Halbe Wahrheiten im offiziell – katholischen Journalismus: Zu Prof. Hans Maier (CSU)

Lobeshymen auf den verstorbenen führenden „Vorbild-Katholiken“ Prof. Hans Maier (CSU)
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.6.2026

Ergänzung am 17.6.2026: Siehe Nr. 11.

Ergänzung am 20.6.2026: Siehe Nr. 12.

…………

Am 9.6.2026 haben wir veröffentlicht:

1.
Was er alles doch alles leistete, der am 8. Juni 2026 im Alter von 94 Jahren in München verstorbene Prof.Hans Maier (CSU): Er war erstens Professor für Politische Wissenschaften, dann zweitens Kulturminister im Freistaat Bayern, dann drittens begeisterter Organist und viertens auch führender (selbstverständlich „praktizierender“) Katholik in Deutschland, vor allem in seiner Funktion als Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) von 1976 bis 1988.

2.
Das heutige ZdK hat am 9. Juni 2026 seine Trauer als eine Lobeshymne auf ihren einstigen ZdK Präsidenten Hans Maier veröffentlicht unter dem Titel: „Gesicht des politischen Katholizismus“. Und bei dem Titel bringt das ZdK das Kunststück fertig, die Bindung Maiers an die CSU (seine Karriere verdankt er Franz Josef Strauß) überhaupt nicht zu erwähnen.

3.
Etwas moderat kirchenkritisch, also kritisch gegenüber der Hierarchie und ihren Entscheidungen, wurde Hans Maier erst nach seiner Pensionierung und der Beendigung seiner Tätigkeit als ZdK Präsident. Das ist der so genannte Mut der alten Herren: die Karriere ist ja gut gelaufen, kann nichts mehr „passieren“, die Pension ist sicher, da kann man ein bißchen kritisch werden…

4.
Wir haben uns also die Mühe gemacht und den Lobeshymnen – Nachruf auf Hans Maier gelesen. Und sind über die Einseitigkeiten dieses offiziellen Journalismus wieder einmal verstört.
Und wir müssen nun die vergessenen, in unserer Sicht alles andere als erfreulichen Aspekte Maiers in aller Kürze nennen. Dafür nur einige zentrale Beispiele:

5.
1979 hatte sich der Theologe Johann Baptist Metz (Uni Münster) auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Münchner Universität beworben: Metz galt als links! Das ist das Grundübel in Bayern und für das CSU Mitglied Hans Maier. In bestem Einvernehmen mit dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger, wurde Metz selbstverständlich auch vom zuständigen Kulturminister Hans Maier (CSU) abgelehnt. Statt dessen wurde der als politisch zuverlässig geltende, eigentlich völlig unprofilierte Passauer Theologe Heinz Döring berufen. Diese Affäre bewegte damals die BRD, „Der Spiegel“ berichtete ausführlich, etwa auch über die Treue des Kulturministers gegenüber der Amtskirche: „So hievte der Minister (Maier) im März 1977 den Mainzer Professor Lothar Bossle, damals Soziologe und Politologe an der Pädagogischen Hochschule Lörrach, mit Amtsgewalt auf den Würzburger Lehrstuhl für allgemeine Soziologie – gegen die Voten des Senats, des Berufungsausschusses und des Fachbereichsrates der Universität, die Bossle für zu rechtslastig und zu wenig qualifiziert hielten.“ Quelle: Spiegel vom 6.1.1980, ein Beitrag, dessen Lektüre ich allen ZdK Mitgliedern empfehle, um nicht später wieder Totengedenken mit Lobeshymnen zu verwechseln.LINK

6.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich als betroffener Journalist an die üble Rolle Hans Maiers als Chef des Katholikentages in West – Berlin vom 4. bis 8. Juni 1980; zu der Zeit war schon Joachim Meisner Bischof in Berlin (mit Sitz in Ost-Berlin, aber mit häufiger Besuchsmöglichkeit in West – Berlin).

7.
Die Lobeshymne des ZdK auf Hans Maier vergißt die heftige Feindschaft Maiers beim Berliner Katholikentag gegen die damals frisch entstandene amtskirchen – kritische Initiative „Kirche von unten“. Sie wollte ihre Veranstaltungen inmitten des offiziellen Katholikentages anbieten, aber Pluralität oder gar Kritik waren nicht erwünscht, es ging um die ewige, bis heute viel beschworenen „Einheit“ aller Katholiken unter der Herrschaft der Bischöfe und des Papstes… so musste der Katholikentag von unten wegen der Intoleranz Maiers auf evangelische Gemeindehäuser ausweichen. Noch einmal: Danke für diese protestantische Gastfreundschaft!

Maier nannte die bundesdeutsche Initiative „Kirche von unten“ verächtlich eine Splittergruppe…Der journalistische, nicht Kirchen-abhängige Bericht über den Berliner Katholikentag wurde im SFB für die ARD im 1. Programm ausgestrahlt, an dem Film war ich als Autor direkt beteiligt. Die Tatsache, dass wir uns die journalistische Freiheit nahmen, auch und wegen des Neuigkeitswertes über den Katholikentag von unten zu berichten, weckte eine Flut von polemischen und häßlichen Stellungnahmen der konservativen Katholiken und ihrer Medien. Kein Bischof, kein ZdK Mitglied solidarisierte sich mit den Autoren und dem verantwortlichen Redakteur im SFB Johannes Huthmann; selbst Familienangehörige besaßen die Unfreudlichkeit, sich von einem Autor des Films öffentlich schriftlich zu distanzieren.
Walter Jens war objektiv und hatte Verständnis für die kritische Berichterstattung, er schrieb am 13. Juni 1980 einen entsprechenden Beitrag in „DIE ZEIT“ unter dem Pseudonym momos. Ein Zitat: „Jens lobte ausdrücklich, dass die ARD (SFB) die Bilanz des Katholikentages nicht „von den Kardinälen und Funktionären des Zentralkomitees, den großen Meistern jener zugleich ein- und vieldeutigen Kommuniqués, sondern von Teilnehmern ohne großen Rang und glanzvolle Namen gezogen wurde. Eine Bilanz von unten, ein Bilanz im Zeichen der Religion Christi, nicht der christlichen Religion“. Dann weist Walter Jens auf einen Zwiespalt im Katholikentag hin: „Wurde auf der einen Seite (im Film, CM) die Praktik der Oberen getadelt, sich nach außen hin offen zu geben, um nach innen rigoros abzuschotten- nur nicht zu viel Ökumene usw. – so sah sich auf der anderen Seite der gemachte, geplante professionell inszenierte Jugend Rummel attackiert…“. Walter Jens weist außerdem eindringlich darauf hin, wie vom offiziellen Katholikentag jegliches Gespräch mit Homosexuellen zurückgewiesen wurde, während es entsprechende Gespräche und Veranstaltungen auf dem „Katholikentag von unten“ selbstverständlich gab: Dank der evangelischen Freiheit protestantischer Gemeinden.“ (Quelle, mein Hinweis zu Walter Jens, 2013: LINK)

Die kritische Zeitschrift PUBLIK – Forum hat ausführlich über den „Katholikentag von unten“ in Berlin berichtet.

Nebenbei: Beim Berliner Katholikentag 1980 gab es noch 75.000 Dauerteilnehmer“. 2026, beim Katholikentag in Würzburg, wurden nur 34.000 Tickets verkauft, offenbar für Dauerteilnehmer. Diese Zahlen zeigen: Die eher klerikal beherrschte Form des Katholikentags hat sich offenbar nicht bewährt…Katholiken verabschieden sich von ihrer Kirche zu vielen tausend. Und die Bischöfe haben darauf keine Antwort, sinnieren über die „zunehmende Säkularisierung“…

8.
Es war natürlich Bischof Meisner von Berlin, der extrem empört war, dass vor allem junge Katholiken eigene theologische Meinungen haben, die sich auch gegen die Hierarchie richten. Solche Rebellion war der aus der DDR stammende, bekanntlich dann auch als Erzbischof von Köln bornierte Joachim Meisner weder im DDR Staat noch in der streng klerikalen Katholischen Kirche der DDR nicht gewöhnt.

Und der ZdK Präsident Hans Maier folgte als katholischer Laie treu auch diesem Oberhirten. Das ZdK (und seine Katholikentage) war also immer eine bischöflich bestimmte und kontrollierte Organisation, die Freiheit der Laien, die Pluralizäz im Glauben, gab es nicht.

9.
Wir haben uns die Mühe gemacht, noch einmal zu zeigen, wie befangen – „positiv“ offizieller katholischer Journalismus auch heute noch ist, das heißt: wie sehr nur die halbe Wahrheit veröffentlicht wird.

Dass die offizielle katholische Presse, etwa die so genannten „Bistumszeitungen“, heute nur noch sehr minimale Auflagen haben und in ca. 10 Jahren sicher verschwunden sein werden, hängt sicher mit dieser Ursünde des katholischen Journalismus zusammen: Nur die halbe Wahrheit zu sagen. Die ZDK Leute denken: Die ganze Wahrheit könnte das Image der Kirche schädigen… Aber das Gegenteil ist der Fall. Wie würde ein ZdK Bericht über Hans Maier aussehen, der deutlich zeigt: Dieser Hans Maier war ls ZdK Präsident ein den Bischöfe ergebener, treu-gehorsamer und von der CSU abhängiger Laie. Auf diese Weise glaubte er große Karriere machen zu können. Und … als alter Herr mit einer dicken Pension wurde er dann ein bißchen mutig.

Ich denke, eine kritische, gebildete Öffentlichkeit würde diesen Mut zur Wahrheit hoch honorieren: „Guck mal, das ZdK und die katholische Presse können auch selbstkritisch sein und versuchen, die ganze Wahrheit zu sagen…“

10.

Ergänzung am 15.6.2026 zum Erfolg des Katholikentages von unten in Berlin 1980:

„Der Erfolg des Berliner Katholikentages von unten (rund 50 000 Teilnehmer) beflügelte die Gegenkatholiken, die innerkirchliche Opposition organisatorisch zu verklammern. Sie gründeten im September 1980 die IKvu, die auch jetzt noch Zulauf hat, vornehmlich von Jungen, Linken und Bunten. Der Theologe Prof. Professor Greinacher führt das darauf zurück, die Mitglieder der Kirche von unten hätten »schockartig erkannt«, daß es »für die Kirche vielleicht schon fünf nach zwölf« sei. Der Exodus vor allem junger Katholiken habe ein für die Kirche vernichtendes Ausmaß angenommen – nach einer repräsentativen Umfrage besuchten 1963 noch 52 Prozent junger Katholiken zwischen 16 und 29 Jahren regelmäßig den Sonntagsgottesdienst; 1980 waren es nur noch 16 Prozent. Greinacher: »Ganze Generationen sind damit für die Kirche verloren.« (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/vierter-anlauf-a-c59c0dc7-0002-0001-0000-000014349583)

11.

Ergänzung am 17.6.2026:  Auch bei der Trauerfeier für Hans Maier am 17.6. 2026 wurde von der Präsidentin  des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ,Dr. Irme Stetter-Karp, erneut nur die halbe Wahrheit über Hans Maier verbreitet. Dr. Irme Stetter-Karp lobte Hans Maier als „Brückenbauer“, sie zitierte aus dessen Buch aus dem Jahre 2006 (!)  mit dem Titel „Keine Demokratie?“: „Die katholische Kirche muss demokratische Wege gehen, auch wenn sie selbst keine Demokratie ist“, so Maier. Dass die katholische Kirche offenbar niemals Demokratie sein kann, war für Maier selbstverständlich. Insofern war er ein dogmatisch – der Hierarchie getreuer Katholik. Er jonglierte dann im Alter „mutig“ mit „etwas Demokratie kann die Kirche doch sein“ hin und her, wie heute der „Snyodale Prozess“…

In seiner Funktion als oberster katholischer Laie hat Maier jedenfalls beim Katholikentag in Berlin 1980 de facto keine Brücken gebaut zu den vielen jungen, kritischen Katholiken beim „Katholikentag von unten“, sondern diesen Aufbruch verurteilt. Er war ein treuer Gefolgsmann der insgesamt damals sehr konservativen Hierarchie in Deutschland. Die Rede von Dr. Irme Stetter-Karp am 17.6.2026. LINK

Nebenbei: Das alte Sprichwort „de mortuis nihil nisi bene“ heißt ja NICHT: „Von den Toten sollte nur Gutes gesagt werden“, SONDERN: „Von Toten sollte nur gut, in guter Form, also der Wahrtheit verpflichtet, gesprochen werden.“ „Bene“ ist bekanntlich ein Adverb, kein Substantiv.

12.

Ergänzung am 20.6.2026:  Hans Maier hat als Kulturminister in Bayern die Berufung des Philosophen Jürgen Habermas an die LMU in München verhindert, das endgültige ablehnende Urteil sprach  er im August 1980 aus. Hans Maier warf Habermas vor, utopische Gesellschaftskritik zu betreiben, die sich von der wirklichen Praxis der Politik entferne. Die Kritik am „Utopischen“ und die Kritk alles „Linken-Kritischen“ leitete Hans Maier auch schon bei Katholikentag in Berlin im Juni 1980. Man möchte also deutlich einen Zusammenhang sehen zwischen der rigiden Abwehr Maiers als Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) eines linken „Katholizismus von unten“ und der Zurückweisung von Jürgen Habermas auf einen Lehrstuhl in München LMU.

Und wir bleiben also bei unserer Feststellung der Ignoranz des heutigen ZdK gegenüber ihrem Hans Maier im Umgang mit kritischen Geistern, in seiner Funktion als Kulturminister in Bayern  wie innerhalb des Katholizismus ,,, vor seiner Pensionierung…Dann wurde Hans Maier „mutig“.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Warum macht kein kritischer, begabter Filmemacher einen großen Spielfilm: „Deutschland im Jahr 2030?“

Die 30. unserer unerhörten Fragen
Von Christian Modehn am 4.6.2026

Eine kurze Erläuterung:

Angesichts der leider unübersehbaren Zunahme der Bedeutung und damit der bevorstehenden Herrschaft rechtsradikaler Parteien in Europa, vor allem der AFD in Deutschland, wäre es eine heilsame Erfahrung für ein Millionenpublikum von Kino-Besuchern und TV -Zuschauern: Die leider ziemlich sicher bevorstehende Zukunft Deutschland in einem Spielfilm zu erzählen:
Also: Die Herrschaft der neuen Nazis.
Sozusagen als vernünftige, aber im Erzählen anhand konkreter Personen drastische Abschreckung.

Dieser Film über die leider (möglicherweise) bevorstehende Herrschaft der Rechtsradikalen und Extrem – Populisten in Deutschland könnte vielleicht noch helfen, Schlimmstes zu verhindern oder inmitten der Herrschaft der Rechtsradikalen vernünftigen demokratischen Widerstand zu organisieren…
Ein solcher auf die nahe Zukunft Deutschlands und Europas (von den USA ganz zu schweigen) gerichteter Spiel – Film ist unserer Meinung genauso wertvoll wie die permanente Erinnerung an die vergangene Nazi – Herrschaft. Ein solches auf die Zukunft bezogenes Film Projekt weckt politischen Einsatz und Widerstand.

Es geht mit dem Mitteln eines Kino – Films – oder einer Serie im Fernsehen der ARD oder des ZDF – um die emotionale wie vernünftig berührende – wirksame Warnung vor Nazi – Herrschaft jetzt – im Vorgriff, was diese Herrschaft denn bedeuten würde.
Selbstverständlich müssten auch die Politiker und Gruppen, Politiker auch der demokratischen Parteien, ins Spiel gebracht werden, die schon jetzt, 2026, in Berlin oder Brüssel, die Sache der Rechtsextremen direkt oder indirekt, unbewusst oder bewusst, vorantreiben..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Wie definieren wir unsere Gegenwart? Etwa durch Bindung an Früheres?

Über den massiven Trend, viele Begriffe der gegenwärtigen Kultur mit „post“, danach, auszustatten…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18. 5. 2026.

Zu unserem Vorschlag, angesichts der vielen Post-Identitätenauch den Begriff Post – Katholisch einzufhren, siehe Fußnote 11.

1.
Wir leben in einer Welt, die unfähig ist, ihren aktuellen Zustand von Kultur, Politik, Ökonomie, Religionen mit eigenen, neuen, adäquaten Begriffen zu bestimmen.

2.
Bei dieser Schwäche, die eigene Gegenwart adäquat auf den Begriff zu bringen, setzt sich der Gebrauch der Vorsilbe POST deutlich durch: POST wird den alt-vertrauten Begriffen vorangestellt, um durch die Vorsilbe POST etwas Klarheit zu schaffen, etwa über den jetzigen Zustand des heutigen Feminismus als Post-Feminismus, der heutiger Romantik als Post – Romantik, der Moderne als Post – Moderne und so weiter. Dieses „post“, dieses „nach“ bzw. „danach“ kettet das Verstehen heutiger Erfahrungen mit Feminismus, Romantik, Moderne usw. an frühere, vergangene, überholte Inhalte: So kann ein adäquates Verstehen der Gegenwart verhindert werden.

3.
Der Philosoph Dieter Thomä (UNI St. Gallen) hat sich intensiv und kritisch mit dieser offenkundigen Schwäche des von ihm „Postismus“ genannten Phänomens auseinandergesetzt, einem Versagen, mit neuen Worten die heutige Lebenswelt, die Gesellschaft usw. auf den Begriff zu bringen: Die komplexe Lebenswelt des Feminismus in seiner Vielfalt, im Plural; oder: die Realität des Kolonialismus heute usw. lassen sich niemals mit einem einzigen „Post“- Begriff fassen. Auf diese Weise wird das Einsortieren von komplexen Wirklichkeiten in Schubladen nur gefördert.

4.
Dieter Thomä nennt in dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Postismen“, Suhrkamp, 2026, in lexikalisch – enzyklopädischer Kürze tatsächlich 52 Postismen, auf den Seiten 336 – 393. Wer diese 52, immer mit Literaturangaben ausgestatteten, „POST“ Beiträge gelesen hat, wartet förmlich darauf, dass nun alsbald auch von „Post -ESC“ die Rede ist oder – angesichts des Niedergangs katholischer Institutionen in Europa – auch von „Post – Katholizismus“ oder angesichts der hohen Benzinpreise auch von „Post – Tourismus“…auch von Post – Journalismus sollte man wohl sprechen angesichts der geringen Bedeutung von Recherche – Journalismus heute.
Nebenbei: Bei der miserablen Briefzustellung durch die Bundespost wird man sicher auch bald von der „Post-Briefzustellung“ sprechen müssen. Auf das von manchen Reformkatholiken erwartete „Post – Papsttum“ wird man allerdings noch eine Ewigkeit hoffen müssen.

5.
Man möchte also angesichts dieser hier nur angedeuteten Post – Phantasie meinen, es war vielleicht ein bißchen voreilig, als Dieter Thomä 2025 seine Studie über das POST – Phänomen im Titel mit dem Stichwort „Nachruf auf eine Vorsilbe“ verbunden hat. Noch wird weiter ge-`postet`. Und sicher wird es bald auch einen Post —Post-Feminismus geben, und auch wenn der überwunden kommt dann ein dritte Vorsilbe post hinzu? Ist das „Posten“ also eine unendlicher Prozess?

6.
Das Probleme bei den vielen „Postismen“ ist: Der eine Begriff, mit Post – ausgestattet, markiert etwa einen gewissen Abschied von dem ursprünglich Gemeinten, etwa „Post-Kolonialismus“. Andere „Post – Begriffe“, wie „post-säkular“ ,beschreiben nur den Wandel der Religiosität hin zu neuen Formen des Religiösen…Diesen Zwiespalt der inhaltlichen Bestimmung gilt es zu beachten!

7.
Mit der ausufernden Verwendung des Post – Vorsilbe zeigt sich eine globale Hilflosigkeit, die heutige Lebenswelt in allen Bereichen mit eigenständigen, durchaus die Zukunft mit formulierenden Definitionen zu bestimmen. Die schon sprachlich dominante Fixierung im Postismus auf das „Nach“ und „Danach“ „bleibt im Bann dessen, an das sich die Nachzeit nun hängt“ (S. 8 in „Postismen). Dabei wäre das Denken der Zukunft unter den heutigen Bedingungen allein hilfreich: Wer eine Zukunft der Demokratie denken will, sollte erkennen: Eine starre Parteien – Demokratie ist zu überwinden. Der Einfluss der Lobby-Gruppen muss sehr eingeschränkt werden. Eine Demokratie, die Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle tatsächlich durchsetzen will, kann nicht auf neue Formen von Steuer, etwa Reichensteuer („Milliardärs-steuer“) verzichten usw. Eine solche noch zu gestaltende demokratischere Demokratie lässt sich selbstverständlich nicht mit dem einen kurzen Begriff „Post-Demokratie“ beschreiben.

8.
Die von Dieter Thomä angestoßene Debatte um die kleine Vorsilbe „Post“ ist von großer Bedeutung: Es wird erinnert, wie vergangenheits-bezogen heutige Lebensformen bleiben, wie sich darin sogar eine gewisse Erstarrung zeigt, durchaus als Angst vor der Zukunft zu interpretieren. Trotz aller Unsicherheiten und Gefährdungen unserer Welt heute lässt sich dringend ein Denken empfehlen, das mehr vorausschaut, also das „PRAE“ bevorzugt.

9.
Es wird oft behauptet, Philosophieren und Philosophien hätten zur Gestaltung von Zukunft wenig oder gar nichts zu sagen. Weil die Sache der PhilosophInnen sei das Re-flektieren, also das Zurück-denken und Zurück-schauen auf das Erlebte, das der Philosoph dann, nachträglich, im zeitlichen Abstand, auf den Begriff bringt. Dieser Gedanke ist zwar richtig, ist aber unserer Meinung zu einseitig: Denn gerade in der Philosophie des Handelns, der Ethik, gibt es Erkenntnisse, sozusagen aufleuchtend unmittelbar in der Gegenwart, wo der Mensch im Ereignis selbst dann handelt: Die spontane Handlung, etwa: Hilflose durch eigenes Handeln zu retten. Oder inmitten politischer Krisen, ausgelöst durch Rechtsextreme, diese Rechtsextremen sofort einzuschränken, öffentlich zu kritisieren usw. Das spontane ethische Handeln ist dann Ausdruck einer gewissen ethischen Bildung, die sich auch durch die Erkenntnis des gültigen Kategorischen Imperativs bildet. Wird dieses ethische Handeln dann im zeitlichen Abstand reflektiert, erkennt man Chancen einer schon gegebenen ethischen, philosophischen Grundhaltung.

10.
Es wäre eine eigene Überlegung, warum heute angesichts von neuen Erfahrungen in fast allen Lebensbereichen der Begriff POST so durchgehend verwendet wird und nicht, wie einst, die „Vorsilbe“ NEO, als Neo-Gotik, Neo-Romanik, Neo-Klassizismus. Zeigt diese „Vorsilbe“ Neo vielleicht eine größere kreative Freiheit an im Umgang mit dem Vorgegebenen als das „Post“? Wir vermuten das.

11.

Wer aufmerksam und kritisch die Entwicklung der katholischen Kieche in Frankreich heute beobachtet und dokumentiert, kann nicht darauf verzichten – bei einer „allgemeinen Tendenz, durch das `Post` die heutigen Realitäten zu identifizieren“- auch von Post – Katholisch zu sprechen. Der Politologe Alfred Grosser zeigte schon 2005, gut belegt und gute begründet: „Die katholische Kirche in Frankreich scheint in mancher Beziehung dem Untergang nahe.“ (S. 185, in: `Wie anders ist Frankreich?`, C.H.Beck Verlag). Die französischen Bischöfe selbst sehen das in ihren offiziellen Stellungnahmen sicher anders und verweisen stolz auf einige Tausend Erwachsenen – Taufen jährlich, sie verschweigen dabei aber den rasanten Rückgang von vielen tausenden Kindertaufen pro Jahr und die Tatsache, dass der in Frankreich geborene Klerus ausstirbt und immer weniger Katholiken sonntags an der Messe teilnehmen, dass die Klöster allmählich verschwinden und so weiter. Wann werden erste theologische und relogionssoziologische Studien zum Post – Katholischen in Europa erscheinen?

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Der 17.5.: Ein Aktionstag für die Menschenrechte queerer (homosexueller) Menschen … auch in der katholischen Kirche.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 15.5.2026

Am 5.6.2026: Über den Widerstand der katholischen Bischöfe in Polen gegen die Menschenrechte der Homosexuellen Anfang Juni 2026: LINK    Dies ist nur ein Beispiel für die weltweite Abwehr der Menschenrechte für Homosexuelle und Queers durch die katholische Kirchenführung. Dass diese Feindschaft gegen Queers durch die klerikale Kirche in Deutschland meist etwas milder ausfüllt, ist wohl auch der Angst der Bischöfe hierzulande geschuldet, sehr schnell eine „schlechte Presse“ zu erhalten.  Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass sich Bischöfe in Deutschland gegen den Homohass ihrer Bischofskollegen etwa in Afrika, Uganda, Kenia usw. öffentlich äußern und die Homosexuellen dort explizit verteidigen und den Flüchtlingen wegen sexueller Diskriminietrung hier in Deutschland dann explizit Unterstützung und Unterkunft gewähren. Diese ganze jetzt viel zitierte „Toleranz“ der offiziellen römischen Kirche ist eigentlich nicht ernst zu nehmen.

……

Unser Motto: Man glaube nur nicht, dieses Thema sei ein Randthema. Es berührt das veraltete und falsche Selbstverständnis katholischer Moral: Sie behauptet: Kirchenmoral steht über den Menschenrechten.
Also: Wir bieten Hinweise zum Verständnis einer aussichtslosen Debatte, aussichtslos, wegen der offenbar niemals zu begrenzenden klerikalen Macht alter Männer im Vatikan…

1.
Der 17. Mai ist der internationale „Aktionstag gegen Diskriminierung von queeren Menschen“, offiziell: „Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-phobie“. Dieser Aktionstag ist dringend geboten zugunsten der universell geltenden Menschenrechte selbstverständlich auch für queere Menschen. Selbst in einer eher noch liberal-toleranten Stadt Berlin nehmen die Aggressionen gegen queere Menschen zu, d.h. Pluralität und übliche Vielfalt in einer demokratischen Gesellschaft sollen zurückgedrängt werde. Zur Intoleranz etwa der AfD gegen queere Menschen siehe unter den zahlreichen Studien nur ein Beispiel: LINK

2.
Der 17.5. als politisches Datum bezieht sich auf den in der BRD bis 1994 geltenden „Paragraphen 175“, der schon in der Weimarer Republik die Unmenschlichkeit zementierte. Und der sich dann in der Naziherrschaft ungebrochen fortsetzte und weiter bruchlos bis 1994 in der BRD offiziell galt. Die vollständige Abschaffung des § 175 in der DDR im Jahr 1968.

3.
Unserem religionskritischen Schwerpunkt entsprechend fragen wir:
Was bedeutet dieser internationale Aktionstag für die Katholische Kirche und die Katholiken? Die Frage ist aktuell, weil vom Vatikan in den letzten Wochen wieder einmal und wie immer deutliche Vorbehalte massiv geäußert werden, diesmal selbst gegen die von Papst Franziskus ermöglichte sehr bescheidene und sehr zurückhaltende Segnung von homosexuellen Paaren in katholischen Kirchengebäuden. Papst Leo hat darauf hingewiesen, dass die Diskussion zu Fragen des Friedens dringender wären als dieses „Thema“ zur Sexualität. Aber Papst Leo lenkt dabei von der entscheidende Frage ab, die zum tausendstenmal gestellt werden muss: Sind queere Katholiken mit ihrer Forderung nach Segnung ihrer Lebens-Gemeinschaft und ihrer Ehe zweitrangige, weniger wertvolle Katholiken als die Heteros? Die eindeutige Antwort: Ja, das ist so, und das weiß auch Papst Leo. Er sieht sich als Förderer der alten hetero-normativen Sexualmoral, damit aufs engste verbunden mit anderen fundamentalistischen Moral-Aposteln aller Religionen und christlichen Konfessionen. Trump und die Seinen werden sich freuen, in dem Punkt mit Leo einer Meinung zu sein…Zur üblichen katholischen Segnung von Autos, Handys, Tieren, und Waffen: LINK

4.
Diese offizielle katholische Lehre muss, vom universell geltenden Menschenrechtsstandpunkt aus gesehen, als eine Unverschämtheit betrachtet werden. Sie ist, wie gesagt, eine Ablehnung der Menschenrechte, weil sie völlig falsch eine Vorrangstellung kirchlicher, katholischer Moral ÜBER den Menschenrechten behauptet und mit politischen Freunden von Rechts und Rechtsaußen durchzusetzen wagt. Da mag der offizielle, bis heute gültige „Katechismus der katholischen Kirche“, Vatikanstadt 1993, noch ein bißchen menschenfreundlich schwadronieren: Dort heißt es: Die (heterosexuellen) Katholiken sollten den Homosexuellen, so wörtlich, „mit Achtung, Mitleid und Takt begegnen“ (§ 2358 im Katechismus: Die Heteros sollen wohl denken: O je o je, diese armen schwulen Sünder, haben wir doch mit ihnen ein bißchen taktvolles Mitleid.)
Dann heißt es sogar in diesem Katechismus: “Man hüte sich, Homosexuelle in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“. Klingt ja nett. ABER: In dem Paragraphen zuvor, also wenige Zeilen entfernt, schreiben die Autoren dieses Katechismus, offenbar wie im Zustand der Schizophrenie: „Homosexuelle Handlungen in sich sind nicht in Ordnung, sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, sie sind in keinem Fall zu billigen“. Darum die weitere Ungeheuerlichkeit dann in §2359: „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen…Nur so könne sie sich der christlichen Vollkommenheit annähern“. Das heißt im Klartext: Homosexuelle Liebe, also erotisch und selbstverständlich sexuell geprägte Liebe darf es nicht geben. Die Papst – Kirche maßt sich an, bestimmten Menschen die Liebe zu verbieten. Nebenbei: Offenbar sind diese empörenden Forderungen des Papstes auch an die vielen schwulen Priester adressiert: Zwischen den Zeilen lese man: Die schwulen Priester, Bischöfe und Kardinäle mögen es doch nicht „übertreiben“… In dem Zusammenhang ist auch wichtig: „Masturbation wird als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung gebrandmarkt“ (zit. : § 2352 im Katechismus).

5.
Anläßlich des 17.5. Aktionstages ist wichtig:

Den eigenen Weg der Befreiung als queere Katholiken selbstbewusst weitergehen und den bis heute von Rom propagierten de facto Ausschluss von queeren Menschen von allen Menschenrechten durch die Kirche schlicht und einfach – weiterhin – ignorieren. Sich bitte nicht die Liebe verbieten lassen. Irgendwann gibt es keine queeren Katholiken mehr, die auf die Weisungen des Papstes, des Vatikans, hören.
Angesichts der zunehmenden rechtsradikalen politischen – homophoben – Macht in ganz Europa wäre eigentlich von der katholischen Kirche als Institution Widerstand dagegen zu erwarten.

Die offizielle Ablehnung der umfassenden Gleichberechtigung queerer Katholiken durch den Papst und den Vatikan usw. gleicht, wie schon angedeutet, sehr fundamentalistischen Strömungen im Islam, im (ultra-)orthodoxen Judentum und eben auch in den alten wie neuen Varianten der Nazi – Ideologie. Man sollte den Papst und die seinen öffentlich fragen: Fühlen Sie sich in diesen Kreisen wirklich wohl? Es scheint jedenfalls so, sonst würden sich diese Herren anders äußern…

6.
Warum diese offiziell – katholische Feindlichkeit gegenüber queeren Menschen? Mehrere Gründe müssen genannt werden, hier in gebotener Kürze:
Die katholische Kirche kann vom Vatikan aus wie auch von den einzelnen Bischofskonferenzen nur noch sehr geringen politischen Einfluß in den meisten Staaten ausüben, dabei will sie doch „Mater et Magistra“ sein, „Mutter und Lehrermeisterin“ aller. So flüchtet sich die offizielle Kirche und ihre Theologie etwa in „Pro-Life-Unterstützungs-Aktvitäten“ und versucht, im Zusammenhang mit reaktionären Parteien, katholische Moralprinzipien durchzusetzen. In Frankreich ist diese Koalition von politisch Reaktionären und konservativ – reaktionären Katholiken evident, man denke an die heftigsten Debatten und Demonstrationen gegen die von der Republik dann doch durchgesetzte „Ehe für alle“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

7.
Der Vatikan, der Papst, glauben Rücksicht nehmen zu müssen auf die auch politisch bedingte gewalttätige Feindschaft gegenüber Homosexuellen in den meisten afrikanischen Staaten: Dort sind auch die katholischen Bischöfe heftigste Verteidiger der repressiven Homo-Politik. Und weil in vielen Ländern Afrikas sich sehr viele Menschen taufen lassen, will man dieses zahlenmäßige Wachstum nicht stoppen. Die queer-freundlichen Forderungen europäischer Katholiken spielen dann in der Sicht des Papstes rein taktisch, zahlenmäßig betrachtet, keine Rolle. Vielleicht hat der Vatikan manche europäische Länder, katholische „Bastionen“ einst, längst abgeschrieben: Frankreich, Irland, Spanien, Holland, Deutschland sicher auch, obwohl man sich im Vatikan immer noch über großzügige Geldspenden aus Deutschland freut…

8.
Darüber spricht niemand mehr: Sehr viele (vor allem jüngere) Priester in allen Ordensgemeinschaften, in allen Bistümern, auch im Vatikan, sind homosexuell. Das zeigen immer wieder Interviews und vorsichtige Umfragen. Viele schwule Priester wollen mit der Propaganda queer-feindlichen Moral des Vatikans ablenken von der Frage: Wie sieht es denn mit eurem zölibatären Leben aus? Wie ist es mit euren privaten Homo-Freundschaften bestellt usw. Siehe das auch wie aktuelle Buch „Sodom“ des Journalisten und Soziologen Frédéric Martel: LINK

9.
Die Frage ist: Wie lange wird der Vatikan noch dulden, dass es in deutschen Klöstern und Ordensgemeinschaften ganz offiziell einige Mitglieder gibt, die sich mit der Initiative „outinchurch“ auch öffentlich eng verbunden wissen, etwa zwei ? Augustiner in ihrem Kloster in Würzburg, vielleicht sollte sich Papst Leo, selbst Mitglied im Augustinerorden, von denen mal belehren lassen. LINK:

10.
Die aktuellen Debatten über die Ablehnung der Segnung homosexueller Paare durch den Vatikan sollen  die Erinnerung an die kirchlichen Verbrechen an Homosexuellen während vieler Jahrhunderte verschleiern, wenn nicht gar auslöschen. Es sind Verbrechen der Kirche, die historisch gar nicht deutlich dokumentiert sind, weil es einfach der Kirche selbst zu peinlich war, die eigenen Untaten an den zu Sündern und Verbrechen erklärten Menschen, den Homosexuellen, zu dokumentieren.
Immerhin hat der offen homosexuelle Priester Jacques Perotti seinen Leidensweg in der katholischen Kirche beschrieben in seinem Buch „Un pretre parle“, Levallois, 1995. Als Sekretär von Abbé Pierre konnte er dann als Priester arbeiten, etwa für die ökumenische Schwulenbewegung „David et Jonathan“. In einem Interview mit Christian Modehn im Jahr 1996 sagte Perotti: „Ich bin nicht voll in die Strukturen der Kirchen integriert; ich bin Sekretär von Abbé Pierre, und der ist unabhängig von der Kirche und befindet sich selbst eher am Rande der Kirche. Denn die Bewegung Emmaus, die er gegründet hat, ist ja nicht religiös, sondern weltlich, laizistisch. Also wegen Abbé  Pierre, so scheint es mir, lebe ich wie unter einer Art Schirm, der alle Blitze abwehrt aus dem Vatikan, aus Rom und vonseiten der Bischöfe. Abbé Pierre hat es mir erlaubt, dass ich mein Priesteramt leben kann als Vorkämpfer für die Sache der Homosexuellen. Er ist ein Mensch, der gut zuhören kann, er kann alle menschlichen Situationen verstehen. Er hat auch meinen Lebensweg gut verstanden, dass ich einen Kampf führe zur Befreiung der Homosexuellen in der Kirche. Ich habe selbst gehört, wie er mich verteidigt hat bei einer Mahlzeit, als wir mit Bischöfen zusammen an einem Tisch saßen.“ Auch an den niederländischen katholischen Priester, Politiker und Poeten Herman VERBEEK muss hier erinnert werden, auch er war offen homosexuell und kritisierte heftig die reaktionären Bischöfe der Niederlande. LINK.

11.
Die heutige katholische Kirche ist als Nachfolge – Organisation jener katholischen Kirche zu bewerten, die Jahrhunderte lang Verbrechen an Homosexuellen beging, so steht die heutige Kirche auch vor den Herausforderungen einer Wiedergutmachung.
Materielle Wiedergutmachung ist wohl ausgeschlossen, weil es keine überlebenden Opfer der kirchlich zugelassenen Folterungen und Verbrennungen Homosexueller seit Kirchengründung gibt und es gibt wohl keine noch lebenden Angehörigen der Opfer. Das Leiden queerer Jugendlicher in katholischen Familien – damals wie heutev- wäre ein eignes Thema: Welches Unheil, welche Krankheit, richtet die katholische Moral in den Seelen der Menschen an…
Es ist eine Wiedergutmachung der Kirche jetzt erforderlich, die darin besteht: Alles zu tun, dass heute für queere Menschen die uneingeschränkt geltenden Menschenrechten durch die Kirche anerkannt werden; dass die Kirche sich offensiv für die Rechte der Queeren Menschen einsetzt, auch bei katholischen Diktatoren in Afrika. Und es sollte zu den Bildungsprogrammen katholischer Schulen in Afrika gehören, von Anfang die Normalität der Homosexualität als einer normalen Variante der Sexualität zu lehren.

12.
Wir wissen, dass unsere Hinweise, unsere Kritik, unsere Vorschläge zu dem Thema eigentlich sinnlos, weil wirkungslos sind bei den zementierten Verhältnissen im Vatikan und in der klerikalen Hierarchie. Aber ich sehe es als Theologiewissenschaftler über die katholische Kirche (das ist etwas anderes als „katholischer Theologe“) und als Journalist noch als eine lästige Pflicht an, gelegentlich diese Hinweise zur Diskussion zu stellen.

Albert Camus sagte einst: Man muss sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen. Ich denke oft: „Man muss sich die verbliebenen, demokratisch gesinnten Reform- Katholiken als Sisyphus – Gestalten vorstellen.“ Ein gewisser Masochismus gehört schon dazu, heute als Frau, als Queer, in Europa katholisch zu sein. Die Dissidenten im Sowjetimperium hatten immerhin die Hoffnung, dass die Herren der KP-„Eliten“ eines Tages verschwinden, wegen der ökonomischen Übermacht des westlichen Kapitalismus. Die Herren im Vatikan sitzen fest hinter ihren dicken Mauern und Päpste wie auch einige Kardinäle werden als „Führer“ von vielen Gläubigen hoch verehrt, weil in dieser unserer verrückten Welt „Führer“ wieder als ersehnte Leitfiguren so sehr willkommen sind. Siehe den Trend zu rechtsextremen Parteien in allen Ländern Europas und Amerikas  usw.

13.

Die von Papst Leo XIV. stets und ständig beschworene „Einheit“ unter den Katholiken (ein Ausdruck der allmählich etwas einfallslos wirkenden totalen Bindung des Papstes an Augustinus, seinen „Vater“) kann es nur geben: Wenn die katholische Kirche die Menschenrechte über alle ihre angeblichen göttlichen Rechte  und angeblich göttlichen Gebote stellt. Die Menschenrechte sind absolut wichtiger und entscheidender als alle klerikalen Kirchengesetze, auch die moralischen Ideologien dieser Kirche. Ganz nebenbei an alle christlichen Fundamentalisten: Hat Jesus von Nazareth nicht menschliche Haltungen und Tugenden über alle religiösen Gebte gestellt? Warum wird Jesus von Nazareth in dieser Kirche ignoriert? Weil Jesus von Nazareth diesen um sich selbst kreisenden Kirchen – Betrieb nur stört.

PS: Wer sich für die Heftigkeit der Homo-Debatten in der katholischen Kirche jetzt noch interessiert, nur ein Beispiel: Die Position des reaktionären niederländischen Kardinal Eijk in Utrecht LINK

Kurz und bündig, was Papst Leo von Segnungsfeiern für Homosexuelle Paare hält: „Nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Umsetzung der Segensfeiern in seinem Erzbistum empfohlen hatte, erklärte der Papst auf dem Rückflug von seiner Afrikareise im April: „Der Heilige Stuhl hat deutlich gemacht, dass wir mit der formellen Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexuellen Paaren oder Paaren in irregulären Lebenssituationen – nicht einverstanden sind.“ (KNA). Quelle: https://katholisch.de/artikel/68605-sautermeister-bischoefe-bei-segnung-homosexueller-auf-linie-mit-rom. 16.5.2026

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

 

 

 

 

 

 

 

Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg? Fast die Hälfte (44,4 Prozent) trägt die öffentliche Hand!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.5.2026

Unser bekanntes Motto: Religionskritik und Kirchenkritik sind zentrale Aufgaben der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, heute wie damals

1.
Wer am 12.5.2026 im Internet Antwort sucht auf die Frage: Wer finanziert den Katholikentag in Würzburg (13.5. bis 17.5.2026) erhält nur wenige ausführliche Links.

2.
Die „Mainpost“ bietet nur diese ultrakurze kostenfrei zugängliche Information vom 29. März 2026: „Der großzügigste Geldgeber ist der Freistaat Bayern, der den Katholikentag mit drei Millionen Euro fördert. 940.000 Euro gibt der Bund, 500.000 …“

3.
Wirklich umfassend berichtet am 12.5.2026 die Wiener Online -Zeitung „UZ – Unsere Zeitung – die Demokratische“, mit dem Titel „Glaubensevent auf Staatskosten“. Quelle:  LINK

Aus UZ -Unsere Zeitung- Die Demokratische ein zentrales Zitat:
„In Würzburg wird das Glaubensspektakel diesmal mit mindestens 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand gefördert. Das Land Bayern gibt drei Millionen Euro, der Bund anstatt wie traditionell 500.000 Euro erstmals 940.000 Euro und die mit über 815 Millionen Euro hoch verschuldete Stadt Würzburg steuert 500.000 Euro inklusive Sachleistungen bei… In Würzburg trägt die öffentliche Hand 44,4 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 10 Millionen Euro – viel Geld in Zeiten klammer Haushaltskassen.“

4.
Und weiter schreibt Unsere Zeitung – Die Demokratische“:
 „Dabei besitzen die deutschen Kirchen genügend Geldreserven, auch das Bistum Würzburg. Es besitzt ein – kaufmännisch schlank gerechnetes – Vermögen von 423,9 Millionen Euro. Allein aus Kirchensteuererträgen fließen in diesem Jahr 178 Millionen Euro in das klerikale Finanzportfolio. Freilich: Nicht alles daranzusetzen, das Millionenvermögen zu vermehren und zu schützen, wäre für die katholische Kirche beinahe ein Sündenfall. Aus diesem Grund schiebt die Kirche einen schlichten Katholikentagsverein als angebliche Laienbewegung vor, ohne eine Abrechnung vorzulegen. Religionsgemeinschaften sind in Deutschlands nicht rechenschaftspflichtig. Landesrechnungshöfe dürfen sie nicht überprüfen. So bleibt intransparent, wofür das staatliche Geld eigentlich eingesetzt wird. Transparenz sieht anders aus. Die Politik sollte endlich umdenken: die Kirchentagssubventionen sind mit einem weltanschaulich neutralen Staat nicht zu vereinbaren.“

5.
Merkwürdig ist, dass die offiziell katholische website kath.de am 31.3.2026 zur Frage: Was kostet der Katholikentag in Würzbug“ u.a. nur sehr wenig, wenn nicht aus heutiger Sicht falsch schreibt: „Das Bundesinnenministerium fördert die meist im jährlichen Wechsel stattfindenden Katholiken- und Kirchentage in Deutschland aufgrund ihrer „gesellschaftspolitischen Bedeutung“ jeweils mit rund 500.000 Euro. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Die Liberalen hatten darin nach den Grundlagen staatlicher Förderungen für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gefragt.“

6.
Zum Thema Kirche und Staat in Deutschland hat Prof. Horst Dreier, der Würzburger (!) Ordinarius für Rechtsphilosophie, Staatsrecht und Verwaltungsrecht das grundlegende, objektive Buch geschrieben: „Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne“, C.H.Beck Verlag, 2018. Siehe die Besprechung des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin: LINK:

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich

Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich der Papstwahl am 8. Mai 2025.

Siehe auch eine Ergänzung am 10. Mai 2026: Siehe die Nr.3 dieses Hinweises.

1.
Vor einem Jahr, am 8.Mai 2025, wurde der us-amerikanische Kardinal mit einem peruanischen Pass Robert Prevost aus dem Augustinerorden (OSA) zum Papst gewählt.
Obwohl wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin wissen, dass es sehr viel dringendere Themen gibt für die bedrohte Menschheit heute, als an einen noch relativ frisch im Amt herrschenden Papst zu erinnern: Wir wollen entgegen den meisten offiziellen Trends der Presse und der Kirchenleute, die Papst Leo XIV. als „geistlichen Führer“ oder mutigen Trump – Kritiker hinstellen, doch dringend darauf aufmerksam machen:

Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken.

Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch – katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, mit dieser Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald eine grundlegende Reformation (und nicht oberflächlichen Reförmchen) zu gestalten.
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht, das alles zu wiederholen ermüdet total die kritischen Journalisten: Kurzum, mit diesem Papst ist – bis jetzt – ein weiterer Stillstand in der Kirche zu erwarten: Hinsichtlich der Anerkennung der versöhnten Verschiedenheit der getrennten Kirchen, hinsichtlich der nun auch von katholischen Bischöfen permanent geforderten Aufhebung des Pflichtzölibates für Priester, hinsichtlich der dringend (!) zu realisierenden Zulassung von Frauen zum DiakonInnen – und PriesterInnenamt. Nichts tut sich, d.h. nicht tut der Papst, er lächelt die großen Themen freundlich weg…

Auch dieser Papst denkt mehr an das zahlenmäßige Wachstum der Kirche in Afrika als an die noch verbliebenen nachdenklich – krischen Katholiklen etwa in Europa, die die Moderne und den katholischen Glauben endlich versöhnen wollen. Bei dem Thema wird die Frage dringend: Kann ein einziger Papst von Rom aus die katholische Kirche (1,4 Milliarden Mitglieder) regieren, d.h. beherrschen, oder bräuchte es nicht mehrere „PatriachInnen“, jeweils auf allen Kontinenten präsent. Das Ein – Mann Papsttum würde damit verschwinden… Aber solche Gedanken werden nicht öffentlich diskutiert! Vielleicht weil die klerikalen Fundamentalisten Im Vatikan und anderswo  denken: Christus hat nur den einen Petrus als Papst berufen…Also darf es nur einen Papst geben… so ticken wirklich manche Leute…

Aber wenn das so weitergeht mit dem Papst – Regime: Es wird bald niemanden mehr geben, der sich öffentlich noch für eine Reformation (sic) der römischen Kirche heute und jetzt sofort einsetzt. Vernünftige Katholiken haben diese Kirche längst verlassen… Aber es gilt: Katholisch-Sein und Sisyphus – Sein ist nicht identisch! Denn: Es gibt die Freiheit des Evangeliums des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth…

Wir haben keine Erwartungen, dass Leo zum Papst der grundlegenden katholischen Reformation wird: Siehe unseren LINK

Von einer bestimmtem Veränderung der Kirche als Institution spricht Leo hingegen am 5. Mai, ein kleines Zeichen der Reform-Bereitschaft? Sicher nicht, denn von einer entscheidenden Veränderung, Reform, der dogmatischen und moralischen Lehren spricht der Papst nicht, es geht ihm um Strukturen…: LINK 

Siehe auch den Gastbeitrag des Theologen, Journalisten und Publizisten Michael Meier, Zürich LINK

2.
Hingegen wird versucht, Papst Leo in einer populistischen Ecke noch beliebter zu machen:
„Das Modemagazin „Vogue“ hatte Papst Leo XIV.  zu einer der bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025 gewählt. Dabei wurde der „Bruch mit dem bescheidenen Geschmack seines Vorgängers Papst Franziskus“ betont. Filippo Sorcinelli ( der offen homosexuelle italienische Designer, der unter anderem auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete) erklärte dazu (ausgerechnet der populären englischen Daily Mail), Franziskus habe eine „überraschende Einfachheit, fast schon eine evangeliumsgemäße Provokation“ gewählt. Bei Benedikt XVI. sei es hingegen die Verwurzelung in der Tradition. Doch Leo XIV., so der Designer, verkörpere ein Gleichgewicht zwischen Benedikt und Franziskus.“ Quelle: LINK

Auch aufgrund der Liebe Leo XIV. zu den alten, aber durchaus chicen Papstgewändern und den Gemächern in Castel Gandolfo wird man sagen: Leo XIV. ist gern Papst und er genießt auch die äußeren Privilegien des Stellvertreters Christi auf Erden (bitte beachten: Es heißt nicht: Des Stellvertreters Jesu von Nazareth auf Erden…Denn Christus ist der dogmatisch verkirchlichte Jesus von Nazareth)

3.

Ergänzung am 10.5.2026: Papst Leo ist populär (populistisch): Weitere Hinweise am 10.5.2026

A.  Ergänzung am 11.5.2026: Es ist schon hoch erstaunlich (und für die verbliebenen Katholiken eigentlich peinlich), wie sehr ausführlich der offizielle Pressedienst des Papstes auf diese Begegnung von Augustiner-Papst Leo und den Chefs der Augustiner-Brauerei in München eingeht, und dabei die vermittlende Rolle von Kardinal Marx, Mpünchen, lobt! Quelle: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/papst-leo-xiv-audienz-augustiner-braeu-muenchen-interview.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE

Am 10.5.2026: Papst Leo empfängt die Inhaber der Augustiner-Brauerei, München. Der erste Satz der KNA Meldung vom 9.5.2026 heißt: „Vom Augustiner-Biergarten auf den Papstthron“….(Tatsächlich hatte Robert Prevost als General-Prior des Augustinerordens einst den Augustiner-Biergarten in München besucht).
Diese Begegnung von Augustiner-Bräu und Augustiner-Papst bringt sicher viel Werbung, viel Segen, d.h. Gewinn für diese ohnehin beliebte Brauerei in München. Die Konkurrenz wird böse sein: Wann wird denn endlich aus dem Paulaner-Orden jemand Papst, fragt sich die „Paulaner – Brauerei“, genauso wie Franziskaner – Brauerei und so weiter.

Nebenbei: Diesen Orden Paulaner gibt es wirklich, allerdings ist er viel kleiner als der ebenfalls kleine Augustinerorden: Die Paulaner werden offiziell „Minimi“ genannt, die Geringsten, sie haben heute ca.150 Mitglieder…Sie sind zu ständigem Fasten verpflichtet, dürfen aber Bier trinken!

Papst Leo gab der durchaus dem Volke und der Werbung zugewandte Begegnung mit den Chefs der Augustiner- Brauerei noch eine tiefere Bedeutung: „Ich ermutige euch daher, wenn ihr nach Hause zurückkehrt, weiterhin sowohl beruflich als auch persönlich euren Beitrag zur Förderung eines gerechten und wirksamen Ansatzes für die Bewahrung der Schöpfung im Sinne des Gemeinwohls zu leisten“, sehr gut hatte sich Leo XIV. Diese hölzerne Rede aufgeschrieben, „bevor er die Audienz-Teilnehmer aus Süddeutschland segnete“, so die katholische Nachrichten Agentur KNA.
Von der Gefahr des Alkoholismus – auch unter Priestern und Mönchen – sprach der Papst leider nicht, auch keine Rede davon, die Preise für alkoholfreies Bier billiger zu machen.
Es ist hier wie in den folgenden zwei Beispielen immer diese Masche des Augustiner-Papstes: Zuerst sich populär geben, also den Interessen der Leute sehr nahe kommen, dann aber im zweiten Teil etwas moralisch – theologische Weisungen ranhängen. Diese Mahnungen treten aber angesichts der populären Ereignisse, Bilder und Floskeln in den Hintergrund. Also: der Populismus überwiegt…
 
LINK: https://katholisch.de/artikel/68509-augustiner-brauerei-zu-besuch-bei-papst-leo-xiv

B.
Während des Besuches Papst Leos in Neapel geschieht das obskure, durchaus abergläubische Blutwunder des Heiligen Gennaro, diesmal sogar „außerhalb des üblichen Turnus“: Es gibt für dieses Wunder also einen regelmäßigen Turnus, dies passt ja nun gar nicht zur üblichen Wunder-Theologie-Ideologie…

LINK: https://katholisch.de/artikel/68506-waehrend-des-besuchs-von-papst-leo-xiv-blutwunder-in-neapel

C.
Robert Prevost trägt so tolle Speaker von NIKE: So die begeisterte NIKE – Sneaker Gemeinde jetzt: “Kommentare wie „Nike wurde jetzt offiziell gesegnet“ oder „Du kannst den Jungen aus Chicago holen, aber nicht die Nike-Schuhe aus dem Jungen“ verbreiteten sich rasant im Netz“, so KNA…. Nike wird sich freuen und weitere Schuhe in den Apostolischen Papst schicken. Oder um die Segnung der NIKE Schuhe bitten: Solche Sachen, auch Handys, Autos, Tiere werden ja bekanntlich gern vom katholischen Klerus, auch den Bischöfen, gern gesegnet, Homosexuelle oder wiederverheiratet Geschiedene eher nicht so gern, am besten gar nicht, sind ja Sünder. In jedem Fall werden nun alleNIKE – Sneaker – Fans bald regelmäßig an der Messe teilnehmen…

Quelle: https://katholisch.de/artikel/68507-papst-leo-xiv-begeistert-ploetzlich-sneakerfans

Bald wird jemand herausfinden, welche Unterwäsche Papst Leo trägt, sicherlich ist es französische. Auf den Namen des Designers sind wir gespannt, doch wohl nicht HOM? Aber anläßlich seiner Pastoralreise im Herbst 2026 nach Frankreich könnte er seine von der Firma zu Werbezwecken geschenkte französische Unterwäsche am besten bei seinem Aufenthalt in Lourdes segnen (heiliges Wasser ist dort). Und dabei den Frauen dankt, die diese Unterwäsche in Bangladesch liebevoll nähen und nur einen Hungerlohn erhalten., leider, leider, …. diese Lieferketten…

Wie Papst Leo mit den sexuellen Missbrauchstätern umzugehen gedenkt, hatte er schon 2025 angekündigt: „Papst Leo XIV. hatte im vergangenen Jahr die Erwartungen gedämpft, dass sich im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen grundlegend etwas ändern werde. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine »eine echte Krise«, bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung, und Beschuldigte sollten entsprechend »geschützt« werden, sagte der Papst in einem Interview. Den Opfern müsse die Kirche mit »großem Respekt« und »Verständnis« begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber »nicht zum zentralen Thema der Kirche werden«. Quelle: LINK.

D.

Es wird weiter im Vatikan problemlos gesegnet, bei den Homosexuellen ist die Segnung ja höchst umstritten… : Nun werden auch auch Duschmobile in ROM gesegnet: . LINK   

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Papst Leo XIV.: Künder des Friedens und der rückständigen Moral. Von Michael Meier, Zürich.

Ein Gast-Beitrag von Michael Meier, Zürich;  Theologe, Journalist und Publizist, veröffentlicht am 30.4.2026.

Zuerst publiziert in: LINK

Ein Jahr im Amt: Frauen mag er nicht gleichstellen. Die Sexualmoral nicht modernisieren. Demokratien begegnet er mit Vorbehalten.

Seit dem Schlagabtausch mit dem US-Präsidenten Donald Trump ist der sonst so zurückhaltende Papst Leo XIV. im Hoch. Als Donald Trump am Dienstag nach Ostern drohte, Iran in die Steinzeit zurückzubomben und eine ganze Zivilisation auszulöschen, trat der behutsame Pontifex aus der Reserve. «Das ist inakzeptabel», sagte er in Castelgandolfo. Und forderte die Amerikaner nicht etwa nur zum Gebet, sondern auch zur Intervention bei Kongressabgeordneten auf, sich nicht für Krieg, sondern für Frieden einzusetzen. Als Trump ihm daraufhin eine schreckliche Aussenpolitik vorwarf und ihn mahnte, sich nicht in die Politik einzumischen, konterte der Pontifex, er fürchte Trump nicht, er verkündige nur die Friedensbotschaft des Evangeliums.
Schon am Palmsonntag hatte der erste Amerikaner auf dem Papstthron gepredigt, Jesus sei der König des Friedens.  Gott lehne den Krieg ab, niemand dürfe Gott benutzen, um Krieg zu rechtfertigen. Gott erhöre nicht das Gebet derer, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut, sagte er mit dem Propheten Jesaia.
Von Anfang an interessierte die Medien besonders, wenn sich Leo XIV. zu Themen äussert, die mit Trumps Politik zu tun haben, etwa zur rigiden Migrationspolitik, zur aggressiven Einwanderungspolizei ICE oder zum Angriff auf Venezuela.

Leo XIV. relativiert
Erst recht seit Beginn des Iran-Kriegs sehen Journalistinnen und Vatikanisten nun alle seine Äusserungen durch die amerikanische Brille und werten sie gerne als Frontalangriff gegen Trump und seine Politik. So auch die Aussage auf seiner Afrikareise im April, die Welt werde «von einer Handvoll Tyrannen zerstört». Leo selber musste richtigstellen, dass seine Rede schon Wochen zuvor im Vatikan formuliert worden sei. Es werde aber so aufgefasst, «als wolle ich dem Präsidenten widersprechen. Das liegt überhaupt nicht in meiner Absicht.» Der Papst selbst also relativierte seine Trump-Kritik und machte klar, dass er kein Anti-Trump sein will. Denn selbst sonst so besonnene Stimmen wie jene des Historikers und Theologen Massimo Faggioli überhöhten den Schlagabtausch zwischen den beiden mächtigsten Amerikanern völlig unangemessen. Faggioli prophezeite allen Ernstes, die Attacke von Trump gegen den Papst markiere «wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende» für den US-Präsidenten.
Dabei nimmt Leo einfach die von ihm bei Amtsantritt versprochene Rolle als Künder des Friedens ernst. «Der Friede sei mit euch allen» waren seine ersten öffentlichen Worte als Papst, gleich nach der Wahl am Abend des 8. Mai 2025 von der Mittelloggia des Petersdoms zur Menge der Gläubigen gesprochen. Angesichts der unsicheren und kriegerischen Zeiten dürfte Leo XIV. In der Tat eine Stimme des Friedens mit grosser Resonanz werden, indes kaum ein eigentlicher Friedenspapst.  Sein Beitrag wird im Appellativen verbleiben. Als er vor einem Jahr sein Amt übernahm, war sein Fokus auf den Krieg in der Ukraine gerichtet. Er bot die guten Dienste des Heiligen Stuhls an und schlug den Vatikan als Ort von Friedensverhandlungen vor.  Russland ging darauf gar nicht ein, und heute ist keine Rede mehr davon. Irritierende Aussagen des neuen Pontifex nimmt die breite Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis, wie etwa jene zum Wert der Demokratie in seinem ersten grossen Interview vom letzten September: «Wenn wir uns in der heutigen Welt umschauen, ist die Demokratie nicht unbedingt die beste Lösung für alles.» Findet er womöglich, dass autoritäre Staaten einen bessern Job machen?

In der konservativen Spur
Vergessen geht ebenso, dass der Augustiner ganz auf der Linie der Trump-Regierung Abtreibung , Sterbehilfe, Gender und Homo-Ehe verurteilt. Wenn Leo warnt, Religion dürfe nicht für Populismus, Nationalismus oder gar zu Krieg instrumentalisiert werden, muss man ihm umgekehrt vorwerfen, er benutze Religion dazu, die Rechte von Frauen und sexuellen Minderheiten zu beschneiden.
Denn in besagtem ersten grossen Interview mit der US-amerikanischen Journalistin Elise Ann Allen vom Portal «Crux» lehnte er Reformen bezüglich der Stellung der Frau in der Kirche ab. Ja, er werde weiterhin Frauen in Spitzenämter ernennen, und die Weihe von Diakoninnen werde in verschiedenen Kommissionen und im Rahmen der Weltsynode Thema bleiben. Derzeit aber habe er «nicht die Absicht die Lehre der Kirche zu diesem Thema zu ändern».  Ein deutliches Nein zur Weihe von Frauen zu Priesterinnen und Diakoninnen. Reformkatholiken kehrten jedoch Leos Aussage geflissentlich unter den Teppich, genau so wie jene andere, dass er es für höchst unwahrscheinlich halte, dass sich die Lehre der Kirche bezüglich Sexualität und Ehe in naher Zukunft ändern werde.

Das traditionelle Familienbild
Im gleichen Interview beklagte er, dass jedes Thema, das mit LGBTQ-Fragen zu tun habe, die Kirche sehr stark polarisiere. Er wolle diese Polarisierung in der Kirche nicht verstärken. Auch lehne er die in Deutschland und anderen europäischen Ländern eingeführte förmliche Segnung homosexueller Paare ab, weil sie eindeutig gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument Fiducia supplicans, das einen nicht-liturgischen Instant-Segen zulässt, verstosse. Bei seiner Rückkehr von Afrika verschärfte er diese Kritik sogar. Leo machte wiederholt klar, dass er auf die Komplementarität der Geschlechter und das traditionelle Familienbild setzt. Auch will er nicht, dass sich die Kirche «vollständig vom Missbrauchsskandal in Beschlag nehmen lässt». Schliesslich habe die Kirche den Auftrag, die Botschaft Jesus zu verkündigen, und die grosse Mehrheit der Geistlichen habe nie einen Menschen missbraucht.

Keine substanzielle Reform
Mit dem Interview machte Leo vier Monate nach seiner Wahl die unter Reformkatholiken vorherrschende Erwartung zunichte, er werde den von Franziskus geöffneten pastoralen Spielraum definitiv im Kirchenrecht verankern. Namentlich der bekannte Vatikanist Marco Politi oder der Jesuit Andreas Batlogg waren es, die das gängige Narrativ prägten, Leo werde ernten, was Franziskus gesät habe. Ihre Fehleinschätzung blieb bisher unkommentiert. Auch die Reformbewegungen gehen einfach darüber hinweg. Zumal der amerikanische Papst gleich nach Amtsantritt bekräftigt hatte, er werde den von Papst Franziskus angestossenen weltweiten Synodalen Prozess für eine geschwisterliche und partizipative Kirche fortsetzen. Absehbar ist jedoch, dass dieser Prozess auch unter Leo viel Aufwand und Energie kosten wird, ohne substanziell etwas zu ändern.
Wie schon Franziskus ist auch ihm die deutsche Kirche ein Dorn im Auge, die mit einem eigenen Synodalen Weg weitgehende Reformen wie Frauendiakonat, ökumenisches Abendmahl, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und neue Gremien der Laienmitsprache einführen möchte. Gewiss mit Absicht hat Leo mit dem holländischen Erzbischof Hubertus van Megen für Deutschland gerade einen äusserst konservativen Nuntius berufen, der die reformfreudige deutsche Kirche in Schach halten soll. Als Nuntius in Nairobi etwa warnte dieser 2019 die ostafrikanischen Bischöfe vor den westlichen Standpunkten zu Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie – für den Nuntius «klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat».

Vorbild Heiliger Augustin
Innerhalb des ersten Jahres hat Leo verschiedene Rollenbilder bedient: Vom Anti-Trump und Friedenspapst bis zum Befreiungstheologen. Jeder Papst ist eine Projektionsfläche und sein Image wird von den Wünschen der Gläubigen und der Öffentlichkeit geformt. All die Leo zugeschriebenen Bilder dürfen indes nicht darüber hinwegtäuschen dass er, der mit 22 Jahren in den Orden der Augustiner eintrat, ein Kirchenmann mit theologisch strikt konservativen Positionen ist. Fast schon mantraartig beruft sich der Augustiner auf den Heiligen Augustin als grosses Vorbild für unsere Zeit und hat bereits dessen symbolisches Grab im nordafrikanischen Annaba (ehemals Hippo) besucht. Demgegenüber ruft der Berliner Religionsphilosoph Christian Modehn immer wieder in Erinnerung, wie nachhaltig und folgenschwer der Bischof von Hippo vor 1600 Jahren mit seinen Lehren von der Erbsünde, der bösen Lust und der Errettung nur der wenigsten erwählten Menschen der westlichen Christenheit geschadet hat.
Leo betont gern, den Kurs seines Vorgängers fortzusetzen und beispielsweise Frauen in Leitungsämter zu berufen. In seinem ersten Lehrschreiben «Dilexi te» hat er die befreiungstheologische Option für die Armen und die Kapitalismuskritik von Franziskus bekräftigt. Einen eigenen starken Schwerpunkt setzt er bei der Bewertung der KI, die am Massstab der Menschenwürde reguliert werden müsse.

Drohendes Schisma
Doch ist der amerikanische Papst insgesamt wesentlich traditioneller, der kirchlichen Orthodoxie verpflichtet und nimmt gewisse Schritte der Öffnung seines Vorgängers zurück. Er wohnt wieder im Apostolischen Palast und erholt sich in der Sommerresidenz Castelgandolfo. Am Gründonnerstag hat er zwölf Priestern die Füsse gewaschen und nicht wie Franziskus auch Laien und Frauen. Den Traditionalisten hat er gar erlaubt, im Petersdom die Messe nach dem alten lateinischen Ritus zu feiern. Die Ironie dabei: Am 1. Juli wollen die traditionalistischen Piusbrüder ohne die Erlaubnis von Leo im Walliser Ecône eigene Bischöfe weihen, womit sie automatisch die Exkommunikation auf sich ziehen. Wie schon 1988 Johannes Paul II. bescheren die ungehorsamen Ewiggestrigen auch Leo XIV. ein Schisma, was ihn, der die Einheit ins Zentrum seines Pontifikats stellt, sehr schmerzen dürfte. Bei der Amtseinsetzung vor einem Jahr trug er den Hirtenstab des Polen-Papstes. Tatsächlich ähnelt Leo von allen seinen Vorgängern Johannes Paul II. am meisten: Wie dieser ist er politisch und sozialethisch offen, in der Lehre aber nicht kompromissbereit.

copyright: Michael Meier, Zürich.