Die „heilige Familie“: Ein katholischer Kult, eine katholische Ideologie

Ein Hinweis,  anläßlich der Reise Papst Leos nach Barcelona
Von Christian Modehn

Es gibt religionsphilosophisch Dringenderes als diese ewigen religionskritischen Hinweise. Aber die Papst Gestalt als weltpolitischer Akteur zwingt uns leider zu dieser Auseinandersetzung, die in anderen Medien oft sehr moderat und diplomatisch – „klug“ verhandelt wird.

Die „Heilige Familie“ steht jetzt wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses, nicht nur der Katholiken.
Ganz kurz die wichtigen Fakten:

1.
Am 10. Juni 2026 wird Papst Leo XIV. in Barcelona den höchsten Kirchturm der Welt segnen, jetzt fertiggestellt in der prächtigen, manche sagen monströsen Kirche „Sagrada Familia“, „Heilige Familie“, des Architekten Antonio Gaudí.

2.
Steine segnet der katholische Klerus üblicherweise schon immer gern und ohne Vorbehalt. Bei bestimmten Menschen, etwa Homosexuellen, hat der Klerus auch jetzt noch große Bedenken bei offiziellen Segnungsfeiern: Wenn es noch katholische Homosexuelle geben sollte, die den Segen für ihre Liebe in einer Partnerschaft oder – in einigen Demokratien möglichen – in der Ehe wünschen, dann darf das nur in einer bescheidenen Zeremonie geschehen, irgendwo in einem unscheinbaren Raum, bloß nicht öffentlich in einer Kirche: Denn die katholische Kirche will unbedingt den Eindruck verhindern: Eine Segnung von Homosexuellen habe auch nur entfernt etwas mit einer sakramentalen Eheschließung von Heterosexuellen zu tun. Allein Heterosexuelle sind „ehe-würdig“…

3.
Damit sind wir wieder direkt beim Thema: Mit dem Papst- Besuch des unter Touristen und Spaniern sehr beliebten riesigen Bauprojektes „Sagrada Familia“ („Heilige Familie“) in Barcelona wird erneut von päpstlicher Seite betont: Heilig ist nur die Hetero-Ehe, nur sie ist Sakrament, nur sie verdient alle Achtung nicht nur der Kirche, sondern vonseiten der Menschheit. Bekanntlich hat die katholische Kirche die „Ehe für alle“ auf schärfste mit riesigen Demonstrationen bekämpft, in Frankreich etwa, und auch dort vergeblich. In Afrika zum Beispiel kämpfen Homosexuelle noch gar nicht um die Anerkennung ihrer Partnerschaft, sondern schlicht ums Überleben: Auch katholische Bischöfe verweigen ihnen dort die Menschenrechte, Homosexuelle werden in Uganda, Kenia usw. mit Zustimmung der Kirchenführer verfolgt: Diese Verachtung der Menschenrechte vereint dort die katholische Kirche – und nicht nur sie – mit den fundamentalistischen Muslims auch in Afrika.

4.
Es ist treffend, die katholische Lehre der „heiligen Familie in Nazareth“ eine Ideologie zu nennen. Die offizielle katholische Theologie konstruiert etwas,  wider besseren Wissens muss man sagen: Sie behauptet, Jesus von Nazareth wäre als Einzelkind von Maria und Josef in Nazareth aufgewachsen. Das ist falsch: Im Neuen Testament wird mehrfach betont: Jesus hatte Brüder und wohl auch Schwestern. Wir nennen nur einige der vielen deutlichen Belege zu den Brüdern Jesu in der Familie zu Nazareth: Matthäus 12, 46 ff; und vor allem: Matthäus 13,55; Markus 3,31; Apostelgeschichte 1,14; 1. Korintherbrief, 9, 5 und so weiter… Die im Neuen Testament überlieferten Namen der Brüder Jesu: Jakobus, Josef, Judas, Simon…Die katholische Theologie zieht es vor, diese Brüder immer noch „Neffen“ oder „nahe Verwandte“ zu nennen.

5.
Die Brüder, oft auch Geschwister Jesu genannt (die Namen der Schwestern sind nicht überliefert),  ignoriert die Kirche: Aufgrund ihrer dogmatischen Befangenheit muss die Kirche diese Fakten auch beiseitelegen und so produziert sie das, was man zurecht Ideologie nennt.

6.
Die katholische Lehre will unbedingt daran festhalten: Maria ist zwar die Mutter Jesu, aber sie selbst wurde schon „unbefleckt“ (ein nicht sehr hübscher, bis heute üblicher katholischer Begriff für die Abwesenheit von männlichem Sperma bei der „Zeugung“) empfangen. Und sie selbst als die selbst schon Unbefleckte hat ihr Kind Jesus vom heiligen Geist, auch unbefleckt empfangen. Maria ist also in dieser katholischen Ideologie immer Jungfrau, ewige Jungfrau, wie es in so vielen Gebeten und Liedern heißt: Maria muss für die katholische Kirche auch Jungfrau auf ewig  sein, weil nur auf diese Weise die katholische Kirche die Jungfräulichkeit über alles stellen kann: Deswegen die Keuschheits – Gelübde in den Ordensgemeinschaften, deswegen das Zölibatsgesetz für Priester, deswegen die Abwehr von Frauen im Priesteramt, Frauen könnten befleck sein, also zu schmutzig,  für den heiligen und reinen Dienst am Altar… …:

Diese Jungfrau Maria darf nach der Geburt Jesu nicht noch weitere Kinder geboren haben. Denn dann wäre auch ihr Mann, Josef, der Zimmermann, wahrlich Vater: Für Jesus, den angeblich ohne Sperma empfangenen, ist dieser Josef offiziell sozusagen nur platonischer Nährvater, eine Art guter Onkel also. Ein Vorbild für Männer, die bekanntlich auch Sexualität haben, kann dieser gute Onkel natürlich nicht sein.

7.
Dies also ist die höchst mysteriöse, geradezu märchenhafte heilige Familie: Sie besteht aus einem göttlichen Kind, einer Mutter als Jungfrau und einem sexuell-erotisch nicht-aktiven Vater. Und diese seltsame Familie wird als DAS einzige wichtige Vorbild für die Familien heute propagiert: Papst Benedikt XV. hat das „Fest der Heiligen Familie“ 1920 verbindlich festgelegt, es sollte in den Zeiten nach dem 1. Weltkrieg die Familien stützen und fördern: Aber eben mit dieser mythologischen, märchenhaft – zauberhaften Heiligen Familie aus Maria, Josef und Jesus…

8.

Die Jungfrau Maris wird als diese höchst ungewöhnliche „unbefleckte Mutter“ den Frauen, also den wirklichen Müttern bis heute als höchstes Vorbild empfohlen: Denn diese Jungfrau – Mutter war gehorsam, fürsorglich, Gott-ergeben. Und der asexuelle Vater Josef wird seit Papst Pius XII. (1955) den Männern am 1. Mai als vorbildlicher Arbeiter an der Hobelbank empfohlen, als Fest „Josef der Arbeiter“. Auch dies ist eine Unwahrheit: Josef war Handwerker, kein (proletarischer) Arbeiter, das katholische Alternativ – Fest am 1. Mai ist Ausdruck der Kirche, irgendwie kritisch, aber doch ein bißchen anschlussfähig an die Moderne und die Arbeiterbewegung zu bleiben.

8.
Zur aktuellen Bedeutung: Familie kann für die katholische Kirche also nur eine Hetero – Familie sein. Die katholische Kirche versteift sich mit dieser Ideologie der Kleinfamilie von Nazareth auf das hetero – normative System, das noch in fast allen Ländern, zumal in den vielen autoritär regierten Staaten gilt. Eine Regenbogenfamilie ist für die katholische keine Familie, deswegen setzt sie sich auch nicht für die volle gesetzliche Gleichberechtigung der Regenbogenfamilien in den Staaten ein.

9.

