„DIE ZEIT“ verbreitet Legenden und Fake News zur Kirchengeschichte

Manfred Lütz und sein Skandalbuch „Skandal der Skandale“ wird von Jens Jessen (DIE ZEIT) verteidigt.

In der Ausgabe DIE Zeit vom 6. September 2018, Seite 40.

Ein Hinweis von Christian Modehn

Nun verbreitet auch die eigentlich ja oft geschätzte Wochenzeitung „DIE ZEIT“ theologische und kirchenhistorische Legenden, fake news: Offenbar nämlich durfte, so meine Vermutung, der angeblich „prominente Psychiater und Theologe“ Manfred Lütz, so diese Einschätzung durch „Die Zeit“, dort dem Redakteur Jens Jessen seine eigene Buchkritik fürs Feuilleton dieser Wochenzeitung vorlegen. Auf andere Weise kann ich als Theologe und Kritiker des Skandalbuches „Der Skandal der Skandale“, verfasst von Manfred Lütz, nicht verstehen, dass so viel Unsinn auf einer Spalte verbreitet wird, unterschrieben von Jens Jessen. Man hat den starken Eindruck, dass der Rezensent Jessen das Buch selbst nicht gelesen hat. Denn dann wäre dem Kulturjournalisten wenigstens aufgefallen, dass das Lütz Buch, das sich ja als wissenschaftliches Buch und nicht als Märchen – Buch versteht, keinen einzigen Quellenverweis bei den vielen Zitaten enthält. Wenigstens ein kleines Zitat aus dem Lützbuch hätte ein lesender Rezensent doch mal einfügen können, macht Jessen aber nicht. Zu den Quellenangaben: Lütz redet sich da raus und sagt, dann sollen die LeserInnen eben das umfangreiche Buch des Kirchenhistorikers Angenendt lesen, auf das sich Lütz ja bezieht. Wie nett.

Es ist schon komisch, dass die sonst auf Aktuelles auch im Feuilleton so fixierte ZEIT dieses Lütz Buch erst 6 Monate nach Erscheinen publiziert. Meine Vermutung ist: Offenbar ist aus dem von Anfang an als Bestseller hoch gejubelten Buch doch nicht so viel geworden an Auflagen, so dass nun kurz vor der Buchmesse in Frankfurt mit Hilfe dieser Werbung der ZEIT noch mal das Geschäft befeuert werden soll.

Der Gesamttendenz des ärgerlichen Textes:

Diese Buchbesprechung in DIE ZEIT ist eine Reinwaschung des Skandalbuches von Lütz.

Jessen (bzw. Lütz, wenn man so will) unterstellt, der Philosoph Herbert Schnädelbach würde „landläufigen Urteilen“ folgen in seiner Buchkritik zu Lütz. Was für eine Unverschämtheit, einem renommierten Philosophen eine unreflektierte Folgsamkeit zu „landläufigen Urteilen“ zu unterstellen….Die Rezenten tut weiter so, als sei der Historiker Prof. Angenendt völlig einverstanden mit diesem Lütz Opus. Ich höre von Insidern, dass Prof. Angenendt selbst gar nicht so glücklich ist mit der Reinwascherei, genannt Popularisierung, seines umfangreichen Buches, die Herr Lütz da liefert. Wusste Arnold Angendt, em. Prof. in Münster, Jahrgang 1934, überhaupt vor Drucklegung von dem Lützbuch? Das ist alles nie geklärt worden. Man frage doch mal bei Angenendt nach, wie zufrieden er denn als Wissenschaftler ist mit der Popularisierung seiner umfassend wissenschaftlichen Studie. Das wäre Aufgabe eines Recherche-Journalismus in DIE ZEIT etwa..

Selbst der erzkatholische Politologe und einstige ZK Chef der Laien in Deutschland kritisierte das Skandalbuch von Lütz in „Christ in der Gegenwart“, Ausgabe 8.4.2018.

Mir unterstellte Lütz in einem Leserbrief für PUBLIK FORUM (Heft 7/2018) „böse Absichten der Manipulation“, nur weil ich erwähnte, dass zweifelsfrei zustimmend Lütz den amerikanischen Politologen Gary Remer in seinem Skandal Buch zitiert. Remer schreibt: „Hätte im Mittelalter ein jüdischer Staat bestanden, dürften manche Heiden der Verfolgung ausgesetzt worden sein“… In einem Interview mit Joachim Frank, Frankfurter Rundschau, 28. März 2018, Seite 32, hat Lütz immerhin einen gravierenden Fehler seinerseits eingestanden, als er in dem Skandal Buch schrieb: „Manches“, was die Christen den Juden antaten, „mag skandalös gewesen sein“. Manches, und mag gewesen sein, behauptet Lütz. Gegenüber Frank sagte Lütz, er wolle diese Formulierung korrigieren…

Aber darum geht es jetzt nicht primär:

Die Rezension in DIE Zeit verfälscht die Tatsachen: Die Liste der kirchlich verursachten und von der Kirche in Gang gebrachten Verfolgungen und Tötungen ist grenzenlos. Kirchen und Staaten waren damals, bis ins 18. Jahrhundert, ideologisch eins, es ist darum nur „Weißwäscherei“ zu sagen: Die Verfolgung und Tötung hätte der Staat übernommen. Er musste es in gutem Einvernehmen mit der Kirche tun. Kirche und Staat wollten beide keine „Abweichler“ in ihrem Territorium, darum töteten sie in gutem Einvernehmen (!) die Abweichler…

Es ist auch die Kirchenführung selbst, die eine grausame Verfolgung aller Häretiker einführt, etwa im Verdammungsdekret gegen Petrus Valdès und seine Freunde, siehe dazu den nun einmal wirklich prominenten Historiker Jacques Le Goff, „Die Geburt Europas im Mittelalter“, 2004, Seite 119. Auch die tötende Gewalt der Kirche gegen Homosexuelle seit der Frühzeit der Kirche schreit förmlich zum Himmel.. “Bei den Mächtigen wurde die Sodomie mehr oder weniger (von der Kirche) geduldet“ (S. 126, ebd.) Eine interessante Parallele zur Jahrzehnte, Jahrhunderte langen kirchenoffiziellen Verschleierung des Kindesmissbrauchs durch Priester, Bischöfe, Kardinäle.

Die Hexenverfolgungen sind von den Kirchenleuten eingeleitet worden: „Eine führende Rolle bei der Einstimmung auf die Hexenjagd übernahm das Buch, der so genante Hexenhammer, der beiden Dominikaner Mönche, Jacob Sprenger und Heinrich Institoris,“ so Le Goff, ebd. 215….

Kaum Hinrichtungen habe es in Spanien gegeben, meinen Jessen/Lütz in ihrer Rezension. Welch ein Blödsinn! Wird es wirklich erst unerträglich fürs kirchliche Selbstbild, wenn keine Hinrichtungen geschehen. Sind Verfolgungen, Folter usw. noch kirchlich hinnehmbar? Man studiere nur die Geschichte der frühen Protestanten in Spanien, man studiere, wie dort Juden und selbst konvertierte Juden aufs übelste belästigt, verfolgt (Teresa von Avila, etc.) und z. T. auch getötet wurden.

Der größte Skandal in der ZEIT Rezension ist die unsägliche Behauptung: Die Kritiker, die die Verbrechen der Kirche freilegen, seien Geschichtsklitterer oder schlimmer noch, so wörtlich, moderne Religionsfeinde. Lütz wird doch wohl noch Religionskritik als Kritik von Feindschaft unterscheiden können. Hat der fromme Herr Lütz den Satz Jesu vergessen: „Die Wahrheit wird euch frei machen“?

Wenn Philosophen und kritische Theologen umfassend und ohne Apologetik die furchtbaren Seiten der Kirchen freilegen, sind sie heute in bester Gesellschaft mit Papst Franziskus, der ja wohl kein Religionsfeind ist, nur weil er die furchtbaren, tausendfachen Verbrechen des höheren und niederen Klerus im sexuellen Umgang mit Kindern und Jugendlichen offenbar langsam aber sicher freilegen will?

Ich habe in meiner ausführlichen Rezension gleich nach Erscheinen des Skandal Buches von Lütz gezeigt, in welchen theologischen Kreisen sich der angeblich prominente Herr bewegt, es ist das Gebiet des katholischen Rechtsaußen, aus dem Umfeld des Opus Dei, das ja bekanntlich gern Apologetik betreibt.

Man lese bitte anstelle der Zeit Rezension die ausführlichen Besprechungen zum Skandal-Buch von Manfred Lütz, verfasst von Christian Modehn, Herbert Schnädelbach und des Historikers Josef Breinbauer.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Hedwigskathedrale in Berlin: Der Umbau, der eine Schande ist.

Eine Religionskritik zum Umbau der St. Hedwigskathedrale in Berlin

Ein Hinweis von Christian Modehn

Diese Zeilen, Kommentar und Protest, sind natürlich wirkungslos, wie so viele andere Stellungnahmen, die sich schon früher gegen den jetzt beginnenden Umbau der Hedwigskathedrale gewandt haben, siehe Tagesspiegel vom 2.9.2018, Seite 10.

Was wir im Kommentar versuchen, ist also sinnloses Tun, das noch einmal geleistet wird gegen alle Hoffnung auf Einsicht. Sisyphus wurde von Camus bekanntlich ein Heiliger genannt. Vielleicht wird ihm, dem heiligen Sisyphus, einmal ein Altar geweiht, eine Statue errichtet, wo doch so viele kritische Leute seinem Vorbild folgten und folgen in einer Zeit der totalen Bürokratisierung auch in der römischen Kirche: Darum vorweg: „Heiliger Sisyphus, bitte für sie alle“.

Diese Kirchenführung zeigt, wie so oft, totale Phantasielosigkeit, totale Unfähigkeit zur Aufgabe von klerikalen Lieblingsprojekten.

Sie zeigt vor allem einen Verlust der Einsicht, was HEUTE dringend geboten ist zugunsten der Menschen in dieser Stadt Berlin. Die Führer der Kirche dokumentieren nur wieder ihre Lust am Bauen, ihre Freude am Stein und Erstarrten und an der Abwehr der leisesesten Vorstellung, dass mit vielen „Bau-Geld“ sich doch so viele Menschen in Not auferbauen ließen. Das ethische Gebot der Stunde heißt doch: Geben wir als Kirche, die doch irgendwas noch mit dem armen Jesus von Nazareth zu tun haben will, die geplanten 60 Millionen Euro (für den Umbau in Steinen) lieber für Menschen in Not aus.

60 Millionen also: 20 Millionen kommen vom Erzbistum Berlin, bekanntlich alles andere als reich; 20 Millionen spenden die deutschen Bischöfe, die haben nun wirklich viele Milliarden; 12 Millionen spendiert der Bund, schließlich leben wir ja außerhalb einer Trennung von Kirche und Staat, und der Berliner Senat kann 8 Millionen locker machen. Man braucht ja in Berlin bekanntlich kein Geld für marode Schulen oder unhaltbare Zustände in Kliniken und Altenheimen. Läuft ja alles bestens, da kann man doch guten Gewissens in Steine investieren und in ein hoch umstrittenes Projekt der Zerstörung eines Kunstwerks… Eigentlich ist dies alles pervers… Bei den 60 Millionen Euroa wird es natürlich nicht bleiben, man denke bloß an die Umbauten des Palais des Bischofs von Limburg, des Herrn Tebartz van Elst, der jetzt im Vatikan sein gutes Auskommen hat…

Für die zweifelsfreie elementar notwendige Grundsanierung der Hedwigskathedrale hätten 5 Millionen ausgereicht. Und die Menschen in Berlin und anderswo hätten gesagt: „Bravo, dass die Kirche nur sehr bescheiden nur in Steine investiert und stattdessen viel Geld und damit viel Hilfe den Menschen in Not anbietet“.

Aus religionskritischer Sicht also nur der Hinweis:

Kirchliches Handeln ist immer auf die Situation der Gegenwart bezogen. Und diese Gegenwart in Deutschland und in Berlin besonders heißt: Das demokratische Leben droht auseinander zu brechen, Rassismus und Faschismus nehmen zu, die Kluft zwischen Reichen und Armen wird größer, ein enormer Bedarf an Kommunikation besteht, die Leute wollen miteinander reden, in Gruppen, unter kompetenter Moderation, aber es fehlen die geeigneten Räume und Moderatoren; Jugendliche suchen Perspektiven, Flüchtlinge brauchen eine gerechte Lebenschance, der Zustand der Altenpflege ist katastrophal, der Zustand vieler öffentlicher Schulen miserabel und so weiter und so weiter.In einer solchen dramatischen Situation können die Kirche einfach nicht weiter handeln und weiter theologisieren wie bisher. Das muss eine Unterbrechung geschehen. Etwas Neues sollte passieren in einem erneuerten, radikaleren Geist. Ist die Kirche wirklich auf repräsentative Gebäude angewiesen, muss sie ästhetisch „mithalten“ in der Konkurrenz der Opernhäusern, Bibliotheken und Luxus- Restaurants? Nein, natürlich nicht. Aber sie tut es wider besseren Wissens.

Kann man und darf man ethisch, also vom Gewissen her gesehen, in einer solchen Situation 60 Millionen Euro (mindestens) für einen überflüssigen Umbau eines Kirchengebäudes ausgeben? Bloß damit die Kleriker angemessener in der Mitte der Kirche an ihrem Altar stehen und „zelebrieren“? Abgesehen von allen kunsthistorischen und architektonischen Erwägungen bleibt die Erkenntnis, die sich ohnehin in Berlin schon herumgesprochen hat:

Dieser unnötige umfassende Umbau der Hedwigskathedrale für mindestens 60 Millionen ist in der heutigen Situation eine Schande für die Kirche, die sich natürlich als solche herumspricht.

Bleibt abzuwarten, ob sich einige Freunde des heiligen Sisyphus noch zu gelegentlichen Protesten aufraffen können. Sie werden von den Herren der Kirche natürlich ausgelacht…

Christian Modehn, Journalist und Theologe. Leiter des:  www.re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­er-salon.de

 

Glauben ohne „Wunder“! Warum Pater Pio endlich im Grab verschwinden sollte. Anläßlich des 50. Todestages.

Ein Hinweis von Christian Modehn zum 50.Todestag des Paters Pio. Siehe auch einen grundlegenden Beitrag.

Er ist immer noch einer der beliebtesten „Volksheiligen“ Italiens, als Foto mit Heiligenschein präsent in Kneipen, Taxis, Geschäften, Schlafzimmern und wohl auch in den geheimen Treffpunkten der sich auch fromm gebenden Mafia … und darüber hinaus wird er in der ganzen Welt von Katholiken verehrt, als Fürsprecher himmlischer Art… Sein Kult hat über all die Jahre immerhin dem Kapuziner Orden und dem Bistum Manfredonia so viel Geld eingebracht, dass in der Stadt seines Klosters, in San Giovanni Rotondo, Kliniken gebaut wurden, abgesehen von der pompösen „San Pio“ Kathedrale, die Renzo Piano dort errichtet hat.

Der Kapuzinerpater Pio (25.5. 1887 bis 23.9.1968) zeigte sich in der Öffentlichkeit gern mit dunkel rot erscheinenden, blutig wirkenden Verletzungen an seinen Händen: Diese wurden von ihm selbst, von den Frommen und später auch von den Päpsten als Stigmata, als Wunden Jesu am Kreuz, gedeutet. Eine äußerst seltene „Auszeichnung“ in der Sicht klassischer Wundertheologie. Therese Neumann von Konnersreuth („das Resel“ genannt) behauptete auch, auf solche blutige Weise gesegnet zu sein, was ernstzunehmende Theologen natürlich als Betrug deuten.

Pater Pio jedenfalls ist, kritisch betrachtet, und warum sollte man ihn nicht wie andere Menschen kritisch betrachten?, insgesamt gesehen ein Scharlatan, das meinten kritische Theologen und sogar zeitweise die Päpste. Mit Karbolsäure habe er seine Wunden erzeugt und mit dem Nervengift Vertarin die Schmerzen betäubt. So der Historiker Sergio Luzzatto in seiner Studie.

Weil das religiöse, aber kritisch nicht interessierte Volk herausragende Elemente von Jesus Christus leibhaftig sehen will, eben Stigmatisierungen oder sonst, wie ständig üblich, Reliquien (etwa Teile der Vorhaut Jesu, Fetzen aus dem Kreuz etc.) machte Pater Pio mit seinen rot gefärbten, dem Eindruck nach verschorft – blutenden Händen eine große Karriere. Man bewunderte ihn, sah in ihm, dem Priester, der kaum predigen konnte, ein Gottesgeschenk. Und diese Wunderkraft wollte und will doch die Kirche nicht stoppen, die das Geld hoch und heilig verehrt.

Über diesen Glauben an einen aus vielerlei, auch ökonomischer, Interessen „gemachten“ Heiligen habe ich an anderer Stelle berichtet, auch darüber, dass Papst Johannes Paul II. ein großer Verehrer dieses mit roten Handflächen herumlaufenden Kapuziners war; auch Papst Franziskus ist ja bekanntlich ein großer Heiligenverehrer: Man denke daran, dass er als Jesuitenpater, seit einem Aufenthalt in Augsburg, ganz begeistert war von der Gestalt und dem „Gnadenbild“ der Jungfrau Maria als „Knotenlöserin“. Den Kult um „Maria Knotenlöserin“ verbreitete er dann als Erzbischof von Buenos Aires in ganz Argentinien. Viele politische, gewalttätige, ökonomische usw. Knoten Argentiniens hat Maria jedenfalls offenbar bisher himmlisch nicht lösen können. Macht aber nichts , Hauptsache die Frommen haben eine Art Zufluchtsobjekt, wo sie sich ihren Gott und die Heiligen zusammenbasteln können, je nach Laune und Bedürfnis.

Bin ich also in einer Theologie, die als rationales Nachdenken diesen Namen verdient, gegen die Wunder, gegen die Wundertäter, die Wunderorte, die Marienerscheinungen usw.?

Ich bin im allgemeinen gegen den Wunderkult, diese Pio – Verehrung, die Verehrung der Maria, die als solche (!) aus dem Himmel herab nach Fatima schwebte usw… Denn: Wunderglaube in diesem weiten, populären Sinn führt die Menschen in die seelische Entfremdung, ist also, wenn er ernst genommen wird, seelisch schädlich. Und was schädlich ist, sollte man bekanntlich nicht ständig praktizieren. Auch wenn der ganz Trubel und Rummel um die Heiligen und heiligen Orte (Aufbewahrung der einbalsamierten Leichen, wie bei Lenin und dann auch Stalin und Mao etc…) natürlich eine exotische Abwechslung (Opium manchmal) ist einem eher tristen Alltag. Diese Freude, etwas Besonderes, an heilig genannten Orten zu erleben, mit anderen über (angeblich mysteriöse) wunderbare Erscheinungen und Begebnisse esoterisch zu plaudern, ist doch etwas Nettes. Aber nicht alles, was unterhaltsam ist und Gesprächsstoff für Spekulationen bietet, ist auch hilfreich und fördert die Entwicklung eines reifen Menschen. Etwas anderes ist es natürlich, wenn man in einer Oper von Mozart Wunderbares sieht und hört: Dann ist dies eben ein bewusst als solches wahrgenommenes Märchen, über das man schmunzeln kann, aber das war es dann auch. Hingegen hinterlässt Pater Pio auf Dauer negative Spuren im eigenen Leben, fördert den Glauben ans Fegefeuer und andere Absonderlichkeiten (er sah ja selbst arme Seelen von dort in seinem Zimmer etc..).Mit dem Gott der Wundertäter kann man einen deal machen, insofern passt er in kapitalistische Zeiten.

Wenn der Katholizismus aufhören will, Absonderliches zu vertreten und damit gegen die seelische Reifung der Menschen zu arbeiten, dann sollte er zuerst mit diesen Heiligenkulten, auch mit dem Kult um diesen Herrn Pater Pio, aufhören. Zwecks „Reinigung der Gemüter“ sozusagen. Die Kirche kann ja nur an Ansehen gewinnen, wenn sie sagt: Jetzt ist Schluss mit diesen mit roter Farbe verschmierten Pio Händen. Wir lassen die Infantilität dieser Kulte hinter uns usw. Und tun Wichtigeres, zum Beispiel den Armen gerecht zu begegnen und die Menschenrechte zu pflegen….

Ich möchte aber gern eine philosophische, also allgemein menschliche Haltung beachten: Dies ist die Erfahrung des Erstaunlichen, und dieses ist die Erkenntnis: Dass überhaupt etwas ist und nicht viel mehr nichts. Dieses DASS der Welt ist das einzige, das uns immer „ohne Lösung“ zu denken gibt, Leibniz sprach davon, viele andere auch. Wenn man so will, ist dies das einzige “Wunder”. Und für Religionsphilosophen, die das innere Verbundensein von göttlicher schöpferischer Wirklichkeit und Welt (mit den Menschen und ihrer Seele) zusammen denken, gilt: Dann ist es vor allem erstaunlich, dass Göttliches, Absolutes, Ewiges, in der Welt und in der geistigen, vernünftigen Menschenerfahrung sich zeigt, etwa in der Ethik. Siehe Kant. Wir Menschen sind in etwas sehr elementares und „einfaches“ Erstaunliches hineingesetzt. Dieses “Wunder” gilt es zu bedenken, von da aus ergeben sich Spuren ins Religiöse. Alles andere ist frommes Machwerk.

Wenn Göttliches in der Seele und im Geist der Menschen als „Funken“ (Meister Eckart) anwesend ist, dann ist dieses das einzige Wunder, das diesen Namen verdient! Auch die Gestalt Jesu von Nazareth lässt sich nur so verstehen: Er lebte in enger Verbindung mit dem alle Menschen auszeichnenden Göttlichen, darin ist die Kraft der „Auferstehung“ zu sehen.

Noch einmal: Wunder im populären Sinne, da und dort, bei diesem und jenem, bei Menschen mit rot verschmierten Händen („Wundmalen“), aber nicht bei allen, und auch nur ganz bestimmten ausgegrenzten Orten, gibt es eigentlich nicht. Wer diesen Wunderkult betreibt, hat finanzielle und politische Interessen (etwa im Falle von Fatima), will Religion pompös aufwerten, als Show gestalten, so, dass alle staunen. Das ist Machwerk, aber keine spirituell oder gar mystische Frömmigkeit.

Erneut zum theologischen Hintergrund:

Nichts hat religiöse Menschen so sehr von der eigenen menschlichen, d.h. immer auch selbstkritisch reflektierten Spiritualität entfernt und in die Entfremdung geführt wie der populäre Wunder – Kult und der Kult um Wundertäter und Wunder-Orte. Diese Formen des von religiösen Führern propagierten Wunderkultes sind im christlichen Raum besonders im Katholizismus verbreitet, aber auch in evangelikalen und charismatischen Kirchen und Gemeinschaften. In manchen Pfingstkirchen werden die Gemeindemitglieder ja schon misstrauisch angesehen, wenn sie nicht von ihren persönlichen täglichen Wundern ausführlich erzählen können, etwa so: „Tante Olga brachte mir plötzlich wunderbaren Apfelkuchen vorbei, den ich so dringend brauchte, was für ein Wunder…“

Wenn etwas Besonderes, Außergewöhnliches, offenbar nicht (so schnell) zu Erklärendes geschieht, kann man dies vernünftig – prosaisch Zufall nennen. Religiöse Menschen nennen den für sie selbst positiv erscheinenden Zufall „Wunder“. Irgendwo wollen sie die in der Lehre der Kirchen verbreitete These des begleitenden, hilfreichen Gottes für sich endlich mal selbst materiell erleben und sinnlich spüren. Gegen solche Deutungen „dieser mein Zufall ist mein Wunder“ kann man, von außen betrachtet, so lange nichts kritisieren, als diese dann wundergläubigen Menschen seelisch halbwegs stabil und reflektiert bleiben. Ist ein Lottogewinn Zufall oder Wunder?

Die Krise erleben diese frommen Menschen ja erst dann, wenn der Zufall für sie selbst nicht positiv zu deuten ist. In solchen Situationen, die oft in Verzweiflung und sogar in Unglaube führen können, fragen die Menschen: Wo ist denn Gott? Warum greift er nicht hier direkt für mich ein, warum also durchbricht Gott (der dann allmächtig genannt wird) nicht die Naturgesetze ausnahmsweise mal und dann zu meinen Gunsten? Und rettet mich? Was mit den anderen dann passiert, ist mir erst mal egal. Mein Gott soll mich aus allen möglichen irdischen Bedrängnissen retten. Egoismus wird sichtbar. Und ein sehr menschlicher Umgang mit dem alle Naturgesetze durchbrechenden Gott.

Innerhalb der Wunder-Diskussion ist besonders das Beten zu heiligen Wundertätern problematisch. Etwa so: Pater Pio soll mir helfen, soll im Himmel aktiv werden und Fürbitte leisten bei Gott, dass Gott sich höchst persönlich selbst durch die Fürsprache des so tollen heiligen Pater Pio für uns einsetzt. Das gleiche Denkmodell liegt etwa im Umgang mit der Jungfrau Maria vor: Sie möge doch als Himmelskönigin für uns wirken, also himmlisch irgendwie eingreifen. Was für ein verdinglichtes Gottesbild ist da eigentlich sichtbar? Gottvater mit Bart lässt sich in himmlischem Plausch von Pater Pio zu irgendwas Außergewöhnlichem bewegen…

Diese Gebete sind sozusagen Irreführungen: In allen Lebenssituationen sollte sich der Mensch sammeln und bedenken: Und nur darauf kommt es wohl an: Mein Leben ist wie das Leben aller anderen Menschen undurchschaubar. Mein Leben als solches ist ein Geheimnis. Und Geheimnis ist bekanntlich etwas anderes als ein immer irgendwie aufzulösendes Rätsel. Woher komme ich, warum bin ich da, wohin gehe, dies sind die einzige erstaunlichen wunderbaren Fragen. Darauf bezieht sich meditative Sammlung, darauf bezieht sich religiöser Kult in aller Stille.

Im Zentrum steht also: Ich vertraue auf einen bergenden letzten Sinn im Leben, in meinem Leben und dem Leben aller. Und mehr ist „religiös“ für den einzelnen Frommen gar nicht not – wendig. Diese Lebenspraxis ist schon schwer genug. Vielleicht anstrengender, als sich vor dem Leichnam Pater Pios erschüttert zu verneigen oder in Fatima oder wo auch immer ein paar Stufen auf den Knien hoch zu krauchen … und dann im „Heiligtum“ zehn Vater Unser zu beten, damit die Knieschmerzen wieder aufhören.

Hat das ein Reformator eigentlich einmal gesagt: Wunder sind Machwerke. Und diese Wundertäter inszenierte gut bezahlte Schauspieler…

Zusammenfassend mein natürlich offiziell unerwünschter Rat an die römischen Kirchenführer und die Leiter des Kapuzinerordens: Lasst Pater Pio endlich im Grab verschwinden. Vergesst ihn! Zerstört seine Bilder!  Zeigt Bilder von Oscar Romero, Helder Camara oder Martinuther King überall. Und vor allem: Entschuldigt euch bei den Menschen, dass ihr einen Scharlatan benutzt habt, um einen infantilen, eben autoritätshörigen Glauben zu fördern. Werdet endlich vernünftig, ihr Kleriker…   PS: Werden sie aber nicht.

Papst Franziskus wird trotzdem zum 50. Todestag des Scharlatans und Geldbringers Padre Pio nach San Giovanni Rotondo reisen. Er wird sagen, das weiss ich schon heute, am 31. 8.2018: „Padre Pio, welch ein großer Heiliger, welch ein Vorbild der Armut, auch der geistigen; er hat sich aufgeopfert, er hat die Wundmale Christi erduldet. Hat sie allen gezeigt und dabei Erfolg gehabt. Er hat die Beichte bei so vielen gehört, wer macht das schon? Predigen oder gar argumentieren konnte er nicht. Ist ja auch nicht so wichtig für einen Frommen!  Folgen wir ihm also nach. Ohne Opfer geht nichts zum Heil auf dieser Welt. Man muss überhaupt nicht klug sein, wie Padre Pio es ja war, um Gott zu fallen….“

Und all die Leute werden Beifall spenden. Und den modernen Papst Franziskus loben…..So ist das. Leider.

Wann gibt es wieder mal eine wirkliche Reformation?

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

Sexueller Missbrauch durch Priester: Kein Ende in Sicht…Klerikalismus ist krank!

Verschwiegen wie die verschwiegene Mafia verhält sich der Klerus

Ein Hinweis von Christian Modehn

Ich empfehle den Recherchefilm “Das Schweigen der Hirten“, gesendet in ZDF Info im August 2018! Mit einem Beitrag über Erzbischof  Bergoglio (jetzt Papst Franziskus) in Buenos Aires und der Fall des Priesters Grassi dort.

Ausnahmsweise ist diesem Hinweis über die Allmacht der Kleriker ein Spruch aus der Bibel als Motto vorangestellt:

“Ein Mächtiger deckt den anderen, hinter beiden stehen noch Mächtigere” (Kohelet, 5, 7 in der Übersetzung der “Neue Echter Bibel” (katholische Übersetzung).

Und noch ein Motto, geeignet für theologische Debatten der Prälaten und Bischöfe, geschrieben  von dem großen Dichter Thomas Bernhard, der klar den Zustand der Gesellschaft und der Kirche analysierte: Er schreibt in dem Roman “Auslöschung” (1986): “Wir sind katholisch erzogen worden, hat geheißen: Wir sind von Grund auf zerstört worden. Der Katholizismus ist der große Zerstörer der Kinderseele, der große Angsteinjager, der große Charaktervernichter des Kindes. Das ist die Wahrheit” (Suhrkamp, 1986, Seite 141). Dreißig Jahre nach diesen Worten von Thomas Bernhard wird die Zerstörung der Kinder(seelen) durch die sexuelle Gewalt der Priester als eine immer größer werdende Lawine Realität.

In seinem Roman “Auslöschung”, 1. Aufl. 1986, Suhrkamp, schreibt Thomas Bernhard:

Die Katholische Kirche handelt immer nur zu ihrem eigenen Vorteil, schweigt dort, wo zu reden ist, verschanzt sich, wenn es ihr zu gefährlich ist hinter dem jahrtausendelang ausgenutzten Jesus Christus“ (S. 460).

Und vernünftige Leute sagen heute angesichts der Lawine von Missbrauch und Vertuschung durch den (hohen) Klerus:  Eigentlich sollte diese Kirche mal für ein Jahr als Buße ihren “Betrieb” völlig einstellen. Die religiösen Menschen finden Gott ohnehin in ihrer Seele, wie Meister Eckart sagt, auch ohne den Klerus. Aber das ist ein weitreichendes Thema….

Es ist interessant,  dass auch psychotherapeutisch ausgebildete Kleriker auch in der römischen Kirche jetzt offen zugeben: Der Klerikalismus dieser Kirche hat entscheidend Anteil  am sexuellem Mißbrauch durch Priester. Siehe dazu jetzt die kathol. Tageszeitung in Paris La Croix:

Im US – Bundesstaat Pennsylvania hat der Generalstaatsanwalt jetzt (Mitte August 2018) mehr als 1000 Opfer von Kindesmissbrauch durch katholische Priester in einem 1.400 Seiten starken Dokument genannt. Erwähnt werden natürlich auch die Täter: Bisher sind es mehr als 300 Priester, die sich in den letzten 70 Jahren an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, allein in diesem Bundesstaat. Diese Priester blieben unentdeckt, kamen nie vor ein Gericht, weil für die allmächtig agierenden Kleriker, auch die verantwortlichen Bischöfe, Vertuschen, Verschweigen, Verleugnen üblich war und ist. „Ein Kleriker schützt immer den anderen“, ist das oberste Gebot. Dieses stillschweigende Gesetz erinnert selbstverständlich an die Gesetze der Mafia. Wer zudem den Bericht des Generalstaatsanwaltes liest, glaubt, die verbrecherischen Priester seien Mitglieder sadistisch fühlender Porno-Produktionen. In vielen anderen Bistümern der USA haben die vielen Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester längst – wegen der „Schmerzensgeld – Zahlungen“  – zum Bankrott der Bistümer geführt, dem finanziellen Bankrott, vielleicht auch dem spirituellen.

Die Verbrechen an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute sind ein Thema, das immer mehr ans Licht kommt. Ein Ende ist nicht absehbar. Ganze Kirchenregionen „warten“ förmlich noch auf Freilegung pädophiler Priesterverbrechen, an erster Stelle wohl das immer noch ultra – katholische Polen: Solange die PIS Partei herrscht und Redemptoristen-Pater Rydzyk sein rechtsradikal – antisemitisches Medienimperium “Radio Marya“ leiten darf, wird man noch etwas warten müssen. Der polnische Klerus mauert sich in dieser Sache ein und der Vatikan wagt offenbar nicht, diese polnische Mauer einzureißen. Auch Italien ist ein katholisches Land, das auf weitere Freilegungen wartet oder viele lateinamerikanische Länder. Ein „pädophiler“ Nuntius aus Polen (Wesolowski) wurde 2015 in der Dominikanischen Republik ja bekanntlich nach seinen Orgasmen mit Kindern am Karibik – Strand verhaftet, mehr als 100.000 Kinderpornos ruhten in seinem Palast, der einem Nuntius zusteht… Aber dann wurde er freundlicherweise in den Vatikan abgeschoben. In seiner dortigen Wohnung, nicht etwa Gefängnis, ist er dann „plötzlich“ verstorben…

Es sollte jetzt eine Zeit beginnen, in der die zum Verschleiern und Vertuschen neigende Welt des Klerus endlich in den Mittelpunkt des theologischen Interesses rückt. Die Allmacht der alles versteckenden Kleriker wäre ein theologisches Thema, natürlich eine Sisyphus Arbeit. Immerhin hat der offizielle päpstliche Kinderschutzbeaufragte im Vatikan ebenfalls eine klare Meinung, siehe Tagesspiegel vom 17.8. 2018, Seite 5. Pater Hans Zollner SJ spricht jetzt wie ich seit langem von “geschlossenen katholischen Welten, in denen sich Geweihte (also Kleriker) alles herausnehmen konnten”.  Pater Zollner spricht von der Vergangenheit, ABER: Tatsächlich können sich Kleriker bei diesen Kirchengesetzen, Codex Iuris Canoici, vom Klerus eigenmächtig für den Kerus gemacht, nach wie vor alles herausnehmen im sonstigen klerikalen Lebensstil, in den Entscheidungen selbstherrlicher Art, ohne Rücksicht auf die, ständig vom Klerus abgewiesene, demokratische Lebensform auch in der römischen Kirche.  Ohne demokratische Strukturen in der römischen Kirche wird man auch nicht die Katastrophe der vielen tausend verbrecherischen Kindesmißbrauchs-Priester überwinden. Darüber sollte man auch reden.

In Chile wollten kürzlich alle (!) Bischöfe zurücktreten wegen pädophiler Verbindungen. Einige sind dann zurückgetreten. Chile und die Dominikanische Republik sind übrigens die Länder Lateinamerikas, in der prozentual gesehen die meisten Katholiken ihre Kirche verlassen. Bischof Philipe Wilson, Asutralien,  ist der erste  katholische Bischof, der jetzt mit einer Fußfessel durch seinen Bischofspalast humpelt…Ohne Fußfessel hätte er ein Jahr ins Gefängnis gemusst. Auch die australischen Katholiken  fragen sich allmählich: In welcher Kirche sind wir eigentlich gelandet? Es gilt auch dort: Die pädophilen Priester sind also die besten Vertreiber aus der römischen Kirche.

Im Mittelpunkt einer kritisch theologischen und religionsphilosophischen Klerus – Forschung sollte im Mittelpunkt stehen:

Es ist das systematische Verschleiern von Straftaten. Der Klerus bemüht(e) sich unter allen Bedingungen, sauber da stehen.

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das jeder Kleriker von Beginn seiner Ausbildungszeit im Priesterseminar oder in den Ordensgemeinschaften lernt: Gib möglichst wenige Informationen nach außen. Schweige über das, was im Bistum passiert oder im Kloster oder in deiner Ordensgemeinschaft. Etwa auch über die Finanzen. Verschwiegenheit im Klerus, im Orden, ist wichtiger als das öffentliche Eingestehen von Fehlern und Verbrechen im Orden.

Das klassische Beispiel dafür ist der pädophile Verbrecher und Ordensgründer und Ordensoberer in Rom, Pater Marcial Maciel von den Legionären Christi. Wie viele seiner Ordensmitglieder haben ihm geholfen, beigestanden, geschwiegen, als er seine „Touren“ unternahm, nachts im Kloster oder auf den Reisen, die ihn rund um die Welt führten, dabei auch zu Frauen, mit denen er Kinder zeugte, die Frauen wollte er primär auch finanziell ausnehmen. Sein theologisches Hauptwerk heißt: „Christus ist mein Leben“ . Über das hier nahe liegende Thema Gotteslästerung in Orden und im Vatikan hat noch niemand geschrieben…

Die Untaten Maciels blieben in seinem römischen Kloster keinem der Mitglieder, die ja recht eng beieinander/miteinander wohnten, schliefen etc. verborgen.

Aber alle schwiegen, auch die Freunde unter den Kardinälen, selbst Johannes Paul II. lobte den Verbrecher, ein Vorbild der Jugend zu sein.

Er wurde schließlich nicht dem Gericht überstellt, sondern, als alles nach dem Tod des alles vertuschenden polnischen Papstes auch im Vatikan nicht mehr verheimlicht werden konnte, zu einem Leben in Buße und in Zurückgezogenheit in Rom verurteilt. Dieselbe milde Strafe traf jetzt den Kardinal von Washington. Der arme Pater Maciel

hat sich an den freundlichen Hausarrest aber nicht gehalten… er ist zum Sterben in die USA geflogen. Dieser Orden mit diesem Gründer besteht bis heute, er hat sehr sehr viel Geld, das will man bei einer Ordensauflösung dann doch nicht dem Vatikan überlassen. Nur wurden alle Bilder des Ordensgründers von den Kloster – Wänden genommen, eine Art „Entstalinisierung“ hat stattgefunden. Namentlich wird Maciel auf den website des Ordens nicht mehr genannt. Ein Orden ohne Gründer also! Das sind halt Legionäre!

Das ist die Tendenz des Klerus, die unbedingt wissenschaftlich kritisch vertieft werden sollte: Möglichst die weltlichen Gerichte meiden. Dahinter steckt das alte Herrschafts – Denken: Die kirchlichen Gesetze stehen über den weltlichen Gesetzen der demokratischen Staaten.

Die katholische Kirche will ja mit ihrer Moral ohnehin die Gesetze der Demokratien bestimmen, man denke an die absolute Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen, in Lateinamerika, in Nicaragua, in der Dominikanischen Republik usw. haben sich die Politiker der Klerikermoral längst gebeugt.

Das muss man bedenken: Kleriker, die das geborene Leben der Kinder missachten in ihren „pädophilen“ Verbrechen, sind oft auch die heftigsten Verteidiger des ungeborenen Lebens. Vielleicht hat so mancher Priester nach seinem Missbrauch an Kindern danach gleich an einer pro Life demo teilgenommen. Und die Frommen waren gerührt über diese moralisch so engagierten Priester.

Von pädophilen Verbrechen durch Priester und kirchliche MitarbeiterInnen ist explizit im offiziellen und universal geltenden Katechismus der Katholischen Kirche von 1993 nicht die Rede.

Aber offenbar haben die Kleriker selbst ihren Katechismus nicht gelesen, oder sie fühlten sich als die Herren der Kirche an ihn gebunden („gilt nur für die dummen Laien“) , denn dann hätten sie ja gelesen, was wenigstens knapp angedeutet wird im § 2356 unter dem Stichwort Vergewaltigung, die zu den „Verstößen gegen die Keuschheit“ gezählt werden: Vergewaltigung wird also verurteilt, „weil sie schweren Schaden zufügt, der das Opfer lebenslang zeichnen kann“. Im Text steht wirklich „zeichnen“, nicht etwa realistischerweise „zerstören“ kann. Dann aber heißt es gleich: „Vergewaltigung ist eine in sich zutiefst verwerfliche Tat“.

Aber dann folgt der eine entscheidende Satz: „Noch schlimmer ist es, wenn Eltern oder Erzieher ihnen anvertraute Kinder vergewaltigen“. Immerhin, das wurde schon 1993 im Vatikan geschrieben. Die Vatikan Theologen sprechen dezenterweise nur von Erziehern, von Priestern die Kinder vergewaltigen, sprechen sie nicht. Wenn in 50 Jahren eine Neuauflage erscheint, wird man diese Ergänzung vielleicht einfügen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Pater Ockenfels: Die AFD wird von katholischem Theologieprofessor unterstützt

Über Pater Wolfgang Ockenfels und seinen Dominikanerorden

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die AFD setzt sich in christlichen Kreisen immer mehr durch: Ein Thema auch für den Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon in Berlin, er weiß sich der Philosophie des demokratischen Rechtsstaates, der Menschenrechte und damit der allseitigen Religionskritik verpflichtet.

Jetzt ist es nicht unwahrscheinlich, dass es demnächst einen „Arbeitskreis von Theologen in der AFD“ geben könnte, selbstverständlich ökumenisch vereint. In der Lutherischen Kirche Sachsens (etwa in Bautzen) würde man sicher fündig werden; im Katholizismus hat nun der in konservativen Kreisen ohnehin umtriebige Theologe und Dominikanerpater Prof. Wolfgang Ockenfels ein Zeichen gesetzt: Er gehört zum „Kuratorium“ der AFD „nahen“(wie man vornehm sagt) „Stiftung Desiderius Erasmus“. Dabei dauern die Verbindungen von Ockenfels zur AFD schön länger: Etwa im März 2017 sprach er über „Gewalt und Religion“ auf einer Tagung der AFD von Baden-Württemberg: Den Koran sollte man lesen, meinte er, ihn zu lesen hielt er dann aber für eine „grauenhafte Zumutung“, so berichteten sehr rechtslastige websites pünktlich zum Vortrag! Die schon lange andauernden Beziehungen Ockenfels´zur rechtslastigen Wochenzeitung “Junge Freiheit” sind bekannt.

Auch der katholische Theologe David Berger (2010 Autor des heftig antiklerikalen Erfolgs-Buches „Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“) gehört jetzt zum Kuratorium dieser AFD Organisation. David Berger ist ein Kenner des Werkes des mittelalterlichen Theologen und Dominikaners Thomas von Aquin, deswegen hat er enge Verbindungen zu einzelnen Dominikanern in Berlin und in Rom (dazu in dem genannten Buch S. 128 ff.). Er hat sich vom konservativen katholischen Theologen erst zum heftigen Kirchenkritiker und Gay-Aktivisten nun wieder zum AFD nahen Theologen (zurück-?) “entwickelt”. Eine interessante “Karriere”…

Ockenfels jedenfalls kann aufgrund seiner sehr weitreichenden vielfältigen Kontakte vor allem im rechts-konservativen katholischen Milieu nun seine AFD Affinität wohl ab jetzt auch werbend in seinen Kreisen zur Sprache bringen: Er ist emeritierter Professor für Christliche Soziallehre an der theologischen Fakultät der Universität Trier (dort seit 1985, er hat also viele Religionslehrer usw. ausgebildet); er ist geistlicher Beirat im „Bund katholischer Unternehmer“; Beiratsmitglied der Akademie des deutschen Handwerks/Schloß Raesfeld; Präsident der Internationalen Stiftung Humanum (Lugano), Referent beim sehr konservativen „Forum deutscher Katholiken; häufiger Mitarbeiter des sehr reaktionären katholischen Blattes „Der Fels“; Chefredakteur der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“. Zur Redaktion gehören auch zwei andere Dominikaner, der eine, Pater Wolfgang Spindler, hat etwa kürzlich „Gedichte für und über Carl Schmitt“ in der Carl Schmitt Gesellschaft herausgegeben. Carl Schmitt war ja bekanntlich der „Kronjurist der Nazis“… Autor der „Neuen Ordnung“ von Pater Ockenfels ist auch der heftige Gegner/Feind von Papst Franziskus, Kardinal Walter Brandmüller.

Es ist ja wohl nicht davon auszugehen, dass beide Herren, Ockenfels und Berger, in kritischem Elan innerhalb des Kuratoriums den Ungeist von AFD Positionen und vor allem Praktiken (Nähe zu Pegida usw.) freilegen. Denn diese Herren sind zweifelsfrei mindestens AFD nahe. Können wir uns also auf Tagungen dieser AFD Stiftung freuen, etwa zum Thema „Warum Katholiken national denken und nur den Nächsten, und das sind Deutsche, lieben sollten“. Denkbar wäre auch eine missionswissenschaftliche Tagung über „Afrikaner gehören in ihre schöne afrikanische Heimat“. Aber Ironie beiseite…

Am 24. Juli 2018 hat nun auch der für Pater Ockenfels zuständige Provinzialobere des Dominikanerordens in Köln, Pater Peter L. Kreutzwald, eine Stellungnahme publiziert. Sie ist am Ende dieses Beitrags auf dieser Webseite erreichbar.

Diese eher knappe Stellungnahme des Provinzials besteht aus zwei Teilen.

Um es vorweg zu sagen: Diese Stellungnahme entspricht nicht der Bedeutung, dass nun ein katholischer Theologieprofessor sich in einer AFD Organisation engagiert. Diese Tatsache ist eine schlimme Wende, sie führt hin zur “Normalisierung” dieser AFD Partei und ihres Umfeldes sowie ihrer bekannten Connections mit rechtsextremen Parteien in Europa und mit Mister Trump über dessen “Vordenker” Steve Bannon.

Im ersten Teil erwähnt Pater Kreutzwald die im Dominikanerorden offenbar übliche Pluralität, man liebt dort die „kontroverse Diskussion“. Und angesichts dieser damit angedeuteten Toleranz im Dominikanerorden wird dann auch die „Haltung“ von Pater Ockenfels, also seine Sympathie für die AFD, als „persönliche Einzelmeinung“ förmlich abgewertet. Aber: „Diese persönliche Einzelmeinung“ wird „von der Provinzleitung nicht geteilt“. Immer dies wird gesagt. Ob nun kontroverse Debatten, offenbar in dem Orden üblich, nun auch mit Pater Ockenfels geführt werden, auch öffentlich, wird vom Provinzial nicht einmal angedeutet. Wie toll wäre es doch einmal einen kritischen Dialog unter Dominikanern, die nennen sich ja offiziell „Predigerbrüder, über das Thema öffentlich zu erleben.

Wie streiten sich Dominikaner, die politisch ein bisschen links sind mit solchen, die sehr rechts sind? Oder redet man schon gar nicht mehr miteinander? Und trennt die Konvente in progressivere und konservativere? Ein gepflegtes Nebeneinander also in einem Orden?

Diese äußerst knappe allgemeine Abgrenzung bedeutet letztlich: Ein Ordensoberer ist gegen die Meinung eines zudem einflussreichen Ordensmitglieds machtlos; der Ordensobere zeigt hilflos, nicht mehr als die offizielle Ablehnung dieser Privatmeinung eines einzelnen Mitglieds im Orden mitzuteilen. Man könnte sich im Fall dieser gravierenden AFD Unterstützung ja auch denken: Dass der Ordensobere entscheidet, die Ordensmitgliedschaft des Betreffenden „ruhen“ zu lassen, solange dessen AFD Aktivitäten fortgesetzt werden. Ein anderes Beispiel: Der Prior des Dominikanerordens in Montpellier (Frankreich) hat den “linken” Dominikaner Jean Cardonnel  (1921 – 4.7.2009) einfach aus dem Kloster herausgeworfen  (2002), indem er in einer Zeit der Abwesenheit von Pater Cardonnel einfach dessen  Zimmer im Kloster leer räumte und dessen “Hab und Gut” auf die Straße stellte. Pater Cardonnel ist dann außerhalb seines Klosters in einem Altersheim gestorben. So weit wird man im Falle des AFD Theologen und Dominikaners Ockenfels nicht gehen müssen, zumal ja Pater Ockenfels recht hübsch sicher außerhalb eines Klosters privat wohnen darf als privater Mönch…

Hingegen suggeriert der Ordensobere an der Stelle seiner knappen Stellungnahme, als wäre diese persönliche Einzelmeinung von Ockenfels nur von so geringer Bedeutung wie etwa eine absolute Vorliebe fürs vegetarische Essen oder für anstrengende Bergwanderungen. Mit anderen Worten: Der Ordensobere spielt in diesem ersten Absatz die AFD von Pater Ockenfels herunter. Damit wird indirekt für andere das Zeichen gesetzt: Wenn schon ein Dominikaner Theologe sich AFD nah engagiert, warum kann ich als katholischer Laie dies nicht auch? „Also los, wählen wir AFD“, sagen sich praktizierende Katholiken, die nachweislich immer noch sehr autoritätshörig sind. Insofern hat die milde Beurteilung der AFD Aktivität des Theologen Ockenfels durch den Provinzialoberen verheerende Folgen. Offenbar wissen die Ordensleute noch zu wenig über die Hintergründe dieser AFD…

Und ich frage mich: Was bedeutet eigentlich heute noch das klassische Ordensgelübde des Gehorsams, das jedes Ordensmitglied ausspricht, oder hat man es nur „abgelegt“, im doppelten Sinne der Bedeutung. Tatsache ist: Angesichts des zunehmenden Mangels an „Ordensnachwuchs“ kann jedes noch verbliebene Ordensmitglied offenbar machen und sagen und tun, was es will, der Ordensobere hat nur noch die „persönliche Haltung und Einzelmeinung“ abzunicken. Und wenn Ordensleute privat wohnen, wie Ockenfels, kann das Gelübde der Armut wohl einfach auch „abgelegt“ werden. Bemerkenswert jedenfalls ist auch die Toleranz von Ockenfels gegenüber dem offen homosexuell lebenden, einstigen Chefredekteur des Gay – Magazins „Männer“ im schwulen Bruno Gmünder Verlag in Berlin: Gegenüber seinem Co-Beirat David Berger in der AFD Stiftung zeigt sich Ockenfels sehr tolerant: Er hält den nun AFD affinen (ehemaligen ?) Gay-Aktivisten und Gay-Publizisten David Berger für einen „sehr anregenden, kompetenten Gesprächspartner“. Dabei ist diese tolerante Aussage von Ockenfels hoch erstaunlich: Sie steht wohl ganz im Dienste der gemeinsamen AFD-Verbundenheit: Denn Ockenfels hat sonst gegen alle „moderne“ Moral (der „68 er- Bewegung“) gewettert, gegen Feminismus und Gender-Forschung etwa. Gegen die so genannte „Homoehe“ argumentierte Ockenfels in einem von Norbert Geis (CSU – Hardliner) herausgegebenen Buch mit dem Titel „Homoehe“,er verfasste den beitrag “Staatliche Prämierung der Unfruchtbarkeit“ (gemeint sind „die Homos“). AFD Homos sind jetzt – dank David Bergers Liebe zur AFD – offenbar nicht mehr so „unfruchtbar“.

Wenn man sich das weite Netzwerk von Ockenfels anschaut innerhalb eines konservativ – katholischen Milieus, kann man sich nicht so recht vorstellen, dass der Provinzial in Köln den Mut hat und sagt: Lieber Ockenfels, gib deine AFD Hilfsbereitschaft und AFD Nähe auf. Oder wir lassen deine Mitgliedschaft im Orden „ruhen“. Verhungern würde er als Nicht – Dominikaner Ockenfels sicher nicht, erhält er doch als emeritierter Universitätsprofessor z.B. auch eine gute Pension… Aber diese Aktion des Provinzials wäre ein Zeichen: „Wir dulden keine AFD affinen Leute im Orden …und auch nicht in kirchlichen und theologischen Ämtern“.

Im zweiten, etwas längeren Teil der „Stellungnahme“ von Pater Kreutzwald wird dann ohne jeden ausdrücklichen Bezug zur AFD – Mitarbeit des Dominikaners Ockenfels nur Allgemeines zur politischen Situation Deutschland und Europas gesagt: Die AFD wird von dem Provinzial durchaus als „rechtsgerichtete Partei“ bewertet. Dass rechtsgerichtet“ noch zu milde klingt, ist klar! Kreutzwald gibt zu, diese Partei argumentiere mit „vereinfachender Polemik“ bis hin zu offener Feindseligkeit. Die Frage stellt der Provinzial an dieser Stelle nicht: Darf ein Theologe, darf ein Christ, sich zu dieser offenen Feindseligkeit (die die AFD nachweislich inszeniert) bekennen? Er meint verbreitet dann noch die allgemeine Weisheit, dass nur „nationale Lösungen der Flüchtlingsthematik angegangen werden sollten“.

Zum Schluss erinnert der Obere an den Anspruch des Dominikanerordens, des Predigerordens, „in einer vernünftigen Sprache differenziert und ausgewogen die gegenwärtigen Herausforderungen ins Wort zu bringen“.

Dazu gehört aber mehr kritisches Nachdenken und mehr Mut, als diese knappe Erklärung von Pater Kreutzwald zeigt. Der Provinzial beschwört die „Verkündigung der guten Botschaft Jesu zum Heil aller Menschen“ als Ziel des Ordens. Zu dieser Botschaft gehört doch aber auch das Nein, das Abstandnehmen, das prophetische Wort, die Warnung. „Persönliche Einzelmeinungen“ anzuerkennen, auch wenn man sie nicht „teilt“, reicht nicht; es geht darum, Wahres von Falschem zu trennen, Gutes von Gefährlichem in der Politik. Einst waren die Dominikaner die großen Meister in der Verfolgung von Ketzern, auch im Rahmen der Inquisition. Solche Zeiten dürfen niemals wieder kommen. Aber andererseits: Sind Dominikaner (in Deutschland) jetzt zu Meistern der letztlich resignativen Hinnahme „persönlicher Einzelmeinungen“, auch im von Fall Bindungen an die AFD, geworden?

Die AFD wird sich freuen, dass ihr der Einstieg ins katholische Theologen- und Ordensmilieu gelungen ist. Das könnte sich allerdings noch ändern, wenn auch die Dominikaner sich an der Erforschung des europäischen Rechtsextremismus beteiligten und entsprechende Konferenzen organisierten. Und ein umfassend, argumentierendes prophetisches Wort als NEIN zur AFD wagen. Wird das geschehen? Dies wäre eine utopische Erwartung!

So dämmern die Kirchen dahin, angesichts der AFD, der Pegida, der Oligarchen in Europa und den USA, und dem Katholiken Steve Bannon, der explizit alles Freiheitliche vernichten will. “Eine Schande ist dieser Dämmerzustand der Kirchen und der noch halbwegs intellektuellen Orden”, schreibt mir ein Leser. Ich kann ihm nicht widersprechen. “Nationalistisch” und “christlich” wird sich bald wieder reimen…Macht Pater Ockenfels den Anfang?

