Kontemplation – von Theodor W. Adorno wieder belebt und von einigen Theologen heute neu entdeckt

Ein Hinweis von Christian Modehn am 11.8.2026

1.
Kontemplation ist ein Begriff, der sich auf die religiöse Praxis im Sinne der mystischen Traditionen in den Kirchen bezieht. Kontemplation meint das Sich – Versenken der Frommen in die göttlichen Geheimnisse, die in der Bibel überliefert oder von der Kirchenführung gelehrt werden. Die Karmeliterorden nennen bis heute die Kontemplation als die wichtige Praxis ihrer Mitglieder, inspiriert von Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz. Aber auch für die Schweigeorden der Trappisten und Kartäuser ist Kontemplation zentral. Für „normale“ (Laien)-Christen ist Kontemplation in dem Sinne eine ferne Welt…

2.
Kontemplation wird im 20. Jahrhundert, mit einem säkularen, weltlichen Inhalt, eine Art Leitidee der PhilosophieTheodor W. Adornos. Dieser Wandel des Begriffs Kontemplation und der mit ihm gemeinten Praxis ist ein weiteres Element für das
Verstehen unserer Gegenwart, also auch für uns kein Nebenthema.

3.
Die Säkularisierung von Begriffen aus der metaphysischen und religiösen Tradition interessiert uns sehr. Der Philosoph Martin Seel machte auf „Adornos Philosophie der Kontemplation“ schon 2004 (Suhrkamp Verlag) aufmerksam. Seel betont: Kontemplation ist für Adorno alles andere als ein Nebenthema.
Als junger Philosoph hat Adorno die Kontemplation zurückgewiesen und allen Wert darauf gelegt, dass Philosophie niemals einer „selbstgenügsamen Kontemplation“ verfallen sollte. Er dachte dabei an eine Kontemplation, die sich – abgeschieden vom Geschehen der Welt – der Betrachtung des Ewigen, Himmlischen etc. hingibt.

4.
Später, so Martin Seel, entwickelte Adorno die Kontemplation als das normative Kriterium für sein Philosophieren überhaupt. „Die These unseres Beitrags lautet, das es sich hierbei um das für Adornos Denken zentrale Kriterium der Bewertung menschlicher Zustände handelt. Kontemplative Erfahrung stellt die normative Grundlage seines Philosophierens dar.“ (S. 13).
Mit seinem Plädoyer, kontemplativ zu denken und kontemplativ zu leben, meint Adorno eine entscheidende Haltung: Menschen und Dinge in ihrer individuellen Besonderheit wahrnehmen, Sinn entwickeln für das Unwiederholbare im Leben, und den Tendenzen widerstehen, Menschen und Dinge nach dem Kriterium der Zweckmäßigkeit anzusehen und entsprechend „technisch“ zu verwenden.

5.
Kontemplation ist also, ein Geltenlassen und Sein -Lassen der anderen, der Menschen und der Welt. Vorausgesetzt ist dabei auch der Abstand von den Zwängen des Alltags und seines Tuns, also die Möglichkeit, auf die Dinge und Menschen kritisch zu schauen, ihre Einmaligkeit wahrzunehmen, mit ihnen in Kommunikation zu treten ohne den Gedanken an Herrschaft: Menschen und Dinge also zu pflegen und zu behüten. Martin Seel schreibt: „Die Fähigkeit, andere und anderes in ihre Sonderheit sein zu lassen, bildet der Prüfstein, an dem Adorno den gesellschaftliche Zustand misst.“ (S. 25). Ein sehr aktuelles, dringendes Thema: Wir denken an die Abwehr der Flüchtlinge, die Mauern, die Europa umgeben; die Rechtlosigkeit von Queers nicht nur in christlichen Staaten Afrikas.

6.
Martin Seel betont: Man solle nun bloß nicht Adorno insgesamt so interpretieren, als lasse er nur noch kontemplatives Verhalten gegenüber den Menschen und den Dingen als einzige menschliche humane Praxis gelten. Als bräuchten der Mensch und die Gesellschaft nicht immer auch das technische Tun, die Gestaltung von Welt und Gesellschaft, also das, was die Kritische Theorie „instrumentelles Verhalten“ nennt: Aber: diese Welt der Technik und Verwaltung muss immer von dem genannten Kriterium der Kontemplation kritisiert und in ihrer Allmachts – Tendenz zurückgewiesen werden!

7.
Die von Adorno beschriebene Kontemplation ist also eine jedem Menschen innewohnende „korrektive Kraft“ , betont Martin Seel (S. 38).

8.
Darin können sich die klassische metaphysisch – religiöse Kontemplation und die säkulare Kontemplation Adornos treffen: Kontemplation ist eine dem Menschen immer gegebene Möglichkeit, aus seinem Egoismus, seiner Fixierung auf instrumentelles Handeln herauszutreten. Kontemplation ist also klassisch wie für Adorno eine aus dem engen Ego herausführende, eine transzendierende Bewegung.
Nur: Die Klassische Kontemplation in den Kirchen, zumal in den „beschaulichen Orden“, meint eher die soziale und politische Aktion zurückweisende Haltung der Versenkung: Bitte immer im Schweigen, so die Ordensregel – in eine göttlich gedachte Wirklichkeit. Aber diese Tradition wird jetzt langsam überwunden.

9.
Man denke an die Erfahrungen des us-amerikanischen Trappistenmönchs Thomas Merton (1915-1968) , bis heute ein vielfach geachteter spiritueller Autor: Er konnte sich von den strengen Klosterregeln etwas befreien und ein Einsiedler – Leben auf seinem Klostergelände führen, das ihm dann gerade politisches Engagement für die Friedensbewegung in den USA gegen den Vietnam – Krieg erlaubte.
Der Trappistenönch Merton schreibt: „Kontemplation ist der höchste Ausdruck des intellektuellen und spirituellen Lebens des Menschen … Es ist spirituelles Wunder. Es ist eine spontane Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Lebens, des Seins. Es ist eine lebendige Erkenntnis der Tatsache, dass das Leben und das Sein in uns von einer unsichtbaren, transzendenten und unendlich reichlich vorhandenen Quelle ausgehen. Kontemplation ist vor allem das Bewusstsein für die Realität dieser Quelle“ (in Thomas Merton: New Seeds of Contemplation, Quelle: https://www.thomasmertonnyc.org/about-merton/explore/2016/7/5/the-contemplative

10
In der Befreiungstheologie (teología de la liberacion) heute wird die Kontemplation als politische Kraft entdeckt: Sie zeigt den Christen und den Kirchen, in den Armen und Unterdrückten eine göttliche Präsenz wahr – zunehmen: Also den absolute Bedeutung eines jedes Menschen, auch des Armen, politisch zu fördern. „Die Kontemplation Christi im leidenden Ausgestoßenen und geknechteten Bruder ist ein Appell zu tätigem Einsatz. Dies bildet den geschichtlichen Inhalt der christlichen Kontemplation in der lateinamerikanischen Kirche“, schreibt der chilenische Theologe Segundo Galilea 1974, zit. siehe Fußnote 1:

11.
Wenn sich die christliche Kontemplation erneuert und auf die übliche Weltflucht verzichtet, kann sie in lernbereite Kommunikation mit der säkularen Kontemplation treten: Ihr geht es auch um die von instrumentellen Interessen befreite Anerkennung der Menschen als Menschen… Kontemplatives Leben ist in beiden Gestalten von Kontemplation immer ein Kampf für die Menschenwürde und die Menschenrechte…Vielleicht sollten Christen öfter mal Texte von Theodor W. Adorno lesen.

Fußnote 1:
Zit in: Christian Modehn, „Kampf – Kontemplation -Theologie. Eine Skizze“. In dem Sammelband „Befreiende Theologie“, hg. von Karl Rahner, Christian Modehn, Hans Zwiefelhofer, Stuttgart 1977, S. 27.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Die Hoffnung stirbt zuletzt – welche Hoffnung stirbt?

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7. August 2026

1.
Die Volksweisheit „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt die Wahrheit: Stirbt die Hoffnung, dann stirbt die Seele, stirbt der Geist, stirbt der Körper, stirbt die Welt .. etwa beim nächsten Atomschlag oder der großen Klimakatastrophe oder der total unbeherrschbar gewordenen KI und deren Roboter. „Lasst alle Hoffnung fahren“, so die Inschrift auf dem „Tor der Hölle“ in Dantes „Göttliche Komödie“.

2.
Hoffnungslosigkeit und Höllenangst werden heute eher selten als Einheit gedacht, eher schon Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit und Nihilismus.

3.
Aber wir sind der Hoffnungslosigkeit nicht total ausgeliefert: Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeigt sich: Wenn man sich nämlich der französischen Sprache zuwendet: Im Französischen gibt es zwei Worte für Hoffnung: Espoir und espérance. Und das Hoffnungsvolle ist: Beide Worte meinen unterschiedliche Inhalte. Man lerne also auch in Deutschland, angesichts der genannten Volksweisheit, Hoffnung differenzierter zu verstehen.

4.
Zunächst zum französischen Wort espoir: Es bezieht sich auf eine Hoffnung, die der unmittelbaren Zukunft gilt: Ich hoffe, dass heute mein Zug wieder so pünktlich abfährt wie gestern. Ich hoffe, dass der Arzt morgen wieder arbeitet. Ich hoffe, es gibt keinen Streit, wenn morgen diese Gäste kommen….Espoir bezieht sich auf eine greifbare, auch planbare Zukunft. Niemand würde aber espoir verwenden, wenn er bei der Hochzeitsfeier sagt: Ich habe die Hoffnung, dass meine Ehe sehr viele Jahre glücklich sein möge.

5.
Espérance meint als Hoffnung die große Weite auch einer fernen Zukunft oder auch der unergründlichen Tiefe des Lebens: Religiöse Menschen haben die espérance, dass mit dem Tod nicht alles aus ist… Und die hoffentlich langdauerende Lebenserwartung wird „espérance de vie“ genannt. Wenn eine Mutter über ihr Kind sagt: Ich setze in mein Kind alle Hoffnung, dann verwendet sie espérance. Und wenn von den drei, nicht nur christlichen, sondern allgemein menschlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe die Rede ist, dann ist Hoffnung selbstverständlich espérance.

6.
Warum diese „Wort – Analyse? Weil sie uns anregen kann, differenzierter zu denken: Wenn Hoffnung als letztes stirbt, wie die „Volksweisheit“ sagt, dann muss gefragt werden: Welche Hoffnung stirbt denn? Die Alltagshoffnung, als auf Französisch espoir? Oder die weite Hoffnung, die eine Lebensenergie ist, die espérance?

7.
Die Alltagshoffnung espoir kann durchaus sterben: Wenn unsere praktischen Vorhaben scheitern; wenn ein Streik uns die Hoffnung auf einen schönen Urlaub nimmt. Diese Alltagshoffnung hat aber oft nur einen kurzen Tod, dann lebt sie wieder auf. Zur Auferstehung der Hoffnung als espoir sorgt sicher auch die wirkmächtige Lebensenergie, also die espérance als Hoffnung auf ein gutes Gelingen des ganzen Lebens, die Hoffnung, dass sich die Vernunft langfristig durchsetzt gegen allen Wahn, etwa des Rechtsextremismus und der Ignoranz gegenüber Klima – Katastrophen usw..

8.
Aber die espérance, diese Hoffnung, die in die tiefe Weite des ganzen Lebens führt, kann sie auch sterben? Also die Hoffnung, dass wir uns von einem erfreulichen, letztlich aber nicht ganz durchschaubaren Lebenssinn „getragen“ wissen können und durch ihn leben? Kann sie auch sterben? Die espérance – Hoffnung weist ins Metaphysische, in die Hoffnung, trotz aller Krisen und Katastrophen dieser Welt in einer kaum zu ergründenden, sicher dann (sprachlich etwas hilflos ) „göttlich“ zu nennenden Geborgenheit zu leben. Also gerade nicht „metaphysisch obdachlos“ zu sein, wie Jürgen Habermas einst sagte.

9.

Kann also auch diese espérance – Hoffnung sterben? Sie kann stillgelegt werden, wenn wir selbst unter Hoffnung nur noch espoir verstehen und entsprechend begrenzt leben, uns im Alltäglich – Technischen total aufhalten und verlieren.

Diese Hoffnung kann auch stillgelegt werden von den Verbrechern in der Politik, den Diktatoren und Kriegsherren, sie kann stillgelegt vom egoistischen Wahn der Multimilliardäre, dem Wahn derer, die den Klimawandel leugnen…Diese Leute sind die Meister des Nihilismus, den sie durchsetzen wollen. Aber sie können diese Hoffnung nicht endgültig auslöschen, denn sie ist etwas Ewiges im Menschen, wie Philosophen sagen, sie ist eine Lebensenergie, als eine Gabe der Schöpfung oder gewagter gesagt, als Gabe einer schöpferischen Kraft „des Ewigen“ zu verstehen. Überall, wo Widerstand der Demokraten, der Humanisten geleistet wird, lebt diese espérance.

10.
Wann stirbt die espérance – Hoffnung ? Wenn der Mensch stirbt.
Und wer den Tod als noch Überlebender betrachtet, als metaphysisch noch interessierter Mensch, der weiß wegen der espérance: Ob mit dem Tod alles vorbei ist, ist philosophisch eine  offene Frage. Die Engländer haben die treffende Weisheit: „Hope springs eternal.“ Das heißt: „Hoffnung währet ewig.“
Die LeserInnen wissen hier: Wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin halten eine vernünftige moderne Metaphysik für möglich … und nötig. Dazu haben wir etliche Beiträge geschrieben, etwa zu Kants Vernunftreligion. LINK

11.
Ich hoffe nicht, dass sich kluge Romanisten melden und mich über die neueste Sprach – Praxis in Frankreich belehren und sagen: „Die Leute dort sind jetzt dermaßen mit espoir befasst, also mit der begrenzen Alltagshoffnung, dass espérance leider immer mehr in Vergessenheit gerät.“ Mag ja sein, etwa angesichts der Klima – Katastrophen in der Umgebung von Bordeaux, da war die espoir, das Hoffen auf ein besseres Morgen, wichtig. Aber ganz ist die espérance dabei nicht untergegangen: „Es wird schon irgendwann wieder besser für uns“, sagt Menschen, denen die espérance wichtig ist.

12.
Aber unwahrscheinlich wäre diese Entwicklung nicht, wenn sich immer mehr nur auf die kurzfristige espoir fixieren. Immer mehr Menschen leben heute „metaphysisch obdachlos“, mauern sich in diese „Obdachlosigkeit“ ein, leben ohne espérance.

13.
Wir meinen etwas mutig, aber begründet: Kein Mensch kann die espérance auslöschen! Sie hat etwas Göttliches, ist etwas Göttliches, das wissen auch die Poeten und Künstler und Musiker und Engagierten in den humanistischen NGOs. Genauso wie die Philosophen und … alle Liebenden.

14.
Uns bleiben nur die vernünftigen Versuche zu zeigen, dass diese espérance nie vergessen wird und auch in allen anderen Sprachen respektiert wird.

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

„Alle haben die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Und sie tun es bereits!

Zum 13. August: Gedenktag der Errichtung der Berliner Mauer 1961.
Ein Hinweis von Christian Modehn

Das 1. Motto: „Es gibt auch eine soziale Theodizee, die danach fragt: Warum lassen Gesellschaften, die ihrem sozialen Selbstbild nach human und demokratisch sind, sinnloses Leid zu, obwohl sie über die Macht verfügen, solches Leid zu verhindern oder erheblich zu reduzieren.“ (Quelle: Siehe Fußnote 2)

Das 2. Motto: Wer heute, 2026, über den Bau der Berliner Mauer spricht, ohne zugleich ausführlich die Mauer – Bauer (gegen Flüchtlinge, Fremde, „Andere“ usw.) kritisch zu sprechen, ist aus der Zeit, der Gegenwart, gefallen. Das gilt auch für „Gedenkgottesdienste“ am 13.8.2026. (CM)

1.
“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Sagte Walter Ulbricht, der Chef der DDR, am 15. Juni 1961. Zwei Monate später, am 13. August 1961, spaltete er mit dem Bau der Mauer die Stadt Berlin. West – Berlin wurde eine Art Insel, umgeben von Mauern und Stacheldraht. Die ganze DDR hatte nun mehr als bloß einen „eisernen Vorhang“.

2.
Die aktuelle Erkenntnis zum 13. August im Jahr 2026: Die DDR wollte 1961 ihre Bewohner an der Ausreise hindern, wollte niemanden rauslassen. Heute will Europa Flüchtlinge nicht mehr reinlassen, Europa ist zur Festung ausgebaut worden.

3.
Alle haben die Absicht, Mauern zu errichten“.
Die politischen Perspektiven der PolitikerInnen in Europa heute: Sie errichten seit 20 Jahren Mauern rings um Europa: Mauern aus Beton, Stacheldraht, Steinen, Frontex-Schnell – Booten. Mauern der immer rigideren Gesetzen zur Flüchtlings – Abwehr. Mauern des Hasses, lautstark und unverschämt propagiert von rechtsextremen faschistischen Politikern innerhalb der noch bestehenden Demokratien. Und: Ideologische Mauern der fundamentalistisch verirrten und verwirrten Frommen in den Kirchen, im Judentum, im Islam …die Liste weiterer Beispiele ist lang.

4.
Am 30. und 31. Juli 2026 erreichten 70.000 AfrikanerInnen und Afrikaner von Marokko aus die spanische Exklave CEUTA. Europas Politiker waren schon geübt, dieses Ereignis mit militärischen Begriffen zu deuten: Von Invasion war die Rede, von Ansturm, Überfall, Chaos. Diese „Horden“ der Eindringlinge wurden in Ceuta nicht elementar menschlich versorgt. Die Bevölkerung Ceutas und die ganze freie, Welt war glücklich, als die meisten schnell wieder nach Marokko zurückkehrten. Flüchtlinge aus dem Südsudan waren einige Wochen auf der Flucht: Im Süd -Sudan gibt’s eigentlich keine Überlebensbedingungen mehr, aber die demokratischen Staaten können nicht, wollen nicht, die herrschenden Verbrecher vertreiben.
Die mehrheitlich konservativen EU Politiker waren heilfroh, dass keinem Flüchtling von Ceuta Ende Juli 2026 die Flucht aufs spanische Festland gelang.
Nebenbei: Mit dem Bau der modernen Festungsanlage rund um Ceuta wurde schon 2005 begonnen. Jetzt wird mit vielen Millionen Euro weiter aufgerüstet, es wird ein besseres Frühwarnsystem installiert. Vor wem waren Frühwarnsysteme? Vor Flüchtlingen als Feinden, wie im Krieg!

5.
Es ist höchst merkwürdig: Soweit wir sehen, wird in den Medien kaum an die erste, ähnliche Flüchtlingsbewegung von Marokko aus nach Ceuta erinnert: Am 17. Mai 2021 ließ die Regierung Marokkos den Übertritt von etwa 12.000 Menschen in die spanische Exklave Ceuta zu. „Die marokkanischen Behörden ermutigten die Menschen eindeutig zum Gehen“, schreibt der Historiker Timothy Garton Ash (Fußnote 1).Der Grund für die „Großzügigkeit“ des marokkanischen Königs: „Seine Verärgerung über das Verhalten der spanischen Regierung gegenüber der Westsahara“, so Ash, (ebd. S. 285.)

6.
Die unerwartete Anwesenheit von mindestens 70.000 Menschen aus Afrika in der spanischen Exklave Ceuta am 30.und 31.Juli 2026 ist ein „historisches Datum“.

Die mehrheitlich rechts oder rechtsextrem orientierten Politikerinnen Europas nützen diese „Invasion der Fremden“ als Chance und entwickeln nun eine noch rigidere Flüchtlingspolitik. Sie vergessen wie üblich in ihrem Kampf gegen „die“ Flüchtlinge, dass Not, Armut und Ungerechtigkeit diese Menschen zur Flucht treiben. Dabei ist die Not für die meisten Menschen in Afrika mit-verursacht von der nach wie vor kolonialen Afrika (Wirtschafts -) Politik der EU. Anstelle einer gerechten (Wirtschafts-) Politik zugunsten der Armen werden in Europa Projekte entwickelt, abgewiesene Flüchtlinge in Lagern – etwa in Albanien oder Ruanda – unterzubringen. KZ-ähnliche Lager zur Abwehr afrikanischer Flüchtlinge finanziert die EU seit Jahren schon in Libyen. LINK
Die rechten und rechtsextremen PolitikerInnen der EU halten sich eher an die Herrscher – Cliquen Afrikas, man nennt sie in diesen Kreisen „Eliten“.
In Deutschland werden Abschiebungen von Flüchtlingen organisiert, Abschiebungen, die man,„Remigrationen“ nennen muss, durch den „christlich-sozialen“ Innenminister Alexander Dobrindt, Quelle: LINK.

Die zentrale Forderung der AfD, die „Remigration“ der Flüchtlinge, ist durch Minister Dobrindt (CSU) bereits Realität! Die AfD freut sich über diese Kollaboration.
Damit wir nicht von unverschämter Kritik belästigt werden: Wir sind nicht für eine totale Öffnung Europas „für alle“, aber wir bestehen auf den Standards, die in verschiedenen Menschenrechts – Erklärungen von europäischen Staaten und deren Bürgern eigentlich unterschrieben und eigentlich akzeptiert wurden, einst…

7.
Auch Kanzler Merz (CDU) hat den Brief der Neofaschistin und Ministerpräsidentin Italiens Meloni unterzeichnet: Darin wird die sozialistische Regierung Spaniens wird wegen der Ereignisse in Ceuta massiv angegriffen: Die letzte linke, in der Flüchtlingspolitik eigentlich etwas humane Regierung soll offenbar von Rechten und Rechtsextremen kaputt gemacht werden. Dabei folgte der spanische Ministerpräsident Sanchez einem gleichermaßen humanen wie auch wirtschaftlich sinnvollen Kurs: Bis jetzt irregulär in Spanien lebenden Lateinamerikanern wird eine Aufenthaltserlaubnis und einen Arbeitsstatus gegeben. Denn Migration ist für Europa keine Bedrohung, sondern eine zu fördernde Realität in unserer globalen Welt.

8.
Wir haben den fürs humane Leben wichtigen Begriff der Identität nicht vergessen. Die Identität eines Menschen bedeutet nicht die totale Abkapselung des Individuums, das Fixiertsein allein auf sich selbst. Das wäre der Abgrund des totalen Egoismus. Identität bedeutet für Menschen immer Verbundenheit mit anderen. Das Ich lebt nur dank der vielen Du, der vielen unterschiedlichen Wir in der Gesellschaft. Die Identität Europas ist nicht der abgeschlossene Nationalstaat, sondern das gleichberechtigte Miteinander der Verschiedenen, zu denen auch Flüchtlinge aus der Ferne, etwa aus Afrika gehören.
In einer globalen Welt können die EuropäerInnen, die vergleichsweise noch wie auf einer „Insel der Seligen“ leben, niemals wie abgekapselte Egoisten ein menschenwürdiges Leben führen. Sondern immer nur als Menschen, die das große Miteinander, das Wir, leben und lieben und die das Wir fördern, auch mit den „Anderen“ aus „anderen Kulturen“, den Flüchtlingen. Und die werden, gut respektiert und integriert, auch die Gesellschaft hier im wahrsten Sinne bereichern…

9.
„Alle haben die Absicht, Mauern zu errichten und die meisten tun es bereits.“ Diese leider zutreffende These, ein „Wortspiel“ mit dem bekannten Zitat Ulbrichts kann nur von Menschen (und PolitikerInnen) korrigiert werden, die den Egoismus der Reichen als die zentrale Verfehlung der Europäer (und Nordamerikaner…) erkennen und anerkennen. Der Historiker Timothy Ash betont: „Wenn sich die Kluft zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden infolge von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und schlechter Regierungsführung weiter vergrößert, werden keine europäischen Verteidigungsanlagen mehr ausreichen. Immer mehr Menschen werden über diese Zäune klettern (das schreibt Ash 2022!)…Was wird Europa dann tun? Noch höhere Mauern bauen? Todesstreifen Anlagen? Menschen einfach ertrinken lassen?“
Die EU Politiker haben jedenfalls nach den „Ereignissen“ in Ceuta am 30.Juli 2026 fest versprochen: Die Grenzen noch viel sicherer, also unüberwindbar, zu machen. Die Festung Europa wird noch fester, fest versprochen.

10.
Ist die Errichtung einer Brandmauer durch die demokratischen Parteien in Deutschland gegen die AfD eine die Not wendende Mauer? Oder hat die AfD mit ihrer rechtsextremen Politik diese Brandmauer errichtet?
Das Problem ist: Sollen sich Demokraten gegen alle WählerInnen der AfD durch eine Mauer abgrenzen und gegen diese verteidigen, dürfen sie die AfD – WählerInnen isolieren und als „nicht zur Demokratie zugehörend“ betrachten? Oder sollte man sogar zwischen rechtsextremen AfD WählerInnen und bloß frustrierten AfD Wählern unterscheiden? Oder gilt die Ablehnung, die ein Brandmauer in diesem politischen Sinne meint, nur der nachgewiesen rechtsextremen Führung der AfD?
Immer wieder wird selbst noch im August 2026 – vor den Wahlen in Sachsen – Anhalt – ein Verbot der AfD gefordert: Wir meinen, diese ewigen Diskussionen kommen jetzt viel zu spät. Demokraten in Deutschland sind unfähig, antidemokratische Organisationen sehr früh, im Status des Entstehens, zu erkennen und zu verbieten. Und die Anhänger dieser Parteien zu überzeugen, dass es grundsätzlich keine Alternative zur Demokratie gibt, ohne dabei die Fehler der Demokraten zu verschweigen.

11.
Interessant ist, den Begriff Brandmauer als Fachbegriff der Architektur zu betrachten: Wikipedia schreibt: „Eine Brandwand oder Brandmauer (selten auch Brandschutzwand, früher auch Feuermauer und Brandgiebel) ist eine Wand, die durch ihre besondere Beschaffenheit das Übergreifen von Feuer und Rauch von einem Gebäude oder Gebäudeteil zu einem anderen verhindern soll.“ Längst hat der Rauch und das Feuer der AfD andere Gebäude, also andere Parteien, erreicht. Die AfD hat – mit anderen rechtsextremen Parteien und Organisationen – bereits das politische Klima vergiftet, die Schleusen von Hass und Gewalt geöffnet. In dieser Situation ist es gefährlich, in sogenannten Einzelfällen gelegentlich mit diesen Brandstiftern zu kooperieren. Wer einmal sagt: Die AfD ist nicht so schlimm, wird es auch bei weiteren politischen Entscheidungen sagen. Es gibt bereits eine Kooperationen etwa der CDU mit der AfD, etwa bei gemeinsamen Abstimmungen oder Absprachen, etwa in Kommunal- und Kreistagen..

12.
Wir haben vor einigen Jahren, 2021, unserer Erinnerung an den 13. August 1961, auch auf den Vatikan – Staat (auch den „Heiligen Stuhl“) mit seinen dicken, fetten und unzerstörbaren Mauern hingewiesen. Beton ist gar nichts dagegen. Diese Kirche hat sich seit Jahrhunderten schon an ihrem Stammsitz Vatikan, dem Ort aller päpstlichen Behörden, eingemauert. Obwohl Papst Leo XIV. sicher auch sagen kann: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ Aber er bleibt bei den wie Beton wirkenden Dogmen (etwa zur Erbsünde) und hält an Beton – Traditionen fest (etwa das Zölibatsgesetz, das Nein zum Priestertum der Frauen usw.). Alle Offenheit und Freundlichkeit des Papstes wirkt eher wie gespielt, wenn nicht verlogen, solange er die Mauern seiner Kirche nicht abreisst, und das läge in seiner Allmacht… Aber das tut er nicht. Der Klerus will absolut nicht auf seine Vor-Macht niemals verzichten. Sie soll ja von Gott höchstpersönlich verfügt sein…LINK

13.
„Alle haben die Absicht, Mauern zu errichten und die meisten tun es bereits.“ Mit unserem Titel haben wir darauf hingewiesen: Die meisten europäischen PolitikerInnen und die ihnen folgenden BürgerInnen/WählerInnen aktualisieren in der „Flüchtlingspolitik“ auf paradoxe Weise das Statement des DDR Chefs Walter Ulbrichts: Auch heute wird jeder Politiker sagen: Er habe doch nicht die Absicht, Mauern um Europa herum zu errichten.

14.
Das Datum des Mauerfalls, 7. November 1989,  war in Europa offenbar nur ein kurzes Intermezzo der Freiheit und universellen Menschenrechte: „Der Mauerfall“ 1989 ist heute, 2026, nur noch ein poetisches, ein nostalgisches Wort in der realen Politik Europas und der USA, die überall Mauern errichtet…

Fußnote 1: Timothy Garten Ash, „Europa. Eine persönliche Geschichte“. DTV, 2023, S. 386.

Fußnote 2: Zit. aus dem sehr empfehlenswerten Buch „Hinter Mauern. Geschlossene Grenzen als Gefahr für die offene Gesellschft“ . Hg. Volker M. Heins und Frank Wolff, Suhrkamp, 2023, zit. S. 99.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

Islamisten und Rechtsradikale in Deutschland: Vereint im Hass auf Homosexuelle und Queers

Töten und Zerstören: Das ist die Praxis der Mörder des fundamentalistischen Islams, der Anhänger des IS.  Zum Attentat anläßlich des CSD Festivals am 25. Juli 2026 in Berlin.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 26. Juli 2026 um 21.00 Uhr

Nur einige Hinweise:

1.
Nach dem Mord und den Attacken durch den IS -Mörder am 25.7.2026 wird von Frau Klöckner CDU die Flagge des Reichstags auf Halbmast gesetzt. Frau Klöckner, Bundestagspräsidentin, hatte sich zuvor explizit geweigert, ein viel wichtigeres Symbol zu setzen: Sie weigerte sich, den Reichstag mit der Regenbogen – Flagge anläßlich des CSD zu schmücken. Das wäre ein starkes Signal gewesen: Die Demokratie in Deutschland ist aufseiten der Homosexuellen und Queers. Das wollte Frau Klöckner trotz zahlreicher Proteste nicht. Die Trauer – Flagge hat jetzt etwas Scheinheiliges.
Jetzt wird von höchsten CDU Politikern beteuert: Wie sehr doch die Vielfalt, das Bunte, wie sie sagen, geschützt werden muss. Ich würde mir wünschen, wenn Klöckner, Dobrindt, Merz usw. glaubhaft und ohne Floskeln sagen: Wir stehen ganz aufseiten der Queers, der Homosexuellen und ihr Leben in Vielfalt. Sie sind ein Symbol unserer demokratischen Freiheit und der Geltung der universell geltenden Menschenrechte.

2.
Was sagt der katholische Erzbischof von Berlin am 26.7. morgens zum Morden beim CSD Festival: „Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören. Wir sind mit unseren Gebeten bei allen Opfern und ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden und auch bei allen, denen der Hass die Freude genommen hat. Wir halten Fürbitte in unseren Sonntags-Gottesdiensten für alle Betroffenen und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft. Der Hass darf nicht gewinnen.“
Das Wort Homosexuelle, Queers ,sucht man in diesem frommen bischöflichen Floskel – Erguss vergebens. Wie üblich und wie in frommen Worten auch total hilflos wird zum Beten aufgerufen. Ja betet mal, ihr Kirchenfürsten, wird Gott die kirchenamtliche Verfolgung und die bis heute im Katechismus fixierte Diskrimierung von Homosexuellen verzeihen?
Es geht ja auch nicht um „den Hass“, wie Bischof Koch meint, es geht um den sehr speziellen konkreten Hass auf Homosexuelle und Queers.
Die katholische Kirche war sich bekanntlich im Unterschied zur Evangelischen Kirche in Berlin zu fein, einen eigenen Wagen der katholischen Kirche bei der Demo am 25.5. 2026 in Berlin zu gestalten. Wahrscheinlich hätten auf dem Wagen dort viele schwule Priester und lesbische Nonnen gern der Menge segnend zugewinkt. Es ist blamabel, wie sich die katholische Kirche in Berlin gegenüber den Homosexuellen und Queers verhält. Aber: Vielleicht interessiert sich ja wirklich niemand mehr in Berlin für diese Institution…

3.
Am wichtigsten ist die Erkenntnis: Der Homo-Hass und der Hass auf Queers durch islamische und islamistische Kreise ist sehr verwandt mit dem bekannten Homo – Hass und dem Hass auf Queers durch die verschiedenen rechtsextremen, faschistischen Gruppen und Parteien in Deutschland jetzt.
Man beachte bitte: CSD Festivals in ostdeutschen kleinen und größeren Städten kommen ohne heftigen Polizei-Schutz schon seit Jahren gar nicht mehr aus. Wir haben um der Schnelligkeit wegen KI zum Thema befragt: Jede LeserIn wird weitere Beispiele dafür finden, dass normales Feiern und Demonstrieren durch Homosexuelle und Queers vor allem in ostdeutschen Städten und Städtchen gar nicht mehr möglich ist. Homosexuelle und Queers leben dort förmlich unter Polizeischutz, das ist die Tatsache. Aber weil die CDU/CSU sozusagen die AfD rechts überholen will (Stichwort Asylpolitik) wird sich daran nichts ändern.
Also hier nur einige Beispiele von KI unvollständig übermittelt:

4.
„Zahlreiche CSD-Veranstaltungen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen standen wegen rechtsextremer Mobilisierungen und Bedrohungen unter erhöhtem Polizeischutz, darunter vor allem in Cottbus, Bernau, Falkensee, Bad Belzig sowie in Magdeburg und Halle (Saale).

Brandenburg
Cottbus: Nach vorangegangenen Brandanschlägen und Angriffen fand der CSD hier unter starker polizeilicher Sicherung statt.
Bernau, Falkensee und Bad Belzig: Kleinere und größere CSD-Proteste in brandenburgischen Städten wurden aufgrund direkter Mobilisierungen und Gegenproteste aus dem rechtsextremen Spektrum massiv von der Polizei begleitet.
Bad Freienwalde und Eberswalde: Nach konkreten Angriffen auf queere Veranstaltungen und Feste für Vielfalt (wie in Bad Freienwalde) war die Polizeipräsenz bei den dortigen beziehungsweise nachfolgenden Pride-Aktionen deutlich erhöht.
Sachsen-Anhalt
Magdeburg: Der CSD verzeichnete zwar tausende Teilnehmende, musste jedoch zum Schutz der Menge großflächig von Einsatzkräften begleitet werden.
Halle (Saale): Auch hier begleitete die Polizei die Veranstaltung wegen angedrohter rechter Gegenproteste intensiv, die von Gruppen wie den „Jungen Nationalisten“ angemeldet worden waren.
Thüringen
Erfurt, Sonneberg und Nordhausen: Die dortigen CSD-Demonstrationen für Weltoffenheit und Vielfalt wurden von den Behörden angesichts eines zunehmend angespannten sicherheitspolitischen Klimas und rechten Gegenprotests mit verstärkten Schutzkonzepten versehen.

Zur Gewalt durch rechte und Rechtsextreme gegen Queers – nur in Berlin – siehe : LINK. Siehe auch den Maneo-Report: LINK

Ben Miller, Schwules Museum Berlin, Im Interview mit dem ND am 28.7.2026:

„Es gibt einen rasanten Anstieg von queerfeindlichen Übergriffen. Da geht es nicht nur um Parolen, sondern immer wieder auch um Gewalt. Und das aus jeder gesellschaftlichen Ecke. Es gibt keinen queeren oder trans Menschen, der nicht schon mal mit Bedrohungen auf der Straße oder im Netz konfrontiert war. Die Reaktion der Politik darauf ist, queere Infrastruktur kaputt zu sparen. Wenn man an Präventionsmaßnahmen, am Kampf gegen Homo- und Transphobie oder an den sozialen Strukturen der queeren Community spart, steigt die Wahrscheinlichkeit von Gewalt.

Welche Bedrohung stellt Islamismus für queere Communitys dar?
Gewalt gegen queere und trans Menschen hat ihren Ursprung in Homo- und Transphobie. Mir fehlt die Auseinandersetzung mit diesen Ideologien im aktuellen Mediendiskurs. Was die meisten dieser Angriffe gemeinsam haben, ist, dass sie von jungen Männern mit patriarchalischen Weltanschauungen ausgehen. Manchmal rechtfertigen sie ihre Taten mit religiösem Fanatismus, manchmal mit Antifeminismus, manchmal mit der Sorge um den Fortbestand des vermeintlichen Volkes. Wir wissen, dass laut Kriminalstatistik rechtsextreme Gewalt andere genannte Ursachen für Angriffe auf queere und trans Personen bei Weitem übertrifft. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern aus dem Inneren »unserer« Gesellschaft.

Siehe die ausführlichen Infos: LINK:

5.
Mit der gleichen Intensität, mit der nun (potentielle) IS – Mörder in Deutschland beobachtet und bestraft werden, sollten auch die rechtsextremen Feinde des demokratischen Lebens beobachtet und bestraft werden, also die Feinde der völligen Gleichberechtigung homosexuellen und queeren Lebens. Dass das geschieht, wünschen sich viele der noch verbliebenen Demokraten dringend. Sie zweifeln aber an der Kraft etwa der CDU/CSU über großspurige Worte der „tiefen Trauer“ hinaus tatsächlich wirksam die rechtsextremen Feinde homosexuellen und queren Lebens zu verfolgen und zu bestrafen. Bald werden die Demokraten in Deutschland erleben, was eine AfD Regierung etwa in Sachsen – Anhalt für Unheil anrichtet…

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-Salon.de

 

 

Für einen Bischof in Uganda sind Menschenrechte wichtiger als Bibelsprüche und dogmatische Lehren

Erinnerung an Bischof Christopher Senyonjo, den Verteidiger und Beschützer der Homosexuellen in Uganda

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.7.2026

1.
Bischöfe loben: Das geschieht eher selten im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin. Denn für uns stehen Bischöfe wie alle sich religiös oder speziell christlich nennenden Menschen UNTER den Menschenrechten. Zuerst entscheidend sind die universell geltenden Menschenrechte, und dann danach die religiösen, christlichen Lehren, die mit Argumenten der Vernunft gelesen werden müssen.

2.
Heute müssen wir an einen Bischof der Anglikanischen Kirche im afrikanischen Uganda lobend erinnern: Christopher Senyonjo, emeritierter Bischof von Buganda, ist am 19.Juli 2026 im Alter von 94 Jahren gestorben. Bischof Senyonjo war die stärkste christliche Stimme, die mit allem Nachdruck die totale, auch gesetzlich fixierte Repression des Staates Uganda gegen Homosexuelle und alle Queers verurteilte. (Eine sehr ausführliche Würdigung dieses außergewöhnlichen Bischofs bietet Wikipedia, hier eine von Wikipedia angebotene Übersetzung, Fußnote 1).

3.
Es gibt noch eine Vereinigung „Sexuelle Minderheiten in Uganda“ (SMUG) und die „Association zur Verteidigung der Rechte der Homosexuellen (FARUG)“, die ausdrücklich an Bischof Senyonjo erinnern: “Er war eine seltene, großartige Seele, die nicht nur Liebe predigte, sondern sie jeden Tag praktisch lebte.“

4.
In Uganda nennen sich 80 Prozent der Einwohner Christen in verschiedenen Kirchen und Konfessionen. Seit 2023 herrscht in Uganda eines der repressivsten Gesetze gegen Homosexuelle. Und dieses Gesetz wird offen vom anglikanischen Klerus in Uganda unterstützt. Wie so oft behaupten auch die anglikanischen Feinde der universell geltenden Menschenrechte: „Homosexualität wurde uns Afrikanern von außen aufgezwungen, von Fremden, gegen unseren Willen und gegen unsere religiösen Überzeugungen“, so der oberste Kirchenchef der Anglikaner in Uganda, Stephen Samuel Kaziimba Mugalu. Eine Position, die auch von sehr vielen katholischen Bischöfen und Kardinälen vertreten wird, wie jüngst von dem weltweit schon bekannten Feind homosexuellen Lebens und Liebens, dem Kurien-Kardinal Robert Sarah, Rom, er stammt aus Guinea, über ihn haben wir schon oft berichtet. LINK.

5.
Aber Bischof Christopher Senyonjo dachte und handelte menschlich: Er wehrte sich – zumal als emeritierter Bischof – gegen die sogenannte „Therapie“ der „Heilung“ von Homosexualität, er eröffnete in der Hauptstadt Kampala ein Beratungszentrum für Homosexuelle als Hilfe und Zuflucht für Homosexuelle.
Die anglikanische Episcopal Church in den USA unterstützte ihn, während Bischof Senyonjo von seiner eigenen Kirche ihn Uganda ausgeschlossen wurde, weil er, so wörtlich, „offen die Lehren der Bibel zur menschlichen Sexualität entstellte.“ Bischof Senyonjo entgegnete: „Ich kann doch Homosexuelle nicht verurteilen, denn ich bin aufgerufen jedem Menschen zu dienen, vor allem, jenen, die marginalisiert sind. Man kann die Bibel doch nur in dem Zusammenhang von Homosexualität zitieren, wenn man genau den Kontext beachtet“, also sich von fundamentalistischer Bibellektüre befreit.

6.
2010 wurde in Uganda ein Foto in der Presse veröffentlicht: Es zeigt Bischof Senyonjo mit David Kate, einem der führenden Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen. Der Kommentar der Zeitungen: „Diese beiden sind die wichtigsten Homosexuellen im Land. Ergreift sie“. David Kato wurde „ergriffen“ und einige Monate nach den Zeitungsberichten ermordet. Bischof Senyonjo sprach Gebete bei dessen Bestattung. Über David Kato: Siehe : https://www.bbc.com/news/world-africa-12295718

7.
Es geht in den christlichen Kirchen Afrikas heftig gegen die Rechte von Homosexuellen. Die Anglikanische Weltgemeinschaft droht deswegen zu zerbrechen: die anglikanischen Feinde der Menschenrechte in Afrika nennen sich „orthodox“, rechtgläubig. Sie wollen eine eigene afrikanisch-anglikanische Allianz bilden. Offenbar ist es den vernünftigen Anglikaner in England oder in den USA nicht gelungen, ihre lieben Mitbrüder in Afrika von der Vorherrschaft der Menschenrechte vor allen dogmatischen Lehren zu überzeugen. Dann sollen diese „orthodoxen“ Anglikaner doch ihren eigenen Weg gehen. Jedenfalls hat die Vernunft in der anglikanischen Kirche NICHT gesiegt. Eigentlich eine Blamage.

8.
Um den Schutz der Homosexuellen und Afrika müssen sich dann internationale Organisationen und die noch verbliebenen demokratischen Staaten in Europa wirksam kümmern …. falls sie noch bereit sind, Flüchtlinge aus Uganda etwa aufzunehmen.

9.
Auch in der katholischen Kirche gibt es tiefste Spannungen: Die allermeisten afrikanischen Kirchenführer, Bischöfe und Kardinäle, sind explizite Feinde der Gleichberechtigung von Homosexuellen in den Staaten und der Kirche. Und der Papst will die zahlenmäßig wachsende Katholische Kirche in Afrika nicht irritieren. Deswegen hält er sich im Blick auf Europa mit einer vernünftig wie christlich gebotenen Gleichberechtigung für Homosexuelle zurück und lässt Segnungen von homosexuellen Paaren nur unter aller größten Einschränkungen sehr ungern noch zu. Das heißt: Der Papst, der Vatikan, die meisten Bischöfe wollen absolut nicht, dass Homosexuelle als völlig gleichberechtigte Menschen in der Kirchen und in den Staaten leben. Mit anderen Worten: Auch diese katholischen Kirchenführer in Rom und anderswo sind wie die anglikanischen Kirchenführer in Uganda und Afrika – reaktionär. (Siehe Fußnote 2: Einige führende katholische Bischöfe Afrika gegen die Rechte der Homosexuellen)

10.
Über dieses unverschämte, unmenschliche Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Queers durch Politiker und Kirchenführer (von muslimischen Führern wollen hier erst gar nicht reden…) wird in der Soziologie und Anthropologie und Politologie vielfach geforscht. Zentrale Erkenntnisse zur „Homofeindschaft“ der etablierten Kreise in Afrika:
Sie lenken mit dieser verbrecherischen Ideologie ab von den echten Problemen Afrikas (Armut, eigene Korruption!, Ungerechtigkeit etc..)
Sie wollen ihre Souveränität dokumentieren.
Sie ignorieren die deutlichen Forschungsergebnisse: Vor der Kolonisierung Afrikas gab es meist keine Abwehr von Homosexualität.
Zumal die homo-feindlichen Bischöfe geben sich als treue Schüler der europäischen Missionare des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie lehrten einst in ihrem eigenen, damals üblichen europäischen Anti – homo – Wahn die neugierigen „Heiden“ Afrikas: Der liebe Gott liebt keine Homosexuellen. Und diese Lehre garnierten sie mit ein paar Bibelzitaten, die sie den staunenden Heiden als Gottes Wort verkündeten. Und die „bekehrten“ Heiden gehorchten.
Nebenbei: Es ist manchmal befremdlich, dass keine Predigten der Missionare in Afrika im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlicht werden. Sind alle diese Dokumente verschwunden? Oder: Werden sie vor kritischem Zugriff versteckt und verschlossen? Wahrscheinlich ist das so.

11.
Man wird nicht die Verteidigung der universell geltenden Menschenrechte, auch für die Menschen in Afrika, auch für Homosexuelle und Queers in Afrika, als eine Form des Kolonialismus bezeichnen und die Menschenrechts – Aktivisten verurteilen. Und man wird doch wohl nicht die politischen und religiösen Verbrecher in Afrika als kulturell korrekt geortet in ihrer „ureigenen“ Kultur loben?

Wer dieser Überzeugungen folgt, entspricht den ideologischen Restbeständen einer in Pluralismus zerfallenden „Post – Moderne“. Demnach hat jeder irgend recht… Wir weisen diese Ideologie mit gutem Grund als inhuman zurück. Die in etwas Freiheit und manchmal in Gleichberechtigung lebenden Europäer dürfen nicht sagen: „Na, dann sollen die Homosexuellen in Afrika halt umgebracht werden, wenn sie sich nicht der Ideologie ihrer korrupten politischen Herrscher anpassen wollen oder den uralten Sprüchen der Bibel.“
Aber die gequälten Opfer der Gewaltregime auch in Afrika fordern doch nur eins: Die Geltung der Menschenrechte auch für sie und alle Menschen.

FUßNOTE 1:
In ausführlicher Beitrag von WIKIPEDIA:
https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Senyonjo

FUßNOTE 2:
Wir nennen Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Demokratische Republik Kongo). Er behauptet: Homosexualität sei in Afrika eigentlich gar kein Thema, deswegen braucht die Kirche auch keine Segnung vom homosexuellen Paaren.

Wir nennen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Ghana, Bischof Matthew Kwasi Gyamfi. Er sagt öffentlich: Homosexualität sei verabscheuungswürdig, er fordert Strafen für Homosexuelle.

Wir nennen die Katholische Bischofskonferenz von Nigeria (CBCN): Sie weigert sich Homosexuellen zu segnen. Diese Segnung sei ein Verstoß gegen Gottes Gesetz, und: diese Segnung passe nicht zur afrikanischen Kultur.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Kollaboration rechtsextremer Parteien mit katholisch- nationalistischen – rechtstextremen Parteien in Polen

Jordan Bardella, Präsidentschaftskandidat der äußerst rechten Le – Pen – Partei („Rassemblement National“, RN) schafft Allianzen mit Polens rechtsextremen Parteien

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6. Juli 2026

1.
Über die aktuell regelmäßige Zusammenarbeit rechtsextremer Parteien in Europa ist schon viel publiziert worden. Und einige Erkenntnisse zu dieser europäischen Allianz der rechtsaußen Parteien haben sich herumgesprochen, hoffen wir.
Europas Staaten sind schon jetzt rechtslastig, oft rechtsextrem und es wird wohl immer schlimmer. Wir dokumentieren ein weiteres Faktum.

2.
Jordan Bardella, neben Marine Le Pen, Chef der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“ und möglicher Präsident Frankreichs 2027, knüpft Bündnisse mit katholisch geprägten Rechtsaußen – Parteien in Polen … bei seinem Besuch in Warschau am 18. und 19.Juni. Dort wurde Bardella geradezu pompös empfangen, wie in großer Staatsmann.
Diese Rechtsaußen Parteien in Polen machen allen demokratisch Gesinnten das Leben schwer, haben aber enormen Rückhalt unter den immer noch zahlreichen praktizierenden Katholiken. Die wichtigste rechtsextrem – katholische – nationalistische – antisemitische Stimme Polens ist das Radio – Medien -Imperium „Radio Maryja“. Selbst den wenigen progressiven Bischöfen Polens ist es nicht gelungen, durch päpstlichen Druck ein Ende dieses Imperiums zu erreichen. Die Geduld der offiziellen katholischen Kirche mit rechtsextremen Katholiken (nicht nur in Polen) ist bekanntlich sehr groß.

3.
Wie gesagt, am 18.und 19. Juni 2026 besuchte Jordan Bardella Warschau, und zwar die rechtsextreme Partei „Nationale Bewegung“, die auch im Europa – Parlament vertreten ist. Vermittelt wurde das glanzvoll inszenierte Treffen von der erz-katholischen PiS Partei. Bardella hatte auch Gespräche mit dem PiS Chef Jaroslaw Kaczynski und mit dem Staatspräsidenten Karol Nawrocki, er ist PiS sehr nahestehend. Aber die sehr rechtsextreme polnische „Nationale Bewegung“, sozusagen der „Partner“ Bardellas und seiner Partei, ist dem Staatspräsidenten dann selbst doch etwas zu extrem. Deswegen wollte der Präsident keinen Medienrummel zu seiner Begegnung mit Bardella. LINK

4.
Gott sei Dank ist Bardella nicht homosexuell, in dem Falle hätten ihn die polnischen Politiker sicher erst gar nicht empfangen. Bardella ist hingegen nicht getauft, er nennt sich konfessionslos. „Dieser Makel“ spielt im politischen Kalkül der rechtsextremen Katholiken und ihrer Parteien aber offenbar keine so große Rolle.

5.
Der katholische Milliardär Vincent Bolloré hat in seinem Verlag Fayard (Paris) kürzlich eine Art politische Programmschrift Bardellas veröffentlicht: „Ce que veulent les Français“ („Was die Franzosen wollen“). Auch in Frankreich läuft die Zusammenarbeit Rechtsextremer (Millionärs-) Katholiken und rechtsextremer Politiker offenbar wie geschmiert. Zum Milliardär und Medienmogul Bolloré: LINK.
Und auch „Katholische Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“: LINK

6.
Wer ist noch in der Lage, der Kollaboration rechtsextremer Parteien in Europa, inklusive der rechtsextremen Katholiken und ihrer finanzstarken Netzwerke, Widerstand zu leisten?
Wer kann noch wirksam zeigen: Katholizismus hat nichts mit rechtsextremen Ideologien und Parteien zu tun? Linke Katholiken wurden von der Kirchenführung ja vergrault oder rausgeschmissen. Es gibt de facto keine linken Katholiken mehr.

7.
In Frankreich sind die Bischöfe allgemein sehr zaghaft gegenüber den rechtsextremen Parteien, wahrscheinlich wissen sie aus repräsentativen Umfragen: Etwa 40 Prozent der noch praktizierenden Katholiken stimmen für Le Pen bzw. den Rassemblement National. Bekanntlich lebt die katholische Kirche Frankreichs vor allem von Spenden der praktizierenden Gläubigen. Rechtsextreme Katholiken können also den ohnehin schwach fließenden Geld- Hahn der Kirche zudrehen und kein Geld mehr spenden. Oder katholische rechtsextreme Milliardäre können helfend ein paar Millionen Euro rüberreichen, aber dabei bestimmen, für welche – ihnen günstige – Projekte ihr Geld verwendet werden soll. Sie können, mit anderen Worten, die Bischöfe und den Rest der Katholiken erpressen… So wird also der Katholizismus, nun unter Druck von rechtsaußen stehend, selbst sehr rechtslastig.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Der 250. Geburtstag der USA: Über den Absturz in eine Form des Faschismus

Ein Hinweis von Christian Modehn am 3. Juli 2026

Das Motto dieses Beitrags ist ein zentrales Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776: „Wenn eine Regierung systematisch und dauerhaft die Grundrechte der Bürger verletzt, um eine absolute Tyrannei zu errichten, ist es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Volkes, diese Regierung zu stürzen.“  (Siehe Fußnote 2.)

1.
Zum Feiern anläßlich des 250.Geburtstages der USA am 4. Juli (2026) sollte uns nicht zumute sein, mit „uns“ meine ich die noch nachdenklichen, kritischen und vor allem demokratisch Gesinnten weltweit. Der 4.Juli sollte ein Tag sein, an dem wir fest in unser Denken und Fühlen einprägen: Die USA stehen jetzt an einem höchst gefährlichen Kipp – Punkt. Die USA rutschen ab in ein Regime, das weder Demokratie oder Republik genannt werden darf. Eher sollte man fürchten, dass da eine Form von Gewaltherrschaft der Superreichen entstanden ist und der super fromm – evangelikalen Feinde der universell geltenden Menschenrechte. Wieder einmal wird der christliche Glaube von nationalistischen, rassistischen, rechtsradadiklen Ideologen missbraucht…
Etliche Politologen und kritische Beobachter schließen es nicht aus, dass sich eine neue Variante des Faschismus in den USA durchsetzt. Dieser Faschismus beginnt mit der Abschaffung von objektiven, überprüfbaren Wahrheiten. Trump begannt sein Regime mit seinem Plädoyer für „alternative Wahrheiten“, die er je nach Laune definiert. Bekanntlich ist der Verzicht auf universell geltende Wahrheiten nichts als ein Ausdruck für den Nihilismus. Darauf hat Friedrich Nietzsche aufmerksam gemacht. Die USA unter Trump also auf dem Weg des Nihilismus: Nichts Wahres gilt mehr. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hält den Nihilismus für eine Form von Glauben, also eine Ideologie,Nietzsche schreibt: „Der Glaube, dass es gar keine Wahrheit gibt, ist der Nihilismus – Glaube.“ (Zu „Nietzsche und der Nihilismus“, siehe Fußnote 1).

2.
Dass die USA an einem Kipp – Punkt stehen ins Autoritäre, sagen viele kritische Beobachter, Spezialisten, Politologen, Historiker, Soziologen. Und jeder kritische Leser von kritischen Zeitungen weiß das längst, verdrängt aber die Fakten oft. Der Vorgänger von Donald Trump im Präsidentenamt, der demokratische Politiker Joe Biden, zeigte sich kürzlich als wahrer Demokrat, also im universellen Sinne von Demokratie, nicht als Parteipolitiker. Biden: Ein heftiger, kluger Kritiker des Trump – Regimes. Am 27. Juni (2026) sagte er im Bundesstaat Maryland: Trump ist, so wörtlich, „inkompetent und korrupt“. „Mit Trump beginnen dunkle Zeiten in den USA“. Trump betreibe, wieder wörtlich, „absichtlich die Deformation und Zerstörung der Nato“. Unter Trump habe sich, „eine dreiste, unverhohlene Korruption auf einem Niveau durchgesetzt, wie es Korruption noch nie in der US – Geschichte gegeben hat.“ (Eine kurze Zusammenfassung von Joe Biden Rede: im Tagesspiegel vom 30.6.2026).

3.
Das Verschwinden von Ethik, Vernunft, Demokratie, Menschenrechten, Respekt vor dem Völkerrecht unter dem Regime Trump ist derart umfassend und unter demokratisch Gesinnten bekannt, dass wir hier nur einige Autoren und einige zentrale Zitate bieten können.
Wenn wir vom Kipp Punkt der USA ins streng Autoritäre und eine Form des Faschismus sprechen, wird nicht geleugnet, dass es Widerstand gegen Trump und seine Bande gibt, dass auch einige Gerichte noch unabhängig arbeiten und gerecht urteilen: Aber die Allmacht der Trump – Leute, unterstützt von den ethisch total abgedrifteten der Tech – Milliardären, wackelt kaum. Trump und seine Leute (Vance!) versuchen die Demokratie in Europa explizit zu schwächen, sie propagieren und unterstützen rechtsradikale Regierungen (bis vor kurzem Orban in Ungarn) oder Parteien, wie die rechtsextreme AfD.
Zusammenfassend:Diese Leute im Trump – Regime wollen die Zerstörung der Demokratie und die Aufhebung der Menschenrechte. Sie wollen eine andere Welt ausschließlich zu ihrem eigenen Vorteil. Und dafür kämpfen sie auch weltweit. Das machte das Trump – Regime so universell gefährlich für die Menschheit.

4.
Vor allem liegt diesen Führern der USA an ihrer ständigen Bereicherung: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet am 1.7.2 2026: Trump hat als Präsident im Jahr 2025 mindestens 1,4 Milliarden Dollar Einnahmen aus seinen Geschäften mit Krypton und Memecoin – Währungen gemacht. „Sein Gesamtvermögen schätzt der Bloomberg Billionaires-Index auf 7,6 Milliarden Dollar“, so die SZ. Bei solchem nur noch absurd zu nennenden Gesamtvermögen einzelner sehnen die demokratische Gesinnten förmlich nach einer bislang für ein Tabu gehaltenen Debatte, einer Debatte zum Thema Enteignung. Sie wäre selbstverständlich sofort von den Milliardären lächerlich gemacht, und die Mitte Parteien und Rechtsextremen würden wie üblich das Gespenst des Kommunismus beschwören. Denn, auch die dem kapitalistischen System nahestehenden großen Kirche sagen das: „Privateigentum ist heilig, muss aber doch ein bißchen am Gemeinwohl orientiert sein“.
Ein Freund sagte mir: „In solchen Momenten der Erkenntnis der Allmacht der Milliardäre freut man sich letztlich, dass auch Milliardäre sterbliche Menschen sind, selbst wenn sie als Transhumanisten vielleicht 120 Jahre alt werden und die Welt weiter ruinieren und zerstören…Eine bewohnbare Erde werden sie – bei dieser ihrer Politik – als 120 Jährige vielleicht sowieso nicht mehr erleben….

5.
Zunächst: Der us-amerikanische Historiker Timothy Snyder – inzwischen wegen des Trump Regimes nach Kanada geflüchtet – hat sich mehrfach zum Trump – Regime geäußert: In der Süddeutschen Zeitung, 25. Juni 2026, Seite 9, bezieht er sich unter dem Titel „Kapitulation eines Dealmakers“ auf den für die USA gescheiterten Iran – Krieg. Der Historiker Snyder beurteilt Trump als einen Herrscher „mit Bosheit, kombiniert mit erstaunlicher Dummheit, der eine Weltmacht in die Selbstzerstörung“ führt. Bezogen auf den Iran – Krieg schreibt Snyder: „Krieg aus einer Laune heraus zu führen – wie es Trump tut – ist ein Symptom der Tyrannei…Diesen Kriegen muss man sich widersetzen. Trump ist, so Snyder, „von Hartherzigkeit und Einfalt bestimmt“.

6.
Das Buch „Die Stunde der Raubtiere“ des international geschätzten Historikers und Autos Giuliano da Empoli (C.H.Beck Verlag 2025, 3. Auflage) beurteilt Trump eindeutig: „Der amerikanische Präsident Trump führt einen bunten Tross hemmungsloser Autokraten an, bestehend aus Tech – Konquistadoren, Reaktionären und Verschwörern, die es gar nicht erwarten können, dass der Kampf endlich losgeht. Vor uns tut sich eine Zeit grenzenloser Gewalt auf und die Verteidiger der Freiheit scheinen auf die sie erwartende Aufgabe ganz besonders schlecht vorbereitet.“ (S. 40).

7.
Rainer Mühlhoff, Philosophieprofessor an der Uni Osnabrück, hat eine viel beachtete Studie über „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ veröffentlicht, Reclam 2026, 12. Auflage. Für Mühlhoff ist klar, dass das „Trump Regime – neben der AfD – transgressive Kräfte verkörpert“ (S. 120) und tendenziell faschistisch ist. Unter transgressiven Kräfte sind jene politischen Bewegungen, Aktionen und Ideologien gemeint, die bestehende Normen, Werte überschreiten und auflösen wollen.
Mühlhoff betont: „Transgressive Kräfte bestimmen die faschistischen Regime, sie sprengen Normen und demokratische Systeme und zerstören sie.“… „Faschismus bezeichnet damit kein bestimmtes politisches System, sondern eine Charakterdisposition und ihre politische Wirkungsweise.“ (S. 118). Diese Kräfte setzen sich jetzt in den USA offensichtlich mit Gewalt durch.

8.
Der Journalist und USA – Experte Arnd Henze fragt in einem Beitrag für „Publik – Forum“ (Heft 11/2026, S. 14) wo denn die langfristigen Voraussetzungen zu sehen sind für das Aufkommen des autoritären Trump – Regimes: „Es wurde vor etwa 50 Jahren ein Parallelimperium christlich nationalistischer Bildungseinrichtungen geschaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße Untergrund Armee christlicher Krieger, wie es der Kriegsminister Peter Hegseth martialisch auf den Punkt bringt.“… „Trump ist ein Präsident, der nur noch in den Allmachts – und Rachefantasien seiner KI-Bilder zu leben scheint. Das alles wird ausgestattet mit den repressiven Instrumenten von FBI, ICE und Border Control nach innen und der größten Militärmacht der Welt.“ Über die politische Bedeutung der weißen Evangelikalen für das Trump Regime siehe die große Studie von Arnd Henze: LINK

9.
Pete Hegseth, der Kriegsminister, ist streng – gläubiges Mitglied einer der hoch problematischen, manche sagen anti-christlichen fundamentalistischen evangelikalen Kirchen der USA, der „Communion of Reformed Evangelikal Churches“ (CREC). Diese Kirche, von Pastor Doug Wilson 1975 gegründet, gewinnt immer mehr nationalistische Anhänger und hat großen politischen Einfluss, in Washington D.C. gibt es längst ein Zentrum der CREC. Pastor Wilson sagt: „Hegseth ist ein guter Christ“… Und: Der Staat soll das Recht Gottes, das von der Kirche, seiner Kirche, erkannt ist, durchsetzen… Gottesrecht (d.h. Moral dieser Kirche) steht über den Menschenrechten.“ Siehe dazu ein aktuelles ausführliches Porträt zu Hegseth in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (2. Juli 2026, Seite 3).

10.
Die Historikerin Jill Lepore (Harvard Uni, Massachusetts) betont in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ (25. Juni 2026, Seite 6): „Die politische Polarisierung in den USA ist extrem, es herrscht politische und wirtschaftliche Verzweiflung, die Stimmung im Land ist sehr, sehr, sehr gedrückt.“ (Tatsächlich sagt Jill Lenore drei mal „sehr“). „Niemand weiß, was dieser verrückte alte Mann (Donald Trump) macht, wenn er die (Midterms)Wahlen verliert… Mir fällt es schwer, mir vorzustellen, was ein demokratisch kontrollierter Kongress dann tun könnte, um ihn zu stoppen. Wie auch immer die Midterm Wahlen ausgehen, die letzten beiden Jahre mit ihm im Weißen Haus werden wahnsinnig.“

11.
Wir brechen hier unseren „Gruß“, also unsere dringende Warnung, zum 250. Geburtstag der USA ab, alle LeserInnen können aus eigener Erfahrung und Lektüre weitere Studien über die USA unter dem Trump – Regime unternehmen. Und sie werden sich – wie wir – fragen: Wann endlich begreifen die Europäer , auch die deutschen, dass die USA unter Trump keine Freunde sind. Und die Frage reicht weiter: Waren die USA jemals selbstlose Freunde Deutschlands, oder war alles Wohlwollen und alle Hilfe nach dem 2. Weltkrieg zugunsten der BRD ökonomische Kalkül und Abwehr gegen den Erzfeind Kommunismus? Wahrscheinlich ist das so. Es zerbrechen die Illusionen Europas, Deutschlands, gegenüber „den“ USA gerade am 250. Geburtstag.

12.
Wenn wir hier nur auf die Zerstörung der Demokratie in den USA hinweisen und – mit etlichen kritischen Beobachtern – ein Ende der Demokratie in den USA nicht mehr ausschließen, dann haben wir überhaupt nicht die verbrecherische Gewaltherrschaft Putins vergessen oder den Menschenrechts feindlichen Kommunismus von Xi oder den extremen hinduistischen Fundamentalismus von Mori … und auch nicht Netanjahu oder die Herrscher des Iran oder die Rechtsextremen in Argentinien, Chile usw. haben wir vergessen.
Wir wollten nur den USA einen Glückwunsch zum 4.7.2026 senden!

Es bleibt die beunruhigende Erkenntnis: Die meisten Staaten unserer Welt werden zunehmend beherrscht von Autokraten, Diktatoren, Rechtsextremen, Nationalisten und, wie die Historikerin Prof. Jill Lenore sagt, „von einem verrückten alten Mann in den USA.“ Und genauso beunruhigend ist: Die noch wenigen verbliebenen demokratischen Politiker folgen den politischen Mustern des Trump – Regimes…Man beachte die „Abschiebeverordnung“ der EU Kommission. Sie plant, Inhaftierungen von Flüchtlingen und Asyl-Suchenden massiv auszuweiten, Überwachungsbefugnisse zu erhöhen…es soll möglich werden, Menschen in Länder abzuschieben, in denen sie noch nie gewesen sind…Alles nach dem Vorbild des Trump -Regimes.

Fußnote 1 zum Nietzsche Zitat: S. 439 in der gründlichen Studie des Philosophen Wilhelm Weischedel, „Der Gott der Philosophen“, Band I, 1972, Wissenschaftliche Buchges., Darmstadt.

Fußnote 2 zum Text der Unabhängigkeitserklärung: https://www.verfassungen.net/us/unabhaengigkeit76.htm . Im Oval Office ließ Trump die dort sichtbare Unabhängigkeitserklärung mit dem entscheidenden Zitat durch einen blauen Vorhang verdecken. Er will nicht daran denken, dass er und sein Regime vom Volk gestürzt werden könnten…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.