Papst Leo XIV. wird oft als ein etwas progressiver Papst erwähnt, der doch ein bißchen das Interesse hat, die katholische Kirche an das, was vernünftig und human ist in der Morderne, ein bißchen anzuschließen. Dieses immer nur ein bißchen tun und ein bißchen handeln soll der „Einheit“ der Kirche dienen, jeder hat ein bißchen recht, zum Schluss weiß niemand mehr, „wo es lang geht“… Der Kult um die heilige Familie, so wie er jetzt als hetero – normatives Fest gefeiert wird,  ist dafür bester Ausdruck.

10.

Spanien ist jetzt keine „katholische Nation“ mehr, dazu unser aktueller, faktenreicher Hinweis: LINK 

Copyright: Chrosztian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Christi Himmelfahrt: Vernünftig verstehen

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7. Mai 2026.
1.
Den Titel des Festes „Christi Himmelfahrt“ können wir nur verstehen, wenn wir uns vom üblichen, wiederholenden Nachsprechen der neu-testamentlichen Erzählung befreien. Und in neuen Worten, ohne die bilderreiche Sprache der Bibel, nachvollziehbar und klar, erklären, was gemeint ist.
Dann zeigt sich: Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten werden zwar als drei verschiedene Feste bezeichnet, aber sie meinen das Gleiche: Gemeinsam ist: Gefeiert wird der kreative Geist, den Christen für heilig halten als eine Gabe des Ewigen, Gottes. Wenn dieser Geist Mittelpunkt der drei genannten Feste ist, dann wird der Geist nicht in frommen Verzückungen erlebt und gefeiert, sondern als handelnde Vernunft betrachtet, die in politische Praxis führt: In das politische Eintreten für die gleiche Würde aller Menschen, also für die Menschenrechte.

2.

Zu Ostern erkennen die Freunde Jesu von Nazareth in der Kreativität ihres Geistes, der heilig ist, weil er von Gott dem „Schöpfer“ stammt: Jesus von Nazareth ist „auferstanden“: Denn auch er hat als Mensch Anteil an dem göttlichen Geist, und der ist der Geist des Ewigen, der den Menschen Anteil an seinem Geist bietet. Der Ewige beschenkt also den Geist, die Seele, aller Menschen mit sich selbst, dem ewigen Geist. Die Auferstehung Jesu können seine Freunde Jesu als „Überwindung des Todes“ erkennen, weil sie selbst vom heiligen Geist, dem Geist des Ewigen, bestimmt sind. Ostern ist also bereits ein Fest des Geistes, des heiligen, Ostern ist also also schon Pfingsten als Fest der Gabe des heiligen Geistes Inder Erkenntnis der Auferstehung Jesu.
Und „Christi Himmelfahrt“ ist nur ein anderes Bild für die Auferstehung Jesu von Nazareth.

3.
Dieses seltsame Wort „Himmelfahrt“ ist ein Bild für die Erzählung: Dieser Jesus von Nazareth ist nicht im Nichts verschwunden. Jesu Leichnam liegt zwar – wie der Leichnam jedes anderen Menschen – in einem Grab! Aber Jesu Geist als ewiger Geist ist „woanders“, „nicht mehr hier“. Jesus ist – bildlich gesprochen – an dem Ort des Ewigen, des Göttlichen, also im „Himmel“.
Die Gemeinde will mit dem Fest „Christi Himmelfahrt“ also noch einmal explizit feiern, dass dieser von ihnen geliebte Mensch, der Prophet Jesus von Nazareth, nicht mehr nur zur Erde, nicht mehr nur zur Welt der Menschen, gehört. Er ist leiblich verschwunden, aber geistig nicht entschwunden. Jesus ist in den Bereich des Ewigen eingetreten, den man „Himmel“ nennen kann oder „Sein beim Ewigen“.

4.

Dass die Kirchen dreimal, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten  in kurzem zeitlichen Abstand eigentlich dreimal das Gleiche feiern, ist einzig in der menschlichen Begeisterung begründet, möglichst viele Feste – mit unterschiedlichen Akzenten – zu feiern.

5.

Als Fest des Geistes als des heiligen, kritischen Geistes ist Pfingsten das Fest der besonderen menschlichen Qualität, sie zeichnet„den“ Menschen, alle Menschen, aus. In diesem universellen Geist als der Vernunft erschließt sich die Menschenwürde, erschließen sich die Menschenrechte.
Pfingsten als Fest des Geistes, der heilig ist, stellt also die allgemeine und universell geltende Vernunft in den Mittelpunkt. Pfingsten sollte deshalb politisch sehr deutlich
als das Fest der Menschenwürde gefeiert werden, als Fest der Menschenrechte, der wesentlichen Gleichheit aller Menschen, der universalen Gerechtigkeit also. Pfingsten ist also alles andere als ein gedankenloses, fundamentalistisch geprägtes Fest eines frommen, charismatisch sich nennenden Enthusiasmus.

6.

Zurück zu Christi Himmelfahrt: Dieser Tag ist kein Gedenktag an einen ins Unendliche, in himmlische Ferne Entrückten. Christi Himmelfahrt lässt die Welt der Menschen nicht gottlos erscheinen. Vielmehr ist der Geist aller Menschen auch vom Göttlich, vom Ewigen geprägt.  Trotz aller freier Entscheidungen der Menschen, die sich für Krieg und Zerstörung und Verachtung der universellen Menschenrechte entscheiden.
Gott hat, im Bild gesprochen, eine endliche, irdische Welt geschaffen, und die ist keine göttliche Welt, sondern eine weltliche Welt, das Andere Gottes, des Ewigen, der aber dieses „Andere seiner selbst“ mit sich verbindet – im Geist, in der Vernunft der Menschen und den geistvollen Strukturen der Welt und Natur…

7.

Man sieht schon angesichts dieses kurzen Hinweises: Der Gedanke an eine Schöpfung der Welt und der Menschen durch Gott, den Ewigen, ist die einzige Voraussetzung, um Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten zu verstehen. Dabei verstehen wir Schöpfung selbstverständlich NICHT im Sinne des fundamentalistischen Kreationismus.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich

Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich der Papstwahl am 8. Mai 2025.

Siehe auch eine Ergänzung am 10. Mai 2026: Siehe die Nr.3 dieses Hinweises.

1.
Vor einem Jahr, am 8.Mai 2025, wurde der us-amerikanische Kardinal mit einem peruanischen Pass Robert Prevost aus dem Augustinerorden (OSA) zum Papst gewählt.
Obwohl wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin wissen, dass es sehr viel dringendere Themen gibt für die bedrohte Menschheit heute, als an einen noch relativ frisch im Amt herrschenden Papst zu erinnern: Wir wollen entgegen den meisten offiziellen Trends der Presse und der Kirchenleute, die Papst Leo XIV. als „geistlichen Führer“ oder mutigen Trump – Kritiker hinstellen, doch dringend darauf aufmerksam machen:

Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken.

Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch – katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, mit dieser Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald eine grundlegende Reformation (und nicht oberflächlichen Reförmchen) zu gestalten.
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht, das alles zu wiederholen ermüdet total die kritischen Journalisten: Kurzum, mit diesem Papst ist – bis jetzt – ein weiterer Stillstand in der Kirche zu erwarten: Hinsichtlich der Anerkennung der versöhnten Verschiedenheit der getrennten Kirchen, hinsichtlich der nun auch von katholischen Bischöfen permanent geforderten Aufhebung des Pflichtzölibates für Priester, hinsichtlich der dringend (!) zu realisierenden Zulassung von Frauen zum DiakonInnen – und PriesterInnenamt. Nichts tut sich, d.h. nicht tut der Papst, er lächelt die großen Themen freundlich weg…

Auch dieser Papst denkt mehr an das zahlenmäßige Wachstum der Kirche in Afrika als an die noch verbliebenen nachdenklich – krischen Katholiklen etwa in Europa, die die Moderne und den katholischen Glauben endlich versöhnen wollen. Bei dem Thema wird die Frage dringend: Kann ein einziger Papst von Rom aus die katholische Kirche (1,4 Milliarden Mitglieder) regieren, d.h. beherrschen, oder bräuchte es nicht mehrere „PatriachInnen“, jeweils auf allen Kontinenten präsent. Das Ein – Mann Papsttum würde damit verschwinden… Aber solche Gedanken werden nicht öffentlich diskutiert! Vielleicht weil die klerikalen Fundamentalisten Im Vatikan und anderswo  denken: Christus hat nur den einen Petrus als Papst berufen…Also darf es nur einen Papst geben… so ticken wirklich manche Leute…

Aber wenn das so weitergeht mit dem Papst – Regime: Es wird bald niemanden mehr geben, der sich öffentlich noch für eine Reformation (sic) der römischen Kirche heute und jetzt sofort einsetzt. Vernünftige Katholiken haben diese Kirche längst verlassen… Aber es gilt: Katholisch-Sein und Sisyphus – Sein ist nicht identisch! Denn: Es gibt die Freiheit des Evangeliums des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth…

Wir haben keine Erwartungen, dass Leo zum Papst der grundlegenden katholischen Reformation wird: Siehe unseren LINK

Von einer bestimmtem Veränderung der Kirche als Institution spricht Leo hingegen am 5. Mai, ein kleines Zeichen der Reform-Bereitschaft? Sicher nicht, denn von einer entscheidenden Veränderung, Reform, der dogmatischen und moralischen Lehren spricht der Papst nicht, es geht ihm um Strukturen…: LINK 

Siehe auch den Gastbeitrag des Theologen, Journalisten und Publizisten Michael Meier, Zürich LINK

2.
Hingegen wird versucht, Papst Leo in einer populistischen Ecke noch beliebter zu machen:
„Das Modemagazin „Vogue“ hatte Papst Leo XIV.  zu einer der bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025 gewählt. Dabei wurde der „Bruch mit dem bescheidenen Geschmack seines Vorgängers Papst Franziskus“ betont. Filippo Sorcinelli ( der offen homosexuelle italienische Designer, der unter anderem auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete) erklärte dazu (ausgerechnet der populären englischen Daily Mail), Franziskus habe eine „überraschende Einfachheit, fast schon eine evangeliumsgemäße Provokation“ gewählt. Bei Benedikt XVI. sei es hingegen die Verwurzelung in der Tradition. Doch Leo XIV., so der Designer, verkörpere ein Gleichgewicht zwischen Benedikt und Franziskus.“ Quelle: LINK

Auch aufgrund der Liebe Leo XIV. zu den alten, aber durchaus chicen Papstgewändern und den Gemächern in Castel Gandolfo wird man sagen: Leo XIV. ist gern Papst und er genießt auch die äußeren Privilegien des Stellvertreters Christi auf Erden (bitte beachten: Es heißt nicht: Des Stellvertreters Jesu von Nazareth auf Erden…Denn Christus ist der dogmatisch verkirchlichte Jesus von Nazareth)

3.

Ergänzung am 10.5.2026: Papst Leo ist populär (populistisch): Weitere Hinweise am 10.5.2026

A.  Ergänzung am 11.5.2026: Es ist schon hoch erstaunlich (und für die verbliebenen Katholiken eigentlich peinlich), wie sehr ausführlich der offizielle Pressedienst des Papstes auf diese Begegnung von Augustiner-Papst Leo und den Chefs der Augustiner-Brauerei in München eingeht, und dabei die vermittlende Rolle von Kardinal Marx, Mpünchen, lobt! Quelle: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/papst-leo-xiv-audienz-augustiner-braeu-muenchen-interview.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

Am 10.5.2026: Papst Leo empfängt die Inhaber der Augustiner-Brauerei, München. Der erste Satz der KNA Meldung vom 9.5.2026 heißt: „Vom Augustiner-Biergarten auf den Papstthron“….(Tatsächlich hatte Robert Prevost als General-Prior des Augustinerordens einst den Augustiner-Biergarten in München besucht).
Diese Begegnung von Augustiner-Bräu und Augustiner-Papst bringt sicher viel Werbung, viel Segen, d.h. Gewinn für diese ohnehin beliebte Brauerei in München. Die Konkurrenz wird böse sein: Wann wird denn endlich aus dem Paulaner-Orden jemand Papst, fragt sich die „Paulaner – Brauerei“, genauso wie Franziskaner – Brauerei und so weiter.

Nebenbei: Diesen Orden Paulaner gibt es wirklich, allerdings ist er viel kleiner als der ebenfalls kleine Augustinerorden: Die Paulaner werden offiziell „Minimi“ genannt, die Geringsten, sie haben heute ca.150 Mitglieder…Sie sind zu ständigem Fasten verpflichtet, dürfen aber Bier trinken!

Papst Leo gab der durchaus dem Volke und der Werbung zugewandte Begegnung mit den Chefs der Augustiner- Brauerei noch eine tiefere Bedeutung: „Ich ermutige euch daher, wenn ihr nach Hause zurückkehrt, weiterhin sowohl beruflich als auch persönlich euren Beitrag zur Förderung eines gerechten und wirksamen Ansatzes für die Bewahrung der Schöpfung im Sinne des Gemeinwohls zu leisten“, sehr gut hatte sich Leo XIV. Diese hölzerne Rede aufgeschrieben, „bevor er die Audienz-Teilnehmer aus Süddeutschland segnete“, so die katholische Nachrichten Agentur KNA.
Von der Gefahr des Alkoholismus – auch unter Priestern und Mönchen – sprach der Papst leider nicht, auch keine Rede davon, die Preise für alkoholfreies Bier billiger zu machen.
Es ist hier wie in den folgenden zwei Beispielen immer diese Masche des Augustiner-Papstes: Zuerst sich populär geben, also den Interessen der Leute sehr nahe kommen, dann aber im zweiten Teil etwas moralisch – theologische Weisungen ranhängen. Diese Mahnungen treten aber angesichts der populären Ereignisse, Bilder und Floskeln in den Hintergrund. Also: der Populismus überwiegt…
 
LINK: https://katholisch.de/artikel/68509-augustiner-brauerei-zu-besuch-bei-papst-leo-xiv

B.
Während des Besuches Papst Leos in Neapel geschieht das obskure, durchaus abergläubische Blutwunder des Heiligen Gennaro, diesmal sogar „außerhalb des üblichen Turnus“: Es gibt für dieses Wunder also einen regelmäßigen Turnus, dies passt ja nun gar nicht zur üblichen Wunder-Theologie-Ideologie…

LINK: https://katholisch.de/artikel/68506-waehrend-des-besuchs-von-papst-leo-xiv-blutwunder-in-neapel

C.
Robert Prevost trägt so tolle Speaker von NIKE: So die begeisterte NIKE – Sneaker Gemeinde jetzt: “Kommentare wie „Nike wurde jetzt offiziell gesegnet“ oder „Du kannst den Jungen aus Chicago holen, aber nicht die Nike-Schuhe aus dem Jungen“ verbreiteten sich rasant im Netz“, so KNA…. Nike wird sich freuen und weitere Schuhe in den Apostolischen Papst schicken. Oder um die Segnung der NIKE Schuhe bitten: Solche Sachen, auch Handys, Autos, Tiere werden ja bekanntlich gern vom katholischen Klerus, auch den Bischöfen, gern gesegnet, Homosexuelle oder wiederverheiratet Geschiedene eher nicht so gern, am besten gar nicht, sind ja Sünder. In jedem Fall werden nun alleNIKE – Sneaker – Fans bald regelmäßig an der Messe teilnehmen…

Quelle: https://katholisch.de/artikel/68507-papst-leo-xiv-begeistert-ploetzlich-sneakerfans

Bald wird jemand herausfinden, welche Unterwäsche Papst Leo trägt, sicherlich ist es französische. Auf den Namen des Designers sind wir gespannt, doch wohl nicht HOM? Aber anläßlich seiner Pastoralreise im Herbst 2026 nach Frankreich könnte er seine von der Firma zu Werbezwecken geschenkte französische Unterwäsche am besten bei seinem Aufenthalt in Lourdes segnen (heiliges Wasser ist dort). Und dabei den Frauen dankt, die diese Unterwäsche in Bangladesch liebevoll nähen und nur einen Hungerlohn erhalten., leider, leider, …. diese Lieferketten…

Wie Papst Leo mit den sexuellen Missbrauchstätern umzugehen gedenkt, hatte er schon 2025 angekündigt: „Papst Leo XIV. hatte im vergangenen Jahr die Erwartungen gedämpft, dass sich im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen grundlegend etwas ändern werde. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine »eine echte Krise«, bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung, und Beschuldigte sollten entsprechend »geschützt« werden, sagte der Papst in einem Interview. Den Opfern müsse die Kirche mit »großem Respekt« und »Verständnis« begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber »nicht zum zentralen Thema der Kirche werden«. Quelle: LINK.

D.

Es wird weiter im Vatikan problemlos gesegnet, bei den Homosexuellen ist die Segnung ja höchst umstritten… : Nun werden auch auch Duschmobile in ROM gesegnet: . LINK   

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Papst Leo XIV.: Künder des Friedens und der rückständigen Moral. Von Michael Meier, Zürich.

Ein Gast-Beitrag von Michael Meier, Zürich;  Theologe, Journalist und Publizist, veröffentlicht am 30.4.2026.

Zuerst publiziert in: LINK

Ein Jahr im Amt: Frauen mag er nicht gleichstellen. Die Sexualmoral nicht modernisieren. Demokratien begegnet er mit Vorbehalten.

Seit dem Schlagabtausch mit dem US-Präsidenten Donald Trump ist der sonst so zurückhaltende Papst Leo XIV. im Hoch. Als Donald Trump am Dienstag nach Ostern drohte, Iran in die Steinzeit zurückzubomben und eine ganze Zivilisation auszulöschen, trat der behutsame Pontifex aus der Reserve. «Das ist inakzeptabel», sagte er in Castelgandolfo. Und forderte die Amerikaner nicht etwa nur zum Gebet, sondern auch zur Intervention bei Kongressabgeordneten auf, sich nicht für Krieg, sondern für Frieden einzusetzen. Als Trump ihm daraufhin eine schreckliche Aussenpolitik vorwarf und ihn mahnte, sich nicht in die Politik einzumischen, konterte der Pontifex, er fürchte Trump nicht, er verkündige nur die Friedensbotschaft des Evangeliums.
Schon am Palmsonntag hatte der erste Amerikaner auf dem Papstthron gepredigt, Jesus sei der König des Friedens.  Gott lehne den Krieg ab, niemand dürfe Gott benutzen, um Krieg zu rechtfertigen. Gott erhöre nicht das Gebet derer, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut, sagte er mit dem Propheten Jesaia.
Von Anfang an interessierte die Medien besonders, wenn sich Leo XIV. zu Themen äussert, die mit Trumps Politik zu tun haben, etwa zur rigiden Migrationspolitik, zur aggressiven Einwanderungspolizei ICE oder zum Angriff auf Venezuela.

Leo XIV. relativiert
Erst recht seit Beginn des Iran-Kriegs sehen Journalistinnen und Vatikanisten nun alle seine Äusserungen durch die amerikanische Brille und werten sie gerne als Frontalangriff gegen Trump und seine Politik. So auch die Aussage auf seiner Afrikareise im April, die Welt werde «von einer Handvoll Tyrannen zerstört». Leo selber musste richtigstellen, dass seine Rede schon Wochen zuvor im Vatikan formuliert worden sei. Es werde aber so aufgefasst, «als wolle ich dem Präsidenten widersprechen. Das liegt überhaupt nicht in meiner Absicht.» Der Papst selbst also relativierte seine Trump-Kritik und machte klar, dass er kein Anti-Trump sein will. Denn selbst sonst so besonnene Stimmen wie jene des Historikers und Theologen Massimo Faggioli überhöhten den Schlagabtausch zwischen den beiden mächtigsten Amerikanern völlig unangemessen. Faggioli prophezeite allen Ernstes, die Attacke von Trump gegen den Papst markiere «wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende» für den US-Präsidenten.
Dabei nimmt Leo einfach die von ihm bei Amtsantritt versprochene Rolle als Künder des Friedens ernst. «Der Friede sei mit euch allen» waren seine ersten öffentlichen Worte als Papst, gleich nach der Wahl am Abend des 8. Mai 2025 von der Mittelloggia des Petersdoms zur Menge der Gläubigen gesprochen. Angesichts der unsicheren und kriegerischen Zeiten dürfte Leo XIV. In der Tat eine Stimme des Friedens mit grosser Resonanz werden, indes kaum ein eigentlicher Friedenspapst.  Sein Beitrag wird im Appellativen verbleiben. Als er vor einem Jahr sein Amt übernahm, war sein Fokus auf den Krieg in der Ukraine gerichtet. Er bot die guten Dienste des Heiligen Stuhls an und schlug den Vatikan als Ort von Friedensverhandlungen vor.  Russland ging darauf gar nicht ein, und heute ist keine Rede mehr davon. Irritierende Aussagen des neuen Pontifex nimmt die breite Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis, wie etwa jene zum Wert der Demokratie in seinem ersten grossen Interview vom letzten September: «Wenn wir uns in der heutigen Welt umschauen, ist die Demokratie nicht unbedingt die beste Lösung für alles.» Findet er womöglich, dass autoritäre Staaten einen bessern Job machen?

In der konservativen Spur
Vergessen geht ebenso, dass der Augustiner ganz auf der Linie der Trump-Regierung Abtreibung , Sterbehilfe, Gender und Homo-Ehe verurteilt. Wenn Leo warnt, Religion dürfe nicht für Populismus, Nationalismus oder gar zu Krieg instrumentalisiert werden, muss man ihm umgekehrt vorwerfen, er benutze Religion dazu, die Rechte von Frauen und sexuellen Minderheiten zu beschneiden.
Denn in besagtem ersten grossen Interview mit der US-amerikanischen Journalistin Elise Ann Allen vom Portal «Crux» lehnte er Reformen bezüglich der Stellung der Frau in der Kirche ab. Ja, er werde weiterhin Frauen in Spitzenämter ernennen, und die Weihe von Diakoninnen werde in verschiedenen Kommissionen und im Rahmen der Weltsynode Thema bleiben. Derzeit aber habe er «nicht die Absicht die Lehre der Kirche zu diesem Thema zu ändern».  Ein deutliches Nein zur Weihe von Frauen zu Priesterinnen und Diakoninnen. Reformkatholiken kehrten jedoch Leos Aussage geflissentlich unter den Teppich, genau so wie jene andere, dass er es für höchst unwahrscheinlich halte, dass sich die Lehre der Kirche bezüglich Sexualität und Ehe in naher Zukunft ändern werde.

Das traditionelle Familienbild
Im gleichen Interview beklagte er, dass jedes Thema, das mit LGBTQ-Fragen zu tun habe, die Kirche sehr stark polarisiere. Er wolle diese Polarisierung in der Kirche nicht verstärken. Auch lehne er die in Deutschland und anderen europäischen Ländern eingeführte förmliche Segnung homosexueller Paare ab, weil sie eindeutig gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument Fiducia supplicans, das einen nicht-liturgischen Instant-Segen zulässt, verstosse. Bei seiner Rückkehr von Afrika verschärfte er diese Kritik sogar. Leo machte wiederholt klar, dass er auf die Komplementarität der Geschlechter und das traditionelle Familienbild setzt. Auch will er nicht, dass sich die Kirche «vollständig vom Missbrauchsskandal in Beschlag nehmen lässt». Schliesslich habe die Kirche den Auftrag, die Botschaft Jesus zu verkündigen, und die grosse Mehrheit der Geistlichen habe nie einen Menschen missbraucht.

