Weisheit der Bibel: Ein philosophischer Salon über das Buch „Der Prediger Salomo“, auch „Kohelet“ genannt

Philosophie hat bekanntlich schon im Titel das Wort sophía, „Weisheit“. Wir haben uns in den bisherigen ca. 100 Salonabenden fast ausschließlich mit der philosophischen Weisheit und der westlichen Philosophie beschäftigt. Es wird Zeit, um unserer selbst willen, um unseres geistigen Horizontes willen, unseren Blick zu weiten auf andere Weisheitstraditionen. Etwa auf die biblische, die hebräische bzw. „alt–testamentliche“ Weisheit. Sie kann auch für „religiös Unmusikalische“ eine Denk- und Lebenshilfe  sein, zumal, wenn man sich in diesen verrückten Krisenzeiten heute fragt: Was bleibt eigentlich von der menschlichen Menschheit, d.h. etwa der Solidarität, und was bleibt letztendlich von mir selbst? Dieser Frage kann wohl niemand ausweichen.

Die Weisheit der Bibel (im Buch “Kohelet”) ist also unser Thema am 24. August 2018 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9.

Es ist eine gewünschte Voraussetzung zu einem intensiven Gespräch: Den knappen Text vorher zu lesen, der unter dem Titel „Der Prediger Salomo“ bzw. „Kohelet“ auch im Internet abrufbar ist, dies nur für alle, die zuhause keine Bibel (mehr) haben bzw. diese nicht mehr finden. Das viel zitierte Wort „Carpe diém“, „Nütze den Tag“ hat ja bekanntlich seine Quelle in diesem Buch Kohelet. Vielleicht bewegt den einen oder die andere auch der Satz „Gott hat die Ewigkeit in des Menschen Herz gelegt“ (3, 11), wenn man sich fragt: Was bleibt? Auch darüber werden wir sprechen … in philosophisch – fragender Atmosphäre.

Herzliche Einladung! Mit der Bitte um Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Habermas: Für eine Ethik des Diskurses und einen Dialog von säkularen und religiösen Menschen

Einige kurze Hinweise zu zentralen Begriffen im Denken des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas, speziell und anlässlich des Salon –Gespräches am 20.7.2018.

Von Christian Modehn

1.Zur Ethik des Diskurses einige Hinweise.

Der Ausgangspunkt für Habermas ist: Jedes Gespräch der Menschen untereinander enthält bei jedem Gesprächsteilnehmer stillschweigende, meist gar nicht mit – reflektierte Voraussetzungen: Etwa: Der andere versteht meine Worte, und ich verstehe seine Antworten, weil ich auch in seiner eigenen Sprache spreche und er mir in der gemeinsamen Sprache antwortet und wir eben keine verkapselte, nur eine Ego bezogene „Privatsprache“ sprechen.

Diese Frage ist die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit gegenseitigen Verstehens. Die Erforschung dieser Bedingungen nennt Habermas der bekannten Sprachregelung Kants folgend „transzendentale Bedingungen“ oder auch „transzendentale Aprioris“. Das Wort transzendental in diesem kantschen Sinne hat bekanntermaßen nichts mit dem religiösen Begriff Transzendenz zu tun. Es ist eine Wortschöpfung von Kant („Kritik der reinen Vernunft“).

Aber Habermas interessiert sich für den Dialog, den Diskurs; während Kant seine Philosophie im Ansatz vom einzelnen Subjekt her entfaltet…

Habermas zeigt dann: Indem wir ins Gespräch überhaupt einsteigen, akzeptieren wir indirekt und oft gar nicht explizit Regeln für das Gespräch.

Eine von allen Gesprächsteilnehmern geteilte Regel etwa ist: Man sollte sich im Dialog nicht sich selbst widersprechen. Das wäre ein tatsächlicher, performativer Widerspruch. Es mag ja einzelne, dann nicht mehr ernst zunehmende Menschen geben, die diesen Widerspruch für sich akzeptieren und sich damit aus der Welt der Logik stellen. Faschisten und Fundamentalisten denken so.

Ein sofort verständlicher, eher noch schlichter Stammtisch – Selbstwiderspruch wäre: „Ich denke, dass alles in dieser Welt keinen Sinn hat“. (Damit hätte auch diese Aussage keinen Sinn).

Eine weitere Regel, die sich im Gespräch oft unartikuliert versteckt, aber immer mit – gemeint ist: Wenn jemand eine Norm angreift, von der die anderen Gesprächsteilnehmer überzeugt sind, dann muss er Gründe für diesen Angriff nennen: Man denke an den offenkundigen Stammtisch – Selbstwiderspruch: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Der einzelne Muslim aber gehört dazu“. Die evidente Kritik: Ein Muslim ist immer auch ein lebendiger Vertreter des Islam. Wenn ein einzelner Muslim also zu Deutschland gehören darf in der CSU Perspektive, dann gehört damit automatisch auch „der“ Islam zu Deutschland. Ein nahe liegendes Beispiel: Was ist, wenn ich sage: „Die CSU gehört nicht zu Bayern. Ein einzelnes CSU Mitglied als Mensch aber gehört zu Bayern… Auch die römisch katholische Kirche folgt in ihrem immer noch gültigen, offiziellen Katechismus (Rom, 1993) diesem logischen Unsinn und moralischen Blödsinn, wenn es etwa heißt: „Die Homosexualität ist nicht zu billigen. Dem einzelnen Homosexuelle aber ist, so wörtlich, “mit Takt zu begegnen“ (§ 2357 und § 2358). (PS: Wie nett, CM).

Über die inneren und notwendigen Voraussetzungen des Diskurses hat Habermas viel von dem Philosophen Karl Otto Apel gelernt.

Der zentrale Punkt bei Habermas wie bei Apel ist: Nicht irgendeine ferne und femde Autorität entscheidet, was in der Kommunikation der unterschiedlichen Bürger wahr ist und was als falsch zurückgewiesen wird, sondern allein die Kommunikationsgemeinschaft. Habermas hat noch ein großer Vertrauen, dass Menschen als Menschen eben mehr sind als willkürlich agierende Tiere, Menschen haben Vernunft, die sie auszeichnet. Und diese Auszeichnung sollten sie beleben. Heute gibt es Menschen, die auf die Vernunft gern verzichten, um ihre eigenen Vorteile, egoistisch, populistisch, gegen andere durchzusetzen. Wenn diese Leute zur Gewalt greifen, hilft nur das demokratische Rechtssystem, das voll umfänglich angewendet werden muss. Habermas will mit seiner Diskursethik dem Frieden dienen. Und dem Respekt vor einer demokratischen Rechtsordnung! Diese gilt ohne Frage auch für die vielen rechtsextreme Gewalttäter, deren Zahl ist wohl größer als die Zahl der Übeltäter aus den Kreisen der Geflüchteten. Dies sollten alle beachten, die dem Wahn folgen, „die“ Geflüchteten seien böse…

2. Habermas über die Beziehungen zwischen säkularen (d.h. für ihn religionsfreien) Bürgern und nicht-säkularen, also religiösen Bürgern.

Die Beziehungen und ein Miteinander beider Gruppen spielt sich in der Gesellschaft ab, der kulturell geprägten Lebenswelt: Da sollten nach Habermas die säkularen Bürger durchaus großes Interesse haben zu erfahren, was die religiösen Bürger etwa zu ethischen Fragen aus ihrer religiösen Moviertheit wichtig finden. Die säkularen Bürger sollten als im Sinne von Habermas wissen: Auch in den religiösen Äußerungen kann sich allgemeine menschlich relevante Wahrheit zeigen, versteckt in religiöser Sprache. Das zeigt Habermas etwa am religiösen Begriff der „Schöpfung“ oder der „Gottebenbildlichkeit“.

Aber auch religiöse Bürger sollten sich bemühen, die Sprache der Säkularen zu verstehen. Wobei Habermas durchaus mehr intensives Verstehen vonseiten der Säkularen verlangt. Dies offenbar auch aus einer pragmatischen Überlegung heraus: Seiner Meinung nach ist die säkulare Gesellschaft am Entgleisen, ein zentrales Wort bei Habermas. D.h.: Menschlichkeit wird nur noch unter den Kategorien der Verwendbareit und Nützlichkeit gesehen, da können religiöse Quellen ins Heute übersetzt hilfreich sein. es geht also Habermas um die Mobilisierung humaner Quellen für den Bestand der Demokratien. Habermas bezeichnet sich selbst als „religiös unmusikalisch“, auch wenn er gelegentlich seine Herkunft aus einem liberal – protestantischen Elternhaus als heutige noch etwas gültige sanfte Quelle für ihn selbst noch andeutet. Jedenfalls hat Habermas eine unglaubliche Scheu, irgendwie auch nur entfernt als religiös verstanden zu werden. Dabei hat er aber bezeichnenderweise gar nichts gegen Religionen im allgemeinen, sofern sie sich heute in allgemein zugänglicher Sprache in der Öffentlichkeit äußern. Was sie in ihren eigenen, abgeschlossenen Kreisen alles (Esoterische) erzählen, ist OK, weil Ausdruck der Religionsfreiheit. Nur der Schritt der religiösen Menschen in die Öffentlichkeit bedarf der genauen Aufmerksamkeit. Zumal dann, wenn Religiöse in den Staatsdienst treten, also in eine liberale Demokratie, die ihr Selbstverständnis und ihre Gesetze selbstverständlich nicht aus den Weisungen einer einzelnen Religion beziehen darf. Der demokratische Staat als Garant der Religionsfreiheit ist darum immer ein Staat ohne Gott und muss das auch sein: An welche religiöse Weisung sollte sich ein Staat denn auch halten?

Der religiös neutrale Staat allein ist der Garant von Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit. Alle Einmischungen religiöser Organisationen in den Staat und seine Gesetze sind darum zurückzuweisen. Darüber hat Habermas u.a. mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger und einigen Jesuiten in München debattiert. Habermas ist insofern ein Vorbild der Dialogbereitschaft.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Was kann, was sollte Europa von Afrika lernen?

Drei Fragen an Prof. Wilhelm Gräb, Berlin

Die Fragen stellte Christian Modehn im Juli 2018

 

  1. Sie hatten sich im Frühjahr wieder zur Vorlesungen in Südafrika aufgehalten. Je länger man dort lebt, umso größer wird sicher der Abstand zu Europa und zu Deutschland in der Hinsicht, vermute ich mal: Also, dass man sich wundert, welche Themen uns in Europa so wichtig sind und welche dann vor Ort in Afrika entscheidend sind. Ein Beispiel nur: In der europäischen Presse wird Afrika pauschal als Problemkontinent dargestellt; vieles Wertvolle wird hier wohl nicht gesehen, trotz aller politischen Korruption auch in (Süd) Afrika. Welche positiven Eindrücke sind für sie in Afrika entscheidend geworden?

Was mich jedes Mal wieder begeistert, wenn ich in Afrika bin, das ist die Lebensenergie der Menschen. Die sozialen und politischen Probleme sind ungleich größer als in Europa, aber die deprimierende Stimmung, die hier so schnell über uns kommt, kennt man dort nicht. Dass es sich um überwiegend junge Gesellschaften handelt spielt dabei gewiss eine Rolle. Aber ein ebenso großes, wenn nicht sehr viel größeres Gewicht kommt einem eigentümlichen Merkmal afrikanischer Kultur zu.

Verallgemeinerungen sind immer schwierig, auch hier. Dennoch kann man sagen, dass die afrikanische Kultur kommunal und sogar kosmologisch in ein größeres Ganzes einbindet. Der einzelne fühlt sich immer als lebendiger und unverzichtbarer Teil einer Gemeinschaft und mit dieser in das Universum seiner sozialen Welt eingebunden. Das meint ja der zentrale Begriff „Ubuntu“. Blicken wir auf die ökonomischen Erfolgsbedingungen, so hat diese kulturelle Formation, die im südlichen Afrika mit dem Xhosa-Wort „Ubuntu“ beschrieben wird, natürlich auch Nachteile. Aber wir schrecken inzwischen ja doch eher davor zurück, unser Modell sozio-ökonomischer Entwicklung, das nach wie vor auf Wachstum und Profitsteigerung ausgelegt ist, als nachhaltig und zukunftsfähig auszugeben.

Demgegenüber stellt die Sinneinstellung, die es macht, dass der einzelne sich als ein unverzichtbares Element im großen Ganzen eines sozialen Organismus versteht, ein attraktives Element afrikanischer Kultur dar. Aus dieser Sinneinstellung entspringen ein unwahrscheinliche Lebensfreude und ein ungebrochener Lebensmut. Es liegt mir fern, die sozialen und erst recht die politischen Verhältnisse in den Ländern Afrikas zu romantisieren. Die Probleme, vor denen sie stehen, sind riesig und die politischen Eliten sind weithin korrupt. Aber ich kann von diesen Problemen keine Erwähnung machen, ohne zugleich zu betonen, dass die Staatsgrenzen überall in Afrika von den Kolonialmächten hinterlassen wurden. Die künstlich geschaffenen politischen Einheiten umschließen in einem Land wie Nigeria über hundert verschiedene Ethnien und Sprachen. Insofern kommt es eher einem Wunder gleich, als dass es Anlass sein kann, mit besorgter Miene auf Afrikas zu blicken, wie viel doch zusammenspielt, wie viel unternehmerischer Geist am Werk ist, wie lebendig die Kunstszene und die Musikkultur in allen Ländern Afrikas ist. Wenn es nur noch besser gelänge, Good Leadership and Good Governance – wovon in den Medien im südlichen Afrika permanent die Rede ist, weil das Wissen da ist, dass es das am dringendsten braucht – entstehen zu lassen, dann bräuchte niemand um die Zukunft Afrikas besorgt zu sein.

 

  1. Gelingt es den so vielfältigen, auch in kirchlicher Lehre und Liturgie unterschiedlichen Kirchen in Afrika einen gewissen Zusammenhalt und gemeinsame Praxis zu finden? Falls es da noch Probleme gibt, sind diese eher theologischer oder eher politisch – sozialer Prägung?

Die Kirchen stellen in nahezu allen Ländern Afrikas (südlich der Sahara) einen enorm wichtigen Faktor im öffentlichen Leben dar, allein schon deshalb, weil ihnen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung angehört, in den Ländern des südlichen Afrika sind es fast 90 %, in den Ländern West- und Ostafrikas ist demgegenüber auch der Islam relativ stark vertreten, was bekanntlich immer wieder auch zu religiös aufgeladenen, gewaltsamen Konflikten führt.

Was den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Kirchen anbelangt, so suchen die Kirchenleitungen sie energisch, aber ihre Bemühungen werden von der Basis kaum mitgetragen. Hier zeigt sich eine Kehrseite der „Ubuntu“-Kultur. Sie stärkt enorm die Bindungskräfte in der Social Community, auch die in der eigenen Kirchengemeinschaft. Sie setzt aber kaum Bridging-Forces frei. Die „Ubuntu“-Kultur trägt kaum dazu bei, die Markierungen zwischen den Kirchen zu überbrücken. Und diese Markierungen werden nach wie vor durch die sozialen und kulturellen Unterschiede (wozu die überkommenen Race-Issues gehören) als durch theologische gezogen. Auch die liturgischen Differenzen, die Stile der gottesdienstlichen Feiern, sind höchst unterschiedlich, spiegeln dabei aber die sozialen und kulturellen Zugehörigkeiten.

Das macht für mich immer noch eine der besonders enttäuschenden Erfahrungen in Südafrika aus, dass die südafrikanische Gesellschaft nie mehr so sehr getrennt ist, wie sonntagmorgens zwischen 10 und 11 Uhr, also zu den Zeiten der unterschiedlichen Gottesdienste.

 

  1. In Südafrika halten sich auch viele Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten auf. Auch da, so hört man in Europa, gibt es Probleme: Die „reichen“ Südafrikaner wollen nicht mit den ärmeren Leuten aus Zimbabwe usw. teilen. Gibt es auch Projekte des Miteinanders von Südafrikanern und „anderen“ Afrikanern? Könnten die für deutsche Flüchtlingsarbeit interessant sein, man spricht ja so viel von inter-kulturellem Austausch….

Es gab vor drei Jahre gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Wirtschaftsmigranten aus den ärmeren Ländern im nördlichen Sub-Sahara-Afrika. Aber in Südafrika hat man daraufhin nicht angefangen Grenzzäune zu errichten und eine Politik der Abschottung zu betreiben. Im Gegenteil die südafrikanische Regierung legte einen National Action Plan vor, zu dem auch der Kampf gegen Racism and Xenophobia gehört: www.opengovpartnership.org/documents/south-africas-third-national-action-plan-2016-2018

Die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten ist politisch gewollt und wird von den Kirchen tatkräftig unterstützt. De facto sind es die Kirchen, vor allem die African Initiated Churches und die pentekostalen Kirchen, in denen die Geflüchteten und Migranten Aufnahme finden. Staatliche Sozialhilfe gibt es für sie nicht. In den Kirchen finden sie Anschluss, sodass sie nicht ins Bodenlose fallen.

Wenn ich gegenwärtig das Gerede verfolge, das sich nur noch darum dreht, wie Europa seine Außengrenzen schützen und die wenigen, die es noch schaffen durchzukommen, wieder auf offene Meer hinaustreiben kann, nötigt mir der Umgang mit Geflüchteten und Migranten in Südafrika eher Bewunderung ab. Natürlich gibt es an der Basis harte soziale Verteilungskämpfe. Aber die Politik dort scheint mir nie zu vergessen, dass es um Menschen geht, die in Not sind.

Copyright: Prof. Wilhelm Gräb und Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Wer wandern will und wer wandern muss: Philosophie des Unterwegsseins.

Dabei ist das Philosophieren selbst schon Wandern, Aufbrechen, Weitergehen, Neues suchen…

Ein Hinweis von Christian Modehn

Schon in meinem Newsletter des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons in Berlin (29.6.2018) hatte ich den 450 AbonnenTinnen das neue EXTRA Heft des Philosophie Magazins empfohlen: Und manche sagten mir, dass Sie das Heft gekauft haben!

Auf 130 Seiten werden viele unterschiedliche philosophische und literarische Aspekte des WANDERNS, manchmal kurz, manchmal ausführlicher, vorgestellt und ausgebreitet. Dieses Heft ist eine gute Inspiration in diesen Monaten der Ferien, wo doch viele unterwegs sind und etliche sogar wandern.

Und man blättert und liest dann gern in dem Heft, grafisch anregend gestaltet, dass man beim Wandern der Gedanken dann doch oft innehält und sich von Herren Thoreau, Tocqueville oder Rousseau in fernere Welten des Wanderns verführen lässt. WANDERN, das Heft, könnte fast eine Ergänzung sein zu der großen Ausstellung über das WANDERN in der Alten Nationalgalerie in Berlin (bis 16.9.2018).

Das EXTRA Heft wurde wieder von Catherine Newmark schön zusammengestellt. Am wichtigsten sind mir einige Interviews: Etwa mit dem jungen Philosophen Alexis Lavis (Paris) über Gehen im Buddhismus bzw. in der meditativen Praxis: Wenn wir Menschen gehen und wandern, so seine eigentlich ja selbstverständliche, aber oft vergessene Erkenntnis, bewältigen wir immer ein Ungleichgewicht. Wir finden gehend dann Halt sozusagen im Risiko des Schwankens und Schreitens auf unseren zwei Beinen. Halt finden im Risiko – ist ja auch ein tolles Thema.

Vielleicht sollte man die Lektüre des Heftes mit dem Beitrag von Florian Werner beginnen, (Seite 98 ff); sein Text hat den Titel „Gute Gründe zu gehen“: Florian Werner spricht von Pilgerschaft, Gedankengängen, politischen Protestmärschen und dem Kunstwandern. Fast hätte ich gesagt, dass ein Interview mit Thea Dorn, der „medial Allpräsenten“, nicht fehlen durfte, so auch in diesem Heft zum bezeichnenden dornigen Thema „Das deutsche Wandern“. Was wäre das „kenianische Wandern“ der dortigen verarmten Hirten-Völker?

Ich empfehle das Heft WANDERN nach wie vor.

Nur meine ich: Auch PhilosophInnen sollten bei einem Heft über das Wandern die globale politische Situation ausführlich in den Blickpunkt rücken. Über 65 Millionen Menschen wandern ja im Moment nicht freiwillig und aus Lust und Urlaubslaune wie wir, sondern weil sie wandern MÜSSEN: 65 Millionen Flüchtlinge sind heillos suchend und förmlich flehend unterwegs. Sie werden aber als abstrakte Zahlen von den sich immer noch christlich nennenden Regierungen in Europa behandelt, von ihnen werden sie hin – und hergeschoben, eingemauert, eingelagert; sie ertrinken nach ihren Wüstenwanderungen im Mittelmeer, werden hier oft in Deutschland erbärmlich untergebracht, bis sich rechtsradikale Deutsche aufmachen und deren Unterkünfte in Deutschland stark belästigen, um es einmal milde zu sagen. Die Zahl rechtsextremer Straftaten durch Deutsche aus dem sehr rechten Umfeld steigt! Das wird kaum öffentlich erwähnt. Über Verbrechen aber, die dann einzelne von den Medien total identifizierte „muslimische“ „Flüchtlinge“ begehen, wird eine Info – „Flut“ (um das rechtsextreme Wort zu verwenden) hierzulande verbreitet. Da wird nicht der einzelne Übeltäter angesprochen, sondern die ganze Gruppe, eine ganze Religion. So machten es auch die Nazis, als sie von „den jüdischen Dieben“ etwa sprachen.

Mit anderen Worten: Eine schöne romantische Wanderwelt mit entsprechender Mode und Ausrüstung können nur wir begüterte Europäer uns leisten. Wir wandern ja sogar in Gegenden, aus denen die Flüchtlinge stammen, beliebt sind ja die wohl – umsorgten Wüstenwanderungen reicher Europäer durch die Sahara. Vielleicht sollten diese Wüstenwanderungen mal einen Abstecher nach Libyen machen, etwa in die Lager der dort misshandelten miserabel untergebrachten Flüchtlinge aus Eritrea, dem Tschad usw. Reiseleiter sollten dort unbedingt die kundigen Herren Söder (CSU) und Söders intimer Freund) Orban (Ungarn) sein. Vielleicht blieben sie gern dort als Helfer? Wäre zu hoffen!

Mit anderen Worten: Ich würde mir bei aller Schönheit des klassischen Wanderns und Flanierens der reichen Europäer auch die ausführliche Dokumentation der Strapazen der 65 Millionen Flüchtenden wünschen. Dann würde vielleicht auch noch ein Herr Seehofer zur Räson kommen und sich wenigstens für seinen politischen Blödsinn entschuldigen und sich dann nach Oberammergau zurückziehen.

Soweit ich sehe, ist ein einziges Foto mit sehr knappem Text auf Seite 115 im Heft dem Thema Flüchtlinge gewidmet. Das geht nun aber wirklich nicht, zumal das Zitat auf dem Foto zu einer armen Wüstenwanderin in Afrika, es stammt von dem Schriftsteller Saint-Pol-Roux, so in dieser Knappheit völlig missverständlich ist und irgendwie in der „Luft hängt” Was soll das?

Man sieht also: Allein schon das Nachdenken über „das Wandern“ führt aus der Abstraktion oder der hübschen historischen Erinnerung heraus, weckt förmlich die politische Wut, die uns ja Stéphane Hessel sehr zurecht so dringend empfohlen hatte! So wandert man als wütend philosophisch weiter.  Und weiß dabei: Philosophie sollte heute explizit reflektiert politisch, humanistisch, solidarisch sein. Nur das gilt  heute!

Aber wahrscheinlich bereitet das von mir schon so oft besprochene und oft gelobte „Philosophie Magazin“ bereits ein Sonderheft über Flüchtlinge vor, in enger Zusammenarbeit mit den vielen gut ausgebildeten syrischen Journalisten in Berlin und den PhilosophInnen aus den „Flüchtlingskreisen“ hier. das ist ja ein tolles Thema, das da gemacht wird. Das Motto des Heftes wäre: „Wir alle sind auf der Flucht … vor dem Wahnsinn der Unvernunft“. Da wäre mein copyright gültig als Ideenspender…

PS: Ich habe vor zwei Jahren einen kleinen Essay geschrieben zum Thema: Philosophen als Flüchtlinge, vielleicht interessiert auch dieser Text. .

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

Wenn sich CDU und CSU einig sind: Egoismus und Nationalismus siegen

Nach dem (vorläufigen) Miteinander von CDU/CSU am 2. Juli 2018

Ein Hinweis von Christian Modehn

Am wichtigsten ist zu erkennen, was CSU und CDU (und wohl auch weite Kreise der SPD Wähler) ab sofort deutlich verbindet:

Frau Merkel hat längst auf das freundliche, humane Gesicht ihrer Flüchtlingspolitik verzichtet. „Sie will Ordnung und Steuerung, was nichts anderes bedeutet als die restriktive Linie, zu der die Österreicher und Ungarn und Polen die Europäische Union länger schon drängen. Die Kanzlerin redet nur sachter, aber ihre Haltung ist nicht minder hart“. (Stephan- Andreas Casdorff, Tagesspiegel“, 3. Juli 2018, Seite 1).  Das bekannte MIGAZIN (als newsetter zu bestellen) schreibt z.B. am 4.7.2018, dass die libysche Küstenwache, auf die die demokratische EU so vertraut,  auch in den Menschenhandel verwickelt ist, lesen Sie den Bericht von Migazin.

Was ist bedenklich und gefährlich: Der neue alte Nationalismuswahn, das Bedürfnis nach totaler Sicherheit, die Weigerung, an einer neuen gerechten Welt zu arbeiten, in der alle Menschen, aber auch alle Menschen, elementare Menschenrechte genießen können. Dies ist eine Utopie, eine gute Vision, auf die kein Mensch verzichten kann…

Unsere Sicherheit, unser Wohlstand, dies wird nun ganz offensichtlich erneut gezeigt: Dieser Wohlstand, diese Sicherheit, Deutschlands (und Europas) sind erkauft mit der Unsicherheit der Menschen, die in ihren Ländern Afrikas verfolgt und unterdrückt sind. Die Flüchtlinge wurden und werden hier bei uns zu Zahlen, Nummern, Objekte, wie es der kapitalistischen Verbraucher-Mentalität entspricht.

Diese armen Menschen können einfach diese dort seit Jahrzehnten in jeder Hinsicht. miserablen Zustände nicht ertragen. Natürlich kann nicht jeder in Europa leben (Millionäre, besser noch Milliardäre sind selbstverständlich stets hier willkommen!). Aber es gibt in Deutschland keine menschlichere Einwanderungspolitik!

Und vor allem: Alle großspurigen Zusagen, den elenden Menschen in Afrika wirkungsvoll von europäischer Seite sofort und sehr umfassend beizustehen, sind wie so oft nichts als leere Worthülsen. Stattdessen wird von Lagern schwadroniert; die Sprache christlicher Politiker zur Benennung der Flüchtlinge ist auf dem Niveau des „Wörterbuchs der Sprache des Unmenschen“ (hg. u.a. von Dolf Sternberger) gelandet… Die Lebensbedingungen in den libyschen Lagern sind denen verwandt, die einst in KZs herrschten.

Was ist Deutschland jetzt?
Ein sich abschottender, Mauern errichtender Staat, – wie einst die DDR, Ulbricht und Co., liebt man als C Parteien die Mauer – dies alles in engster Freundschaft mit äußerst rechtslastigen Regierungen in Österreich, Ungarn usw. verbunden. Das heißt: Deutschland ist wieder nationalistisch geworden.

Unter diesen globalen nationalistischen Bedingungen wird sich in Zukunft alles Leben in Deutschland „abspielen“: Ob die jetzt hier lebenden Flüchtlinge menschlich „behandelt“ und in menschenwürdige Lebensverhältnisse gelangen, wird sich zeigen. In Österreich wird bereits von sich ebenfalls christlich nennenden Politikern an der Begrenzung der Pressefreiheit gearbeitet, Nationalismus ist eben Krieg, und der beginnt oft als Krieg nach innen, als Krieg gegen die kulturelle und soziale Freiheit.

Die wenigen kritischen Stimmen innerhalb der Kirchen sind viel zu schwach. Die großen Herren der Kirchen schweigen bisher. Ein erster Schritt von ihnen wäre: Den C Parteien aus offizieller christlicher Sicht der Bischöfe nahezulegen, auf das C bitte endlich in ihrem Parteinamen zu verzichten. Das wagt aber kein Bischof. Es gibt ja eine gute Zusammenarbeit von Kirchen und Staat mit den heiligen Kirchensteuern und hohen Gehältern für Bischöfe, die der Staat selbstverständlich immer noch bezahlt. Das Thema Trennung der Kirchen vom Staat ist noch tabu. Hat es vielleicht doch bei dieser gefährlichen Entwicklung eine Zukunft? Einem nationalistisch werdenden Staat können Kirchen bei einer Trennung vom Staat ganz anders „begegnen“.  Nämlich frei und kritisch!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Alltäglicher Rassismus in Deutschland, Europa, USA usw.. Ein philosophischer Salon am 22.6. 2018

Hinweise von Christian Modehn.

Dies ist keine Zusammenfassung der Debatte im Salon selbst.

Das Thema Rassismus auch in Deutschland wird täglich in der Presse dokumentiert! Nur 2 Beispiele am 9.7. 2018: Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte durch rechtsextreme Deutsche. Mangelnde Solidarität mit Opfern, wenn sie Ausländer sind.

Der Titel wurde am 3. Juli 2018 ergänzt, der Deutlichkeit wegen, mit “Rassismus in Deutschland, Europa, USA usw”… Denn: Nur zwei  von  vielen Belegen für den hiesigen Rassismus: Innenminister Salvini, Italien, von der rechtslastigsten Lega Nord, hetzt jetzt gegen Sinti und Roma aufs übelste. Und noch einmal wird deutlich, wie sich Rassismus zeigte bei den Ermittlungen deutscher Behörden im Fall der NSU Verbrechen. Klicken Sie dazu auf eine Information des newsletter Dienstes MIGAZIN.

Rassismus hier bei uns und in uns ist ein dringendes Thema: Rassismus als heutige Realität, als philosophisches Problem und als Aufforderung anders, auch politisch anders d.h. menschlich zu handeln, wenn wir Rassismus überwinden wollen.

Einige Thesen als Impuls zum Weiter – Denken:

Am wichtigsten ist: Wissenschaftlich betrachtet gibt es keine „Menschen – Rassen“. Die genetische Varianz unter verschiedenen Menschen aus verschiedenen Kontinenten z.B. mit verschiedenen „Hautfarben“ ist nicht nennenswert, die genetische Differenz ist ohne Bedeutung. Biologisch bedingte verschiedene Rassen, die Herrschende dann ideologisch trennen in wertvoll und weniger wertvoll eingeschätzte Rassen (und damit Menschen) gibt es NICHT.

Diese wissenschaftliche Erkenntnis gilt es endlich zu respektieren, Rassismus ist eine Ideologie vor allem des 19. Jahrhunderts. Die große Ausstellung Über Rassismus im „Deutschen Hygiene Museum in Dresden“ (bis 6. Januar 2019!) dokumentiert diese Tatsachen.

Wie so oft: Trotz eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnis hat sich die Ideologie des Rassismus bis heute und zwar sehr stark in den Köpfen und Herzen vieler Menschen festgesetzt. Die alte kulturelle Prägung, ist schwer „abzuarbeiten“, d.h. aus den Köpfen zu vertreiben und aus der Politik auszuschließen.

Ich meine ganz zentral: Wir sollten heute den Rassismus Begriff sehr weit verstehen als Grundlage der Kritik an aktuellen Kämpfen zwischen „Herrenmenschen“ und „Untermenschen“. Denn diese Einteilung der Menschheit ist nach wie vor Realität, politisch, ökonomisch, kulturell, religiös. Dese Begriffe und deren Inhalte bestimmten immer noch das Bewusste und Unbewusste sehr vieler Menschen.

 Meine zentrale These ist also: Rassismus ist kein seelisches oder politisches nur selten noch vorkommendes „Sonderphänomen“, wie etwa in der Apatheidspolitik Südafrikas oder im Klu Klux Klan. Rassismus ist vielmehr alltägliche Realität unter uns und auch in uns.

Rassismus in diesem weiten Sinne ist vom Wesen her die Behauptung und politische Haltung, dass es wertvolle und weniger wertvolle Menschen gibt. Rassisten glauben, und Rassismus ist eine Glaubenshaltung: Die Menschheit ist gespalten. D.h. für Rassisten: Es gibt keine wesentlich humane Gleichheit aller Menschen bei allen selbstverständlichen Unterschieden.

Zur realen, empirischen Situation:

Sich demokratisch nennende Politiker heute handeln sehr oft nach einem Prinzip, das man rassistisch nennen könnte: Etwa: Die Trennung der geflüchteten mexikanischen Kinder von ihrem Eltern durch Mister Trump. Nach Protesten wurde diese rassistische Entscheidung durch Trump etwas zurück genommen. D. h. Proteste nützen selbst bei diesem Herrscher doch noch ein bisschen was… Rassistisch ist die Sprache gegenüber Flüchtlingen in den Medien und in den Parteien, nicht nur der AFD sondern auch der sich christlich nennenden Parteien, also etwa „Menschenflut“, Massen strömen her usw… Diese Sprache verrät rassistisches Denken und Fühlen.

Auch die Zurückweisung der Armen in den reichen Ländern des Nordens ist rassistisch, wenn Menschen und ihre Politiker hier im Luxus des Nordens sagen: Diese Armen haben doch ihre so entzückenden Heimaten im Tschad, der im Niger oder in Haiti: Sie sind doch dort geboren, dort fühlen sie sich wohl, dorthin wollen wir sie wieder zurückbringen, wenn sie meinen, sich bei uns hier niederlassen zu dürfen.

Dass dabei die genannten und viele ändere Länder Afrikas und Lateinamerikas und Asiens vom „Norden“ erst arm gemacht wurden durch neokolonialistische Politik, wird von den so kultur- und heimatbeflissenen Politikern des Nordens verschwiegen… Mit diesem Argument der angestammten Heimat der Armen will man den eigenen Reichtum mit Armen bzw. Armgemachten nicht teilen, man schiebt sie wieder weg, ins Elend. Und baut Mauern rund um Europa, und tut genau das, was die einst angeblich so demokratischen Politiker des so genannten Freien Westens an den kommunistischen Regimen, etwa der DDR, kritisierten: Die Herren Söder, Orban, Kurz und die anderen tun genau das, was die SED tat: Sie bauen Mauern. Mister Trump tut es auch. Das ist rassistisch. Aber Mauern halten nicht lange: Die Berliner Mauer hatte eine Lebenszeit von 28 Jahren. Dann implodierte dieses SED Regime.

Wenn man rassistisch weit versteht als Ablehnung der Lebensrechte der anderen, dann sind rassistische Politiker an der Macht, sehr offensichtlich etwa in Brasilien heute, siehe dort den Umgang mit den von Herrschenden arm gemachten „Schwarzen“ in den Favelhas. „Schwarze“ Aktivisten werden erschossen, wie die großartige linke Aktivistin Marielle Franco. Warum kennt niemand ihren Namen hier auf Anhieb; alle aber kennen alle Namen aller Fußballer – Millionäre bei dieser verrückten Fußballweltmeisterschaft, alle kennen die Namen aller Politiker in Österreich und Ungarn und in Bayern (CSU), die Mauern rings um Europa bauen. Warum kennen wir nicht die Namen wie Marielle Franco z.B.? Wer (welche Medien, und welche innere Trägheit) blendet uns, dass wir menschliche Menschen nicht mehr kennen? Und dass wir so furchtbar viel wissen, was Trump alle halbe Minute von sich gibt an geistigem Schrott…

Es geht in der Debatte um Rassismus heute philosophisch zentral um die Erkenntnis dessen, was Gleichheit bedeutet. Eben zentral auch Gleichheit aller Menschen.

Dabei ist wichtig:

Gleichheit ist nicht identisch mit dem Begriff Identität. Identität ist ein mathematisches Symbol: Etwa die Zahl 1 ist identisch mit der Zahl 1, wo auch immer und wann auch ich und andere „1“ sagen.

Wer hingegen politisch sich als „Identischer“ darstellt, weiß entweder nicht, was er sagt, oder er will sich und seine Nation wie in einer Kapsel des „Ich bin Ich“ bzw. „Österreich ist Österreich“ analog zu 1 ist 1 einschnüren und sich total von anderen abwehren.

Gleichheit ist auch nicht zu verwechseln mit Ähnlichkeit, diese ist ein Begriff subjektiver Wahrnehmungen: Etwa: Eineiige Zwillinge sehen sich ähnlich; für den einen Betrachter mehr, für den anderen weniger.

Wer von Gleichheit spricht, muss immer sagen: Ein Etwas genannt A ist einem anderen Etwas genannt B in einer bestimmten Hinsicht gleich. Die HINSICHT ist entscheidend. Der Begriff Gleichheit will also abheben auf einen gemeinsamen Anteil von A und B hinsichtlich eines Merkmals, das für den Vergleich entscheidend ist:

Ein harmloses Beispiel: Menschen und Katzen sind gleich, aber nur hinsichtlich des ihnen beiden gemeinsamen Merkmals, aus Fleisch und Blut zu bestehen oder eben geboren zu werden und sterben zu müssen usw. Aber Menschen und Katzen sind NICHT gleich hinsichtlich der Fähigkeit, intellektuelle Leistungen, etwa Häuserbau, eigenständig zu leisten. Menschen und Katzen sind also in wesentlichen Hinsichten NICHT gleich.

Was gilt für die verschiedenen Menschen? Jeder Mensch ist einmalig und unverwechselbar. Das gilt auch für die biologische Struktur. Jeder einmalige Mensch wird in eine bestimmte Sprache und bestimmte Kultur und Landschaft und Nation hineingeboren. Der eine hat eine schwarze Hautfarbe, der andere eine weiße Hautfarbe. Der eine trommelt gern, der andere hört ständig Musik von Richard Wagner. Das ist eine normale Verschiedenheit dieser vielfältigen Menschenwelt. ABER: Der eine Mensch lebt heute im Tschad von einem Euro täglich und hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 Jahren. Der andere Mensch hat in Deutschland durchschnittlich (!, also Millionäre und Hartz IV-Arme im Durchschnitt miteinbezogen!) 300 Euro täglich. Und hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 80 Jahren.

Es gibt heute gravierende Ungleichheiten in den äußeren, materiellen und damit auch sozialen Lebensbedingungen.

Diese Ungleichheiten sind nicht etwa klimatisch bedingt oder durch allgemeine Eigenheiten, etwa banal verstandene (UN)Tugenden Faulheit und Fleiß, sondern diese Ungleichheiten unter den verschiedenen Menschen sind gemacht, sie sind gewollt und zumindest von den einflussreichen Leuten hingenommen. Man hat sich an diese Ungleichheiten gewöhnt innerhalb der einen Menschheit.

Es gilt immer und ewig: Mensch ist jeder, der Menschenantlitz trägt, also natürlich ein Schwerkranker, auch ein Verbrecher, der eine gerechte Strafe, aber keine Todesstrafe verdient. Menschenantlitz hat eben NICHT ein Tier. Tiere sind selbstverständlich aber auf tiergemäße Art schützenswert. Aber dies ist ein anderes Thema…

In der Diskussion um Rassismus geht es entschieden um Gleichheit der Menschen: Welche Art von Gleichheit ist wichtig?

Dabei zeigt sich:

Die Menschheit muss als vernünftige Menschheit (und Menschheit als Menschheit kann nur, wenn sie überleben will, vernünftig d.h. geistvoll sei) alle Personen als Gleiche behandeln. Nicht aber müssen deswegen alle Personen gleich behandelt werden. Ein Beispiel: Die Steuergesetzgebung hat sich mit dieser gerechten (!) Ungleichbehandlung auseinanderzusetzen: Millionäre sollten, falls der Begriff der Gerechtigkeit noch eine Rolle spielt in demokratischen Staaten, einen höheren Steuersatz haben als Leute aus der Unterschicht. In den USA etwa ist dies nicht der Fall. Trump betreibt eine durchaus die kleine Clique der Millionäre extrem begünstigende Steuerpolitik: Diese kann guten Gewissens rassistisch genannt werden.

Alle sollen gleich behandelt hinsichtlich ihrer Würde. Zu dieser Menschenwürde gehört u.a., man lese etwa die „Deklaration der Menschenrechte“ etc.: Gleicher Zugang zur Bildung, zur Gesundheitspflege, zu Wohnraum, zu Wasser, zu freier Meinungsäußerung, zur demokratischen Pluralität, ein Ja zur sexuellen Selbstbestimmung, zur frei gelebten Homosexualität, zur Abweisung von Frauenfeindlichkeit, ein Ja zur Religionsfreiheit usw.

Diese Menschenwürde als Kriterium der Gleichheit und damit als Form der Überwindung des Rassismus ist heute weithin nur Forderung. Wir fliegen auf den Mond und ins All, sind aber nicht willens, diese Formen des Rassismus zu überwinden. Jeder Mensch soll sich als einmaliges Individuum mit einmaligen Interessen und Begabungen entwickeln können. Gleichheit bedeutet also auch: Es gibt keine Nivellierung der Individualitäten, sondern gerade die Förderung der bunten Vielfalt in Gleichberechtigung.

Zwischendurch zur Selbstvergewisserung der Reflexion: Warum haben wir ein so starkes Interesse, explizite oder implizite Formen des Rassismus heute zu benennen? Um den Zustand, das Niveau, unserer Menschlichkeit festzustellen und um, was Aufgabe aller ist, eine gerechtere Welt für alle zu befördern.

Aber die Sache ist klar:

Rassismus ist die Ideologie der Herrschenden: der Weißen gegen die Schwarzen wie einst in Südafrika; der vielen deutschen Nazis gegen die Juden; Trump gegen Flüchtlinge, Söder, Seehofer und Co. für die möglichst umfassende Abschottung Deutschlands usw… Wobei es unter den Abstufungen der Armen auch wiederum gelebten Rassismus gibt, siehe Südafrika heute: Südafrikaner sind jetzt gegen „Gastarbeiter“ aus Zimbambwe usw. Leute aus der Dominikanischen Republik gegen Zuckerrohrarbeiter aus Haiti usw…

Mit der Rassismus – Ideologie wollen die Herrschenden, die jeweils Stärkeren, ihre Herrschaft, ihre Bevorzugung, ihre besondere Bedeutung, ihren Wohlstand bewahren. Rassismus ist Ausdruck von ökonomischer Vorherrschaft. Moralisch gesprochen: Rassismus ist Ausdruck von gewalttätigem Egoismus.

Worauf es mir ankommt: Es gibt eine Vielfalt des alltäglichen Rassismus. So ist es auch meiner Meinung rassistisch, wenn in so genannten demokratischen Staaten Frauen schlechter als Männer für eine ähnliche Arbeit bezahlt werden. Etwa: Dass ein Mann, der Autos repariert, viel mehr verdient als eine Frau, die sich um Kranke und Alte helfend und betreuend kümmert. Solche Ungleichbehandlung kann man in dem weiten Begriff von Rassismus eben Rassismus nennen.

Dazu gehört auch die hoch gepuschte, sehr übertriebene, auch medial total inszenierte Berichterstattung über „den“ „muslimischen“ „Flüchtling“ aus dem arabischen Algerien, der etwa Böses getan hat in Deutschland:

Wer sich derart auf wenige einzelne Merkmale eines Menschen und auch eines Übeltäters fixiert, denkt und handelt rassistisch.

Bei dieser eindimensionalen Fixierung wollen Medien, von Politikern angestachelt, eine äußerst negative Stimmung gegen „die“ Flüchtlinge, „die“ Muslime, „die Araber“ bewirken und verstärken. So haben sich auch die Medien der Nazis schon vor 1933 verhalten: Ein Dieb, der zufälligerweise Jude war, wurde als „der“ „jüdische“ Dieb gebrandmarkt.

Wie würden wir reagieren, wenn heute Politiker und Zeitungen permanent berichten, dies nur als ironisches Beispiel:

Im brandenburgischen Dorf C. wurde ein „braves“ deutsches Mädchen, 14 Jahre alt, getötet, von einem aggressiven Bayern, er ist 19 Jahre und katholisch, und sogar Ministrant. Und man hat ihn nach seiner Flucht nach Altötting von dort wieder in die Uckermark zurückgebracht, dort wurde er unter Geschrei und Pöbeleien des „Volkes“ ins Gefängnis gebracht… Wenn Untaten passieren, denken viele automatisch bereits: das waren Flüchtlinge, das waren „die“ Muslime. Dabei wird vergessen, wie viele Untaten, auch Morde, aus rechtsxtremen DEUTSCHEN Kreisen Jahr für Jahr begangen werden gegen „andere“ Menschen, Flüchtlinge, Ausländer, Homosexuelle, Frauen etc. Die Erregung über diese deutschen rechtsextremen Täter (die ja doch sooooo gebildet sind) ist vergleichsweise eher gering.

Ein demokratischer und nicht – rassistischer Umgang mit Tätern ist in Kanada Realität: Dazu hat sich der Botschafter Kanadas in Berlin, Stéphane Dion, im Tagesspiegel vom 13.6. 2018 sehr treffend geäußert: „In Kanada versuchen wir nicht (bei Verbrechen) eine Bevölkerungsgruppe ins Visier zu nehmen. Das Justizsystem basiert auf individueller Verantwortung. Wenn ein Mensch kriminell geworden ist, gucken wir uns dessen individuelle Situation an. Wir sehen ihn nicht vor allem als Teil einer Gruppe. Das führt dazu, dass man immer dann, wenn man jemanden aus dieser Gruppe sieht, sofort denkt: Auch der neigt zur Kriminalität“… Rassistisch ist das Verhalten gegenüber Tätern, wenn die Öffentlichkeit diese auf eine oder zwei Eigenschaften festgelegt, also nur von „dem“ „islamischen“ Täter oder „dem“ arabischen Täter spricht. Der bekannte französische Soziologe Edgar Morin sagt in „Lettre International“, Heft 121 vom Sommer 2018, Seite 62: „Am schlimmsten ist die Beschränkung eines Menschen auf einen Wesenszug…Wir müssen zu guten Umgangsformen zurückfinden“.

Eine entscheidende Frage zum Schluss: Wie entsteht, philosophisch gesehen, Rassismus, als die aggressive Ablehnung des anderen Menschen oder bestimmter anderer Menschen?

Nur ein kurzer, etwas abstrakter, grundsätzlicher Hinweis auf die philosophisch begriffene Struktur des Ich, als des Subjekts oder des Individuums. Der Ausgangspunkt ist:

Das Ich steht von Beginn des menschlichen individuellen Lebens in Verbundenheit mit anderen „Ichs“. Das Selbstbewusstsein des einzelnen Ich erwacht in der Begegnung mit anderen menschlichen Wesen.

Zum Leben des Individuums gehört auch von Anfang die normale Selbstbehauptung, die Sorge um sich selbst, auch die materielle Sorge um sich selbst. Dieses Besorgtsein um das eigene Wohl führt aber auch zur Konfrontation und Auseinandersetzung mit anderen, die sich mit gleichem Recht auch um sich selbst „kümmern“ müssen. Gerade in Situationen des Mangels (an Wohnraum, Essen, medizinischer Hilfe etc.) entsteht ein Kampf derer, die sich alle um sich selbst kümmern. Daraus kann letztlich Streit und Hass und Krieg werden. Dann werden Schuldige gesucht und bestimmte Menschen ausgegrenzt und benachteiligt usw.

Wichtig ist hier: Rassismus als Form der Ausgrenzung im Rahmen „meiner“ Selbstbehauptung gehört förmlichzunächst einmal zum Dasein. Nur wer das sieht, kann den eigenen Rassismus überwinden. Es kommt auf die Erkenntnis des sozusagen existential immer mitgegebenen Rassismus in mir und anderen an. Und ich als Mensch weiß aber genau: Überleben können wir alle nur in der Zurückweisung rassistischer Tendenzen. Ein Krieg aller gegen alle anderen Rassisten endet tödlich für alle. Dies ist ein sehr pragmatisches Argument gegen den Rassismus. Wichtiger ist: Dass wir Menschen als Wesen mit Geist und Vernunft in uns selbst eine von uns gar nicht abzuschaffende Empathie für andere spüren. Diese erst bedeutet Menschlichkeit.

Rassismus darf nicht und kann nicht die Dominanz im Leben haben. Denn: Wir wissen aus Erfahrung: Dass wir unser Leben höchst ungemütlich machen, wenn wir rassistisch gefärbte Kämpfe zulassen und ihnen nicht widerstehen. Es entsteht eine Welt, die nicht mehr aus Mitmenschen, sondern aus Feinden besteht. Menschen werden Objekte, werden zu Dingen, die man auch auslöschen kann. In diesem Krieg können alle, auch ich, zugrunde gehen. Wer will das im Ernst, falls er nicht ein Sadist ist?

Dem Rassismus und der Grausamkeit kann jeder einzelne nur begegnen und ihn hoffentlich überwinden, auch schon durch eine philosophische Erkenntnis: Warum sollen wir uns an diese Erkenntnis nicht halten, wo wir uns doch auch sonst an Vernunft Erkenntnisse halten, um unseres eigenen Wohles und der Welt willen.

Die entscheidende Erkenntnis ist: Ich lebe selbst immer schon von dem Wohlwollen, der Solidarität, dem Mitgefühl, der Empathie der anderen. Ich bin immer schon und bleibend einbezogen ein Wir.

Selbst die schlimmsten grausamen Menschen hatten noch Freunde unter den anderen Folterern, hatten also noch Restbestände von Emotionen und Restbestände von Mitgefühl. Diese konnten die Täter und Massenmörder nicht töten! Selbst Himmler entschuldigte sich bei den Massentötungen in Posen (am 4. Okt.1943) und bat bei den erschöpften SS Mördern um Verständnis für dieses Abschlachten der Juden und der Fremden, darin sind allerletzte Spuren des Humanen noch erhalten. Himmler sagte „Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und sonst zu niemandem“.

 Warum sage ich das: Ich will philosophisch zeigen und möchte plädieren: Es gibt eben kein „relatives“ Gleichgewicht zwischen Grausamkeit (Rassismus) und Menschlichkeit, also Respekt der Würde eines jeden, der Menschenantlitz trägt.

Man kann also nicht mehr aus Denkfaulheit sagen: Na ja, es gibt halt böse Rassisten und es gibt halt von Empathie geleitet Menschen. So ist das halt in dieser Welt. Beides ist gleich viel wert.

Nein: Selbst in den schlimmsten Handlungen der Rassisten gibt es implizit und für die Täter oft nicht bewusst Restbestände einer noch so begrenzten Solidarität und Empathie.

Das heißt: Menschliche Gefühle für den anderen Menschen sind selbst auf den Schwundstufen bei den Tätern noch vorhanden. Menschliche Gefühle der Liebe und Empathie sind also niemals total vom Menschen auszuschalten. Sie sind stärker als Rassismus und Hass. Wir „entkommen“ der Bindung an die Dimension des Guten nicht. Selbst der Rassist glaubt zumindest, für seine Rasse noch Gutes zu tun! Die „Idee“ des Guten ist stärker als der Wille, Böses zu tun, wenn auch Böses getan wird. Rassismus hat nicht das letzte Wort!

Damit will ich sagen: Es bedarf der Bildung, der Reflexion, des Widerstandes gegen Rassismus. Und man sollte endlich wahrnehmen, wie viele Untaten durch “deutsche” Verbrecher aus der rechstextremen Szene gegen Flüchtlinge  und “Fremde” verübt werden. Nur ein Hinweis: Rechte Gewalttäter schlagen nach Informationen des “Tagesspiegel” unvermindert zu. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr (2016) nach vorläufigen Erkenntnissen 914 Gewaltdelikte, dabei wurden 692 Menschen verletzt. (Tagesspiegel 12.2.2017) Und: „ Bis 2015 zählte das BKA 75 Todesopfer rechtsextremer Gewalt; die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) zählt aktuell (Oktober 2017) 188 Todesopfer rechtsextremer Gewalt und verweist zudem auf mindestens zwölf Verdachtsfälle. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Todesopfer_rechtsextremer_Gewalt_in_der_Bundesrepublik_Deutschland)

Also: Diejenigen, die sich über „Grapscherein“ und schlimme Belästigungen von „deutschen“ Frauen durch „die“ Flüchtlinge und „die“ Araber in Deutschland aufregen, mögen bitte mit der gleichen Intensitäten Untaten und Mord durch Deutsche, durch deutsche Verbrecher, verurteilen und sich darüber öffentlich erregen… wenn man schon diese identischen Zuweisungen (Deutsch/Flüchtling) überhaupt will. In jedem Fall sind die vielen Untaten durch „deutsche Täter“ seit Jahren genauso schlimm wie Untaten durch Menschen anderer Herkunft hier in Deutschland.

Der us – amerikanische Philosoph Jason Stanley (Yale University) wird im Herbst 2018 sein neues Buch „How Facism Works“ veröffentlichen. In „Die Zeit“ vom 7. Juni 2018, Seite 37, zeigt er eindringlich, wie mangelhaft sich Deutsche mit dem tief sitzenden eigenen nationalen Gefühl der Überlegenheit über andere, minderwertig Gemachte, auseinandersetzen. Etwa indem sehr viele Deutsche bis heute glauben, sie hätten ein besonders hohes Arbeitsethos etwa gegenüber angeblichen Faulenzern aus dem Süden Europas. Es gibt für Stanley – und nicht nur für ihn – einen neuen aufflammenden deutschen Nationalismus. Überheblichkeit und Überlegenheit bestimmen das Gefühl so vieler Deutscher auch heute! „Wir sind derzeit mit einer weltweiten Krise konfrontiert, in der sich dominante Gruppen als Opfer von faulen und kulturell minderwertigen Eindringlingen sehen“, so Jason Stanley in „Die Zeit“. Diese Haltung der dominanten Gruppe ist rassistisch.

Nimmt aber der Rassismus zu, nimmt die Bedeutung demokratischer Strukturen ab. Je mehr Rassismus, um so weniger Demokratie. Das sind die Perspektiven der Zukunft der Menschheit.

Wir kehren jetzt, im Sommer 2018, in Europa und den USA in die Zeiten des Nationalismus zurück. Und Nationalismus ist immer kriegerisch, ist immer tödlich. Das haben bayerische CSU Politiker vergessen. Sie und und ihre Freunde der ÖVP/FPÖ in Österreich oder Orban in Ungarn sind eine Gefahr für den Frieden. Dies ist eine Meinungsäußerung,  alle Historiker  bestätigen hingegen die absolut gültige Erkenntnis: Nationalismus ist letztlich tödlich, weil er kriegerisch ist, nach innen wie nach außen.

Copyright: Christian Modehn. Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Flüchtlinge sind Menschen mit Menschenrechten: Zum Welttag der Flüchtlinge

Der Welttag der Flüchtlinge am 20. Juni 2018:

Ein Tag wird als „Welttag der Flüchtlinge“ bezeichnet: Der 20. Juni. Ein Tag: Was für eine Chance. Einmal einen ganzen Tag der 68 Millionen Menschen zu gedenken, die heute auf der Flucht sind, also mit Empathie an sie denken und mit politisch – humanem Handeln ihnen begegnen.

Aber zugleich: Was für ein Hohn, einen einzigen Tag der großen Herausforderung der Menschheit heute zu widmen. Alle Tage sind längst von Politikern zu Flüchtlingstagen gemacht worden, mit dem einzigen Ziel: Flüchtlinge von der Welt der Reichen fernzuhalten. Parteien und vor allem auch sich christlich nennende Politiker nutzen das Elend der Flüchtlinge, um ihre eigene klein- karierte, nur auf den Erhalt erworbener Besitzbestände übliche Orientierung durchzusetzen.

Wann werden die Kirchenführer in Deutschland, die ja immer noch Hüter des „Christlichen“ sind und sich auch oft so verhalten, sagen: Diesen Politikern und Parteien, die sich da mit einem “C” schmücken, sprechen wir zunächst mal das Christliche ab. Sollen sie sich treffender „Egoistisch demokratische Parteien“ nennen oder „AFD 2. Teil“. Das wagt meiner Meinung nach kein Bischof, kein Theologe in Deutschland, wäre aber eine not – wendige, eine klärende Entscheidung. und würde zeigen: Deutschland, Europa ist kein christliches Land mehr im Sinne dessen, was für Jesus von Nazareth entscheidend wichtig war….

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Wir dokumentieren jetzt einen Text des von uns schon häufig positiv erwähnten „Jesuiten Flüchtlingsdienstes“:

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service, JRS) sieht mit Sorge, wie das Mitgefühl aus der Debatte um Menschen auf der Flucht verschwindet und auch Angehörige christlicher Parteien extremistische Schlagworte salonfähig machen. Der JRS unterstützt unter anderem Kirchenasyle für einige der Asylsuchenden, die zum Vorwand für die Regierungskrise gemacht werden. Wer den Einzelfall ansieht, stellt oft fest: Für viele Menschen geht der Alptraum der Flucht innerhalb Europas weiter. „Weltweit sind mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht, in Deutschland wurden 2017 nach amtlichen Zahlen weniger als 200.000 Erstanträge auf Asyl gestellt. Das ist, gemessen an der Gesamtbevölkerung und der Wirtschaftskraft, ein geringer Beitrag“, sagt Claus Pfuff SJ, Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes. Noch geringer ist die Zahl derjenigen, um die sich der Streit zwischen CSU und CDU dreht: An den deutschen Grenzen wurden 2017 nach Angaben der Bundesregierung 15.414 Asylanträge gestellt. „Statt auf Menschlichkeit setzt Horst Seehofer auf Nationalismus und bedient rassistische Ressentiments“, sagt JRS-Direktor Pfuff. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat Kirchenasyle unterstützt, die strittige Rückführungen innerhalb Europas betreffen. In solchen Fällen soll das zuständige Bundesamt überprüfen, ob besondere Härten ein Asylverfahren in Deutschland rechtfertigen: Eine alleinstehende schwarze Frau sollte in Italien in die Prostitution gezwungen werden. Ein irakischer Jeside, der den Massakern des IS entkommen konnte, flüchtete zu Angehörigen, die schon lange in München leben. Ein syrischer Student wurde in Bulgarien schwer misshandelt. In Griechenland hat ein westafrikanischer Handwerker rassistische Gewalt, Hunger und Obdachlosigkeit erlitten. „Sich aus diesen Situationen zu retten, ist kein ‚Tourismus‘. Es ist Flucht. Wer sich nicht von Wahlkampfgetöse und Worthülsen täuschen lässt, sondern den einzelnen Menschen anschaut, wird die Not sehen und entsprechend handeln“, so JRS-Direktor Claus Pfuff. Dass es immer wieder Angehörige christlicher Parteien sind, die Worte aus extremistischen Kreisen salonfähig machen, sieht er mit Sorge. Der Jesuit kann den aktuellen Anlass für die Regierungskrise nicht nachvollziehen. „Wenn ein Innenminister die Regierung zwingt, alles von diesem einen Thema abhängig zu machen, geraten die politischen Verhältnisse aus den Fugen. Das erweckt den Anschein, als gäbe es keine anderen Aufgaben – in Bezug auf Wohnungsbau, Bildungssystem, Rentensicherheit, Gesundheitswesen, Digitalisierung oder Klimawandel. Obwohl Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge nur zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Abwehr und Kriminalisierung von Flüchtenden. Jedes Mitgefühl mit Menschen in Not schwindet aus der öffentlichen Debatte. Aber wenn Nationalismus und eine angeblich einheitliche Identität, für die sogar das Kreuz herhalten muss, die Antwort auf Fragen unserer Zeit sein soll: Dann begeben wir uns auf eine abschüssige Bahn.“  

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern tätig. In Deutschland setzt sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für Asylsuchende ein, Abschiebungsgefangene, für „Geduldete“ und Flüchtlinge im Kirchenasyl sowie für Menschen ohne Aufenthaltsstatus („Papierlose“). Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.

Kontakt: Dr. Dorothee Haßkamp Öffentlichkeitsarbeit Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland Jesuit Refugee Service (JRS) Witzlebenstr. 30a D-14057 Berlin Tel.: +49-30-32 60 25 90 Fax: +49-30-32 60 25 92

dorothee.hasskamp@jesuiten-fluechtlingsdienst.de

www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de

www.facebook.com/fluechtlinge

twitter.com/JRS_Germany

Wo ist die heile Welt? Eine Ra­dio­sen­dung am So., 1.7. 2018, NDR Kultur um 8.40 Uhr

Über die Sehnsucht: Eine Ra­dio­sen­dung von Christian Modehn in der Reihe “Glaubenssachen” des NDR

Als „eine Krankheit des schmerzlichen Verlangens“ wollten die Gebrüder Grimm die Sehnsucht bestimmen: Vom Abwesenden, den uten alten Zeiten einst oder einer verklärten Kindheit wird auch heute wieder Lebensenergie erwartet. Aber es gibt auch eine Sehnsucht, die nach vorn schaut, auf eine zukünftige bessere Welt. Eine Sehnsucht, die mehr ist als Nostalgie. Vielleicht als ein tiefes Verlangen nach Transzendenz, nach Gott?

Junge PhilosophInnen philosophieren auf der Straße in Berlin – Reinickendorf

Berlin hat am 21. Jui 2018 eine „Allee der Fragen“

Ein Hinweis von Christian Modehn

Ein philosophisches Ereignis in Berlin: Aber was ist ein philosophisches Ereignis? Vielleicht dies: Ein lange dauernder prägender Moment, wo Menschen mit einander in ein tieferes Gespräch kommen voller Fragen, die weiterführen und ins Weite führen.

Ein philosophisches Ereignis gibt es am 21. JUNI 2018 ab 16 Uhr in Berlin Reinickendorf: Da schlagen philosophisch interessierte und gebildete Schüler eine, wie sie sagen, „Denkachse“ durch den Alltag Berlins: Auf 200 Plakaten werden Resultate philosophischer Gespräche mit Leuten auf der Straße dargestellt: Sokrates philosophierte ja bekanntlich auch auf der AGORA von Athen. Die Schüler der Max-Beckmann-Oberschule in Reinickendorf wollen anlässlich dieser Plakate, Ergebnisse von Gesprächen,  mit den Menschen ins Philosophieren kommen: Denn jeder Mensch philosophiert „immer schon“, ob er das weiß oder nicht.

Die Schüler, die für die Philosophien ihre Leidenschaft haben, sprachen also mit Menschen in Kirchen, Seniorenzentren, Schulen, Büchereien usw. sogar in Kneipen und Supermärkten: Bravo, genau dort überall lebt Philosophie, weil Philosophie auch alltäglich ist und nicht nur eine akademische Disziplin an der Uni. Die Philosophie Lehrerin Melanie Heise hat das Projekt begleitet, sicher ein Vorbild für weitere ähnliche Unternehmungen an anderen Schulen. Hoffentlich nehmen auch viele andere Lehrerinnen anderer Schulen teil. Eigentlich ja ein Muss!

Ab 16 Uhr kann man also auf der Auguste Viktoria Allee in Reinickendorf, gut erreichbar mit der U Bahn, nicht nur die Plakate mit ihren philosophischen Fragen studieren, sondern auch mit den SchülerInnen debattieren, vielleicht bleibt mancher stundenlang nachdenkend stehen wie Sokrates einst in Athen.

Das Projekt „Allee der Fragen“ verdient alle Aufmerksamkeit. Denn Philosophie kommt wieder unter die Menschen, weil sie als ständiger kritischer Impuls zum Menschen gehört. Und es sind Schüler, die uns das zeigen! Vielleicht wird die “Allee der Fragen” bald einmal ins Regierungsviertel verlegt, oder in die Nähe vieler großer religiöser (dogmatischer) Zentren oder in die Nähe eines gescheiterten Flughafens oder in die Nähe der großen Ausflugsgebiete, etwa am Wannsee:

Die Philosophie kommt unter die Leute. Was für eine Chance! Lassen wir uns also im Fragen verunsichern. Diese Unsicherheit ist heilsam, man muss es nur mal im Denken probieren… Wenn die Mitglieder vieler populistischer Parteien philosophisch, also selbstkritisch, sich selbst kritisch zuhören würden in ihren erbärmlichen Schimpftiraden und Hassattacken gegen seriöse PolitikerInnen, würden sie endlich vor intellektueller Scham den Mund halten und weiter nachdenken.

Also: Kritisches Reflektieren auf sich selbst ist politisch. Philosophie kann vergiftete Atmosphären und vergiftete Mentalitäten etwas heilen…Hoffentlich.

“Spiritus rector” des Projekts ist der Schulleiter Matthias Holtmann, der sich auch überzeugt zeigt, dass es so etwas wie einen philosophischen „Urinstinkt“ gibt, den alle teilen. Die Philosophie Dozentin Melanie Heise, Initiatorin und Koordinatorin des Projekts, betont: „Die Tatsache, dass alle Menschen solche Fragen in sich tragen zeigt uns, dass wir uns oft näher sind als wir wissen und uns mehr verbindet als uns trennt. Und gerade heute, in nervösen Zeiten in einer schnelllebigen Welt, die von vielen existentiellen Erschütterungen verunsichert wird, bietet es sich an, die Kraft und die Weisheit der uralten philosophischen Praxis zu nutzen.“

Die „Allee der Fragen“ ist ein Projekt des Quartiersmanagement Auguste-Viktoria-Allee und wird aus Mitteln des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen finanziert.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Legionäre Christi im Kino – Film

Ein Hinweis von Christian Modehn

Wer als Theologe oder Philosoph den Zustand der katholischen Kirche heute verstehen will, sollte die neuen katholischen extrem konservativen Ordensgemeinschaften untersuchen, zum Beispiel die „Legionäre Christi“…

Am 7. Juni 2018 kommt ein Film (1 Stunde, 44 Minuten) in die Kinos, der in Deutschland zum ersten Mal dem katholischen Orden „Legionäre Christi“ gewidmet ist. Ganz im Mittelpunkt des Dokumentarfilms steht der Legionärs – Priester Martin Baranowski, er ist der Bruder des Regisseurs Peter Baranowski. Pater Martin Baranowski lebt heute in Neuötting –Alzgern.

Beide hatten in der Jugend vielfältige Kontakte mit diesem Orden, der sich in vielen Ländern bemüht, Jungen und junge Männer anzusprechen, um sie für ihren Orden zu werben. Selbst die „Kleinen Seminare“, also Häuser, wo 8 bis 18 Jährige auf den Priesterberuf vorbereitet werden, leitet dieser Orden noch, die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel. … Der Titel des Kino – Films bezieht sich auf eine Art pädagogische Weisheit der Legionäre: „Die Temperatur des Willens“: D.h.: In den religiösen Freizeiten wollen die Legionäre die Temperaturen der Jünglinge prüfen und einen starken, keinen lauwarmen religiösen Willen unter ihren Jungs erzeugen.

Der Film verzichtet (leider) auf erläuternde Kommentare, was in unserer Sicht problematisch ist, denn dadurch können viele wesentliche Fakten überspielt werden: Die Mitglieder im Orden sprechen öffentlich wohl kaum umfassend kritisch über ihren Gründer, den mexikanischen Priester Marcial Maciel, denn sie waren über all die Jahre doch mit ihm verbandelt. Pater Maciel wurde von Papst Benedikt XVI. nicht nur wegen seiner Jahre langen pädophilen Vergehen und seinem früheren Drogenmissbrauch ein Verbrecher genannt. Der lange Jahrzehnte in Rom hoch verehrte Ordensgründer wurde vor allem von Papst Johannes Paul II. liebevoll unterstützt, er begleite den polnischen Papst auf seinen Reisen nach Mexiko; dass dabei die sozialkritische Befreiungstheologie ausgeblendet wurde, ist klar: Maciel hielt es mit den Reichen, speziell den Millionären und Milliardären, mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim war Maciel eng befreundet: Wie viele Millionen Dollar er von Slim erhielt, wäre eine hübsche Recherche…Jedenfalls war Maciel ein intimer Freund zahlreicher Kardinäle in Rom, all das habe ich im Laufe der Jahre auf meiner Website re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­er–salon.de dokumentiert….

Nachdem die pädophilen Verbrechen und die vielfältigen hetero- und homosexuellen Beziehungen des in dieser Hinsicht absolut heftigst umtriebigen Gründers Maciels freigelegt werden mussten, reagierte der Orden wie die Sowjets nach dem Tode Stalins: Sein Name wird in den offiziellen Publikationen nicht mehr erwähnt, die vielen Bilder und Fotos Maciels wurden aus den Legionärs – Häusern entfernt. Das verlogene Buch Maciels „Christus ist mein Leben“ (was für ein Titel bei diesem Autor!) ist antiquarisch noch zu haben.

Mit all diesem Verschweigen Maciels in den Legionärs-Kreisen aber sind pädophile Tendenzen unter den Ordensmitgliedern keineswegs beendet, etwa in Chile wurden entsprechende Fakten nach dem Tode Maciels und der „Entstalinisierung“ bzw. „Entmacielisierung“ freigelegt.

Nun haben also hoffentlich viele Katholiken die Chance, ein bisschen in das Innere dieses Ordens zu schauen, und sie werden sich danach hoffentlich entsetzt abwenden. In 15 Bistümern Deutschlands und in 4 Bistümern Österreichs ist der Orden, aktiv, vor allem über den mächtigen Zweig der Laien – Mitglieder im „Regnum Christi“. Die Legionäre Christi gestalten in den Pfarrgemeinden ihre eigenen „Volks“ – „Missionen“, wie etwa in Bad Bocklet, Franken.

Die (in Deutschland tatsächlich noch eher marginale) umfassend kritische Berichterstattung hat immerhin bewirkt, dass die Anzahl der Ordenskandidaten, Novizen genannt, in vielen Ländern stark zurückgegangen ist. Die offizielle Legionärs- Statistik nennt für Deutschland noch 3 Novizen, für Chile 1, ebenso 1 für Irland, sogar nur 3 fürs alte Legionärs- Kernland Spanien. 961 Legionärs Priester gab es Ende 2016, viele hatten nach der Freilegung der Verbrechen ihres Gründer Pater Maciel den Orden verlassen. Darüber wird offiziell auch nicht gesprochen…. Wer heute da noch mitmacht erfreut sich wohl des immensen Reichtums dieses Ordens, den ihr der Gründer Maciel durch allerhand trübe Finanzgeschäfte beschafft hat, wie erschlichene Erbschaften usw.

Es wundert kritische Beobachter, dass dieser Orden nach den heftigen Skandalen überhaupt noch als solcher unter dem alten Namen der Legionäre Christi weiter besteht. Warum hat der Vatikan diesen so hoch problematischen Club nicht aufgelöst? Warum nicht verboten? Selbst der Orden der Piaristen (Priester der frommen Schulen) wurde für einige Jahre nach seiner Gründung vom Papst verboten, weil auch dort pädophile Tendenzen deutlich waren, ich habe darüber auf der genannten website publiziert.

Die zentrale Frage ist: Welche Interessen gibt es noch heute in der katholischen Hierarchie, den Orden der Legionäre mit seinen weit verzweigten Kontakten in die Finanzwelt als solchen zu erhalten? Welche finanziellen Interessen waren im Vatikan dafür ausschlaggebend? Oder ist die Liebe zum Klerus im Vatikan schon so umfassend, dass man schlechterdings alle Kleriker, alle Priester, erst mal toll findet, angesichts des allgemeinen Mangels an Priestern? Bekanntlich leiten die Legionäre Christi die römische Universität Regina Angelorum, König der Engel, die besonders durch gut besuchte Kurse für Teufelsaustreibungen, Exorzismus, von sich reden macht.

Es ist für nicht nachvollziehbar, dass die kritische theologische Forschung an den deutschsprachigen Universitäten über die Legionäre Christi keine Studien publiziert hat. Auch die anderen Orden, die noch ein bisschen der Vernunft verpflichtet sind, die ja entsprechende Zeitschriften haben usw…. schweigen sich aus über die Legionäre Christi. Warum? Wer hat da Angst? Gibt es eine geheime Solidarität? Meine zahlreichen Studien zum Thema Legionäre Christi und Pater Marcial Maciel stehen auf der website www.re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­er-salon.de zur Verfügung.

Immerhin schrieb mir per E mail am 28.3. 2018 der Regisseur des Kino Films Peter Baranowski u.a.: „Natürlich bin ich im Verlaufe meiner Recherchen zu dem Film auch auf Ihre Arbeit und Website aufmerksam geworden. Tausend Dank für all die hilfreichen Informationen!“

Wollen wir hoffen, dass der Orden nicht noch eine „einstweilige Verfügung“ gegen die Aufführung des Filmes anstrebt… Das wäre allerdings die beste Werbung für den Film!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

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Über den Protagonisten des Films, Pater Martin Baranowski, schreiben die Legionäre Christi auf ihrer website: (http://forum-deutscher-katholiken.de/pater-martin-baranowski-lc/)

Pater Martin Baranowski LC, Priester der Kongregation der Legionäre Christi, stammt aus Bad Homburg (Bistum Limburg). 1995 trat er nach dem Abitur ins Noviziat ein und gehörte zur Gründungsgeneration der Niederlassung in Bad Münstereifel. Nach der Ordensprofess 1997 absolvierte er im spanischen Salamanca humanistische Studien, worauf das Grundstudium der Philosophie in Rom folgte. Von 2000-2004 war er in der Jugendarbeit in Süddeutschland tätig. Zwei Jahre darauf erwarb er das Lizenziat in Philosophie an der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum. Darauf folgte das Theologiestudium. Bei der Gründung des Territoriums Mitteleuropa am 6. Februar 2007 wurde er zum Territorialsekretär ernannt. Seit Sommer 2009 ist er für die Kinder- und Jugendarbeit in Bayern zuständig. Am 12.12.09 wurde er in Rom zum Priester geweiht.

Die Zeitschrift der Legionäre schreibt 2015 über die Tätigkeiten Pater Baranowskis, die alle im konservativen katholischen Milieu angesiedelt sind: (Quelle: http://www.magazin-der-legionaere-christi.de/wp-content/uploads/2016/09/L-Magazin-01-2015.pdf)  „Im priesterlichen Einsatz ist er auch bei anderen Gruppen wie Prayerfes­tival der Jugend 2000, Nightfever an verschiedenen Orten, Charismatische Jugendgruppe FCKW, Marriage Encoun­ter, Fatimatage (!) und beim Kongress „Freude am Glauben“ (das ist die konservativ- reaktionäre Alternative zu den Katholikentagen, an denen auch Kardinal Ratzinger einst teilnahm, CM.)

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Am 22. 6. 2018 der religionsphilosophische Salon: Der alltägliche Rassismus. Ein “Kampfplatz” auch für Philosophierende.

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 22. 6. 2018 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, statt.

Dazu herzliche Einladung. Mit der Bitte, wie üblich, um Anmeldung per E-mail: christian.modehn@berlin.de. Die Anzahl der Plätze in unserem Salon ist bekanntlich begrenzt.

Zum ersten Mal in der 10 jährigen Geschichte unseres philosophischen Salons möchte ich das ursprünglich vorgesehene und schon angekündigte Thema beiseite stellen. Wir wollen stattdessen über die Formen des alltäglichen Rassismus sprechen, nicht nur in der weiten geografischen Ferne oder in der Geschichte einst. Sondern über Formen des Rassismus heute.

Da kann jeder und jede eigene Reflexionen einbringen, etwa zur tief sitzenden Verachtung „der anderen“; über unsere europäische und deutsche (auch ökonomische) Leitkultur, die immer noch meint, wertvoller und wichtiger zu sein als die „anderen“; über die Formen der ideologischen Herrschaft in den Religionen und Kirchen über die einzelnen (etwa die Frauen, die Homosexuellen); über das Hinnehmen der permanenten Ausbeutung und Diskriminierung der Armen in Afrika; über das ausgrenzende Umgehen mit Armen, Alten, Kranken hier bei uns; über die aggressive und tödliche Sprache der Hasstiraden von rechtsextremen Populisten in den so genannten sozialen Netzwerken… Ist unsere Welt heute tief rassistisch geprägt?  Man könnte es leider meinen! Rassismus zeigt sich heute viel umfassender als der Hass auf bestimmte Rassen.

Ein weites Feld, das dringend der philosophischen, also grundsätzlichen und selbstkritischen Reflexion bedarf. Und der ungebrochenen Suche nach Abwehr des Rassismus durch Gesetze, Menschenrechte, Bildung, Empathie…

PS: Auf die Publikation von Prof. Thomas Bauer (Münster): “Die Vereinheitlichung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt” (als Reclam -“Heft” 2018) komme ich später noch einmal auf dieser website kritisch zurück. Die Lektüre dieses Heftes ist selbstverständlich überhaupt NICHT Bedingung für die Teilnahme am 22.6. 2018.  

copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Pfingsten: Der Geist ist heilig. Der Leib natürlich auch…

Pfingsten ist leider ein philosophisch und theologisch weithin unbekanntes Fest. Es sollte darum in nachvollziehbaren Worten erklärt werden. Dabei wird an den zwei Pfingstfeiertagen die Erfahrung und die Einsicht gefeiert: Der Geist  (also auch die Vernunft) ist ein göttliches Geschenk. Etwas Heiliges. Und der Geist weiß: Der ganze Mensch, die ganze Person, jeder und jede, ist von sakraler Würde: “Unanstastbar”, sagen die Menschenrechts – Erklärungen. Und: Ostern und Pfingsten gehören inhaltlich zusammen: Weil zu Ostern die Gemeinde nach Jesu Tod entdeckte:  Es gibt das Ewige und über den Tod Bleibende im Menschen. Auch Jesus hatte dieses Ewige, Unzerstörbare, “in sich”, deswegen lebt er auf unbekannte Art weiter. Wie alle anderen Menschen auch wissen können: Auch wir haben wie Jesus das Ewige “in uns”. Diese Erkenntnis wird zu  Pfingsten gefeiert. Und Gemeinde ist jene weite und immer internationale Gruppe, die aus dieser Überzeugung frei leben kann…Und hoffentlich das Feiern nicht verlernt hat…

Ich habe einige Beiträge zu dem zentralen philosophischen und religiösen Fest notiert, klicken Sie hier.

Magnus Hirschfeld: 150. Geburtstag: Homosexualität ist normal.

Am 14. Mai vor 150 Jahren wurde der Sexualwissenschaftler und Gründer eine homosexuellen “Bewegung” Magnus Hirschfeld geboren. Er war ein Aufklärer, ein Wissenschaftler und Arzt, der einen kulturellen “Durchbruch” schaffte, auch wenn es weltweit immer noch sehr viele Staaten gibt, die Homosexuelle ausgrenzen, verfolgen und töten.

Ich möchte aus diesem Anlass, aus dem Gedenken an Magnus Hirschfeld, auf meine Beiträge hinweisen, die hier publiziert wurden zu dem nach wie vor aktuellen Thema: “Der § 175 besteht in der römisch – katholischen Kirche noch immer”.

Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Religionen und Kirchen werden zu Friedensreligionen: Die radikale Reformation

Einige Thesen im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon am 11.5. 2018. Eine not – wendige Utopie.

Von Christian Modehn

Wir können in diesen Zeiten zunehmender Aggressionen, Kriege, ökologischer Verwüstungen, sozialer Ungerechtigkeit weltweit nicht mehr so weiterleben und so weiterdenken wie bisher. Auch die Religionen, auch die Kirchen, müssen sich in dieser Situation inhaltlich verändern: Sie sollten sich zu Friedensreligionen, Friedenskirchen, entwickeln. Das wäre die heute gebotene endlich einmal tief greifend neue Reformation. Denn: Dogmatischer Konfessionalismus und herrschsüchtiger Klerikalismus sind keine Hilfen mehr in dieser bedrohlichen Situation heute. Konfessionalismus, Fundamentalismus und Klerikalismus (Priesterherrschaft) behindern nur die Entwicklung zu einem friedlichen Miteinander.

Schon immer haben Religionen und Kirchen wenigstens ansatzweise versucht, die jeweiligen politischen Verhältnisse zu respektieren, auch für die Formulierung der eigenen Glaubens – Lehren (meist haben sie sich auf die Veränderungen in Staat und Gesellschaft anpasslerisch bezogen, man denke an die Übernahme von Kolonialismus, Rassismus, Sklaverei, Hexenwahn in den Kirchen selbst). Es gab aber auch Versuche, etwa angesichts des Kolonialismus in Latein-Amerika die Menschenwürde aller, auch der „Indianer“, theologisch zu respektieren, siehe Pater Bartholomé de las Casas und andere Ausnahmegestalten… „Die eigentliche Erbsünde der modernen westlichen Welt besteht in der schwer sündhaften Weltordnung, die sich in den Jahrhunderten brutaler kolonialer Expansion seit 1492 konstituierte“, so der katholische Theologe Tissa Balasuriya aus Sri Lanka, in der ökumenischen theologischen Zeitschrift „Concilium“, März 2007, Seite 14. Es gilt heute, diese „Erbsünde“ zu überwinden.

Angesichts der Krise Europas, der Bedrohung der Welt durch aggressive und nationalistische Politiker („America first“ etc.), also durch Politiker, die offenbar niemand mehr bremsen und niemand absetzen kann, angesichts der ökologischen ist es eine Notwendigkeit, dass wenigstens religiöse oder explizit humanistische Menschen zusammen mit ihren Religionen einen radikalen auch dogmatischen Einschnitt wagen, sozusagen als letzte Hilfe, in letzter Minute. Das hat nichts mit Alarmismus oder Pessimismus zu tun, sondern entspringt einer rationalen Einschätzung des Weltzustandes.

In dieser Zeit und sicher in alle weiteren Zeiten kann Religion, kann Humanismus nur noch akzeptabel und glaubwürdig sein, wenn sie sich zu Friedensreligionen, Friedensphilosophien, zum Forum für universale Gerechtigkeit entwickeln. Friedensforschung und Konfliktforschung rücken damit ins Zentrum religiöser Arbeit. Gesprächsforen unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher (bisher feindlicher) Ideologien werden genauso wichtig wie die üblichen Gottesdienstes.

Friedensarbeit und Versöhnungsarbeit IST Gottesdienst!

Diese Religionen und Kirchen lösen sich von ihren Bindungen an nationales Denken. Denn nationales Denken führt erwiesenermaßen immer in Kriege und zur Vernichtung der Menschheit.

Damit ist nicht gemeint, dass eine Welteinheitsreligion entstehen sollte. Die Pluralität der Religionen bleibt erhalten, selbstverständlich. Nur wird aller Nachdruck darauf gelegt, das Wesentliche, das Humane, das Frieden Fördernde in den Religionen in den absoluten Mittelpunkt zu stellen. Und das Gemeinsame zu besprechen, zu pflegen, zu feiern.

Religionen sind also nicht mehr zuerst gebunden an ihre kleine und begrenzte Welt der Dogmen und spezifischen eigenen Traditionen.

Die neue Orientierung der Religionen, Kirchen, ist gebunden an die Erklärung der Menschenrechte. Auch wenn diese Erklärung der Menscherechte der UNO aus einem kulturellen (humanistischen, europäischen) Umfeld stammt, gelten die Menschenrechte doch universal. Die begrenzte Herkunft sagt nichts gegen die Universalität der Erkenntnis. So wie der kategorische Imperativ von Kant zwar im beschaulichen Königsberg formuliert wurde: So gilt diese ethische Erkenntnis mit Evidenz doch universal, auch in Peking oder Washington. Die politisch Gefangenen in China wollen selbstverständlich die Geltung der Menschenrechte, auch wenn diese Menschenrechte nicht in China „entdeckt“, d.h. formuliert wurden. Das selbe gilt für die verzweifelten Aktivisten in den USA, die trotz allen offiziellen politischen Wahnsinns dort gegen die Verbreitung der Schusswaffen kämpfen usw. Das gilt die indianischen Völker am Amazonas, die für ihren eigenen Lebensraum und den Schtz der Wälder gegen die Allmacht des weißen rassistischen Imperialismus in Brasilien kämpfen….

Konkret: Wie die Christen die Bibel studieren und darüber debattieren, so sollten gleichwertig und mit höheren Intensität auch die Erklärungen der Menschenrechte (der UNO) gelesen, diskutiert, in gewisser Weise verehrend hoch geschätzt werden: Nicht deswegen, weil es heilige Texte sind, sondern weil darin die Sakralität der Personen, aller Menschen, deutlich wird. Siehe dazu das Interview mit dem protestantischen Theologen Wilhelm Gräb, Berlin.

Denn der gemeinsame Kern aller Religionen, so sagen Religionswissenschaftler, ist etwas Göttliches, Heiliges, Unantastbares, das letztlich den Menschen sagt: Dieses Göttliche, Heilige, Unantastbare, dieses „Nichts“, wie auch immer, will letztlich nur das Gute für die Menschen, auch für dich. Diesen KERN gilt es spirituell zu pflegen und in diesem Geist gilt es miteinander auch politisch – kritisch zu handeln.

Diese Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden im Dialog. Auch mit Atheisten. Voraussetzung ist: Keiner der Gesprächspartner aus einer Religion besitzt die einzige und für alle geltende religiöse Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die alle verbindet, ist das Bemühen, die Menschenrechte zu erkennen und zu leben. Es gibt also eine höhere allgemeine, vernünftige, philosophische Wahrheit als die Religionen oder Atheismen. Religionen und Konfessionen erkennen an: Aus ihrem je eigenen begrenzten dogmatisch – religiösen Zusammenhang finden sie allein nie den Weg, sich für den partnerschaftlichen Dialog mit anderen Religionen lernbereit zu öffnen. Allein philosophisches Nachdenken IN den Religionen und Konfessionen sprengt die enge Welt der dogmatischen Religionen. Hilft, exklusive religiöse Lehren beiseite zu legen, kriegerische Elemente in der eigenen religiösen Tradition für ungültig zu erklären.

Wer seine Spiritualität als Friedensspiritualität lebt, muss sich ständig bilden. Die Lektüre kritischer Zeitungen ist dann genauso wichtig wie die Lektüre heiliger Texte etc.

Das Eintreten für die Menschenrechte (das sind selbstverständlich auch Rechte der Natur und der Tiere) durch den einzelnen ist natürlich bezogen auf das unmittelbare Umfeld des Alltags. Jeder suche sich einen Bereich, wo er, sie, für die Menschenrechte eintritt: Wohnungsprobleme, Gentrifizierung, gegen den Hass auf Ausländer und Flüchtlinge eintreten…

Philosophisch wäre eine Aufgabe: Für eine neue Akzeptanz des Kompromisses eintreten. Es gilt zu unterscheiden zwischen faulen und richtigen Kompromissen.

Religionen und Kirchen als Friedensreligionen: das verändert das innere Leben der Kirchen selbst: Anstelle der üblichen Gottesdienste mit Liedern und bloß erbaulichen Predigten: Gespräche, Begegnungen, Informationen, des Austausches auch mit Fremden, verbunden mit Momenten der Stille, der Meditation, des Hörens von Musik.

Der einzelne kann dieses Leben nur leben in der Erfahrung und Erkenntnis: In jedem Menschen, auch in mir, lebt etwas Wesentliches, Heiliges, meinetwegen auch „Nichtiges“ (buddhistisch), aber Unzerstörbares, das mich mit einer Dimension von Welt verbindet, die über meinen Alltag hinausreicht. Diese Erfahrung „des geschenkten Unverfügbaren“, „Heiligen“, „Nichts“, wie auch immer in diesen schwachen Worten: Diese reflektierte und ausgesprochene (!) Erkenntnis ist der Mittelpunkt einer spirituellen Energie, die wir alle brauchen. Da bilden sich dann wesentliche, neue Gemeinsamkeiten:

 

Der Theologe Leonardo Boff, Brasilien, zitiert den Yoga-Meister José Hermógenes:

Ich bat Krishna um seinen Segen, und Christus segnete mich.

Ich betete zu Christus, und Buddha war es, der mich erhört hat.

Ich rief Buddha an, und es war Krishna, der mir antwortet“. (zit. in Concilium, Internationale Kathol. Zeitschrift, März 2007, Seite 55)

 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin