Islamisten und Rechtsradikale in Deutschland: Vereint im Hass auf Homosexuelle und Queers

Töten und Zerstören: Das ist die Praxis der Mörder des fundamentalistischen Islams, der Anhänger des IS.  Zum Attentat anläßlich des CSD Festivals am 25. Juli 2026 in Berlin.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 26. Juli 2026 um 21.00 Uhr

Nur einige Hinweise:

1.
Nach dem Mord und den Attacken durch den IS -Mörder am 25.7.2026 wird von Frau Klöckner CDU die Flagge des Reichstags auf Halbmast gesetzt. Frau Klöckner, Bundestagspräsidentin, hatte sich zuvor explizit geweigert, ein viel wichtigeres Symbol zu setzen: Sie weigerte sich, den Reichstag mit der Regenbogen – Flagge anläßlich des CSD zu schmücken. Das wäre ein starkes Signal gewesen: Die Demokratie in Deutschland ist aufseiten der Homosexuellen und Queers. Das wollte Frau Klöckner trotz zahlreicher Proteste nicht. Die Trauer – Flagge hat jetzt etwas Scheinheiliges.
Jetzt wird von höchsten CDU Politikern beteuert: Wie sehr doch die Vielfalt, das Bunte, wie sie sagen, geschützt werden muss. Ich würde mir wünschen, wenn Klöckner, Dobrindt, Merz usw. glaubhaft und ohne Floskeln sagen: Wir stehen ganz aufseiten der Queers, der Homosexuellen und ihr Leben in Vielfalt. Sie sind ein Symbol unserer demokratischen Freiheit und der Geltung der universell geltenden Menschenrechte.

2.
Was sagt der katholische Erzbischof von Berlin am 26.7. morgens zum Morden beim CSD Festival: „Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören. Wir sind mit unseren Gebeten bei allen Opfern und ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden und auch bei allen, denen der Hass die Freude genommen hat. Wir halten Fürbitte in unseren Sonntags-Gottesdiensten für alle Betroffenen und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft. Der Hass darf nicht gewinnen.“
Das Wort Homosexuelle, Queers ,sucht man in diesem frommen bischöflichen Floskel – Erguss vergebens. Wie üblich und wie in frommen Worten auch total hilflos wird zum Beten aufgerufen. Ja betet mal, ihr Kirchenfürsten, wird Gott die kirchenamtliche Verfolgung und die bis heute im Katechismus fixierte Diskrimierung von Homosexuellen verzeihen?
Es geht ja auch nicht um „den Hass“, wie Bischof Koch meint, es geht um den sehr speziellen konkreten Hass auf Homosexuelle und Queers.
Die katholische Kirche war sich bekanntlich im Unterschied zur Evangelischen Kirche in Berlin zu fein, einen eigenen Wagen der katholischen Kirche bei der Demo am 25.5. 2026 in Berlin zu gestalten. Wahrscheinlich hätten auf dem Wagen dort viele schwule Priester und lesbische Nonnen gern der Menge segnend zugewinkt. Es ist blamabel, wie sich die katholische Kirche in Berlin gegenüber den Homosexuellen und Queers verhält. Aber: Vielleicht interessiert sich ja wirklich niemand mehr in Berlin für diese Institution…

3.
Am wichtigsten ist die Erkenntnis: Der Homo-Hass und der Hass auf Queers durch islamische und islamistische Kreise ist sehr verwandt mit dem bekannten Homo – Hass und dem Hass auf Queers durch die verschiedenen rechtsextremen, faschistischen Gruppen und Parteien in Deutschland jetzt.
Man beachte bitte: CSD Festivals in ostdeutschen kleinen und größeren Städten kommen ohne heftigen Polizei-Schutz schon seit Jahren gar nicht mehr aus. Wir haben um der Schnelligkeit wegen KI zum Thema befragt: Jede LeserIn wird weitere Beispiele dafür finden, dass normales Feiern und Demonstrieren durch Homosexuelle und Queers vor allem in ostdeutschen Städten und Städtchen gar nicht mehr möglich ist. Homosexuelle und Queers leben dort förmlich unter Polizeischutz, das ist die Tatsache. Aber weil die CDU/CSU sozusagen die AfD rechts überholen will (Stichwort Asylpolitik) wird sich daran nichts ändern.
Also hier nur einige Beispiele von KI unvollständig übermittelt:

4.
„Zahlreiche CSD-Veranstaltungen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen standen wegen rechtsextremer Mobilisierungen und Bedrohungen unter erhöhtem Polizeischutz, darunter vor allem in Cottbus, Bernau, Falkensee, Bad Belzig sowie in Magdeburg und Halle (Saale).

Brandenburg
Cottbus: Nach vorangegangenen Brandanschlägen und Angriffen fand der CSD hier unter starker polizeilicher Sicherung statt.
Bernau, Falkensee und Bad Belzig: Kleinere und größere CSD-Proteste in brandenburgischen Städten wurden aufgrund direkter Mobilisierungen und Gegenproteste aus dem rechtsextremen Spektrum massiv von der Polizei begleitet.
Bad Freienwalde und Eberswalde: Nach konkreten Angriffen auf queere Veranstaltungen und Feste für Vielfalt (wie in Bad Freienwalde) war die Polizeipräsenz bei den dortigen beziehungsweise nachfolgenden Pride-Aktionen deutlich erhöht.
Sachsen-Anhalt
Magdeburg: Der CSD verzeichnete zwar tausende Teilnehmende, musste jedoch zum Schutz der Menge großflächig von Einsatzkräften begleitet werden.
Halle (Saale): Auch hier begleitete die Polizei die Veranstaltung wegen angedrohter rechter Gegenproteste intensiv, die von Gruppen wie den „Jungen Nationalisten“ angemeldet worden waren.
Thüringen
Erfurt, Sonneberg und Nordhausen: Die dortigen CSD-Demonstrationen für Weltoffenheit und Vielfalt wurden von den Behörden angesichts eines zunehmend angespannten sicherheitspolitischen Klimas und rechten Gegenprotests mit verstärkten Schutzkonzepten versehen.

Zur Gewalt durch rechte und Rechtsextreme gegen Queers – nur in Berlin – siehe : LINK. Siehe auch den Maneo-Report: LINK

Ben Miller, Schwules Museum Berlin, Im Interview mit dem ND am 28.7.2026:

„Es gibt einen rasanten Anstieg von queerfeindlichen Übergriffen. Da geht es nicht nur um Parolen, sondern immer wieder auch um Gewalt. Und das aus jeder gesellschaftlichen Ecke. Es gibt keinen queeren oder trans Menschen, der nicht schon mal mit Bedrohungen auf der Straße oder im Netz konfrontiert war. Die Reaktion der Politik darauf ist, queere Infrastruktur kaputt zu sparen. Wenn man an Präventionsmaßnahmen, am Kampf gegen Homo- und Transphobie oder an den sozialen Strukturen der queeren Community spart, steigt die Wahrscheinlichkeit von Gewalt.

Welche Bedrohung stellt Islamismus für queere Communitys dar?
Gewalt gegen queere und trans Menschen hat ihren Ursprung in Homo- und Transphobie. Mir fehlt die Auseinandersetzung mit diesen Ideologien im aktuellen Mediendiskurs. Was die meisten dieser Angriffe gemeinsam haben, ist, dass sie von jungen Männern mit patriarchalischen Weltanschauungen ausgehen. Manchmal rechtfertigen sie ihre Taten mit religiösem Fanatismus, manchmal mit Antifeminismus, manchmal mit der Sorge um den Fortbestand des vermeintlichen Volkes. Wir wissen, dass laut Kriminalstatistik rechtsextreme Gewalt andere genannte Ursachen für Angriffe auf queere und trans Personen bei Weitem übertrifft. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern aus dem Inneren »unserer« Gesellschaft.

Siehe die ausführlichen Infos: LINK:

5.
Mit der gleichen Intensität, mit der nun (potentielle) IS – Mörder in Deutschland beobachtet und bestraft werden, sollten auch die rechtsextremen Feinde des demokratischen Lebens beobachtet und bestraft werden, also die Feinde der völligen Gleichberechtigung homosexuellen und queeren Lebens. Dass das geschieht, wünschen sich viele der noch verbliebenen Demokraten dringend. Sie zweifeln aber an der Kraft etwa der CDU/CSU über großspurige Worte der „tiefen Trauer“ hinaus tatsächlich wirksam die rechtsextremen Feinde homosexuellen und queren Lebens zu verfolgen und zu bestrafen. Bald werden die Demokraten in Deutschland erleben, was eine AfD Regierung etwa in Sachsen – Anhalt für Unheil anrichtet…

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-Salon.de

 

 

Für einen Bischof in Uganda sind Menschenrechte wichtiger als Bibelsprüche und dogmatische Lehren

Erinnerung an Bischof Christopher Senyonjo, den Verteidiger und Beschützer der Homosexuellen in Uganda

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.7.2026

1.
Bischöfe loben: Das geschieht eher selten im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin. Denn für uns stehen Bischöfe wie alle sich religiös oder speziell christlich nennenden Menschen UNTER den Menschenrechten. Zuerst entscheidend sind die universell geltenden Menschenrechte, und dann danach die religiösen, christlichen Lehren, die mit Argumenten der Vernunft gelesen werden müssen.

2.
Heute müssen wir an einen Bischof der Anglikanischen Kirche im afrikanischen Uganda lobend erinnern: Christopher Senyonjo, emeritierter Bischof von Buganda, ist am 19.Juli 2026 im Alter von 94 Jahren gestorben. Bischof Senyonjo war die stärkste christliche Stimme, die mit allem Nachdruck die totale, auch gesetzlich fixierte Repression des Staates Uganda gegen Homosexuelle und alle Queers verurteilte. (Eine sehr ausführliche Würdigung dieses außergewöhnlichen Bischofs bietet Wikipedia, hier eine von Wikipedia angebotene Übersetzung, Fußnote 1).

3.
Es gibt noch eine Vereinigung „Sexuelle Minderheiten in Uganda“ (SMUG) und die „Association zur Verteidigung der Rechte der Homosexuellen (FARUG)“, die ausdrücklich an Bischof Senyonjo erinnern: “Er war eine seltene, großartige Seele, die nicht nur Liebe predigte, sondern sie jeden Tag praktisch lebte.“

4.
In Uganda nennen sich 80 Prozent der Einwohner Christen in verschiedenen Kirchen und Konfessionen. Seit 2023 herrscht in Uganda eines der repressivsten Gesetze gegen Homosexuelle. Und dieses Gesetz wird offen vom anglikanischen Klerus in Uganda unterstützt. Wie so oft behaupten auch die anglikanischen Feinde der universell geltenden Menschenrechte: „Homosexualität wurde uns Afrikanern von außen aufgezwungen, von Fremden, gegen unseren Willen und gegen unsere religiösen Überzeugungen“, so der oberste Kirchenchef der Anglikaner in Uganda, Stephen Samuel Kaziimba Mugalu. Eine Position, die auch von sehr vielen katholischen Bischöfen und Kardinälen vertreten wird, wie jüngst von dem weltweit schon bekannten Feind homosexuellen Lebens und Liebens, dem Kurien-Kardinal Robert Sarah, Rom, er stammt aus Guinea, über ihn haben wir schon oft berichtet. LINK.

5.
Aber Bischof Christopher Senyonjo dachte und handelte menschlich: Er wehrte sich – zumal als emeritierter Bischof – gegen die sogenannte „Therapie“ der „Heilung“ von Homosexualität, er eröffnete in der Hauptstadt Kampala ein Beratungszentrum für Homosexuelle als Hilfe und Zuflucht für Homosexuelle.
Die anglikanische Episcopal Church in den USA unterstützte ihn, während Bischof Senyonjo von seiner eigenen Kirche ihn Uganda ausgeschlossen wurde, weil er, so wörtlich, „offen die Lehren der Bibel zur menschlichen Sexualität entstellte.“ Bischof Senyonjo entgegnete: „Ich kann doch Homosexuelle nicht verurteilen, denn ich bin aufgerufen jedem Menschen zu dienen, vor allem, jenen, die marginalisiert sind. Man kann die Bibel doch nur in dem Zusammenhang von Homosexualität zitieren, wenn man genau den Kontext beachtet“, also sich von fundamentalistischer Bibellektüre befreit.

6.
2010 wurde in Uganda ein Foto in der Presse veröffentlicht: Es zeigt Bischof Senyonjo mit David Kate, einem der führenden Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen. Der Kommentar der Zeitungen: „Diese beiden sind die wichtigsten Homosexuellen im Land. Ergreift sie“. David Kato wurde „ergriffen“ und einige Monate nach den Zeitungsberichten ermordet. Bischof Senyonjo sprach Gebete bei dessen Bestattung. Über David Kato: Siehe : https://www.bbc.com/news/world-africa-12295718

7.
Es geht in den christlichen Kirchen Afrikas heftig gegen die Rechte von Homosexuellen. Die Anglikanische Weltgemeinschaft droht deswegen zu zerbrechen: die anglikanischen Feinde der Menschenrechte in Afrika nennen sich „orthodox“, rechtgläubig. Sie wollen eine eigene afrikanisch-anglikanische Allianz bilden. Offenbar ist es den vernünftigen Anglikaner in England oder in den USA nicht gelungen, ihre lieben Mitbrüder in Afrika von der Vorherrschaft der Menschenrechte vor allen dogmatischen Lehren zu überzeugen. Dann sollen diese „orthodoxen“ Anglikaner doch ihren eigenen Weg gehen. Jedenfalls hat die Vernunft in der anglikanischen Kirche NICHT gesiegt. Eigentlich eine Blamage.

8.
Um den Schutz der Homosexuellen und Afrika müssen sich dann internationale Organisationen und die noch verbliebenen demokratischen Staaten in Europa wirksam kümmern …. falls sie noch bereit sind, Flüchtlinge aus Uganda etwa aufzunehmen.

9.
Auch in der katholischen Kirche gibt es tiefste Spannungen: Die allermeisten afrikanischen Kirchenführer, Bischöfe und Kardinäle, sind explizite Feinde der Gleichberechtigung von Homosexuellen in den Staaten und der Kirche. Und der Papst will die zahlenmäßig wachsende Katholische Kirche in Afrika nicht irritieren. Deswegen hält er sich im Blick auf Europa mit einer vernünftig wie christlich gebotenen Gleichberechtigung für Homosexuelle zurück und lässt Segnungen von homosexuellen Paaren nur unter aller größten Einschränkungen sehr ungern noch zu. Das heißt: Der Papst, der Vatikan, die meisten Bischöfe wollen absolut nicht, dass Homosexuelle als völlig gleichberechtigte Menschen in der Kirchen und in den Staaten leben. Mit anderen Worten: Auch diese katholischen Kirchenführer in Rom und anderswo sind wie die anglikanischen Kirchenführer in Uganda und Afrika – reaktionär. (Siehe Fußnote 2: Einige führende katholische Bischöfe Afrika gegen die Rechte der Homosexuellen)

10.
Über dieses unverschämte, unmenschliche Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Queers durch Politiker und Kirchenführer (von muslimischen Führern wollen hier erst gar nicht reden…) wird in der Soziologie und Anthropologie und Politologie vielfach geforscht. Zentrale Erkenntnisse zur „Homofeindschaft“ der etablierten Kreise in Afrika:
Sie lenken mit dieser verbrecherischen Ideologie ab von den echten Problemen Afrikas (Armut, eigene Korruption!, Ungerechtigkeit etc..)
Sie wollen ihre Souveränität dokumentieren.
Sie ignorieren die deutlichen Forschungsergebnisse: Vor der Kolonisierung Afrikas gab es meist keine Abwehr von Homosexualität.
Zumal die homo-feindlichen Bischöfe geben sich als treue Schüler der europäischen Missionare des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie lehrten einst in ihrem eigenen, damals üblichen europäischen Anti – homo – Wahn die neugierigen „Heiden“ Afrikas: Der liebe Gott liebt keine Homosexuellen. Und diese Lehre garnierten sie mit ein paar Bibelzitaten, die sie den staunenden Heiden als Gottes Wort verkündeten. Und die „bekehrten“ Heiden gehorchten.
Nebenbei: Es ist manchmal befremdlich, dass keine Predigten der Missionare in Afrika im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlicht werden. Sind alle diese Dokumente verschwunden? Oder: Werden sie vor kritischem Zugriff versteckt und verschlossen? Wahrscheinlich ist das so.

11.
Man wird nicht die Verteidigung der universell geltenden Menschenrechte, auch für die Menschen in Afrika, auch für Homosexuelle und Queers in Afrika, als eine Form des Kolonialismus bezeichnen und die Menschenrechts – Aktivisten verurteilen. Und man wird doch wohl nicht die politischen und religiösen Verbrecher in Afrika als kulturell korrekt geortet in ihrer „ureigenen“ Kultur loben?

Wer dieser Überzeugungen folgt, entspricht den ideologischen Restbeständen einer in Pluralismus zerfallenden „Post – Moderne“. Demnach hat jeder irgend recht… Wir weisen diese Ideologie mit gutem Grund als inhuman zurück. Die in etwas Freiheit und manchmal in Gleichberechtigung lebenden Europäer dürfen nicht sagen: „Na, dann sollen die Homosexuellen in Afrika halt umgebracht werden, wenn sie sich nicht der Ideologie ihrer korrupten politischen Herrscher anpassen wollen oder den uralten Sprüchen der Bibel.“
Aber die gequälten Opfer der Gewaltregime auch in Afrika fordern doch nur eins: Die Geltung der Menschenrechte auch für sie und alle Menschen.

FUßNOTE 1:
In ausführlicher Beitrag von WIKIPEDIA:
https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Senyonjo

FUßNOTE 2:
Wir nennen Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Demokratische Republik Kongo). Er behauptet: Homosexualität sei in Afrika eigentlich gar kein Thema, deswegen braucht die Kirche auch keine Segnung vom homosexuellen Paaren.

Wir nennen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Ghana, Bischof Matthew Kwasi Gyamfi. Er sagt öffentlich: Homosexualität sei verabscheuungswürdig, er fordert Strafen für Homosexuelle.

Wir nennen die Katholische Bischofskonferenz von Nigeria (CBCN): Sie weigert sich Homosexuellen zu segnen. Diese Segnung sei ein Verstoß gegen Gottes Gesetz, und: diese Segnung passe nicht zur afrikanischen Kultur.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Wenn die katholische Kirche öffentlich erklärt: „Die AfD ist für Katholiken nicht wählbar“!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 13.7.2026

Der Hinweis reflektiert, sozusagen in letzter Minute (was Sachsen-Anhalt angeht): Was wäre, wenn der dortige Bischof in Magdeburg öffentlich und explizit erklärt: „Für Katholiken – und alle Christen und alle Demokraten – ist die AfD nicht wählbar.“

Dazu müssen einige allgemeine Überlegungen vorangestellt werden.

1.
Verbote aussprechen und durchsetzen gehört grundsätzlich zum menschlichen, geistigen Leben, auch in der Demokratie.
Zur Erinnerung, ganz kurz: Die Nutzung von so genannten „social media“ soll nun (Mitte Juli 2026) endlich Kleinkindern und Kindern bis 13 Jahren verboten werden, nicht aus Willkür, sondern: Weil die Nutzung dieser Medien die geistige Entwicklung sehr stört.
Und: Wenn an Brücken zu lesen ist: „Einsturzgefahr, Brücke betreten verboten“, dann sollte man über diese Brücke nicht laufen, fahren, falls man am eigenen Überleben interessiert ist.

2.
Jetzt wird vom CSU Politiker Klaus Holetschek vorgeschlagen: Wenigstens den gesichert als rechtsextrem anerkannten AfD-Landesverband Thüringen zu verbieten, „angeführt vom einschlägig vorbestraften Björn Höcke“, wie die SZ am 14. 7.2026, Seite 4, schreibt. Demokraten wissen:
Diese Partei hat die in Deutschland geltende Bindung an das Grundgesetz aufgegeben. Menschenrechte interessieren diese Partei nicht. Sie gehört nicht in unsere Demokratie!

3.
Und: Wie hält es die katholische Kirche mit einem offiziellen AfD Verbot: Etwa sollte die Kirchenleitung öffentlich sagen: Katholiken dürfen die AfD nicht wählen, zumal in den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September 2026?

4.
Die katholische Kirche bekanntlich hat eine lange und umstrittene Tradition ihrer Verbotspraxis: Es gab bis 1960 eine Liste der „verbotenen Bücher“ (den „Index“). Gebildete Katholiken sahen in diesem Verbot eher eine Ermunterung zur Lektüre…
Es gab 1949 ein Verbot Papst Pius XII.: Katholiken ist es verboten, die Kommunistische Partei zu wählen. Zumal im katholischen Italien hielten sich überhaupt nicht alle Katholiken an dieses Verbot. Sie wussten: die päpstliche empfohlene „Democracia Cristiana“ ist korrupt…
Papst Paul VI. hat den KatholikInnen den Gebrauch der „Pille“ verboten, nur ganz wenige Ehepaar folgten diesem Verbot. Kardinal Höffner von Köln hat noch in den 1980Jahren die Partei „Die Grünen“ für Christen als „nicht wählbar“ verurteilt. https://www.domradio.de/artikel/als-der-heilige-stuhl-wahlverbote-aussprach-70-jahre-anti-kommunismus-dekret-des-vatikan

5.
Die Verbote der katholischen Kirche waren unsinnig und haben wenig im Sinne der Päpste bewirkt.
Aber sind Verbote, von amtlicher Leitung der Kirche und von Theologen öffentlich ausgesprochen, immer sinnlos? Sicher nicht. Brasilianische Bischöfe haben etwa das brutale Vorgehen von Landraub in den Bezirken der Indigenen Völker verboten. Sklaverei, auch heute ein aktuelles Verbrechen, ist kirchenoffiziell verboten.
Diese Verbote haben zweifellos eine Bedeutung und auch eine Wirkung in der Öffentlichkeit! Sie zeigen in Verbindung mit den Aktionen demokratischer Parteien und demokratischer NGOs die „roten Linien“, denen sich auch die Kirchen anschliessen.

6.
Die aktuelle Frage ist: Hätte es einen Sinn und vor allem eine umfassende politische Bedeutung, wenn jetzt die Führung der Katholischen Kirche in Sachsen – Anhalt und Mecklenburg – Vorpommern die Wahl der AfD verbietet? Zum Verzicht der Demokratie, die AfD zu verbieten, schreibt Wolfgang Janisch in dem genannten Beitrag in der SZ: „Den amtlichen Verzicht auf einen Verbotsantrag verstehen viele Menschen als eine Art Gütesiegel: So schlimm wird sie schon nicht sein, diese AfD.“

7.
Wenn also öffentlich und explizit die katholische Bischöfe den Katholiken die Wahl der AfD aus ethischen, politischen und christlichen Gründen verbieten , würde auch die breite Öffentlichkeit wissen: „Sie ist also doch wohl schlimm, diese AfD, die Bischöfe sind ja gut beraten von Politologen und Ethikern, wenn sie sich für ein Verbot aussprechen.
Nicht nur Katholiken, andere Christen und die vielen humanistisch Gesinnten in den Ländern kämen also ins Nachdenken und – hoffentlich – zu einer politischen Neuorientierung zu Demokratie.

8.
Es gibt schon eine Erklärung der katholische Bischofskonferenz, die eindeutig die Nicht – Wählbarkeit der AfD für Katholiken ausspricht. Auf ihrer Voll- Versammlung am 22. Februar 2024 in Augsburg haben sich die Bischöfe explizit von der AfD distanziert und die Gläubigen vor der Wahl der AfD explizit gewarnt, in der offiziellen Erklärung heißt es u.a.: „Wir appellieren an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, auch an jene, die unseren Glauben nicht teilen: die politischen Angebote von Rechtsaußen abzulehnen und zurückzuweisen. Wer in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft leben will, kann in diesem Gedankengut keine Heimat finden. Wer Parteien wählt, die mindestens in Teilen vom Verfassungsschutz als „erwiesen rechtsextremistisch“ eingeschätzt werden, der stellt sich gegen die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens und der Demokratie in unserem Land.“ ( Quelle: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_alt/presse_2024/2024-023a-Anlage1-Pressebericht-Erklaerung-der-deutschen-Bischoefe.pdf) Und der damalige Präsident der Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing ergänzte 2024: „Ich möchte exemplarisch daran erinnern, dass mein Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz auf der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 in Bensberg „rote Linien“ für legitimes politisches Engagement formuliert hat… Ich möchte erinnern an die nord – ostdeutschen Bischöfe, die am 19. Januar 2024 öffentlich erklärt haben, dass sie „vor dem Hintergrund unseres eigenen Gewissens die Positionen extremer Parteien wie dem III. Weg, der Partei Heimat oder auch der AfD nicht akzeptieren können“.

9.
In Sachsen – Anhalt und Mecklenburg – Vorpommern werden im September 2026 Landtagswahlen stattfinden, die Umfragen zeigen: Die AfD könnte stärkste politische Kraft werden.
Der sonst gegenüber AfD kritische Bischof von Magdeburg (Sachsen – Anhalt), Gerhard Feige, sagt in einem Interview mit der Zeitschrift Publik – Forum (10.Juli 2026, S. 17) lapidar zu seinem jetzigen Umgang mit der AfD in seinem Bundesland: „Wir wollen Gegensätze nicht verschärfen.“ Also: Besser kein Verbot aussprechen, die AfD zu wählen. Weil man sonst die AfD zu sehr reizt? Weil die Polemik und die bisherige Gewalt dieser Partei schon zu heftig sind? Weil Bischof Gerhard Feige von Magdeburg zwar mit der evangelischen Kirchenleitung in Verbindung steht:
Aber das wäre doch ein Ereignis: Kardinäle und Bischöfe aus „Westdeutschland“ werden im Juli und August 2026 Magdeburg, Halle, Stendal, Dessau usw… besuchen, mit den Gemeinden sprechen, auf dem Markt, in Kneipen usw… um den Kampf gegen die AfD zu unterstützen?

10.
Bischof Feige kritisiert in dem genannten Interview in altbekannter Art heftig die AfD, er weist darauf hin, dass er selbst wegen dieser Stellungnahmen beleidigt wird und meint sogar: So hinterhältig wie die AfD war die SED nicht im Umgang mit den Kirchen (S. 18). Und Feige sagt treffend: „In Wahrheit geht es der AfD aber um einen Kulturkampf“.

11.
Warum gibt es bei dieser detailliert treffenden Einschätzung der AfD dann aber kein öffentliches Verbot dieser Partei durch den Bischof?
Das Problem ist: Die AfD ist – bis jetzt – keine verbotene Partei. Sie kann sich den Anschein geben, eine normale Partei unter den anderen (demokratischen) Parteien zu sein. Der Bischof müsste also eine – dem Anschein nach – „demokratische Partei“ verurteilen und vor dieser warnen. Das ist schwierig… und die eher schwammige Aussage des Bischofs ist eine schlimme Konsequenz, dass es immer noch kein AfD Verbot gibt, wenigstens des auch rechtsradikal durchsetzten Landesverbandes Sachsen – Anhalt. Die Demokraten haben also geschlafen. Jetzt ist der politische Aktionsradius gegen die AfD schon sehr begrenzt.

12.
Aber dies ist ein weiterer Grund für das Ausbleiben eines rigorosen und öffentlichen NEIN zur Wahl der AfD: Bischof Feige sagt in dem genannten Interview: „Natürlich gibt es Themen der AfD, die traditionalistische Christen (gemeint sind wohl konservative Katholiken, „traditionalistisch“ sind bekanntlich die Piusbrüder, aber die gibt es in Sachsen – Anhalt kaum, CM) emotional ansprechen können. Dazu gehört das klassische Familienbild, der Schutz ungeborenen Lebens und sicher auch Genderfragen“. An diesen Themen klammert sich die AfD fest. Bischof Feige muss also eine ideologisch – theologische Nähe konservativer Katholiken (und Protestanten sicher auch) zu den Themen der AfD eingestehen. Wenn für Katholiken diese drei genannten Themen wahl-entscheidend sein dürften, dann müsste sich doch ein Bischof fragen: Was haben wir als Kirchenführung und als Theologen falsch gemacht, dass der Eindruck sich durchsetzen konnte: Das „klassische Hetero-Familien-Bild“, der „absolute Schutz ungeborenen Lebens“ und „die Genderfrage“ seien der entscheidende Mittelpunkt des christlichen Glaubens? Welche Schuld haben die Bischöfe auf sich geladen, dass sie die die genannten Themen so in den absoluten Mittelpunkt des Glaubens stellten? Das tun ja selbst die sich christlich nennenden Parteien in der BRD nicht (mehr).

13.
Es ist immer noch Zeit, diese Schuld öffentlich anzuerkennen und diese Ideologien beiseitelegen und als Bischof öffentlich zu sagen: Oberste Norm für uns als Katholiken und Christen sind die universell geltenden Menschenrechte. An der Realisierung dieser Menschenrechte hat die AfD kein Interesse. Deswegen sollten Demokratie, sollten Katholiken, diese Partei NICHT wählen.

14.
Dabei sollten sich die Bischöfe heute erinnern: Gegen Ende der Weimarer Republik gab es einige katholische Bischöfe, die explizit, die Katholiken warnten, die NSDAP zu wählen. Diese NSDAP war damals nicht verboten. Man denke etwa an die Bischöfe Sproll (Rottenburg) oder Hugo (Mainz) in ihrem rigorosen Nein zur NSDAP (das galt bis zur „Machtergreifung“). Bischof Sprolls Verdienste im Kampf gegen die NSDAP werden jetzt durch freigelegte Missbrauchsvorwürfe leider getrübt…
Zu Bischof Hugo in Mainz schreibt Wikipedia: „Dem aufkeimenden Nationalsozialismus trat Bischof Hugo entschieden entgegen: Als erste deutsche bischöfliche Behörde verbot Hugos Bistumsverwaltung 1930 unter Federführung des Generalvikars Philipp Jakob Meyer den Katholiken die Mitgliedschaft in der NSDAP. Nationalsozialisten wurde im Bistum Mainz der Empfang der Sakramente und das kirchliche Begräbnis verwehrt. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten demonstrierte Hugo mit dem dritten Internationalen Christkönigskongreß 1933 und der „Ketteler Feier der Werktätigen“ 1934 den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Maria_Hugo)

15.
Es wäre eine aktuell – dringende Aufgabe für Religionssoziologen und kritischenTheologen zu dokumentieren: In welcher Form bieten die Kirchen in den ostdeutschen Bundesländern, in den Dörfern und (kleineren) Städten, offene Jugendtreffpunkte an oder One der Begegnung für die anderen, die „Älteren“, aber eben nicht-konfessionell bestimmte , also nicht-missionarisch orientierte Gemeinderäume.
Es ist ja eine Tatsache: Die AfD und andere andere Rechtsextreme sind in vielen Dörfern und Städten noch die einzigen, die „sich kümmern“.

16.
In einer Vernachlässigung der Gestaltung offener Angebote haben die Kirchen wie auch die demokratischen Parteien und Vereine Schuld auf sich geladen … angesichts der hohen Zustimmung der sich „allein gelassen fühlenden Bevölkerung“, sie sieht sich in der „Kümmerpartei“ AfD „aufgehoben“.
Diese Zusammenhänge sind wohl evident, müssten aber weiter empirisch genau untersucht werden.

17.
Die Kirche des Bistums Magdeburg ist arm, finanziell arm verglichen mit westdeutschen Bistümern, und auch personell arm: Auch Ordensleute leben lieber in München, Frankfurt (M), Mainz, Würzburg usw. als in der tiefen Diaspora im „Osten“. Auch diese personelle und finanzielle Vernachlässigung der Kirche in den ostdeutschen Ländern wird man eines Tages für den Sieg der AfD verantwortlich machen müssen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

Kollaboration rechtsextremer Parteien mit katholisch- nationalistischen – rechtstextremen Parteien in Polen

Jordan Bardella, Präsidentschaftskandidat der äußerst rechten Le – Pen – Partei („Rassemblement National“, RN) schafft Allianzen mit Polens rechtsextremen Parteien

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6. Juli 2026

1.
Über die aktuell regelmäßige Zusammenarbeit rechtsextremer Parteien in Europa ist schon viel publiziert worden. Und einige Erkenntnisse zu dieser europäischen Allianz der rechtsaußen Parteien haben sich herumgesprochen, hoffen wir.
Europas Staaten sind schon jetzt rechtslastig, oft rechtsextrem und es wird wohl immer schlimmer. Wir dokumentieren ein weiteres Faktum.

2.
Jordan Bardella, neben Marine Le Pen, Chef der rechtsextremen Partei „Rassemblement National“ und möglicher Präsident Frankreichs 2027, knüpft Bündnisse mit katholisch geprägten Rechtsaußen – Parteien in Polen … bei seinem Besuch in Warschau am 18. und 19.Juni. Dort wurde Bardella geradezu pompös empfangen, wie in großer Staatsmann.
Diese Rechtsaußen Parteien in Polen machen allen demokratisch Gesinnten das Leben schwer, haben aber enormen Rückhalt unter den immer noch zahlreichen praktizierenden Katholiken. Die wichtigste rechtsextrem – katholische – nationalistische – antisemitische Stimme Polens ist das Radio – Medien -Imperium „Radio Maryja“. Selbst den wenigen progressiven Bischöfen Polens ist es nicht gelungen, durch päpstlichen Druck ein Ende dieses Imperiums zu erreichen. Die Geduld der offiziellen katholischen Kirche mit rechtsextremen Katholiken (nicht nur in Polen) ist bekanntlich sehr groß.

3.
Wie gesagt, am 18.und 19. Juni 2026 besuchte Jordan Bardella Warschau, und zwar die rechtsextreme Partei „Nationale Bewegung“, die auch im Europa – Parlament vertreten ist. Vermittelt wurde das glanzvoll inszenierte Treffen von der erz-katholischen PiS Partei. Bardella hatte auch Gespräche mit dem PiS Chef Jaroslaw Kaczynski und mit dem Staatspräsidenten Karol Nawrocki, er ist PiS sehr nahestehend. Aber die sehr rechtsextreme polnische „Nationale Bewegung“, sozusagen der „Partner“ Bardellas und seiner Partei, ist dem Staatspräsidenten dann selbst doch etwas zu extrem. Deswegen wollte der Präsident keinen Medienrummel zu seiner Begegnung mit Bardella. LINK

4.
Gott sei Dank ist Bardella nicht homosexuell, in dem Falle hätten ihn die polnischen Politiker sicher erst gar nicht empfangen. Bardella ist hingegen nicht getauft, er nennt sich konfessionslos. „Dieser Makel“ spielt im politischen Kalkül der rechtsextremen Katholiken und ihrer Parteien aber offenbar keine so große Rolle.

5.
Der katholische Milliardär Vincent Bolloré hat in seinem Verlag Fayard (Paris) kürzlich eine Art politische Programmschrift Bardellas veröffentlicht: „Ce que veulent les Français“ („Was die Franzosen wollen“). Auch in Frankreich läuft die Zusammenarbeit Rechtsextremer (Millionärs-) Katholiken und rechtsextremer Politiker offenbar wie geschmiert. Zum Milliardär und Medienmogul Bolloré: LINK.
Und auch „Katholische Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“: LINK

6.
Wer ist noch in der Lage, der Kollaboration rechtsextremer Parteien in Europa, inklusive der rechtsextremen Katholiken und ihrer finanzstarken Netzwerke, Widerstand zu leisten?
Wer kann noch wirksam zeigen: Katholizismus hat nichts mit rechtsextremen Ideologien und Parteien zu tun? Linke Katholiken wurden von der Kirchenführung ja vergrault oder rausgeschmissen. Es gibt de facto keine linken Katholiken mehr.

7.
In Frankreich sind die Bischöfe allgemein sehr zaghaft gegenüber den rechtsextremen Parteien, wahrscheinlich wissen sie aus repräsentativen Umfragen: Etwa 40 Prozent der noch praktizierenden Katholiken stimmen für Le Pen bzw. den Rassemblement National. Bekanntlich lebt die katholische Kirche Frankreichs vor allem von Spenden der praktizierenden Gläubigen. Rechtsextreme Katholiken können also den ohnehin schwach fließenden Geld- Hahn der Kirche zudrehen und kein Geld mehr spenden. Oder katholische rechtsextreme Milliardäre können helfend ein paar Millionen Euro rüberreichen, aber dabei bestimmen, für welche – ihnen günstige – Projekte ihr Geld verwendet werden soll. Sie können, mit anderen Worten, die Bischöfe und den Rest der Katholiken erpressen… So wird also der Katholizismus, nun unter Druck von rechtsaußen stehend, selbst sehr rechtslastig.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Der 250. Geburtstag der USA: Über den Absturz in eine Form des Faschismus

Ein Hinweis von Christian Modehn am 3. Juli 2026

Das Motto dieses Beitrags ist ein zentrales Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776: „Wenn eine Regierung systematisch und dauerhaft die Grundrechte der Bürger verletzt, um eine absolute Tyrannei zu errichten, ist es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Volkes, diese Regierung zu stürzen.“  (Siehe Fußnote 2.)

1.
Zum Feiern anläßlich des 250.Geburtstages der USA am 4. Juli (2026) sollte uns nicht zumute sein, mit „uns“ meine ich die noch nachdenklichen, kritischen und vor allem demokratisch Gesinnten weltweit. Der 4.Juli sollte ein Tag sein, an dem wir fest in unser Denken und Fühlen einprägen: Die USA stehen jetzt an einem höchst gefährlichen Kipp – Punkt. Die USA rutschen ab in ein Regime, das weder Demokratie oder Republik genannt werden darf. Eher sollte man fürchten, dass da eine Form von Gewaltherrschaft der Superreichen entstanden ist und der super fromm – evangelikalen Feinde der universell geltenden Menschenrechte. Wieder einmal wird der christliche Glaube von nationalistischen, rassistischen, rechtsradadiklen Ideologen missbraucht…
Etliche Politologen und kritische Beobachter schließen es nicht aus, dass sich eine neue Variante des Faschismus in den USA durchsetzt. Dieser Faschismus beginnt mit der Abschaffung von objektiven, überprüfbaren Wahrheiten. Trump begannt sein Regime mit seinem Plädoyer für „alternative Wahrheiten“, die er je nach Laune definiert. Bekanntlich ist der Verzicht auf universell geltende Wahrheiten nichts als ein Ausdruck für den Nihilismus. Darauf hat Friedrich Nietzsche aufmerksam gemacht. Die USA unter Trump also auf dem Weg des Nihilismus: Nichts Wahres gilt mehr. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hält den Nihilismus für eine Form von Glauben, also eine Ideologie,Nietzsche schreibt: „Der Glaube, dass es gar keine Wahrheit gibt, ist der Nihilismus – Glaube.“ (Zu „Nietzsche und der Nihilismus“, siehe Fußnote 1).

2.
Dass die USA an einem Kipp – Punkt stehen ins Autoritäre, sagen viele kritische Beobachter, Spezialisten, Politologen, Historiker, Soziologen. Und jeder kritische Leser von kritischen Zeitungen weiß das längst, verdrängt aber die Fakten oft. Der Vorgänger von Donald Trump im Präsidentenamt, der demokratische Politiker Joe Biden, zeigte sich kürzlich als wahrer Demokrat, also im universellen Sinne von Demokratie, nicht als Parteipolitiker. Biden: Ein heftiger, kluger Kritiker des Trump – Regimes. Am 27. Juni (2026) sagte er im Bundesstaat Maryland: Trump ist, so wörtlich, „inkompetent und korrupt“. „Mit Trump beginnen dunkle Zeiten in den USA“. Trump betreibe, wieder wörtlich, „absichtlich die Deformation und Zerstörung der Nato“. Unter Trump habe sich, „eine dreiste, unverhohlene Korruption auf einem Niveau durchgesetzt, wie es Korruption noch nie in der US – Geschichte gegeben hat.“ (Eine kurze Zusammenfassung von Joe Biden Rede: im Tagesspiegel vom 30.6.2026).

3.
Das Verschwinden von Ethik, Vernunft, Demokratie, Menschenrechten, Respekt vor dem Völkerrecht unter dem Regime Trump ist derart umfassend und unter demokratisch Gesinnten bekannt, dass wir hier nur einige Autoren und einige zentrale Zitate bieten können.
Wenn wir vom Kipp Punkt der USA ins streng Autoritäre und eine Form des Faschismus sprechen, wird nicht geleugnet, dass es Widerstand gegen Trump und seine Bande gibt, dass auch einige Gerichte noch unabhängig arbeiten und gerecht urteilen: Aber die Allmacht der Trump – Leute, unterstützt von den ethisch total abgedrifteten der Tech – Milliardären, wackelt kaum. Trump und seine Leute (Vance!) versuchen die Demokratie in Europa explizit zu schwächen, sie propagieren und unterstützen rechtsradikale Regierungen (bis vor kurzem Orban in Ungarn) oder Parteien, wie die rechtsextreme AfD.
Zusammenfassend:Diese Leute im Trump – Regime wollen die Zerstörung der Demokratie und die Aufhebung der Menschenrechte. Sie wollen eine andere Welt ausschließlich zu ihrem eigenen Vorteil. Und dafür kämpfen sie auch weltweit. Das machte das Trump – Regime so universell gefährlich für die Menschheit.

4.
Vor allem liegt diesen Führern der USA an ihrer ständigen Bereicherung: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet am 1.7.2 2026: Trump hat als Präsident im Jahr 2025 mindestens 1,4 Milliarden Dollar Einnahmen aus seinen Geschäften mit Krypton und Memecoin – Währungen gemacht. „Sein Gesamtvermögen schätzt der Bloomberg Billionaires-Index auf 7,6 Milliarden Dollar“, so die SZ. Bei solchem nur noch absurd zu nennenden Gesamtvermögen einzelner sehnen die demokratische Gesinnten förmlich nach einer bislang für ein Tabu gehaltenen Debatte, einer Debatte zum Thema Enteignung. Sie wäre selbstverständlich sofort von den Milliardären lächerlich gemacht, und die Mitte Parteien und Rechtsextremen würden wie üblich das Gespenst des Kommunismus beschwören. Denn, auch die dem kapitalistischen System nahestehenden großen Kirche sagen das: „Privateigentum ist heilig, muss aber doch ein bißchen am Gemeinwohl orientiert sein“.
Ein Freund sagte mir: „In solchen Momenten der Erkenntnis der Allmacht der Milliardäre freut man sich letztlich, dass auch Milliardäre sterbliche Menschen sind, selbst wenn sie als Transhumanisten vielleicht 120 Jahre alt werden und die Welt weiter ruinieren und zerstören…Eine bewohnbare Erde werden sie – bei dieser ihrer Politik – als 120 Jährige vielleicht sowieso nicht mehr erleben….

5.
Zunächst: Der us-amerikanische Historiker Timothy Snyder – inzwischen wegen des Trump Regimes nach Kanada geflüchtet – hat sich mehrfach zum Trump – Regime geäußert: In der Süddeutschen Zeitung, 25. Juni 2026, Seite 9, bezieht er sich unter dem Titel „Kapitulation eines Dealmakers“ auf den für die USA gescheiterten Iran – Krieg. Der Historiker Snyder beurteilt Trump als einen Herrscher „mit Bosheit, kombiniert mit erstaunlicher Dummheit, der eine Weltmacht in die Selbstzerstörung“ führt. Bezogen auf den Iran – Krieg schreibt Snyder: „Krieg aus einer Laune heraus zu führen – wie es Trump tut – ist ein Symptom der Tyrannei…Diesen Kriegen muss man sich widersetzen. Trump ist, so Snyder, „von Hartherzigkeit und Einfalt bestimmt“.

6.
Das Buch „Die Stunde der Raubtiere“ des international geschätzten Historikers und Autos Giuliano da Empoli (C.H.Beck Verlag 2025, 3. Auflage) beurteilt Trump eindeutig: „Der amerikanische Präsident Trump führt einen bunten Tross hemmungsloser Autokraten an, bestehend aus Tech – Konquistadoren, Reaktionären und Verschwörern, die es gar nicht erwarten können, dass der Kampf endlich losgeht. Vor uns tut sich eine Zeit grenzenloser Gewalt auf und die Verteidiger der Freiheit scheinen auf die sie erwartende Aufgabe ganz besonders schlecht vorbereitet.“ (S. 40).

7.
Rainer Mühlhoff, Philosophieprofessor an der Uni Osnabrück, hat eine viel beachtete Studie über „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ veröffentlicht, Reclam 2026, 12. Auflage. Für Mühlhoff ist klar, dass das „Trump Regime – neben der AfD – transgressive Kräfte verkörpert“ (S. 120) und tendenziell faschistisch ist. Unter transgressiven Kräfte sind jene politischen Bewegungen, Aktionen und Ideologien gemeint, die bestehende Normen, Werte überschreiten und auflösen wollen.
Mühlhoff betont: „Transgressive Kräfte bestimmen die faschistischen Regime, sie sprengen Normen und demokratische Systeme und zerstören sie.“… „Faschismus bezeichnet damit kein bestimmtes politisches System, sondern eine Charakterdisposition und ihre politische Wirkungsweise.“ (S. 118). Diese Kräfte setzen sich jetzt in den USA offensichtlich mit Gewalt durch.

8.
Der Journalist und USA – Experte Arnd Henze fragt in einem Beitrag für „Publik – Forum“ (Heft 11/2026, S. 14) wo denn die langfristigen Voraussetzungen zu sehen sind für das Aufkommen des autoritären Trump – Regimes: „Es wurde vor etwa 50 Jahren ein Parallelimperium christlich nationalistischer Bildungseinrichtungen geschaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße Untergrund Armee christlicher Krieger, wie es der Kriegsminister Peter Hegseth martialisch auf den Punkt bringt.“… „Trump ist ein Präsident, der nur noch in den Allmachts – und Rachefantasien seiner KI-Bilder zu leben scheint. Das alles wird ausgestattet mit den repressiven Instrumenten von FBI, ICE und Border Control nach innen und der größten Militärmacht der Welt.“ Über die politische Bedeutung der weißen Evangelikalen für das Trump Regime siehe die große Studie von Arnd Henze: LINK

9.
Pete Hegseth, der Kriegsminister, ist streng – gläubiges Mitglied einer der hoch problematischen, manche sagen anti-christlichen fundamentalistischen evangelikalen Kirchen der USA, der „Communion of Reformed Evangelikal Churches“ (CREC). Diese Kirche, von Pastor Doug Wilson 1975 gegründet, gewinnt immer mehr nationalistische Anhänger und hat großen politischen Einfluss, in Washington D.C. gibt es längst ein Zentrum der CREC. Pastor Wilson sagt: „Hegseth ist ein guter Christ“… Und: Der Staat soll das Recht Gottes, das von der Kirche, seiner Kirche, erkannt ist, durchsetzen… Gottesrecht (d.h. Moral dieser Kirche) steht über den Menschenrechten.“ Siehe dazu ein aktuelles ausführliches Porträt zu Hegseth in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (2. Juli 2026, Seite 3).

10.
Die Historikerin Jill Lepore (Harvard Uni, Massachusetts) betont in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ (25. Juni 2026, Seite 6): „Die politische Polarisierung in den USA ist extrem, es herrscht politische und wirtschaftliche Verzweiflung, die Stimmung im Land ist sehr, sehr, sehr gedrückt.“ (Tatsächlich sagt Jill Lenore drei mal „sehr“). „Niemand weiß, was dieser verrückte alte Mann (Donald Trump) macht, wenn er die (Midterms)Wahlen verliert… Mir fällt es schwer, mir vorzustellen, was ein demokratisch kontrollierter Kongress dann tun könnte, um ihn zu stoppen. Wie auch immer die Midterm Wahlen ausgehen, die letzten beiden Jahre mit ihm im Weißen Haus werden wahnsinnig.“

11.
Wir brechen hier unseren „Gruß“, also unsere dringende Warnung, zum 250. Geburtstag der USA ab, alle LeserInnen können aus eigener Erfahrung und Lektüre weitere Studien über die USA unter dem Trump – Regime unternehmen. Und sie werden sich – wie wir – fragen: Wann endlich begreifen die Europäer , auch die deutschen, dass die USA unter Trump keine Freunde sind. Und die Frage reicht weiter: Waren die USA jemals selbstlose Freunde Deutschlands, oder war alles Wohlwollen und alle Hilfe nach dem 2. Weltkrieg zugunsten der BRD ökonomische Kalkül und Abwehr gegen den Erzfeind Kommunismus? Wahrscheinlich ist das so. Es zerbrechen die Illusionen Europas, Deutschlands, gegenüber „den“ USA gerade am 250. Geburtstag.

12.
Wenn wir hier nur auf die Zerstörung der Demokratie in den USA hinweisen und – mit etlichen kritischen Beobachtern – ein Ende der Demokratie in den USA nicht mehr ausschließen, dann haben wir überhaupt nicht die verbrecherische Gewaltherrschaft Putins vergessen oder den Menschenrechts feindlichen Kommunismus von Xi oder den extremen hinduistischen Fundamentalismus von Mori … und auch nicht Netanjahu oder die Herrscher des Iran oder die Rechtsextremen in Argentinien, Chile usw. haben wir vergessen.
Wir wollten nur den USA einen Glückwunsch zum 4.7.2026 senden!

Es bleibt die beunruhigende Erkenntnis: Die meisten Staaten unserer Welt werden zunehmend beherrscht von Autokraten, Diktatoren, Rechtsextremen, Nationalisten und, wie die Historikerin Prof. Jill Lenore sagt, „von einem verrückten alten Mann in den USA.“ Und genauso beunruhigend ist: Die noch wenigen verbliebenen demokratischen Politiker folgen den politischen Mustern des Trump – Regimes…Man beachte die „Abschiebeverordnung“ der EU Kommission. Sie plant, Inhaftierungen von Flüchtlingen und Asyl-Suchenden massiv auszuweiten, Überwachungsbefugnisse zu erhöhen…es soll möglich werden, Menschen in Länder abzuschieben, in denen sie noch nie gewesen sind…Alles nach dem Vorbild des Trump -Regimes.

Fußnote 1 zum Nietzsche Zitat: S. 439 in der gründlichen Studie des Philosophen Wilhelm Weischedel, „Der Gott der Philosophen“, Band I, 1972, Wissenschaftliche Buchges., Darmstadt.

Fußnote 2 zum Text der Unabhängigkeitserklärung: https://www.verfassungen.net/us/unabhaengigkeit76.htm . Im Oval Office ließ Trump die dort sichtbare Unabhängigkeitserklärung mit dem entscheidenden Zitat durch einen blauen Vorhang verdecken. Er will nicht daran denken, dass er und sein Regime vom Volk gestürzt werden könnten…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Ein neuer Tempel in Berlin: Zu Ehren der vielen säkularen, weltlichen Götter

Polytheismus – die vorherrschende Religion in Berlin.
Ein leicht ironischer Hinweis von Christian Modehn am 27.6.2026

Ein Vorwort:
Eine große Tempelanlage für die größte Konfession in Berlin ist eigentlich schon seit langem erforderlich: Für den modernen säkularen Polytheismus, den Glauben an einen der vielen weltlichen Götter. Schließlich nennen sich etwa 70 Prozent der Berliner Bevölkerung „Konfessionslos“, und dieser Titel bedeutet sicher ein Nein zum Monotheismus der Christen, Juden und Muslims, hat aber auch nichts mit dem Bekenntnis zum Buddhismus oder Hinduismus zu tun. Und der „klassische“ kämpferische Atheismus als Nein zum Monotheismus ist auch heute eher selten.
Es geht also um neue Formen des Glaubens, des Glaubens an die modernen vielen Götter, an die leidenschaftliche Bindung an einen der weltlichen oder am besten gleich an mehrere, wesensverwandte weltliche Götter. Wir nennen den Viel-Götter – Glauben deswegen einen säkularen Polytheismus, weil die Götter, die da verehrt werden, nur weltlich, also nur säkular sind. Von Transzendenz ist bei diesen Göttern also keine Spur, alles dreht sich hier um die eingeschlossene, abgekapselte Welt, also die Bindung an die endlos gedachte nur weltliche Welt ohne transzendente Funken… Dinge der Welt werden dabei gern und enthusiastisch in den Rang von etwas Göttlichem, Absoluten, Hoch – Heiligen erhoben, und bestimmte Menschen werden zu säkularen Heiligen, wenn nicht zu Göttern erklärt (siehe die Bewunderung für Musk in den USA).
Dies also ist ein neues Thema für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, Religionswissenschaft und Soziologie. Wir sprechen davon in einer Form einer milden Satire, deren phantasiereiche Beschreibung so unwahrscheinlich ja nicht ist, zumal der Viel-Götter-Kult heute weltweit absolut sich durchsetzt. Das Denken schließt sich ins nur Weltliche – Dinghafte ein, bestenfalls die Kunst kann noch die Schatten eines Jenseits zeigen, die Kirchen vertreten ihre uralten Dogmen in einer abgeschotteten, sich absolut wichtig nehmenden Klerus – Welt. Dies interessiert bald wirklich niemanden mehr, vielleicht noch einige der ewigen Neurotiker aus der katholisch – rechtsextremen Szene…

1.
Am 7. Juni 2026 wurde in Berlin ein neuer prächtiger Tempel zu Ehren der vielen Götter des Hinduismus feierlich eingeweiht. „Den Polytheismus pur“, möchte man sagen, kann jeder Interessierte dort erleben. Aber, und das ist überhaupt nicht degradierend gemeint: Es sind – regional begrenzt – die vielen Götter der hinduistischen Religion Indiens, die sich da in Berlin – Neukölln zur Verehrung und Bewunderung niedergelassen haben. Hunderte Statuen von hinduistisch – indischen Göttern (Göttinnen) schmücken den Tempel innen wie außen. Zwanzig Jahre wurde an diesem Tempel zu Ehren des Gottes Ganesha gebaut … auch mit allerlei finanziellen Hindernissen: Aber der Gott Ganesha hat schließlich gesiegt: Er wird – also wohl zurecht – als der „Überwinder von Hindernissen“ verehrt und er gilt als der „Schreiber heiliger Texte“.

2.
Wenn sich der uralte, auch literarisch wertvolle hinduistische Polytheismus in Berlin nun so deutlich präsentiert, sollte man die Anregung aufgreifen und wahrnehmen: dass sich ein ganz anderer Polytheismus in Berlin (und in ganz Europa) durchgesetzt hat: Dieser säkulare, weltliche Polytheismus möchte sich nun öffentlich in einer wahrlich riesigen Tempelanlage einladend präsentieren. Denn, wie gesagt, nur 30 Prozent der Berliner Bevölkerung sind sozusagen noch klassische religiöse Monotheisten, wobei unter denen sicher auch säkulare Polytheisten, also Verehrer irgendeines weltlichen Gottes, zu finden sind. Stichwort: Liebe zum Geld…Die sündhafte Hinwendung der Monotheisten zum Polytheismus war ja bekanntlich schon das Problem der Propheten des Alten Testaments.

3.
Keine Frage: Es gibt ihn faktisch, den weltlichen Polytheismus, also die von Menschen erschaffenen Götter, die sich als Götter NICHT feierlich von selbst offenbaren, sondern Produkte der Menschen sind, also weltlich sind. Diesen „ihren“ Göttern schenken die Menschen ihre Lebensenergie, ihnen opfern sie (sich auf), sie sind der entscheidende Mittelpunkt ihres Lebens: Diese weltlichen Götter sind als hoch-heilig aufgewertete weltliche Objekte (oder auch Subjekte, Menschen) inmitten einer sonst weithin vom monotheistischen Gott entleerten Welt. Selbstverständlich kann, wie im klassischen Polytheismus üblich, der einzelne weltliche Polytheist mehrere dieser Götter verehren, also den einen mal beiseite stellen zugunsten der Entscheidung für einen anderen. Wir nennen hier schon mal einige Namen der säkularen Götter, auf die wir im einzelnen noch hinweisen: Geld, Privateigentum, Auto, Nation, Fußball usw…

4.
Der geplante polytheistische Tempel muss eine große Anlage sein. Für die vielen Götter muss ausreichend Platz zur Verehrung stehen, zur stillen Andacht, zum Preisen und Loben, zum ausdrucksvollen Bekenntnis, ja auch dies: Vielleicht auch nur zur Verabschiedung von diesem Gott, sagen wir vom Gott Auto; dies kann vielleicht sogar eine Art Bekehrung sein zu einem radikalen Atheismus. In der riesigen Tempelanlage muss also Platz sein fürs Erleben, Bedenken, Feiern und ernsthaftem Debattieren mit den anwesenden Priestern, die hier Counselors heißen, ein bißchen gebildet sollen sie sein…
Alle diese säkular -polytheistischen Tempel in der großen Anlage müssen flach gebaut sein, jeglicher Turm, der in eine irgendwie transzendente himmlische Höhe weist, ist verboten. Die Erdverbundenheit, als die Bindung an die endlos fließende total flache Welt des säkularen Polytheismus muss auch architektonisch zum Ausdruck kommen.
Es wäre sehr hilfreich, wenn dieser Tempel angesichts der Menge der Gläubigen eine gut erreichbare, zentrale Lage hätte, mitten in der Stadt, etwa auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre der Wunsch: Ihn wird der Berliner Senat, auch dort gibt es ja säkulare Polytheisten, wohlwollend unterstützen.

5.
Im Zentrum der Tempelanlage steht der mit echtem Gold verzierte Tempel für den Gott Geld, mit dem eigentlich alle Menschen immer schon sehr eng verbunden sind, auch die monotheistisch Frommen. Darum gebührt dem Gott Geld einer der Haupttempel in der weitläufigen, mit vielen bunten Blumen und allerlei Bäumen ausgestatteten Tempel-Anlage. In den kleinen Nebentempeln des Gottes Geld können auch die ebenfalls göttlichen Aktien verehrt werden oder auch Formen neuer heiliger Krypto – Währungen.
In einem ebenfalls benachbarten kleineren Tempel werden schalldichte Mauern und Türen gebaut, für Spekulanten, die bei extremen Kursverlusten dort laut schreien, weinen und heulen dürfen. Auf diese Weise sollen die Manager bei Kursverlusten nicht den persönlichen Kurs verlieren.

6.
Ein weiterer großer Tempelbau wird den Verehrern des göttlichen und immer noch offiziell heilig genannten Eigentums zur Verfügung stehen. Auf den Wänden werden stündlich aktualisiert auf Monitoren die Preisentwicklungen der Eigentumswohnungen etwa in Berlin, München, Zürich, Paris, London, New York, San Francisco, Rom und Monaco eingeblendet. Auch das Verhältnis im Bau von Mietwohnungen und Eigentumswohnungen wird dokumentiert, auch in dem Fall sind Schreie des Protestes oder des noch stärkeren Jubels der Eigentümer erwünscht. Selbstverständlich werden etliche Super – Luxus Yachten als begehbare heilige Objekte zur Verfügung stehen, nach gründlichen Reinigung in einem Pool im dritten Obergeschoß der Yacht kann man auch kurz die prächtigen Räume besichtigen, allerdings nur der Flüsterton ist auf den heiligen Super – Luxus -Yachten erlaubt. Nebenbei: Ein Glas Champagner wird „an Bord“ für selbstverständlich schon ermäßigte 50 Euro angeboten .

7.
Ein weiterer großer Tempelbau in der Gestalt einer riesigen, für mindesten 100 Fans begehbaren Kugel wird dem höchst aktuellen Gott Fußball gewidmet sein. Im Innern des Tempels werden permanent auf 100 Bildschirmen gleichzeitig alte und auch aktuelle Fernsehaufnahmen von Fußballweltmeisterschaften zu sehen sein. Ein großes Quiz wird angeboten: Wer genau weiß, wie viele Millionen Schweizer Franken Mister Gianni Infantino im Jahr verdient, kann an einem Losverfahren teilnehmen und zu einem Frühstück mit Infantino in Genf geladen werden. Die Sieger können selbstverständlich auch absagen.
Eine andere begehrte Quiz – Frage wird sein, die ich mal so formuliere: Welche Mannschaft hat 1958 im Spiel El Salvadors gegen die Fidschi – Inseln gesiegt? Der Sieger wird zu einem Wochenende ins leider wieder mal sehr diktatorische El Salvador in Mittelamerika eingeladen. Absagen der Gewinner sind – Stand jetzt – sehr ratsam, um nicht durch Zufall in einem der berechtigten Massen – Gefängnisse des Präsidenten zu laden.

8.
Der längste Flachbau auf der großen Tempelanlage der „säkularen Götter“ wird der Gestalt eines iPhones sehr deutlich nachempfunden sein. Von 1000 angebrachten iPhones werden die Tempelbesucher permanent berieselt mit Life – Plaudereien von iPhonenutzern aus aller Welt in mindestens 100 verschiedenen Sprachen. So wird Kakophonie in Kalophonie umgewidmet. Ob die Tempelbesucher die eigenen iPhones oder die Handys am Tempeleingang abgeben müssen, um möglichstnvom eigenen Trieb des Klickens nicht verführt zu werden, darüber wird noch der Bundestag entscheiden.

9.
Ganz im klassischen Bordell – Rot, wir sagen es ehrlich schon jetzt, wird es eine gewaltige begehbare Penis – Nachbildung im Tempel – Park geben. Aus dem „Milieu“ kommt bereits der Vorschlag, diesen Tempel, gelagert im spirituellen Zentrum des Tempelbezirks der säkularen Götter, entweder „Sanctus Penis“ oder „Sanca Vulva“ zu nennen… Um Orgien in diesem Tempel einzugrenzen, sollen die in der Szene bekannten „Schwestern vom Orden der perpetuellen Indulgenz“ ein bißchen für erotischen Anstand sorgen.

10.
Polytheistische Ordnungskräfte werden einen weiteren, allerdings hoch umstrittenen Tempel sichern müssen: Den Tempel des viel gesichtigen Gottes Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Dieser Gott als Einheit vieler Götter prägt die Geschichte der Menschheit seit Jahrhunderten, deswegen muss in einem eigenen Tempel daran erinnert werden. Von außen wird er – für Demokraten – betont häßlich sein, die Frage braun dominiert, Innen ist alles schwarz gehalten.
Eine explizite, verbale Verehrung dieser Götter ist in diesem Tempel untersagt. Er soll ein Tempel des Abscheus, des Neinsagens, vielleicht der Bekehrung zum wahren Menschsein werden. Rechtsradikale Parteien in Europa, also die AFD, die Le – Pen – Partei „Rassemblement National“ oder die spanische VOX Partei , aber auch Teil der US – MAGA – Bewegung planen – unterstützt von ihren Freunden in Millionärs-Kreisen, ihren eigenen, alternativen Tempel in der Nähe zu bauen. Der Staatsschutz sollte ermitteln…
Jeder halbwegs vernünftig gebliebene weltliche Polytheist kann in diesem gewaltig braun – schwarzen Tempel öffentlich seinem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, der Homophobie abschwören, er empfängt danach von den stets anwesenden Priestern, „Counselors“ genannt, eine schöne, gut lesbare Ausgabe der „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948. In einem Nebentempel werden übrigens die heiligen Rüstungsfirmen sich verehren lassen, Details werden noch ausgearbeitet. In jedem Fall werden die neuesten Panzer zur Bewunderung und Verehrung bereit stehen. „Mehr Geld für die Rüstung“ steht über dem Eingang!

11.
Selbstverständlich wird es einen Tempel zu Ehren des heiligen Autos geben. Dem Mercedes- Stern nachempfunden wird dieser Tempel errichtet, wer ihn von der zentralen der Mitte aus betritt, wird sofort von den allerneuesten Mercedes der S Klasse empfangen, auch der Merceds – Maybach S- Klasse. Die Frommen dürfen selbstverständlich diese Prachtexemplare lange Zeit streicheln, sie dürfen die Auto – Türen berühren, gegen Spenden für die Firma Mercedes (!) darf man auch ein paar Minuten innen im Auto sitzen, das Lenkrad umarmen, die Sitze bewundern. Lautes Jubeln ist erwünscht, auch das „großartig“ Rufen. Es stehen vor einigen einigen Limousinen auch Kissen bereit für Fromme, die vor dem Mercedes niederknien möchten. Kein Mann muss sich seiner Tränen der Freude schämen. Ob BMW im Tempel auch zugelassen wird, entscheiden zur Zeit die Gerichte…

12.
Wie schon angedeutet: In jedem der vielen Einzeltempel werden dem jeweiligen Gott entsprechend rituelle und kultische Vollzüge möglich sein, auch Sühneriten und Reue – Bekenntnisse sind möglich. Es stehen auch entsprechende „Priester“, hier „Counselors genannt, hilfreich und kenntnisreich zur Verfügung. So kann im Tempel zu Ehren des Gottes Geld der besonders Geld – Gierige, der Spekulant, symbolisch ein paar echte 10 Euro – oder 50 Euro Scheine auf einem Gold-Schälchen andächtig verbrennen, auf Wunsch auch mit Weihrauch Düften, um seinen Abschied von der Geld – Gier auszudrücken. Wer hingegen immer mehr Geld für sich wünscht, kann in Opferschalen einige hundert Euros als Spende hinterlassen, die ausschließlich zur Stütze der bedrohten Banken in Deutschland verwendet wird.

Nur dies noch: Wer von der Sucht befreit werden will, permanent seinem Gott Fussball zu dienen, also ständig Fußball im Fernsehen zu sehen, so oft Unsummen schwer verdienten Geldes fürs Stadion und den Club auszugeben, der kann im Vorraum des Tempels einen preiswerten Fußball kaufen und ihn im Tempel öffentlich vor aller Augen zertreten. Sozusagen als Ritus der Bekehrung und Befreiung von diesem zwanghaften, also letztlich lästigen und langweiligen Gott Fußball. Beim Zertreten des Balls muss der Gläubige allerdings schreien: „Ich will niemals mehr dem Gott Fußball dienen“. Dieses Versprechen wird selbstverständlich bei der üblichen Liberalität des polytheistischen Tempels nicht überprüft.
Die vielen unbeirrbaren Verehrer des Gottes Fußball können teure Memorabilien („Reliquien“) von weltberühmten Fußballer – Stars erwerben, etwa den kleinen Rest eines Schnürsenkels von Pelé oder den Fetzen aus einer Unterhose vom Star Cristiano Ronaldo.

13.
Das Projekt kann jetzt schon finanziell unterstützt werden, der Name besonders großzügiger Spender wird an der zentralen Tempel – Eingangstür eingraviert. Zu den wirklich bedeutenden, vom Projekt restlos begeisterten Förderern gehören bereits die Banken, große Immobilien-Konzerne, Hotelketten, Inhaber der großen Smartphones usw. Sie alle sind ja längst als strenge Gläubige eines der säkularen Götter bekannt. Eventuell geht der bislang unbekannte Betreiber dieses „Tempel der vielen säkularen Götter in Berlin“ auch an die Börse.
In jedem Fall sind bereits Sonderzüge der Bundesbahn nach Berlin geplant .. allein dieses Tempels wegen. Deswegen wird der Flughafen BER auch endlich stärker die internationalen Connections ausbauen. Der säkulare Polytheismus verspricht der Stadt Berlin wieder mehr Geld in die Kassen zu spielen…

14.
Die (monotheistischen) Kirchen in Berlin sind sehr irritiert vom Projekt des wahrlich nur monumental zu nennenden Tempels der weltlichen Götter: Die Kirchen sagen sich: Wir katholischen und evangelischen Kirchenführer schließen seit einigen Jahren unsere Tempel, unsere Kirchen, wir verkaufen sie, wir reißen sie ab: Was machen wir nur falsch? Und die säkularen Polytheisten bauen eine riesige Tempelanlage, weil sie so viele Gläubige haben.

Nebenbei: Unser Ratschlag an die Kirchen: Sie sollten bedenken, dass auch ihre führenden Kleriker oft auf der Spur der säkularen Götterverehrung (Geld, Macht, Kriege.. ) lebten. Man denke nur an die Päpste der Renaissance und sehe die prächtigen Kardinals – und Bischofs- Residenzen, die immer noch bewohnt werden trotz der vielen Kirchenaustritte: Aus diesen Palästen wollen die Kleriker jedenfalls – bis jetzt – nicht ausziehen und in kleine Wohnungen umziehen. Diese Residenzen werden sicher in 30 Jahren zu Tempel – Museen des einstigen klerikalen Monotheismus werden..

15.
Es bleibt für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ein dringendes Thema: Welche Bedeutung haben die hier genannten säkularen Götter für die Lebensgestaltung? Sind diese Götter befreiend, orientierend für ein humanes Leben, das den Namen verdient? Der alte „klassische“ Vorwurf atheistischer Kreise war: Die monotheistischen Religionen sind zu autoritär, gegen die Emanzipation eingestellt usw. Aber was trennt die polytheistischen säkularen, bekanntlich von Menschen gemachten Götter von dem monotheistischen Gott der Bibel? Ist nicht auch er von Menschen gemacht, vielleicht nur mit Hilfe des heiligen Geistes, wie die Dogmatik sagt? Aber wer weiß das schon genau? Und auch dies: Sind die polytheistischen Götter etwa fü rdie Emanzipation, für die Demokratie, für die universelle Gerechtigkeit? Ich fürchte die Antwort ist klar, sie heißt NEIN.
Der schöpferische Mensch schafft sich Gott und Götter. Die Differenz zwischen einem Gott der Monotheisten und einem Gott der Polytheisten, ob säkularer religiös, muss jeder Mensch für sich erkennen. Und sich entscheiden für ein Leben in Freiheit.

16.
Es muss daran erinnert werden, dass etliche Philosophen, Journalisten, Dichter und Denker usw. im 20. Jahrhundert explizit und kämpferisch den Polytheismus verteidigten und lobten, durchaus polemisch als angeblich einzig humane Alternative zum Monotheismus. Man denke an die „Nouvelle Droite“ und ihre Meisterdenker seit den 1970Jahren in Frankreich, etwa an Alain de Benoist, dessen Plädoyer für das polytheistische „Heide-Sein“ auch auf Deutsch 1982 als Buch erschien. Die „Konservative Revolution“ der rechten und rechtsextremen Meisterdenker liebt den Polytheismus.
Der bekannte Philosoph Odo Marquard (1926 – 2015) muss hier erwähnt werden: Allzu schnell übersieht man dessen reaktionäre Positionen angesichts seiner leicht zugänglichen, manchmal gewollte witzigen Redeweise. Udo Marquard hat sich in seinem Vortrag in Berlin im Jahr 1978 zu einem „Lob des Polytheismus“ hinreißen lassen (veröffentlicht in „Abschied vom Prinzipiellen“, Reclam, 1981). Und dabei behauptet, die demokratische politische Gewaltenteilung sei „ein aufgeklärter – säkularisierter – Polytheismus.“ (Seite 107). Also die für die Demokratie entscheidende Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive, Judikative – seien nur – wie im Polytheismus üblich – mögliche und immer revidierbare „Göttergestalten“ … diese drei demokratischen Gewalten nennt Marquard tatsächlich allen ernstes Götter (S. 107). Aber: Diese Gewaltenteilung ist von der Vernunft universell begründet und tatsächlich absolut fürs Leben der Demokratie geboten. Gewaltenteilung in der Demokratie ist kein möglicherweise auch wieder abzuschaffender oder abzulehnender Gott im polytheistischen Götterhimmel.
Und Odo Marquard schämt sich in dem von ihm diskutieren Zusammenhang von Polytheismus und Mythos nicht, den tatsächlich „berühmten“ Nazi-Philosophen Alfred Baeumler als Zeugen zu erwähnen, in einem Atemzug mit dem ganz anders denkenden Philosophen Roland Barthes. Jedenfalls steht für Marquard, den Schüler des ebenfalls viel zitierten Nazi-Philosophen Joachim Ritter (Uni Münster) fest: „Die Philosophie muss ihre Kollaboration mit dem Mono-Mythos (gemeint ist der Monotheismus der Juden und Christen) beenden“, so Marquard ziemlich rigoros, was er sonst ja nicht sein will…(S. 110).
Jedenfalls haben kompetente Wissenschaftler das Schwadronieren Marquards zum „Lob des Polytheismus“ differenziert zurückgewiesen, etwa die Historiker Jan Assmann und Arnold Angenendt.

17.
Der neue Tempel des säkularen, weltlichen Polytheismus trifft also eine zentrale Stimmung, Mentalität. Mit dem säkularen Viel – Götter – Glauben ist eine Auseinandersetzung geboten… zumal mit dem explizit politischen Viel – Götter – Glauben … bevor es zu spät ist und die AFD die „Kulturpolitik“ beherrscht.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Mit den reaktionären Piusbrüdern sollte es keine Einheit mit Rom geben!

Am 1. Juli 2026 ist es soweit: Da gibt es wieder einmal eine Spaltung, ein Schisma, in der katholischen Kirche
Ein Hinweis von Christian Modehn am 21.6.2026.

Ein Vorwort: Religions-Philosophie heute muss sich immer häufiger mit Religionskritik, im aktuellen Fall wieder mit Katholizismus – Kritik, befassen. Weil sich so viele Kirchen, auch der Katholizismus  und andere Religionen jeglicher universell geltender Vernunft verschließen. Wir dokumentieren also erneut ein Beispiel für die nach wie vor unübersehbare Herrschaft des Klerus in der katholischen Kirche. Und: Wie Schisma, Exkommunikation, frommer Wahn („die Messe muss im Ritus des 16. Jahrhunderts zelebriert werden“) traditionalistische Katholiken bestimmen!

Auch dies noch: Wenn nun am 23. Juni 2026 offiziell der Vatikan unter der Herrschaft des freundlich lächelnden Papstes Leo XIV. die Laienpredigt in der katholischen Messe verbietet, dann ist dies nur ein weiterer Schritt des Katholizimus ins Getto, ins Getto der Klerus-Herrschaft…So wird auch in dem Fall die päpstlich dringend gewünschte EINHEIT durchgesetzt: Die Einheit der Theologie, die offenbar nur der Klerus garantieren kann. er steht ja unter Aufsicht der Bischöfe und des päpstlichen Nuntius. Laien wären zu eigensinnig, zu frei, zu mutig, ihren eigenen Glauben auszusagen und ins Gespräch zu bringen…Das läßt der herrschende Klerus nicht zu. Die offizielle päpstliche Rede vom „Volk Gottes“ mit „gleichberechtigten Brüdern und Schwestern“ ist also nur eine Floskel.

Nebenbei: Das aktuelle Verbot der Laien – Predigt im Katholizismus erinnert mich an das Verbot des Kelches auch für Laien in der Messe, eine erfolglose Forderung des Reformators Jan Hus, er wurde als Ketzer auf dem Konzil von Konstanz verbrannt… (15. Jahrhnudert), CM.

Am 21.6.2026 geschrieben:

1.
Papst Leo XIV. will alle Katholiken unter dem Dach seiner Papst – Kirche vereinen. Das ist sein sehr dringendes Programm, zumal als Augustiner und Fan des heiligen Augustinus 5. Jahrhundert). Augustin als strenger Bischof von Hippo sprach viel von Kirchen-Einheit, packte aber seine theologischen Gegner sehr heftig an…
Papst Leo weiß wie alle Päpste vor ihm: Wie schwach steht immer ein Papst da, wenn er der Spaltungen („Schismen“) innerhalb seiner Kirche nicht Herr wird.

2.
So will Papst Leo auch die traditionalistischen Piusbrüder, also die internationale Gemeinschaft der Getreuen des reaktionären Erzbischofs Marcel Lefèbvre, an die „Mutter Kirche“ binden. Denn es droht die Gefahr der Abspaltung von der möglichst glanzvoll vereint, eben „eins“ dastehenden römischen Kirche: Es ist ja gegenüber den Protestanten und der Vielzahl von protestantischen Kirchen immer der Stolz der Katholiken und ihrer Führer, dass der Katholizismus ganz anders ist, eben eins, weltweit wird derselbe Ritus der Messe gefeiert usw.…und sei es, dass diese Einheit mit Ketzerverfolgungen durchgesetzt wurde.
Dabei wird oft vergessen: Es gibt bereits gar nicht so wenige Abspaltungen von der römischen Kirche in der jüngeren Zeit, bekannt ist die Abspaltung der „Alt-Katholiken“ im Jahr 1870, oder auch an viele „unabhängige katholische Kirchen“ unter diesem Titel muss erinnert werden, etwa in Polen, vor allem bedeutend auf den Philippinen (Aglipay), in Tschechien 1919 („Tschechoslowakisch – Hussitische Kirche), in Afrika und in zahlreichen Staaten Lateinamerikas, etwa Brasilien, Costa Rica usw: Sie sind zahlenmäßig nicht von allzu großer Bedeutung, aber sie signalisieren einerseits den Willen vieler Katholiken, nicht nach päpstlichen Befehlen den Katholizismus zu leben. Andererseits ist beachtlich doch noch eine starke emotionale Bindung römischer Katholiken an „ihren Papst“…sie brauchen halt einen Führer, könnte man meinen…und den üblichen katholischen Wunderglauben, Heiligenkult, Marienkult, Reliquienkult usw., eben den sich katholisch nennenden „Volksglauben“.

3.
Das aktuelle Problem jetzt: Die Bischöfe der reaktionären Piusbrüder beharren stur darauf, am 1.Juli 2026 in ihrem Zentrum in Econe in der Schweiz vier ihrer Priester zu Bischöfen zu weihen. Ein vom Papst unerlaubter Akt. Er bedeutet auch die Exkommunikation der Geweihten traditionalistischen Hirten….
Aber darum geht es hier nicht, zu diesem Thema haben wir uns schon mehrfach geäußert. LINK

4.
Das ist für uns am wichtigsten:
Wir wollen kurz, aber bündig unsere dringende, auch politische begründete Forderung sagen: Dass diese Einheit, also die Integration der traditionalistischen Piusbrüder in die offizielle katholische Kirche, NICHT zustande kommt.
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:
Die Piusbrüder und ihre Gemeinden, ihre Priesterseminare und Klöster und Schulen sind theologisch so reaktionär, dass es Jahre dauern würde, diese Traditionalisten mit einigen Grundeinsichten moderner Theologie in der römischen Mutterkirche vertraut zu machen. An den für katholische Verhältnisse durchaus etwas progressiven Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils will Papst Leo bekanntlich festhalten.

Wichtiger ist der politische Aspekt: Gerade im Stammland der Piusbrüder, in Frankreich, sind die meisten Kleriker und Ordensleute dort sowie ihre mindestens 150.000 Anhänger politisch seit Jahrzehnten sehr eng verbunden mit den rechtsaußen Parteien, also mit der rechtsextremen Le Pen – Partei, jetzt Rassemblement National (RN). LINK
Würden auch diese Wähler rechtsextremer Parteien in die Katholische Kirche integriert: Dann würde die offizielle Kirche selbst immer mehr rechtsextrem durchsetzt. Die Gläubigen würden dann noch stärker gegen Reformen der Kirche agieren und Einfluß nehmen auf die Gestaltung der Kirche ihres Landes, wir haben das am Beispiel von zwei rechtsextreme katholischen Milliardären in Frankreich gezeigt. LINK:

Es gilt seit Jahren: Die Le-Pen-Partei wird auch von „normalen“ Katholiken stark gewählt, in Spanien ist es die rechtsextreme und ausländerfeindliche VOX Partei, die Zustimmung findet unter „praktizierenden Katholiken“. In Italien werden die verschiedenen rechten und rechtsextremen Parteien in der Meloni – Regierung selbstverständlich von praktizierenden Katholiken gewählt, in Österreich gehören Katholiken zur Stammwählerschaft der FPÖ, in den USA sind Millionen von Katholiken aufseiten Trumps und seiner Maga-Bewegung: Aber darüber hinaus, ist im sonstigen, dem traditionellen „normal konservativen“ katholischen Milieu üblich, sehr konservative Positionen durchzusetzen. Und in dem Fall haben die sehr konservativen katholischen Laien die ebenfalls mehrheitlich sehr konservativen Bischöfe (in ethischen Fragen) auf ihrer Seite: Stichworte Pro-Life-Fanatismus, der Kampf gegen die „Ehe für alle“, die Akzeptanz der Vorherrschaft des Klerus usw.. Das konservative Denken und seine Ideologien sind in der Katholischen Kirche ohnehin schon sehr dominant. Katholisch und links passt ohnehin nur für einige kritische, gebildete Leute zusammen. Eine katholische Linke wird regelmäßig von den dominant klerikal Rechten behindert, wenn nicht zerstört. Siehe etwa die Konflikte in Frankreich um moderne Theologen und Arbeiterpriester. (Dazu die ausgezeichnete Studie von D. Pelletier und J-L. Schlegel „Á la Gauche du Christ“, Ed. du Seuil, Paris, 2012, 614 Seiten, es erzählt die Geschichte linker Christen, meist Katholiken, von 1945 bis 2012. Eine Geschichte des Niedergangs dieses Links-Katholizismus, verursacht von einer offenbar ewig sehr rechtslastigen Hierarchie, vor allem in Rom).

5.
Man möchte als Beobachter der katholischen Szene aus der kritischen Ferne betonen: Bitte nicht noch mehr reaktionäre Katholiken, diesmal die Piusbrüder und ihre 150.000 Anhänger weltweit, in die ohnehin schon theologisch rechtslastige Katholische Kirche integrieren. Dann wird der universell sich durchsetzende Kulturbruch Richtung rechts und rechtsextrem nach einmal beschleunigt. LINK

Sollen doch diese frommen traditionalistischen Leute, die wie an einer Art Neurose erkrankt, unbedingt ihre Heilige Messe in lateinischer Sprache in einem Ritus des 16. Jahrhundert feiern, doch ihre eigenen Wege gehen. Lasst sie doch machen, Politologen und Soziologen werden diesen Club schon kritisch beobachten..
Der offizielle Papst – Katholizismus wird diese reaktionären Feinde der Menschenrechte, der Religionsfreiheit, des Dialogs mit anderen Religionen nicht zur Vernunft bringen.

6.
Es wäre schlimm, wenn der Vatikan diese Piusbrüder wieder in die offizielle Kirche integrieren würde zu der schon einmal erlebten Kondition: Die Piusbrüder und ihre Führung erkennen den aktuellen Papst als ihren Chef an… und alles andere, ihre reaktionäre Theologie, bleibt erhalten. Solche Erfahrungen machte Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Wohlwissend, als er z.B. traditionalistische Benediktiner – Abteien (Le Barroux usw.) in die Papstkirche zurückholte oder in Bordeaux das reaktionär-katholische „Institut du Bon Pasteur“ als offiziell katholisch zuließ.

7.
Zum Schluß noch die Frage. Warum eigentlich will Papst Leo so nachdrücklich diese Piusbrüder in seine Kirche holen? Was ist der tiefere, der offiziell abe verschwiegene Grund? (Diese berechtigte Frage hat nichts mit Verschwörungstheorie zu tun). Diese traditionalistisch – reaktionären Kreise haben einen zahlenmäßig großen Nachwuchs an Priestern, während die Priesterseminare der offiziellen katholischen Kirche in Europa fast leer stehen, selbst in Polen. Bei den Reaktionären hingegen boomt das Interesse junger Burschen, Kleriker zu werden, bestens ausgestattet mit feinen Kleriker – Gewändern, die lateinische Messe singend, nicht nur Wolken von Weihrauch, sondern Wolken abstruser theologischer und politischer Ideen verbreitend.

8.
Das heißt: Der Papst und seineKardinäle im Vatikan wollen also mit der Einbeziehung der einigen hundert meist noch nicht ganz alten traditionalistischen Piusbrüdern etliche Lücken stopfen in den priesterlosen Gemeinden. Dann brauchen die Bischöfe Europas nicht noch mehr Priester aus aus Indien oder Afrika nach Europa als Gast – Arbeiter importieren…Bereits Benedikt XVI. erlaubte den offiziell römischen Katholiken immerhin schon mal die Beichte bei Lefèbvre Priestern. Gab es damals wirklich zu wenige katholische Beichtväter? Kaum zu glauben… Dies war eine Geste der Annäherung an die Rechtsradikalen.
Papst Leo XIV. erlaubte den Traditionalisten eine Messe im Petersdom, am Hauptaltar, ihre alte Messe am 25. Oktober 2025 zu feiern, ein Wink mit dem Zaunpfahl: Ihr lieben Reaktionären, kommt zum Papst zurück…Siehe auch: https://evangelische-zeitung.de/traditionalisten-feiern-alte-messe-im-petersdom/

9.
Das Interesse des Papstes an der Einheit mit den Piusbrüdern verweist auf das alte klerikale offiziell katholische Denken: Nur zölibatäre Priester (Männer natürlich) können katholisches Leben innen Gemeinden garantieren, ganz egal offensichtlich, um welche Priester mit welcher Qualität für die moderne Welt es sich da handelt. An die naheliegenden, theologisch stets mögliche Weihe von Frauen zu Priesterinnen oder an die sofortige Aufhebung des sinnlosen und wirkungslosen Zölibatsgesetzes denkt also auch der so oft so freundlich lächelnde Papst Leo XIV .immer noch nicht. Der etablierte Klerus will seine Macht nicht teilen, es lebt sich noch sehr bequem in Rom und den hübschen bischöflichen Residenzen weltweit. Und im „katholischen Kontinent“ Lateinamerika verlassen die Katholiken die katholische Kirche zu Tausenden: Warum? Weil es in den katholischen Gemeinden keine Priester gibt. Da geht man lieber zu den Evangelikalen und Pfingstlern. Aber dies ist dem Papst und dem Vatikan wohl egal, sonst hätten diese Herren längst Frauen und verheiratete Männer zum Priesteramt zugelassen. Das ist ein anderes Thema…

10.

Das Lieblingsthema Papst Leos, die Einheit der Kirche: Alle Katholiken sollen eins sein unter der Obhut des Papstes, diese Forderung wird man bitte stets auch als Strategie der Macht, des Erhalts der päpstlichen Macht über „alle“ „vereint“ verstehen müssen. 

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