Der 250. Geburtstag der USA: Über den Absturz in eine Form des Faschismus

Ein Hinweis von Christian Modehn am 3. Juli 2026

Das Motto dieses Beitrags ist ein zentrales Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776: „Wenn eine Regierung systematisch und dauerhaft die Grundrechte der Bürger verletzt, um eine absolute Tyrannei zu errichten, ist es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Volkes, diese Regierung zu stürzen.“  (Siehe Fußnote 2.)

1.
Zum Feiern anläßlich des 250.Geburtstages der USA am 4. Juli (2026) sollte uns nicht zumute sein, mit „uns“ meine ich die noch nachdenklichen, kritischen und vor allem demokratisch Gesinnten weltweit. Der 4.Juli sollte ein Tag sein, an dem wir fest in unser Denken und Fühlen einprägen: Die USA stehen jetzt an einem höchst gefährlichen Kipp – Punkt. Die USA rutschen ab in ein Regime, das weder Demokratie oder Republik genannt werden darf. Eher sollte man fürchten, dass da eine Form von Gewaltherrschaft der Superreichen entstanden ist und der super fromm – evangelikalen Feinde der universell geltenden Menschenrechte. Wieder einmal wird der christliche Glaube von nationalistischen, rassistischen, rechtsradadiklen Ideologen missbraucht…
Etliche Politologen und kritische Beobachter schließen es nicht aus, dass sich eine neue Variante des Faschismus in den USA durchsetzt. Dieser Faschismus beginnt mit der Abschaffung von objektiven, überprüfbaren Wahrheiten. Trump begannt sein Regime mit seinem Plädoyer für „alternative Wahrheiten“, die er je nach Laune definiert. Bekanntlich ist der Verzicht auf universell geltende Wahrheiten nichts als ein Ausdruck für den Nihilismus. Darauf hat Friedrich Nietzsche aufmerksam gemacht. Die USA unter Trump also auf dem Weg des Nihilismus: Nichts Wahres gilt mehr. Der Philosoph Friedrich Nietzsche hält den Nihilismus für eine Form von Glauben, also eine Ideologie,Nietzsche schreibt: „Der Glaube, dass es gar keine Wahrheit gibt, ist der Nihilismus – Glaube.“ (Zu „Nietzsche und der Nihilismus“, siehe Fußnote 1).

2.
Dass die USA an einem Kipp – Punkt stehen ins Autoritäre, sagen viele kritische Beobachter, Spezialisten, Politologen, Historiker, Soziologen. Und jeder kritische Leser von kritischen Zeitungen weiß das längst, verdrängt aber die Fakten oft. Der Vorgänger von Donald Trump im Präsidentenamt, der demokratische Politiker Joe Biden, zeigte sich kürzlich als wahrer Demokrat, also im universellen Sinne von Demokratie, nicht als Parteipolitiker. Biden: Ein heftiger, kluger Kritiker des Trump – Regimes. Am 27. Juni (2026) sagte er im Bundesstaat Maryland: Trump ist, so wörtlich, „inkompetent und korrupt“. „Mit Trump beginnen dunkle Zeiten in den USA“. Trump betreibe, wieder wörtlich, „absichtlich die Deformation und Zerstörung der Nato“. Unter Trump habe sich, „eine dreiste, unverhohlene Korruption auf einem Niveau durchgesetzt, wie es Korruption noch nie in der US – Geschichte gegeben hat.“ (Eine kurze Zusammenfassung von Joe Biden Rede: im Tagesspiegel vom 30.6.2026).

3.
Das Verschwinden von Ethik, Vernunft, Demokratie, Menschenrechten, Respekt vor dem Völkerrecht unter dem Regime Trump ist derart umfassend und unter demokratisch Gesinnten bekannt, dass wir hier nur einige Autoren und einige zentrale Zitate bieten können.
Wenn wir vom Kipp Punkt der USA ins streng Autoritäre und eine Form des Faschismus sprechen, wird nicht geleugnet, dass es Widerstand gegen Trump und seine Bande gibt, dass auch einige Gerichte noch unabhängig arbeiten und gerecht urteilen: Aber die Allmacht der Trump – Leute, unterstützt von den ethisch total abgedrifteten der Tech – Milliardären, wackelt kaum. Trump und seine Leute (Vance!) versuchen die Demokratie in Europa explizit zu schwächen, sie propagieren und unterstützen rechtsradikale Regierungen (bis vor kurzem Orban in Ungarn) oder Parteien, wie die rechtsextreme AfD.
Zusammenfassend:Diese Leute im Trump – Regime wollen die Zerstörung der Demokratie und die Aufhebung der Menschenrechte. Sie wollen eine andere Welt ausschließlich zu ihrem eigenen Vorteil. Und dafür kämpfen sie auch weltweit. Das machte das Trump – Regime so universell gefährlich für die Menschheit.

4.
Vor allem liegt diesen Führern der USA an ihrer ständigen Bereicherung: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet am 1.7.2 2026: Trump hat als Präsident im Jahr 2025 mindestens 1,4 Milliarden Dollar Einnahmen aus seinen Geschäften mit Krypton und Memecoin – Währungen gemacht. „Sein Gesamtvermögen schätzt der Bloomberg Billionaires-Index auf 7,6 Milliarden Dollar“, so die SZ. Bei solchem nur noch absurd zu nennenden Gesamtvermögen einzelner sehnen die demokratische Gesinnten förmlich nach einer bislang für ein Tabu gehaltenen Debatte, einer Debatte zum Thema Enteignung. Sie wäre selbstverständlich sofort von den Milliardären lächerlich gemacht, und die Mitte Parteien und Rechtsextremen würden wie üblich das Gespenst des Kommunismus beschwören. Denn, auch die dem kapitalistischen System nahestehenden großen Kirche sagen das: „Privateigentum ist heilig, muss aber doch ein bißchen am Gemeinwohl orientiert sein“.
Ein Freund sagte mir: „In solchen Momenten der Erkenntnis der Allmacht der Milliardäre freut man sich letztlich, dass auch Milliardäre sterbliche Menschen sind, selbst wenn sie als Transhumanisten vielleicht 120 Jahre alt werden und die Welt weiter ruinieren und zerstören…Eine bewohnbare Erde werden sie – bei dieser ihrer Politik – als 120 Jährige vielleicht sowieso nicht mehr erleben….

5.
Zunächst: Der us-amerikanische Historiker Timothy Snyder – inzwischen wegen des Trump Regimes nach Kanada geflüchtet – hat sich mehrfach zum Trump – Regime geäußert: In der Süddeutschen Zeitung, 25. Juni 2026, Seite 9, bezieht er sich unter dem Titel „Kapitulation eines Dealmakers“ auf den für die USA gescheiterten Iran – Krieg. Der Historiker Snyder beurteilt Trump als einen Herrscher „mit Bosheit, kombiniert mit erstaunlicher Dummheit, der eine Weltmacht in die Selbstzerstörung“ führt. Bezogen auf den Iran – Krieg schreibt Snyder: „Krieg aus einer Laune heraus zu führen – wie es Trump tut – ist ein Symptom der Tyrannei…Diesen Kriegen muss man sich widersetzen. Trump ist, so Snyder, „von Hartherzigkeit und Einfalt bestimmt“.

6.
Das Buch „Die Stunde der Raubtiere“ des international geschätzten Historikers und Autos Giuliano da Empoli (C.H.Beck Verlag 2025, 3. Auflage) beurteilt Trump eindeutig: „Der amerikanische Präsident Trump führt einen bunten Tross hemmungsloser Autokraten an, bestehend aus Tech – Konquistadoren, Reaktionären und Verschwörern, die es gar nicht erwarten können, dass der Kampf endlich losgeht. Vor uns tut sich eine Zeit grenzenloser Gewalt auf und die Verteidiger der Freiheit scheinen auf die sie erwartende Aufgabe ganz besonders schlecht vorbereitet.“ (S. 40).

7.
Rainer Mühlhoff, Philosophieprofessor an der Uni Osnabrück, hat eine viel beachtete Studie über „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ veröffentlicht, Reclam 2026, 12. Auflage. Für Mühlhoff ist klar, dass das „Trump Regime – neben der AfD – transgressive Kräfte verkörpert“ (S. 120) und tendenziell faschistisch ist. Unter transgressiven Kräfte sind jene politischen Bewegungen, Aktionen und Ideologien gemeint, die bestehende Normen, Werte überschreiten und auflösen wollen.
Mühlhoff betont: „Transgressive Kräfte bestimmen die faschistischen Regime, sie sprengen Normen und demokratische Systeme und zerstören sie.“… „Faschismus bezeichnet damit kein bestimmtes politisches System, sondern eine Charakterdisposition und ihre politische Wirkungsweise.“ (S. 118). Diese Kräfte setzen sich jetzt in den USA offensichtlich mit Gewalt durch.

8.
Der Journalist und USA – Experte Arnd Henze fragt in einem Beitrag für „Publik – Forum“ (Heft 11/2026, S. 14) wo denn die langfristigen Voraussetzungen zu sehen sind für das Aufkommen des autoritären Trump – Regimes: „Es wurde vor etwa 50 Jahren ein Parallelimperium christlich nationalistischer Bildungseinrichtungen geschaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße Untergrund Armee christlicher Krieger, wie es der Kriegsminister Peter Hegseth martialisch auf den Punkt bringt.“… „Trump ist ein Präsident, der nur noch in den Allmachts – und Rachefantasien seiner KI-Bilder zu leben scheint. Das alles wird ausgestattet mit den repressiven Instrumenten von FBI, ICE und Border Control nach innen und der größten Militärmacht der Welt.“ Über die politische Bedeutung der weißen Evangelikalen für das Trump Regime siehe die große Studie von Arnd Henze: LINK

9.
Pete Hegseth, der Kriegsminister, ist streng – gläubiges Mitglied einer der hoch problematischen, manche sagen anti-christlichen fundamentalistischen evangelikalen Kirchen der USA, der „Communion of Reformed Evangelikal Churches“ (CREC). Diese Kirche, von Pastor Doug Wilson 1975 gegründet, gewinnt immer mehr nationalistische Anhänger und hat großen politischen Einfluss, in Washington D.C. gibt es längst ein Zentrum der CREC. Pastor Wilson sagt: „Hegseth ist ein guter Christ“… Und: Der Staat soll das Recht Gottes, das von der Kirche, seiner Kirche, erkannt ist, durchsetzen… Gottesrecht (d.h. Moral dieser Kirche) steht über den Menschenrechten.“ Siehe dazu ein aktuelles ausführliches Porträt zu Hegseth in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (2. Juli 2026, Seite 3).

10.
Die Historikerin Jill Lepore (Harvard Uni, Massachusetts) betont in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ (25. Juni 2026, Seite 6): „Die politische Polarisierung in den USA ist extrem, es herrscht politische und wirtschaftliche Verzweiflung, die Stimmung im Land ist sehr, sehr, sehr gedrückt.“ (Tatsächlich sagt Jill Lenore drei mal „sehr“). „Niemand weiß, was dieser verrückte alte Mann (Donald Trump) macht, wenn er die (Midterms)Wahlen verliert… Mir fällt es schwer, mir vorzustellen, was ein demokratisch kontrollierter Kongress dann tun könnte, um ihn zu stoppen. Wie auch immer die Midterm Wahlen ausgehen, die letzten beiden Jahre mit ihm im Weißen Haus werden wahnsinnig.“

11.
Wir brechen hier unseren „Gruß“, also unsere dringende Warnung, zum 250. Geburtstag der USA ab, alle LeserInnen können aus eigener Erfahrung und Lektüre weitere Studien über die USA unter dem Trump – Regime unternehmen. Und sie werden sich – wie wir – fragen: Wann endlich begreifen die Europäer , auch die deutschen, dass die USA unter Trump keine Freunde sind. Und die Frage reicht weiter: Waren die USA jemals selbstlose Freunde Deutschlands, oder war alles Wohlwollen und alle Hilfe nach dem 2. Weltkrieg zugunsten der BRD ökonomische Kalkül und Abwehr gegen den Erzfeind Kommunismus? Wahrscheinlich ist das so. Es zerbrechen die Illusionen Europas, Deutschlands, gegenüber „den“ USA gerade am 250. Geburtstag.

12.
Wenn wir hier nur auf die Zerstörung der Demokratie in den USA hinweisen und – mit etlichen kritischen Beobachtern – ein Ende der Demokratie in den USA nicht mehr ausschließen, dann haben wir überhaupt nicht die verbrecherische Gewaltherrschaft Putins vergessen oder den Menschenrechts feindlichen Kommunismus von Xi oder den extremen hinduistischen Fundamentalismus von Mori … und auch nicht Netanjahu oder die Herrscher des Iran oder die Rechtsextremen in Argentinien, Chile usw. haben wir vergessen.
Wir wollten nur den USA einen Glückwunsch zum 4.7.2026 senden!

Es bleibt die beunruhigende Erkenntnis: Die meisten Staaten unserer Welt werden zunehmend beherrscht von Autokraten, Diktatoren, Rechtsextremen, Nationalisten und, wie die Historikerin Prof. Jill Lenore sagt, „von einem verrückten alten Mann in den USA.“ Und genauso beunruhigend ist: Die noch wenigen verbliebenen demokratischen Politiker folgen den politischen Mustern des Trump – Regimes…Man beachte die „Abschiebeverordnung“ der EU Kommission. Sie plant, Inhaftierungen von Flüchtlingen und Asyl-Suchenden massiv auszuweiten, Überwachungsbefugnisse zu erhöhen…es soll möglich werden, Menschen in Länder abzuschieben, in denen sie noch nie gewesen sind…Alles nach dem Vorbild des Trump -Regimes.

Fußnote 1 zum Nietzsche Zitat: S. 439 in der gründlichen Studie des Philosophen Wilhelm Weischedel, „Der Gott der Philosophen“, Band I, 1972, Wissenschaftliche Buchges., Darmstadt.

Fußnote 2 zum Text der Unabhängigkeitserklärung: https://www.verfassungen.net/us/unabhaengigkeit76.htm . Im Oval Office ließ Trump die dort sichtbare Unabhängigkeitserklärung mit dem entscheidenden Zitat durch einen blauen Vorhang verdecken. Er will nicht daran denken, dass er und sein Regime vom Volk gestürzt werden könnten…

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

Ein neuer Tempel in Berlin: Zu Ehren der vielen säkularen, weltlichen Götter

Polytheismus – die vorherrschende Religion in Berlin.
Ein leicht ironischer Hinweis von Christian Modehn am 27.6.2026

Ein Vorwort:
Eine große Tempelanlage für die größte Konfession in Berlin ist eigentlich schon seit langem erforderlich: Für den modernen säkularen Polytheismus, den Glauben an einen der vielen weltlichen Götter. Schließlich nennen sich etwa 70 Prozent der Berliner Bevölkerung „Konfessionslos“, und dieser Titel bedeutet sicher ein Nein zum Monotheismus der Christen, Juden und Muslims, hat aber auch nichts mit dem Bekenntnis zum Buddhismus oder Hinduismus zu tun. Und der „klassische“ kämpferische Atheismus als Nein zum Monotheismus ist auch heute eher selten.
Es geht also um neue Formen des Glaubens, des Glaubens an die modernen vielen Götter, an die leidenschaftliche Bindung an einen der weltlichen oder am besten gleich an mehrere, wesensverwandte weltliche Götter. Wir nennen den Viel-Götter – Glauben deswegen einen säkularen Polytheismus, weil die Götter, die da verehrt werden, nur weltlich, also nur säkular sind. Von Transzendenz ist bei diesen Göttern also keine Spur, alles dreht sich hier um die eingeschlossene, abgekapselte Welt, also die Bindung an die endlos gedachte nur weltliche Welt ohne transzendente Funken… Dinge der Welt werden dabei gern und enthusiastisch in den Rang von etwas Göttlichem, Absoluten, Hoch – Heiligen erhoben, und bestimmte Menschen werden zu säkularen Heiligen, wenn nicht zu Göttern erklärt (siehe die Bewunderung für Musk in den USA).
Dies also ist ein neues Thema für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie, Religionswissenschaft und Soziologie. Wir sprechen davon in einer Form einer milden Satire, deren phantasiereiche Beschreibung so unwahrscheinlich ja nicht ist, zumal der Viel-Götter-Kult heute weltweit absolut sich durchsetzt. Das Denken schließt sich ins nur Weltliche – Dinghafte ein, bestenfalls die Kunst kann noch die Schatten eines Jenseits zeigen, die Kirchen vertreten ihre uralten Dogmen in einer abgeschotteten, sich absolut wichtig nehmenden Klerus – Welt. Dies interessiert bald wirklich niemanden mehr, vielleicht noch einige der ewigen Neurotiker aus der katholisch – rechtsextremen Szene…

1.
Am 7. Juni 2026 wurde in Berlin ein neuer prächtiger Tempel zu Ehren der vielen Götter des Hinduismus feierlich eingeweiht. „Den Polytheismus pur“, möchte man sagen, kann jeder Interessierte dort erleben. Aber, und das ist überhaupt nicht degradierend gemeint: Es sind – regional begrenzt – die vielen Götter der hinduistischen Religion Indiens, die sich da in Berlin – Neukölln zur Verehrung und Bewunderung niedergelassen haben. Hunderte Statuen von hinduistisch – indischen Göttern (Göttinnen) schmücken den Tempel innen wie außen. Zwanzig Jahre wurde an diesem Tempel zu Ehren des Gottes Ganesha gebaut … auch mit allerlei finanziellen Hindernissen: Aber der Gott Ganesha hat schließlich gesiegt: Er wird – also wohl zurecht – als der „Überwinder von Hindernissen“ verehrt und er gilt als der „Schreiber heiliger Texte“.

2.
Wenn sich der uralte, auch literarisch wertvolle hinduistische Polytheismus in Berlin nun so deutlich präsentiert, sollte man die Anregung aufgreifen und wahrnehmen: dass sich ein ganz anderer Polytheismus in Berlin (und in ganz Europa) durchgesetzt hat: Dieser säkulare, weltliche Polytheismus möchte sich nun öffentlich in einer wahrlich riesigen Tempelanlage einladend präsentieren. Denn, wie gesagt, nur 30 Prozent der Berliner Bevölkerung sind sozusagen noch klassische religiöse Monotheisten, wobei unter denen sicher auch säkulare Polytheisten, also Verehrer irgendeines weltlichen Gottes, zu finden sind. Stichwort: Liebe zum Geld…Die sündhafte Hinwendung der Monotheisten zum Polytheismus war ja bekanntlich schon das Problem der Propheten des Alten Testaments.

3.
Keine Frage: Es gibt ihn faktisch, den weltlichen Polytheismus, also die von Menschen erschaffenen Götter, die sich als Götter NICHT feierlich von selbst offenbaren, sondern Produkte der Menschen sind, also weltlich sind. Diesen „ihren“ Göttern schenken die Menschen ihre Lebensenergie, ihnen opfern sie (sich auf), sie sind der entscheidende Mittelpunkt ihres Lebens: Diese weltlichen Götter sind als hoch-heilig aufgewertete weltliche Objekte (oder auch Subjekte, Menschen) inmitten einer sonst weithin vom monotheistischen Gott entleerten Welt. Selbstverständlich kann, wie im klassischen Polytheismus üblich, der einzelne weltliche Polytheist mehrere dieser Götter verehren, also den einen mal beiseite stellen zugunsten der Entscheidung für einen anderen. Wir nennen hier schon mal einige Namen der säkularen Götter, auf die wir im einzelnen noch hinweisen: Geld, Privateigentum, Auto, Nation, Fußball usw…

4.
Der geplante polytheistische Tempel muss eine große Anlage sein. Für die vielen Götter muss ausreichend Platz zur Verehrung stehen, zur stillen Andacht, zum Preisen und Loben, zum ausdrucksvollen Bekenntnis, ja auch dies: Vielleicht auch nur zur Verabschiedung von diesem Gott, sagen wir vom Gott Auto; dies kann vielleicht sogar eine Art Bekehrung sein zu einem radikalen Atheismus. In der riesigen Tempelanlage muss also Platz sein fürs Erleben, Bedenken, Feiern und ernsthaftem Debattieren mit den anwesenden Priestern, die hier Counselors heißen, ein bißchen gebildet sollen sie sein…
Alle diese säkular -polytheistischen Tempel in der großen Anlage müssen flach gebaut sein, jeglicher Turm, der in eine irgendwie transzendente himmlische Höhe weist, ist verboten. Die Erdverbundenheit, als die Bindung an die endlos fließende total flache Welt des säkularen Polytheismus muss auch architektonisch zum Ausdruck kommen.
Es wäre sehr hilfreich, wenn dieser Tempel angesichts der Menge der Gläubigen eine gut erreichbare, zentrale Lage hätte, mitten in der Stadt, etwa auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof wäre der Wunsch: Ihn wird der Berliner Senat, auch dort gibt es ja säkulare Polytheisten, wohlwollend unterstützen.

5.
Im Zentrum der Tempelanlage steht der mit echtem Gold verzierte Tempel für den Gott Geld, mit dem eigentlich alle Menschen immer schon sehr eng verbunden sind, auch die monotheistisch Frommen. Darum gebührt dem Gott Geld einer der Haupttempel in der weitläufigen, mit vielen bunten Blumen und allerlei Bäumen ausgestatteten Tempel-Anlage. In den kleinen Nebentempeln des Gottes Geld können auch die ebenfalls göttlichen Aktien verehrt werden oder auch Formen neuer heiliger Krypto – Währungen.
In einem ebenfalls benachbarten kleineren Tempel werden schalldichte Mauern und Türen gebaut, für Spekulanten, die bei extremen Kursverlusten dort laut schreien, weinen und heulen dürfen. Auf diese Weise sollen die Manager bei Kursverlusten nicht den persönlichen Kurs verlieren.

6.
Ein weiterer großer Tempelbau wird den Verehrern des göttlichen und immer noch offiziell heilig genannten Eigentums zur Verfügung stehen. Auf den Wänden werden stündlich aktualisiert auf Monitoren die Preisentwicklungen der Eigentumswohnungen etwa in Berlin, München, Zürich, Paris, London, New York, San Francisco, Rom und Monaco eingeblendet. Auch das Verhältnis im Bau von Mietwohnungen und Eigentumswohnungen wird dokumentiert, auch in dem Fall sind Schreie des Protestes oder des noch stärkeren Jubels der Eigentümer erwünscht. Selbstverständlich werden etliche Super – Luxus Yachten als begehbare heilige Objekte zur Verfügung stehen, nach gründlichen Reinigung in einem Pool im dritten Obergeschoß der Yacht kann man auch kurz die prächtigen Räume besichtigen, allerdings nur der Flüsterton ist auf den heiligen Super – Luxus -Yachten erlaubt. Nebenbei: Ein Glas Champagner wird „an Bord“ für selbstverständlich schon ermäßigte 50 Euro angeboten .

7.
Ein weiterer großer Tempelbau in der Gestalt einer riesigen, für mindesten 100 Fans begehbaren Kugel wird dem höchst aktuellen Gott Fußball gewidmet sein. Im Innern des Tempels werden permanent auf 100 Bildschirmen gleichzeitig alte und auch aktuelle Fernsehaufnahmen von Fußballweltmeisterschaften zu sehen sein. Ein großes Quiz wird angeboten: Wer genau weiß, wie viele Millionen Schweizer Franken Mister Gianni Infantino im Jahr verdient, kann an einem Losverfahren teilnehmen und zu einem Frühstück mit Infantino in Genf geladen werden. Die Sieger können selbstverständlich auch absagen.
Eine andere begehrte Quiz – Frage wird sein, die ich mal so formuliere: Welche Mannschaft hat 1958 im Spiel El Salvadors gegen die Fidschi – Inseln gesiegt? Der Sieger wird zu einem Wochenende ins leider wieder mal sehr diktatorische El Salvador in Mittelamerika eingeladen. Absagen der Gewinner sind – Stand jetzt – sehr ratsam, um nicht durch Zufall in einem der berechtigten Massen – Gefängnisse des Präsidenten zu laden.

8.
Der längste Flachbau auf der großen Tempelanlage der „säkularen Götter“ wird der Gestalt eines iPhones sehr deutlich nachempfunden sein. Von 1000 angebrachten iPhones werden die Tempelbesucher permanent berieselt mit Life – Plaudereien von iPhonenutzern aus aller Welt in mindestens 100 verschiedenen Sprachen. So wird Kakophonie in Kalophonie umgewidmet. Ob die Tempelbesucher die eigenen iPhones oder die Handys am Tempeleingang abgeben müssen, um möglichstnvom eigenen Trieb des Klickens nicht verführt zu werden, darüber wird noch der Bundestag entscheiden.

9.
Ganz im klassischen Bordell – Rot, wir sagen es ehrlich schon jetzt, wird es eine gewaltige begehbare Penis – Nachbildung im Tempel – Park geben. Aus dem „Milieu“ kommt bereits der Vorschlag, diesen Tempel, gelagert im spirituellen Zentrum des Tempelbezirks der säkularen Götter, entweder „Sanctus Penis“ oder „Sanca Vulva“ zu nennen… Um Orgien in diesem Tempel einzugrenzen, sollen die in der Szene bekannten „Schwestern vom Orden der perpetuellen Indulgenz“ ein bißchen für erotischen Anstand sorgen.

10.
Polytheistische Ordnungskräfte werden einen weiteren, allerdings hoch umstrittenen Tempel sichern müssen: Den Tempel des viel gesichtigen Gottes Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Dieser Gott als Einheit vieler Götter prägt die Geschichte der Menschheit seit Jahrhunderten, deswegen muss in einem eigenen Tempel daran erinnert werden. Von außen wird er – für Demokraten – betont häßlich sein, die Frage braun dominiert, Innen ist alles schwarz gehalten.
Eine explizite, verbale Verehrung dieser Götter ist in diesem Tempel untersagt. Er soll ein Tempel des Abscheus, des Neinsagens, vielleicht der Bekehrung zum wahren Menschsein werden. Rechtsradikale Parteien in Europa, also die AFD, die Le – Pen – Partei „Rassemblement National“ oder die spanische VOX Partei , aber auch Teil der US – MAGA – Bewegung planen – unterstützt von ihren Freunden in Millionärs-Kreisen, ihren eigenen, alternativen Tempel in der Nähe zu bauen. Der Staatsschutz sollte ermitteln…
Jeder halbwegs vernünftig gebliebene weltliche Polytheist kann in diesem gewaltig braun – schwarzen Tempel öffentlich seinem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, der Homophobie abschwören, er empfängt danach von den stets anwesenden Priestern, „Counselors“ genannt, eine schöne, gut lesbare Ausgabe der „Erklärung der Menschenrechte“ von 1948. In einem Nebentempel werden übrigens die heiligen Rüstungsfirmen sich verehren lassen, Details werden noch ausgearbeitet. In jedem Fall werden die neuesten Panzer zur Bewunderung und Verehrung bereit stehen. „Mehr Geld für die Rüstung“ steht über dem Eingang!

11.
Selbstverständlich wird es einen Tempel zu Ehren des heiligen Autos geben. Dem Mercedes- Stern nachempfunden wird dieser Tempel errichtet, wer ihn von der zentralen der Mitte aus betritt, wird sofort von den allerneuesten Mercedes der S Klasse empfangen, auch der Merceds – Maybach S- Klasse. Die Frommen dürfen selbstverständlich diese Prachtexemplare lange Zeit streicheln, sie dürfen die Auto – Türen berühren, gegen Spenden für die Firma Mercedes (!) darf man auch ein paar Minuten innen im Auto sitzen, das Lenkrad umarmen, die Sitze bewundern. Lautes Jubeln ist erwünscht, auch das „großartig“ Rufen. Es stehen vor einigen einigen Limousinen auch Kissen bereit für Fromme, die vor dem Mercedes niederknien möchten. Kein Mann muss sich seiner Tränen der Freude schämen. Ob BMW im Tempel auch zugelassen wird, entscheiden zur Zeit die Gerichte…

12.
Wie schon angedeutet: In jedem der vielen Einzeltempel werden dem jeweiligen Gott entsprechend rituelle und kultische Vollzüge möglich sein, auch Sühneriten und Reue – Bekenntnisse sind möglich. Es stehen auch entsprechende „Priester“, hier „Counselors genannt, hilfreich und kenntnisreich zur Verfügung. So kann im Tempel zu Ehren des Gottes Geld der besonders Geld – Gierige, der Spekulant, symbolisch ein paar echte 10 Euro – oder 50 Euro Scheine auf einem Gold-Schälchen andächtig verbrennen, auf Wunsch auch mit Weihrauch Düften, um seinen Abschied von der Geld – Gier auszudrücken. Wer hingegen immer mehr Geld für sich wünscht, kann in Opferschalen einige hundert Euros als Spende hinterlassen, die ausschließlich zur Stütze der bedrohten Banken in Deutschland verwendet wird.

Nur dies noch: Wer von der Sucht befreit werden will, permanent seinem Gott Fussball zu dienen, also ständig Fußball im Fernsehen zu sehen, so oft Unsummen schwer verdienten Geldes fürs Stadion und den Club auszugeben, der kann im Vorraum des Tempels einen preiswerten Fußball kaufen und ihn im Tempel öffentlich vor aller Augen zertreten. Sozusagen als Ritus der Bekehrung und Befreiung von diesem zwanghaften, also letztlich lästigen und langweiligen Gott Fußball. Beim Zertreten des Balls muss der Gläubige allerdings schreien: „Ich will niemals mehr dem Gott Fußball dienen“. Dieses Versprechen wird selbstverständlich bei der üblichen Liberalität des polytheistischen Tempels nicht überprüft.
Die vielen unbeirrbaren Verehrer des Gottes Fußball können teure Memorabilien („Reliquien“) von weltberühmten Fußballer – Stars erwerben, etwa den kleinen Rest eines Schnürsenkels von Pelé oder den Fetzen aus einer Unterhose vom Star Cristiano Ronaldo.

13.
Das Projekt kann jetzt schon finanziell unterstützt werden, der Name besonders großzügiger Spender wird an der zentralen Tempel – Eingangstür eingraviert. Zu den wirklich bedeutenden, vom Projekt restlos begeisterten Förderern gehören bereits die Banken, große Immobilien-Konzerne, Hotelketten, Inhaber der großen Smartphones usw. Sie alle sind ja längst als strenge Gläubige eines der säkularen Götter bekannt. Eventuell geht der bislang unbekannte Betreiber dieses „Tempel der vielen säkularen Götter in Berlin“ auch an die Börse.
In jedem Fall sind bereits Sonderzüge der Bundesbahn nach Berlin geplant .. allein dieses Tempels wegen. Deswegen wird der Flughafen BER auch endlich stärker die internationalen Connections ausbauen. Der säkulare Polytheismus verspricht der Stadt Berlin wieder mehr Geld in die Kassen zu spielen…

14.
Die (monotheistischen) Kirchen in Berlin sind sehr irritiert vom Projekt des wahrlich nur monumental zu nennenden Tempels der weltlichen Götter: Die Kirchen sagen sich: Wir katholischen und evangelischen Kirchenführer schließen seit einigen Jahren unsere Tempel, unsere Kirchen, wir verkaufen sie, wir reißen sie ab: Was machen wir nur falsch? Und die säkularen Polytheisten bauen eine riesige Tempelanlage, weil sie so viele Gläubige haben.

Nebenbei: Unser Ratschlag an die Kirchen: Sie sollten bedenken, dass auch ihre führenden Kleriker oft auf der Spur der säkularen Götterverehrung (Geld, Macht, Kriege.. ) lebten. Man denke nur an die Päpste der Renaissance und sehe die prächtigen Kardinals – und Bischofs- Residenzen, die immer noch bewohnt werden trotz der vielen Kirchenaustritte: Aus diesen Palästen wollen die Kleriker jedenfalls – bis jetzt – nicht ausziehen und in kleine Wohnungen umziehen. Diese Residenzen werden sicher in 30 Jahren zu Tempel – Museen des einstigen klerikalen Monotheismus werden..

15.
Es bleibt für die Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie ein dringendes Thema: Welche Bedeutung haben die hier genannten säkularen Götter für die Lebensgestaltung? Sind diese Götter befreiend, orientierend für ein humanes Leben, das den Namen verdient? Der alte „klassische“ Vorwurf atheistischer Kreise war: Die monotheistischen Religionen sind zu autoritär, gegen die Emanzipation eingestellt usw. Aber was trennt die polytheistischen säkularen, bekanntlich von Menschen gemachten Götter von dem monotheistischen Gott der Bibel? Ist nicht auch er von Menschen gemacht, vielleicht nur mit Hilfe des heiligen Geistes, wie die Dogmatik sagt? Aber wer weiß das schon genau? Und auch dies: Sind die polytheistischen Götter etwa fü rdie Emanzipation, für die Demokratie, für die universelle Gerechtigkeit? Ich fürchte die Antwort ist klar, sie heißt NEIN.
Der schöpferische Mensch schafft sich Gott und Götter. Die Differenz zwischen einem Gott der Monotheisten und einem Gott der Polytheisten, ob säkularer religiös, muss jeder Mensch für sich erkennen. Und sich entscheiden für ein Leben in Freiheit.

16.
Es muss daran erinnert werden, dass etliche Philosophen, Journalisten, Dichter und Denker usw. im 20. Jahrhundert explizit und kämpferisch den Polytheismus verteidigten und lobten, durchaus polemisch als angeblich einzig humane Alternative zum Monotheismus. Man denke an die „Nouvelle Droite“ und ihre Meisterdenker seit den 1970Jahren in Frankreich, etwa an Alain de Benoist, dessen Plädoyer für das polytheistische „Heide-Sein“ auch auf Deutsch 1982 als Buch erschien. Die „Konservative Revolution“ der rechten und rechtsextremen Meisterdenker liebt den Polytheismus.
Der bekannte Philosoph Odo Marquard (1926 – 2015) muss hier erwähnt werden: Allzu schnell übersieht man dessen reaktionäre Positionen angesichts seiner leicht zugänglichen, manchmal gewollte witzigen Redeweise. Udo Marquard hat sich in seinem Vortrag in Berlin im Jahr 1978 zu einem „Lob des Polytheismus“ hinreißen lassen (veröffentlicht in „Abschied vom Prinzipiellen“, Reclam, 1981). Und dabei behauptet, die demokratische politische Gewaltenteilung sei „ein aufgeklärter – säkularisierter – Polytheismus.“ (Seite 107). Also die für die Demokratie entscheidende Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive, Judikative – seien nur – wie im Polytheismus üblich – mögliche und immer revidierbare „Göttergestalten“ … diese drei demokratischen Gewalten nennt Marquard tatsächlich allen ernstes Götter (S. 107). Aber: Diese Gewaltenteilung ist von der Vernunft universell begründet und tatsächlich absolut fürs Leben der Demokratie geboten. Gewaltenteilung in der Demokratie ist kein möglicherweise auch wieder abzuschaffender oder abzulehnender Gott im polytheistischen Götterhimmel.
Und Odo Marquard schämt sich in dem von ihm diskutieren Zusammenhang von Polytheismus und Mythos nicht, den tatsächlich „berühmten“ Nazi-Philosophen Alfred Baeumler als Zeugen zu erwähnen, in einem Atemzug mit dem ganz anders denkenden Philosophen Roland Barthes. Jedenfalls steht für Marquard, den Schüler des ebenfalls viel zitierten Nazi-Philosophen Joachim Ritter (Uni Münster) fest: „Die Philosophie muss ihre Kollaboration mit dem Mono-Mythos (gemeint ist der Monotheismus der Juden und Christen) beenden“, so Marquard ziemlich rigoros, was er sonst ja nicht sein will…(S. 110).
Jedenfalls haben kompetente Wissenschaftler das Schwadronieren Marquards zum „Lob des Polytheismus“ differenziert zurückgewiesen, etwa die Historiker Jan Assmann und Arnold Angenendt.

17.
Der neue Tempel des säkularen, weltlichen Polytheismus trifft also eine zentrale Stimmung, Mentalität. Mit dem säkularen Viel – Götter – Glauben ist eine Auseinandersetzung geboten… zumal mit dem explizit politischen Viel – Götter – Glauben … bevor es zu spät ist und die AFD die „Kulturpolitik“ beherrscht.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

 

Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!

„Mit Gott gegen die Demokratie“ – Das neue wichtige Buch von Arnd Henze über die USA
Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6. 2026

1.
Der 4. Juli 2026 ist der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Ein ganz großer Feiertag, hoffentlich dort auch ein Gedenk-Tag. Der 4. Juli ist für die Trump – Regierung und seine nationalistische MAGA-Bewegung von höchster Bedeutung. Sie werden den tiefgreifenden Umbruch in der Geschichte der USA feiern, also die neue antidemokratische „Ordnung“, die sie in den Jahren der Trump Herrschaft durchgesetzt haben. Seinen Sieg verdanken Trump und die Seinen vor allem auch den extrem wütenden „white evangelikal Christians“. „Sie lieben Trump nicht trotz, sondern wegen seiner tiefen Verachtung für alle Grenzen des Rechts und des Anstands“, schreibt Arnd Henze in seinem wichtigen Buch (S.10).

2.
Es ist also nicht nur naheliegend, sondern geboten, die für Europäer kaum vorstellbar große Bedeutung des Christentums in den USA heute zur Kenntnis zu nehmen, auch die kaum zu überblickende Vielfalt der Konfessionen dort – oder der Vereine, die sich Kirchen nennen. Auch wenn die Zahl der Konfessionslosen und Atheisten sogar in den USA stetig steigt, 2026 nennen sich etwa 29 Prozent der US-Bürger „Konfessionslos“ („Nones“): Die nationalistischen Politiker brauchen auch heute den sich christlich nennenden religiösen Fundamentalismus als ideologisches Schmiermittel für ihre menschenverachtenden Politik. Nur mit ihrem diffusen und jeglicher Rationalität entbehrenden christlich genannten Glauben können sie den Nebel erzeugen, den sie für ihre menschenverachtende Innen – wie Außen – und Kriegs-Politik benötigen.

3.
Man achte darauf, dass Präsident Trump als oberster Chef der viel gerühmten US-Demokratie von Friedensforschern heute als ein neuer Warlord, als „Kriegsherren“, eingereiht wird in die lange Liste ähnlicher Machthaber, wie Putin, Netanyahu und viele Herrscher im Nahen Osten oder in Afrika. Das entsprechende „Friedensgutachten“ der Friedensforscher wurde im Juni 2026 veröffentlicht, pünktlich als wissenschaftliche Einschätzung des Krieges von Netanjahu und Trump gegen den Iran, ein Krieg, der minimale Erfolge für die USA und Israel „gebracht“ hat. Diese werden aber von Trump in seinem Größenwahn als Siege verkündet, bloß weil das Benzin wieder billiger ist. Warlords sind kriegerische Herrscher, sie inszenieren ihre Kriege, wie es ihnen gerade nach Laune in den Kram passt, um es drastisch zu sagen. Der menschliche Schaden ihrer zudem noch schlecht vorbereiteten Kriege ist ihnen egal. Warlords wie Trump sind die Zerstörer der internationalen Ordnung, ein Kommentar: .LINK …  Der Text der Friedensforscher: LINK 
Dieser Warlord, US – Präsident Donald Trump, wird, wie gesagt, von evangelikalen und anderen rechtsextremen Christen wie ein Heilsbringer verehrt.

4.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ zeigt nicht etwa nur ein begrenztes religionskritisches oder theologiewissenschaftliches Problem, es bewegt nicht nur Fachleute: Der Untertitel heißt: „Warum der christliche Nationalismus alle angeht“. Erschienen ist das Buch im Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage auch im Jahr 2026.
Zur Ermunterung: Das Buch ist sehr gut geschrieben, sehr gut zugänglich, es hat 218 Seiten und kostet nur 20 Euro.

5.
Arnd Henze ist ein herausragender Kenner der Kirchen in den USA, seit vielen Jahren recherchiert er regelmäßig in den Vereinigten Staaten, er ist Journalist beim WDR. Ihm liegt auch als protestantischen Theologen daran, die Welt der vielen evangelikalen Kirchen n den USA verständlich zu machen, aber er lädt die Leserinnen auch ein wahrzunehmen, dass immer noch der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Konfessionen in den USA aktiv sind – auch im Widerstand gegen das Trump -Regime.
Wie meinen auch nach der Lektüre des Buches: Das Christentum ist in den USA so tief gespalten, dass die Idee einer christlichen Einheit aller Kirchen wie eine absolut ferne Utopie erscheinen muss. Diese Einheit könnte nur entstehen, wenn die Evangelikalen und ihre Netzwerke zur theologischen Vernunft kommen UND ihre reaktionäre nationalistische, und das ist immer auch egoistische Präferenz zugunsten der Menschenrechte aufgeben. Es ist bei den „white evangelikal Christians“ diese Verklammerung von reaktionär – fundamentalistisch christlich mit reaktionär – nationalistisch politisch, die wenig Hoffnung macht auf eine Wiederkehr der Demokratie in den USA. Dass auch etwa 60 Prozent der „white catholics“ für Trump gestimmt haben, betont Arnd Henze, aber viele von ihnen sind wohl durch ihre Bindung an die Autorität des Papstes in ihrer totalen Hingabe an Trump und CO. gebremst…

6.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel „Die Zeit der Rache“ wird der christlich nationalistische Glaube einiger führender Mitarbeiter im unmittelbaren Umfeld von Trump analysiert. Im 2. Kapitel wird die auch für Deutschland heute wichtige Frage gestellt „Wiederholt sich die Geschichte?“, werden also die Rechtsradikalen schon wieder siegen? Und dann das genauso wichtige dritte Kapitel: „Wie sich Demokratie retten lässt“. Da kann Arnd Henze einen gewissen Optimismus nicht verbergen, wenn denn die Midterms – Wahlen im November 2026 einen großen Aufschwung und Sieg der Demokraten bringen und der Widerstand der kritischen und demokratisch gesinnten Gemeinden nicht nachlässt… (Siehe LINK https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html)

7.
Wir können hier nicht die ausführlichen Analysen des Buches zusammenfassen. Als Inspiration zugunsten einer ausführlichen Buch – Lektüre nennen wir nur einige unserer Erkenntnisse im Werk Arnd Henzes.
Im ganzen gilt: Wie ideologisch leer und erbärmlich würden diese engsten Mitarbeiter Trumps dastehen, etwa Pete Hegseth, Stephen Miller, Russel Vought: Wenn es die Bibel nicht gäbe, dieses von ihnen ideologisch mißbrauchte Buch, das in sich nur in historisch-kritischer Lektüre erschließt, von den christlichen Trump – Ergebenen aber nur als Fundgrube für einige Zitate benutzt wird, die ihre menschenverachtende Politik verzieren.

8.
„Wir stehen auf der Seite Gottes“, sagt Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. Und zu seinen Feinden, den demokratisch Engagierten sagt er: „Ihr seid nichts. Ihr seid Bosheit. Ihr seid Hass… Wir werden die Kräfte der Finsternis und des Bösen besiegen..“ (S. 47). Stephen Miller ist allerdings kein Christ, wie alle engen Mitarbeiter in Trumps unmittelbaren Regime, er gehört zur jüdischen Gemeinschaft. Arnd Henze nennt ihn treffend. „Technokrat des Ausnahmezustandes“ (S. 43).
Dem Kapitel über den Verteidigungsminister Pete Hegeseth gibt Henze den treffenden Titel „ Der Posterboy des Christian Warriors“, des „Christlichen Kriegers.

9.
Für Peter Thiel, dem Tech – Milliardär und Investor im Silicon Valley sowie dem Mitbegründer des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, ist kein eigenes Kapitel gewidmet. Thiel wird allerdings im Kapitel über J.D.Vance erwähnt. Freiheit und Demokratie sind für Thiel nicht kompatibel. Der Milliardär unterstützte Trump mit Millionen, für Vance spendierte der Milliardär 15 MIllionen im Wahlkampf 2022. Thiel ist auch bekannt geworden wegen seiner heftigen apokalyptischen Fantasien zu einer bevorstehenden „End-Zeit“, die durch das Auftreten des Anti – Christen bestimmt sein wird, wenn nicht Widerstand geleistet wird. In Trump sieht Thiel den entscheidenden Kämpfer gegen den Antichristen…Denn er kann die Tech-Konzerne als Organisationen des Widerstandes gegen den Antichristenn „von allen regulatorischen Hürden befreien“ (S. 54), also die Monopol – Stellung der Tech – Konzerne definitiv durchsetzen.
Peter Thiel und Vizepräsident J.D. Vance kennen sich seit etlichen Jahren. Die entscheidende Begegnung fand 2011 statt. Thiel wurde der „berufliche, religiöse und politischer Mentor“ von Vance, betont Henze (S. 53). Vance entwickelte eine „bedingungslose Loyalität zum Tech -Milliardär“(ebd.) .
Konkurrenz in der Wirtschaft lehnt Thiel ab: „Nur Monopole seien erfolgreich“(S. 54), d.h. sie bringen den gewünschten großen Gewinn fürs eigene Konto.
Zur Glaubenshaltung des zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten J.D. Vance schreibt Henze: J.D. Vance glaubt an einen „Identitäten Katholizismus“. Seltsamerweise lebt er aber mit seiner Ehefrau eine gar nicht so katholisch-identitäre Ehe: Denn Usha Chilukuri Vance ist überzeugte Hinduistin… Immerhin: Die Kinder sind katholisch getauft, die klassische päpstliche Forderung in Mischehen wird also befolgt!

Ende Juni 2026 hat Vance sein neues Buch vorgelegt mit dem Titel „Communion – Finding my way back to faith“ (Harper, New York). Eine Art Bekenntnisbuch, ein klein bißchen auch selbstkritisch, es erzählt von seiner Konversion, aber „man sollte das Buch weniger als Auseinandersetzung mit dem Katholizismus lesen“ statt dessen mehr als ein moralisch gefärbtes Bewerbungsschreiben um das Amt des Präsidenten verstehen, bewertet Christiane Lutz in einer ausführlichen Rezension in der Süddeutschen Zeitung (20./21. Juni 2026, S. 19) das Opus von 304 Seiten. Aber eins steht nach wie vor fest für Vance: „Das Fehlen christlicher Werte ist einer der Gründe, warum es mit der westlichen Welt bergab geht“ (Christiane Lutz). Er sorgt ja mit Trump und Seinen für diese „Werte“…
Aus aktuellem Anlass nebenbei: Es gibt offensichtlich eine Verbindung des CDU Politikers Jens Spahn mit dem privaten Netzwerk von Peter Thiel siehe: Tagesspiegel, 18.Juni 2026, LINK.

10.
Im Kapitel über Trump ist wichtig: Mit Trump geschieht die „finale Absage an den demokratischen Rechtsstaat“ (S.162). ..„In all dem sehe ich wesentliche Merkmale eines autoritären und faschistischen Staates“ (ebd.) . Wichtig ist: Trump und seine nationalistischen engen Mitarbeiter glauben an das „wirkungsmächtige Narrativ der religiösen rechten, dem Seven Mountains Mandat“ (S. 13). Das heißt: Die Leute meinen, in sieben Bereichen („Mountains“, Bergen) müsse das Christentum herrschen: In der Religion, der Familie, der Bildung, der Regierung, in den Medien, der Wirtschaft und in Kunst und Kultur. (S. 13) Also: In allen Bereichen sollen die Grundsätze des Christentums (so, wie es de Nationalisten verstehen) herrschen. Christus soll als der „oberste König“ über dem Staat stehen: „Ein solches totalitäres Gesellschaftsbild kann nur in einer Diktatur verwirklicht werden…dahinter steht der Ruf nach einer Theokratie als Herrschaftsinstrumentarium des 21. Jahrhunderts“ (S. 13).

11.
Arnd Henze erinnert daran, dass der international geschätzte Historiker Timothy Snyder schon 2017 einen neuen, durchaus originellen wie treffenden Begriff für das Trump -Regime wählte, der das ganze Verstörende dieser Herrschaft – besonders in den Innenpolitik – gültig und treffend zusammenfasst: Es ist der Begriff „Sadopopulismus“. Das heißt: Der rechtsextreme Populismus im Trump Regime und der MAGA Bewegung ist sadistisch bestimmt: Also: Diese regierenden Herren wollen mit ihrer Politik bewusst und gezielt die Schwachen quälen: Arme, Ausländer, Eingewanderte, Farbige, die weite Gemeinschaft der Queers usw. und auch die Millionen Armen in der sogenannten Dritten Welt, die auf Befehl Trumps keine Hilfe mehr von USAID erhalten und so bewusst von Trump und den Seinen in den Hungertod geschickt werden.
Die von Trump und Co. inszenierte sadistische Qual bedeutet für die Menschen in den USA: Das Regime will die genannten Armen weiter tief unten halten im Elend, am liebsten viele aus den USA mit brutaler Gewalt (siehe die Untaten der Grenzschutzbehörde ICE) rausschmeißen. Und statt de facto wird aller Reichtum für die bisher schon Reichen, die Millionäre und Milliardäre, durch eine „Steuerpolitik“ vermehrt.

12.
Der Begriff Sadopopulismus hat – dem Tool folgend – eine perverse Nuance: Denn dieser Sadismus setzt eine Hierarchie von Grausamkeiten gegenüber den vielen Armen voraus: „Die eigenen Schmerzen werden erträglich, weil man anderen zusehen kann, die es viel heftiger trifft. Die Regierung lässt dich zwar (ökonomisch) leiden, etwa die schlecht bezahlten Arbeiter, also möchtest du sadistisch, dass andere noch mehr leiden als du“ (S. 155). Diese gezielt eingesetzten, abgestuften Leidenserfahrungen in der Gesellschaft der USA führen „zur Zerstörung jeder Vorstellung von Gesellschaft als einem sozialen Raum, und in dem es um eine bessere Zukunft für uns alle geht“ (ebd.)

13.
Einige unserer FRAGEN, angestoßen durch das Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“:
Wie verhalten sich evangelikale Kreise in der EKD, wie evangelikale, selbständige Kirchen in der BRD, etwa die Baptisten, zu ihren nationalistischen rechtsextremen „Mitchristen“ in den USA? Welche Distanzierungen als öffentliche Stellungnahmen liegen da schon vor?

Warum gibt es offenbar wenig Solidarität der protestantischen Gemeinden etwa in Deutschland mit den Trump – widerstehenden KirchenGemeinden und Organisationen (etwa die unterreligiöse Gruppe „Poor People´s Campaign“) in den USA?

Wie wird die richtige Erkenntnis von Arnd Henze in kirchlichen und theologischen Kreisen in Deutschland aufgenommen: „Religionen, auch die Kirchen, tun der Förderung und für den Bestand der Demokratien NICHT gut“? Wie äußert sich Hartmut Rosa zu dieser richtigen Erkenntnis von Arnd Henze, die er ja nicht allein vertritt, siehe etwa Horst Dreier, Prof. u.a. für Rechtsphilosophie, in seinem Buch: „Staat ohne Gott“ (2018). Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat ja dafür plädiert, dass Demokratie zum eigenen Bestand die Kirchen braucht. LINK
In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2026, Seite 16, hingegen betont Henze: „Es fehlt jede empirische Evidenz dafür, dass Religion mit ihrem inhärenten Absolutheits – und Machtanspruch einer Demokratie guttut.“

Wie können demokratische Politiker in Europa, in Deutschland, den Umgang mit Trump und seinen engsten Mitarbeitern überhaupt ertragen, wenn sie wissen, was Arnd Henze ausführlich beweist: Eigentlich sind diese Trump – Leute erklärte Feinde der universell geltenden Menschenrechte? Sie sind, wie Henze treffend schreibt, „ohne moralische Maßstäbe“ (S. 161). Werden totale Selbstverleugnung und Schmeichelei gegenüber den angeblich allmächtigen Herrschern im Trump Regime zu Voraussetzungen für Menschen, die in den Demokratien Europas noch als Politiker handeln wollen? Sollten nicht auch demokratische Politiker wie Propheten der Demokratie zu Trump sagen, das was Bischöfin Mariann Edgar Budde direkt zu Trump in der „Washington National Cathedral „am 21.1.2025 betonte: „Haben Sie Erbarmen, Mr. President“ (S. 178).

Arnd Henze weist in seinem Buch ausführlich auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1945 von den Nazis ermordet) hin, der – nach allen Mahnungen und Warnungen gegenüber einem Unrechtsregime – die Möglichkeit empfiehlt, diesem Unrechtsregime, so wörtlich, „in die Speichen zu greifen“, also diese Herrschaft zum Stehen – und damit vielleicht zum Verschwinden – zu bringen?

Was bedeutet diese kluge Erkenntnis Dietrich Bonhoeffers auch für Europa, auch für Deutschland, wenn Rechtsextreme immer deutlicher die Macht übernehmen wollen oder Politiker der rechten, sich christlich nennenden Parteien die Forderungen der Rechtsradikalen – etwa hinsichtlich der Flüchtlingspolitik – übernehmen, und mit dieser nachweislich erfolglosen Strategie keine Stimme etwa der AfD in die eigene Partei CDU/CSU ziehen.

Es wird oft – zumal in Deutschland – darüber diskutiert, ob man das Trump Regime faschistisch nennen darf oder nennen sollte. Arnd Henze argumentiert in der Frage differenziert.
Auch die Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ für die entstehenden Massenunterbringungen von Guantanamo Bay bis Alligator Alcatraz muss neu überdacht werden und die KZs in Nazi – Deutschland haben nicht „die Ehre“ einzigartig zu sein“, auch darauf weist Henze hin und erinnert an die zehn USA „Relocation Center“ für Japaner im 2. Weltkrieg oder an die Lager in den afrikanischen Kolonien der Europäer usw…

Eine interessante Parallele: In den USA fordern und fördern die rechtsextremen evangelikalen Kreise die von ihnen geleiteten Privatschulen sowie auch den Unterricht zuhause bei den eigenenEltern, „außerhalb staatlicher Strukuen und Kontrolle“ (S. 76). Auch mit den Millionen – Spenden – Einnahmen der evangelikalen Mega-Churches ist es gelungen, „ein Parallelimperium christlich – nationalistischer Bildungseinrichtungen zu schaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße `Untergrundarmee christlicher Krieger`, wie es der heutige Verteidigungs- (und Kriegs-) Minister Pete Hegseth martialisch auf den Punkt bringt“: (Arnd Henze in „Publik -Forum, Nr. 11, Juni 2026, S. 14).
Die AfD in Sachsen – Anhalt fordert auch die Stärkung des Unterrichts der Kinder durch die Eltern (Mütter) zu Hause… Die AfD behauptet, öffentliche Schulen verhindern die optimale Leistungsfähigkeit. In den öffentlichen Schulen würden vor allem den Kindern “fragwürdige Lebensansichten“ vermittelt. Eine Position, die sich mit den Evangelikalen und Rechtsradikalen in den USA deckt. Die AfD übernimmt bereits inhaltlich Ideologien der nationalistisch – christlichen Trump – Regierung.

Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 2026, 2. Auflage 2026, 224 Seiten, 20 €. Mit QR-Codes wird auf weiterführende audiovisuelle Quellen verwiesen!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de. in Berlin.

 

 

Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte heute!

Ein Hinweis – mit einigen zentralen Erkenntnissen zum Thema – von Christian Modehn am 14 .Juni 2026.

Und eine Ergänzung am 8. Juli 2026 zu katholischen rechtextremen Politikern in Lateinamerika (Nr. 9 in diesem Beitrag).

1.
Eindeutige Stellungnahmen zugunsten der universell geltenden Menschenrechte gibt es unter Katholiken und katholischen Organisationen nicht, auch heute nicht, im Jahr 2026.
Auch andere christliche Kirchen, andere Religionen, ignorieren die universell geltenden Menschenrechte. Von der „Entwicklung“ der russischen Orthodoxie unter Patriarch Kyrill I. zur PUTIN-Kirche wäre etwa zu sprechen, von den Evangelikalen in den USA als nationalistisch-christlicheStützen des Trump- Regimes usw.

Unser Thema aber ist:„Die Katholische Kirche und Menschenrechte“. Es folgen viele tausend Katholiken rechtsextremen Parteien überall in Europa und Amerika. Sie widersetzen sich der Ethik Jesu von Nazareth, der Ethik der Brüderlichkeit, Geschwisterlichkeit, sowie der vernünftigen Ethik der universell geltenden Menschenrechte.

2.
Der Umgang mit den Menschenrechten ist in der katholischen Kirchenführung zwiespältig bis heute:
Oft sind auch die Päpste in den letzten 70 Jahren in ihren politischen Statements – etwa auf Auslandsreisen – für die Menschenrechte eingetreten. Dabei aber wurde von ihnen die Erkenntnis beiseite geschoben: Der Papst – Staat „Vatikanstaat“/„Heiliger Stuhl“ hat die Erklärung der Menschenrechte von 1948 nicht unterzeichnet. Schlimmer noch: In der katholischen Kirche selbst gelten die Menschenrechte nicht: Umfassende Menschenrechte für Frauen („Gleichheit“) gibt es nicht. Homosexuelle werden im offiziellen Katechismus als Katholiken „2. Klasse“ bewertet. Ihnen wird deswegen eine angemessene feierliche Form der Segnung ihrer Partnerschaft oder Ehe in den Kirchen verweigert. In Afrika, etwa Uganda, Kenia, Ghana, Simbabwe usw. sind katholische Bischöfe alles andere als mutige Verteidiger der Menschenrechte für Homosexuelle gegenüber den autoritär regierenden schwulenfeindlichen Regierungen dort.
Der Katholizismus ist also in seiner Akzeptanz der universell geltenden Menschen gespalten, in der Theorie wie in der Praxis. Und weil das so ist, finden rechtsextreme Ideologien unter Katholiken immer wieder viele Anhänger und Sympathisanten.

3.
Die Katholische Kirche definiert sich selbst auch heute noch explizit als eine „nicht-demokratische“ Organisation: KatholikInnen werden von Gesetzen beherrscht, die von Klerikern erdacht wurden, sie sind nach wie vor bestimmend, trotz aller „verständnisvoller“ Debatten mit Laien. Die Theologie, die diese Herrschaft der Papstkirche zementiert, ist fundamentalistisch, ignorant gegenüber den wissenschaftlichen Forschungen der Bibelwissenschaften. Es ist in der Kirchenführung überhaupt nicht üblich, Bibelverse, die angeblich klerikale Herrschaft ausdrücken, kritisch, im historischem Kontext, richtig zu verstehen. Die Papstkirche glaubt, ohne Respekt zugunsten der theologischen und bibelwissenschaftlichen Forschung, herrschen zu können.

4.
Päpste nennen ihre Regierungsform selbst (naiv oder stolz?) eine „absolute Wahl – Monarchie“. Gewählt wird dieser Monarch, der Papst, von einer Gruppe von Männern, Kardinälen, die sich selbst permanent intern erneuern, einzig erwählt durch die Ernennung zu Kardinälen durch den Papst. Diese Monarchie ist ein stetiger, sich selbst aus sich selbst erneuernder klerikaler Kreislauf. Und dies sei von Gott persönlich so gewollt, sagen diese Herren…
Die Auswirkungen, die Konsequenzen dieser „absoluten Wahlmonarchie“ in einem demokratisch bestimmten Europa, fördern nur den Niedergang der Kirche: In Europa verlassen Katholiken zu hunderttausenden jährlich diese Kirche,: Diese Kirche erscheint ihnen völlig fremd in einer – noch zu verteidigenden – demokratischen Kultur, und sie ist oft stolz darauf! Den zahlenmäßig stets dokumentierten Niedergang der Kirche in Europa kennen die Päpste, aber sie entscheiden sich als Antwort darauf nicht für die grundlegende Reformation der Kirche. Die Kleriker suchen etwas Trost in den 10.000 oder 15.000 Erwachsenentaufen pro Jahr, etwa in Frankreich, sie ignorieren aber, dass dies nur eine geringe Anzahl ist verglichen mit dem Trend, dass viele Tausend in ganz Europa aus der Kirche „austreten“…

5.
Einige wichtige empirische, soziologische Tendenzen:
Theologisch ultra – konservative Rechtsextreme und ihre Organisationen versuchen die Kirche ihres jeweiligen Landes und darüber hinaus zu bestimmen, mit ihrem Geld, Einfluss und ihrer internationalen Vernetzung.
Das Problem für die Kirche und die Kirchenführung ist: Diese Katholiken so sehr sie sich als katholisch nach außen hin brüsten, widersetzen sich den Weisungen der Bischöfe.
Die „Oberhirten“ müssen pflichtbewusst – seit dem 2. Vatikanischen Konzil – in ihren politischen Erklärungen nach außen hin die Menschenrechte öffentlich verteidigen. Reaktionäre Katholiken lassen sich davon nicht beeindrucken.

5.1. FRANKREICH
Wichtig ist der Milliardär und Medienmogul Vincent Bolloré, über den wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon schon berichteten: LINK.

Das „Institut du Bon Pasteur“ , „Institut vom Guten Hirten“, (Zentrale in Bordeaux), ist eine traditionalistische Priestergemeinschaft, die sich aber nach Verhandlungen mit Ratzinger/Benedikt XVI. bereit fand, den Papst als obersten Chef anzuerkennen. Ihre traditionalistische Theologie verbreiten sie also weiter. „Der Gute Hirte“ hat ca. 70 Mitglieder, Tendenz steigend.
Das „Institut Christ Roi Souverain Prêtre“ hat da 150 Mitglieder, Tendenz steigend, international verbreitet, auch in Deutschland. LINK 

Es ist typisch für die religionspolitische Situation des Katholizismus in Frankreich: Es gibt zahlreiche Gruppen und Gemeinschaften, die sich als absolut papsttreu definieren, aber tatsächlich eine starke Neigung zu politisch identitären Ideen und Parteien haben. Es handelt sich sozusagen um die Grauzone zwischen papsttreu und sehr rechtslastig, rechtsextrem. Dazu zählen kritische, also nich von der Kirche abhängige Beobachter die zahlenmäßig stest wachsende Gemeinscaft St. Martin. Wikipedia France schreibt u.a.: „Zusammen mit den Charismatikern bilden die restitutivistischen (also „zum alten Zustand der Kirche zurück“) Gruppen (Opus Dei, Gemeinschaft Saint-Martin, Gemeinschaft Saint-Jean, Legionäre Christi, Foyers de Charité) laut der Politikwissenschaftlerin Magali Della Sudda die Netzwerke des „Identitätskatholizismus“ , wobei die „Identitätskatholiken“ als diejenigen definiert werden, die „die Kirche in ihrem traditionellen Status als Wegweiser für die Gesellschaft“ wiederherstellen wollen.“ (https://fr.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_Saint-Martin, gelesen am 18.6.2026, Übersetzung des französischen Textes durch deepl.)

Wer die traditionalistische katholische Welt verstehen will, muss sich mit der Lefèbvre -Bewegung befassen, geführt von der „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ :

Die Pius Brüder und deren Gemeinden weltweit folgen der Lehre des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre. Für ihn ist die Ablehnung der Menschenrechte Mittelpunkt der Theologie, (Fußnote 1) und keineswegs nur, wie oft behauptet wird, ist es die Feier der lateinischen Messe in der Form des 16. Jahrhunderts..

Der Widerstand gegen die Menschenrechte, speziell gegen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, ist bis heute der Kampfplatz der Piusbrüder. Sie sind gegen die Anerkennung und Entwicklung der Rechte für (sexuelle) Minderheiten, gegen die Selbstbestimmung der Frauen, gegen die Integration und Gleichberechtigung von Flüchtlingen und Ausländern. Die Menschenrechte werden von der heutigen Leitung der Bruderschaft, etwa dem Generaloberen Davide Pagliarani, „als Ablenkung von der eigentlichen geistlichen Mission der Kirche“ abgelehnt.

Zur Erinnerung: Die Zurückweisung der Menschenrechte hat der Initiator dieser reaktionär katholischen Sonderkirche, Erzbischof Marcel Lefèbvre, mehrfach deutlich formuliert: Etwa in seinem Brief an Papst Johannes Paul II. vom 31. 8.1985 (Fußnote 3). Lefèbvre betont, es gebe ein göttliches Gesetz, das die Menschen zwinge (sic), dem katholischen Glauben anzugehören, freier Religionswahl widerspreche dem göttlichen Gebot. Das Gottesbild ist bezeichnend: Gott ZWINGT, so Lefèbvre, mit seinen Gesetzen….Lefèbvre formuliert seine Kritik: „Die Erklärung über die Religionsfreiheit des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965) räumt dem Menschen ein natürliches Recht ein, frei zu sein von dem ZWANG, den ihm das göttliche Recht auferlegt, dem katholischen Glauben anzugehören, um gerettet zu werden, also einem Zwang, der notwendig auch in den kirchlichen und weltlichen Gesetzen seinen Ausdruck findet, diese Gesetze sind der gesetzgeberischen Gewalt Unseres Herrn Jesus Christus unterworfen.“
Beim 2. Vatikanischen Konzil sammelt Lefèvre ca 70 Konzilsteilnehmer, Bischöfe, zu einem reaktionär – oppositionellen Arbeitskreis: Fußnote 2.

Dass die heutige Kirche nun alle Menschen von dem ZWANG befreit, unbedingt katholisch zu werden, also auf die freie Religionswahl zu verzichten, ist für Lefèbvre die Ursünde der Kirche des 20.Jahrhunderts. Er kann die Konzilserklärung „Über die Religionsfreiheit“ nur „eine gottlose und gotteslästerliche Erklärung“ nennen.
Die für Religionsfreiheit eintretende Erklärung der Kirche von 1965 sei, eine Art „vergiftete Quelle, um den erklärten Feinden der Kirche, um den Häretikern, den Schismatikern, den falschen Religionen und den erklärten Feinden der Kirche, wie den Juden, den Kommunisten und den Freimaurern willfährig zu sein.“ (S 278.)

Man vergesse nicht: Die Ablehnung der Menschenrechte ist bei Lefebvre und den Seinen stets explizit politisch motiviert. Diese Kreise – in Frankreich sind es über 100.000 Sympathisanten- unterstützen – theologisch indoktriniert – die rechtsradikalen Parteien, etwa in Frankreich die Le Pen Partei, jetzt RN, oder Reconquete…
Inzwischen gilt für die offizielle römische Kirche Marcel Lefèbvre als „Schismatiker“: Und zwar seit 1988, als er die unerlaubte Weihe von vier Pius- Brüder-Priestern zu Bischöfen vornahm. Dem katholischen Kirchenrecht entsprechend muss der Papst diese unerlaubte Weihe aber als gültig anerkennen: Das heißt, die Schismatiker machen sich unerlaubt aber gültig in der offiziellen Kirche breit…

Und nun werden diese Bischöfe, erneut eigenmächtig und unerlaubt, vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Am 1.7. 2026 wird in Econe, Schweiz, dieser Akt geschehen, der automatisch die Exkommunikation vonseiten des Papstes nach sich zieht. Durch diese Bischofsweihe will diese reaktionär-katholische Kirche ihr kirchenrechtliches Überleben sichern: Denn ohne gültig geweihte Bischöfe kann es keine sich katholisch nennende Kirche geben, und darauf legen dien Piusbrüder allen Wert.

5.2. POLEN:
Mehrere Organisationen verbinden katholischen Glauben mit heftigem Nationalismus und der Ablehnung der universell geltenden Menschenrechte:

„Młodzież Wszechpolska“ („Allpolnische Jugend“). Die „Allpolnische Jugend“ ist eine nationale katholische Organisation, sie sieht in ihrem Gott den höchsten universellen Wert, der eine zentrale politische Bedeutung hat. „Diese Organisation unterstützt den Aufbau des katholischen Staates der polnischen Nation, der zu einer Säule der lateinischen Zivilisation werden soll. Die Nation, eine Gemeinschaft aus Glauben, Geschichte, Kultur, Land, Sprache und Bräuchen, wird von der Allpolnischen Jugend als der höchste zeitliche Wert anerkannt.“  LINK. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Allpolnische_Jugend

„Ordo Iuris“ ist eine ultrakonservative katholische juristische Organisation: Siehe den wikipedia Beitrag: LINK https://en.wikipedia.org/wiki/Ordo_Iuris.
Die Stiftung „Ordo Iuris“,“Rechtsordnung“, wurde 2013 gegründet, leistet Lobbyarbeit für traditionell katholische Ziele. Sie unterstützt Abtreibungsgegner und will die Ehe – und Familienpolitik bestimmen. Dabei versucht sie, Einfluss auf Behörden und Politik zu nehmen und ihre fundamentalistische Weltanschauung im Gesetz zu verankern.“ (Quelle: MDR, 7.3.2023).

Radio Maryja, das rechtsextrem nationalistische z. T. Antisemitsche – katholische Mediennetzwerk in Torun. Darüber haben wir mehrfach berichtet. LINK

5.3. ITALIEN:
Etwa 70 Prozent der ItalienerInnen nennen sich katholisch. Rechtsextreme Katholiken sammeln sich vor allem in den entsprechenden Parteien, die die universell geltenden Menschenrechte theoretisch wie praktisch ablehnen.

Die „Lega“: Matteo Salvini hat als Chef dieser einstigen Regionalpartei diese „Lega“ zu einer rechtspopulistischen und nationalistischen Kraft umgewandelt. Sie will die „christliche Identität“ Europas verteidigen — gegen den Islam und gegen die Flüchtlinge.……Bei der letzten italienischen Parlamentswahl (September 2022) erhielt die „Lega“ landesweit 8,77 Prozent der Stimmen.

Die „Fratelli d’Italia (FdI)“: Die Partei von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni; sie ist eine bekennende Katholikin mit nationalkonservativer Leidenschaft. Auch diese Partei betont – wie überall innrechtsextremen Kreisen üblich – den Schutz de traditionellen Familie, d.h. sie fördert die Bekämpfung der Abtreibung und will insgesamt die Verteidigung der so genannten christlichen Kultur.
„Gott, Familie, Vaterland“ ist das Motto der Partei, es galt bereits bereits für den Faschisten Mussolini und seine Partei. Bei den Parlamentswahlen 2022 erhielt die „Fratelli d Italien“ 26 % der Stimmen. Wegen der Familienpolitik und der Pro-Life-Bindung dieser Partei findet sie viel Zuspruch unter praktizierenden Katholiken. Praktizierende Katholiken haben viel zum Wahlsieg Melonies beigetragen: Quelle: https://it.finance.yahoo.com/notizie/lavoratori-autonomi-e-cattolici-portano-165706305.html)

5.4. PORTUGAL:
Die inzwischen sehr bedeutende rechtsextreme Partei in Portugal, mit der sich sehr viele Katholiken verbunden fühlen heißt „Chega!“ ( „Es reicht!“)
Chega! ist im Parlament fest etabliert als drittstärkste Partei. Bei den Präsidentschaftswahlen 2026 erhielt der Parteiführer André Ventura 33,3 Prozent der Stimmen. Parteichef Ventura hat katholische Theologie im Priesterseminar on Lissabon studiert, er hat das Theologiestudium abgebrochen… katholisch nennt er sich öffentlich immer noch. Er behauptet, von Gott zu seiner „politischen Mission“ berufen zu sein

5.5. SPANIEN:

In einem Interview erklärt Maria San Gil, stellvertretende Generalsekretärin des katholischen Laienverbandes `Asociacion Catolica de Propagandistas`, (Quelle: „Die Tagespost“, 5. 6.2026, S. 7.): „Man muss das Thema Einwanderung richtig einordnen. Unsere erste Verantwortung, das sagt auch der Katechismus, besteht darin, für die Unserer zu sorgen und unsere Familien zu unterstützen. Danach müssen wir uns selbstverständlich auch um den fremden kümmern. Aber zuerst müssen wir das Eigene schützen und stärken“. Bekenntnisse, die man aus Kreisen der identitären Bewegung kennt.
Die katholische „Propagandistin“ ist Mitglied der Partei PP, der konservativen Nachfolgepartei des faschistischen Staatschefs Franco. Die „Propagandistin“ vertritt mit ihrer Bevorzugung: „Zuerst kommen die eigenen Leute, also die Spanier“, letztlich auch die Überzeugung der neuen rechtsradikalen Partei VOX. Diese Partei hat viel Erfolg, zumal unter „praktizierenden Katholiken“. Etwa 20 Prozent der so genannten praktizierenden Katholiken wählten VOX. Die zentrale Ideologie von VOX: Spanier müssen bei der Vergabe von Sozialleistungen grundsätzlich bevorzugt werden….Die spanischen Bischöfe haben dem widersprochen..

6.
Wichtig ist: Diese Ideologien der sich katholisch nennenden Organisationen sind de facto mit der Ideologie der Identitären – Bewegung verbunden. Der Philosoph Micha Brumlik hat 2019 in einem Aufsatz die zentrale Aussage des führenden „Identitären“ Walter Spatz zitiert: `Der Sammelbegriff Mensch ist in seiner identitätären Bedeutsamkeit nur für die jeweilige Völker angebracht. Einen weltweiten An – und Zuspruch gibt es nicht. Dieser ist letztlich Ausdruck der Machenschaft einer abstrahierten Identität, die uns vom Eigenen trennt`“. (Das Zitat: „Gelassen in den Widerstand – Ein Gespräch über Heidegger“, Schnellroda 2015, S. 51. Das Zitat von Brumlik in „Das alte Denken der neuen Rechten“, 2019, S. 36).

7.
Ein Hinweis auch zu den USA. Der katholische us-amerikanische Vizepräsident J.D. Vance hat seine eigene, ihm politisch passende Deutung der universell geltenden Menschenrechte. Er meint: Das Evangelium befehle, zuerst die eigene Familie zu lieben, danach die Nachbarn, dann das eigene (weiß, us-amerikanische ) Volk und zum Schluß auch noch die anderen, die übrige Menschheit, also etwa die Fremden, Ausländer, Flüchtlinge. Sie verdienen am wenigsten „Liebe“. LINK : https://www.ewtnnews.com/world/us/what-is-the-ordo-amoris-jd-vances-comments-on-christian-love-spark-debate. Siehe auch Fußnote 4.

Zur Kritik an Vance durch Papst Franziskus LINK https://katholisch.de/artikel/59458-papst-schreibt-brandbrief-an-us-bischoefe-zu-trumps-deportationspolitik
Zur Kritik an Vance durch Papst Leo LINK. https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-05/papst-leo-kritik-donald-trump-jd-vance-migration

Beide Päpste haben dieser nationalistischen Interpretation des christlichen Aufforderung zu universell geltender Nächstenliebe widersprochen. Aber ohne Erfolg: Die MAGA Bewegung, zu der auch viele Katholiken gehören, rückt nicht ab von ihrer Ideologie eines menschenrechtsfeindlichen, sich christlich nennenden Nationalismus. LINK https://religionnews.com/2024/04/03/the-strange-world-of-catholic-christian-nationalism/

Zur ideologischen Trump – Bindung der katholischen Bischöfe der USA betont die katholische Theologin Prof. Hille Baker, Loyola University in Chicago: „Falls Trump durchregiert und freie Wahlen verhindern will, werden zwei Drittel der Bischofskonferenz still sein. Aber es gibt Bewegung unter den Bischöfen, die Papst Franziskus eingesetzt hat.“ (Publik Forum,  12. Juni 2026,.S. 18).

Von großer politischer Bedeutung sind einige katholische Intellektuelle:
Bei Gladden Pappin, Politikwissenschaftler und Publizist, wird die Ideologie des katholischen Integralismus sichtbar: Diese Lehre wird von etlichen konservativen Intellektuellen und rechtsextremen katholischen Organisationen vertreten: Danach soll die Kirche auch die Politik bestimmen, also die Organisation des Staates und seine Gesetze.
Die Ideologie von Pappin wird von der Theologin Michaela Quast-Neulinger Kommentiert: „Als eine Gefahr für Demokratie und Kirche hat die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger den Integralismus bezeichnet. Dieser stelle eine „Machtideologie“ dar, die darauf ziele, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens der katholischen Kirche zu unterwerfen. Damit stelle der Integralismus eine Spielart einer Politischen Theologie mit einer religiös-totalitären Stoßrichtung dar, führte Quast-Neulinger in Wien aus. Der Integralismus stehe in einem „massiven Widerspruch zur Gesamtheit der katholischen Lehre“ und stelle eine „antimodernistische Machtideologie“ dar, „die sich eine eigene Version des wahren katholischen Glaubens zurechtzimmert, um auf dieser Grundlage dann ein totalitäres Regime zu errichten“. (Quelle: LINK https://katholisch.de/artikel/67474-theologin-warnt-vor-gefahr-des-integralismuMichaela Quast-Neulinger)

Weitere katholische extrem rechte katholische Intellektuelle:
– Patrick Deneen, Professor an der University of Notre Dame
– Chad Pecknold: Theologieprofessor an der Catholic University of America in Washington, D.C
– Adrian Vermeule: Professor an der Harvard Law School.

Wichtig ist auch die von Katholiken geprägte „Heritage Foundation“, 1973 von Paul Weyrich gegründet, jetzt unter Leitung von Kevin Roberts, dem Opus Dei verbunden. Wichtig auch das vom Millionär Tim Busch zusammen mit dem Jesuiten Robert J. Spitzer 2011 gegründete NAPA-Institut
Ebenso: Die juristische Vereinigung `Federalist Society´, gegründet vom katholischen Juristen Leonard Leo: Er hat großen Einfluss, etwa zur Ernennung von Richtern auf Lebenszeit. Etwa 30 Prozent der von Trump ernannten Richterinnen und Richter und die Wahl von drei Obersten Verfassungsrichtern gehen auf die Vorschläge dieser ´Federalist Society´ zurück. Leonhard Leo ist auch mit dem Opus Dei verbunden, er gehört zum Vorstand des ´Catholic Information Center´ vom Opus Dei in Washington.

8.
Unser Thema „Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“ ist alles andere als ein „nur“ theologisches Problem. Es ist von größter politischer Relevanz, zumal diese Rechtsextremen ihre Ideologie auch politisch nicht nur in Europa und Amerika durchsetzen.
Diese Ideologie hat inzwischen eine solche Macht, dass demokratische Politiker und etliche ihrer Parteien die von Rechtsextremen propagierte Bedrohung der angeblich christlichen Kultur Europas durch Flüchtlinge übernehmen. Die entsprechenden Entscheidungen im EU Parlament im Juni 2026 geschahen in enger Zusammenarbeit von Rechtsextrem und sich christlich nennenden Parteien…Es gilt das „Gemeinsame Europäische Asylsystem“ GEAS, eine fundamentaleUmwälzung des Schutzsystems.

Die EU und ihre rechten und christlichen Parteien vor allem bauen nun Europa zu einer Festung aus: „Sich abschotten“ ist das zentrale Slogan, Sich abschotten gegen Fremde und Flüchtlinge.

9. Lateinamerika: 

Über den rechtsextremen Politiker und Katholiken, Mitglied der internationalen Schönstatt-Bewegung zur Verehrung der Jungfrau Maria, Antonio Kast in Chile, haben wir schon hingewiesen, jetzt ist Kast Präsident Chiles. LINK

Wichtig ist in dem Zusammenhang der argentinische Präisdent Javier Milei, seit Dezember 2023 im Amt. Milei werde katholisch getauft, sympathisiert aber jetzt laut eigenem Bekenntnis mit jüdischer Spiritualität. Im Juni 2024 wurde Milei von der sehr rechts-liberalen Hayek-Gesellschaft in Hamburg geehrt LINK.

Seit etwa 10 Jahren fördert die der CSU sehr verbundene Hans-Seidel-Stiftung Ausbildungsprogramme für den Verein „Frente Joven“, eine ultrakonservative Bewegung in Argentinien, die der Regierungspartei von Milei nahesteht.

Auch die Stiftung der FDP, die Friedrich Naumann Stiftung, ist in Argentinien zugunsten Mileis aktiv. „2016 förderten die Naumann-Stiftung und ihre argentinischen Freunde drei Persönlichkeiten, die später zu Schlüsselfiguren der Milei Partei „La Libertad avanza“ wurden… Derzeit (2025) unterstützt die FDP Naumann Stiftung den aktuellen Präsidenten Milei nicht ausdrücklich. Durch ihre Förderung hat sie in den vergangenen zehn Jahren aber maßgeblich dazu beigetragen, dass Milei vom Außenseiter zum Politiker wurde.“ (zit. in „Südlink – Magazin“, Nr. 211, März 2025, Seite 28 f. Ein Beitrag der Mitarbeiter der argentinischen Menschenrechtsorganisation CELS, Vanina Escales und Gariela Mitidieri.)

Zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch Milei: LINK 

Fußnote 1:
Man beachte, bei allem Respekt vor der viel zu späten Anerkennung der Menschenrechte durch das Konzil: Im Konzilsdekret von 1965 heißt es gleich zu Beginn, in §1, offenbar um die vielen katholischen reaktionären und konservativen Kreise etwas zu beruhigen: „Die einzige wahre Religion, so glauben wir Konzilsväter, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten“. Da wird also gleich zu Beginn, wie mit einem Paukenschlag, die vernünftige Aussage zur Religionsfreiheit wieder durch die alte, klassische Theologie relativiert.

Fußnote 2:
Lefebvre und sein Netzwerk:
Das Netzwerk der reaktionären Bischöfe nannte sich „Coetus Internationales Patrum“ (Internationaler Zusammenschluss der Väter), es hatte tatsächlich etwa 250 Mitglieder unter den bischöflichen Konzilsteilnehmern. Neben Erzbischof Marcel Lefebvre (CSSp) die Kardinäle Michael Browne (OP), Arcadio Larraona Saralegui, Antônio de Castro Mayer, Antonio Bacci sowie den brasilianischen Erzbischof Geraldo de Proença Sigaud (SVD) aus Diamantina. Sigaud nutzte seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken, um einen scharfen Kurs gegen den Kommunismus auf dem Konzil einzufordern. Er war einer der heftigsten Feindes des Befreiungstheologen und Erzbischofs Dom Helfer Camara. Sigaud nutzte dabei seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken…

Fußnote 3:
Marcel Lefèbvre: „Offener Brief an die ratlosen Katholiken“, 1986, Mediatrix – Verlag, Wien, S. 278.
Siehe auch zur Ablehnung der Religionsfreiheit durch Lefebvre: LINK.  https://fsspx.org/en/religious-liberty-contradicts-tradition-30142

Fußnote 4:
Zu Vance und dessen Papstkritik: LINK
https://katholisch.de/artikel/59858-bei-gebetsfruehstueck-us-vize-vance-kontert-papst-kritik-zu-migration

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon in Berlin

Die USA und Papst Leo haben ein gemeinsames Motto

Ein Hinweis von Christian Modehn am 11.5.2026

1.
Dieser Hinweis versteht sich als Marginalie, Randbemerkung. Aber vielleicht wird doch auf Wesentliches hingewiesen zur Konstruktion und zum Gebrauch von Ideologien.

Zentral ist die Erkenntnis: Was EINHEIT ist, und wie sich Einheit trotz Vielfalt verwirklicht, bestimmen einzig die Herrscher: In den USA die Präsidenten, siehe jetzt Trump, den Alleinherrscher. Siehe die Päpste in ihrer langen Geschichte mit den Verfolgungen von Häretikern, Schismatikern usw., Und, selbst wenn Papst Leo XIV. jetzt von Einheit in der Vielfalt redet: Die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Einheit der Vielen in dieser dann päpstlich durchgesetzten Einheit bestimmt nach wie vor allein der Papst. Er ist der Herr der Einheit (und meint, dies habe ihm Gott selbst so befohlen…)…Das heißt: Die Rede von Einheit ist eine Ideologeie dieser Herrschenden…

2.
Es gibt ein bislang nicht beachtete interessante inhaltliche Nähe, wenn nicht Verbundenheit und sogar Gemeinsamkeit: Das Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV.

3.
Das Motto der USA heißt offiziell seit dem 20.Juni 1782: „E pluribus unum“, das offiziell übersetzt wird: „Aus vielen eines“. Gemeint ist: Die 13 ursprünglichen Bundesstaaten definieren sich als eins, als eine Nation, trotz verschiedener Konfessionen.

4.
Das Motto („der Wahlspruch“) Papst Leo XIV., das er sich schon als Bischof in Chiclayo, Peru, gewählt hatte: „In illo uno unum“, das heißt: „In jenem Einen (gemeint ist Christus) eins“. Das bedeutet: „In Christus sind alle unterschiedlichen Christen (Leo meint wohl Katholiken) eins“. Hier wird die Einheit explizit theologisch begründet.

5.
Das US- Leitwort „E pluribus unum“ ist heute auf dem Großen Siegel der USA zu sehen und auf Münzen. Wer oder was die Grundlage dieser Einheit sein soll, wird nicht gesagt. 1956 wurde dieses Motto durch ein neues, jetzt bekannteres ergänzt: „In God we trust“. Wer ist dieser Gott, von dem da auf den Dollarnoten die Rede ist? Nicht der konfessionelle Gott einer Kirche. Es ist der überkonfessionelle Gott, eher eine Idee, und vielleicht ist das Geld, der Dollar, als Gott gemeint, sagen Kritiker.

6.
Das Motto Papst Leos, Mitglied des Augustinerordens, stammt selbstverständlich vom heiligen Augustinus. Das Motto stammt aus einer Predigt Augustins zu Psalms 127, einer Predigt, die er in Hippo (heute Algerien) oder auch in Karthago hielt. Der Theologe Notger Baumann, Uni Erfurt, interpretiert diesen Satz: „Die Einheit in Christus ist keine Uniformität. Die Vielheit der Christen wird nicht aufgehoben, sondern bleibt bestehen.“Notger Baumann erläutert den Kontext dieser Aussage Augustins: Der päpstliche Wahlspruch zitiert das Schlussglied einer Antithese:  „Aus nos multi in illo uno unum wird die Abbreviatur „in illo uno unum“. Also: Wir vielen Katholiken sind in jenem einen (Christus) eins…

Quelle:  https://www.uni-erfurt.de/katholisch-theologische-fakultaet/fakultaet/aktuelles/theologie-aktuell/der-wahlspruch-papst-leos-xiv.

7.
Das ist wichtig: Auch das Motto der USA von 1782 ist zwar auf den ersten Blick religiös neutral, hat aber deutliche Verbindungen zum Denken Augustins: Die so genannten Pilgerväter, die 1620 in die heutigen USA einwanderten, hatten eine gute Kenntnis des heiligen Augustinus. Und zwar durch Vermittlung des protestantischen Theologen und Reformators Jean Calvin, der ein Kenner und Verehrer Augustins war..Die Pilgerväter galten als strenge Calvinisten, sie hatten sich deswegen von der englischen Staatskirche losgesagt. Auffällig ist, dass das Motto der USA von 1782 in lateinischer Sprache formuliert wurde.

8.
Man kann also sagen: Das erste grundlegende Motto der USA und das Motto des us-amerikanischen Papstes Leo XIV. beziehen sich auf die gleiche Quelle, den heiligen Augustinus, und beide Mottos beschwören ein Einheit in der oder: trotz der Vielheit. Und beide Mottos haben ihre strengen Grenzen, sind verglichen mit der faktischen politischen Situation der USA und der faktischen Situation der vielen Katholiken in der Kirche nichts als eine Behauptung, die der Realität nicht entspricht. Manche sprechen auch von „Verschleierung“ der gewünschten Verhältnisse.

9.
Schon bei der Formulierung des Mottos der USA im Jahr 1782 gab es keine Einheit unter den Menschen, es herrschte noch die Sklaverei. Und niemand wird behaupten, dass unter dem Regime von Präsident Trump auch nur annähernd eine Einheit im pluralen amerikanischen Volk gegeben ist. Eher wird unter Trump und seinen Scharfmachern eine Art Bürgerkrieg betrieben.

10.
Und kein nachdenklicher Katholik und kein kritischer Katholischer Theologe wird im Ernst behaupten: Alle Katholiken sind eins, im Sinne von gleichberechtigt und gleich wertvoll. Die lange Liste der vom Papst und den Klerikern im Vatikan zugelassenen Diskriminierungen muss hier nicht noch einmal wiederholt werden, wir nennen nur den verheerenden Ausschluss von Frauen vom DiakonInnen-Amt und vom PriesterInnen-Amt.

11.
Was bringt also die Reflexion auf die offenbar inhaltlich gemeinsamen Mottos der USA und von Papst Leo XIV.? Die Reflexion zeigt: Beide Mottos sind von Herrschern ausgegebene „Fern-Ziel“-Vorstellungen, von denen beide, Politiker der USA wie der Papst wissen: Diese Vorstellungen werden wohl nie erfahrbare Realität für alle werden. Sie werden ausgegeben, verbreitet, propagiert, um im Volk, bei den Gläubigen, einen guten Eindruck zu machen.

12.
Als die USA-Politiker merkten: das alte Motto von 1782 ist politisch betrachtet nichts als eine ferne Utopie, gaben sie sich das Motto „In God we trust“, das machte sich auch gut als religiöse Kampfansage gegen den atheistischen Ost-Block und die Sowjetunion. Und schließlich vertraute ja auch ein Armer damals auf Gott, aber auf seinen Gott, wie auch die Politiker oder die Kapitalisten auf ihren Gott vertrauten. Mit diesem neuen Motto konnten die Politiker also nichts falsch machen. Und die Einheit des Volkes, auch als Gerechtigkeit, war vergessen…

13.
Und Papst Leo XIV.? Er pflegt sein Motto („Wahlspruch“ offiziell genannt) auf populäre Art, biedert sich durchaus beim frommen Volk etwas an, jetzt wieder in Neapel, bewirkt dort das Gennaro-Wunder, sagt fromme Sprüche, Friedensappelle, genießt populistische Verehrung (wegen seiner NIKE-Sneaker etwa …). ABER: Da, wo wirklich Einheit als Gleichberechtigung unter Katholiken und vor allem auch unter den getrennten Christen und Kirchen bewirkt werden sollte: Da herrscht das große übliche päpstliche Nein zu grundlegenden Reformen vor. Angeblich, so der Vatikan, würden die afrikanischen Katholiken diese Reformen nicht verstehen, man hält afrikanische Katholiken also für dumm…Als könnten sie nicht das univsersell geltende Menschenrecht auch für Homosexuelle verstehen und damit auch die Gleichberechtigung der Homosexuellen in der katholischen Kirche Afrikas.

14.
Darum merke: Glaube bloß nicht den Mottos der Staaten oder der Päpste. Es sind bestenfalls Wunschvorstellungen, Utopien, etwa auch „Liberté, Egalité, Fraternité“ in Frankreich: Diese drei Grundwerte der Republik bestehen auch dort nicht für alle Franzosen als Realität. Oder auch: Die Mottos des USA und des Papstes sind eigentlich – faktisch betrachtet – Hoffnungen, Utopien, vielleicht sogar Lügen, weil sie von Präsidenten und Päpsten doch nur behauptet, nicht aber umfassend realisiert werden.

15.
Vielleicht könnten sich Trump und Leo wegen des gemeinsamen Mottos des heiligen Augustinus verständigen? Leider kann aber Papst Leo nicht als Vorbild gegenüber Trump auftreten: Auch er als Papst tut ja nicht alles für eine wirkliche Einheit als Gleichberechtigung unter allen Katholiken und Christen… Wie kann er dann ernsthaft und glaubwürdig von Trump die Einheit im us-amerikanischen Volk oder auch eine friedliche Einheit der Menschheit ohne Krieg einfordern? Die viel gepriesene „moralische Instanz“ des Papstes, der Päpste, ist also sehr frag-würdig, eine bloße Behauptung. Seit welchem Jahrhundert können eigentlich Päpste „moralische Instanzen“ genannt werden? Papst Alexander VI. zum Beispiel war eher eine unmoralische Instanz, wie etliche andere Päpste auch.

16.

Solange die katholische Kirche in ihrer eigenen Lehre und Moral nicht die Menschenrechte umfassend für alle Katholiken respektiert, ist alles moralische Reden der Päpste und Bischöfe usw. unglaubwürdig und wirkungslos. Die Menschenrechte stehen ÜBER der kirchlichen Lehre und Moral. Wird das die katholischeKirchenführung jemals begreifen? Wir meinen: Nein, denn die klerikale Macht will nach wie vor mit ihrer eigenen Ideologie (Theologie genannt) über den umfassenden, universell geltenden Menschenrechte stehen. 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

 

Über den Egoismus der Bürger und betrügerische Kaufleute in Amerika: Der Philosoph Hegel blickt auf die USA.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 6.5.2026

Was die Menschen in den USA, was deren  politische und religiöse Mentalität prägt und bestimmt, hat der Philosoph Hegel schon 1822 erkannt. Seine Erkenntis gilt bis heute. 

1.
Anläßlich der Feierlichkeiten „250 Jahre Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten“ am 4. Juli 2026 ist es sicher interessant wahrzunehmen, wie schon wenige Jahrzehnte nach der „Unterzeichnung der Unabhängigkeits-Erklärung“ 1776 der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich HEGEL das Wesentliche und Typische dieses Amerika (USA) analysierte und bewertete.
Seine „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“ hat Hegel in Berlins Universität seit 1822 insgesamt fünf mal gehalten, posthum wurden die Vorlesungen 1837 veröffentlicht. In dieser seiner Philosophie der Geschichte spricht HEGEL auch von „Nordamerika“, seine Aussagen beziehen sich, wie er sagt, auf die „nordamerikanischen Freistaaten“ (S. 111), also auf das, was wir heute USA nennen.

2.
Hegel hat allen Wert darauf gelegt, die empirischen historischen Fakten mit seinem philosophischen Begriff der Geschichte zu verbinden, also die empirische Geschichte mit der für ihn grundlegenden Einsicht zu harmonisieren: Dass in der Geschichte die Vernunft in eine greifbare, weltliche, politische Existenz tritt. Diese Einsicht kann hier nicht vertieft werden. Hier geht es um einige Erkenntnisse zum „Wesen“ des nordamerikanischen Menschen durch Hegel.
Dazu bieten wir einige Zitate aus Band 12 der „Theorie Werkausgabe“ des Suhrkamp Verlages (1970):

3.
Puritaner und Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften „wanderten nach Nordamerika aus, um die Freiheit der Religion zu suchen“ (S. 111)

Sie bauten dort ein Gemeinwesen auf, „das von den Atomen (isolierten einzelnen) der Individuen ausging, so dass der Staat nur ein Äußerliches zum Schutz des Eigentums war“ (S. 112).
Hegel erwähnt die republikanische Verfassung: „Allgemeiner Schutz des Eigentums und beinahe Abgabenlosigkeit sind Tatsachen, die beständig angepriesen werden“ (ebd.). „Abgabenlosigkeit“, also vergleichsweise geringe Steuern, bestimmen auch heute die USA.
Wichtig auch Hegels Insistieren auf dem ganz zentralen Schutz des Privateigentums in Amerika ..
Der „Grundcharakter der amerikanischen Republik“ besteht für Hegel „in der Richtung (Hauptinteresse) des Privatmannes auf Erwerb und Gewinn, in dem Überwiegen des partikulären Interesses, das sich dem Allgemeinen nur zum Behufe des eignen Genusses zuwendet.“(S. 112).
Also: Egoismus der Privatleute, Unternehmer, wird schon 1822 angesprochen, gilt bis heute
Und, auch das betont Hegel, zum Respekt der Händler und Unternehmer vor den Gesetzen in Nordamerika (USA): Hegel schreibt: „Diese Rechtlichkeit ist eine Rechtlichkeit ohne (persönliche) Rechtschaffenheit, und so stehen denn die amerikanischen Kaufleute in dem üblen Rufe, durch das Recht geschützt zu betrügen.“ (ebd.) Sehr treffend erkannt, bis heute gültig…

4.
Weil für Hegel alle politische Organisation immer auch mit der Religion, bzw. hier mit dem Christentum, zu tun hat, schreibt er: „In Amerika kann jeder seine eigene Kirche haben“… „Das Zerfallen in so viele Sekten, die sich bis zum Extrem der Verrücktheit steigern und deren viele einen Gottesdienst haben, der sich in Verzückungen und mitunter in den sinnlosesten Ausgelassenheiten kundgibt…“ (S. 113). Gültige Erkenntnis bis heute, siehe die Evangelikalen, Pfingstler, die Megachurches usw…

5.

Hegel betont also: Die vielen, nicht von Vernunft bestimmten Kirchen und Sekten in den USA sind auch mitverantwortlich für die allgemeine politische Verwirrung in den USA hinsichtlich einer humanen, vernünftigen, den Menschenrechten verpflichteten Gesellschaft und Rechtsstaatlichkeit..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.