Papst Leo XIV. propagiert die Gestalt des katholischen Priesters von vorgestern für heute

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6.1.2026

1.

Die Menschen, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen und entsetzt sind über den kriegerischen „Gott“ der USA mit dem Namen Trump, also die Menschen, die jetzt noch versuchen, bei Vernunft zu bleiben, sie haben ganz andere Sorgen, als sich mit dem offiziellen katholischen Priesterbild zu befassen. Aber Papst Leo fordert dazu auf. Er sollte stattdessen  sehr viel dringender die Bande katholischer Politiker rund um „Gott“ Trump exkommunizieren… aber nein, der Papst muss das alte Klerus – Image aufpolieren. Um es einmal nach aller Art “drastisch  – katholisch” zu sagen…

2.

Papst Leo XIV. hat kürzlich, am 8.12.2025,  ein so genanntes „Apostolisches Schreiben“ veröffentlicht, in dem er das veraltete „Priesterbild“ erneut beschwört, obwohl sehr viele ernst zu nehmende katholische Theologen sehr viel weiter sind. Aber Päpste und Bischöfe erlauben sich ständig, die Ergebnisse der theologischen Forschung zu ignorieren. Welche Großinstitution könnte es sich erlauben, so ignorant mit der Wissenschaft umzugehen?  Der Titel dieses Schreibens: “EINE TREUE, DIE ZUKUNFT SCHAFFT.” Apostolisches Schreiben DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. (Siehe auch Fußnote 1)

Aber die Päpste sind die Herren der Kirche, sie können sagen und schreiben, was sie wollen, und die meisten Katholikinnen nicken ehrerbietig unterwürfig, sie sind die braven Schäfchen… 

3.

Wir haben seit Beginn der Herrschaft Leo XIV. am 8.Mai 2025 immer wieder auf dessen theologisch sehr konservativen Tendenzen hingewiesen. LINK 

Nun also ein offizieller päpstliche Text zum Thema Priestertum, den sogar die eher offizielle Website www.katholisch.de   sehr mutig kommentiert. 

4.

Zunächst noch für alle „theologischen Laien“ unter den LeserInnen unseres Hinweises: Man muss immer wissen, dass in der offiziellen katholischen Lehre bis heute der Priester absolut im Mittelpunkt steht. Die Eucharistie, angeblich das Wichtigste nach der Taufe im Katholizismus, darf nur der zölibatäre geweihte männliche Priester feiern. In der von den Päpsten als notwendig behaupteten Verknüpfung von Priesteramt und Eucharistie liegt das ganze Elend der (gegenwärtigen) Kirche, nämlich der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt und das Festhalten des meist nur noch pro forma bestehenden Zölibats-Gesetzes.

Diese behauptete totale Unersetzbarkeit des zölibatären Priesters zeigt sich jetzt vermehrt in Europa in der Form der Schließung von Gemeinden und Pfarreien: Und zwar nur deswegen: Weil die zölibatären Priester fehlen und die noch in Europa lebenden vergreisen. Da werden von der klerikalen   Bürokratie einfach Gemeinden zusammengelegt und die wenigen Priester reisen dann sozusagen von einer Kirche zur anderen, um schnell die Messe zu lesen…dabei könnten Laien, junge LaientheologInnen, diese Aufgabe der Gemeindeleitung und des „ Messefeierns“ leisten. Aber nein, es werden viele hundert Filippinos, Inder, Afrikaner aus ihren „Missionsländer“ nach ganz Europa als Lückenbüßer geschickt, um hier den Klerus zu ersetzen. Dabei gibt es in den genannten „Missionsländern“ genug zu tun. 

5. 

Wir zitieren aus dem Beitrag von Fabian Brand über den Schrieb des Papstes Leo XIV. zum katholischen Priesteramt heute:

 „Besonders auffällig ist, dass Leo XIV. in seinem `Apostolischen Schreiben` wieder auf den Pfarrer von Ars verweist. Jean-Marie Vianney verkörperte als Priester das Kirchenbild des 19. Jahrhunderts: strenge Fixierung auf die Eucharistie, der Priester als tüchtiger Beichtvater, der Dorfpfarrer als Ideal. Noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Vianney gern in den Schreiben der Päpste zitiert.

….Zwar hebt der Papst (Leo XIV.) in seinem neuen Schreiben immer wieder die hohe Bedeutung der Welt von heute und der sich veränderten Zeit hervor. Im Blick auf das Priesteramt bleibt er jedoch immer wieder dahinter zurück. Gerade die wichtigen Erkenntnisse der letzten Jahre zu den Themen sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch werden nicht beachtet. Stattdessen werden spirituell stark aufgeladene Theoreme rezipiert, die höchst anfällig sind für Missbrauch. Die wirklichen Fortschritte des 2. Vatikanischen Konzils, nämlich die starke Relativierung des Priesteramts durch alle Getauften und die Realisierung der Sendung des Priesters in der Welt von heute bleiben dabei außen vor. 

So schreibt Fabian Brand in katholisch.de aufgerufen am 6.1.2025

6.

Im Rahmen der Revitalisierung verstaubter Theologien durch Leo XIV. wird als Nächstes durch ihn iwohl nszeniert werden: Die verstärkte Zulassung der alten lateinischen Messe allüberall: mit dem leise Lateinich nuschelten Priester am Altar, sich dem Volk manchmal zuwendend, das „Dominus Vobiscum“ dann hauchend … und die traditionalistische Kirche der Pius-Brüder wird jubeln: Sie haben mit der alten lateinischen Messe auch die veraltete Theologie ins 21. Jahrhundert gerettet. Denn diese Theologie ist reaktionär, gegen Religionsfreiheit, gegen Ökumene, gegen Menschenrechte. Warum wird Papst Leo die lateinische Messe wieder umfassend zulassen? Weil er die jungen Priester so  mdringend braucht, die es in der Lefèbvre – Kirche, also der traditionalistischen Priesterbruderschaft `PIUS X`.bis jetzt noch so sehr zahlreich gibt. Aber längst haben sich andere, sehr papsttreue traditionalistische katholische Priestergemeinschaften innerhalb der offiziellen Kirche stark gemacht, wie etwa die Gemeinschaft „Christus König und Hoher Priester“ (sic) … sie haben doch so viele strahlend – sympathische Kleriker vorzuweisen, die so gern auf die Gemeinden des 21. Jahrhunderts losgelassen werden wollen. Auch die „Petrus-Bruderschaft“ wäre zu in der langen Liste offiziell katholisch -reaktionärer Priestergemeinschaften zu nennen. Diese Priester warten förmlich darauf, bestimmend zu werden in der Kirche.  Dass es jetzt so viele reaktionäre Bewegungen und Priestergruppen in der katholischen Kirche gibt, ist begründet in der Liebe von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. zu diesen Leuten und ihrer Theologie von vorgestern.

7.

Wir haben schon mehrfach den natürlich total utopischen Wunsch vorgetragen: Papst Leo möge als Mitglied des Augustinerordens (von den anderen, den Reform – Augustinerorden, den Rekollekten und Unbeschuhten spricht niemand) …  von der Kirchenlehre seines Augustiner-Mitbruders Dr. theol. Martin Luther lernen. Das macht Leo aber gar nicht. Genauso wäre es ein utopischer Wunsch, als Papst nicht nur regelmäßig ins prächtige Castel Gandolfo zum Ausruhen zu fahren; sondern auch die benachbarte Evangelisch -Lutherische Kirche in Rom, nahe dem Vatikan, zu besuchen. Die TheologInnen dort könnten ihm vieles beibringen zum Pastoren/Priesteramt der Frauen und zur Aufhebung des sinnlosen Zölibats-Gesetzes.  Papst Leo ist Mitglied des so genannten Bettel-Ordens der Augustiner (wie die Franziskaner, Dominikaner…) Aber so richtig arm, geschweige denn bettelarm – wie es einst bei der Gründung des Ordens 1256 gewünscht wurde – will Leo nun gar nicht leben. Bald wird er in dem für ihn renovierten Apostolischen Palast sein hübsches Zuhause haben. Nebenbei: Das Zentrum des Augustinerordens, das “Generalat”, ist nur wenige Meter vom “Apostolischen Palast” entfernt. In diesem Kloster könnte  man als Papst aus dem Augustinerorden ja auch – bescheiden? – wohnen? Aber inzwischen wurden dort viele der leerstehenden Zimmer in ein Luxushotel umgewandelt, der Bettelorden bettelt jetzt eben etwas auf “höherer Ebene”. Zum Hotel: https://www.residenzapaolovi.com/de/

8.

Aber die Augustiner schämen sich wahrscheinlich als römische Katholiken, dass ausgerechnet aus ihrem Orden „dieser“ Martin Luther hervorgegangen ist. Dabei sollten sie stolz sein, dass ein großer Reformator, Luther, – natürlich auch mit seinen Verirrungen -Antisemitismus -etc.  dem Orden einige Jahre angehörte. Aber dann erkannte Luther sehr richtig,  dass der Zölibat doch eher eine Verirrung ist als eine Chance für die allermeisten… Aber auch in dieser Frage hat die römisch – katholische Kirche gar nichts von dem Augustinerpater Martin Luther gelernt…

Fußnote 1:  Als Beispiel die Nr 29 dieses päpstlichen Textes: „Ich vertraue alle Seminaristen, Diakone und Priester der Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau Maria, der Mutter vom Guten Rat, (dies ist die Lieblingsmadonna des Augustinerordens !, CM) und dem heiligen Johannes Maria Vianney, dem Patron der Pfarrer und Vorbild aller Priester, an. Wie der Pfarrer von Ars zu sagen pflegte: »Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu«. [30] Eine Liebe, die so stark ist, dass sie die Wolken der Gewohnheit, der Entmutigung und der Einsamkeit vertreibt, eine vollkommene Liebe, die uns in der Eucharistie in ihrer ganzen Fülle geschenkt wird. Eucharistische Liebe, priesterliche Liebe.” Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 8. Dezember, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria, im Heiligen Jahr 2025, dem ersten meines Pontifikats. Leo XIV. 

Ein Freund aus Rom hat uns seinen ergänzenden Text zu diesen frommen warmen Worten des Papstes geschickt. Er meinte, noch vieles mehr könnte er im ähnlichen Stil schreiben: Also nur diese eine kleine Ergänzung zum Schreiben des Papstes:

Als Sohn des heiligen Augustinus, der ich ja bin, wie ich schon am 8.5.2025 sagte, bitte ich unseren heiligen Augustinus und Kirchenleerer: Er möge Christus, den ewigen Hohen Priester bitten, mehr Arbeiter, also mehr Priester, aber keine Arbeiterpriester, in seinen Weinberg senden. Also gesunde, kräftige und hübsche junge Männer, bitte nicht alle homosexuell, die den Zölibat wenigstens nach außen hin hoch – halten und den traditionellen Gang unserer Kleriker-Kirche mit voller Hingabe und üblichem Gehorsam unterstützen…”

Hier hat unser Freund aus Rom mit seiner Aktualisierung Schluß gemacht. Er meinte nur noch: In welcher Zeit lebt eigentlich Leo XIV., um solches zu schreiben?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Albert Camus: Seine Spiritualität!

Anläßlich des Films „L`Etranger“, „Der Fremde“, von Francois Ozon, 2025, fragen einige LeserInnen und FreundInnen unseres „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon“: Habt Ihr etwas über „Camus und die Religion“ oder „Camus und die Spiritualität“ publiziert?
Wir bieten einen Beitrag von 2013, nach wie vor aktuell und inspririerend.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 4.1.2026

Albert Camus: Seine Spiritualität.
Von Christian Modehn.

Von dem Gott, wie ihn die Kirchen predigen, hielt Albert Camus nichts: Etwa, an den „gerechten Herrscher“, der gleichzeitig noch ein barmherziger Vater sein soll, aber „Kinder leiden lässt“, konnte er nicht glauben.
Gott ist für Camus das göttliche Geheimnis des Lebens. 1954 notiert er in seinem Tagebuch: „Ich glaube nicht an Gott, bin aber kein Atheist“. In der Zeitung „Le Monde“ sagt er zwei Jahre später: „Ich halte das Nichtreligiöse für etwas Vulgäres und Überholtes“.
Camus ist „fromm“ auf seine eigene Art. Gefühle anderer nachzuplappern und abstrakte dogmatische Lehren als die seinigen auszugeben, das liegt ihm fern. Camus ist spirituell, weil er achtsam das Leben des einzelnen Menschen, auch sein eigenes, wahr – nimmt. Definitive Antworten auf den Sinn „des“ Lebens passen für ihn nicht zur begrenzten Vernunft des sterblichen Menschen. Aber der Mensch soll stolz sein, mit seinem Geist der Freiheit den Zwängen dieser Welt doch überlegen zu sein, selbst wenn alle Sterblichen „zum Tode verurteilt sind.“
Solange der Mensch lebt, muss er wie Sisypus den Stein immer wieder den Berg hinauf wälzen. Aber er weiß, wenn der Stein wieder herunter rollt: Ich bin diesem unabwendbaren Geschehen durch die Kraft meines Selbstbewusstseins überlegen. In Freiheit kann ich mein Schicksal annehmen und es für mich gestalten. Die Alternative wäre der Selbstmord, davon spricht Camus ausdrücklich. Aber der Suizid wäre für ihn ein Sieg des Nihilismus, abzulehnen ist vor allem der Verzicht, Nein zu sagen gegenüber allem Widerwärtigen.
Wenn es ein „Wesen“ des Menschen gibt, dann ist es bei Camus dieses Rebellische. „Bleibt kritische Rebellen, aber werdet nie gewalttätige, tötende Revolutionäre“, schärft er ein.
Die Kirchen lernte Camus schon als Jugendlicher in Algerien kennen. Aber sie können sein eigenes Erleben gar nicht deuten. Sie richten im allgemeinen den Blick der Frommen in die ferne Zukunft der Erlösung, den Himmel: „Später wird alles besser“. Für Camus ist diese Haltung den Christen wie den Kommunisten gemeinsam. Beide können den glücklichen Augenblick inmitten des Lebens nicht lieben, nicht bei ihm verweilen, in der Gegenwart leben.
Camus schätzt über alles die Momente des Glücks in einer kontemplativen Haltung. Die kleinen Essays unter dem Titel „Hochzeit des Lichts“ geben Zeugnis davon. Sie sind eine Einladung, inmitten der (noch verbliebenen) Schönheit der Natur das Geheimnis des Lebens zu entdecken: Etwa das Gefühl der Transzendenz, das sich bei einem Sonnenaufgang am Mittel – Meer ereignet. „Ich lauschte in mir einem fast vergessenen Klang, als finge mein Herz nach langem Stille-Stehen ganz sachte wieder zu klopfen an.“ Selbst Meursault, der durch einen eher lächerlichen Zufall zum Mörder und in Algerien zum Tode verurteilt wird, wie der Roman „Der Fremde“ beschreibt, liebt in seiner Gefängniszelle vor seiner Hinrichtung „die Sterne über dem Gesicht“, „den wunderbaren Frieden dieses schlafenden Sommers“. Meursault öffnet sich „angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne zum ersten Mal der zärtlichen Gleichgültigkeit der Welt.“

Nur in kontemplativer Haltung entwickelt sich das „Bewusstsein vom Heiligen, also vom Geheimnis, das es im Menschen gibt“, sagt Camus, kurz nachdem er den Literaturnobelpreis 1957 erhalten hat.
Die katholische Kirche ist für ihn vor allem an politischen Vorteilen interessiert. Um klerikaler Herrschaft willen werden die Regime Francos, Hitlers, Mussolinis, Pétains unterstützt. Der Gott dieser Herrenmenschen sollte den Menschen tatsächlich „genommen werden“.
Aber Camus weiß, dass es einige „andere Christen“ gibt, Demokraten, Verteidiger der Republik. Mit den Dominikanern in Paris hat Camus – etwa 1946 – gern debattiert, dort sagte er: „Ich werde niemals von dem Prinzip ausgehen, dass die christliche Wahrheit illusorisch ist, sondern nur von der Tatsache, dass ich in diese Wahrheit nicht eintreten konnte“ (zit. In „Dictionnaire Albert Camus“, Ed. Laffont, Paris, 2009, S. 140).
Mit dem katholischen Schriftsteller Georges Bernanos ist er seit der Résistance befreundet. Die Päpste fordert er auf, in ihren Enzykliken klipp und klar Unrecht zu benennen. Er will neue Gemeinschaften von Ungläubigen und Gläubigen gestalten; sie sollen gemeinsam für die Gedemütigten und Elenden eintreten. Das ist die neue Ökumene. Im Engagement wird neue spirituelle Kraft spürbar: “Ich rebelliere, also sind wir“! So heißt das paradoxe Glaubens – Bekenntnis von Albert Camus. Wenige Tage vor der Übergabe des Literatur – Nobelpreises im Dezember 1957 in Stockholm formulierte er noch einmal seine Spiritualität: „Wie viele andere Menschen von heute bin ich des Mäkelns und der Bosheit, mit einem Wort, des Nihilismus müde. Was zu verurteilen ist, sollte verurteilt werden! Aber kurz und bündig. Was hingegen noch gelobt zu werden verdient, sollte ausführlich gelobt werden. Schließlich bin ich ja deswegen Künstler. Denn selbst das Werk, das verneint, bejaht doch noch indirekt etwas und ehrt auch so das armselige und herrliche Leben, unser Leben.“

Dieser Beitrag erschien 2013 in der Zeitschrift PUBLIK-FORUM.

Siehe auch: Albert Camus – ein „Atheist aus göttlicher Gnade“ : LINK

„Rupert Neudeck und Albert Camus“: LINK

Literaturhinweis: 
Unter den Arbeiten Albert Camus` verdient die Übersetzung von „Hochzeit des Lichts“ (übersetzt von Peter Gan und Monique Lang), erschienen im Arche Verlag, Hamburg – Zürich, 2013, besondere Beachtung, zumal im Blick auf das Thema Spiritualität.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Kant sollte jetzt Kirchenlehrer sein! Unser Wunsch für 2026!

Von Christian Modehn am 2. Januar 2026

1.
Der Wunsch des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“ für 2026 ist eine Provokation. Sie führt, wie der Name „Provokation“ sagt, aus bestehenden dogmatischen Verirrungen der Kirchen und Religionen heraus, ins Freie, ins Menschliche, das wichtiger und hilfreicher ist als der traditionelle Dogmenglaube.

2.
Im Jahr 2026 darf es den Religionen und Kirchen nicht zuerst um ihre eigenen Dogmen, moralischen Behauptungen und Bindungen an nationale Ideologien (siehe Russland, Israel, USA, Iran usw.) gehen.
Der Papst zum Beispiel muss nicht mehr – irgendwie hilflos – bei jedem Anlass zu Bittgebeten auffordern, so, als würde Gott im Himmel je nach Laune mal die einen, mal die anderen Wünsche erfüllen. Naiver Wunderglaube wird da verbreitet…, den gilt es mit der Vernunftreligion zu überwinden. Nur mit der Vernunftreligion werden Menschen reif und „erwachsen“.

3.
Der Papst, um bei ihm zu bleiben, muss auch nicht mehr ständig seinen geliebten Augustinus zitieren, jenen Heiligen des 5. Jahrhunderts, der die Christen mit seinem gräßlichen Erbsünden – Dogma verrückt gemacht hat. Nein, der Papst könnte oft Erkenntnisse des Philosophen Immanuel Kant zitieren – als Aufforderung, die universell geltende Vernunft-Religion zu respektieren: Sie ist für alle Menschen, auch für alle Religionen und Konfessionen gültig, sie ist die allen und allem übergeordnete Religion.

4.
Wir haben im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin mehrfach auf die Erkenntnis der universellen Vernunftreligion im Sinne Kants hingewiesen. Siehe etwa diesen Beitrag: LINK. Dabei beziehen wir uns auf „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ von 1793 (in der Ausgabe des Meiner Verlages, 2003, die Seitenangabe beziehen sich auf dieses Buch). Es ist falsch, Kant als „Überwinder“ der Idee Gottes oder als „Zerstörer“ des vernünftig begründbaren Glaubens an Gott zu interpretieren. Kant hat als Philosoph erkannt, dass es eine göttliche Wirklichkeit gibt. Er betont aber: Gott ist kein Objekt wissenschaftlicher Beweise, wenn man wissenschaftlich im Sinne der Naturwissenschaften versteht. Aber die göttliche Wirklichkeit als Idee, vielleicht als Ursprung der Schöpfung, muss der Mensch denken, will er seine Existenz umfassend geistig verstehen.

5.
Nicht die Erfüllung religiöser Vorschriften ist für die Vernunftreligion entscheidend, sondern die Pflege der „moralischen Herzensgesinnung“, das lehrt schon Jesus Christus, betont Kant (Seite 214). Nicht gottesdienstliche Handlungen können den Menschen von Verfehlungen befreien, sondern nur die praktische Wiedergutmachung des Unrechts. Nicht das „süße Gefühl der Rache“ darf vorherrschen, sondern die Duldsamkeit…Dies sind Weisungen des Lehrers Jesu von Nazareth in der Sicht Kants. Vor allem: Die Erfüllung der ethischen Pflichten ist der wahre Dienst an Gott, der wahre Gottesdienst! Der Gottesdienst ist die Erfüllung der ethischen Pflichten, also der Menschenrechte: Das muss das beständige Leitmotiv der Predigten und der Praxis in allen Religionen sei. Kant betont: Es ist bloßer „Religionswahn und Aberglaube“ zu glauben, für ein gottgefälliges Leben könne der Mensch noch etwas anderes tun, als den guten Lebenswandel zu praktizieren (Seite 230). Es gibt also für Kant nur „die Religion des guten Lebenswandels, sie ist „das einzige religiöse Ziel der Menschen“ (Seite 236). Solange die Kirchen mit ihren eigenen Lehren noch bestehen, muss die Vernunftreligion allmählich diesen Kirchenglauben durchdringen und überwinden.“ (ebd.)
6.
Die Vernunftreligion lebt im Sinne Kants in einer „unsichtbaren Kirche“, sie braucht keine Herrschafts-Strukturen, aber sie braucht durchaus Lehrer, die herrschaftsfrei die Vernunft-Religion erklären.
„DIESE VERNUNFTRELIGION SOLL ALS WELTRELIGION AUSGEBREITET WERDEN“ (S. 212).
7.
Die geoffenbarte, also die in Sätzen, in Dogmen formulierte, mit Büchern der Offenbarung ausgestattete Religion, wird von Klerikern beherrscht. Diese Religion/Konfession soll letztlich überwunden werden, fordert Kant. In diese faktisch bestehenden Konfessionen sollte aber – wie gesagt – die Vernunftreligion wie ein kritisches, befreiendes Element eindringen, also die konfessionellen Religionen heilen, korrigieren. Auch in der kirchlich geprägten, der geoffenbarten Religion, gibt es für Kant vernünftige Elemente. Der allgemeine Vernunftglaube hat also Elemente, „Keime“ in der Kirchenreligion, die zur Vernunftreligion führen können. Es gibt für Kant eine langsame Annäherung an die von ihm erstrebte „unsichtbare Vernunft – Kirche aller guten Menschen“. Man könnte meinen: Je mehr die faktischen Kirchen und Religionen die Menschenrechte als wesentliche eigene Botschaft und Praxis erkennen, um so mehr nähern sie sich der universellen Vernunftreligion bereits an.
8.
Unser religionsphilosophischer Wunsch für das Jahr 2026 ist alles andere als ein schöner Traum oder bloß ein „frommer Wunsch“. Unsere Provokation ist eine Utopie, die ins Weite führt, in eine friedlichere Welt, in der nicht mehr fundamentalistische Religionen und Kirchen herrschen und ihren Unsinn politisch – kämpferisch durchsetzen. Ohne diese Hoffnung auf einen bessere Zustand der Religionen und Konfessionen stirbt das geistige Leben. Diese hier im Sinne Kants vorgestellte gute Utopie kann für uns und unsere Welt lebenserhaltend sein. Diese Utopie verhindert, dass unbedacht und undifferenziert alle Religionen und Konfessionen angesichts so vieler ihrer Irrungen und Verbrechen pauschal und „einfach so“ total „beiseite gelegt werden“.
9.
Die Vernunftreligion der Menschenrechte lebt bereits, sie ist als gute Utopie „nicht tot zu kriegen“… Die Vernunftreligion wird also die Religion der globalen Zukunft sein: weil sich immer mehr religiöse Menschen von den unverständlichen Dogmen und erstarrten Riten und infantilen Gebeten, Kirchenliedern abwenden … und die fundamentalistischen Verirrungen ihrer Religionen und Konfessionen schlicht und einfach nicht mehr ertragen können! Der “Atheismus” ist selbst eine Art Religion, meist eine fundamentalistische, also abzulehnen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Der christliche Glaube ist einfach – Auch das Bekenntnis ist einfach!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.12.2025 … nicht nur zum Weihnachtsfest aktuell…

1.

Anläßlich des Gedenkens an das Konzil von Nizäa vor 1.700 Jahren wurde viel über das dort formulierte christliche Glaubensbekenntnis gesprochen, es wurde später noch ausführlicher propagiert … gegen allerlei Ketzer … immer in einer Sprache der griechischen Philosophie: Für die meisten Menschen – zumal außerhalb Europas – sind dies eher unverständliche, existentiell nicht berührende Thesen. Aber die Kirchenführer und die ihnen ergebenen Theologen wärmen förmlich diese alten Texte immer wieder auf … um ihre klerikale Macht zu beweisen. Alte Dokumente haben bekanntlich nur Bedeutung, wenn sie zu neuen Interpretationen auffordern…

2.

In den zahlreichen Ra­dio­sen­dungen von Christian Modehn können immer wieder wichtige Hinweise entnommen werden, die eine moderne und vernünftige christliche Spiritualität inspirieren. 

3.

Im März 2014 sendete der Hessische Rundfunk in seiner Reihe „Camino“ (Red. Klaus Hofmeister) das Feature von Christian Modehn mit dem Titel „Glauben ist einfach“. 

Wir dokumentieren einige O Töne zum Thema „Glauben ist einfach“: Gemeint ist: Der christliche Glaube lässt sich auch heute in wenigen Worten nachvollziehbar sagen, er braucht nicht das ständige Beschwören und Wiederholen der uralten Bekenntnisse vor 1.700 Jahren. Damals hatten diese Christen den Mut, in ihrer Sprache der Philosophie den Glauben zu sagen, heute haben Theologen selbstverständlich die Freiheit, auf ihre Art, in ihrer Sprache, ihre christliche Spiritualität zu sagen. 

3.

Der katholische Theologe Karl Rahner ist sicher einer der wegweisenden Denker des Christelichen, er ist 1984 im Alter von 80 Jahren verstorben. Er legte in seinen zahlreichen Publikationen allen Nachdruck auf  den einen, entscheidenden Mittelpunkt des Glaubens: 

 O TON Karl RAHNER: 

Weil wir alle Religionsunterricht gehabt haben, kann es vielleicht so aussehen, als ob das Christentum, gerade das katholisch- kirchliche Christentum, eine ungeheure Menge von Dingen sagt, einen indoktriniert und zu glauben befiehlt. In Wirklichkeit sagt das Christentum das Selbstverständlichste, das gleichzeitig unbegreiflich ist: In deinem Leben ist immer schweigend,  umfassend bergend, liebend das namenlose Geheimnis am Werk, ein Christentum, das eigentlich sehr einfach ist. 

Alle subtile Theologie, alles Dogma, alles Kirchenrecht, alle Institution, alles Amt und alle seine Vollmacht; alle heiligen Liturgie und alle mutige Mission, haben nur das einzige Ziel: Glaube und Hoffnung und Liebe zu Gott und dem Menschen. Alle anderen Pläne und Taten der Kirche aber würden absurd und pervers, wollten sie sich dieser Aufgabe entziehen und allein sich selbst suchen.“

4.

Dem Projekt, auf neue Art einen einfachen, insofern armen Glauben zu formulieren, folgte etwa auch der Theologe Pater Heiner Wilmer, ihn konnten wir 2014 als Provinzial seines Ordens interviewen, inzwischen ist Wilmer Bischof von Hildesheim.

O TON, Heiner Wilmer,

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Glaube der Zukunft nur ein armer Glaube sein kann in einer armen Kirche. Und arm verstehe ich hier als Selbstbescheidung, als Konzentration auf das Wesentliche, und ich verstehe darunter ein Zurückdrängen von Nebensächlichkeiten. Auch nebensächlichen Schauplätzen, auf die wir uns immer zu sehr getummelt haben. 

Also Glaube ist Vertrauen. Und der Gegenbegriff von Glaube ist nicht Unglaube, sondern Angst. Der gläubige Mensch ist jemand, der ein tiefes Vertrauen hat ins Leben, das Geheimnis seines eigenen Lebens. Zur Ethik: 

Wenn du dich um andere kümmerst, wirst du selbst groß. Wenn du auf andere zugehst, wächst du innerlich. Wenn du deinen eigenen Horizont sprengst und die Welt offen siehst, und auch auf Unbekanntes mutig zugehst, wirst du selbst in ungeahnter Weise wachsen und zu einer erstaunlichen Größe gelangen, die dich selbst verblüfft.

5.

Der protestantische Theologe Professor an der Humboldt Universität in Berlin war als „liberaler Theologe“ immer offen für neue Formulierungen des Glaubens. Er sagt uns in einem Interview 2013: Wilhelm Gräb von der Berliner Humboldt Universität betont:  

O TON, Wilhelm Gräb:

Das Wesen des christlichen Glaubens ist, dass das Christentum die Menschwerdung Gottes behauptet, in dem Sinne, dass wir die Entgrenzung dieser Aussage verstehen: Nicht nur in dem einen Individuum des Jesus von Nazareth ist Gott Mensch geworden. Er wird es in jedem Menschen. Jedem Menschen wohnt eine göttliche Dimension inne, dass jeder Mensch in sich selbst unendlich wichtig ist, das ist das Wesen des Christlichen. 

Wilhelm Gräb ist leider 2023 gestorben im www.religionsphilosophischer-salon.de sind zahlreiche Interviews mit Prof. Gräb nachzulesen, die Fragen stellte Christian Modehn. 

6.

Frido Pflüger hat als Jesuit viele Jahre in Uganda und Kenia gearbeitet. Im Rahmen des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes hat er dort für ein menschenwürdiges Leben ausgehungerter, sterbenskranker Flüchtlinge aus den benachbarten Krisengebieten gekämpft. Inzwischen leitet Pater Pflüger den Jesuitenflüchtlingsdienst in Berlin. Pater Pflüger ist 2021 an Covid in Uganda gestorben. 

Inmitten eines aufreibenden politischen Engagements hat Frido Pflüger das Grundlegende, das Wesentliche des christlichen Glaubens entdeckt: 

O TON, Frido Pflüger. 

Das erste Wesentliche ist für mich in meinem eigenen Leben,  dass ich diese Grundüberzeugung habe, dass mein Leben sinnvoll ist, dass mein Leben getragen oder gegründet ist auf einen Ursprung, der hält. Und das ist das Wesentlichste am christlichen Glauben, dass ich davon auch Sicherheit für mein eigenes Leben verspüre. Das heißt, das ist die Basis dafür, dass ich auch ausgreifen kann, dass ich was tun kann, dass ich einfach keine Angst haben muss um mein Leben. Egal, was ich mache. Ich sag es mal einfach so: Ich kann mein Leben auch in die Pfanne hauen für andere. Ich mach mir auch nicht viel Gedanken über das Spätere. Ich hab einfach so große Zuversicht, dass mein Leben nicht scheitern wird, dass mir das eine große Lebensgewissheit ist und Sicherheit für jetzt gibt.  Was mir diese Sicherheit dann gibt, ist mein Glaube an die Auferstehung.  

O TON, Für Frido Pflüger ist in dem Zusammenhang das Thema Beten wichtig: 

Auf der einen Seite kommt natürlich durch die Erfahrung von Leid und Not, auch Tod, andere Dimension ins Gebet. Weil das einfach Anliegen meines Gebets wird.  Dass ich die Menschen, die ich kenne und die in diesen Situationen leben, dass ich für sie bete. Das Beten heißt: Dass sie in meinem Herzen sind, in meinem Herzen mit Gott verbunden. Und auf der anderen Seite gibt das Gebet natürlich trotzdem dann auch für mich Bestärkung, meinen Weg weiterzugehen. Und den Sinn für mein Leben zu bestärken, dass ich diese Dinge zugunsten der Armen mit den Armen tun kann. Denn manchmal ist man auch einfach müde, und da brauche ich diese Kraft, dass ich mein Herz öffne für die Leute.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

José Antonio Kast: Chiles rechtsradikaler Präsident: Katholisch in der „Schönstatt-Bewegung“

Ein Hinweis von Christian Modehn am 17.12.2025. Nun hat “Schönstatt” am 18.12.2025 zur Wahl des Marien-Freundes und Schönstatters José Antonio Kast Stellung genommen. Siehe Nr. 7 in diesem Hinweis.

1.
José Antonio Kast wurde zum Präsidenten Chiles am 14. Dezember 2025 gewählt. Er gibt offen zu, den rechtsradikalen Diktator Chiles, Augusto Pinochet zu schätzen: „Kast versicherte am 9.November 2017: Wenn Pinochet noch lebte, würde er ganz klar mich wählen“ (Quelle: El Mercurio On-Line, 9.9.2017.) Der Diktator Pinochet herrschte, von den USA eingesetzt, von 1973-1990.
Kast ist stolz darauf, sehr rechts, rechtsextrem zu sein und in seiner Moral extrem konservativen Dogmen zu folgen: Gegen Schwangerschaftsabbruch, gegen „Ehe für alle“ usw. „Ich bin als Katholik in die Politik eingetreten; zuerst bin ich katholisch, dann bin ich ein Politiker; zuerst bin ich Vater einer Familie, dann bin ich ein Politiker,“ berichtet „info vaticana“ zu einer Stellungnahme Kasts im Jahr 2023. LINK
Der neue Präsident Chiles Kast will die Armut und die oft von Armut beförderte Kriminalität bekämpfen durch eine Art Polizeistaat der Kontrollen, Vertreibungen (von Ausländern, Flüchtlingen…) , Repressionen…Trump zeigt, wie es geht…Trump sagte zum Wahlsieger Kast: „He’s a very good person.“

Zu Pinochet und die katholische Kirche in Chile siehe LINK:

2.
Es wird in den Analysen zur Wahl José Antonio Kasts zum Präsidenten Chiles nie ausführlich dokumentiert: Kast ist seit vielen Jahren aktives Mitglied der internationalen katholischen „Schönstatt – Bewegung“. Ohne diese Bindung an die Spiritualität dieser von Rom so genannten „neuen geistlichen Gemeinschaft“ innerhalb der Kirche wird man Kasts politische- ethisch – extrem konservative Grundüberzeugung nicht verstehen. In dieser Mischung aus dem für „Schönstatt“ mysteriösen Marien-Kult („Die dreimal wunderbare Mutter“), der nur hetero-normativ zu verstehenden Ehe sowie in der Bevorzugung der Wohlhabenden in der Theologie von „Schönstatt“ ist Kasts politisches Programm sichtbar… Dass Kasts Vater überzeugter Nazis war und nach dem Krieg – wie andere Nazis – nach Chile auswanderte, ist eine Tatsache.

3.
Die Schönstatt Bewegung ist, kurz gesagt, eine aus Deutschland stammende, sehr auf Maria, die sogenannte „Gottesmutter“, fixierte Frömmigkeitsbewegung mit ca. 100.000 Mitgliedern heute, berichtet die katholische Tageszeitung La Croix am 7.7.2020. „Schönstatt“ ist in Chile stark vertreten, vor allem unter gut-bürgerlichen Familien, die das klassische Familien-Ideal lieben. „Schönstatt Chile” leitet auch eigene Privatschulen.
Gründer dieser Marien-frommen Bewegung ist Pater Josef Kentenich (1885-1968): Er hat auch seine Ideen verbreitet zur Pädagogik: Jedes Mitglied seiner Bewegung solle über die Marienverehrung hinaus sein „persönliches Ideal“ finden. Über Details kann man sich über wikipedia „Schönstatt“ informieren.
„Schönstatt“ stand auch im Mittelpunkt öffentlichen Interesses wegen der zahlreichen Berichte über sexuellen Missbrauch unter prominenten „Schönstatt“ – Bischöfen in Chile und wegen der Berichte über sexuellen Missbrauch durch den Gründer „Vater“ Pater Kentenich. 2018 hat Papst Franziskus den ehemaligen Erzbischofs von La Serena, Francisco José Cox Huneeus, aus dem Priestertum ausgeschlossen, er gehörte der Schönstatt- Bewegung an und war schon Anfang der 2000er Jahre wegen sexuellen Missbrauchs gegen Minderjährige angeklagt worden. Erst Im Jahr 2018 bestrafte ihn der Papst mit der Versetzung in den Laienstand…Heftige Kontroversen wegen der Vertuschung von sexuellem Missbrauch gab es auch mit Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa, Mitglied von “Schönstatt”. Er wurde von den Opfern des in ganz Chile  bekannten sexuellen – Missbrauchs -Priesters Fernando Karadima angeklagt (LINK. ) und beschuldigt, die Beschwerden der Opfer gegen diesen ehemaligen Pfarrer Karadima
zu vertuschen. (LINK )

4.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin hat schon 2022 einige wichtige Hinweise zur Verbindung von José Antonio Kast mit der Schönstatt-Bewegung publiziert. Vieles, was damals gesagt wurde, ist auch heute gültig. „Schönstatt“ in Chile (und nicht nur dort) hält sich zu seinen politischen Interessen sehr bedeckt, wie alle der so genannten neuen geistlichen Bewegungen. Welche Zeitschrift, welches Universitätsseminar hat schon etwas von der politischen Orientierung etwa der Millionen, die dem „neokatechumenalen Weg“ folgen, freigelegt und dokumentiert oder von der sehr konservativen theologisch – politischen Haltung der vielen hundert neokatechumenalen Priester nicht nur in Deutschland, sondern weltweit?
Zur politischen Orientierung von Schönstatt in Chile hatte sich am 28.10.2019 Patricio Young, Sozialarbeiter und Mitglied der chilenischen Schönstatt Bewegung geäußert, ein für katholische Verhältnisse mutiger Insider: „Wir sind eine Oberklassenbewegung. Wir bestehen hauptsächlich aus Familien aus der mittleren, oberen und höchsten Schicht. Abgesehen von Carrascal befinden sich unsere Heiligtümer in privilegierten Stadtteilen. Unser Vater hätte nur in der Pater-Kentenich-Schule in Puente Alto (sozialer Brennpunkt) zur Schule gehen können, der einzigen, die völlig kostenlos ist. Es gibt in unseren anderen Schulen einige wenige Schüler, die subventioniert werden, aber die große Mehrheit ist für Kinder der Oberschicht, obwohl das dem einen oder anderen Pater, den ich dazu öffentlich hinterfragt habe, nicht gefällt – abgestritten hat es aber auch keiner“. LINK

5.
Diese kritische Stellungnahme von Patricio Young „aus dem Inneren“ der Bewegung ist eine Ausnahme. Bisher konnte ich noch keine Stellungnahme von Schönstatt/Chile oder in den deutschen Schönstatt-Medien zum Sieg des Schönstatt-Mitglieds und reaktionären Politikers José Antonio Kast finden. Also eines Katholiken, der den Diktator Pinochet noch heute achtet und schätzt.
Chiles Bischöfe haben sich nach dem Sieg Kasts eher zurückhaltend geäußert, also nicht so, dass ein „Sohn der Kirche, ein Marien-Freund, Präsident wird“. Das nicht. Aber die Bischöfe wissen zu schätzen, dass Kast in seiner offiziell katholischen Moral selbstverständlich pro life – orientiert ist, also gegen Abtreibung und gegen „Ehe für alle“ kämpft. Aber die Bischöfe erinnern ihren Marien-Freund Kast, dass er sich als Präsident um das Gemeinwohl zu kümmern habe und bitte auch die Menschenrechte der Flüchtlinge zu respektieren habe. Dass zur Wahl Kast viele sehr rechtsgerichtete lateinamerikanische Präsidenten gratulierten, zeigt: Die Führer der herrschenden, offiziellen Politik stehen heute in Lateinamerika mehrheitlich sehr rechts. Und man wird sich im Falle Kasts die Mühe machen zu dokumentieren, wer seine Wahlkampagne finanziell unterstützt hat. Wie gesagt, Trump sagte zum Wahlsieg Kasts: „He´s a very good Person“…

6.

Die vielen so genannten “neuen geistlichen Bewegungen” der katholischen Kirche zeigen deutlich, welchen konservativ – reaktionären Überzeugungen sie folgen, dies ist eine gültige Erkenntnis der Katholizismusforschung, also der kritischen Theologie bzw. auch der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Diese “geistlichen” Gemeinschaften wurden ja mit dem Ziel gegründet, die “Neu-Evangelisierung” im Sinne der Päpste zu befördern. Aber viele dieser “Gemeinschaften” zeigen eher des häßliche Gesicht einer klerikal bestimmten Ideologie, man denke etwa an die Skadale der “neuen geistlichen Gemeinschaft” “Sodalicio” vor allem in Peru, “Sodalicio” wurde inzwischen von Papst Franziskus verboten.  Soldalicio hat aber viel Unheil in den Gemeinden Perus angerichtet. Man denke an die sexuellen Straftaten, die Priester aus dem Orden der “Legionäre Christi” begangen haben, ein Orden, den Papst Johannes Paul II. in höchsten Tönen öffentlich lobte. Man denke an die Skadale wegen der vielen neuen geistlichen Gemeinschaften im Bistum Toulon mit seinem reaktionären Bischof Dominique Rey (inzwischen von Papst Franziskus abgesetzt), man denke an den nun freigelegten massiven sexuellen Missbrauch im katholischen Geheimbund Opus Dei oder an den Missbrauch in der charismatisch -katholischen sehr konservativen Gemeinschaft Emmanuel usw. usw.

Wer diese neuen geistlichen Bewegungen näher , d.h. kritisch betrachtet, entdeckt dabei nur einen weiteren Aspekt der tiefsten Krise, in der sich der Katholizismus heute befindet: Die momentane mediale Begeisterung für Papst Leo XIV. verdeckt nur den faktischen Abschied vom Katholizismus in Europa: Katholiken verlassen scharenweise diese Kirche, in Holland, Belgien, Irland, Polen, Frankreich, Spanien, Deutschland, der Schweiz, Österreich usw. Statistisch alles tausendmal nachgewiesen. Es ist eine Tatsache: Wenn und wo KatholikInnen ein gewisses kritisches Bildungsniveau haben, wenden sie sich von dieser Kirche ab: Warum? Weil diese “ihre” einstige Kirche absolut stur jegliche Gleichberechtigung der Frauen ablehnt, weil sie an dem Wahnsinn des Zölibat-Gesetzes festhält, weil sie uralte Dogmen nur repetiert, weil ewig und überall dieselbe Messe feiert in einer erstarrten Sprache und so weiter und so weiter…

7.

Am 18. Dezember 2025 hat die Schönstatt-Bewegung – endlich – zur Wahl ihres Mitgliedes José Antonio Kast zum Präsidenten Chiles einen kurzen Beitrag veröffentlicht, mit einigen Fotos der sooo glücklichen Familie mit neun (9) Kindern; der kurze Beitrag, der Kast als einen soliden, freundlichen Demokraten herausstellen soll, endet mit den Worten: “Die Schönstatt-Bewegung unterstützt zwar wie die Kirche weder politische Parteien noch Kandidaten, aber sie ermutigt alle Laien, als Salz der Erde und Licht der Welt aktiv zu sein.” (Was ist das für eine falsche Behauptung: Die katholische Kirche unterstützt(e) doch immer rechte politische Parteien weltweit, auch Faschisten…, CM).  Und weiter sagt Schönstatt: “In diesem Sinne sind alle eingeladen, für die Familie Kast zu beten, damit Gott sie in den kommenden Jahren führt und Chile sich als „glückseliges Abbild des Gartens Eden” (Auszug aus der Nationalhymne) und als gesegnetes und prosperierendes Land weiterentwickeln kann.”

Wie bitte? Mit einem rechtsradikalen Präsidenten Kast wird es ein “Abbild des Gartens Eden” in Chile geben? Für wie naiv halten die Schönstätter die Menschen? Im “Garten Eden” fand bekanntlich der Sündenfall statt, also dort wurde die Erbsünde in die Welt gesetzt, wie die Dogmen behaupten. Hoffentlich findet in dem “Garten Eden Chile” unter dem rechtsradikalen José Antonio Kast nicht erneut eine schwere Sünde statt, nämlich eine Herrschaft nach der Art von Pinochet! Es ist dieses Verschweigen der Fakten, “Kast ist ein Rechtsradikaler”, das jegliche Achtung vor diesen offiziellen Kommentaren zerstört, diese sind wie üblich nur defensiv, nur “pro domo”, sagen nur einen kleinen Teil der Wahrheit… Das ist katholische “Öffentlichkeitsarbeit”….

LINK 

8.

Die “Süddeutsche Zeitung” erinnerte am 15./16. November 2025 auf S. 8 daran: José Antonio Kast würde “bei der vergangenen Wahl” von dem chilenisch-deutschen Ökonomen Sven von Storch beraten. Sven von Storch ist der Ehemann von Beatrix von Storch, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag”.

Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de

Weihnachten kritisch feiern: Ein aussichtsloser Vorschlag?

Ein Hinweis von Christian Modehn

1. Zur Einstimmung:
Auch religiöse Feste, selbst wenn sie jetzt mehr säkular als christlich sind, bleiben Thema der Philosophie und Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, kritische Reflexion gilt selbstverständlich auch dem Weihnachtsfest. Dabei will Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie nicht die Freude am Fest zerstören. Wir sind aber sicher: Bewusste und das ist immer kritische Kenntnis dessen, was wir da zu Weihnachten feiern, kann das Fest auf ein geistvolles, auf vernünftiges Niveau heben und die „Weihnachtsemotionen“ mit dem üblichen „Weihnachts-Kaufrausch“ etwas korrigieren… um mit Verstand zu feiern.

2. Das Übliche
Beim Feiern von Weihnachten glaubt jeder und jede, was er, was sie, persönlich hübsch und beruhigend findet, was alles die „Gemütlichkeit“ fördert. Oder was Kindheitserinnerungen weckt im Gedenken an „Leise rieselt der Schnee“, oder an die „Stille Nacht, in der alles schläft..“ bis zum schnell daher gesungenen Bekenntnis „Christ der Retter ist da“. Wobei wahrscheinlich fast niemand unter den Singenden diese Rettung hier und jetzt schon sieht und spürt… in dieser verrückten Welt der Kriege mit einigen so genannten „Spitzenpolitikern“ der „Weltmächte“, die viele Beobachter ehrlicherweise Verbrecher nennen. Gedankenlos besingt man also weiter das „Kind, zu Bethlehem geboren“. Bestenfalls kommen dann ein paar Tränen der Sehnsucht nach Frieden. Dass Bethlehem heute im Westjordanland liegt, wird bei diesem Kindlein vergessen, also in einer Region, in der jüdisch-ultra-orthodoxe Siedler ungehindert die muslimischen und manchmal noch christlichen Palästinenser attackieren und vertreiben.

3. Weihnachten ist ein MARKT
Wie umfassend, vielleicht: wie unentrinnbar total hat eigentlich die Kommerzialisierung von Weihnachten das „Eigentliche“ des Weihnachtsfestes verdorben? Bester Ausdruck dafür sind die kaum nicht zu zählenden allüberall…Der Markt ist bekanntlich Inbegriff des Kapitalismus: Weihnachts-Märkte mischen also Restbestände des Heiligen, die Erinnerung an die Geburt eines göttlichen Kindes, mit den offenbar unbesiegbaren Interessen des Kapitals. So werden Geschenk-Zwänge geweckt und gefördert. Und einige Kirchenführer schätzen den weihnachtlichen Kaufrausch des Marktes offenbar hoch ein, indem sich etwa die Berliner Bischöfe, katholisch und evangelisch, ökumenisch diesmal ganz einer Meinung, dazu hergeben, seit Jahren schon die Weihnachtsbeleuchtung in Berlin oder nun auch in Potsdam an zentraler Stelle der Einkaufs-Boulevards „einzuschalten“, in vertrauter Gemeinschaft mit dem Präsidenten des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. LINK.

4. Weihnachtsmarkt als Rummel
Treffender Ausdruck für das Verschwinden von Weihnachten im Marktgeschehen ist das Spektakel „Winterzeit” in Berlin -Lichtenberg 2025. Es ist von jeglichem Hauch der Erinnerung an einen christlichen oder religiösen Restbestand von Weihnachten befreit. Man könnte sich theologisch weit vorwagen und kapital/marktfreundlich behaupten: „Die Freude an diesem Rummel ist eine anonyme Freude über die Geburt Jesu von Nazareth.“

5. Maria ist keine a-sexuelle Jungfrau
Der Religionsphilosophische Salon hat früher schon darauf hingewiesen, dass die im Neuen Testament erzählten Geschichten von Jesu Geburt kritisch erforscht und gedeutet werden müssen. Wir haben darauf hingewiesen, dass Bibelwissenschaftler sehr genau etwa die Erzählungen des Evangelisten Markus betrachten: Das älteste Evangelium des Autors Markus deutet an, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu sein kann. Im 6. Kapitel berichtet Markus , wie Jesus von seinen Landsleuten in aller Öffentlichkeit als „der Sohn der Maria“ bezeichnet wird. Diese Aussage ist sensationell: Einen Mann nicht nach dem Vater, sondern nach der Mutter zu benennen, war in der damaligen Kultur Ausdruck für eine uneheliche Herkunft. Nur illegitime Söhne wurden damals nach der Mutter benannt. Noch weiter gehen die Erkenntnisse der Bibelwissenschaftlerin Prof. Luzia Sutter-Rehmann von der Uni Basel: „Da gibt es auch Forschungen von Jane Schaberg, die gezeigt hat, dass es zu Zeit der römischen Besatzung in Palästina sehr gut möglich wäre, sich Maria als, ja sag ich mal, Opfer von Soldaten vorzustellen. Junge Mädchen wurden da irgendwie schwanger, man weiß nicht von wem. Da waren keine geordneten Verhältnisse, da waren Landbesitzer oder Beamte oder Männer, die das junge Mädchen sexuell überwältigt haben. Die Lebensumstände im 1. Jahrhundert in Palästina waren nicht einfach für junge Mädchen. Das ist sicher.“
Wenn man diesem Forschungsergebnis folgt: Dann ist Jesus als uneheliches Kind anzusehen, und Josef ist sein Stiefvater. Diese Erkenntnis klingt in den Ohren einiger Christen vielleicht befremdlich, aber für die Bibelwissenschaftlerin Luzia Sutter-Rehberg wird die so „un-bürgerliche“, eher randständige Herkunft Jesu“ gerade entscheidend für einen Jesus, der die Armen und Ausgegrenzten besonders liebte. (Quelle: Ra­dio­sen­dung über Maria im RBB von Christian Modehn am 25.12.2009. )
Wir haben mehrfach auf Studien hingewiesen, die zeigen: dass der Titel „Jungfrau Maria“ überhaupt nicht auf eine sexuelle Unberührtheit Marias hinweist, sondern schlicht Maria als junge Frau bewertet, die mit ihrem Mann Josef selbstverständlich sexuelle Kontakte hat. Sonst gäbe ja nicht die im Neuen Testament genannten Geschwister Jesu von Nazareth.

6. „Befreien wir das Weihnachtsfest von kolonialem Denken.“

Selbstverständlich wurde die Weihnachtsgeschichte der Evangelien auch von Missionaren im kolonialen Zusammenhang den „Heiden“ erzählt oder missionarisch eingepaukt. Man spreche mit alten Missionaren etwa aus Chile, die Weihnachten zur dortigen Sommerzeit feiern und die aus Europa importierten (kolonisierten) Weihnachtslieder sangen mit dem nun mal dort besungenen Schnee oder mindestens der Kälte in der Hütte zu Bethlehem. Genauso wichtig ist es, dass Christen wissen: Auch in der islamischen Tradition, im Koran, ist von dem Propheten Jesus und seiner Mutter Maria die Rede. Um so erfreulicher, dass in der Baptisten-Gemeinde in Berlin – Charlottenburg ein Projekt, eine Ausstellung mit Interviews usw., im Dezember 2025 gestartet wurde mit dem sehr treffenden Auftrag: „Decolonizing Christmas“, also „Befreien wir das Weihnachtsfest kolonialem Denken.“ Es wird also zurecht gefordert: Vergessen wir das kritische Nachdenken nicht, wenn wir uns mit den Weihnachtserzählungen befassen und Weihnachten feiern. Die Tageszeitung TAZ hat über diese Initiative ausführlich und objektiv berichtet: Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Friedensgemeinde der Baptisten, dort besonders des Referenten für „Kirche und Gesellschaft“, des christlichen Theologen Bastian Schmidt und der islamischen Theologin Gökçe Aydın vom Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität (HU). Das angesehene „Berliner Forum der Religionen“ hat dieses Projekt unterstützt. LINK .Dieses „Berliner Forum der Religionen“ schreibt: „Warum ist das Projekt wichtig? 
Weihnachten ist mehr als nur Tradition, es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. In einer Zeit, in der Religion oft trennt, wollen wir zeigen: Dialog verbindet. Lasst uns gemeinsam herausfinden, wie wir koloniale und diskriminierende Bilder hinterfragen und neue politische Wirklichkeiten schaffen können, voller Respekt, Humor und Offenheit. Gemeinsam wollen wir die christliche Geschichte reflektieren und sie gesellschaftlich nutzbar zu machen.“
Die Veranstaltung der Friedenskirche wird sinnvollerweise durch die „Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt“ gefördert.

7.Die Springer – Presse mit WELT-TV vernichtet dieses Projekt.
Leider hat die Springer – Presse heftig und pauschal gegen dieses Projekt Stellung genommen, es erstaunt, dass die eigentlich liberale Gründerin der liberalen Moschee in Berlin heftig gegen dieses Projekt in Springer -. Medien austeilt. Ein Freund fragt: Ist Frau Seyran Ates etwa böse, dass nicht sie an dem Projekt mitwirken durfte? Es wurden dann ungeheuerliche Behauptungen verbreitet, etwa: Weihnachten solle abgeschafft werden durch dieses Projekt usw… Auch der Tagesspiegel berichtete am 12. Dezember 2025 darüber: Berlins Ober-Bürgermeister Kai Wegner (CDU) schaltete sich ein und bedauerte, dass dieses sehr wichtige und der Aufklärung dienende Projekt vom Senat finanziell unterstützt wurde. Selbst die „Süddeutsche Zeitung“ hat am 13./14. Dezember 2025, Seite 19, von dem Projekt der Charlottenburger Gemeinde berichtet und treffend geschrieben: Der Fernsehsender WELT-TV sei „immer bereit, sich auf Kulturkämpfe einzulassen“. Wohl wahr: Es passt den Rechten und sehr Rechten (Medien und Politikern etwa in der CSU) nicht, wenn das christliche Weihnachtsfest auch in Beziehung zu islamischer Theologie in Beziehung gesetzt wird. Man darf niemals vergessen, dass der gegenwärtige Innenminister Alexander Dobrindt, ein Katholik, den Islam schon 2018 aus Deutschland ausgrenzte, weil „er nicht prägend und sei und es auch nicht werden solle“. Wir zitieren aus der Evangelischen Zeitung „Sonntagsblatt“ vom 20. Mai 2025, Oliver Marquart schreibt: „Dobrindt stellte die pauschale Behauptung auf, Werte wie Toleranz oder Nächstenliebe fänden sich in der “islamischen Welt” (was auch immer das sein mag) “so nicht wieder”.  Nun beinhaltet eine derart starke Aussage zum einen stets ein sehr hohes Risiko, an der Realität zu scheitern. Zum anderen spricht er damit Muslim*innen in Deutschland und weltweit eiskalt demokratische Reife ab und widerspricht jeder Form religiöser Gleichbehandlung. Wieder einmal nutzte also ein Politiker das Christentum im Sinne eines Kulturkampfes, um es gegen andere Religionsgemeinschaften in Stellung zu bringen.“ Wenn die „Süddeutsche Zeitung“ wie gesagt von Kulturkampf spricht im Umgang mit der wichtigen und richtigen Veranstaltung „Decolonize Christmas“, dann muss eben auch Dobrindt als einer der Kulturkämpfer an vorderster Front erwähnt werden, der sozusagen die Mentalitäten der Offenheit, der freien Forschung, des Respektes vor dem Islam und islamischer Theologie verdorben hat…

8.
Zum Projekt „Decolonize Christmas“ gehörte eigentlich auch die Kritik an den Handelsbedingungen der westlichen Kakao-Giganten mit den Kakao-Produzenten etwa in der Elfenbeinküste, die nur einen verschwindenden Anteil am Verkauf des Kakaos in der Schokolade-konsumierenden reichen Welt erhalten. Zum Projekt „Decolonize Christmas“ würde auch gehören, dass wie Reichen (auch die reichen Christen Deutschlands) auf die verheerende Armut der Menschen im globalen Süden nach wie vor nur mit Almosen antworten,Spenden genannt. Gerechtigkeit und Respekt vor dem in Armut geborenen Jesu von Nazareth sieht anders aus. Aber die Kirchen fordern nach wie vor Spenden – wie in Kolonialzeiten schon (man denken an die Statue des bei jedem Groschen dankbar “nickenden Negers“). Das System, das die globale Armut erzeugt und die Politiker, die das ungerechte System unterstützen und von ihm profitieren, werden von den Kirchen heute viel zu selten benannt. Sie sind hierzulande von der Gunst der Politiker abhängig … und die Gunst der Politiker und ihrer Lobbyisten ist ihnen wichtiger als radikale, aber treffende Kritik am ausbeuterischen hiesigen Wirtschaftssystem.

9. Die veranstaltende Gemeinde der Baptisten resigniert und unterwirft sich der Macht der Springer – Presse.

Das Projekt „Decolonize Christmas“als Diskussions – und Bildungsveranstaltung in der Charlottenburger Baptistenkirche ist erst mal gestoppt un damit gescheitert. Die Leitung der Friedenskirche, eingeschüchtert von der in Berlin immer noch mächtigen Springer – Presse, distanziert sich sogar öffentlich von dem eignenen Projekt, auch wenn sie das Thema irgendwie noch wichtig findet. „Als Friedenskirche Charlottenburg bekennen wir uns ausdrücklich zum theologischen Kern der Weihnachtsbotschaft, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt ist. Von allen Aussagen, die dem entgegenstehen, distanzieren wir uns klar.“ In den weiteren Aussagen der Baptisten der Friedensgemeinde wird deutlich: Die sehr Bibel-gläubige (im wortwörtlichen Verstehen der Texte)  Baptisten -Gemeinde  hat Angst vor ihrer eigenen Courage. Und das ist schon eine Katastrophe, weil einzig die kritische Bibellektüre und die kritische, vom Dialog mit anderen Religionen lernende christliche Theologie als Wissenschaft heute angemessen ist. Bedauerlich ist auch, dass offenbar andere christliche Kirchen in Berlin dieses Projekt jetzt nicht öffentlich unterstützen.  LINK

10. Zu Weihnachten bitte nichts Kritisches über Weihnachten
Was lernen wir daraus? Die bürgerlichen, sich christlich nur noch nennenden PolitikerInnen und ihre rechten Medien wollen sich ihre Weihnachtslaune durch kritische Ausstellungen und Veranstaltungen nicht nehmen lassen, und sie werden dabei ausgerechnet noch von einer liberalen Imamin unterstützt. Diese Leute meinen, über Weihnachten verfügen zu können, sie wollen keine kritischen, nachdenkliche Gedanken, sie wollen Weihnachten offenbar weiterhin als Fest des Konsums, des Trallala der alten, fast immer irgendwie infantilen Weihnachtslieder usw…

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

 

Den Widerstand gegen die Nazis ehren, gleichzeitig Mitläufer und Täter nennen. Über Bernhard Lichtenberg (Berlin)

Zum Gedenken an den katholischen Priester Dompropst Bernhard Lichtenberg in Berlin

Ein Hinweis von Christian Modehn am 1.12.2025
1.
Wenn in der Nazi-Zeit einige Menschen lebten, die mit – menschlich blieben, also Widerstand leisteten, dann sollten im Gedenken an diese wenigen stets auch die allermeisten erwähnt werden, also die Täter und Mitläufer des Nazi-Regimes. Sonst wird im üblichen, zur Routine gewordenen Gedenken, nur eine Jubelveranstaltung als „Helden- Gedenken“, dieses Gedenken übersieht: Diese Wenigen waren umgeben von sehr vielen Schweigenden, Wegsehenden, Mitläufern und Parteigängern. Sie waren eine Gefahr für die wenigen. Insofern ist eine „Heldenverehrung“ des Nazi-Widerstandes, die diese feindliche “Umgebung” vergißt, eine Verirrung, wenn nicht Lüge.

2.
Anläßlich eines Gedenkens an einen katholischen „Helden“ (katholisch formuliert: Gedenken an einen „Seligen“) fordern wir also gleichzeitig eine solche öffentliche Erinnerung, die alle Einseitigkeiten des Jubels überwindet und Fehler, Verirrungen und Verbrechen der Mehrheit damals im Gedenken selbst freilegt. Denn nur unter dieser Bedingung können wir heute „von der Geschichte lernen“, wie es so schön immer wieder heißt. Wir müssen heute wissen, wie viele Christen ihren Glauben damals ignorierten, als sie Nazis (Mitläufer, Ignoranten, Parteimitglieder usw.) wurden und die wenigen authentischen Christen allein ließen, verachteten, preisgaben…

3.
An welchen Helden denken wir jetzt konkret? An eine katholische Ausnahme-Gestalt: Durchaus ein Vorbild im Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft ist Dompropst Bernhard Lichtenberg. Anläßlich seines 150. Geburtstages am 3. Dezember 2025 wird ein „Sonderpostwertzeichen“ herausgegeben, die Briefmarke wird sogar von Berlins katholischem Erz – Bischof Heiner Koch in der St. Hedwigkathedrale präsentiert: Ob diese Marke auch noch gesegnet wird, ist fraglich. Zur neuen “Lichtenberg – Briefmarke” 2025: LINK 
Aber der Ort ist gut gewählt: In der Hedwigkathedrale wirkte Bernhard Lichtenberg … und … weil er sich für die verfolgten Juden einsetzte und dort öffentlich für sie betete, wurde er von einem im Gottesdienst sitzenden Spitzel angezeigt: Am 23. Oktober 1941 wurde der prominente katholische Priester von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und am 22. Mai 1942 von einem Sondergericht verurteilt. Nach zweijähriger Strafhaft schwer erkrankt, starb der Nazi – Gegner in der Stadt Hof am 5. November 1943, unterwegs im Transport zum Konzentrationslager Dachau. Geboren wurde Bernhard Lichtenberg am 3. Dezember 1875 in Ohlau, Schlesien. 1899 wurde er in Breslau zum Priester geweiht.

4.
Wegen seines Mutes, den Nazis öffentlich (!) zu widersprechen und für die verfolgten Juden einzustehen, wurde Bernhard Lichtenberg 1996 „selig gesprochen“: Bernhard Lichtenberg, nun „bei Gott“, kann also – nach katholischem Verständnis – von den Gläubigen im Bistum Berlin als Seliger ein Fürsprecher sein an Gottes Thron. Eine Heiligsprechung – sozusagen als himmlischer Fürsprecher dann aber weltweit – wird noch angestrebt. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrte den katholischen Priester 2004 mit der Auszeichnung als „Righteous among the Nations“ im Jahr 2004.

5.
Es verdient alle Unterstützung, dass mutigem Mensch gebliebene Menschen aus dem Widerstand gegen die Nazis als Vorbilder  geehrt werden. Das soll unbedingt so bleiben. Und eines Tages werden die Widerstandskämpfer gegen die heutigen Rechtsextremen und Neo -Nazis in Europa oder den USA auch öffentlich von der Kirche geehrt werden. Ob sich viele Katholiken und Christen anderer Kirchen darunter befinden, wird sich zeigen, diese Christen haben dann das Evangelium richtig AUCH als politische Botschaft, als Eintreten für die Menschenrechte, verstanden.

6.
Aber die Veranstaltungen von Gedenken zu Bernhard Lichtenberg sollten gleichzeitig dokumentieren und anzuerkennen: Dieser Selige, dieser vorbildliche Mensch, ist eine Ausnahme in der damaligen katholischen Welt. Dass die evangelische Kirche damals in ihrer starken Bindung an rechte und rechtsextreme Kreise, an die „deutschen Christen“  nur wenige Vorbilder hat … das ist ein anderes Thema…Martin Luthers Theologie bzw. Ideologie vom Gehorsam gegenüber der Obrigkeit zeigte seine furchtbare Wirkung.

Um deutlich zu machen, dass tatsächlich nur sehr wenige Priester in Deutschland den Nazis widerstanden: 1933 lebten in Deutschland 27.000 so genannte Weltpriester (Diözesanpriester) und weitere 15.00 männliche Ordensleute sowie mindestens 90.000 Ordensfrauen. Quelle: LINK.    Und: “Von den rund 2.700 im KZ Dachau inhaftierten Geistlichen unterschiedlicher Nationalität (“!) waren fast 95 Prozent katholischen Glaubens. Mindestens 160 deutsche Priester und 110 Laien büßten ihre Standhaftigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus mit dem Leben.” Quelle: LINK

7.
Die katholische Kirche, ihre Theologen und ihre Kirchenhistoriker müssen heute öffentlich anerkennen: Es ist nun wirklich nicht so, dass alle Berliner Priester und Ordensleute Bernhard Lichtenberg, ihren Dompropst, unterstützten, sich ihm anschlossen und wie er für die verfolgten Juden öffentlich beteten. Wäre diese umfassende Solidarität so vieler Priester mit dem Dompropst Lichtenberg wie vor allem Solidarität mit den Juden der Fall gewesen, dann hätten die Nazis sicher nicht alle Berliner Priester verhaftet … und die Nazis hätten – bei solchem “Massenprotest” – auch Bernhard Lichtenberg nicht ins KZ verurteilt. Mit anderen Worten: Es gilt einzugestehen: Es gab sehr viele „Mitläufer“ mit der Nazi-Partei auch im Klerus. Dazu gibt es keine umfassenden Studien, “Heldenverehrung” ist eben einfacher und angenehmer für die Kirche heute.

8.
Der für den Dompropst Bernhard Lichtenberg zuständige Berliner Bischof in der Nazi-Zeit war Bischof Konrad von Preysing, und er zeigte sich in seinen Stellungnahmen – im Rahmen der Bischofskonferenz – als ein entschiedener Gegner der Nazis. Aber Bischof von Preysing gehörte in dieser Position zur absoluten Minderheit unter den Bischöfen im Deutschen Reich. In welcher Weise Preysing seinen Dompropst öffentlich explizit unterstützte, muss noch erkundet werden.

9.
Bernhard Lichtenberg hatte aber einen erklärten Gegner unter den Bischöfen, und der saß im Erzbistum Breslau, das Bistum Berlin war diesem Erz – Bistum unterstellt. Und in Breslau regierte ein Kardinal, der in der Öffentlichkeit – sicher mit guten Gründen – als ein Freund des Nazi-Regimes wahrgenommen wurde. Der Breslauer Kardinal Adolf Bertram, seit 1914 dort als Erzbischof (gestorben 1945), war zudem der mächtige, letztlich der bestimmende Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Man sagt jetzt gern, Kardinal Bertram habe „intern“, in kleinen privaten Zirkel, Vorbehalte gegen Hitler und seinen Wahn geäußert.  Und man nennt diese Zurückhaltung des Kardinals gegenüber den Nazis „diplomatisches Verhalten“. Das sind die üblichen Floskeln, mit denen der geringe Mut zum öffentlichen Widerspruch und Widerstand entschuldigt werden soll. Aber: Einen öffentlich mutigen, widerstädnigen Kardinal ins KZ zu stecken – das hätten selbst die Nazis nicht gewagt. Den öffentlich Nazi – kritischen Berliner Bischof von Preysing haben die Nazis nicht verhaftet, nicht dem KZ ausgeliefert…

10..
Historiker meinen, Prälat Bernhard Lichtenberg in Berlin habe die Haltung von Kardinal Adolf Bertram, also dessen höchst moderaten, freundlichen Kurs gegenüber den Nazis, nicht direkt öffentlich kritisiert bzw. kritisieren können. Bei der Priesterweihe versprechen die neugeweihten Priester immer noch Gehorsam ihrem Bischof, so musste also Lichtenberg schweigen zur öffentlichen Nazi-Freundlichkeit seines obersten Vorgesetzten Kardinal Bertram.
Aber Dompropst Lichtenberg kannte natürlich die letztlich nazifreundliche Gesinnung Kardinal Bertrams. Lichtenberg musste an seiner Stelle den Mund auftun und mit dem Leben bezahlen.

11.
Es kann hier kein umfassendes Porträt Kardinal Adolf Bertrams in Breslau angeboten werden. In dem Band „Die Kirchen im Dritten Reich“ von Georg Denzler rund Volker Fabricius (Fischer, 1984) schreibt der Historiker Georg Denzler: „Erzbischof Bertram suchte in gemeinsamen Hirtenbriefen jede massive Regimekritik zu vermeiden.“ (S. 101). Denzler nennt Erzbischof Bertram „politisch naiv“, er erlaubte sich, zu Hitlers Geburtstag 1940 „dem hochgebietenden Herrn Reichskanzler und Führer die herzlichsten Glückwünsche darzubringen.“ Und der Erzbischof versicherte Hitler noch pauschal „die Staatstreue des katholischen Volkes“ (S. 102). Denzler schreibt: „Und um das Maß an ideologischer Verschwommenheit und Verwirrung vollzumachen, bekannte Erzbischof Bertram dem Führer uneingeschränkt, so wörtlich: „Ich bitte daran erinnern zu dürfen, dass dieses unser Streben (der Treue zu Hitler) nicht im Widerspruch steht mit dem Programm der nationalsozialistischen Partei.“ (S. 102). Hitler bedankte sich bei Bertram am 29. April 1940 sehr herzlich und „mit besonderer Genugtuung“ bei Kardinal Bertram.
Bischof von Preysing (Berlin) war über diese Hitler – Ergebenheit Kardinal Bertrams empört, die Bischöfe waren gespalten, schreibt Denzler (S. 103). Die Hitler-kritischen Bischöfe blieben aber die einflußlose Minderheit.  Dompropst Lichtenberg übernahm als einzelner mit seinem öffentlichen Gebet für die Juden genau die Aufgabe, die eigentlich Aufgabe aller Bischöfe und der Bischofskonferenz gewesen wäre.

12.
Ein Beispiel für das Nazi-freundliche Verhalten Kardinal Bertrams schon im Jahr1933: Eine Intervention gegen den von den Nazis propagierten Boykott jüdischer Geschäfte im Jahr 1933 befürwortete Kardinal Bertram nicht und sagte: „Meine Bedenken beziehen sich, 1. darauf, daß es sich um einen wirtschaftlichen Kampf in einem uns in kirchlicher Hinsicht nicht nahestehenden Interessentenkreis handelt; 2., daß der Schritt als Einmischung in eine Angelegenheit erscheint, die das Aufgabengebiet des Episkopats weniger berührt; der Episkopat aber triftigen Grund hat, sich auf sein eigenes Arbeitsgebiet zu beschränken […]Dass die überwiegend in jüdischen Händen befindliche Presse (sic, CM) gegenüber den Katholikenverfolgungen in verschiedenen Ländern durchweg mit Schweigen beobachtet hat, sei nur nebenbei berührt.“ (Quelle: Josef und Ruth Becker: Hitlers Machtergreifung. Dokumente. dtv, München 1983, (Dokument Nr. 148, Seite 195).

Dr. Sascha Hinkel, Kirchenhistoriker an der Uni Münster, nennt die Beweggründe für das Nazi-freundliche Verhalten Kardinal Bertrams: „Ein katholischer Bischof ist für wen zuständig? Für seine Katholiken. Der Bishcof ist nicht für Juden zuständig. Die Juden können für sich selbst sorgen, jüdische Institutionen sind für die Juden zuständig. Das sagt Kardinal Bertram im Prinzip schon 1933, und das führt er fort bis 1945. Es ging Kardinal Bertram darum, die vitalen Interessen der katholischen Kirche zu schützen, das schreibt er immer wieder. Und was ist das vitale kirchliche Interesse? Die Aufrechterhaltung der kirchlichen Institutionen, um Seelsorge zu gewährleisten.”(Quelle: DLF Kultur am 22.1.2023 LINK   https://www.deutschlandfunkkultur.de/kirchen-nationalsozialismus-kaum-protest-spaete-aufarbeitung-100.html. Dass die Juden – so die heutige Sichtweise der Kirchen – eigentlich Geschwister im Glauben sind, das sah Bertram leider anders…Aber wahrscheinlich hatte er das nicht besser gelernt in der Jahrhunderte alten Abwehr alles Jüdischen im Christentum und seiner Theologie.

13.
Warum also diese Hinweise: Wer heute zurecht an die sehr wenigen (gegenüber der Gesamtzahl der Priester und Ordensleute) Priester im Widerstand gegen die Nazis erinnert, sollte immer zugleich sagen: Diese vorbildlichen Gestalten sind die Ausnahme. Die allermeisten Priester und die allermeisten „Laien“ haben geschwiegen, sie waren mindestens Schweigende, Mitläufer…

14.
Erst wenn im Zusammenhang der „Heldenverehrung“ die Masse der Schweigenden, der Mitläufer usw. ausführlich auch erwähnt wird, ist das Erinnern wahrhaftig. Wer immer nur die wenigen positiven Beispiele herausstellt und sozusagen abstrakt, d.h.ohne Kontext feiert, der halbiert sozusagen das Gedenken, halbiert die Wahrheit.

Gotthard Klein hat im „Diözesan Archiv Berlin“ ausführlich über  Bernhard Lichtenbergs, dessen Nazi -Protest und Leidensweg berichtet: LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin