Spanien: Abschied von der „katholischen Nation“ . Zum Papst-Besuch im Juni 2026

Eine „apostolische Reise“ ist immer eine große Papst-Show….
Ein Hinweis vom Christian Modehn am 29.6.2026

Dieser Beitrag hat zwei Teile:

Zuerst wird gezeigt: Heute ist Spanien keine katholische Nation mehr. Das angesehene spanische Nachrichten-Portal „Religion digital“ berichtet am 29.5.2026: Nur 46 Prozent der Spanier nennen sich katholisch, die Mehrheit nennt sich agnostisch, atheistisch.… LINK

Im zweiten Teil ein kurzer Hinweis auf die Wirkungsgeschichte von Papstreisen ins Ausland, vom Vatikan „apostolische Reisen“ genannt: Sie sind meist nicht mehr als katholische Spektakel, gut inszeniert, durchaus mit politisch – kritischem Inhalt in den mahnenden Predigten der Päpste. Aber diese „päpstlichen Pilgerfahrten“ bleiben meist ohne nachweisbare politische Wirkungen und ohne die erhofften „missionarischen“ Resultate. Das Thema „Wirkungen der `apostolischen Reisen`“ der Päpste wurde bisher wissenschaftlich, also soziologisch und religionswissenschaftlich, noch nicht untersucht.

Erster Teil: Katholizismus in Spanien:

1.
Die Bevölkerung Spaniens, des einst erz-katholischen Kernlandes Europas, verabschiedet sich, sozusagen kontinuierlich, aus der katholischen Kirche. Bestenfalls volksreligiöse Bräuche, wie die „semana santa“ oder Wallfahrten und Heiligen – und Reliquienkulte, interessieren noch viele „Nicht – mehr – kirchlich – gebundene“ SpanierInnen … auf der Suche nach der eigenen, subjektiven, dogmen-freien Spiritualität. (Quelle: LINK

Bürgerliche Kreise schicken ihre Kinder noch gern in katholische Privat – Schulen, weil sie dort eine katholische und gut- bürgerliche Bildung erhalten: Es gibt jetzt ca. 1.900 katholische Privatschulen mit ca. 1,5 Millionen SchülerInnen bzw. StudenTinnen. (Quelle: LINK

2.
Der extrem zahlreiche sexuelle Missbrauch durch Priester, oder auch die entsprechenden Verbrechen von Mitgliedern etwa des katholischen Ordens „Legionäre Christi“, haben den Abschied von der katholischen Kirche nur gefördert. Etwa 236.000 Opfer dieser Untaten von Priestern soll es geben, so eine gemeinsame, staatliche – kirchliche Kommission, Quelle: LINK https://www.domradio.de/artikel/spaniens-kirche-wird-missbrauchsopfer-entschaedigen

3.
Demokratische Kreise wissen einiges, welche Rolle die sehr diskrete, politisch – ökonomisch einflußreiche Geheimgesellschaft, das `Opus Dei“, in konservativen „Eliten“ und der Partei PP (der Nachfolgepartei Francos) spielt. In Spanien soll es 33.000 Opus Dei Mitglieder geben, und sicher viel mehr Sympathisanten: Denn bekanntlich müssen Priester und Bischöfe nicht offiziell Mitglieder im Opus Dei sein, um im Sinne dieses „Werkes Gottes“ zu denken und zu handeln. Die offizielle spanische Opus Dei – website zeigt die bedeutende Verbreitung in Spanien: LINK

4.
Es ist also eine Mischung aus vielfältigen Erfahrungen und Einsichten, die Spanierinnen in den letzten 50 Jahren massiv veranlasste, die Bindung an Katholische Kirche aufzugeben.
Dieser Abschied wird sich kaum noch „korrigieren“ lassen, auch nicht durch den intensiv propagierten Besuch Papst Leos in Spanien: vom 6. bis 12. Juni wird er Barcelona besuchen (u.a. die Kirche „Sagrada Familia“ von Antonio Gaudi), sowie Madrid und Teneriffa.

5.
Wie viele die SpanierInnen nennen sich heute noch katholisch? Jetzt sind es nur 46 Prozent, wie „Religion digital“ berichtet. Vor einem Jahr , 2025, wurde noch dokumentiert: „52 bis 55 Prozent nennen sich katholisch.“ Vor 50 Jahren, am Ende des Franco -Regimes, nannten sich noch fast 100 Prozent der SpanierInnen katholisch.
Konfessionslose, eine bunte `Mischung` auch mit Atheisten und Agnostikern, bilden sozusagen die zweitstärkste „weltanschauliche Gemeinschaft“.
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.
Sehr wichtig werden die 1,5 Millionen Protestanten, bei denen es sich ganz überwiegend um neue Pfingstgemeinden handelt, die vor allem in den Armen – Viertel der Latinos einen rasanten Aufschwung erleben und Gast – Prediger aus den USA bzw. dem Umfeld von Trump empfangen…Es gibt 23.000 katholische Kirchen als Pfarreien und schon 4.700 evangelische bzw. pfingstlerische „Tempel“…
Etwa 50.000 Juden leben heute in Spanien.

6.
Atheisten haben in Spanien, zumal in Katalonien, eine einflußreiche Organisation. Sie sehen in der staatlichen finanziellen Förderung der Papst – Reise jetzt einen Widerspruch zur – von ihnen behaupteten – religiösen Neutralität des Staates und sie wehren sich insgesamt gegen eine privilegierte Behandlung der Kirche durch den Staat, mit Verweis auf die aktuelle Konfessionsstatistik. Quelle: LINK

Zweiter Teil:

Die meisten der so genannten „Apostolische Reisen“ der Päpste – seit Johannes Paul II. – in alle Welt dürfte man als eine katholisch inszenierte Show zur öffentlichen Stärkung des Papsttums mit politischen Akzenten, Empfängen, Vorträgen, Predigten deuten.
Zu den Kosten: Nur ein Beispiel: Die „Apostolische Reise“ Papst Benedikt XVI. nach Deutschland im Jahr 2012 hat 30 Millionen gekostet, ein Beleg für viele und weiteres: LINK .
Die aufwendigen, teuren Papst – Reisen sind wirkungslose Termine, die den Staaten und der dortigen Kirche viel Geld kosten, vom CO2 – Verbrauch des Hin – und Her – Fliegens ganz abgesehen.

7.
Wird die „apostolische Reise“ Papst Leos nach Spanien die große Wende, die Rückkehr, zumal der jungen Generation, zur katholischen Kirche bringen? Ist seine apostolische Reise ein „Durchbruch“ der päpstlich ständig erwähnten „neuen Missionierung Europas“? Das ist sehr fraglich. Dass sich jetzt – wie in Frankreich – auch in Spanien einige hundert Erwachsene pro Jahr taufen lassen, wird von vielen Bischöfen als kleines Wunder gewertet, dabei aber wird übersehen, wie viele tausend Katholiken aus der Kirche jährlich austreten…

8.
Es ist also sehr treffend zu vermuten: diese Reise des Papstes nach Spanien wird, wie die meisten Reisen früherer Päpste, keinen erhofften „katholischer Aufbruch“ erzeugen. Es wird wie so oft ein Medienspektakel bleiben und viele Bilder in überfüllten Kirchen und Plätzen erzeugen: Jubel, Trubel, fromm eingegrenzte Heiterkeit. Es wird selbstverständlich die üblichen mahnenden Worte an eine linke Regierung geben, also an die sozialistische Regierung, sie möge doch dringend den Lebensschutz respektieren und Sterbehilfe, Abtreibung und Homoehe verbieten…Auf diesem Terrain glauben die Päpste noch etwas weltliche Macht zu haben.
Die Erkenntnis ist: Die apostolischen Reisen der Päpste unterstützten immer die politisch konservativen Parteien, die „Pro Life“ eingestellt sind.
In Spanien wird sich Leo wieder als „Sohn des heiligen Augustinus“ (so das offizielle päpstliche Selbstverständnis) präsentieren und den Besuch eines Augustiner-Klosters einplanen und seine Predigten mit Augustinus – Zitaten verzieren, allerdings immer Zitate des frühen, des noch sympathischen Augustinus. Der dogmatische, herrschsüchtige Augustinus im Alter wird klugerweise vom Augustiner Papst Leo immer verschwiegen: Über die gräßliche Erbsünden-Ideologie des alt gewordenen Augustinus hat Papst Leo bisher nicht gesprochen, geschweige denn sich davon distanziert… Der Augustiner- Papst Leo präsentiert seinen „Vater“ als liebevollen, weisen und aktuellen „Meister“…. dabei ist er ein Philosoph und Theologe aus den nun wirklich fernen Zeiten der Antike, 4. und 5. Jahrhundert.

9.
Für eine katholische „Renaissance“ in Spanien, befördert durch eine apostolische Reise“ wie auch anderswo in Europa, ist es – theologisch betrachtet – ohnehin zu spät: Zu viele Verbrechen, Skandale, politische Machenschaften rechtsextremer Katholiken belasten diese Kirche; zu sehr klebt die katholische Moral und Dogmatik insgesamt fest an überholten religiösen und moralischen Vorstellungen. Kritische, vernünftige Katholiken suchen ihre Spiritualität außerhalb dieser Organisation, die angesichts des nur universell zu nennenden Missbrauchs nicht auf den Gedanken kommt, wenigstens das gesamte betroffene bischöfliche Personal auszutauschen.

10.
Eine Wende (Utopie!) wäre vielleicht doch noch möglich: Wenn der Papst das Zölibatsgesetz von heute auf morgen aufheben würde, das könnte er, rein rechtlich gesehen; wenn er Frauen zu DiakonInnen und PriesterInnen weihen würde; wenn er den dickleibigen offiziellen Katechismus von 800 Selten auf 80 schrumpfen würde, wenn er Demokratie als Form katholischen Lebens insgesamt erlauben würde und damit auch die Allmacht des Papsttums und des Kleriker-Unwesens abschafft: Das alles gehört zur Kategorie „Utopie“.

11.
Hat man jemals wissenschaftlich, empirisch, soziologisch und kritisch – theologisch untersucht, was denn diese vielen „apostolischen Reisen“ der Päpste seit Johannes Paul II. an kirchlicher Erneuerung oder politischer Reform zugunsten der Menschenrechte bewirkt haben? Solche auf Fakten basierten wissenschaftlichen Nachweise gibt es nicht. Lediglich die Reisen des polnischen Papstes in seine kommunistische Heimat haben sichtbare Wirklungen gezeigt: Und das Ende des Kommunismus mit befördert…

Aber: Was hat denn die apostolische Reise, eigentlich eine Ein-Tages-Spritztour im Helikopter, Papst Leos ins Fürstentum Monaco, diese Oase der Milliardäre, bewirkt? Haben diese Herren einige Millionen für die verhungernden Völker in Afrika gespendet?
Oder: Welche Wirkungen hat die Fünf Tage Reise von Papst Franziskus in die Mongolei? Wahrscheinlich hat er jedem der 5000 in der Mongolei lebenden Katholiken persönlich die Hand geschüttelt. Und er hat sein spezielles päpstliches Image poliert und sein Ego gepflegt: „Die Katholiken ganz am Rande bevorzugt zu schätzen.“
Ein anderes Beispiel:
Ließen sich die Deutschen nach den „apostolischen Reisen“ etwa Papst Benedikt XVI. in Deutschland davon abbringen, aus der Kirche auszutreten? Sind etwa die Priesterseminare nach dieser Papst – Show und den vielen frommen Worten wieder mit „Seminaristen“ gut „bestückt“? Nachweislich nicht. Hat der Besuch Johannes Paul II. in den Niederlanden die progressiven Katholiken an die dort als reaktionär empfundene Kirche noch einmal binden können? Absolut nicht. Heute ist die katholische Kirche in den Niederlanden eine stets kleiner werdende Minderheit.
Die vielen Reisen Johannes Paul II. nach Lateinamerika haben die reaktionären Kreise in der Hierarchie und dem Klerus nur bestärkt, in Peru etwa das dort allmächtige Opus Dei oder die heute endlich (!) als verbrecherisch freigelegte katholische Organisation „Sodalicio“. Von der Verfolgung der linken katholischen Befreiungstheologen ganz zu schweigen. Diese „apostolischen Reisen“ waren für die Kirchen Lateinamerika eher eine Katastrophe.
Ein anderes Beispiel aus der langen Liste der „apostolischen Reisen“: Hat sich irgendein – zudem oft katholischer ! – Diktator irgendeines afrikanischen Landes, sagen wir in Kamerun oder in der „Demokratischen Republik Kongo“, einst Zaire, oder auch auf den Philippinen, nach den Papst – Besuchen der Demokratie und den Menschenrechten zugewandt und die privat erbeuteten Millionen – Dollar Konten in der Schweiz aufgelöst? Nachweislich nicht.

12.
Es sind eigentlich die Armen, die sich freuen, dass mal ein gut versorgter und gute genährter, letztlich immer in feinen Gewändern gekleideter europäischer Herrscher, freundlich lächelnd, also der Papst, bei Ihnen im Elend vorbeischaut und aufmunternde, tröstende fromme Worte verbreitet. Ihnen wäre wohl mehr geholfen, wenn wenigstens die Kirche umfassende Gerechtigkeit gegenüber diesen Armen leiblich – materiell spürbar leben würde, also sichtbar auf den eigenen Luxus des katholischen Kirchenlebens in Europa und Nordamerika verzichtet und alles tut, dass endlich diese himmelschreienden Lebensbedingungen der Armen im Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, und so weiter und so weiter überwunden werden. Voraussetzung wäre: Der Papst und sein klerikaler Club beteiligt sich selbst an diesem globalen Gerechtigkeitsprogramm, mit der sichtbaren Konsequenz: Papst und Kardinäle ziehen in einfache Verwaltungs- und Wohngebäude um und gestalten den Vatikan definitiv als ein großes Museum…

13.
Darum merke, bis zum Fakten – Nachweis des Gegenteils: Die „apostolischen Reisen“ der Päpste quer durch die Welt dienen zuerst und zunächst dem Ego der Päpste, sie sollen den machtvollen Glanz der allumfassenden katholischen Kirche verbreiten und die traditionell frommen Katholiken bestärken, weiterhin anhänglich – treu zum Nachfolger des Heiligen Petrus bzw. des Stellvertreters Christi auf Erden zu stehen und ihm zu gehorchen …

14.
Angesichts des Kerosin – Mangels für Flugzeuge jetzt, im Mai 2026: Unvorstellbar, dass Papst Leo demnächst auf Teneriffa für ein paar Wochen sozusagen auch „strandet“ – und festsitzt, aber vielleicht würde er dort sein „Castelgandolfo Nr. 2“ eröffnen und die dort in den Fischerbooten aus dem Senegal strandenden Flüchtlinge großzügig bewirten und einige von ihnen zum Wohnen in seinen apostolischen Palast mit nach Rom nehmen….

Zur weiteren Recherche:
Wichtig nach wie vor der ausführliche Hinweis von Christian Modehn: Der faschistische General Franco und die Kirche: LINK

Ausführliche Statistiken zur Katholischen Kirche in Spanien: LINK.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Die USA und Papst Leo haben ein gemeinsames Motto

Ein Hinweis von Christian Modehn am 11.5.2026

1.
Dieser Hinweis versteht sich als Marginalie, Randbemerkung. Aber vielleicht wird doch auf Wesentliches hingewiesen zur Konstruktion und zum Gebrauch von Ideologien.

Zentral ist die Erkenntnis: Was EINHEIT ist, und wie sich Einheit trotz Vielfalt verwirklicht, bestimmen einzig die Herrscher: In den USA die Präsidenten, siehe jetzt Trump, den Alleinherrscher. Siehe die Päpste in ihrer langen Geschichte mit den Verfolgungen von Häretikern, Schismatikern usw., Und, selbst wenn Papst Leo XIV. jetzt von Einheit in der Vielfalt redet: Die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Einheit der Vielen in dieser dann päpstlich durchgesetzten Einheit bestimmt nach wie vor allein der Papst. Er ist der Herr der Einheit (und meint, dies habe ihm Gott selbst so befohlen…)…Das heißt: Die Rede von Einheit ist eine Ideologeie dieser Herrschenden…

2.
Es gibt ein bislang nicht beachtete interessante inhaltliche Nähe, wenn nicht Verbundenheit und sogar Gemeinsamkeit: Das Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV.

3.
Das Motto der USA heißt offiziell seit dem 20.Juni 1782: „E pluribus unum“, das offiziell übersetzt wird: „Aus vielen eines“. Gemeint ist: Die 13 ursprünglichen Bundesstaaten definieren sich als eins, als eine Nation, trotz verschiedener Konfessionen.

4.
Das Motto („der Wahlspruch“) Papst Leo XIV., das er sich schon als Bischof in Chiclayo, Peru, gewählt hatte: „In illo uno unum“, das heißt: „In jenem Einen (gemeint ist Christus) eins“. Das bedeutet: „In Christus sind alle unterschiedlichen Christen (Leo meint wohl Katholiken) eins“. Hier wird die Einheit explizit theologisch begründet.

5.
Das US- Leitwort „E pluribus unum“ ist heute auf dem Großen Siegel der USA zu sehen und auf Münzen. Wer oder was die Grundlage dieser Einheit sein soll, wird nicht gesagt. 1956 wurde dieses Motto durch ein neues, jetzt bekannteres ergänzt: „In God we trust“. Wer ist dieser Gott, von dem da auf den Dollarnoten die Rede ist? Nicht der konfessionelle Gott einer Kirche. Es ist der überkonfessionelle Gott, eher eine Idee, und vielleicht ist das Geld, der Dollar, als Gott gemeint, sagen Kritiker.

6.
Das Motto Papst Leos, Mitglied des Augustinerordens, stammt selbstverständlich vom heiligen Augustinus. Das Motto stammt aus einer Predigt Augustins zu Psalms 127, einer Predigt, die er in Hippo (heute Algerien) oder auch in Karthago hielt. Der Theologe Notger Baumann, Uni Erfurt, interpretiert diesen Satz: „Die Einheit in Christus ist keine Uniformität. Die Vielheit der Christen wird nicht aufgehoben, sondern bleibt bestehen.“Notger Baumann erläutert den Kontext dieser Aussage Augustins: Der päpstliche Wahlspruch zitiert das Schlussglied einer Antithese:  „Aus nos multi in illo uno unum wird die Abbreviatur „in illo uno unum“. Also: Wir vielen Katholiken sind in jenem einen (Christus) eins…

Quelle:  https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/der-wahlspruch-papst-leos-xiv.

7.
Das ist wichtig: Auch das Motto der USA von 1782 ist zwar auf den ersten Blick religiös neutral, hat aber deutliche Verbindungen zum Denken Augustins: Die so genannten Pilgerväter, die 1620 in die heutigen USA einwanderten, hatten eine gute Kenntnis des heiligen Augustinus. Und zwar durch Vermittlung des protestantischen Theologen und Reformators Jean Calvin, der ein Kenner und Verehrer Augustins war..Die Pilgerväter galten als strenge Calvinisten, sie hatten sich deswegen von der englischen Staatskirche losgesagt. Auffällig ist, dass das Motto der USA von 1782 in lateinischer Sprache formuliert wurde.

8.
Man kann also sagen: Das erste grundlegende Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV. beziehen sich auf die gleiche Quelle, den heiligen Augustinus, und beide Mottos beschwören ein Einheit in der oder: trotz der Vielheit. Und beide Mottos haben ihre strengen Grenzen, sind verglichen mit der faktischen politischen Situation der USA und der faktischen Situation der vielen Katholiken in der Kirche nichts als eine Behauptung, die der Realität nicht entspricht. Manche sprechen auch von „Verschleierung“ der gewünschten Verhältnisse.

9.
Schon bei der Formulierung des Mottos der USA im Jahr 1782 gab es keine Einheit unter den Menschen, es herrschte noch die Sklaverei. Und niemand wird behaupten, dass unter dem Regime von Präsident Trump auch nur annähernd eine Einheit im pluralen amerikanischen Volk gegeben ist. Eher wird unter Trump und seinen Scharfmachern eine Art Bürgerkrieg betrieben.

10.
Und kein nachdenklicher Katholik und kein kritischer Katholischer Theologe wird im Ernst behaupten: Alle Katholiken sind eins, im Sinne von gleichberechtigt und gleich wertvoll. Die lange Liste der vom Papst und den Klerikern im Vatikan zugelassenen Diskriminierungen muss hier nicht noch einmal wiederholt werden, wir nennen nur den verheerenden Ausschluss von Frauen vom DiakonInnen-Amt und vom PriesterInnen-Amt.

11.
Was bringt also die Reflexion auf die offenbar inhaltlich gemeinsamen Mottos der USA und von Papst Leo XIV.? Die Reflexion zeigt: Beide Mottos sind von Herrschern ausgegebene „Fern-Ziel“-Vorstellungen, von denen beide, Politiker der USA wie der Papst wissen: Diese Vorstellungen werden wohl nie erfahrbare Realität für alle werden. Sie werden ausgegeben, verbreitet, propagiert, um im Volk, bei den Gläubigen, einen guten Eindruck zu machen.

12.
Als die USA-Politiker merkten: das alte Motto von 1782 ist politisch betrachtet nichts als eine ferne Utopie, gaben sie sich das Motto „In God we trust“, das machte sich auch gut als religiöse Kampfansage gegen den atheistischen Ost-Block und die Sowjetunion. Und schließlich vertraute ja auch ein Armer damals auf Gott, aber auf seinen Gott, wie auch die Politiker oder die Kapitalisten auf ihren Gott vertrauten. Mit diesem neuen Motto konnten die Politiker also nichts falsch machen. Und die Einheit des Volkes, auch als Gerechtigkeit, war vergessen…

13.
Und Papst Leo XIV.? Er pflegt sein Motto („Wahlspruch“ offiziell genannt) auf populäre Art, biedert sich durchaus beim frommen Volk etwas an, jetzt wieder in Neapel, bewirkt dort das Gennaro-Wunder, sagt fromme Sprüche, Friedensappelle, genießt populistische Verehrung (wegen seiner NIKE-Sneaker etwa …). ABER: Da, wo wirklich Einheit als Gleichberechtigung unter Katholiken und vor allem auch unter den getrennten Christen und Kirchen bewirkt werden sollte: Da herrscht das große übliche päpstliche Nein zu grundlegenden Reformen vor. Angeblich, so der Vatikan, würden die afrikanischen Katholiken diese Reformen nicht verstehen, man hält afrikanische Katholiken also für dumm…Als könnten sie nicht das univsersell geltende Menschenrecht auch für Homosexuelle verstehen und damit auch die Gleichberechtigung der Homosexuellen in der katholischen Kirche Afrikas.

14.
Darum merke: Glaube bloß nicht den Mottos der Staaten oder der Päpste. Es sind bestenfalls Wunschvorstellungen, Utopien, etwa auch „Liberté, Egalité, Fraternité“ in Frankreich: Diese drei Grundwerte der Republik bestehen auch dort nicht für alle Franzosen als Realität. Oder auch: Die Mottos des USA und des Papstes sind eigentlich – faktisch betrachtet – Hoffnungen, Utopien, vielleicht sogar Lügen, weil sie von Präsidenten und Päpsten doch nur behauptet, nicht aber umfassend realisiert werden.

15.
Vielleicht könnten sich Trump und Leo wegen des gemeinsamen Mottos des heiligen Augustinus verständigen? Leider kann aber Papst Leo nicht als Vorbild gegenüber Trump auftreten: Auch er als Papst tut ja nicht alles für eine wirkliche Einheit als Gleichberechtigung unter allen Katholiken und Christen… Wie kann er dann ernsthaft und glaubwürdig von Trump die Einheit im us-amerikanischen Volk oder auch eine friedliche Einheit der Menschheit ohne Krieg einfordern? Die viel gepriesene „moralische Instanz“ des Papstes, der Päpste, ist also sehr frag-würdig, eine bloße Behauptung. Seit welchem Jahrhundert können eigentlich Päpste „moralische Instanzen“ genannt werden? Papst Alexander VI. zum Beispiel war eher eine unmoralische Instanz, wie etliche andere Päpste auch.

16.

Solange die katholische Kirche in ihrer eigenen Lehre und Moral nicht die Menschenrechte umfassend für alle Katholiken respektiert, ist alles moralische Reden der Päpste und Bischöfe usw. unglaubwürdig und wirkungslos. Die Menschenrechte stehen ÜBER der kirchlichen Lehre und Moral. Wird das die katholischeKirchenführung jemals begreifen? Wir meinen: Nein, denn die klerikale Macht will nach wie vor mit ihrer eigenen Ideologie (Theologie genannt) über den umfassenden, universell geltenden Menschenrechte stehen. 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

Papst Leo XIV. propagiert die Gestalt des katholischen Priesters von vorgestern für heute

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6.1.2026

Über die andauernden problematischen Stellungnahmen, „apostolische Texte“ usw. des Alleinentscheiders Papst Leo XIV. siehe: LINK.

1.

Die Menschen, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen und entsetzt sind über den kriegerischen „Gott“ der USA mit dem Namen Trump, also die Menschen, die jetzt noch versuchen, bei Vernunft zu bleiben, sie haben ganz andere Sorgen, als sich mit dem offiziellen katholischen Priesterbild zu befassen. Aber Papst Leo fordert dazu auf. Er sollte stattdessen  sehr viel dringender die Bande katholischer Politiker rund um „Gott“ Trump exkommunizieren… aber nein, der Papst muss das alte Klerus – Image aufpolieren. Um es einmal nach aller Art „drastisch  – katholisch“ zu sagen…

2.

Papst Leo XIV. hat kürzlich, am 8.12.2025,  ein so genanntes „Apostolisches Schreiben“ veröffentlicht, in dem er das veraltete „Priesterbild“ erneut beschwört, obwohl sehr viele ernst zu nehmende katholische Theologen sehr viel weiter sind. Aber Päpste und Bischöfe erlauben sich ständig, die Ergebnisse der theologischen Forschung zu ignorieren. Welche Großinstitution könnte es sich erlauben, so ignorant mit der Wissenschaft umzugehen?  Der Titel dieses Schreibens: „EINE TREUE, DIE ZUKUNFT SCHAFFT.“ Apostolisches Schreiben DES HEILIGEN VATERS LEO XIV. (Siehe auch Fußnote 1)

Aber die Päpste sind die Herren der Kirche, sie können sagen und schreiben, was sie wollen, und die meisten Katholikinnen nicken ehrerbietig unterwürfig, sie sind die braven Schäfchen… 

3.

Wir haben seit Beginn der Herrschaft Leo XIV. am 8.Mai 2025 immer wieder auf dessen theologisch sehr konservativen Tendenzen hingewiesen. LINK 

Nun also ein offizieller päpstliche Text zum Thema Priestertum, den sogar die eher offizielle Website katholisch.de ziemlich mutig kommentiert, Fabian Brand schreibt:. LINK 

4.

Zunächst noch für alle „theologischen Laien“ unter den LeserInnen unseres Hinweises: Man muss immer wissen, dass in der offiziellen katholischen Lehre bis heute der Priester absolut im Mittelpunkt steht. Die Eucharistie, angeblich das Wichtigste nach der Taufe im Katholizismus, darf nur der zölibatäre geweihte männliche Priester feiern. In der von den Päpsten als notwendig behaupteten Verknüpfung von Priesteramt und Eucharistie liegt das ganze Elend der (gegenwärtigen) Kirche, nämlich der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt und das Festhalten des meist nur noch pro forma bestehenden Zölibats-Gesetzes.

Diese behauptete totale Unersetzbarkeit des zölibatären Priesters zeigt sich jetzt vermehrt in Europa in der Form der Schließung von Gemeinden und Pfarreien: Und zwar nur deswegen: Weil die zölibatären Priester fehlen und die noch in Europa lebenden vergreisen. Da werden von der klerikalen   Bürokratie einfach Gemeinden zusammengelegt und die wenigen Priester reisen dann sozusagen von einer Kirche zur anderen, um schnell die Messe zu lesen…dabei könnten Laien, junge LaientheologInnen, diese Aufgabe der Gemeindeleitung und des „ Messefeierns“ leisten. Aber nein, es werden viele hundert Filippinos, Inder, Afrikaner aus ihren „Missionsländer“ nach ganz Europa als Lückenbüßer geschickt, um hier den Klerus zu ersetzen. Dabei gibt es in den genannten „Missionsländern“ genug zu tun. 

5. 

Wir zitieren aus dem Beitrag von Fabian Brand über den Schrieb des Papstes Leo XIV. zum katholischen Priesteramt heute:

 „Besonders auffällig ist, dass Leo XIV. in seinem `Apostolischen Schreiben` wieder auf den Pfarrer von Ars verweist. Jean-Marie Vianney verkörperte als Priester das Kirchenbild des 19. Jahrhunderts: strenge Fixierung auf die Eucharistie, der Priester als tüchtiger Beichtvater, der Dorfpfarrer als Ideal. Noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Vianney gern in den Schreiben der Päpste zitiert.

….Zwar hebt der Papst (Leo XIV.) in seinem neuen Schreiben immer wieder die hohe Bedeutung der Welt von heute und der sich veränderten Zeit hervor. Im Blick auf das Priesteramt bleibt er jedoch immer wieder dahinter zurück. Gerade die wichtigen Erkenntnisse der letzten Jahre zu den Themen sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch werden nicht beachtet. Stattdessen werden spirituell stark aufgeladene Theoreme rezipiert, die höchst anfällig sind für Missbrauch. Die wirklichen Fortschritte des 2. Vatikanischen Konzils, nämlich die starke Relativierung des Priesteramts durch alle Getauften und die Realisierung der Sendung des Priesters in der Welt von heute bleiben dabei außen vor. 

So schreibt Fabian Brand in katholisch.de aufgerufen am 6.1.2025

6.

Im Rahmen der Revitalisierung verstaubter Theologien durch Leo XIV. wird als Nächstes durch ihn iwohl nszeniert werden: Die verstärkte Zulassung der alten lateinischen Messe allüberall: mit dem leise Lateinich nuschelten Priester am Altar, sich dem Volk manchmal zuwendend, das „Dominus Vobiscum“ dann hauchend … und die traditionalistische Kirche der Pius-Brüder wird jubeln: Sie haben mit der alten lateinischen Messe auch die veraltete Theologie ins 21. Jahrhundert gerettet. Denn diese Theologie ist reaktionär, gegen Religionsfreiheit, gegen Ökumene, gegen Menschenrechte. Warum wird Papst Leo die lateinische Messe wieder umfassend zulassen? Weil er die jungen Priester so  mdringend braucht, die es in der Lefèbvre – Kirche, also der traditionalistischen Priesterbruderschaft `PIUS X`.bis jetzt noch so sehr zahlreich gibt. Aber längst haben sich andere, sehr papsttreue traditionalistische katholische Priestergemeinschaften innerhalb der offiziellen Kirche stark gemacht, wie etwa die Gemeinschaft „Christus König und Hoher Priester“ (sic) … sie haben doch so viele strahlend – sympathische Kleriker vorzuweisen, die so gern auf die Gemeinden des 21. Jahrhunderts losgelassen werden wollen. Auch die „Petrus-Bruderschaft“ wäre zu in der langen Liste offiziell katholisch -reaktionärer Priestergemeinschaften zu nennen. Diese Priester warten förmlich darauf, bestimmend zu werden in der Kirche.  Dass es jetzt so viele reaktionäre Bewegungen und Priestergruppen in der katholischen Kirche gibt, ist begründet in der Liebe von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. zu diesen Leuten und ihrer Theologie von vorgestern.

7.

Wir haben schon mehrfach den natürlich total utopischen Wunsch vorgetragen: Papst Leo möge als Mitglied des Augustinerordens (von den anderen, den Reform – Augustinerorden, den Rekollekten und Unbeschuhten, spricht niemand) …  von der Kirchenlehre seines Augustiner-Mitbruders Dr. theol. Martin Luther lernen. Das macht Leo XIV. aber gar nicht.

Genauso wäre es ein utopischer Wunsch, als Papst nicht nur regelmäßig ins prächtige Castel Gandolfo zum Ausruhen zu fahren; sondern auch die benachbarte Evangelisch -Lutherische Kirche in Rom, nahe dem Vatikan, zu besuchen. Die TheologInnen dort könnten ihm vieles beibringen zum Thema „Pastoren/Priesteramt der Frauen im Protestantsimus“  und zur Aufhebung des sinnlosen Zölibats-Gesetzes. 

Papst Leo ist Mitglied des so genannten Bettel-Ordens der Augustiner (wie die Franziskaner, Dominikaner…) Aber so richtig arm, geschweige denn bettelarm – wie es einst bei der Gründung des Ordens 1256 gewünscht und sicher auch gelebt  wurde – will Leo nun gar nicht leben. Bald wird er in dem für ihn renovierten Apostolischen Palast sein hübsches geräumiges Zuhause haben und es mit einem Augustiner aus Nigeria teilen.

Nebenbei: Das Zentrum des Augustinerordens, das „Generalat“, ist nur wenige Meter vom „Apostolischen Palast“ entfernt. In diesem Kloster könnte  man als Papst aus dem Augustinerorden ja auch – bescheiden? – wohnen? Aber inzwischen wurden dort viele der leerstehenden Zimmer in ein Luxushotel umgewandelt, der Bettelorden bettelt jetzt eben etwas auf „höherer Ebene“. Info zum Hotel im Kloster: https://www.residenzapaolovi.com/de/

8.

Aber die Augustiner schämen sich wahrscheinlich als römische Katholiken, dass ausgerechnet aus ihrem Orden „dieser“ Martin Luther hervorgegangen ist. Dabei sollten sie stolz sein, dass ein großer Reformator, Luther, – natürlich auch mit seinen Verirrungen, Antisemitismus etc.  dem Orden einige Jahre angehörte. Aber dann erkannte Luther sehr richtig,  dass der Zölibat doch eher eine Verirrung ist als eine Chance für die allermeisten… Aber auch in dieser Frage hat die römisch – katholische Kirche gar nichts von dem Augustinerpater Martin Luther gelernt…

Fußnote 1:  Als Beispiel die Nr 29 dieses päpstlichen Textes: „Ich vertraue alle Seminaristen, Diakone und Priester der Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau Maria, der Mutter vom Guten Rat, (dies ist die Lieblingsmadonna des Augustinerordens !, CM) und dem heiligen Johannes Maria Vianney, dem Patron der Pfarrer und Vorbild aller Priester, an. Wie der Pfarrer von Ars zu sagen pflegte: »Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu«. [30] Eine Liebe, die so stark ist, dass sie die Wolken der Gewohnheit, der Entmutigung und der Einsamkeit vertreibt, eine vollkommene Liebe, die uns in der Eucharistie in ihrer ganzen Fülle geschenkt wird. Eucharistische Liebe, priesterliche Liebe.“ Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 8. Dezember, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria, im Heiligen Jahr 2025, dem ersten meines Pontifikats. Leo XIV. 

Ein Freund aus Rom hat uns seinen ergänzenden Text zu diesen frommen warmen Worten des Papstes geschickt. Er meinte, noch vieles mehr könnte er im ähnlichen Stil schreiben: Also nur diese eine kleine Ergänzung zum Schreiben des Papstes:

Als Sohn des heiligen Augustinus, der ich ja bin, wie ich schon am 8.5.2025 sagte, bitte ich unseren heiligen Augustinus und Kirchenleerer: Er möge Christus, den ewigen Hohen Priester bitten, mehr Arbeiter, also mehr Priester, aber bitte keine linken „Arbeiterpriester“, in seinen Weinberg senden. Also gesunde, kräftige und hübsche junge Männer, bitte nicht alle homosexuell, die den Zölibat wenigstens nach außen hin hoch – halten und den traditionellen Gang unserer Kleriker-Kirche mit voller Hingabe und üblichem Gehorsam unterstützen. Auch verheiratete konvertierte Priester von den Anglikanern sind uns wie bekannt sehr willkommen, ebenso verheiratete katholische Priester, die nun Witwer sind, die sich auch willkommen…“

Hier hat unser Freund aus Rom mit seiner Aktualisierung Schluß gemacht. Er fragte nur noch angesichts des  „Apostolischen Schreibens“: In welcher Zeit lebt eigentlich Leo XIV., um solches zu schreiben?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Die reiche Kirche und die Armen: Papst Leo schreibt eine offizielle „Ermahnung“

Der Titel der „Apostolischen Exhortation“: „Dilexi te“: „Ich habe dich geliebt. Über die Liebe zu den Armen“.
Hinweise von Christian Modehn am 12.10.2025

1.
Eine päpstliche „Exhortation“ ist eine Ermahnung und Ermunterung an die katholischen LeserInnen. Sie hat keine umfassende Verbindlichkeit wie eine „Enzyklika“, sollte aber als Äußerung des obersten Lehramtes sehr ernst genommen werden. Auf dieses erste offizielle Dokument Leo XIV. haben manche gewartet.

2.
Wir können hier nicht umfassend dieses 121 Absätze umfassende Dokument besprechen. Wir zeigen das Beachtliche des Textes auf, nennen aber auch kritisch einige Ausführungen des Papstes, die in der Öffentlichkeit bisher wenig Beachtung fanden.

3.
Weite Teile dieser „Ermahnung“ sind bibeltheologische Erörterungen zur Armut. Es werden von Leo auch lang und breit die entsprechenden Lehren der Kirchenväter aus der Antike vorgestellt, selbstverständlich fehlen bei einem Papst als Mitglied des Augustiner-Ordens nicht längere Ausführungen zur Liebe des heiligen Augustinus zu den Armen. Wen interessiert das? Es werden dann viele Ordensgemeinschaften detailliert in ihrer Geschichte erwähnt, die alle irgendwie als Hilfe und Beistand für Arme gegründet wurden. Von der durchaus beträchtlichen aktuellen Hilfe dieser Ordensgemeinschaften für Arme ist eher wenig die Rede.

4.
Den LeserInnen wird eingeschärft: Die Hilfe für Arme ist unverzichtbares Element christlichen Lebens. In sehr kurzen, politisch – kritischen Ausführungen folgt Papst Leo seinem in dieser Hinsicht mutigeren und radikaleren Vorgänger Papst Franziskus. So kritisiert auch Leo die „Diktatur einer Wirtschaft, die tötet“ (Nr. 92), ohne dass er dabei, soweit ich sehe, explizit den Kapitalismus und den Neoliberalismus beim Namen nennt. Leo schreibt sehr vorsichtig, offenbar um niemanden unter den Herrschern des Kapitals zu verletzen: „Obwohl es nicht an Theorien fehlt, die versuchen, den aktuellen Zustand zu rechtfertigen, oder die als Theorien erklären, dass die wirtschaftliche Vernunft von uns verlangt, darauf zu warten, dass die unsichtbaren Kräfte des Marktes alles lösen, ist die Würde eines jeden Menschen jetzt und nicht erst morgen zu respektieren. Das Elend so vieler Menschen, deren Würde negiert wird, muss ein ständiger Appell an unser Gewissen sein.“ Der Papst erwähnt die „unsichtbaren Kräfte des Marktes, denkt dabei offenbar an den radikalen Liberalismus eines F.A.Hayek, der heute in „liberalen Parteien “ und bei „libertären Politikern“ (Milei, Argentinien) seine Freunde hat. Aber wie gesagt, Namen werden vom Papst nicht genannt, man muss ja diplomatisch bleiben… Und in Nr. 94 heißt es dann leider viel zu kurz und zu knapp: „Wir müssen uns immer mehr dafür einsetzen, die strukturellen Ursachen der Armut zu beseitigen….Mangelnde Gerechtigkeit ist »die Wurzel der sozialen Übel. Denn »oft stellt man fest, dass tatsächlich die Menschenrechte nicht für alle gleich gelten«. Immerhin taucht in dieser „Ermahnung“ das Wort Menschenrechte auf. Die Päpste müssen mit der Verteidigung der grundlegenden Idee der „Menschenrechte“ bekanntlich vorsichtig umgehen, denn die Menschenrechte gelten in der Kirche explizit nicht (etwa die umfassende Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche…), genauso, wie die Kirche explizit keine demokratischen Strukturen will.

5.
Die ganze „Ermahnung“ ist eher langatmig und von einer üblichen, tief erscheinenden Frömmigkeit bestimmt. Man fragt sich: Werden diesen ja doch wohl etwas politischen Text auch NGOs debattieren in ihrer Solidarität mir Armen, Hungernden, Verfolgten, Flüchtlingen, Ausgegrenzten, ungerecht Behandelten usw.? Ich vermute: Eher nicht! Der Text wirkt weithin wie eine Predigt alter Art. Es fehlen Aussagen zur Frage: Wieviel Schuld hat die Kirche in der weltweiten Ausgrenzung der Armen seit Jahrhunderten, wenn es im globalen Süden bis heute „himmelschreiende Armut“ etwa aufgrund des Kolonialismus gibt? Diese Frage hätte doch ein Papst stellen könne, der etliche Jahre im armen Peru arbeitete und der dort als Bischof mit Gummistiefeln durch die überschwemmten Elendsviertel laufen musste. Immerhin betont der Papst, die Armen hätten ihre eigene Kultur (Nr. 100), die sie pflegen sollen!

6.
Auch das wird bisher öffentlich nicht beachtet: Der Titel „Dilexi te“, „Ich habe dich geliebt“, ist, wie der Papst ausdrücklich schreibt, dem neutestamentlichen „Buch der Offenbarung des Johannes“ entnommen (Kap. 3, Vers 9).
Warum ausgerechnet das Motto? Weil es den besten Anschluss bietet an den Titel eines Schreibens von Papst Franziskus „Dilexit nos“, „Er liebt UNS.“ Nun also bei Leo: „Ich habe DICH geliebt“. Und dieser knappe Titel stammt aus einem äußerst schwierigen, bei der Lektüre nicht verständlichen Text voller Symbole, Rätselsprüchen, Geheimnistuerei und Trostsprüchen für die verfolgten christlichen Gemeinden, eben aus der „Offenbarung des Johannes“. Ein Leitwort, ein Motto, mit dem Inhalt „Ich habe dich geliebt“ hätte man auch anderswo im Neuen Testament schnell gefunden. Etwa im Johannes Evangelium, 13. Kapitel, Vers 34: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Aber „Ich habe DICH geliebt“ weist hin auf die extreme Bindung des Papstes an Augustinus, der nur in der eher privaten Ich – Du – Beziehung seinen Gott fand. In Papst Franziskus` Titel:  „Dilexit nos“, „Er liebt UNS“, wird die Gemeinschaft betont, dies ist bester Ausdruck christlicher Spiritualität.

7.
Sehr problematisch ist das Motto der Ermahnung Leos vor allem deshalb, wenn man sich diesen Vers 9 im 3. Kapitel der „Offenbarung“ genauer anschaut. Dieser Vers steht im Kontext eines imaginären Briefes des Autors „Johannes“ an die Gemeinde in der Stadt Philadelphia, heute ist dies die türkische Stadt Alaşehir. In dem mysteriös – schwierigen Vers 9 heißt es wörtlich: „Leute aus der Synagoge des Satans, die sich als Juden ausgeben, es aber nicht sind, sondern Lügner – ich werde bewirken, dass sie kommen und sich dir (also dem Engel der Christengemeinde, CM) zu Füßen werfen und erkennen, dass ich dir meine Liebe zugewandt habe.“ Da ist also das wichtige Wörtchen: Auf Latein: „Dilexi te“. (Das Bibelzitat ist der „Einheitsübersetzung“ der katholischen Kirche Deutschlands entnommen).
Schon erstaunlich, dass dieses Motto der ersten „Apostolischen Ermahnung“ Leos ausgerechnet einem Vers entnommen ist, in der die Juden im Gegenüber zu den Christen damals als „Synagoge Satans“ bewertet werden… sie werden dann, so Johannes, der Autor, bei der Wiederkunft Christi ihr Judentum aufgeben (müssen).
Dies ist einer der vielen eher mysteriösen Verse aus der „Offenbarung“, die man als LeserIN niemals ohne ausführliche Interpretationshilfe verstehen kann. Die katholische Theologin Prof. Elisabeth Schüssler – Fiorenza aber behauptet in ihrer großen Studie „Das Buch der Offenbarung“, Kohlhammer Verlag, 1991, Seite 76 , die Rede von der „Synagoge Satans“ „sollte nicht als Antisemitismus mißverstanden werden.“ Wir sagen nur: Na ja, die Phantasie einer Theologin ist wohl groß.

8.
Papst Leo, so wird in der katholischen Presse behauptet, vertritt in diesem seinen Text eine Art lateinamerikanische Befreiungstheologie. Aber oft ist in dem Text die Rede von der Kirche, die für die Armen eintritt, so, als stehe die Kirche den Armen gegenüber, und tue FÜR sie – aus Barmherzigkeit – Gutes. Dabei sollte es doch wohl so sein: Die Kirche ist mit den Armen solidarisch, weil sie selbst als Kirche eine Organisation der Armen ist und als Kirche selber arm ist bzw. im Sinne Jesu sein sollte… Nicht FÜR die Armen, sondern MIT ihnen ist authentische Befreiungstheologie. Komischerweise muss man sagen, macht sich Leo am Ende seiner langen Ermahnungen dann sogar noch für die klassischen Almosen stark. SAlso für die Almosen für die Armen,  jene üblichen Spenden der reichen Christen in der reichen Welt, die einiges Hilfreiche bewirken, aber überhaupt keine adäquate Antwort sind auf die entsetzlichen Lebensbedingungen der meisten Menschen im globalen Süden etwa.

9.
Was deutlich fehlt in dieser Ermahnung des Papstes: Nirgendwo ist die Rede davon, wie denn die Kirchenführungen, also die klerikale Hierarchie, also auch der Vatikan, also auch die gut ausgestatteten Bischöfe in ihren Palästen – den Armen praktisch beistehen sollen. Man fragt sich natürlich: Kann diese Kirche überhaupt eine arme Kirche mit den Armen werden bei diesem ihrem vorhandenen Glanz etwa in den Gebäuden des Vatikans und Roms und in anderen europäischen Zentren?
Diese Zahlen kann man überall überprüfen: Der Vatikan besitzt weltweit rund 5500 Immobilien – vor allem in Italien, aber auch in der Schweiz, Frankreich und England. Es sind Wohnungen, Kirchen, Klöster, Büros und Land…Die katholische Kirche in Deutschland besitzt etwa 8.250 km² Land, was sie zum größten privaten Grundbesitzer macht…Das Erzbistum Paderborn gilt als das reichste Bistum in Deutschland mit einem Vermögen von rund 7,15 Milliarden Euro. Und so weiter…

10.
Warum sagt der Papst als Mitglied des Bettelordens der Augustiner nichts dazu, dass Gebäude- Teile einiger jetzt viel zu groß gewordenen Augustiner – Klöster in Luxus Hotels umgewandelt wurden und eben nicht in Sozialwohnungen? Für den Augustiner Orden nur das Beispiel aus Rom LINK oder in Prag LINK.  Selbstverständlich lassen sich solche Beispiele auch von anderen Orden nennen.
Ein leiser, allerdings nur auf die Vergangenheit bezogener kritischer Ton wird in Nr. 63 formuliert, wenn Leo von den Bettelorden des Mittelalters, also auch den Augustinern, schreibt: „Das Zeugnis der Bettelorden forderte sowohl die klerikale Opulenz als auch die Kaltherzigkeit der städtischen Gesellschaft heraus.“ Von klerikaler Opulenz heute ist jedenfalls in Leos „Ermahnung“ keine Rede…

11.
Da setzt der Papst einen Text in die Welt gesetzt, der von der praktischen Verantwortung dieser Hierarchie (!) für die Armen wenig spricht. Man möchte gern einmal lesen: Die Bischöfe in Deutschland und in anderen reichen Ländern Europas verzichten auf 30 Prozent ihres zweifellos üppigen Gehaltes zugunsten von Projekten für die Armen. Die Bischöfe verlassen also – etwa in Köln, etwa in München – ihre Paläste und ziehen in Drei- Zimmer- Wohnungen zur Miete. Solche Ideen sind natürlich ketzerisch und selbstverständlich „eigentlich“ sinnlos.
Nebenbei: Wir haben einmal – in literarischer Imagination – Jesus heute nach Rom kommen lassen, von Dostojewski inspiriert. LINK

Aber vielleicht hat die katholische Kirche in Europa und Amerika auch fast kein Geld mehr … wegen der „Entschädigung“ – Zahlungen an die vielen tausend Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester und Nonnen.

12.
Das öffentliche und etwas gründlichere Interesse an dieser päpstlichen „Ermahnung“  ist — von ein paar Kirchenzeitungen abgesehen – bisher eher sehr sehr verhalten.

13.
Dabei sollten die wirklich weiterführenden Teile dieser päpstlichen Ermahnung gelesen und in Praxis realisiert werden, auch von Priestern, Bischöfen, Päpsten…

Ich zitiere nur ein Beispiel: Nr. 114: „Wir sprechen nicht nur von Hilfe und vom notwendigen Einsatz für Gerechtigkeit. Die Gläubigen müssen sich einer weiteren Form der Inkonsequenz gegenüber den Armen bewusst werden. In Wahrheit ist »die schlimmste Diskriminierung, unter der die Armen leiden, der Mangel an geistlicher Zuwendung […]. […] Die vorrangige Option für die Armen muss sich hauptsächlich in einer außerordentlichen und vorrangigen religiösen Zuwendung zeigen.»[127] Diese geistliche Aufmerksamkeit für die Armen wird jedoch durch bestimmte Vorurteile, auch seitens der Christen, in Frage gestellt, weil wir uns ohne die Armen wohler fühlen. Manche sagen fortwährend: „Unsere Aufgabe ist es, zu beten und die wahre Lehre zu verkünden.“ Und indem sie diesen religiösen Aspekt von einer ganzheitlichen Förderung trennen, fügen sie hinzu, dass allein die Regierung sich um sie kümmern sollte oder dass es besser wäre, sie in ihrem Elend zu lassen und ihnen erst einmal das Arbeiten beizubringen. Manchmal werden auch pseudowissenschaftliche Kriterien herangezogen, wenn etwa gesagt wird, dass der freie Markt von selbst zur Lösung des Problems der Armut führen werde. Oder man optiert sogar für eine Seelsorge der sogenannten „Eliten“ und behauptet, dass man, statt Zeit mit den Armen zu verschwenden, sich besser um die Reichen, Mächtigen und Berufstätigen kümmern sollte, um durch diese zu wirkungsvolleren Lösungen zu gelangen. Die Weltlichkeit hinter diesen Auffassungen ist leicht zu erkennen: Sie verleiten uns dazu, die Wirklichkeit mit oberflächlichen Kriterien zu betrachten, bar jedes übernatürlichen Lichts, wenn wir es lieber mit Menschen zu tun zu haben, die uns ein Gefühl von Sicherheit geben, und wenn wir Privilegien suchen, die uns genehm sind.“

14.

Von den 130 Belegen, Quellen, für die Zitate der „Exhortatio“, verweist ein einziger Beleg auf einen „weltlichen Bereich“,  nämlich den „Rat der Europäischen Gemeinschaften“. Alle anderen Fußnoten beziehen sich auf innerkirchliche Dokumente, Enzykliken vor allem von Papst Franziskus, auf theologischen Werke antiker und mittelalterlicher Heiliger usw. Auch dieses päpstliche Dokument  kreist, wie üblich, in der eigenen „Suppe“. Dass es mindestens hundert aktuelle soziologische, psychologische, theologische, philosophische Studien zum Thema Armut und Arme gibt, scheint im Vatikan beim Autor Leo XIV. oder den Ghostwritern nicht angekommen zu sein. Dass dieser Respekt (!) für die wissenschaftlichen Forschungen eigentlich üblich sein sollte, auch für ein päpstliches, katholisches Dokument mit universellem Anspruch, sollte eigentlich heute endlich selbstverständlich sein. Man ist im Vatikan aber immer noch irgendwie selbstzufrieden mit den eigenen kirchlichen Texten. Man braucht halt die Wissenschaften nicht!

Der Text der „Exhortation“: LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Papst Leo XIV. – problematische Entscheidungen des Allein-Entscheiders

Die offiziellen Äußerungen des Papstes sind alles andere als „zukunftsweisend“. Es wird immer deutlicher: Dieser Papst ist ein konservativer, den alten dogmatischen Floskeln verpflichteter Papst (am 25. 3. 2026)

Papst Leo verteidigt am 25.3. 2026 die hierarchische klerikale Struktur der katholischen Kirche allen Ernstes als göttliche Stiftung. LINK.

Wir haben 2011 in einem Beitrag für den WDR mit vielen gebildeten und kritischen Theologen nachgewiesen: Es ist ein Wahn, die klerikale Hierarchie des Katholizismus heute noch als göttlichen Willen zu propagieren.  LINK.   Es ist typisch: Die Päpste ignorieren die theologische Forschung. Diese Ignoranz von „Führungskräften“ würde im weltlichen Bereich der Politik, Wirtschaft, Medizin usw., in Demokratien niemals geduldet. Nur diese Päpste können machen und behaupten und schwadronieren,  was ihnen so alles zum Machterhalt einfällt  … und noch folgen gehorsame KatholikInnen diesen „Führern“…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 19.9.2025

Unser Motto: Man denke bloß nicht, Papst Leo XIV. sei ein progressiver Theologe. Und ein kämpferischer Prophet ist er als Papst gegenüber dem „Gott“ Trump schon gar nicht.  

Wir beginnen die konservativen Stellungnahmen Papst Leo XIV. zu dokumentieren: Sie machen öffentlich das theologische Schwanken Papst Leos, hin und her, zwischen etwas Wohlwollen für „Progressives“ und viel Verständnis, durchaus auch Sympathie für Uraltes, Überholtes, bloß Volkstümliches und politisch Gefährliches im Katholizismus. Das alles versteht Leo XIV. wohl als Suche nach „Einheit“ im Sinne seines ständig zitierten „Ordensvaters“ Augustinus aus Zeiten der Antike.

Am 23.9.2025:

Heute also beginnen wir mit des Papstes Plädoyer und Verständnis für die immer noch weltweit üblichen Teufelsaustreibungen, Exorzismen genannt,  anläßlich eines Treffens von EXORZISTEN aus aller Welt kürzlich in Rom… Dass „das Böse“ vor allem auch aus dem Klerus (sexueller Missbrauch etc.) ausgetrieben werden müsste, wird vom Papst nicht gesagt… LINK:

Am 24.9.2025 :

Papst Leo XIV. ruft die Katholiken auf, im Okober täglich den Rosenkranz zu beten. Maria als Mittlerin an Gottes Thron soll gleichsam Gott bestürmen, für Frieden zu sorgen. LINK    Welcher Frieden soll denn erbetet werden? Was soll Gott bloß tun, wenn die Russisch – Orthodoxen auch ihren Gott um Frieden in ihrem Sinn bitten? Hintergrund für diese spirituelle „Friedensinitiative“ des Papstes ist die tradionelle Gottesvorstellung, die auch Papst Leo teilt: Gott im Himmel lässt sich durch Maria im Himmel bewegen, als Gott – Vater Frieden auf Erden zu schaffen…Oder soll das Rosenkranzgebet doch nur eine Art seelischer Beruhigung sein? .Wir haben auf den Missbrauch von Marienliedern im Krieg hingewiesen: LINK.

Am 26.9.2025 :

Im kürzlich erschienenen Interview-Buch mit Ann Allen (USA) (auf Spanisch erschienen: “Leo XIV.: Ciudadano del mundo, misionero del siglo XXI“) sagt Papst Leo XIV., wie KNA berichtet: Es entspreche nicht dem Auftrag der Kirche und dem, was die Welt von ihr erwarte, sich ausschließlich auf das Thema sexualisierter Gewalt zu konzentrieren. Außerdem habe der Papst davor gewarnt, sich vom Missbrauchsskandal „vollständig in Beschlag nehmen zu lassen“.

Am 25. 9.2025 kritisierte der Mainzer Bischof Kohlgraf auf einer Podiumsveranstaltung im Mainzer Landtag diese Aussage des Papstes. „Der Mainzer Bischof Kohlgraf sagte in einem vorab verbreiteten Redemanuskript, einige Menschen hätten den Papst so verstanden, als wolle er die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt relativieren. `Auch ich kann an die Aussagen des Papstes zum Auftrag der Kirche und des Evangeliums zumindest ein Fragezeichen setzen`, erklärte der Bischof. “Sexualisierte Gewalt ist ein Verbrechen am Menschen und ein Verrat am Evangelium.” Denn der Auftrag des Evangeliums sei es, die Menschen zu stärken und sie entsprechend ihrer Würde zu behandeln: “Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns im Sinne dieses Auftrags nicht zurücklehnen werden und dass es auch weiterhin unser Fokus sein wird, Verantwortung für das Versagen der Kirche auf verschiedenen Ebenen zu übernehmen.”
Die Verantwortung dürfe nicht enden, und der Weg zu einem Mentalitäts- und Haltungswechsel im System Kirche sei nicht abgeschlossen, so Kohlgraf laut Manuskript weiter. Leitend müsse dabei immer die Perspektive der Betroffenen sein. Dabei sei weiter zu schauen, wo es “blinde Flecken” gebe: “Wo wird vielleicht immer noch verharmlost, geschwiegen oder vertuscht? Dabei darf es keine Rolle spielen, ob dieser Blick unbequem ist oder fest Etabliertes hinterfragt.”
LINK.   Sogar katholisch.de berichtete über die Papst – Kritik durch Bischof Kohlgraf. LINK

Am 27.9.2025: Nun geht es um die Unfehlbarkeit des Papstes!

Jetzt wird es heftig: Papst Leo XIV. verteidigt am 27.9, erst knapp 4 Monate im Amt, die Unfehlbarkeit des Papstes. Aber auf eine sehr ungewohnte Weise: Er erklärt zunächst alle Katholiken, das ganze Volk Gottes, für unfehlbar. Aber weil für ihn diese 1,4 Milliarden Katholiken nicht mit einer einzigen Stimme sprechen können, kann diese eine wahre Stimme nur dem Papst gehören. Er ist dann sozusagen stellvertretend für alle  Kathioliken (die angeblich alle dasselbe Glauben) unfehlbar.
PS: Im Kommunismus sagte man: Der Parteiführer weiß, was die Masse der Proletarier will, er tut, was die Masse der Parteimitglieder will…

Also noch einmal, für alle, die diese sehr gewagte Äußerung des Papstes schnell als banal übersehen wollen: „Die „Unfehlbarkeit des Gottesvolkes in Glaubensdingen“ finde ihren Ausdruck in der Unfehlbarkeit des Papstes, erklärte der Papst Heilig-Jahr-Pilgern bei der Generalaudienz an diesem Samstag (27.9.2025) in Rom…. Und jetzt wird es fast komisch: Diese Unfehlbarkeit des Volkes Gottes (gemeint ist nur die katholische Kirche) sei, wo wörtlich, so etwas wie ein `Sechster Sinn`, aber gerade den sechsten Sinn hätten vor allem die einfachen, gemeint sind die ungebildeten Leute: „Gelehrte Menschen hören meist nicht auf ihr Gespür (= sechster Sinn), weil sie glauben, ohnehin schon alles zu wissen“, sagte Leo XIV. wörtlich weiter.
Also bitte: Einfach dumm bleiben, auch theologisch dumm, dann kann man dieser verworrenen Rede folgen. Die typische Verachtung des alten Augustin für die Vernunft klingt da sehr deutlich an… (Die Vernunft wurde bekanntlich für Augustin durch die Erbsünde verdorben)

Nebenbei: Papst Leo XIV. schwadronierte am 27.9. erneut, wie bei ihm immer üblich, mangels Kenntnis moderner Theologen, von den Zeiten seines „Vaters Augustinus“ im Altertum, vor allem über dessen großes Vorbild, den heiligen Ambrosius. LINK

Bitte beachten Sie auf dem Foto, siehe den genannten LINK,  die nicht gerade unbescheidene Sitz – Haltung Papst Leos auf seinem Thron bei Verkündigung dieser seiner Weisheit zur eigenen Unfehlbarkeit. Verkündet Leo XIV. bald ein neues Dogma „ex cathera“?

Inzwischen wurden 100 Sprüche von Leo XIV. veröffentlicht und sehr treffend als „mittelmäßig“ bewertet. Zum Kommentar dazu: Fußnote 1……..

Inzwischen haben (pensionierte) katholische Theologieprofessoren den Mut, Papst Leo XIV. und seinen theologischen Kurs öffentlich heftig, aber treffend zu kritisieren; komischerweise weisen sie nicht auf die extreme Augustinus-Bindung und ständige Augustinus-Zitiererei durch den Papst  hin; ist der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ der einzige, der das tut? Siehe trotzdem die Stellungnahme von Prof.em. Hans-Joachim Sander, Salzburg, vom 29.9.2025, Fußnote 2.

Am 8. Okober 2025: Selbst katholische Medien, von den Bischöfen abhängig, kritisieren die schwache, ängstliche Haltung Papst Leos gegenüber dem Regime von Donald Trump. Der US-Amerikaner Papst Leo XIV. aus Chicago habe bisher nicht grundlegend und deutlich und scharf die unsägliche Politik Trumps kritisiert, schreibt  kath.de am 8.10.2027:  „Umso bedrückender ist das Verhalten der katholischen Kirche. Von den US-Bischöfen kam bislang kaum öffentlicher Widerspruch gegen diese Entwicklung (hin zur Diktatur in den USA) , und auch aus dem Vatikan hört man nur verhaltene Töne… Zwar habe Papst Leo in allgemeinen Wort die so unmenschliche Behandlung von Einwanderern in den USA kritisiert.. .Aber:  „Direkte Kritik an der Regierung seines Heimatlandes war von ihm bislang  nicht zu hören…Es reicht nicht, allgemeine Appelle zur Nächstenliebe zu wiederholen.“  Quelle: LINK 

Am 12. Oktober 2025: Papst Leo weiht die ganze Welt (!) der Jungfrau Maria, und deswegen hat er auch die Statue des Marienwallfahrtsortes Fatima in Portugal nach Rom bringen lassen. Fatima ist unter denkenden TheologInnen der umstrittenste Marien-Wallfahrtsort, viele nennen die Ereignisse dort im Jahr 1917 schlicht und einfach obskur, abergläubisch  und konstruiert. Auf dieser Spur fährt Leo also weiter, wie seine Vorgänger, die Päpste können nicht auf diesen „Volksglauben“ verzichten, d.h. auf den Aberglauben, d.h. : Maria erscheint höchst persönlich mit einem Rosenkranz aus dem Himmel herunter in Fatima etc…) zu verzichten… LINK  

Am 12. Oktober 2025 lässt Papst Franziskus einen Bußgottesdienst im Petersdom feiern, weil ein Mann in aller Öffentlichkeit gegen den Hauptaltar  gepinkelt hat. Und katholische Kirchen sind Gotteshäuser, und Gotteshäuser müssen unbefleckt – sauber sein, denkt die katholische Theologie, so denkt auch Papst Leo XIV. Dass Sexualstraftäter unter den Priestern, die munter die Messe feier(t)en, die Kirchen viel mehr beflecken, entgeht den Herren im Vatikan.

Am 13. Oktober 2025: Papst Leo lobt den reaktionären, anti-modernistischen und antijudaistischen spanischen Kardinal Merry del Val (1865-1930)…Warum? Dieser Kardinal sei so bescheiden gewesen. Ein ziemlicher gefährlicher Blödsinn, was Papst Leo da sagt und tut, berichten denkende Theologen in Rom. LINK.   Aus dem Grußwort Leos an die Familie del Val: „Der Papst schloss seine Ansprache mit der Aufforderung an die Familie Merry del Val und alle Anwesenden, sich von dieser Persönlichkeit inspirieren zu lassen, insbesondere diejenigen, die im diplomatischen Bereich mit dem Nachfolger Petri zusammenarbeiten. Abschließend vertraute er diese Mission der Fürsprache der Jungfrau Maria an, der der Kardinal seine tiefe Verehrung bekundete.Quelle: LINK   Kardinal del Val wird von den traditionalistischen Pius-Brüdern hoch verhert. Weiß das Papst Leo?

Wenn man (am 13.10.2025) in Google sucht nach dem Stichwort „Freunde von Kardinal del Vals in Spanien heute“ erhält man diese Antwort:  „Kardinal Rafael Merry del Vals „Freunde“ in Spanien zählten vor allem zu den konservativen und traditionalistischen Kreisen der katholischen Kirche und der spanischen Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts, die seine monarchistischen, konservativen Ideale und seinen starken Antikommunismus teilten. Es gibt keine konkreten Informationen über ein formelles Netzwerk von „Freunden“ im modernen Sinne, doch seine engen Vertrauten zählten zu den hohen Geistlichen, Aristokraten und Politikern der Zeit, die seine politischen und religiösen Überzeugungen teilten. Konservative und katholische Kreise: Merry del Val war als Staatssekretär von Papst Pius X. eine prominente Persönlichkeit der katholischen Kirche. Zu seinen Freunden in Spanien zählten Mitglieder der kirchlichen Hierarchie und konservative katholische Laien, die seine Politik unterstützten. Gemeinsame Ideologie: Diese Affinität basierte auf seiner entschiedenen Verteidigung der Monarchie, seinem starken Antikommunismus und seinem katholischen Traditionalismus. Diese Ideen waren in den konservativeren Teilen der spanischen Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreitet. Politische und kirchliche Beziehungen: Wahrscheinlich gehörten seine Freunde zu den Bischöfen, Priestern und politischen Führern, die dieselben Werte vertraten und sich den liberalen und republikanischen Bewegungen der Zeit widersetzten.“

Am 26. Oktober 2025: Den reaktionären Katholiken hatte Papst Leo XIV. die Feier der Messe im alten lateinischen Ritus sogar im Petersdom erlaubt: Am 25. Oktober 2025 feiern sie also diese Messe dort mit sehr großer Anteilnahme der Gläubigen. Papst Leo ist sichtlich bemüht, diese reaktionären Katholiken wieder stärker in die übrige, auch nicht gerade progressive Kirche einzubinden. Das nennt der Papst dann, wie üblich schon, die augustinische Suche nach Einheit… Zur Messe im Petersdom. LINK 

Die spanische Publikation www.religiondigital.org.  hat zu dieser Messe im alten Stil einen ausführlichen kritischen Kommentar publiziert: „Die Geste von Leo XIV., Kardinal Raymond Burke zu erlauben, die Tridentinische Messe in Sankt Peter zu feiern, scheint eine Wunde zu öffnen, die niemals verheilen wird.“ Leo XIV. und die Nostalgie des Weihrauchs: Wenn die Liturgie das Volk vergisst“: LINK.
Siehe auch den Beitrag der FAZ, dort besonders das „hübsche“ Foto mit Kardinal Burke: Reaktionäre Katholiken wie die Kardinäle Burke, Müller, Sarah usw. halten theatralische Inszenierungen (auf Latein!) in alten Gewändern für Gottesdienste, in denen diese gutbetuchten Herren Kleriker „das letzte Abendmahl Jesu auf unblutige Weise wiederholen“, wie die offizielle katholische Lehre noch immer behauptet… welch ein Wahn.   LINK   
Am 8. Dezember 2025 veröffentlicht Papst Leo ein „Apostolisches Schreiben“ über die Priester. Aber es enthält eine Theologie von vorgestern. LINK 
Am 11. Dezember 2025: Papst Leo trifft im Vatikan rechtslastige, rechtsextreme Politiker:LINK 

Am 9. Januar 2026: Zur Neujahrsansprache Leos vor Diplomaten. Sogar Kardinal Reinhard Marx kritisiert die Allgemeinheit und geringe Präzision dieser Papst – Rede. Kardinal Marx: „Mit Vorsicht kommentierte Marx eine Äußerung von Papst Leo zum Thema Meinungsfreiheit. Er hätte sich gewünscht, dass der Papst hier konkreter geworden wäre, sagte Marx. In seiner ersten Neujahrsansprache an die beim Vatikan akkreditierten Diplomaten hatte Leo XIV. eine zunehmende Einschränkung der Meinungs- und Gewissensfreiheit in der westlichen Welt beklagt. Aus seiner Sicht, so Marx, wäre es besser gewesen, der Papst hätte hier konkretere Beispiele genannt.“ (Quelle: LINK 

Am 13. Januar 2026:  Über das „Konsistorium“ aller Kardinäle in Rom am 7. Jan.2026 schreibt der Jesuit Stefan Kiechle noch sehr vorsichtig, aber deutlich seine treffende Kritik, die sogar im offiziellen katholisch.de  veröffentlicht wurde: „Wäre dafür nicht ein Gremium geeigneter, das die Breite des Gottesvolkes besser abbildet? Mit allen Geschlechtern, Lebens- und Berufsständen, Altersgruppen, Kulturen? In synodalen Prozessen gibt es diese Gremien ja, zumindest ansatzweise. Wären die Beratungen dann nicht weniger klerikal und altersweise, dafür lebendiger, realitätsnäher, geschwisterlicher? Alle sind wir als Christgläubige eins in Christus …“.  weiterlesen: LINK

Fortsetzung folgt… 

Der Beitrag vom 19.9.2026:
1.

Eigentlich gibt es in dieser verrückten Welt(politik) sehr viel dringendere Themen, als sich mit dem christlichen „Allein-Entscheider“, dem Papst, zu befassen. Aber weil Leo XIV. nun einmal in den vergangenen Tagen des Septembers gleich dreimal hintereinander seine sehr konservative Theologie öffentlich dokumentiert hat, dieser Hinweis. Er könnte allen, die noch der Idee eines progressiven Leo XIV. anhangen, doch helfen, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und die eigene Lebenszeit besser nicht mit illusorischem Hoffen angesichts des Papsttums und des Papstes etc. zu verbringen,  zu vergeuden, hätte ich fast gesagt.

Papst Leo passt sich bestens ein in die herrschenden Mentalitäten der konservativen Wende weltweit.

In seinem ersten Interview (Buch) sagte Papst Leo gegen Ende des übermittelten Ausschnittes von kath.de: „Wenn wir uns viele Länder auf der Welt heute ansehen, ist Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles.“, behauptet Leo XIV. Er wehrte kurz zuvor die Vorstellung ab, auch für die katholische Kirche sei Demokratie etwas Gutes. Das ist altbekannter klerikaler Machtanspruch. Aber dieser hier schwarz markierte Satz : „Wenn wir uns viele Länder auf der Welt heute ansehen, ist Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles“ ist in dieser Allgemeinheit schon sehr sehr verstörend, man könnte meinen, der US Amerikaner Robert Prevost/Leo XIV. verstehe etwa die Zerstörung der Demokratie durch Trump doch als eine annehmbare „Lösung“?  LINK

Wenn Demokratie nicht die „perfekte Lösung“ ist, dann etwa die Autokratie, die Diktatur, die Ein-Mann-Herrschaft oder was? Welchen Unsinn redet da ein Papst. Demokraten haben nie behauptet, die „perfekte Lösung“ zu haben, aber eine bessere, weil stets reformierbare Regierungsform gibt es nicht. Demokratie muss ein Autokrat, und das ist ein Papst, natürlich abwehren. Die katholische Kirche ist ja stolz darauf, keine Demokratie zu sein. Die Äußerung Leo XIV. „Demokratie ist nicht unbedingt die beste Staatsform“ muss eine Schande genannt werden. Einen solchen Satz hätten auch die Päpste Gregor XVI., Pius IX. usw. sagen können, also Päpste des 19. Jahrhunderts.

Uns ist natürlich deutlich: Papst Leo spricht angesichts seiner Entscheidungen immer auch von „Beratungen“. Dabei weiß jeder: Beratungen und Diskussionen, synodale Beratungen manchmal genannt, gibt es in der katholischen Kirche, sie werden als Ausdruck „katholischer Moderne“ gelobt. Aber TATSÄCHLICH entscheidet allein der Papst nach allen diesen so genannten Beratungen. Von daher ist es sehr legitim, ihn und jeden Papst einen „Allein-Entscheider“ zu nennen.

2.
Die unter Nr. 3 ff. hier nur kurz erläuterten und dokumentierten jüngsten Stellungnahmen Leos bestätigen, ganz nebenbei, aber nicht ohne ein gewisses Selbstbewusstsein gesagt, was wir schon seit dem 8.Mai 2025 (Tag der Wahl eines Augustiners zum Papst) mehrfach geschrieben haben LINK: Wer als Papst mit der Theologie – und Ideologie (= Erbsündenwahn des Augustinus) – des heiligen Augustinus aus der Zeit der Antike sozusagen total verbunden ist, kann keine zeitgemäße Kirche, kann keine evangeliumsgerechte Kirche gestalten und reformieren und endlich einer Reformation zuführen.. Und: Der Augustinerorden (OSA) ist bekanntlich und nachgewiesen wahrlich keine Avantgarde (modernen) theologischen Denkens. Wenn die Augustiner Theologie betreiben, dann studieren sie in eigenen Instituten immer wieder die Werke ihres „Vaters“ Augustin…Sonst … leiten die Augustiner weltweit Pfarrgemeinden – wie die Weltpriester – oder betreuen Wallfahrtstorte. Zur Theologie der Befreiung in Lateinamerika haben sich Augustiner weder in Peru noch in Brasilien noch in Mexiko usw. geäußert. Sie sind einfach ängstlich, wollen es sich nicht mit den Hierarchien verderben. Ich freue mich auf Belege zu entsprechenden progressiven Veröffentlichungen aus dem Augustinerorden.

3.
Hier nur Hinweise auf die jüngsten Äußerungen von Papst Leo XIV.. Seine Worte zeigen, wie deutlich er die klassische Rolle eines alleinherrschenden Papstes angenommen hat, etwa wenn er sagt: „Ich werde überlegen, ich werde entscheiden“ etc., selbst wenn freundlicherweise auch das Hören auf andere behauptet wird. Warum hört er dann nicht auf die evidenten theologischen Erkenntnisse zu den von ihm geäußerten Themen?

4.
Frauen können ihre Hoffnungen bzw. Illusionen auslöschen: Das Diakonat für Frauen wird es nach den Worten des „Alleinentscheiders“ Leo nicht geben, das ist um so bemerkenswerter, weil gegen das Diakonat der Frauen absolut gar nichts theologisch -und menschlich !!! – spricht, man lese auch mal das Neue Testament zum Thema. Aber: Der uralten katholischen Dogmatik entsprechend gehören Diakone schon zum Klerus, DiakonInnen würden als Frauen dann in den Herrschaftsbereich des männlichen Klerus eintreten und — das wäre in der Sicht der geistlichen Herren ja nun wirklich furchtbar, ein Machtverlust etc. So wird also aus „Macho – Gründen“ möchte man sagen vom Alleinentscheider Papst das Diakonat aufs theologische Eis gelegt…Wie sich das mit der päpstlichen Rederei von „synodalen Wegen“ etc. verhält, steht in den vatikanischen Sternen… Und viele katholische Frauen werden wohl so klug (frustriert) sein, nun ihre Spiritualität auf neue Art zu leben – außerhalb dieses Männervereins Katholizismus.
LINK

5.
Papst Leo will unbedingt die reaktionären Kräfte in der katholischen Kirche halten, das versteht er wohl mit seiner ständigem Rede von „Einheit“. Den Traditionalisten will er jetzt entgegen kommen, so dass sie doch wieder ihre uralte lateinische Messe „guten Gewissens“ offenbar überall zelebrieren dürfen. Es ist hundertmal nachgewiesen worden: Wer die uralte Messe als Traditionalist verteidigt, der verteidigt eine ganz andere, antimoderne Theologie, anti-ökumenisch, mit starker Tendenz zu sehr rechten und rechtsextremen politischen Positionen. Das haben wir für Frankreich mehrfach nachgewiesen. Insofern folgt Papst Leo hier seinem deutschen Vorgänger im Amt, dem Joseph Ratzinger/Benedikt XIV. Er hat dafür gesorgt, dass politisch und theologische traditionalistische Kloster wie „Le Barroux“ in Süd- Frankreich sich wieder mit dem Papst versöhnten, einzige Bedingung Ratzingers war: Anerkennung des Papstes. Alles andere auch politisch rechtslastige Traditionalistische durften sie bewahren…
Und nun lieben auch so viele konservative junge KatholikInnen die lateinische Messe – etwa in Frankreich – sie lieben das Mysterium als das Mysteriöse, denn die lateinische Sprache der Messe werden sie wohl nicht so präzise verstehen. Zur päpstlichen Liebe zur alten Messe LINK

6.
Der reaktionäre Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea ist einer der heftigsten Feinde der Rechte von Homosexuellen und – wie die allermeisten anderen Bischöfe Afrikas – ein Feind der von Papst Franziskus möglich gemachten Segnungsfeiern von homosexuellen Paaren, diese Segnung ist absolut und total überhaupt NICHT mit einer Eheschließung zu verwechseln, wo käme der Vatikan denn dahin? Tatsache ist auch: Wer Segnungen von Homosexuellen in Afrika verteidigen würde, müsste die Menschenrechte von Homosexuellen in Afrika verteidigen, müßte sich dafür einsetzen, dass sie – wie in Uganda, Kenia, Nigeria usw. nicht länger verfolgt und diskriminiert und getötet werden. Insofern sind die feindlichen anti – gay- Äußerungen von Kardinal Sarah und Co. politisch und ethisch hoch gefährlich. Die Kirchengebote sind wie so oft wichtiger als Menschenrechte für den Klerus … das ist ein altes Thema.
Nun hat also Papst Leo in seiner großen „augustinischen“ (?) Behutsamkeit verlauten lassen, er wolle über diese doch bescheidenen Segnungsfeiern von Homosexuellen „neu nachdenken“. Sie also korrigieren… Das irritiert, hatte er doch zuvor eher die Fortsetzung der von Papst Franziskus vorgegebenen Weisungen bestätigt, etwa in Andeutungen im Gespräch mit dem Jesuiten James Martin aus den USA, der die Rechte der Homosexuellen verteidigt.

Die Stellungnahme des Papstes zur Segnungsfeier von Homosexuellen: LINK 

7.
Welchen Schluss können kritische theologische BeobachterInnen aus diesen jüngsten drei Stellungnahmen Leo XIV. ziehen? Es gibt keine Kirchenreform, die den Namen verdient, mit diesem Papst. Leo ist ängstlich, hat keinen modernen theologischen Schwung, keine eigenen vorwärts weisenden theologischen Ideen.
In den nächsten Wochen könnten sicher weitere Stellungnahmen folgen: Wir ahnen schon die Themen:„Das Zölibatsgesetz werde ich als Papst nicht abschaffen“. „Die Ökumene als versöhnte Verschiedenheit der Kirchen kommt für mich nicht in Frage“. „Die Zulassung zur Kommunion von wiederverheiratet Geschiedenen kommt für mich als Papst nicht in Frage“. „Offen homosexuelle Männer dürfen nicht zu Priestern geweiht werden“ (obwohl in den Klöstern wahrscheinlich die Mehrheit homosexuell lebt…).Und auch dies: „Die Regierung von Trump in meiner Heimat, den USA, werde ich nicht offen kritisieren“ und … dadurch die All-Macht des Diktators Trump weiter wachsen sehen..

8.
Allmählich ahnen wohl einige theologisch munter Gebliebene, warum die Kardinäle ausgerechnet den milden, behutsamen, konservativen, theologisch nun eher ungebildeten Augustiner Kardinal Prevost zum Papst gewählt haben. Wann werden Beobachter sagen – dieser Papst ist eigentlich … eine Fehlbesetzung angesichts der heftigsten Probleme dieser Welt und der Kirchen…Aber das werden nur sehr wenige katholische Theologen in dieser Deutlichkeit öffentlich – bestenfalls post mortem des Papstes – sagen, katholische Theologen und Ordensleute sind nämlich in den allermeisten „Fällen“ auch —- ängstlich, sie wollen ihre Karriere nicht behindern…

…….Fußnote 1:

Jetzt liegt bereits eine Sammlung von 100 Zitaten des Papstes Leo XIV. vor: „Der Friede sei mit euch allen“ ist der Titel, zusammengestellt hat das Büchlein (Verlag Neue Stadt, München, 2025) der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz! Diese Publikation ist der Versuch, nicht vorhandene theologische Publikationen des Papstes Leo ein wenig durch eine Sprüche-Sammlung zu kaschieren. Man könnte auch die Frage stellen: Was hat Robert Prevost eigentlich als Bischof in Chiclayo, Peru, gesagt und publiziert, war er dort etwa ein Befreiungstheologe? Und: Welche Reformimpulse gab er seinem bekanntermaßen eher verschlafenen Augustinerorden als Generalprior? Nichts bekannt.

Die Journalistin Christina Rietz hat das Büchlein der Zitate gelesen und nennt einige Weisheiten Leos: „Gott liebt uns, Gott liebt euch alle, und das Böse wird nicht siegen, hört auf euer Herz.“
Christina Rietz meint sehr treffend dazu: „Das ist alles liebenswürdig, aber erschreckend naiv und weltfremd.“ Sie sieht in diesen Sprüchen zurecht „das Scheitern des christlichen Idealismus in der Welt… und eine große Hilflosigkeit“. Sie
entdeckt in den Zitaten einen Papst als Autor, der ein „Mann der Mäßigung ist, emphatisch und sachlich zugleich … und auch ein bißchen mittelmäßig““ (Christ und Welt, Beilage der „ZEIT“, vom 11.9.2025, Seite 15.) Mittelmäßig ist wohl die treffende Bewertung. Vielleicht wollten die Kardinäle gerade einen „mittelmäßigen“ Kardinal zum Papst wählen. Einen, der in der totalen Klerusherrschaft, eben moderat, nicht durchgreift, schon gar nicht einen, der gar eine Reformation des Katholizismus will (wie Leos „Mitbruder“ im Augustinerorden Martin Luther).
Man kann also nur hoffen, dass Leo wenigstens mittelmäßig bleibt und nicht allzu sehr ins Konservative abrutscht…Dass Leos Theologie eher schlicht gestrickt ist, zeigt das Büchlein: „Christliche Phrasendrescherei“, sei es, schreibt Christina Rietz. Mit alten Sprüchen wird man wohl in einer Welt, von Diktatoren umzingelt und beherrscht, um nur Trump oder Putin zu nennen, nicht einen Frieden bewirken, der mehr ist als ein “Seelenfrieden“, der sich freut auf die bloß himmlische Erlösung und Befreiung. Der Papst und mit ihm die katholische Kirche muss endlich sehr aufpassen, dass sie mit ihren nur metaphysischen Trost – Ergüssen nicht Opium fürs Volk verteilt…

………Fußnote 2: Auf der website von „feinschwarz“ schrieb Prof. Sander, Salzburg.:https://www.feinschwarz.net/leo-xiv-ein-leichtmatrose-auf-schlingerndem-kirchenschiff/

 

……………………….

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Wird Papst Leo den Mut haben, sich gegen den Diktaktor Trump zu stellen und sich gegen die Abschaffung der Demokratie in den USA sehr deutlich auszusprechen?

Die 29. unserer „Unerhörten Fragen“: Von Christian Modehn am 9.9.2025

Diese 29. Frage vom 9.9.2025 muss am 21.9. 2025 einen neuen, einen aktuell treffenderen Titel erhalten: Hat der aus den USA stammende Papst Leo XIV. die Kraft, den Mut, sich gegen den Diktator Trump zu stellen? Unsere Prognose:  Diese Kraft hat Leo, der ausgeglichene, immer milde, immer zögerliche Augustiner, NICHT. Als Papst müsste er aber eigentlich um der Menschen willen dem Wahn der Abschaffung der Demokratie in den USA Einhalt gebieten, um der Menschenrechte willen… Aber die „Deklaration der Menschenrechte der UNO“ von hat der Vatikan nicht unterzeichnet… Na dann..

Unerhörte Fragen sind unerhört: Weil sie kaum jemand hören will. Will sie frech, aber wahr sind. CM. Und die „unerhörten Fragen“ beziehen sich immer auch auf Religionskritik: Eine Hauptbeschäftigung der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. 

1.
Papst Leo XIV. ist bekanntlich in Chicago als Robert Prevost geboren, vor genau 70 Jahren, am 14. September 1955. Wird er seine Heimatstadt retten können vor dem angekündigten Eingreifen der „Nationalgarde“ in Chicago? Wird er die bedrohten Menschen dort verteidigen? Militärs will der Diktator Trump alsbald in diese von Demokraten regierte Stadt senden. Denn er hat sein Verteidigungsministerium jetzt sehr treffend und, endlich mal ehrlich für die ganze (!) US – Geschichte, in „Kriegsministerium“ um-benannt. Jetzt erklärt der Diktator Trump den von Demokraten, also demokratisch, regierten US – Städten den Krieg. Ein Auftakt zum Bürgerkrieg? Nicht unwahrscheinlich bei einem Diktator, der, wie seine Fans, ideologisch nur ein Nihilist und ein „Dealer“ ist.

2.
Aber ist Papst Leo überhaupt in der Lage, seinen „Präsidenten“ öffentlich zu rügen, ihn zu verurteilen, ihn als Kriegstreiber zu bezeichnen? Wird Papst Leo sich explizit und deutlich, für alle wahrnehmbar, auf die Seiten der Demokraten in Chicago stellen?

3.
Wer auch nur ansatzweise etwas von der Diplomatie und der Politik des Papsttums verstanden hat und vor allem jetzt auch von der äußerst behutsamen und sehr ängstlichen Haltung dieses Papstes weiß, der führend im AugustinerOrden  ist und ständig in den Gedanken des antiken Theologen Augustinus denkt, und ihn lobt… (gestorben 430), der wird sich keine Hoffnung machen, dass der Chicagoer Bürger Prevost für seine Landsleute öffentlich und laut eintritt und den Diktator verurteilt.

4.
Es muss ein Wunder geschehen, dass ein von der Theologie des antiken Theologen Augustins geprägter Papst etwas Bahnbrechendes, Mutiges, wenigstens Wegweisende zugunsten der Menschenrechte etc. sagt. Aber als Papst weiß er: Allzu sehr darf er die Demokratie von anderen nicht fordern, wo doch die katholische Kirche als Institution sich sogar offiziell rühmt, KEINE Demokratie zu sein. Das sind die Zwänge der Bindung an uralte, verkalkte Traditionen…Die kann man letztlich nur überwinden, wenn man aufs Papsttum verzichtet, wie der Augustiner Pater Martin Luther OSA vor 500 Jahren sehr richtig sah.
Aber: Das ist totale Illusion. Bestenfalls Thema für eine unerhörte Frage Nr. 56.676 im Jahr 2120, falls dann Gottes Schöpfung, UNSERE gemeinsame, eigentlich schöne Erde, noch besteht, aber: eher unwahrscheinlich..

5.
Aber:  Vielleicht fährt Papst Leo im Umfeld seines Geburtstages in seine Heimatstadt und stellt sich den Nationalgarden leibhaftig entgegen. Ein Museum zu Ehren des Herrn Prevost haben die frommen Leute in Chicago schon eingerichtet, soll der Papst doch sein Museum einweihen.. Bisher hat Leo XIV. – wie alle vor ihm, Papst Franziskus war vielleicht ein bißchen anders – nur sehr zurückhaltend seine politischen „Besorgnisse“ geäußert oder die üblichen Mahnungen (BlaBla üblicherweise von Kennern genannt) daher gesagt oder hilflos zu Bittgebeten aufgefordert: Ja, ja, der liebe Gott im hohen Himmel wird es schon richten, weil sogar die Christen, die Katholiken, zu schwach, zum wirksamen Protest zu blöd und zu unkritisch sind…

6.
Aber, wenn Papst Leo als Chicagoer und US Bürger sich doch aufrafft und den Diktator Trump öffentlich einen Diktator nennt, der bitte sofort die Militärs aus Chicago und allen anderen US – demokratischen Städten abziehen soll, dann könnten Leo und die schrumpfende noch demokratisch verbliebene Welt erleben, wie dieser Trump mal so heftig rumtobt und dabei die katholische Kirche und den Papst verurteilt. Etwas Besseres könnte dem Papst und dieser Kirche nicht geschehen. Eine Ehre ist es doch, von einem Diktator verurteilt zu werden.

7.
Aber ich weiß: Papst Pius XII. hat deswegen Hitler nicht sehr deutlich verurteilt oder Hitler als Katholiken exkommuniziert, weil er als Papst „seine“ Kirche (immer gemeint: die klerikale Organisation !) retten wollte, die Rettung der Juden war dann zweitrangig… So wird es bei Leo – ewigen vatikanischen Zwängen entsprechend – wohl auch sein: Leise weinend wird er etwas widersprechen, den lieben Gott um Hilfe bitten, Augustinus zitieren, und: das war es. Und der Diktator hat gesiegt. Ein Schande.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer- Salon.de

Heilige Knochen und Verehrung heiliger Leichen: Die katholische Kirche ist auch heute vom Aberglauben bestimmt.

Hinweise zum Reliquienkult
Von Christian Modehn am 6.9.2025

1.
Ein Jugendlicher wird von Papst Leo XIV. heilig gesprochen: Am 7. September 2025 wird der Italiener Carlo Acutis, 2006 im Alter von 15 Jahren gestorben, nicht nur als Vorbild empfohlen. Er kann nun, als Heiliger, so die katholische Lehre, als Fürsprecher bei Gott angefleht werden. Genauso wichtig: Die Leiche des Jugendlichen Carlo darf, mit Silikon hübsch – frisch hergerichtet und frisiert, in einem Sarkophag aus Glas, wie eine steife Puppe ruhend, bewundert werden: Das schenkt der Kirche sicher reichlich Spenden der frommen Seelen. Details zum Leben dieses nun als „Cyber-Apostel“ propagierten Jugendlichen Carlo kann man im Internet finden, kritische Hinweise sogar bei katholisch.de LINK

Und sehr viel bessere, ausführlichere und kritische Hinweise zu Carlo Acutis bietet der Theologe und Publizist Michael Meier, Zürich, LINK

2.
Uns geht es hier um Grundsätzliches: Es geht darum zu begreifen, dass der Katholizismus auch im 21. Jahrhundert mittelalterlicher oder sogar antiquer Frömmigkeit verpflichtet ist. Nicht im entferntesten denken die Kirchenführer, etwa der Papst, daran, dieses Mittelalter aus der Kirchen zu verabschieden. Über den Ursprung des Reliquienkultes: Fußnote 1:

3.
Der katholische Hochschätzung einbalsamierter Leichen besteht also nach wie vor. Es ist etwa auch der Kult um den im offenen Sarg liegenden, hoch umstrittenen Scharlatan, den italienischen Heiligen Pater Pio, LINK.
Oder es ist der Kult, der sich mit Knochenresten oder bloß mit Herzen, „Reliquien“ genannt, von so genannten Heiligen begnügt. Der 2024 verstorbene Prälat Ewald Nacke, Mitarbeiter der päpstlichen Nuntiatur in Berlin, sagte mir 2004 in einem Interview für mein Radiofeature im RBB (Sendedatum 21.11.2004): “Es gibt etwa Reliquien von Mutter Theresa, zum Beispiel Tropfen ihres Blutes, die auf einem Kleidungsstück dann erhalten sind.“ Und dieses Kleidungsstückchen gilt dann als Reliquie. In Rom wurden sogar Blut-Reliquien des seligen Papstes Johannes Paul II. ausgestellt. LINK:

Selbst Papst Franziskus sorgte  dafür, dass der Glassarg des heiligen Scharlatans Padre Pio ausgerechnet im Petersdom 2016 ausgestellt wurde: LINK 

Wer Fotos der sichtbaren heiligen Leiche Padre Pios sehen will, etwa: LINK.

Die Verehrung der angeblichen Überreste der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom wurde z.B. den jungen Leuten beim Weltjugendtag in Köln nahegelegt. Im großen und ganzen ist der Kult um tote heilige Leiber oder fragmentarische Reliquien bzw. Reliquienfetzen ein einträgliches Geschäft, etwa in Trier, wenn da gelegentlich der – angeblich- heilige Rock, die Tunica, Jesu von Nazareth, ausgestellt, bestaunt und verehrt werden kann. Fußnote 2

4.
Das sture Festhalten am Reliquienkult und der Verehrung toter Körper durch die katholische Kirch hat natürlich auch finanzielle Gründe, ist aber vor allem Ausdruck einer Volksfrömmigkeit, die den Aberglauben der einfachen, schlicht denkenden Gläubigen nur fördert. Dumme Leute glauben gern, dürfte man sagen… Das unbeirrte Festhalten am Reliquienkult ist entschieden Ausdruck einer Ignoranz der katholischen Kirchenführung und ihrer Theologen, die unbedingt mittelalterlich bleiben will (anders könnte sie auch das Papsttum gar nicht verteidigen und beibehalten, denn kein vernünftiger Christ glaubt, dass Jesus auch nur im entferntesten ans Papsttum dachte). Die Ignoranz betrifft auch die Verachtung philosophischer Einsichten zum Reliquienkult etwa durch Philosophen wie Kant und Hegel, sie haben gezeigt: Der Reliquienkult ist bester Ausdruck einer total veräußerlichten katholischen Frrömmigkeit. Zu Kant: Link:     Zu Hegel, LINK:       Hegel betont in seinen „Vorlesungen über die Weltgeschichte“, (Band IV, Die germanische Welt, Meiner Verlag, 1968, S. 826) wie durch den„Reliquiendienst“ „eine förmliche Auferstehung der Toten erfolgte in den Zeiten des Mittelalters: Jeder fromme Christ wollte im Besitz solcher heiligen irdischen Überreste sein… Das Vermittelnde zwischen Gott und dem Menschen ist also etwas Äußerliches (die Reliquie).“

5.
Der katholische Kirchenhistoriker Prof.Arnold Angenendt (Münster) schreibt in seiner großen Studie „Heilige und Reliquien“, C.H. Beck Verlag, 1997, S. 264 im Zusammenhang der Reliquienkritik durch Immanuel Kant diese bemerkenswerten Worte: „Des Heiligen -und Reliquienkultes begann man sich jetzt zu schämen; er war zu dumm zugleich ekelhaft“.

6.
Diese Worte möchte man dem Papst (und allen für dumm gehaltenen Katholiken) zurufen, wenn er am 7. September 2025 einen Menschen zum verehrungswürdigen Heiligen erklärt und die Begeisterung für einen hübsch gemachten Leichnams empfiehlt: „Des Heiligen-und Reliquienkultes begann man sich jetzt zu schämen; er war zu dumm zugleich ekelhaft“.   Aber diese Hoffnung auf Vernunft im Katholizismus (man könnte auch sagen „Hoffnung auf heiligen Geist“) hat fast niemand mehr für den Katholizismus (von der Orthodoxie und den Evangelikalen ganz zu schweigen).

7.
Diese Heiligsprechung und die damit verbundene Zurschaustellung einer hübsch frisierten jugendlichen Leiche sind ein neuer Tiefpunkt in der spirituellen Entwicklung des Katholizismus. Aber die Reise „heiliger Knochen“ durch die weite Welt geht weiter: In der kommenden Woche (15. und 16. September 2025) weilen gewisse Körperteile der heiligen Theresa von Lisieux – in einem prächtigen Reliquienschrein – auf ihrer Tournee durch Deutschland in Berlin und Frankfurt/Oder. In einer säkularen und eher atheistischen Umgebung wird also der Aberglaube ganz offiziell offenbar mit bischöflicher Zustimmung verbreitet. Noch einmal Kant in leichter Aktualisierung: „Des Heiligen-und Reliquienkultes beginnt man sich in der römisch-katholischen Kirche leider NICHT zu schämen; obwohl er zu dumm zugleich zu ekelhaft ist. Vielleicht ist die Kirchenführung selbst zu dumm, was ihren Kult mit heiligen Knochen und hübsch frisierten Leichen angeht“…

Fußnote 1:
Schon im Jahre 167 begannen z.B. die ersten Christen, Reste und Überbleibsel ihres hoch geschätzten Heiligen Polykarp zu sammeln; sie wurden wie „Edelsteine verehrt“, heisst es in einem Brief aus dieser Zeit. Seit dem 2. Jahrhundert gibt es den christlichen Reliquienkult, er hat im Hochmittelalter seine Blüte erlebt; bis heute prägt er die Frömmigkeit der katholischen Kirche.Der Kult der toten Gebeine hatte sich längst zum internationalen Handel entwickelt, anders können seriöse Historiker dieses Phänomen nicht beschreiben! LINK https://www.kath.ch/newsd/handel-mit-heiligen-ueberbleibseln-boomt-obwohl-die-kirche-dies-streng-verbietet/

Fußnote 2:
Wir weisen auf eine heute wenig beachtete Entwicklung rund um den Kult des „Heiligen Rock“ hin: Im Jahr 1844 gab es eine große Wallfahrt zum „Heiligen Rock“ nach Trier mit einer halben Million Pilger. Gegen die dort offenkundige  Veräusserlichung des Glaubens protestierte Johannes Ronge, ein ursprünglich römisch – katholischer Priester, der ein Jahr zuvor wegen seiner Kirchenkritik als römisch -katholischer Priester suspendiert wurde. Ronge kritisierte 1844 den Kult um dieses Stück Stoff als „Götzenfest“, was ihm vielerlei Anfeindungen und Verfolgungen einbrachte. Ronge stand dann lange Jahre an der Spitze der neu gegrüpndeten „Deutsch – katholischen Kirche“, die viele tausend Mitglieder zählte, sozial sehr aktiv war, dogmatisch aber freisinnig blieb.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin