Die PapstWAHL: Es gibt doch ein wenig Demokratie in der katholischen Kirche

Hinweise zu einer bevorstehenden Papstwahl
Von Christian Modehn am 23.3.2025

Das Motto: “Wenn schon bei der Papstwahl (WAHL!) minimale demokratische Grundsätze üblich sind, dann kann es ja eigentlich in der Kirche insgesamt nur besser werden…das heißt: Dann könnte doch “eigentlich” die ganze Kirche demokratisch organisiert werden, den universell geltenden Menschenrechten verpflichtet.” Absolute Utopien zu äußern, ist in der katholischen Kirche noch ein letzter Rest von positiver Verzweiflung…

1.
Bald wird wohl eine Papst-WAHL stattfinden. Und man glaubt es kaum: Es ist tatsächlich eine WAHL.
Also gibt es doch ein ganz klein wenig Demokratie in der katholischen Kirche?

2.
Dass die römisch -katholische Kirche keine Demokratie ist und wohl niemals eine Demokratie sein wird, haben Päpste immer gelehrt. Zuletzt noch Papst Franziskus, als er ins einem Buch „Leben“ (S. 64) erklärte:„Die Kirche ist, wie ich häufig genug sagte, kein Parlament“! Welche Regierungsformen haben kein Parlament? Alle autoritär regierten Regime…
Die Herren der Kirche sind also felsenfest überzeugt: Christus als Stifter der Kirche will als Regierungsform die absolutistische Monarchie des Papstes.

3.
Dazu gibt es zahllose hilflose, aber kritische Erläuterungen: In der katholischen Wochenzeitung “Kirche und Leben“ (Münster) schreibt der katholische Pfarrer Stefan Jürgens sehr richtig und treffend: „Die katholische Kirche ist eine absolutistische Monarchie. Sie wird regiert von Papst und Bischöfen, deren Autorität aufgrund der Weihe als unumstößlich gilt. Dadurch können sie so viel Schaden anrichten, wie sie wollen: Sie bleiben im Amt… Nichtgeweihte Katholiken bleiben abhängige Untertanen.“ Quelle: LINK

4.
Ein ganz klein wenig Demokratie gibt es aber doch noch in dieser Kirche: Wenn ein neuer Papst gewählt werden soll, also in der Konklave, gibt es wirklich etwas Demokratie, weil das elementare Wählen – Dürfen zur Demokratie gehört. Wenn heute, am 23. 3.2025, ein Papst gewählt werden müsste: Dann würden sich 138 Kardinäle „unter 80 Jahren“ an der Wahl beteiligen dürfen. Noch ältere Herrschaften scheiden als Kandidaten aus.

5.
Aber: Die Wahlmänner, die Kardinäle, sind nicht vom Kirchenvolk gewählt worden. Sie wurden in einsamen und durchaus willkürlichen Entscheidungen einzig des Papstes in dieses Wählerkollegium berufen. Einzig nicht demokratisch bestimmte alte Herren, meist auch gar nicht wirkliche Repräsentanten der Glaubenden in ihren Bistümern, wählen also… Dies ist nicht gerade ein starkes Symbol für Demokratie…

6.
Aber, wie gesagt, der Papst wird in der Sixtinische Kapelle des Vatikans von Kardinälen gewählt: Ein bißchen demokratisch mutet die – selbstverständlich vom Papst allein bestimmte – Regelung der Wahl an: Wenn sich nach 34 Wahlgängen (sic) die offenbar zerstrittenen Kardinäle auf keinen Papst – Kandidaten einigen konnten: Dann soll eine Stichwahl stattfinden zwischen den zwei an absolut vorderster Stelle Platzierten. Als zum Papst gewählt gilt, wer eine qualifizierte Mehrheit erreicht hat. Sollte es gar nicht erst bis zu den nun wirklich unwahrscheinlichen 34 erfolglosen Wahlen kommen, dann gilt: Gewählt ist der Kardinal zum Papst, der eine Zweidrittelmehrheit (!) auf sich vereinigen kann.

6.
Noch einmal: Der Papst wird also nicht von seinem Vorgänger ernannt; es sucht kein Gremium, wie bei der Nachfolge des Dalai Lama, Hände ringend in den Dörfern und Städten nach einem geeigneten (jungen?) Kandidaten. So viel Esoterik mag selbst der Vatikan nicht.

7.
Auch das ist doch demokratisch in dem Konklave: Es gibt ganz offen und offiziell zugegeben Parteibildungen unter den Kardinälen: Die einen sind theologisch konservativ bzw. reaktionär, die anderen nicht ganz so konservativ. Und die kämpfen gegeneinander, auch schon, solange ein Papst lebt.

8.
Es gibt sogar so etwas wie Wahlpropaganda: Vor den eigentlichen Wahl – Sitzungen werden von einigen Kardinälen kurze Statements gehalten, in denen die besonders auffälligen Papstkandidaten Vorstellungen ihres „Programms“ skizzieren. Kardinal Bergoglio soll einen ziemlich radikalen Kurz – Vortrag in diesem Vor – Konklare gehalten haben: „Die Kirche solle aus sich selbst herausgehen und sich öffnen“, war die Hauptaussage (Fußnote 1).

9.
Gar nicht demokratisch hingegen ist die absolute „höchste Geheimhaltungsstufe“ während des ganzen Konklave: Nur Kardinäle sind anwesend, der ganze Wahl- Saal ist abgeschotte, kein Journalist ist als Beobachter dabei. Demokratische Transparenz ist ausgeschlossen. „Die Fenster werden geschlossen, alle Funknetze abgeschaltet“, beschreibt Papst Franziskus die eigene Wahl zum Papst in seinem Buch „Hoffe“, Seite 241. LINK

10.
Die äußerst bescheidenen demokratischen Elemente der Papstwahl werden allerdings von einer theologischen Frage gestört: Denn nach katholisch – theologischer Überzeugung, ist es der heilige Geist, die dritte Person der göttlichen Trinität, die die Wahl des neuen Papstes letztlich leitet und bestimmt. Im üblichen Prozedere der Papstwahl handelt also indirekt Gott selbst durch die Kardinäle: Die aber dann üblicherweise mit Zweidrittelmehrheit einen der ihren zum Papst wählen. Also ein bißchen mag Gott wohl auch demokratische Mehrheitsentscheidungen! Diese göttliche Vorliebe für etwas Demokratie gilt allerdings nur bei der Papstwahl. Wenn Laien etwa in Mehrheitsentscheidungen einen Priester zum Bischof wählen wollen…. Nein, das geht ja nun gar nicht… Das will Gott nicht! Niemals! Sagen die auf Gottes Seite sich glaubenden Kleriker.

11.
Das Problem ist nur: Wie gottverlassen sind dann eigentlich die Kardinäle der Mindeheit, die diesen Kardinal gerade nicht zum Papst wählten? Und wenn wirklich einmal 34 Wahlgänge notwendig sind, um den Pontifex maximus zu wählen: Hat dann der heilige Geist förmlich gestreikt? War Gott zu schwach? Waren die Herren Kardinäle zeitweise gottverlassen?

12.
Der heilige Geist wird in der Bibel oft als ein Wehen oder ein Windhauch, sogar als Sturm zu Pfingsten, beschrieben. Auch dafür gibt es in dieser Kirche jetzt noch materiell – sichtbare, geradezu wunderbare Restbestände. Denn die Wahlergebnisse der in der Sixtinischen Kapelle wählenden Kardinäle werden mitgeteilt durch das Wehen von Rauch aus einem häßlichen Schornstein: Grauer Wind (also sozusagen ein bißchen grauer heiliger Geist) signalisiert die fehlgeschlagene Wahl. Erst der weiße leichte, reine, man möchte sagen göttliche Wind als Rauch sagt: „Wir haben einen Papst,“

13.
Alle, die sich in diese autoritäre, nicht – demokratische Kirche eingebunden fühlen oder bloß katholische Folklore lieben, jubeln bei diesem Spektakel. „Wir“ haben wieder einen ein bißchen demokratisch gewählten, aber dann letztlich und immer nicht – demokratisch agierenden Stellvertreter Christi auf Erden…

14.
Man stelle sich vor:
Die katholische Kirche als Organisation mit eins Komma vier MILLIARDEN Mitgliedern in allen Ländern dieser Erde würde sich offiziell als demokratisch strukturiert und regiert zeigen, inklusive der offiziellen Anerkennung und Realisierung der universell gelten allgemeinen Menschenrechte (Uno, 1948): Was wäre dies für ein Zeichen in dieser jetzt verrückt gewordenen en Welt, in der immer mehr Staaten und Menschen ins reaktionär Antidemokratische und Faschistische abrutschen?

15.
Weiß der Papst und seine klerikale Clique eigentlich, welches Unheil – auch als Trostlosigkeit – er anrichtet, wenn er die universell geltenden Menschenrechte, auch und vor allem für Frauen, in seiner eigenen Männer- Organisation, katholische Kirche genannt, ignoriert? Welch eine Schande für die heutige Menschheit.

Fußnote 1:
Das Buch von Papst Franziskus, „Leben“. 2024, Seite 213 f.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

Die Feinde töten: Aber wertlose und wertvolle unterscheiden!

Ein Hinweis auf die Strategie der „Verlust-Zahlen von Zivilisten“ im Krieg
Von Christian Modehn am 18.März 2025

Ein Vorwort:
Im Krieg werden Menschen zu Objekten, zu Zahlen, zu Ziffern einer „Opfer“ – Statistik. Der völligen Entmenschlichung bzw. Versachlichung des technischen, maschinellen Kriegs – Geschehens entspricht die unwahre, Realität verschleiernde Sprache. Man denke nur an den Putin – Begriff der „Spezialoperation“. Der nun auch in Deutschland wieder übliche Begriff „Kriegswirtschaft“ wird ins Harmlose gewendet und kann/soll Assoziationen wecken etwa an die erfreuliche „Ökowirtschaft“. Und man soll nun dankbar sein, dass Arbeitslosigkeit jetzt kompensiert wird durch die Suche nach „Arbeitskräften“ in der nun aufblühenden Rüstungsindustrie. Allein das übliche Wort „Gefallene“ ist eine Beschönigung. Alle Welt sollte von „ermordeten Soldaten“ sprechen, Ermordete statt „Gefallene“.
Nur wenige Mensch sprechen offen davon, dass die dringend benötige Munition für Kriegsparteien einzig den Zweck hat, Soldaten und „nebenbei“ „leider“ auch unschuldige Opfer als „Kollateralschaden“ zu töten.
Etwas Aufklärung bieten wir hier zu dem eher wenig beachteten, durchaus rassistisch gefärbten Wort „Opferschnittwert“ unter den Nicht – Kämpfenden, also den „Zivilisten“, den hilflosen Bürgern inmitten der Kriege. Dieser „Durchschnitts – Wert“ könnte wert – voll werden fürs Verstehen unserer vom Krieg geprägten Gegenwart, wenn er ideologiekritisch verstanden wird.

Am 20. März 2025 ergänzt: Ein aktuelles Beispiel zur aktuellen Bedeutung dieses Hinweises: 70 palästinenische Zivilisten tötete die israelische Armee vom Dienstag 18. März bis Mittwoch 19. März 2025 im erneuten Krieg im Gazastreifen:  Als aktuelle Bestätigung unserer Hinweise zu den wie immer unverhältnismäßig unschuldig getöteten Zivilisten im Gaza-Streigfen: Es wurde einige wenige führende Hamas-Chefs getötet: „Bei den Angriffen in dieser Woche wurden NUR einige Führungsvertreter der Hamas getötet, darunter der De-facto-Regierungschef des Gazastreifens, der Chef des Sicherheitsdienstes, sein Berater und der stellvertretende Leiter des Justizministeriums.”Quelle: LINK 

1.
Es gilt also, einen so genannten „Wert“, und das kann im Krieg nur „eine wichtige Zahl“ sein, kritisch wahrzunehmen: Es geht um den „Nicht-kämpferischen Opferwert“ , in mühsamer deutscher Übersetzung „Nicht – kombattierender und ziviler Opferdurchschnittwert“ genannt. Auf Englisch ist der Begriff üblich: „Non combattant casuality value“ (NCV). Diese schwierige Formel wird oft auch etwas ausführlicher umschrieben mit „Zufällig erzeugte Verlustzahl von Nichtkombattanten“ oder „Zufälliger Wert (d.h. aber Zahl, Ziffer) der nicht-kämpfenden Opfer“, also der „Zivilisten“.

2.
Ein Krieg führender Staat legt von sich aus fest, wie viele „Zivilpersonen“ möglicherweise sterben, das heißt getötet werden dürfen gemäß dem Kriegsrecht. Es gibt ja bekanntlich ein auf dem Papier stehendes Kriegsrecht, unter anderem das Haager Abkommen oder die die Genfer Konvention. Darin wird geregelt, wie menschenwürdig Kriegsgefangene behandelt werden sollen oder dass Zivilisten nicht gefangen genommen werden dürfen. Nun ist die moderne Kriegsführung (vor allem auch durch den Einsatz von KI) in der Lage vorauszusagen, wie viele Zivilisten bei einer Attacke ums Leben kommen. Das heißt: Der Tod von Zivilisten ist bei bestimmten Attacken durchaus beabsichtigt, selbst wenn er von den Kriegsherren als unvermeidlich dargestellt wird. Um die Zahl dieser zivilen Opfer also handelt dieser genannte „Wert“ , der „Non combattant casuality value“ (NCV). Dieser „Wert“ ist nichts als eine Ziffer der im Krieg „leider“ nebenbei Ermordeten, der unschuldigen Menschen, die vernichtet werden etwa bei einem Bombardement auf ein Krankenhaus, in dem sich (angeblich) immer sehr viele Terroristen verstecken.

3.
Dem „Römischen Statut“ folgend, kann von einem Kriegs- Verbrechen erst dann die Rede sein, wenn ein bewusster und gezielter Angriff auf Zivilisten durchgeführt wird. Das „Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs“ ist die Vertrags – Grundlage des „Internationalen Strafgerichtshofes“ mit Sitz in Den Haag.
„Generell darf man Zivilpersonen per se nicht unter Beschuss nehmen, und die zivilen Opfer dürfen im Vergleich zum erwünschten militärischen Vorteil nicht unverhältnismäßig sein“, berichtet der Spezialist für dieses Thema, der Politologe Prof. Mathias Delori in „Le Monde diplomatique“, März 2025, deutsche Ausgabe, Seite 9.

4.
Wie viele Zivilisten dürfen also – sozusagen mit guten Gewissen – von den Kriegsparteien getötet werden? Diese Zahl der Ermordeten legt eine kriegerische Nation selbst fest, und zwar in dem hier in Nr. 2 genannten „Non combattant casuality value“ (NCV). Hinsichtlich der akzeptierten Zahl „menschlicher Kollateralschäden“ gibt es große Nuancen unter den kriegerischen Staaten, berichtet der schon genannte Prof. Mathias Delori in „Le Monde diplomatique“. Eher verstörende „Werte“ legt Israel aktuell fest, Mathias Delors schreibt: „Die israelische Armee setzt die Zahl der zugelassenen getöteten Zivilisten seit Oktober 2025 sehr hoch an: Sie liegt bei 15 Zivilpersonen, die also getötet werden dürfen, wenn das Ziel des Angriffs nur ein einfaches Hamas-Mitglied ist. Bei einem führenden Hamas – Kader werden bis zu 100 zivile Opfer (der Palästinenser) in Kauf genommen.“ Von der damit gleichzeitigen Zerstörung von Sach- -Objekten, Häusern, Schulen, Krankenhäusern ist dabei gar keine Rede…
Das israelische Militär differenziert unter den palästinensischen Hamas-Feinden zwischen weniger wertvollen (als einfachen Hamas – Leuten) und wertvollen Menschen (Hamas Kader). Und Israel erlaubt sich, je nach (rassistischer?) Wertung mehr oder weniger Zivilisten als Kollateralschaden einzuplanen bzw. hinzunehmen.
Zum Vergleich mit den Kriegen der USA schreibt Prof. Mathias Delori: „Im Luftkrieg der US Airforce gegen den islamischen Staat (IS) lag der `NCV` – Wert“ fast bei NULL für einfache Dschihadisten` und zwischen 5 und 10 für Angriffe auf wertvolle IS Kader“. Darf man daraus auf eine etwas humanere Haltung der US – Streitkräfte im Vergleich zum israelischen Militär schließen? Sicher nicht.

5.
„Die Zahl der zivilen Opfer im Gaza-Streifen ist auch deshalb so hoch, weil die israelische Armee ihre Fähigkeit, militärische Ziele zu identifizieren , mittels Künstlicher Intelligenz (KI) entscheidend verbessert hat… Die neu Technik bietet rund 100 Ziele PRO TAG“, so Prof. Mathias Delori. Und weiter schreibt er: „ Die extrem hohe Zahl der Toten im Gazakrieg beträgt nach manchen Schätzungen 180.000 Menschen.“ Diese hohe Zahl der von der Armee Getöteten geht also auf den enormen technischen „Fortschritt“ mit IK zurück. Wieder einmal wird die dunkle Seite von technischem Fortschritt sichtbar…

6.
Zum Vergleich: Die Zahl der Todesopfer in Israel im Krieg gegen die Hamas seit dem 7. Oktober 2023 ist: 1.200 israelische und ausländische Todesopfer und 5.431 Verletzte in Israel. Diese äußerst geringen Opferzahlen Israels im Krieg sind auch durch die starke internationale militärische Unterstützung Israels bedingt. Quelle LINK
. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1417316/umfrage/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel/

7.
Ideologischer Hintergrund für diese Bereitschaft etwa des israelischen Militärs, viele Zivilisten zu töten, ist die Vorstellung von „menschlichen Schutzschildern“, die von der HAMAS eingesetzt werden. „Damit rechtfertigt die israelische Regierung die hohe Zahl der zivilen Todesopfer in Gaza“, betont Prof. Mathias Delori. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat die Ideologie des Staates Israel übernommen, als sie im November 2024 sagte: „Zivile Orte können ihren Schutzstatus verlieren, weil Terroristen diesen missbrauchen.“ Die TAZ berichtete darüber am 14.11.2024. In einem Interview in der TAZ bezog sich Tanya Boulakovski auf die Aussage von Baerbock. Tanya Boulakovski vertritt Fälle von Menschen­rechts­ver­letz­ungen vor internationalen Menschenrechtsgremien und ist Menschenrechtsbeauftragte bei MENA Rights Group: Sie betonte: „Diese Rhetorik (Baerbocks) ist gefährlich und könnte den Weg dafür ebnen, weitere Angriffe auf die Zivilbevölkerung zu rechtfertigen, im Libanon oder in Gaza. Angriffe auf zivile Infrastruktur dürfen niemals gerechtfertigt oder normalisiert werden. Daher rufen wir alle gemeinsam Deutschland dazu auf, sich vielmehr für die Einhaltung der internationalen Gesetze zum Schutz der Zivilbevölkerung einsetzen.“ LINK (TAZ, https://taz.de/Menschen­rechts­ver­letz­ungen-durch-Israel/!6049136/
Nicola Perugini und Neve Gordon schreiben (Fußnote 3) im „Journal of Palestine Studies“, „dass Israels Behauptungen, die Hamas habe ihr Hauptquartier unter dem Al-Schifa und dem Al – Quds Krankenhaus eingerichtet, erfunden waren. Die Behauptungen wurden dazu genutzt, Angriffe auf diese Krankenhäuser moralisch und juristisch zu rechtfertigen“, so zitiert Prof. Mathias Delori die beiden Wissenschaftler in dem genannten Beitrag in „Le Monde diplomatique“

8.
Wenn Zivilisten zur bloßen Zahl einer Statistik der offenbar mit gutem Gewissen getöteten „Kollateralschäden“ werden, sollte eigentlich die philosophische, die ethische Reflexion als Kritik beginnen: Aber soweit wir sehen, zieren sich PhilosophInnen bei diesem Thema. Man hat es ja mit einer Art Grauzone zu tun. Kollateralschaden gilt nur dann nicht als Kriegsverbrechen, wenn er bei einem Angriff auf ein militärisches Ziel als Tötung von Zivilisten als „Nebenwirkung“ entstanden ist und nicht beabsichtigt war. Wer soll das objektiv nachweisen?
Auch über die Entmenschlichung der Zivilisten wäre zu sprechen, sie werden zur Nummer, zur Zahl.
Und vor allem über eine Form des Rassismus wäre zu sprechen: Etwa über die Tatsache: Wenn im Inland ein westlicher Staat gegen Terror kämpft, ist der NCV Wert bei Null anzusetzen, denn es sind ja wertvolle westliche Menschen. Der Politologe Prof. Mathias Delori schreibt: „Wenn ein “terroristischer” Angriff auf dem Territorium eines westlichen Staates stattfindet, ist der von Polizei und Militär eingesetzte NCV nahe Null, was etwa konkret bedeutet, dass sie keinen westlichen Zivilisten gefährden wollen. Wenn Terroristen jedoch in der nicht-westlichen Welt tätig sind und dort westliche Menschen gefährden, steigt der NCV deutlich an. Es können Kollateralschaden unter der einheimischen Bevölkerung entstehen… Aus diesem Grund verwenden westliche Streitkräfte unterschiedliche Instrumente, je nachdem, ob sie in einem westlichen Land oder in anderen Teilen der Welt operieren. Konkret heißt das: Nur Elitekommandos vor Ort im europäischen Fall, bewaffnete Drohnen und Kampfbomber-Jets in letzteren, in der nicht – westlichen Welt“. (Fußnote 1)

9.
Auf eine kritische philosophische Reflexion zur Realität der „menschlichen Schutzschilder“ soll ausdrücklich hingewiesen werden: Die Philosophin Judith Butler hat gezeigt, dass der Begriff „menschliche Schutzschilder“ und deren bei Nichtbeachtung auch in Kauf genommene Tod vieler das Mitgefühl neutralisieren kann. Denn einige Menschen könnten ja Mitgefühl entwickeln, wenn wirklich von getöteten Menschen in dem Zusammenhang die Rede wäre. Judith Butler schreibt: „Wir sollen also glauben, dass Kinder (als menschliche Schutzschilder) nicht wirklich Kinder sind, nicht wirklich lebendig sind, sondern dass sie bereits zu Stahl als Schutzschilder geworden sind. Der Körper eines Kindes (als Schutzschild) wird also als ein militarisiertes Metallstück wahrgenommen“, dieses Metallstück (Kind) soll den Angreifer hemmen, das ist aber nur selten der Fall. (Fußnote 2).

10.
Unser Thema und unser Hinweis hier sind nur ein Element in der jetzt immer umfassender werdenden Kriegs – Gewöhnung auch in den noch verbliebenen Demokratien: Kriege treten mit aller Gewalt und, man möchte sagen, absolut in den Mittelpunkt der Politik. Alles dreht sich um Kriege. Die vielen Millionen Hungernder und Leidender im globalen armen Süden sind vergessen.
Das ist das universelle Leiden: Kriege belasten Geist und Seele der Menschen. Kriege sollen ja Geist und Seele aller verwirren, so wollen es die Kriegsverbrecher in den Diktaturen.
Ein Ausweg aus dieser Situation ist jetzt kaum zu sehen angesichts der Autokraten und Diktatoren, die nicht nur das internationale (Kriegs)Geschehen nach ihrer eigenen perfiden, perversen Laune steuern. Sie spielen sich wie ausgerastete wütende Götter auf, die die Zukunft unserer Welt systematisch zerstören.
Es ist der Nihilismus der heute herrschenden Autokraten, die in ihrem Wahn die Menschheit vergiften. Dieser Nihilismus zeigt sich als absoluter Nationalismus, der wiederum nichts anderes ist als ein ins Politische übersetzter Egoismus verwirrter Ideologen.

Fußnote 1:
Mathis Delori, „The Politics of Emoticons on Contemporary wars“ (“Die Politik der Gefühle in den heutigen Kriegen“). In: Handbook of Critical International Relations. Editor: Steven C. Coach, Edward Elgar Verlag. Dort S. 305– 323.

Fußnote 2:
Judith Butler, „Frames of War“, London, Verso-Editio, 2010. Vor allem das Einführende Kapitel. Auf Deutsch erschienen: „Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen“. Raster des Krieges. Campus, Frankfurt am Main 2010.

Fußnote 3:
Die beiden Autoren in ihrem Aufsatz „Medical lawfare. The Nakba and Israels attacks on palestinian healthcare“, in :Journal of Palestine studies, 53/1.2024.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Ein philosophisch – christliches Glaubensbekenntnis für heute und morgen.

Vom Apostel Paulus inspiriert … und darüber hinaus.
Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.3.2025

1. Eine Vorbemerkung:

Bekenntnisse des christlichen Glaubens können heute auch kurze Essays, Aphorismen oder philosophische Poesie sein.

Dies gilt angesichts der immer noch üblichen Geltung der nahezu unverständlichen Bekenntnisse aus dem 4. und 5. Jahrhundert.

Im Neuen Testament, in der „Apostelgeschichte“, wird eine merkwürdige Geschichte erzählt (Kapitel 17, Vers 16 – 34):
Der Apostel Paulus hält sich in Athen auf, einem Zentrum verschiedener philosophischer Schulen, der Stoiker, Epikureer und Neuplatoniker. Und mit diesen Philosophen sucht Paulus das Gespräch, so die Erzählung.

Wir haben das philosophisch geprägte Bekenntnis des Apostels Paulus dort, auf dem Areopag in Athen, neu formuliert. Und dabei entsteht eine Art philosophisch begründendes, sehr kurzes Glaubens – Bekenntnis mit einem universellen Interesse. Dieses Bekenntnis führt noch weiter: Zu einem leidenschaftlichen Ja zu den universell geltenden Menschenrechten. Sie werden Teil des heutigen christlichen „Glaubensbekenntnisses“.

2.
Zunächst das philosophisch orientierte christliche Bekenntnis, inspiriert vom Paulus-Text in der Apostelgeschichte Kapitel 17, Vers 16 – 34:

„Gott hat die Welt erschaffen und alles in ihr. Der Herr über Himmel und Erde wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
Gott gibt allen das Leben. Keinem Menschen ist Gott fern.
In ihm leben wir. In ihm bewegen wir uns und sind wir. Wir Menschen sind von seiner Art.“
Bis dahin folgen wir dicht den Aussagen des Apostels Paulus, jetzt folgt unsere Interpretation der Aussagen des Paulus zu Jesus Christus:

“Der Mensch Jesus von Nazareth lebte ganz mit Gott verbunden.
Nach seinem Tod erkannten seine Freunde: Er hat den Tod überwunden, so wie alle Menschen den Tod überwinden: Denn alle Menschen sind mit dem Ewigen verbunden: Denn in ihm (Gott) leben wir. In ihm bewegen wir uns und sind wir.“ (Zur Erschaffung der Welt, Fußnote 1 unten)

An dieses klassische Glaubensbekenntnis schließt sich eine Erweiterung des christlichen Glaubensbekenntnisses an:

„Der christliche Glaube ist nur wirklich, wenn er in der Praxis der Mitmenschlichkeit lebt. Entscheidende Orientierung dafür bietet die „Erklärung der universell geltenden Menschenrechte“ von 1948: Dabei können durchaus neu erkannte soziale, klimabezogene oder Gender – bezogene Menschenrechte hinzukommen.
Aber darauf kommt es an: Die Menschenrechte und die Pflichten der Menschen, diese Rechte praktisch zu respektieren, sind Teil des christlichen Glaubens, also des Glaubens an eine göttliche Wirklichkeit: Sie hat jeden Menschen mit einer absolut wertvollen, ewigen, göttlichen Qualität geschaffen. Das ist eine Erkenntnis seit Albertus Magnus, Meister Eckart, Hegel … Diese Erkenntnis würde aber im engen religiösen Bereich verbleiben, wenn nicht die politische Dimension der Menschenrechte für die Verbindung des Glaubens mit der Praxis der Menschen sorgen würde.“

(Siehe auch das Interview mit dem Berliner Theologen Prof.Wilhelm Gräb (+2023) über “Die Erklärung der Menschenrechte als Bekenntnisgrundlage einer universalen ReligionLINK

3.
Es ist bemerkenswert, dass der Autor der Apostelgeschichte im unmittelbaren Umfeld der Areopag – Erzählung den christlichen Glauben nicht etwa als Dogma, als Lehre, als Doktrin bezeichnet, sondern: Als „neuen Weg“. (Apg. 19,9, in der „Einheitsübersetzung“ der Bibel).
Der christliche Glaube als „WEG“ – eine sympathische „Definition“, die heute nahezu in Vergessenheit geraten ist!

NEBENBEI:

4. Paulus lebte und lehrte zwei Jahre bei einem Philosophen in Ephesus

Der Apostel Paulus lebte zwei Jahre in Ephesus bei einem Philosophen: Tyrannus, sein für uns etwas ungewöhnlicher Name. Paulus konnte im Saal des Philosophen seine christliche Lehre verbreiten. Tolerant sind die Philosophen! Paulus war zuvor aus der Synagoge rausgeworfen worden. LINK:

NEBENBEI:

5. Kein direkter Bezug zu „Dionysius, dem Areopagiten“.

Am Ende der Erzählung „Paulus in Athen“ wird berichtet: Einige wenige ZuhörerInnen hätten sich nach dem Bekenntnis und der Predigt des Apostels Paulus dem christlichen Glauben zugewandt, unter ihnen wird ein „Dionysius, der Areopagit“ (Vers 34) erwähnt.
Dieser Dionysius ist nicht identisch mit dem Philosophen aus dem 6. Jahrhundert, der sich – zur eigenen Aufwertung – „Dionysius Areopagita“ nannte: Es handelt sich um einen griechisch schreibenden Christen und philosophischen Autor von vier Texten, darunter „Über mystische Theologie“.
Was diesen Dioysius mit dem Bekenntnis und der Predigt des Apostels Paulus in Athen, auf dem Areopag, ein wenig verbindet: Die Betonung der Ähnlichkeit des Menschen mit Gott durch die „Gottähnlichkeit der Vernunft“… Aber für diesen Dionysius ist Gott letztlich das Unnennbare, alle menschlichen sprachlichen Äußerungen über Gott sind für diesen Meister der „negativen Theologie“ unzutreffend. Da war ja Paulus bekanntlich ganz anderer Meinung.

Fußnote 1: Das Wort “Gott als Erschaffer der Welt” kann hier nicht weiter entwickelt werden, es hat nichts zu mit fundamentalistischer Bibelinterpretion. Das Wort “Gott als Schöpfer der Welt” ist gemeint als die Konsequenz des Denkens selbstbewusster Subjektivität: Diese versteht sich als eine kontingente Realität der Welt und weiß dabei, dass sie nicht über die eigene Existenz, die eigene Präsenz in dieser Welt, verfügt. Subjektivität, der Mensch, ist also auf den Gedanken eines gründenden Grundes angewiesen. Dieser Grund hat Subjektvität in die Welt freigesetzt. Man kann ihn Gott nennen, das Absolute, das/den Ewige(n), also das in allem und allen Anwesende…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Hannah Bethke und ihre Attacken auf die Evangelische Kirche in Deutschland

„Vom Glauben abgefallen“ – das neue Buch von Hannah Bethke. Eine Einstimmung zum Kirchentag in Hannover 30.4. 2025?
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.3.2025

1.
Hannah Bethke (geboren 1980) will die evangelische Kirche in Deutschland retten, das heißt den kleinen Rest der klassisch – innerlich Frommen. Vor allem aber unpolitisch soll diese wahre kleine „Kirche der Reinen“, d.h. von allem Linken unbefleckte, sein, so, wie es Bethkes konservativem Denken entspricht. Liberal und modern ist die Autorin in sexualethischen Fragen.
Dabei bekennt Hannah Bethke, Nicht – Theologin zu sein (Seite 12), sie ist aber überzeugt, als Journalistin und Kirchenmitglied die Evangelische Kirche heftigst attackieren zu können. Sie meint wohl, ihre verstörende Polemik könnte Reformen einleiten. Der Titel nennt sofort ihr „Dogma“: „Vom Glauben abgefallen. Eine Antwort auf die Krise der evangelischen Kirche“.

2.
Nach beruflichen Intermezzi bei den konservativen Zeitungen FAZ und NZZ, ist Dr. phil. Hannah Bethke jetzt „Politik-Redakteurin“ in den noch deutlicher konservativen Springer – Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“. Bethke ist auch oft Talk-show-Gast der ARD.

3.
Um die Rettung der wenigen frommen Seelen inmitten der – auch von ihr – viel zitierten „Säkularisierung“ geht es also. Dass „die Kirche“ für diesen Niedergang des Glaubens und der Kirche mitverantwortlich ist, steht für sie fest. Dabei meint sie mit „die Kirche“ stets ganz allgemein die Amtskirche, die Kirchenleitungen, die Pfarrer, vielleicht auch die (linken?) Gemeindekirchenräte, vielleicht auch die evangelischen Akademien und evangelischen Schulen? Alles ist möglich bei dieser undifferenzierten Rede von „die Kirche“. Vom Kirchentag ist im Buch keine Rede, dabei erscheint doch ihr Opus wenige Wochen vor dem Kirchentag in Hannover. Ein Zufall? Und dann wird ihr Buch in dem einst progressiven katholischen Kösel Verlag verlegt, wo doch Hannah Bethke die katholische Kirche nun öffentlich verachtet wegen „der Beharrungskräfte eines antimodernen katholischen Dogmatismus.“ (Seite 11). Ließe sich für dieses Opus ein evangelischer Verlag nicht finden?

4.
Bei ihrer heftigen Kritik an der Evangelischen Kirche (EKD) und der Hoffnung auf eine rettende kleine glaubende Minderheiten-Kirche spricht Hannah Bethke nicht von ihrer eigenen, unpolitischen Frömmigkeit. Sie sagt z.B. nichts zu ihren liebsten Bibelstellen oder ihrem privaten unpolitischen Gebet, sie verschweigt, welche der immer noch üblichen alten Choräle des 17. Jahrhundert sie vielleicht noch zu Tränen rühren. Das ganze Buch könnte ein polemischer „Schinken“ genannt werden, sagte mir ein Freund. Mit ihrem Buch will Frau Bethke ganz offensichtlich „die“ Kirchenführung verärgern.

5.
Man muss diese ungeheuerliche Polemik von Frau Bethke wirklich dokumentieren, denn so etwas haben meines Wissens selbst die reaktionären Pfarrer der Bewegung „Kein andres Evangelium“ einst nicht geschrieben, etwa in ihrem Hass auf Bischof Kurt Scharf oder den Theologen Prof. Helmut Gollwitzer oder den großen Theologen Rudolf Bullmann. Bethke schreibt: „Die“ evangelischen Kirche in Deutschland „ist am Ende“ (Seite 7), „sie macht so ziemlich alles falsch“, sie verbreitet „weichgespülte Alltagspredigten“. Die beliebte Fernsehsendung „Wort zum Sonntag“ nennt die Autorin „seichte Ansprachen“ (Seite 29). Ziemlich unverschämt erscheint mir die allgemeine Behauptung der Autorin: „Die Kirche erlebt einen Zersetzungsprozess, sie scheint weder willens nicht in der Lage, der opportunistischen Versuchung zu widerstehen, immer mehr von ihrer Identität aufzugeben, um im gesellschaftlichen Mainstream mitzuschwimmen.“ (S. 153-154)… “Die evangelischen Christen haben sich bis Unkenntnis dem atheistischen Zeitgeist angepasst.“ (S. 154). Beispiele der globalen Polemik gleich auf den ersten Seiten: „Die Kirche politisiert anstatt ihr christliches Profil zu schärfen“(Seite 7). Die Kirche „passe sich dem gesellschaftspolitischen Zeitgeist an, etwa im Klima-Aktivismus und der Zustimmung zur „linken Identitätspolitik“ (Seite 9). Sie behauptet gar, die Kirche befinde sich in einem Prozess freiwilliger Selbstauflösung“ (Seite 40).
Der ganze angebliche Niedergang wurde, dreimal darf man raten, von der großen protestantischen, weltweit geschätzten Theologin Dorothee Sölle angestoßen und befördert (Seite 56), das übliche Klischee der Konservativen also. Hannah Bethke wagt allen Ernstes zu schreiben: „Dorothee Sölle liefert im Grunde eine theologische Legitimation für die Abkehr von Gott“ (ebd.). So unverschämt kann nur jemand urteilen, der keinen Sinn für theologische Nuancen und Differenzierungen hat.

6.
Diese Verurteilung der gegenwärtigen Kirche hat ihren Mittelpunkt in der Zurückweisung des sozialen, angeblich immer linken Engagements evangelischer Christen etwa zur Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer oder dem präzisen Eintreten für den Klimaschutz. Frau Bethke behauptet: „Es braucht keinen kirchlichen Aufruf zum Klimaschutz, keine lautstarke Einmischung in politische Belange, sondern einen Ort des Glaubens.“ (Seite 187) Das ist die alte Ideologie der konservativen, sich unpolitisch nennenden Christen: Sie wollen nur die individuelle caritative Geste, etwa in kirchlichen Suppenküchen und Kleiderkammern. Dabei sagen die vielen Ehrenamtlichen, dass das, was sie da mit ihrer Kirche leisten, eigentlich auch Aufgabe des sogenannten Sozialstaates wäre, für die Menschenwürde aller, auch der Hungernden und Obdachlosen, wirksam zu sorgen. Aber Bethke fällt in ihrer Polemik nichts anderes ein:: „Die Kirche darf nicht zu einer austauschbaren Sozialeinrichtung verkommen (sic)“ (S. 190). Ein Schande dieses Wort „verkommen“, angesichts der vielen aktiven ehrenamtlichen evangelischen ChristInnen in diesen „verkommenen“ sozialen Einrichtungen der Kirche.

7.
Der informierte Leser ahnt, dass sich Friede Springer, die Chefin im Springer Imperium, über dieses Opus ihrer Politik – Redakteurin sehr freuen wird. Denn genau dieser „bloß“ fromme christliche Glauben in einer konservativen Kirche ist ihre geistliche Heimat: Friede Springer ist wie ihr Mann Axel Caesar Mitglied der theologisch sehr konservativen“ Selbständigen Lutherischen Kirche“ (SELK), zu dieser kleinen Glaubensgemeinschaft gehört auch die AFD Politikerin Erika Steinbach…(Siehe Fußnote 1).
Nebenbei: Vielleicht findet sich Frau Dr. Bethke auch bald in dieser so gläubigen, angeblich unpolitischen Kirche der Altlutheraner wieder? Bethke schwärmt ja von der Gemeinde als einem „Refugium des Glaubens“ (Seite 16), ein solches Refugium wäre doch diese kleine altlutherische Kirche. Aber noch bekennt Bethke sich zur „liberalen Haltung“ der Evangelischen Kirche (EKD), etwa was die „Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare“ (s. 39) angeht. Aber diese Liberalität gilt für sie selbstverständlich als nicht links, obwohl der erfolgreiche Kampf um Gleichberechtigung von Homosexuellen in ganz Europa ausschließlich von Linken und linken Parteien geführt wurde!

8.
Über die theologische Unkenntnis der Autorin wäre viel zu sprechen: Sie deutet etwa ihren christlichen Glauben an Jesus von Nazareth ziemlich philosophisch und damit eigentlich als besten Ausdruck einer klassischen modernen liberalen Theologie, die die Autorin ja eigentlich verdammt: Sie wagt also als konservative Protestantin dieses Bekenntnis zu Jesus Christus so zu formulieren: „Es gibt etwas, das höher ist als wir selbst.“ (Seite 11). Dies ist eine metaphysische Äußerung zum geistigen Wesen des Menschen, hat aber – konservativ betrachtet -nicht viel mit dem Glauben an den historischen Jesus Christus zu tun, etwa mit seiner Bergpredigt. Und schon gar nichts mit dem von der Autorin bevorzugten Theologen Karl Barth, der als Autor des Römerbriefes bei dieser Definition des Glaubens an Jesus Christus wohl laut getobt hätte. Schlimmer aber ist eine elementare Unkenntnis der so genannten Kirchenreformerin: Sie weiß offenbar nicht, dass Jesus von Nazareth die Nächstenliebe als das absolut und einzig Entscheidende in der Beziehung zu Gott sieht. Kurz gesagt: Der christliche Glaube ist nur dann die von Bethke viel beschworene „Werteorientierung“, wenn er als den obersten und absoluten Wert die Nächstenliebe anerkennt, die sich heute angesichts der Millionen Hungernden und Armen nur politisch leben lässt.

9.
Es ist natürlich nicht möglich, alle pauschalen Urteile der Autorin über „die“ Kirche konkret zu widerlegen, man wüßte ja gar nicht, wo man anfangen sollte. Insofern hat das Buch „Vom Glauben abgefallen“ keinen konkreten Erkenntnisgewinn. Dennoch stören manche Ahnungslosigkeiten, etwa wenn sie behauptet, „die Kirche hat ihre Geschichte kritisch aufgearbeitet“ (S. 46). Offenbar denkt sie an die Nazi -Zeit oder die Zeit der Staatskirche oder die Verquickung mit dem Kolonialismus? Um nur bei einem Beispiel zu bleiben: Sie kennt also nicht die jüngeren historischen Forschungen etwa zur Verbindung des einst führenden Berliner Bischofs Otto Dibelius mit den Nazis. Frau Bethke könnte ja auch kritisieren, dass die berühmte Kirche am Kurfürsten Damm in Berlin immer noch nach den Kolonialherren und Rassisten, den Kaisern Wilhelm I und II, benannt ist. Heute nennt diese Gemeinde schamhaft ihre Kirche nur noch neutralisiert „Gedächtniskirche“ oder total banal „KWG“. Zur Umbenennung fehlt der Mut der Kirchenleitung: Einfluß der konservativen “unpolitischen” Protestanten und Hohenzollern – Freunde? Wahrscheinlich. Sie verhindern einen würdigen Namen für dieses „Gotteshaus“… Dietrich Bonhoeffer – Kirche wäre ein treffender Name…Nichts als eine Utopie… angesichts der Angst und der Bürokratie der Kirchenleitung. Briefe in dem Zusammenhang an die Kirchenleitung bleiben selbstverständlich unbeantwortet. Da ist man hilflos der Kirchenbürokratie ausgesetzt.

10.
Wie sieht die konservative Haltung der Autorin in ihrer Wertehaltung eigentlich den Umgang der Gemeinden mit AFD Sympathisanten und AFD Mitgliedern? Im Interview auf Radio WDR 3 (am 26.2.2025, Reihe „Mosaik“) wird ihre Toleranz für die AFD deutlich. Bethke sagte in WDR3: “Kirche soll für alle offen sein. Auch für die Sympathisanten und Anhänger der AFD. Solange sich alle an die Regeln der Gemeinde halten, ist jeder willkommen“.
Das muss hervorgehoben werden: AFD-Christen brauchen sich also bloß an die Regeln der Gemeinde zu halten. Und die Gemeindeleitung darf sie nicht daran erinnern, dass sie mit einer – nachgewiesen – rechtsextremen Partei verbunden sind. Dabei müssten die Gemeinden vielmehr deutlich sagen: AFD Christen haben nicht nur irgendwelche frommen Regeln der Gemeinde zu beachten, wie es Frau Bethke vorschwebt, sondern auch das Grundgesetz oder die universell geltende Erklärung der Menschenrechte!
Der von Hannah Bethke so oft beschworene unpolitische Glaube ist also doch sehr politisch und tolerant für die Rechten und Rechtsextremen. Wie sagt die Autorin doch so „liberal“: „Es ist wichtig, dass die Kirche ihren Raum, ihr Wirken, frei hält von parteipolitischen Auseinandersetzungen“. (Seite 191). Mit AFD-Mitgliedern in den Gemeinden also bitte keine tiefergehenden Auseinandersetzungen…

11.
Das steht fest: Das Buch wurde offenbar nur geschrieben, um linke oder bloß angeblich linke Kreise in der evangelischen Kirche zu diffamieren. Die evangelische Kirche möge bitte konservativ sein und für AFD Leute Verständnis zeigen! Darum geht es, bloß nicht zu viel Hilfe für Flüchtlinge, bloß nicht zu viel Engagement für den Klimaschutz: Das hat doch alles nichts mit dem Evangelium Jesu Christi zu tun, behauptet die theologisch ungebildete Autorin.

12.
Theologisch betrachtet, ist das Buch, wie gesagt, uninteressant: Aber das muss in unserer Sicht betont werden: Es gibt tatsächlich eine Krise der Kirchen in Deutschland und in Europa: Aber die Krise der Kirche, etwa als Abkehr so vieler tausend Menschen von den Kirchen, ist begründet durch die immer noch starke Bindung dieser Kirchen an uralte Lehren, Dogmen und Traditionen. Darum wäre das Reformations-Thema jetzt: Der christliche Glaube ist einfach und menschlich: Er ist eine Lehre der Weisheit, eine Lehre und Praxis der Liebe, der politischen Präferenz für die Armen, des Eintretens für universale Gerechtigkeit und Geltung der Menschenrechte für alle Wesen, die Menschenantlitz haben.

13.
Spiritualität bleibt selbstverständlich wichtig: Beten, Bibel Gespräche, Mediationen usw. in Kirchengebäuden oder im privaten Raum sind immer Ausdruck des Glaubens. Eine moderne liberale Befreiungs – Theologie reduziert aber den unsäglichen Wust an uralten Dogmen, Lehren, Moral-Weisungen. Und: Sie sieht diesen elementaren humanen Glauben auch bei vielen, auch bei denen, die die Kirchen längst verlassen haben und sich „anderswo“ den wichtigen humanen Aufgaben der Gegenwart zuwenden.
Spiritualität ohne Engagement („ohne Werke“ wie es im Jakobus-Brief des Neuen Testaments so richtig und so treffend heißt) hat aber keinen Wert. Und diese „Werke“ der Glaubenden können inmitten dieser verrückten Welt meist nur „links“ sein, weil links eben bedeutet: Praktisches Eintreten für die Ethik Jesu von Nazareth und die universelle Gültigkeit der Menschenrechte. Die universell geltenden Menschenrechte sind heute Teil des christlichen Glaubens.

14.
Eins steht fest: Die kleine starke konservative Kirche à la Bethke lassen vor allem  Christen einfach rechts liegen.

Fußnote 1:
Hannah Bethke spricht in ihrem Buch vom Auftrag der Kirche zur „Wertorientierung“, „sie soll für Stabilität und Verlässlichkeit sorgen“ (Seite 9). Darin trifft sie sich völlig mit der Überzeugung von Friede Springer. Die Verlegerin ist Mitglied der kleinen, konservativen „Selbständigen Evangelisch – Lutherischen Kirche“ (SELK): Friede Springer sagt: „Mein Leitspruch ist: Alles ist Gnade. Fürchte Dich nicht! Alles, was ich in meinem Leben bin und habe, verdanke ich Gott.“ (IDEA Pressedienst am 16.8.2022). LINK
Am 14.4.2020 betonte Friede Springer: „Wir haben einen Wertekanon (sic) in unsere Verlagsstatuten integriert. Die deutsch-israelische Aussöhnung beispielsweise, oder eine deutliche Abgrenzung gegen Rechts – und Linksextremismus. Jeder Redakteur verpflichtet sich mit seiner Unterschrift, diese Werte zu achten und dafür einzustehen.“ (Evangelische Zeitung, 14.4.2020).
Nebenbei: Auch Erika Steinbach, einst CDU Politikerin, seit 2022 AFD Mitglied und Vorsitzende der AFD nahen Desiderius Erasmus Stiftung ist Mitglied der „Selbständigen Evangelisch – Lutherischen Kirche“. Axel Caesar Springer war es auch.

Hannah Bethke, „Vom Glauben abgefallen. Eine Antwort auf die Krise der evangelischen Kirche“. Kösel Verlag, München, 2025, 208 Seiten, 20€.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Trump ist Faschist: Erkenntnisse eines französischen Politologen

Aus einem Interview mit dem Politologen, Prof. Stéphane Audoin-Rouzeau, (S.A.-R.), Paris,  in der Pariser Tageszeitung „La Croix“, am 6.3.2025.   LINK

Stéphane Audoin-Rouzeau (* 1955) ist ein französischer Historiker und Direktor des Centre d’études sociologiques et politiques Raymond Aron in Paris. 

 Am 16.3.2025 notiert: Angesichts der Rücknahme der Bestimmungen zum Schutz der Umwelt und zur Begrenzung des Klimawandels durch Trump wird die Erkenntnis evident: Trump und sein Regime ignorieren den Schutz des Lebens der Bevölkerung zugunsten der Profite von Großunternehmen. Wie nennt man eine solche inhume Haltung?  Wie lange läßt sich die Bevölkerung der USA diese Verbrechen einer “demokratisch” gewählten, aber jetzt diktatorisch agierenden Regierung bieten? 

Am 14.3.2025 notiert: Trump einen Faschisten zu nennen, ist sicher gewagt, wenn man “globalen Einordnungen” von Politikern kritisch gegenübersteht .Aber die “Einordnung” ist jetzt nötig, um auf den äußerst verstörenden und äußerst gefährlichen Charakter der Politik von Mister Trump aufmerksam zu machen. Dabei ist klar, dass es Differenzen in den historischen Formen des Faschismus gibt, aber eben auch bleibende Gemeinsamkeiten. Wie Europa mit einem Faschisten Trump umgeht, ist eine Art Balanceakt. Unterwürdigkeit unter diesen All-Herrscher wäre die falsche Antwort. Einzig ein starkes Anti-Trump-Europa ist die Antwort.

Frage an Prof. Audoin-Rouzeau: Um den Trumpismus, der die Ukraine in die Enge treibt, zu analysieren, bringen Sie den Begriff „Faschismus“ vor. Warum?

S. A.-R.: Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich mit diesem Begriff nicht allein bin, er findet sich beispielsweise bei dem großen amerikanischen Historiker Robert Paxton. In den letzten 40 Jahren wurde die Bezeichnung „faschistisch“ immer häufiger gegenüber der extremen Rechten und manchmal sogar gegenüber radikalen Konservativen verwendet und hat sich dadurch abgeschwächt. Doch abgesehen von dieser polemischen Verwendung gibt es eine Einzigartigkeit des Faschismus, die ihn unwiderruflich von anderen Formen der extremen Rechten unterscheidet: seine subversive und revolutionäre Dimension, insbesondere in seiner Anfangszeit. Dies gilt sowohl für den italienischen Faschismus als auch für seine nationalsozialistische Mutation.
Und genau das ist es, was wir derzeit jenseits des Atlantiks am Werk sehen. „Trump 2“ begann bereits während des Wahlkampfs und sogar im Januar 2021 mit dem Sturm auf das Kapitol, der sein Potenzial für Gewalt und sogar ‚Putschismus‘ zeigte. Zwei Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus hat Donald Trump bereits die internationale Ordnung unterwandert, sowohl durch seine imperialistische und eroberungssüchtige Rhetorik als auch durch seine jüngste Umkehrung der Bündnisse. Auf nationaler Ebene hat er die Institutionen unterwandert und sicher geglaubte gesellschaftliche Entwicklungen umgestoßen.

Frage: Welche weiteren Merkmale begründen Ihrer Meinung nach die Bezeichnung „faschistisch“?

S. A.-R.: Eine beträchtliche Aggressivität und Gewalt, die Existenz eines Anführers und eines Eifers um ihn herum, die spektakuläre politische Dramaturgie, wie als Donald Trump am Tag seiner Amtseinführung die Dekrete öffentlich unterzeichnete. Und die während seiner Kampagne verwendete Formel, dass illegale Einwanderer in den USA „das amerikanische Blut infizieren“ würden. Diesen Rassismus in seiner biologischen Version dachten wir, dass er 1945 verschwunden sei.
Drei weitere Elemente scheinen mir den Vergleich mit den historischen Faschismen zu stützen. Zunächst die Subversion der Sprache, die Victor Klemperer für den Nationalsozialismus analysiert hatte. Es entsteht ein trumpscher Diskurs, in dem die Wahrheit keine Rolle mehr spielt, in dem bestimmte Wörter verboten und andere aus dem Nichts geschaffen werden. Dann die Revolution der Eliten, durch die Ernennung von Trump hörigen und völlig inkompetenten Beamten für die wichtigsten Bundesämter. Und schließlich die Tatsache, dass die amerikanische Gesellschaft derzeit das Gefühl vermittelt, sich wie gelähmt zu ergeben.

Frage: Ist das die Rückkehr des Faschismus der 1930er Jahre?
S. A.-R.: Meiner Meinung nach erleben wir die Entstehung eines amerikanischen Faschismus, der an der Schwelle zwischen Trumps erster und zweiter Amtszeit aufgetreten ist. Es ist ein spezifischer Faschismus, auch wenn er viele Ähnlichkeiten mit dem historischen Faschismus aufweist. Die Schwierigkeit, eine solche Diagnose zu stellen, ist die Inkohärenz von Donald Trumps Positionen. Vielleicht wird es nie einen kohärenten ideologischen Korpus des Trumpismus geben. Aber vielleicht wird er sich auch strukturieren, insbesondere mit Hilfe von Vizepräsident J. D. Vance, der in München eine sehr klare Rede gehalten hat, oder anderen Ideologen aus seinem Umfeld. Aber in diesem Moment kann man meiner Meinung nach bereits von einem amerikanischen Faschismus sprechen, und das ist natürlich äußerst ernst.

Frage: Wie kann uns diese Diagnose in diesem so gefährlichen Moment helfen?
S. A.-R.: Wenn es sich tatsächlich um einen amerikanischen Faschismus handelt, ist es dringend geboten, keine Zeit mehr mit Versuchen zu verschwenden, mit Donald Trump zu diskutieren, ihn zu besänftigen oder gar zu verändern, denn diese Versuche sind zum Scheitern verurteilt. In Krisenzeiten ist es entscheidend, die Situation genau in Worte zu fassen und ihr ins Gesicht zu sehen, nicht nur um sie zu verstehen, sondern auch um zu handeln. Dies ist die Aufgabe von Politikern, Forschern und Journalisten. Auch in Europa müssen wir uns unverzüglich auf eine Diagnose einigen. Wir müssen akzeptieren, wie Charles Péguy betonte, „zu sehen, was man sieht“.

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Siehe auch unseren Beitrag zum “Ewigen Faschismus”: Einige Thesen von Umberto Eco: LINK

……………..

Der französische Text des Interviews mit Prof. Stéphane Audoin-Rouzeau:  „La Croix“, am 6.3.2025.

Pour analyser le trumpisme, qui accule l’Ukraine, vous avancez le terme de « fascisme ». Pourquoi ?
S. A.-R. : Tout d’abord, je voudrais préciser que je ne suis pas seul à employer ce terme, que l’on retrouve par exemple chez le grand historien américain Robert Paxton. À force d’être employé, depuis quarante ans, envers l’extrême droite, et même parfois envers des conservateurs radicaux, le qualificatif « fasciste » s’est affadi. Mais au-delà de cet usage polémique, il existe une singularité du fascisme qui le distingue de manière irréductible d’autres formes d’extrême droite : sa dimension subversive et révolutionnaire, surtout à son début. C’est le cas du fascisme italien, comme de sa mutation nazie.

Et c’est exactement ce que l’on voit à l’œuvre en ce moment outre-Atlantique. « Trump 2 » a commencé dès la campagne électorale, et même en janvier 2021 avec la prise du Capitole qui a montré son potentiel de violence et même de « putschisme ». Deux mois après son accession à la Maison-Blanche, Donald Trump a déjà subverti l’ordre international, par son discours impérialiste et conquérant comme par son renversement récent des alliances. Au niveau national, il a subverti les institutions et renversé des évolutions sociétales que l’on croyait acquises.
Quelles sont les autres caractéristiques qui fondent à vos yeux cette qualification de fasciste ?
S. A.-R. : Une agressivité et une violence considérables, l’existence d’un chef et d’une ferveur autour de lui, la dramaturgie politique spectaculaire, comme lorsque Donald Trump a signé les décrets en public le jour de l’investiture. Et cette formule utilisée durant sa campagne, selon laquelle les immigrés illégaux aux États-Unis « infecteraient le sang américain ». Ce racisme dans sa version biologique, nous pensions qu’il avait disparu en 1945.
Trois autres éléments me semblent soutenir la comparaison avec les fascismes historiques. La subversion de la langue tout d’abord, que Victor Klemperer avait analysée pour le nazisme. Un discours trumpien se met en place, où la vérité n’a plus aucune importance, où certains mots sont interdits, d’autres créés de toutes pièces. La révolution des élites ensuite, par les nominations aux postes fédéraux les plus importants de responsables inféodés à Trump et complètement incompétents. Le fait, enfin, que la société américaine donne pour l’instant le sentiment de se rendre, comme tétanisée.
Est-ce le retour du fascisme des années 1930 ?
S. A.-R. : Nous assistons selon moi à l’émergence d’un fascisme américain, apparu à la charnière entre le premier et le second mandat de Trump. C’est un fascisme spécifique, même s’il a de nombreuses ressemblances avec le fascisme historique. La difficulté pour poser un tel diagnostic, c’est l’incohérence des positions de Donald Trump. Peut-être n’y aura-t-il jamais de corpus idéologique cohérent du trumpisme. Mais peut-être aussi va-t-il se structurer, notamment avec l’aide du vice-président J. D. Vance, qui a tenu un discours très clair à Munich, ou d’autres idéologues de son entourage. Mais à cet instant, je pense que l’on peut déjà parler d’un fascisme américain, et c’est évidemment d’une gravité extrême.
Dans ce moment si dangereux, en quoi ce diagnostic peut-il nous aider ?
S. A.-R. : S’il s’agit bien d’un fascisme américain, il est urgent de ne plus perdre de temps avec des tentatives pour discuter avec Donald Trump, l’amadouer ou encore le faire évoluer, car elles sont vouées à l’échec. En temps de crise, poser des mots exacts sur la situation est crucial, tout comme la regarder en face, non seulement pour la comprendre, mais pour agir. C’est la mission des responsables politiques, des chercheurs et des journalistes. En Europe, il faut aussi que nous nous accordions sur le diagnostic sans tarder. Il faut accepter, comme le soulignait Charles Péguy, « de voir ce que l’on voit ».

 

Immer mehr “Konfessionslose” in den USA.

Ein Hinweis auf eine neueste Kirchen- Studie in den USA:
Von Christian Modehn, am 27.2.2025.

1.
Eine aktuelle Untersuchung des „PEW Research Center“ hat am 26.2.2026 den zunehmenden Abschied der Bürger der USA von den Kirchen dokumentiert. Die Studie hat den Titel „Studie der religiösen Landschaft“, realisiert durch Interviews mit 36.000 Bürgern der USA. Viele Details: LINK:

2.
Bei jungen Menschen sprechen Analysten von einer „erosion“, einem Zusammenbruch der Kirchenbindung. Nur noch weniger als ein junger Amerikaner von fünf bekennt, eine religiöse Ausbildung erhalten zu haben.

3.
Einige Fakten: Fast sechs von zehn US Amerikanern nennen sich (noch) Christen, das sind jetzt 62 Prozent. Im Jahr 2007 waren es noch 78 Prozent, im Jahr 2014 waren es 71 Prozent.

4.
Der Rückgang an Mitgliedern betrifft alle Kirchen in den USA. Bei den einflußreichen, mit Trump und seinen Republikanern verbundenen „Evangelikalen“ ist der Rückgang am geringsten: Gegenüber 2007 haben sie jetzt nur 3 Punkte weniger, sie bilden einen Anteil von 23 Prozent aller Christen in den USA.
Bei den Katholiken gibt es diese Entwicklung:
24 Prozent och 2007
21 Prozent noch 2014 und
2024 nur noch 19 Prozent.

Zu den klassischen protestantischen Kirchen der USA (Presbyterianer, Anglikaner, Lutheraner, Methodisten usw.) gehören jetzt nur noch 11 Prozent der US Amerikaner an, im Jahr 2007 waren es noch 18 Prozent.

5.
Das ist wirklich von größter Bedeutung: Die so genannten NONES), Leute ohne Mitgliedschaft in einer Kirche, zählen jetzt 29 Prozent der Bevölkerung, 2014 waren es nur 23 Prozent. 5 Prozent nennen sich Atheisten, 6 Prozent Agnostiker innerhalb der NONES. Sie haben ein Durchschnittsalter 38 Jahren; bei den Kirchenmitgliedern ist das Durchschnittsalter 54 Jahre (im Jahr 2007: 46 Jahre).

6.
Unter den jüngsten amerikanischen Kirchenmitgliedern sind mehr Männer als Frauen, die Analysten des PEW Research Centers nennen dies eine Umkehrung gegenüber früher, als Frauen stärkere Kirchenbindung zeigten.
Trotz dieser Erkenntnis: Frauen haben insgesamt noch eine stärkere Bindung an die Kirchen.

7.
Bei den „weißen Amerikanern“ mit Bindung an die klassischen Kirchen ist der Rückgang an Kirchenbindung am stärksten.

8.
Juden nennen sich 2023 1,7 % der Bevölkerung, Muslims 1,2 %, Buddhisten 1,1 % und Hindus 0,9%.

9.
Es ist inzwischen bewiesen, dass Evangelikale und fundamentalistische Christen auch in den anderen Kirchen eine starke Nähe zu Trump und den Republikanern haben. Und dass die Kirchenfernen und Atheisten eine stärkere Bindung an die Demokraten haben.

10.
Darf man als Philosoph und Theologe, der die Metaphysik und auch eine vernünftige (!) Form des Glaubens immer entwickelt und verteidigt, dann in dem Fall doch sagen: Hoffentlich nimmt die Zahl der Kirchenfernen in den USA zu, d.h. hoffentlich verschwindet der Glaube bzw. die Ideologie der Evangelikalen bald und die der Fundamentalisten… damit dadurch auch die Diktatur von Trump und Konsorten verschwindet!
Ein frommer Wunsch, gewiss, aber dieser Wunsch ist richtig. Ohne Evangelikale und ohne christliche Fundamentalisten, aber auch ohne jüdische und muslimische und hinduistische Fundamentalisten und Wahn – Religiöse könnte es in dieser unserer Welt besser aussehen und mehr Gerechtigkeit, mehr Demokratie herrschen. Und natürlich auch ohne radikale Missionare des Atheismus.

11.
Zugespitzt gesagt: Hoffen wir also auf eine weitere Entkirchlichung der USA, um dem Wahn Trumps und seiner Republikaner die Unterstützer zu entziehen. Die wenigen vernünftigen religiösen Menschen werden das alles gut und gern erleben und als Befreiung vom religiösen Opium feiern!

12.

Für Präsident Trump geht es nicht nur um “America first”. Sondern um “Christians first”, gemeint sind immer die evangelikalen und fundamentalistischen, die Republikaner wählenden Christen: LINK.  Nun gibt es auch ein “White House Faith Office” (ein so genanntes “Glaubensbüro im Weißen Haus”) zur Durchsetzung dieses fundamentalistischen Glaubens mit der fundamentalistischen Predigerin Paula White-Cain an der Spitze.  LINK.

Damit folgt Trump dem Diktator Putin, der mit seinem treuen Freund Patriarch Kyrill von Moskau (auch er KGB-Mitarbeiter einst)  ebenfalls eine Art Glaubensbüro unterhält. Das heißt auch hier: Ein ideologisches, nach außen hin “christliches” Amt zur Unterstützung seiner Gewalt/Kriegspolitik in der sich orthodox nennenden russischen Bevölkerung.

Siehe auch über “Religiöse Rechtsextreme in Deutschland und ihr Liebling Trump”: LINK:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Nur die Reichsten dürfen überleben.

Ein Buch gegen die Tech – Giganten: „Survival of the Richest“ von Douglas Rushkoff.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 27.2.2025.

Bitte lesen Sie auch unseren Hinweis: “Die USA sind unter Trump und Milliardäts Konsorten jetzt keine Demokratie mehr” : LINK

Das Motto des Buches (in unserer Sicht):
„Die Auswirkungen der Machenschaften der Tech – Giganten – Multimilliardäre können wir eindämmen. Der einfachste Schritt besteht darin, ihre Unternehmen nicht länger zu unterstützen und die von ihnen verfochtene Lebensart abzulehnen….Wir können die Steuerpolitik ändern, damit jene, die Kapitalerträge auf ihr Vermögen erzielen, ohne dabei einen Finger krumm zu machen, höhere Steuern bezahlen als jene, die aktiv für ihr Einkommen arbeiten.“ (S. 252, 253).
Nebenbei: Wer noch nicht weiß, welche die führenden Herrschaften der Tech – Milliardärs – Giganten sind: Der/die sehe sich die offizielle Einführungs-“liturgie“ von Trump am 20. Januar 2025 an: Musk, Zuckerberg, Bezos, sie alle waren an vorderster Front schon dabei und sind es immer noch. Und sie helfen eifrig als Plutokraten, die USA von einer Demokratie in eine Diktatur umzubauen.

1. Das Buch
Das Buch „Survival of the Richest“ („Das Überleben der Reichsten“) wurde schon 2022 in New York veröffentlicht, im Februar 2025 erscheint das Buch im Suhrkamp – Verlag mit dem Untertitel „Warum wir vor den Tech – Milliardären nicht einmal auf dem Mars sicher sind.“ Das Buch ist ein wissenschaftlich fundierter kritischer Essay gegen die zunehmende Macht der Tech – Giganten. Das Buch ist aber auch ein begründeter Aufschrei zur Rettung der Menschlichkeit in einer Welt, in der Tech – Giganten, diese „obszönen Reichen“ (so auch Douglas Rushkoff, S. 253), für sich selbst allein ihren totalen Egoismus pflegen. Nebenbei:
Philosophen sollten die Frage diskutieren: Ab wann wird totaler Egoismus von Milliardären ein Verbrechen?
Unter der jetzt zweiten Herrschaft von Trump seit 2025 gehören Tech – Milliardäre bekanntlich zum engsten Kreis der „Berater“, also der politischen „Gestalter“, auch der Milliardär Elon Musk, der den Mars als Zufluchtsort für sich und die Seinen auserwählt hat.
Von den allerneuesten Entwicklungen und aktuellen politischen Vorhaben der US – Milliardäre im Umfeld von Trump ist in dem Buch zwar keine Rede. Dennoch ist die Lektüre wichtig und, klassisch gesagt, „lehrreich“, um den Mindset, wie Rushkoff in dem Buch ständig sagt, also die Art und Weise, wie diese Milliardäre ihre „Mentalität“ und Ideologie/Weltanschauung gestalten und durchsetzen. Vernünftige, demokratisch gesinnte Menschen haben gegen die Allmacht der Tech – Unternehmer zu kämpfen. Denn die planen, so Rushkoff, alles, um die in ihrer Ideologie „wertlose Masse“ der „normalen Menschen“ hinter sich zu lassen, wenn es denn zu globalen und absolut zerstörerischen Katastrophen auf dieser Erde kommt. Diese Herren planen und gestalten also bereits den einzig und allein nur für sie hilfreichen Exodus … in andere Welten oder seien es „nur“ die bestens ausgestatteten und exklusiv bewachten und geschützten Luxus-Bunker, gern auch unterirdisch, auch entfernt gelegene Privat – Inseln sind als Refugium im Aufbau. Diese Zusammenhänge werden von Douglas Rushkoff, für einen Wissenschaftler üblich, bestens belegt.Rushkoff bietet einen hervorragenden Einblick in die Ideologie bzw das Glaubenssystem der Tech – Milliardäre.

2. Der Autor
Douglas Rushkoff (Jahrgang 1961, geboren in New York City) ist ein vor allem in den USA bekannter und von kritisch Denkenden geschätzter vielseitiger Autor von Büchern und Dokumentarfilmen, Rushkoff ist Medien-Philosoph, Kulturkritiker vor allem zur digitalen Entwicklung. Er ist Professor für Medientheorie und digitale Wirtschaft am Queens College der City -University in New York.
Er beschreibt, wie er – paradoxerweise muss man sagen – zu einem exklusiven Treffen in exklusivsten Rahmen von Multimilliardären der Tech – Welt als eine Art Spezialist eingeladen wurde, bezeichnenderweise irgendwo in der Wüste Afrikas: Rushkoff sollte auf die Frage eingehen, welche raffinierten Strategien diese Herrschaften entwickeln können, um im Fall der Apokalypse gut und bequem zu überleben. Die Herren hatten sich offenbar getäuscht in dem philosophisch – politischen Profil von Rushkoff, hatten also wenig Ahnung, dass er ein linker Kapitalismus – Kritiker ist…

3. Die zentrale Erkenntnis des Buches „Survival of the Richest“:
Das wichtige Argument von Rushkoff gegen den absoluten Egoismus der Milliardäre: Die kommende Katastrophe kann nicht eintreten, wenn weltweit die Menschen sicherstellen: Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe und menschliche Beziehungen gelten als höchste humane Normen. Technologische Lösungen werden die Welt und die Menschheit nicht retten. Die Botschaft an die LeserInnen: Wenn diese Milliardäre sich als totale Egoisten vom Rest der Menschheit trennen, also offenbar nicht mehr zur Menschheit gehören wollen, dann müssen sich die wirklichen Menschen diesen perfiden Überlebens/Fluchtstrategen entgegenstellen.

4. Einige Zitate aus dem Buch:
Wir wollen hier jetzt keine summarische „Buch – Besprechung“ abliefern, wir empfehlen eher die Lektüre einiger ausgewählter Zitate aus dem Buch. Unsere Zitate sind sicher eine Einladung, das Buch zu lesen und zu diskutieren.

„Dieses Mindset der Multi – Milliardäre beruht auf einem atheistischen und materialistischen Szientismus (d.i.absoluter Glaube an die Wissenschaft, CM), auf einem blinden Vertrauen in das Lösen der Probleme durch Technologie, auf der Befolgung der Schranken des digitalen Codes, auf einem Verständnis zwischenmenschlicher Beziehungen als Markt – Phänomenen….“ (S. 23).

Die Multimilliardäre wollen sich in der bevorstehenden Apokalypse retten durch das “Errichten von einem Zaun um das gesamte Gelände (ihrer privaten Zuflucht)… durch `Zutritt verboten` Schilder, Wachhunde, Überwachungskameras…All diese Abschreckungsmaßnahmen sollten eine gewaltsame Auseinandersetzung (mit den normalen Bürgern) verhindern“ (S. 28, 29). Nebenbei: Zäune und Grenzen und Überwachungskameras: All das sind die Empfehlungen rechtsextremer und bekanntlich auch vieler so genannter konservativer Parteien zur aktuellen Abwehr von Flüchtlingen in Europa … und im Trump – Regime…

„Wir haben uns dazu entschlossen, dass Kapitalismus bedeuten soll, dem Großunternehmen mit Liebe und Mitgefühl, dem einzelnen Menschen hingegen mit darwinistischer Härte zu begegnen“,so wird der Wirtschaftswissenschaftler Scott Galloway von der New York Universität zitiert, S. 55, dort Beleg in Fußnote 19.
Rushkoff nennen diese Mentalität der “Richest“ die „Geringschätzung für Unterlegene…„Die Armen werden für ihre Armut verantwortlich gemacht“ (ebd.).

„Dieser Reichtum (der Multi – Milliardäre der Tech -Industrie) beruht einfach auf Eroberung und Ausbeutung. Entweder man findet ein neues Territorium, das man erobern und beherrschen kann, oder man findet eine neue Technologie, um mehr aus dem bereits beherrschten Territorium herauszuholen“ (S. 110).

Die Bindung an die – von manchen jetzt nicht mehr explizit wahrgenommene, sich spirituell nennende Bewegung NEW AGE ist bei vielen Techno – Multimilliardären in den USA sehr lebendig und für sie sehr attraktiv: Etwa durch Besuche bei Gurus und „Weisen“ in Südamerika, etwa „um an Ayahuasca – Zeremonien teilzunehmen“ (S. 158). (Ayahuasca: ein psychedelischer Tee, CM).

Ein historischer Durchblick: „Jede Gesellschaft, die ein dem gegenwärtigen vergleichbares Maß an wirtschaftlicher UNGLEICHHEIT erreicht hatte, rutschte in den Faschismus ab. Noch nie ist eine Zivilisation, die die ihre physische Umwelt derart ausgebeutet hat, dem Zusammenbruch entgangen.“ (S. 248).

5. Erkenntnisse zu einzelnen TECH-Multimilliardären:

Zu Mark Zuckerberg: „Er ist geradezu besessen vom römischen Kaiser Augustus… Zuckerbergs Bewunderung für Kaiser Augustus grenzt an Besessenheit“ (Seite 114).

Richard Dawkins (ein prominenter szientistischer Ideologe des mechanistischen Weltbildes) meint: „Der Mensch sei nichts weiter als ein Vehikel für seine Gene“ (S. 82)… „Menschen sind für Dawkins „Roboter, die Programme ausführen“ (S. 82). „Dawkins und seine kompatiblen Kollegen wie Daniel Bennett und Steven Pinter setzten sich im Silicon Valley durch“ (S. 90). Denn: Ihre Seminare und Tagungen der „Verhaltensökonomie“ wurden von Jeff Bezos von Amazon, Larry Page von Google, Nathan Myhrvold von Microsoft und Elon Musk von Tesla besucht…Diese Leute saugten die praktisch anwendbaren Erkenntnisse der Autoren wie Nudge und Misbehaving auf“ (S. 90):

Douglas Rushkoff, ein Kritiker der Religionen, zitiert aber zustimmend die Enzyklika von Papst Franziskus „Fratelli tutti“ (S.111): „ Teile der Menschheit scheinen geopfert werden zu können zugunsten einer bevorzugten Bevölkerungsgruppe, die für würdig gehalten wird, ein Leben ohne Einschränkungen zu führen.“ Rushkoff nennt treffend die Aussagen von Papst Franziskus „eine beißende Kritik am Techno-Kapitalismus“ (S.111)

Die Idee Friedrich Nietzsches vom ÜBERMENSCHEN bezieht Rushkoff auf die Multimilliardäre. (S. 112). In seinem Geist können „sie sich auch „über traditionelle religiöse Werte erheben“.

6. Hoffnungszeichen?
Im 13. und letzten Kapitel seines Buches nennt Rushkoff einige Beispiele für einen Widerstand gegen die Allmacht der Tech -Milliardäre (S. 252).
„Die einfachste Art besteht darin, ihre Unternehmer nicht länger zu unterstützen und die von ihnen verfochtene Lebensart abzulehnen.“ (S. 253).

„Seit wann besteht der Daseinszweck des Menschen darin, der Wirtschaft dienen? Diese Vorstellung ist ein Produkt des Mindset der Tech – Milliardäre.“ (S. 254).

„Sofern wir überhaupt irgendwelche Ziele haben, sollten wir nicht nach den vom Mindset der Milliardäre bevorzugten individuellenErfolgen oder profitablen Ausstiegen streben, sondern versuchen, uns schrittweise einem KOLLKEKTIVEN ZUSAMMENHALT anzunähern… Es geht um einen sanftmütigeren, offeneren und verantwortungsbewussteren Umgang miteinander.“ (S. 257).

Douglas Rushkoff, „Survival of the Riches. Warum wir vor den tech – Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind“. Suhrkamp Verlag, 2025, 282 Seiten, 22€.

COPYRIGHT: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.