Der Newsletter des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ im September 2015.
Ein herzlicher Gruß an alle Interessierten.
Der nächste Salon findet am Freitag, den 25. September 2015 um 19 Uhr in der Galerie Fantom Hektorstr. 9 statt. Unser Thema ist auf das neue Buch von Navid Kermani bezogen „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“ (Beck Verlag, München, 302 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen).
Das Interesse am Thema ist wieder sehr groß, etliche Anmeldungen wurden bestätigt. Noch sind einige Plätze frei. Wir bitten wieder ziemlich dringend, aber herzlich, wegen des begrenzten Raumes und vor allem wegen des Austauschs im Gespräch wirklich und tatsächlich um SCHRIFTLICHE ANMELDUNGEN: christian.modehn@berlin.de
Für die Raummiete: 5 Euro "Eintritt". Für Studentinnen kostenfrei.
Warum ist die Auseinandersetzung mit dem Buch in jedem Fall – auch in der privaten Lektüre - wichtig? Nur einige Hinweise:
Es geht um die persönliche, subjektive (von „Innen“ her geleistete) Entdeckung christlicher Kultur durch die Kunst (vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts, besonders Caravaggio !) durch einen bekennenden Muslim und habilitierten Orientalisten. Kermani spricht sogar von „meinem Christentum“.
Es geht also um die Weitung des eigenen Horizonts, des bisherigen Denkens.
Damit wird ein anderer Blick auf die Künstler vorgeschlagen, also über das bloß „Kunsthistorische“ hinaus.
Und es wird die Vielfalt der Bilder und Verstehensformen des Christlichen deutlich. Vielleicht geschehen bei den Lesenden (beim Betrachten der Kunst) Irritationen, Erschütterungen, „Lern-Prozesse“? Ist heute der innere religiöse Pluralismus nicht längst auch für „uns“ eine Tatsache? Ist unsere Identität nicht längst „pluralistisch“? Warum ist alle fixierte, starre Identität gefährlich für uns wie für andere?
Zahlreiche Ausführungen Kermanis drehen sich um „das“ Symbol, das sich in der Christenheit seit dem 4. Jahrhundert (leider ?) durchgesetzt hat: Das Kreuz bzw. mit ihm der Gekreuzigte. Was bedeutet die Vielfalt und Widersprüchlichkeit so vieler Darstellungen des Gekreuzigten? Sollen sie trösten, verängstigen, vertrösten, die Brutalität des Lebens erträglicher machen, gar zum Widerstand aufrufen?
Was bedeuten Kermanis (und unsere ?) Schwierigkeiten mit der Inkarnation, also der dogmatisch-oberflächlichen behaupteten Anwesenheit Gottes nur in der Person Jesu von Nazareth? Stimmt es denn, (wenn Kermani sagt), dass christliches Denken die Menschwerdung Gottes nur auf diese Person bezieht? Ist nicht der Mensch als Mensch „vergöttlicht“, „von unendlichem Wert“, wie die Mystiker sagen oder der Theologe Karl Rahner SJ. Ist nicht allein diese Erkenntnis hilfreich in einer religiös verfeindeten Welt? Weil sie die Basis bietet, die „anderen“ als eng verbundene „Brüder und Schwestern“ zu sehen?
Ist die barocke Bilderwelt, die Kermani ausführlich subjektiv darstellt, die adäquate Zugangsweise heute, um durch die Künstler/Kunst die Vielfalt des Christentums zu begreifen?
Besonders berührend ist die Darstellung, ja, die beinahe liebende Verehrung Kermanis für den italienischen Jesuiten Pater dall Oglio, der von sich bekennt, sehr eng mit dem islamischen Glauben verbunden zu sein. Der Muslim-freundliche Katholik wurde in Syrien von dem IS verschleppt. Wurde er schon abgeschlachtet? Es lohnt sich, sein Leben weiter zu studieren, Start etwa auch bei wikipedia...Pater dall Oglio ist bestimmt von einer geradezu grenzenloser Lernbereitschaft ... aus Liebe zu den Menschen, und die mehr ist als die stolze, herablassende Toleranz...
Sie werden auf der website des Religionsphilosophischen Salons hoffentlich immer wieder inspirierende Texte finden.
Etwa einen Hinweis von Immanuel Kant zum Begriff der Moralität von Politikern, ein Hinweis, der bei der Krise, dem Zerfall (?) der EU, von besonderem Interesse sein kann, auch wenn er kaum „tröstet“. Heute sind Politiker auch in den so genannten Demokratien meist nur Vollstrecker der Gesetze, der gerechten Gesetze ?, aber selten sind Politiker auch moralische Subjekte, die ihre vernünftige, reflektierte Moral leben, immer im Sinne des Kategorischen Imperativs. Moral hat bekanntlich für Kant nichts mit kleinbürgerlicher Betulichkeit zu tun!
Kant sagte treffend: „Wir leben nicht in einem aufgeklärten (d.h. vernünftigen) Zeitalter! Sondern in einem Zeitalter der Aufklärung“, d.h., das sich langsam, viel zu langsam, der allgemeinen Vernunft, der Aufklärung, (den gelebten Menschenrechten) annähert. Die EU/Europa lebt jedenfalls bei den Egoismen der Nationen nicht in einem aufgeklärten, vernünftigen Zeitalter.
Mit freundlichen Grüßen, Christian Modehn
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