Ein Glaubensbekenntnis eines Atheisten: Über Julian Barnes

Ein Hinweis von Christian Modehn am 25.3.2026

1.
Bei der Lektüre des Buches von Julian Barnes „Abschied(e)“ (englischer Originaltitel „Departure(s)! “) stolpert der Leser über das Glaubensbekenntnis des Autors. Auf Seite 111 heißt es: “Wir kommen aus dem ewigen Nichts, und dorthin kehren wir zurück.“

2.
Eine starke Behauptung, das Glaubensbekenntnis eines Autors, der sich in dem Buch meist Atheist, manchmal nur Agnostiker nennt (S. 237 ). In diesem seinen Bekenntnis zeigt sich Barnes als Atheist, der offensichtlich sehr genau weiß, woher er kommt und wohin er nach dem Tod geht.

3.
Wer sich philosophisch – kritisch mit diesem Bekenntnis befasst, muss feststellen: Der Satz: “Wir kommen aus dem ewigen Nichts, und dorthin kehren wir zurück“ ist eine von vielen existentiellen Überzeugungen. Der Satz ist nichts als ein Ausdruck eines Glaubens, den heute viele Leute, nicht ohne Stolz, als „meine Lebensweisheit“ daher sagen, oft mit dem Anspruch: „Dies ist doch wohl auch eine wissenschaftliche Wahrheit“.

4.
Jeder kann natürlich sagen und behaupten, was er will, solange andere existentiell nicht gefährdet sind. Für letzte metaphysische Wahrheiten gibt es in Demokratien stets freie Rede. Aber jeder und jede muss selbstverständlich bereit sein, das eigene Glaubensbekenntnis kritisch zu befragen oder von anderen befragen zu lassen. Das gilt selbstverständlich auch für die christlichen Glaubensbekenntnisse und Überzeugungen, aber die sind hier nicht unser Thema.
Hier geht es darum, mit philosophischen Argumenten zu dem Bekenntnis “Wir kommen aus dem ewigen Nichts, und dorthin kehren wir zurück“ kritisch Stellung zu nehmen. Dabei ist klar: Dieses atheistische Glaubensbekenntnis öffnet weite philosophische und religionsphilosophische Horizonte für ausführliche Reflexionen. Hier sollen nur einige, wesentliche Anmerkungen mitgeteilt werden.

5.
„Wir kommen aus dem ewigen Nichts“ ist der Teil des Barnes – Bekenntnisses. Woher weiß der Autor, dass wir aus einem Nichts kommen? Es ist faktisch, auch wissenschaftlich eviden, dass wir Menschen aus der Verschmelzung einer Eizelle unserer Mutter und der Samenzelle unseres Vaters „kommen“, also nicht aus dem Nichts in die Welt gesetzt wurden. Und diese unsere Eltern haben selbstverständlich ihre Eltern und diese Eltern wieder ihre Eltern und so weiter: Unsere Geburt und unsere Existenz führt uns in eine endlose Linie der Evolution. Sicher sind wir Menschen auch Nachfahren der Affen, aber auch diese haben Nachfahren usw..

6.
Der erste Teil des Glaubensbekenntnisses von Julian Barnes und der vielen anderen, die diesen Spruch dahersagen, führt uns in die Evolution, die sicher nicht als „ewiges Nichts“ bezeichnet werden kann. Und von der Evolution aus stellt sich die Frage: Wie kommt diese Evolution zustanden? Und da gibt es die eine Erkenntnis: Die Evolution kann ein ewiger und nur erstaunlich zu nennender Prozess sein, dessen Ursprung wir nicht kennen. Oder auch, wie etliche Philosophen und Wissenschaftler sagen: Es gibt durchaus eine andere ernsthaft zu diskutierende Erkenntnis: Irgendwie ist durch einen „Urknall“ das Ganze entstanden. Das ist eine naturwissenschaftliche Erklärung zu der Frage, WIE das Universum entstanden ist. Warum und wodurch das Universum (und damit auch „wir“) entstanden ist, darüber kann und will Naturwissenschaft selbstverständlich keine Erkenntnis mitteilen.

7.
Die sehr relevante Frage „Warum und durch welche Kräfte ist das Universum und mit ihm die Evolution entstanden?“ führt also notwendigerweise in die Philosophie oder auch die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Sie hat die Aufgabe, das klassische wie auch aktuell – moderne Thema „Schöpfung durch eine göttliche Wirklichkeit“ zu reflektieren. Auch diese weiter zu bedenkende Hypothese einer „Schöpfung“ ist angesichts dieses globalen Themas Ausdruck eines Glaubens, der als Glaube selbstverständlich die gleiche Würde und Wertung hat wie der erste Teil des Glaubens – Satzes von Julian Barnes “Wir kommen aus dem ewigen Nichts“…

8.
Man muss weiterfragen: Mit welcher Erkenntnis begründet Barnes sein Bekenntnis, das Nichts wäre seiner Behauptung nach „ewig“? Damit bedient er sich einer Qualifizierung des Nichts, nämlich des „ewigen Nichts“, das führt in die von ihm als Atheisten eigentlich gar nicht verwendbare oder relevante Metaphysik. Kommt eine Atheist also ohne Metaphysik („ewig“) vielleicht nicht aus?

9.
Wir sind philosophisch überzeugt: Der erste Teil des Satzes “Wir kommen aus dem ewigen Nichts“ ist angesichts der sehr lebendigen, alles andere als „nichtigen“ Evolution schlicht und einfach falsch. Er könnte unsrer Überzeugung nach nur Ausdruck eines beliebten, weit verbreiteten Geredes, vielleicht einer bequemen Ideologie heute sein.

10.
Was bedeutet der zweite Teile des Barnes Satzes: „Und dorthin (also ins Nichts) kehren wir zurück.“ Auch hier wird ein Glaubensbekenntnis ausgesprochen. Denn woher weiß der jetzt noch lebendige Julian Barnes, dass er im Tod ins ewige Nichts geht bzw. „zurückkehrt“ wie Barnes sagt? Berichte von Verstorbenen über eine postmortale „Seinsweise“ liegen Barnes und allen anderen Menschen nicht vor, um allen Ernstes und als Ausdruck von gedanklicher Reife behaupten zu können: Wir versinken mit dem Tod in einem „ewigen Nichts“…Das ist pure Glaubenssache.

11.
Barnes will wohl seinen LeserInnen beweisen, so möchte ich vermuten, dass auch er sich als Atheist den populären Sprüchen seiner weithin sich säkular nennenden Umgebung anschließt. Der Autor, der zweifellos viele körperliche Leiden und manche seelische Schmerzen erlebt hat, bekennt in dem Buch selbst, „dass ich mit meiner Lebenszeit Glück gehabt habe….und in der zweiten Hälfte meines Lebens beruflich erfolgreich war.“ (S. 237). Dann sagt er noch freundlicherweise: „Ich sage Ihnen nicht, was sie denken und wie sie leben sollen. Ich schreibe nicht ex cathedra“. Barnes betont also: Es ist nur sein privates atheistisches Glaubensbekenntnis, das er da mitteilt. Auf Seite 235 bekennt Barnes: Er habe „den Verfall seines Körpers akzeptiert“. Also ist sein Abschied dann doch von der Stoa geprägt? Immerhin lehrten aber die meisten Stoiker: Wir Menschen sind ein Bestandteil des Kosmos, dem wir entstammen und in den wir zurückkehren, als kleiner Teil eines ewigen Kreislaufs…

12.
Barnes nennt sein Glaubensbekenntnis, das zu kritischen Nachfragen führt. Und auch Christen haben ihre eigene Philosophie zur Frage „Woher kommen wir – wohin gehen wir.“ Dieses Thema wird leider sehr oft durch Dogmen und uralte, verstaubte Überzeugungen der Klerus-Kirchenleitungen irritierend und sogar falsch gelehrt. Man denke nur an die fundamentalistischen Vorstellung einer „leiblichen Auferstehung eines toten Menschen“… Das ist ein anderes Thema.

13.
Ein kritischer Schöpfungsbegriff, der die Evolution einbezieht, kann zeigen: Mit der Schöpfung von allem und allen durch eine „göttliche Wirklichkeit“ ist der göttliche „Geist“, die „Vernunft“, also die ewige göttliche Wirklichkeit in allem und allen lebendig. Und dieser „ewige“ Geist, diese „ewige Vernunft“ in allem und allen, bedeutet: Dieser göttliche Geist in allen wird auch den Tod des einzelnen menschlichen Körpers überleben, weil der Mensch in seinem Geist Teil des Ewigen selbst ist. Man lese den Philosophen Hegel in dem Zusammenhang. Es gibt also für diese christliche Glaubenshaltung kein Verschwinden des Toten in einem Nichts. Es sei denn, man ist philosophisch so gebildet, und kann sich das „Nichts“ auch als göttlich denken. Dieses Nichts ist für Mystiker (Meister Eckhart) und einige Religionsphilosophen als das „göttliche Nichts“ das letztlich bergende helle Licht, um es in der Sprache der (westlichen) Mystik zu sagen.

14.
Natürlich hat niemand etwas dagegen, dass Julian Barnes an seiner atheistischen Überzeugung festhält. Er will ja auch gar nicht „ex cathedra“ sprechen, ist also offenbar froh und dankbar für kritische Anfragen; nur dies haben wir hier in aller Kürze versucht.

15.
In seinem – angeblich letzten – Buch „Abschied(e)“ erinnert er sich an einige offenbar für ihn entscheidende Stationen seines Lebens, es sind sehr persönliche und dann auch stolz erzählte literarische Erinnerungen. Politische Erinnerungen oder gar Erinnerungen an seine (möglichen?) Hilfen und Leistungen für die bedrohte Menschen auch in der Ferne (Stichwort: Solidarität) sucht man allerdings vergebens. Ein gewisser Egozentrismus wird sichtbar. Es verabschiedet sich in dem Buch – in unserer Sicht – ein ziemlich egozentrischer, aber berühmter alter Mann, der vor allem als Autor gelten will. Und der nun gern und offenbar angstfrei (?) ins „ewige Nichts“ schreitet…

16.
In einigen Gegenden Deutschlands und der Schweiz sagte man früher oft: „Adieu“ bei der Verabschiedung: „A – Dieu“ also, d.h. zu Gott. Und in Spanien gibt es noch heute die gängige Abschieds-Formel „Adios“, „zu Gott“ wörtlich, aber mit der Bedeutung. „Leb wohl“…weil das Wohlleben doch irgendwas mit Gott (dem Schöpfer von allem) zu tun hat.

17.

2022 hat sich Julian Barnes mal zur Abwechslung zum “Polytheismus” bekannt, der “Religionsphilosophische Salon Berlin” hat das dokumentiert:LINK 

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

 

 

Ein christlicher Glaube, der befreit. Denn die Kirchendogmen sind relativ!

Das neue Buch des Theologen Peter Trummer
Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.3.2026

Das Motto: „ Religionen können ihre Qualität einzig damit ausweisen, ob und wie weit sie Menschen helfen, ihre endliche, begrenzte Existenz mit Sinn zu füllen, Mitgefühl für einander zu empfinden und Solidarität mit allen zu leben.“ (S. 21 in dem genannten Buch).

1.
Peter Trummer zeigt in seinem Buch sehr treffend: Die entscheidende humane Basis der Religionen wird sehr oft, auch im Katholizismus, ignoriert und verraten: wegen der nicht zu überwindenden Klerusherrschaft und des Festhaltens an Dogmen, die verstaubt sind und nicht den Weisungen des Weisheitslehrers Jesus Christus entsprechen.

2.
Es ist eher selten, dass ich ein Buch eines katholischen Theologen aus dem deutschsprachigen Raum sehr dringend empfehle. Peter Trümmer, emerit. Theologieprofessor an der Uni Graz, Spezialist für Studien des Neuen Testaments, legt ein neues Buch vor: Der Titel ist provokativ gemeint: „Jesus ohne Opfer“. Diese Forderung will sagen: Katholiken und ihre klerikalen Führer sollen Jesus nicht länger als den „Sohn Gottes“ der Trinität lehren und propagieren, der als „Opferlamm“ von einem grausamen Gott – Vater in den blutigen Kreuzestod auf Erden geschickt wird: Um so leidend und blutig die Erlösung der Menschen zu bewirken. Erlösung bedeutet aber offiziell-klerikal: Überwindung der „Erbsünde“! Diese „Erbsünde“ ist eine auch biblisch gesehen eine abwegige, nur mit Macht und Gewalt durchgesetzte Behauptung des heiligen Augustinus. Der Witz sozusagen Die Erbsünde wird – im Unterschied zu den vielen anderen Sünden, Fehlern, Verbrechen, als solche von Menschen gar nicht erlebt und als solche erfahren…

3.
Jedenfalls steht fest: „Solange Opfer-Ideologien (sic !) den Glauben verdunkeln, kann sich keine Einsicht einstellen, dass Gott sehr viel anders ist als wir bisher dachten und gelehrt bekommen haben, er gar keine beamtete Vermittlung und rituelle Manipulationen braucht, weil alle Menschen ausnahmslos und unmittelbar seine `Töchter und Söhne` sind, um die sich Gott mit hingebungsvoller Elternliebe kümmert.“ (S. 184).

Zu dieser Aussage wünscht man sich nähere Differenzierungen: Ist die “hingebungsvolle Elterliebe Gottes” letztlich für die leidenden und ungerecht behandelten Menschen eine Art letzter metyphysischer Trost? Kommen eigentlich die Menschen insgesamt, auch die wohlernährten und gesunden und lange Lebenden, ohne metaphysischen Trost aus? Dabei übersetze ich  “die hingebungsvolle Elterliebe Gotttes” mit metyphysischem Trost…

4.
Der bis heute in Predigten und Vorlesungen propagierte und auch besungene (Karfreitags-Lieder, bitte Fußnote 1 beachten) Wille Gott-Vaters zur Hinrichtung seines Sohnes hat trotz aller heiligen mittelalterlicher Kirchenlehrer nichts mit dem Neuen Testament zu tun. Das zeigt der Spezialist für ein historisch – kritisches Verstehen des Neuen Testaments sehr deutlich. Hilfreich, befreiend, zum Leben ermunternd sind allein Leben und Lehren des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth: Jesus wird hingerichtet, weil er konsequent die unendliche Liebe Gottes zu allen lebte und predigte. Ebenso ließ Jesus nicht ab von seiner radikalen Kritik an der Übermacht des jüdischen religiösen Gesetzes, verteidigt von der Elite damals … Jesus wurde als ein religiöser Erneuerer in Zusammenarbeit mit den römischen Machthabern hingerichtet.

5.
Der katholische Theologe Peter Trümmer versteht zurecht die herausragende und bis heute inspirierende Gestalt Jesu als WEISHEITSLEHRER. Dies ist auch der Sinn des Untertitels, den ich fast wie einen Schrei wahrnehme angesichts einer nach wie vor sturen klerikalen Dogmen – Kirche. „Glaube, der befreit“ heißt der Untertitel. Wovon befreit der hier vorgestellte christliche Glaube: Von Aberglauben, von unsinnigen, verstaubten Dogmen und auch von der Macht des Klerus: „Im traditionellen, zu überwindenden Kirchenbild geht es fast ausschließlich um die Selbstdarstellung des eigenen (Klerus-) Amtes, das sich mithilfe der Gottheit Jesu erheblich àufwertet`.“ (S. 182).

6.
Es wird also erneut sehr energisch und mutig für einen christlichen, speziell katholischen Glauben plädiert, der auch heute für reife, vernünftige, kritische Menschen hilfreich ist. An dem Thema haben sich bekanntlich sehr viele kritische katholische Theologen schon seit vielen Jahren die Finger – erfolglos – „wundgeschrieben“.. Ich nenne nur die Kritik von Hans Küng, Hermann Häring oder Hermann Baum (dessen wichtiges Buch „Die Verfremdung Jesu“ ist leider nur antiquarisch zu haben)…Nun also reiht sich Peter Trummer in die Riege der an Sisyphus erinnernden Theologen ein…

7.
Diese überaus anregende Buch „Jesu ohne Opfer“ aus dem Herder – Verlag stellt Jesus von Nazareth als Norm katholischen Lebens in den Mittelpunkt, als bestimmenden Maßstab für die Lehren und Theologie der (katholischen) Kirche. Aber für Peter Trümmer ist auch die universell geltende Vernunft (bekanntlich eine Schöpfung Gottes!) das zweite entscheidende Kriterium, um bisherige Kirchenlehren zu korrigieren. Ein Beispiel für den Zusammenhang des normativen Jesus – Gestalt und der universellen Vernunft: Peter Trummer deutet das “Kreuzesopfer“: „Der Abba, der liebe Vater Jesu, fordert kein Kreuzesopfer, denn ein Gott, der strafen muss (nämlich den grauenvollen Tod seines „Sohnes“ ans Kreuz will, CM), um lieben zu können, wäre ein Widerspruch in sich.“ (S. 147). Weil dieser Gott einem menschlich immer gebotenen vernünftigen Verstehen der göttlichen Wirklichkeit, die diesen Namen verdient, total widerspricht…
Noch deutlicher zum selben Thema schreibt Trummer: „Würde ein irdischer Vater so abwegig handeln (also den eigenen Sohn zum grauenvollen Tod ans Kreuz schicken, CM), er könnte als Vater nur in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher landen. Für eine solche ver – rückte Glaubensdeutung können wir bei unseren Gesprächspartnerinnen wenig Verständnis erwarten, auch nicht dafür, dass wir dies mit unseren Mess-Opfern auch noch so oft feiern wollen.“ (S. 157.)
Damit wird sehr richtig deutlich gesagt: Auch Gott selbst untersteht als absolute geistige Wirklichkeit dem universell geltenden Vernunft – Prinzip der Liebe und Gerechtigkeit, eine Erkenntnis, die der israelisch -deutsche Philosoph Omri Boehm für das Alte Testament beschrieben hat. LINK. https://religionsphilosophischer-salon.de/15297_auch-gott-untersteht-dem-recht-und-der-gerechtigkeit_buchhinweise/philosophische-buecher

8.
Unter den viele anregenden Themen des Buches ein Hinweis: Peter Trummer kritisiert mit guten Gründen sehr treffend die bis heute üblichen, ausschließlich vom männlichen Klerus zelebrierten „Mess- Opfer – Feiern“. Den wahren und den Intentionen Jesu entsprechenden katholischen Gottesdienst sieht er eher in schlichten Mahl-feiern. Wer das Neue Testament sehr gut kennt, wie Trummer, weiß: Das Miteinanderspeisen in einer offenen, schlichten Tischgemeinschaft ,mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth, ist das „Wesen des Christentums“, was ja schon der katholische Theologe Franz Mußner um 1970 betonte.

9.
Peter Trummer weist mehrfach in diesem Buch auf die Mängel der ersten Einheitsübersetzung des Neuen Testaments unter Leitung der katholischen Bischöfe hin. Viele Beispiele werden genannt, dabei geht es um grundlegende Übersetzungsfehler, die sich in scheinbaren „Nuancen“ verstecken. (S. 105, 167, 183 usw..) Nur ein Beispiel: Die Übersetzung des Verses im Galaterbrief des Apostels Paulus (Gal. 1,15f.) heißt in der Ausgabe der „Einheitsübersetzung“ von 1980: „Es gefiel Gott mir seinen Sohn zu offenbaren“. Richtig heißt es in der Ausgabe von 2018: „ Es gefiel Gott… IN MIR seinen Sohn zu offenbaren“. (S. 167). Durch dieses „in mir“ wird der innere, unmittelbare Vorgang der Offenbarung betont. Welch ein wichtiger Unterschied!

10.
Es fehlt mir in dem Buch eine ausführliche Auseinandersetzung mit der unsinnigen Erbsünden-Lehre als Dogma, sie ist direkt oder als immer präsenter Hintergrund entscheidend verantwortlich für die Irrwege der (nicht nur katholischen, sondern auch reformierten, lutherischen) Kirchenlehre und Kirchenpraxis. Die Erbsünden-Ideologie bestimmt bis heute die meisten Kirchen. Und weil ein Dogma nun einmal angeblich für ewige Zeiten umkorrigierbar besteht, so will es der diese Dogmen erfindende Klerus, gibt es also wenig Aussichten, dass sich die Kirchen von dieser Ideologie des Augustinus befreien.

11.
Einer weiteren Klärung bedürftig finde ich Peter Trummers Aussage, der Apostel Paulus „ist … der älteste Zeuge der Ostererfahrung…“ (S. 141). Ich möchte meinen, die ältesten Zeugen der Osterfahrung sind die Apostel und JüngerInnen, die nach dem Schock des Todes Jesu nach einiger (längerer) Zeit wieder Hoffnung fanden und erkannten: Jesus liegt wie alle anderen Menschen als Körper zwar im Grab, aber sein Geist lebt, ist „auferstanden“, so wie der Geist, die Seele aller Menschen – in irgendeiner Weise – aufersteht.

12.
Man freut sich angesichts dieses Buches, dass es die „Kirchliche Druckerlaubnis“ (meist durch „General – Vikare“ ausgesprochen) nicht mehr gibt, und auch der Index ist abgeschafft, so kann Peter Trummer seine richtigen Vorschläge unters Volk bringen. Wie viele herzliche Dankesbriefe er von katholischen Bischöfen schon erhalten hat, wird er uns in seinem nächsten Buch mittteilen, hoffen wir.

Fußnote 1:
  Ich erinnere an das grausige ideologische Karfreitags – Lied des eigentlich manchmal noch nachvollziehbaren Theologen und Poeten Paul Gerhardt, aus dem Jahr 1647:

“Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt ..“, Evangelisches Gesangbuch, 1993, dort die Nr. 83).

Dort heißt es in den ersten drei Strophen ziemlich brutal:

1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder;
es geht und büßet in Geduld
die Sünden aller Sünder;
es geht dahin, wird matt und krank,
ergibt sich auf die Würgebank,
entsaget allen Freuden;
es nimmet an Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod
und spricht: “Ich will’s gern leiden.”

2. Das Lämmlein ist der große Freund
und Heiland meiner Seelen;
den, den hat Gott zum Sündenfeind
und Sühner wollen wählen:
”Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
der Kinder, die ich ausgetan
zur Straf und Zornesruten;
die Straf ist schwer, der Zorn ist groß,
du kannst und sollst sie machen los
durch Sterben und durch Bluten.”

3. “Ja, Vater, ja von Herzensgrund,
leg auf, ich will dir’s tragen;
mein Wollen hängt an deinem Mund,
mein Wirken ist dein Sagen.”
O Wunderlieb, o Liebesmacht,
du kannst – was nie kein Mensch gedacht –
Gott seinen Sohn abzwingen.
O Liebe, Liebe, du bist stark,
du streckest den in Grab und Sarg,
vor dem die Felsen springen…..

Wann wird sich die Evangelische Kirche dafür entschuldigen, dass sie diesen theologischen Schrott noch heute in den Gemeinden singen lässt, am evangelischen Hochfest, dem Karfreitag! Wann wird dieses Lied aus dem Gesangbuch verschwinden?

Auch die Katholische Kirche hat zahllose Kirchen-Lieder “im Einsatz”, die Jesus als Opferlamm, als “Agnus Dei”usw. ständig ansprechen und preisen.

Sehr drastisch ist das Schlusslied aus der Messe von Michael Haydn, sein Schlusslied hat den Titel: “Nun ist das Lamm geschlachtet, das Opfer ist vollbracht“. Der katholische Priester hat förmlich – geistig, symbolisch,  real wie auch immer – am Altar in der Messe das Lamm Christus “geschlachtet und das Opfer (Christi) noch mal vollbracht…”. Welch ein Wahn eines Klerikalismus, eines  Priester-Verständnisses, das an uralte jüdische oder heidnisch – römische Priester in den jeweiligen Tempeln mit allerhand Schlachtereien erinnert…PS: Vegetarier damals sollen sich geweigert haben, diesen Unsinn zu singen…

Die erste Stophe:

Nun ist das Lamm geschlachtet,
das Opfer ist vollbracht.
Wir haben jetzt betrachtet,
Gott, deine Lieb’ und Macht.
Du bist bei uns zugegegen;
aus deinem Gnadenmeer
ström’ uns dein Vatersegen
durch dieses Opfer hier…. (Michael Haydn).

.

Peter Trummer, Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit. Herder Verlag, 2026, 192 Seiten, gebundene Ausgabe 22 €, eBook 16,99 €.

In der Zeitschrift “Christ in der Gegenwart” hat sich Peter Trummer im Februar 2026 zum Thema des Buches zusammenfassend geäußert. LINK 

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

 

 

Damit der Krieg erfolgreich wird: Evangelikale beten mit Trump im Oval Office am 6. März 2026.

Beispiel für eine nationalistisch-kriegerisch verdorbenen Glauben.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7.3.2026

1.
Es ist eine äußerst verstörende Szene evangelikalen Glaubens, man sollte deutlich und klar sagen: evangelikal-nationalistischen Schwachsinns:

2.
Etwa 20 der bekanntlich Trump – ergebenen US – Evangelikalen scharen sich eng und inniglich verbunden am 6. März 2026 um ihren Präsidenten im Oval Office. Ein entsprechendes authentisches Video wird verbreitet: Der Führer Donald Trump sitzt gesammelt (oder tut er nur so?) am Schreibtisch; evangelikale Pastoren (nur zwei Frauen sind dabei) umringen ihren Meister, legen segnend ihre Hände auf ihn. Sie erflehen den Segen Gottes für die amerikanischen Truppen und beten um weitere kriegerische Kraft ihres Meisters Trump.

3.
Unter den Betenden sind führende Evangelikale: Tom Mullins, Robert Jeffers, der Historiker David Barton; organisiert hat das Gebetstreffen die Fernsehpredigerin Paula White Cain vom „Büro für Glauben“ in der Trump Administration.

4.
Pastor Tom Mullins leitet das Gebetstreffen, er erbittet für Trump und die amerikanischen Truppen Gottes Hilfe: „Ich bete um deine Gnade und deinen Schutz für ihn. Ich bete um deine Gnade und deinen Schutz für unsere Truppen und alle Männer und Frauen, die in unseren Streitkräften dienen. Und Vater, wir bitten dich, unserem Präsidenten weiterhin die Kraft zu geben, die er braucht, um unsere Nation zu führen, während wir zu einer einzigen Nation unter Gott zurückkehren.“

5.
Dieses Gebet ist – wenn man noch die richtigen theologischen Normen ernst nimmt – eine Gotteslästerung. Das Gebet ist nichts als Ausdruck einer nationalistischen Ideologie! Gott (gemeint ist immer der Gott des Christentums, des Neuen Testaments) soll die amerikanischen Truppen schützen. Die Truppen anderer Völker, vor allem die Menschen im Kriegsgeschehen („Kollateralschäden“ von Kriegsherren genannt), werden nicht erwähnt. Trump wird als religiöser Führer aufgewertet, unter seinen Herrschaft werden die USA „zu einer einzigen Nation unter Gott“. Gott soll dann herrschen in den USA, aber das bedeutet bekanntlich: Ausländer raus, Abtreibung absolut verbieten, sexuelle Vielfalt auslöschen, die Demokratie abschaffen, die Pressefreiheit zerstören usw.: Diese Evangelikalen beten und bitten letztlich, dass nun, wenn ihre Bitten erfüllt werden, alsbald in den USA ein Bürgerkrieg beginnt im Kampf um die Durchsetzung der genannten evangelikalen Ideale.
Nebenbei: Eine „Nation unter Gott“ – das ist bekanntlich auch das Prinzip der islamischen Fundamentalisten, etwa im Iran. Da befinden sich die betenden Amerikaner in „feiner“ Gesellschaft.

6.
Es fällt auf, dass die sonst absolut der Regierung Israels ergebenen Evangelikalen nicht auch für Israel beten. Bekanntlich lieben viele Evangelikale Israel und die Juden nur deswegen, weil ihr Christus nur dann wiederkehren kann auf Erden: Wenn die Juden im ganzen verheißenen Land (mit Gaza, Westjordanland) leben und ganz Jerusalem jüdisch ist. Die angebliche Liebe der Evangelikalen zu Israel ist also nur eine evangelikale Ideologie.

7.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin hat auf den russisch – orthodoxen Kriegstreiber Patriarch Kyrill I. von Moskau immer wieder ausführlich hingewiesen. Nun gibt es eine weitere kriegstreibende Kirche, die (meisten) Evangelikalen in den USA. Man ist gespannt, wie lange es es dauert, bis sich die Evangelikalen etwa in Deutschland von ihren Evangelikalen „Mit-Christen“ distanzieren.

8.
Was aber passiert, wenn der liebe Gott der Evangelikalen ihre Gebete NICHT erhört, sondern der liebe Gott die Gebete der Schiiten erhört und keinen Regime Change im Iran durchsetzt? Was aber wenn der liebe Gott der Sunniten deren Gebete erhört und die Ölpreise wieder sinken. Oder gar, was passiert, wenn der Gott der Juden deren Gebete erhört und die Verwüstung des Libanons durch Israel nun total gelingt usw.?
Jedenfalls hat der liebe Gott die Gebete Trumps und der Seinen (Stand 21.3.2026) NICHT erhört.

9.
Dieser kranke, wahnhafte Glaube öffnet jedenfalls alle Schleusen nicht nur für den kriegerischen Nationalismus, vor allem auch der offenbar unheilbaren religiösen Dummheit, die sich in diesen Bittgebeten äußert. Welchen sehr begrenzten, aber vernünftig nachvollziehbaren Sinn „Bittgebete“ noch haben können, haben wir an anderer Stelle gezeigt. LINK.

10.
Für Menschen, denen die Weisheit Jesu von Nazareth und die humane Lehre des Christentums noch wichtig ist: Diese TRUMP – Ergebenen Evangelikalen in den USA sind eine Schande für das Christentum. Man erinnere sich an die „Deutschen Christen“ im Nazi – Regime, an die sehr faschistischen Katholiken (Priester, Bischöfe) im Franco-Regime Spaniens, an die Mussolini begeisterten Katholiken Italiens und so weiter. An die Katholiken in Frankreich heute muss erinnert werden, die bis zu 40 % die rechtsradikalen Parteien (Front National bzw. Rassemblement National, Recoquete etc.) wählen. Diese Katholiken nehmen als „praktizierende Katholiken“ sonntags an den Messen teil, lieben Weihrauch und alte Gesänge, verehren den Klerus, haben aber nichts verstanden von der humanen Weisheit des Jesus von Nazareth. Eine Blamage eigentlich für die Kirchenführung, ihre Predigten, ihre Lehren usw. Aber von dieser ihrer Niederlage sprechen die Herren Bischöfe nicht.

Zum Video dieses „Gebets“ – Treffens: LINK
https://www.religiondigital.org/america/grupo-pastores-evangelicos-reza-trump_1_1445292.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=estas_son_las_principales_noticias_de_rd&utm_term=2026-03-07

Copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin

Bittgebete: Unsinn … und gelegentlich Sinn: Über Beten als Poesie.

Bittgebete verstehen. Sie sind meist unsinnig, manchmal noch hilfreich!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 1. März 2026

Vorwort:
Beten ist eine persönliche Poesie inmitten des Lebens und Leidens. Und Bitt – Gebete können hilfreich sein, wenn ich mich meiner persönlichen Poesie vergewissere, einer Poesie, die in aller Vielfalt den tragenden Sinns des Lebens und Sterbens in Worte fasst. Dieser bergende Sinn ist für christlich orientierte Menschen eine göttliche Wirklichkeit: „Die gute, wunderbare, ewige Wirklichkeit, in der wir geborgen sind“, um an Dietrich Bonhoeffers Satz – leicht variierend- zu erinnern. Aber: Bittgebete sind niemals Wundermittel.

1.
Es wird jetzt, wie immer in Krisen-Kriegszeiten, offenbar viel gebetet, viele Aufforderungen zum Bittgebet werden, von den religiösen „Führern“, dem Klerus, als hilfreich empfohlen. Papst Leo redet ständig von Bittgebeten. Er meint wohl, nach uralter „klassischer“ Spiritualität, Gott als „Person“ im Himmel förmlich „bestürmen“ zu können mit unseren auch politischen Wünschen. Wie Gott im Himmel dann die eingehenden unterschiedlichen Wünsche koordiniert, d.h.”erfüllt”, wissen die Frommen mit ihrer ganz unterschiedlichen Wunschliste natürlich nicht. Und niemand kann das wissen. Das heißt: Die frommen Bittenden glauben eigentlich selbst nicht daran, dass ihre Wünsche erfüllt werden. Sie gehen dann mit den immer wiederkehrenden Enttäuschungen relativ gelassen um: Es ist wie beim Lotto-Spiel: Niemand ist erschüttert, wenn er auch diesmal nicht die richtigen sechs Zahlen getippt hat. „Dann halt beim nächsten Mal.“ Und es wird weiter um Frieden gebetet. Beten und Bitten kann gedankenlos werden…

2.
Das Bild eines allmächtigen und allwissenden Gottes im Himmel, der je nach Laune ins Weltgeschehen eingreift und plötzlich aus einem Kriegsverbrecher einen Pazifisten macht, dieses Gottes – Bild ist verstaubt und vergangen. Es macht aus dem Unendlichen und Ewigen förmlich einen Hampelmann, der sich abhängig macht von den jeweiligen Launen der Frommen: Fromme Russen beten für Putins Sieg, fromme Europäer beten zurecht für die Menschen in der Ukraine und die Niederlage Putins. Mein Gott, möchte man sagen, was soll Gott da alles erhören und richtig stellen, was Menschen in ihrer Freiheit zerstören.

3.
Bittgebete sind oft auch Ausdruck existentieller Hilflosigkeit. Aber diese Hilflosigkeit inmitten von Kriegen ist von Menschen verursacht, nicht von Gott im Himmel. Eine schöpferische göttliche Wirklichkeit hat die Menschen als freie Menschen erschaffen, das heißt mit Vernunft ausgestattet. Nur so können Menschen ihr Leben gestalten, sich aber auch aufgrund der Freiheit unsinnig und kriegerisch zerstörend austoben. Kriege sind Ausdruck von Freiheit. Wenn die Menschen, die Bürger aufpassen würden, könnten sie Kriegsherren wie Putin, Trump usw. doch wohl verhindern oder früh genug absetzen…
Das ist der Preis der Freiheit… Aber sind Menschen als Menschen denkbar, wenn sie unfrei wären?

4.
Und nun beten auch die Führer der US-Evangelikalen erwartungsgemäß wieder mal für ihren Führer und mit ihrem Führer Donald Trump, sie beteten vor laufender Kamera am 5. März 2026 für das Wohlbefinden der US Truppen und den Sieg der US Streitkräfte im Iran. Für das Leiden der „einfachen Menschen“ im Iran, im Libanon, in Israel usw. beteten sie explizit wohl nicht, diese Menschen sind als Opfer der Kriege doch nur „Kollateralschäden“, wie es in der Sprachen der Krieger heißt. LINK

5.
Beten für den Frieden kann nur bedeuten: Nachdenken, wie Frieden wieder möglich wird. Ausbildung zum Frieden und Lernen des gewaltfreien Widerstandes in den Gemeinden weltweit muss man als zentrale christliche Aufgabe verstehen. Diese ständige Arbeit am Frieden sollte auch ein Papst lehren und vorleben. Der Papst betet und bittet … und formuliert permanent sympathische diplomatische Friedens – Forderungen, oft verbrauchte Floskeln, als Chef des Staates Vatikan, genannt Heiliger Stuhl. Diesen „Heiligen Stuhl“ respektieren die meisten Diplomaten mit freundlichem Lächeln, aber dieser „Stuhl“ steht den Mächtigen immer nur im Wege, wenn sie ihre kriegerischen Untaten begehen. Kurz gesagt: Der Papst kann sich politisch nicht mehr durchsetzen, das Mittelalter ist vorbei. Ob der Papst als Papst das weiß? Als Papst müßte er sich um Wichtigeres kümmern: Christen zu Aktivisten des Friedens und der gewaltfreien Aktion ausbilden…
Die internationale katholische Friedensbewegung „PAX Christi“ hat in der Kirche einen marginalen Status, „Pax Christi“ gilt als eine Versammlung von Utopisten… und Spinnern.

6.
Wenn wir Bittgebete sprechen oder Bittgebete anderer uns berühren, dann sollten wir aufmerken: Was kann ich, was können wir tun, um aus dem konkreten Elend herauszufinden? Bittgebete sind Aufrufe zur Reflexion, zur Selbstreflexion wie zum Nachdenken der vielen, die einen Hilferuf als Bitte, als Bittgebet, hören.

7.
Manches Leid und viele Leiden lassen sich nicht – zumal bei Krankheiten oder im Erleben von Naturkatastrophen – überwinden oder aufheben. In solchen Situationen haben Bittgebete vielleicht eine heilende Wirkung und Bedeutung: Sie erinnern die Bittenden, die Christen zumal, an die eine, alles entscheidende Basis (!) ihres Glaubens: Gott ist der tragende, der gründende Sinn im Leben, trotz allem. Gott oder die schöpferische Kraft ist „die gute Macht, in der wir Menschen uns geborgen glauben“, wie es Dietrich Bonhoeffer ähnlich formulierte. Das heißt: Der Christ weiß, dass er immer von Gott behütet ist, da braucht er nicht dieses oder jenes von Gott zu erflehen. Der Christ soll handeln – zugunsten des Friedens, der universellen Gerechtigkeit. Und nicht so viel Beten. Seine poetischen Talente kann der Christ auch anderweitig ausprobieren…

8.
Wann könnte trotzdem ein Bittgebet als meine Poesie sinnvoll und hilfreich sein? Wenn wir die Gewissheit haben: Alles droht unterzugehen, Humanität droht zerstört zu werden und mein Leben und unser Leben ist am Kipppunkt, also christlich gesprochen am Übergang in eine andere Wirklichkeit ohne leibliches Dasein. Also: Unter solchen Bedingungen können Bittgebete als Poesie hilfreich sein. Sie vergewissern den einzelnen seiner Verbundenheit mit dem Ewigen, das Neue Testament oder auch Meister Eckart und Hegel würden sagen: Sie geben dem einzelnen die Gewissheit, mit dem göttlichen Geist, dem ewigen Geist des Ewigen, verbunden zu bleiben. Das Bittgebet als persönliche Poesie hat also auch in einem neuen, vernünftigen theologischen und religionsphilosophischen Verständnis eine begrenzte, hilfreiche Bedeutung. Bittgebet, so verstanden, führt in eine Form von bleibender Geborgenheit, als Hoffnung über den Tod hinaus. Aber Hoffnung bedeutet immer: Handeln im Sinne der universellen Gerechtigkeit.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Warum besucht Papst Leo XIV. am 28. März 2026 ausgerechnet das Fürstentum Monaco? Die 29. der „Unerhörten Fragen“

Von Christian Modehn am 17.3.2026

Eine religionskritische Satire zu einer problematischen “apostolischen Reise”

Auf diese Frage sind mehrere richtige Antworten möglich, eine Antwort ist wahrscheinlich die besonders treffende. (Unsere Antwort am Ende des Beitrags)

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

1 …weil er sich mit Fürst Albert II. nach dessen Privataudienz im „Apostolischen Palast“ so blendend und herzlich versteht? (Der Fürst verfügt nach Schätzungen über ein Vermögen von 1 Milliarde US Dollar).

2 …weil der Papst gern drei Stunden im Helikopter sitzt, der ihn von “Heiligen Stuhl” nach Monaco transportiert? Also: Ein päpstlicher Beitrag für einen hohen CO2 Ausstoß…

3 …weil er hofft, dort mit einer der vielen Superluxus-Yachten im Mittelmeer etwas herumkurven zu können und dabei als Dank allen Superluxus-Yachten seinen apostolischen Segen erteilt?

4 … weil er in Monaco ein Augustinerkloster gründen will oder nach Spuren seines absolut höchst geliebten „Vater“ Augustin dort sucht? Der erste Teil dieser Frage ist schon jetzt ausgeschlossen, weil der Augustinerorden in Europa fast nur noch alte Herren als Mitglieder zählt und an Kloster – Neugründungen gar nicht zu denken ist.

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

5 … weil der Papst sich freundschaftliche Beratungen und vor allem Hilfen finanzieller Art vom Fürsten und den Seinen verspricht – für den nicht gerade finanziell glänzend dastehenden Heiligen Stuhl?

6… weil er diesen Winzling von Staat Monaco liebt, denn dort ist noch wie einst die uralte katholische, päpstliche Moral staatliches Gesetz: Gegen Abtreibung, gegen gesetzlich mögliche Sterbehilfe…Darum muss doch sonst, weltweit, der Papst nur – erfolglos – kämpfen.

7… weil er zeigen will: Papst Franziskus unternahm seine erste Reise innerhalb Italiens nach Lampusa zu den Flüchtlingen.. Aber er als Leo und „Sohn des heiligen Augustinus“ macht genau das Gegenteil: Er besucht die Superreichen..

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

8… weil er die an dieser Reise Interessierten auffordert, die Papstpredigt in der Kathedrale von Monaco schon jetzt zu schreiben! Das ist doch bei allen üblichen Floskeln nicht schwer. Die päpstliche Predigt sollte also diese Worte enthalten: “Friede ist zentral”; “wir danken dem Fürsten und seiner Familie Grimaldi für ihre Treue zum katholischen Glauben”; “auch Superreiche gehen selbstverständlich ins Himmelreich ein, bei dem Thema irrte Jesus von Nazareth ein bißchen, als er lehrte: Reiche gehen NICHT ins Himmelreich ein”; “nicht nur Monaco, alle demokratischen Staaten sollen den katholischen Moralvorstellungen folgen”; Eheschließungen für Homosexuelle sind Monaco ausgeschlossen, Bravo sage ich als Stellvertreter Christi; Frankreich als Nachbar Monacos ist mit seinem „Laizismus“ kein gutes Vorbild für Katholiken; die Kirche hat nicht nur eine „Option für die Armen“, sondern muss immer auch ihre Liebe zu den Reichen und Superreichen zeigen, nur das zahlt sich wirklich für den Vatikan aus; ….Dies sind einige zu erwartende Floskeln der Papstansprache in Monaco…(Wir wären überrascht, wenn Leo XIV. den Mut hätte, genau das Gegenteil zu verkünden).

9… weil unter den Superreichen viele Depressionen und Sinnkrisen bestehen; der Bischof von Monaco nannte dies jetzt bereits die furchtbare „Armut“ der Bewohner Monacos; die seelische Krankheit dieser „Armen“ könne durch eine päpstliche Botschaft wenn nicht geheilt, so doch gemindert werden. Also: Bitte mehr Seelsorge für die Superreichen, die haben dies bitter nötig. Zum Teilen ihres Reichtums wird der Papst sie selbstverständlich nicht explizit oder gar prophetisch auffordern, das wäre doch ein bißchen undiplomatisch und zu unfreundlich gegenüber dem Milliardär – Fürsten…

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

10… weil er (mit einem Pass des lateinamerikanischen Staates Peru ausgestattet) die Superreichen von Monaco auffordern will, sich für die Theologie der vom Kapitalismus arm Gemachten, also die „Theologie der Befreiung“ in Lateinamerika einzusetzen. Denn in Peru ist bekanntlich die Theologie der Befreiung entstanden (Gustavo Gutiérrez als Initiator).

11… weil der Papst Einladungen der gegen die Mafia kämpfenden Priester und Staatsanwälte in Italien bisher nicht beachtet hat, ebenso die Einladung in Neapels Elendsviertel, deswegen fliegt er im Helikopter ins schöne Monaco… Dies kann doch eine (spirituell ???) reiche Vorbereitung sein für den dann folgenden Palmsonntag, am 29. März. Dann starten wieder die Floskeln in den Predigten…

12…weil er weiß: Kein anderer Papst hat jemals eine solche, dermaßen vööig überflüssig erscheinende Reise unternommen? (Fehlt bloß noch, dass der Papst diese seine Monaco – Exkursion als „apostolische Pilgerfahrt“ deklariert.)

13… weil er weiß, dass einige Journalisten den päpstlichen Hofstaat und seine Diplomatie immer noch beobachten bzw. aus beruflichen Gründen selbst die absurdesten Papst-Reisen beobachten müssen.Dabei hätten sie Wichtigeres zu tun. Und ein Papst wohl auch. An eine Reise in die Ukraine denkt Papst Leo offenbar nicht. Er betet ja, wie nett,  für die Ukraine. Betet er für den Sieg der Ukraine gegen die Russland?

PS: Wir halten die Antwort Nr. 5 für die “besonders treffende”.

Siehe auch unseren Hinweis vom 11.2.2026 zur Reise des Papstes ausgerechnet nach Monaco mit Informationen über das Fürstentum: LINK:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de

Wenn die Philosophie schläft. Ein kritischer Hinweis des Philosophen Wolfram Eilenberger

Ein Beitrag von Christian Modehn am 18.3.2026

1.
Der Philosoph und Buchautor Wolfram Eilenberger hat in der „ZEIT“ vom 12.3.2026, Seite 49, eine kurze provozierende Analyse zum Zustand der Philosophie in Deutschland verfasst. Der sehr ausführliche Titel seines Beitrags: „Ist da jemand noch wach? Das Jahrhundert bebt, doch die zeitgenössische Philosophie scheint zu schlafen. Eine Ermunterung zur Geistesgegenwart“. Die Ausführungen Eilenbergers sind provozierend gemeint. Er ist wohl überzeugt, nur auf diese Weise, die PhilosophInnen (denn nur durch PhilosophInnen gibt es „die“ Philosophien) aus dem Schlaf aufwecken zu können. Philosophen schlafen in der Sicht Eilenbergers, weil sie sich zu wenig mit dringenden und drängenden Problemen und Katastrophen der Gegenwart befassen.

2.
Zum Mittelpunkt der Kritik an der mangelnden kritischen Präsenz der Philosophie in der heutigen Welt nennen wir nur einige zentrale Stichworte Eilenbergers:
Die “analytische Philosophie” hat die klassischen Philosophien, also die „Liebe zur Weisheit“, wie der Name sagt, verdrängt; die „analytische Philosophie“ ist für Eilenberger „eine reine – nicht zuletzt gegenwartsgereinigte – Begriffswissenschaft. Man glänzt durch öffentliche Abwesenheit.“
Diese analytische Philosophie dominiert, sie ist hoch spezialisiert, extrem ausdifferenziert, es gibt bei ihr „kein geteiltes Fundament, nirgendwo“, so Eilenberger.

3.
Er kritisiert auch die „scheußliche Art“ der PhilosophInnen in ihrer traditionell arroganten Art zu schreiben, in dieser wohl sehr oft zutreffenden Erkenntnis schließt sich Eilenberger dem Urteil der us-amerikanischen Philosophin Christine Korsgaard an.

4.
Eilenberger kritisiert die Publikationsfluten zumal der analytischen PhilosophInnen; viele dieser hoch spezialisierten Publikationen werden „auch fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung kein einziges Mal zitiert.“ Dass die analytische Philosophie ein Versuch ist, an den Universitäten sozusagen wissenschaftlich mit den anderen Wissenschaften „mithalten“ zu können, erwähnt Eilenberger nicht.
Es ist bekanntlich eine lange Geschichte, dass die Philosophen sich mit ihrem Auftrag, die Liebe, die Freundschaft, zur Weisheit zu verbreiten, nur abfinden konnten, indem sie ins Mathematische, Begriffliche, Logische allein abdrifteten. Über Husserl wäre in dem Zusammenhang zu sprechen.

Unsere Mweinung: Das Eigene, Einmalige der Philosophie als “Liebe zur Weisheit” könnte und sollte zu Kooperationen mit Literaturwissenschaften, Kunstwissenschaften, Theologien, Religionswissenschaften, Sozialwissenschaften, Biologie, Medizin führen. Philosophie wird es wohl nur in Kooperation mit diesen Wissensformen geben. Jürgen Habermas, der jetzt hoch gerühmte „große Philosoph“, war ja auch Soziologe und politisch, politologisch hoch gebildet, das machte die exzellente Qualität seines Denkens aus. Darauf weist Eilenberger nicht hin, aber gerade das wäre wichtig: Philosophie sollte bei diesen Kooperation niemals auf sich selbst verzichten, sie sollte sozusagen „tonangebend“ auch normativ bleiben!

5.
Der zentrale, uns sehr wichtig und treffend erscheinende Vorschlag Wolfram Eilenbergers: Die Philosophie sollte wieder ganz deutlich und stark „Liebe zur Weisheit“ werden. Eilenberger kann bei diesem seinen Plädoyer leider nicht auf ein Wort-Ungetüm verzichten und spricht also von, so wörtlich, „mündigkeitserhöhender Daseinstransformation“.
Nebenbei: Da wird also die aufklärerische Mündigkeit mit dem an Heidegger erinnernden „Dasein“ verbunden. Also arbeiten wir bitte an „mündigkeitserhöhender Daseinstransformation“. Das heißt: Denken wir, treffender gesagt, nach, was Philosophien jenseits der analytischen Begriffswissenschaft sein könnten und sein sollten. Vor allem doch wohl auch Orientierung im Leben, „Daseinstransformation“ ist da noch weitreichender, das Wort erinnert an Rilkes „Du musst dein Leben ändern“… Und das kann nur eine Philosophie, die sich als Liebe zur Weisheit versteht. Pure Logik oder Begriffsanalysen sind da nicht kompetent.

6.
Eilenberger deutet am Schluß seines provozierenden, aus dem „Schlaf der Vernunft“ (aus dem bekanntlich Ungeheuer hervorgehen, siehe Goya) heraus-weisenden Beitrags auf das in unserer Sicht Wichtige hin:
Es ist die „wache Sorge um das eigenen Selbst sowie das der Mitwesen“. Dieser Satz klingt ein bißchen nach dem Populärphilosophen Wilhelm Schmid. Eilenberger plädiert im Sinne der Philosophie für die meditative Lektüre der alten philosophischen „Gründungstexte“, auf die niemals verzichtet werden darf. Und auch das ist wichtig: Die knappe Andeutung wenigstens, dass es auf eine Öffnung „für außerweltliche Weisheitstraditionen ankomme.“ In dieser Rezeption asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Philosophien erhielte die neue Aufklärung – verbunden mit Weisheit – einen wichtigen Durchbruch. Aber wo wird in Deutschland asiatische oder afrikanische Philosophie gelehrt und entsprechend unters Volk gebracht? Philosophie in Deutschland ist doch sehr deutsch und manchmal europäisch bzw. us-amerikanisch….

7.
Die eigene philosophische Meinung für eine “wache Philosophen heute” teilt uns leider Eilenberger nicht ausführlich mit, also wie Philosophie sich verhält zu dieser gegenwärtigen Welt der Kriege, der Gewaltherrscher, der Diktatoren, des total unbeherrschten, moderat gesagt “unklugen” Präsidenten der USA, der reaktionären permanent nur ans Töten der Feinde denkenden Politiker in Israel, der Verirrungen der Religionen in Richtung Fundamentalismus, der Abwehr der rettenden Klimapolitik durch neoliberale Politiker etwa in der CDU, die Zunahme des Faschismus in ganz Europa usw. Erst wenn diese Themen sehr gut nachvollziehbar philosophisch gedacht und entsprechend publiziert werden, kann die Philosophie aus dem Schlafzustand befreit werden. Insofern ist dann Eilenbergeres Beitrag etwas “verschlafen”. 

8.
Die Frage ist natürlich, ob es nicht auch PhilosophInnen heute auch in Deutschland gibt, die diese in Nr. 7 genannten Themen nachvollziehbar bearbeiten und publizieren. Ich habe den Eindruck, diese gibt es. Eilenberger nennt leider keine Beispiele. Ich nenne nur: Lea Ypi oder Rahel Jaeggi oder Bettina Stangneth oder Eva von Redecker….

9.
Absolut wichtig für uns im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon ist:
Von Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie oder Metaphysik spricht Eilenberger nicht! dDes sind aber die klassischen Themen der Philosophien, die sich als Liebe zur Weisheit verstehen. Angesichts der viel besprochenen Säkularisierung in Europa und dem rasanten Niedergang der Kirchen in Europa ist doch Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie (auch im Plural natürlich) dringend, auch dringend als Orientierung not – wendig.

Leider gibt es nicht in allen Städten religionsphilosophische Salons, also kleine Schulen der Liebe zur Weisheit. Das Interesse der etablierten Universitätsphilosophie an dem Projekt praktischer Philosophie ist überhaupt nicht dokumentiert, also wohl nicht vorhanden. PhilosophInnen bleiben in ihren Seminarbibliotheken hocken… Die schrumpfenden Kirchen könnten erkennen, dass sie noch hilfreich sein können, wenn sie mit ihrme immer noch reichlich vorhandenen ihrerseits freie Orte des philosophischen und theologischen Austauschs schaffen und wieder mehr offene, undogmatische geistige Präsenz zeigen, gerade in Gegenden, in denen sich der kritische Geist verabschiedet, wie in vielen Bundesländern im Osten Deutschlands. ….Abschied von den Kirchen wird dann das philosophische Thema einer philosophischen Zeitanalyse.

10.
Warum spricht Eilenberger, warum sprechen Uni – Philosophen, nicht von neuen philosophischen Studiengängen: Etwa den Beruf der philosophischen Praktiker, die in freien philosophischen Salons, in der Erwachsenenbildung, in den Schulen, in Galerien, in den Medien usw. diese Liebe zur Weisheit lehren und verbreiten?

11.
Der Beitrag von Wolfram Eilenberger in der „ZEIT“ ist nach unserem Eindruck  inspirierend und – wie gezeigt – weiter führend. Wirklich ins Weite führend wäre eine sehr breite Diskussion über Hegels Verständnis von Philosophie als “Erkenntnis, die ihre Zeit in Begriffen aussagt“. Also: Geschichtsphilosophie wäre doch wohl auch hilfreich. Anläßlich des 150. Geburtstages von Martin Heidegger könnte man die ins Weite führende Frage erörtern: Was gewinnt Philosophie, wenn sie sich intensiv mit Dichtung, Poesie und Kunst befasst?

Vielleicht haben Philosophie  eine Zwischenstellung: Zwischen Wissenschaften und Kunst und Religion? Und trotzdem gehört sie an die Universitäten… wegen ihrer „besonderen Bedeutung“ als Verteidigerin der universell geltenden Vernunft (Kant).

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

Mitschuldig am Krieg gegen die Ukraine: Die Russisch-orthodoxe Kirche

Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.2.2026

1.
Wer ist schuld am Krieg des russischen All-Herrschers Putin gegen die Ukraine? Da sind viele Argumente zu nennen, auch die bewussten oder unbewussten politischen Fehler westlicher (auch deutscher) Politikerinnen, sie haben u.a. aus ökonomischen Interessen Putin unterstützt und Geschäfte gemacht.

2.
Eine Organisation, die ohne Zweifel und sehr deutlich mitschuldig ist an den Verbrechen des Krieges Putins gegen die Ukraine ist die Russisch-orthodoxe Kirche mit ihrem Patriarchen Kyrill I. von Moskau an der Spitze. Das wurde vielfach nachgewiesen, auch im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin, auch von zahlreichen Religionswissenschaftlern und Politologen. Es ist der vor allem der oberste Führer dieser Kirche, der durch seine radikale Kriegs-Hetze für Putin die Glaubwüridgkeit dieser sich christlich nennenden Kirche beschädigt.

3.
Die Russisch-orthodoxe Kirche als mitschuldig am Krieg gegen die Ukraine zu nennen, ist unsere Pflicht, gerade am 22.4.2026, vier Jahre nach dem Kriegsbeginn Putins gegen die ganze Ukraine.

4.
Das zu betonen ist uns wichtig. Denn deutlich ist:
Diese Russisch – orthodoxe Kirche könnte grundsätzlich als einzige Groß-Organisation im Reich Putins ein starke Opposition sein und für das Ende dieses Angriffskriegs eintreten. Das macht sie aber nicht, von einzelnen Priestern dieser Kirche abgesehen, die sich kritisch äußern: Dann werden sie von ihrem Kirchen-Chef Kyrill bestraft oder müssen ins Ausland flüchten.

5.
Warum ist die Russisch-orthodoxe Kirche keine Opposition?
Diese Kirche ist zuerst russisch, das heißt gebunden an die Werte und Unwerte der russischen Nation und Kultur. Diese Kirche hat als obersten Wert also die Bindung an die Nation, und diese Bindung an die russische Nation wird seit Jahrhunderten von den russischen Herrschern definiert und durchgesetzt, von den Zaren, den Verbrechern des Stalinismus, von dem All-Herrscher und Kriegsherrn Vladimir Putin. Diese Kirche ist also eine Art kirchliche Folklore für die russische Nation. Ihre Liturgien werden von Popen (immer Männer natürlich) in der für die Allgemeinheit unverständlichen Sprache Kirchen-Slawisch zelebriert. Was man so Predigten nennen kennen kann: Die werden auf Russisch gehalten, haben aber nie einen kritischen Bezug zur politischen-sozialen Situation der Russen. Diese Kirche hat die Gläubigen nie gebildet, dass die Menschenrechte Teil des Glaubensbekenntnisses sind. Dass Demokratie die einzige politische Option der Christen ist…

6.
Diese Russische Kirche nennt sich ganz offiziell und ungeniert „orthodox“, das heißt rechtgläubig: Dabei könnte man ja denken bei dieser anspruchsvollen Selbstbezeichnung: Sie hält sich an die humanen, friedlichen Weisungen Jesu Christi hinsichtlich seines universellen Liebesgebotes. Aber der Titel „orthodox“ ist ein schöner Schein, wenn etwas Diakonie zugunsten der Armen geleistet wird, dann für Russen in Russland Wenn Missionsarbeit in Afrika gestartet wird, dann, um Putins Regime ideologisch zu stützen und zu „verschönern“. Patriarch Kyrill war einst Mitglied im kommunistischen KGB, wie sein Freund und Gönner Putin.

7.
Wir erleben in der Bindung der Russisch – orthodoxen Kirche an den Kriegsherrn Putin den totalen Niedergang jeglicher christlicher Werte. Diese Kirche ist also unorthodox, sie ist nicht christlich, wenn man an die Weisungen Jesu Christi denkt, diese Kirche ist eine hübsche vergoldete Fassade, eine staatlich gestützte nationalistische Propaganda-Maschine.
Dieses Abrutschen einer christlichen Kirche ins Nationalistische ist den West-Europäern bekannt, man denke an die „Deutschen Christen“ unter Hitler, an die total dem Faschisten Franco ergebene katholische Kirche Spaniens, an die Bindung französischer Katholiken – auch Bischöfe- an das Pétain – Regime usw. Wer viel weiter historisch ausholen will, denke an die Verquickung europäischer Kirchen mit den Kolonialreichen und dem Sklavenhandel. Mit anderen Worten: Diese sich christlich nennenden Kirchen sind stets in der großen Gefahr, ihr christliches Profil aufzugeben zugunsten des immer auch kriegerischen Nationalismus. Der ist für die Kirchenführer bequem und lukrativ, aber eine Katastrophe für die Menschen, die sich eigentlich noch als Gläubige und als Demokraten verstehen.

8.
Man glaube nur nicht, dass nun in der Russischen Föderation die kleine Minderheit der römischen Katholiken aktiv sich zur Opposition bekennt. LINK. Und man glaube auch nicht, dass die kleine Minderheit der evangelikalen Gruppen in der Russischen – Föderation oppositionelle Ambitionen hätte.

9.
Und man glaube auch nicht, dass der ökumenische Weltrat der Kirchen auch nur im entferntesten daran denkt, der Russisch-orthodoxe Kirche die Mitgliedschaft in diesem eigentlich ja doch wohl angesehenen ökumenischen Weltrat zu entziehen. Der Generalsekretär schwärmt seit Jahren vom Dialog mit dem Kriegstreiber KyrillI. Bewirkt hat er nichts, diese Kirche wurde aus dem Ökumenischen Weltrat nicht rausgeschmissen. Alle großen Organisation bestrafen Russland und seine Kriegstreiber, der Weltrat der Kirchen macht das nicht. Und nur wenige Christen in Europa scheint das stören. Dies ist auch eine Schande, die an diesem 24.2.2026 genannt werden muss.

10.
Wir haben am 8.2.2026 einen Beitrag publiziert mit dem Titel „Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist eine Putin-Sekte“, wir weisen noch einmal darauf hin. LINK

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-salon.de