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	<title>Das philosophische &quot;Wort zur Woche&quot; Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Schweigen spricht. Eine philosophische Meditation.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/17058_schweigen-spircht-eine-philosophische-meditation_alternativen-fuer-eine-humane-zukunft</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2023 14:12:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
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		<category><![CDATA[die Lügen der Rechtsextremen]]></category>
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		<category><![CDATA[Rückzug in die Stille]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn 1. Philosophisch meditieren bedeutet: In der Stille eine bestimmte Form unseres Lebens im Denken zu analysieren, vielfältige Dimensionen einer bestimmten Frage zu ordnen, um zu einem tieferen Verständnis zu kommen. Damit befreien wir uns durch eigenes Denken von Üblichkeiten (Zwängen) des Alltags. Philosophieren leistet dadurch einen Beitrag zur Lebensorientierung. Das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Philosophisch meditieren bedeutet: In der Stille eine bestimmte Form unseres Lebens im Denken zu analysieren, vielfältige Dimensionen einer bestimmten Frage zu ordnen, um zu einem tieferen Verständnis zu kommen. Damit befreien wir uns durch eigenes Denken von Üblichkeiten (Zwängen) des Alltags. <em>Philosophieren leistet dadurch einen Beitrag zur Lebensorientierung.</em> Das ist ihr erster Zweck. Ihn zu pflegen in dieser ver—rückten Welt, ist dringend.</p>
<p>2.<br />
Schweigen wird oft noch durch Worte eingeleitet: Zum Beispiel: „Ich bin sprachlos“. Oder auch nur: „Sprachlos!“. Ein Wort, das man oft auf Todesanzeigen lesen kann.</p>
<p>3.<br />
Was ist gemeint, wenn ich sage: „Mir fehlen die Worte“: „Ich kann keine Begriffe finden, die das Ereignis ausdrücken und in ein Gespräch führen können“. „Das Ereignis fällt &#8211; momentan &#8211; aus dem Horizont meines begrifflichen Denkens. Das Ereignis ist größer als mein Verstehen und Denken“.</p>
<p>4.<br />
Ich verstumme also, gewissermaßen aus Unfähigkeit, in dieser Situation noch verbal zu sprechen: In der Literatur und in Alltagserfahrungen, wie in Krankheit oder im Krieg, gibt es viele Beispiele von Menschen, die für lange Zeit verstummen. Sie machen sich noch die Mühe des Überlebens, aber sie sagen kein Wort mehr. Aber ihr bloßes verstummtes Dasein spricht, hat Bedeutungen…</p>
<p>5.<br />
Schweigen spricht: Das heißt: Die Haltung des Schweigens wird von anderen nicht nur wahrgenommen, sondern gedeutet, etwa: bedauert oder als Arroganz zurückgewiesen. Schweigen ist für den Schweigenden immer ein Tun des Sich &#8211; Äußerns. Schweigen ist eine Äußerung ohne Worte. Der Schweigende schreibt noch, er geht spazieren, er pflegt seinen Garten, er meditiert..</p>
<p>6.<br />
<em>Beide Möglichkeiten des Sich-Äüßerns, das verbale Sprechen wie das Schweigen, sind immer mehrdeutig:</em> Der verbal Sprechende kann Lügen verbreiten, der Schweigende kann die Haltung seines schweigsamen Erschüttertseins nur vorspielen. Der viel Redende kann viel Unsinn sprechen. Der in Gesprächsrunden nur dasitzende Schweigende kann Nachdenklichkeit oder intellektuelle Überlegenheit nur vortäuschen. Das „authentische“ verbale Sprechen und Schweigen zeigt sich als solches erst im Rückblick. Kommunikation ist immer ein Risiko der Wahrheit.</p>
<p>7.<br />
Schweigen bleibt also eine Form des Sprechens, also des Sich &#8211; Äußerns, und es steht auf einer Ebene mit dem verbalen Sprechen. Verbales Sprechen und Schweigen sind gleich viel wert.</p>
<p>8.<br />
Und vor allem: Verbales Sprechen und Schweigen sind miteinander verbunden. Schweigen hat seinen Ort in der Stille, in der Ruhe, in der Einsamkeit.<br />
Deswegen wird im Schweigen reflektiert, nicht nur über das eigene Leben und die Welt im ganzen, sondern auch über die Qualität der sprachlichen Rede, der eigenen wie der Rede der anderen.</p>
<p>9.<br />
<em>Schweigen im zeitlich begrenzten Rückzug in die Stille macht die dann folgende eigene Rede erst wertvoll.</em> Um über das Wetter zu plaudern, braucht es nicht den Rückzug in die Stille des Schweigens. Wer aber sich selbst mitteilen will, wer versucht, Aspekte der Welterfahrung oder der Kunst oder des Lebens und Liebens auszusagen, muss vorher die Stille des Schweigens erlebt haben. Gibt es noch ein Gespür dafür, dass sich einige Menschen, Dichter, Künstler, Philosophen, Mystiker, Musiker, &#8222;aus der Erfahrung des Schweigens&#8220; äußern, sprechen?</p>
<p>10.<br />
Die permanenten verbalen Äußerungen von Politikern zu „allem Möglichen“ werden deswegen so schnell vergessen, weil sie eher der Welt des Geredes als der Welt der reflektierten Argumente angehören. Demokratische Politiker plaudern zu viel und erklären zu wenig die Bedingungen des Lebens in der Demokratie. Rechtsextreme Politiker und Diktatoren lügen permanent, finden aber Dumme, die den Blödsinn glauben.<br />
Viele der ständigen Talkshows sind oft nur Shows von Journalisten und Politikern, denen es eher um ihr Ego und ihre Karriere geht als um die Erschließung von Wahrheiten, auch von unbequemen Wahrheiten. Diese werden aus taktischen Gründen der Karriere oft verschwiegen.</p>
<p>11.<br />
Ein philosophischer Vorschlag: Es sollte überhaupt nicht als peinlich gelten, wenn sich TeilnehmerInnen von Gesprächsrunden Momente des Schweigens erlauben. Also Momente, in denen möglicherweise besser nachgedacht werden kann als in dem permanenten Gerede und polemischen Aufeinander-Einreden.<br />
<em>Das gemeinsame Schweigen sollte jeder und jede aushalten und als Chance wahrnehmen</em>, wieder ins eigene kritische Denken zu finden. Nichts ist störender, wenn einzelne die Stille der Pause durch verlegenes Gequatsche überbrücken wollen.</p>
<p>12.<br />
Schweigeminuten, von Regierungen manchmal verordnet, heißen oft auch „Gedenkminuten“. Die Verbundenheit von Schweigen und Denken wird da einmal mehr betont, wenn auch diese offiziellen Schweigeminuten meist nur oberflächlich als „Pflichtübungen“ hingenommen werden.</p>
<p>13.<br />
Aber es ist für eine Philosophie als Form der Lebensgestaltung alles andere als oberflächlich oder sogar albern, auch „Schweigeminuten“ als spirituelle Praxis den einzelnen anzuempfehlen. Aus fünf Minuten Schweigen kann dann auch eine Viertelstunde werden, in denen der einzelne in Stille dasitzt und schweigt, die vielen Gedanken vertreibt und vielleicht nur einen wichtigen Gedanken bedenkt, etwa als Beitrag für ein künftiges Gespräch.<br />
Ohne konkrete Vorschläge bleibt alles Philosophieren als Lebenshaltung abstrakt…Ganz andere Vorschläge sind aber für Menschen notwendig, die lange Zeit allein leben und oft tagelang mit niemandem sprechen können. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die einen permanent reden, um nicht zu sagen quatschen (vor allem über die so genannten sozialen Netzwerke) und viele andere, die ins Verstummen abgedrängt sind, die Alten, die Kranken, die Flüchtlinge in ihren Notunterkünften….</p>
<p>14.<br />
<em>Schweigt Gott?</em></p>
<p>Diese Frage sollte in einem „religionsphilosophischen Salon“ nicht fehlen. Eine schwierige Frage. Wir meinen: Gott als Gott, also der Ewige, der Absolute, wie auch immer man die klassischen Gottes -„Namen“ wählt, kann gar nicht sprechen und auch nicht schweigen. Er ist weder ein Ding noch ein Mensch. Einige fromme Menschen fühlten sich aber berufen, ihre religiöse Lebenserfahrung in Büchern, Bibel, Koran, niederzuschreiben und diese ihre Texte dann als Gottes Wort auszugeben.<br />
Aber es kann gar nicht Gott als Gott sein, der da in diesen Büchern, in diesen Texten spricht. Es sind religiöse Menschen, die da ihre immer diskutablen religiösen oder moralischen Überzeugungen mitteilen. Und ihre Äußerungen für Gottes Wort halten und so &#8222;verkaufen&#8220;. Die Macht des Klerus in allen Religionen bedient sich dieser Behauptung, &#8222;Gottes Wort&#8220; als solches zu besitzen. So entsteht in allen Religionen gewalttätiger Fundamentalismus.</p>
<p>15.<br />
<em>Wenn überhaupt eine „absolute“, eine von Menschen nicht manipulierbare Wirklichkeit  wahrnehmbar ist im Leben, also „spricht“, dann nur im Gewissen eines jeden.</em> Dort zeigt sich ein absoluter Anruf, der vom Menschen nur mit innerer Gewalt „abzuschalten“ ist.</p>
<p>Was hört da jeder Mensch?: „Handle so, dass die Maxime deines Handelns auch allgemeines Gesetz für alle Menschen werden kann.“<br />
Diese einfache , schwache „Sprache“ eines Absoluten im Gewissen ist machtlos, sie überlässt sich der freien Antwort der Menschen. Und die Menschen überhören oft diese „Sprache“, ziehen das alltägliche Gerede und Geplapper vor &#8211; so meinen sie, ihren Egoismus als Grundoption ihres Lebens am besten kaschieren zu können. Das Gewissen verstummt dann irgendwann und die Unvernunft beginnt ihre &#8211; auch politische &#8211; Herrschaft.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Jeder Mensch ist ein Mystiker: Denken in Zeiten der Krise. 7. Teil</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12528_jeder-mensch-ist-ein-mystiker_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2020 12:04:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Forum Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[beichten ohne Priester]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spiritueller Wandel in Zeiten der großen „Corona – Krise“ Von Christian Modehn am 23. März 2020 und am 14. April 2020 Am 23. März 2020 hatte ich einige Hinweise zur neuen Bedeutung der Mystik in diesen Zeiten der Corona-Epidemie veröffentlicht. Inzwischen, Mitte April, finden in der ganzen Welt in den Kirchen keine Gottesdienste mit der [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Spiritueller Wandel in Zeiten der großen „Corona – Krise“</strong><br />
Von Christian Modehn am 23. März 2020 und am 14. April 2020</p>
<p>Am 23. März 2020 hatte ich einige Hinweise zur neuen Bedeutung der Mystik in diesen Zeiten der Corona-Epidemie veröffentlicht.<br />
Inzwischen, Mitte April, finden in der ganzen Welt in den Kirchen keine Gottesdienste mit der Beteiligung einer Gemeinde mehr statt. Auch Moscheen und Synagogen, Tempel und Heiligtümer sind für Gottesdienste und religiöse Zeremonien geschlossen. Selbst die säkular bzw. atheistisch geprägten Jugendweihen und Jugendfeiern finden nicht statt.<br />
Die Spiritualität hat also keine Orte gemeinsamer Zeremonien und Feiern/Gottesdienste mehr. Über You tube bieten zahlreiche Gemeinden Gottesdienste an, immerhin eine Chance, vielleicht bloß ein schwacher Trost, eine Predigt zu hören, einen Pfarrer, eine Pfarrerin zu sehen, ein Gebet zu vernehmen, Lieder, Musik usw.<br />
Es müsste von Soziologen untersucht werden, welche innere Wirkung, welche innere Berührung, diese Gottesdienste über You tube usw. haben. Bleiben die Leute dran und dabei, bleiben sie förmlich „drinnen“, oder schalten sie um?  Wie ist die Aufmerksamkeit auf die Predigt? Hört man zuhause, vor dem Bildschirm usw. intensiver zu als etwa in einer voll besetzten Kirche? Hört man dort überhaupt genau hin oder geht vorwiegend seinen eigenen Gedanken nach? Wie vielleicht jetzt auch zu Hause vor dem Computer etc. </p>
<p>Ich stelle hier die These zur Diskussion: Diese Veränderungen in der religiösen Praxis (und Gottesdienstbesuch gilt ja in der Theologie als „Praxis“)  sollte man auch als eine Chance entdecken: Es wird für alle deutlicher als zuvor, dass Glaube zuerst und vor allem eine innere, eine geistige, seelische, vernünftige Bewegtheit ist. Und manche werden den Eindruck haben: Wenn ich mich zu Hause in Ruhe sammle, meditiere, nachdenke, bete&#8230; dann ist dies der Kern meiner Verbindung mit dem Unendlichen, mit Gott, dem Ewigen. So schön es auch sein mag, mit anderen diese Erfahrung in einer Gemeinde/Gemeinschaft auszutauschen. Aber wie oft wurden diese zentralen Erfahrungen in Gemeindeveranstaltungen wirklich ausgetauscht? Waren nicht viele Gespräche dort doch „nur“ Diskussionen über das leidige Thema Kirchen bzw. Sinn und Unsinn der Kirchenreformen. </p>
<p><strong>Wenn es also jetzt so viele YOU &#8211; Tube Gottesdienste gibt, dann sollten sie eben nicht den wohlbekannten, routinierten Gottesdienst, die Messe, etc. wiederholen. Darauf sollte man verzichten!  Und in dieser Zeit über YOU &#8211; Tube den Menschen Hilfen und Anregungen geben, ihre persönliche Spiritualität zu pflegen, meditativ Gedichte zu lesen, meditativ die religiöse Poesie der Bibel zu lesen, meditativ Musik hören, zu beten, ein spirituelles Tagebuch zu führen, in kleinem Familienkreis zu fragen: Was lässt uns eigentlich &#8222;letztendlich&#8220; leben? Das wäre dann am Sonntagmorgen oder Sonntagabend eine kleine Schule der MYSTIK. Hört also auf mit den einsamen Gottesdiensten/Messen der Solisten, also der PferrerInnen, lasst euch etwas Neues einfallen: Seid Seelsorger, werdet Mystiker, Lehrer des Spirituellen. Das wollt ihr doch sein? </strong></p>
<p>In Zeiten der Corona-Epidemie werden wir auf den Kern des religiösen Lebens geführt, und religiöses Leben ist sozusagen immer eine Form des geistvollen menschlichen Lebens.<br />
Wir werden auf die Mystik verwiesen!<br />
Und: Auf die helfende Nächstenliebe bzw. FernstenLiebe. Mehr ist meines Erachtens religiös gar nicht so not-wendig.<br />
&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.<br />
Dies ist der Hinweis vom 23.3.2020: </p>
<p>1.<br />
Ausgerechnet von Mystik jetzt sprechen? Gibt es nicht Dringenderes? Oder ist die Achtsamkeit auf den eigenen Geist, die eigene Seele, die eigene Vernunft nicht ebenso dringend und not – wendig? Diese Achtsamkeit nennt man Mystik. Für sie ist elementar: „Zur Ruhe kommen, die Augen schließen, den Geist öffnen und in der Stille verweilen“. Das Wesentliche spielt sich also in mir selbst ab, nicht in religiösen oder weltanschaulichen Organisationen. Der alte Begriff Mystik wird also befreit aus der engen Welt der Klöster. Ist nicht nur Sache der Mönche.<br />
Mystik lebt in mir! Eine Zeit der Mystik also? Eindeutig JA!<br />
2.<br />
<em>Ohne Zweifel</em> ist der Kampf gegen das Virus am wichtigsten. Ohne Zweifel muss jeder und jede in diesem Kampf mitmachen. Das heißt zentral: Den üblichen Egoismus überwinden.<br />
Ohne Zweifel gilt unsere ganze Sympathie und unsere Dankbarkeit jetzt den PflegerInnen und ÄrztInnen, auch denen, die mit allem Mut (und schlecht bezahlt) die „Grundversorgung“ aller in den Geschäften  aufrecht erhalten.<br />
<em>Ohne Zweifel</em> werden wir schon jetzt notieren und uns einprägen, wie denn unsere Gesellschaft und unsere globalisierte Welt aussehen sollte, wenn denn einmal diese Zeit der Leiden unter der Herrschaft des Virus beendet ist. Ohne Zweifel wird dann unsere Gesellschaft grundlegend verändert werden müssen, gerechter nämlich, im letzten noch möglichen Respekt vor der Natur. Das Wort „unsere“ in „unsere Zukunft“ wird dann niemals mehr nur unsere, von nationalen, europäischen Egoismen bestimmte kleine Welt sein.<br />
<em>Ohne Zweifel</em> brauchen wir dann eine neue Konzeption gerechter Rechts &#8211; Staaten als Eingrenzung der Allmacht der internationalen Konzerne usw&#8230;<br />
<em>Ohne Zweifel</em> wird ein neuer Lebensstil nötig sein in den bis dahin „reichen“ Ländern. Von neuen Tugenden wird man sprechen: Bescheidenheit (auch der Millionäre und Milliardäre) und Verzichtenlernen&#8230;Ob wir dann wohl auch nicht länger ertragen, dass Milliarden Menschen hungerten und hungern und im Elend starben und sterben, auch ohne das Corona -Virus, sondern wegen des tödlichen Virus der globalen Ungerechtigkeit&#8230;<br />
Werden die durch Mystik ins Nachdenken geratenen Menschen gut in der Lage sein, eine bessere Gesellschaft „nach der Zeit des Virus“ zugestalten?<br />
3.<br />
Ohne Zweifel entsteht in dieser Zeit des Rückzugs, des Eingeschlossenseins, schon etwas anderes: <em>Es entstehen neue Formen von Spiritualitäten</em>, also der Verbundenheit des einzelnen mit einem grundlegenden Sinn des Lebens. Diese Frage wird selbstverständlich jeder und jede für sich beantworten, immer wieder neu errungen und neu formuliert unter den veränderten Lebensbedingungen.<br />
4.<br />
Was wir alle gemeinsam erleben: Die Praxis dieser Spiritualität findet sozusagen nun ganz klar vor allem <em>„im einzelnen“ statt, in seinem Nachdenken, seinem Stillewerden, </em>Lesen, Hören, Lauschen, Schreiben, Malen, Spielen, Betrachten, und vor allem auch helfenden Sorgen.<br />
Der Austausch über das, was mich in meinem Geist, in der Seele, der Vernunft bewegt ist genau der Austausch über je meine Spiritualität. Dieser Austausch kann auch im Internet usw. oder am Telefon stattfinden. Aber sie lebt, wird entwickelt, befragt, verworfen, neu konzipiert usw.: Immer in mir selbst. In meinem Geist, der immer schon ein kulturell geprägter Geist ist.<br />
5.<br />
Entscheidend also ist in dieser Zeit der Krise: Jeder und jede ist auch spirituell auf sich selbst zurückgeworfen. Früher sagte man in einer kirchlich bestimmen Gesellschaft „Es geht um den einzelnen und seinen Gott“. Das werden religiöse Menschen hoffentlich immer, auch heute,  noch sagen, vielleicht aber werden sie mit guten Gründen lieber vom Göttlichen, Ewigen, dem alles gründenden Geheimnis sprechen. Wer das nicht so sagen kann, wird seine eigene säkulare Sprache suchen, falls er sie nicht schon gefunden hat.<br />
6.<br />
<em>Mich interessiert hier jetzt die sich religiös nennende Mystik heute.</em> Da ist ein ganz neuer Trend zu beobachten, der sicher auch über die Zeit der Krise hinaus seine Bedeutung behält:<br />
Ein Wort zur katholischen Kirche: Da fällt auf, mit welcher Schnelligkeit sich die offizielle Kirchenleitung, die Gemeindepfarrer und Ordensgemeinschaften an die erzwungene totale Privatisierung des Glaubensvollzugs gewöhnen: Messen von einem Priester, einsam in der Kirche „gelesen“, werden auf allen denkbaren „Kanälen“ ins Haus und Heim geliefert, „life gestreamt“, auf facebook, You tube etc&#8230; Es findet also eine allgemeine Ausweitung der ohnehin schon üblichen Fernseh-Gottesdienste am Sonntag statt. Die virtuelle Messfeier ist üblich. Da kann jeder vor dem Computer, Laptop und so weiter sich einschalten, abschalten und wieder zuschalten, kann leise oder laut seine religiöse Poesie, Gebete genannt, sprechen, laut schreien und weinen und verstummen. Oder bei der Predigt eine Tasse Tee trinken. Der religiöse Mensch sieht also einen einsamen Pfarrer in einer leeren Kirche handeln, von „Feiern“ kann ja keine Rede mehr sein. Aber diese Ferne der leibhaftigen Distanz kann die geistige Verbindung nicht stören: Ich werde auf dem Sofa oder am Schreibtisch sitzend auf mich zurückgeworfen. Jetzt bin ich gemeint. Ich gehe nicht mehr, wie einst, als einzelner unter, in der größeren Gruppe der Gottesdienstteilnehmer.  Es gibt keine liturgischen Zwänge mehr wie einst in den Kirchengebäuden:  Bei der Messe immer wieder diese viel beklagte Hektik, dieses Aufstehen, Setzen, Niederknien, Jubilieren, Mitsingen, eher floskelhafte Sätze, Gebete genannt, nachsprechen. Ich kann jetzt auch zu Hause meine CDs herausholen und wieder ungestört und bequem in einem Sessel eine Bachkantate hören. Und am nächsten Tag eine andere. Oder eine Mozart Messe oder das Mozart Requiem. Meine Wohnung wird meine Kirche, mein Tempel. Da feiere ich Gottesdienst. Das entsteht individuelle Mystik, meine Mystik.<br />
7.<br />
Noch wichtiger ist: Es wird von Papst Franziskus nun die alte, beinahe vergessene „<em>geistige Kommunion</em>“ empfohlen, also das nur im Geiste geschehene Verzehren der Hostie. Es ist bei ihm auch die Rede von der <em>geistigen, sehr individuellen Beichte ohne Priester</em>: Papst Franziskus hat diese ungewöhnliche, ganz private, ganz individuelle Form der Beichte in seiner Ansprache in seiner Kapelle in seinem Wohnhaus, der Casa Santa Martha, am 20. März 2020 so erklärt. Und das ist für Kenner eine kleine theologische Sensation: „Wenn du keinen Priester findest, um bei ihm zu beichten, dann sprich mit Gott. Er ist dein Vater, und sag ihm die Wahrheit: ‚Herr, ich habe dies, dies, dies angestellt&#8230; Vergib mir’, und bitte ihn von ganzem Herzen um Vergebung&#8230;. Du selbst kannst dich, wie der Katechismus lehrt, der Vergebung Gottes nähern, ohne einen Priester zur Hand zu haben“.<br />
8.<br />
Die Zeit der individuellen, aufs Katholische bezogen: priesterlosen Spiritualität hat also offiziell begonnen. Wichtig scheint mir: Erst in schlimmen Zeit einer Pandemie ist die Kirchenführung bereit, das heilsame Geschehen einer inneren, individuellen „Kommunion“ und „Beichte“ für alle anzuerkennen. Dass das Gespräch der Glaubenden, Gemeinde genannt, etwas Wichtiges ist und sicher auch bleiben wird, ist klar. Jetzt kommt es nur darauf an, den großen spirituellen Umbruch zu bedenken.<br />
9.<br />
Dass zuerst der/die einzelne in Geist und Seele sich mit seinem/ihrem Unendlichen und Ewigen auseinandersetzt, ist etwas Unverzichtbares, Bleibendes, Wertvolles auch über die großen Krisenzeiten hinaus. Warum? Weil in dieser mystischen Praxis der „geistlichen Kommunion“ und der „privaten Beichte ohne Priester“ die Macht der Priester und des Klerus über den einzelnen Glaubenden aufhört, zugespitzt gesagt: gebrochen wird. Es entsteht sozusagen auch im Katholizismus das  Priestertum ALLER Gläubigen nicht als Theorie, sondern als Realität. Wenn man es klassisch &#8211; theologisch lesen will: Das Heil der Seele ist auch ohne Priester möglich. <strong>Genau dies ist elementar gesehen der Sinn von Mystik: Du kannst dich als Mensch dem Unendlichen von selbst nähern. Mit ihm eins werden, wie die philosophischen Mystiker aller Religionen sagen! Die Einheit mit dem Ewigen, dem Göttlichen, kann jeder selbst erreichen. Ohne Vermittlung anderer Menschen.</strong><br />
10.<br />
Und dieses ganze Thema hat nicht zuerst mit dem Himmel, dem „Jenseits“, zu tun, sondern mit dem Leben jetzt und hier in der Welt, in ihrer Zerrissenheit, im Leiden. Da lebt Mystik. Und sie kann wirksam werden. Und sie wirkt bereits: Bei den vielen Menschen, die einander beistehen, einander helfen, retten, unterstützen. Egal, ob da expliziter Glaube lebt oder nicht. Allein die Menschlichkeit zählt. Wer diese Erfahrungen in dieser Praxis bedenkt, wird auch das innere Geschehen, die<br />
Mystik entdecken: Die Mystik der Liebe. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Abstand halten, in der Distanz leben: Denken in Zeiten der Krise. 6. Teil.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12580_abstand-halten-in-der-distanz-leben-denken-in-zeiten-der-krise-6-teil_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 11:02:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn Abstand halten: Die Maxime dieser Zeit. Bloß nicht die anderen berühren, bloß nicht ihnen zu nahe treten. Ein Meter fünfzig ist die absolute Maßeinheit. Körperlicher Kontakt ist gefährlich. Es ist besser, d. h, jetzt „gesünder“, sich körperlich von anderen zu distanzieren. Das rettet Leben. Das stimmt. Aber Abstandhalten (zer)stört auch [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12580_abstand-halten-in-der-distanz-leben-denken-in-zeiten-der-krise-6-teil_denkbar">Abstand halten, in der Distanz leben: Denken in Zeiten der Krise. 6. Teil.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>Abstand halten: Die Maxime dieser Zeit. Bloß nicht die anderen berühren, bloß nicht ihnen zu nahe treten. Ein Meter fünfzig ist die absolute Maßeinheit. Körperlicher Kontakt ist gefährlich. Es ist besser, d. h, jetzt „gesünder“, sich körperlich von anderen zu distanzieren. Das rettet Leben. Das stimmt. Aber Abstandhalten (zer)stört auch die Lebensfreude, (zer)stört die Erotik, erzeugt Gräben zwischen den Menschen. Wie kann es freundschaftliche Umarmungen geben am Telefon, via Computer und iPhone?<br />
Abstand halten hat unsere bisherige Lebenswelt umgestürzt.<br />
Es werden bessere Zeiten kommen ohne den Verlust der Nähe und der emotionalen Verlassenheit.<br />
Im Denken können wir diese Notlage überwinden. Geben wir uns jetzt mehr Raum für unsere Denkzeiten. Fürs Philosophieren. Für die Philosophie.  </p>
<p>Sie meldet sich,  wie immer provozierend, so auch in diesen Zeiten, mit einem „Lob des Abstandhaltens“ zu Wort.<br />
Klar ist: Philosophen  unterstützen zweifellos die Notwendigkeit,  jetzt körperlich Abstand zu halten. Und sie unterstützen diese Bestimmungen, weil sie Leben schützen, Gesundheit bewahren.  Dies ist eine aktuelle Maxime der Ethik. </p>
<p>Philosophie hat es sehr oft mit der Analyse und dem Verstehen von Begriffen zu tun. Also mit dem, was man das „Allgemeine“ nennt, das allen Menschen Gemeinsame. Damit wird Individualität nicht geleugnet, es gibt den einzelnen, aber immer nur, weil er und wenn er Anteil hat am Allgemeinen. Das zeichnet die Menschlichkeit des Menschen aus. </p>
<p>Im Philosophieren werden wir auf eine nahe liegende, eigentlich selbstverständliche, allerdings nicht immer bewusste Tatsache aufmerksam: Alle Erkenntnisse und damit auch alle Forderungen, auch die der Mediziner oder der Politiker, sind nur möglich, weil Menschen ständig Abstand nehmen. Das heißt: In der Kraft der eigenen Vernunft, des Geistes, sich von sich selbst distanzieren. Das wiederum heißt: Nachdenken, reflektieren, sich entscheiden. Für diesen lebendigen Vollzug unserer Vernunft gibt es das treffende Wort Abstandnehmen. In guten Zeiten wie in Krisenzeiten. Immer. Kein Mensch lebt ohne das von der Vernunft erzeugte Abstandnehmen. Wir nehmen Abstand von uns selbst als dem alltäglichen, „üblichen“,  noch unreflektierten Bewusstsein. Abstandnehmen ist der unaufgebbare Mittelpunkt unseres geistigen Lebens als Individuum. </p>
<p>Dieses Abstandnehmen lässt sich auch beschreiben als ein „Auf sich selbst schauen“. Und das nicht nur im Sinne der Beobachtung der Verfasstheit des eigenen Körpers. Sondern vor allem: Schauen auf das eigene Bewusstsein. Mit der eigenen Vernunft also das eigene Bewusstsein anschauen: Nur so zeigt sich mir, wer ich bin, welche Möglichkeiten ich habe, welchen Raum der Freiheit mir gegeben ist. An Descartes Leistung in dem Zusammenhang wäre hier zu erinnern. Dieses Anschauen meiner Selbst gilt auch für meine Beziehungen zur Welt, zu anderen Menschen. Ich schaue diese Beziehung und sehe darin meinen Anteil. Ich entdecke dabei mich selbst in meinen Grenzen. Dies zu wissen, ist die Voraussetzung für ein geistvolles individuelles Leben. </p>
<p>Abstandnehmen ist, philosophisch betrachtet, Reflektieren, sich auf sich selbst beziehen. Das lateinische Verb reflectare bedeutet: Sich zurückbeugen, umwenden, auch spiegeln.<br />
Dieses sich Vernünftig auf sich Beziehen erreicht noch eine weitere, ganz entscheidende Dimension, es wird philosophisch sozusagen noch einmal gesteigert: Weil wir uns denkend, reflektierend,  auf unser Denken und Reflektieren beziehen können. Dies ist die Reflexion der Reflexion, das „Denken des Denkens“, wie Aristoteles sagte. Erst dieses Denken des Denkens zeigt die Möglichkeiten und die Weite des Denkens. Hier ist die Basis aller  Kultur. Erst im Denken des Denkens zeigt sich uns unser Selbstbewusstsein, unser Wissen von uns selbst: Ich weiß mich als Denkenden, Reflektierenden und ich will in diesem Selbstbewusstsein auch sprechen und handeln, handeln für mich und für andere und mit anderen. Dieses Denken des Denkens ist erst Ausdruck der einmaligen menschlichen Qualität.  Sie unterscheidet den Menschen von allen Tieren. </p>
<p>Das Leiden an der aktuellen Notwendigkeit, körperlich Abstand zu halten, wird uns, so paradox es klingt, erst durch das elementare und ständige Abstandnehmen von uns gegenüber unserem alltäglichen Bewusstsein bewusst und erkannt.  Und es ist unsere immer Abstand nehmende Vernunft, die uns eines Tages wieder von dem Zwang, körperlich Abstand zu halten, befreit. Mit Argumenten natürlich. </p>
<p>Und wir erleben beim philosophischen Reflektieren auf alltägliche, jetzt akuelle Begriffe wie „Abstandhalten“ die Kraft der Philosophie: Sie eröffnet uns Dimensionen eines Begriffes, die man in einer alltäglichen Lebenspraxis gar nicht wahr – nahm. Diese Erfahrung im Denken ist, wenn man so will, auch ein Stück Lebensfreude in diesen Zeiten der Krise. Lebensfreude durch Nach-Denken, Re-flektieren? Selbstverständlich! Wofür ist denn sonst Philosophieren gut? </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12580_abstand-halten-in-der-distanz-leben-denken-in-zeiten-der-krise-6-teil_denkbar">Abstand halten, in der Distanz leben: Denken in Zeiten der Krise. 6. Teil.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Vom Glauben religiöser Menschen und vom Glauben nicht-religiöser Menschen: Denken in Zeiten der Krise. 4. Teil.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12566_vom-glauben-religioeser-menschen-und-vom-glauben-nicht-religioeser-menschen-denken-in-zeiten-der-krise-4-teil_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2020 15:55:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Dringende philosophische Fragen]]></category>
		<category><![CDATA[alle Menschen könne in der letzten Frage nur glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Atheismus ist auch eine Glaubenshaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Atheismus ist keine Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Atheisten sind Gläubige]]></category>
		<category><![CDATA[Corona und Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Dawkins ist oberflächlich]]></category>
		<category><![CDATA[Dawkins kritisieren]]></category>
		<category><![CDATA[Denken in Zeiten der Corona Krise]]></category>
		<category><![CDATA[die Arroganz von Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Giordano Bruno Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Giordano Bruno Stiftung Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Jim Holt im Rowohlt Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jim Holt kritisiert Richard Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Krawall-Atheisten]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Schmidt-Salomon]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie in Zeiten der Corona Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Dawkins ist oberflächlich]]></category>
		<category><![CDATA[Rowohlt Verlag und Dawkins]]></category>
		<category><![CDATA[Schmidt Salomon kritisieren]]></category>
		<category><![CDATA[was hat Philosophie zur CORONA Krise zu sagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinweise des Philosophen Jim Holt zu Richard Dawkins Von Christian Modehn 1. Über die oberflächlichen Argumente von Richard Dawkins gegen den Glauben an Gott ist schon vieles und vieles Richtige gesagt worden. Sein Buch „Der Gotteswahn“ (2006) hat trotzdem sehr viele Käufer, wahrscheinlich auch etliche LeserInnen weltweit gefunden. Die sagten stolz und befriedigt: „Seht Ihr, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12566_vom-glauben-religioeser-menschen-und-vom-glauben-nicht-religioeser-menschen-denken-in-zeiten-der-krise-4-teil_aktuelles">Vom Glauben religiöser Menschen und vom Glauben nicht-religiöser Menschen: Denken in Zeiten der Krise. 4. Teil.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hinweise des Philosophen Jim Holt zu Richard Dawkins<br />
Von Christian Modehn<br />
1.<br />
Über die oberflächlichen Argumente von Richard Dawkins gegen den Glauben an Gott ist schon vieles und vieles Richtige gesagt worden. Sein Buch „Der Gotteswahn“ (2006) hat trotzdem sehr viele Käufer, wahrscheinlich auch etliche LeserInnen weltweit gefunden. Die sagten stolz und befriedigt: „Seht Ihr, es gibt keinen Gott, sagt doch Meister Dawkins“.<br />
Nebenbei: Man könnte wohl nachweisen, wie etliche  polemische Publikationen  von Michael Schmidt-Salomon (Giordano-Bruno-Stiftung) unter dem Eindruck des polemischen Bestsellers von Dawkins erst so richtig verbreitet wurden. Der ehemalige Vorsitzende des Humanistischen Verbandes HVD, Horst Groschopp, nannte solche Atheisten deswegen „Krawall-Atheisten“&#8230;<br />
2.<br />
Die Debatte um dieses oft sehr polemisch geschriebene Buch des Evolutionsbiologen Dawkins „Der Gotteswahn“ wird jetzt noch einmal weitergeführt durch eine kleine, aber erhellende Studie des auch in Deutschland bekannten US-amerikanischen Philosophen und Autors Jim Holt. In seinem neuen Buch „Als Einstein und Gödel spazieren gingen“ (Rowohlt, 2020) hat Holt ein Kapitel zu Dawkins Atheismus-Werbung publiziert, mit dem Titel „Dawkins und Deus“. Die 19 Seiten dieser Studie könnten eigentlich jene sehr ins Grübeln bringen, die noch immer Dawkins-Fans sind. Abgesehen von den Hinweisen Holts zur oft lächerlichen Polemik Dawkins stört ihn, „wenn Dawkins die Aufrichtigkeit ernsthafter Denker in Frage stellt“ (S.410). Der militante Atheist Dawkins versetzt, so Holt, „einen besonderen (intellektuellen) Tiefschlag“  (S. 410) etwa dem Philosophen Richard Swinburne. Dawkins schreibe in einer, so Holt wörtlich, „erklärten Feindseligkeit“ (410) gegen die Religion(en).<br />
3.<br />
Die Frage ist also: In wieweit kann man das sich philosophisch nennende Buch eines Biologen ernst nehmen, wenn dieser als Wissenschaftler feindselig zu argumentieren versucht?<br />
Holt bring nur einige zentrale Argumente gegen Dawkins Verteidigung der Wissenschaftlichkeit des Atheismus vor.<br />
Wichtig ist, dass Holt den klassischen „ontologischen Gottesbeweis“  nach wie vor für bedenkenswert hält. „Dawkins ist offenbar nicht klar, das Argument (des ontologischen Gottesbeweises), auch wenn es mittelalterlichen Ursprungs ist, verfeinerte moderne Versionen hat, die keineswegs leicht zu widerlegen sind“ (411). Wobei allen klar ist, dass ein so genannter „Gottes-Beweis“ alles andere als ein mathematischer „Beweis“ ist, treffender wird von Aufweis gesprochen&#8230;Kein geringerer als der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell hat den ontologischen Gottesbeweis zumindest ernst genommen&#8230;Selbst die berechtigte Frage nach einer „letztgültigen Erklärung für das Entstehen des lebensfreundlichen Kosmos“  will Holt als treffend und berechtigt respektieren &#8230; im Unterschied zu Dawkins. Holt meint: Wenn man diese letztgültige Erklärung sucht, „dann ist es doch zumindest vernünftig, sich an die Gotteshypothese zu halten, oder?“ (412). Wer eine letzte Erklärung für unsere zufällige und vergängliche Welt sucht, so Holt, kann etwas, das „notwenig wie auch unvergänglich“ ist, „getrost Gott nennen“( 413).<br />
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Jim Holt will keinen unschlagbaren Beweis für die „Existenz“ Gottes vorführen. Daran denkt er gar nicht. Er will nur einem Biologen (Dawkins) philosophisch zeigen, dass dieser sich gar nicht korrekt „Intuitionen“ (wie Dawkins selbst sagt) anvertraut: Dass er oft nur „Vermutungen“ äußert (416) und letztlich einem „darwinistischen Nihilismus“ (415) anhängt. Das sagt Jim Holt, der wahrlich kein Kirchenvertreter, kein klerikaler Apologet ist, sondern ein analytischer Philosoph, der die Mathematik zudem über alles schätzt. Im Grunde legt er Dawkins Buch „frustriert“ (416) beiseite.  Holt weiß: Für oder gegen die „Existenz“ Gottes gibt es keine definitiven, alles ein für allemal entscheidenden Argumente. Wie sollte es bei dieser umfassenden und wahrlich letzten Frage auch anders sein.<br />
4.<br />
Kluge, reflektierte Menschen werden also wohl noch lange Ja zu Gott sagen, wie eben auch andere kluge Menschen eben auch Nein zu Gott sagen. Und beide haben ein Wissen von der eigenen Haltung, die dann eine Glaubenshaltung genannt werden muss: Definitives über Gott oder „Nicht Gott“ wissen also beide nicht. Es sollte deswegen konsequenterweise auch keine mit dem Anspruch der letzten gültigen Wissenschaft auftretende atheistische Missionierung, keine atheistische Werbung à la Dawkins geben. So wie die Zeiten der theistischer Propaganda hoffentlich auch vorbei sind.<br />
Unter diesen Bedingungen bleibt jeder tolerant und offen bei seiner stets als für ihn selbst relativ zu verstehenden religiösen Überzeugung. Denn auch der Atheismus ist als eine nicht beweisbare Überzeugung vom Nichtvorhandensein Gottes eben auch nichts anderes als eine Form, eine Gestalt des Glaubens.<br />
Was hat das für Konsequenzen? So vereinen sich dann die Menschen als Gleichberechtigte, als „Brüder und Schwestern“ möchte man fast pathetisch sagen. Weil religiös Glaubende und atheistisch Glaubende eben zu der universalen menschlichen Gemeinschaft der Glaubenden gehören. Beide, religiös Glaubende wie nicht-religiös Glaubende stehen glaubend vor dem Geheimnis des Lebens. Welche Chance wäre dies, wenn sich diese Erkenntnis, dieses Wissen vom je eigenen Glauben, herumspräche. <em>Und Humanismus dann gerade diese universale Haltung und Spiritualität wäre, sozusagen das &#8222;geistuge Dach&#8220; der Menschheit, unter dem sich religiös Glaubende wie nicht religiös Glaubende Menschen treffen</em>.<br />
5.<br />
Dass es Glaubensformen unter religiös Glaubenden wie unter nichtreligiös Glaubenden gibt, die für den einzelnen wie für die Gesellschaft gefährlich sind, ist heute völlig klar. Diese der umfassenden Menschlichkeit widersprechenden Glaubensformen und Glaubensinhalte (etwa Fundamentalismen unter religiösen wie nicht-religiös Glaubenden) müssen kritisiert und ins Private zurückgesetzt werden. Maßstab dieser Kritik kann nicht ein Kriterium sein, das einer dieser Glaubensformen, ob religiös oder nicht religös,  entnommen ist. Die Kritik an Fundamentalismen kann nur aus der allgemeinen Vernunft kommen, d.h. auch aus den Menschenrechten, den Werten der demokratischen Rechtsstaaten. Niemals aber können diese Kriterien aus dem Glauben einer Kirche stammen, sei es nun eine religiöse Kirche/Institution oder eine nicht-religiöse „Kirche“, also ein Verein, Verband, eine „Gesellschaft“, eine &#8222;Stiftung&#8220;&#8230; </p>
<p>Jim Holt, Als Einstein und Gödel spazieren gingen. Ausflüge an den Rand des Denkens. Rowohlt Verlag, 2020, 495 Seiten, 26 EURO. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Sicherheit oder Freiheit. Was ist wichtiger? Denken in Zeiten der Krise. 3. Teil.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12557_sicherheit-oder-freiheit-was-ist-wichtiger_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2020 15:14:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Dringende philosophische Fragen]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Modehn zur Corona Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Denken in Zeiten der Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Einschränkung der Pressefreiheit wegen Corona Virus]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit als Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit als Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit bedeutet Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit contra Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit ist wichtiger als Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie und Corona-Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsphilosophische Salon in Zeiten der Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit contra Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[was hat Philosophie zur Krise zu sagen?]]></category>
		<category><![CDATA[was ist wichtiger Freiheit oder Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur in vielen Ländern wegen Coronona-Krise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Herausforderung in diesen Zeiten. Ein Hinweis von Christian Modehn 1. Die Debatte ist da oder sollte da sein: Sicherheit contra Freiheit. Was ist wichtiger? Viele meinen jetzt: „Natürlich ist Sicherheit wichtiger. Sogar möglichst viel Sicherheit wollen wir“. Es geht schließlich um die Eindämmung und Überwindung einer Pandemie. Es geht ums Überleben. In welcher Hinsicht [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12557_sicherheit-oder-freiheit-was-ist-wichtiger_denkbar">Sicherheit oder Freiheit. Was ist wichtiger? Denken in Zeiten der Krise. 3. Teil.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Herausforderung in diesen Zeiten.<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>1.<br />
Die Debatte ist da oder sollte da sein: Sicherheit contra Freiheit. Was ist wichtiger?<br />
Viele meinen jetzt: „Natürlich ist Sicherheit wichtiger. Sogar möglichst viel Sicherheit wollen wir“.  Es geht schließlich um die Eindämmung und Überwindung einer Pandemie. Es geht ums Überleben.<br />
In welcher Hinsicht ist es also berechtigt zu sagen: Freiheit, persönliche Freiheit, ist gegenüber der Sicherheit doch nicht so wichtig?  Wer das sagt: Ist er sich der Konsequenzen dieser Aussage bewusst?<br />
2.<br />
Wie lange werden diese Einschränkungen gelten? Wer legt die Dauer der Einschränkungen fest? Wie wirksam werden Forderungen sein, zu einem festen Zeitpunkt dann die Einschränkungen wieder aufzuheben zugunsten der allseits geltenden Bürgerrechte in einem Rechtsstaat?<br />
3.<br />
Viele Demokratien stehen angesichts dieses Problems noch recht gut da. Das ist eine Hoffnung. Aber auch in Demokratien kann die demokratische Stimmung umkippen und von Rechtsextremen zur breiten „Bewegung“ manipuliert werden.<br />
Autoritäre Regime nützen schon jetzt ihre Chance: Sie begrenzen mit den Einschränkungen durch das Corona- Virus das freie Zusammenleben auf Dauer noch weiter ein. Oder die Pressefreiheit wird noch weiter durch Zensur behindert. Das wurde schon dokumentiert. Man lese die Studien von „Reporter ohne Grenzen“. <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/pressefreiheit-in-der-corona-krise/ueberblick/">Klicken Sie hier</a>. Wie schnell wird sich China zu einem totalitären Regime entwickeln? Haben die Herrscher in Ungarn oder Polen förmlich auf diese Situation gewartet, um nun die Bürgerrechte noch weiter einzuschränken und auf eine Diktatur mitten in Europa hin zu steuern? Werden sich die Leute in den USA an ihren tatsächlich ignoranten Machthaber Mister Trump gewöhnen? Und sogar noch dessen absolut dummen Sprüchen glauben?<br />
4.<br />
Philosophisch und damit einer allgemeinen und begründeten Erkenntnis zugänglich, jenseits von bloßen Meinungen, gilt:<br />
In der Debatte „Was ist wichtiger: Sicherheit oder Freiheit?“ müssen die zentralen Begriffe sozusagen präziser gefasst werden:<br />
Sicherheit meint tatsächlich immer ein Sicherheitssystem, also immer gemachte Gesetze und Bestimmungen. Diese sind selbstverständlich nach einer Reflexion und in einem Willensentschluss bestimmter Menschen in die Wirklichkeit „überführt“ worden. Sicherheit hat eine geistige Basis, und diese Basis ist Reflexion, Vernunft und Wille. Diese Erkenntnis ist elementar, wird aber oft übersehen.<br />
5.<br />
Der gleiche Ansatz gilt auch für den Begriff Freiheit. Freiheit ist das Leben des Geistes: Der Mensch kann sich frei auf sein eigenes Denken beziehen und dabei elementar sein Selbstbewusstsein entdecken als die Basis seiner Reflexionen und Entscheidungen. Aber abgesehen von dieser Basis des inneren geistigen Freiseins als der Form des geistigen Bei-Mir-Selbstsein: Auch diese geistige Freiheit muss sich Institutionen der Freiheit schaffen, in denen diese menschliche Freiheit lebbar und sichtbar wird, dies ist der Rechtsstaat und die sind die Menschenrechte.<br />
6.<br />
So verändert sich unsere Ausgangsfrage zur Erkenntnis: Es geht eigentlich „nur“ um die Institutionen der Sicherheit und um die Institutionen der Freiheit. Beide sind Schöpfungen des menschlichen Geistes und dessen Kraft zur kritischen Reflexion. Beide sind in gewisser Hinsicht „Welten“, in denen man sich bewegt.<br />
7.<br />
Darum kann die Frage nur heißen: Ist die Institution der Sicherheit wichtiger als die Institution der Freiheit? Konkret: Ist die Institution der aktuellen Sicherheitsbestimmungen als Freiheitsbegrenzungen wichtiger als die Institution des Rechtsstaates und der Menschenrechte?<br />
8.<br />
Die Antwort ist klar: Die Institution des Rechtsstaates und der Menschenrechte sind wichtiger, fundamentaler, einzigartig. Die von der Sache her kleinere, weil prinzipiell zeitlich begrenzte Welt der Sonder-Sicherheits-Maßnahmen steht unterhalb der „Welt“ der Demokratie und der Menschenrechte<br />
9.<br />
Die Sicherheitsbestimmungen („Sicherheitsinstitutionen“) haben also nur vorübergehend und sehr genau demokratisch kontrolliert ihr Recht. Demokratisch kontrolliert heißt ja bereits: Es ist die Vernunft, die den Rechtsstaat ja erzeugt hat, diese Vernunft legt nun auch das Ausmaß der durchaus vernünftigen Sicherheitsbestimmungen fest.<br />
10.<br />
Wichtig ist nur zu erkennen: Sicherheit und Freiheit, verstanden als lebendige, wirkliche Institutionen, hängen ab von der Vernunft und leben nur dank der kritischen Kraft der Vernunft. Sie hat das letzte Wort.<br />
11.<br />
Wer nur innerhalb der Sicherheitswelt denkt, sich darin förmlich einschließt, der denkt und lebt begrenzt. Und das ist sogar gefährlich. Denn der Sicherheitsverteidiger/Fanatiker sieht das Ganze nicht. Wer im Horizont der Freiheit denkt und dieses ist ein Denken der Demokratie und der Menschenrechte, der denkt und lebt prinzipiell  nicht nur größer, weiter, humaner, sondern auch universaler ist.<br />
12.<br />
Und dieses Denken der Freiheit als Denken der Demokratie und Menschenrechte muss heute aktiver werden: Es gilt nicht nur, an die bleibenden Korrekturen der Weltwirtschaft zugunsten des Klimaschutzes zu erinnern; es gilt zu warnen, dass vor lauter Resignation und „Aufbauwille“ nach überstandener Krise wieder die alten falschen Regeln der Umweltpolitik fortgesetzt werden.<br />
13.<br />
Genauso wichtig ist es innerhalb eines demokratischen Denkens und Handelns zu wissen: Die vielen Millionen Leidenden, also jetzt die Corona – Leidenden und Corona Toten in den armen Ländern dieser Welt (die von ultrareichen Diktatoren, umgeben von der entsprechenden so genannten Millionärs &#8211; Elite regiert werden)  brauchen auch die Unterstützung der reichen Länder, reich immer noch im Vergleich zur Masse der armen Bevölkerung im Süden. Wer denkt im reichen Europa eigentlich daran? Was sagen wir dazu, wenn etwa das katholische Hilfswerk für Lateinamerika jetzt 100.000 Euro als „Soforthilfe“ für die Corona-Krise (in allen lateinamerikanischen Staaten!) zur Verfügung stellt. Während wir, auch unsere Regierung, mit Milliarden EURO für uns in Deutschland förmlich so um sich wirft. Wie die Lebensbedingungen unter dem Corona Virus in Peru aussehen, zeigt <a href="http://www.infostelle-peru.de/web/corona-krise-schlaglichter-aus-peru/">dieser Beitrag</a>.<br />
14.<br />
Es ist nicht also das Denken innerhalb der engen Welt der Sicherheit, das jetzt Europa retten wird: Denn das Denken an die Sicherheit ist (fast) immer das Denken an die eigene Sicherheit, also auch an die nationale Sicherheit. Die Corona-Krise hat zum Aufflammen eines allumfassenden Nationalismus geführt: Aber an die Zukunft Europas, und damit der EU, gilt es zu denken. Und das kann man nur, wenn man aus der engen Welt des Sicherheitsdenkens heraustritt und sich vernünftig argumentierend innerhalb der Demokratie und der Menschenrechte bewegt.<br />
15.<br />
Weil Freiheit im emphatischen Sinne mit Vernunft identisch ist, hat natürlich immer die Freiheit als Vernunft den Vorrang. Denn nur die Vernunft kann die Formen der Sicherheit und der Sicherheits-Bestimmungen reflektieren und festlegen.<br />
16.<br />
Worauf es entscheidend ankommt, ist: Freiheit nicht banal als Freiheit zu verstehen, in der man alles tun und lassen kann. Entscheidend ist zu verstehen: freiheit ist, philosophisch gesehen, ein anderer Name für kriisch reflektierende Vernunft. Und die soll eigentlich das humane Zusammenleben bestimmen, auch die Fragen der Sicherheit. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12557_sicherheit-oder-freiheit-was-ist-wichtiger_denkbar">Sicherheit oder Freiheit. Was ist wichtiger? Denken in Zeiten der Krise. 3. Teil.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine Reise in unserer Wohnung. Denken in Zeiten der Krise. 1. Teil. Von Christian Modehn.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/12544_eine-reise-in-unserer-wohnung-denken-in-zeiten-der-krise-1-teil-von-christian-modehn_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 19:11:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Ist Philosophie eine Lebenshilfe?]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Modehn reist in der eigenen Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Corona und die eigene Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken in Krisenzeiten]]></category>
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		<category><![CDATA[Eine Reise in meiner Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[eingeschlossen sein in der Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[in der eigenen Wohnung reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Religionsphilosophischer Salon in Krisenzeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spaziergänge in der eigenen Wohnung]]></category>
		<category><![CDATA[was heißt denken in Krisenzeiten]]></category>
		<category><![CDATA[was tun in der eigenen Wohnung bei corona]]></category>
		<category><![CDATA[Xavier de Maistre]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=12544</guid>

					<description><![CDATA[<p>Liebe Freundinnen und Freunde, ich schicke Euch einen lieben Gruß von meiner Reise. Früher hatten Worte auf den üblichen Ansichtskarten nicht viel Platz. Jetzt kann ich etwas ausführlicher schreiben. Ich meine es ernst: Ich reise nämlich in meiner Wohnung. Und da ergeben sich wahre Entdeckungen, Momente der Freude, Momente der Stille, wie hoch oben, einst, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12544_eine-reise-in-unserer-wohnung-denken-in-zeiten-der-krise-1-teil-von-christian-modehn_denkbar">Eine Reise in unserer Wohnung. Denken in Zeiten der Krise. 1. Teil. Von Christian Modehn.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freundinnen und Freunde, </p>
<p>ich schicke Euch einen lieben Gruß von meiner Reise. Früher hatten Worte auf den üblichen Ansichtskarten nicht viel Platz. Jetzt kann ich etwas ausführlicher schreiben.<br />
Ich meine es ernst: Ich reise nämlich in meiner Wohnung. Und da ergeben sich wahre Entdeckungen, Momente der Freude, Momente der Stille, wie hoch oben, einst, im Gebirge. Ich möchte Euch von meiner Reise gestern berichten.</p>
<p>Ich breche spät am Morgen auf. Ich lebe ja hier „auf Vollpension“.  Man kann ausschlafen. Zum Frühstück höre ich gern Haydn, mein Mann übrigens auch. Vor ein paar Tagen haben wir unsere CD Sammlung mal sortiert und dabei die Cellokonzerte entdeckt. Wieder entdeckt.<br />
Danach gehe ich zuerst zu meinem Schreibtisch, notiere ein paar Sachen, blättere in der Zeitung. Aber es zieht mich dann doch in die Ferne, ich mache mich auf den Weg, zum Bücherregal gegenüber. Eigentlich habe ich ein Buch über Hegel gesucht, bleibe dann bei anderen Büchern hängen. Und staune, fast schäme ich mich: Da stehen ja so viele Bücher, die ich noch nicht oder so lange Zeit nicht beachtet habe. Dabei hatte sie doch einst aus Interesse gekauft.  Bildbände, Kataloge von Ausstellungen. Ich greife zu den „Aquarellen von Cézanne“.  Verstaubt ist nur der Umschlag. Und dann setze ich mich gleich wieder, das Buch in den Händen. Und blättere, im Urlaub  habe ich ja auch bei Wanderungen viel Zeit. Was fällt mir auf? Ich fasse mich kurz: Mit wenigen  Farben deutet Cézanne das Wesentliche an in der Berglandschaft von Sainte &#8211; Victoire, Provence. Irgendwie erinnern die Aquarelle an alte chinesische Natur – Malereien. Sie zeigen das Wesentliche, gerade, weil das Wesentliche nur zu ahnen ist. Das kann ich euch, liebe Freundinnen und Freunde nicht verschweigen: Eine Frage drängt sich auf: Was ist eigentlich für mich, für uns,  das Wesentliche jetzt?  Werde ich, werden wir, wie Cézanne, zum Meister der Einfachheit werden können? Diese Frage können wir ja weiter besprechen, wenn wir uns wieder sehen  oder zwischendurch wieder schreiben.  </p>
<p>Nun muss ich doch weiterwandern. Im Nebenzimmer ist ein sehr üppiges, ich würde sagen,  farbenfrohes Bild,  eigentlich nicht zu übersehen. Aber wie oft habe ich es übersehen, ignoriert? Der Maler nannte es „Herbstlandschaft im Harz“, ein Erbstück meiner Tante Maria. Wie sehr sie das Bild liebte.  Ich setze mich. Und sehe sie vor mir in ihrer Begeisterung für das Bild. Bin dankbar für Ihre gleich bleibende Freundlichkeit. Wie oft hat sie mir als Kind schon gesagt: „Verweile nicht nur vor dem Bild, sondern trete ein in das Bild“. Ich versuche es. Im stillen Sitzen bin ich dann doch irgendwie im Harz gelandet, zumindest in mitten in der Natur. Wenn ich dann aus dem Fenster schaue, sehe ich schon die ersten Forsythien. Die Natur lässt sich nicht „unter kriegen“, bis jetzt.   </p>
<p>Mein Mann ruft mich in die Küche. Wir trinken Kaffee mitten in unserer „Urlaubs-Pension“ . Neben den Tassen liegt noch die Verpackung:  „Herkunftsland El Salvador“. Wir sprechen jetzt nicht vom sinnvollen Zwang, zuhause zu bleiben &#8230; und dort zum Beispiel Reisen zu unternehmen. Wir sprechen von El Salvador, dem Bürgerkrieg dort, der Ausbeutung, den Armen, den Basisgemeinden. Und dann schweigen wir. Schließlich frage ich: „Warum geht es uns &#8211; trotz allem &#8211; doch noch besser als den vielen Armen in Lateinamerika? Warum hatten wir in Europa uns eigentlich daran gewöhnt, dass es uns meist gut, den meisten dort aber sehr oft sehr schlecht geht?“<br />
Wir beide müssen verstummen. Irgendwie bestimmt uns die Phantasie. So, als würden wir auf einer Bank in den Bergen verweilen. Werden wir melancholisch? Vielleicht. Den Verlust bedenken, den Abschied annehmen, das tut gut, ist heilsam. Nichts kommt so wieder, wie es einmal war. Eine Binsenweisheit. </p>
<p>Aber wir reisen weiter und wandern zu einem anderen Regal in einer Ecke. Da lächeln uns kleine Statuen von Buddha und Jesus an. Sie sind dicht bei einander. Unser Hausaltar, könnte man sagen, zumindest eine Art spiritueller Rückzugsort. Früher, in Bayern oder Frankreich, haben wir ja auch gern leere Kirchen besucht. Hier sind wir sozusagen in einem multireligiösen Ort. Was für ein Geschenk: Buddha und Jesus stehen friedlich nebeneinander, wie gute Freunde, wie es sich eigentlich gehört.<br />
Ich frage: “Was würden Buddha und Jesus uns wohl jetzt sagen?“  </p>
<p>Auf dem Sofa bleiben wir vielleicht eine gute Stunde im Schweigen sitzen. Die Zeit steht still. Reine Gegenwart. </p>
<p>PS.: Wir werden weitere Reisen in der Wohnung machen, Entdeckungsreisen. Und, liebe Freundinnen und Freunde: Wir freuen uns über Eure Briefe über eure aktuellen Reisen. In der eigenen Wohnung, versteht sich. </p>
<p>Liebe Grüße erst mal nach unserer Reise, von Christian und Hartmut.</p>
<p>Nebenbei: Die Anregung für „Eine Reise in meiner Wohnung“ habe ich von dem französischen Schriftsteller Xavier de Maistre (1763- 1852) erhalten, von seinem Buch „Voyage autour de ma chambre“. </p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12544_eine-reise-in-unserer-wohnung-denken-in-zeiten-der-krise-1-teil-von-christian-modehn_denkbar">Eine Reise in unserer Wohnung. Denken in Zeiten der Krise. 1. Teil. Von Christian Modehn.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Tugenden und Laster: Eine philosophische Revue</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/2424_tugenden-und-laster-eine-philosophische-revue_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 20:09:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[eine philosophische Revue]]></category>
		<category><![CDATA[Kritk am Kategorischen Imperativ]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Seel]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Seel Tugenden und Laster]]></category>
		<category><![CDATA[neue Tugendlehre]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie als Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Seel Philosoph]]></category>
		<category><![CDATA[Übergang von Tugend zu Laster]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ausbildung von Tugend und auch Laster ist wesentlich eine Sache der individuellen Selbstformung, die im günstigen Fall von beständigen Lernprozessen begleitet wird. Das bedeutet freilich weder, dass man den eigenen Charakter insgesamt in Regie nehmen könnte, noch, dass man nicht auf die Hilfe und das Beispiel anderer angewiesen wäre.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/2424_tugenden-und-laster-eine-philosophische-revue_denkbar">Tugenden und Laster: Eine philosophische Revue</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Müßiggang ist aller Liebe Anfang</p>
<p>Wenn Tugenden zu Lastern werden &#8211; und umgekehrt.   Christian Modehn im Gespräch mit dem Philosophen Martin Seel</p>
<p>Wollen Sie an einer philosophischen Revue teilnehmen? Dabei können Sie ganz schön erschüttert werden. Denn im Laufe der Revue werden Tugenden zu Lastern und umgekehrt. Der Philosoph Martin Seel (Universität Frankfurt am Main) zeigt überzeugend, wie fließend die Übergänge sind zwischen gutem und bösem Verhalten. »111 Tugenden &#8211; 111 Laster« heißt sein neuestes Buch. Es stellt keineswegs 111 Tugenden den 111 Lastern gegenüber. Vielmehr sind die 111 menschlichen Charakterbilder in sich doppeldeutig: Eine Tugend kann zum Laster werden und ein Laster zur Tugend.</p>
<p>Herr Seel, verwischen Sie in Ihrem Buch nicht das klare Bild, das bisher ein tugendhaftes beziehungsweise ein verabscheuungswürdiges, ein lasterhaftes Leben auszeichnete?</p>
<p>Martin Seel: Auch nach der Lektüre meines Buches bleibt es dabei, dass Tugenden ein gutes und gerechtes Leben fördern und Laster ein solches Leben behindern und im Extremfall zerstören. Jedoch führt das Buch vor, dass in den meisten der menschlichen Charaktereigenschaften, die wir auf den ersten Blick als Laster verbuchen, durchaus auch Energien der Tugend stecken und entsprechend, dass in den menschlichen Tugenden häufig auch Kräfte des Lasters wirksam sind. Das heißt: Tugenden sind heikle Balancen, die oft nur mit Mühe gehalten werden können &#8211; aber die Mühe ist es wert.</p>
<p>Zum Beispiel: Warum kann das hoch gelobte Mitgefühl auch lasterhaft, also schädlich sein, für den Mitfühlenden wie für die Betroffenen?</p>
<p>Martin Seel: Wir alle kennen das Phänomen des falschen Mitleids. Aber auch dort, wo wir nicht nur ein geheucheltes, sondern ein echtes Mitgefühl für die Lage anderer Personen aufbringen, kann es vorkommen, dass wir die anderen durch unsere Empathie erdrücken: Wir glauben, besser als diese selbst zu wissen, wie es ihnen ergeht, und maßen uns an, deren Leben in unsere Hand zu nehmen. Zugleich kann übersteigertes Mitgefühl auch denen schaden, die es zeigen. Dies geschieht, wenn sie vor lauter Anteilnahme das Gespür für ihr eigenes Wohlergehen verlieren, was ihnen früher oder später die Kraft und die Fähigkeit zu aufrichtiger Anteilnahme raubt.</p>
<p>Oder denken wir an die Tugend der Frömmigkeit. Warum kann sie ins Lasterhafte »umkippen«?</p>
<p>Martin Seel: Wie immer man Frömmigkeit im Einzelnen versteht, ob als eine religiöse Haltung oder auch nur eine Haltung der »Weltfrömmigkeit« (die von jener gar nicht immer so leicht zu unterscheiden ist) &#8211; ihre Formen kippen ins Lasterhafte um, wenn der Glaube der Frommen zu einem starren, dogmatischen und darum intoleranten Glauben wird, der keinen anderen neben sich duldet. Insofern ist aller Fanatismus fehlgeleitete Frömmigkeit.</p>
<p>Nehmen wir eine relativ milde Form des Lasters, etwa die Faulheit. Kann denn aus Faulheit eine tugendhafte Haltung werden?</p>
<p>Martin Seel: Aber sicher. Das ethische Lob der Faulheit ist ja durch die Jahrhunderte hinweg immer wieder gesungen worden. Nicht weil Faulheit in jeder Hinsicht wohltuend und sozialverträglich wäre, aber doch, weil in ihr manchmal ein Geist des Widerstands gegen falsche eigene Erwartungen und maßlose gesellschaftliche Zumutungen steckt, der durchaus heilsam sein kann. In der richtigen Dosis erweist sich Faulheit als eine Form des Müßiggangs. Und entgegen anderslautenden Gerüchten ist Müßiggang nicht aller Laster, sondern aller Liebe Anfang.</p>
<p>Könnte man es ethisch rechtfertigen: Wer nie untreu war, weiß nicht, was Treue ist? Also sollte man sich eine gewisse »Dosis« Untreue gönnen?</p>
<p>Martin Seel: Ich würde vorsichtiger sagen: Wer den Zweifel an der Treue nicht kennt, kennt den Sinn der Treue nicht. Der Zweifel, auf den es hier ankommt, betrifft die Frage, ob die Person oder Sache, der ich treu bin, es wirklich wert ist, dass ich es bin. Sich dies fragen zu können ist selbst ein Zeichen der Fähigkeit zur Treue.</p>
<p>Ein hundertprozentig heiliger Mensch ist also philosophisch gesehen nichts als ein frommer Wunsch?</p>
<p>Wenn wir mit der Figur des Heiligen, wie es in der Moralphilosophie und Moraltheologie immer wieder geschehen ist, das Ideal einer Person verbinden, die sich vollkommen sicher auf der Seite des Guten bewegt, weil diese den Widerstreit zwischen Pflicht und Neigung, zwischen Selbstsorge und Sorge für andere, zwischen den Forderungen des Tages und denen über den Tag hinaus (usw.) überhaupt nicht kennt, dann handelt es sich nicht einmal um einen frommen Wunsch, sondern einfach um eine unsinnige Vorstellung. Denn moralisch zu sein heißt gerade, den Widerstreit zwischen unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen ohne Bedauern anzunehmen &#8211; ohne den Irrglauben, man könne ein für alle Mal auf der richtigen Seite sein. Die wirklichen Menschen übrigens, die in religiösen Traditionen als »Heilige« verehrt werden, haben sich diesen Irrglauben kaum zuschulden kommen lassen.</p>
<p>Der Revolutionär Robespierre etwa wollte »nur tugendhaft« sein. Ist er gerade deswegen zum Massenmörder geworden?</p>
<p>Martin Seel: Unter anderem deswegen würde ich sagen. Moralischer Rigorismus ist gerade politisch gefährlich. Er verletzt das menschliche Maß eben dadurch, dass er sich einbildet, im Besitz der einzig wahren Deutung dieses Maßes zu sein. Auch hier gilt: Die reine Illusion ist immer eine Illusion der Reinheit.</p>
<p>Gibt es denn für Sie ein Laster, das niemals die Möglichkeit hat, sich positiv zur Tugend zu entwickeln?</p>
<p>Martin Seel: Ja, zumindest ein Laster bildet in meinem Buch eine Ausnahme von der Ambivalenz-Regel: die Grausamkeit. Grausam sind Personen oder Institutionen, die bereit sind oder es in Kauf nehmen, die leibliche und seelische Integrität von Personen ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen zu verletzen. In dieser Einstellung steckt nicht der geringste Keim einer Orientierung am Guten.</p>
<p>Es kommt in Ihrer Tugend-Philosophie darauf an, die Übergänge wahrzunehmen, wenn zum Beispiel aus der authentischen Freundlichkeit das Bloß-freundlich-Tun wird?</p>
<p>Martin Seel: Überall in der menschlichen Lebensführung kommt es auf die feinen Unterschiede an &#8211; so auch hier. Wobei nicht einmal das bloße Freundlich-Tun ganz zu verachten ist, etwa, wenn wir an die »professionelle« Freundlichkeit von Schalterbeamten oder Kassiererinnen denken.</p>
<p>Sie wenden sich gegen die definitive Abgeschlossenheit einer bestimmten Lebenshaltung. Könnte man sagen: Sie wollen das Leben flüssiger machen? »So bin ich und so bleib ich auf ewig«: Dieser Spruch hat dann wenig Sinn?</p>
<p>Martin Seel: »Das Leben« flüssiger machen zu wollen wäre wohl allzu vermessen. Außerdem erscheint es den meisten von uns ohnehin als einerseits zu flüssig (und flüchtig) und andererseits zu festgelegt (und beengend). Der Prozess der Lebensführung aber kann so gestaltet werden, dass in ihm eine Offenheit für die Ungewissheiten und Instabilitäten des Lebensvollzugs zum Ausdruck kommt. Nur dank dieser Offenheit ist so etwas wie ein über einzelne glückliche Augenblicke hinaus gelingendes Leben möglich.</p>
<p>Sie nennen Ihr Buch »eine philosophische Revue«: Das heißt, die Leserinnen und Leser können mit der Lektüre irgendwo beginnen, zum Beispiel bei der »Coolness«. Dann werden sie lesen, dass Coolness durchaus eine Mischung aus Gleichmut, Lässigkeit und Gewitztheit ist. Aber dann schreiben Sie auch: Coolness, »diese wohltemperierte Leidenschaft, lässt sich auf Dauer im wirklichen Leben nicht durchhalten«. Hoffen Sie darauf, dass durch Erkenntnis eine neue Einstellung zur Coolness, vielleicht zum Leben insgesamt, gelingt?</p>
<p>Martin Seel: Das Argument an der Stelle, auf die Sie sich beziehen, besagt, dass ein Leben lang durchgehaltene Coolness zur bloßen Fassade verkommen müsste: »Nur brüchige Coolnes ist cool«, lautet deshalb in dieser Sache das paradoxe Fazit. Wer das akzeptiert, verleiht seiner Lebenseinstellung einen bestimmten Akzent. Die Sache der Tugenden und Laster ist aber zu komplex, als dass man im Nachdenken über eine von ihnen sogleich die ganze Einstellung zum Leben neu konfigurieren könnte. Dies aber kann man ohnehin durch Nachdenken allein gar nicht bewerkstelligen. Erfahrung und Übung, und mit ihnen Enttäuschung und Überraschung, sind die unumgänglichen Begleiter einer wirksamen ethischen Reflexion.</p>
<p>Meinen Sie also, dass philosophische Besinnung und Kritik einen therapeutischen Charakter haben kann?</p>
<p>Martin Seel: Ja, durchaus: vor allem deshalb, weil es sich um Selbsttherapie handelt, die ihre Basis in einsamer oder gemeinsamer Selbstverständigung hat.</p>
<p>Sind denn Tugenden aus Ihrer Sicht lernbar? Und wenn ja, wer sollte Tugenden lehren?</p>
<p>Martin Seel: Hier möchte ich paradox sagen: Sie sind lernbar, aber nicht lehrbar. Dies folgt aus dem, was ich eben gesagt habe: Die Ausbildung von Tugenden und auch Laster ist wesentlich eine Sache der individuellen Selbstformung, die im günstigen Fall von beständigen Lernprozessen begleitet wird. Das bedeutet freilich weder, dass man den eigenen Charakter insgesamt in Regie nehmen könnte, noch, dass man nicht auf die Hilfe und das Beispiel anderer angewiesen wäre. Dennoch bleibt der Gedanke eines Tugendlehrers ein hölzernes Eisen. Die Fähigkeit, im eigenen Handeln diverse Tugenden zu beweisen, hat nicht die Verfassung eines Expertenwissens, das in feinen Dosen an die Laien weitergegeben werden könnte. Denn es gibt hier weder Laien noch Experten. Wohl aber gibt es Menschen, die anderen durch Erziehung, Anleitung, Imagination und Animation auf die Sprünge helfen können, indem sie veranschaulichen oder vormachen, wie es trotz allem möglich ist, sich selbst und den anderen einigermaßen gerecht zu werden.</p>
<p>Sollten heute Philosophen bestimmte Tugenden in den Mittelpunkt stellen, wenn nicht fördern? Etwa Gerechtigkeit, Engagement, Solidarität?</p>
<p>Martin Seel: Dies sind wichtige und unbedingt zu stärkende soziale Tugenden, über denen aber auch die stärker individualethischen Tugenden nicht vergessen werden sollten, wie beispielsweise Humor, Selbstachtung und Selbstvertrauen. Denn ohne diese werden jene nicht umsichtig wirksam werden können. Außerdem ist zu beachten, dass gerade die primär sozialen Tugenden in einer Gesellschaft wie der unseren nicht allein individuelle, sondern zugleich institutionelle Werte bezeichnen: Ohne gerechte Institutionen beispielsweise bleibt das individuelle Bemühen um Gerechtigkeit immer auch ohnmächtig. Daher hat die Förderung von Tugenden von vornherein eine politische Dimension.</p>
<p>Wie können Philosophen die verschiedenen Formen der Gier, etwa in der Finanzwelt, analysieren und kritisieren?</p>
<p>Martin Seel: Gerade an diesem Beispiel zeigt sich die eben erwähnte politische Dimension der Rede von Tugenden und Lastern. Das Problem der Finanzmärkte und ihrer Regulierung liegt ja nicht in erster Linie an der persönlichen Gier der Akteure, die auf dem Parkett der Börsen zugange sind. Es liegt vor allem an den systembedingten Imperativen, denen die Finanzindustrie gehorcht, und ihrer Indifferenz gegenüber den Entwicklungen der Realwirtschaft. Hier gegenzusteuern &#8211; und damit auch die Spielräume individueller Gier zu verringern &#8211; ist eine eminent politische Aufgabe, die zudem nur im internationalen Maßstab angegangen werden kann.</p>
<p>Warum brauchen wir eine neue Tugendlehre? Reicht im Alltag nicht der kategorische Imperativ Immanuel Kants als Orientierung völlig aus, der mich mahnt, immer zu prüfen, ob meine Lebensmaxime allgemeines Gesetz für alle werden kann?</p>
<p>Martin Seel: Der kategorische Imperativ oder andere Formen eines Instrumentalisierungsverbots im Verhalten der Menschen untereinander reichen allein deshalb nicht aus, weil sie angesichts konkreter Situationen viel zu wenig aussagen können. Und weil sie nicht in der Lage sind, der Möglichkeit von normativen Konflikten gerecht zu werden. Eine moderne Tugendlehre erinnert demgegenüber an die praktische Auslegung allgemeiner moralischer und rechtlicher Grundsätze, wie sie in der Gestalt einer Pluralität von Tugenden und Lastern in unserem alltäglichen Leben wirksam ist &#8211; und dort auch immer wieder verhandelt wird. Denn das ist der Sinn der Tugenden: Denen, die sich um ihren Besitz bemühen, eine Deutung ihres Lebens zu geben, die es ihnen erlaubt, ihr Dasein in Selbstachtung und in mit anderen geteilter Selbstbestimmung zu vollbringen.</p>
<p><strong>Buchhinweis:</strong> Martin Seel. 111 Tugenden, 111 Laster. Eine philosophische Revue.</p>
<p>S. Fischer. Frankfurt am Main. 288 Seiten. 18,95 €</p>
<p>Dieser Beitrag erschien zuerst im April 2012 in der empfehlenswerten Zeitschrift Publik Forum.</p>
<p>Hinweis am 2.1.2019: Über das neue (2018) Buch von Martin Seel &#8222;Nichtrechthabenwollen&#8220; <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11240_nichtrechthabenwollen-viel-sinn-und-weniger-sinn_aktuelle-buchhinweise/philosophische-buecher">klicken</a> Sie hier.</p>
<p>Coypright: christian modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/2424_tugenden-und-laster-eine-philosophische-revue_denkbar">Tugenden und Laster: Eine philosophische Revue</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>&#8222;Das echte Leben&#8220;. Monat der Philosophie in Holland</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1514_das-echte-leben-monat-der-philosophie-in-holland_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 17:26:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredakteur]]></category>
		<category><![CDATA[Daan Roovers]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Meritis]]></category>
		<category><![CDATA[Filosofie Magazine Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Achterhuis]]></category>
		<category><![CDATA[maand van de filosofie]]></category>
		<category><![CDATA[Monat der Philosophie in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Bieri in Amsterdam]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophisches Cafe Haarlem]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten Gemeinde Haarlem]]></category>
		<category><![CDATA[Susan Neiman in Amsterdam]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was ist das „echte, das authentische Leben“? Zum 10. Mal findet in Holland der „Monat der Philosophie“ statt. Alle Freundinnen und Freunde der Philosophie können aufatmen: Während in Deutschland die Philosophie und das Philosophieren gesellschaftlich immer noch ein eher marginales Dasein fristen, trotz einiger „philosophischer Praxen“ und einiger philosophischer Cafés: In Holland sind die Menschen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1514_das-echte-leben-monat-der-philosophie-in-holland_denkbar">&#8222;Das echte Leben&#8220;. Monat der Philosophie in Holland</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist das „echte, das authentische Leben“?<br />
Zum 10. Mal findet in Holland der „Monat der Philosophie“ statt.<br />
Alle Freundinnen und Freunde der Philosophie können aufatmen: Während in Deutschland die Philosophie und das Philosophieren gesellschaftlich immer noch ein eher marginales Dasein fristen, trotz einiger „philosophischer Praxen“ und einiger philosophischer Cafés: In Holland sind die Menschen von der Philosophie begeistert. Immer mehr Verlage drucken philosophische Bücher; die sehr ansehnliche Monatszeitschrift „filosofie magazine“ erscheint nun schon im 20. Jahr und hat eine Auflage von 17.000 Exemplaren, das ist für den relativ kleinen Leserkreis der Niederlande (16 Millionen Einwohner) sehr beträchtlich. Zur „Nacht der Philosophie“ im klassischen Kulturzentrum „Felix Meritis“ in Amsterdam kamen am 8. April 800 Teilnehmer zusammen, junge und ältere Menschen, in Holland geborene „Autochthone“ wie auch viele Menschen anderer Kulturen. Gäste waren u.a. Peter Bieri, Berlin und Susan Neiman, Direktorin des Einstein – Forums Potsdam. Von abends um 8 bis bis nachts um 2 wurde diskutiert und nachgedacht; ab Mitternacht sorgten Musiker für eine Auflockerung des Denkens. Der finanzielle Rahmen für solche äußerst erfolgreichen Termine scheint gesichert zu sein: In jedem Jahr wird ein eigens geschriebener philosophischer Essay unters Volk gebracht, in diesem Jahr hat die junge Philosophin Stine Jensen ein äußerst anregendes Buch über Intimität und Freundschaft durch „facebook“ geschrieben, „Echte Vrienden“ ist der Titel des 122 Seiten umfassenden Buches, es liegt stapelweise in den Buchhandlungen und kostet nur 4, 95 Euro. Im ganzen Land finden insgesamt 200 philosophische Veranstaltungen im April statt, die Themen sind alles andere als abstrakt und verstaubt, es geht um Philosophie und popmusik, um Wahrheit und Lüge, die Auseinandersetzung mit dem Tod, Philosophie und Arbeit usw&#8230; Oft sind philosophische Cafés die Träger dieser Initiative, wie etwa die Gemeinde der protestantischen freisinnigen Kirche der Remonstranten in Haarlem, die allein vier Veranstaltungen im April anbieten. Der Philosoph Marc de Kesel diskutierte dort z.B. über die Notwendigkeit des Zweifels in jeder monotheistischen Religion. Vor 10 Jahren hat dieser Monat der Philosophie bescheiden gestartet, heute ist er aus dem kulturellen Leben in Holland nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg verdankt sich einer kleinen, energischen Gruppe von Philosophen, die das Denken aus dem Elfenbeinturm der Universitäten befreien wollen.  Sie haben Erfolg gehabt!  Sie haben eine Stiftung gegründet, die ohne öffentliche Unterstützung auskommt. Den diesjährigen Preis im philosophischen Monat erhielt der Philosoph Hans Achterhuis (Universität Twente), vor allem als Anerkennung für sein neuestes Buch: „De utopie van de vrije markt“. (Die Utopie vom freien Markt).</p>
<p>Siehe www.filosofiemagazine.nl<br />
www.maandvandefilosofie.nl</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1514_das-echte-leben-monat-der-philosophie-in-holland_denkbar">&#8222;Das echte Leben&#8220;. Monat der Philosophie in Holland</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Wenn das Kreuz politisch missbraucht wird</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1490_wenn-das-kreuz-politisch-missbraucht-wird_denken-und-glauben</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 11:40:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA["europäisches Volksgefühl" und Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[das Kreuz als Symbol abschaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Europäischer gerichtshof Straßburg Kruzifix Urteil]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuz als politisches Symbol]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuz als Symbol]]></category>
		<category><![CDATA[Kruzifix Urteil]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten ohne Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[Rino Fisichella]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das „philosophische Wort“ zur Woche Das Kreuz &#8211; nur schöne Garnitur und eine kulturelle Kulisse Im religionsphilosophischen Salon wird über das Urteil der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg vom 18. März 2011 diskutiert. Das Thema ist schwerwiegend, weil es das Zusammenleben verschiedener Religionen und Weltanschauungen in Europa betrifft. Das Gericht hatte entschieden, dass [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1490_wenn-das-kreuz-politisch-missbraucht-wird_denken-und-glauben">Wenn das Kreuz politisch missbraucht wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das „philosophische Wort“ zur Woche<br />
Das Kreuz  &#8211; nur schöne Garnitur und eine kulturelle Kulisse </p>
<p>Im religionsphilosophischen Salon wird über das Urteil der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg vom 18. März 2011 diskutiert. Das Thema ist schwerwiegend, weil es das Zusammenleben verschiedener Religionen und Weltanschauungen in Europa betrifft. Das Gericht hatte entschieden, dass ein Kruzifix im Klassenzimmer in Italien kein Verstoß gegen die Religionsfreiheit der Europäischen Menschenrechtskonvention sei. Ein Kreuz, als eine Art passiver Gegenstand, könne, so hieß es, keine direkte, aktive religiöse Werbung darstellen.<br />
Uns irritiert der Jubel aus politischen Kreisen zu diesem Urteil:<br />
Das „europäische Volksgefühl“ habe gesiegt, sagte z.B. der italienische Außenminister Franco Frattini, nach dem Urteil. Frattini gehört zur Partei Berlusconis „popolo della liberta“, dieser Fusion mehrerer Parteien, zu denen auch die Neofaschisten gehören. Diese Partei Berlusconis ist unter Katholiken und bis jetzt auch im Vatikan beliebt&#8230;<br />
Aber was ist das „europäische Volksgefühl“? Der Name klingt merkwürdig: Erinnert er nicht an die 1930 Jahre, an das „gesunde Volksgefühl“, das bekanntlich höchst ungesund und für die Juden und Sintis und Homosexuellen höchst tödlich war? Dieser Begriff Frattinis ist heute obsolet, ja unrealistisch, weil in Europa heute auch  mindestens jeder Dritte konfessionslos ist oder sich von der römischen Kirche distanziert. Die Konfessionsstatistiker sprechen eine deutliche Sprache. Der Islam ist Teil Europas und das Judentum auch, das ja bekanntlich auch nicht so viel Wert legt auf Kreuzesdarstellungen.<br />
Wir haben den Eindruck: Das Urteil aus Straßburg wird instrumentalisiert, um eine bestimmte „weiße“ und kirchlich – vatikanisch gebundene Kultur zu verteidigen. Die Kreuzes – Liebe  des Berlusconi Freundes ist pure politische Taktik. Das Kreuz als Symbol des erniedrigten, leidenden Jesus von Nazareth, des Freundes aller Armen und Ausgegrenzten, wird sozusagen seines Inhaltes beraubt. Es wird zur Kulisse, es wird ein belangloses Schmuckstück, wie man es auch aus bayerschen Kneipen (und christlichen Parteibüros)  kennt. In den Kneipen am Stammtisch, im Schatten des Gekreuzigten, geht es ja bekanntlich oft nicht sehr „jesuanisch“ zu, im Sinne eines Eintretens für die Geschundenen dieser Welt, etwa Obdachlose, Flüchtlinge, sogen. Randgruppen. Religiöse und spirituelle Symbole sind aufgrund ihrer All – Präsenz in der Öffentlichkeit zu Verbrauchsgegenständen geworden. Wenn in Cafés, Frisörsalons oder Buchhandlungen als „Zierde“ eine Buddha Statue steht, bedeutet das ja auch nicht: Dass all diese Menschen den Weisungen des Erleuchteten folgen (wollen).  Buddha ist wie das Kreuz Massenware geworden. Wer die Kruzifixe in öffentlichen Räumen heute verteidigt, verteidigt also ein Stück Folklore, ein Stück Schnitzkunst, das keinen religiösen Inhalt vermittelt.<br />
Diese Meinung wird weiter unterstrichen durch frühere Urteile in Italien: Das Kreuz sei Ausdruck nationaler Identität, das Kreuz habe einen quasi weltlichen Gehalt, heißt es da. Das höchste Verwaltungsgericht des Landes, der Consiglio di Stato, hatte erklärt: Das Kreuz symbolisiere zivile Werte, die typisch für Italien seien, genannt wurden: Toleranz, Grundrechtsgewähr, Abkehr von Diskriminierung usw&#8230; All das wird ja sozusagen im Schatten des Kreuzes von der Berlusconi Regierung bekanntlich in ihrer völligen Lauterkeit, Wahrhaftigkeit und moralischen Strenge im Geiste der Bergpredigt realisiert, das wissen ja inzwischen alle. Deswegen steht Berlusconi ab April vor Gericht.<br />
Das Merkwürdige, ja Skandalöse ist, dass viele Kirchenführer mit diesem Urteil aus Straßburg höchst zufrieden sind. Sie lassen es offiziell zu, dass das Kreuz zu einem harmlosen zivilen Gegenstand weiterhin benutzt wird, als Symbol für Regierungen, die alles andere als menschenrechtsfreundlich sind, die auch nichts wissen, von der Bergpredigt Jesu, denen das Evangelium völlig egal ist, siehe Asylpolitik usw&#8230; Für Kardinal Peter Erdö, Budapest, Opus Dei Mitglied, und Präsident der europäischen Bischofskonferenzen CCEE,  gehört die Präsenz religiöser Symbole an allen (!) öffentlichen Orten zur kulturellen Identität. Noch weiter geht Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung Europas! Er deutet das Straßburger Urteil als das &#8222;vielleicht schönste Geschenk zum 150. Geburtstag Italiens“. Und weiter: Die Zulassung der Kreuze in den Schulen habe das Verhältnis zwischen den Institutionen und dem Volksempfinden (!) wieder in Ordnung gebracht, sagte Fisichella in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung &#8222;Corriere della Sera&#8220; vom Samstag. Der päpstliche „Neuevangelisierer“ glaubt: Die Bedeutung des Richterspruchs gehe weit über Italien und Europa hinaus.<br />
Im Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon wurde weiter diskutiert, ob es denkbar wäre, wenn die Kirchen darauf dringen, das Kreuz nur noch in christlichen, kirchlichen Räumen zu zeigen. Ganz verzichten können die Kirchen wohl nicht mehr auf dieses Symbol. Die ersten Christen hatten ja bekanntlich andere Symbole, etwa den Fisch als Symbol für Christus. Und die reformierten Kirchen sind sehr sparsam mit der Verwendung des Kreuzes, die Remonstranten Kirche in Holland verwendet es fast gar nicht! Und zwar zu recht, weil das Kreuz als Symbol eben auch negativ –auch historisch &#8211; belastet ist! Kann denn das treffende Symbol für einen lebendigen Christus der Leichnam am Kreuz sein? Das Kreuz (mit Korpus) ist längst kein befreiendes Symbol mehr. Darüber kann man doch diskutieren und neue Möglichkeiten auszutesten, meinen Mitglieder des Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salons. Wann wird es ein Symbol geben für eine Menschheit, aus allen Religionen und Weltanschauungen, ein Symbol, in dem sich alle als Menschen wiederfinden. Klassische religiöse Symbole, auch das Kreuz,  grenzen aus und schaffen oft Unfriede.<br />
Eine weitere Frage: Wenn man sich schon Symbole in Schulen und Kneipen und Parteibüros hängen will: Da gibt es heute sicher wertvollere Symbole, in denen sich die ganze Menschheit wieder findet, denn auf das Verbindende, nicht auf das Ausgrenzende kommt es doch wohl an. Es wären Symbole, die die Sehnsucht nach einer friedlichen und gerechten Welt darstellen, etwa der Regenbogen. Darüber wäre jetzt zu reden. Warum tun das so wenige? Wovor hat man Angst? </p>
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		<title>&#8222;Wo war Gott in Japan am 11.März ?&#8220;</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1444_wo-war-gott-in-japan-am-11-marz_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 20:54:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[11. März]]></category>
		<category><![CDATA[11. März 2011 in Japan]]></category>
		<category><![CDATA[die endliche Welt]]></category>
		<category><![CDATA[die unvollkommene Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben in Lissabon]]></category>
		<category><![CDATA[Gott und die Naturkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[ist Gott böse?]]></category>
		<category><![CDATA[wir können nichts von Gott wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wo war Gott in Japan? Tsunami und Erdbeben in Japan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im &#8222;Philosophischen Wort zur Woche&#8220; diesmal einige Reflexionen aus aktuellem Anlaß. Von Christian Modehn. „Wo war Gott in Japan am 11. März 2011?“ Als Motto für diese Überlegungen wurde am 23.3. 2011 noch ein Satz des Sozialphilosophen Oskar Negt eingefügt, aus einer Rede, die er anläßlich der Verleihung des &#8222;August Bebel Preises&#8220; am 21. 3. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im &#8222;Philosophischen Wort zur Woche&#8220; diesmal einige Reflexionen aus aktuellem Anlaß. Von Christian Modehn.<br />
<strong>„Wo war Gott in Japan am 11. März 2011?“</strong><br />
Als Motto für diese Überlegungen wurde am 23.3. 2011 noch ein Satz des Sozialphilosophen Oskar Negt eingefügt, aus einer Rede, die er anläßlich der Verleihung des &#8222;August Bebel Preises&#8220; am 21. 3.  in Berlin hielt. Oskar Negt sagte:<br />
<strong>&#8222;Fortschritt heißt heute, sich einem verhängnisvollen Lauf in den Weg zu stellen, die Notbremse zu ziehen&#8220;.</strong></p>
<p>Im religionsphilosophischen Salon wird die Frage diskutiert, in welcher Weise das Erdbeben in Japan mit dem Tsunami und der AKW Katastrophe (am 11. 3. 2011) auch ein philosophisches Thema ist. Hat die Katastrophe etwas mit der klassischen philosophischen &#8222;Theodizee&#8220; zu tun?<br />
Wahres Philosophieren ist immer auf gegenwärtige Ereignisse bezogen. Denn das grundsätzliche Nachdenken stellt sich JETZT ein und verlangt Aufklärung, so sehr auch Philosophen gern den (abschließenden?) Überblick behalten und die „Eule der Minerva“ lieben, die in der Dämmerung aufsteigt, wenn die Ereignisse in weiterer Ferne sind (Hegel liebte dieses Bild).<br />
Ein katastrophales Erdbeben war schon einmal Thema der Philosophie: Das große Erdbeben von Lissabon (1755) nahmen auch prominente Philosophen zum Anlass, ihre Philosophie der kritischen Aufklärung zu vertiefen und auch unters Volk zu bringen; bestes Beispiel dafür ist der Roman „Candide“ von Voltaire (1759). Darin wird mit der populären Vorstellung (von Leibniz entwickelt) abgerechnet, die Menschen „lebten in der besten aller denkbaren Welten“.<br />
Nach dem Erdbeben von Lissabon hat die Philosophie der Aufklärung  einen neuen Schwung erhalten, bis hin zur Überzeugung Kants, von Gott und seinem Verhalten zur Welt nichts wissen zu können (was für Kant nicht heißt, dass wir darüber nicht vernünftig denken (!) können). Aber Kant überließ die Verdeutlichung dieser Fragen der Welt des Glaubens (die freilich auch von gewissen Grundregeln der Vernunft strukturiert sein muss, will sie sich nicht lächerlich machen).<br />
Das Thema bleibt: Was ist das für ein Schöpfergott, der solche Naturkatastrophen mit so vielem Leiden zulässt?<br />
Der Philosoph Theodor W. Adorno dachte auch zeitbezogen, als er im Blick auf eine von Menschen (!) angerichtete Katastrophe, auf den Holocaust,  meinte: Dieser würde eine grundlegende Transformation der Philosophie bedeuten. Seine „Negative Dialektik“ (1966) ist von dieser Stimmung geprägt.<br />
Selbst in der Theologie wird jetzt oft der Topos „nach Auschwitz“ verwendet, etwa von J.B. Metz; eine konkrete, spürbare und deswegen schmerzhafte Umstellung der Kirchen zugunsten der Leidenden und der neuen „Holocausts“ (vom Westen zugelassenes Hungersterben z.B. in Darfur, in Ruanda usw.) hat freilich nicht stattgefunden. „Nach dem Holocaust“ blieb ein hübscher Topos für Sonntagsreden und Dissertationen.<br />
Welche Perspektiven kann denn das Philosophieren bieten angesichts der Natur &#8211; Katastrophe und der Atom Katastrophe in Japan vom 11. März 2011?<br />
Bleiben wir bei dem Erdbeben und dem Tsunami:<br />
Alles Denken muss „unten“, beim Menschen, beim Selbstbewusstsein des Subjekts, ansetzen. Wir können doch nicht bei irgendwelchen Eigenschaften des himmlischen Gottes beginnen und ihn mit seiner Welt konfrontieren, das wäre obsolet.<br />
Es ist also unsinnig, von vornherein den Topos der „gütige Gott“ ins Feld zu führen und ihn mit der Katastrophe unmittelbar zu konfrontieren: „Wo war Gott in Japan am 11. 3. 2011?“ ist also eine dumme, weil unvernünftige Frage. Sie kann nur von den einzelnen Betroffenen je für sich persönlich beantwortet werden.<br />
Philosophisch gilt: Wer bei der Selbstreflexion des einzelnen ansetzt, muss zuerst feststellen: Das Subjekt selbst und die ihn umgebende Welt, ja die Welt im ganzen, sind endlich, sind begrenzt, sind unvollkommen. Wir leben definitiv in einer unfertigen und einer nicht restlos beherrschbaren Welt. Die von uns erkannten Naturgesetze gelten offenbar nur für einen begrenzten Rahmen, nicht aber für die Berechnung und Abwehr von Erdbeben und Tsunamis.<br />
Den Gedanken an Gott gilt es in diesem Zusammenhang immer noch fernzuhalten.<br />
Diese unvollkommene und endliche Welt ist die Basis für alle weiteren philosophischen Reflexionen. Diese Situation hat Auswirkungen auf das Selbstverständnis des Menschen: Seine Autonomie, also Selbstbestimmung, ist begrenzt. Es wäre aber ein Fehlschluss, häufig von Frommen propagiert, nun gegen jegliches Bemühen um die begrenzte Autonomie zu verteufeln.<br />
In den verschiedenen religiösen Texten haben Menschen vor vielen hundert Jahren ihre Träume und Visionen zur Weltschöpfung durch einen Gott oder Götter niedergeschrieben und diese Texte wurden dann von den religiösen Führern Gottes Wort genannt, diese religiösen Führer beanspruchen, diese Texte authentisch zu interpretieren. Diese Texte über den guten Gott und die böse Welt sind poetische Texte und sollten als solche behandelt werden, auch in historisch –kritischer Methode. Es wäre deshalb ein Wahnsinn, im Gefolge unmittelbar verstandener religiöser poetischer Texte das Erdbeben am 11. 3. 2011 eine Strafe Gottes zu nennen.<br />
Grundlegend gilt: Diese frommen Texte können philosophisch kein Leitfaden sein. Einzelne Menschen mögen in diesen Texten ihre private Befriedigung und ihren privaten Trost durchaus finden. Sie sollen ihren privaten Glauben aber nicht als Welt-Auslegung für alle verkaufen.<br />
Zu den AKW Katastrophen am 11. 3. 2011 und danach:<br />
Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass die Macht der kritischen Vernunft unterschätzt wird und nicht zur vollen Entfaltung gelangt. Im Falle enthusiastischer AKW Bauten spielt offenbar die kritische Vernunft keine große Rolle. Die grundsätzliche Bedrohung durch AKWS wird überspielt und verdrängt.<br />
Konkret: Die Warnungen eines breiten Stroms kritischer Wissenschafter vor AKWS wurde nicht respektiert, ja selbst als unvernünftig zurückgewiesen von der Lobby der AKWS.<br />
Sie woll(t)en ausschließlich ihren Profit machen. Der Gedanke des permanenten Fortschritts und des permanenten Wirtschaftsbooms dank AKWs wurde von weiten Kreisen konservativ Gesinnter unbefragt als der „allgemeine Glaube“ übernommen. Es wurde die fast religiös gefärbte Ideologie des permanenten Wachstums wie ein heiliges Dogma, wie ein Gott, verehrt. Man denke an die &#8222;Wallfahrten&#8220;, die stolze Franzosen gern zu ihen AKWS unternahmen&#8230;<br />
Philosophie „nach Japan am 11. 3. 2011&#8243;: Sie muss also die Götter des Wachstums kritisieren.<br />
Und die vielen Leidenden, die Opfer, die Verstrahlten? Was hat das Philosophieren denen zu sagen?<br />
Zu sagen erst einmal gar nichts, sondern beizustehen, sofern das aus der Ferne möglich ist. Auch Philosophen können die Hinterbliebenen und Leidenden ermuntern, die eigene persönliche und private spirituelle Ressource zu beleben, die kann theistisch, atheistisch, skeptisch, buddhistisch wie auch immer sein.<br />
Und im Umkreis der Philosophierenden müsste eine Art Selbstverpflichtung ausgesprochen werden, die Markt- und Wachstums Götter der Gegenwart anzukratzen, wenn nicht zu entthronen.<br />
Finden sie dabei Unterstützung von seiten der Frommen?  Der Kirchen? Oder sind sie selbst schon direkt oder direkt Verehrer dieses Wachstums Gottes und des Marktes und seiner Gesetze?<br />
Ist Gott also böse, wenn man auf die Ereignisse in Japan am 11. 3. 2011 schaut? Diese Frage stellt sich philosophisch nicht. Philosophisch wissen wir so wenig von Gott, dass wir bestenfalls von einem göttlichen Geheimnis sprechen können und unsere eigene Sehnsucht nach Transzendenz und „Heil“ bzw. „grundlegender Rettung“ formulieren. Die philosophisch durchaus begründbare Form des Transzendieren kann das Dasein in guter Weise beruhigen und von Ängsten befreien, ohne dabei „Opium“ zu werden; diese Sehnsucht nach einer nicht endlichen Transzendenz muss alle konkreten Bestimmtheiten Gottes offen lassen. Sie befreit nicht vom politischem Eintreten gegen den Götzen des Wachstums in einer endlichen, unvollständigen und kaputten Welt im ganzen und zur Ausbildung tiefer Empathie mit den Leidenden &#8230; und deren Toten.<br />
COPYRIGHT:christian modehn, religionsphilosophischer-salon-berlin.<br />
&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;  &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<br />
Einige eher zufällig gefundene Stellungnahmen zur Katastrophe in  Japan 11.3. aus der religiösen Welt. Sie zeigen, wie Theologen und Gläubige eine Beziehung herstellen zwischen Gott und der  Katastrophe bzw. den Supergau. Die philosophischen Leser können die Schlüssigkeit der Argumente sowie die verwendeten Begriffe selbst beurteilen.  </p>
<p>„Gott, du hast unseren Glauben auf die Probe gestellt. <strong>Warum zeigst du dich als Todesengel</strong>?“<br />
So Pfarrer Richard Horn, Evangelische Kirchengemeinde Alt – Schönberg, Berlin. Mitgeteilt in „Der Tagesspiegel“ vom 14. März 2011, Seite 12.<br />
In einem Kirchenlied, so wird an derselben Stelle weiter berichtet, sang die Gemeinde: “Führ uns an atomarer Nacht vorüber, hilf der Hoffnung auf“.</p>
<p>Der evangelische Theologieprofessor Werner Thiede (Erlangen) schreibt unter anderem in einem konservativen katholischen Forum aus Österreich mit dem Namen kath net  in der Ausgabe vom 15.3.<br />
„Gerade am Kreuz des einen Gottessohnes ist darum auch ablesbar, dass Gott trotz und inmitten größten Leids sich als Liebe erkennen und festhalten lässt. Der Tod des von Gott Gekommenen offenbart, dass Gott dort nicht fern ist, wo gelitten wird. Und seine Auferstehung offenbart, dass Gott unterwegs ist, die Vergänglichkeit seiner Schöpfung zu besiegen. Am Ende wird sich zeigen, dass die vollendete Schöpfung in ihrer ewigen Herrlichkeit alles zuvor geschehene Leid weit mehr als aufwiegt&#8230;<br />
<strong>Möge das Wort vom Kreuz nun im heimgesuchten Japan vermehrt Gehör finden</strong> – und auch hierzulande die nachdenklich Gewordenen neu bewegen!“</p>
<p>In demselben Dienst mit dem Namen kath net wird die Meinung einer Leserin verbreitet:<br />
Lesermeinung, Deutzia,  vor 7 Stunden<br />
„Preiset den Herrn! Es ist seine Zeit jetzt. <strong>Die Japaner bekommen jetzt eine große Chance, sich zum Herrn hin zu wenden, alles andere hat versagt</strong>“. ( 15. März). </p>
<p>Die Botschaft von Papst Benedikt XVI.<br />
&#8222;Die Bilder des tragischen Erdbebens und des folgenden Tsunamis in Japan haben bei uns allem tiefe Betroffenheit hervorgerufen. Ich möchte erneut meine geistliche Nähe mit der geliebten Bevölkerung dort ausdrücken, die mit Würde und Mut sich den Folgen dieses Unglücks stellt. Ich bete für die Opfer und ihre Angehörigen und für alle, die an den Folgen dieser schrecklichen Ereignisse zu leiden haben. Ich ermutige alle Hilfskräfte, die sich mit lobenswerter Schnelligkeit aufgemacht haben um dort Hilfe zu leisten. Bleiben wir im Gebet verbunden. <strong>Der Herr ist uns nahe!</strong>“</p>
<p>„Wir stehen fassungslos vor der Katastrophe in Japan. Unsere Trauer verbindet sich mit der Trauer der Menschen in Asien. <strong>Ich kann nicht beantworten, warum Gott das zulässt</strong>. Aber ich bin mir sicher, dass Gott bei den Menschen ist – bei Opfern und Angehörigen und all jenen, die Angst vor der atomaren Katastrophe haben.“<br />
Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg im Interview mit der Tageszeitung ‘Westfälische Rundschau’.</p>
<p>RWE Vorstand Jürgen Großmann im Interview:<br />
Frage: Welcher Gedanke begleitet Sie in den nächsten Tagen?<br />
Großmann: Wir alle können nur <strong>hoffen und beten</strong>, dass ein GAU verhindert werden kann  (publiziert am 17. März 2011)<br />
Vorher sagte er: „Die Gesellschaft muss (!) anerkennen, dass man in einem Industrieland nicht einfach so auf Kohle und Kernenergie  verzichten kann, wenn man Wohhlstand und Versorgungssicherheit erhalten will“.<br />
In:  DIE ZEIT vom 17. März, s 23.</p>
<p>„Die Identität der Japaner ist die Selbstsucht. Es ist notwendig, diesen Tsunami als Chance zu nutzen, um die Japaner ein für alle mal zu davon zu reinigen. <strong>Das war eine Strafe des Himmels</strong>“.<br />
So  Shintaro Ishihara, rechtspopulistischer Gouverneurin Tokio, am Am Montag 14. März..<br />
Zwei Tage später entschuldigte er sich für diese Äußerungen.  Quelle: TAZ 16. März S. 5. </p>
<p>Helmut Schmidt (Alt- Bundeskanzler) in &#8222;Die Zeit&#8220; vom 17. März 2011, Seite 2:<br />
Frage: Finden Sie den Begriff <strong>&#8222;biblische Heimsuchung&#8220;</strong> (im Zusammenhang der Katastrophe von Fukushima und Umgebung) völlig deplaziert?<br />
Antwort: Für jemanden, der bibelgläubig ist oder aus anderen Gründen sich als Christ empfindet, ist das Wort nicht ganz abwegig. Für mich ist das ziemlich abwegig. </p>
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		<title>Lehrmeinungen nicht vergötzen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1438_lehrmeinungen-nicht-vergotzen_interkultureller-dialog</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2011 18:25:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Interkultureller Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologien führen zu Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[keine absoluten Wahrheiten]]></category>
		<category><![CDATA[nicht anhaften]]></category>
		<category><![CDATA[selber Suchen zählt]]></category>
		<category><![CDATA[Thich Nhat Hanh]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das „philosophische Wort zur Woche“ Lehrmeinungen nicht vergötzen Wir wurden gebeten, in den „philosophischen Worten, Meditationen, zur Woche“ auch explizit religionsphilosophische bzw. durchaus auch (von der Vernunft begleitete !) spirituelle Texte anzubieten. Dem Wunsch kommen wir gern nach. Diesmal bieten wir in ein paar Zeilen einen Impuls von Thich Nhat Hanh, den hoch geschätzten Zen [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das „philosophische Wort zur Woche“<br />
Lehrmeinungen nicht vergötzen</p>
<p>Wir wurden gebeten, in den „philosophischen Worten, Meditationen, zur Woche“  auch explizit religionsphilosophische bzw. durchaus  auch (von der Vernunft begleitete !) spirituelle Texte anzubieten.<br />
Dem Wunsch kommen wir gern nach.<br />
Diesmal bieten wir in ein paar Zeilen einen Impuls von Thich Nhat Hanh, den hoch geschätzten Zen &#8211; Meister, geboren in Vietnam, jetzt vor allem in Frankreich („Plum Village“), den man eigentlich in unseren Kreisen nicht mehr vorzustellen braucht.<br />
Er bezieht sich dabei auf die Regeln seines Mönchsordens (dessen Name =Einssein= ist) und schreibt unter dem Titel „Loslassen und Einssein“:<br />
Die erste Regel des Ordens heißt:<br />
„Schaffe dir keine Götzen in Form von Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien, einschließlich der buddhistischen, und hänge diesen nicht an. Buddhistische Denksysteme sind Hilfsmittel zur Orientierung und keine absoluten Wahrheiten“.<br />
Dann bietet Thich Nhat Hanh eine Deutung dieser Regel, darin heißt es u.a.:<br />
„Das Anhaften an Meinungen kann uns daran hindern, zu einem höheren oder tieferen Verständnis der Wirklichkeit zu gelangen. Der Buddhismus drängt uns dazu, unser eigenes Wissen zu transzendieren, um auf den Pfad der Erleuchtung weiter zu gelangen. Alle Ansichten werden als Hindernisse zur wahren Einsicht betrachtet&#8230;<br />
Der Buddha lehrte, dass an einer Ansicht festzuhalten und sie als absolute Wahrheit zu nehmen gleichbedeutend damit sei, den eigenen Prozess des Untersuchens und der Erleuchtung zu beenden. Das fanatische Anhaften an einer Weltanschauung verhindert nicht nur das eigene Lernen, sondern es kann zu blutigen Konflikten führen. Religiöse oder ideologische Kriege sind das Ergebnis von Fanatismus und Engherzigkeit&#8230;&#8220;<br />
In der zweiten Regel heißt es:<br />
„Die Wahrheit ist nur im Leben und nicht in vorgeformtem Wissen zu finden. Sei bereit, das ganze Leben hindurch zu lernen und die Wirklichkeit in dir selbst und in der Welt unablässig zu beobachten“. </p>
<p>Mein Hinweis:<br />
Es ist klar, dass dieser Text sich nicht ausschließlich auf Mönche bezieht, sondern für alle Menschen gilt, die ein Leben ohne „Anhaftungen“ suchen. Interessant wäre eine Debatte über die Nähe dieses buddhistischen Denkens zu einer skeptischen philosophischen Lebenshaltung. Lebenshaltung ist ja bekanntlich mehr als skeptische Philosophie im engeren Sinne&#8230; Kommt man damit zur Erleuchtung? Das wäre eine spannende Frage. Erleuchtung ist ja bisher kein Begriff europäischer Philosophie&#8230;  Wie stark empfinden die Leser den Kontrast dieses Textes von Thich Nhat Hanh zu christlichen Dogmatismen? Wie sehr ist dogmatisch geprägter Glaube von Anhaftungen geprägt? Könnte man sich einen Papst denken, der diese Worte Thich Nhat Hanhs unterschreibt? </p>
<p>Thich Nhat Hanh, „Lächle deinem eigenen Herzen zu“.<br />
Herder Verlag, 1995, s 126 ff. </p>
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		<title>Wenn Arbeit zum Götzen wird</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1426_wenn-arbeit-zum-gotzen-wird_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 12:05:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit als Götze]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit als Wahn]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslose]]></category>
		<category><![CDATA[Byung - Chul Han]]></category>
		<category><![CDATA[kontemplativ leben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Arbeit zum Götzen wird Das „philosophische Wort zur Woche“ fällt diesmal etwas kürzer aus; es ist wieder ein provokativer Anstoß nicht nur zum Nachdenken, sondern zur „Lebensorientierung“, d.h. zur Veränderung bisheriger Praxis. Der bekannte Philosoph Byung – Chul Han, Berlin –Basel, inzwischen in Karlsruhe, hat im Jahr 2009 ein äußerst lesenswertes Buch veröffentlicht mit [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Arbeit zum Götzen wird</p>
<p>Das „philosophische Wort zur Woche“ fällt diesmal etwas kürzer aus; es ist wieder ein provokativer Anstoß nicht nur zum Nachdenken, sondern zur „Lebensorientierung“, d.h. zur Veränderung bisheriger Praxis.<br />
Der bekannte Philosoph Byung – Chul Han, Berlin –Basel, inzwischen in Karlsruhe, hat im Jahr 2009 ein äußerst lesenswertes Buch veröffentlicht mit dem Titel „Duft der Zeit“. Der Untertitel: Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens.<br />
Das Buch ist eine anspruchsvolle philosophische Meditation über die Wiedergewinnung der Muße und der Kontemplation. Dass es ohne die üblichen schnell formulierten Tipps und Ratschläge auskommt, braucht eigentlich nicht eigens betont zu werden. Es geht um Philosophie.<br />
In seinem Schlusskapitel schreibt Han über die vita contemplativa, das kontemplative, das besinnliche Leben. Es ist eine ganz und gar nicht veraltete Haltung, sie bietet Impulse, die so selbstverständliche Hochschätzung, wenn nicht Vergötterung von Arbeit, neu, d.h. kritisch zu sehen. </p>
<p>„Das Leben, das sich dem maschinellen Arbeitsprozess  angleicht, kennt nur Pausen, die arbeitsfreie Zwischenzeit, in der man sich von der Arbeit erholt, um sich dem Arbeitsprozess wieder voll zur Verfügung zu stellen. So stellen auch =Entspannung=  und =Abschalten= kein Gegengewicht zur Arbeit dar. Sie dienen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit&#8230;<br />
In Wirklichkeit ist die Arbeitsgesellschaft eine Gesellschaft, in der die Arbeit sich, abgelöst von der Lebensnotwendigkeit, zu einem Selbstzweck verselbständigt und absolut setzt. &#8230;Die Totalisierung der Arbeit verdrängt andere Lebensformen und – entwürfe. (S 92 f).<br />
(Darum ist das nicht mehr Arbeiten können, das nicht mehr Arbeiten müssen, für so viele Menschen auch Ursache für eine tiefe Krise: diese Menschen  sind sozusagen den Gott Arbeit losgeworden, müssen „gottlos“ leben;, werden aus der Gemeinde der Arbeitsgläubigen rausgeschleudert; dass dieser Gott auch Geld beschafft, ist natürlich eine Tatsache. Aber die kapitalistische Gesellschaft ist so gebaut, dass sie an eine der Menschenwürde entsprechende Verteilung des Geldes an die Nicht &#8211; Arbeitenden gar nicht denkt. Wer den Gott Arbeit losgeworden ist, soll sozusagen mit Hartz IV in einer Art Vorhölle schmoren, der Vorhölle, die die Gott (Arbeits &#8211; ) Gläubigen geschaffen haben, diese Zeilen sind ein ergänzender Kommentar von Christian Modehn)<br />
Aber noch einmal zu Byung – Chul Han: Worauf kommt es dem Philosophen an? Auf das Innehalten, das Verweilen. „In der Konsumgesellschaft verlernt man das Verweilen. Die Konsumgegenstände werden so schnell wie möglich verbraucht und verzehrt, damit Platz für neue Produkte und Bedürfnisse geschaffen wird. Das kontemplative Verweilen setzt Dinge voraus, die dauern“. (ebd). </p>
<p>Das anregende Buch „Duft der Zeit“ ist im Transcript Verlag , Bielefeld, erschienen. </p>
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		<title>Freiheit muss man sich nehmen. Das philosophische Wort zur Woche.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1401_freiheit-muss-man-sich-nehmen-das-philosophische-wort-zur-woche_das-philosophische-wort-zur-woche</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 20:17:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[autoritäre Regime gegen Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit muss man erproben]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit muss man lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Kant Religion in den Grenzen der Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kant Religionskritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Freiheit muss sich der Mensch nehmen Das “Philosophische Wort zur Woche“ Von Christian Modehn Das „philosophische Wort zur Woche“ fällt diesmal etwas kürzer aus. Wir schlagen heute dringend die (nicht immer leichte) Lektüre des „ewig“ aktuellen Kant vor, und zwar seines Buches „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (von 1793). Wir beziehen uns [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Freiheit muss sich der Mensch nehmen<br />
Das “Philosophische Wort zur Woche“<br />
Von Christian Modehn</p>
<p>Das „philosophische Wort zur Woche“ fällt diesmal etwas kürzer aus. Wir schlagen heute dringend die (nicht immer leichte) Lektüre des „ewig“  aktuellen Kant vor, und zwar seines Buches „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (von 1793). Wir beziehen uns auf die Ausgabe von Felix Meiner, Hamburg,  2003. Diese Aufsätze enthalten zahlreiche  aktuelle Anregungen, etwa den ausführlichen Hinweis:<br />
Die Religion hat ihren Ursprung in der Ethik und nicht umgekehrt. Religionsführer irren, wenn sie aus ihrer Religion eine allgemeine Ethik herleiten! Weiter: Dogmen und Liturgien haben nur Sinn, wenn sie ethisches Handeln fördern; Beten hat als Poesie einen gewissen Sinn usw&#8230;</p>
<p>Auf Seite 254 in dem genannten Buch schreibt Kant über die Abwehr vieler autoritärer Regime, Freiheit zuzulassen, nach dem alt bekannten Motto: Die Leute seien noch nicht reif die Freiheit usw&#8230; Kant hatte wohl die Abwehr der Französischen Revolution in Deutschland im Blick. Auch heute gibt es zahllose Beispiele in autoritären politischen und religiösen Systemen, die  ihren Machtanspruch mit Fürsorglichkeit kaschieren und so sehr &#8222;mütterlich&#8220; Freiheit und Menschenrechte unterdrücken. </p>
<p>Kant schreibt:<br />
„Nach einer solchen Voraussetzung aber wird die Freiheit nie eintreten. Denn man kann zu dieser Freiheit nicht reifen, wenn man nicht zuvor in Freiheit gesetzt worden ist. Man muss frei sein, um sich seiner Kräfte in der Freiheit zweckmäßig bedienen zu können. Die ersten Versuche (der Freiheit) werden freilich roh, gemeiniglich auch mit einem beschwerlicheren und gefährlicheren Zustande verbunden sein, als man noch unter den Befehlen, aber auch unter der Vorsorge anderer stand. Allein: Man reift für die VERNUNFT nie anders, als durch eigene Versuche (der Freiheit), welche Versuche man machen zu dürfen eben frei sein muss! &#8230;Es zum  Grundsatz zu machen, dass den Menschen, die den Herrschern einmal unterworfen wurden, überhaupt die Freiheit nicht tauge, und man als Herrscher berechtigt sei, diese Menschen jederzeit von der Freiheit zu entfernen, ist ein Eingriff in die Regalien, also die Hoheitsrechte, der Gottheit selbst, die den Menschen ZUR FREIHEIT SCHUF“. </p>
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		<title>Gottesrechte und Kirchengebote contra Menschenrechte</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1367_gottesrechte-und-kirchengebote-contra-menschenrechte_buchhinweise/philosophische-buecher</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 14:32:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA["Ernstfall Menschenrechte"]]></category>
		<category><![CDATA[Ceming]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Ceming]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus und Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte in den Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte in Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft contra Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gottesrechte und Kirchenrechte contra Menschenrechte Das philosophische Wort zur Woche Von Christian Modehn Über das Verständnis und die universale Gültigkeit der Menschenrechte, dargestellt in der Präambel und den 30 Artikeln der „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ vom 10. Dezember 1948, wird auch heute noch heftig gestritten. Wer sich in diktatorischen Regimen oder Pseudodemokratien für diese Menschenrechte [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gottesrechte und Kirchenrechte contra Menschenrechte</p>
<p>Das philosophische Wort zur Woche</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Über das Verständnis und die universale Gültigkeit der Menschenrechte, dargestellt in der Präambel und den 30 Artikeln der „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ vom 10. Dezember 1948, wird auch heute noch heftig gestritten. Wer sich in diktatorischen Regimen oder Pseudodemokratien für diese Menschenrechte einsetzt, lebt gefährlich. An die weltweite Ermordung von MenschenrechtsaktivistInnen haben sich breite Kreise der westlichen Öffentlichkeit längst gewöhnt, die Namen der (nicht immer „prominenten“) Opfer werden in den Medien nicht einmal erwähnt. Global geschätzt leben etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Menschenrechte nicht absolut gelten. Haben wir „aufgeklärte Europäer“ uns daran gewöhnt?</p>
<p>Vor allem in stark religiös geprägten Staaten und Gesellschaften, zu denen nicht nur muslimisch oder hinduistisch geprägte gehören, sondern etwa auch der „Vatikan“ bzw. die katholische Kirche, wird die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ nicht bedingungslos akzeptiert und respektiert und „positiven“, also historisch gewachsenen Gesetzen vorgeordnet. Diese menschenrechtsfeindlichen Staaten und Gesellschaften argumentieren meist so: Diese Menschenrechte passen nicht in „unsere Kultur“, sie seien gegenüber den angeblich göttlichen Geboten (bzw. Kirchengeboten) relativ und zweitrangig.</p>
<p>In dieser Situation ist es überaus erfreulich und wichtig, von kompetenter philosophischer Seite Argumente zur Vertiefung dieser Diskussion zu erhalten. Die Philosophin und Theologin Katharina Ceming (Augsburg) hat eine umfangreiche, leicht lesbare und brillante Studie über &#8222;die Würde des Menschen und die Weltreligionen&#8220; (so der Untertitel) vorgelegt. Der Titel des 510 Seiten umfassenden Buches ist: „Ernstfall Menschenrechte“ (erschienen im Kösel Verlag, München 2010. ISBN 978-3-466-36822-8).</p>
<p>In unserem, diesmal etwas länger ausfallenden &#8222;philosophischen Wort zur Woche&#8220; wollen wir vor allem auf das (von Katharina Ceming behandelte) philosophische Hauptproblem eingehen: Auf die Frage der universellen Geltung der Menschenrechte, wo sie doch, so sagen die Gegner der Menschenrechte, in historisch geprägten, „konkreten“ Kulturen Europas entstanden sind; also aufgrund dieser angeblich „begrenzten“ Herkunft könnten diese Menschenrechte, so meinen diese Kreise, nicht universell sein. Man nennt sie oft „Kulturrelativisten“.</p>
<p>Katharina Ceming schreibt:<br />
„Wenn Menschenrechte nur als das Produkt einer historischen Entwicklung des Abendlandes gesehen werden, die keine universelle Gültigkeit durch einen naturrechtlichen Status haben, stellt sich zudem die Frage, wie die Menschenrechte dann selbst innerhalb der westlichen Welt noch verbindliche Gültigkeit haben können. Versteht man die Idee der Menschenrechte ausschließlich als Resultat eines historischen Prozesses, dann könnten die Menschenrechte jederzeit durch neue geschichtliche, ökonomische oder politische Entwicklungen modifiziert, ja sogar aufgehoben werden – auch im Westen“. (S 377)</p>
<p>„Gültigkeitskriterien (zu den Menschenrechten) sind, weil es sich hier um meta – empirische Fragen handelt, weder von geschichtlichen noch von politischen oder soziologischen Phänomenen abhängig. Letztere bestimmen lediglich, ob die Gültigkeitskriterien der Menschenrechte tatsächlich Anwendung in einer Gesellschaft finden oder nicht. Auf eine universelle Begründung ethischer Normen kann also nicht verzichtet werden. Diese Begründung lässt sich aber nur über etwas bewerkstelligen, was allen Menschen gemeinsam ist: ihre Vernunfthaftigkeit, selbst wenn sie über diese nur potentiell verfügen“. (ebd).<br />
Wo sind die Ursachen für die Zurückweisung der universellen Gültigkeit der Menschenrechte zu suchen ? Katharina Ceming nennt vor allem eine Ursache: die Übermacht religiösen, mythologischen Denkens in religiösen Staaten und Gesellschaften. „Wo man verstanden hat, dass heilige Texte interpretiert und ausgelegt werden müssen, da sie in einem bestimmten Zeitkontext entstanden sind, fällt es auch leichter, mit =problematischen= Textstellen umzugehen, die mit bestimmten Artikeln der Menschenrechte kollidieren. Solange heilige Schriften als unveränderlich gelten, &#8230;, ist der Konflikt mit den Menscherechten unvermeidlich. Denn die Welterschließung der mythologischen Bewusstseinsstufe (also schlichter Wunderglaube z.B., CM) ist mit anderen Werten verbunden als die mental – rationalen Werte, zu denen die Menschenrechte gehören“ (S. 379).<br />
Das Buch von Katharina Ceming ist ein Plädoyer für die Durchsetzung eines vernünftigen (was etwas anderes ist als eines bloß verstandesmäßigen, technisch – praktischen !) Denkens in den Religionen; ein Projekt, von dem die Menschheit mit ihren Religionen noch meilenweit entfernt ist. Ausführlich wird z.B. dokumentiert, wie in hinduistischen geprägten Kulturen die Frauen permanent aufs übelste missachtet und diskriminiert und gequält werden; wie das Kastensystem in Indien zwar offiziell verboten ist, aber immer noch von der herrschenden Clique zu eigenem Vorteil respektiert wird, etwa gegenüber den Dalits (siehe Seite 289 ff).<br />
Und im Katholizismus? Auch da ist der Bericht Katharina Cemings deutlich und kritisch: „Wirft man einen Blick in das römisch-katholische Gesetzbuch, den Codex Iuris Canonici von 1983, dann zeigt sich, dass dem katholischen Kirchenrecht Grundrechte (also Menschenrechte) eher fremd sind“. Die Zurückweisung der universellen Gültigkeit der Menschenrechte im inneren Leben des Katholizismus folgt dem Muster, dass „sich das kirchliche Gemeinwohl am Schutz der Glaubenswahrheiten und an der Einheit des Glaubens orientiert“ (S. 161). Man fragt sich: Wer will da wen „schützen“? Der Papst die dummen Laien? Und was ist das für eine Religion, die angebliche Gottesgesetze gegen die (doch wohl auch von Gott geschaffene) Vernunft und ihre Erkenntnis der Menschenrechte ausspielt? Was ist das für eine Religion, die sogar kirchliche Bestimmungen (den &#8222;codex&#8220;) für relevanter hält als die Menschenrechte.<br />
Religion contra Vernunft, dieses alte Thema ist immer noch nicht gelöst, zumindest auf theologischer Ebene.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de</p>
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		<title>Tiefendimensionen im Leben erkennen</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/1331_tiefendimensionen-im-leben-erkennen_das-philosophische-wort-zur-woche</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Jan 2011 22:45:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das philosophische "Wort zur Woche"]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Henrich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Philosophische Wort zur Woche&#8230; &#8230;will aus immer neuen Perspektiven zum Nachdenken inspirieren. Diesmal weisen wir kurz („kurz“ bedeutet leider im philosophischen Sinn oft verkürzend) auf einige Gedanken des großen Philosophen Dieter Henrich hin. Ausgangspunkt ist die Frage: Was passiert im Denken, wenn sich das Denken auf das Selbst bezieht? Erinnern wir uns an die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Philosophische Wort zur Woche&#8230;</p>
<p>&#8230;will aus immer neuen Perspektiven zum Nachdenken inspirieren. Diesmal weisen wir kurz („kurz“ bedeutet leider im philosophischen Sinn oft verkürzend) auf einige Gedanken des großen Philosophen Dieter Henrich hin. </p>
<p>Ausgangspunkt ist die Frage:<br />
Was passiert im Denken, wenn sich das Denken auf das Selbst bezieht?</p>
<p>Erinnern  wir uns an die philosophische Überzeugung, dass sich philosophisches Denken vor allem auf das Denken selbst bezieht, auf das, was da immer schon im Denken und im Selbstbewusstsein anwesend ist, anwesend als ungewusste Bedingung der Möglichkeit. </p>
<p>Dieter Henrich schreibt:<br />
„Das Philosophieren weckt den Sinn für Hintergründe in dem, was als Lebensvollzug jeder Nachfrage ebenso unbedürftig wie unzugänglich zu sein scheint. Zusammen mit der Achtsamkeit auf Tiefendimensionen von Leben und Verstehen kann das Philosophieren die Bewusstheit in Beziehung auf das eigene Leben und dann auch die Distanz zu diesem Leben erhöhen. Solcher Selbstdistanz, die zum Humor und zu jeder Gelassenheit gehört, wird nicht selten das Prädikat zu- gestanden, =philosophisch=  zu sein. Die Philosophie vermittelt dann aber auch den Sinn dafür, was in dem Grundmuster eines Entwurfs, dem ein Leben folgt, dessen Zusammenhalt und dessen Grenzen ausmacht. So dient die Philosophie der Selbstdiagnose und der Selbstkritik in Lebensfragen; sie kann aber auch die Sensibilität für die Bewegtheit des Lebens in anderen Menschen erhöhen“. </p>
<p>Dieter Henrich, Die Philosophie im Prozeß der Kultur. Frankfurt M., Suhrkamp, 2006, S. 93. </p>
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