Ein Newsletter des Religionsphilosophischen Salon Berlin zu Pfingsten ist nichts Ungewöhnliches, liebe AbonnenTinnen und FreundInnen unserer philosophischen und theologiekritischen Initiative…Denn: Pfingsten als Fest des Geistes, der heilig ist, sollte auch als Fest der Philosophierenden verstanden werden.
Darum möchten wir Sie/Euch auf zwei Beiträge zum vernünftigen Verstehen des Pfingstfestes hinweisen. Pfingsten ist sicher eines der inhaltlich am wenigsten bekanntesten Feste (Vgl. die „wunderbare“ Erzählung in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments, Kap.2, Verse 1-13.). Wir wollen für ein neues Verstehen eintreten, philosophisch, vernünftig, nachvollziehbar für alle.
1.
Wir haben die politische Dimension des Pfingstfestes (schon vor einigen Jahren) versucht freizulegen, sozusagen als philosophisch - politische Pfingstpredigt: LINK
2.
Unter den modernen Philosophen hat sich Hegel (1770 - 1831) explizit am intensivsten mit Pfingsten und der neu-testamentlichen Pfingsterzählung kritisch befasst: Zugleich wird bei diesem Thema ein Einstieg ins Verstehen der Religionsphilosophie Hegels möglich, darauf kann man sich ja mal einlassen... LINK
3.
In Berlin versucht das Bode Museum etwas Besonderes: Es will mit eigens gestalteten meditativen Räumen die Besucher anregen, die heilende Kraft der Kunst zu entdecken: Ein Museum als heilender Ort? Etwas Konkurrenz zu den Kirchen deutet sich an. Eine interessante Entwicklung. LINK
4.
Ein philosophisch - theologisches „Großereignis“ beschäftigt auch uns schon seit längerer Zeit: Das Konzil von Nizäa (heute ein Ort in der Türkei) vor 1.700 Jahren (!) stellte sozusagen die Weichen für ein neues Verständnis des jüdischen Mannes Jesus von Nazareth: Er wurde durch das Konzil als Gott der Christen und der Kirche definiert, spätere Konzilien bestätigten diese These. Eine Entscheidung eines von Kaiser Konstantin einberufenen und geleiteten Konzils, die keineswegs überall in den Kirchen Zustimmung fand und findet! Aus Jesus von Nazareth wurde jedenfalls später „Jesus Christus“ bzw. nur noch kurz „Christus“. „Wie viel“ jüdischer Jesus den Christen am Amazonas, in Afrika oder Japan vermittelbar, zumutbar ist, darüber wird theologisch debattiert. Andererseits hat diese Konzilsentscheidung die Beziehungen der Kirchen zu den Juden verschlechtert. LINK:
Wir wünschen Ihnen ein inspirierendes Pfingstfest. Komisch, zu Pfingsten werden eigentlich im Unterschied’ zu Weihnachten und Ostern keine Grüße oder gar Glückwünsche ausgesprochen. Das wollen wir ändern: Pfingsten ist das Fest des kritischen Geistes! Vielleicht sagen dann die Leute zu denen, die Pfingsten philosophisch feiern, wie damals zu den ersten Christen:“ „Sie sind - philosophisch feiernd - „vom süßen Wein betrunken“, so heißt es in der Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 13. Nebenbei: Heute geht es wohl eher um trockenen Wein…
Beste Wünsche! Christian Modehn und Hartmut Wiebus.
Ein Beispiel für unsere philosophische Interpretation des „Pfingstereignisses“:, mitgeteilt als Wunderbericht in der Apostelgeschichte im Neuen Testament, wir folgen der Übersetzung der „Einheitsübersetzung“, Kapitel 2, Verse 4:
„Alle (in der Gemeinde der Jesus - Freunde) wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu sprechen, wie es der Geist ihnen eingab“. Ein „Wunder“? Wir werden sehen...: Im Text wird weiter erzählt: In der Nachbarschaft hörten Juden „aus allen Völkern“, wie jedes Mitglied der Gemeinde der Jesus - Freunde in verschiedenen Sprachen reden konnte. Und die internationale Schar der Juden fragte sich: „Wieso kann jeder von uns diese Christen in seiner eigenen Sprache reden hören?“
In unserer Interpretation lassen wir den Aspekt beiseite, dass offenbar der Autor der Apostelgeschichte zeigen will: Die Christen reden zu den Juden in unterschiedlichen Sprachen, jeder von ihnen aus ihrer internationalen Gemeinschaft (erwähnt werden Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Kappadozien usw…) könnte also die Weisheit der Jesus - Freunde verstehen…
Uns interessiert vielmehr, was mit der kleinen Gemeinde der Jesus - Freunde zu Pfingsten geschah: Sie hatten den Geist empfangen, heißt es in der Erzählung. Wer den Geist als Wirklichkeit in sich selbst erlebt, weiß: Ich bin geistvoll, von vom Geist geprägt. Der Geist kann mich leiten. Dieses Wissen von der Kraft des eigenen Geistes, der Vernunft, ist bekanntlich nicht selbstverständlich unter den Menschen, man denke heute an die geistlosen (vernunftlosen) Herrscher etwa in den USA, Russland, Ungarn…
Wer die Kraft des Geistes in sich selbst weiß: Der kann, wie es in der Apostelgeschichte heißt, „in fremden Sprachen reden“: Das ist entscheidend: Er/sie kann sich dem anderen so deutlich verständlich machen, dass der andere ihn versteht, ihm nahekommt. Geistvolle Menschen bauen also Brücken, Brücken der Sprache, sie bemühen sich, den anderen, den Fremden und Befremdlichen zu verstehen und sich ihm gegenüber für ihn verständlich zu äußern. So entsteht Kommunikation, so entsteht Nähe und sogar Freundschaft: Weil der andere sich nun auch verständlich in den Dialog einbringen kann.
Pfingsten ist ein politisches Fest: Pfingsten ist das Fest der Freundschaft, von geistvollen Menschen, die wissen: Wir Menschen aus verschiedenen Völkern und Nationen sind alle gleich wertvoll, es gibt keine Herren-Menschen im alten Stil der Kolonisten, es gibt prinzipiell (!) nur eine brüderliche Weltgemeinschaft derer, die sich verstehen können, weil sie den Geist haben.
Wir müssen uns Mühe geben, an dieser vernünftigen philosophischen Einsicht in diesen unvernünftigen Zeiten unbedingt festzuhalten… Das gelingt nur gemeinsam, über alle Sprachgrenzen hinweg.
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