Mit herzlichem Gruß senden wir Ihnen/Euch, den AbonnenTinnen des Newsletters, einige Neuigkeiten, vor allem Hinweise auf neue Publikationen des Religionsphilosophischen Salons in Berlin.
1. Wie und wo und wann entstehen eigentlich philosophische Fragen, mit anderen Worten: Wie und wo und wann entsteht Philosophieren als die Aktivität „der“ Philosophie, also des Geistes, der Vernunft, die „in uns“ lebt…
Philosophieren entsteht etwa durch Innehalten bei der Lektüre, auch der Zeitungslektüre. Da erlaube ich mir eine Unterbrechung und verlasse lasse den alltäglichen Gedankenkram des nur Technisch - Organisatorischen usw. So kann es uns ergehen, wenn wir etwa vor kurzem im Tagesspiegel die schwere Frage lesen “Wo ist Gott im Ukraine-Krieg?“ .
Dazu unsere erste Leseempfehlung, als Versuch einer Annäherung an eine nur fragende Antwort. LINK.
2. Zu dem Thema passend eine Reflexion anläßlich eines Ge-Denktages, der zwar im Kalender schon „vorbei“ ist, aber nach wie vor wichtig ist: Der so genannte Karsamstag, der Tag nach Karfreitag, ist dies der „Tag des toten Gottes"? Also Nietzsches Feiertag? LINK
3. Wenn wir schon bei Feiertagen sind: Wir haben versucht, den Tag Christi Himmelfahrt nachvollziehbar, d.h. für uns vernünftig, zu erläutern und natürlich auch das Pfingst-Fest, das Fest des Geistes, der als Geist heilig ist. Wer eine nachvollziehbare Pfingstpredigt lesen will, findet sie hier, hoffentlich. LINK.
4. „Grenzgänge“, also Überschreitungen von der Literatur zur Religion und zurück nennt der Theologe Stefan Seidel (Leipzig) sein Buch, er hat Schriftsteller, nicht nur religiöse, nicht nur deutscher Sprache, zur Bedeutung von Spiritualität befragt. Empfehlenswert! LINK.
5. In Berlin (Gemäldegalerie) wird eine bedeutende Ausstellung des niederländischen Malers Hugo van der Goes (15. Jh.) gezeigt. Er hat sich als sehr erfolgreicher Künstler später in ein Kloster in Brüssel zurückgezogen und ist dort geistig zusammengebrochen, auch dazu wird ein beeindruckendes Gemälde von Emile Wouters gezeigt, es zeigt eine Musiktherapie! Empfehlenswert, philosophisch interessant. LINK.
6. Kürzlich ist in Paris einer der ganz wenigen katholischen Bischöfe gestorben, der tatsächlich menschlich überzeugend und progressiv war im Sinne von: Politisch-solidarisch mit den Ausgegrenzten, kritisch gegenüber Päpsten und Politikern, theologisch radikal innovativ: Der Franzose Jacques Gaillot, ein Freund von uns, ein Mensch, der unter uns bleibt und … lebt. Die erste Toten-Gedenkfeier organisierten u.a. Obdachlose auf der berühmten Place de la Bastille in Paris. Der Staub seines toten Körpers wird über dem Pariser „Armen-Friedhof“ verstreut…. LINK.
Ein etwas längerer Impuls zum Weiterdenken
Uns beschäftigt philosophisch seit langer Zeit die Frage:
Gibt es universal geltende, also für alle Menschen als Menschen geltende Grundsätze, Normen, Rechte? Ein Problem im Umgang mit kultureller, politischer, religiöser Differenz weltweit! Darf man als Demokrat die vielen Autokraten und Diktatoren respektieren, nur weil sie eben behaupten, anderen, uralten Traditionen zu folgen? Ist das Eintreten der Demokraten für die universalen Menschenrechte etwa dadurch abzulehnen, dass sie selbst sich selten an die universal geltenden Menschenrechte halten? Andererseits: Ist die Sehnsucht nach den universal geltenden Menschenrechten nicht evident zu vernehmen in den Lagern, Gefängnissen, Folterkammern der Autokarten, Diktatoren usw. Das Bewusstsein für Menschenrechte entsteht auch dort „von unten“, im Geist der Basis der Menschheit.
Wir denken nach wie vor: Menschenrechte gelten universal und universell. Selbst wenn die Praxis dagegen spricht, Menschenrechte sind sozusagen als unaufgebbare Ideale „heilig“. Die Menschenrechte sind zwar in einer bestimmten Kultur entstanden, aber sie werden überall weiterdiskutiert, weiterentwickelt, sie sind also niemals nur „regional begrenzt“ gültig. Solches zu wissen und zu sagen, hat mit Kolonialismus, europäischer Arroganz etc. überhaupt nichts zu tun. Deswegen weisen wir wieder gern auf die Studien des international geachteten Philosophen Omri Boehm hin.
Von Omri Boehm sind verschiedene richtige Analysen und Kritiken zum Staat Israel in deutschen Zeitungen erschienen, er „darf“ das als Jude zumal, Boehm wurde 1979 in Haifa, Israel, geboren... LINK
Und noch etwas:
„Die letzte Generation“ ist in heftigster Kritik. Wir stellen als philosophisch Fragende, trotz der allgemeinen Ablehnung, das Problem zur Debatte: Könnten wir die Aktionen dieser verzweifelten, aber klima-wissenschaftlich gut informierten jungen Menschen als Ausdruck der allgemeinen Meinungsfreiheit verstehen? Uns freut, dass der bekannte Jesuitenpater Jörg Alt (Nürnberg) die Aktivitäten der letzten Generation unterstützt…
Und dringend ist unsere Frage: Was bedeutet es eigentlich, wenn in totalen Streiks der Flugverkehr oder der Bahnverkehr für Tage in Deutschland stillgelegt wird und viele hundert Passagiere eingeschränkt und in ihrer freien Lebensgestaltung behindert werden … von den Streikenden? Aber … dafür für dieses stundenlange „Festkleben“ als wartende Passagiere auf dem Flughafen haben die meisten Leute Verständnis… LINK.
Klar ist: Philosophie, auch Religionsphilosophie, kennt keine Tabuthemen.
Bleiben wir also fragend, skeptisch, suchend unterwegs, und glauben wir nicht vorschnell denen, die uns ihre angeblich allgemein respektierte Meinung aufdrängen wollen. Etwa, dass die jungen Aktivisten der „Letzten Generation“ eigentlich Verbrecher sind, die in den Knast gehören. Einen Gerichts-Prozess sollte man dann auch CSU- und jetzt FDP- Politikern machen, die ignorant etwa das Tempolimit auf deutschen Autobahnen verhindern. Sind sie Lobbyisten der Autoindustrie?
Beste Grüße und … angenehme Tage im Frühling… Und .. wir freuen uns über Kritik, Hinweise, weiterführendes Gedanken von Ihnen/Euch. Per email an: christian.modehn@berlin.de
Christian Modehn und Hartmut Wiebus.
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