…… DER TEXT von Pater Kreutzwald ist erreichbar über: http://www.dominikaner.de/

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Papstfilm von Wim Wenders: Franziskus: Politisch mutig – theologisch sehr konservativ

Anlässlich des Films „Ein Mann seines Wortes“

Einige Hinweise von Christian Modehn

In Berlin wird für den neuen Film von Wenders auf Plakaten mit einem riesigen Porträt von Papst Franziskus mit der Unterzeile geworben: „Die Welt braucht Hoffnung“. Es wird sich zeigen, auch in diesen Hinweisen, ob Papst Franziskus der Welt tatsächlich umfassend Hoffnung geben kann…

Papst Franziskus gilt für viele Menschen – auch außerhalb des Katholizismus – in gewisser Hinsicht als eine Art „Lichtgestalt“: Also als ein „authentischer“ Staatschef. Denn dies ist ein Papst als geistliches Oberhaupt der Kirche ja auch, er ist immer gleichzeitig auch oberster (nicht vom Volk, nicht von den Vatikan-Bürgern gewählter!) Chef des Staates Vatikanstadt mit entsprechenden internationalen Auftritten. Dafür ein Beispiel: Bis heute hat der Staat Vatikanstadt die Menschenrechtserklärung der Uno NICHT unterschrieben. Das nur als kritischen Dämpfer, um allen Enthusiasmus angesichts von Papst Franziskus ein bisschen aus der Sphäre der Heiligsprechung herauszuholen. Wer ständig Menschenrechte anderswo fordert, könnte ja die Menschenrechtserklärung unterschreiben als Papst, könnte man denken…

Aber Papst Franziskus bleibt trotzdem mit seiner Kritik am Kapitalismus im Vergleich mit vielen anderen Klerikern im Vatikan als Staatschef doch bemerkenswert: Gerade in einer Welt, in der demokratische Politiker nur noch an einer Hand abgezählt werden können. Da freut man sich fast über einen kritischen nichtdemokratischen Staatschef, den Papst! In einer Zeit, in der ein Politologe, Prof. Stephen Eric Bronner, Rutgers University USA, Mister Trump, im ganzen sehr treffend, unter dem Stichwort „Gangsterpolitik“ beschreibt. So in der hervorragenden Zeitschrift „LETTRE international“, Heft 121 vom Juni 2018, Seite 172f.

Da gilt dann Papst Franziskus als eine Art personifizierter Lichtblick, was seine explizite und praktische Solidarität zugunsten der Armen, der Flüchtlinge, der Unterdrückten und Ausgebeuteten in Afrika, Asien, Lateinamerika angeht. Sein Plädoyer für mehr Barmherzigkeit ist lobenswert, wobei manche sagen: Gerechtigkeit wäre zunächst einmal die Basis und deswegen dringender. Die Hungernden wollen nicht – mal zwischendurch – barmherzig behandelt werden, sondern endlich gerecht! Das geht um die Veränderung der Klassenstrukturen…Dass er den konfessions verschiedenen Ehepaaren keine freie Entscheidung lassen will in der Wahl von katholischer Kommunion oder evangelischem Abendmahl, ist natürlich der größte Widerspruch zu allem Barmherzigkeitsgerede von Papst Franziskus. Dass er es sich anmaßt, Frauen in Not die Abtreibung zu verbieten, ist gar nicht barmherzig. Und so weiter und so weiter..

Trotzdem: Solch ein Papst weckt Zuversicht und Hoffnung, dass die Humanität in den „obersten Spitzen“ der Führer dieser Welt nicht ganz verschwindet, selbst wenn immer gefragt werden muss: Warum ist der Vatikan immer noch, auch unter Papst Franziskus, so reich, so opulent ausgestattet mit so unsäglich vielen bestens versorgten Klerikern vor allem in Rom? Wo sind die Verzichtsleistungen des Papst – Staates auf die Milliarden Euro wertvollen Immobilien im Kirchenbesitz allein in Rom: Und da wagen es diese Herren noch, um Spenden zu betteln… Also: Trotz aller so anrührenden Fußwaschungen von Gefangenen und Obdachlosen durch den Papst und trotz aller Solidarität mit den Flüchtlingen, etwa auf Lampedusa: Diese Kirche ist in Italien, ist in Europa, in den USA (falls die Bistümer dort nicht schon längst pleite sind wegen der hohen Zahlungen an die vielen Opfer pädophiler Verbrechen durch Priester)… diese katholische Kirche steht also de facto und mit klarem Verstande gesehen eben überhaupt nicht an der Seite der Armen: „Ich wünsche mir eine Kirche für die Armen“ sagte Papst Franziskus bei seiner Wahl, dieser Wunsch ist Wunsch geblieben: Er selbst wohnt zwar seit Beginn seiner Regierung in einer einem Apartment des Hauses „Santa Marta“, also nicht im Palazzo, wie Benedikt XVI….Dieser Umzug ist wohl das entscheidende Symbol des Reformwillens von Papst Franziskus. Kardinäle bewohnen ungeniert 300 Quadratmeter Wohnungen, wie Kardinal Bertone usw….

Nur: Diesem Ortswechsel des Papstes, dies ist mehr als ein Umzug, folgt kein Bischof, kein Kardinal nach: Falls jemand weiß, dass die deutschen Kardinäle oder Erzbischöfe etwa in 3 Zimmer – Mietswohnungen der Neubauviertel von Köln oder München Bamberg usw…. umgezogen sind, bitte bei mir melden. Falls jemand weiß, dass die Ordensgemeinschaften, auch die Abteien und Stifte, endlich einmal ihre Finanzen, ihre Immobilien, Waldbesitzungen etc. freilegen, wo sie doch so viel von Armut reden, bitte bei mir melden!

Wenn ich also auf einige zentrale kritische Aspekte zu Papst Franziskus hinweise – jeder Mensch muss sich selbst und andere kritisch betrachten – dann folge ich selbstverständlich nicht der gehässigen Kritik der äußerst konservativen klerikalen Clique der sich allwissend gebenden Kardinäle, Bischöfe und Theologen, die sich schlechterdings keinen Wandel, keine lebendige Veränderung in der römischen Kirche vorstellen können. Sie wollen einfach nur Papst Franziskus fertig machen, weil er eben weltpolitisch betrachtet etwas aus dem Rahmen üblicher Kleriker – Mentalität fällt. Diese ultrakonservativen Herren, die immer von ewigen Grundsätzen sprechen, interpretieren diese Grundsätze selbstverständlich absolut autoritär, ohne Diskussion, exklusiv, für ewig… so sind nun einmal autoritäre, undemokratische Systeme. Solche Systeme nannte der große Psychologe Erich Fromm treffend nekrophil.

Es gibt selbstverständlich eine aus der progressiven Theologie und Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie kommende Kritik am Papsttum und auch an Papst Franziskus. Trotz des allseits gerühmten Filmes von Wim Wenders.

Die entscheidende Erkenntnis: Der Vatikan und die gesamte Leitung der römischen Kirche ist ein autoritäres System, in der die „normalen Gläubigen“, die Laien, nur Belangloses sagen dürfen, aber niemals auch nur ansatzweise Wichtiges mitentscheiden. Frauen schon gar nicht, sie sind Hilfstruppen in der Männerkirche. Und das Schlimmste ist jetzt: Diese Degradierung der Frauen, ihr Ausschluss vom Priesteramt soll nun auf ewig so bleiben: Niemals wird es ein Priestertum der Frauen geben, wie der neue Chef der Glaubenskongregation Kardinal Ladaria SJ kürzlich meinte, er steht natürlich auf der Seite des lieben Gottes, weiß alles, entscheidet alles. Die Frauen werden aus diesem theologischen Wahn eines Kardinals ihre Konsequenzen ziehen.

Und es ist bezeichnend für die Situation in einer Diktatur, die Wahrheiten willkürlich auferlegt, dass in der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“, vom 10. Juni 2018, Seite 2, die Redakteurin Susanne Haverkamp resigniert zu dem Verbot des Frauenpriestertums schreibt: Wenigstens „die Gedanken sind frei“. Was für eine Schande, solches schreiben zu müssen. Frauen denken nur noch insgeheim ans Priestertum der Frauen, glauben aber nicht daran, dies noch in den nächsten 300 Jahren zu erleben. Wie oft wurde einst in undemokratischen Zuständen gesagt: Wenigstens die Gedanken sind noch frei. Was für ein erbärmliches Bekenntnis einer theologisch gebildeten Katholikin zum miserablen Zustand der römischen Kirche: Diese Entscheidung des obersten Chefs der einstigen Inquisitionsbehörde Kardinal Luis Ladria SJ jetzt geschah selbstverständlich in Absprache mit Papst Franziskus. Wer daran denkt, möge bitte eher von einer Heiligsprechung von Papst Franziskus Abstand nehmen, aus Gründen einer progressiven Theologie, die lebendig ist und nicht versteinert und tot wie die in Rom.

Theologisch ist dieser Papst Franziskus also nach wie vor konservativ, den alten und angeblich ewigen Wahrheiten verpflichtet. Die Liste dieser konservativen Denkmuster auch bei Franziskus ist ultra lang. Das Zölibatsgesetz könnte er als Papst sofort aufheben, das ist seine rechtliche Kompetenz, tut er aber nicht. Hingegen verehrt er die Jungfrau von Fatima, die einst den Hirtenkindern in Portugal leibhaftig erschien…Franziskus schätzt den selbst von anderen Päpsten scheinheilig genannten Kapuziner Pater Pio, der mit seinen angeblichen Wundmalen Jesu an seinem Leib einen blühenden Handel trieb; Papst Franziskus praktiziert nach wie vor den Ablass, als hätte es das Reformationsgedenken 2017 nicht gegeben; in seinen Morgenansprachen im Haus Santa Martha spricht er ständig von der Präsenz des Teufels, Teufelsaustreibungen werden selbstverständlich immer mehr praktiziert usw. Die Versöhnung mit den Traditionalisten und Pius – Brüdern von Erzbischof Lefèbvre geht voran, indem man deren reaktionäre Theologie schrittweise anerkennt…Diese Liste sehr zweifelhafter theologischer Praktiken auch unter Franziskus und von ihm so gewollt könnte endlos verlängert werden…

Da könnte man sagen: Ja, aber das will Franziskus doch selbst gar nicht. Das alles lässt er nur zu, um die vielen reaktionären Kleriker im Vatikan und anderswo etwas ruhig zu stellen: Aber wenn das so ist, dann bestätigt diese Situation nur den Zustand der römischen Kirche. Die nach außen hin hoch beachtliche humane Geste von Franziskus im Umgang mit Gefangenen, Armen, Flüchtlingen usw. geschieht auch deswegen, damit die KatholikInnen noch in dieser Kirche bleiben. Der Film von Wim Wenders ist dafür eine willkommene Hilfe. Vielleicht.

Wim Wenders war nicht in der Lage, das so unglaublich zwiespältige theologische Profil von Papst Franziskus zu zeigen. Sein Film zeigt insofern nur den “halben“, den nach außen hin so sympathischen Franziskus! Man möchte heulen, wenn man ihn so segnend, streichelnd, volksnah, solidarisch sieht. Und sollte auch heulen, wenn man seine theologischen Positionen denkt, siehe oben…

PS.: Dabei wäre es auch eigentlich einmal an der Zeit, nach dem Verhalten von Pater Bergoglio SJ, dem späteren Papst Franziskus, und dem späteren Erzbischof Bergoglio von Buenos Aires im Umfeld der brutalen, sich katholisch nennenden Militärdiktatur in Argentinien umfassend zu forschen. Die seriöse umfassend – kritische Debatte darüber „wurde verstummt“, unterbrochen, abgebrochen… Aber solche Forschungen machen einen nicht beliebt, machen zu viel Arbeit den deutschen Filmemachern und Journalisten.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

“Staat ohne Gott”: Über die Bedeutung der Religionen in der Demokratie

Inspirationen und Fragen zu einem neuen Buch von Horst Dreier

Ein Hinweis von Christian Modehn

Um alle Irritationen von vornherein zu vermeiden: Das neue Buch von Horst Dreier, Rechtsphilosoph, Staats – und Verwaltungsrechter an der Würzburger Universität, ist kein Plädoyer für eine gottlose Gesellschaft, auch keine Werbung für den Atheismus – aber auch keine Werbung für einen religiösen Glauben. Sondern eine umfassende Reflexion über die eigentlich selbstverständliche Tatsache, von der alle modernen Demokratien bestimmt sind: Dass sie als demokratische Staaten zur Begründung ihrer eigenen Autorität, Kraft und Macht sich gerade nicht auf einen Gott beziehen. Sie sind insofern „demokratische Staaten ohne Gott“. Sie sind nicht gegen Gott und auch nicht für „ihn“. Und das ist gut so fürs Leben der unterschiedlich Frommen und Nichtfrommen in einer pluralen Demokratie. Inzwischen wird diese Position, eigentlich wohl die Mehrheitsposition, allerdings bestritten: Etwa durch den Rechtswissenschaftler Ulrich Haltern, der behauptet, wie Dreier schreibt, „Souveränität sei unhintergehbar religiöser Natur“ ( S.152). Dreier hält hingegen daran fest: „Die Säkularität des modernen Staates besteht in dem Verzicht auf Transzendenz als Begründungsressource“ (59). Konkret heißt dies: Die säkulare Demokratie mischt sich nicht in die inneren Angelegenheiten der verschiedenen Glaubensrichtungen ein und verzichtet auf ein Votum in religiösen und weltanschaulichen Fragen (59). Dieser Staat räumt umfassende Religionsfreiheit ein, er distanziert sich von Religionen, ohne dabei in einer Art atheistischen Staatsideologie Religionen zu verfolgen oder minderwertig zu betrachten.

Der gott – lose Staat ist also selbst nicht mehr – wie einst – konfessionell geprägt, er lebt nicht (mehr) von Gottes oder damit zusammenhängend der Kirchen Gnaden, sondern aus den Bürgern, dem Volk, als dem Souverän. Nur der Staat, der sich selbst jeglicher Entscheidung zur Frage nach Gott enthält, kann ein friedliches Miteinander in der pluralistischen Gesellschaft gewährleisten. Soweit ein Hinweis auf die fundamentale Erkenntnis, die Horst Dreier leider nicht in aktuelle Bezüge zur Islam- Debatte stellt.

Und dieser demokratische Staat in Deutschland versteht sich „säkular“, eben nicht unter der Leitung einer Kirche. „Säkularisierung2 ist dabei der ständig verwendete Begriff in den privaten und öffentlichen Debatten. Schon im 1. Kapitel (von insgesamt 6 Kapiteln) erläutert Dreier in vorbildlicher Klarheit die vielfachen Bedeutungen des Wortes Säkularisierung, eines Topos, der „inflationär geworden ist“ (34). Der Autor verweist etwa auf die (historischen) Auseinandersetzungen, die mit der Durchsetzung dieses Begriffes und der gemeinten Realität verbunden waren und wohl noch sind. Wenn man daran denkt, dass die Weltlichkeit der Welt eben DAS Kennzeichen der Moderne ist, wird man sich um so mehr fragen: Ist diese neuzeitliche Moderne von einem kirchlichen Standpunkt aus betrachtet als solche wertvoll, bietet sie Neues im Laufe der Geschichte Europas? Diese Frage des Philosophen Hans Blumenberg (siehe „Die Legitimität der Neuzeit“) erörtert Dreier ausführlich: Die Säkularisierung in der europäischen Moderne zehrt nicht von Vorlagen des christlichen Mittelalters, „sie trägt ihre Legitimität in sich selbst“(41). Das heißt: Die Moderne, die Neuzeit, ist für Blumenberg auch ohne das Christentum verständlich (45), ohne den Rückgriff auf Heiliges und Mythos (46).

Unter den vielen Anregungen und Fragen, die das Buch bietet, nur ein weiterer Hinweis. Horst Dreier bezieht sich am Ende des 1. Kapitels auch auf sozialwissenschaftliche Dimensionen der Säkularisierung. Dass die Kirchen in Deutschland Mitglieder verlieren, ist bekannt. Interessant ist nur die vielfältige Interpretation dieser „Entkirchlichung“ in Religionssoziologie und Theologie: In welcher Weise sind die Christen, die aus der Kirche austreten, noch spirituell bewegt und interessiert? Sind sie etwa gottlos, sind sie zu Vertretern einer gottlosen, „säkularistischen“ Moderne geworden? Dreier diskutiert dieses Thema als Nicht – Theologe, wobei er meines Erachtens sehr stark den entsprechenden Deutungen des Religionssoziologen Detlef Pollack folgt: Und der hält nicht so viel von der Möglichkeit einer „unsichtbaren Religion“ (Thomas Luckmann und andere). Dabei wäre es doch gerade spannend, den Bezug auf (allgemein) Göttliches, also absolut Zentrales im Leben sogenannter Atheisten auch in Ostdeutschland zu untersuchen. Im Zusammenhang einer persönlich gelebten absoluten Vorliebe etwa für Sport…Schon Walter Benjamin sprach ja von „Kapitalismus als Religion“. An der Stelle hätte ich mir eine breitere Diskussion gewünscht, die vielleicht zu der Erkenntnis kommt: So total ist die Säkularisierung, etwa im Osten Deutschlands, doch nicht. Es ist auch Schuld der Kirchen, die in diesem Milieu einfach nur ihre alten Sprüche und Weisheiten und Gottesdienstformen unverändert nach der Wende 1989 fortsetzen. Die veraltete Sprache interessiert ja auch im Westen fast niemanden mehr… Jedenfalls gilt meiner Meinung nach inmitten der Säkularisierung: Der Bezug auf eine absolut wichtige Wirklichkeit hat sich nur geändert, es ist eben nicht mehr der „christliche dreieinige Gott“…sondern die Freizeit, der Sport, die Familie, die Liebe zur Natur, und dies sicher auch: die oft stillschweigende, sehr individuelle, gemeinschaftlich leider nicht geteilte Verehrung eines sehr persönlichen Geheimnisses im Leben usw. Dieser Gott hat viele sich wandelnde Gesichter… Dem geht die Theologie jedenfalls nicht nach, leider. Aber das ist ein anderes Thema…

Ein weiterer Mangel der insgesamt hoch interessanten, leicht lesbaren Studie von Horst Dreier: Er beschränkt seine Ausführungen sehr deutlich auf Deutschland, auch wenn am Rande immer mal kurz Frankreich erwähnt wird als ein Symbol für „laizistische Ansätze“ ( 61), die er dann als Tendenz versteht, „die Religion aus der Öffentlichkeit zu verdrängen“. Dreier kennt wohl einen „moderaten Laizismus“ etwa in Québec, der in seiner Sicht von dem offenbar heftigeren, abzulehnenden französischen Laizismus verschieden ist (Fußnote 100, Seite 118).

Es ist der in meiner Sicht oft übliche Fehler deutscher Autoren, dass sie die Kirche – Staat – Beziehung in Frankreich etwa seit 1905 (gesetzliche Trennung von Staat und Kirchen) als eher für die Religionen feindliche Haltung des Staates interpretieren. Wer hingegen die heutige Rechtslage betrachtet, muss feststellen: Die Religionen (Judentum, Buddhismus, Islam, Protestanten, Orthodoxe, Katholiken) werden alles andere als staatlich schikaniert und bedrängt. Nur eine kulturpolitische Realität im „laizistischen“ Frankreich: Im staatlichen Fernsehprogramm „FRANCE 2“ gibt es an jedem Sonntag von 8.30 bis 12.00 eigene, von den Religionen selbst bestimmte Sendeplätze mit Features und Gottesdienstübertragungen, alle Religionen haben da nacheinander ihren Platz. Der bekannte und allseits geschätzte Politologe Alfred Grosser (Paris) bedauert nur zurecht, dass bei diesem umfassenden TV Programm aller Religionen die „rationalistische, atheistische Philosophie nicht berücksichtigt wird“ (S. 179 in Grosser, “Wie anders ist Frankreich?“ C.H. Beck Verlag, 2005). Wenigstens das Kapitel dieses Grosser Buches sollte allmählich jeder Theologe usw. lesen, der immer noch von atheistischem „Laizismus“ in Frankreich schwadroniert. Die deutschen Kirchenoberen sind auch gegen diesen angeblichen Laizismus, weil in Frankreich ein katholischer Bischof ca. 1.200 Euro Monatsgehalt bekommt, aus Spenden, weil es keine Kirchensteer in Frankreich gibt; ein deutscher Bischof hingegen mindestens 10.000 Euro monatlich, aber das am Rande. Ist die Kirchensteuer in Deutschland wirklich etwas Heiliges? Es ist wohl so!

Für die französischen Bischöfe ist Kirchensteuer kein Ideal, sie unterstützten ausdrücklich die laicité der französischen Republik, diese laicité ist, noch einmal, nicht identisch mit dem bei deutschen Wissenschaftlern üblichen Kampfbegriff „Laizismus“. Man studiere nur, wie die zahlreichen katholischen Privatschulen vom Staat mit finanziert werden, wie es Militärseelsorge gibt, wie der Staat kleinere Tageszeitungen, wie die katholische Tageszeitung La Croix. Manchmal möchte man sogar meinen, der französische Staat überschreitet seine gsetzlichen Grenzen, wenn er unentwegt auch jetzt dafür sorgen will, dass die vielfältigen muslimischen Verbände eine einheitliche Organisation (nach dem Vorbild der Kirchen!) schaffen.

Die Inhalte der französischen laicité in Frankreich hätten auch weiter diskutiert werden können, wenn es um die Frage geht: Sollte die demokratische Republik angesichts der Gefahren, die ihr jetzt von Rechtsradikalen drohen (die diese Demokratie abschaffen wollen), nicht in aller Deutlichkeit ihre eigenen demokratischen, republikanischen Werte nach außen darstellen, vermitteln, ich möchte sagen: propagieren und verteidigen? Um Schlimmstes zu verhindern, nämlich die Abschaffung der Demokratie durch die Wählerstimmen einer Mehrheit? Ist die Demokratie wirklich schutzlos? Ich meine, zumindest am Ursprung der Trennung von Staat und Kirchen in Frankreich gab es die Idee mit konkreten Vorschlägen, diese Republik inhaltlich zu verteidigen, etwa in den Schulen des Staates usw. Angesichts der neuen Bedrohung des Demokratie durch rechtsradikale Kräfte, populistische Parteien usw., ist es dringend nötig, dass sich die Demokratie nicht darauf beschränkt, nur das freie Spiel aller Kräfte zu ermöglichen. Diese Frage wird auch nicht umfassend in dem Buch diskutiert, leider. Angedeutet wird das Problem: Was denn einen Staat „im Innersten zusammenhält“ (208). Das Thema „Zivilreligion“ wird nur kurz erwähnt und als Möglichkeit pauschal abgewiesen (209).

Damit wird das Thema von Ernst – Wolfgang Böckenförde relevant, dessen (rätselhafter, aphoristischer) Spruch (von 1964, publiziert 1967): „Der freiheitliche, demokratische Staat lebt von Voraussetzungen die er selbst nicht garantieren kann“ (zit. S. 189) allmählich fast formelhaft auch heute permanent zitiert wird. Horst Dreier bietet dazu eine umfassende Analyse, etwa, dass diesen Gedanken in ähnlicher Form der Philosoph Joachim Ritter schon vorher geäußert hat (S. 195). Interessant ist, dass Dreier zeigt: Böckenförde hat selbst auch später kaum präzise sagen können, wie denn diese (geistigen) Voraussetzungen aktiviert werden können, um den demokratischen Staat in seinem (Über)Leben zu stützen…Auch Rawl und Habermas haben sich mit dem Thema „herumgeschlagen“. Dreier selbst betont am Schluss: „Ohne die Grundrechtsaktivität der Bürger, ohne anhaltendes politisches und gesellschaftliches Engagement, ohne die Fähigkeit zum friedlichen Austrag von Konfliten wird eine freiheitliche demokratische Ordnung auf Dauer nicht bestehen könne, das scheint mir sicher“ (214). Dreier vertraut auf die geistige Kraft der Diskussion, des wohlgeordneten Dissens, wie er schreibt. Bloß was tun, wenn der Dissens so groß geworden ist, dass viele Akteure etwa in der AFD, bei le Pen etc. nicht mehr erreichbar sind? Da wäre weiter zu forschen und aller praktische Nachdruck eben auf die „Grundrechtsaktivität der Bürger“ zu setzen als Überlebenshilfe der Demokratie.

Sehr erhellend sind die Ausführungen zur viel diskutierten Frage nach dem Gottesbezug in der Präambel der bundesdeutschen Verfassung. Da ist von einem „Gott“ die Rede, nicht von dem konfessionell geprägten christlichen dreifaltigen Gott wie etwa in Irland. Für Historiker ist interessant das Kapitel über die Verfassungsgeschichte der Religionsfreiheit in Deutschland….

Bedauerlich bleibt, wie schon gesagt, die hohe abstrakte Distanz zu aktuellen und dringendsten Fragen, etwa zum Islam, zur Zunahme des Rassismus und Antisemitismus. Der Umgang mit dem abstrakten Begriff „der Staat“ bei Dreier ist auch problematisch: Denn der Staat das sind immer historisch –kulturell bestimmte Bürger. Aber welche Bürger prägen den Staat, machen die Gesetze. Da hätte ein Bezug gerade jetzt im Jahr des Gedenkens an Karl Marx sehr gut getan, dass es eben doch die führenden Klassen sind, also auch die Eigentümer, die den Staat und seine Gesetze bestimmen! Ob Deutschland ein Klassenstaat ist, wäre doch die Frage, die manche Forscher zurecht mit einem großen „leider“ Ja, positiv, beantworten müssen. Man denke nur an aktuelle Beispiele, an den staatlichen Umgang mit Autoproduzenten, der ständigen staatlich verfügten Reduzierung der Hartz IV Leistungen, der Abschreckung von Flüchtlingen durch entsprechende Aufnahme-Heime, der förmlichen „Heiligsprechung“ „des“ Eigentums usw. Dieser Staat ist er noch ein Sozialstaat? Das wäre doch eine Frage für Horst Dreier, die er leider überhaupt nicht berühren will. Aber sie muss diskutiert werden.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Horst Dreier, Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne. C.H.Beck Verlag, München, 2018, 256 Seiten, 26,95 EURO

Berliner Realismus: Über das unsoziale Berlin um 1925. Eine Ausstellung im Bröhanmuseum

Eine Ausstellung im Berliner Bröhan Museum, die man nicht versäumen sollte.

Ein Hinweis von Christian Modehn

Bis zum 17. Juni 2018 haben alle an der Berliner „sozialen (Un-)Kultur“ Interessierten noch eine Chance, die sie nicht verpassen sollten: Das schöne Bröhan Museum in Charlottenburg, Schloßstr.1a., bietet bis zum 17. Juni noch die – ohne Übertreibung – hervorragende Ausstellung “Berliner Realismus“ in den zwanziger Jahren, also in den angeblich goldenen Zwanzigern, die für so viele, wohl die meisten Berliner, lebensmäßig und sozial gesehen eher düstere Jahre des Elends, der Ausgrenzung, waren. Jahre, in denen sich Rechtsradikale immer mehr breit machten und die Demokratie auslöschten.

Zwischen den beiden Weltkriegen also wird das Berliner Armuts – Leben dargestellt, von Künstlern, die angeblich alle schon von Kennern tausendmal „besichtigt“ wurden; aber diese Arbeiten müssen immer wieder neu entdeckt werden: Um der eigenen Erweiterung und Sprengung des Horizonts willen. George Grosz also, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Hans Baluschek und auch Heinrich Zille sind da vertreten und mit anderen Künstlern in etwa 200 Exponaten zu studieren! An die asoziale Schmäh Kaiser Wilhelm des Zweiten wird erinnert, der sozialkritische Kunst dumm und arrogant „Rinnsteinkunst“ nannte: Damit wird schon das Feld eröffnet, das Feld des Gegeneinanders von wenigen herrschenden, sich abkapselnden Etablierten und den allzu vielen, minderwertig genannten, den „Arbeitskräften“, den Proletariern, Armen, Bettelnden, Hungernden in einer Stadt, die vor Luxus und Dekadenz auch damals -in Mitte, Wilmersdorf etc.  – nur so strotzte. Wie heute. Nebenbei: Wie kommt es, dass auf diese WILHELM Kaiser (“Rinnsteinkunst”) immer noch dem Titel nach eine zentrale evangelische Kirche in Berlin benannt ist, selbst wenn sie heute oft nur neutralisiert und fast schon schamhaft “Gedächtniskirche” heißt. Aber wem gilt das Gedächtnis? Wohl kaum den arm Gemachten damals und heute. War denn Kaiser Wilhelm (1.) ein so vorbildlich Heiliger, dass man heute noch ihm zu Ehren eine Kirche benennen muss? Aber das ist ein anderes Thema. Ich empfinde jedenfalls diesen offiziellen Titel dieser Kirche heute als theologische Schande. Hoffentlich bin ich nicht der einzige… Es ist eine theologische und spirituelle Ignoranz, an diesem Titel dieser Kirche immer noch festzuhalten! Denn Kaiser Wilhelm der Erste war alles andere als ein Friedensfreund und ein Kämpfer gegen Kolonialismus und Rassismus.

Eine philosophische und deswegen gar nicht überflüssige Frage im Zusammenhang der Ausstellung: Waren die Armen damals ärmer als die Armen heute? Geht es also den Armen in Deutschland, in Berlin, heute besser als den Armen im Jahr 1925? Diese philosophische Frage drängt sich förmlich auf: Man könnte ja sagen, die Armen heute haben doch ihr Hartz IV, schlimmstensfalls ihre Suppenküchen und Kleiderkammern, sie haben ihre (engen) Wohnungen sehr fern ab von der City. Aber sie hungern nicht, meistens. Der Sozialstaat kümmert sich und überlässt den Ehrenamtlichen die soziale praktische Hilfe. Und die Kirchen (die Freiwilligen) machen da gern mit der Entlastung des eigentlich geforderten “Sozial – Staates”…Die Kirchen helfen also mit,  dass der Staat so bleibt wie er ist…Sozial? (Nebenbei: Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher teilte Anfang Juni 2018 in einer Studie mit: “Berlin ist für die Studie in 447 Gebiete aufgeteilt. Für etwa zehn Prozent(44 Gebiete) ergibt sich im Untersuchungszeitraum ein sehr niedriger sozialer Status. Sie gelten als “Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf und sollen in der Stadtentwicklungsplanung besonders berücksichtigt werden. Überraschend ist dabei, dass lediglich vier der 44 genannten Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf im Osten Berlins liegen. Quelle: Audio: Inforadio RBB | 07.06.2018 | Sebastian Schöbel)

Noch einmal: Der Vergleich damals – heute muss sich auf die unterschiedlichen Lebensverhältnisse und die sozialen, ökonomischen Bedingungen beziehen: Da sind die heutigen Armen auch aktuell vergleichsweise gegenüber den “Wohlhabenden heute” sehr benachteiligt. Denn es ginge ja prinzipiell auch anders in einer sozialen Sozialpolitik in diesem an sich ultra reichen Land. Die Armen (und ihre Kinder) könnten heute prinzipiell bessere Lebenschancen haben, wenn die Politiker es nur möchten….Und so sind die heutigen Armen, beim Respekt der historischen Differenz zum Berlin von 1925, letztlich „genauso“ arm wie die Armen damals, die Kollwitz, Baluschek und andere in ihren Werken darstellten. Mit anderen Worten: Es ist bei einem reflektierten Vergleich kein Fortschritt zu sehen hinsichtlich der Armut damals und heute.

Und das ist  wichtig: Man darf die Ausstellung nicht also verlassen in der frohgemuten Überzeugung: Gott sei Dank sind die heutigen Armen nicht mehr so arm wie die Armen damals. Die heutigen Armen bräuchten so wenig wie die damaligen Armen arm sein, wenn es eine gerechte Sozialordnung in einer Demokratie gäbe. Die gibt es aber weder heute noch damals. Nur mit dem Unterschied, dass uns die heutigen Künstler und Maler Kollwitz, Dix und Grosz einfach fehlen, sie sind nicht da: Oder kann mir jemand einen prominenten und teuer gekauften Maler nennen, der Armut und Arme und Klassenkampf in Berlin und Deutschland heute darstellt? Bitte melden, falls dies der Fall ist. Die meisten “teuren” und deswegen angesehenen Künstler, was nicht auf ihre Qualität schließen lässt, malen anderes, etwa Farbwogen und Farbwellen, Kleckse und verschlüsselte Symbole, um es mal etwas durchaus polemisch – zugespitzt zu sagen: Auch zu solchen Gedanken führt wie von selbst die Ausstellung im Bröhan Museum.

Was mir immer auffällt: Natürlich kann eine Kunstausstellung nicht auch eine literarische, philosophische oder theologische Ausstellung sein, die auch diese Aspekte kulturellen Lebens mit berücksichtigt. Aber weiter führend wäre es doch, wenn dies gerade an dem Thema sichtbar geworden wäre: Was taten eigentlich die Kirchen mit den Armen und für die Armen in Berlin damals? Nach meiner Kenntnis recht wenig, abgesehen von Sonderorganisationen wie der “Stadtmission” oder dem einzigartigen katholischen Pfarrer Dr. Carl Sonnenschein. Ihn schätzte Elsa Lasker Schüler oder Kurt Tucholsky! Warum erwähnt man das nicht zur Vervollständigung wenigstens am Beispiel zweier Kunstwerke, Fotos etc. Immerhin hatte der junge evangelische Theologe Paul Tillich eine Sensibilität  für die materielle Armut der Armen in Berlin….Aber das Ausblenden dieses Themas (Religionen, Kirchen, Philosophien) fällt mir immer mehr auf. Das Ausblenden des explizit Religiösen oder Philosophischen ist, sorry,  sicher auch Ausdruck der Mentalität der „Macher“: Bei diesen explizit „religiösen“ Sachen sei ohnehin nichts zu „holen“, meinen sie. Aber diese Überzeugung, aus Unkenntnis und Vorurteil, ist falsch!

Die Kirchen jedenfalls waren wohl selbst in den Arbeiterbezirken eher bürgerlich, eher fürsorglich, nicht sozialkritisch mit Armen beschäftigt. Man schreibe einmal die Geschichten der Kirchengemeinden in Wedding, Friedrichshain oder Neukölln, wäre spannend. Macht leider auch niemand…

Von der Philosophie in Berlin damals in dieser Hinsicht  (!) wollen wir lieber schweigen: Mir ist kein prominenter Philosoph der Berliner Universität bekannt, der Armut als Thema einer sozialkritischen Theorie gemacht hätte. Der immer noch so verehrte, bald “selig gesprochene” (d.h. Katholiken dürfen ihn dann im Himmel um Beistand bitten!) katholische Theologe und Religions-Philosoph Romano Guardini redete an der Uni Unter den Linden lieber feinsinnig über Rilke als über den “Charme” der dunklen krankmachen Hinterhöfe… Und Marxisten waren damals eher nur in den Parteien zu finden. Da hat sich heute einiges verändert, man denke an das weite vielfältige Umfeld der „Frankfurter Schule“. Vielleicht gibt es also doch einen ganz kleinen Fortschritt…Vielleicht  auch mal in der Berliner Welt der Ausstellungsmacher…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Neokatechumenale Katholiken jubilieren in Berlin am 9. und 10. Juni 2018: Sie bekehren seit 40 Jahren die Hauptstadt

Ein Hinweis von Christian Modehn

Wer den Zustand der römisch – katholischen Kirche, auch in Berlin, philosophisch und theologisch verstehen will, muss sich mit den immer mächtiger werdenden so genannten „neuen, weltweit tätigen geistlichen Gemeinschaften“ befassen, zu denen vorwiegend Laien gehören, die aber selbstverständlich immer brav unter Führung des Klerus leben dürfen. Dazu gehören etwa das Opus Dei, die katholischen Charismatiker (wie Emmanuel, Chemin Neuf etc.), die Legionäre Christi mit ihrem Regnum Christi oder eben auch die Neokatechumenalen. Sie können mit tausenden von Mitgliedern weltweit aufwarten, sie haben 20.000 „Ortsgruppen“, etwa 100 eigene Priesterseminaren weltweit usw.

Kurz gesagt bedeutet ihr Titel: Alle Katholiken brauchen eigentlich eine neue („neo“) Katechese, also eine neue und bessere Glaubensunterweisung. Und die kann unter Leitung dieser Organisation Jahre dauern, ehe man alle Feinheiten des offiziellen römischen Katechismus (auswendig) gelernt und vielleicht auch verstanden hat. „Unsere Theologie ist der Katechismus“, sagte mir in einem Interview voller Stolz ein Neokatechumenaler: Also Theologie wird bei diesen, eher dann theologisch gesehen schlichten, Gemütern gleichgesetzt mit der offziellen, total eindeutigen Lehre des dickleibigen Katechismus. Einpauken und sich religiös bestimmen lassen, ist also das Motto. Soviel nur zur Begriffserklärung.

Nun wird also im katholischen Berlin wieder mal gejubelt und Gott gedankt: 40 Jahre sind die Neokatechumenalen in Berlins katholischer Kirche tätig. Da werden am 9. und am 10. Juni 2018 Pontifikal-Ämter gefeiert mit Kardinälen;  Kardinal Cordes aus Rom wird dabei sein, der eng mit dieser am theologisch rechten Rande angesiedelten Gruppe seit Jahren verbandelt ist.  Auch einer der Gründer dieser inzwischen international mächtigen Organisation kommt nach Berlin, KIKO Argüello; er führt seine eigene Komposition auf, „Das Leiden der Unschuldigen – im Gedenken an die Shoa“. Damit soll die Nähe des Neokatechumenalen Wegs mit „dem“ Judentum deutlich werden. Diese Beziehung Neokatechumenale und Judentum wird in der interessierten Öffentlichkeit kaum beachtet: Denn die Liebe zu den „jüdischen Wurzeln“ ist in diesen Kreisen sehr hoch, wird aber in katholische Zusammenhänge eingespannt:

Für den Religions-Spezialisten Sandro Magister „ist diese Gruppe sicherlich die am meisten pro-Israel eingestellte Gruppe innerhalb der neuen geistlichen Gemeinschaften“ (in: Bernhard Sven Anuth, Der neokatechumenale Weg, Echter Verlag 2006, Seite 225). Ausdrücklich wird dann auch auf die Nähe der Neokatechumenalen zu der ultra-orthodoxen jüdischen Bewegung der Lubavitch verwiesen, ebd. Jedenfalls haben die Neokatechumenalen ein riesiges, monströs wirkendes Zentrum (auf 30.000 Quadratmetern Grundstückfläche) als „domus Galilaeae“ auf dem Berg der Seligpreisungen in Israel mit viel materiellem Aufwand errichtet: „Bereits die Errichtung der Domus Galiaeae wurde in Zusammenhang mit Endzeitprophetien gebracht, laut denen der Neokatechumenale Weg die Wiederkunft des Herrn auf dem Berg der Seligpreisungen erwarte. Ein ausgedehnter symbolisch aufgeladenen Gebäudekomplex ganz eigener Art, der Außenstehenden schwer entzifferbar ist.“ (Quelle: ebd.) Offenbar wird dort die Wiederkunft Jesu Christi erwartet. Jedenfalls soll jeder Neokatechumenale einmal in seinem Leben diesen Berg mit seinem eleganten monströsen Zentrum besuchen, berichtet Anuth (S. 225).

Viele Katholiken in Berlin, aber nicht nur dort, haben angesichts des 40 jährigen Bestehens der Neokatechumalen in Berlin (in anderen Ländern sind sie seit 50 Jahren tätig) keinen Grund zur Freude: Sie haben aufdringliche neokatechumenale Missionare erlebt, haben erlebt, wie in ihren Gemeinden Spaltungen geschahen zwischen den besseren „Neos“ und den eher noch „unentwickelten“ normalen Gemeindemitgliedern. 36 Priester der Neokatechumenalen wurden bisher für ihre Arbeit in der Erzdiözese Berlin ausgebildet, so dass man sagen kann: Fast alle noch nicht ganz alten Priester sind „Neos“ mit dem entsprechenden theologischen Horizont. Nichts aber auch gar nichts ist von diesen Priestern in einer größeren öffentlichkeit zu vernehmen, zu politischen Fragen, zu Fragen der globalen Gerechtigkeit, zur Ökologie ist viom Neokatechumenat nichts zu vernehmen. Alles dreht sich nur um die totale Glaubensvermittlung.

Es ist dieser Klerikalismus, der etlichen Katholiken an den Neos überhaupt nicht gefällt: Anstatt Laientheologen und Laientheologinnen die Leitung einer (priesterlosen) Pfarrgemeinde zu übergeben, werden konservativ denkende, treu-römische junge Priester unters Volk gebracht. Der Klerikalismus soll unter allen Umständen absolut überleben. “Priester zuerst”, heißt das Motto, das man nationalistisch gefärbt aus anderen Kreisen kennt. Man höre sich in den Gemeinden um, wie viel Abwehr und Entsetzen über diese jungen neokatechumenalen Priester besteht und bestand. Ich habe als Journalist damals mit Mühe Intervies machen müssen, es waren Leidensgeschichten, die mir von sehr seriösen engagierten Katholiken vorgetragen wurden. Viele haben sich dann frustriert zwar, aber für die eigene seelische Gesundheit klugerweise von den neokatechumenal geprägten Gemeinden (und darüber hinaus wohl von dieser Kirche) getrennt usw…

Ich habe seit ca. 15 Jahren für ARD Sender über die Neokatechumenalen berichtet und vieles auch auf meiner Website publiziert; diese 5 Beiträge finden viele Zugriffe! Auch mit O Tönen Neo – geschädigter Pfarrer oder offizieller Propagandisten, wie dem heutigen Weihbischof Puff in Köln, usw. Klicken Sie hier.

Es wird also in Berlin gejubelt. Aber wie üblich im katholischen Milieu fehlt jede selbstkritische Information schon im Vorfeld. Erzbischöfliche Pressestellen bieten nun  einmal als missionarische Verlautbarungsorte keine Hintergrundinformationen. Journalismus in Abhängkeit von der Kirche verkommt zur Verlautbarung des offiziell Genehmigten. Und viele Zeitungs-Leser, die nichts anderes lesen als die nachgedruckten Pressemitteilungen, glauben dann, wie wunderbar doch alles in der Kirche läuft. Dabei wird die Kirche insgesamt neo-katechumenal, opus dei abhängig, charismatisch etc.. Einen „normalen“ katholischen Glauben gibt es nicht mehr, alles ist irgendwie zusätzlich mit Sonderlehren usw. übertüncht…Das wären Themen für Theologen an den Universitäten…

Es wird auch in der offiziellen Presseaussendung zu den Berliner Jubelfeiern verschwiegen, dass Papst Franziskus mehrfach diese machtvolle Organisation kritisiert hat: So etwa am 5. Mai 2018 sagte er diesen Herren und Damen, die sich überall als Missionare, also als Verbreiter des in Rom verfassten Katechismus, einmischen und breitmachen: “Love the cultures and traditions of peoples, without imposing pre-established models. Do not start from theories and fixed mindsets, but from concrete situations: it will thus be the spirit who shapes the proclamation according to his times and his ways. And the Church will grow in his image: united in the diversity of peoples, gifts and charisms, the pope said at the event“.

Der Papst dachte wohl auch an den mit den Neokatechumalen verbundenen Erzbischof Anthony Sablan Apuron von der Insel Guam, der wegen sexueller Aggressionen an Kindern angeklagt wird und vom Papst suspendiert wurde. Wie in vielen anderen Teilen der Welt haben sich die wenigen noch kritisch – progressiv verbliebenen Katholiken auch von Guam explizit gegen die Neokatechumenalen gewandt und den Bischöfen in der Nachbarschaft geschrieben: “We strongly suggest that you do not allow this heretical sect to enter your diocese. They have caused so much division within our Archdiocese of Agana, pitting family members against each other, when some members of a family join the NeoCathWay, while other members continue to practice their Catholic faith in the way their parents and grandparents have raised them. Dieses Urteil von Katholiken kehrt immer wieder in einer aufmerksamen Lektüre: Die Neokatechumenalen sind eine häretische Sekte…

Quelle:https://eu.guampdn.com/story/news/2017/03/25/guam-group-warns-other-islands-neocatechumenal-way/99295048/)

In Frankreich untersucht ein Psychotherapeut die sektierisch – zerstörerischen Tendenzen in der Organisation der Neokatechumenalen, siehe: http://www.psychologue-clinicien.com/sectaire.htm

Überall gibt es Proteste gegen diese Neos und sogar Selbsthilfe Gruppen auch für Aussteiger; in Spanien gibt es viel beachtete Organisationen mit eigenen websites, die das Sektiererische der Neokatechumenalen in der spanisch sprechenden Welt freilegen:

http://laverdaddeloskikos.blogspot.de/

und: http://caminoneocatecumenalsecta.blogspot.de/

Für einen kritischen Beobachter, der Journalist und Theologe ist, bleibt das Urteil: Diese Jubelfeier in Berlin hat etwas Verlogenes, sie preist eine Gruppe, die nur deswegen von vielen Bischöfen (manchmal wohl stillschweigend) respektiert wird, weil sie Kleriker stellt und keine kritische Theologie zulässt. Die Kirche setzt also auf diese engstirnigen dogmatischen Kreise, und sie setzt dabei zumindest in Europa auf ihren Weg ins Getto, mag die Kirche finanziell jetzt noch stark sein.

Und die Juden sollten sich überlegen, wenn man als Außenstehender das sagen darf, ob sie bei den Neokatechumenalen wirklich Christen finden, die den eigenen Weg jüdischen Lebens außerhalb jeglicher Missionsabsicht schätzen und diese Ablehnung jeglicher Judenmission auch öffentlich sagen. Man frage also KIKO in Berlin: Sind die absolut und explizit auch öffentlich gegen die Mission von Juden? Wir wollen es hoffen!

Papst Franziskus sagte am 5. Mai 2018 zu den Neokatechumenalen: „Nur eine Kirche, die von Macht und Geld gelöst ist, die von allen Formen des Triumphalismus und des Klerikalismus frei ist, bezeugt auf glaubwürdige Weise, dass Christus den Menschen befreit.“

Gar nicht so “nebenbei”: Über die Finanzen der Neos wäre eigens zu reden, etwa über den immer wieder erwähnten Druck und  Zwang zum sehr großzügigen Spenden unter den Mitgliedern….

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Damit die Endzeit anbrechen kann: Auch Guatemala und Paraguay eröffnen ihre Botschaften in Jerusalem

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.5. 2018

Damit sich die US Behören in ihrer neuen Botschaft in Jerusalem nicht so isoliert fühlen, könnte man denken, haben ein paar Tage später freundlicherweise die Präsidenten von Guatemala und Paraguay ebenfalls ihre Botschaften in der „heiligen Stadt“ eröffnet.

Diese politische Aktion muss nicht nur einem üblichen Kalkül entsprechen, dass die USA und auch Israel den beiden lateinamerikanischen Staaten finanziell und militärisch weiterhin sehr beistehen. Und, was dazu gehört, helfen, oppositionelle Gruppen auszuschalten.

Klar ist, dass der Präsident von Guatemala, Jimmy Morales, ein bekennender Evangelikaler ist, 41 % der Guatemalteken nennen sich evangelisch. Einst war das Land nominell katholisch mit starker Präsenz indigener Religionen… Die politischen Verhältnisse in Guatemala sind bekanntermaßen verheerend schlecht. Nur ein Zitat aus dem Bericht von Amnesty International: „Menschenrechtsverteidiger wurden auch 2016 weiterhin bedroht, stigmatisiert, eingeschüchtert und angegriffen. Laut Angaben der Menschenrechtsorganisation UDEFEGUA (Unidad de Protección a Defensoras y Defensores de Derechos Humanos Guatemala) wurden 14 Menschenrechtsverteidiger getötet. Besonders Menschenrechtsverteidiger, die sich für den Umweltschutz engagierten, waren von Angriffen bedroht. Menschenrechtsverteidiger, die sich für Landrechte, indigene Territorien und Umweltschutz einsetzten, waren mit Verleumdungen und Versuchen konfrontiert, sie als Straftäter zu brandmarken. Quelle: AI https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/guatemala. Auch der frühere Präsident Efrain Rios Montt und Massenmörder (er wurde verurteilt, dann aber wurde das Urteil wie so oft üblich dort wieder aufgehoben) war ein Evangeikaler, befreundet mit den einschlägigen US Pastoren Pat Robertson und Jerry Falwell.

Auch der Präsident Paraguays Horacio Cortes ist ein alter Freund Israels, die Evangelikalen in Paraguay haben mehrfach ausdrücklich die Bürger aufgefordert, für diesen frommen Präsidenten zu beten. Im August 2018 endet seine Amtszeit… Israel leistet dank der Vermittlung von Cortes in Paraguay Militärhilfe usw.

Aber interessanter ist: Diese Evangelikalen, geprägt von Pastoren in den USA, denken in wirren Begriffen, die sie dem Buch der Apokalypse des Johannes entnehmen. Das Katastrophale ist nur: Diese frommen Politiker setzen diese wirren Bilder und Begriffe in politisches Handeln um. Sie glauben: Die definitive Entscheidungsschlacht, die letztlich das endgültige Reich der Herrschaft Christi befördert, findet im Ort Armageddon statt. In der konfusen „Theologie“ der Evangelikalen kann diese definitive blutige Entscheidungsschlacht aber nur stattfinden, wenn Israel zu einem biblischen Großreich wiederhergestellt ist. Diese Evangelikalen brauchen also für ihren eigenen Christus – Glauben den Staat Israel als starken Staat. Sie verschweigen aber dabei, dass die Juden im Falle des Endsieges nur als bekehrte (zum Christentum konvertierte) Juden eine Chance zum Überleben haben. Alle anderen Juden wandern diesem Wahn entsprechend in die Hölle. Die nationalistischen Juden in Israel sollten sich also nicht zu früh freuen über alle Umzüge von Botschaften und der von Evangelikalen dick aufgetragenen „Liebe“ zu Israel.

Zwei Dinge sind vor allem skandalös:

Dass dieses wirre Buch Apokalypse des Johannes immer noch zum Corpus des Neuen Testaments gehört. Einige liberale Theologen, ich auch, plädieren dafür: Raus mit diesem wirren Text, den man nur mit 10 umfangreichen Kommentaren verstehen kann. Diese Mühe machen sich die Evangelikalen bekanntlich nicht, sie lesen die Bibel wortwörtlich, wie einen Zeitungsbericht. Die „Tugend“ der Dummheit ist dort groß geschrieben.

Skandalös ist auch, dass im Rahmen der diplomatischen Umzüge jetzt nach Jerusalem meines Wissens gar nicht ausführlich genug auf den biblischen Background bei Herrn Trump und seiner so ergebenen evangelikalen Wählerschar aufmerksam gemach wurde. Das ist politische Theologie, die da umgesetzt wird, auch sein alter Berater, der Katholik, Steve Bannon, denkt in diesen Wahnbegriffen.

Diese sich religiös und ultra fromm nennenden Leute gefährden die Welt, sie bereiten Kriege vor, welche kritisch gebildeten Christen sind noch bereit, für die Vernunft zu kämpfen? Wer greift diese verblendeten evangelikalen und charismatischen und oft auch pfingstlerischen Leute noch argumentativ an? Wer geht vor gegen Trump und Co.?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Magnus Hirschfeld: 150. Geburtstag: Homosexualität ist normal.

Am 14. Mai vor 150 Jahren wurde der Sexualwissenschaftler und Gründer eine homosexuellen “Bewegung” Magnus Hirschfeld geboren. Er war ein Aufklärer, ein Wissenschaftler und Arzt, der einen kulturellen “Durchbruch” schaffte, auch wenn es weltweit immer noch sehr viele Staaten gibt, die Homosexuelle ausgrenzen, verfolgen und töten.

Ich möchte aus diesem Anlass, aus dem Gedenken an Magnus Hirschfeld, auf meine Beiträge hinweisen, die hier publiziert wurden zu dem nach wie vor aktuellen Thema: “Der § 175 besteht in der römisch – katholischen Kirche noch immer”.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Konservative Mönche in einer konfessionslosen Gesellschaft: Das neue Zisterzienser Kloster in Neuzelle, Brandenburg

Die Mönche von Neuzelle wurden ausgebildet in einer extrem konservativen Theologie. Am 2. September 2018 eröffnen  sie offiziell ihr “Priorat”

Hinweise von Christian Modehn

Theologisch Gebildete kennen genau den Unterschied: Die katholische Kirche kann sich in einer für sie fremden und befremdlichen Kultur und Gesellschaft unterschiedlich verhalten: Sie kann sich “inkulturieren”, also Rücksicht nehmen auf die umgebende Kultur, indem sie selbst beispielsweise die eigentümliche Lebenswelt der Menschen dort versteht und achtet, also die Überzeugungen der Menschen auch als Angebot, theologisch von ihnen zu lernen, wahrnimmt; auch die Gottesdienste und Messen so gestaltet, dass die Konfessionslosen etwas verstehen und sich nicht in  eine ferne mittelalterliche Welt versetzt fühlen.

Diese Lernbereitschaft von der umgebenden Kultur pflegten etwa die Jesuiten in China, im 16. Jahrhundert; diese Lernbereitschaft lebt etwa der große tschechische Theologe Prof. Tomas Halik in Prag heute.

Ich bin der begründeten Überzeugung: Die sich jetzt in Neuzelle etablierenden Zisterzienser Mönche aus dem sehr reichen Stammkloster Heiligenkreuz bei Wien verpflanzen nur ihr nach angeblich ewigen Regeln bestimmtes Klosterleben ins säkulare Umfeld Brandenburgs.. Solche Theologen haben die Meinung: Sollen doch die Leute in unsere ferne Glaubenswelt förmlich springen, sollen sie alle ihre säkulare und demokratische Kultur vergessen und ablegen, wenn sie Katholisch werden wollen. Denn sonst würden wohl die 6 Mönche nicht 8 mal am Tag, von morgens bis abends, ihr Chorgebet, oft in lateinischer Sprache halten.  Sollen die Leute doch morgens um 6 in die kalte Kirche kommen und uns lateinische Psalmen singen hören… Dies ist ein konfrontatives Verhalten! Diese Haltung nennen heutige Theologen arrogant. Denkbar wäre doch: Die Mönche lehren die Menschen zur Stille zu finden, zu meditieren, ein paar Verse aus der Bibel oder anderen großen Weisheitsbüchern zu verstehen. Nein, solche Brücken des Dialogs werden offenbar nicht geschlagen. Die Mönche bleiben streng mittelalterlich, nach dem lebensfeindichen Motto: “Immer dasselbe,  keine Wandlung, sondern Stillstand”.

Veränderungen gibt es für diese geistlichen Herren nur im materiellen Sinne: Jetzt wollen sie sogar ein neues Klostergebäude am Rande des alten Klosterkomplexes bauen. Das Geld sei da, meint der Bischof von Görlitz.  Es sollte aber doch besser ausgegeben werden für Jugendzentren in dieser einsamen Gegend, für Gesprächsräume in vielen Städtchen und Dörfern, um dem rechtsradikalen Unfug Einhalt zu gebieten. Das wäre ein Dienst der Kirche an der Gesellschaft. Aber nein,  die Kirche investiert nicht in das lebendige Leben der Menschen dort. Sie baut den Mönchen , 6 oder vielleicht auch mal 8, ein neues schönes modernes Zuhause. Haben diese Mönche als Mönche nicht auch das übliche Armutsgelübde ausgeprochen oder haben sie es “abgelegt”, im doppelten Wortsinn. Wahrscheinlich.

Sind es Geschichten aus dem Wienerwald, die bald im brandenburgischen Ort Neuzelle erzählt werden? Wenn schon, dann bitte umfassend! Denn bisher haben sich die Medien, die offiziell kirchlichen sowieso, nicht die Mühe gemacht, das „Heimatkloster“ der neuen Mönche von Neuzelle kritisch zu untersuchen. Denn das Heimatkloster Heiligenkreuz bei Wien (in der unmittelbaren Nachbarschaft: das bekannte Mayerling mit Erinnerungen an Kronprinz Rudolf und seine Geliebte Mary) mit seiner philosophisch – theologischen Hochschule kann, theologisch betrachtet und das ist immer wissenschaftlich – kritische Betrachtung -, kaum als Beispiel für eine die heutige Gesellschaft und Kirche inspirierende Institution gelten.

Zusammenfassend gesagt: Es ist der Geist von vorgestern, der in dieser Bildungsstätte für Priester und Mönche herrscht, selbst wenn oder gerade weil sich diese Hochschule mit dem Titel „Benedikt XVI.“ schmückt. Aber die Theologie des EX- Papstes Josef Ratzinger ist ja bekanntlich auch nicht ein Inbegriff der Moderne. Ob dieser Geist von vorgestern den Brandenburgern rund um Neuzelle schließlich hilfreich ist für ihre Lebensgestaltung mit allen Problemen der Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, AFD – Bindungen usw…. wird sich zeigen.

Fest steht jedenfalls: Am 20. August 2018 werden 6 Mönche des Zisterzienser Klosters Heiligenkreuz nach Neuzelle entsandt. Sie sollen ein leer stehendes barockes Kloster in atheistischer Umgebung neu beleben. Missionieren? Dies sicher auch. Wer wird sich darüber freuen, vielleicht über die eher folkloristisch und touristisch bedeutende Anwesenheit von 6 Mönchen auf mittelalterlichen Grund und Boden in einer barocken Kirche? Man wird sehen.

Sehr volkstümlich geben sich die Mönche aus dem Wiener Wald, wenn sie z.B. Motorräder segnen. Die teuren Zweiräder brauchen doch den Segen Gottes, damit sie dröhnend durch die Städte donnern. Technische Geräte also werden, wie so oft, offiziell kirchlich mit Weihwasser und Weihrauch, mit großem Tam Tam, gesegnet. Aber nicht aber alle Menschen, etwa homosexuelle Paare. Ausgrenzungen sind katholischerseits üblich. Dabei nennt sie sich katholisch, d.h. allumfassend. Ist sie aber de facto nicht…

Und damit sind wir bei einem der Dozenten, die an dieser Hochschule Jahre lang ihr moraltheologisches Wissen verbreiteten, nämlich Weihbischof Andreas Laun aus Salzburg. Er wandte sich kürzlich wieder gegen die Ehe von Homosexuellen: Der Segen für katholische Homosexuelle –Paare, so sagte der Heilgenkreuzer Theologe, „ist ein Segen für die Sünde. So, wie man auch kein KZ segnen darf“.

Inzwischen ist Bischof Laun altersbedingt (75 Jahre) als Dozent aus Heiligenkreuz ehrenvoll verabschiedet worden. Aber immerhin: Sein Denken hat die jungen und älteren Mönche dort geprägt. Überhaupt: Was hat eigentlich ein Amtsträger, ein Bischof, als Dozent an einer theologischen Hochschule zu suchen?

Damit sind wir bei der besonderen Konzeption von Theologie, wie sie in Heiligenkreuz betrieben wird. Es ist die Theologie, die dem großen Förderer dieser Hochschule, Papst Benedikt XVI., so wunderbar gefällt: Es ist, so wörtlich, „die kniende Theologie“, die im Gebet auf kritische Erkenntnis hofft. Ist der Titel der Hochschule „Benedikt XVI“ eine Art vorweggenommene Heiligsprechung? Oder ein implizites Nein Zu Papst Franziskus? Vielleicht! Natürlich war Ratzinger dort schon öfter zu Gast und als Papst hat er auch nicht nur kurz vorbeigeschaut.

Überhaupt scheint die Akzeptanz für Papst Franziskus in Heiligenkreuz alles andere als ausgeprägt zu sein: Gastprofessor Thomas Stark (aus St. Pölten), ein Philosoph, hatte kürzlich ein Papier unterzeichnet, das Papst Franziskus tatsächlich der Irrlehre, der Häresie, überführen wollte… Die Leitung der Kloster Hochschule Heiligenkreuz hat sich von ihrem Dozenten Stark dann distanziert, Beobachter nannten die Distanz eher halbherzig. https://diepresse.com/home/panorama/religion/5306834/Heiligenkreuz-distanziert-sich-von-Papstkritik

Schon früher fühlten sich an der Hochschule extrem – konservative Dozenten wohl, wie Robert Prantner (der FPÖ nahe stehend) und Ferdinand Holböck, die beide mit dem obskuren katholischen Engelwerk verbunden waren, das Engelwerk, gegründet von der Seherin Gabriele Bitterlich und ihrem „Kreuzorden“. Diese esoterische „Sekte“, sagen kritische theologische Beobachter, wurde dann selbst Papst Johannes Paul II. zu spinös: Das Engelwerk musste sich nach außen hin theologisch erneuern. Aber in Heiligenkreuz haben eben Engel – Werk – Leute künftige Priester ausgebildet…

Ein prominenter Erz-Konservativer unter den Dozenten von Heiligenkreuz ist Robert Prantner, er lehrte seit 1982 in der dortigen Hochschule Ethik, und dies bis 1998! In dem Jahr löste er heftige Debatten aus wegen seiner Behauptung von antisemitischen Ritualmordlegenden. Er war Anhänger des kirchlich verboteten, antisemitischen Anderl-von Rinn Kultes.

Der theologisch gebildete Insider konservativer katholischer Bewegungen, David Berger, hat in seinem Buch „Der heilige Schein“ (2010) darauf hingewiesen, dass selbst der Klu-Klux-Klan und der mit ihm verbundene „Stormfront“ sich auf Prantners antisemitischen Schwachsinn berufen. Immerhin hat der Ethik-Professor Prantner viele Zisterzienser Mönche ausbilden dürfen….(S. 97)  2002 erhielt Prantner das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse, 1999 wurde er mit dem Stern des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Gr. ausgezeichnet. Welch ein „ausgezeichneter“ antisemitischer Denker im Zisterzienserstift Heiligenkreuz…

Wir können hier nur an die Fülle der objektiven Einschätzungen durch Journalisten und Theologen in Österreich erinnern. Das Magazin PROFIL schrieb zum Beispiel: „Die Heiligenkreuzer müssen sich die Einschätzungen ,konservativ, traditionalistisch und ,theologisch konventionell schon gefallen lassen. Ich weiß auch gar nicht, was sie dagegen haben“, so Pfarrer Helmut Schüller, der Sprecher der „Pfarrerinitiative“: Die Forderungen der Kirchenreformer – Abschaffung des Zölibats, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Zulassung von Frauen zum Priesteramt und Stärkung der Laien – gelten in Heiligenkreuz als frevelhaftes Minderheitenprogramm“. Hingegen sagt Pater Karl Wallner vom Kloster Heiligenkreuz: „Wir wollen eine lebendige Kirche mit Freude am Glauben. Es ist nur eine kleine Gruppe, die derzeit ihren Kirchenfrust auslebt. Quelle: https://www.profil.at/oesterreich/wie-stift-heiligenkreuz-think-tank-369997

Aber bei der allgemeinen Rolle rückwärts in der römischen Kirche erstaunt es nicht, dass die Hochschule (sie besteht in irgendeiner Form seit mehr als 200 Jahren) sehr viele Studenten, meist Kandidaten fürs Priestertum, aus allen Teilen der deutschsprachigen Welt anzieht. Und dort werden Theologen und Philosophen dann zu Dozenten ernannt, die – mit Verlaub gesagt – an staatlichen Fakultäten nicht eine allzu steile Karriere machen könnten.

Jetzt sollte in Heiligenkreuz ein neuer wissenschaftlicher Start gewagt: Durch die Herausgabe eines Jahrbuches mit dem Titel: „Europa eine Seele geben“. Die Spezialistin für den katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, bezeichnenderweise auch sie eine Dozentin in Heiligenkreuz, hat das Jahrbuch mit-herausgegeben. Zu den Autoren dieses Buches gehören u.a. Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nicht gerade ein Freund von Papst Franziskus und der von Papst Benedikt hoch geschätzte Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein….Sie alle vertreten die „kniende Theologie“… Zu den Dozenten dort gehört auch der Multimillionär Dr.Dr. Peter Werner Maria Löw, er gilt in der Klosterhochschule als Honorarprofessor für Wirtschaftsphilosophie: Wikipedia berichtet über ihn: „Nach Recherchen des Manager Magazins gehörte Peter Löw im Jahr 2016 zu den 500 reichsten Deutschen (Rang 331)“.[2] (gelesen am 10.5.2018)“. Und die TAZ hat über Löw recherchiert: „Zu Multimillionären sind Löw und Vorderwülbecke mit anderen Geschäften geworden: Sie sanieren marode Unternehmen, kaufen Firmen unter Wert und veräußern sie mit sattem Gewinn – oft, nachdem sie sie verschlankt haben. Teutonia etwa. 2004 erwarb die Beteiligungsgesellschaft Arques, gegründet von Löw und Vorderwülbecke, den Kinderwagenhersteller für 100.000 Euro. Nach drei Jahren stießen sie ihn für mehr als zehn Millionen Euro ab. Eine sehr hohe Rendite, für Löw ein „normales Geschäft“. Der Oberleutnant der Reserve, Doktor in Jura und Neuerer Geschichte, besitzt mehrere Hundert Millionen Euro. Mit dem nur wenige Monate älteren Vorderwülbecke freundet sich Löw in den 80er-Jahren während des Jurastudiums in Freiburg an. Sie besuchen eine Elite-Uni im französischen Fontainebleau. 1992 gründen sie ihre erste Sanierungsholding. In den folgenden 20 Jahren erwerben und verkaufen sie mehr als 200 Unternehmen. (Quelle: http://www.taz.de/!476282/, gelesen am 10.5.2018).

Von diesem Dozenten Dr. Dr. Löw können die Mönche also lernen, was soziale Marktwirtschaft bedeutet und christliche Solidarität mit den Armen… Eine Übersicht zu den Dozenten in Heiligenkreuzz siehe: http://www.hochschule-heiligenkreuz.at/institute/lehrende/

Neu hinzugekommen zum Lehrbetrieb in Heiligenkreuz ist ein Institut für die „Theologie des Leibes“, es geht also auch um die Verteidigung der alten katholischen Sexualmoral und der einzig möglichen üblichen Hetero – Ehe, wie es der liebe Gott der Ultrafrommen vorschreibt. Dozent in diesem Leibes – Institut ist etwa der Priester Josef Spindelböck, der einst ein Vertrauter von Bischof Kurt Krenn war (auch er war ein Freund von Jörg Haider, FPÖ), Spindelböck wurde dann als Verehrer des heiligen Josefs, des ja gar nicht leiblichen Vaters Jesu, so die offizielle Theologie, Mitglied der Priestergemeinschaft „Vom heiligen Josef“… Das Institut zur Erforschung des Leibes in Heiligenkreuz ist wiederum verbunden mit dem theologischen Institut in Trumau, Gaming, auch diese Hochschule ist dem sehr konservativen Geist verpflichtet. Man sieht: Die konservative katholische Theologie zieht sich immer mehr in kircheneigene Institute zurück und meidet die staatlichen Universitäten. In privaten Hochschulen kann man halt in Ruhe das Alte unbehelligt pflegen…

“Vertreter der Uni Wien zweifelten ihrerseits wiederholt die wissenschaftlichen Standards der Heiligenkreuzer Hochschule massiv an“. (PROFIL 28.11.2013)

Man denke auch an die Worte des vorherigen Abtes Graf Henckel-Donnersmarck (er leitete das Kloster Heiligenkreuz von 1999 bis 2011): „In seinem Abschiedsinterview in der „Presse“ zeigte der Abt 2011 zumindest Neigung zu rückwärts gewandten Formulierungen: „Der Europäer hat sich durch Verhütung, Abtreibung, Ehescheidung, Gleichberechtigung anderer sexueller Lebensformen tatsächlich in einen Suizid gestürzt“ (PROFIL 28.11.2013).

Es sind also wohl alles andere als mit dem modernen Geist vertraute Mönche, die bald in Neuzelle leben werde. Haben Sie Interesse am partnerschaftlichen, lernbereiten (!) Dialog mit den vielen Atheisten und Skeptikern dort? Haben sie ökumenische Interessen, die über freundliche Worte hinausgehen?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Die Irrtümer des Manfred Lütz in seinem Buch „Skandal der Skandale“: “Auf hohem Ross reitend und besserwisserisch”…

Ein Beitrag des Historikers Dr. phil. Josef Breinbauer.

Das von einigen Stellen mit viel Lorbeeren bedachte Buch von Manfred Lütz, kann nicht unwidersprochen bleiben. Sein durch fromme Scheuklappen eingeengter Blick lässt ihn viel, was er mit seiner Argumentation nicht als kompatibel empfindet, unter den Teppich kehren.

Im Lob von Toleranz und Gewaltlosigkeit der Christen (S. 35 ff.) kann sich Lütz kaum eingrenzen. Doch nicht einmal untereinander kamen die Christen ohne Gewalt aus. Natürlich bleibt daher bei ihm unerwähnt, dass bei der Papstwahl im Jahre 366 die Leute des dann erfolgreichen Damasus eine Kirche stürmten und darin 137 Anhänger seines Rivalen Ursinus umbrachten. Auch die sog. „Räubersynode“ von Ephesos (449) kann nicht gerade als Muster des respektvollen Umgangs der Christen miteinander gewertet werden. Skandale gibt es für Lütz aber erst nach der Jahrtausendwende. “Und wenn das Ende der Welt damals gekommen wäre, müssten wir uns bei der Bilanz des Christentums nicht mit den klassischen Skandalen aufhalten, denn es gab sie nicht. Es gab in den ersten tausend Jahren des Christentums weder Kreuzzüge noch Inquisition oder Hexenverfolgungen, auch keine Pogrome und eben so wenig eine dauerhafte Kirchenspaltung mit der Ostkirche. Man erwarb sich Verdienste bei der Humanisierung der Barbarei…..”( S.63 f.). Allein schon das frevelhafte Handeln von Papst Stephan VI. gegen seinen Vorgänger Formosus auf der Leichensynode von 896/97 macht eine solche Behauptung unglaubwürdig. Fehlanzeige auch der kirchliche Rangstreit 1062/63, als sich in Goslar die Leute des Bischofs von Hildesheim und die des Abtes von Fulda in der Kirche gegenseitig die Köpfe einschlugen, bis feststand, wer neben dem Mainzer Erzbischof sitzen darf. Lampert von Hersfeld, Annalen a. 1063: …multi utrimque vulnerati, multi occisi sunt…Mit der Solidarität der Glaubensbrüder untereinander war es also noch nicht so gut bestellt wie es uns Lütz glaubhaft machen will. Und wenn es ums Geld geht, hört die Friedensliebe der Christen auch gegenüber anderen Christen rasch auf: Siehe Eroberung von Zara beim Kreuzzug (1202).

Auf Seite 44 unterstellt Lütz dem Kaiser Konstantin, der sich erst am Ende seines Lebens taufen ließ, dass dieser im Sinne der Gewaltlosigkeit des Christentums handeln wollte. Ob das Licinius, Fausta und Crispus, denen er zu einem vorzeitigen Tod verholfen hat, auch so sehen, dürfte fraglich sein. Nicht zu vergessen, dass der Christengott für Konstantin zunächst ein Schlachtenhelfer war. Bei der Regelung der Osterfrage hatte Konstantin auch ein paar „Streicheleinheiten“ für die Juden übrig: „Nichts sei uns gemein mit dem feindlichen Volk der Juden!“

Bei der Ketzer- und Hexenverfolgung (Kapitel IV bzw. VI) hält Lütz den Anteil der Päpste möglichst gering, obwohl diese den Inquisitoren die gewünschte Autorität verliehen. Konrad von Marburg (S. 109 f.) wütete demnach eigenmächtig gegen Ketzer und sei auf die geschlossene Gegenwehr der Bischöfe gestoßen. Nach Konrads Ermordung 1233 sei Papst Gregor entsetzt gewesen, auch über das Vorgehen des Inquisitors. Dass ihm der Papst zuvor am 11.10.1231 die volle Gewalt, ohne Zulassung einer Appellation mit Prozessen gegen die Häretiker in Deutschland vorzugehen, übertrug, fällt bei Lütz unter den Tisch. Vgl. NDB, Bd.12, S. 545. Auch die päpstlichen litterae „Vox in Rama audita est“ von 1233, in denen die „luziferianischen“ Initiationsriten geschildert werden, bleiben unerwähnt. Konrad hatte die Phantasiekonstruktionen dem Papst übermittelt. Dem Handeln nach muss Gregor IX. diese für wahr gehalten haben. Ähnlich sparsam mit Informationen geht Lütz (S. 153) beim Hexenhammer (1487) um. Heinrich Kramer, „ein windiger deutscher Dominikaner“ habe sich vorher geschickt bei der päpstlichen Bürokratie ein „routinemäßiges Dekret“ besorgt und dann sein Machwerk gebastelt. Jetzt darf der Leser raten. War das nicht die berüchtigte Bulle „Summis desiderantes affectibus“ des Papstes Innozenz VIII., der sich zum Eingreifen verpflichtet fühlte ? Die in diesem Dokument von 1484 aufgeführten Untaten erklärte Innozenz als Tatsachen, deren Realität man nicht bezweifeln durfte. Für Lütz ist all das keinen Federstrich wert.

Sicherlich ist de Las Casas ein rühmliches Beispiel für die kath. Kirche. Gerne habe ich schon als Schüler Reinhold Schneider, Las Casas vor Karl V. gelesen. Stolz schreibt Lütz auf S. 188: „Die Päpste blieben bei ihrer strikten Verurteilung der Sklaverei.“ Er nennt dabei Urban VIII. (1568-1644) als seinen ersten Gewährsmann. Kein Wort fällt allerdings zu Nikolaus V, der gut hundert Jahre früher dem König von Portugal in der Bulle „Dum diversas“ (leicht im Internet zugänglich) die Vollmacht verlieh, heidnische, ungläubige Reiche, Ländereien… anzugreifen, zu erobern oder zu unterjochen, die Personen für immer in Knechtschaft zu halten…“ Erwähnen können hätte man in diesem Zusammenhang auch den römischen, also nichtchristlichen Philosophen Seneca, der in seinen Epistolae morales 47 entgegen dem damaligen mainstream die Sklaven als Menschen ansah (servi sunt, immo homines).

Das Kapitel um die Unfehlbarkeit des Papstes wird ziemlich flach abgehandelt (S. 198-202). Lütz kommt dabei aus ohne Konstantinische Schenkung, ohne Honorius-Frage, ohne Sutri (1046) und ohne Konziliarismus, welcher 1417 mit Martin V. dem Papsttum einen Neustart ermöglichte. Dieses war dann bedacht, konziliare Fesseln alsbald abzustreifen. Nach katholischer Lehre könne ein Papst nicht eine neue Lehre, die ihm irgendwie gefällt, zum Dogma erheben (S. 200). Da wäre nun eine Erläuterung fällig zu Kapitel IV der dogmatischen Constitution „Pastor aeternus“, wo es heißt: „..ideoque ejusmodi Romani Pontificis definitiones ex sese, non autem ex consensu Ecclesiae, irreformabiles esse“. In diese Zeit von Pius IX. gehört auch dies hinein: Der Skandal um die Nonnen von Sant’ Ambrogio. Was Hubert Wolf ausführlich beschrieben hat, kann natürlich bei Lütz keine Erwähnung finden. Der Gipfel von Heuchelei aber ist es, wenn Joseph Kleutgen, der sich als Beichtvater der Nonnen zu deren hübschesten ins Bett gelegt hatte, sich später in einer Predigt an die studierende Jugend wendet und die Unkeuschheit als Weg zur Hölle anprangert (Predigten von Joseph Kleutgen, Zweite Abtheilung, Pustet Verlag 1874, S. 99-117). Unbequemen Wahrheiten muss man einfach aus dem Weg gehen.

Beim Thema „Frau“ ist der Autor voll des Lobes für die emanzipatorischen Leistungen der kath. Kirche. Zunächst heißt es auf S. 29 ganz allgemein : “Noch ein anderer Keim ist im Monotheismus angelegt. In den kosmologischen Religionen der Vorzeit entspricht der Mann gewöhnlich der Sonne und die Frau dem Mond, womit Letztere immer nur ein Abglanz ist und nie Gleichberechtigung erhält. Hingegen spricht ihr der Monotheismus dieselbe Menschenwürde zu.”  Gegen Frauen im Dienst am Altar schritten Papst Gelasius (ep. 14,26) und später das Konzil von Paris (829) vehement ein. Logischerweise übergeht Lütz bei seiner Zitation von Paulusstellen jene in 1Kor11,7, wonach der Mann Abglanz Gottes ist, die Frau aber nur Abglanz des Mannes. Dementsprechend heißt es im maßgebenden Decretum Gratiani C.XIII. …ideoque mulier non est facta ad Dei imaginem…Diese nachgeordnete Gottebenbildlichkeit begegnet auch noch beim Brautsegen im Schott/ Das vollständige Römische Meßbuch, mit imprimatur von 1958, [125]. Was der heilige Abt Odo von Cluny, gest. 942, in diffamierender Weise über das weibliche Geschlecht sagt, ist schon mehr als skandalös. Könnte man unter die Haut sehen, würde man sich ekeln, da man nur Schmutz und Schleim vorfände (PL 133, Sp. 556). Nach Lütz sei aber die Kirche keineswegs sexualfeindlich (S. 261) und habe immer wieder prüde Sexualitätsgegner bekämpft (S. 263). Ob für ihn Abt Odo und Petrus Damiani zu diesen gehörten, erfahren wir leider nicht. Letzteren vermisst der kundige Leser auf S. 259. Dieser Heilige und auch Kirchenlehrer war energischer Vertreter der Kirchenreform und gestrenger Verfechter einer restriktiven Sexualmoral, nicht nur im Sinne der Durchsetzung des Zölibats für Priester. Mit seinen putzigen, am Tierreich orientierten Vorstellungen von Sexualität ( PL 145, Sp.777:…admiremur fecundam in vulturibus virginitatem. Perhibentur enim vultures caeterum avium more concubitui nullatenus indulgere, sed absque ulla prorsus masculini sexus admistione concipere…) passt er nicht in die Behauptung von Lütz. Auf S. 266 gelangt der Autor zu der erstaunlichen Feststellung, der hl. Alphons von Liguori, der Patron der Beichtväter, habe dazu geraten, „dass die Priester bei der Beichte in sexuellen Dingen nicht weiter nachfragen sollten.“ Wozu aber hat dieser dann sein großes Werk, die „Theologia moralis“, geschrieben? 1748 erstmals erschienen und dann über 70mal wieder aufgelegt! Sein Ziel war es, gute Beichtväter heranzubilden, die den Grad der Sündhaftigkeit aller möglichen sexuellen Handlungen beurteilen können. Mit Details wird bei Liguori nicht gespart. Seine Einstellung zum Sextum wird schon im ersten Band deutlich: „Nur mit Widerwillen schreiten wir jetzt zur Behandlung jenes Gegenstandes, dessen Name schon die Geister der Menschen unangenehm berührt….Doch diese Sünde muss nur allzu häufig und allzu reichlich Gegenstand der Beichten werden. Gerade ihretwegen wird der größte Teil der Verdammten in die Hölle gestürzt.“(zitiert nach Karl-Heinz Kleber, De parvitate materiae in sexto, S. 275). Dass die Kirche keineswegs sexualfeindlich und prüde sei, lässt sich nach Lütz (S. 261) an Papst Johannes XXI. aus dem 13. Jahrhundert ablesen, der für das Edelste, was es in der Ehe gebe, den Geschlechtsverkehr, offen ins Detail geht. Etwa 400 Jahre später verurteilt aber Innozenz XI. folgenden Satz: Opus conjugii ob solam voluptetem exercitum omni penitus caret culpa ac defectu veniali.“ Inwieweit das nun eine lässliche oder schwere Sünde ist, auch darüber muss Alphons von Liguori Rat geben.

Was Lütz zum Nationalsozialismus schreibt, bleibt ebenfalls geschönt. Von Brückenbauern wie Karl Adam, Joseph Lortz oder Michael Schmaus nimmt er natürlich Abstand. Um sein Bild des Katholizismus in der NS-Zeit nicht trüben zu müssen, liest man bei ihm weder vom „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“, welches die Philosophisch – Theologischen Hochschulen Bayerns 1933 unterzeichneten, noch vom „Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen“, hrsg. mit Empfehlung des deutschen Gesamtepiskopats von Erzbischof Conrad Gröber (1937). Vom kath. Feldgesangbuch von 1939 und diversen Hirtenbriefen deutscher (Erz-)Bischöfe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat Lütz offensichtlich keine Ahnung Am Erscheinungsort seines Buches hat 1940 der damalige Erzbischof ein Hirtenwort an die Soldaten im Feld gerichtet unter dem Motto: „Arbeite als ein guter Kriegsmann Christi“. Dessen Paderborner Amtskollege stellt zu Beginn der Fastenzeit 1942 in einem Hirtenwort die rhetorische Frage, ob nicht das arme, unglückliche Russland Tummelplatz von Menschen sei, „die durch ihre Gottfeindlichkeit und durch ihren Christenhaß fast zu Tieren entartet sind.“ Das liest sich konträr zu dem, was Lütz auf S. 213 hervorhebt: „Den Christen verbot die Überzeugung von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen den Gedanken „minderwertiger Rassen:“ “

Fazit: Manchmal fragt man sich schon, wie klar oder unklar der Kenntnisstand von Herrn Lütz ist. Es ist tröstlich, dass sich viele seiner Aussagen problemlos zurechtstutzen lassen. Von dem hohen Ross, auf dem er besserwisserisch durch die Kirchengeschichte reitet, kann man ihn leicht herunterholen.

Manfred Lütz, Der Skandal der Skandale Die geheime Geschichte des Christentums, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2018, 286 S. , ISBN 978-3451-37915-4, gebundene Ausgabe 22 €.

COPYRIGHT: Dr. phil. Josef Breinbauer

Über Karl Marx hinausdenken … anläßlich seines Geburtstages

Zum Beispiel: Mit Max Horkheimer

Ein Hinweis von Christian Modehn.  Über die Bedeutung des Denkens von Karl Marx für HEUTE, besonders zu seinen Aussagen zur Religion und zur Gesellshaftsanalyse (Klassenkampf),  hat der Religionsphilosophische Salon Berlin schon einige Hinweise veröffentlicht. Jetzt ein Hinweis zur Marx Deutung von  Max Horkheimer.

Die Bedeutung von Karl Marx, jetzt, angesichts der Erinnerungen und der für die Zukunft inspirierenden Reflexionen zu seinem 200.Geburtstag, wird umfassender sichtbar, wenn man die weitere Entwicklung seines Denkens, etwa auch in der Kritischen Theorie, untersucht. Dazu nur einige Hinweise, sie gelten dem Denken Max Horkheimer. Im Zusammenhang einer kritischen Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ist an die Interviews “Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen” (1970) und an die “Notizen”, 1974, zu erinnern.

In einer ersten, eher oberflächlichen Lektüre dieser Horkheimer Texte glaubten viele, Horkheimer sei im Alter völlig religiös geworden. Tatsächlich aber differenzierte er: Theologie kann für ihn nur als erneuerte Theologie existieren: D.h: Sie solle eine tiefe menschliche Sehnsucht, aber kein Dogma aussprechen. Es gibt für Horkheimer einen legitimen Wunsch im Menschen, dass das Faktische, das, was in der kapitalistischen Gesellschaft angerichtet wurde und wird, nicht alles ist und so nicht so bleiben darf, wie und was es ist. Marx wandte sich gegen eine reaktionäre Religion, die Opium ist und nur wirkungsloser Protest gegen das materielle Elend. Bei Horkheimer ist der Gegner eher die aktuelle positivistische Weltanschauung, die den Menschen in das Greifbare und Sichbare und Anaylsierbare und naturwissenschftlich Feststellbare einsperrt und begrenzt in seiner menschlichen Fülle. Zu der auch die Sehnsucht, eine Art Streben nach dem “ganz anderen”, gehört.

Horkheimer bleibt dabei in einer zwiespältigen Einschätzung der Kirche: Sie hat einerseits das Evangelium Jesu von Nazareth für die Nachwelt bewahrt; andererseits aber hat die Kirche als klerikale Institution das Evangelium im Sinne der Herrschaft dieser Kirchen – Institution verfälscht. Mit der Freiheit der Interpretation hat die Kirche förmlich das Evangelium als umfassende, auch gesellschaftliche Befreiungsbotschaft beschnitten und verkürzt. Aber das Evangelium ist ja noch da, es könnte seine ursprüngliche Kraft noch entfalten. Ich denke dabei an die Befreiungstheologie.

Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen: Diese will Max Horkheimer bewahren, dabei aber nicht auf die Kapitalismus Kritik von Marx verzichten. Große Hoffnungen auf ein Gelingen seines  Projekts hat Horkheimer nicht, dafür ist er zu deutlich wohl von Schopenhauer geprägt, den er, zeitlich gesehen, vor seiner Marx- Lektüre studiert und rezipiert hatte.

COPYRIGHT: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Das Kreuz in Bayern: Soll Jesus von Nazareth herrschen?

Das Kreuz in bayerischen Amtsstuben

Ein Hinweis von Christian Modehn

Nun also das Kreuz in allen staatlichen Behörden des Freistaates Bayern. Das ist nur die Fortsetzung der Behauptung der CSU Führer: “Der” Islam gehöre nicht zu Deutschland. Und passend nun zum CSU Regieren unter dem Kreuz Christi der Spruch von Söder: Das Kreuz sei auch ein Symbol der abendländischen Kultur. Immer, wenn heute in politischen Kreisen Europas von Abendland die Rede ist, müssen die Leute eigentlich aufschrecken: Abendland ist das mißbrauchte Symbol für die angeblich gute alte christliche Kultur. Dass diese abendländische Kultur antisemitisch war und dass Muslime etwa in Spanien (16. Jahrhundert) nur als Konvertiten ertragen werden konnten, dass das christliche Abendland auch innerchristlich keine Einheit war, denn immer gab es so genannte Ketzer, dann die Reformationen, dann die konfessionellen Religionskriege etc., all das vergessen diese abendländischen Kreuz-Politiker völlig. Und sie vergessen, dass Europa wesentlich vom (antiklerikalen und damit freien) Geist der Aufklärung bestimmt ist. Sind diese Politiker so dumm oder tun sie aus taktischen Gründen bloß so, weil sie um alles in der Welt rechtsextreme Kreise in die eigene Partei eingliedern wollen?

Natürlich wäre es wichtig für die Menschheit, wenn im Zeichen des Kreuzes dieses armen Propheten Jesus von Nazareth Politik gestaltet würde, also Gerechtigkeit für alle, also Bevorzugung der Armen, also Bekehrung der Millionäre und Milliardäre, also Friedenspolitik, also Liebe zur Natur, die es unbedingt zu schätzen gilt usw.: All das sind zentrale Forderungen der Ethik Jesu, man kennt sie vielleicht noch vom Hörensagen, auch die “praktizierenden” katholischen CSU Führer hören ja die Evangelien in der Messe: Aber all das sind für sie bloß fromme Geschichten, die natürlich politisch für sie irrelevant sind. Mit Jesus und seiner Bergpredigt lässt sich nicht im entferntesten Politik machen, behaupten die Realpolitiker, die nur den Kapitalismus als alternativlos verehren und “unser” Wirtschaftswachstum. Vom jesuanischen Geist der Barmherzigkeit in der Politik keine Spur. Entsprechende Äußerungen von Söder sind ja bekannt. Wenn ein solcher Herr ein Kreuz in eine Amtstube hängt, ist das nicht nur ein Witz, sondern, sorry, Blasphemie.

Was soll in Bayerns Behörden das Kreuz? Es ist das Kreuz, dessen sich die Herrschenden immer bedient haben: Kreuzzüge etwa, Kreuzesverwendungen, um den Teufel zu vertreiben, das vorgehaltene Kreuz sollte die Ketzer noch in letzter Minute vor dem Verbrennen zum Eingeständnis der angeblichen Schuld bewegen: Da landet also nicht das Kreuz des Propheten und des durch die Kreuzigung ermordeten Rebellen Jesus von Nazareth in Bayerns Amtsstuben, sondern das Kreuz als abendländisches Herrschaftssymbol.

Da wird das Kreuz missbraucht als Kampfmittel gegen Muslime, Atheisten, Juden. Wie kommen bloß jüdische Leute dazu, ausgerechnet diese Kreuzesinitiative von Söder gut zu finden, wurden denn nicht Juden im Zeichen des Kreuzes verfolgt und im Zeichen des Hakenkreuzes in den KZs verbrannt? Versprechen sich jüdische Vorsteher taktisch bloß Vorteile, wenn sie die Kreuzesinitiative der CSU gut finden, fördern sie auf diese Weise den jüdisch – islamischen Dialog?

Zynisch könnte man sagen: Wenn das Kreuz tatsächlich in den bayerischen Behörden mehr ist als eine Variante des bayerischen Herrgottwinkels (siehe in oberbayerischen Kneipen: Das Kreuz neben dem “hochverehrten” FJS….) dann müßen eigentlich die Bischöfe, ja letztlich der Papst als oberster Deuter des Kreuzes die Politik leiten und bestimmen. Denn die Herren der Kirche und des Kreuzes haben im Mittelalter immer gesagt: Wir Kleriker wissen mehr, was Politik, was Menschlichkeit etc.ist als ihr Fürsten und Könige und Ministerpräsidenten.

Also: Mögen in ökumenischer Vertrautheit die beiden Bischöfe in München die Politik von Herrn Söder mitbestimmen, etwa die Flüchtlingspolitik, die Politik des sozialen Waohnungsbaus in München etc…

Aber dazu wird es nicht kommen: Kardinal Marx von München widerspricht jetzt deutlich Herrn Söder. Der Kardinal sagt treffend: Kein Politiker darf  sich anmaßen, das Kreuz zu deuten und für seine Parteipolitik zu vereinnahmen. Man stelle sich: Das sagt ein Kardinal anno 2018 im angeblich so prächtigen katholischen CSU Staat Bayern….

Solche parteipolitischen Vereinnahmungen des Kreuzes  gab es schon oft, etwa um 1910 in Frankreich: Als Charles Maurras und seine rechtsextreme Action Francaise rechtsextremes Gedankengut in der Kierche verbreiten wollte. Auch Maurras glaubte an den kulturellen Wert, den”abendländischen Wert”, des Kreuzes. Söder und seine Partei befindet sich historisch gesehen in bester sehr rechtslastiger Gesellschaft. Auch Jean Marie Le Pen, Gründer des Front National,  feierte das Kreuz bei seinen Gottesdiensten zu Ehren der Jeanne  d Arc. Man wird prüfen, wie Herr Orban, der CSU Freund, das Kreuz politisch instrumentalisiert.

Man wird also klar sagen: Herr Söder setzt mit seinem abendländischen Kreuzeskult den Beginn eines Kampfes gegen alle, die nicht kreuzfromm im Sinne der CSU sind.

Ist dies der Beginn eines gewissen Kulturkampfes, der nur dazu dient, mit dem mißbrauchten Kreuz alle Fremden und Flüchtlinge, vor allem “die” Muslime, von dem angeblich so prächtigen Abendland fernzuhalten. Das Thema Flüchtlinge in Deutschland wird also mißbraucht für eine scharfe politische Wende nach rechtsaußen. Diese Wende deutet sich auch in der CDU an. Wird die Große Koalition diesen bayerischen Kreuzzug überstehen?

copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin