Wer hat Zukunftsperspektiven für Berlin? Etwa die katholischen Kirche?

Ein Hinweis von Christian Modehn am 10.9.2026

Ein Vorwort:
Dieser Beitrag zeigt faktenreich: Die katholische Kirche in Berlin als eine heute (2026) noch etwas bedeutende gesellschaftliche Organisation wird zunehmend zur verschwindenden Minderheit in Berlin: Diese Kirche baut ab, schließt und verkauft Kirchen mit den Gemeindehäusern, also den Orten der dringend gebotenen Kommunikation: Warum? Weil die katholische Kirche nach wie vor Klerus – fixiert ist, unbeweglich an Dogmen festhält, eine esoterisch-unverständliche Sprache in der Messe praktiziert usw…Zu den sehr belastenden Themen der BerlinerInnen hat die Kirche wenig zu sagen: Vor allem zum drängenden Problem, noch bezahlbare Mietwohnungen zu erhalten.
Und vor allem: Die katholische Kirche hat ganz offiziell und explizit den Papst als Chef einer „absoluten Wahl – Monarchie“. Und diese Kirche ist deswegen noch stolz darauf, explizit nicht demokratisch strukturiert und explizit nicht demokratisch organisiert zu sein.
Eine ihrem Wesen nach undemokratische Kirche kann auch in Berlin kaum glaubwürdig Demokratie fördern und helfen, zusammen mit demokratischen Organisationen und demokratischen Parteien, die bevorstehende Herrschaft der Rechtsextremen in Deutschland zu überwinden.

1.
Vor der Wahl in Berlin am 20.9.2026 sprechen viele PolitikerInnen aller Parteien von (neuen ?) Perspektiven für Berlin. Manche Politiker meinen sogar, „Visionen“ für Berlin in den nächsten Jahren propagieren zu können. „Visionen“ sind der milde Begriff für jene, die das Wort Utopie scheuen. Utopie hat durchaus den Charakter, „Handlungsalternativen und Möglichkeitsspielräume zu erschließen, die über die geschichtliche Kontinuität hinausschießen.“ (Jürgen Habermas, „Die neue Unübersichtlichkeit“, Frankfurt 1985, S. 142). Utopien sind also wichtig zum Überleben. Auch die Kirche hat eine Utopie, leider wird diese Utopie („Reich Gottes“) oft verdrängt und vergessen…

2.
Das Thema führt zu der Frage: Hat eine bestimmte gesellschaftliche Organisation, die katholische Kirche in Berlin, jetzt eine Zukunfts-Perspektive für Berlin, also ein reflektiertes Projekt für die ca. 4 Millionen BerlinerInnen und auch für die Kirche selbst in der Hauptstadt?
Der Ausgangspunkt ist die Erkenntnis eines Mangels: Es gibt keine theologisch-kritischen, religionswissenschaftlichen oder religionssoziologischen Studien zu Gegenwart und Zukunft der Religionen in Berlin. Es gibt auch keine konfessionsunabhängigen, also objektiven Studien zu Gegenwart und Zukunft der katholischen Kirche in Berlin. Das Thema „Religion bzw. Kirche in der Stadt“ scheint Wissenschaftler nicht zum kritischen Studium zu inspirieren. Ein Grund: An den Universitäten in Deutschland gibt es eine Überfülle theologischer Fakultäten mit immer weniger StudenTinnen, aber sehr wenig religionssoziologische Forschung. Dies ist, nur nebenbei, ein deutlicher Unterschied etwa zu Frankreich oder den Niederlanden. Über die Zukunftsperspektiven der Evangelische Kirche, des Islam, der jüdischen Gemeinden in Berlin sollen andere forschen, spannend ist auch dieses Thema.
Wir bieten hier einige nüchterne, aber auch ernüchternde Daten und Fakten, sie sind unersetzlich zum Verstehen unseres Hinweises und alles andere als „langweilig“.

3.
Unser knapper Hinweis um Thema ist von allgemeinem Interesse: Wie eine Kirche, die sich gern „Global Player“ nennt, in dieser multikulturellen europäischen Metropole in einem säkularisierten Europa lebt bzw. überlebt, ist bedeutsam für die ganze Gesellschaft. Verschwindet langsam die katholische Kirche, denkt sie selbst – uninspiriert und theologisch armselig – nur an Abbauen, Schließen, Abreißen, Schrumpfen usw… verschwindet eine Dimension europäischer Kultur.
Tatsache ist: Die katholische Kirche in Berlin schrumpft vor sich hin, hat keine kreative Energie mehr für die eigene Zukunft, legt aber gleichzeitig noch allen Wert auf teure repräsentative Neu-Bauten (St. Hedwig-Kathedrale, Bernhard Lichtenberg Haus ) in Mitte, „Unter den Linden“.

4.
Globale humane Perspektiven für Berlin und ihre BewohnerInnen sind eher für die Caritas von Bedeutung. Die Caritas ist am wenigsten Klerus – bestimmt, dort arbeiten – Gott sei dank -Menschen verschiedener Spiritualitäten.
Die Kirchenleitung und die von ihr abhängigen Laien-Gremien konzentrieren sich hingegen auf das innerkirchliche Leben. Unter dem Stichwort „Wo Glauben Raum gewinnt“ wird administrativ die Zukunft des Erzbistums gestaltet, also das Schrumpfen und langsame Verschwinden praktiziert: Viele kleine Pfarrgemeinden mit ihren Kirchen und Gemeindehäusern wurden amtlich bereits aufgelöst und in größere Verbände, „Großpfarreien“ genannt, überführt. Insgesamt soll es im ganzen Erzbistum noch 36 Großpfarreien geben.

5.
Der wichtige Grund dafür: Es gibt nicht ausreichend Priester. Würden nicht polnische, indische, ghanaische, nigerianische, spanische, lateinamerikanische Priester usw. als „Gastarbeiter“ den weithin alt gewordenen „deutschstämmigen“ Klerus in Berlin ersetzen, wäre es mit der Klerus- Kirche vorbei. Aber diese genannten klerikalen „Gastarbeiter“ sorgen dafür, dass das Gesetz nach wie vor gilt: „Nur der Klerus kann Gemeinden leiten: Gibt es keinen Klerus, gibt es keine Gemeinden.“ Dies ist das oberste Prinzip überall in der Kirche, durchgesetzt vom Vatikan, vom Papst. Es geht tatsächlich um den Machterhalt der Klerus auf Kosten des Gemeindelebens. Diese Entwicklung nimmt der Klerus in Kauf. Aber man weiß: Eines Tages werden auch die „Gastarbeiter – Priester“ aus aller Welt nicht mehr nach Berlin strömen, weil sie selbst in ihren Heimatländern dringend gebraucht werden. Wenn in zwanzig Jahren auch die Gastarbeiter – Priester ausfallen, dann fällt alles aus, weil die Kirchenführung es nicht geschafft hat, Frauen und Männer zu befähigen, Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen, selbstverständlich, dass sie dann auch Eucharistie feiern…Aber das ist die gute und richtige Utopie, die der Klerus gar nicht hoch schätzt… Utopien sind für ihn gefährlich, auch wenn die Utopie von der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Gläubigen spricht…

6.
In Berlin lebten im Jahre 2025 258.000 KatholikInnen als zahlende Mitglieder der Kirche. Im Jahr 2022 waren es noch 281.000.
Aus der Kirche sind im Stadtgebiet Berlin beispielsweise zwischen 2018 und 2025 insgesamt 52.270 KatholikInnen ausgetreten. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Stadt Berlin, nicht auf Brandenburg und Vorpommern, Gebiete, die ebenfalls zum Erzbistum „gehören“.
Im Jahr 2025 nahmen -laut Zählung durch die Kirche – von den 258.00 KatholikInnen in Berlin etwa 31.000 an der Sonntagsmesse teil. Wie viele von ihnen jeden Sonntag teilnehmen, wird nicht berichtet. Nebenbei: Befragungen in Frankreich differenzieren: „Teilnahme an der Messe regelmässig“, oder nur „einmal im Monat“ usw. Auch wurde in der Berliner Statistik nicht berichtet: Wie viele TeilnehmerInnen der Messe in Berlin etwa aus Polen oder den spanisch sprechenden Ländern usw. stammen. Auch vom Altersdurchschnitt der TeilnehmerInnen ist keine Rede.
Wenn also nur noch 31.000 KatholikInnen durch ihre Teilnahme an der Messe ein stärkeres religiöses Interesse haben, dann überrascht doch die relative finanzielle Stabilität dieses Erzbistums Berlin: Über 171 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen konnte das Erzbistum Berlin im Jahr 2025 verfügen. Eine erstaunliche Summe trotz der vielen tausend Kirchenaustritte.

7.
Abgesehen davon, dass die allermeisten katholischen (wie die evangelischen Kirchen sowieso) während der Woche außerhalb der seltenen Wochentags-Gottesdienste geschlossen sind: Die äußere Sichtbarkeit dieser Kirche im „Stadtbild“ verschwindet. Die als überflüssig oder als einsturzgefährdet eingeschätzten Kirchen und Gemeindehäuser stehen dann lange Zeit leer, werden irgendwann verkauft oder dann profaniert oder auch abgerissen. Alte Menschen, oft noch die einzigen, die ein sehr lebhaftes Interesse an den katholischen Messen haben, müssen weite Wege zurücklegen, um ihre „Sonntagspflicht“ zu erfüllen…Und die Gemeindehäuser, die noch bestehen, sind während der Woche – über die Sekretärinnen dort – nur ein paar Stunden geöffnet…

8.
Aktuelle Beispiele für Schließungen, Verkäufe, Abrisse:
Die Kirche St. Albertus Magnus am Kurfürstendamm, im Stadtteil Halensee, wurde 2025 entwidmet, seitdem steht sie leer und verfällt.
Die Kirche im “Katharinenstift“ in der Greifswalder Str. in der Nähe des Alexander-Platzes wurde im Februar 2026 profaniert.
Die Kirche und das Kloster der polnischen Kamillianer – Priester St. Kamillus in Charlottenburg wurde 2026 aufgelöst; das Gebäude soll verkauft werden, weil die offenbar bettelarmen polnischen Kamillianer Geld für die Pflege ihrer alten Ordensmitglieder brauchen. Bis jetzt (August 2026) steht dieser Gebäudekomplex am Klausener Platz leer… es gab einige ergebnislose Proteste der betroffenen Gemeindemitglieder.
Von vielen weiteren Beispielen wäre zu reden, etwa vom Abriss der schönen Kirche St. Raphael in Berlin – Gatow an der Havel schon im Jahr 2005 unter der Herrschaft von Kardinal Sterzinsky. Dort gab es heftigen, aber bei der Allmacht des Klerus erfolglosen Protest gegen diesen sinnlosen Verkauf und Abriss…
Vom Abriss der Kirche St. Johannes Capristran in Tempelhof nach der Profanierung im Jahr 2004 müsste gesprochen werden … inclusive der merkwürdigen Verkaufs-Details..
Im Osten Berlins, in Biesdorf, wurde die Herz Jesu Kirche 2013 entwidmet und verkauft.
In Moabit wurde die St.Laurentius Kirche 2007 an eine evangelikale Kirche verpachtet…
In Lichtenrade wurde im Jahr 2008 die Kirche „Zu den heiligen Märtyrern von Afrika“ im Jahr 2008 aufgegeben.
Viele spirituell Interessierte haben heftig bedauert den Verkauf des katholischen Meditations – Zentrums, „Exerzitien-Haus“ genannt, in Berlin – Kladow, an der Havel gelegen. Dies geschah unter der Herrschaft von Erzbischof Georg Sterzinsky:
Dieser beliebte Ort der Stille und Meditation für die gestreßten BerlinerInnen lag nach dem Verkauf (der finanzielle Gewinn fürs Bistum wurde nie publiziert) Jahre lang ungenutzt brach, die Gebäude wurden 2013 schließlich abgerissen. Heute gibt es noch ein kleines, gut besuchtes Exerzitienhaus des Karmeliter-Ordens in Birkenwerder bei Berlin.

9.
Die vielen Verkäufe von Kirchen und Gemeindehäusern in Berlin sollen die Bistumskasse füllen, also auch die beträchtlichen Gehälter der Priester und Prälaten garantieren. Das ist das Ziel. Ein katholischer Erz-Bischof in Berlin erhält die Besoldungsgruppe B 10, also mindestens das Grundgehalt, das sind ca. 16.530 Euro brutto pro Monat….
Ältere Priester, so um die 50, erreichen die Besoldungsgruppe A 14, also etwa 6.000 Euro im Monat. Netto bleiben dann mindestens 4.000 Euro monatlich für diesen allein lebenden „Junggesellen“. Es ist nicht bekannt, dass diese bestens bezahlten Herren der Kirche etwa 10 Prozent ihres Gehaltes spenden etwa für eine Stiftung armer Familien oder für Flüchtlinge oder für die Opfer von rassistischer Gewalt in Berlin. Das wäre eine kleine, bescheidene Perspektive der Kirche für Berlin und BerlinerINnen…

10.
Von den aufgegeben katholischen Kirchen im Land Brandenburg nennen wir hier nur: Die katholischen Kirchen in Buckow, Friesack, Großbeeren, Hohen Neuendorf, Seelow, Stahnsdorf usw… Dort gab es von Gemeindemitgliedern Widerstand gegen diese Entwicklung, aber er war – wie immer – vergeblich.
Theologisch wichtiger: Es wurden auch keine Alternativen von der katholischen Kirchenführung vorgeschlagen: Etwa: Den wenigen Katholiken in diesen Orten, Dörfern, Städtchen, die Teilnahme an den evangelischen Sonntags-Gottesdiensten zu empfehlen. Das wäre eine Entscheidung, die endlich mal das so selten erlebte Prädikat „theologisch – kreativ“ verdient, eine bahnbrechende Entscheidung der viel besprochenen, aber nie faktisch gelebten Ökumene.
Aber nein, Kreativität, Mut zum Neuen, gibt es nicht im Rahmen des theologischen Stillstands und klerikalen Prinzips: Gemäß dem offiziellen katholischen Projekt „Wo der Glaube Raum gewinnt“ wächst das Gebiet katholischer Pfarreien im Land Brandenburg manchmal ins Monströse: Etwa: Die katholische Großpartei Stralsund im Erzbistum Berlin: Diese Pfarrei mit ca. 6.400 Mitgliedern umfasst jetzt große Teile Vorpommerns, etwa Demmin und Barth, ebenfalls die Hansestadt Stralsund sowie die gesamte Insel Rügen. Die Gesamtfläche dieser Pfarrei beträgt 3.200 Quadratkilometer, diese Pfarrei ist also etwas größer als das Saarland und etwas kleiner als die Insel Mallorca. Fünf Priester müssen durch dieses Land reisen, um in den verbliebenen Kirchengebäuden der kleine Städte für die wenigen Messbesucher die Messen zu lesen.
Wie schon gesagt: Kein Bischof, kein Theologe, kein Pfarrer kommt auch nur auf den Gedanken, den Katholiken in den Dörfern und Städtchen zu empfehlen: Nehmt bitte an den evangelischen Sonntagsgottesdiensten teil… (Zu Stralsunds „Groß-Pfarrei“ siehe etwa: LINK

11.
Die genannten Abrisse, Leerstände der Kirchen und Gemeindehäuser in Berlin stehen in Kontrast zu den Ausgaben der Katholischen Kirchenführung, die sie für das (neben der St. Hedwigskathedrale gelegene) Prestige – Objekt „Bernhard Lichtenberg-Haus“ einsetzt. Die aktuelle Prognose der Kosten: 33,8 Millionen Euro, bei der Planung im Jahr 2017 waren 17 Millionen Euro veranschlagt. Über den 44 Millionen Euro teuern Umbau der St.Hedwigs-Kathedrale haben wir berichtet, etwa am 2.11.2024: LINK

12.
In den Analysen der Finanzsituation der katholischen Kirche in Berlin wird oft vergessen, dass der Bodenbesitz des Erz – Bistum Berlin beträchtlich ist: „Der kirchliche Bodenbesitz der katholischen Kirche in Berlin beläuft sich auf rund 1206 Hektar, was etwa 1,3 Prozent der Stadtfläche ausmacht.“ LINK: Quelle: Tagesspiegel: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/wie-viel-berlin-gehoert-der-kirche/.

Siehe auch zur Vertiefung: LINK https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/unchristliche-immobilien-geschaefte-wie-die-katholische-kirche-mit-grundstuecken-geschaefte-macht/

13.
In einer Kirche, für die Abbau oder Abbruch sozusagen normal, wenn nicht sogar üblich geworden ist, bleibt es überhaupt nicht verwunderlich, dass angesichts der vielen neuen Berliner Stadtviertel, etwa im Umfeld des Hauptbahnhofs, offenbar kein Gedanke auftaucht: In den neuen Stadtvierteln einen (ökumenischen) Raum der Stille, etwa eine bescheidene Ladenkirche, eine Krypta oder ähnliches zu mieten: Also „Orte des Zwecklosen“, der Ruhe, der Einkehr, des Dialogs, der Begegnung, der Transzendenz zu schaffen.
Hier wollen wir nur auf den sehr lesenswerten, erstaunlich kritischen Beitrag des katholischen Theologen und Kunsthistorikers Konstantin Manthey, Berlin, hinweisen. Er spricht von „Schockstarre“ und von der Obsession der „Besitzstandswahrung“ als Leitidee dieser Berliner Kirche: Manthey schreibt: Es werden in Berlin keine neuen Kirchen oder wenigstens kleine Gemeindezentren gebaut in Berlins 23 (!) neuen Stadtquartieren mit vielen tausend Bewohnern: „Nirgendwo ist dort bisher ein kirchlicher Ort vorgesehen, ein christlicher Raum für Zusammensein und ähnliches…“ (S. 127). Siehe das Buch:„Leben statt Leere“, Hg. Klaus – Martin Bresgott u.a. vom Kulturbüro der EKD.
In solchen Projekten könnte sich Ökumene endlich mal realisieren und sicher auch inter-religiöse Zusammenarbeit mit Juden und Moslems und warum nicht auch mit Buddhisten? Das sehr teure und auch architektonisch anspruchsvolle Projekt „Haus of One“ in Berlin kann hier nur erwähnt werden: Es soll ein Gotteshaus (mit getrennten Gebetsräumen!) werden, in dem wenigstens unter einem Dach ein ganz bißchen gemeinsam evangelische Christen sich versammeln sowie Mitglieder einer progressiven Gruppe des Islam und einer progressiven Gruppe im Judentum… Ob man das „House of One“ mutig im Sinne einer größeren Ökumene nennen kann, wage ich zu bezweifeln…

14.
Aber theologischer Mut hat Berliner Katholiken und die Bischöfe dort nie ausgezeichnet. Davon hat schon der große Kritiker der Berliner Kirche in den zwanziger Jahren des 20 Jahrhunderts, Dr. Carl. Sonnenschein, gesprochen: Er urteilte über den Berliner Katholizismus des 20. Jahrhunderts: „Der Berliner Katholizismus ist verdammt kleinstädtisch“. Siehe den Beitrag über Carl Sonnenschein von Christian Modehn vom 31. 1. 1979: LINK:
Die unmittelbar nach der Wende als Ort des Dialogs großzügig errichtete „Katholische Akademie“ in Berlin-Mitte ist angesichts ihres Angebotes seit einigen Jahren eine Nischen – Institution in der Stadtgesellschaft. Mit den in Berlin sehr zahlreichen, zum Tiel bedeutenden „weltlichen“ kulturellen Institutionen, Theater, Verlagen, Forschungszentren usw. besteht offensichtlich keine Vernetzung. Katholische Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller gibt es in Berlin ohnehin nicht. Auch das „Zentralinstitut für Katholische Theologie“ an der Humboldt – Universität mit 60 Studentinnen und sechs ProfessorInnen spielt in Berlin keine öffentlich spürbare Rolle.
Nebenbei: Warum ist es in Deutschland immer noch nicht möglich eine gemeinsame christliche, theologisch – kritische Fakultät zu errichten?
Auch das Forschungsinstitut einiger progressiver Dominikaner-Theologen, das „Institut Chenu“ im Stadtteil Prenzlauer Berg, hat keine für die kulturellen Debatten Berlins öffentlich wahrnehmbare Relevanz. Die kulturelle Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“ (Auflage 6.000 Exemplare) der Jesuiten hat in Berlin ihre bescheidene Redaktion. Ihr gelingt es nicht, eigene theologische, kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, übrigens fast eine Selbstverständlichkeit für christlich inspirierte oder katholische Kulturzeitschriften etwa in Frankreich, etwa Esprit oder Etudes.
Auch das noch: Alle 14 Tage erscheint in Berlin, an den Kiosken gar nicht wahrnehmbar, eine katholische Wochenzeitung, Bistumsblatt genannt, mit dem nur der Tradition verpflichteten Titel „Tag des Herrn“, 7.000 Exemplare sollen in Berlin im Abonnement noch verkauft werden:Das Blatt bedient alle Bistümer m Osten Deutschlands.

15.
Und auch das noch zum „intellektuellen katholischen in Berlin“: Es gibt im Ost – Berliner Stadtteil Biesdorf ein Priesterseminar der weltweiten neokatechumenalen Gemeinschaft. Diese klerikale Ausbildungsstätte stellt auch dem Erzbistum Berlin seit Jahren einige junge Priestern zur Verfügung, sie stammen aus aller Welt, aus Polen, Mexiko, Spanien, Dominikanische Republik usw…
Die Priester, dem Geist des Neokatechumenates absolut verpflichtet, bringen ihn im Seminar eingetrichterten sehr konservativen Geist in die Gemeinden.

16.
Die Katholische Kirche in Berlin und in ganz Deutschland wird zweifellos wegen der gleichbleibend hohen Austritte aus der Kirche eine Minderheit. Die viel besprochenen Erwachsenentaufen sind von der Anzahl her bewertet ein marginales Phänomen. Also: Über den Weg der Kirche in Berlin und in vielen anderen Metropolen Europas wird diskutiert. Und fast immer werden seit Jahren die gleichen Gründe für diese Entwicklung genannt: Säkularisierung, Verlust der Transzendenz-Erfahrung, Ende der Metaphysik, Individualismus, Streß im Alltag, Frustration über den Zustand der Welt und so weiter. Auch der sexuelle Missbrauch durch Priester hat viele Gläubige aus der Kirche getrieben, Katholiken also, die Priester allen Ernstes für „Hochwürden“ hielten und auch so anredeten und die noch lernten, Bischöfe seien „Exzellenzen“ oder gar als Kardinäle „Eminenzen“. Jetzt werden etwa in Essen Denkmäler abgerissen, einst errichtet zu Ehren Kardinal Franz Hengsbach, dem Opus Dei sehr affin und theologisch reaktionär in seinem Kamogf gegen die Befreiungstheologie als Chef des Hilfswerks „Adveniat“…. und…das Vertuschen sexuellen Missbrauchs durch Priester. Zum sexuellen Missbrauch durch Priester im Erzbistum Berlin siehe einen Beitrag aus dem Jahr 2023. LINK https://katholisch.de/artikel/45851-betroffene-schildern-erstmals-details-zu-berliner-missbrauchsfaellen
Auch der Tagesspiegel hat 2023 über heftigen sexuellen Missbrauch durch den Pfarrer der Gemeinde St. Ludwig in Wilmersdorf., Benno Fahlbusch, berichtet: LINK https://www.tagesspiegel.de/berlin/in-neukolln-und-wilmersdorf-priester-und-ordensschwestern-sollen-berliner-kinder-zu-sexuellen-handlungen-gezwungen-haben-9702752.html. Siehe auch den Bericht von Thomas Klatt im Deutschlandfunk 2021!: LINK

17.
Ein entscheidender Grund fürs anhaltende Schrumpfen und damit langsame Verschwinden der katholische Kirche ist auch das sture Festhalten an den Dogmen und Kirchengesetzen und Kirchengeboten; auch an Glaubensbekenntnissen, die in den Messen gesprochen, gesungen werden, deren Formeln und Floskeln aus dem 5. Jahrhundert niemand versteht. Dogmen dürfen dem sturen Gesetz der katholischen Kirche entsprechend nicht korrigiert, geschweige denn aufgehoben werden, selbst wenn sie im 4. Jahrhundert unter völlig anderen Kulturellen Bedingungen formuliert wurden. Das verstörende Erbsündendogma des heiligen Augustinus wird heute von kritischen und noch objektiv denkenden TheologInnen eindeutig abgewiesen, die Kirche hält stur an diesem Erbsündenwahn fest…

18.
So steht sich die katholische Kirche – nicht nur in Berlin – selbst im Wege. Sie wird – klerus-fixiert – keine Möglichkeit realisieren, den Weg ins Getto zu beenden. Es ist also auch die dogmatisch fixierte klerikale Welt, die die Menschen aus den Kirche treibt. Die Kirche und ihre Lehre wird zu einer fernen Welt der fernen Mythen und kaum nachvollziehbaren Geschichten, zum Ort, wo noch infantil, wenn nicht abergläubisch anmutende Kirchenliedern aus Zeiten der frühen Kindheit gesungen werden, von denen man sich bestenfalls noch am Heiligabend im Gottesdienst verführen lässt.

19.
Damit sind wir beim Ausgangspunkt unseres Hinweises: Diese Kirche hat den Geist der Utopie verraten, er gehört absolut zentral zur Botschaft Jesu! Die Kirche, zumal ihre Führung, hat vergessen, dass sie nicht für sich selbst, schon gar zur Stärke und Macht des Klerus, geschaffen ist, sondern… Ja, warum denn? Um die Utopie des Reiches Gottes als praktische Leitlinie ihres Handels zu gestalten. Und was ist der Inhalt der Utopie des Reiches Gottes? Friede, Gerechtigkeit, wesentliche Gleichheit aller Menschen, Brüderlichkeit: Christen sind also FreundInnen der humanen Utopie: Jesus fordert von den Menschen um der Menschlichkeit willen eine Umkehr der bisherigen Machtverhältnisse … im Umgang der Menschen untereinander, zumal in den Kreisen der Frommen, also der Kirche.

20.
Die katholische Kirche in Berlin hat – wie jede Kirche – , „das Beste der Stadt“ zu suchen und zu fördern. Das ist der Respekt vor der Utopie des Reiches Gottes… Also: Die Kirche muss sich konstruktiv in konkreten Projekten für eine gerechte Wohn/Miet-Politik einsetzen, sie sollte leerstehende Kirchen und Gemeindehäuser nur dann verkaufen, wenn Wohnungen entstehen… Es fehlt hier die Bereitschaft und auch intellektuelle Kapazität, regelmäßige Gespräche mit Menschen zu gestalten, die sich Atheisten oder Ungläubige nennen. Und wann haben von antisemitischer Gewalt bedrohte jüdische Theologen in katholischen Kirchen über ihre Lebensbedingungen, ihren Glauben, gepredigt: Auch spirituelle Gespräche mit Muslims finden nicht in den katholischen Gemeinden statt.

21.
Die katholische Theologin Prof. Martha Zechmeister (El Salvador) sagte kürzlich auf den Salzburger Hochschulwochen: „Eine Theologie, die überall und zu jeder Zeit dasselbe wiederholt, bleibt wirklichkeitsleer und vermag Gott nicht zur Sprache zu bringen“. Eine treffende Aussage, auch gültig für die katholische Kirche in Berlin. LINK:

Erst wenn Kreativität und Mut, „nicht immer dasselbe sagen“, kirchliches Überleben bestimmen, hat Kirche eine Chance, hilfreich zu sein für die Menschen.

22.
Immerhin: Erzbischof Heiner Koch von Berlin machte in einem Interview am 3. 9. 2026 eine bemerkenswert mutige Aussage zum Umgang mit AfD Wählern innerhalb der katholischen Gemeinden:
Frage: Muss Kirche das Risiko eingehen, dass sich AfD-Wähler innerhalb der Gemeinde abwenden?
Koch: Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen. Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen. Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich! Es geht um Themen, die für uns als Christen nicht verhandelbar sind, wesentlich um die unveräußerliche Menschenwürde eines jeden Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Begabung oder Geschlecht. Man kann dann unterschiedlicher Meinung sein, welche Maßnahmen konkret politisch zu ergreifen sind und welche nicht. Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar. LINK

23.
Immerhin: Menschenrechte und Menschenwürde sind auch beim Erstarken der rechtsextremen Partei AfD für einen katholischen Bischof – und damit für Katholiken insgesamt – nicht verhandelbar. Man wird Erzbischof Koch mit dieser Aussage hoffentlich noch oft zitieren.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.
Über Christian Modehn siehe: LINK.

 

 

 

 

 

 

Kardinal Woelki wird 70: „Ich würde das meiste wieder so machen“

Ein theologisches Profil eines konservativen Herrschers
Als Hinweis von Christian Modehn am 15.8.2026

Unser Motto: Schon heute, 2026, sicher aber in wenigen Jahren, werden auch andere kritische Theologen die Erkenntnis publizieren: Dass auch ein Kardinal durch seine Art zu herrschen KatholikInnen aus der Kirche vertreibt…. Zur Erinnerung: Am Beispiel der niederländischen Bischöfe seit 1969 bis heute zeigt sich evident: Sie haben als konservativ – reaktionäre Bischöfe, von den Päpsten gegen den Willen der Holländer eingesetzt, für den nicht nur spirituellen Zusammenbruch der niederländischen katholischen Kirche gesorgt.

Bischöfe also als „Verhinderer“ des Glaubens? An diesen Gedanken wird man sich gewöhnen müssen, nicht nur angesichts der endlosen „Fälle“ von sexuellem Missbrauch, Verschweigen und Vertuschen durch die „Ober – Hirten“.

1.
Der Religionsphilosophische Salon in Berlin pflegt nicht die Tradition, sogenannte runde Geburtstage von Bischöfen und Kardinälen – mit den selbstverständlichen kritischen Hinweisen – zu kommentieren. Zum 70. Geburtstag von Kardinal Rainer Maria Woelki in Köln am 18. August 2026 halten wir es einmal anders: Weil dieser Erzbischof die Entwicklung des Katholizismus in den vergangen Jahren entscheidend bestimmt hat, nicht zum Positiven, sagen wir.
So ist es eine journalistisch – theologische Pflicht, die egozentrische aktuelle Lobeshymne des Geburtstagskindes selbst wie auch die Lobeshymne des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, nicht „einfach so“ als bischöfliche Wahrheiten stehen zu lassen. Dies aber in gebotener Kürze, wobei wir hier erneut auf unsere früheren kritischen Studien zu Rainer Maria Woelki hinweisen.
2.
Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, hat in einer Lobeshymne nur zwei oder drei Tugenden Woelkis nennen wollen oder nennen können: Dessen Engagement für den Bau von Wohnungen in Köln sowie die feierliche Messe, bei der Woelki ein Boot von Flüchtlingen als Altar benutzte, es wurde wohl aus dem Mittelmeer herbeigeschafft. Mit diesem brüchigen Boots – Altartisch sollte so etwas wie des Kardinals politisches Engagement sichtbar werden… Und sonst? Da schreibt Bischof Wilmer nur fromme Worte; alles wird verschwiegen, was sich im Erzbistum Köln und darüber hinaus an Empörung, Kritik und Wut zu dem theologisch reaktionären Handeln Kardinal Woelki anstaute und wohl immer noch vorhanden ist. Zu Bischof Wilmers Gratulation: LINK
3.
Kardinal Woelki selbst gab sich in katholisch.de am 14.8.2026 sehr selbstzufrieden: „Ich kann sagen, dass ich mich weder alt noch müde fühle. Eher beflügelt. Eigentlich hat mir meine Tätigkeit noch nie so viel Spaß gemacht wie jetzt“, sagte er. Er sei überrascht und glücklich darüber, was in den letzten Jahren in seiner Diözese „alles gewachsen ist.“ Und auch dies noch: „Ich würde das meiste wieder so machen, wie ich es machte“. LINK
4.
Auf die vielen tausend Austritte aus seiner Kirche seit seinem Amtsantritt kann Woelki hoffentlich nicht stolz sein: Konkret die Austrittszahlen im Erzbistum Köln unter Führung von Kardinal Woelki:
2015 14.657 Austritte; 2016 13.583 Austritte; 2017 13.931 Austritte; 2018 18.472 Austritte; 2019 24.298 Austritte; 2020 17.282 Austritte (pandemiebedingt reduzierte Austritts-Termine); 2021 40.772 Austritte; 2022 51.345 Austritte (historischer Höchstwert); 2023 40.913 Austritte, 2024 28.979 Austritte, 2025 21.975 Austritte.
Die Kirchensteuern fließen aber noch gut, so dass kein Anlass zur Selbstkritik offenbar besteht. 2026 wird das Erzbistum 674 Millionen an Kirchensteuern erhalten, weitere Zuwendungen kommen hinzu, aus Zuweisungen und Zuschüssen, so dass das Erzbistum Köln einen Ertragsplan von fast einer Milliarde Euro hat. LINK ….Und auch:  LINK
5.
So löblich auch die Anregung Woelkis ist, Wohnungen in Köln zu bauen: Der Herr Kardinal wohnt selbstverständlich NICHT in einem Drei-Zimmer-Apartment, das für für einen älteren Single ausreichend wäre, sondern im üblichen Palais in Köln, das er, bescheiden, wie er ist, im Jahr 2014 um einige Quadratmeter der riesigen Wohnung seines üppig lebenden Vorgängers, Kardinal Meisner, reduzierte: Woelki hat jetzt nur noch 160 Quadratmeter zur Verfügung im Erzbischöflichen Haus an der Kardinal Frings Str. Der Ärmste lebt also bescheiden, und verfügt über ein Monatsgehalt von 13.800 Euro monatlich. LINK
6.
Über die große Protestbewegung gegen Kardinal Woelki unter Kölner Katholiken ist viel geschrieben worden, wir erwähnen nur einige Gründe der breiten Protestbewegung: Probleme bei der „Aufarbeitung“ von sexuellem Missbrauch; autoritärer Führungsstil; deswegen zahlreiche Protestdemos von Katholiken; MessdienerInnen erlauben es sich, bei der Messe dem Herrn Kardinal den Rücken zuzukehren usw…
Woelki bot dem Papst Franziskus freundlicherweise seinen Rücktritt an, aber der Papst lehnte ab, aus welchen Gründen??? Dies wurde nie öffentlich gesagt, wie üblich in diesen Kreisen. Wir vermuten naheliegend bei den klerikal – sehr konservativen Verhältnissen im Erzbistum Köln: Das Opus Dei wollte Woelki, einen ihrer größten Sympathisanten in einem weltkirchlich sehr einflußreichen, vor Geld stinkenden Bistum, behalten…Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in Köln steht dem Opus Dei sehr sehr nahe….LINK
Ein anderer Weihbischof von Köln ist Bischof Ansgar Puff, er ist eng mit dem theologisch extrem konservativen „Neokatechumenalen Weg“ verbunden. LINK 

Opus Dei und Neokatechumenaler Weg inspirieren wohl heftig den missionarischen Drang von Kardinal Woelki, Mission der Kölner Bevölkerung ist jetzt sein Lieblingsthema…

6.
Problematisch ist die nun aktuell dokumentierte Selbstzufriedenheit des Kölner Kardinal Woelki aktuell etwa auch, wenn man sein theologisches Lieblingsprojekt denkt: Die so genannte „Woelki-Hochschule“ in Köln als bischöflich kontrollierte Ausbildungsstätte junger Theologen (KHKT) ist jetzt, Sommer 2026, ohne Leitung, ohne Führung. Es gebe einen toxischen Konflikt zwischen Woelki und der KHKT Trägerstiftung, schreibt der Kölner Stadtanzeiger. Es geht um die Frage: Was bedeutet Wissenschaft, kritische Wissenschaft, für diese Woelki Hochschule? Die zurückgetretene Leitung der Hochschule wolle nicht zum `Hurra-Herr Kardinal Club“ gehören, wolle nicht wie Marionetten des Kardinals sein, berichtet auch PUBLIK Forum am 14.8.2026, Seite 43.
7.
Angesichts dieser aktuellen Fakten, von den schon früher dokumentierten Tatsachen ganz zu schweigen. Ist es wirklich nicht zu akzeptieren, wenn man die Lobeshymne von Bischof Wilmer, dem Vorsitzender der Bischofskonferenz, liest: Wilmer spricht fast eine Heiligsprechung aus, wenn er diesen Bischof Woelki als „einen authentischen Zeigen des Evangeliums“ bewertet. Seit wann führen denn „authentische Zeugen des Evangeliums“ zu dauerhaftem Streit, zu hilflosen Protesten, zu Kirchenaustritten???
Wenn also diese bischöfliche Praxis des Kardinals authentisches Evangelium ist, dann, ja was dann?: Dann werden wir an die klerikale Verfälschung des Evangeliums Jesu von Nazareth erneut erinnert. Ein offenes, kritisches Wort zum 70. Geburtstag wagt ein klerikaler „Mitbruder“ einem anderen klerikalen „Mitbruder“ natürlich nicht zu sagen… Da herrscht offenbar immer noch die aus den klerikalen Missbrauchsfällen bekannte „Verschweige – Gemeinschaft“ der Kleriker…So brauchen wir nicht gespannt zu sein, was dann ein Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz zum 70.Geburtstag (2029) von Regensburgs Bischof Rudolf Voderholer schreibt, er ist ja bekanntlich ein sehr enger Freund von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, sie steht bekanntlich der AfD sehr sehr nahe…

………………………Der ursprüngliche Text  von 2023 mit zahlreichen LINKS…………

9.
In seiner Doktorarbeit „Die Pfarrei“ an der Santa Croce Universität des Opus Dei in Rom nennt Woelki ein entscheidendes Kapitel: „Das Amt als Repräsentation Christi“ bzw. im Unterkapitel „Die sakramentale Vergegenwärtigung Christi durch den Kleriker“.
Woelki glaubt, und das ist auch offizielle Lehre: Im zölibatären Kleriker, auch in ihm, Herrn Woelki, ist Jesus Christus sakramental (zeichenhaft) gegenwärtig.
Welche Konsequenzen hat diese Theologie für den eigenen Lebensstil? Unter 3.2.3. schreibt Woelki in seiner Doktorarbeit an der Opus-Dei-Universität: „So repräsentiert der Bischof Christus in seiner und für seine Teilkirche“. Die theologische Frage ist: Wie stark leidet dieser Christus unter den gegenwärtigen „Kölner-Kardinals- Verhältnissen“? LINK

10.

Kardinal Woelki hat sich, wie üblich bei Kardinälen und Bischöfen,einen Wahlspruch gewählt: „Nos sumus testes – „Wir sind Zeugen“ (ein Zitat aus der „Apostelgeschichte“, 5. Kapitel, 32. Vers). Wobei das lateinische „nos“, also das Wir, eigentlich überflüssig ist bei dem „sumus“, das ja schon „wir sind“ aussagt. Das Wir, gemeint ist freilich das Ich, wird also noch einmal überbetont in dem Sinne: „Wir (nur wir Kleriker?) sind Zeugen (der Jesu Auferstehung). Ein egozentrischer Wahlspruch, könnte man meinen….

11.

Diesen Wahlspruch, so könnte man jetzt etwas ironisch meinen, hat sich Woelki sehr weise ausgesucht, offenbar voller Vor – Ahnungen für seine bevorstehenden juristischen Auseinandersetzungen. Da geht es bekanntlich darum, was denn Woelki als „Zeuge“ des sexuellen Missbrauchs seiner Priester so alles gesehen, erlebt, bzw. vertuscht hat.
12.

Übrigens wurde Woelki von Papst Benedikt XVI. ins Kardinalskollegium berufen. Dafür hat wohl Woelkis enger Freund Kardinal Meisner (Köln) bei seinem Freund Ratzinger sorgen können….

13.

Hinweis auf einige ältere, nach wie interessante Publikationen über Woelki von Christian Modehn:
Kurz nach der Ernennung Woelkis zum Erzbischof in Berlin:
„Mit Erzbischof Woelki ins Getto“ heißt der Beitrag vom 9. September 2011, LINK 
(Woelki war Erzbischof bzw. Kardinal in Berlin von September 2011 bis zum 7.9.2014. Danach in Köln als Nachfolger seines Gönners Kardinal Meisner.

Am 9.7.2012 veröffentlichte Christian Modehn einen ausführlicheren und besonders wichtigen Hinweis, der sich vor allem mit der theologischen Doktorarbeit Woelkis an der Opus-Dei-Universität Santa Croce in Rom befassen. LINK. Es ist interessant, dass die offizielle Pressemitteilung des Presseamtes des Erzbistum Berlin Woelkis Doktorarbeit an der Opus Die Universität in Rom nicht erwähnt. Diese Doktorarbeit war wohl schon peinlich geworden und wurde besser verschwiegen. LINK

Über „Woelki und das Ende der Ökumene“, LINK, vom 7.10.2017

„Wie reaktionär ist Woelkis Theologie?“ LINK, vom 16.9.2019
Im „Fall“ des katholischen Theologen Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ hatte sich Woelki eingeschaltet, dieser Eingriff zeigte, was der Kardinal unter freier theologischer Forschung versteht. LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.
Aktualisiert am 15. August 2026 durch CM

Für einen Bischof in Uganda sind Menschenrechte wichtiger als Bibelsprüche und dogmatische Lehren

Erinnerung an Bischof Christopher Senyonjo, den Verteidiger und Beschützer der Homosexuellen in Uganda

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.7.2026

1.
Bischöfe loben: Das geschieht eher selten im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin. Denn für uns stehen Bischöfe wie alle sich religiös oder speziell christlich nennenden Menschen UNTER den Menschenrechten. Zuerst entscheidend sind die universell geltenden Menschenrechte, und dann danach die religiösen, christlichen Lehren, die mit Argumenten der Vernunft gelesen werden müssen.

2.
Heute müssen wir an einen Bischof der Anglikanischen Kirche im afrikanischen Uganda lobend erinnern: Christopher Senyonjo, emeritierter Bischof von Buganda, ist am 19.Juli 2026 im Alter von 94 Jahren gestorben. Bischof Senyonjo war die stärkste christliche Stimme, die mit allem Nachdruck die totale, auch gesetzlich fixierte Repression des Staates Uganda gegen Homosexuelle und alle Queers verurteilte. (Eine sehr ausführliche Würdigung dieses außergewöhnlichen Bischofs bietet Wikipedia, hier eine von Wikipedia angebotene Übersetzung, Fußnote 1).

3.
Es gibt noch eine Vereinigung „Sexuelle Minderheiten in Uganda“ (SMUG) und die „Association zur Verteidigung der Rechte der Homosexuellen (FARUG)“, die ausdrücklich an Bischof Senyonjo erinnern: “Er war eine seltene, großartige Seele, die nicht nur Liebe predigte, sondern sie jeden Tag praktisch lebte.“

4.
In Uganda nennen sich 80 Prozent der Einwohner Christen in verschiedenen Kirchen und Konfessionen. Seit 2023 herrscht in Uganda eines der repressivsten Gesetze gegen Homosexuelle. Und dieses Gesetz wird offen vom anglikanischen Klerus in Uganda unterstützt. Wie so oft behaupten auch die anglikanischen Feinde der universell geltenden Menschenrechte: „Homosexualität wurde uns Afrikanern von außen aufgezwungen, von Fremden, gegen unseren Willen und gegen unsere religiösen Überzeugungen“, so der oberste Kirchenchef der Anglikaner in Uganda, Stephen Samuel Kaziimba Mugalu. Eine Position, die auch von sehr vielen katholischen Bischöfen und Kardinälen vertreten wird, wie jüngst von dem weltweit schon bekannten Feind homosexuellen Lebens und Liebens, dem Kurien-Kardinal Robert Sarah, Rom, er stammt aus Guinea, über ihn haben wir schon oft berichtet. LINK.

5.
Aber Bischof Christopher Senyonjo dachte und handelte menschlich: Er wehrte sich – zumal als emeritierter Bischof – gegen die sogenannte „Therapie“ der „Heilung“ von Homosexualität, er eröffnete in der Hauptstadt Kampala ein Beratungszentrum für Homosexuelle als Hilfe und Zuflucht für Homosexuelle.
Die anglikanische Episcopal Church in den USA unterstützte ihn, während Bischof Senyonjo von seiner eigenen Kirche ihn Uganda ausgeschlossen wurde, weil er, so wörtlich, „offen die Lehren der Bibel zur menschlichen Sexualität entstellte.“ Bischof Senyonjo entgegnete: „Ich kann doch Homosexuelle nicht verurteilen, denn ich bin aufgerufen jedem Menschen zu dienen, vor allem, jenen, die marginalisiert sind. Man kann die Bibel doch nur in dem Zusammenhang von Homosexualität zitieren, wenn man genau den Kontext beachtet“, also sich von fundamentalistischer Bibellektüre befreit.

6.
2010 wurde in Uganda ein Foto in der Presse veröffentlicht: Es zeigt Bischof Senyonjo mit David Kate, einem der führenden Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen. Der Kommentar der Zeitungen: „Diese beiden sind die wichtigsten Homosexuellen im Land. Ergreift sie“. David Kato wurde „ergriffen“ und einige Monate nach den Zeitungsberichten ermordet. Bischof Senyonjo sprach Gebete bei dessen Bestattung. Über David Kato: Siehe : https://www.bbc.com/news/world-africa-12295718

7.
Es geht in den christlichen Kirchen Afrikas heftig gegen die Rechte von Homosexuellen. Die Anglikanische Weltgemeinschaft droht deswegen zu zerbrechen: die anglikanischen Feinde der Menschenrechte in Afrika nennen sich „orthodox“, rechtgläubig. Sie wollen eine eigene afrikanisch-anglikanische Allianz bilden. Offenbar ist es den vernünftigen Anglikaner in England oder in den USA nicht gelungen, ihre lieben Mitbrüder in Afrika von der Vorherrschaft der Menschenrechte vor allen dogmatischen Lehren zu überzeugen. Dann sollen diese „orthodoxen“ Anglikaner doch ihren eigenen Weg gehen. Jedenfalls hat die Vernunft in der anglikanischen Kirche NICHT gesiegt. Eigentlich eine Blamage.

8.
Um den Schutz der Homosexuellen und Afrika müssen sich dann internationale Organisationen und die noch verbliebenen demokratischen Staaten in Europa wirksam kümmern …. falls sie noch bereit sind, Flüchtlinge aus Uganda etwa aufzunehmen.

9.
Auch in der katholischen Kirche gibt es tiefste Spannungen: Die allermeisten afrikanischen Kirchenführer, Bischöfe und Kardinäle, sind explizite Feinde der Gleichberechtigung von Homosexuellen in den Staaten und der Kirche. Und der Papst will die zahlenmäßig wachsende Katholische Kirche in Afrika nicht irritieren. Deswegen hält er sich im Blick auf Europa mit einer vernünftig wie christlich gebotenen Gleichberechtigung für Homosexuelle zurück und lässt Segnungen von homosexuellen Paaren nur unter aller größten Einschränkungen sehr ungern noch zu. Das heißt: Der Papst, der Vatikan, die meisten Bischöfe wollen absolut nicht, dass Homosexuelle als völlig gleichberechtigte Menschen in der Kirchen und in den Staaten leben. Mit anderen Worten: Auch diese katholischen Kirchenführer in Rom und anderswo sind wie die anglikanischen Kirchenführer in Uganda und Afrika – reaktionär. (Siehe Fußnote 2: Einige führende katholische Bischöfe Afrika gegen die Rechte der Homosexuellen)

10.
Über dieses unverschämte, unmenschliche Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Queers durch Politiker und Kirchenführer (von muslimischen Führern wollen hier erst gar nicht reden…) wird in der Soziologie und Anthropologie und Politologie vielfach geforscht. Zentrale Erkenntnisse zur „Homofeindschaft“ der etablierten Kreise in Afrika:
Sie lenken mit dieser verbrecherischen Ideologie ab von den echten Problemen Afrikas (Armut, eigene Korruption!, Ungerechtigkeit etc..)
Sie wollen ihre Souveränität dokumentieren.
Sie ignorieren die deutlichen Forschungsergebnisse: Vor der Kolonisierung Afrikas gab es meist keine Abwehr von Homosexualität.
Zumal die homo-feindlichen Bischöfe geben sich als treue Schüler der europäischen Missionare des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie lehrten einst in ihrem eigenen, damals üblichen europäischen Anti – homo – Wahn die neugierigen „Heiden“ Afrikas: Der liebe Gott liebt keine Homosexuellen. Und diese Lehre garnierten sie mit ein paar Bibelzitaten, die sie den staunenden Heiden als Gottes Wort verkündeten. Und die „bekehrten“ Heiden gehorchten.
Nebenbei: Es ist manchmal befremdlich, dass keine Predigten der Missionare in Afrika im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlicht werden. Sind alle diese Dokumente verschwunden? Oder: Werden sie vor kritischem Zugriff versteckt und verschlossen? Wahrscheinlich ist das so.

11.
Man wird nicht die Verteidigung der universell geltenden Menschenrechte, auch für die Menschen in Afrika, auch für Homosexuelle und Queers in Afrika, als eine Form des Kolonialismus bezeichnen und die Menschenrechts – Aktivisten verurteilen. Und man wird doch wohl nicht die politischen und religiösen Verbrecher in Afrika als kulturell korrekt geortet in ihrer „ureigenen“ Kultur loben?

Wer dieser Überzeugungen folgt, entspricht den ideologischen Restbeständen einer in Pluralismus zerfallenden „Post – Moderne“. Demnach hat jeder irgend recht… Wir weisen diese Ideologie mit gutem Grund als inhuman zurück. Die in etwas Freiheit und manchmal in Gleichberechtigung lebenden Europäer dürfen nicht sagen: „Na, dann sollen die Homosexuellen in Afrika halt umgebracht werden, wenn sie sich nicht der Ideologie ihrer korrupten politischen Herrscher anpassen wollen oder den uralten Sprüchen der Bibel.“
Aber die gequälten Opfer der Gewaltregime auch in Afrika fordern doch nur eins: Die Geltung der Menschenrechte auch für sie und alle Menschen.

FUßNOTE 1:
In ausführlicher Beitrag von WIKIPEDIA:
https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Senyonjo

FUßNOTE 2:
Wir nennen Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Demokratische Republik Kongo). Er behauptet: Homosexualität sei in Afrika eigentlich gar kein Thema, deswegen braucht die Kirche auch keine Segnung vom homosexuellen Paaren.

Wir nennen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Ghana, Bischof Matthew Kwasi Gyamfi. Er sagt öffentlich: Homosexualität sei verabscheuungswürdig, er fordert Strafen für Homosexuelle.

Wir nennen die Katholische Bischofskonferenz von Nigeria (CBCN): Sie weigert sich Homosexuellen zu segnen. Diese Segnung sei ein Verstoß gegen Gottes Gesetz, und: diese Segnung passe nicht zur afrikanischen Kultur.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Ist Maria, die Mutter Jesu Christi, eine „Leihmutter“?

Eine unerhörte Frage, die Nr. 31. Auch aus aktuellem Anlass: siehe Leihmutter-Debatte Spahn – Funke…

Von Christian Modehn am 17.7.2026

Ist Maria die erste Leihmutter im Katholizismus?

Diese 31. unserer „Unerhörten Fragen“ kann einigen Katholiken vielleicht besonders unerhört erscheinen. Aber diese – religionskritische und dogmenkritische, leicht ironische – Frage muss gestellt werden, wenn man die offizielle katholische dogmatische Lehre ernst nimmt. Sie betont ja stets: „Christus, der göttliche Sohn, wurde im Leib Marias empfangen vom heiligen Geist“.

Wir erinnern als Beleg an den bis heute gültigen „Katechismus der katholischen Kirche“ im Vatikan Jahr 1993 veröffentlicht. Da heißt es in § 485: „Der Heilige Geist wird gesandt, um den Schoß der Jungfrau zu heiligen und göttlich zu befruchten… Gott bewirkt, dass Maria den ewigen Sohn des Vaters empfängt, der aus ihr, aus Maria, die menschliche Natur annimmt.“

Mit anderen Worten: Sozusagen „göttliches Sperma“ wird in den menschlichen Leib der Jungfrau Maria eingefügt.

In § 488 heißt es: „Um aber dem Sohn Gottes `einen Leib zu bereiten`, wie es im neu-testamentlichen Hebräer-Brief (10, 5) heißt, „sollte nach Gottes Willen ein Geschöpf in Freiheit mitwirken.“

In § 494 wird diese besondere Form der Leihmutterschaft Marias noch weiter vertieft: „Auf die Ankündigung , dass Maria durch die Kraft des heiligen Geistes den `Sohn des Höchsten` gebären werde, ohne einen Mann zu erkennen, antwortet Maria im `Gehorsam des Glaubens`, in der Gewissheit, dass für Gott nichts unmöglich ist“.

Der offizielle Katechismus weist auch darin hin, dass später die ersten Theologen, die Kirchenväter, diese Überzeugung vertieft haben: In § 496 heißt es: „ Auch der leibliche Aspekt dieses Geschehens (also die Empfängnis durch den heiligen Geist im Schoß Marias) wurde ausgesagt: Maria hat Jesus , so wörtlich, `ohne männlichen Samen empfangen aus dem heiligen Geist`. Das behauptet die Synode im Lateran im Jahr 649.

Zusammenfassend: Maria ist in dieser (mythologischen) Dogmatik die Leihmutter Gottes.  Das Thema ließe sich weiterführen: Etwa hinsichtlich der „unbefleckten Empfängnis“: Sie gilt ja im biblischen Mythos für Maria genauso wie für die heutigen Leihmütter. Heutige Leihmütter befinden sich also in bester „marianischer Gemeinschaft“…

PS: Man möchte mit einer leichten Ironie meinen, der Katholik Jens Spahn (CDU) kann etwas beruhigt sein: Eine Leihmutter, Maria, spielt im Katholizismus eine ganz große Rolle, man möchte sogar wieder leicht ironisch meinen: Gott braucht in dieser dogmatischen Lehre förmlich eine Leihmutter. Und noch weitergehend: Ohne die Leihmutter Maria keine Erlösung. Denn dann wäre ja Jesus Christus nicht auf Erden tätig geworden…

Wer an dieser Stelle noch nicht den bis heute verkündeten Wahn dieser alten Dogmen – Welt überwunden hat, dem ist … nicht zu helfen…
Es gibt vernünftige theologische Interpretationen zu Maria, zu Josef, dem Gatten Marias, und zu Jesus: Jesus ist natürlich der Sohn Josef, der Erstgeborene mit vielen Geschwistern, wie das Neue Testament mehrfach betont…

Copyright: Christian Modehn, Religionphilosophischer Salon Berlin. www.religionsphilosophischer-salon.de

Denken oder beten?

Wie wir in Gedanken andere in unser Leben rufen
Ein Hinweis von Christian Modehn am 25.6.2026

1.
„Ich werde an dich denken“. Anläßlich einer Bestattung, einer schweren Krankheit, einer Hochzeit, einer problematischen Reise, wann auch immer…: Es ist unter christlich geprägten Menschen auch in Deutschland üblich zu sagen: „Ich denke an dich“. Als Ausdruck der Verbundenheit, vielleicht als Trost.
Bis vor einigen Jahren sagten christlich geprägte Menschen noch, nicht nur im privaten Flüsterton: „Ich bete für dich“.

2.
Sich offen zum Beten für andere zu bekennen, ist in einer zunehmend säkularen Gesellschaft das Wagnis, als Frommer oder Frömmler dazustehen. Also als obsolet zu gelten. Zumal gebildete Christen heute ihre Probleme haben, den Sinn des Bittgebetes zu verstehen: „Ich bitte für dich bei Gott.“

3.
Dies ist also kein abseitiges Thema einiger spiritueller Menschen: Wir fragen: Was macht den Unterschied aus zwischen „Ich denke an dich“ und „Ich bete für dich“? Vielleicht meinen beide Zusagen, richtig verstanden, sogar das Gleiche?

4.
Wie gesagt: „Ich bete für dich“ hat man früher auch schnell gesagt, daher – geredet. .Wie eine Floskel. Heute hingegen wird das „Ich denke an dich“ ständig gesprochen in den genannten Fällen von Krisen oder auch besonders schönen Erlebnissen. Die Adressaten können die Zusage des anderen, des Freundes, er werde an mich denken, nur glauben. Und hoffen: dann hat man mich also doch nicht ganz vergessen, ich bin nicht ganz allein, man denkt an mich. Früher haben abergläubische Menschen diese Zusage angeblich „empirisch“ aber hilflos überprüfen wollen, wenn sie sagten: „Mir klingt nun das rechte Ohr“.

5.
Schauen wir auf die Zusage: „Ich bete für dich“ . Diese betende, bittende Person verspricht, sich an an Gott zu wenden und ihn zu bitten, Gott (oder Jesus Christus oder sogar Maria) möge sich um die betreffende Person, entweder leidend oder auch glücklich, vom Himmel aus „kümmern. Der Betende übergibt also sein Anliegen der göttlichen Wirklichkeit. Wer sagt: „Ich bete für dich“ entlastet sich: „Soll Gott sich doch kümmern. ER wird es in seiner Allmacht schon richten.“ „Für andere beten“ kann die Bedeutung haben: Für andere persönlich nicht eintreten, nicht handeln zu müssen. Es ist die Bequemlichkeit der Frommen…

6.
Nebenbei: Papst Leo XIV., so berichtet der „Vatikan Newsletter“ täglich, bekennt öffentlich ständig, für andere in der weiten Welt zu beten, für einzelne oder Gruppen oder ganze Länder, für Leidende, Hungernde, Frierende, Soldaten, Friedensstifter usw. Wenn der Papst für all diese Menschen täglich mindestens ein „Vater Unser“ und ein „Ave Maria“ betet, ist der halbe Vormittag um, möchte man ironisch sagen. Aber der Papst kann durch so viel öffentlich erklärte Fürbitt – Gebete seinen Anspruch beweisen, „Heiliger Vater“ zu sein … Vielleicht hört Gott auf päpstliches Beten besonders aufmerksam?

7.
Wer sagt „Ich denke an dich“ lebt in einer anderen Dimension, man kann sie „weltlich“ nennen: Aber wenn diese Zusage für den Sprechenden wirklich mehr ist als eine Floskel, dann führt sie in tiefere, man möchte sagen, philosophische Erfahrungen des menschlichen Lebens. Denn das „Denken an dich“ berührt den Geist, die Seele: Die andere Person wird wachgerufen, man sieht sie vor sich, fragt: Was war, was ist das Besondere dieses Menschen? Hat sie mir (noch) etwas zu sagen, bedeutet sie mir etwas? So entsteht eine Form der Kommunikation zwischen dem Denkenden und dem Menschen, dem das „Denken an…“ gilt. Man kann dies auch „Wechselseitigkeit“ (Jan Patocka) nennen. Durchaus mit dem Aufruf: Was kann ich für Dich tun, wenn ich so an dich denke. Und es kann die Erkenntnis gelingen: Wir beide haben die Voraussetzung: In unserem Geist verbunden zu sein!

8.
Wer sagt „Ich bete für dich“ und diese Zusage wirklich ernst meint und die Tiefe der Aussage versteht, der weiß: Gott im Himmel wird nicht eingreifen und wie in einem Wunder mit heiligen Blitz genau diese eine Person, für die ich bete, dann heilen, trösten, sich mit ihr freuen usw. Sondern im (Bitt-)Gebet erschließt sich für christliche Menschen die Erkenntnis: Gott, das Göttliche, der Ewige, wie auch immer sein Name unbeholfen genannt sein mag, ist immer schon anwesend: In mir, in den anderen, in der Welt. Anwesend als die nur geheimnisvoll, niemals zu definierende schöpferische Kraft, die in allem und allen lebt. Dies ist eine bleibende Erkenntnis christlicher Mystik.
Und was ist die Konsequenz? Ich stehe auf diese Weise mit dem anderen, den anderen, auch in einer Kommunikation: Ich denke also auch an den anderen, sehe ihn, frage mich: Was ist sein besonderes Profil, wo ist der andere wichtig für mich, herausfordernd, verstörend: Wo kann er/sie anregend sein für mich? Wo kann ich ihn, sie, begleiten, unterstützen…

9.
Also: Es sind die gleichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die sich beim vernünftig nachdenkenden Beter einstellen wie bei dem, der sagt: „Ich denke an dich“. Es ist also in beiden Formen des Gedenkens die in die Praxis führende Dimension entscheidend, und wenn verantwortliche Denk – oder Gebets – Kommunikation: Dann auch mein Tun „in seinem Sinne“.

10.
Der angesehene tschechische Philosoph Jan Patocka (1907 – 1979) LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/12573_ich-denke-an-dich-denken-in-zeiten-der-krise-5-teil_denkbar.
hat einen bedeutenden Essay geschrieben zum ungewöhnlichen Thema: „Phänomenologie des Lebens nach dem Tod“. Er reflektiert also unser Thema speziell im Hinblick auf den Tod eines geliebten Menschen.
Das Buch ist 2026 im Verlag Matthes und Seitz erschienen. Darin geht er auch der Frage nach: In welcher Form lebt der geliebte Verstorbene mit mir weiter: Die von Platon stammende metaphysische Antwort eines Weiterlebens der Seele in der Ewigkeit lehnt Patocka ab. Der Herausgeber dieses Buches, der Philosoph Tobias Keiling, schreibt in seiner ausführlichen Hinführung zur These Patockas: „Auch wenn der Verstorbene `die Zukunft (mit mir) nicht mehr aktuell mitgestalten`, also nicht mehr direkt aktuell am gemeinsamen Handeln Anteil haben kann, so kann sein vergangenes Leben mein Handeln doch weiterhin beeinflussen und bereichern… Das Sein des Verstorbenen könne `für mich zum Impuls für immer Neues werden, indem ich tiefer realisiere, was seine Existenz bedeutet hat und weiterhin bedeutet.` Dies ist ein bisher noch nicht berührtes Phänomen des Lebens nach dem Tod, das meinen eigenen Lebensentwurf mit dem des Verstorbenen verbindet.“ (S. 41,42).

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Mit den reaktionären Piusbrüdern sollte es keine Einheit mit Rom geben!

Am 1. Juli 2026 ist es soweit: Da gibt es wieder einmal eine Spaltung, ein Schisma, in der katholischen Kirche
Ein Hinweis von Christian Modehn am 21.6.2026.

Ein Vorwort: Religions-Philosophie heute muss sich immer häufiger mit Religionskritik, im aktuellen Fall wieder mit Katholizismus – Kritik, befassen. Weil sich so viele Kirchen, auch der Katholizismus  und andere Religionen jeglicher universell geltender Vernunft verschließen. Wir dokumentieren also erneut ein Beispiel für die nach wie vor unübersehbare Herrschaft des Klerus in der katholischen Kirche. Und: Wie Schisma, Exkommunikation, frommer Wahn („die Messe muss im Ritus des 16. Jahrhunderts zelebriert werden“) traditionalistische Katholiken bestimmen!

Auch dies noch: Wenn nun am 23. Juni 2026 offiziell der Vatikan unter der Herrschaft des freundlich lächelnden Papstes Leo XIV. die Laienpredigt in der katholischen Messe verbietet, dann ist dies nur ein weiterer Schritt des Katholizimus ins Getto, ins Getto der Klerus-Herrschaft…So wird auch in dem Fall die päpstlich dringend gewünschte EINHEIT durchgesetzt: Die Einheit der Theologie, die offenbar nur der Klerus garantieren kann. er steht ja unter Aufsicht der Bischöfe und des päpstlichen Nuntius. Laien wären zu eigensinnig, zu frei, zu mutig, ihren eigenen Glauben auszusagen und ins Gespräch zu bringen…Das läßt der herrschende Klerus nicht zu. Die offizielle päpstliche Rede vom „Volk Gottes“ mit „gleichberechtigten Brüdern und Schwestern“ ist also nur eine Floskel.

Nebenbei: Das aktuelle Verbot der Laien – Predigt im Katholizismus erinnert mich an das Verbot des Kelches auch für Laien in der Messe, eine erfolglose Forderung des Reformators Jan Hus, er wurde als Ketzer auf dem Konzil von Konstanz verbrannt… (15. Jahrhnudert), CM.

Am 21.6.2026 geschrieben:

1.
Papst Leo XIV. will alle Katholiken unter dem Dach seiner Papst – Kirche vereinen. Das ist sein sehr dringendes Programm, zumal als Augustiner und Fan des heiligen Augustinus 5. Jahrhundert). Augustin als strenger Bischof von Hippo sprach viel von Kirchen-Einheit, packte aber seine theologischen Gegner sehr heftig an…
Papst Leo weiß wie alle Päpste vor ihm: Wie schwach steht immer ein Papst da, wenn er der Spaltungen („Schismen“) innerhalb seiner Kirche nicht Herr wird.

2.
So will Papst Leo auch die traditionalistischen Piusbrüder, also die internationale Gemeinschaft der Getreuen des reaktionären Erzbischofs Marcel Lefèbvre, an die „Mutter Kirche“ binden. Denn es droht die Gefahr der Abspaltung von der möglichst glanzvoll vereint, eben „eins“ dastehenden römischen Kirche: Es ist ja gegenüber den Protestanten und der Vielzahl von protestantischen Kirchen immer der Stolz der Katholiken und ihrer Führer, dass der Katholizismus ganz anders ist, eben eins, weltweit wird derselbe Ritus der Messe gefeiert usw.…und sei es, dass diese Einheit mit Ketzerverfolgungen durchgesetzt wurde.
Dabei wird oft vergessen: Es gibt bereits gar nicht so wenige Abspaltungen von der römischen Kirche in der jüngeren Zeit, bekannt ist die Abspaltung der „Alt-Katholiken“ im Jahr 1870, oder auch an viele „unabhängige katholische Kirchen“ unter diesem Titel muss erinnert werden, etwa in Polen, vor allem bedeutend auf den Philippinen (Aglipay), in Tschechien 1919 („Tschechoslowakisch – Hussitische Kirche), in Afrika und in zahlreichen Staaten Lateinamerikas, etwa Brasilien, Costa Rica usw: Sie sind zahlenmäßig nicht von allzu großer Bedeutung, aber sie signalisieren einerseits den Willen vieler Katholiken, nicht nach päpstlichen Befehlen den Katholizismus zu leben. Andererseits ist beachtlich doch noch eine starke emotionale Bindung römischer Katholiken an „ihren Papst“…sie brauchen halt einen Führer, könnte man meinen…und den üblichen katholischen Wunderglauben, Heiligenkult, Marienkult, Reliquienkult usw., eben den sich katholisch nennenden „Volksglauben“.

3.
Das aktuelle Problem jetzt: Die Bischöfe der reaktionären Piusbrüder beharren stur darauf, am 1.Juli 2026 in ihrem Zentrum in Econe in der Schweiz vier ihrer Priester zu Bischöfen zu weihen. Ein vom Papst unerlaubter Akt. Er bedeutet auch die Exkommunikation der Geweihten traditionalistischen Hirten….
Aber darum geht es hier nicht, zu diesem Thema haben wir uns schon mehrfach geäußert. LINK

4.
Das ist für uns am wichtigsten:
Wir wollen kurz, aber bündig unsere dringende, auch politische begründete Forderung sagen: Dass diese Einheit, also die Integration der traditionalistischen Piusbrüder in die offizielle katholische Kirche, NICHT zustande kommt.
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:
Die Piusbrüder und ihre Gemeinden, ihre Priesterseminare und Klöster und Schulen sind theologisch so reaktionär, dass es Jahre dauern würde, diese Traditionalisten mit einigen Grundeinsichten moderner Theologie in der römischen Mutterkirche vertraut zu machen. An den für katholische Verhältnisse durchaus etwas progressiven Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils will Papst Leo bekanntlich festhalten.

Wichtiger ist der politische Aspekt: Gerade im Stammland der Piusbrüder, in Frankreich, sind die meisten Kleriker und Ordensleute dort sowie ihre mindestens 150.000 Anhänger politisch seit Jahrzehnten sehr eng verbunden mit den rechtsaußen Parteien, also mit der rechtsextremen Le Pen – Partei, jetzt Rassemblement National (RN). LINK
Würden auch diese Wähler rechtsextremer Parteien in die Katholische Kirche integriert: Dann würde die offizielle Kirche selbst immer mehr rechtsextrem durchsetzt. Die Gläubigen würden dann noch stärker gegen Reformen der Kirche agieren und Einfluß nehmen auf die Gestaltung der Kirche ihres Landes, wir haben das am Beispiel von zwei rechtsextreme katholischen Milliardären in Frankreich gezeigt. LINK:

Es gilt seit Jahren: Die Le-Pen-Partei wird auch von „normalen“ Katholiken stark gewählt, in Spanien ist es die rechtsextreme und ausländerfeindliche VOX Partei, die Zustimmung findet unter „praktizierenden Katholiken“. In Italien werden die verschiedenen rechten und rechtsextremen Parteien in der Meloni – Regierung selbstverständlich von praktizierenden Katholiken gewählt, in Österreich gehören Katholiken zur Stammwählerschaft der FPÖ, in den USA sind Millionen von Katholiken aufseiten Trumps und seiner Maga-Bewegung: Aber darüber hinaus, ist im sonstigen, dem traditionellen „normal konservativen“ katholischen Milieu üblich, sehr konservative Positionen durchzusetzen. Und in dem Fall haben die sehr konservativen katholischen Laien die ebenfalls mehrheitlich sehr konservativen Bischöfe (in ethischen Fragen) auf ihrer Seite: Stichworte Pro-Life-Fanatismus, der Kampf gegen die „Ehe für alle“, die Akzeptanz der Vorherrschaft des Klerus usw.. Das konservative Denken und seine Ideologien sind in der Katholischen Kirche ohnehin schon sehr dominant. Katholisch und links passt ohnehin nur für einige kritische, gebildete Leute zusammen. Eine katholische Linke wird regelmäßig von den dominant klerikal Rechten behindert, wenn nicht zerstört. Siehe etwa die Konflikte in Frankreich um moderne Theologen und Arbeiterpriester. (Dazu die ausgezeichnete Studie von D. Pelletier und J-L. Schlegel „Á la Gauche du Christ“, Ed. du Seuil, Paris, 2012, 614 Seiten, es erzählt die Geschichte linker Christen, meist Katholiken, von 1945 bis 2012. Eine Geschichte des Niedergangs dieses Links-Katholizismus, verursacht von einer offenbar ewig sehr rechtslastigen Hierarchie, vor allem in Rom).

5.
Man möchte als Beobachter der katholischen Szene aus der kritischen Ferne betonen: Bitte nicht noch mehr reaktionäre Katholiken, diesmal die Piusbrüder und ihre 150.000 Anhänger weltweit, in die ohnehin schon theologisch rechtslastige Katholische Kirche integrieren. Dann wird der universell sich durchsetzende Kulturbruch Richtung rechts und rechtsextrem nach einmal beschleunigt. LINK

Sollen doch diese frommen traditionalistischen Leute, die wie an einer Art Neurose erkrankt, unbedingt ihre Heilige Messe in lateinischer Sprache in einem Ritus des 16. Jahrhundert feiern, doch ihre eigenen Wege gehen. Lasst sie doch machen, Politologen und Soziologen werden diesen Club schon kritisch beobachten..
Der offizielle Papst – Katholizismus wird diese reaktionären Feinde der Menschenrechte, der Religionsfreiheit, des Dialogs mit anderen Religionen nicht zur Vernunft bringen.

6.
Es wäre schlimm, wenn der Vatikan diese Piusbrüder wieder in die offizielle Kirche integrieren würde zu der schon einmal erlebten Kondition: Die Piusbrüder und ihre Führung erkennen den aktuellen Papst als ihren Chef an… und alles andere, ihre reaktionäre Theologie, bleibt erhalten. Solche Erfahrungen machte Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Wohlwissend, als er z.B. traditionalistische Benediktiner – Abteien (Le Barroux usw.) in die Papstkirche zurückholte oder in Bordeaux das reaktionär-katholische „Institut du Bon Pasteur“ als offiziell katholisch zuließ.

7.
Zum Schluß noch die Frage. Warum eigentlich will Papst Leo so nachdrücklich diese Piusbrüder in seine Kirche holen? Was ist der tiefere, der offiziell abe verschwiegene Grund? (Diese berechtigte Frage hat nichts mit Verschwörungstheorie zu tun). Diese traditionalistisch – reaktionären Kreise haben einen zahlenmäßig großen Nachwuchs an Priestern, während die Priesterseminare der offiziellen katholischen Kirche in Europa fast leer stehen, selbst in Polen. Bei den Reaktionären hingegen boomt das Interesse junger Burschen, Kleriker zu werden, bestens ausgestattet mit feinen Kleriker – Gewändern, die lateinische Messe singend, nicht nur Wolken von Weihrauch, sondern Wolken abstruser theologischer und politischer Ideen verbreitend.

8.
Das heißt: Der Papst und seineKardinäle im Vatikan wollen also mit der Einbeziehung der einigen hundert meist noch nicht ganz alten traditionalistischen Piusbrüdern etliche Lücken stopfen in den priesterlosen Gemeinden. Dann brauchen die Bischöfe Europas nicht noch mehr Priester aus aus Indien oder Afrika nach Europa als Gast – Arbeiter importieren…Bereits Benedikt XVI. erlaubte den offiziell römischen Katholiken immerhin schon mal die Beichte bei Lefèbvre Priestern. Gab es damals wirklich zu wenige katholische Beichtväter? Kaum zu glauben… Dies war eine Geste der Annäherung an die Rechtsradikalen.
Papst Leo XIV. erlaubte den Traditionalisten eine Messe im Petersdom, am Hauptaltar, ihre alte Messe am 25. Oktober 2025 zu feiern, ein Wink mit dem Zaunpfahl: Ihr lieben Reaktionären, kommt zum Papst zurück…Siehe auch: https://evangelische-zeitung.de/traditionalisten-feiern-alte-messe-im-petersdom/

9.
Das Interesse des Papstes an der Einheit mit den Piusbrüdern verweist auf das alte klerikale offiziell katholische Denken: Nur zölibatäre Priester (Männer natürlich) können katholisches Leben innen Gemeinden garantieren, ganz egal offensichtlich, um welche Priester mit welcher Qualität für die moderne Welt es sich da handelt. An die naheliegenden, theologisch stets mögliche Weihe von Frauen zu Priesterinnen oder an die sofortige Aufhebung des sinnlosen und wirkungslosen Zölibatsgesetzes denkt also auch der so oft so freundlich lächelnde Papst Leo XIV .immer noch nicht. Der etablierte Klerus will seine Macht nicht teilen, es lebt sich noch sehr bequem in Rom und den hübschen bischöflichen Residenzen weltweit. Und im „katholischen Kontinent“ Lateinamerika verlassen die Katholiken die katholische Kirche zu Tausenden: Warum? Weil es in den katholischen Gemeinden keine Priester gibt. Da geht man lieber zu den Evangelikalen und Pfingstlern. Aber dies ist dem Papst und dem Vatikan wohl egal, sonst hätten diese Herren längst Frauen und verheiratete Männer zum Priesteramt zugelassen. Das ist ein anderes Thema…

10.

Das Lieblingsthema Papst Leos, die Einheit der Kirche: Alle Katholiken sollen eins sein unter der Obhut des Papstes, diese Forderung wird man bitte stets auch als Strategie der Macht, des Erhalts der päpstlichen Macht über „alle“ „vereint“ verstehen müssen. 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!

„Mit Gott gegen die Demokratie“ – Das neue wichtige Buch von Arnd Henze über die USA
Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6. 2026

1.
Der 4. Juli 2026 ist der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Ein ganz großer Feiertag, hoffentlich dort auch ein Gedenk-Tag. Der 4. Juli ist für die Trump – Regierung und seine nationalistische MAGA-Bewegung von höchster Bedeutung. Sie werden den tiefgreifenden Umbruch in der Geschichte der USA feiern, also die neue antidemokratische „Ordnung“, die sie in den Jahren der Trump Herrschaft durchgesetzt haben. Seinen Sieg verdanken Trump und die Seinen vor allem auch den extrem wütenden „white evangelikal Christians“. „Sie lieben Trump nicht trotz, sondern wegen seiner tiefen Verachtung für alle Grenzen des Rechts und des Anstands“, schreibt Arnd Henze in seinem wichtigen Buch (S.10).

2.
Es ist also nicht nur naheliegend, sondern geboten, die für Europäer kaum vorstellbar große Bedeutung des Christentums in den USA heute zur Kenntnis zu nehmen, auch die kaum zu überblickende Vielfalt der Konfessionen dort – oder der Vereine, die sich Kirchen nennen. Auch wenn die Zahl der Konfessionslosen und Atheisten sogar in den USA stetig steigt, 2026 nennen sich etwa 29 Prozent der US-Bürger „Konfessionslos“ („Nones“): Die nationalistischen Politiker brauchen auch heute den sich christlich nennenden religiösen Fundamentalismus als ideologisches Schmiermittel für ihre menschenverachtenden Politik. Nur mit ihrem diffusen und jeglicher Rationalität entbehrenden christlich genannten Glauben können sie den Nebel erzeugen, den sie für ihre menschenverachtende Innen – wie Außen – und Kriegs-Politik benötigen.

3.
Man achte darauf, dass Präsident Trump als oberster Chef der viel gerühmten US-Demokratie von Friedensforschern heute als ein neuer Warlord, als „Kriegsherren“, eingereiht wird in die lange Liste ähnlicher Machthaber, wie Putin, Netanyahu und viele Herrscher im Nahen Osten oder in Afrika. Das entsprechende „Friedensgutachten“ der Friedensforscher wurde im Juni 2026 veröffentlicht, pünktlich als wissenschaftliche Einschätzung des Krieges von Netanjahu und Trump gegen den Iran, ein Krieg, der minimale Erfolge für die USA und Israel „gebracht“ hat. Diese werden aber von Trump in seinem Größenwahn als Siege verkündet, bloß weil das Benzin wieder billiger ist. Warlords sind kriegerische Herrscher, sie inszenieren ihre Kriege, wie es ihnen gerade nach Laune in den Kram passt, um es drastisch zu sagen. Der menschliche Schaden ihrer zudem noch schlecht vorbereiteten Kriege ist ihnen egal. Warlords wie Trump sind die Zerstörer der internationalen Ordnung, ein Kommentar: .LINK …  Der Text der Friedensforscher: LINK 
Dieser Warlord, US – Präsident Donald Trump, wird, wie gesagt, von evangelikalen und anderen rechtsextremen Christen wie ein Heilsbringer verehrt.

4.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ zeigt nicht etwa nur ein begrenztes religionskritisches oder theologiewissenschaftliches Problem, es bewegt nicht nur Fachleute: Der Untertitel heißt: „Warum der christliche Nationalismus alle angeht“. Erschienen ist das Buch im Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage auch im Jahr 2026.
Zur Ermunterung: Das Buch ist sehr gut geschrieben, sehr gut zugänglich, es hat 218 Seiten und kostet nur 20 Euro.

5.
Arnd Henze ist ein herausragender Kenner der Kirchen in den USA, seit vielen Jahren recherchiert er regelmäßig in den Vereinigten Staaten, er ist Journalist beim WDR. Ihm liegt auch als protestantischen Theologen daran, die Welt der vielen evangelikalen Kirchen n den USA verständlich zu machen, aber er lädt die Leserinnen auch ein wahrzunehmen, dass immer noch der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Konfessionen in den USA aktiv sind – auch im Widerstand gegen das Trump -Regime.
Wie meinen auch nach der Lektüre des Buches: Das Christentum ist in den USA so tief gespalten, dass die Idee einer christlichen Einheit aller Kirchen wie eine absolut ferne Utopie erscheinen muss. Diese Einheit könnte nur entstehen, wenn die Evangelikalen und ihre Netzwerke zur theologischen Vernunft kommen UND ihre reaktionäre nationalistische, und das ist immer auch egoistische Präferenz zugunsten der Menschenrechte aufgeben. Es ist bei den „white evangelikal Christians“ diese Verklammerung von reaktionär – fundamentalistisch christlich mit reaktionär – nationalistisch politisch, die wenig Hoffnung macht auf eine Wiederkehr der Demokratie in den USA. Dass auch etwa 60 Prozent der „white catholics“ für Trump gestimmt haben, betont Arnd Henze, aber viele von ihnen sind wohl durch ihre Bindung an die Autorität des Papstes in ihrer totalen Hingabe an Trump und CO. gebremst…

6.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel „Die Zeit der Rache“ wird der christlich nationalistische Glaube einiger führender Mitarbeiter im unmittelbaren Umfeld von Trump analysiert. Im 2. Kapitel wird die auch für Deutschland heute wichtige Frage gestellt „Wiederholt sich die Geschichte?“, werden also die Rechtsradikalen schon wieder siegen? Und dann das genauso wichtige dritte Kapitel: „Wie sich Demokratie retten lässt“. Da kann Arnd Henze einen gewissen Optimismus nicht verbergen, wenn denn die Midterms – Wahlen im November 2026 einen großen Aufschwung und Sieg der Demokraten bringen und der Widerstand der kritischen und demokratisch gesinnten Gemeinden nicht nachlässt… (Siehe LINK https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html)

7.
Wir können hier nicht die ausführlichen Analysen des Buches zusammenfassen. Als Inspiration zugunsten einer ausführlichen Buch – Lektüre nennen wir nur einige unserer Erkenntnisse im Werk Arnd Henzes.
Im ganzen gilt: Wie ideologisch leer und erbärmlich würden diese engsten Mitarbeiter Trumps dastehen, etwa Pete Hegseth, Stephen Miller, Russel Vought: Wenn es die Bibel nicht gäbe, dieses von ihnen ideologisch mißbrauchte Buch, das in sich nur in historisch-kritischer Lektüre erschließt, von den christlichen Trump – Ergebenen aber nur als Fundgrube für einige Zitate benutzt wird, die ihre menschenverachtende Politik verzieren.

8.
„Wir stehen auf der Seite Gottes“, sagt Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. Und zu seinen Feinden, den demokratisch Engagierten sagt er: „Ihr seid nichts. Ihr seid Bosheit. Ihr seid Hass… Wir werden die Kräfte der Finsternis und des Bösen besiegen..“ (S. 47). Stephen Miller ist allerdings kein Christ, wie alle engen Mitarbeiter in Trumps unmittelbaren Regime, er gehört zur jüdischen Gemeinschaft. Arnd Henze nennt ihn treffend. „Technokrat des Ausnahmezustandes“ (S. 43).
Dem Kapitel über den Verteidigungsminister Pete Hegeseth gibt Henze den treffenden Titel „ Der Posterboy des Christian Warriors“, des „Christlichen Kriegers.

9.
Für Peter Thiel, dem Tech – Milliardär und Investor im Silicon Valley sowie dem Mitbegründer des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, ist kein eigenes Kapitel gewidmet. Thiel wird allerdings im Kapitel über J.D.Vance erwähnt. Freiheit und Demokratie sind für Thiel nicht kompatibel. Der Milliardär unterstützte Trump mit Millionen, für Vance spendierte der Milliardär 15 MIllionen im Wahlkampf 2022. Thiel ist auch bekannt geworden wegen seiner heftigen apokalyptischen Fantasien zu einer bevorstehenden „End-Zeit“, die durch das Auftreten des Anti – Christen bestimmt sein wird, wenn nicht Widerstand geleistet wird. In Trump sieht Thiel den entscheidenden Kämpfer gegen den Antichristen…Denn er kann die Tech-Konzerne als Organisationen des Widerstandes gegen den Antichristenn „von allen regulatorischen Hürden befreien“ (S. 54), also die Monopol – Stellung der Tech – Konzerne definitiv durchsetzen.
Peter Thiel und Vizepräsident J.D. Vance kennen sich seit etlichen Jahren. Die entscheidende Begegnung fand 2011 statt. Thiel wurde der „berufliche, religiöse und politischer Mentor“ von Vance, betont Henze (S. 53). Vance entwickelte eine „bedingungslose Loyalität zum Tech -Milliardär“(ebd.) .
Konkurrenz in der Wirtschaft lehnt Thiel ab: „Nur Monopole seien erfolgreich“(S. 54), d.h. sie bringen den gewünschten großen Gewinn fürs eigene Konto.
Zur Glaubenshaltung des zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten J.D. Vance schreibt Henze: J.D. Vance glaubt an einen „Identitäten Katholizismus“. Seltsamerweise lebt er aber mit seiner Ehefrau eine gar nicht so katholisch-identitäre Ehe: Denn Usha Chilukuri Vance ist überzeugte Hinduistin… Immerhin: Die Kinder sind katholisch getauft, die klassische päpstliche Forderung in Mischehen wird also befolgt!

Ende Juni 2026 hat Vance sein neues Buch vorgelegt mit dem Titel „Communion – Finding my way back to faith“ (Harper, New York). Eine Art Bekenntnisbuch, ein klein bißchen auch selbstkritisch, es erzählt von seiner Konversion, aber „man sollte das Buch weniger als Auseinandersetzung mit dem Katholizismus lesen“ statt dessen mehr als ein moralisch gefärbtes Bewerbungsschreiben um das Amt des Präsidenten verstehen, bewertet Christiane Lutz in einer ausführlichen Rezension in der Süddeutschen Zeitung (20./21. Juni 2026, S. 19) das Opus von 304 Seiten. Aber eins steht nach wie vor fest für Vance: „Das Fehlen christlicher Werte ist einer der Gründe, warum es mit der westlichen Welt bergab geht“ (Christiane Lutz). Er sorgt ja mit Trump und Seinen für diese „Werte“…
Aus aktuellem Anlass nebenbei: Es gibt offensichtlich eine Verbindung des CDU Politikers Jens Spahn mit dem privaten Netzwerk von Peter Thiel siehe: Tagesspiegel, 18.Juni 2026, LINK.

10.
Im Kapitel über Trump ist wichtig: Mit Trump geschieht die „finale Absage an den demokratischen Rechtsstaat“ (S.162). ..„In all dem sehe ich wesentliche Merkmale eines autoritären und faschistischen Staates“ (ebd.) . Wichtig ist: Trump und seine nationalistischen engen Mitarbeiter glauben an das „wirkungsmächtige Narrativ der religiösen rechten, dem Seven Mountains Mandat“ (S. 13). Das heißt: Die Leute meinen, in sieben Bereichen („Mountains“, Bergen) müsse das Christentum herrschen: In der Religion, der Familie, der Bildung, der Regierung, in den Medien, der Wirtschaft und in Kunst und Kultur. (S. 13) Also: In allen Bereichen sollen die Grundsätze des Christentums (so, wie es de Nationalisten verstehen) herrschen. Christus soll als der „oberste König“ über dem Staat stehen: „Ein solches totalitäres Gesellschaftsbild kann nur in einer Diktatur verwirklicht werden…dahinter steht der Ruf nach einer Theokratie als Herrschaftsinstrumentarium des 21. Jahrhunderts“ (S. 13).

11.
Arnd Henze erinnert daran, dass der international geschätzte Historiker Timothy Snyder schon 2017 einen neuen, durchaus originellen wie treffenden Begriff für das Trump -Regime wählte, der das ganze Verstörende dieser Herrschaft – besonders in den Innenpolitik – gültig und treffend zusammenfasst: Es ist der Begriff „Sadopopulismus“. Das heißt: Der rechtsextreme Populismus im Trump Regime und der MAGA Bewegung ist sadistisch bestimmt: Also: Diese regierenden Herren wollen mit ihrer Politik bewusst und gezielt die Schwachen quälen: Arme, Ausländer, Eingewanderte, Farbige, die weite Gemeinschaft der Queers usw. und auch die Millionen Armen in der sogenannten Dritten Welt, die auf Befehl Trumps keine Hilfe mehr von USAID erhalten und so bewusst von Trump und den Seinen in den Hungertod geschickt werden.
Die von Trump und Co. inszenierte sadistische Qual bedeutet für die Menschen in den USA: Das Regime will die genannten Armen weiter tief unten halten im Elend, am liebsten viele aus den USA mit brutaler Gewalt (siehe die Untaten der Grenzschutzbehörde ICE) rausschmeißen. Und statt de facto wird aller Reichtum für die bisher schon Reichen, die Millionäre und Milliardäre, durch eine „Steuerpolitik“ vermehrt.

12.
Der Begriff Sadopopulismus hat – dem Tool folgend – eine perverse Nuance: Denn dieser Sadismus setzt eine Hierarchie von Grausamkeiten gegenüber den vielen Armen voraus: „Die eigenen Schmerzen werden erträglich, weil man anderen zusehen kann, die es viel heftiger trifft. Die Regierung lässt dich zwar (ökonomisch) leiden, etwa die schlecht bezahlten Arbeiter, also möchtest du sadistisch, dass andere noch mehr leiden als du“ (S. 155). Diese gezielt eingesetzten, abgestuften Leidenserfahrungen in der Gesellschaft der USA führen „zur Zerstörung jeder Vorstellung von Gesellschaft als einem sozialen Raum, und in dem es um eine bessere Zukunft für uns alle geht“ (ebd.)

13.
Einige unserer FRAGEN, angestoßen durch das Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“:
Wie verhalten sich evangelikale Kreise in der EKD, wie evangelikale, selbständige Kirchen in der BRD, etwa die Baptisten, zu ihren nationalistischen rechtsextremen „Mitchristen“ in den USA? Welche Distanzierungen als öffentliche Stellungnahmen liegen da schon vor?

Warum gibt es offenbar wenig Solidarität der protestantischen Gemeinden etwa in Deutschland mit den Trump – widerstehenden KirchenGemeinden und Organisationen (etwa die unterreligiöse Gruppe „Poor People´s Campaign“) in den USA?

Wie wird die richtige Erkenntnis von Arnd Henze in kirchlichen und theologischen Kreisen in Deutschland aufgenommen: „Religionen, auch die Kirchen, tun der Förderung und für den Bestand der Demokratien NICHT gut“? Wie äußert sich Hartmut Rosa zu dieser richtigen Erkenntnis von Arnd Henze, die er ja nicht allein vertritt, siehe etwa Horst Dreier, Prof. u.a. für Rechtsphilosophie, in seinem Buch: „Staat ohne Gott“ (2018). Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat ja dafür plädiert, dass Demokratie zum eigenen Bestand die Kirchen braucht. LINK
In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2026, Seite 16, hingegen betont Henze: „Es fehlt jede empirische Evidenz dafür, dass Religion mit ihrem inhärenten Absolutheits – und Machtanspruch einer Demokratie guttut.“

Wie können demokratische Politiker in Europa, in Deutschland, den Umgang mit Trump und seinen engsten Mitarbeitern überhaupt ertragen, wenn sie wissen, was Arnd Henze ausführlich beweist: Eigentlich sind diese Trump – Leute erklärte Feinde der universell geltenden Menschenrechte? Sie sind, wie Henze treffend schreibt, „ohne moralische Maßstäbe“ (S. 161). Werden totale Selbstverleugnung und Schmeichelei gegenüber den angeblich allmächtigen Herrschern im Trump Regime zu Voraussetzungen für Menschen, die in den Demokratien Europas noch als Politiker handeln wollen? Sollten nicht auch demokratische Politiker wie Propheten der Demokratie zu Trump sagen, das was Bischöfin Mariann Edgar Budde direkt zu Trump in der „Washington National Cathedral „am 21.1.2025 betonte: „Haben Sie Erbarmen, Mr. President“ (S. 178).

Arnd Henze weist in seinem Buch ausführlich auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1945 von den Nazis ermordet) hin, der – nach allen Mahnungen und Warnungen gegenüber einem Unrechtsregime – die Möglichkeit empfiehlt, diesem Unrechtsregime, so wörtlich, „in die Speichen zu greifen“, also diese Herrschaft zum Stehen – und damit vielleicht zum Verschwinden – zu bringen?

Was bedeutet diese kluge Erkenntnis Dietrich Bonhoeffers auch für Europa, auch für Deutschland, wenn Rechtsextreme immer deutlicher die Macht übernehmen wollen oder Politiker der rechten, sich christlich nennenden Parteien die Forderungen der Rechtsradikalen – etwa hinsichtlich der Flüchtlingspolitik – übernehmen, und mit dieser nachweislich erfolglosen Strategie keine Stimme etwa der AfD in die eigene Partei CDU/CSU ziehen.

Es wird oft – zumal in Deutschland – darüber diskutiert, ob man das Trump Regime faschistisch nennen darf oder nennen sollte. Arnd Henze argumentiert in der Frage differenziert.
Auch die Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ für die entstehenden Massenunterbringungen von Guantanamo Bay bis Alligator Alcatraz muss neu überdacht werden und die KZs in Nazi – Deutschland haben nicht „die Ehre“ einzigartig zu sein“, auch darauf weist Henze hin und erinnert an die zehn USA „Relocation Center“ für Japaner im 2. Weltkrieg oder an die Lager in den afrikanischen Kolonien der Europäer usw…

Eine interessante Parallele: In den USA fordern und fördern die rechtsextremen evangelikalen Kreise die von ihnen geleiteten Privatschulen sowie auch den Unterricht zuhause bei den eigenenEltern, „außerhalb staatlicher Strukuen und Kontrolle“ (S. 76). Auch mit den Millionen – Spenden – Einnahmen der evangelikalen Mega-Churches ist es gelungen, „ein Parallelimperium christlich – nationalistischer Bildungseinrichtungen zu schaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße `Untergrundarmee christlicher Krieger`, wie es der heutige Verteidigungs- (und Kriegs-) Minister Pete Hegseth martialisch auf den Punkt bringt“: (Arnd Henze in „Publik -Forum, Nr. 11, Juni 2026, S. 14).
Die AfD in Sachsen – Anhalt fordert auch die Stärkung des Unterrichts der Kinder durch die Eltern (Mütter) zu Hause… Die AfD behauptet, öffentliche Schulen verhindern die optimale Leistungsfähigkeit. In den öffentlichen Schulen würden vor allem den Kindern “fragwürdige Lebensansichten“ vermittelt. Eine Position, die sich mit den Evangelikalen und Rechtsradikalen in den USA deckt. Die AfD übernimmt bereits inhaltlich Ideologien der nationalistisch – christlichen Trump – Regierung.

Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 2026, 2. Auflage 2026, 224 Seiten, 20 €. Mit QR-Codes wird auf weiterführende audiovisuelle Quellen verwiesen!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de. in Berlin.