Die USA und Papst Leo haben ein gemeinsames Motto

Ein Hinweis von Christian Modehn am 11.5.2026

1.
Dieser Hinweis versteht sich als Marginalie, Randbemerkung. Aber vielleicht wird doch auf Wesentliches hingewiesen zur Konstruktion und zum Gebrauch von Ideologien.

Zentral ist die Erkenntnis: Was EINHEIT ist, und wie sich Einheit trotz Vielfalt verwirklicht, bestimmen einzig die Herrscher: In den USA die Präsidenten, siehe jetzt Trump, den Alleinherrscher. Siehe die Päpste in ihrer langen Geschichte mit den Verfolgungen von Häretikern, Schismatikern usw., Und, selbst wenn Papst Leo XIV. jetzt von Einheit in der Vielfalt redet: Die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Einheit der Vielen in dieser dann päpstlich durchgesetzten Einheit bestimmt nach wie vor allein der Papst. Er ist der Herr der Einheit (und meint, dies habe ihm Gott selbst so befohlen…)…Das heißt: Die Rede von Einheit ist eine Ideologeie dieser Herrschenden…

2.
Es gibt ein bislang nicht beachtete interessante inhaltliche Nähe, wenn nicht Verbundenheit und sogar Gemeinsamkeit: Das Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV.

3.
Das Motto der USA heißt offiziell seit dem 20.Juni 1782: „E pluribus unum“, das offiziell übersetzt wird: „Aus vielen eines“. Gemeint ist: Die 13 ursprünglichen Bundesstaaten definieren sich als eins, als eine Nation, trotz verschiedener Konfessionen.

4.
Das Motto („der Wahlspruch“) Papst Leo XIV., das er sich schon als Bischof in Chiclayo, Peru, gewählt hatte: „In illo uno unum“, das heißt: „In jenem Einen (gemeint ist Christus) eins“. Das bedeutet: „In Christus sind alle unterschiedlichen Christen (Leo meint wohl Katholiken) eins“. Hier wird die Einheit explizit theologisch begründet.

5.
Das US- Leitwort „E pluribus unum“ ist heute auf dem Großen Siegel der USA zu sehen und auf Münzen. Wer oder was die Grundlage dieser Einheit sein soll, wird nicht gesagt. 1956 wurde dieses Motto durch ein neues, jetzt bekannteres ergänzt: „In God we trust“. Wer ist dieser Gott, von dem da auf den Dollarnoten die Rede ist? Nicht der konfessionelle Gott einer Kirche. Es ist der überkonfessionelle Gott, eher eine Idee, und vielleicht ist das Geld, der Dollar, als Gott gemeint, sagen Kritiker.

6.
Das Motto Papst Leos, Mitglied des Augustinerordens, stammt selbstverständlich vom heiligen Augustinus. Das Motto stammt aus einer Predigt Augustins zu Psalms 127, einer Predigt, die er in Hippo (heute Algerien) oder auch in Karthago hielt. Der Theologe Notger Baumann, Uni Erfurt, interpretiert diesen Satz: „Die Einheit in Christus ist keine Uniformität. Die Vielheit der Christen wird nicht aufgehoben, sondern bleibt bestehen.“Notger Baumann erläutert den Kontext dieser Aussage Augustins: Der päpstliche Wahlspruch zitiert das Schlussglied einer Antithese:  „Aus nos multi in illo uno unum wird die Abbreviatur „in illo uno unum“. Also: Wir vielen Katholiken sind in jenem einen (Christus) eins…

Quelle:  https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/der-wahlspruch-papst-leos-xiv.

7.
Das ist wichtig: Auch das Motto der USA von 1782 ist zwar auf den ersten Blick religiös neutral, hat aber deutliche Verbindungen zum Denken Augustins: Die so genannten Pilgerväter, die 1620 in die heutigen USA einwanderten, hatten eine gute Kenntnis des heiligen Augustinus. Und zwar durch Vermittlung des protestantischen Theologen und Reformators Jean Calvin, der ein Kenner und Verehrer Augustins war..Die Pilgerväter galten als strenge Calvinisten, sie hatten sich deswegen von der englischen Staatskirche losgesagt. Auffällig ist, dass das Motto der USA von 1782 in lateinischer Sprache formuliert wurde.

8.
Man kann also sagen: Das erste grundlegende Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV. beziehen sich auf die gleiche Quelle, den heiligen Augustinus, und beide Mottos beschwören ein Einheit in der oder: trotz der Vielheit. Und beide Mottos haben ihre strengen Grenzen, sind verglichen mit der faktischen politischen Situation der USA und der faktischen Situation der vielen Katholiken in der Kirche nichts als eine Behauptung, die der Realität nicht entspricht. Manche sprechen auch von „Verschleierung“ der gewünschten Verhältnisse.

9.
Schon bei der Formulierung des Mottos der USA im Jahr 1782 gab es keine Einheit unter den Menschen, es herrschte noch die Sklaverei. Und niemand wird behaupten, dass unter dem Regime von Präsident Trump auch nur annähernd eine Einheit im pluralen amerikanischen Volk gegeben ist. Eher wird unter Trump und seinen Scharfmachern eine Art Bürgerkrieg betrieben.

10.
Und kein nachdenklicher Katholik und kein kritischer Katholischer Theologe wird im Ernst behaupten: Alle Katholiken sind eins, im Sinne von gleichberechtigt und gleich wertvoll. Die lange Liste der vom Papst und den Klerikern im Vatikan zugelassenen Diskriminierungen muss hier nicht noch einmal wiederholt werden, wir nennen nur den verheerenden Ausschluss von Frauen vom DiakonInnen-Amt und vom PriesterInnen-Amt.

11.
Was bringt also die Reflexion auf die offenbar inhaltlich gemeinsamen Mottos der USA und von Papst Leo XIV.? Die Reflexion zeigt: Beide Mottos sind von Herrschern ausgegebene „Fern-Ziel“-Vorstellungen, von denen beide, Politiker der USA wie der Papst wissen: Diese Vorstellungen werden wohl nie erfahrbare Realität für alle werden. Sie werden ausgegeben, verbreitet, propagiert, um im Volk, bei den Gläubigen, einen guten Eindruck zu machen.

12.
Als die USA-Politiker merkten: das alte Motto von 1782 ist politisch betrachtet nichts als eine ferne Utopie, gaben sie sich das Motto „In God we trust“, das machte sich auch gut als religiöse Kampfansage gegen den atheistischen Ost-Block und die Sowjetunion. Und schließlich vertraute ja auch ein Armer damals auf Gott, aber auf seinen Gott, wie auch die Politiker oder die Kapitalisten auf ihren Gott vertrauten. Mit diesem neuen Motto konnten die Politiker also nichts falsch machen. Und die Einheit des Volkes, auch als Gerechtigkeit, war vergessen…

13.
Und Papst Leo XIV.? Er pflegt sein Motto („Wahlspruch“ offiziell genannt) auf populäre Art, biedert sich durchaus beim frommen Volk etwas an, jetzt wieder in Neapel, bewirkt dort das Gennaro-Wunder, sagt fromme Sprüche, Friedensappelle, genießt populistische Verehrung (wegen seiner NIKE-Sneaker etwa …). ABER: Da, wo wirklich Einheit als Gleichberechtigung unter Katholiken und vor allem auch unter den getrennten Christen und Kirchen bewirkt werden sollte: Da herrscht das große übliche päpstliche Nein zu grundlegenden Reformen vor. Angeblich, so der Vatikan, würden die afrikanischen Katholiken diese Reformen nicht verstehen, man hält afrikanische Katholiken also für dumm…Als könnten sie nicht das univsersell geltende Menschenrecht auch für Homosexuelle verstehen und damit auch die Gleichberechtigung der Homosexuellen in der katholischen Kirche Afrikas.

14.
Darum merke: Glaube bloß nicht den Mottos der Staaten oder der Päpste. Es sind bestenfalls Wunschvorstellungen, Utopien, etwa auch „Liberté, Egalité, Fraternité“ in Frankreich: Diese drei Grundwerte der Republik bestehen auch dort nicht für alle Franzosen als Realität. Oder auch: Die Mottos des USA und des Papstes sind eigentlich – faktisch betrachtet – Hoffnungen, Utopien, vielleicht sogar Lügen, weil sie von Präsidenten und Päpsten doch nur behauptet, nicht aber umfassend realisiert werden.

15.
Vielleicht könnten sich Trump und Leo wegen des gemeinsamen Mottos des heiligen Augustinus verständigen? Leider kann aber Papst Leo nicht als Vorbild gegenüber Trump auftreten: Auch er als Papst tut ja nicht alles für eine wirkliche Einheit als Gleichberechtigung unter allen Katholiken und Christen… Wie kann er dann ernsthaft und glaubwürdig von Trump die Einheit im us-amerikanischen Volk oder auch eine friedliche Einheit der Menschheit ohne Krieg einfordern? Die viel gepriesene „moralische Instanz“ des Papstes, der Päpste, ist also sehr frag-würdig, eine bloße Behauptung. Seit welchem Jahrhundert können eigentlich Päpste „moralische Instanzen“ genannt werden? Papst Alexander VI. zum Beispiel war eher eine unmoralische Instanz, wie etliche andere Päpste auch.

16.

Solange die katholische Kirche in ihrer eigenen Lehre und Moral nicht die Menschenrechte umfassend für alle Katholiken respektiert, ist alles moralische Reden der Päpste und Bischöfe usw. unglaubwürdig und wirkungslos. Die Menschenrechte stehen ÜBER der kirchlichen Lehre und Moral. Wird das die katholischeKirchenführung jemals begreifen? Wir meinen: Nein, denn die klerikale Macht will nach wie vor mit ihrer eigenen Ideologie (Theologie genannt) über den umfassenden, universell geltenden Menschenrechte stehen. 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

Über den Egoismus der Bürger und betrügerische Kaufleute in Amerika: Der Philosoph Hegel blickt auf die USA.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6.5.2026

Was die Menschen in den USA, was deren  politische und religiöse Mentalität prägt und bestimmt, hat der Philosoph Hegel schon 1822 erkannt. Seine Erkenntis gilt bis heute. 

1.
Anläßlich der Feierlichkeiten „250 Jahre Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten“ am 4. Juli 2026 ist es sicher interessant wahrzunehmen, wie schon wenige Jahrzehnte nach der „Unterzeichnung der Unabhängigkeits-Erklärung“ 1776 der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich HEGEL das Wesentliche und Typische dieses Amerika (USA) analysierte und bewertete.
Seine „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“ hat Hegel in Berlins Universität seit 1822 insgesamt fünf mal gehalten, posthum wurden die Vorlesungen 1837 veröffentlicht. In dieser seiner Philosophie der Geschichte spricht HEGEL auch von „Nordamerika“, seine Aussagen beziehen sich, wie er sagt, auf die „nordamerikanischen Freistaaten“ (S. 111), also auf das, was wir heute USA nennen.

2.
Hegel hat allen Wert darauf gelegt, die empirischen historischen Fakten mit seinem philosophischen Begriff der Geschichte zu verbinden, also die empirische Geschichte mit der für ihn grundlegenden Einsicht zu harmonisieren: Dass in der Geschichte die Vernunft in eine greifbare, weltliche, politische Existenz tritt. Diese Einsicht kann hier nicht vertieft werden. Hier geht es um einige Erkenntnisse zum „Wesen“ des nordamerikanischen Menschen durch Hegel.
Dazu bieten wir einige Zitate aus Band 12 der „Theorie Werkausgabe“ des Suhrkamp Verlages (1970):

3.
Puritaner und Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften „wanderten nach Nordamerika aus, um die Freiheit der Religion zu suchen“ (S. 111)

Sie bauten dort ein Gemeinwesen auf, „das von den Atomen (isolierten einzelnen) der Individuen ausging, so dass der Staat nur ein Äußerliches zum Schutz des Eigentums war“ (S. 112).
Hegel erwähnt die republikanische Verfassung: „Allgemeiner Schutz des Eigentums und beinahe Abgabenlosigkeit sind Tatsachen, die beständig angepriesen werden“ (ebd.). „Abgabenlosigkeit“, also vergleichsweise geringe Steuern, bestimmen auch heute die USA.
Wichtig auch Hegels Insistieren auf dem ganz zentralen Schutz des Privateigentums in Amerika ..
Der „Grundcharakter der amerikanischen Republik“ besteht für Hegel „in der Richtung (Hauptinteresse) des Privatmannes auf Erwerb und Gewinn, in dem Überwiegen des partikulären Interesses, das sich dem Allgemeinen nur zum Behufe des eignen Genusses zuwendet.“(S. 112).
Also: Egoismus der Privatleute, Unternehmer, wird schon 1822 angesprochen, gilt bis heute
Und, auch das betont Hegel, zum Respekt der Händler und Unternehmer vor den Gesetzen in Nordamerika (USA): Hegel schreibt: „Diese Rechtlichkeit ist eine Rechtlichkeit ohne (persönliche) Rechtschaffenheit, und so stehen denn die amerikanischen Kaufleute in dem üblen Rufe, durch das Recht geschützt zu betrügen.“ (ebd.) Sehr treffend erkannt, bis heute gültig…

4.
Weil für Hegel alle politische Organisation immer auch mit der Religion, bzw. hier mit dem Christentum, zu tun hat, schreibt er: „In Amerika kann jeder seine eigene Kirche haben“… „Das Zerfallen in so viele Sekten, die sich bis zum Extrem der Verrücktheit steigern und deren viele einen Gottesdienst haben, der sich in Verzückungen und mitunter in den sinnlosesten Ausgelassenheiten kundgibt…“ (S. 113). Gültige Erkenntnis bis heute, siehe die Evangelikalen, Pfingstler, die Megachurches usw…

5.

Hegel betont also: Die vielen, nicht von Vernunft bestimmten Kirchen und Sekten in den USA sind auch mitverantwortlich für die allgemeine politische Verwirrung in den USA hinsichtlich einer humanen, vernünftigen, den Menschenrechten verpflichteten Gesellschaft und Rechtsstaatlichkeit..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.