Wenn Lügen Leben zerstören

Ein kurzes Plädoyer für die Wahrhaftigkeit in Zeiten der Herrschaft der Lüge
Ein Hinweis von Christian Modehn am 3.8.2026

Ein aktuelle Vorwort:
Jetzt verbrennen riesige Flächen von Wäldern in Europa. Im wissenschaftlichen Vergleich: Immer öfter, immer stärker. Wasser wird in vielen Regionen sehr knapp, Flüsse trocknen aus, die Hitze tötet Tausende (alte und kranke Menschen sowie auch Tiere) und Pflanzen. Der CO2 Ausstoß wurde seit Jahrzehnten nicht wirksam reduziert, Politiker und die Herren der Ökonomie haben die wissenschaftlich begründete Wahrheit „Reduziert den CO2 Ausstoß“ sehr sehr oft ignoriert. Die meisten Menschen haben ihre üblichen Lebensgewohnheiten (Flugzeuge nutzen, Benzin – Autos fahren etc.) fortgesetzt. Die Wahrheit über die Rettung unserer Erde wurde also seit ca. 50 Jahren weithin ignoriert. Daraus folgt: Wer, wie etwa Mister Trump und Konsorten, die Wahrheit über den Klimawandel als eine Klimakatastrophe ignoriert, also weg – lügt, zerstört die Welt, zerstört das Zusammenleben, zerstört die Demokratie. Und ein offenbar ignoranter Kanzler Merz sprach am 15.Juli 2026 in der Bundespressekonferenz davon, er werde sich um die „Probleme des Wetters“ (sic) kümmern. Die Wahrheit der Klimakatastrophe ist Herrn Merz offenbar noch nicht vertraut. (Quelle: Etwa: ZDF, Heute Journal, 2.8.2026). Und die ganz den Interessen des Kapitals ergebene Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) meint sogar: Naturschutz sei im Zweifel als Hemmschuh für die Wirtschaft anzusehen.“ (Quelle Tagesspiegel, 3. 8.2026, Seite 5. Der vernünftige Umweltminister Carsten Schneider (SPD) betont: 25 Milliarden Euro betrage der jährliche Schaden durch die Trockenheit, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden“ (Tagesspiegel, 3.8.2026, S. 5)., Mit anderen Worten: Schon der finanzielle Schaden ist immens, wenn weiterhin die Wahrheit der Umweltkrise als Umweltkatastrophe ignoriert wird…

1. Auch Lügner beanspruchen die Wahrheit
Denken Sie diesen Gedanken: Die universell geltende, faktisch aber selten respektierte Forderung an alle Menschen: „Du sollst nicht lügen“, „Du sollst die Wahrheit sagen“ gilt nicht mehr, diese Wahrheit ist abgeschafft worden. Dann können alle Menschen je nach Belieben lügen, z.B. heute dieses und morgen anderes als Erkenntnis der gleichen Sache behaupten. Jeder und jede erfindet also – bei der Ignoranz gegenüber der Vernunfterkenntnis oder auch der Ignoranz gegenüber der „Stimme des Gewissens“ – je nach Laune immer neue Thesen: Die aber dann doch, um Aufmerksamkeit zu finden, als Wahrheit, als „meine Wahrheit“, propagiert werden müssen. Die nicht total zu vernichtende Idee der Wahrhaftigkeit können also die Lügner nicht auslöschen. Sie müssen für sich selbst und für andere ihre lügenhaften Behauptungen als ihre Wahrheit darstellen. Schon hier zeigt sich eine unauflösbare Verbindung von Wahrhaftigkeit und Lüge.
Lüge und Wahrheit bleiben selbst noch in einer umfassenden Lügen – Welt eng verbunden. Die Idee der Wahrheit lässt sich nicht kleinkriegen.

2. Richtig ist etwas anderes als wahr
Mathematische Wahrheiten können nicht außer Kraft gesetzt werden, sie gelten immer und überall. Die Leugnung mathematischer Wahrheiten würde die gesamte technisch – industrielle Wirklichkeit zerstören und damit Wohlstand und physisches Überleben unmöglich machen. Es wäre absolut unrealistisch, eine alternative Gemeinschaft aufzubauen, die zum obersten Dogma erklärt: Eins und Eins addiert ergibt Eineinhalb. Und eine andere alternative Gemeinschaft könnte aus purer Laune behaupten: Null plus Null ergibt zusammen eins.
Aber, wie gesagt: Schon aus technisch – praktischen Gründen muss mathematische Wahrheit gelten. Und wer dann in dieser mathematischen Welt korrekt, den Gesetzen entsprechend rechnet, der rechnet richtig, nicht etwa „wahr“. Richtig ist das korrekte Verhalten in einer gegebenen, in dem Fall mathematischen Wirklichkeit. Man wird im technischen Bereich niemals sagen: „Diese Autoreparatur ist nicht wahr,“ sondern: „Sie ist falsch“ oder auch: „Sie ist richtig.“

3. Faktencheck, weil so viele lügen
Wahrheit und Wahrsein sind umfassender als technische Richtigkeit. Wahrheit ist bezogen auf die geistige Sphäre, auf die Wahrnehmung von Welt, der menschlichen Gesellschaft, der Politik. Ist aber dort die Bindung an die Wahrheit abgeschafft, gilt Wahrhaftigkeit nichts mehr, dann kann es nur noch millionenfach Lügen geben, die alle in Konkurrenz und im Kampf um Vorherrschaft zu einander stehen. Diese Erfinder ihrer jeweiligen Lügen werden Kriege gegeneinander führen. Und es wird keinen Friede, kein humanes Zusammenleben, mehr geben: Denn nur die Bindung an die Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen, kann als als Kriterium entscheiden, welche unter den vielen Thesen den Fakten entspricht und welche nicht. Dieser „Faktencheck“ ist das Eingeständnis, dass es doch Wahrheit gibt in der verwirrenden Vielfalt der Meinungen und „Wahrheiten“. Es gibt also in einer schon jetzt von der Herrschaft der Lüge vergifteten Welt das starke Bedürfnis zu wissen, was ist denn nun Wahrheit. Und die ist, wie gezeigt, mehr als rechnerisch – technisch korrekte Richtigkeit.

4. Lügen sind Nihilismus
Lügen zerstören humanes Leben: Nihilismus ist die Vorstellung, dass nichts gilt, dass Wahrheit nicht gilt, alles gleich -gültig ist, dass Gutes vom Bösen nicht unterschieden werden kann. Nihilismus ist das Resultat einer Herrschaft der Lüge und Lügner. Vaclav Havel, der tschechische Widerstandskämpfer, Literat und nach 1989 Staatspräsident in seiner Heimat, hatte seinen Überlegungen zur Lügen – Welt des Kommunismus/Stalinismus den Titel gegeben: „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ (1978). Inmitten des Verbrecher Regimes der kommunistischen Partei hat Havel gewusst, was Wahrheit, was wahres humanes Leben ist. Havel passte sich nicht an, wurde nicht zum Mitläufer, er wählte nicht den bequemen Weg wie die meisten in diktatorischen Regimen. Der Wahrheit folgen, in der Wahrheit leben: dies ist gefährlich, manchmal lebensgefährlich, das wusste Havel. Das wissen alle, die niemals auf Wahrhaftigkeit verzichten und in den Gulag der russischen Diktatoren damals und heute ums Überleben ringen, das wissen kritische Intellektuelle in dem Regime des Herrschers Trump, das wissen die Oppositionellen in der totalen Herrschaft Netanjahus und seiner faschistischen Minister oder im Regime der Mullahs usw…

5. Die Wahrheit immer und überall sagen?
Der Philosoph Immanuel Kant ist bei manchen Leuten in Verruf geraten, weil er in seinem Beitrag „Über ein vermeintliches Recht, aus Menschenliebe zu lügen“ (1797) sehr streng betonte: Niemals, unter keinen Umständen, ist Lügen moralisch zu rechtfertigen. Unser Zitat bezieht sich auf diesen Text (Fußnote 1): “Es ist also ein heiliges, unbedingt gebietendes, durch keine Conveniencen (Üblichkeiten) einzuschränkendes Vernunftgebot: In allen Erklärungen wahrhaft (ehrlich) zu sein.“ S. 227 f.). In seinem Beitrag will Kant nur das Eine sagen: Menschen dürfen um ihrer Menschlichkeit niemals darauf verzichten, an der Idee der Wahrheit und Wahrhaftigkeit festzuhalten. Diese Idee der Verpflichtung auf Wahrheit muss bestimmend sein, wenn die Gesellschaft, der Staat, wenn das Zusammenleben nicht durch die Herrschaft der Lüge völlig zerfallen und ausgelöscht werden soll.
Der Idee der Wahrheit kann der einzelne niemals vollständig und total entsprechen, aber er braucht diese Leit-Idee, um im Leben, im Suchen, im Forschen und Fragen ein Kriterium zur Verfügung zu haben, das wahre Erkenntnis von falscher trennen kann. Diese Leit – Idee der Wahrheit steht neben den anderen ähnlich strukturierten Leit – Ideen, dem Guten und dem Schönen: Auch sie sind Kriterien für ein humanes Leben: Niemand wird jemals absolut gut sein, vollkommene Schönheit wird niemals erreichbar sein: Aber niemand wird auf die Bindung an die Idee der Schönheit oder des Gutsein verzichten: Selbst ein Mörder kann sein – zum Beispiel fundamentalistisch – religiös motiviertes- Morden für sich als Gehorsam gegenüber seinem Gott irrigerweise sogar gut und wahr finden. Und selbst ein Fan von Kitsch – Gemälden wird noch unterscheiden können zwischen dem für ihn schönen Kitsch und dem unerträglich grellem Farben – Geschmiere anders orientierter Kitsch – Freunde…

6. Lügen als Ausnahme retten Leben
Man hat Kants Position weiter gedacht und behauptet: Er würde sogar für die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit eintreten, wenn etwa die Nazis von einem Antifaschisten wissen wollen: „Haben Sie einem Juden in ihrer Wohnung Schutz gewährt?“ Natürlich darf dieser hilfsbereite Mensch NICHT die Wahrheit sagen, er darf nicht den Gesuchten der SS ausliefern. Denn der hilfsbereite Mensch kennt eine gegenüber der formellen Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit noch größere Wahrheit und sie reicht über die Konformität mit den geltenden Gesetzen hinaus: Das Leben eines Unschuldigen in einem Verbrecher – Regime zu schützen ist die höhere Wahrheit. Der Kant – Forscher Marcus Willaschek schreibt in seinem empfehlenswerten Buch „Kant. Die Revolution des Denkens“ passend zu unserem Beispiel: Der hilfsbereite Mensch habe mit der Lüge gegenüber dem SS Mann seiner richtigen Lebens – Maxime entsprochen und die heißt: „Ich will nicht lügen, es sei denn die Lüge ist das einzige Mittel, um ein großes Unrecht zu verhindern und verletzt keine berechtigten Interessen anderer Menschen.“ (Fußnote 2).
Moralisch ausschlaggebend ist in dem Beispiel, so Willlaschek, „die Verallgemeinerbarkeit dieser Maxime. Tatsächlich spricht nichts dagegen, dass diese Maxime (in unserem Beispiel die des hilfsbereiten Menschen) ein allgemeines Gesetz sein könnte.“ Und Willaschek betont: Es gibt also kein uneingeschränktes Lügenverbot.

7. Politiker als Lügner
Lügen kann – als reflektierte Ausnahme – DAS EINZIGE MITTEL sein, „um ein größeres Unrecht zu verhindern“. Diese sehr begrenzte, stets kritisch zu reflektierende Möglichkeit zu Lügen haben die zahllosen Lügen – Politiker und die einflußreichen Tech – Milliardäre total vergessen: Sie lügen und lügen, wie es ihnen gerade passt … und finanziell Vorteile bringt. Vorbild aller Lügen – Herren ist Mister Donald Trump, dessen Lügen innerhalb seiner Amtszeit schon gar nicht mehr gezählt werden können. Trump steht in einer Reihe mit den größten Lügner – Politikern der Gegenwart in Russland, China, Nord-Korea usw…Rechtsradikale PolitikerInnen in ganz Europa sind die MeisterInnen im Lügen, Im Verfälschen der Vergangenheit, im Einsatz falscher Behauptungen zur ökonomischen und politischen Entwicklung, zur Situation der Flüchtlinge und Ausländer.

8. Verlogenheit, Heuchelei, Sich-Verstellen….
Schwierig wird das Thema Lüge und Wahrheit, wenn man das Verschweigen der vollständigen Wahrheit betrachtet, also auch die Formen der Heuchelei, der Verstellung und der Verlogenheit. Gelegentlich kann das Verschweigen der vollständigen Wahrheit not -wendig sein, etwa im Rahmen diplomatischer Verhandlungen. Verschweigen bewegt sich in einer Art moralischen „Grauzone“, Verschweigen und Verleugnen wird ins Unmoralische abgleiten, wenn Verstellung und Verlogenheit zu einer Art Gewohnheit im Leben werden: Dann weiß der Betreffende nicht mehr, wer er selbst eigentlich ist. Auch Verlogenheit und Verstellung sind der Kritik der Leitidee Wahrhaftigkeit ausgesetzt.

9. Wissenschaftliche Wahrheiten verändern sich
Wenn wir von Wahrheit sprechen, ist die Bindung an die Wahrhaftigkeit gemeint und, wenn Wahrheit inhaltlich gemeint ist, dann meinen wir die universell geltenden Grundsätze, etwa die Menschenrechte.
Auch in Geisteswissenschaften gibt es Wahrheiten, die durch weitere Forschungen später ergänzt oder ersetzt werden. (Aber wir können uns heute nur an die inhaltlichen Wahrheiten halten, die heute wissenschaftlich plausibel sind, wir können uns natürlich nicht an die Wahrheiten halten, die nach weiteren Forschungen in 20 Jahren vielleicht gelten.

10. Wenn Religionen, wenn Kirchen lügen
Lügen und Wahrheit sind nach wie vor dringendes Thema der Religionskritik und Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie: Um nur bei einer der vorherrschenden Religionen, dem Katholizismus, zu bleiben: Da werden sogar noch von den heute herrschenden Klerikern bestimmte Bibelstellen gegen alle wissenschaftlich erwiesene Wahrheit fundamentalistisch gedeutet und in dogmatisch geltende Wahrheit überführt: Diese Ignoranz ist eine Form der Lüge, sie steht im Dienst der hierarchischen, angeblich von Gott höchstpersönlich gewünschten Klerus-Herrschaft. Beispiele dafür gibt es in großer Fülle: Man denke etwa an den angeblichen Befehl des historischen Jesus von Nazareth an seinen „Jünger“, den später Apostel genannten Petrus: Er sei der Fels, auf dem sich seine Kirche gründe (im Matthäus Evangelium, Kap. 16, Vers 8). Dabei weiß jeder, dass Jesus von Nazareth nicht im entferntesten daran dachte, eine Kirche zu gründen. Da wurde im Neuen Testament dem historischen Jesus eine Aussage unterschoben, die eigentlich als Lüge der Autoren des Neuen Testaments zu bewerten ist. Oder: Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt wird damit von den Päpsten und ihren Theologen so begründet: Jesus habe nur 12 Männer zu Aposteln erwählt. Dabei werden im Neuen Testament selbst schon viele Frauen als JüngerInnen Jesu genannt. Trotz aller wissenschaftlichen Forschung, die Frauen als Priesterinnen auch in der katholischen Kirche für möglich und geboten halten, wollen die Kleriker auf ihre männliche Alleinherrschaft nicht verzichten. Und die Kleriker im Vatikan sagen: Na ja, es gibt doch einige Frauen in hohen Verwaltungsposten sogar im Vatikan…
Wie überhaupt der Vatikanstaat – historisch betrachtet – auf einer großen Lüge beruht: Man denke daran, dass die Päpste an die „Constantinische Schenkung“ glaubten, also an die Schenkung großer Gebiete Italiens durch den Kaiser, auch dann noch, als im 15. Jahrhundert der hoch gebildete Theologe und Historiker Lorenzo Valla nachweisen konnte, dass dieses angebliche Schenkung – Dokument Kaiser Constantins eine Fälschung aus dem 8. oder 9. Jahrhundert ist. Aber nur im Festhalten an dieser Lüge kann der Staat Vatikan überhaupt ein Existenzrecht haben. Bekanntlich war der Faschist Mussolini 1929 so freundlich, dem Papst wieder einen (winzigen) Staat zu gewähren.
So kann der Papst eben auch Staatsmann sein, mit allen Privilegien, man denke an das umfassende System der Vatikan- Botschafter, der Nuntien. Sie kontrollieren die Ortskirchen und melden etwa progressive Irrtümer und „Irrlehrer“ der jeweiligen Ortskirchen den Vatikanischen Behörden…
Es ist schon erstaunlich, dass eine Kirche, die, vernünftig betrachtet, auf Lügen beruht, selbst einen solchen Furor entwickelt hat und pflegt, ihre eigene Wahrheit gegenüber den „Ketzern“ auch mit Gewalt durchzusetzen…

11.Für die katholische Kirche (um nur von ihr zu sprechen) gehört die Lüge zur Ideologie, bei allem Furor der Durchsetzung der eigenen „Wahrheiten“

Es ist ein endloses, letztlich immer verstörendes Thema: Die katholische Kirche und ihre Bindung an dogmatische Lügen und politische Lügen. Aber die verbliebenen Katholiken stört das nicht so sehr, sie freuen sich, ihren Wunderglauben, auch ihren Glauben an die göttliche Erhörung ihrer Bittgebete usw… weiter pflegen zu dürfen. Wer wagt es noch, hier von praktiziertem Aberglauben in der katholischen Kirche zu sprechen? Aberglaube ist eine Lüge. Auch von der bewussten Ignoranz gegenüber Missbrauchstätern durch Bischöfe wäre zu sprechen, sie haben die Wahrheit verachtet zugunsten einer Kumpanei mit den Mitbürgern“, also ihre Kleriker als Missbrauchstäter gedeckt und verteidigt…

Fußnote 1: Immanuel Kant, „Zum ewigen Frieden und andere Schriften.“ Fischer Taschenbuch, 2008, S. 225- 231).

Fußnote 2: Marcus Willaschek, „Kant“. C.H. Beck Verlag, 2023, S. 106.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophisches Salon, Berlin.

 

Für einen Bischof in Uganda sind Menschenrechte wichtiger als Bibelsprüche und dogmatische Lehren

Erinnerung an Bischof Christopher Senyonjo, den Verteidiger und Beschützer der Homosexuellen in Uganda

Ein Hinweis von Christian Modehn am 22.7.2026

1.
Bischöfe loben: Das geschieht eher selten im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin. Denn für uns stehen Bischöfe wie alle sich religiös oder speziell christlich nennenden Menschen UNTER den Menschenrechten. Zuerst entscheidend sind die universell geltenden Menschenrechte, und dann danach die religiösen, christlichen Lehren, die mit Argumenten der Vernunft gelesen werden müssen.

2.
Heute müssen wir an einen Bischof der Anglikanischen Kirche im afrikanischen Uganda lobend erinnern: Christopher Senyonjo, emeritierter Bischof von Buganda, ist am 19.Juli 2026 im Alter von 94 Jahren gestorben. Bischof Senyonjo war die stärkste christliche Stimme, die mit allem Nachdruck die totale, auch gesetzlich fixierte Repression des Staates Uganda gegen Homosexuelle und alle Queers verurteilte. (Eine sehr ausführliche Würdigung dieses außergewöhnlichen Bischofs bietet Wikipedia, hier eine von Wikipedia angebotene Übersetzung, Fußnote 1).

3.
Es gibt noch eine Vereinigung „Sexuelle Minderheiten in Uganda“ (SMUG) und die „Association zur Verteidigung der Rechte der Homosexuellen (FARUG)“, die ausdrücklich an Bischof Senyonjo erinnern: “Er war eine seltene, großartige Seele, die nicht nur Liebe predigte, sondern sie jeden Tag praktisch lebte.“

4.
In Uganda nennen sich 80 Prozent der Einwohner Christen in verschiedenen Kirchen und Konfessionen. Seit 2023 herrscht in Uganda eines der repressivsten Gesetze gegen Homosexuelle. Und dieses Gesetz wird offen vom anglikanischen Klerus in Uganda unterstützt. Wie so oft behaupten auch die anglikanischen Feinde der universell geltenden Menschenrechte: „Homosexualität wurde uns Afrikanern von außen aufgezwungen, von Fremden, gegen unseren Willen und gegen unsere religiösen Überzeugungen“, so der oberste Kirchenchef der Anglikaner in Uganda, Stephen Samuel Kaziimba Mugalu. Eine Position, die auch von sehr vielen katholischen Bischöfen und Kardinälen vertreten wird, wie jüngst von dem weltweit schon bekannten Feind homosexuellen Lebens und Liebens, dem Kurien-Kardinal Robert Sarah, Rom, er stammt aus Guinea, über ihn haben wir schon oft berichtet. LINK.

5.
Aber Bischof Christopher Senyonjo dachte und handelte menschlich: Er wehrte sich – zumal als emeritierter Bischof – gegen die sogenannte „Therapie“ der „Heilung“ von Homosexualität, er eröffnete in der Hauptstadt Kampala ein Beratungszentrum für Homosexuelle als Hilfe und Zuflucht für Homosexuelle.
Die anglikanische Episcopal Church in den USA unterstützte ihn, während Bischof Senyonjo von seiner eigenen Kirche ihn Uganda ausgeschlossen wurde, weil er, so wörtlich, „offen die Lehren der Bibel zur menschlichen Sexualität entstellte.“ Bischof Senyonjo entgegnete: „Ich kann doch Homosexuelle nicht verurteilen, denn ich bin aufgerufen jedem Menschen zu dienen, vor allem, jenen, die marginalisiert sind. Man kann die Bibel doch nur in dem Zusammenhang von Homosexualität zitieren, wenn man genau den Kontext beachtet“, also sich von fundamentalistischer Bibellektüre befreit.

6.
2010 wurde in Uganda ein Foto in der Presse veröffentlicht: Es zeigt Bischof Senyonjo mit David Kate, einem der führenden Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen. Der Kommentar der Zeitungen: „Diese beiden sind die wichtigsten Homosexuellen im Land. Ergreift sie“. David Kato wurde „ergriffen“ und einige Monate nach den Zeitungsberichten ermordet. Bischof Senyonjo sprach Gebete bei dessen Bestattung. Über David Kato: Siehe : https://www.bbc.com/news/world-africa-12295718

7.
Es geht in den christlichen Kirchen Afrikas heftig gegen die Rechte von Homosexuellen. Die Anglikanische Weltgemeinschaft droht deswegen zu zerbrechen: die anglikanischen Feinde der Menschenrechte in Afrika nennen sich „orthodox“, rechtgläubig. Sie wollen eine eigene afrikanisch-anglikanische Allianz bilden. Offenbar ist es den vernünftigen Anglikaner in England oder in den USA nicht gelungen, ihre lieben Mitbrüder in Afrika von der Vorherrschaft der Menschenrechte vor allen dogmatischen Lehren zu überzeugen. Dann sollen diese „orthodoxen“ Anglikaner doch ihren eigenen Weg gehen. Jedenfalls hat die Vernunft in der anglikanischen Kirche NICHT gesiegt. Eigentlich eine Blamage.

8.
Um den Schutz der Homosexuellen und Afrika müssen sich dann internationale Organisationen und die noch verbliebenen demokratischen Staaten in Europa wirksam kümmern …. falls sie noch bereit sind, Flüchtlinge aus Uganda etwa aufzunehmen.

9.
Auch in der katholischen Kirche gibt es tiefste Spannungen: Die allermeisten afrikanischen Kirchenführer, Bischöfe und Kardinäle, sind explizite Feinde der Gleichberechtigung von Homosexuellen in den Staaten und der Kirche. Und der Papst will die zahlenmäßig wachsende Katholische Kirche in Afrika nicht irritieren. Deswegen hält er sich im Blick auf Europa mit einer vernünftig wie christlich gebotenen Gleichberechtigung für Homosexuelle zurück und lässt Segnungen von homosexuellen Paaren nur unter aller größten Einschränkungen sehr ungern noch zu. Das heißt: Der Papst, der Vatikan, die meisten Bischöfe wollen absolut nicht, dass Homosexuelle als völlig gleichberechtigte Menschen in der Kirchen und in den Staaten leben. Mit anderen Worten: Auch diese katholischen Kirchenführer in Rom und anderswo sind wie die anglikanischen Kirchenführer in Uganda und Afrika – reaktionär. (Siehe Fußnote 2: Einige führende katholische Bischöfe Afrika gegen die Rechte der Homosexuellen)

10.
Über dieses unverschämte, unmenschliche Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Queers durch Politiker und Kirchenführer (von muslimischen Führern wollen hier erst gar nicht reden…) wird in der Soziologie und Anthropologie und Politologie vielfach geforscht. Zentrale Erkenntnisse zur „Homofeindschaft“ der etablierten Kreise in Afrika:
Sie lenken mit dieser verbrecherischen Ideologie ab von den echten Problemen Afrikas (Armut, eigene Korruption!, Ungerechtigkeit etc..)
Sie wollen ihre Souveränität dokumentieren.
Sie ignorieren die deutlichen Forschungsergebnisse: Vor der Kolonisierung Afrikas gab es meist keine Abwehr von Homosexualität.
Zumal die homo-feindlichen Bischöfe geben sich als treue Schüler der europäischen Missionare des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie lehrten einst in ihrem eigenen, damals üblichen europäischen Anti – homo – Wahn die neugierigen „Heiden“ Afrikas: Der liebe Gott liebt keine Homosexuellen. Und diese Lehre garnierten sie mit ein paar Bibelzitaten, die sie den staunenden Heiden als Gottes Wort verkündeten. Und die „bekehrten“ Heiden gehorchten.
Nebenbei: Es ist manchmal befremdlich, dass keine Predigten der Missionare in Afrika im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlicht werden. Sind alle diese Dokumente verschwunden? Oder: Werden sie vor kritischem Zugriff versteckt und verschlossen? Wahrscheinlich ist das so.

11.
Man wird nicht die Verteidigung der universell geltenden Menschenrechte, auch für die Menschen in Afrika, auch für Homosexuelle und Queers in Afrika, als eine Form des Kolonialismus bezeichnen und die Menschenrechts – Aktivisten verurteilen. Und man wird doch wohl nicht die politischen und religiösen Verbrecher in Afrika als kulturell korrekt geortet in ihrer „ureigenen“ Kultur loben?

Wer dieser Überzeugungen folgt, entspricht den ideologischen Restbeständen einer in Pluralismus zerfallenden „Post – Moderne“. Demnach hat jeder irgend recht… Wir weisen diese Ideologie mit gutem Grund als inhuman zurück. Die in etwas Freiheit und manchmal in Gleichberechtigung lebenden Europäer dürfen nicht sagen: „Na, dann sollen die Homosexuellen in Afrika halt umgebracht werden, wenn sie sich nicht der Ideologie ihrer korrupten politischen Herrscher anpassen wollen oder den uralten Sprüchen der Bibel.“
Aber die gequälten Opfer der Gewaltregime auch in Afrika fordern doch nur eins: Die Geltung der Menschenrechte auch für sie und alle Menschen.

FUßNOTE 1:
In ausführlicher Beitrag von WIKIPEDIA:
https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Senyonjo

FUßNOTE 2:
Wir nennen Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Demokratische Republik Kongo). Er behauptet: Homosexualität sei in Afrika eigentlich gar kein Thema, deswegen braucht die Kirche auch keine Segnung vom homosexuellen Paaren.

Wir nennen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Ghana, Bischof Matthew Kwasi Gyamfi. Er sagt öffentlich: Homosexualität sei verabscheuungswürdig, er fordert Strafen für Homosexuelle.

Wir nennen die Katholische Bischofskonferenz von Nigeria (CBCN): Sie weigert sich Homosexuellen zu segnen. Diese Segnung sei ein Verstoß gegen Gottes Gesetz, und: diese Segnung passe nicht zur afrikanischen Kultur.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Wenn die katholische Kirche öffentlich erklärt: „Die AfD ist für Katholiken nicht wählbar“!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 13.7.2026

Der Hinweis reflektiert, sozusagen in letzter Minute (was Sachsen-Anhalt angeht): Was wäre, wenn der dortige Bischof in Magdeburg öffentlich und explizit erklärt: „Für Katholiken – und alle Christen und alle Demokraten – ist die AfD nicht wählbar.“

Dazu müssen einige allgemeine Überlegungen vorangestellt werden.

1.
Verbote aussprechen und durchsetzen gehört grundsätzlich zum menschlichen, geistigen Leben, auch in der Demokratie.
Zur Erinnerung, ganz kurz: Die Nutzung von so genannten „social media“ soll nun (Mitte Juli 2026) endlich Kleinkindern und Kindern bis 13 Jahren verboten werden, nicht aus Willkür, sondern: Weil die Nutzung dieser Medien die geistige Entwicklung sehr stört.
Und: Wenn an Brücken zu lesen ist: „Einsturzgefahr, Brücke betreten verboten“, dann sollte man über diese Brücke nicht laufen, fahren, falls man am eigenen Überleben interessiert ist.

2.
Jetzt wird vom CSU Politiker Klaus Holetschek vorgeschlagen: Wenigstens den gesichert als rechtsextrem anerkannten AfD-Landesverband Thüringen zu verbieten, „angeführt vom einschlägig vorbestraften Björn Höcke“, wie die SZ am 14. 7.2026, Seite 4, schreibt. Demokraten wissen:
Diese Partei hat die in Deutschland geltende Bindung an das Grundgesetz aufgegeben. Menschenrechte interessieren diese Partei nicht. Sie gehört nicht in unsere Demokratie!

3.
Und: Wie hält es die katholische Kirche mit einem offiziellen AfD Verbot: Etwa sollte die Kirchenleitung öffentlich sagen: Katholiken dürfen die AfD nicht wählen, zumal in den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September 2026?

4.
Die katholische Kirche bekanntlich hat eine lange und umstrittene Tradition ihrer Verbotspraxis: Es gab bis 1960 eine Liste der „verbotenen Bücher“ (den „Index“). Gebildete Katholiken sahen in diesem Verbot eher eine Ermunterung zur Lektüre…
Es gab 1949 ein Verbot Papst Pius XII.: Katholiken ist es verboten, die Kommunistische Partei zu wählen. Zumal im katholischen Italien hielten sich überhaupt nicht alle Katholiken an dieses Verbot. Sie wussten: die päpstliche empfohlene „Democracia Cristiana“ ist korrupt…
Papst Paul VI. hat den KatholikInnen den Gebrauch der „Pille“ verboten, nur ganz wenige Ehepaar folgten diesem Verbot. Kardinal Höffner von Köln hat noch in den 1980Jahren die Partei „Die Grünen“ für Christen als „nicht wählbar“ verurteilt. https://www.domradio.de/artikel/als-der-heilige-stuhl-wahlverbote-aussprach-70-jahre-anti-kommunismus-dekret-des-vatikan

5.
Die Verbote der katholischen Kirche waren unsinnig und haben wenig im Sinne der Päpste bewirkt.
Aber sind Verbote, von amtlicher Leitung der Kirche und von Theologen öffentlich ausgesprochen, immer sinnlos? Sicher nicht. Brasilianische Bischöfe haben etwa das brutale Vorgehen von Landraub in den Bezirken der Indigenen Völker verboten. Sklaverei, auch heute ein aktuelles Verbrechen, ist kirchenoffiziell verboten.
Diese Verbote haben zweifellos eine Bedeutung und auch eine Wirkung in der Öffentlichkeit! Sie zeigen in Verbindung mit den Aktionen demokratischer Parteien und demokratischer NGOs die „roten Linien“, denen sich auch die Kirchen anschliessen.

6.
Die aktuelle Frage ist: Hätte es einen Sinn und vor allem eine umfassende politische Bedeutung, wenn jetzt die Führung der Katholischen Kirche in Sachsen – Anhalt und Mecklenburg – Vorpommern die Wahl der AfD verbietet? Zum Verzicht der Demokratie, die AfD zu verbieten, schreibt Wolfgang Janisch in dem genannten Beitrag in der SZ: „Den amtlichen Verzicht auf einen Verbotsantrag verstehen viele Menschen als eine Art Gütesiegel: So schlimm wird sie schon nicht sein, diese AfD.“

7.
Wenn also öffentlich und explizit die katholische Bischöfe den Katholiken die Wahl der AfD aus ethischen, politischen und christlichen Gründen verbieten , würde auch die breite Öffentlichkeit wissen: „Sie ist also doch wohl schlimm, diese AfD, die Bischöfe sind ja gut beraten von Politologen und Ethikern, wenn sie sich für ein Verbot aussprechen.
Nicht nur Katholiken, andere Christen und die vielen humanistisch Gesinnten in den Ländern kämen also ins Nachdenken und – hoffentlich – zu einer politischen Neuorientierung zu Demokratie.

8.
Es gibt schon eine Erklärung der katholische Bischofskonferenz, die eindeutig die Nicht – Wählbarkeit der AfD für Katholiken ausspricht. Auf ihrer Voll- Versammlung am 22. Februar 2024 in Augsburg haben sich die Bischöfe explizit von der AfD distanziert und die Gläubigen vor der Wahl der AfD explizit gewarnt, in der offiziellen Erklärung heißt es u.a.: „Wir appellieren an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, auch an jene, die unseren Glauben nicht teilen: die politischen Angebote von Rechtsaußen abzulehnen und zurückzuweisen. Wer in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft leben will, kann in diesem Gedankengut keine Heimat finden. Wer Parteien wählt, die mindestens in Teilen vom Verfassungsschutz als „erwiesen rechtsextremistisch“ eingeschätzt werden, der stellt sich gegen die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens und der Demokratie in unserem Land.“ ( Quelle: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_alt/presse_2024/2024-023a-Anlage1-Pressebericht-Erklaerung-der-deutschen-Bischoefe.pdf) Und der damalige Präsident der Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing ergänzte 2024: „Ich möchte exemplarisch daran erinnern, dass mein Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz auf der Frühjahrs-Vollversammlung 2017 in Bensberg „rote Linien“ für legitimes politisches Engagement formuliert hat… Ich möchte erinnern an die nord – ostdeutschen Bischöfe, die am 19. Januar 2024 öffentlich erklärt haben, dass sie „vor dem Hintergrund unseres eigenen Gewissens die Positionen extremer Parteien wie dem III. Weg, der Partei Heimat oder auch der AfD nicht akzeptieren können“.

9.
In Sachsen – Anhalt und Mecklenburg – Vorpommern werden im September 2026 Landtagswahlen stattfinden, die Umfragen zeigen: Die AfD könnte stärkste politische Kraft werden.
Der sonst gegenüber AfD kritische Bischof von Magdeburg (Sachsen – Anhalt), Gerhard Feige, sagt in einem Interview mit der Zeitschrift Publik – Forum (10.Juli 2026, S. 17) lapidar zu seinem jetzigen Umgang mit der AfD in seinem Bundesland: „Wir wollen Gegensätze nicht verschärfen.“ Also: Besser kein Verbot aussprechen, die AfD zu wählen. Weil man sonst die AfD zu sehr reizt? Weil die Polemik und die bisherige Gewalt dieser Partei schon zu heftig sind? Weil Bischof Gerhard Feige von Magdeburg zwar mit der evangelischen Kirchenleitung in Verbindung steht:
Aber das wäre doch ein Ereignis: Kardinäle und Bischöfe aus „Westdeutschland“ werden im Juli und August 2026 Magdeburg, Halle, Stendal, Dessau usw… besuchen, mit den Gemeinden sprechen, auf dem Markt, in Kneipen usw… um den Kampf gegen die AfD zu unterstützen?

10.
Bischof Feige kritisiert in dem genannten Interview in altbekannter Art heftig die AfD, er weist darauf hin, dass er selbst wegen dieser Stellungnahmen beleidigt wird und meint sogar: So hinterhältig wie die AfD war die SED nicht im Umgang mit den Kirchen (S. 18). Und Feige sagt treffend: „In Wahrheit geht es der AfD aber um einen Kulturkampf“.

11.
Warum gibt es bei dieser detailliert treffenden Einschätzung der AfD dann aber kein öffentliches Verbot dieser Partei durch den Bischof?
Das Problem ist: Die AfD ist – bis jetzt – keine verbotene Partei. Sie kann sich den Anschein geben, eine normale Partei unter den anderen (demokratischen) Parteien zu sein. Der Bischof müsste also eine – dem Anschein nach – „demokratische Partei“ verurteilen und vor dieser warnen. Das ist schwierig… und die eher schwammige Aussage des Bischofs ist eine schlimme Konsequenz, dass es immer noch kein AfD Verbot gibt, wenigstens des auch rechtsradikal durchsetzten Landesverbandes Sachsen – Anhalt. Die Demokraten haben also geschlafen. Jetzt ist der politische Aktionsradius gegen die AfD schon sehr begrenzt.

12.
Aber dies ist ein weiterer Grund für das Ausbleiben eines rigorosen und öffentlichen NEIN zur Wahl der AfD: Bischof Feige sagt in dem genannten Interview: „Natürlich gibt es Themen der AfD, die traditionalistische Christen (gemeint sind wohl konservative Katholiken, „traditionalistisch“ sind bekanntlich die Piusbrüder, aber die gibt es in Sachsen – Anhalt kaum, CM) emotional ansprechen können. Dazu gehört das klassische Familienbild, der Schutz ungeborenen Lebens und sicher auch Genderfragen“. An diesen Themen klammert sich die AfD fest. Bischof Feige muss also eine ideologisch – theologische Nähe konservativer Katholiken (und Protestanten sicher auch) zu den Themen der AfD eingestehen. Wenn für Katholiken diese drei genannten Themen wahl-entscheidend sein dürften, dann müsste sich doch ein Bischof fragen: Was haben wir als Kirchenführung und als Theologen falsch gemacht, dass der Eindruck sich durchsetzen konnte: Das „klassische Hetero-Familien-Bild“, der „absolute Schutz ungeborenen Lebens“ und „die Genderfrage“ seien der entscheidende Mittelpunkt des christlichen Glaubens? Welche Schuld haben die Bischöfe auf sich geladen, dass sie die die genannten Themen so in den absoluten Mittelpunkt des Glaubens stellten? Das tun ja selbst die sich christlich nennenden Parteien in der BRD nicht (mehr).

13.
Es ist immer noch Zeit, diese Schuld öffentlich anzuerkennen und diese Ideologien beiseitelegen und als Bischof öffentlich zu sagen: Oberste Norm für uns als Katholiken und Christen sind die universell geltenden Menschenrechte. An der Realisierung dieser Menschenrechte hat die AfD kein Interesse. Deswegen sollten Demokratie, sollten Katholiken, diese Partei NICHT wählen.

14.
Dabei sollten sich die Bischöfe heute erinnern: Gegen Ende der Weimarer Republik gab es einige katholische Bischöfe, die explizit, die Katholiken warnten, die NSDAP zu wählen. Diese NSDAP war damals nicht verboten. Man denke etwa an die Bischöfe Sproll (Rottenburg) oder Hugo (Mainz) in ihrem rigorosen Nein zur NSDAP (das galt bis zur „Machtergreifung“). Bischof Sprolls Verdienste im Kampf gegen die NSDAP werden jetzt durch freigelegte Missbrauchsvorwürfe leider getrübt…
Zu Bischof Hugo in Mainz schreibt Wikipedia: „Dem aufkeimenden Nationalsozialismus trat Bischof Hugo entschieden entgegen: Als erste deutsche bischöfliche Behörde verbot Hugos Bistumsverwaltung 1930 unter Federführung des Generalvikars Philipp Jakob Meyer den Katholiken die Mitgliedschaft in der NSDAP. Nationalsozialisten wurde im Bistum Mainz der Empfang der Sakramente und das kirchliche Begräbnis verwehrt. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten demonstrierte Hugo mit dem dritten Internationalen Christkönigskongreß 1933 und der „Ketteler Feier der Werktätigen“ 1934 den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Maria_Hugo)

15.
Es wäre eine aktuell – dringende Aufgabe für Religionssoziologen und kritischenTheologen zu dokumentieren: In welcher Form bieten die Kirchen in den ostdeutschen Bundesländern, in den Dörfern und (kleineren) Städten, offene Jugendtreffpunkte an oder One der Begegnung für die anderen, die „Älteren“, aber eben nicht-konfessionell bestimmte , also nicht-missionarisch orientierte Gemeinderäume.
Es ist ja eine Tatsache: Die AfD und andere andere Rechtsextreme sind in vielen Dörfern und Städten noch die einzigen, die „sich kümmern“.

16.
In einer Vernachlässigung der Gestaltung offener Angebote haben die Kirchen wie auch die demokratischen Parteien und Vereine Schuld auf sich geladen … angesichts der hohen Zustimmung der sich „allein gelassen fühlenden Bevölkerung“, sie sieht sich in der „Kümmerpartei“ AfD „aufgehoben“.
Diese Zusammenhänge sind wohl evident, müssten aber weiter empirisch genau untersucht werden.

17.
Die Kirche des Bistums Magdeburg ist arm, finanziell arm verglichen mit westdeutschen Bistümern, und auch personell arm: Auch Ordensleute leben lieber in München, Frankfurt (M), Mainz, Würzburg usw. als in der tiefen Diaspora im „Osten“. Auch diese personelle und finanzielle Vernachlässigung der Kirche in den ostdeutschen Ländern wird man eines Tages für den Sieg der AfD verantwortlich machen müssen.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

 

 

Eine katholische Predigt anläßlich von Gay Pride, Pride Weeks und der Christopher – Street – Day Demos (CSD)

Von Christian Modehn am 10.7.2026

Liebe Gemeinde,

in diesen Tagen und Wochen der Gay-Pride, also der Präsenz der Queer – Community, ist es für uns als katholische Priester wichtig, Ihnen, den Katholiken, eine ganz besondere Predigt zu bieten.

Diese Predigt heute ist unser offizielles katholisches Schuldbekenntnis, als Bitte um Vergebung für das Leid und seelische Elend, das die katholische Kirche im Laufe ihrer langen Geschichte und bis heute den Schwulen und Lesben und Transsexuellen und allen aus der weiten Gemeinde der Queers angetan hat.

Dieses Schuldbekenntnis bedeutet zugleich eine entscheidende Wende im Zusammenleben von Heterosexuellen und Queers in der katholischen Kirche. Unsere zentrale Aussage ist: Homosexuelles Leben und Lieben ist genauso gut und wertvoll wie heterosexuelles Leben und Lieben. Mit anderen Worten: Homosexuelles Leben und Lieben ist normal. Es ist weder abartig noch Sünde.

Bestimmte Sprüche des Alten wie des Neuen Testaments der Bibel, die eine Verurteilung homosexuellen Lebens und Liebens betonen, sind ab sofort nicht mehr relevant in unserer Kirche. Inzwischen haben selbst die Kirchenführung, sogar der Papst und seine Behörden im Vatikan erkannt: Diese anti – homosexuellen Urteile der Bibel sind nichts als zeitbedingt, sie haben weder etwas mit der universellen göttlichen Liebe zu allen Menschen zu tun noch mit den heute absolut geltenden universellen Menschenrechten.

Diese universellen Menschenrechte gelten selbstverständlich auch für uns Katholiken als oberste normative Orientierung, nicht Bibelsprüche, nicht so genannte theologische Prinzipen stehen für uns Katholiken an oberster Stelle. Sondern, wie gesagt, die Menschenrechte. Dass diese in Europa formuliert wurden als ihrem geistigen Entstehungsort sagt nichts aus gegen die universelle Gültigkeit der Menschenrechte überall, wo Menschen leben. Was verlangen denn die unschuldig Verurteilten in chinesischen, russischen, Nord – koreanischen Lagern usw.? Sie verlangen für sich als Asiaten den absoluten Respekt der Menschenrechte. Das nur nebenbei.

Ich komme jetzt zum zweiten Teil meiner Predigt, also zu der Liste der nun offiziellen Bitte um Verzeihen und Entschuldigung für alle Verbrechen, die die katholische Kirche an Homosexuellen, Queers, wie wir heute sagen, begangen hat. Diese Liste ist unvollständig, möge jeder und jede diese Liste aus eigenem Erleben ergänzen. In jedem Fall bitte ich alle, vor allem die Gays und Queers, diese offizielle Bitte um Vergebung anzunehmen.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den KatholikInnen, die wegen ihres homosexuellen Lebens und Liebens durch die ungerechte Haltung der Kirche körperlichen Schaden, vielleicht sogar den Tod im Rahmen dieser üblen Inquisitions- Prozesse erleiden mussten.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den KatholikInnen, die wegen ihres homosexuellen Lebens und Liebens durch die ungerechte Haltung der Kirche schweren seelischen Schaden, seelische Krankheiten hinnehmen und ertragen mussten. Diese sind entstanden durch die – von der Kirche- erzwungene Verleugnung der eigenen persönlichen sexuellen Prägung, so zusagen nach Innen, für sich selbst, wie nach außen, für die Gesellschaft und Kirche.

Die katholische Kirche bittet um Vergebung bei den vielen Priestern, Ordensleuten und Nonnen, die ihre eigenen Homosexualität absolut versteckt und verleugnet leben mussten wegen der verachtenden Haltung der offiziellen Kirche.

Die katholische Kirche ist dankbar, dass immer wieder einzelne Soziologen und Religionswissenschaftler in ihren Studien gezeigt haben, wie weit verbreitet tatsächlich das heimliche homosexuelle Leben etwa von Priestern, Bischöfen und Kardinälen und Päpsten ist. Wir denken dabei an das Buch von Frédéric Martel, „Sodom“, S. Fischer Verlag 2019. Der französische Soziologe Martel dokumentiert z.B. ausführlich das total verlogene Leben eines einflußreichen homosexuellen Kardinals, des kolumbianischen Kardinals Lopez Trujillo (S. 360 ff., Lopez Trujillo war ein enger Freund Papst Johannes Paul II. und dem katholischen Geheimbund „Opus Dei“ sehr nahestehend, er war als Erzschwuler ausgerechnet für Fragen der Hetero-Familien im Vatikan zuständig).

Viele weitere Namen (verstorbener) Kleriker wären zu nennen. Wir verurteilen nicht die Homosexualität dieser Kleriker, wir bedauern, dass sie nicht offen und frei ihre ganz normale, ihre homosexuelle Liebe, leben und öffentlich aussagen und gestalten konnten. Es sind dies die Verbrechen der offiziell verordneten Verleugnung der eigenen personalen Identität, die so katastrophal ist für die betroffenen Homosexuellen selbst wie für die Gemeinden, die mit diesen verklemmt und deswegen oft hoch – neurotischen homosexuellen Priestern oder lesbischen Nonnen zu tun haben.

Liebe Gemeinde, ich will diese Litanei der Bitte um Vergebung und Verzeihung hier abbrechen. Die große, man sage endlich einmal radikale Wende der Kirche im Umgang mit Homosexuellen bzw. Queers ist deutlich geworden.

Nur diese Bitte um Vergebung muss ich noch vortragen: De facto werden Homosexuelle bzw. Queers in der katholischen Kirche bis jetzt immer noch als Katholiken zweiter Klasse behandelt. Der offizielle römische Katechismus hat die disqualifizierenden Aussagen zur Homosexualität noch nicht aus dem Buch entfernt, es wird höchste Zeit, was soll dieser Wahn, wenn der Katechismus behauptet: „Homosexuelle Handlungen sind nicht in Ordnung“ oder „sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz.. Sie sind in keinem Fall zu billigen“ (§ 2357). Dieser Unsinn, das sagte ich am Anfang, gilt ab sofort nicht mehr, denn Homosexualität ist eine normale Variante unter allen Formen der Sexualität. Die Kirche macht bekanntlich Entwicklungen, Korrekturen, ist nicht erstarrt in ihren Traditionen.

Und zum Schluss noch muss ich mich entschuldigen dafür, dass der Papst nun eine gewisse Segnung homosexueller Paare erlaubt, aber diese Segnung soll bitte sehr dezent und versteckt ausfallen, soll überhaupt keine Ähnlichkeit mit der Hetero – Ehe reservieren Zeremonie haben.
Also: Diese nun erlaubte, aber von reaktionären Klerikern selbstverständlich abgelehnte Segnung homosexueller Paare ist eine Diskriminierung; sie erkennt nicht an, dass auch Homosexuelle längst in vielen Staaten als Ehepaare leben.
Weil die Kirchenführung ihre Fehler einsieht, wird es also bald feierliche Eheschließungen von homosexuellen Eheleuten auch in Katholischen Kirchen geben. Natürlich als Sakrament. Die Ehe ist bekanntlich ein Sakrament der Kirche.

Zum Schluß: Wir haben hier nur von der katholischen Kirche gesprochen. Natürlich sind alle christlichen Kirchen aufgefordert, ihre Verbrechen gegenüber Homosexuellen einzugestehen und sich bei den Opfern zu entschuldigen. Das gilt auch für die machtvoll agierenden, politisch rechtsextremen so genannten evangelikalen Kirche oder Teile der Pfingstkirchen, natürlich auch für alle Formen der orthodoxen Kirchen.
Und ich will nicht verschweigen, dass es eine kleine christliche Kirche in den Niederlanden gibt, für die homosexuelles Leben und Lieben seit Jahrzehnten selbstverständlich ist. Es handelt sich um die Kirche der Remonstranten. (Siehe Weiteres dazu Fußnote 1).

Wer die lange Leidensgeschichte anschaut, die die katholische Kirchenführung und die von dieser Kirchenführung indoktrinierten heterosexuellen Gläubigen den vielen tausend Homosexuellen angetan hat, kann sich eigentlich nur voller Schauer, wenn nicht Ekel und Empörung von dieser Kirche abwenden. Aber einige Weisheiten des Weisheitslehrers und Propheten Jesus von Nazareth bleiben wichtig, darum werden einige wenige katholische Homosexuelle noch in dieser Kirche bleiben.

Unsere große Aufgabe ist: Den Kardinälen und Bischöfen und dem ganzen Klerus (auch dort sind rein statistisch gesehen etliche Homosexuelle!) IN AFRIKA klar zu machen: Deren kämpferische Ablehnung der Homosexualität und der Homosexuellen in ihren Staaten, meist Diktaturen, fördert nur die Verfolgung von Homosexuellen in diesen Ländern. Diese rigide Ablehnung der allermeisten katholischen Kirchenfürsten in Afrika widerspricht, wie gesagt, dem Evangelium, sie widerspricht vor allem den über allem und allen stehenden universell geltenden Menschenrechten.

Darum ist unsere Kollekte heute für ein bedrohtes Zentrum der Hilfe und Unterstützung für Homosexuelle in Uganda gewidmet. Die Kollekte zum Ausbau unserer Orgel entfällt also. Auf das vierte Manual unserer Orgel können wir gern verzichten, es gibt sehr viel Dringenderes.

Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Nachdenken dann auch über die Frage:

Sind denn die hier mitgeteilten Bitten um Verzeihung tatsächlich auch von der katholischen Bürokratie in Rom und in den Behörden der Bischöfe unterstützt???

Ich sage nur so viel: Was ich hier als Predigt anbot, ist leider eine totale Utopie.

Gehet in Frieden …und noch etwas: Streicht aus eurer Bibel die homo-feindlichen Stellen, sie gelten ab sofort nichts mehr, wie ich eingangs sagte. Kommt zur Vernunft und lest die Bibel vernünftig. Die Bibeltexte sind auch nichts als Texte von religiösen, aber begrenzten Menschen, die ihren Glauben in ihrer Zeit und für ihre Zeit (4. Jahrhundert vor Chr. bis 1. Jh. nach Chr.). aussagten. Die Bibel ist Ausdruck frommer Seelen, sie bietet interessante, aber immer zu kritisierende Weisheiten. Mehr nicht.

Und auch dies noch: Wenn eine CSD-Veranstaltung, eine Gay Pride, in Ihrer Stadt stattfindet, gehen sie bitte hin, nehmen sie teil, unterstützen sie diese Menschen, die jetzt von gewalttätigen Rechtsextremen bedroht werden. Eine Demo von Homosexuellen in ostdeutschen Städten muss LEIDER genauso geschützt werden wie eine Demo jüdischer Gemeinden.
Und: Falls Sie Bischöfe treffen, die sich mit den Queers bei einer Demo solidarisieren, sagen Sie es mir. Diese Bischöfe sollten selbstverständlich in vollem Pomp, genannt Ornat, auftreten, bitte mit Mitra… Verwechslungen mit Drag – Queens sind wohl ausgeschlossen… Normale jung gebliebene Gemeinde- Priester werden wieder verkleidet wie so oft dabei sein.

In 300 Jahren wird es vielleicht besser bestellt sein im Umgang der katholischen Kirche mit den Homosexuellen bzw. Queers. Das ist unsere Hoffnung, unter der Einschränkung, falls dann die katholische Kirche in Europa noch mehr ist als eine kleine Sekte…

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

FUßNOTE 1:

Der Remonstranten Theologe, Pastor Jan Berkens, predigt am Sonntag, dem 10.7.2027, in der Remonstranten Kirche „de Vriburg“ in Amsterdam um 10.30 Uhr.

Zur Einstimmung schreibt er:
„Amsterdam ist seit jeher ein Freiraum für Vielfalt. Unser Gemeinde „Vrijburg“ ist es ebenfalls. (Siehe: www.vrijburg.nl/)
Die Akzeptanz des „Andersseins“ im weitesten Sinne des Wortes steht weltweit unter Druck.
Deshalb sind Veranstaltungen wie die Gay – Pride wichtig. Auch die Kirchen haben dabei eine Rolle zu spielen. Gerade in den Kirchen geht es darum, dass jeder und jede angenommen wird, wer auch immer man ist.

In der Bibel wird zwar recht oft Homosexualität verurteilt, aber es gibt auch eine andere Strömung, bei der es gerade um Akzeptanz geht. Manchmal ist das ziemlich überraschend. Lass dich von meiner Predigt überraschen und von dem Werk des Künstlers Louis Fratino berühren.

Für die musikalische Umrahmung sorgen Jan Pieter Lanooy und Dwight Sampi. Dwight war an unserem Surinam-Niederlande-Austausch unserer Gruppe „Arminius“ in den Jahren 2023 und 2024 beteiligt und er ist gerade für kurze Zeit in den Niederlanden. Er wird für uns das „Vaterunser“ auf Saramacanisch singen.

Der Gottesdienst am 9. August steht im Zeichen der Word Pride und wird zum 40-jährigen Jubiläum der offiziellen Segnung von homosexuellen Lebenspartnerschaften in den Remonstrantenkirchen gefeiert!

Der Gottesdienst ist auch s zu sehen über www.vrijburg.nl/kerk-tv.

 

Ein neuer Tempel in Berlin: Zu Ehren der vielen säkularen, weltlichen Götter

Polytheismus – die vorherrschende Religion in Berlin.
Ein leicht ironischer Hinweis von Christian Modehn am 27.6.2026

Ein Vorwort:
Eine große Tempelanlage für die größte Konfession in Berlin ist eigentlich schon seit langem erforderlich: Für den modernen säkularen Polytheismus, den Glauben an einen der vielen weltlichen Götter. Schließlich nennen sich etwa 70 Prozent der Berliner Bevölkerung „Konfessionslos“, und dieser Titel bedeutet sicher ein Nein zum Monotheismus der Christen, Juden und Muslims, hat aber auch nichts mit dem Bekenntnis zum Buddhismus oder Hinduismus zu tun. Und der „klassische“ kämpferische Atheismus als Nein zum Monotheismus ist auch heute eher selten.
Es geht also um neue Formen des Glaubens, des Glaubens an die modernen vielen Götter, an die leidenschaftliche Bindung an einen der weltlichen oder am besten gleich an mehrere, wesensverwandte weltliche Götter. Wir nennen den Viel-Götter – Glauben deswegen einen säkularen Polytheismus, weil die Götter, die da verehrt werden, nur weltlich, also nur säkular sind. Von Transzendenz ist bei diesen Göttern also keine Spur, alles dreht sich hier um die eingeschlossene, abgekapselte Welt, also die Bindung an die endlos gedachte nur weltliche Welt ohne transzendente Funken… Dinge der Welt werden dabei gern und enthusiastisch in den Rang von etwas Göttlichem, Absoluten, Hoch – Heiligen erhoben, und bestimmte Menschen werden zu säkularen Heiligen, wenn nicht zu Göttern erklärt (siehe die Bewunderung für Musk in den USA).
Dies also ist ein neues Thema für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, Religionswissenschaft und Soziologie. Wir sprechen davon in einer Form einer milden Satire, deren phantasiereiche Beschreibung so unwahrscheinlich ja nicht ist, zumal der Viel-Götter-Kult heute weltweit absolut sich durchsetzt. Das Denken schließt sich ins nur Weltliche – Dinghafte ein, bestenfalls die Kunst kann noch die Schatten eines Jenseits zeigen, die Kirchen vertreten ihre uralten Dogmen in einer abgeschotteten, sich absolut wichtig nehmenden Klerus – Welt. Dies interessiert bald wirklich niemanden mehr, vielleicht noch einige der ewigen Neurotiker aus der katholisch – rechtsextremen Szene…

1.
Am 7. Juni 2026 wurde in Berlin ein neuer prächtiger Tempel zu Ehren der vielen Götter des Hinduismus feierlich eingeweiht. „Den Polytheismus pur“, möchte man sagen, kann jeder Interessierte dort erleben. Aber, und das ist überhaupt nicht degradierend gemeint: Es sind – regional begrenzt – die vielen Götter der hinduistischen Religion Indiens, die sich da in Berlin – Neukölln zur Verehrung und Bewunderung niedergelassen haben. Hunderte Statuen von hinduistisch – indischen Göttern (Göttinnen) schmücken den Tempel innen wie außen. Zwanzig Jahre wurde an diesem Tempel zu Ehren des Gottes Ganesha gebaut … auch mit allerlei finanziellen Hindernissen: Aber der Gott Ganesha hat schließlich gesiegt: Er wird – also wohl zurecht – als der „Überwinder von Hindernissen“ verehrt und er gilt als der „Schreiber heiliger Texte“.

2.
Wenn sich der uralte, auch literarisch wertvolle hinduistische Polytheismus in Berlin nun so deutlich präsentiert, sollte man die Anregung aufgreifen und wahrnehmen: dass sich ein ganz anderer Polytheismus in Berlin (und in ganz Europa) durchgesetzt hat: Dieser säkulare, weltliche Polytheismus möchte sich nun öffentlich in einer wahrlich riesigen Tempelanlage einladend präsentieren. Denn, wie gesagt, nur 30 Prozent der Berliner Bevölkerung sind sozusagen noch klassische religiöse Monotheisten, wobei unter denen sicher auch säkulare Polytheisten, also Verehrer irgendeines weltlichen Gottes, zu finden sind. Stichwort: Liebe zum Geld…Die sündhafte Hinwendung der Monotheisten zum Polytheismus war ja bekanntlich schon das Problem der Propheten des Alten Testaments.

3.
Keine Frage: Es gibt ihn faktisch, den weltlichen Polytheismus, also die von Menschen erschaffenen Götter, die sich als Götter NICHT feierlich von selbst offenbaren, sondern Produkte der Menschen sind, also weltlich sind. Diesen „ihren“ Göttern schenken die Menschen ihre Lebensenergie, ihnen opfern sie (sich auf), sie sind der entscheidende Mittelpunkt ihres Lebens: Diese weltlichen Götter sind als hoch-heilig aufgewertete weltliche Objekte (oder auch Subjekte, Menschen) inmitten einer sonst weithin vom monotheistischen Gott entleerten Welt. Selbstverständlich kann, wie im klassischen Polytheismus üblich, der einzelne weltliche Polytheist mehrere dieser Götter verehren, also den einen mal beiseite stellen zugunsten der Entscheidung für einen anderen. Wir nennen hier schon mal einige Namen der säkularen Götter, auf die wir im einzelnen noch hinweisen: Geld, Privateigentum, Auto, Nation, Fußball usw…

4.
Der geplante polytheistische Tempel muss eine große Anlage sein. Für die vielen Götter muss ausreichend Platz zur Verehrung stehen, zur stillen Andacht, zum Preisen und Loben, zum ausdrucksvollen Bekenntnis, ja auch dies: Vielleicht auch nur zur Verabschiedung von diesem Gott, sagen wir vom Gott Auto; dies kann vielleicht sogar eine Art Bekehrung sein zu einem radikalen Atheismus. In der riesigen Tempelanlage muss also Platz sein fürs Erleben, Bedenken, Feiern und ernsthaftem Debattieren mit den anwesenden Priestern, die hier Counselors heißen, ein bißchen gebildet sollen sie sein…
Alle diese säkular -polytheistischen Tempel in der großen Anlage müssen flach gebaut sein, jeglicher Turm, der in eine irgendwie transzendente himmlische Höhe weist, ist verboten. Die Erdverbundenheit, als die Bindung an die endlos fließende total flache Welt des säkularen Polytheismus muss auch architektonisch zum Ausdruck kommen.
Es wäre sehr hilfreich, wenn dieser Tempel angesichts der Menge der Gläubigen eine gut erreichbare, zentrale Lage hätte, mitten in der Stadt, etwa auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre der Wunsch: Ihn wird der Berliner Senat, auch dort gibt es ja säkulare Polytheisten, wohlwollend unterstützen.

5.
Im Zentrum der Tempelanlage steht der mit echtem Gold verzierte Tempel für den Gott Geld, mit dem eigentlich alle Menschen immer schon sehr eng verbunden sind, auch die monotheistisch Frommen. Darum gebührt dem Gott Geld einer der Haupttempel in der weitläufigen, mit vielen bunten Blumen und allerlei Bäumen ausgestatteten Tempel-Anlage. In den kleinen Nebentempeln des Gottes Geld können auch die ebenfalls göttlichen Aktien verehrt werden oder auch Formen neuer heiliger Krypto – Währungen.
In einem ebenfalls benachbarten kleineren Tempel werden schalldichte Mauern und Türen gebaut, für Spekulanten, die bei extremen Kursverlusten dort laut schreien, weinen und heulen dürfen. Auf diese Weise sollen die Manager bei Kursverlusten nicht den persönlichen Kurs verlieren.

6.
Ein weiterer großer Tempelbau wird den Verehrern des göttlichen und immer noch offiziell heilig genannten Eigentums zur Verfügung stehen. Auf den Wänden werden stündlich aktualisiert auf Monitoren die Preisentwicklungen der Eigentumswohnungen etwa in Berlin, München, Zürich, Paris, London, New York, San Francisco, Rom und Monaco eingeblendet. Auch das Verhältnis im Bau von Mietwohnungen und Eigentumswohnungen wird dokumentiert, auch in dem Fall sind Schreie des Protestes oder des noch stärkeren Jubels der Eigentümer erwünscht. Selbstverständlich werden etliche Super – Luxus Yachten als begehbare heilige Objekte zur Verfügung stehen, nach gründlichen Reinigung in einem Pool im dritten Obergeschoß der Yacht kann man auch kurz die prächtigen Räume besichtigen, allerdings nur der Flüsterton ist auf den heiligen Super – Luxus -Yachten erlaubt. Nebenbei: Ein Glas Champagner wird „an Bord“ für selbstverständlich schon ermäßigte 50 Euro angeboten .

7.
Ein weiterer großer Tempelbau in der Gestalt einer riesigen, für mindesten 100 Fans begehbaren Kugel wird dem höchst aktuellen Gott Fußball gewidmet sein. Im Innern des Tempels werden permanent auf 100 Bildschirmen gleichzeitig alte und auch aktuelle Fernsehaufnahmen von Fußballweltmeisterschaften zu sehen sein. Ein großes Quiz wird angeboten: Wer genau weiß, wie viele Millionen Schweizer Franken Mister Gianni Infantino im Jahr verdient, kann an einem Losverfahren teilnehmen und zu einem Frühstück mit Infantino in Genf geladen werden. Die Sieger können selbstverständlich auch absagen.
Eine andere begehrte Quiz – Frage wird sein, die ich mal so formuliere: Welche Mannschaft hat 1958 im Spiel El Salvadors gegen die Fidschi – Inseln gesiegt? Der Sieger wird zu einem Wochenende ins leider wieder mal sehr diktatorische El Salvador in Mittelamerika eingeladen. Absagen der Gewinner sind – Stand jetzt – sehr ratsam, um nicht durch Zufall in einem der berechtigten Massen – Gefängnisse des Präsidenten zu laden.

8.
Der längste Flachbau auf der großen Tempelanlage der „säkularen Götter“ wird der Gestalt eines iPhones sehr deutlich nachempfunden sein. Von 1000 angebrachten iPhones werden die Tempelbesucher permanent berieselt mit Life – Plaudereien von iPhonenutzern aus aller Welt in mindestens 100 verschiedenen Sprachen. So wird Kakophonie in Kalophonie umgewidmet. Ob die Tempelbesucher die eigenen iPhones oder die Handys am Tempeleingang abgeben müssen, um möglichstnvom eigenen Trieb des Klickens nicht verführt zu werden, darüber wird noch der Bundestag entscheiden.

9.
Ganz im klassischen Bordell – Rot, wir sagen es ehrlich schon jetzt, wird es eine gewaltige begehbare Penis – Nachbildung im Tempel – Park geben. Aus dem „Milieu“ kommt bereits der Vorschlag, diesen Tempel, gelagert im spirituellen Zentrum des Tempelbezirks der säkularen Götter, entweder „Sanctus Penis“ oder „Sanca Vulva“ zu nennen… Um Orgien in diesem Tempel einzugrenzen, sollen die in der Szene bekannten „Schwestern vom Orden der perpetuellen Indulgenz“ ein bißchen für erotischen Anstand sorgen.

10.
Polytheistische Ordnungskräfte werden einen weiteren, allerdings hoch umstrittenen Tempel sichern müssen: Den Tempel des viel gesichtigen Gottes Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Dieser Gott als Einheit vieler Götter prägt die Geschichte der Menschheit seit Jahrhunderten, deswegen muss in einem eigenen Tempel daran erinnert werden. Von außen wird er – für Demokraten – betont häßlich sein, die Frage braun dominiert, Innen ist alles schwarz gehalten.
Eine explizite, verbale Verehrung dieser Götter ist in diesem Tempel untersagt. Er soll ein Tempel des Abscheus, des Neinsagens, vielleicht der Bekehrung zum wahren Menschsein werden. Rechtsradikale Parteien in Europa, also die AFD, die Le – Pen – Partei „Rassemblement National“ oder die spanische VOX Partei , aber auch Teil der US – MAGA – Bewegung planen – unterstützt von ihren Freunden in Millionärs-Kreisen, ihren eigenen, alternativen Tempel in der Nähe zu bauen. Der Staatsschutz sollte ermitteln…
Jeder halbwegs vernünftig gebliebene weltliche Polytheist kann in diesem gewaltig braun – schwarzen Tempel öffentlich seinem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, der Homophobie abschwören, er empfängt danach von den stets anwesenden Priestern, „Counselors“ genannt, eine schöne, gut lesbare Ausgabe der „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948. In einem Nebentempel werden übrigens die heiligen Rüstungsfirmen sich verehren lassen, Details werden noch ausgearbeitet. In jedem Fall werden die neuesten Panzer zur Bewunderung und Verehrung bereit stehen. „Mehr Geld für die Rüstung“ steht über dem Eingang!

11.
Selbstverständlich wird es einen Tempel zu Ehren des heiligen Autos geben. Dem Mercedes- Stern nachempfunden wird dieser Tempel errichtet, wer ihn von der zentralen der Mitte aus betritt, wird sofort von den allerneuesten Mercedes der S Klasse empfangen, auch der Merceds – Maybach S- Klasse. Die Frommen dürfen selbstverständlich diese Prachtexemplare lange Zeit streicheln, sie dürfen die Auto – Türen berühren, gegen Spenden für die Firma Mercedes (!) darf man auch ein paar Minuten innen im Auto sitzen, das Lenkrad umarmen, die Sitze bewundern. Lautes Jubeln ist erwünscht, auch das „großartig“ Rufen. Es stehen vor einigen einigen Limousinen auch Kissen bereit für Fromme, die vor dem Mercedes niederknien möchten. Kein Mann muss sich seiner Tränen der Freude schämen. Ob BMW im Tempel auch zugelassen wird, entscheiden zur Zeit die Gerichte…

12.
Wie schon angedeutet: In jedem der vielen Einzeltempel werden dem jeweiligen Gott entsprechend rituelle und kultische Vollzüge möglich sein, auch Sühneriten und Reue – Bekenntnisse sind möglich. Es stehen auch entsprechende „Priester“, hier „Counselors genannt, hilfreich und kenntnisreich zur Verfügung. So kann im Tempel zu Ehren des Gottes Geld der besonders Geld – Gierige, der Spekulant, symbolisch ein paar echte 10 Euro – oder 50 Euro Scheine auf einem Gold-Schälchen andächtig verbrennen, auf Wunsch auch mit Weihrauch Düften, um seinen Abschied von der Geld – Gier auszudrücken. Wer hingegen immer mehr Geld für sich wünscht, kann in Opferschalen einige hundert Euros als Spende hinterlassen, die ausschließlich zur Stütze der bedrohten Banken in Deutschland verwendet wird.

Nur dies noch: Wer von der Sucht befreit werden will, permanent seinem Gott Fussball zu dienen, also ständig Fußball im Fernsehen zu sehen, so oft Unsummen schwer verdienten Geldes fürs Stadion und den Club auszugeben, der kann im Vorraum des Tempels einen preiswerten Fußball kaufen und ihn im Tempel öffentlich vor aller Augen zertreten. Sozusagen als Ritus der Bekehrung und Befreiung von diesem zwanghaften, also letztlich lästigen und langweiligen Gott Fußball. Beim Zertreten des Balls muss der Gläubige allerdings schreien: „Ich will niemals mehr dem Gott Fußball dienen“. Dieses Versprechen wird selbstverständlich bei der üblichen Liberalität des polytheistischen Tempels nicht überprüft.
Die vielen unbeirrbaren Verehrer des Gottes Fußball können teure Memorabilien („Reliquien“) von weltberühmten Fußballer – Stars erwerben, etwa den kleinen Rest eines Schnürsenkels von Pelé oder den Fetzen aus einer Unterhose vom Star Cristiano Ronaldo.

13.
Das Projekt kann jetzt schon finanziell unterstützt werden, der Name besonders großzügiger Spender wird an der zentralen Tempel – Eingangstür eingraviert. Zu den wirklich bedeutenden, vom Projekt restlos begeisterten Förderern gehören bereits die Banken, große Immobilien-Konzerne, Hotelketten, Inhaber der großen Smartphones usw. Sie alle sind ja längst als strenge Gläubige eines der säkularen Götter bekannt. Eventuell geht der bislang unbekannte Betreiber dieses „Tempel der vielen säkularen Götter in Berlin“ auch an die Börse.
In jedem Fall sind bereits Sonderzüge der Bundesbahn nach Berlin geplant .. allein dieses Tempels wegen. Deswegen wird der Flughafen BER auch endlich stärker die internationalen Connections ausbauen. Der säkulare Polytheismus verspricht der Stadt Berlin wieder mehr Geld in die Kassen zu spielen…

14.
Die (monotheistischen) Kirchen in Berlin sind sehr irritiert vom Projekt des wahrlich nur monumental zu nennenden Tempels der weltlichen Götter: Die Kirchen sagen sich: Wir katholischen und evangelischen Kirchenführer schließen seit einigen Jahren unsere Tempel, unsere Kirchen, wir verkaufen sie, wir reißen sie ab: Was machen wir nur falsch? Und die säkularen Polytheisten bauen eine riesige Tempelanlage, weil sie so viele Gläubige haben.

Nebenbei: Unser Ratschlag an die Kirchen: Sie sollten bedenken, dass auch ihre führenden Kleriker oft auf der Spur der säkularen Götterverehrung (Geld, Macht, Kriege.. ) lebten. Man denke nur an die Päpste der Renaissance und sehe die prächtigen Kardinals – und Bischofs- Residenzen, die immer noch bewohnt werden trotz der vielen Kirchenaustritte: Aus diesen Palästen wollen die Kleriker jedenfalls – bis jetzt – nicht ausziehen und in kleine Wohnungen umziehen. Diese Residenzen werden sicher in 30 Jahren zu Tempel – Museen des einstigen klerikalen Monotheismus werden..

15.
Es bleibt für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ein dringendes Thema: Welche Bedeutung haben die hier genannten säkularen Götter für die Lebensgestaltung? Sind diese Götter befreiend, orientierend für ein humanes Leben, das den Namen verdient? Der alte „klassische“ Vorwurf atheistischer Kreise war: Die monotheistischen Religionen sind zu autoritär, gegen die Emanzipation eingestellt usw. Aber was trennt die polytheistischen säkularen, bekanntlich von Menschen gemachten Götter von dem monotheistischen Gott der Bibel? Ist nicht auch er von Menschen gemacht, vielleicht nur mit Hilfe des heiligen Geistes, wie die Dogmatik sagt? Aber wer weiß das schon genau? Und auch dies: Sind die polytheistischen Götter etwa fü rdie Emanzipation, für die Demokratie, für die universelle Gerechtigkeit? Ich fürchte die Antwort ist klar, sie heißt NEIN.
Der schöpferische Mensch schafft sich Gott und Götter. Die Differenz zwischen einem Gott der Monotheisten und einem Gott der Polytheisten, ob säkularer religiös, muss jeder Mensch für sich erkennen. Und sich entscheiden für ein Leben in Freiheit.

16.
Es muss daran erinnert werden, dass etliche Philosophen, Journalisten, Dichter und Denker usw. im 20. Jahrhundert explizit und kämpferisch den Polytheismus verteidigten und lobten, durchaus polemisch als angeblich einzig humane Alternative zum Monotheismus. Man denke an die „Nouvelle Droite“ und ihre Meisterdenker seit den 1970Jahren in Frankreich, etwa an Alain de Benoist, dessen Plädoyer für das polytheistische „Heide-Sein“ auch auf Deutsch 1982 als Buch erschien. Die „Konservative Revolution“ der rechten und rechtsextremen Meisterdenker liebt den Polytheismus.
Der bekannte Philosoph Odo Marquard (1926 – 2015) muss hier erwähnt werden: Allzu schnell übersieht man dessen reaktionäre Positionen angesichts seiner leicht zugänglichen, manchmal gewollte witzigen Redeweise. Udo Marquard hat sich in seinem Vortrag in Berlin im Jahr 1978 zu einem „Lob des Polytheismus“ hinreißen lassen (veröffentlicht in „Abschied vom Prinzipiellen“, Reclam, 1981). Und dabei behauptet, die demokratische politische Gewaltenteilung sei „ein aufgeklärter – säkularisierter – Polytheismus.“ (Seite 107). Also die für die Demokratie entscheidende Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive, Judikative – seien nur – wie im Polytheismus üblich – mögliche und immer revidierbare „Göttergestalten“ … diese drei demokratischen Gewalten nennt Marquard tatsächlich allen ernstes Götter (S. 107). Aber: Diese Gewaltenteilung ist von der Vernunft universell begründet und tatsächlich absolut fürs Leben der Demokratie geboten. Gewaltenteilung in der Demokratie ist kein möglicherweise auch wieder abzuschaffender oder abzulehnender Gott im polytheistischen Götterhimmel.
Und Odo Marquard schämt sich in dem von ihm diskutieren Zusammenhang von Polytheismus und Mythos nicht, den tatsächlich „berühmten“ Nazi-Philosophen Alfred Baeumler als Zeugen zu erwähnen, in einem Atemzug mit dem ganz anders denkenden Philosophen Roland Barthes. Jedenfalls steht für Marquard, den Schüler des ebenfalls viel zitierten Nazi-Philosophen Joachim Ritter (Uni Münster) fest: „Die Philosophie muss ihre Kollaboration mit dem Mono-Mythos (gemeint ist der Monotheismus der Juden und Christen) beenden“, so Marquard ziemlich rigoros, was er sonst ja nicht sein will…(S. 110).
Jedenfalls haben kompetente Wissenschaftler das Schwadronieren Marquards zum „Lob des Polytheismus“ differenziert zurückgewiesen, etwa die Historiker Jan Assmann und Arnold Angenendt.

17.
Der neue Tempel des säkularen, weltlichen Polytheismus trifft also eine zentrale Stimmung, Mentalität. Mit dem säkularen Viel – Götter – Glauben ist eine Auseinandersetzung geboten… zumal mit dem explizit politischen Viel – Götter – Glauben … bevor es zu spät ist und die AFD die „Kulturpolitik“ beherrscht.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Halbe Wahrheiten im offiziell – katholischen Journalismus: Zu Prof. Hans Maier (CSU)

Lobeshymen auf den verstorbenen führenden „Vorbild-Katholiken“ Prof. Hans Maier (CSU)
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.6.2026

Ergänzung am 17.6.2026: Siehe Nr. 11.

Ergänzung am 20.6.2026: Siehe Nr. 12.

…………

Am 9.6.2026 haben wir veröffentlicht:

1.
Was er alles doch alles leistete, der am 8. Juni 2026 im Alter von 94 Jahren in München verstorbene Prof.Hans Maier (CSU): Er war erstens Professor für Politische Wissenschaften, dann zweitens Kulturminister im Freistaat Bayern, dann drittens begeisterter Organist und viertens auch führender (selbstverständlich „praktizierender“) Katholik in Deutschland, vor allem in seiner Funktion als Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) von 1976 bis 1988.

2.
Das heutige ZdK hat am 9. Juni 2026 seine Trauer als eine Lobeshymne auf ihren einstigen ZdK Präsidenten Hans Maier veröffentlicht unter dem Titel: „Gesicht des politischen Katholizismus“. Und bei dem Titel bringt das ZdK das Kunststück fertig, die Bindung Maiers an die CSU (seine Karriere verdankt er Franz Josef Strauß) überhaupt nicht zu erwähnen.

3.
Etwas moderat kirchenkritisch, also kritisch gegenüber der Hierarchie und ihren Entscheidungen, wurde Hans Maier erst nach seiner Pensionierung und der Beendigung seiner Tätigkeit als ZdK Präsident. Das ist der so genannte Mut der alten Herren: die Karriere ist ja gut gelaufen, kann nichts mehr „passieren“, die Pension ist sicher, da kann man ein bißchen kritisch werden…

4.
Wir haben uns also die Mühe gemacht und den Lobeshymnen – Nachruf auf Hans Maier gelesen. Und sind über die Einseitigkeiten dieses offiziellen Journalismus wieder einmal verstört.
Und wir müssen nun die vergessenen, in unserer Sicht alles andere als erfreulichen Aspekte Maiers in aller Kürze nennen. Dafür nur einige zentrale Beispiele:

5.
1979 hatte sich der Theologe Johann Baptist Metz (Uni Münster) auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Münchner Universität beworben: Metz galt als links! Das ist das Grundübel in Bayern und für das CSU Mitglied Hans Maier. In bestem Einvernehmen mit dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger, wurde Metz selbstverständlich auch vom zuständigen Kulturminister Hans Maier (CSU) abgelehnt. Statt dessen wurde der als politisch zuverlässig geltende, eigentlich völlig unprofilierte Passauer Theologe Heinz Döring berufen. Diese Affäre bewegte damals die BRD, „Der Spiegel“ berichtete ausführlich, etwa auch über die Treue des Kulturministers gegenüber der Amtskirche: „So hievte der Minister (Maier) im März 1977 den Mainzer Professor Lothar Bossle, damals Soziologe und Politologe an der Pädagogischen Hochschule Lörrach, mit Amtsgewalt auf den Würzburger Lehrstuhl für allgemeine Soziologie – gegen die Voten des Senats, des Berufungsausschusses und des Fachbereichsrates der Universität, die Bossle für zu rechtslastig und zu wenig qualifiziert hielten.“ Quelle: Spiegel vom 6.1.1980, ein Beitrag, dessen Lektüre ich allen ZdK Mitgliedern empfehle, um nicht später wieder Totengedenken mit Lobeshymnen zu verwechseln.LINK

6.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich als betroffener Journalist an die üble Rolle Hans Maiers als Chef des Katholikentages in West – Berlin vom 4. bis 8. Juni 1980; zu der Zeit war schon Joachim Meisner Bischof in Berlin (mit Sitz in Ost-Berlin, aber mit häufiger Besuchsmöglichkeit in West – Berlin).

7.
Die Lobeshymne des ZdK auf Hans Maier vergißt die heftige Feindschaft Maiers beim Berliner Katholikentag gegen die damals frisch entstandene amtskirchen – kritische Initiative „Kirche von unten“. Sie wollte ihre Veranstaltungen inmitten des offiziellen Katholikentages anbieten, aber Pluralität oder gar Kritik waren nicht erwünscht, es ging um die ewige, bis heute viel beschworenen „Einheit“ aller Katholiken unter der Herrschaft der Bischöfe und des Papstes… so musste der Katholikentag von unten wegen der Intoleranz Maiers auf evangelische Gemeindehäuser ausweichen. Noch einmal: Danke für diese protestantische Gastfreundschaft!

Maier nannte die bundesdeutsche Initiative „Kirche von unten“ verächtlich eine Splittergruppe…Der journalistische, nicht Kirchen-abhängige Bericht über den Berliner Katholikentag wurde im SFB für die ARD im 1. Programm ausgestrahlt, an dem Film war ich als Autor direkt beteiligt. Die Tatsache, dass wir uns die journalistische Freiheit nahmen, auch und wegen des Neuigkeitswertes über den Katholikentag von unten zu berichten, weckte eine Flut von polemischen und häßlichen Stellungnahmen der konservativen Katholiken und ihrer Medien. Kein Bischof, kein ZdK Mitglied solidarisierte sich mit den Autoren und dem verantwortlichen Redakteur im SFB Johannes Huthmann; selbst Familienangehörige besaßen die Unfreudlichkeit, sich von einem Autor des Films öffentlich schriftlich zu distanzieren.
Walter Jens war objektiv und hatte Verständnis für die kritische Berichterstattung, er schrieb am 13. Juni 1980 einen entsprechenden Beitrag in „DIE ZEIT“ unter dem Pseudonym momos. Ein Zitat: „Jens lobte ausdrücklich, dass die ARD (SFB) die Bilanz des Katholikentages nicht „von den Kardinälen und Funktionären des Zentralkomitees, den großen Meistern jener zugleich ein- und vieldeutigen Kommuniqués, sondern von Teilnehmern ohne großen Rang und glanzvolle Namen gezogen wurde. Eine Bilanz von unten, ein Bilanz im Zeichen der Religion Christi, nicht der christlichen Religion“. Dann weist Walter Jens auf einen Zwiespalt im Katholikentag hin: „Wurde auf der einen Seite (im Film, CM) die Praktik der Oberen getadelt, sich nach außen hin offen zu geben, um nach innen rigoros abzuschotten- nur nicht zu viel Ökumene usw. – so sah sich auf der anderen Seite der gemachte, geplante professionell inszenierte Jugend Rummel attackiert…“. Walter Jens weist außerdem eindringlich darauf hin, wie vom offiziellen Katholikentag jegliches Gespräch mit Homosexuellen zurückgewiesen wurde, während es entsprechende Gespräche und Veranstaltungen auf dem „Katholikentag von unten“ selbstverständlich gab: Dank der evangelischen Freiheit protestantischer Gemeinden.“ (Quelle, mein Hinweis zu Walter Jens, 2013: LINK)

Die katholische Kirchenzeitung für West – Berlin, „Petrusblatt“, hat am 20.Juni 1980 die Berichterstattung des SFB über den Katholikentag aufs schärfste zurückgewiesen. Der Titel des anonym geschriebenen Beitrags: „Protest gegen Fernsehsendung“. Weil der Fernsehbeitrag des SFB für die ARD das neue (!) Phänomen des „Katholikentag von unten“ in den Mittelpunkt stellte, war im „Petrusblatt“ von „völlig verzerrter Darstellung“ die Rede, „von einer sich selbst isolierenden Randgruppe“, also dem Katholikentag von unten. Dabei wollte sich diese Initiative „Kirche von unten“ gar nicht „selbst isolieren“, sie wurde vom Zentralkomitee der deutschdn Katholiken (nicht etwa „ZK“, sondern ZdK) und deren Chef, Prof. Hans Maier, isoliert: Indem der offizielle Katholikentag der neuen Basisinitiative keine Röume zur Verfügung stellte und jegliche Kooperation ablehnte. Es wird also im „Petrusblatt“ eine Lüge verbreitet. Und typisch für die Art, wie die „Petrusblatt“- Journalisten  denken: Sie hätten sich, so wörtlich, „eine schlichte Dokumentation „gewünscht, die schlichte Dokumentaion wäre, so wörtlich, „ehrlicher gewesen“. Ein schlichtes, aber ausgrenzendes Denken wird  als katholisch normal empfunden. Ist es wahrscheinlich auch!

Die kritische Zeitschrift PUBLIK – Forum hat ausführlich über den „Katholikentag von unten“ in Berlin berichtet.

Nebenbei: Beim Berliner Katholikentag 1980 gab es noch 75.000 Dauerteilnehmer“. 2026, beim Katholikentag in Würzburg, wurden nur 34.000 Tickets verkauft, offenbar für Dauerteilnehmer. Diese Zahlen zeigen: Die eher klerikal beherrschte Form des Katholikentags hat sich offenbar nicht bewährt…Katholiken verabschieden sich von ihrer Kirche zu vielen tausend. Und die Bischöfe haben darauf keine Antwort, sinnieren über die „zunehmende Säkularisierung“…

8.
Es war natürlich Bischof Meisner von Berlin, der extrem empört war, dass vor allem junge Katholiken eigene theologische Meinungen haben, die sich auch gegen die Hierarchie richten. Solche Rebellion war der aus der DDR stammende, bekanntlich dann auch als Erzbischof von Köln bornierte Joachim Meisner weder im DDR Staat noch in der streng klerikalen Katholischen Kirche der DDR nicht gewöhnt.

Und der ZdK Präsident Hans Maier folgte als katholischer Laie treu auch diesem Oberhirten. Das ZdK (und seine Katholikentage) war also immer eine bischöflich bestimmte und kontrollierte Organisation, die Freiheit der Laien, die Pluralizäz im Glauben, gab es nicht.

9.
Wir haben uns die Mühe gemacht, noch einmal zu zeigen, wie befangen – „positiv“ offizieller katholischer Journalismus auch heute noch ist, das heißt: wie sehr nur die halbe Wahrheit veröffentlicht wird.

Dass die offizielle katholische Presse, etwa die so genannten „Bistumszeitungen“, heute nur noch sehr minimale Auflagen haben und in ca. 10 Jahren sicher verschwunden sein werden, hängt sicher mit dieser Ursünde des katholischen Journalismus zusammen: Nur die halbe Wahrheit zu sagen. Die ZDK Leute denken: Die ganze Wahrheit könnte das Image der Kirche schädigen… Aber das Gegenteil ist der Fall. Wie würde ein ZdK Bericht über Hans Maier aussehen, der deutlich zeigt: Dieser Hans Maier war ls ZdK Präsident ein den Bischöfe ergebener, treu-gehorsamer und von der CSU abhängiger Laie. Auf diese Weise glaubte er große Karriere machen zu können. Und … als alter Herr mit einer dicken Pension wurde er dann ein bißchen mutig.

Ich denke, eine kritische, gebildete Öffentlichkeit würde diesen Mut zur Wahrheit hoch honorieren: „Guck mal, das ZdK und die katholische Presse können auch selbstkritisch sein und versuchen, die ganze Wahrheit zu sagen…“

10.

Ergänzung am 15.6.2026 zum Erfolg des Katholikentages von unten in Berlin 1980:

„Der Erfolg des Berliner Katholikentages von unten (rund 50 000 Teilnehmer) beflügelte die Gegenkatholiken, die innerkirchliche Opposition organisatorisch zu verklammern. Sie gründeten im September 1980 die IKvu, die auch jetzt noch Zulauf hat, vornehmlich von Jungen, Linken und Bunten. Der Theologe Prof. Professor Greinacher führt das darauf zurück, die Mitglieder der Kirche von unten hätten »schockartig erkannt«, daß es »für die Kirche vielleicht schon fünf nach zwölf« sei. Der Exodus vor allem junger Katholiken habe ein für die Kirche vernichtendes Ausmaß angenommen – nach einer repräsentativen Umfrage besuchten 1963 noch 52 Prozent junger Katholiken zwischen 16 und 29 Jahren regelmäßig den Sonntagsgottesdienst; 1980 waren es nur noch 16 Prozent. Greinacher: »Ganze Generationen sind damit für die Kirche verloren.« (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/vierter-anlauf-a-c59c0dc7-0002-0001-0000-000014349583)

11.

Ergänzung am 17.6.2026:  Auch bei der Trauerfeier für Hans Maier am 17.6. 2026 wurde von der Präsidentin  des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ,Dr. Irme Stetter-Karp, erneut nur die halbe Wahrheit über Hans Maier verbreitet. Dr. Irme Stetter-Karp lobte Hans Maier als „Brückenbauer“, sie zitierte aus dessen Buch aus dem Jahre 2006 (!)  mit dem Titel „Keine Demokratie?“: „Die katholische Kirche muss demokratische Wege gehen, auch wenn sie selbst keine Demokratie ist“, so Maier. Dass die katholische Kirche offenbar niemals Demokratie sein kann, war für Maier selbstverständlich. Insofern war er ein dogmatisch – der Hierarchie getreuer Katholik. Er jonglierte dann im Alter „mutig“ mit „etwas Demokratie kann die Kirche doch sein“ hin und her, wie heute der „Snyodale Prozess“…

In seiner Funktion als oberster katholischer Laie hat Maier jedenfalls beim Katholikentag in Berlin 1980 de facto keine Brücken gebaut zu den vielen jungen, kritischen Katholiken beim „Katholikentag von unten“, sondern diesen Aufbruch verurteilt. Er war ein treuer Gefolgsmann der insgesamt damals sehr konservativen Hierarchie in Deutschland. Die Rede von Dr. Irme Stetter-Karp am 17.6.2026. LINK

Nebenbei: Das alte Sprichwort „de mortuis nihil nisi bene“ heißt ja NICHT: „Von den Toten sollte nur Gutes gesagt werden“, SONDERN: „Von Toten sollte nur gut, in guter Form, also der Wahrtheit verpflichtet, gesprochen werden.“ „Bene“ ist bekanntlich ein Adverb, kein Substantiv.

12.

Ergänzung am 20.6.2026:  Hans Maier hat als Kulturminister in Bayern die Berufung des Philosophen Jürgen Habermas an die LMU in München verhindert, das endgültige ablehnende Urteil sprach  er im August 1980 aus. Hans Maier warf Habermas vor, utopische Gesellschaftskritik zu betreiben, die sich von der wirklichen Praxis der Politik entferne. Die Kritik am „Utopischen“ und die Kritk alles „Linken-Kritischen“ leitete Hans Maier auch schon bei Katholikentag in Berlin im Juni 1980. Man möchte also deutlich einen Zusammenhang sehen zwischen der rigiden Abwehr Maiers als Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eines linken „Katholizismus von unten“ und der Zurückweisung von Jürgen Habermas auf einen Lehrstuhl in München LMU.

Und wir bleiben also bei unserer Feststellung der Ignoranz des heutigen ZdK gegenüber ihrem Hans Maier im Umgang mit kritischen Geistern, in seiner Funktion als Kulturminister in Bayern  wie innerhalb des Katholizismus ,,, vor seiner Pensionierung…Dann wurde Hans Maier „mutig“.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Warum macht kein kritischer, begabter Filmemacher einen großen Spielfilm: „Deutschland im Jahr 2030?“

Die 30. unserer unerhörten Fragen
Von Christian Modehn am 4.6.2026

Eine kurze Erläuterung:

Angesichts der leider unübersehbaren Zunahme der Bedeutung und damit der bevorstehenden Herrschaft rechtsradikaler Parteien in Europa, vor allem der AFD in Deutschland, wäre es eine heilsame Erfahrung für ein Millionenpublikum von Kino-Besuchern und TV -Zuschauern: Die leider ziemlich sicher bevorstehende Zukunft Deutschland in einem Spielfilm zu erzählen:
Also: Die Herrschaft der neuen Nazis.
Sozusagen als vernünftige, aber im Erzählen anhand konkreter Personen drastische Abschreckung.

Dieser Film über die leider (möglicherweise) bevorstehende Herrschaft der Rechtsradikalen und Extrem – Populisten in Deutschland könnte vielleicht noch helfen, Schlimmstes zu verhindern oder inmitten der Herrschaft der Rechtsradikalen vernünftigen demokratischen Widerstand zu organisieren…
Ein solcher auf die nahe Zukunft Deutschlands und Europas (von den USA ganz zu schweigen) gerichteter Spiel – Film ist unserer Meinung genauso wertvoll wie die permanente Erinnerung an die vergangene Nazi – Herrschaft. Ein solches auf die Zukunft bezogenes Film Projekt weckt politischen Einsatz und Widerstand.

Es geht mit dem Mitteln eines Kino – Films – oder einer Serie im Fernsehen der ARD oder des ZDF – um die emotionale wie vernünftig berührende – wirksame Warnung vor Nazi – Herrschaft jetzt – im Vorgriff, was diese Herrschaft denn bedeuten würde.
Selbstverständlich müssten auch die Politiker und Gruppen, Politiker auch der demokratischen Parteien, ins Spiel gebracht werden, die schon jetzt, 2026, in Berlin oder Brüssel, die Sache der Rechtsextremen direkt oder indirekt, unbewusst oder bewusst, vorantreiben..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin