Religiöser Wahn bestimmt viele Politiker heute

Das neue Buch von Hamed Abdel – Samad
Ein Hinweis von Christian Modehn am 31. Oktober 2026

1.
Politiker und Staatspräsidenten, die von Demokraten treffender Despoten, wenn nicht Verbrecher genannt werden sollten, können und wollen nicht auf den heiligen Schein der Religion verzichten: Sie sakralisieren ihre Regimes, indem sie sich auf religiöse Traditionen berufen, fromme Sprüche aus heiligen Büchern zitieren, Theologen und Pastoren um sich scharen zum Gebet für den Präsidenten: Und
viele Leute, ebenfalls mehr am heiligen Schein als an der Menschenwürde interessiert, unterstützen diese Politiker, in Russland und den USA, in Israel und Iran, in Indien und Myanmar, in Chile und vielen Staaten Afrikas…

2.
Das neue Buch von Hamed Abdel-Samad „With God on their Side“ hat den Untertitel „Die unheilvolle Allianz von Politik und Religion“ (DTV, München, 2026): Auf 332 Seiten bietet der international bekannte – und von muslimischen Fundamentalisten mit einer Fatwa verurteilte – Kenner der heutigen religiösen Szene eine sehr gute Übersicht, wie denn weltweit „Religion wieder zur politischen Ressource wird: als Legitimationsquelle von Macht, als moralischer Schutzschild gegen Kritik und als Kompass für nationale Mobilisierung.“ (S. 24). Abdel-Samad schreibt klar und deutlich und scharf und gut nachvollziehbar. Wer den verworrenen Zustand der Welt heute verstehen will, muss den Missbrauch der Religionen durch die Herrscher verstehen. Das Buch „With God on their Side“ von Abdel-Samad bietet dazu einen guten Einstieg.

3.
Die religiösen Werte sind für Abdel – Samad und andere seriöse Religionswissenschaftler spirituelle Weisheiten für ein humanes Leben: Aber die herrschenden Despoten verfälschen spirituelle Weisheiten zu politischen Herrschafts-Ideologien, das gilt für die Führer der sich religiös nennenden Szene in den USA, in Indien, Israel, China, in der Türkei und in vielen muslimischen Staaten, in den reaktionären und rechtsradikalen Parteien Europas und so weiter. Interessant, wie Abdel – Samad in seinem Kapitel über China in dem aktuellen chinesischen „Social – Control – System“, also der Bewertung moralischen Verhaltens durch die kommunistische Führung, versteckte religiöse Tendenzen freilegt: Der alte chinesische Konfuzianismus wird jetzt als „kultureller Kitt“ eingesetzt, um Bürger gefügig zu machen und in die offizielle Staats-Moral einzupressen, im Sinne einer „beruhigenden Zivilreligion“(S.193).

4.
Das neue Buch von Hamed Abdel-Samad beschreibt in 16 Kapiteln diesen Missbrauch der Religionen: „Gemeinsam ist diesen Entwicklungen weniger eine religiöse Erneuerung als die strategische Politisierung religiöser Identität.“ (S. 249). Der Autor nennt immer auch die historischen Voraussetzungen für diese „unheilvolle Allianz“. Und er warnt die Europäer, bloß nicht zu glauben, sie würde diese Entwicklung nicht betreffen: „ Was in den USA (gemeint ist MAGA, die Clique um Trump, CM) politisch, kulturell oder akademisch zirkuliert, erreicht früher oder später Europa“. (S. 248).

5.
Wichtig ist, mit welchem Nachdruck der Autor für die Religionskritik als entscheidende Hilfe im Kampf zugunsten von universell geltender Menschlichkeit und Demokratie eintritt. Philosophie als das systematische und unabhängige Fragen und Forschen erhält eine neue praktische Bedeutung: Sie sollte auch in den Schulen einen viel größeren Stellenwert erhalten. Philosophie heute muss als eine neue Form der Aufklärung konzipiert werden, sie hat die Normen der Menschenrechte als universell geltend aufzuzeigen und zu lehren: Diese Normen gelten selbstverständlich auch für die Beurteilung der Religionen. Und das bedeutet etwas Grundlegendes: Kirchen, Religionen insgesamt, stehen also UNTER den universellen humanen Normen. Faktisch ist das nicht der Fall, weil sich Despoten der Religionen bemächtigt haben. Und sehr viele religiöse Führer, die noch die spirituellen humanen Werte der Religion unterstützen, zu schwach sind zum Widerspruch und Widerstand.

6.
Die Kirchenführer und ihre Theologen können eigentlich nicht hinnehmen, wie die politischen Despoten heute weltweit über die religiösen Weisheiten verfügen und diese missachten. Alle inter-religiösen Gespräche sollten von diesem Thema bestimmt sein.

7.
Das neue Buch von Hamed Abdel-Samad führt die LeserInnen zu weiteren Überlegungen: Wie deutlich und stark ist der Fundamentalismus noch in den großen Kirchen etwa Westeuropas präsent? Können sich die klassischen, angeblich heute modernen Kirchen (Lutheraner, Reformierte, Anglikaner, einige Katholiken) rühmen: Gegenüber den fundamentalistischen evangelikalen Kirchen und den Traditionalisten (etwa den Pius-Brüdern Erzbischof Marcel Lefèbvres) frei von fundamentalistischen Bibeldeutungen zu sein? Also modern zu sein? Gilt etwa die umfassende Anerkennung der historisch – kritischen Methode in der Interpretation der Bibel und wird diese Interpretation in die Kirchenlehre und Kirchenführung übernommen? Ein weites Feld der kritischen Forschung wird eröffnet, wenn man sich etwa in der aktuellen katholischen Dogmatik die Begründung für die Vorrangstellung des Papstamtes anschaut oder die nur dumm und ignorant zu nennende offizielle Ablehnung des Priestertums für Frauen. Und noch herausfordernder für die meisten Kirchen: Ihr Verständnis von Erlösung ist untrennbar mit der verstaubten, von kritischer Theologie längst überwundenen Lehre von der Erbsünde verbunden…

8.
Mit der Begründung von Politik durch religiöse Mythen wird der Willkür alle Macht überlassen: Gott sagt heute dies und morgen jenes, und Wunder gibt es immer wieder…Die Herrscher fühlen sich dabei nicht nur auf Gottes Seite, sie reden den Menschen ein, wie Gott selbst unantastbar zu sein. Herrscher – und Despoten-Kritik wird so schnell zur Blasphemie. Demokraten, die diese Regimes überwinden wollen, müssen sich nicht nur organisieren, sie müssen gut ausgebildete Religionskritiker sein, auch dies lehrt das wichtige Buch Hamed Abdel – Samad.

9.
Die Position Abdel – Samads ist klar: Kein Gebrauch religiöser Traditionen für die Gestaltung von politischer Herrschaft, auch keine unmittelbare Verwendung religiöser Mythen in der Politik der Demokratien. Religion als Spiritualität, als Leben gemäß der Weisungen heiliger Bücher, ist nur Privatsache. Der Autor übersieht dabei, dass einzelne religiöse Weisheiten der heiligen Bücher (etwa der Bibel) durchaus eine verstärkende Wirkung innerhalb der Politik der Menschenrechte haben können: Man denke an die biblischen Weisungen, wenn Juden und Christen in vielen biblischen Texten ermahnt werden: Das Tun der Gerechtigkeit über alles zu setzen, das lehren nicht nur einige Propheten des Alten Testaments, das lehrt auch das Neue Testament: Im „Ersten Johannesbrief“ heißt es: „Erkennt, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt“ (1 Joh 2, 29). Und im „Ersten Brief an Timotheus“ heißt es: „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind: Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken, freigebig sein und das, was sie haben, mit anderen teilen“ (1 Tim 6, 17 ff.).

10.
In den heiligen Schriften der Religionen, etwa in der Bibel, sind durchaus Perspektiven enthalten, die im Kampf um die Geltung der universellen Menschenrechte on Bedeutung sind.

Hamed Abdel – Samad, „With Good on their Side. Die unheimliche Allianz von Politik und Religion“. DTV, 2026, 336 Seiten, 26€.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin , www.religionsphilosophischer-salon.de

Das letzte Bild im Film „Vaterland“

Ein Hinweis zur Spiritualität des Films
Von Christian Modehn am 27.10.2026

Viele Bilder des Films „Vaterland“ von Pawel Pawlikowski setzen sich förmlich fest in der Erinnerung: Es sind wirklich Bilder,, nicht (wie üblich, schnell hintereinander geschnittene) „Szenen“ eines Films. Auch diese Ästhetik macht den Film „Vaterland“ zu einem Meisterwerk. Die großartigen Sandra Hüller und Hanns Zischler stellen Erika und Thomas Mann dar. Die Tochter begleitet den Vater im Juli 1949 nach Frankfurt (Main) und Weimar, in den Wochen, als Deutschland offiziell in die BRD und die DDR geteilt wurde: Historisch korrekt war es Katja Mann, die ihren Gatten Thomas Mann begleitete, aber der Film bietet eine eigene Interpretation…)
Thomas Mann hält in beiden Städten seine Rede  aus Anlass der Übergabe des „Goethe Preises“ (in Frankfurt) und des „Goethe – Nationalpreises“ (in Weimar). Es sind Reden, die den Geist des klassischen Humanismus wachrufen wollen in einem materiell zerstörten, ideologisch vergifteten geteilten Deutschland. Die Rede als O TON, vom HR zur Verfügung gestellt: LINK

Der Film ist sehr sehenswert, zumal er die Familie Mann in ihrer Tragik (Suizid des Sohnes, Klaus Mann) anrührend zeigt; irritierend auch, wie Thomas Mann im Film sich nicht aus der Fassung bringen lässt.
Das zerstörte Deutschland sichtbar ist, zerstört nicht nur die Städte, die Häuser, zerstört vor allem die Mentalitäten: Erstarrt sind die Gesichter, etwa beim Vortrag Thomas Manns, trostlos der Alltag. Deplatziert sind die Gesänge der Sowjetsoldaten zu Ehren des sehr bourgeoisen Thomas Mann. Deplatziert genauso die albernen Aufführungen von Schlagern und Songs im Westen, beim abendlichen Vergnügen im Hotel in Frankfurt.

Was aber vor allem im Gedächtnis bleibt: Die letzte Szene im Film:
Erika und Thomas Mann im Auto auf der Rückfahrt von Weimar nach Frankfurt: Sie entdecken eine Kirche, eher eine halbe Ruine. Halten an, sie treten ins demolierte, aber noch stabile Gotteshaus ein, hören Orgelklänge: Oben auf der Empore erklingt Musik von Johann Sebastian Bach. Die beiden setzen sich in den leeren, verwahrlost wirkenden Kirchenraum, ein Bild des Verfalls und Zerfalls. Aber an einem religiösen Ort wollen die beiden eine Pause machen, eine Unterbrechung auf ihrer Reise im zerstörten Deutschland.

Erika und und Thomas Mann sitzen in der leeren verwahrlosten Kirche, halten einander sanft an den Händen fest: Der Organist oben auf der Bühne hat längst wahrgenommen, dass Besucher den leeren Kirchenraum betreten haben. Und er spielt ein ziemlich berühmtes Stück von Bach. Es ist eigentlich ein Choral, nur: der Chor fehlt.
Aber die Manns kennen das Stück, Thomas Mann war ja ein begeisterter Liebhaber der Bach Musik.
Was hören sie da in dem ruiniert erscheinenden Gotteshaus?  Diese Frage werden sich viele Besucher des Films hoffentlich gestellt haben: Und Pawel Pawlikowski lässt vielleicht bewusst die Zuschauer rätseln: Was ist das für eine schöne Musik… Es ist die Melodie des Chorals „Jesus bleibet meine Freunde“.
Man muss kein frommer Christ sein, um nicht von diesem stillen Bild des Films „Vaterland“ tief berührt, wenn nicht erschüttert zu werden: Es ist die Musik, die Bach – Musik, die spirituelle, sagen wir christliche Musik Bachs, die nun die Nähe der beiden Menschen vertieft, die vielleicht Hoffnung weckt, Hoffnung auf einen neuen Humanismus, von dem Thomas Mann in Frankfurt und Weimar sprach. Und wer mit der Melodie auch den Text des Chorals vergegenwärtigt, kann sich beim Betrachten des musikalischen Bildes sagen: Jesus ist nicht nur „meine Freude“, vielleicht ist er auch (m)ein Friedensstifter, wenn man denn den Mann aus Nazareth als einen herausragenden Menschen, einen Lehrer der Weisheit, wahrnimmt. Er kann als herausragender Mensch trösten…Und Anregungen geben für einen neuen Humanismus, von dem Thomas Mann sprach. Vielleicht, zeitgemäßer, für die universelle Geltung der Menschenrechte, zumal der Armen, zumal derer, die für die Gerechtigkeit kämpfen.

Wer den Choral auch mit Chor-Gesang hören will: Wir empfehlen die gut und kostenfrei erreichbare Aufführung des Vokalensembles des NDR, Dirigentin Heide Müller. Der Choral gehört zur Kantate (komponiert 1723) „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147).

Man bedenke, dass der Text einen – für uns Heutige – eigenen befremdlichen und gerade deswegen inspirierenden Reiz hat: Das Gedicht verfasste ein Dichter des 17. Jahrhunderts: Martin Jahn (1620-1682) ist sein Name. Diese Verbundenheit mit Jesus von Nazareth hat im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Ausdruck gefunden. Wie finden heutige Verbundenheiten mit Jesus von Nazareth – falls es diese Verbundenheit noch gibt – ihren Ausdruck?

Der TEXT:
„Jesus bleibet meine Freude,
 meines Herzens Trost und Saft!
 Jesus wehret allem Leide,
 Er ist meines Lebens Kraft, 
meiner Augen Lust und Sonne,
 meiner Seele Schatz und Wonne;
 darum lass ich Jesum nicht
, aus dem Herzen und Gesicht.“

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Die Unruhen in Frankreich verstehen

Die Gewalt verurteilen, aber die vernünftigen Forderungen wahrnehmen
Ein Hinweis von Christian Modehn am 25. Oktober 2026

1.
Philosophieren und damit Philosophie leben niemals in einem abgeschotteten Bereich, in dem man sich als „Feingeist“ neutral aus der „Affäre zieht“ und gegenüber den politischen Forderungen der Gegenwart taub stellt.

2.
Auch die Unruhen in Frankreich, seit dem 17. Oktober und auch jetzt alles andere als abgeschlossen, verlangen kritisches, differenzierendes, philosophisches Nachdenken und Urteilen. Keine Frage: Tumult, brutale Gewalt, Plünderungen, brennende Häuser als Ausdruck radikalisierter Fanatiker sind überhaupt nicht zu akzeptieren. Aber genauso wenig ist es zu akzeptieren, dass maßgebliche Medien nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland, einseitig und voreingenommen die Schuld an den Unruhen der Partei „La France Insoumise“ („Das unbeugsame Frankreich“) geben und vor allem ihrem Parteiführer Jean – Luc Melenchon. Die „WochenTAZ“ vom 24.Oktober bringt einen erhellenden und ins Objektive führenden Beitrag des Journalisten und Autors Selim Nassi: 1946 in Beirut in einer jüdischen Familie geboren, hat er für verschiedene Zeitungen (etwa „Libération“) gearbeitet, er ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Wir empfehlen die Lektüre des ganzen Beitrags auf S. 5 der WochenTAZ bzw. im Internet: LINK.

3.
Wir zitieren einige zentrale Erkenntnisse des Beitrags von Selim Nassib, der unter dem Titel „Die Schuld der Macht“ veröffentlicht wurde.

4.
„Wer ist für das Chaos verantwortlich? Die Fakten deuten unmissverständlich auf das dem Ende entgegengehende Regime von Emmanuel Macron hin. Dieses hat das Land durch eine Mischung aus Angst, Dummheit und Fehlkalkulationen an den Rand des Abgrunds geführt. Seit dem Beginn der Mobilisierung der Schüler setzte Macron bewusst auf Repression. Dass Jugendliche, die friedlich gegen ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen protestierten, mit Tränengas und Schlagstöcken angegriffen wurden – wobei einer durch einen gezielten Schuss ein Auge und die Hälfte seines Kiefers verlor, während einem anderen durch eine Blendgranate die Hand abgerissen wurde –, sollte Angst verbreiten, von weiteren Demonstrationen abschrecken und den Protest im Keim ersticken. Es geschah das genaue Gegenteil. Die Schüler ließen sich nicht mehr bremsen: Ihre Bewegung breitete sich im ganzen Land aus, die Mobilisierung erfasste Lehrer, Eltern, „Gelbwesten“, Arbeitnehmer, Gewerkschaften … und der Aufstand gegen die hohen Lebenshaltungskosten verband sich mit dem der Jugend.“

5.
„Handelte es sich um ein Durcheinander, das völlige Inkompetenz offenbart? Oder war es gar Kalkül, das Chaos bewusst entstehen zu lassen – um sich in einem zweiten Schritt als Partei der Ordnung zu präsentieren und die Schuld dafür der Partei „La France Insoumise“ in die Schuhe zu schieben?…Nun enthüllte die Online-Tageszeitung Mediapart, dass die Regierung die Geheimdienste – und zwar ganz konkret – angewiesen hat, zu lügen, um LFI zu belasten. Prompt erklärte daraufhin die Pariser Staatsanwältin, sie könne eine Verwicklung der Ultralinken in die Gewalttaten „absolut nicht bestätigen“.
Das Manöver der Regierung erweist sich als derart verlogen und erbärmlich, dass sich selbst linke Parteien, die man gewiss nicht der Sympathie für „La France insoumise“ verdächtigen kann – wie etwa Raphaël Glucksmanns „Place publique“ oder die Sozialistische Partei von Olivier Faure –, gezwungen sehen, LFI in Schutz zu nehmen, wenn auch nur halbherzig.“

6.
„Wenn die Machthaber auf die Forderungen einzig mit roher Gewalt reagiert haben, dann deshalb, weil ihnen schlichtweg das Geld fehlt, um Schulen zu renovieren, das Bildungssystem zu reformieren oder die Lehrkräfte angemessen zu bezahlen. Die Kassen sind leer und das Land ist hoch verschuldet. Missmanagement? Zweifellos. Doch allgemeiner betrachtet: die verheerenden Folgen des Kapitalismus.
In diesem Jahr haben die großen französischen Unternehmen 70 Milliarden Euro an Dividenden an ihre Aktionäre ausgezahlt. 70 Milliarden! Das ist weltweit die zweithöchste Ausschüttungssumme gleich nach den Vereinigten Staaten, während die Schüler den zur Lösung ihres Problems erforderlichen Betrag auf (lediglich) 10 Milliarden beziffern.
Das System gleicht einem gigantischen Staubsauger, der den nationalen Reichtum absaugt und in die Kassen der Besitzenden befördert – während immer mehr Familien den Gürtel enger schnallen müssen und Schulen, Krankenhäuser sowie sämtliche öffentlichen Dienste verzweifelt um Hilfe schreien.“

7.
„Wie man sieht, gehen die Auswirkungen der Krise in Frankreich weit über die nationalen Grenzen hinaus. Um es klar zu sagen: Eine internationale Koalition setzt sich weltweit nachdrücklich für einen Sieg der extremen Rechten ein – mit dem Kampf gegen die Einwanderung als zentralem Thema. Da die globale Erwärmung droht die Hälfte des Planeten unbewohnbar zu machen, wird es zwingend erforderlich, Barrieren zu errichten, um den Ansturm der Elenden – Muslime, Araber und etwa Mexikaner – auf die Festungen der Begüterten zu verhindern. Angesichts des Aufstiegs der AfD in Deutschland, der gefestigten Position von Giorgia Meloni in Italien und einer möglichen Machtübernahme des Rassemblement National in Frankreich droht Europa – in der Form, wie es sich seit dem Krieg entwickelt hat – der Zerfall.“

8.
„Ganz gleich, wie die Analysen und Warnungen ausfallen – es ist leider sehr wahrscheinlich, dass den französischen Wählern vom 17. Oktober vor allem die Bilder von Zerstörungen und Plünderungen im Gedächtnis bleiben, die in Endlosschleife im Fernsehen und in den sozialen Netzwerken zu sehen sind. Daraus wird ein verzweifelter Wunsch nach Ordnung entstehen – ein Bedürfnis, das nur eine einzige Partei zu stillen vermag, zumindest auf der Ebene der Wunschvorstellung: der Rassemblement National.“
Soweit einige Zitate aus dem Beitrag von Selim Nassib, der Artikel für die WochenTAZ wurde Barbara Oertel aus dem Französischen übersetzt.

9.
Die rechtsradikale Partei „Rassemblement National“ (RN) und ihre Führerin Marine Le Pen gaben sich auch auf dem Parteitag in Orléans am 25. Oktober eher gemäßigt. Orléans, dies ist die Stadt der Jeanne d Arc, sie hat die Ausländer damals erfolgreich aus Frankreich vertrieben, welche ein „heiliges Vorbild“ für die Rechtsradikalen… Schon der notorische Antisemit und langjährige Parteiführer Jean – Marie Le Pen huldigte gern zusammen mit katholischen Traditionalisten in Paris die „heilige“ Jeanne d Arc, diese Kämpferin gegen die bösen Ausländer, damals waren es Engländer… Marine, die Tochter Le Pens, will unbedingt das konservative Milieu erreichen und so ihren Sieg bei den Präsidentschaftswahlen sichern. Darum ist sie etwas milde… Und die Fans, die in Orléans versammelt sind, wollen nur eins: „Nur die Ordnung“: Ihnen wurde von vielen Medien und den regierenden Parteien eingeredet: Diese bösen radikalen Schüler und Studenten wollen dir dein Eigentum wegnehmen… das berechtige und vernünftige Anliegen der vielen tausend friedlich Demonstrierenden wurde dabei bewusst außer acht gelassen…So läuft eben permanente Beeinflussung durch konservative Medien…

10.
Was aber ist die Ordnung, die eine rechtsradikale Präsidentin schaffen wird? Sicher nicht die Ordnung eines pluralen Rechtsstaates, in dem die Menschenrechte an oberster Stelle stehen. Es ist die Ordnung der Autoritären und Anti – Demokraten und Anti – Europäer… Gegen dieses Regime werden die vernünftigen Bürger dann rebellieren?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon

 

Unbedingt!? Wo ist denn das Unbedingte im Leben?

Ein Hinweis von Christian Modehn am 14. Oktober 2026

Zur Einstimmung:
Der Hinweis „Unbedingtes im Leben verstehen“ will zeigen: Mitten im Leben sind wir Mensch mit der Erfahrung des Unbedingten konfrontiert. Was ist mit der Wahrnehmung des Unbedingten im Selbst – Bewusstsein sozusagen „enthalten“, ist auch eine Verbindung zum Göttlichen, zu Gott, gegeben?
Diese Frage bewegt viele Menschen, die in diesen Zeiten des Niedergangs des dogmatischen Kirchenglaubens in Europa eine Verbindung suchen mit einer vernünftig begründeten Transzendenz, einem Göttlichem, das sich im Geist der Menschen selbst zeigt. Dieses Göttliche entzieht sich selbstverständlich festlegender Definitionen.
Wir wurden auf dieses Thema erneut aufmerksam durch einen Aufsatz von Jürgen Habermas. (Fußnote 1).

Eine Erinnerung an den Begriff Unbedingtes: Ausgangspunkt kann dabei die Reflexion auf die Erkenntnis aller Objekte der Welt sein, diese verweisen auf anderes, sie bestehen nur unter der Voraussetzung von Bedingungen: Das Ding A gibt es, weil es das Ding B gibt und dieses, weil es ein Ding C gibt usw. Es gibt eine unendlich weite, lange Welt von endlichen Bedingtheiten. Aber dann die Frage: Zeigt sich in der Reflexion auf diese Bedingtheiten in ihnen selbst etwas Unbedingtes? „Leben die Dinge förmlich vom innewohnenden Unbedingten?“ Oder – ins Religionsphilosophische fragend: Wer oder was hat diese ganze bedingte Welt gesetzt? Wenn es dieses Setzende der vielen Bedingtheiten gibt, dann kann es nur als Unbedingtes gedacht werden, denn sonst würde es zur endlichen Welt der nur Bedingten gehören…

1.
Habermas nennt ein Beispiel aus der sprachlichen Kommunikation. In ihr zeigt sich Unbedingtes: „Niemand besitzt eine exklusive Verfügung über das gemeinsame Medium der Verständigung. Kein Teilnehmer (einer sprachlichen Kommunikation) kann alleine die Struktur oder gar den Verlauf von Prozessen der Verständigung und Selbstverständigung kontrollieren“, schreibt Jürgen Habermas (Seite 53). Darin wird Unbedingtes für alle Gesprächsteilnehmer erlebt. Sie stehen unter Ansprüchen der Kommunikation, über die sie als Gesprächsteilnehmer nicht verfügen.
Die Teilnehmer der Kommunikation können nicht der Bindung an das Gespräch bestimmenden unbedingten Anspruch entkommen:
Nicht nur die allen gemeinsame Verständlichkeit der Worte füreinander soll unbedingt gelten, sondern auch der Anspruch, einander die Wahrheit zu sagen: Menschen, die mit einander sprechen, binden sich also selbst an den Anspruch der Wahrheit, selbst wenn sie diese Bindung nur selten explizit wissen und einander mitteilen.
Auch der Lügner entkommt dieser Bindung an die Wahrheit nicht: Er glaubt für sich selbst in einem Gespräch, dass seine Worte seine, nur für ihn geltende Wahrheit ausdrücken. Und er behauptet den anderen gegenüber, die Wahrheit zu sagen.
Indem Habermas auf die Erfahrung des Unbedingten im alltäglichen Kommunizieren aufmerksam macht, will er das Unbedingte aus der Sphäre des Spekulativen befreien und in den menschlichen Alltag setzen.
Der Einsicht, immer gebunden zu sein an die Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen, sollte sich jeder stellen: Habermas spricht in dem Zusammenhang vom „Logos der Sprache“, also von der Vernunft, der geistigen Kraft der Sprache, die an Wahrheit bindet. Dieser „Logos“ bestimmt jeden Sprechenden, er ist eine ihm schon immer schon vorgegebene Tatsache, sie stellt sich in jeder Kommunikation wie von selbst ein.
Habermas geht noch weiter: Dieser Logos der Sprache macht „unser Selbstsein möglich“, schreibt er. Weil inmitten der Kommunikation Strukturen des Menschen sichtbar werden, etwa die Freiheit, die Wahrheit zu sagen, den anderen als anderen zu respektieren, den Dialog als Eröffnung der Welt zu erleben, das sind Strukturen des „Selbstseins“.
Die in der Vernunft erlebte Bindung, die Wahrheit zu sagen, ist insofern etwas Unbedingtes, weil sie sich menschlicher Manipulation entzieht, weil sie aus sich allein besteht: Man kann als permanenter Lügner diese in der Vernunft gegebene Bindung an Wahrheit zwar zeitweise stilllegen, aber man kann diese Bindung an Wahrheit nicht total abschaffen. Auch ein permanenter Lügner wird irgendwann selbst die Wahrheit sagen müssen, mitten im Alltag, etwa wenn er offen zugeben muss, erkrankt zu sein und Hilfe zu brauchen. Notorische Lügner wie Mister Trump werden nicht lügen, wenn eine Aktion Ihnen weiteren finanziellen Gewinn bringt.
Dieses „Bestehen (der Bindung an Wahrheit) aus sich selbst allein“ , ist für Habermas, die „gründende Macht unserer sprachlich konstituierten Lebensform.“ (ebd.)

2.
Habermas qualifiziert seine Überlegung zum „unbedingten Geltungsanspruch“ in der Kommunikation als eine, so wörtlich, „bescheidene Interpretation der gründenden Macht einer sprachlich konstituierten Lebensform“ (S. 53), er spricht aber „von einer Unbedingtheit in einem schwachen, prozeduralen Sinne“, „ohne ontologische Gewähr“: Das heißt: Diese Unbedingtheit hat für Habermas keinen Verweis auf eine ontologisch gegebene Unbedingtheit, die – etwa in einer klassischen Metaphysik – als Erfahrung der Präsenz eines Absoluten (einer göttlichen Substanz) inmitten des Lebens erfahren und verstanden werden könnte.
Wichtig ist für Habermas das Wort „prozedural“. Prozedural bedeutet: Die Gültigkeit eines Begriffes oder Wertes ergibt sich nur aus dem fairen Gespräch der Teilnehmer… und darauf können sich grundsätzlich alle einigen.
Der Begriff, der Wert „Unbedingtheit“ wird deswegen als gültig erklärt, weil sich alle in das Gespräch involvierten Menschen auf diesen Begriff einigen. Dass dadurch der Begriff Unbedingtheit in die freie Willkür der involvierten Menschen übergeben wird, ist bemerkenswert und sicher typisch für eine Philosophie, die der Säkularität verpflichtet ist und sich im immanenten, endlich begrenzten Raum aufhält. Es wird nicht mehr weitergefragt, woraus denn diese Unbedingtheit ihre von Menschen wahrgenommene Existenz bezieht: Metaphysisch bleibt die vorsichtige Frage: Kommt die Erforschung des Bedingten ohne ein Unbedingtes aus, das selbst keinerlei Bedingungen kennt, also so etwas wie eine schöpferische Kraft von allem und in allem verstanden werden könnte ??

3.
Weiterführend ein Hinweis auf einen Aspekt der Philosophie Immanuel Kants: zum Unbedingten im menschlichen Selbstbewusstsein.
Kant hat in seiner praktischen Philosophie, und zwar im „kategorischen Imperativ“, die entscheidende universell gültige Erkenntnis formuliert: Im Bewusstsein tritt uns Unbedingtes entgegen: Die kategorische Forderung stellt sich in der Lebenspraxis – wie von selbst – ein: „Handle nur nach derjenigen deiner Lebens-Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“
Das bedeutet: Das endliche Bewusstsein des bedingten Menschen ist fähig, eine unbedingte Forderung des moralischen Sollens in sich zu wissen. Das ist auch schon für eine Anthropologie von großer Bedeutung: Denn diese Erkenntnis setzt alle Menschen, endliche Menschen, in Erstaunen: Unbedingtes lebt im bedingten Menschen. Unser Bewusstsein verbindet Bedingtes und Unbedingtes, wenn wir uns auf die unbedingt geltende Erkenntnis des Kategorischen Imperativs einlassen.
Der Kategorische Imperativ hat für den Menschen nur Bedeutung und Sinn, weil ihm vom Menschen (als dem Bedingten) auch entsprochen werden kann, er kann geleistet werden in Freiheit. Sonst hätte die sich im Bewusstsein zeigende kategorische Forderung keinen Sinn.
Es gibt zweifellos Menschen, die dem Kategorischen Imperativ nicht entsprechen, man denke an die verbrecherischen Politiker der Gegenwart, die Kriegsherren, Multimilliardäre etc., sie können den Kategorischen Imperativ im Laufe ihres verbrecherischen Lebens sozusagen „kaltstellen“, aber gänzlich auslöschen können sie ihn nicht.
Die Erkenntnis sozusagen etwas griffig formuliert: Menschen haben das Unbedingte als Sollen sozusagen in sich. Und sie können dem im Handeln entsprechen, und dadurch einen positiven Zweck in der Welt realisieren: Erstrebt wird dabei das „Höchste Gut“, wie Kant sagt, ein Begriff, der explizit an das Symbol „Reich Gottes“ erinnert. (Siehe dazu etwa Jürgen Habermas in seiner Reflexion zum „Höchsten Gut“ in: „Zwischen Naturalismus und Religion“, Suhrkamp, 2005, S. 224.)

4.
In seinen posthum veröffentlichten Notizen geht Kant noch weiter:Darin identifiziert Kant die moralische Pflicht des Menschen, die sich im Kategorischen Imperativ zeigt, mit Gott selbst. Kant denkt also den im Menschen, in seiner Vernunft, immanenten Gott. Die „Internet Encyclopedia of Philosophy“ hat diesen Aspekt der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie des alten Kant weiter entfaltet: Gott wird förmlich mit dem „inneren vitalen Geist des Menschen in der Welt identifiziert. (Quelle: https://iep.utm.edu/kant-rel/#H7==

5.
Zu unserem Hinweis über das Unbedingte inmitten des menschlichen Lebens gehört auch eine Reflexion auf die „Trias“, also die so genannten drei „Transzendalien“, also das Wahre, Gute und Schöne. Es werden Strukturen sichtbar, die in jedem lebendigen geistigen Vollzug tätig anwesend sind. Sie sind Strukturen, die im Vollzug des Denkens stets wie von selbst wiederkehrend wirken und die von der menschlichen Freiheit nicht auszuschalten sind. Diese Strukturen sind Qualitäten der Vernunft, sie zeigen sich in der Vernunft, sind ein Kennzeichen der Vernunft: Sie bestehen aus sich selbst, sind nicht von bestimmten Dingen bedingt. Es handelt sich um die Bindung jeder Erkenntnis und Handlung an den formalen Anspruch, wahr, schön und gut zu sein. Jegliche Behauptung muss sich des formalen Anspruchs bedienen, wahr, schön und gut zu sein. Diesem Anspruch entkommt niemand, auch nicht der Übeltäter, der für sich glaubt und dies gegenüber anderen behauptet, gerade im Verbrechen noch für sich selbst Gutes zu tun. Diesem Anspruch entkommt auch nicht der Lügner, der für sich glaubt, in der Lüge Wahrheit zu sagen; auch nicht der Freund von Kitsch oder Widerwärtigem, Häßlichen: Er ist überzeugt, nach seinem Geschmack etwas Schönes zu schätzen und zu verehren.

6.
Über die Menschenrechte und das Völkerrecht wäre in unserem Zusammenhang zu sprechen, also über die Frage nach dem Unbedingten inmitten der geistigen Lebenspraxis. Formuliert der erste Satz des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ etwas Unbedingtes, etwas unbedingt Geltendes? Sicher ist das so als Leitlinie gemeint, bevor im einzelnen gefragt wird was ist die Würde, wann ist ein Mensch ein Mensch, und was bedeutet unantastbar, unantastbar von wem? Dieser Artikel 1 des Grundgesetzes darf niemals gegenüber anderen Interessen des Staates oder der Gesellschaft abgewogen oder relativiert werden. Es gibt zudem den Artikel 79, dort Absatz 3 des Grundgesetzes: Dort ist von einer Ewigkeitsklausel die Rede: Diese Ewigkeitsklausel schützt den ersten Satz des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Diese Erkenntnis gilt unbedingt, sie darf niemals geändert oder gar abgeschafft werden.

Das heißt: In dem säkularen demokratischen Staat Bundesrepublik Deutschland gibt es in der Verfassung gleich zu Beginn die Dimension des Unbedingten…Und wenn dieser „erste Satz“ im Grundgesetz auch eine Basis der universell geltenden Menschenrechte ist: Dann gilt es zu überlegen, was die Unbedingtheit der Menschenrechte philosophisch bedeutet und in welche metaphysischen Dimensionen wir da möglicherweise geführt werden….

Zur Vertiefung siehe unseren Hinweis zur Vernunftreligion als der Religion der einen Menschheit: LINK

Fußnote 1:
Über Unbedingtheit spricht Jürgen Habermas in einem Vortrag im Jahr 2000, anläßlich eines Kolloquiums über den Philosophen Jacques Derrida. „Wie die ethische Frage zu beantworten ist: Derrida und die Religion“, in: Habermas, „Ach, Europa“, Suhrkamp, 2008, S. 40 – 62.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-salon.de (Berlin)

Philippe Sands: Die Rede am 11.10.2026 in der Paulskirche, Frankfurt

 

Der TEXT der Rede von Philippe Sands in der Paulskirche am 11.10.2026 ist tatsächlich im Internet erreichbar: https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/alle-preistraeger-seit-1950/2020-2029/philippe-sands#c5146

Wir zitieren einen besonders wichtigen Teil der Rede von Philippe Sands:

„Frieden braucht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Regeln. Regeln brauchen das Recht. Und das Recht und Gesetze gelten universell, nicht selektiv. Genau das meint das Rechtsstaatsprinzip. Doch das Recht agiert nicht im luftleeren Raum. Das habe ich gelernt. Autor*innen und Literatur haben eine Funktion, indem sie uns an Orte bringen, wo Anwälte und Richterinnen nicht auftreten. Wie Haffner anmerkte: Als die Legalität verschwand, verschwand auch die »Welt der Bücher und der Diskussionen«. Dies ist ein Thema meines jüngsten Buches, Die Verschwundenen von Londres 38, über die Ära Pinochet. Während dreier Jahrzehnte versäumten es die chilenischen Gerichte, sich mit den Verbrechen zu beschäftigen, also brachen die Autor*innen das Schweigen. Pablo Neruda sagte es voraus, dann erzählten Bruce Chatwin, Pedro Lemebel und Roberto Bolaño.
So ist es heute wieder, weil Nationalismen und Populismen Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und mehr hervorbringen. Grenzen werden verletzt, Zivilist*innen ins Visier genommen, Verbrechen begangen, Kräfte entfesselt, rechtsfreie Räume geschaffen. Auch die Natur wird angegriffen, wie der Klimanotstand dieses Sommers bestätigte. Im April nächsten Jahres werde ich The Fifth Crime veröffentlichen, einen Appell, den vier internationalen Verbrechen bzw. Völkerstraftaten, die uns Menschen schützen, ein weiteres hinzuzufügen. Auch diejenigen, welche die Natur zerstören, sollten zur Rechenschaft gezogen und vor ein internationales Gericht gestellt werden. Inspiriert von Autor*innen wie Rachel Carson und Christopher Stone, heißt dieses Verbrechen ›Ökozid‹.

Und als wären unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Zerstörung der Natur, die uns erhält, nicht genug, beschließen wir, eine neue Abhängigkeit zu entwickeln: von Technologien und künstlichen Intelligenzen, die uns zu vernichten drohen. Die Conditio humana, gefangen zwischen Anstand und Zerstörung – das ist so absurd, das kann man sich nicht ausdenken. Wie soll man es erklären? Lesen Sie den Anfang von Éric Vuillards Roman Die Tagesordnung – eine Versammlung von führenden Industriellen macht ihren Frieden mit Herrn Hitler – und sehen Sie sich dann die Ansammlung führender Tech-Mogule bei der Amtseinführung des 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten an, die ihren eigenen Frieden machen. Ehrgeiz, Gier, Narzissmus, fragile männliche Egos. Plus ça change, plus c’est la même chose – je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Round and round we go – wir drehen uns im Kreis. Was ist zu tun?
Jede Gemeinschaft hat ihre Regeln, die internationale Gemeinschaft ist da nicht anders. Es nennt sich Völkerrecht, und es existiert seit Jahrhunderten. Die meisten der Regeln funktionieren gut. Sie sind nicht im Begriff zu verschwinden, auch wenn einige ernsthaft verletzt werden. Jetzt ist die Zeit, für sie einzutreten, nicht zu schweigen; Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen, unsere Prinzipien hochzuhalten, auf sie zu bauen. Zeit, um zu widerstehen, nicht um zu verzagen, denn für das Rechtsstaatsprinzip braucht man einen langen Atem. Dies ist die Lektion von Lauterpacht und Lemkin. Wenn der Feind uns bei der Kehle packt – wie Spencer Tracy in dem Film Urteil von Nürnberg erklärt –, ist es an der Zeit, unsere Prinzipien zu verteidigen. Und zu diesen Prinzipien gehört die Sprache des Rechts.

Vor einigen Jahren vertrat ich einen Abschnitt des Falles, der von Gambia vor den Haager Gerichtshof gebracht worden war, das Myanmar genozidaler Handlungen gegen die Gemeinschaft der Rohingya beschuldigte. Mir gefiel nicht viel von dem, was meine Gegenspielerin, eine Nobelpreisträgerin, an jenem Tag im Gericht sagte, aber eine Zeile war denkwürdig: »Es kann durchaus sein, dass das Völkerrecht unser einziges globales Wertesystem ist«, sagte Aung San Suu Kyi zu den Richtern. Sie hatte recht. Ich bin nicht blauäugig, das Völkerrecht ist nicht perfekt, uneingeschränkt wirksam oder gefeit gegen Äußerungen roher Gewalt. Aber eine Welt ohne Regeln ist unsinnig. Und diese Regeln sind nicht bloß für andere da, für unsere Feinde. Sie sind universell. Sie sind auch für uns da und unsere Freunde.

Was mich wieder auf Deutschland bringt, das sich wie kein anderes Land mit den Verbrechen seiner Vergangenheit beschäftigt hat und mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Doch da hängt eine schwere Last der Verantwortung, wie der Albatros, der um den Hals des alten Seemanns hängt, in Samuel Taylor Coleridges denkwürdigem Gedicht.1
Die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 waren entsetzlich. Sie erinnerten an die Pogrome, die Raphael Lemkin veranlassten, das Wort ›Genozid‹ zu erfinden. Ich war zutiefst schockiert an jenem Tag, doch ich fürchtete auch das, was folgen würde. Zusammen mit anderen britischen jüdischen Anwälten – darunter ein früherer Präsident des Obersten Gerichtshofs – schrieben wir eine Kolumne für die Financial Times. Wir stellten drei Punkte klar:
1. Die Taten der Hamas auf dem Staatsgebiet Israels waren eine ungeheuerliche Verletzung grundlegender Normen des Völkerrechts.
2. Wie jeder Staat hat Israel das Recht, in Selbstverteidigung zu reagieren.
3. Dieses Recht ist nicht unbegrenzt und muss innerhalb der Grenzen des Völkerrechts ausgeübt werden.
Ich halte an diesen drei Punkten fest und bedauere, dass unsere Befürchtungen sich bewahrheiteten. Völkerstraftaten wurden am 7. Oktober auf dem Territorium Israels und anschließend auf dem Territorium Palästinas, im Gazastreifen und im Westjordanland begangen. Die Bezeichnung, die man diesen Verbrechen geben soll, ist umstritten. Lemkin hätte wahrscheinlich beide als ›Genozid‹ bezeichnet, aber seine Definition legte die Messlatte niedriger als die später in der UN-Völkermordkonvention von 1948 angenommene. Der Internationale Strafgerichtshof hat Führer auf beiden Seiten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, aber nicht – zumindest vorerst nicht – wegen Völkermord.

Südafrika hat am Internationalen Gerichtshof, einem anderen Gericht in Den Haag, eine Klage eingereicht. Sie unterstellt einen Völkermord im Gazastreifen. Im nächsten Monat wird dieses Gericht sein Urteil im Fall Gambia vs. Myanmar fällen. Seine Interpretation und Anwendung der Konvention von 1948 wird erkennen lassen, ob Südafrika Erfolg haben oder scheitern wird.
Wie auch immer die Entscheidungen aussehen werden, die Debatte über Bezeichnungen ist, so fürchte ich, ein nutzloses Ablenkungsmanöver. Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten. Töten als Kriegsverbrechen oder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist nicht weniger schwerwiegend als ein Völkermord. Dies sind alles schreckliche Verbrechen. Sie verlangen nach Verantwortlichkeit und müssen angeprangert werden, und diejenigen, die anprangern – ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden –, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben. Autorinnen und Journalisten, Sänger und Dichterinnen, Filmemacher und andere müssen ihre Geschichten erzählen können.
Die Tatsache der Verbrechen zum Schweigen zu bringen ist unanständig. Diejenigen zum Schweigen zu bringen, die versuchen, die Verbrechen anzuprangern, ist unanständig. Deutschland hat viele Gräuel angeprangert und ist aktiv geworden, von den Jesid*innen bis zu den Uigur*innen, von Syrien bis Iran, von Myanmar bis Sudan und der Ukraine.
……..

„Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut. Zugleich sind die Debattenbeschränkungen beunruhigend. Dies umso mehr nach dem eindeutigen Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 zum palästinensischen Selbstbestimmungsrecht. Großbritannien, Kanada, Frankreich und andere haben seitdem einen palästinensischen Staat anerkannt. In jüngster Zeit haben sie Sanktionen verhängt, der britische Außenminister hat die Handlungsweise in den besetzten Gebieten als ethnische Säuberung bezeichnet.
Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum dann das Schweigen?

Die Literatur hilft uns zu verstehen, warum es schwierig sein kann, die Wahrheit zu sagen. In Die Rattenlinie schrieb ich über den Sohn eines Nazi-Gouverneurs, der die Verwicklung seines Vaters in Massenmord anerkennt, aber unfähig ist, ihn als Verbrecher zu bezeichnen. In scharfem Gegensatz dazu hat die Enkelin des Gouverneurs die Kraft gefunden, die Tatsachen beim Namen zu nennen. Das ist Mut.

Ich verstehe, dass die Identität eines Sprechers und seine frühere Handlungsweise von Bedeutung sind. Mir ist auch bekannt, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten in ihrer Kritik an den Handlungen Israels allmählich schärfere Töne anschlagen. Das ist richtig, auch wenn es noch sehr zögerlich und verhalten geschieht. Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht ›Anti-Israel‹. Es ist die Wahrheit.
Und eine echte, nicht rassifizierte ›Staatsräson‹ für Deutschland, achtzig Jahre nach Nürnberg, muss doch wohl das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, wo auch immer sie geschehen und durch wen auch immer sie begangen werden, auch wenn es Freunde, vor allem, wenn es Freunde sind. Das schließt Verbrechen ein, die vielleicht von einem Staat begangen werden, der gegründet wurde, um Individuen zu schützen, die Handlungen im Namen des deutschen Staates erlitten. Jahrzehnte später sind auch diese ›unbegreiflich‹.

Schweigen – und Schweigen über Verbrechen – ist, was ich anfechte und worüber ich schreibe. Die Bücher sind eine Form von literarischer Verteidigung gegen das Schweigen. Das Schweigen der Familie. Meines und das von anderen auf der Opferseite und auf der Täterseite. Das Schweigen von Gemeinschaften, auch von politischen und religiösen Institutionen. Das Schweigen von Ländern. Wie das von Großbritannien wegen seines kolonialen Erbes, wie in meinem Buch Die letzte Kolonie geschildert, über Chagos und Mauritius oder über die Unruhen in Nordirland. Oder Chile oder Ruanda oder Serbien, das kürzlich zuließ, dass ein verurteilter Völkermörder mit militärischen Ehren beigesetzt wurde.
Was ich weiß, ist dies: Schweigen ist nicht der Weg. Nicht für eine Familie. Nicht für eine Gemeinschaft. Nicht für ein Land. Und genau hier kommen Recht und Literatur zusammen, indem sie Geschichten erzählen, Denkanstöße geben, den Mächtigen die Wahrheit sagen, Vorurteilen und Doppelmoral entgegentreten, Dinge ausgraben, die manche gern verbergen würden…“

 

Nebenbei, aber wichtig:: Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und die Justiziministerin, beide in der ersten Reihen sitzend, haben zur Kritik von Philippe Sands an der Politik Deutschlands gegenüber dem verbrecherischen Verhalten der Regierung Israels gegenüber den Palästinensern im Gaza – Streifen keinen Beifall bekundet, das zeigten die Bilder der Life – Übertagung in der ARD deutlich. Man kann sich für dieses Verhalten selbstverständlich hinter diplomatischen Üblichkeiten verstecken, ob diese Enthaltung des Beifalls an dieser Stelle noch sinnvoll und von Wahrhaftigkeit bestimmt war, ist die Frage. Sie hat ja Philippe Sands beantwortet.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Saloin Berlin

Die „Stille Hilfe“ zugunsten der Nazi – von Bischöfen unterstützt…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 8. Oktober 2026

1.
Am Sonntag, dem 11.Oktober 2026, erhält der Menschenrechtsanwalt und Autor Philippe Sands den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“. Uns ist Philippe Sands wegen seines wichtigen Buches über die „Rattenlinie“ in guter Erinnerung, „Rattenlinie“ ist bekanntlich die von Nazi – Freunden, auch von Klerikern in Rom, organisierte Fluchtroute von Nazis nach 1945.

2.
Wir haben uns im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin – unseren Interessen an Kirchen und Religionen entsprechend – mit einer zum Thema „Hilfe für Nazis nach 1945“ passenden Gruppierung befasst: der „Stillen Hilfe“, die angesichts der „Rattenlinie“, in die der Vatikan auch heftig involviert war, nicht so stark im Focus der Aufklärung und Kritik steht. Wir haben uns mit der „Stillen Hilfe“ zuerst in einem Essay über den Roman von Sorj Chalandon „Verräterkind“ im März 2023 auseinandergesetzt: LINK.

Ernst Klee zeigt: Dass vor allem auch evangelische Bischöfe und Pfarrer mit der „Stillen Hilfe“ eng verbunden waren, in: „Fischer Taschenbuch, 1991, „Persilschein und falsche Pässe“, S. 109 – 118.

3.
Für uns und viele andere Demokraten ist es sehr wichtig zu sehen und dies immer wieder auch zu sagen: Die Bundesrepublik Deutschland und Teile der beiden großen Kirchen waren von Anfang sehr von Nazis und Nazi – Ideologen und Nazi – Unterstützern durchdrungen.

4.
Damit diese Zusammenhänge : Nazis und BRD“ bzw. Nazis und Kirchen nach 1945 nicht vergessen wird, zitieren wir hier das 8. Kapitel unseres genannten Essays:
„Nach 1945 sammelten sich in der BRD Nazi-Freunde in einem Verein, um ihre geliebten Nazi-Verbrecher zu schützen und zu stützen. Sie nannten ihren Verein „Stille Hilfe“. Zu den „Betreuten“ der „Hilfe“ gehörte auch Klaus Barbie. In ihrem zweiten Rundbrief aus dem Jahr 1991 meinten die „Stillen Helfer“ , Barbie habe „im Kriege seinen Dienst für die deutschen Besatzungsaufgaben getan“.(Quelle: DER RECHTE RAND, Nr. 15 vom  Januar / Februar 1992, S. 3 ff.).
Die Gründung der „Stillen Hilfe“ fand 1949 in München statt, im Haus der Erzbischöflichen Ordinariates München mit Weihbischof Neuhäusler unter dem Titel »Komitee für kirchliche Gefangenenhilfe«, aus dem dann 1951 die „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V“ hervorging, gegründet von Helene Elisabeth Prinzessin von Isenburg. Bischof Neuhäuslers Rechtsberater und Geschäftsführer des Komitees, Rudolf Aschenauer, vertrat vor Gericht Kriegsverbrecher und war im rechtsextremen Milieu aktiv..
Präsidentin des Nazi-Vereins „Stille Hilfe“ war Helene Elisabeth Prinzessin von Isenburg (* 6. April 1900 in Darmstadt als Gräfin von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock; † 24. Januar 1974 in Heiligenhaus)
Sie hatte am 30. April 1930 Wilhelm Prinz von Isenburg und Büdingen (1903–1956) geheiratet, der 1937 Professor für Sippen- und Familienforschung in München wurde und die Rassenideologien des NS Regimes vertrat. Sie selbst wurde von der Hitler Partei als „politisch zuverlässig“ eingestuft.
Auch hohe protestantische Geistliche (wie Bischof Theophil Wurm, 1888-1953) gehörten zur „Stillen Hilfe“, aber vor allem der hohe katholische Klerus ließ sich seine Hilfsbereitschaft für Nazis nicht nehmen: Im Jahr 1955 wurde der Kölner Weihbischof Wilhelm Cleven (1893-1983) ins Präsidium der „Stillen Hilfe“ berufen.
Der die Nazis fördernde Verein wurde als „gemeinnützig“ anerkannt: „Bis 1993 war der Verein, der in dieser Zeit 27 Mitglieder und ein paar Hundert Spender zählte, als gemeinnützig anerkannt. Der Verfassungsschutz stufte ihn als „harmlos“ ein. Nach außen sprach Gudrun Burwitz (die Tochter Heinrich Himmlers) nicht darüber: Sie helfe, wo sie könne, sagte sie 1998 der „Times“. Mehr gab sie nie preis, SPIEGEL am 29.6.2018 (Quelle: LINK).
Gudrun Burwitz trat schon 1951 der „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“ bei und galt als Prominente unter den „stillen HelferInnen“… Sie unterstützte etwa Klaus Barbie (den „Schlächter von Lyon“) und Martin Sommer (dem „Henker von Buchenwald“). Sie sicherte Anton Malloth, einem besonders grausamen Aufseher im KZ Theresienstadt, eine langfristige Unterkunft, finanzielle Unterstützung und Rechtsbeistand, sie verhalf ihm zu einem gemütlichen Leben in Italien und dann in einem Pflegeheim in Bayern … bis zu seinem Prozess und seiner Verurteilung.
5.
Wir ergänzen am 8. 10. 2026 den kurzen Hinweis um einige weitere Fakten, die von Historikern dringend weiter erforscht werden sollten, um die Präsenz der Nazis in der (frühen) Bundesrepublik freizulegen: Sozusagen, zynisch gesprochen, als erstes Kapitel der Präsenz der Rechtsextremen in Deutschland, dann folgt jetzt das zweite Kapitel : „Die Präsenz der Rechtsextremen in der (späten) Bundesrepublik Deutschland“… seit den Wahlen in Sachsen – Anhalt..

6.
Der Verein stille Hilfe“ gab sich in seiner Satzung als rein humanitäre Hilfsorganisation aus. Der Zweck war offiziell die „seelsorgerische, rechtliche und materielle Unterstützung“ von Kriegsgefangenen und Internierten.“
Der Verein „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e. V.“ wurde im Oktober 2024 offiziell als nicht mehr existent bezeichnet, d.h. das Registerblatt des Vereins wurde „geschlossen“, d.h als Verein gelöscht… 1990 hatte der Verein noch ca. 100 Mitglieder, 2006 sollen es 40 gewesen sein.

7.
Weihbischof Johannes Neuhäusler, 1888 – 1973, im Erzbistum München – Freising als Weihbischof seit 1947!)) spielte bei der Gründung des Nazi – Unterstützers Vereins „Stille Hilfe“ die entscheidende Rolle. Obwohl er unter der Nazi – Herrschaft gelitten hat, und in den KZs Sachsenhausen und Dachau interniert war, unterstützte er nach 1945 Nazi – Kriegsverbrecher und half beim Untertauchen dieser Leute. Neuhäusler heftige Kritik an den Nazi war auf die Vergehen der Nazis gegen die katholische Kirche fixiert. Dieses Ausblenden der öffentlichen Verteidigung der bedrohten und vernichteten Juden durch den Priester Johannes Neuhäusler gibt sehr zu denken:
Von einem expliziten Eintreten für die verfolgten Juden kann keine Rede sein. Neuhäusler wollte auch in seinen Büchern die katholische Kirche als „Widerstands. – Organisation“ eher glanzvoll, aber historisch falsch, erscheinen lassen.
Siehe den LINK: Von der NS Doku – München mit einem Foto.

8.
Niemand unter den katholischen Bischöfen der BRD widersprach, als Bischof Neuhäusler sein Engagement für die „stille Hilfe“ ausbaute. Sie dachten: dieser Bischof war doch ein Widerstandskämpfer (der aber nichts für den Schutz der Juden sagte…), der kann nicht irren…
Nebenbei: In dem „Gutachten“ zum sexuellen Missbrauch durch Priester im Erzbistum München und Freising (2022 veröffentlicht) wird Weihbischof Neuhäusler bewusste Untätigkeit in der Bestrafung eines Sexualstraftäters im Priesterstand nachgewiesen.

9.
Über Weihbischof Wilhelm Cleven (Erzdiözese Köln) wäre genauer zu forschen, er lebte von 1893 bis 1983, als Weihbischof in Köln seit 1950. Weihbischof Cleven wurde 1955 ins Präsidium der „Stillen Hilfe“ berufen. So konnte dieser Nazi Verein (e.V.) als bürgerlich – katholische Organisation auftreten, die „Stille Hilfe“ wird als gemeinnützig anerkannt, und vom Verfassungsschutz als harmlos eingestuft. Weihbischof Cleven half, als Bischof hoch geachtet, Gelder für diesen Club der Nazi – Freunde zu sammeln zugunsten der NS Kriegsverbrecher und SS Leute.

10.
Die Vorgesetzten dieser Weihbischöfe, also die Erzbischöfe in Deutschland, unternahmen nichts gegen die beiden Kleriker Neuhäusler und Cleven, diese Erzbischöfe ließen es zu, dass die beiden prominent die „stille Hilfe“ für Nazi – Kriegsverbrecher und SS Führer unterstützten. Die Bischöfe insgesamt betrachteten etwa die „Nürnberger Prozesse“ usw. als Ausdruck der Siegerjustiz.
Die braune Vergangenheit des Klerus in der BRD ist ein noch nicht umfassend bearbeitetes Thema, die braune Vergangenheit vieler Größer der Evangelischen Kirche ebenso…Es handelt sich um ein Tabu – Thema.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ in der katholischen Kirche und ihre verbrecherischen Gründer

Ein Hinweis von Christian Modehn am 4. Oktober 2026

Wer den aktuellen Zustand der katholischen Kirche verstehen will, sollte genau, das heißt SEHR kritisch, die vielen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ im Katholizismus beobachten. Sie wollten Europa neu missionieren. Aber sie sind unglaubwürdig und scheitern, weil viele ihrer Gründer (und auch heutige Mitglieder) des sexuellen und spirituellen Missbrauchs überführt wurden. Auch diese einst hoch gelobten „Bewegungen“ sorgen dafür, dass die katholische Kirche unglaubwürdig wird. Dass sich Katholiken ihre eigene Spiritualität suchen.

1.
Es werden (Stand 30. September 2026) immer mehr „Fälle“ sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch führende e Priester und Laien der „neuen geistlichen Bewegungen“ öffentlich bekannt, zunächst fast immer begleitet von Verschweigen und Verharmlosen durch die Kirchenführung im Vatikan und in den Bistümern weltweit.
In den ersten Jahren der Freilegung sexuellen Missbrauchs durch Priester, also in Deutschland seit 2010, waren es vor allem Diözesan – Priester oder Priester aus den „klassischen Ordensgemeinschaften“ (Jesuiten, Benediktiner, Franziskaner usw.), die als Täter bekannt und benannt wurden.
Seit etwa 15 Jahren sind immer wieder Fälle von sexuellem Missbrauch oder/und spirituellem Missbrauch in den zahlreichen so genannten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ öffentlich bekannt, und diese Verbrechen werden von diesen Organisationen sowie sogar von der Kirchenzentrale im Vatikan – zwar mit viel Mühe – und oft sehr verspätet – eingestanden.
Diese nun freigelegten unglaublich genanten Fälle von sexuellen Missbrauch zeigen: Die Römisch – Katholische Kirche (um nur bei ihr zu bleiben) ist innerlich, d.h. wegen ihrer viel gerühmten sehr frommen, sehr geistlich sich nennenden Bewegungen zerrissen. Die Kirchenführung versucht nämlich zu überleben, indem sie im 21. Jahrhundert die alten Gebräuche, wie Reliquien -Verehrung, Propaganda zugunsten Erscheinungen der Jungfrau Maria in Lourdes, Fatima…, die Wallfahrten, Ablässe, den Papst – Jubel – Feiern der Massen belebt, so wird der schöne Schein erzeugt: Die Kirche lebt „wie immer“, undemokratisch in ihrer Struktur, klerikal beherrscht, aber jetzt doch auch ein bißchen „synodal“… Aber das hat keinen „Erfolg“: In Europa verlassen Katholiken zu vielen Tausend die Kirche, die Erwachsenentaufen bringen da keinen „Ausgleich“.
In diesem Hinweis geht es also um Verbrechen inmitten einer sich ungebrochen immer noch stolz wähnenden Papst – Kirche, die ihre Identität immer noch in der uralten Kostümierung der Päpste, Kardinal und Bischöfe sichtbar protzig erscheinen lässt.

2.
Bevor wir auf ein aktuelles Beispiel sexuellen Missbrauchs durch den argentinischen Ordensgründer Miguel Buela näher hinweisen, eine kurze allgemeine Erläuterung: Es geht um die, von Päpsten seit etwa 70 Jahren hoch gelobten und offiziell stark geförderten, „neuen geistlichen Gemeinschaften“. Dazu gehören s Ordensgemeinschaften für Priester, wie die „Legionäre Christi“ oder die „Diener Jesu und Mariens“ oder die „Communauté St. Jean“ sowie viele andere, eher regional begrenzte neu gegründete Gemeinschaften auch für Nonnen. Und dann gibt es zahlenmäßig sehr starke internationale Laien -Bewegungen, die sich neue geistliche Gemeinschaften“ nennen, wie die Neokatechumenalen“, die „Focolarini“, die Leute von „Communione e liberazione“ und so weiter und so weiter. Es sind „Bewegungen“, die weltweit einige Millionen Katholiken als Mitglieder und Sympathisanten haben.

3.
Um nur ein konkretes Beispiel in der Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich) zu nennen:
Diese neuen geistlichen Gemeinschaften dort haben – wie überall – den einen Zweck: Sie wollen die klassische dogmatische Lehre der katholischen Kirche als werbende Missionare verbreiten; sie wollen vor allem junge Männer als Priester, junge Frauen als Nonnen für ihre Gruppen gewinnen. Sie wollen Familien bilden, die zu 100 Prozent römisch – katholisch sind. Sie ersetzen – wie auch in Italien, Spanien, Österreich, natürlich auch in Deutschland, den überalterten Klerus, der zwar alt, aber dem theologischen Denken nach oft etwas modern geblieben ist. Hingegen haben die meisten der neuen geistlichen Bewegungen zwar noch junge Mitglieder, die aber in ihrem theologischen und politischen Denken alt erscheinen und theologisch sehr stramm traditionell gebunden sind.
Um also nur ein konkretes Beispiel von der Vielfalt dieser Gemeinschaften zu bieten: Ein Blick in die Diözese Toulon – Fréjus (Departement VAR in Frankreich): Laut offizieller Website der Diözese sind in diesem südfranzösischen Bistum diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ aktiv: LINK : Gelesen am 30.9.2026.

4.
Cancao Nova, https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/cancao-nova/
Communauté de l Emmanuel https://frejustoulon.fr/diocese/communautes/emmanuel/
Communauté Saint-Martin
Communauté Shalom
Famille missionnaire de Notre-Dame
Franciscaines de Sainte-Marie des anges
Fraternité Eucharistein
Fraternité de Saint Joseph Gardien
Frères de Saint-Jean
Fraternité Missionnaire Marie Mère des Apôtres
Fraternité Missionnaire Jean-Paul II
Institut du Verbe Incarné
Institut Mère du Divin Amour
Les frères franciscains de l’Immaculée
Missionnaires de la Miséricorde Divine
Missionnaires de la Très-Sainte-Eucharistie
Moniales de Bethléem, de l’Assomption de la Vierge…
Petites Sœurs de la Consolation
Recado
Servants et Servantes de Jésus Sauveur
Servantes du Seigneur et de la Vierge de Matará

Das „Opus Dei“ ist vor allem in den benachbarten Diözesen tätig; die „Neokatechumenalen“ leiten in Toulon ein Priesterseminar, siehe LINK. https://frejustoulon.fr/diocese/le-seminaire-redemptoris-mater/

5.
Meines Wissens hat Papst Leo auf seiner „Pilgerfahrt“ in Frankreich Ende September 2026 die vielen influßreichen, aber höchst umstrittenen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ NICHT erwähnt. Wohl aus diplomatischer Vorsicht, um das Bild der französischen Kirche nicht noch weiter zu belasten… Dabei bestimmen diese Kreise das Leben der Kirche in Frankreich heute, etliche französische Bischöfe waren und sind Mitglieder dieser neuen Bewegungen. Der inzwischen von Papst Franziskus abgesetzte Bischof Dominique Rey von Toulon – Fréjus gehört der charismatischen Emmanuel – Gemeinschaft an. Die katholische, um Objektivität bemühte Tageszeitung „La Croix“ (Paris) berichtet über die auch politisch rechtslastigen Aktivitäten des nun in Paris lebenden „pensionierten“ Bischofs Rey: „Seit März 2025 lebt Bischof Dominique Rey in der Pfarrei Notre-Dame-des-Champs im 6. Pariser Arrondissement, wo er kein offizielles Amt innehat. Gleichzeitig verfolgt der emeritierte Bischof zahlreiche Projekte: Er ist Mitautor eines Theaterstücks über die Vaterschaft, das im Dezember 2025 aufgeführt wurde sowie eines Buches, das im November 2025 erschien („Mes choix, mes combats, ce que je crois“) ….Bischof Rey ist beteiligt an der Gründung des konservativen Thinktanks „The French Riviera Institute“; er hat die geistliche Schirmherrschaft über das „Institut für Apologetik Saint-Irénée“, das gemeinsam vom traditionalistischen Priester und Influencer Matthieu Raffray und dem katholischen Unternehmer Olivier Bonnassies ins Leben gerufen wurde…“
LINK

6.
Zum aktuellem „Fall“ des heftigen sexuellen Missbrauchs (im Plural zu verstehen) durch den argentinischen Ordensgründer Pater Miguel Buela: Der „Fall“ ist deswegen wichtig, weil der damalige Chef der obersten Glaubensbehörde, Kardinal Joseph Ratzinger und auch Ratzinger als Papst Benedikt XVI. darin als wichtiger Akteur zugunsten des Paters Miguel Buela und seiner Gemeinschaft „verwickelt“ ist!

7.
Der argentinischen Priester Miguel Buela gründete im Jahr 1984 in San Rafael, Provinz Mendoiza, seinen Priester – Orden mit dem ins Mystische (?) weisenden Titel: „Institut des Fleisch gewordenen Wortes“ (I.V.E. die offizielle Abkürzung), heute etwa 450 Mitglieder weltweit, auch im Erzbistum Berlin und in Neumarkt, Oberpflalz, vertreten. 1988 gründete Buela auch noch einen Nonnenorden mit dem Titel „Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau von Matara“, mit etwa 1.110 Mitglieder weltweit. LINK
„Wikipedia Spanien“ berichtet über die ersten Jahre des Ordens in Argentinien: „Der Orden geriet in Konflikt mit den Bischöfen der Region San Rafael und ließ sich in anderen Diözesen Argentiniens ohne die Erlaubnis der lokalen Kirchen – Behörden nieder. Infolgedessen war keiner der Bischöfe der Ansicht, dass die Gruppe die kirchenrechtlichen Bedingungen erfüllte, um ein regulärer Orden zu werden. …Der Heilige Stuhl hingegen unterdrückte den Orden nicht und genehmigte die Ordinationen von Seminaristen des Ordens; mehrere Jahre lang hatten sich die argentinischen Bischöfe geweigert, Mitglieder des Ordens zu ordinieren (wegen der geringen „Qualität“ dieser Kandidaten und des Ordensgründers, CM). Miguel Buela war im Jahr 1994 wegen vielfacher Vorwürfe, auch des Missbrauchs, gezwungen, als Vorgesetzter zurückzutreten und die Diözese San Rafael in Argentinien zu verlassen…Der Orden durfte sich aber in Italien in der Diözese Velletri -Segni bei Rom niederlassen.

8.
Jetzt wird die Hilfe Kardinal Ratzingers für den umstrittenen Pater Miguel Buena wichtig: Im Jahr 2001 fand sich aber Kardinal Ratzinger bereit, diesen unter argentinischen Bischöfen höchst umstrittenen Orden und seinen Gründer in seinem eigenen Bistum Velletri-Segni in Italien anzusiedeln. Dazu muss man wissen: Kurienkardinäle sind immer auch dem Titel nach „Bischöfe“ eines bestimmten Ortsbistums, so ist eben Kardinal Ratzinger auch – nominell – Bischof von Velletri-Segni, Italien. Das „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) hat gejubelt und so wörtlich der „Vorsehung gedankt“, als „ihr Titularbischof“ dann auch noch Papst wurde. Die internationale Kulturzeitschrift „Courrier International“ gab ihrem Beitrag über den Orden den Titel: „Die Soldaten des Fleisch gewordenen Wortes : Wie im Mittelalter“. Quelle ist die„Courrier International“ speziell die Ausgabe „Hors Serie“, mit dem Titel „Pourquoi les Religion se font la guerre“, herausgegeben im März 2007, dort S. 62. Dort heißt es: „Dieser offizielle, römisch – katholische Orden ist ausdrücklich mit dem argentinischen Nationalismus eng verbunden. Er will „die reinen und natürlichen Werte Argentiniens“ gegen die Atheisten verteidigen. Dieser Orden will die Gesellschaft bestimmen in Fragen der Politik, der Moral, der Erziehung“, das berichtet die argentinische Soziologin Prof. Veronica Gimenez Beliveau in einem Artikel für „Courrier International“.

9.
Im Jahr 2001 konnte also der Orden – dank der Hilfe Kardinal Ratzingers – seine Leitungsstrukturen von Argentinien nach Segni in Italien verlegen. Die Zentrale der Gemeinschaft befand sich auf der Piazza San Pietro. Und der höchst umstrittenen Pater Buela konnte von dort aus als Generaloberober wirken… , im Jahr 2010 wurde er allerdings vom Vatikan von seinen Aufgaben entbunden. Und darauf nehmen nun die aktuellen Verurteilungen Pater Buelas durch den Vatikan im September 2026 Bezug:

10.
Die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) berichtet am 29.9. 2026: „Über einen ungewöhnlichen juristischen Vorgang hat am Dienstag der Vatikan informiert. Demnach haben zwei kirchliche Sondergerichte den verstorbenen argentinischen Priester und Ordensgründer Carlos Miguel Buela (1941–2023) postum für schuldig befunden, Vergewaltigungen begangen zu haben. Die Mitteilung erfolgte durch die vatikanische Ordensbehörde und wurde unterzeichnet von der verantwortlichen Präfektin Simona Brambilla, sie ist eine italienische Ordensfrau! In der Mitteilung heißt es, dass die Schuldsprüche (gegen Pater Buela) der zuständigen kirchlichen Spezial-Gerichte den Oberen der beiden Ordensgemeinschaften bereits am 14. September bei einem Treffen in Rom mitgeteilt wurden. Die Gerichte hätten „die moralische Gewissheit erlangt, dass Pater Buela an gewalttätigen Sexualstraftaten gegen mehrere Personen“ schuldig gewesen sei. Das kirchliche Strafrecht spricht hier von „Verstößen gegen das Sechste Gebot“. Miguel Buela, der Ordensgründer als Verbrecher, ist 2023 gestorben, insofern kann jetzt nur den Opfern etwas Gerechtigkeit zuteil werden…
Nebenbei: Wir finden es sehr bedenklich, dass KNA (publiziert von katholisch.de) in diesem aktuellen Bericht nicht die Hilfe und Unterstützung erwähnt, die Kardinal Ratzinger für den „Umzug“ (bzw. die Flucht?) des Priesters Miguel Buenas von Argentinien nach Italien leistete. ..

11.
Es war also Kardinal Ratzinger als Chef der Glaubensbehörde, der dem schon in bischöflichen Kreisen Argentiniens bekannten Missbrauchstäter Pater Buela in der Nähe Roms Asyl bot und ihn dann auch weiter „wirken“ ließ.
2010 wurde Miguel Buena wegen weiterer sexueller Übergriffe als Chef des Ordens abgesetzt: KNA schreibt in dem genannten Bericht: „Da seine mutmaßlichen Opfer Erwachsene waren, kam es jedoch zunächst nicht zu einem Strafverfahren. Buela wurde 2010 in ein französisches und 2016 in ein spanisches Kloster zwangsversetzt. Offenbar übertrat er dennoch weiterhin die gegen ihn verhängten Auflagen eines Lebens in Abgeschiedenheit und verübte sexuelle Übergriffe. Ein von dem spanischen Kurienkardinal Santos Abril y Castelló geleitetes Sonder-Tribunal sprach ihn 2021 wegen sexueller Übergriffe unter Zwang oder Gewalteinwirkung schuldig. Das Urteil wurde jedoch nicht rechtskräftig, weil Buela Berufung einlegte. Im Lauf dieses Gerichtsverfahrens starb er am 23. April 2023. Da er nicht rechtskräftig verurteilt war, verteidigten führende Mitglieder des von ihm gegründeten Männerordens auch nach seinem Tod weiterhin sein Andenken. Dem soll nun offenbar der postum verkündete Schuldspruch entgegenwirken.“ (KNA).

12.
„Wikipedia (Englisch)“ bietet wichtige Informationen, gelesen am 2.10. 2026:
„Buela starb am 23. April 2023 in Genua, Italien. Im September 2026 bestätigte die päpstliche Kongregation („Ministerium“) für die Ordensleute das Urteil, dass Buela während seiner Amtszeit mehrere Handlungen des sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs von Autorität begangen habe.
ABER: Das „Institut des fleischgewordenen Wortes“ spricht weiterhin lobenswert von Buela auf verschiedenen Websites, die vom Institut und seinen Provinzen betrieben werden; offizielle Biografien loben sein Leben und seine Schriften und erwähnen nicht die Vorwürfe des Missbrauchs und der kirchenamtlichen Verurteilung. Im Jahr 2022 erklärte die Website von IVE America, dass Buela 2010 „in den Ruhestand ging“ und das Dekret der Entfernung nicht erwähnte. Das Institut verkauft weiterhin Buelas Schriften, hat nach seinem Tod Gedenkvideos veröffentlicht, organisiert Pilgerfahrten zu seinem Grab und betrachtet ihn als `zu Unrecht vomHeiligen Stuhl verfolgt`. Im Januar 2025 ernannte das päpstliche „Minsterium“ für Ordensleute päpstliche Delegierte mit vollen Herrschaftsbefugnissen über die männlichen und weiblichen Zweige des Orden „Institut vom Fleisch gewordenen Wort“ (IVE) und erkannte „schwere Defizite“ in den Instituten…. LINK

13.
Noch einmal: Miguel Buelas neue geistliche Gemeinschaften, Orden, gehören zu den Kreisen, die vom Vatikan, den Päpsten des 20. und 21.Jahrhunderts und sehr vielen Bischöfen hoch gelobt, gerühmt und zur Nachahmung empfohlen wurden und werden.
Hier eine kurze und unvollständige Liste weiterer bedeutender, weltweit verbreiteter „neuer geistlicher Gemeinschaften“:

A:
Der Orden „Legionäre Christi“ und ihr Gründer, der notorische, auch pädo-sexuelle Verbrecher Pater Marcial Maciel: Er ist eine der übelsten Gestalten der jüngsten Kirchengeschichte.
Sein Orden („Legionäre Christi“) und seine ebenso weltweite Laiengemeinschaft „Regnum Christi“ bestehen nach der lange verzögerten Freilegung der verbrecherischen Taten Mariel selbstverständlich nach wie vor weiter…obwohl viele Legionärs-Priester inzwischen ebenfalls des sexuellen Missbrauchs überführt wurden. Alles nicht so schlimm, ist das Motto im Vatikan ? Dieser Orden hat sehr viel Geld und vor allem sehr viele junge Priester, da ist es dem Papst wohl wichtig, dass er mit diesen Leuten den aussterbenden Klerus in den Bistümern ersetzen kann… Auch das ist ein Skandal: Papst Johannes Paul II. War ein enger Freund Pater Maciels, der Legionär – Christi – Gründer, der pädosexuelle Verbrecher, wurde ganz offiziell im Vatikan als „Vorbild der Jugend“ (sic) gepriesen. Christian Modehn hat diese Fakten in vielen Beiträgen dokumentiert. LINK.

B:
Das „Engelwerk“ ist eine ins Esoterisch – Obskure – Spinöse abgedriftete katholische Sekte eines totalen Engel-Kultes, etwa 400 Engel hat die Engelwerk – Gründerin Gabriele Bitterlich visionär gesehen und ihren Leuten zur Verehrung empfohlen. LINK Das wurde dann selbst dem Vatikan zu viel: 1984 wollte Papst Johannes Paul II. die Zahl der 400 zu verehrenden Engel reduzieren, das Engelwerk reagierte darauf nicht. 1992 verfügte Kardinal Ratzinger dann ein strenges Dekret, das bestimmte Praktiken, etwa „Engelsweihen“ verbot… Allerdings wurde dann das Engelwerk 2008 offiziell doch als kirchliche Vereinigung anerkannt. Das Engelwerk kann sich also, nach einigen „Korrekturen“, in der katholischen Kirche frei werbend weiter bewegen: In der Geschichte dieser Gemeinschaft kam es auch zu Mord und zu Serien sexuellen Missbrauchs.
Such das noch: Papst Johannes Paul II. erlaubte in seiner Begeisterung für irgendwelche neue geistlichen Gemeinschaften dieser katholischen Sekte sogar die Wiederbelebung eines bereits ausgestorbenen portugiesischen Ordens (des „Kreuzordens“, exakt: „Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz“, ursprünglich 1132 in Coimbra gegründet). Dieser Orden ist heute mit dem Engelwerk eng verbunden und zählt über 100 Mitglieder weltweit, eine Niederlassung auch in Schondorf am Ammersee. Auch der bekannte reaktionäre Bischof Athanasius Schneider (Kasachthan) gehört zu diesem Engelwerk – Kreuzorden: Wer sich für Details zu Schneider interessiert: LINK

C:
Die Gemeinschaft „Das Werk“ , gegründet von „Mutter“ Julia Verhaghe aus Flandern. Nachdem „Das Werk“ im Jahr 2014 aufgrund des Verdachtes sexueller Übergriffe in die Schlagzeilen geraten war, ordnete der Vatikan eine Visitation an, 2017 wurden Ergebnissen vorgelegt: „Das Werk“ muss sich also erneuern.… Prominente und kompetente Kritikerin ist die Theologin Doris Reisinger, ehemals Nonne in „Das Werk“. (Siehe ihr Buch „Nicht mehr ich…“, Knaur – Verlag. Und auch: „Nur die Wahrheit rettet“, Piper Verlag, 2021.

D:
Die Bischöfe und der Vatikan haben sehr lange Zeit gebraucht, ehe es zum Verbot der einflußreichen korrupten „neuen geistlichen Gemeinschaft“ in Peru mit den verbrecherischen Initiatoren und Führungsgestalten kam: “Sodalicio“ ist der Name dieses katholischen „Vereins“.
Anfang 2025 ordnete Papst Franziskus die Auflösung dieser auch politisch reaktionär – extremistischen Gemeinschaft an.
1971 in Peru von Fernando Figari gegründet, missbrauchten er und andere führende Mitglieder systematisch Jugendliche, junge Männer und Minderjährige, die für die Gemeinschaft angeworben wurden. Nach der Freilegung der Verbrechen gab diese Organisation selbst offiziell mindestens 83 Missbrauchsopfer zu. Die Untaten waren körperliche Gewalt als Sadismus, Demütigungen, Züchtigungen, so sollte der individuelle Wille der Mitglieder und Kandidaten gebrochen werden. Ein Beispiel nur für die Untaten: LINK zu BBC:
Die Sodalicio – Mitglieder wurden zu absolutem Gehorsam gezwungen und spirituell manipuliert. Es gab auch die übliche finanzielle Korruption. Diese Clique konnte mit dem Segen der Päpste und einiger peruanischer Bischöfe die progressive Präsenz der Kirche im Süden Perus viele Jahre lang offenkundig zerstören.
Diese verbrecherische Clique ist eine Schande für die Kirche, für die Päpste, für die Erzbischöfe in Peru: Der einflussreichste Kardinal Cipriani in Lima gehörte dem Opus Dei an, er war auch ein heftiger expliziter Feind der Befreiungstheologie und … , wen wundert es, ein Freund und Unterstützer des Sodalicio – Vereins. Da werden einmal mehr Verbindungen unter reaktionären katholischen Gruppen sichtbar. (LINK

2025 wurde endlich dieser inzwischen international agierende, sich katholisch nennende Club („neue geistliche Gemeinschaft“) vom Vatikan aufgelöst: LINK

Papst Leo XIV. soll sich – schon als Bischof Prevost von Chiclayo, Peru – gegen diesen Sodalicio Verein gewandt haben! Details zu erfahren, wäre interessant… Siehe auch: LINK

E:
Die internationale, auch im rechten politischen Bereich politisch aktive geistliche Bewegung, in Italien gegründet, nennt sich „Comunione e liberazione“: Sie ist in ca.90 Ländern vertreten….Auch hier gibt es Fälle des sexuellen Missbrauchs. Zum Beispiel: Ende 2023 müsste die Führung von Comunione e Liberazione öffentlich zugestehen: Der langjährige Chef in den USA, Christopher Bacich, hatte über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg (von 1997 bis 2018) Minderjährige und junge Erwachsene sexuell und psychologisch missbraucht hat.LINK:

F:
Die in Frankreich gegründete Gemeinschaft „Emmanuel“: Eine internationale Bewegung, auch in Deutschland aktiv, insgesamt ca. 12.000 Mitglieder. Sie ist charismatisch geprägt, d.h. sie verehrt den heiligen Geist, zum Teil auch in Zungenreden (ein angeblich vom heiligen Geist bewirktes frei gesprochenes frommes Trallala in spontan erfundenen Worten). Der bekannte Schauspieler Michel Lonsdale war mit Emmanuel eng verbunden, etwa durch seine Teilnahme an den glossolalischen charismatischen Gebets – Nächten in der Kirche Trinité in Paris, dargestellt im Dokumentarfilm für die ARD „Unter dem Himmel von Paris“, 1999, von Christian Modehn.
In Frankreich gibt es schwere Vorwürfe gegen Mitglieder von Emmanuel, so wurde der bekannte Priester Benoit Moulay 2023 wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Die Opfer reichten im Jahr 2024 Klage ein und sie zeigten, dass Moulay jahrelang trotz vorliegender Warnungen und Meldungen von der Hierarchie geschützt und versetzt worden war. Auch der Emmanuel – Priester Bernard Peyrous wurde wegen Vergewaltigung angeklagt: Die betroffene Frau Claudine Blanchard veröffentlichte die ihr zugefügten Untaten als Buch (im Mai 2026) „Un canapé rouge. De l’emprise à la liberté“,(„Ein rotes Sofa, von der Gefangenschaft in die Freiheit“) in dem sie die Untaten des Priesters im Zeitraum von 2003 bis 2013 dokumentiert, und vor allem: Die systematische Vertuschung dieser Untaten durch die Gemeinschaft Emmanuel….. Jetzt will die Leitung von „Emmanuel“ für die Freilegung aller Untaten im Verein sorgen!

G:

Die „Gemeinschaft vom heiligen Johannes“, (französisch: „Communauté Saint-Jean“): Diese international agierende Gemeinschaft ist eine wahre Skandal – Geschichte: 2023 wurde eine 800 Seiten umfassende Studie veröffentlicht, sie weist nach: Der Gründer, der Dominikanerpater Marie – Dominique Philippe, hatte über viele Jahre ein System geistlichen Missbrauchs, der Abhängigkeit, unter seinen Mitgliedern installiert. Unter dem Vorwand der geistlichen Begleitung missbrauchte er zahlreiche Frauen, seit der Gründung dieser Gemeinschaft im Jahr 1975 wurden 167 Menschen Opfer von Übergriffen. Auch 72 Brüder (Priester) der Gemeinschaft wurden als Täter identifiziert, das sind 8 Prozent aller Brüder, die jemals dieser Gemeinschaft angehörten. Wie bei den Legionären Christi und ihrem verbrecherischen Gründer, Pater Marcial Mariel, distanzierte sich die Gemeinschaft St. Jean von seinem frommen Gründer, dem Dominikaner Pater Philippe, einem Freund von Papst Johannes Paul II. Und nun will diese schwer belastete Gemeinschaft, plötzlich erneuert, weitermachen… in den Pfarr- Gemeinden etwa, die sie leiten… Die französischen Bischöfe sind auf diesen Club angewiesen, sie haben ja sonst fast keinen jungen zölibatären (?) Klerus mehr zur „Verfügung“…

H:
Die Neokatechumenalen: Diese nach eigenen Angaben etwa 1,5 Millionen zählende ,in aller Welt agierende und missionierende Gemeinschaft hat sich völlig dem Neu – Evangelisieren verschrieben. Im Mittelpunkt steht das Monate dauernde Einpauken der Katechismus-Wahrheiten in Gruppen, dies wird explizit als Ausdruck von Theologie verstanden! Diese Gemeinschaft hat weltweit sogar etwa 120 eigene Priesterseminare errichtet, alle heißen „Redemptoris Mater“, sie erzeugen sehr konservative Priester, die die alten Priester in Europa ersetzen, sehr zum Unwillen vieler Gläubiger in den nun von Neokatechumenalen geleiteten Gemeinden. Christian Modehn hatte vor vielen Jahren schon begonnen, die Neokatechumenalen kritisch zu beobachten. LINK.

Neueste Kritik von ehemaligen Mitgliedern, publiziert am 18.7.2026: LINK.

I
:

Das Opus Dei. Über dieses „Werk Gottes“ gibt es viele auch kritische Studien, in deutscher Sprache zumal von Peter Hertel. Nur etwa eintausend von ca.80.000 Opus – Dei Mitglieder sind Priester, die meisten sind also Laien, aber alle sehr verschwiegen, wie es sich für einen Geheimclub gehört. Dieses „Werk Gottes“ arbeitet verdeckt, hat auch sehr viele unerkannt bleibende Sympathisanten, selbst wenn sie formell nicht Mitglieder sind, wie einst wohl Kardinal Meisner (Köln) oder wahrscheinlich auch einst Kardinal Hengsbach (Essen) oder jetzt wohl Kardinal Woelki in Köln, aber ….alles ist geheim. Eine etwas mildere Form von Stasi in der katholischen Kirche also? Papst Johannes Paul II. war der heftigste Förderer und Liebhaber dieses Werkes Gottes, er setzte diese Leute ein … vor allem auch im Kampf gegen die „linke“ Befreiungstheologie…
Papst Franziskus hatte es zu Beginn seiner Regierung gewagt, zwei Opus Dei Bischöfe abzusetzen: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/5780_zwei-opus-dei-bischoefe-von-papst-franziskus-abgesetzt_religionskritik

K:
Die Fokolar – Bewegung und ihre Gründerin Chiara Lubich:
Heftig kritisiert wird der Personenkult um die Gründerin dieser internationalen Bewegung, also um Chiara Lubich. Viele Mitglieder klagen über die spirituelle Abhängigkeit, die diese nach außen so nette Dame , die Gründer – Gestalt, ausübte. Über den sexuellen und spirituellen Missbrauch in der Focolar – Gemeinschaft: LINK

13.
Wir beenden hier die immer noch weiter auszudehnende Liste der Dokumentation der korrupten Führer der neuen geistlichen Gemeinschaften und etlicher korrupter Mitglieder dieser geistlichen Gemeinschaften.
Wir haben nicht von der Gemeinschaft „Totus Tuus“ gesprochen;
nicht von der Ordensgemeinschaft „Diener Jesu und Mariens“ mit ihrem Zentrum in Blindenmark, Österreich;
Wir haben nicht von den „Franziskanern der Immakulata“ (Unbefleckten Empfängnis Mariens), gegründet 1970, gesprochen, LINK https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskaner_der_Immakulata.
Wir haben nicht nicht von den Missionaren “Idendes“, päpstlich anerkannt 2009, gesprochen;
wir haben nicht von der „Petrusbruderschaft“ gesprochen, vom Papst eingerichtet (1988) als traditionalistische Priestergemeinschaft, die aber Papst und Konzil anerkennen will;
wir haben nicht gesprochen von den „Franciscan Friars of the Renewal (CFR)“, den „neuen Kapuzinern …
Wir haben nicht von der mächtigen „Christ- Königs – Priestergemeinschaft“ gesprochen… LINK
Und haben dabei die alten geistlichen Bewegungen vergessen, wie etwa die „Schönstatt -Bewegung“, gegründet, zu Ehren der „dreimal wunderbaren Mutter“ Maria (der rechtsradikale Präsident Chile, José Antonio Kast ist Mitglied der Schönstatt – Bewegung…),
wir haben nicht gesprochen von der Bewegung der angeblich stigmatisierten Marthe Robin und ihrer „Foyers de Charité“,
nicht von den Charismatikern, die sich „Chemin neuf“ nennen, nicht von der “Integrierten Gemeinde“ (Kardinal Ratzinger liebte diese Leute so…) und so weiter….

14.

Was haben wir hier kurz dokumentiert? Die genannten Verbrechen sind systemisch für die katholische Kirche! 

Die Fülle des sexuellen und spirituellen Missbrauchs durch Gründer der sich – ziemlich arrogant – neue GEISTLICHE Gemeinschaften nennenden Bewegungen sowie auch des Missbrauchs durch sehr zahlreiche Mitglieder dieser Organisationen zeigt eindeutig: Diese Gemeinschaften sind Ausdruck eines systemischen, d.h. zum klerikalen System der katholischen Kirche gehörenden, Schadens. Diese Verbrechen und Verbrecher sind und waren nur möglch durch ein übliches klerikales Schweige – Kartell. Deswegen hat Papst Leo XIV. Unrecht: Er sagte am 28.9.2026 auf dem Rückflug seiner „apostlischen Reise“ von Frankreich nach Rom: Diese Verbrechen wäre nicht systemisch bedingt, sondern eben, wie üblich, Einzelfälle einzelner Menschen. Natürlich sind immer einzelne Menschen die Handelnden. Aber es gibt nachweislich systemische Voraussetzungen, die diese Verbrechen erleichtern, wenn nicht gar fördern. Man denke daran: Viele Katholiken, Laien, halten heute noch Priester, Bischöfe usw. für Hochwürden, für Exzellenzen, Eminenzen und nennen diese „Hirten“ auch noch so… Und der Papst als „Nachfolger des armen Fischers Petrus“ gilt sogar als „heiliger Vater“, dessen Reich der „heilige Stuhl“ (Vatikan) ist. In dieser stets uneindeutigen Melange von politisch auftretendem absoluten, undemokratisch regierenden Monarchen und spirtuellem Leiter der Kirche… Nebenbei: Eigentlich ist „heiliger Vater“ ein blasphemischer Titel, über den sich niemand noch aufregt, weil einzig doch Gott heilig genachht werden darf… aber: so viele Hunderttausend jubeln ihrem „Führer“ (Papst) zu, vielleicht sogar noch verständlich (aber nicht entschuldbar) als Ausdruck der Hilflosigkeit und Verwirrung in diesen verrückten Zeiten heute…Aber so lange diese klerikale Allmacht nicht überwunden ist, also vom Vatikan selbst ausgelöscht wird, solange wird es immer wieder klerikale Verbrecher in neuen oder alten geistlichen Gemeinschaften und Ordensgemeinschaften geben, und im Weltklerus sowieso… 

15.

Eine kurze theologische Beurteilung: Diese von Päpsten und zahllosen Bischöfen hoch gelobten Gemeinschaften mit inzwischen weltweit viele Millionen – Mitgliedern haben den Katholizismus auf seinem mühevollen Weg in die Moderne letztlich stark behindert, wenn nicht verdorben: Sie haben die katholische Kirche als eine konservative, der traditionellen Frömmigkeit verpflichtete, männlich – klerikale Organisation zementiert. Diese Kreise entwickeln kaum wahrnehmbar eine Theologie, die der heutigen Weltsituation gerecht wird: Klima- Katastrophe, Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, usw…).
Diese Kreise sind auf die alte, angeblich immer richtige „ewige“ Lehre verpflichtet: Nur die Wiederholung und das Einpauken der alten Dogmatik könne ihrer Meinung nach die Mission der Kirche bedeuten. Es ist also eine totale Ideologisierung der Kirche, die da betrieben wird.
Aber diese oft auch sehr finanzstarken, politisch sehr rechten Gruppen sind von der Kirchenführung immer noch sehr erwünscht, weil sie – so vermutet wohl der Vatikan – das Überleben der autoritären Klerus- Kirche garantieren. Aber durch diese „neuen geistlichen Gemeinschaften“ wird die katholische Kirche heute zum Getto..

Christian Modehn hat schon 2009 in seiner Studie über Papst Benedikt XVI., in dem Buch „Rolle rückwärts mit Benedikt“ (Publik -Forum Edition, 2009, S. 143 ff) auf den eingangs genannten Miguel Buela und seine Verbindung mit Kardinal Ratzinger aufmerksam gemacht:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.