Keine substanzielle Reform
Mit dem Interview machte Leo vier Monate nach seiner Wahl die unter Reformkatholiken vorherrschende Erwartung zunichte, er werde den von Franziskus geöffneten pastoralen Spielraum definitiv im Kirchenrecht verankern. Namentlich der bekannte Vatikanist Marco Politi oder der Jesuit Andreas Batlogg waren es, die das gängige Narrativ prägten, Leo werde ernten, was Franziskus gesät habe. Ihre Fehleinschätzung blieb bisher unkommentiert. Auch die Reformbewegungen gehen einfach darüber hinweg. Zumal der amerikanische Papst gleich nach Amtsantritt bekräftigt hatte, er werde den von Papst Franziskus angestossenen weltweiten Synodalen Prozess für eine geschwisterliche und partizipative Kirche fortsetzen. Absehbar ist jedoch, dass dieser Prozess auch unter Leo viel Aufwand und Energie kosten wird, ohne substanziell etwas zu ändern.
Wie schon Franziskus ist auch ihm die deutsche Kirche ein Dorn im Auge, die mit einem eigenen Synodalen Weg weitgehende Reformen wie Frauendiakonat, ökumenisches Abendmahl, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und neue Gremien der Laienmitsprache einführen möchte. Gewiss mit Absicht hat Leo mit dem holländischen Erzbischof Hubertus van Megen für Deutschland gerade einen äusserst konservativen Nuntius berufen, der die reformfreudige deutsche Kirche in Schach halten soll. Als Nuntius in Nairobi etwa warnte dieser 2019 die ostafrikanischen Bischöfe vor den westlichen Standpunkten zu Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie – für den Nuntius «klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat».

Vorbild Heiliger Augustin
Innerhalb des ersten Jahres hat Leo verschiedene Rollenbilder bedient: Vom Anti-Trump und Friedenspapst bis zum Befreiungstheologen. Jeder Papst ist eine Projektionsfläche und sein Image wird von den Wünschen der Gläubigen und der Öffentlichkeit geformt. All die Leo zugeschriebenen Bilder dürfen indes nicht darüber hinwegtäuschen dass er, der mit 22 Jahren in den Orden der Augustiner eintrat, ein Kirchenmann mit theologisch strikt konservativen Positionen ist. Fast schon mantraartig beruft sich der Augustiner auf den Heiligen Augustin als grosses Vorbild für unsere Zeit und hat bereits dessen symbolisches Grab im nordafrikanischen Annaba (ehemals Hippo) besucht. Demgegenüber ruft der Berliner Religionsphilosoph Christian Modehn immer wieder in Erinnerung, wie nachhaltig und folgenschwer der Bischof von Hippo vor 1600 Jahren mit seinen Lehren von der Erbsünde, der bösen Lust und der Errettung nur der wenigsten erwählten Menschen der westlichen Christenheit geschadet hat.
Leo betont gern, den Kurs seines Vorgängers fortzusetzen und beispielsweise Frauen in Leitungsämter zu berufen. In seinem ersten Lehrschreiben «Dilexi te» hat er die befreiungstheologische Option für die Armen und die Kapitalismuskritik von Franziskus bekräftigt. Einen eigenen starken Schwerpunkt setzt er bei der Bewertung der KI, die am Massstab der Menschenwürde reguliert werden müsse.

Drohendes Schisma
Doch ist der amerikanische Papst insgesamt wesentlich traditioneller, der kirchlichen Orthodoxie verpflichtet und nimmt gewisse Schritte der Öffnung seines Vorgängers zurück. Er wohnt wieder im Apostolischen Palast und erholt sich in der Sommerresidenz Castelgandolfo. Am Gründonnerstag hat er zwölf Priestern die Füsse gewaschen und nicht wie Franziskus auch Laien und Frauen. Den Traditionalisten hat er gar erlaubt, im Petersdom die Messe nach dem alten lateinischen Ritus zu feiern. Die Ironie dabei: Am 1. Juli wollen die traditionalistischen Piusbrüder ohne die Erlaubnis von Leo im Walliser Ecône eigene Bischöfe weihen, womit sie automatisch die Exkommunikation auf sich ziehen. Wie schon 1988 Johannes Paul II. bescheren die ungehorsamen Ewiggestrigen auch Leo XIV. ein Schisma, was ihn, der die Einheit ins Zentrum seines Pontifikats stellt, sehr schmerzen dürfte. Bei der Amtseinsetzung vor einem Jahr trug er den Hirtenstab des Polen-Papstes. Tatsächlich ähnelt Leo von allen seinen Vorgängern Johannes Paul II. am meisten: Wie dieser ist er politisch und sozialethisch offen, in der Lehre aber nicht kompromissbereit.

copyright: Michael Meier, Zürich.

 

Ein Jahr Papst Leo XIV: Theologisch konservativ, kein Reformer, Stillstand in der katholischen Kirche

Ein unvollständiger Rückblick auf ein Jahr der PAPST-Herrschaft seit dem 8. Mai 2025.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.4.2026

Siehe auch den wichtigen Gastbeitrag des Theologen, Journalisten und Publizisten Michael Meier, Zürich, LINK

1.
Wir haben am 19.9.2025 auf dieser website begonnen, einige wichtige Entscheidungen und Äußerungen Papst Leos vor allem im Bereich der Theologie zu sammeln und selbstverständlich, wie es sich für Journalisten gehört, kritisch zu kommentieren. LINK

2. Unsere Liste wurde seit dem 24.4. 2026 weitergeführt, insgesamt ist unser Rückblick unvollständig, aber sehr deutlich ist: Niemand sollte ernsthaft behaupten, Papst Leo XIV. sei irgendwie ein Papst der Reformer und Reformen, die den Namen verdienen. Er ist theologisch konservativ, auch theologisch schüchtern und ängstlich und .. politisch manchmal etwas mutig, ein Mut, den er dann aber im Falle seiner TRUMP/USA Kritik wieder relativiert.

3.
Wie weit dieses konservative Verhalten mit der absoluten Vorliebe des Papstes für (das poetische fromme Frühwerk des heiligen) Augustinus („Confessiones“) zu tun hat, darauf haben wir aufmerksam gemacht. Der späte sture, verbissene, Gegner vernichtende, kurz der unsympathische Augustin, vor allem dessen Ideologie der Erbsünde, wird von Leo verschwiegen.

4.
Unsere Aufstellung anläßlich „ein Jahr Papst Leo“ konzentriert sich auf theologische Aussagen, wobei man theologische Überzeugungen und politische/ökonomische Präferenzen auch bei Päpsten niemals trennen darf.

5.
Man müßte eine lange Liste des prinzipiellen theologischen Stillstands unter Papst Leo anführen: Nur einige Beispiele für diesen üblichen, von Angst bestimmten und von Klerus-Herrschaft bestimmten Stillstand im Katholizismus:
– Nichts Neues, Erforderliches, Richtiges,  in der Ökumene mit Protestanten
– Nichts Neues zur Aufhebung des Zwangszölibates
– Absolut nichts Neues zur Zulassung von Frauen zum DiakonInnen und Priesteramt, auf diese Weise begibt sich die Papstkirche in eine Art Verachtung von gebildeten Frauen und Männern weltweit.

– Kann ein Papst in seiner Allmacht machen, nur führt er damit die Kirche weiter ins Getto…Selbst wenn noch Millionen Katholiken in Afrikas Diktaturen ihm als Führer zujubeln…
– Nichts Neues zur veralteten Theologie etwa der Bittgebete, des Wunderglaubens, des Glaubens an heilige Knochen (Reliquien)…
– Keine Relativierung der Klerus-Macht: „Die Messe, Eucharistie, darf nur von männlichen Priester allein gefeiert werden“: Eucharistie durch Priester gefeiert gilt nach wie vor als absoluter Mittelpunkt des katholischen Glaubens, und niemand protestiert dagegen… UND SO WEITER:

6.
Man könnte ja auch mal lange die berechtigte Frage stellen: Kann ein einzelner alter Mann, Papst genannt ,spiritueller und politischer Chef (Vatikanstadt!) für 1,4 Millionen Katholiken, diese riesig große und sehr differenzierte Gemeinschaft leiten?? Eigentlich nein!
Mit anderen Worten: Wären nicht wenigstens 5 Päpste, je ein Papst (Päpstin) auf einem Kontinent, eine Lösung? Aber das wird offiziell natürlich alles als Quatsch abgetan. Sollen diese Katholiken in Europa halt zur Sekte werden…

7.
Hier einige neue (Stand 29.4.2026) von uns dokumentierte (!) Fakten:

Am 29.April 2026 veröffentlicht: Weitere Opfer der linken Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg werden von Papst Leo selig gesprochen:

Papst Leo XIV. hat jetzt 49 Ordensbrüder und einen Priester als zu verehrende Selige ausgezeichnet, diese Ordensleute wurden Opfer der Republikaner im spanischen Bürgerkrieg. Das offizielle Datum der Seligsprechungen ist noch nicht bekannt. Diese Seligen können nun an Gottes Thron Fürsprache einlegen für die Frommen…, so die immer noch gültige, milde gesagt esoterische, offizielle katholische Theologie.

Wichtiger ist: Die nun auch von Papst Leo seliggesprochenen Märtyrer gehören zu den bereits 2.100 selig gesprochenen spanischen Priestern als Märtyrer der Republikaner im Bürgerkrieg! Diese Seligsprechungen waren immer schon ein politisches Votum der Päpste: Gegen die Linken! Es gibt eine extreme Vorliebe für die von linken Republikanern getöteten Geistlichen durch die Päpste, vor allem durch den exzessiv anti-linken polnischen Papst Johannes Paul II, ist offensichtlich.   Im LINK, besonders die Nr. 10.

Der Historiker Benoit Pellistarndi weist darauf hin, dass diese erneute Seligsprechung von Opfern der linken, demokratischen Republikaner im Krieg des Faschisten Franco heute politisch sehr problematisch ist: Die regierende Linke und die anderen Demokraten haben in Spanien gegen die Rechten und die Attacken der Rechtsextremen („VOX-Partei“) zu kämpfen. Diese Vox – Partei sieht sich als Erbe des Faschisten Franco, sie ist glücklich sein über die neuen seligen Opfer der „bösen Republikaner“: „Die politische Situation macht die Seligsprechung durch Papst Leo besonders schwierig.“ (zit. in „La Croix“, Paris, 29.4.2026.) Proteste gegen Leos Entscheidung wird es hoffentlich geben, aber sie werden aussichtslos bleiben, angesichts des Einflusses des Vatikans und der Kirche im heutigen Spanien noch…

Am 23. April 2026 sagte Post Leo auf dem Rückflug aus Afrika nach Rom auf eine Frage der Journalistin Verena Schälter, dass der Heilige Stuhl nicht einverstanden sei mit einer ritualisierten Segnung homosexueller Paare, die über das hinausgehe, „was Papst Franziskus erlaubt hat“.

Im Klartext: Segnungen ja, aber möglichst ohne viel würdevolle Feierlichkeit, möglichst in einer Seiten- Kapelle, und bitte nur schlichte Zeremonien, die auch nur entfernt an eine Hetero-Ehe-Schließung erinnern. Das heißt: Homosexuelle Paare werden als Katholiken und als Menschen zweiter Klasse behandelt. Lieber segnet der Klerus bekanntlich ja Autos, Yachten, Motorräder, Tiere, Handys, sogar Walrosse, wir haben seit Jahren diesen Blödsinn (aber er bringt der Kirche etwas Renommée beim Volk und viele Spenden…) dokumentiert. Zum Wahn des Klerus, alle möglichen Dinge zu segnen, bloß NICHT diese Menschen „zweiter Klasse“ in päpstlicher Sicht, also , die Homosexuellen, siehe unseren leicht satirischen Beitrag, den wir seit 2010 immer wieder mal aktualisiert haben: LINK:

Am 16.4.2026: Papst Leo in Algerien: „Über Augustinus nur die halbe Wahrheit“. LINK

Am 9. April 2026 hat die kluge ZEIT Autorin Elisabeth von Thadden einen wichtigen Vorschlag in DIE ZEIT, Seite 40, veröffentlicht: Papst Leo sollte überlegen, on nicht katholische Spitzenpolitiker und einflußreiche Milliardäre als Berater des Trump Regimes EXKOMMUNIZIERT werden sollten. Diese Leute denken und handeln absolut und ständig gegen die katholische Moral. Einst hatte ja auch im Jahr 2014 Papst Franziskus katholische Mafia – Bosse in Italien exkommuniziert. Natürlich war diese Verurteilung direkt nicht wirkungsvoll, aber ein wichtiges Symbol.

Am 28.3. 2026: Papst Leo besucht das Nest der Superreichen: Monaco. LINK. https://religionsphilosophischer-salon.de/21590_papst-leo-besucht-im-maerz-2026-monaco-das-nest-der-superreichen_befreiung

Weitere Belege für das theologisch konservative Denken Papüst leos unter: LINK

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

Die „Erklärung der Menschenrechte“ (1948) gehört zum Glaubensbekenntnis der Christen!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18.4.2026

ZUR EINFÜHRUNG:

Wir haben schon vor kurzem erneut für die Aufnahme der „Erklärung der Menschenrechte“ der UN von 1948 in das Glaubensbekenntnis der Christen heute plädiert. Wir dachten dabei an die niederländische Kirche der Remonstranten. Sie ist wohl als einzige christliche Kirche dogmatisch nicht gebunden und bekanntlich aufgeschlossen für neue theologische Vorschläge. (Siehe unten.)

Dieser Hinweis hier ist ein weiterer Versuch, das Thema der Öffentlichkeit vorzustellen und theologisch zu begründen, als Thesen, denen weitere Erläuterungen folgen.

Hier geht es nur um die enge Verbundenheit von Menschenrechten und christlichem Glauben. Auf andere Religionen bezogen müsste das Thema weiter reflektiert werden.

Die Erklärung der Menschenrechte ist zwar Ausdruck der universell geltenden menschlichen Vernunft. Aber eine solche Erklärung ist zugleich ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln. Deswegen bedarf sie zur Realisierung auch einer geistigen, spirituellen Haltung, also eines Überzeugtseins, dass die Menschenrechte richtig und wichtig und unersetzlich sind. So, wie etwa der „Kategorische Imperativ“ von Kant ein Faktum der Vernunfteinsicht ist, aber zur Realisierung eine emotionales Betroffenheit braucht, so werden die Menschenrechte auch durch eine innere Bindung der Menschen lebendig und wirksam. Die Menschenrechte sind als Rechte und Pflichten etwas grundlegend Anderes als die vielen „positiven“ Gesetze in unseren Gesellschaften und Staaten.

Erstens: Die klassischen, bis heute weithin üblichen Glaubensbekenntnisse der Kirchen stammen aus dem 4. und 5. Jahrhundert, diese Bekenntnisse versteht kein denkender Mensch heute ohne ausführliche Interpretationen und Kommentare. Schlimmer noch: Diese Bekenntnisse sprechen vor allem vom Leben Gottes im Himmel, von seiner Trinität, vom Herabstieg eines Logos auf Erden, der dann als Jesus den grausamen Willen des Vaters erfüllt und sich ans Kreuz schlagen lässt und so weiter…
Zweitens ist entscheidend: Die Lehre und Lebenspraxis Jesu von Nazareth entspricht den Idealen der Erklärung der Menschenrechte. Zugespitzt gesagt: Christen wissen heute aus der Botschaft des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth: Das Göttliche, Gott, der Ewige, der Schöpfer der Welt…., wie auch immer, gebietet geradezu als Lebensorientierung die Menschenrechte.

Damit ist nicht gesagt, dass die Menschenrechte der Kirche entstammen, das Gegenteil ist der Fall. Die Menschenrechte sind Resultat der Aufklärung, sie haben sich gegen die Kirchen langsam durchsetzen müssen. Erst als der kirchliche, etwa der katholische Widerstand gegen die Menschenrechte geradezu lächerlich wirkte und blamabel, hat etwa das 2. Vatikanischen Konzil die Menschenrechte, etwa die Religionsfreiheit, offiziell als wichtig und richtig anerkannt. Trotzdem hat der „Heilige Stuhl“, also der Papststaat Vatikan, als einer der wenigen Staaten die Menschenrechtscharta der UNO formell nicht unterzeichnet.

Das ZIEL dieses Vorschlags ist: Die „Erklärung der Menschenrechte“ als „Orientierung für die Praxis der Christen“ in ein christliches Glaubensbekenntnis einzufügen. Dabei wird das Bekenntnis, auf eine göttliche Wirklichkeit und auf Jesus bezogen, selbstverständlich neu formuliert werden müssen. Ein Beispiel ist das Glaubensbekenntnis der niederländischen Remonstranten – Kirche aus dem Jahr 2006. (Text siehe unten)

 

DIE THESEN:

1.
Der Vorschlag ist neu: „Menschenrechte sind der Kern des Evangeliums Jesu von Nazareth.“ Der mutige brasilianische Befreiungstheologe Kardinal Evaristo Arns von Sao Paulo (1921-2016) hat diese Einsicht mehrfach öffentlich geäußert! LINK

Diese Erkenntnis freizulegen und zu beweisen macht Mühe, angesichts der vielen Bilder und Symbole und Wundermythen, die im Neuen Testament von Jesus von Nazareth berichtet werden und sein Profil als humanen Weisheitslehrer verdunkeln und verzerren. Aber: Die Gleichnisse Jesu (etwa der „Barmherzige Samaritan“) oder Jesu Reden vom „End-Gericht Gottes über die guten und weniger guten Menschen“ zeigen: Einzig menschliche Qualitäten wie Liebe, Güte, Hilfsbereitschaft sind für einen Menschen, der authentisch leben will, entscheidend. Religion und Kultus und religiöse Gesetze sind für Christen zweitrangig. Die oberste Orientierung heißt: Menschlichkeit zu allererst: Das ist die Botschaft und die Praxis Jesu von Nazareth. Und die sind im Kern die Botschaft der Menschenrechte.

2.
Die „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 spricht nicht von Gott, das wird ihr von bestimmten frommen Christen als Mangel vorgeworfen. Aber die Menschenrechte als Ausdruck der philosophischen Vernunft, können Christen als gültig und allgemein anerkennen, weil sie als Christen wissen: Die Vernunft ist eine Gabe des schöpferischen Geistes Gottes…

3.
Die Menschenrechte werden heute, 2026, wie schon seit Jahren von autoritären, populistischen, faschistischen, kommunistischen und diktatorischen Kreisen verachtet, ignoriert, für Spinnereien ausgegeben. Weil sie die totale Herrschaft der Autokraten und Diktatoren stören. Und in Demokratien werden Menschenrechte als störende Elemente betrachtet im Rahmen einer immer üblicher werdenden „Realpolitik.“ Aber für Demokratien und Demokraten sowie demokratisch sich nennende Politiker sind die Menschenrechte in einem Rechtsstaat der unverzichtbare geistige Boden und der politische Horizont in allem Handeln. Wer als Demokrat und demokratischer Politiker gegen die Menschenrechte handelt, muss sich korrigieren, muss sich entschuldigen.

4.
Theologen und Kirchenführer wissen: Die Menschenrechte sind zwar in Europa nach langen Auseinandersetzungen auch mit den Kirchen formuliert worden: Aber die Menschenrechte sind nicht europäisch. Sie kann niemand deswegen diskreditieren, weil sie an einem bestimmten Ort – in Europa – entstanden sind. Universelle Geltung hat mit geografischer Herkunft nichts zu tun. Die Menschen in den Lagern und Gefängnissen der Diktaturen heute schreien geradezu nach der Geltung der Menschenrechte. Das Bewusstsein von er absoluten Würde eines jeden Menschen ist im menschlichen Geist verwurzelt. Menschenrechte entwickeln sich nach langen Diskussionen auch heute weiter: Sie werden im Zusammenhang der Klimakatastrophen neu formuliert. Oder die Rechte der Flüchtenden werden explizit verstärkt oder die Geschlechter-Gerechtigkeit…

5.
Wenn die Kirchen die Menschenrechte als zentralen Teil ihres eigenen Bekenntnisses wahrnehmen und auch leben, werden sie unterstützt werden von einer großen Gruppe von zivilgesellschaftlicher progressiver NGOs, die sich seit Jahren um die Durchsetzung der Menschenrechte kümmern. In der Diakonie und Caritas vieler Länder engagieren sich die Kirchen tatsächlich schon zugunsten der Menschenrechte. Sie sehen diesen Dienst als Ausdruck der gebotenen christlichen Nächstenliebe: Würden sie diesen Dienst auch explizit als politischen Dienst an den Menschenrechten sehen, hätten die Kirchen neue, ungewöhnliche Bündnispartner: Diese könnten die manchmal sehr eng konfessionell geprägte christliche Nächstenliebe ins Universelle erweitern, mit der Bereitschaft, gemeinsam POLITISCH gegen die Herrschaft der Diktatoren und Autokraten einzutreten.

6.
Das Probleme ist nur: Die Kirchen müssen sich selbst in der Gestaltung ihres „Innenlebens“ nach den Menschenrechten richten. Für den Katholizismus muss dann gelten: Die Menschenrechtserklärung der UN von 1948 muss der Vatikan formell anerkennen. Und zweitens: Der Papst muss die rechtliche Diskriminierung der Frauen in der Kirche, etwa Ausschluss von den Ämtern in der Kirche, sofort aufheben. Nur unter diesen Voraussetzungen wird das Engagement der katholischen Kirche für die Menschenrechte überhaupt glaubwürdig. Wie die Evangelikalen und fundamentalistischen Kreise sich zu den Menschenrechten verhalten, ist noch ein eigenes Thema. Ihre Verbundenheit mit der MAGA Bewegung des Donald Trump lässt starke Zweifel aufkommen, ob diese Kreise überhaupt von den universell geltenden Menschenrechten schon einmal gehört haben…

7.
Wird die Erklärung der Menschenrechte als Teil des Christlichen Bekenntnisses – etwa von Lutheranern, Reformierten, Katholiken, Anglikanern – anerkannt: Dann geschieht eine globale theologische Wende, die einer weiteren Reformation gleichkommen könnte. Diese Christen und ihre Kirchen befreien sich von den erstarrten Glaubensbekenntnissen voller fremder Formeln und Floskeln aus Nizäa und Konstantinopel im 4. und 5.Jahrhundert: Christen verstehen sich nun als Menschen, denen die universelle Gerechtigkeit für alle bester Ausdruck der Einsichten ihres Weisheitslehrers Jesus von Nazareth ist. Nun können sich Christen mit Atheisten und mit kritischen Menschen aller Religionen zu einem gemeinsamen Engagement vereinen, zugunsten der universellen Menschenrechte…

………………

Zu unserem früher schon publizierten Vorschlag: Die Kirche der Remonstranten, als offene, weithin undogmatische Kirche, könnte die Erklärung der Menschenrechte als Teil ihres Bekenntnisses aufnehmen: LINK

Das Glaubensbekenntnis der Remonstranten aus dem Jahr 2006: LINK

Sehr deutlich hat sich der protestantische Theologe Wilhelm Gräb (Berlin) für die Menschenrechte als Teil des christlichen Glaubensbekenntnisses eingesetzt: Etwa in seinem Buch „Vom Menschsein und der Religion.“ Tübingen 2018, S 213 ff.

Man beachte, dass Immanuel KANT in seiner Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie die ethische Praxis (der Menschenrechte) als den alles entscheidenden Kern des christlichen Glaubens angesehen hat. Siehe dazu etwa unseren Hinweis zu Kant: LINK

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Papst Leo in Algerien: Über Augustinus nur die halbe Wahrheit

Ein Hinweis von Christian Modehn am 16.4.2026

Ein Vorwort:
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen und gehässige Kommentare abzuwehren:
Für den „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“ ist die Kritik Papst Leos an der Kriegspolitik von Donald Trump absolut berechtigt. Diese deutliche Zurückweisung des us-amerikanischen Papstes an Trumps nur noch verrückt zu qualifizierender Außen-(Kriegs-) Politik wie auch der antidemokratischen Innenpolitik, hätte schon mit etwas mehr Mut vor einigen Monaten öffentlich geäußert werden müssen, aber immerhin..
Unsere Zustimmung zur Kritik des Papstes an Trump schließt aber überhaupt nicht aus, kritisch auf die Stellungnahmen Papst Leos etwa in Algerien hinzuweisen. Dieser kritische Blick auf seine Stellungnahmen in Algerien, zumal in Annaba, „Hippo“ einst, der Wirkungsstätte des heiligen Bischofs und Kirchenlehrers (!) Augustinus, fehlt in den Medien, in den katholisch bestimmten Medien sowieso.

1.
Papst Leo versteht sich als Mitglied des Augustiner-Ordens explizit als ein „Sohn des heiligen Augustinus“. Und dieser „Sohn“ des vor etwa 1.600 Jahren gestorbenen heiligen Augustinus ist wirklich sehr berührt und total begeistert („es war eine Gnade in Annaba zu weilen“) von des „Vaters“ Wirkungsstätte. Man lese das ebenso enthusiastische, aber einseitige Resümee der Algerien-Reise von vaticannews LINK
2.
In höchsten Tönen preist Papst Leo wieder einnmal den heiligen Augustinus als eine für „uns“ heute relevante Gestalt, er sei Brückenbauer, er habe das Streben nach Gemeinschaft gefördert, habe den Respekt unter den Völkern trotz aller Unterschiede gelobt und geliebt und so weiter. Papst Leo kennt offenbar nicht die vielen richtigen kritischen theologischen und historischen Forschungen über den gestrengen Bischof von Hippo. Oder der Papst will die Leute besänftigen? Fast hätte ich geschrieben, in die Irre führen.
3.
Diese Lobeshymnen auf Bischof Augustinus durch Papst Leo sind theologisch und historisch gesehen schlicht und einfach falsch. Es gibt den absolut kämpferischen, gar nicht dialogbereiten, sehr eigensinnigen und gegen seine theologischen Feinde äußerst kämpferischen Bischof Augustinus. Es gibt den Augustinus einer rigorosen, mit Jesus von Nazareth kaum noch vermittelbaren Gnadenlehre: Nach der nur wenige Erwählte gerettet werden. In dem Zusammenhang entwickelt der alte Bischof von Hippo die theologische Ideologie der Erbsünde. Ja, wirklich eine Ideologie, denn dieses Dogma ist ein willkürliches, völlig unbiblisches Konstrukt eines kämpferischen greisen Bischofs Augustinus. Von diesem unangenehmen, eher häßlichen Augustinus spricht der Sohn Augustins, Papst Leo, leider nicht. So wird eine Art Augustinus – Ideologie verbreitet.
4.
Hier kann nicht das weite Thema der Gnadenlehre Augustins und seiner Erbsünden – Ideologie ausführlich beschrieben werden, das haben wir an anderer Stelle früher schon getan. LINK   Wer die Geschichte studiert und eben nicht als ein „Sohn des heiligen Augustinus“ in Verzückung gerät, wenn er an den einstigen Bischof im damaligen Hippo denkt und die Ruinen dort bewundert, muss feststellen, und das ist gängige Überzeugung unter Historikern: Dieser Bischof Augustinus war zwar hoch begabt und theologisch gebildet. Aber Augustinus war als Bischof und sehr-vielschreibender Autor nicht nur ein heftiger Verfolger der damaligen nicht-katholischen „Sekten“. Er hatte sich einen Mitbruder seiner katholischen Kirche als Erzfeind ausgesucht, den katholischen Bischof Julian von Eclanum. Ihn hat Bischof Augustinus aufs heftigste bekämpften erfolgreich ausgeschaltet. Von „Brückenbauen“ also keine Spur.
5.
Bischof Julian war ein theologisch gebildeter „ebenbürtiger Gegenger Augustins“ (Kurt Flasch, „Kampfplätze der Philosophie“, Frankfurt am Main, 2008, S. 13). Seit 418/419 hat Augustinus auf Bischof Julian eingeschlagen. Augustin nannte seinen Mitbischof einen „Patron der Esel“, Bischof Julian, klug und mutig, nennt den hoch angesehenen Bischof Augustin einen „asthmatischen Greis“ (ebd.).
Mit seiner polemischen Kraft gelang es Augustinus in den heftigsten Auseinandersetzungen mit Julian als Sieger hervorzugehen: Die Lehre von der Erbsünde hatte Augustinus durchgesetzt: „Augustinus hatte behauptet, Sünde und Schuld seien vererbbar. Er hatte die Übertragung der Erbsünde an den Geschlechtsverkehr gebunden und damit den Vorrang des jungfräulichen Lebens begründet. Er hatte die geschlechtliche Begierde als das Böse verteufelt…“ (Kurt Flasch, S. 14 f.)
Es war allen Gebildeten zumal außerhalb der offiziellen rigiden dogmatischen Kirche klar: Augustinus Erbsünden Doktrin zerstörte die Freiheit des Willens der Menschen. Gott wurde wie ein Tyrann konzipiert. Niemand weiß bis heute, wie denn Erbsünde als solche im Menschen erlebt und erfahren wird. Fast alle heutigen TheologInnen fragen sich: Kann es wirklich sein, dass die christliche Erlösung mit der Befreiung von dieser imaginären Erbsünde identisch ist???
6.
Diesen Augustinus erwähnt der Papst nicht. Wäre auch blamabel für einen Sohn des heiligen Augustinus, den Vater weitgehend zu kritisieren und als irrelevant für die heutigen Christen (Katholiken) darzustellen.
7.
Wir wollen dieses unsägliche Thema Erbsünde hier nicht fortsetzen. Die Erbsünden- Ideologie der Kirchen, nicht nur der katholischen, auch der lutherischen, auch der reformierten, calvinistischen Kirche, ist ein Fehler, mehr noch ein giftiger Irrsinn. Das sagen, wie schon betont, die meisten heute denkenden TheologInnen. Papst Leo sollte in freier Zeit in seinem neu renoviertem apostolischen Palast mit seinen Augustinern dort die Studie des großen objektiven Kenners Augustins Prof. Kurt Flasch lesen: „Die Logik des Schreckens. Augustinus von Hippo. Die Gnadenlehre von 397“, Mainz 1995.
8.
Die bis heute alles kirchliche Leben bestimmende Erbsündelehre ist, zusammenfassend, eine Ideologie Augustins, sie stellt die absolute Schwäche des Menschen gegenüber Gott heraus. An der Erbsünden – Ideologie halten die Kirche fest, um ein theologisches längst überwundenes Modell der Erlösung zu propagieren. Denn nur weil es die Erbsünde „gibt“, ist die Taufe eines jeden Menschen heilsnotwendig. Und die Taufe vollzieht sich innerhalb der Kirche, die vom Klerus bestimmt ist. Erbsündenlehre und Klerusherrschaft gehören also eng zusammen.
9.
Was eigentlich noch viel schlimmer ist: Soweit wir lesen, hat Papst Leo XIV. vor lauter Verzückung für seinen Vater Augustinus, inmitten der Ruinen von Annaba, Hippo, vergessen, auch ein Wort zu den nicht geduldeten Menschenrechten in Algerien zu sagen. Der Papst hat sich wohl von der viel besprochenen „Demokratie- Fassade“ der Regierung dort verführen lassen. Von dem großartigen, verfolgten algerischen Schriftsteller Boualem Sansal hat Papst Leo sicher schon einmal gehört…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin