einen speziellen Zwischen – Ort, den Limbus puerorum, die Zwischenhölle der Kinder, erdacht von katholischen Theologen. Im Limbus befinden sich die ungetauft verstorbenen Babies. Sie sind verdammt, weil sie keine Taufe erlebten, also nicht von der total für alle Wesen geltenden Erbsünde befreit werden konnten. Papst Benedikt XVI. hat allerdings eine Zwischenlösung verordnet, indem er diese Zwischenhölle der ungetauften Kinder als ein nicht mehr als zum Glauben verpflichtendes Dogma definierte. Wie reformbereit doch dieser Papst war! Aber ganz abschaffen wollte Papst Ratzinger diesen himmlisch – höllischen Zwischenraum nicht. Er nahm Rücksicht auf die vielen naiv – reaktionären Katholiken, die gern an dieser Vorhölle – als Zwischenraum vor der endgültigen Verdammnis – festhalten…

4.
Unsere unvollständigen Hinweise zum vielfältigen alltäglichen Gebrauch des Wortes „Zwischen“ zeigen: Wir sind – nicht nur sprachlich – ständig umgeben und bestimmt von „Zwischen“ .Und diese Reflexionen auf das „Zwischen“ sind alles andere als philosophische Spielereien, sie können die Existenz insgesamt erhellen:
Denn mit jedem Gebrauch des Wortes Zwischen werden wir an die Übergänge mitten in unserem Leben erinnert.
Die Geburt ist ein entscheidender Übergang: Vom schützenden, nährenden Leib der Mutter treten wir in die sich langsam gestaltende Freiheit der individuellen Selbständigkeit ein. Aber auch der Prozess des „Erwachsenwerdens“ und das Leben als „Erwachsener“ ist immer von Übergängen bestimmt, von dem Zwischen des Abschieds von einer Lebensphase und dem Eintritt in eine neue.
Für uns ist die Erkenntnis wichtig: Die menschliche Existenz selbst selbst ist ein „Zwischen“, eine ständige Bewegtheit – zwischen einem ständigen Abschied und einem ständigen „Neustart“. Jeglicher Glaube an ein definitives Angekommensein, an ein endgültiges Etabliertsein auf dieser Lebenslinie wird zurückgewiesen.
Das lineare Zeitverständnis allerdings sollte aufgehoben werden von einer vertikalen Dimension, die als Transzendentes „in uns“ immer schon anwesend ist, in unserem Geist, in der Vernunft: Dieses innere Transzendieren reicht in eine größere, „ewige“ Transzendenz. Sie kann und soll die existentielle Unruhe des Lebens in den vielen Zwischenräumen zwar nicht aufheben, aber sie kann sie mit einem besonderen Sinn erfüllen.

5.
Wichtig bleibt: Ein lineares Zeitverständnis mit den vielen Zwischen – Zeiten und Zwischen – Räumen in unserem Leben führt zur Frage nach der Ganzheit unserer Existenz: Wir stammen von Eltern, die selbst erzeugt wurden, alle sind Geschöpfe, die ihre schöpferische Kraft weitergeben. Wir sind also nicht von unseren Eltern „erschaffen“, weil diese ja selbst Erschaffene sind.

6.
Um nicht nur vom Anfang unseres Lebens zu sprechen: Wir gehen auf ein definitives Ende unseres Lebens zu, das heißt auf das Verschwinden unseres Körpers …Etliche Philosophen lassen, wie es sich philosophisch gehört, diese Frage offen: Was denn „danach“ kommt für unseren Geist oder unsere Seele. Unser Körper wird in der Bestattung zu Asche verbrannt. Und einige fragen: Aber wird dabei auch Geist und Seele verbrannt? Oder sind sie als etwas Ewiges IM Menschen zu verstehen?

7.
In diesem Hinweis auf eine Philosophie anläßlich unserer Erfahrungen mit dem Zwischen fehlen noch gewisse Alltags – Sprüche, vielleicht „Weisheitssprüche“.
Zwei Beispiele:

Unsere LeserInnen müssen nicht die Kunst beherrschen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen: Wir wollen klar und eindeutig sprechen. Wer zum Lesen „zwischen den Zeilen“ neigt oder wegen der politischen Verhältnisse dazu gedrängt wird, weiß: Im Text selbst wird Wichtiges verschwiegen: Etwa aus Angst vor der Zensur. Zwischen den Zeilen lesen, diese kaum zu lehrende Kunst des Verstehens, entwickeln Dissidenten. Und sie schreiben auch oft „zwischen den Zeilen“, verständlich für Eingeweihte, von der dummen Zensur übersehen. Man denke an Christa Wolfs großen Roman, in der DDR verfasst, „Kassandra“. Wer nur zwischen den Zeilen schreiben darf, verschleiert auch sein eigenes Elend im Unrechtsregime. Lebst nicht gesund…Also: „Zwischen“ kann auch auf die stets gefährdete Existenz aufmerksam machen.

Oder: Zwischen zwei Stühlen sitzen: Wer eine besondere politische, kulturelle oder religiöse Meinung hat, etwa: wer links ist, aber aus guten Gründen weder zur SPD noch zur KPD neigt, der sitzt zwischen zwei Stühlen. Wird als Rebell bezeichnet etc.. Manche Literaten schreiben so ungewöhnlich, dass sie „zwischen allen Stühlen der literarischen Formen sitzen“, vielleicht gilt das für DADA oder den Surrealismus.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Spanien: Abschied von der „katholischen Nation“ . Zum Papst-Besuch im Juni 2026

Eine „apostolische Reise“ ist immer eine große Papst-Show….
Ein Hinweis vom Christian Modehn am 29.6.2026

Dieser Beitrag hat zwei Teile:

Zuerst wird gezeigt: Heute ist Spanien keine katholische Nation mehr. Das angesehene spanische Nachrichten-Portal „Religion digital“ berichtet am 29.5.2026: Nur 56 Prozent der Spanier nennen sich katholisch, LINK

Im zweiten Teil ein kurzer Hinweis auf die Wirkungsgeschichte von Papstreisen ins Ausland, vom Vatikan „apostolische Reisen“ genannt: Sie sind meist nicht mehr als katholische Spektakel, gut inszeniert, durchaus mit politisch – kritischem Inhalt in den mahnenden Predigten der Päpste. Aber diese „päpstlichen Pilgerfahrten“ bleiben meist ohne nachweisbare politische Wirkungen und ohne die erhofften „missionarischen“ Resultate. Das Thema „Wirkungen der `apostolischen Reisen`“ der Päpste wurde bisher wissenschaftlich, also soziologisch und religionswissenschaftlich, noch nicht untersucht.

Erster Teil: Katholizismus in Spanien:

1.
Die Bevölkerung Spaniens, des einst erz-katholischen Kernlandes Europas, verabschiedet sich, sozusagen kontinuierlich, aus der katholischen Kirche. Bestenfalls volksreligiöse Bräuche, wie die „semana santa“ oder Wallfahrten und Heiligen – und Reliquienkulte, interessieren noch viele „Nicht – mehr – kirchlich – gebundene“ SpanierInnen … auf der Suche nach der eigenen, subjektiven, dogmen-freien Spiritualität. (Quelle: LINK

Bürgerliche Kreise schicken ihre Kinder noch gern in katholische Privat – Schulen, weil sie dort eine katholische und gut- bürgerliche Bildung erhalten: Es gibt jetzt ca. 1.900 katholische Privatschulen mit ca. 1,5 Millionen SchülerInnen bzw. StudenTinnen. (Quelle: LINK

2.
Der extrem zahlreiche sexuelle Missbrauch durch Priester, oder auch die entsprechenden Verbrechen von Mitgliedern etwa des katholischen Ordens „Legionäre Christi“, haben den Abschied von der katholischen Kirche nur gefördert. Etwa 236.000 Opfer dieser Untaten von Priestern soll es geben, so eine gemeinsame, staatliche – kirchliche Kommission, Quelle: LINK https://www.domradio.de/artikel/spaniens-kirche-wird-missbrauchsopfer-entschaedigen

3.
Demokratische Kreise wissen einiges, welche Rolle die sehr diskrete, politisch – ökonomisch einflußreiche Geheimgesellschaft, das `Opus Dei“, in konservativen „Eliten“ und der Partei PP (der Nachfolgepartei Francos) spielt. In Spanien soll es 33.000 Opus Dei Mitglieder geben, und sicher viel mehr Sympathisanten: Denn bekanntlich müssen Priester und Bischöfe nicht offiziell Mitglieder im Opus Dei sein, um im Sinne dieses „Werkes Gottes“ zu denken und zu handeln. Die offizielle spanische Opus Dei – website zeigt die bedeutende Verbreitung in Spanien: LINK

4.
Es ist also eine Mischung aus vielfältigen Erfahrungen und Einsichten, die Spanierinnen in den letzten 50 Jahren massiv veranlasste, die Bindung an Katholische Kirche aufzugeben.
Dieser Abschied wird sich kaum noch „korrigieren“ lassen, auch nicht durch den intensiv propagierten Besuch Papst Leos in Spanien: vom 6. bis 12. Juni wird er Barcelona besuchen (u.a. die Kirche „Sagrada Familia“ von Antonio Gaudi), sowie Madrid und Teneriffa.

5.
Wie viele die SpanierInnen nennen sich heute noch katholisch? Jetzt sind es nur 46 Prozent, wie „Religion digital“ berichtet. Vor einem Jahr , 2025, wurde noch dokumentiert: „52 bis 55 Prozent nennen sich katholisch.“ Vor 50 Jahren, am Ende des Franco -Regimes, nannten sich noch fast 100 Prozent der SpanierInnen katholisch.
Konfessionslose, eine bunte `Mischung` auch mit Atheisten und Agnostikern, bilden sozusagen die zweitstärkste „weltanschauliche Gemeinschaft“.
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.
Sehr wichtig werden die 1,5 Millionen Protestanten, bei denen es sich ganz überwiegend um neue Pfingstgemeinden handelt, die vor allem in den Armen – Viertel der Latinos einen rasanten Aufschwung erleben und Gast – Prediger aus den USA bzw. dem Umfeld von Trump empfangen…Es gibt 23.000 katholische Kirchen als Pfarreien und schon 4.700 evangelische bzw. pfingstlerische „Tempel“…
Etwa 50.000 Juden leben heute in Spanien.

6.
Atheisten haben in Spanien, zumal in Katalonien, eine einflußreiche Organisation. Sie sehen in der staatlichen finanziellen Förderung der Papst – Reise jetzt einen Widerspruch zur – von ihnen behaupteten – religiösen Neutralität des Staates und sie wehren sich insgesamt gegen eine privilegierte Behandlung der Kirche durch den Staat, mit Verweis auf die aktuelle Konfessionsstatistik. Quelle: LINK

Zweiter Teil:

Die meisten der so genannten „Apostolische Reisen“ der Päpste – seit Johannes Paul II. – in alle Welt dürfte man als eine katholisch inszenierte Show zur öffentlichen Stärkung des Papsttums mit politischen Akzenten, Empfängen, Vorträgen, Predigten deuten.
Zu den Kosten: Nur ein Beispiel: Die „Apostolische Reise“ Papst Benedikt XVI. nach Deutschland im Jahr 2012 hat 30 Millionen gekostet, ein Beleg für viele und weiteres: LINK .
Die aufwendigen, teuren Papst – Reisen sind wirkungslose Termine, die den Staaten und der dortigen Kirche viel Geld kosten, vom CO2 – Verbrauch des Hin – und Her – Fliegens ganz abgesehen.

7.
Wird die „apostolische Reise“ Papst Leos nach Spanien die große Wende, die Rückkehr, zumal der jungen Generation, zur katholischen Kirche bringen? Ist seine apostolische Reise ein „Durchbruch“ der päpstlich ständig erwähnten „neuen Missionierung Europas“? Das ist sehr fraglich. Dass sich jetzt – wie in Frankreich – auch in Spanien einige hundert Erwachsene pro Jahr taufen lassen, wird von vielen Bischöfen als kleines Wunder gewertet, dabei aber wird übersehen, wie viele tausend Katholiken aus der Kirche jährlich austreten…

8.
Es ist also sehr treffend zu vermuten: diese Reise des Papstes nach Spanien wird, wie die meisten Reisen früherer Päpste, keinen erhofften „katholischer Aufbruch“ erzeugen. Es wird wie so oft ein Medienspektakel bleiben und viele Bilder in überfüllten Kirchen und Plätzen erzeugen: Jubel, Trubel, fromm eingegrenzte Heiterkeit. Es wird selbstverständlich die üblichen mahnenden Worte an eine linke Regierung geben, also an die sozialistische Regierung, sie möge doch dringend den Lebensschutz respektieren und Sterbehilfe, Abtreibung und Homoehe verbieten…Auf diesem Terrain glauben die Päpste noch etwas weltliche Macht zu haben.
Die Erkenntnis ist: Die apostolischen Reisen der Päpste unterstützten immer die politisch konservativen Parteien, die „Pro Life“ eingestellt sind.
In Spanien wird sich Leo wieder als „Sohn des heiligen Augustinus“ (so das offizielle päpstliche Selbstverständnis) präsentieren und den Besuch eines Augustiner-Klosters einplanen und seine Predigten mit Augustinus – Zitaten verzieren, allerdings immer Zitate des frühen, des noch sympathischen Augustinus. Der dogmatische, herrschsüchtige Augustinus im Alter wird klugerweise vom Augustiner Papst Leo immer verschwiegen: Über die gräßliche Erbsünden-Ideologie des alt gewordenen Augustinus hat Papst Leo bisher nicht gesprochen, geschweige denn sich davon distanziert… Der Augustiner- Papst Leo präsentiert seinen „Vater“ als liebevollen, weisen und aktuellen „Meister“…. dabei ist er ein Philosoph und Theologe aus den nun wirklich fernen Zeiten der Antike, 4. und 5. Jahrhundert.

9.
Für eine katholische „Renaissance“ in Spanien, befördert durch eine apostolische Reise“ wie auch anderswo in Europa, ist es – theologisch betrachtet – ohnehin zu spät: Zu viele Verbrechen, Skandale, politische Machenschaften rechtsextremer Katholiken belasten diese Kirche; zu sehr klebt die katholische Moral und Dogmatik insgesamt fest an überholten religiösen und moralischen Vorstellungen. Kritische, vernünftige Katholiken suchen ihre Spiritualität außerhalb dieser Organisation, die angesichts des nur universell zu nennenden Missbrauchs nicht auf den Gedanken kommt, wenigstens das gesamte betroffene bischöfliche Personal auszutauschen.

10.
Eine Wende (Utopie!) wäre vielleicht doch noch möglich: Wenn der Papst das Zölibatsgesetz von heute auf morgen aufheben würde, das könnte er, rein rechtlich gesehen; wenn er Frauen zu DiakonInnen und PriesterInnen weihen würde; wenn er den dickleibigen offiziellen Katechismus von 800 Selten auf 80 schrumpfen würde, wenn er Demokratie als Form katholischen Lebens insgesamt erlauben würde und damit auch die Allmacht des Papsttums und des Kleriker-Unwesens abschafft: Das alles gehört zur Kategorie „Utopie“.

11.
Hat man jemals wissenschaftlich, empirisch, soziologisch und kritisch – theologisch untersucht, was denn diese vielen „apostolischen Reisen“ der Päpste seit Johannes Paul II. an kirchlicher Erneuerung oder politischer Reform zugunsten der Menschenrechte bewirkt haben? Solche auf Fakten basierten wissenschaftlichen Nachweise gibt es nicht. Lediglich die Reisen des polnischen Papstes in seine kommunistische Heimat haben sichtbare Wirklungen gezeigt: Und das Ende des Kommunismus mit befördert…

Aber: Was hat denn die apostolische Reise, eigentlich eine Ein-Tages-Spritztour im Helikopter, Papst Leos ins Fürstentum Monaco, diese Oase der Milliardäre, bewirkt? Haben diese Herren einige Millionen für die verhungernden Völker in Afrika gespendet?
Oder: Welche Wirkungen hat die Fünf Tage Reise von Papst Franziskus in die Mongolei? Wahrscheinlich hat er jedem der 5000 in der Mongolei lebenden Katholiken persönlich die Hand geschüttelt. Und er hat sein spezielles päpstliches Image poliert und sein Ego gepflegt: „Die Katholiken ganz am Rande bevorzugt zu schätzen.“
Ein anderes Beispiel:
Ließen sich die Deutschen nach den „apostolischen Reisen“ etwa Papst Benedikt XVI. in Deutschland davon abbringen, aus der Kirche auszutreten? Sind etwa die Priesterseminare nach dieser Papst – Show und den vielen frommen Worten wieder mit „Seminaristen“ gut „bestückt“? Nachweislich nicht. Hat der Besuch Johannes Paul II. in den Niederlanden die progressiven Katholiken an die dort als reaktionär empfundene Kirche noch einmal binden können? Absolut nicht. Heute ist die katholische Kirche in den Niederlanden eine stets kleiner werdende Minderheit.
Die vielen Reisen Johannes Paul II. nach Lateinamerika haben die reaktionären Kreise in der Hierarchie und dem Klerus nur bestärkt, in Peru etwa das dort allmächtige Opus Dei oder die heute endlich (!) als verbrecherisch freigelegte katholische Organisation „Sodalicio“. Von der Verfolgung der linken katholischen Befreiungstheologen ganz zu schweigen. Diese „apostolischen Reisen“ waren für die Kirchen Lateinamerika eher eine Katastrophe.
Ein anderes Beispiel aus der langen Liste der „apostolischen Reisen“: Hat sich irgendein – zudem oft katholischer ! – Diktator irgendeines afrikanischen Landes, sagen wir in Kamerun oder in der „Demokratischen Republik Kongo“, einst Zaire, oder auch auf den Philippinen, nach den Papst – Besuchen der Demokratie und den Menschenrechten zugewandt und die privat erbeuteten Millionen – Dollar Konten in der Schweiz aufgelöst? Nachweislich nicht.

12.
Es sind eigentlich die Armen, die sich freuen, dass mal ein gut versorgter und gute genährter, letztlich immer in feinen Gewändern gekleideter europäischer Herrscher, freundlich lächelnd, also der Papst, bei Ihnen im Elend vorbeischaut und aufmunternde, tröstende fromme Worte verbreitet. Ihnen wäre wohl mehr geholfen, wenn wenigstens die Kirche umfassende Gerechtigkeit gegenüber diesen Armen leiblich – materiell spürbar leben würde, also sichtbar auf den eigenen Luxus des katholischen Kirchenlebens in Europa und Nordamerika verzichtet und alles tut, dass endlich diese himmelschreienden Lebensbedingungen der Armen im Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, und so weiter und so weiter überwunden werden. Voraussetzung wäre: Der Papst und sein klerikaler Club beteiligt sich selbst an diesem globalen Gerechtigkeitsprogramm, mit der sichtbaren Konsequenz: Papst und Kardinäle ziehen in einfache Verwaltungs- und Wohngebäude um und gestalten den Vatikan definitiv als ein großes Museum…

13.
Darum merke, bis zum Fakten – Nachweis des Gegenteils: Die „apostolischen Reisen“ der Päpste quer durch die Welt dienen zuerst und zunächst dem Ego der Päpste, sie sollen den machtvollen Glanz der allumfassenden katholischen Kirche verbreiten und die traditionell frommen Katholiken bestärken, weiterhin anhänglich – treu zum Nachfolger des Heiligen Petrus bzw. des Stellvertreters Christi auf Erden zu stehen und ihm zu gehorchen …

14.
Angesichts des Kerosin – Mangels für Flugzeuge jetzt, im Mai 2026: Unvorstellbar, dass Papst Leo demnächst auf Teneriffa für ein paar Wochen sozusagen auch „strandet“ – und festsitzt, aber vielleicht würde er dort sein „Castelgandolfo Nr. 2“ eröffnen und die dort in den Fischerbooten aus dem Senegal strandenden Flüchtlinge großzügig bewirten und einige von ihnen zum Wohnen in seinen apostolischen Palast mit nach Rom nehmen….

Zur weiteren Recherche:
Wichtig nach wie vor der ausführliche Hinweis von Christian Modehn: Der faschistische General Franco und die Kirche: LINK

Ausführliche Statistiken zur Katholischen Kirche in Spanien: LINK.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Hass und Gewalt gegen Christen in Israel: Ein aktueller Hinweis auf ein verdrängtes Thema…

Von Christian Modehn am 20.5.2026

kath.de berichtet am 20.5.2026:

„Übergriffe auf Christen haben in Israel spürbar zugenommen. Geistliche und Kirchenvertreter berichten von Hass, Einschüchterung und Gewalt durch jüdische Extremisten – und werfen der Regierung Netanjahu Untätigkeit vor.

Tatsächlich berichten christliche Geistliche und Kirchenvertreter seit Jahren von Übergriffen: Priester werden bespuckt, Klöster beschmiert, Kirchen angegriffen, Friedhöfe geschändet. Besonders betroffen ist Jerusalem. Der Abt der Dormitio-Abtei, Nikodemus Schnabel, berichtete in den zurückliegenden Jahren immer wieder von Anfeindungen. „Sobald ich als Mönch sichtbar auf die Straße gehe in Jerusalem, kann ich zählen, wie oft ich angepöbelt werde“, erzählte der 47-jährige Benediktiner jetzt im Deutschlandfunk über seine Erfahrungen. Früher seien solche Übergriffe eher versteckt und im Dunkeln geschehen. „Jetzt werde ich am helllichten Tag angespuckt.“

Der ausführliche Text von kath.de

https://katholisch.de/artikel/68661-immer-mehr-hass-und-gewalt-wachsende-sorge-um-christen-in-israel

 

 

Wie definieren wir unsere Gegenwart? Etwa durch Bindung an Früheres?

Über den massiven Trend, viele Begriffe der gegenwärtigen Kultur mit „post“, danach, auszustatten…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18. 5. 2026.

Zu unserem Vorschlag, angesichts der vielen Post-Identitätenauch den Begriff Post – Katholisch einzufhren, siehe Fußnote 11.

1.
Wir leben in einer Welt, die unfähig ist, ihren aktuellen Zustand von Kultur, Politik, Ökonomie, Religionen mit eigenen, neuen, adäquaten Begriffen zu bestimmen.

2.
Bei dieser Schwäche, die eigene Gegenwart adäquat auf den Begriff zu bringen, setzt sich der Gebrauch der Vorsilbe POST deutlich durch: POST wird den alt-vertrauten Begriffen vorangestellt, um durch die Vorsilbe POST etwas Klarheit zu schaffen, etwa über den jetzigen Zustand des heutigen Feminismus als Post-Feminismus, der heutiger Romantik als Post – Romantik, der Moderne als Post – Moderne und so weiter. Dieses „post“, dieses „nach“ bzw. „danach“ kettet das Verstehen heutiger Erfahrungen mit Feminismus, Romantik, Moderne usw. an frühere, vergangene, überholte Inhalte: So kann ein adäquates Verstehen der Gegenwart verhindert werden.

3.
Der Philosoph Dieter Thomä (UNI St. Gallen) hat sich intensiv und kritisch mit dieser offenkundigen Schwäche des von ihm „Postismus“ genannten Phänomens auseinandergesetzt, einem Versagen, mit neuen Worten die heutige Lebenswelt, die Gesellschaft usw. auf den Begriff zu bringen: Die komplexe Lebenswelt des Feminismus in seiner Vielfalt, im Plural; oder: die Realität des Kolonialismus heute usw. lassen sich niemals mit einem einzigen „Post“- Begriff fassen. Auf diese Weise wird das Einsortieren von komplexen Wirklichkeiten in Schubladen nur gefördert.

4.
Dieter Thomä nennt in dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Postismen“, Suhrkamp, 2026, in lexikalisch – enzyklopädischer Kürze tatsächlich 52 Postismen, auf den Seiten 336 – 393. Wer diese 52, immer mit Literaturangaben ausgestatteten, „POST“ Beiträge gelesen hat, wartet förmlich darauf, dass nun alsbald auch von „Post -ESC“ die Rede ist oder – angesichts des Niedergangs katholischer Institutionen in Europa – auch von „Post – Katholizismus“ oder angesichts der hohen Benzinpreise auch von „Post – Tourismus“…auch von Post – Journalismus sollte man wohl sprechen angesichts der geringen Bedeutung von Recherche – Journalismus heute.
Nebenbei: Bei der miserablen Briefzustellung durch die Bundespost wird man sicher auch bald von der „Post-Briefzustellung“ sprechen müssen. Auf das von manchen Reformkatholiken erwartete „Post – Papsttum“ wird man allerdings noch eine Ewigkeit hoffen müssen.

5.
Man möchte also angesichts dieser hier nur angedeuteten Post – Phantasie meinen, es war vielleicht ein bißchen voreilig, als Dieter Thomä 2025 seine Studie über das POST – Phänomen im Titel mit dem Stichwort „Nachruf auf eine Vorsilbe“ verbunden hat. Noch wird weiter ge-`postet`. Und sicher wird es bald auch einen Post —Post-Feminismus geben, und auch wenn der überwunden kommt dann ein dritte Vorsilbe post hinzu? Ist das „Posten“ also eine unendlicher Prozess?

6.
Das Probleme bei den vielen „Postismen“ ist: Der eine Begriff, mit Post – ausgestattet, markiert etwa einen gewissen Abschied von dem ursprünglich Gemeinten, etwa „Post-Kolonialismus“. Andere „Post – Begriffe“, wie „post-säkular“ ,beschreiben nur den Wandel der Religiosität hin zu neuen Formen des Religiösen…Diesen Zwiespalt der inhaltlichen Bestimmung gilt es zu beachten!

7.
Mit der ausufernden Verwendung des Post – Vorsilbe zeigt sich eine globale Hilflosigkeit, die heutige Lebenswelt in allen Bereichen mit eigenständigen, durchaus die Zukunft mit formulierenden Definitionen zu bestimmen. Die schon sprachlich dominante Fixierung im Postismus auf das „Nach“ und „Danach“ „bleibt im Bann dessen, an das sich die Nachzeit nun hängt“ (S. 8 in „Postismen). Dabei wäre das Denken der Zukunft unter den heutigen Bedingungen allein hilfreich: Wer eine Zukunft der Demokratie denken will, sollte erkennen: Eine starre Parteien – Demokratie ist zu überwinden. Der Einfluss der Lobby-Gruppen muss sehr eingeschränkt werden. Eine Demokratie, die Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle tatsächlich durchsetzen will, kann nicht auf neue Formen von Steuer, etwa Reichensteuer („Milliardärs-steuer“) verzichten usw. Eine solche noch zu gestaltende demokratischere Demokratie lässt sich selbstverständlich nicht mit dem einen kurzen Begriff „Post-Demokratie“ beschreiben.

8.
Die von Dieter Thomä angestoßene Debatte um die kleine Vorsilbe „Post“ ist von großer Bedeutung: Es wird erinnert, wie vergangenheits-bezogen heutige Lebensformen bleiben, wie sich darin sogar eine gewisse Erstarrung zeigt, durchaus als Angst vor der Zukunft zu interpretieren. Trotz aller Unsicherheiten und Gefährdungen unserer Welt heute lässt sich dringend ein Denken empfehlen, das mehr vorausschaut, also das „PRAE“ bevorzugt.

9.
Es wird oft behauptet, Philosophieren und Philosophien hätten zur Gestaltung von Zukunft wenig oder gar nichts zu sagen. Weil die Sache der PhilosophInnen sei das Re-flektieren, also das Zurück-denken und Zurück-schauen auf das Erlebte, das der Philosoph dann, nachträglich, im zeitlichen Abstand, auf den Begriff bringt. Dieser Gedanke ist zwar richtig, ist aber unserer Meinung zu einseitig: Denn gerade in der Philosophie des Handelns, der Ethik, gibt es Erkenntnisse, sozusagen aufleuchtend unmittelbar in der Gegenwart, wo der Mensch im Ereignis selbst dann handelt: Die spontane Handlung, etwa: Hilflose durch eigenes Handeln zu retten. Oder inmitten politischer Krisen, ausgelöst durch Rechtsextreme, diese Rechtsextremen sofort einzuschränken, öffentlich zu kritisieren usw. Das spontane ethische Handeln ist dann Ausdruck einer gewissen ethischen Bildung, die sich auch durch die Erkenntnis des gültigen Kategorischen Imperativs bildet. Wird dieses ethische Handeln dann im zeitlichen Abstand reflektiert, erkennt man Chancen einer schon gegebenen ethischen, philosophischen Grundhaltung.

10.
Es wäre eine eigene Überlegung, warum heute angesichts von neuen Erfahrungen in fast allen Lebensbereichen der Begriff POST so durchgehend verwendet wird und nicht, wie einst, die „Vorsilbe“ NEO, als Neo-Gotik, Neo-Romanik, Neo-Klassizismus. Zeigt diese „Vorsilbe“ Neo vielleicht eine größere kreative Freiheit an im Umgang mit dem Vorgegebenen als das „Post“? Wir vermuten das.

11.

Wer aufmerksam und kritisch die Entwicklung der katholischen Kieche in Frankreich heute beobachtet und dokumentiert, kann nicht darauf verzichten – bei einer „allgemeinen Tendenz, durch das `Post` die heutigen Realitäten zu identifizieren“- auch von Post – Katholisch zu sprechen. Der Politologe Alfred Grosser zeigte schon 2005, gut belegt und gute begründet: „Die katholische Kirche in Frankreich scheint in mancher Beziehung dem Untergang nahe.“ (S. 185, in: `Wie anders ist Frankreich?`, C.H.Beck Verlag). Die französischen Bischöfe selbst sehen das in ihren offiziellen Stellungnahmen sicher anders und verweisen stolz auf einige Tausend Erwachsenen – Taufen jährlich, sie verschweigen dabei aber den rasanten Rückgang von vielen tausenden Kindertaufen pro Jahr und die Tatsache, dass der in Frankreich geborene Klerus ausstirbt und immer weniger Katholiken sonntags an der Messe teilnehmen, dass die Klöster allmählich verschwinden und so weiter. Wann werden erste theologische und relogionssoziologische Studien zum Post – Katholischen in Europa erscheinen?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Der 17.5.: Ein Aktionstag für die Menschenrechte queerer (homosexueller) Menschen … auch in der katholischen Kirche.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 15.5.2026

Unser Motto: Man glaube nur nicht, dieses Thema sei ein Randthema. Es berührt das veraltete und falsche Selbstverständnis katholischer Moral: Sie behauptet: Kirchenmoral steht über den Menschenrechten.
Also: Wir bieten Hinweise zum Verständnis einer aussichtslosen Debatte, aussichtslos, wegen der offenbar niemals zu begrenzenden klerikalen Macht alter Männer im Vatikan…

1.
Der 17. Mai ist der internationale „Aktionstag gegen Diskriminierung von queeren Menschen“, offiziell: „Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-phobie“. Dieser Aktionstag ist dringend geboten zugunsten der universell geltenden Menschenrechte selbstverständlich auch für queere Menschen. Selbst in einer eher noch liberal-toleranten Stadt Berlin nehmen die Aggressionen gegen queere Menschen zu, d.h. Pluralität und übliche Vielfalt in einer demokratischen Gesellschaft sollen zurückgedrängt werde. Zur Intoleranz etwa der AfD gegen queere Menschen siehe unter den zahlreichen Studien nur ein Beispiel: LINK

2.
Der 17.5. als politisches Datum bezieht sich auf den in der BRD bis 1994 geltenden „Paragraphen 175“, der schon in der Weimarer Republik die Unmenschlichkeit zementierte. Und der sich dann in der Naziherrschaft ungebrochen fortsetzte und weiter bruchlos bis 1994 in der BRD offiziell galt. Die vollständige Abschaffung des § 175 in der DDR im Jahr 1968.

3.
Unserem religionskritischen Schwerpunkt entsprechend fragen wir:
Was bedeutet dieser internationale Aktionstag für die Katholische Kirche und die Katholiken? Die Frage ist aktuell, weil vom Vatikan in den letzten Wochen wieder einmal und wie immer deutliche Vorbehalte massiv geäußert werden, diesmal selbst gegen die von Papst Franziskus ermöglichte sehr bescheidene und sehr zurückhaltende Segnung von homosexuellen Paaren in katholischen Kirchengebäuden. Papst Leo hat darauf hingewiesen, dass die Diskussion zu Fragen des Friedens dringender wären als dieses „Thema“ zur Sexualität. Aber Papst Leo lenkt dabei von der entscheidende Frage ab, die zum tausendstenmal gestellt werden muss: Sind queere Katholiken mit ihrer Forderung nach Segnung ihrer Lebens-Gemeinschaft und ihrer Ehe zweitrangige, weniger wertvolle Katholiken als die Heteros? Die eindeutige Antwort: Ja, das ist so, und das weiß auch Papst Leo. Er sieht sich als Förderer der alten hetero-normativen Sexualmoral, damit aufs engste verbunden mit anderen fundamentalistischen Moral-Aposteln aller Religionen und christlichen Konfessionen. Trump und die Seinen werden sich freuen, in dem Punkt mit Leo einer Meinung zu sein…Zur üblichen katholischen Segnung von Autos, Handys, Tieren, und Waffen: LINK

4.
Diese offizielle katholische Lehre muss, vom universell geltenden Menschenrechtsstandpunkt aus gesehen, als eine Unverschämtheit betrachtet werden. Sie ist, wie gesagt, eine Ablehnung der Menschenrechte, weil sie völlig falsch eine Vorrangstellung kirchlicher, katholischer Moral ÜBER den Menschenrechten behauptet und mit politischen Freunden von Rechts und Rechtsaußen durchzusetzen wagt. Da mag der offizielle, bis heute gültige „Katechismus der katholischen Kirche“, Vatikanstadt 1993, noch ein bißchen menschenfreundlich schwadronieren: Dort heißt es: Die (heterosexuellen) Katholiken sollten den Homosexuellen, so wörtlich, „mit Achtung, Mitleid und Takt begegnen“ (§ 2358 im Katechismus: Die Heteros sollen wohl denken: O je o je, diese armen schwulen Sünder, haben wir doch mit ihnen ein bißchen taktvolles Mitleid.)
Dann heißt es sogar in diesem Katechismus: “Man hüte sich, Homosexuelle in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“. Klingt ja nett. ABER: In dem Paragraphen zuvor, also wenige Zeilen entfernt, schreiben die Autoren dieses Katechismus, offenbar wie im Zustand der Schizophrenie: „Homosexuelle Handlungen in sich sind nicht in Ordnung, sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, sie sind in keinem Fall zu billigen“. Darum die weitere Ungeheuerlichkeit dann in §2359: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen…Nur so könne sie sich der christlichen Vollkommenheit annähern“. Das heißt im Klartext: Homosexuelle Liebe, also erotisch und selbstverständlich sexuell geprägte Liebe darf es nicht geben. Die Papst – Kirche maßt sich an, bestimmten Menschen die Liebe zu verbieten. Nebenbei: Offenbar sind diese empörenden Forderungen des Papstes auch an die vielen schwulen Priester adressiert: Zwischen den Zeilen lese man: Die schwulen Priester, Bischöfe und Kardinäle mögen es doch nicht „übertreiben“… In dem Zusammenhang ist auch wichtig: „Masturbation wird als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung gebrandmarkt“ (zit. : § 2352 im Katechismus).

5.
Anläßlich des 17.5. Aktionstages ist wichtig:

Den eigenen Weg der Befreiung als queere Katholiken selbstbewusst weitergehen und den bis heute von Rom propagierten de facto Ausschluss von queeren Menschen von allen Menschenrechten durch die Kirche schlicht und einfach – weiterhin – ignorieren. Sich bitte nicht die Liebe verbieten lassen. Irgendwann gibt es keine queeren Katholiken mehr, die auf die Weisungen des Papstes, des Vatikans, hören.
Angesichts der zunehmenden rechtsradikalen politischen – homophoben – Macht in ganz Europa wäre eigentlich von der katholischen Kirche als Institution Widerstand dagegen zu erwarten.

Die offizielle Ablehnung der umfassenden Gleichberechtigung queerer Katholiken durch den Papst und den Vatikan usw. gleicht, wie schon angedeutet, sehr fundamentalistischen Strömungen im Islam, im (ultra-)orthodoxen Judentum und eben auch in den alten wie neuen Varianten der Nazi – Ideologie. Man sollte den Papst und die seinen öffentlich fragen: Fühlen Sie sich in diesen Kreisen wirklich wohl? Es scheint jedenfalls so, sonst würden sich diese Herren anders äußern…

6.
Warum diese offiziell – katholische Feindlichkeit gegenüber queeren Menschen? Mehrere Gründe müssen genannt werden, hier in gebotener Kürze:
Die katholische Kirche kann vom Vatikan aus wie auch von den einzelnen Bischofskonferenzen nur noch sehr geringen politischen Einfluß in den meisten Staaten ausüben, dabei will sie doch „Mater et Magistra“ sein, „Mutter und Lehrermeisterin“ aller. So flüchtet sich die offizielle Kirche und ihre Theologie etwa in „Pro-Life-Unterstützungs-Aktvitäten“ und versucht, im Zusammenhang mit reaktionären Parteien, katholische Moralprinzipien durchzusetzen. In Frankreich ist diese Koalition von politisch Reaktionären und konservativ – reaktionären Katholiken evident, man denke an die heftigsten Debatten und Demonstrationen gegen die von der Republik dann doch durchgesetzte „Ehe für alle“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

7.
Der Vatikan, der Papst, glauben Rücksicht nehmen zu müssen auf die auch politisch bedingte gewalttätige Feindschaft gegenüber Homosexuellen in den meisten afrikanischen Staaten: Dort sind auch die katholischen Bischöfe heftigste Verteidiger der repressiven Homo-Politik. Und weil in vielen Ländern Afrikas sich sehr viele Menschen taufen lassen, will man dieses zahlenmäßige Wachstum nicht stoppen. Die queer-freundlichen Forderungen europäischer Katholiken spielen dann in der Sicht des Papstes rein taktisch, zahlenmäßig betrachtet, keine Rolle. Vielleicht hat der Vatikan manche europäische Länder, katholische „Bastionen“ einst, längst abgeschrieben: Frankreich, Irland, Spanien, Holland, Deutschland sicher auch, obwohl man sich im Vatikan immer noch über großzügige Geldspenden aus Deutschland freut…

8.
Darüber spricht niemand mehr: Sehr viele (vor allem jüngere) Priester in allen Ordensgemeinschaften, in allen Bistümern, auch im Vatikan, sind homosexuell. Das zeigen immer wieder Interviews und vorsichtige Umfragen. Viele schwule Priester wollen mit der Propaganda queer-feindlichen Moral des Vatikans ablenken von der Frage: Wie sieht es denn mit eurem zölibatären Leben aus? Wie ist es mit euren privaten Homo-Freundschaften bestellt usw. Siehe das auch wie aktuelle Buch „Sodom“ des Journalisten und Soziologen Frédéric Martel: LINK

9.
Die Frage ist: Wie lange wird der Vatikan noch dulden, dass es in deutschen Klöstern und Ordensgemeinschaften ganz offiziell einige Mitglieder gibt, die sich mit der Initiative „outinchurch“ auch öffentlich eng verbunden wissen, etwa zwei ? Augustiner in ihrem Kloster in Würzburg, vielleicht sollte sich Papst Leo, selbst Mitglied im Augustinerorden, von denen mal belehren lassen. LINK:

10.
Die aktuellen Debatten über die Ablehnung der Segnung homosexueller Paare durch den Vatikan sollen  die Erinnerung an die kirchlichen Verbrechen an Homosexuellen während vieler Jahrhunderte verschleiern, wenn nicht gar auslöschen. Es sind Verbrechen der Kirche, die historisch gar nicht deutlich dokumentiert sind, weil es einfach der Kirche selbst zu peinlich war, die eigenen Untaten an den zu Sündern und Verbrechen erklärten Menschen, den Homosexuellen, zu dokumentieren.
Immerhin hat der offen homosexuelle Priester Jacques Perotti seinen Leidensweg in der katholischen Kirche beschrieben in seinem Buch „Un pretre parle“, Levallois, 1995. Als Sekretär von Abbé Pierre konnte er dann als Priester arbeiten, etwa für die ökumenische Schwulenbewegung „David et Jonathan“. In einem Interview mit Christian Modehn im Jahr 1996 sagte Perotti: „Ich bin nicht voll in die Strukturen der Kirchen integriert; ich bin Sekretär von Abbé Pierre, und der ist unabhängig von der Kirche und befindet sich selbst eher am Rande der Kirche. Denn die Bewegung Emmaus, die er gegründet hat, ist ja nicht religiös, sondern weltlich, laizistisch. Also wegen Abbé  Pierre, so scheint es mir, lebe ich wie unter einer Art Schirm, der alle Blitze abwehrt aus dem Vatikan, aus Rom und vonseiten der Bischöfe. Abbé Pierre hat es mir erlaubt, dass ich mein Priesteramt leben kann als Vorkämpfer für die Sache der Homosexuellen. Er ist ein Mensch, der gut zuhören kann, er kann alle menschlichen Situationen verstehen. Er hat auch meinen Lebensweg gut verstanden, dass ich einen Kampf führe zur Befreiung der Homosexuellen in der Kirche. Ich habe selbst gehört, wie er mich verteidigt hat bei einer Mahlzeit, als wir mit Bischöfen zusammen an einem Tisch saßen.“ Auch an den niederländischen katholischen Priester, Politiker und Poeten Herman VERBEEK muss hier erinnert werden, auch er war offen homosexuell und kritisierte heftig die reaktionären Bischöfe der Niederlande. LINK.

11.
Die heutige katholische Kirche ist als Nachfolge – Organisation jener katholischen Kirche zu bewerten, die Jahrhunderte lang Verbrechen an Homosexuellen beging, so steht die heutige Kirche auch vor den Herausforderungen einer Wiedergutmachung.
Materielle Wiedergutmachung ist wohl ausgeschlossen, weil es keine überlebenden Opfer der kirchlich zugelassenen Folterungen und Verbrennungen Homosexueller seit Kirchengründung gibt und es gibt wohl keine noch lebenden Angehörigen der Opfer. Das Leiden queerer Jugendlicher in katholischen Familien – damals wie heutev- wäre ein eignes Thema: Welches Unheil, welche Krankheit, richtet die katholische Moral in den Seelen der Menschen an…
Es ist eine Wiedergutmachung der Kirche jetzt erforderlich, die darin besteht: Alles zu tun, dass heute für queere Menschen die uneingeschränkt geltenden Menschenrechten durch die Kirche anerkannt werden; dass die Kirche sich offensiv für die Rechte der Queeren Menschen einsetzt, auch bei katholischen Diktatoren in Afrika. Und es sollte zu den Bildungsprogrammen katholischer Schulen in Afrika gehören, von Anfang die Normalität der Homosexualität als einer normalen Variante der Sexualität zu lehren.

12.
Wir wissen, dass unsere Hinweise, unsere Kritik, unsere Vorschläge zu dem Thema eigentlich sinnlos, weil wirkungslos sind bei den zementierten Verhältnissen im Vatikan und in der klerikalen Hierarchie. Aber ich sehe es als Theologiewissenschaftler über die katholische Kirche (das ist etwas anderes als „katholischer Theologe“) und als Journalist noch als eine lästige Pflicht an, gelegentlich diese Hinweise zur Diskussion zu stellen.

Albert Camus sagte einst: Man muss sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen. Ich denke oft: „Man muss sich die verbliebenen, demokratisch gesinnten Reform- Katholiken als Sisyphus – Gestalten vorstellen.“ Ein gewisser Masochismus gehört schon dazu, heute als Frau, als Queer, in Europa katholisch zu sein. Die Dissidenten im Sowjetimperium hatten immerhin die Hoffnung, dass die Herren der KP-„Eliten“ eines Tages verschwinden, wegen der ökonomischen Übermacht des westlichen Kapitalismus. Die Herren im Vatikan sitzen fest hinter ihren dicken Mauern und Päpste wie auch einige Kardinäle werden als „Führer“ von vielen Gläubigen hoch verehrt, weil in dieser unserer verrückten Welt „Führer“ wieder als ersehnte Leitfiguren so sehr willkommen sind. Siehe den Trend zu rechtsextremen Parteien in allen Ländern Europas und Amerikas  usw.

13.

Die von Papst Leo XIV. stets und ständig beschworene „Einheit“ unter den Katholiken (ein Ausdruck der allmählich etwas einfallslos wirkenden totalen Bindung des Papstes an Augustinus, seinen „Vater“) kann es nur geben: Wenn die katholische Kirche die Menschenrechte über alle ihre angeblichen göttlichen Rechte  und angeblich göttlichen Gebote stellt. Die Menschenrechte sind absolut wichtiger und entscheidender als alle klerikalen Kirchengesetze, auch die moralischen Ideologien dieser Kirche. Ganz nebenbei an alle christlichen Fundamentalisten: Hat Jesus von Nazareth nicht menschliche Haltungen und Tugenden über alle religiösen Gebte gestellt? Warum wird Jesus von Nazareth in dieser Kirche ignoriert? Weil Jesus von Nazareth diesen um sich selbst kreisenden Kirchen – Betrieb nur stört.

PS: Wer sich für die Heftigkeit der Homo-Debatten in der katholischen Kirche jetzt noch interessiert, nur ein Beispiel: Die Position des reaktionären niederländischen Kardinal Eijk in Utrecht LINK

Kurz und bündig, was Papst Leo von Segnungsfeiern für Homosexuelle Paare hält: „Nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Umsetzung der Segensfeiern in seinem Erzbistum empfohlen hatte, erklärte der Papst auf dem Rückflug von seiner Afrikareise im April: „Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind.“ (KNA). Quelle: https://katholisch.de/artikel/68605-sautermeister-bischoefe-bei-segnung-homosexueller-auf-linie-mit-rom. 16.5.2026

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

 

 

 

 

 

 

 

Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg? Fast die Hälfte (44,4 Prozent) trägt die öffentliche Hand!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.5.2026

Unser bekanntes Motto: Religionskritik und Kirchenkritik sind zentrale Aufgaben der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, heute wie damals

1.
Wer am 12.5.2026 im Internet Antwort sucht auf die Frage: Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg (13.5. bis 17.5.2026) erhält nur wenige ausführliche Links.

2.
Die „Mainpost“ bietet nur diese ultrakurze kostenfrei zugängliche Information vom 29. März 2026: „Der großzügigste Geldgeber ist der Freistaat Bayern, der den Katholikentag mit drei Millionen Euro fördert. 940.000 Euro gibt der Bund, 500.000 …“

3.
Wirklich umfassend berichtet am 12.5.2026 die Wiener Online -Zeitung „UZ – Unsere Zeitung – die Demokratische“, mit dem Titel „Glaubensevent auf Staatskosten“. Quelle:  LINK

Aus UZ -Unsere Zeitung- Die Demokratische ein zentrales Zitat:
„In Würzburg wird das Glaubensspektakel diesmal mit mindestens 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand gefördert. Das Land Bayern gibt drei Millionen Euro, der Bund anstatt wie traditionell 500.000 Euro erstmals 940.000 Euro und die mit über 815 Millionen Euro hoch verschuldete Stadt Würzburg steuert 500.000 Euro inklusive Sachleistungen bei… In Würzburg trägt die öffentliche Hand 44,4 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 10 Millionen Euro – viel Geld in Zeiten klammer Haushaltskassen.“

4.
Und weiter schreibt Unsere Zeitung – Die Demokratische“:
 „Dabei besitzen die deutschen Kirchen genügend Geldreserven, auch das Bistum Würzburg. Es besitzt ein – kaufmännisch schlank gerechnetes – Vermögen von 423,9 Millionen Euro. Allein aus Kirchensteuererträgen fließen in diesem Jahr 178 Millionen Euro in das klerikale Finanzportfolio. Freilich: Nicht alles daranzusetzen, das Millionenvermögen zu vermehren und zu schützen, wäre für die katholische Kirche beinahe ein Sündenfall. Aus diesem Grund schiebt die Kirche einen schlichten Katholikentagsverein als angebliche Laienbewegung vor, ohne eine Abrechnung vorzulegen. Religionsgemeinschaften sind in Deutschlands nicht rechenschaftspflichtig. Landesrechnungshöfe dürfen sie nicht überprüfen. So bleibt intransparent, wofür das staatliche Geld eigentlich eingesetzt wird. Transparenz sieht anders aus. Die Politik sollte endlich umdenken: die Kirchentagssubventionen sind mit einem weltanschaulich neutralen Staat nicht zu vereinbaren.“

5.
Merkwürdig ist, dass die offiziell katholische website kath.de am 31.3.2026 zur Frage: Was kostet der Katholikentag in Würzbug“ u.a. nur sehr wenig, wenn nicht aus heutiger Sicht falsch schreibt: „Das Bundesinnenministerium fördert die meist im jährlichen Wechsel stattfindenden Katholiken- und Kirchentage in Deutschland aufgrund ihrer „gesellschaftspolitischen Bedeutung“ jeweils mit rund 500.000 Euro. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Die Liberalen hatten darin nach den Grundlagen staatlicher Förderungen für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gefragt.“

6.
Zum Thema Kirche und Staat in Deutschland hat Prof. Horst Dreier, der Würzburger (!) Ordinarius für Rechtsphilosophie, Staatsrecht und Verwaltungsrecht das grundlegende, objektive Buch geschrieben: „Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne“, C.H.Beck Verlag, 2018. Siehe die Besprechung des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin: LINK:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin