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	<title>Buchhinweise Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Böhmen &#8211; Ein Land der Ketzer: Anläßlich der Buchmesse 2026 in Frankfurt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 19:30:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Böhmen als Land der Ketzer: Mit unserer These leugnen wir nicht: Auch andere Länder, Frankreich, Italien, Deutschland, sogar Spanien haben ihre eigene Ketzergeschichte.<br />
Böhmen ist aber seit Jahrhunderten durch eine herausragende, international bekannte und bis heute geschätzte Ketzer - Gestalt bestimmt, durch den katholischen Priester und Theologen Jan Hus (1370-1415). Er hat in Prag für eine grundlegende Kirchenreform geworben - mit dem Maßstab des Evangeliums, der Urkirche. Er verurteilte den herrschenden, dekadenten Klerus und die Machtstruktur der Papst - Kirche. Jan Hus predigte auf Tschechisch, so fand er viele Anhänger für sein Projekt der Kirchenreform. Er glaubte, auf dem Konzil in Konstanz die Herren der Kirche von seiner Theologie überzeugen zu können: Aber, der ideologische Machterhalt war den Bischöfen und Kardinälen wichtiger: Jan Hus wurde am 6.Juli 1415 während des Konzils in Konstanz verbrannt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22747_22747_aktuelles">Böhmen &#8211; Ein Land der Ketzer: Anläßlich der Buchmesse 2026 in Frankfurt</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Böhmen &#8211; Ein Land der Ketzer: Anläßlich der Buchmesse 2026 in Frankfurt.</p>
<p>Ein Hinweis auf Tschechien, Ehrengast der Buchmesse<br />
Von Christian Modehn</p>
<p>Dieser Hinweis hat zwei Teile:<br />
Erstens: Eine allgemeine Reflexion über Ketzer<br />
Zweitens: Ketzer in Böhmen</p>
<p>ERSTER TEIL: Eine allgemeine Reflexion über Ketzer</p>
<p>1.<br />
Anläßlich der Buchmesse 2026 in Frankfurt unser Hinweis zum Thema „Religionen und Philosophien in Tschechien“. Das Motto der Buchmesse: „Tschechien: „Ein Land an der Küste“ ist inspiriert von einem Spruch in Shakespeares „Das Wintermärchen“ oder auch von Ingeborg Bachmanns Gedicht „Böhmen liegt am Meer“. Durchaus ein treffender Titel für „die“ ironische, skurrile, surrealistische, manchmal absurde (siehe die Erzählungen von Bohumil Hrabal, „Die Bafler“) Mentalität in Böhmen und Tschechien insgesamt. Eine etwas gewagte These, gewiss, aber ein Beitrag zu einer umfassenderen Reflexion…</p>
<p>2.<br />
Wir konzentrieren uns hier auf Böhmen und lassen Mähren und Tschechisch-Schlesien, also die zweite und dritte Region Tschechiens, beiseite.<br />
Und folgen einer für Böhmens Geschichte und Gegenwart typischen Perspektive: Böhmen ist für uns ein Land der (vielfältigen) Ketzer. Auf diese Spur brachte uns die Studie des tschechischen Philosophen Jan Patocka „Ketzerische Essays zur Philosophie der Geschichte“. Patocka war ein wichtiger Gegner des Kommunistischen Regimes, er war einer der Sprecher der „Charta 77“. Sein Text wurde 1975 als Samisdat, im Selbstverlag im Untergrund, veröffentlicht; es liegt in einer Neu &#8211; Übersetzung bei Suhrkamp vor (2010).</p>
<p>3.<br />
Für uns gilt das Wort „Ketzer“ über das übliche Verständnis eines religiösen, kirchlichen „Abweichlers“ („Häretikers“) hinaus. Wenn Diktaturen ihrer Ideologie („die heilige Parteilinie“) religiöse, unantastbare Werte zusprechen, dann sind die Oppositionellen durchaus Ketzer zu nennen. Oder wenn sich Minderheiten gegen einen absolut vorherrschenden kulturellen , künstlerischen, sozialen Trend wenden, kann man sie Ketzer (gemeint als Metapher, als bildhaften Vergleich) nennen. Insofern kann man etwa Künstler der „Berliner Sezession“ (Max Liebermann) oder der „Wiener Sezession“ (Gustav Klimt) Ketzer gegen den damals für selbstverständlich gehaltenen Trend nennen. Sezession heißt bekanntlich Abspaltung.<br />
Mit anderen Worten: Das Wort Ketzer sollte nicht nur für explizit religiöse Abweichler, „Häretiker“, „Schismatiker“ usw. gebraucht werden.<br />
Manche religiösen Reformer beginnen als sehr radikale Reformer, wenn nicht als Ketzer ihres kirchlichen Systems, wie etwa Franz von Assisi. Sie lassen sich dann aber von den Herrschern des Systems, im Fall von Franz von Assisi von den Päpsten (etwa Innozens III.) wieder auf die offizielle Linie kirchlicher Dogmatik zurückbringen. Hingegen ließ sich etwa der Prediger Petrus Valdes (gestorben 1218), ein Zeitgenosse von Franz von Assisi), nicht auf einen Kompromiss mit den Päpsten ein. Seine ketzerische Waldenserkirche besteht bis heute als eigenständige, sehr angesehene Konfession ins Italien.</p>
<p>4.<br />
Bei aller Pluralität ihrer Forderungen sagen die zu Ketzern erklärten Minderheiten laut und explizit Nein zur herrschenden Ideologie: Sie denken und fordern Neues, suchen leidenschaftlich und radikal die universell geltende Wahrheit oder die Wahrheit des Ursprungs einer humanen oder religiösen Idee…<br />
Auch wenn sich Ketzer und KetzerInnen zunächst noch auf eine vorherrschend &#8211; bestehende, überlieferte Ideologie beziehen, sie haben diese vertraute Welt überschritten, transzendiert. Dadurch leben KetzerInnen in einer Art Niemandsland: Sie befinden sich nicht mehr in ihrer alten geistigen „Heimat“ und sind noch nicht in einer neuen „Welt“ angekommen. Für die Herrscher bedrohlich werden die KetzerInnen, wenn sie eine breite Bewegung von Sympathisanten und Anhängern versammeln und die angebliche „Einheit“ des Herrschaft &#8211; Systems zu überwinden suchen.</p>
<p><em>ZWEITER TEIL: Ketzer in Böhmen</em></p>
<p>5.  <em>JAN HUS</em><br />
Böhmen als Land der Ketzer: Mit unserer These leugnen wir nicht: Auch andere Länder, Frankreich, Italien, Deutschland, sogar Spanien haben ihre eigene Ketzergeschichte.<br />
Böhmen ist aber seit Jahrhunderten durch eine herausragende, international bekannte und bis heute geschätzte Ketzer &#8211; Gestalt bestimmt, durch den katholischen Priester und Theologen Jan Hus (1370-1415). Er hat in Prag für eine grundlegende Kirchenreform geworben &#8211; mit dem Maßstab des Evangeliums, der Urkirche. Er verurteilte den herrschenden, dekadenten Klerus und die Machtstruktur der Papst &#8211; Kirche. Jan Hus predigte auf Tschechisch, so fand er viele Anhänger für sein Projekt der Kirchenreform. Er glaubte, auf dem Konzil in Konstanz die Herren der Kirche von seiner Theologie überzeugen zu können: Aber, der ideologische Machterhalt war den Bischöfen und Kardinälen wichtiger: Jan Hus wurde am 6.Juli 1415 während des Konzils in Konstanz verbrannt. „Was die Konzilsväter in Konstanz wirklich in Angst versetzte war der breite gesellschaftliche Widerhall der aufrührerischen Lehren“, schreibt der Hus &#8211; Spezialist Pavel Soukoup in seinem Buch „Jan Hus“, Kohlhammer Verlag, 2014, Seite 202. Der Märtyrertod von Jan Hus verstärkte nur die Zustimmung zu seiner Lehre: Der „Hussitismus“ wurde zur prägenden Bewegung in Böhmen, sie wirkte über Jahrhunderte. (S. 211).</p>
<p>6.<br />
Eine zentrale Forderung von Jan Hus: Auch Laien müssen an der Kelch &#8211; Kommunion teilhaben, bis heute kein nebensächliches Thema: Das Privileg der Priester, die Kelchkommunion zu praktizieren, sollte aufgehoben werden. Die Kleriker ie wollten sich auf diese Weis als „Besondere“, „Höhergestellte“ gegenüber den zweitklassigen Laien definieren.<br />
Es war die umfassende Kirchenkritik von Hus, die in Böhmen leidenschaftlich begrüßt wurde: Und einen Erfolg &#8211; trotz aller Verfolgung &#8211; hatten die Hussiten: In Böhmen standen sich bis ins 17. Jahrhundert zwei Katholische Kirchen gegenüber: Die Kirche des Reformators Jan Hus verstand sich als katholische Landeskirche, sie hatte eine eigene Kirchenverwaltung … und daneben die offizielle, vom Haus Habsburg beherrschte römische &#8211; katholische Kirche mit ihrer eigenen Kirchenorganisation. „Die Hussiten führten bewusst und mit Absicht eine von Rom praktisch unabhängige Existenz. Sie betrachteten sich als einen Teil der katholischen Kirche, doch als den momentan einzig rechtmäßigen Teil.“ (Soukup, S. 217)<br />
Eine breite Bewegung der Hussiten nannte sich „Utraquisten“, ein Titel wegen ihres Insistierens auf den Empfang des Abendmahls in beiden Gestalten der Kommunion, Brot UND Wein. Der Begriff Utraquisten bezieht sich auf das lateinische Wort utraque, was „beide“ (Gestalten) bedeutet. „Bei den Hussiten spielte die entscheidende Rolle, dass sie das Lehramt der institutionellen Kirche anzweifelten“ (ebd.). Das heißt: Die vom Papst geführte Kirche war für die Hussiten nicht mehr fürs „Seelenheil“ zuständig.</p>
<p>7. <em>Hussiten &#8211; eine Landeskirche </em><br />
Die ersten böhmischen Ketzer, die Hussiten, konnten zunächst nur überleben, weil sie sich auch militärisch und politisch behaupten konnte: Der niedere wie der höhere tschechische Adel sowie auch die Bürger der Städte unterstützten die „Ketzer.“ So wurde diese Reformkirche zunächst nicht in den Untergrund gedrängt. „Im Gegenteil, die Hussiten konnten die öffentliche Ausübung ihrer Religion behaupten und entwickelten ihre Form der Kirchenreform letztendlich zu einer eigenständigen Konfession“, so Pavel Soukup (S. 217).<br />
Nach der Niederlage der protestantischen und hussitischen Stände gegen die katholische Macht der Habsburger unter Kaiser Ferdinand II. in der Schlacht am Weißen Berg 1620 wird die hussitischen Kirche zerschlagen, die katholische &#8211; habsburgische, von Jesuiten betriebene Gegen &#8211; Reformation hatte sich brutal durchgesetzt. Die hussitischen Geistlichen mussten auf kaiserlichen Befehl Böhmen verlassen.<br />
Nach der Schlacht auf dem Weißen Berg bei Prag errichteten die habsburgischen Sieger dort eine Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria, deutlicher Ausdruck für den Sieg der triumphierenden Kirche…, darauf weist der katholische Theologe Tomas Halik hin in seinem Buch „Geduld mit Gott, Freiburg i.Br. 2007, S. 120: Und : „In den von Habsburgern beherrschten Ländern fraß der Holzwurm des Formalismus, der Äußerlichkeit und der Scheinheiligkeit still und unauffällig am Gebäude des alten (katholischen) Glaubens (S. 92).<br />
Historiker der „Nationalen Wiedergeburt“ im 19. Jahrhundert bezeichneten die der Schlacht am Weißen Berg folgende Ära &#8211; nach einem Roman von Alois Jirásek &#8211; als „dunkle Zeit“, der Zeit des „Austro &#8211; Katholizismus“ als Herrschaft des Klerikalismus. So wurde die Bindung der Böhmen an die katholische Kirche ausgelöscht…<br />
Auch wenn die Päpste Johannes Paul II und Franziskus ihr tiefes Bedauern über das Schicksal Jan Hus` in Konstanz geäußert haben: Eine Rehabilitierung hat es nicht gegeben. So bleibt also in der Sicht der römischen Kirchen Jan Hus doch ein Ketzer…</p>
<p>8. <em>Die &#8222;Tschechoslowakisch &#8211; Hussitische Kirche&#8220;</em><br />
Die sich von Jan Hus inspirierte Kirche wurde im 17. Jahrhundert ausgelöscht. Aber die Erinnerung an den „Ketzer“ des 15. Jahrhunderts blieb lebendig: 1920 hat sich wieder eine neu gegründete Kirche auf Hus bezogen: Die „Tschechoslowakisch &#8211; Hussitischen Kirche“ ist ein eigener Weg aus der offiziellen katholischen Kirche in Tschechien, sie ist eine Initiative römisch &#8211; katholischer Priester, vor allem Karel Farsky muss erwähnt werden: Diese hussitische Kirche feiert seit 1920 ihre Gottesdienste nicht mehr auf Latein, sondern auf Tschechisch, das Zölibatsgesetz gilt nicht mehr, auch die Frauenordination wird dann selbstverständlich… Schon 1921 hatte diese Hussistische Kirche 525.000 Mitglieder, 1930 waren es 793.000. „Die Tschechoslowakisch &#8211; Hussitische Kirche konnte sich durch das Wahlprinzip für geistliche Ämter und die Laienbeteiligung an der Kirchenverwaltung sehr plausibel als Kirche der neuen Zeit (also der Tschechischen REPUBLIK) darstellen.. Sie war von dem Anspruch geprägt, eine Kirche der Demokratie zu sein.“ (Prof. Martin Schulze Wessel, in: „Handbuch der Religions &#8211; und Kirchengeschichte der böhmischen Länder und Tschechiens im 20.Jahrhundert“, München 2009, S. 139.) Als ein richtungweisender Interpret des Evangeliums wurde von dieser Kirche ausdrücklich Jan Hus erwähnt. Für die katholische Kirche hat die Tschechoslowakisch &#8211; Hussitische Kirche einen „ketzerischen Charakter“ (S. 145).<br />
Was als ketzerische Tat gegen Rom und die katholischen Herrscher in Wien begann, wurde vom kommunistischen Staat ausgenutzt und führte mit der kommunistischen Herrschaft zu einer Nähe etlicher Mitglieder der Hussitischen Kirche an die herrschende Partei. Heute ist diese gegen Rom rebellische Hus &#8211; Kirche leider nur eine Minderheit unter den ebenfalls zahlenmäßig schwach dastehenden anderen Konfessionen. Die „Tschechoslowakische Hussitische Kirche“ ist Mitglied im ökumenischen Weltrat der Rat in Genf. Die offizielle Website der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche (auf Tschechisch: Církev československá husitská): ccsh.cz<br />
Zur aktuellen Religionsstatistik der gesamten Republik Tschechien: Die aktuellsten und offiziellen Daten zur Religionsstatistik in Tschechien stammen aus der Volkszählung (Zensus 2021), die vom Tschechischen Statistischen Amt (CZSO) durchgeführt wurde:<br />
&#8222;Nicht gläubig / Konfessionslos&#8220;: 47,8 %. „Keine Angabe“ 30,1. „Gläubig, aber keiner Kirche zugehörig“: 9,1 %: Ein interessantes Bekenntnis!<br />
…„Gläubig und Mitglied einer Religionsgemeinschaft“: 13,1 %. Und da gilt es die Unterschiede zu beachten:<br />
Zur Römisch-katholischen Kirche wollen 9,3 % (ca. 741.000 Mitglieder) gehören. Die katholische Kirche ist trotz Verluste die mit Abstand größte Glaubensgemeinschaft im Land.<br />
Die Orthodoxe Kirche hat ca. 40.000 Mitglieder,<br />
die Evangelische Kirche hat 33.000 Mitglieder,<br />
die Tschechoslowakisch &#8211; Hussitischen Kirche ca. 23.000.<br />
Zum Islam bekennen sich ca. 10. 000 Menschen, zum Judentum 3.000…<br />
Die nächste Volkszählung (mit Veröffentlichung der entsprechenden Religionsstatistik) soll 2031 stattfinden.</p>
<p>9. Die spirituellen Oppositionellen der Samtenen Revolution<br />
„Samtene Revolution“ ist der Name für die Überwindung der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei im November und Dezember 1989. Der Prager katholische Theologe, Philosoph und Autor Tomas Halik weist nachdrücklich daraufhin: Diese „Samtene Revolution“ in Prag wurde von Intellektuellen vorangebracht, die selbst individuell einzelne Weisheiten des Evangeliums wichtig fanden, aber diese Demokraten waren kirchlich &#8211; amtlich nicht gebunden, also in gewisser Weise &#8211; aus Sicht der offiziellen Kirche &#8211; waren sie auch Ketzer: „In den letzten Jahren des kommunistischen Regimes wuchs die Zahl der Sympathisanten für die katholische Kirche besonders unter den jungen Leuten, den Künstlern, der Intelligenz des Landes. Sie identifizierten sich zum Großteil nicht zu hundert Prozent mit der Lehre und den Inhalten der kirchlichen Dogmatik, aber für sie bot das Christentum eine politische wie philosophische Alternative zur herrschenden kommunistischen Macht“. (Tomas Halik, in “ Postsäkular“, „Kunst und Kirche“, 01/2013, S. 5.). Siehe auch unseren Hinweis: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/12118_die-samtene-revolution-1989-in-der-tschechoslowakei-nur-noch-eine-ferne-erinnerung_denkbar<br />
Wichtig ist: Menschen, die außerhalb der Kirche stehen, aber Weisheiten des Evangeliums sehr wichtig finden, können eine „Samtene Revolution“ vollbringen!</p>
<p>10.<br />
Tomas Halik geht also mit guten Gründen so weit zu betonen: „Das Lebendigste der tschechischen Kultur der letzten zwei Jahrhunderte fand außerhalb des traditionellen, offiziellen und institutionellen Raums der Kirche statt“, (Tomas Halik: „Geduld mit Gott“. Herder Verlag, 2007, S. 93). Die führenden Intellektuellen nannten sich Atheisten oder Agnostiker, aber Halik legt allen Wert darauf zu differenzieren: „Unter der Etikette von Agnostizismus und Atheismus findet man eine sehr große Bandbreite sehr differenzierter Meinungen und Überzeugungen. Atheisten wenden sich oft von einem Bild Gottes ab, an das auch ich nicht glauben würde, weil es nur eine Karikatur Gottes ist“ (Tomas Halik, S. 7, in „Kunst und Kirche“, Heft 1/2013.<br />
Die politischen Ketzer Böhmens zugunsten der Demokratie 1989 waren also auch religiöse Ketzer: Weder der erste Staatspräsident der tschechischen Republik Tomas Masaryk noch Václav Havel waren Atheisten: „Jeder ist auf seine Art und Weise sehr offen für die transzendente Dimension des Lebens, insbesonders für deren ethische Konsequenzen. Aber niemand war bereit, ihre Erfahrung der Transzendenz in der traditionellen Sprache der Kirche auszusprechen. Vaclav Havel spricht etwa über den Horizont der Horizonte statt von Gott“, (in Geduld mit Gott, S. 94. ) Halik nennt diese &#8211; für die offizielle Kirche &#8211; ketzerische Spiritualität hochschätzend: „scheue Frömmigkeit“( ebd.). Ein Begriff, den man sich merken muss, wenn über Säkularisierung und „Atheismus“ in Europa gesprochen wird.</p>
<p>11. <em>Frauen als katholische PriesterInnen in Tschechien</em><br />
Auf ungewöhnliche KetzerInnen in der katholischen Kirche Tschechiens im 20.Jahrhundert muss hingewiesen werden: Es gab in der Zeit der Kommunistischen Herrschaft katholische Frauen, die sich von dem gültig geweihten römisch &#8211; katholischen Bischof Felix Maria Davidek (1921-1988) heimlich und von den Päpsten unerlaubt zu Priesterinnen weihen ließen. Sie wollten im Untergrund tätig die katholische Kirche vor der Auslöschung bewahren: Die bekannteste Priesterin ist Ludmila Javorová, sie ist am 17. September 2026 im Alter von 94 Jahren in Brno (Brünn) gestorben. Die katholische Priesterin Javorová (geweiht 1970) setzte ihr Leben ein für das Überleben der Kirche: Aber ihr Einsatz wurde vom Vatikan nicht anerkannt: Nach der Wende erklärte der Vatikan ihre Priesterweihe für ungültig. Wenn diese hilfreichen KetzerInnen nicht mehr gebraucht werden, lässt der Vatikan sie halt fallen. Denn die Allherrschaft des männlichen Klerus darf nicht gebrochen werden. Frau Javorová akzeptierte &#8211; treu katholisch &#8211; ihre Degradierung und arbeitete dann als Religions-Lehrerin weiter…</p>
<p>12.<em> Hasek und Hrabal sind spirituelle Dichter</em><br />
Auch zwei sehr beliebte und hoch &#8211; geschätzte Schriftsteller sind auf ihre besondere Art von Ketzerei betroffen: Wir weisen hier nur auf die beiden Dichter Jaroslav Hasek (1883 &#8211; 1923) und Bohumil Hrabal: 1914 &#8211; 1997) hin, zwei Klassiker der tschechischen Literatur im 20. Jahrhundert.</p>
<p>Jaroslav Haseks Roman „Der brave Soldat Schwejk“ (in 58 Sprachen übersetzt) gilt einem außergewöhnlichen Ketzer. Einem Mann, der auf seine Art Nein sagt zu den herrschenden Mächten: Militarismus, Krieg und Bürokratie. Schwejk sagt Nein gerade auch mit seiner offensiven, gespielten Dummheit: „Melde gehorsamst, ich bin so blöd“. Schwejk, der Mensch inmitten von Unmenschlichkeit, will das System von Krieg und Ungerechtigkeit von Innen sprengen.</p>
<p>Die sehr persönliche, individuelle Spiritualität Bohumil Hrabals entspricht<br />
nicht den dogmatischen Lehren der katholischen oder evangelischen Kirche, betont der Religionswissenschaftler Prof. Paul Hosek (Prag): Er zeigt aber: Hrabal war mit einem evangelischen Pfarrer in Libice nad Cidlinou befreundet, und er hielt in dieser Kirche seit 1980 am 4.Adventssonntag regelmäßig Predigten. Pavel Hošeks interessante Studie hat den ins Englische übertragenen Titel: „The Gospel according to Bohumil Hrabal“. Brno, Centre for the Study of Democracy and Culture 2024, 218 p.  (Siehe Fußnote 1)</p>
<p>13. <em>Die Prager Kneipe als spiritueller Ort</em><br />
Auch das ist eine Gestalt religiöser Ketzerei auf böhmische Art: Hasek wie auch Hrabal sind als begeisterte Freunde und Stammgäste ihrer Gasthäuser, Kneipen. Sie gehen soweit der Kneipe den Rang heiliger Orte zuzusprechen, Orte der offenen Kommunikation als Konkurrenz zu den immer gleichen Liturgien in den Kirchen und ihren Gemeinden. Es gibt in Prag an der Akademie der Wissenschaften tatsächlich eine Ort für spezielle Studien zur Bedeutung der Kneipen in Böhmen und Prag besonders: In den Studien des Soziologischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften wird der Kneipenwirt (hospodský) oft in einer Rolle beschrieben, die dem eines Seelsorgers gleicht. Er hört zu, bewahrt Geheimnisse und gibt Ratschläge. Und der Gast des Stammtisches hält sich in seiner Kneipe wie in einem geschützten Bereich auf. Hrabal meint: In der Kneipe kann man für sich allein meditieren oder … wie auch mit der Menge der Gäste förmlich verschmelzen: Das frisch gezapfte Bier hat für Hrabal geradezu eine religiöse Bedeutung. In seinem Werk „Vita nuova“ beschreibt er eine Kneipe mit fast sakralen Worten: „Herr Ober, diese Ihre Gaststätte, das ist keine Spelunke, dieses Ihr Wirtshaus, das ist die (in Prag berühmte, CM) Betlehem-Kapelle, in der jeder Gast zu dem wird, was er einmal war oder sein wollte&#8230;“</p>
<p>14.<br />
Man sollte eine Dialektik erkennen:<br />
In diesem Hinweis werden die vom System zu Ketzern herabgewürdigten Menschen ihrerseits in gewisser Weise zu geistig bestimmenden Herrschern: Sie erklären für sich und ihre Gemeinden die Mehrheit der Herrscher des Systems zu Ketzern, zu Ketzern, die die Menschenrechte verraten und verachten. Es waren katholische Dissidenten, verfolgte Priester und Theologen, vom kommunistischen Regime Inhaftierte, die über die Zukunft des christlichen Glaubens nachdachten und geheim ihre Überlegungen als Samisdat (im Selbstverlag) publizierten. Wir erinnern hier nur Oto Madr, auch Josef Zverina würde viel Aufmerksamkeit verdienen. Diese vom Kommunistischen System zu Feinden, zu Ketzern, erklärten Intellektuellen, können ihrerseits die all-herrschenden Parteifunktionäre als Ketzer, nämlich als Feinde der Humanität, erkennen.</p>
<p>14. <em>Die sterbende Kirche</em>&#8230;<br />
Der katholische Pfarrer Oto Mádr (1917 &#8211; 2011) wurde 1951 von den Kommunisten wegen „Spionage für den Vatikan“ verhaftet, bis 1966 saß er in Haft, danach organisierte er die geheime katholische Untergrund &#8211; Kirche. Er entwarf schon im Gefängnis das Bild einer Kirche, die sich unter den Bedingungen der Verfolgung nur auf das Wesentliche konzentriert. Berühmt wurde sein Zitat: „Die Kirche braucht wahrhaft geistliche Menschen, wenn sie in einer Situation der Bedrohung bestehen will. Sie kommt ohne Konsistorien (Kirchenbürokratien) aus, ja sogar ohne Bischöfe, ohne Schulen, Krankenhäuser und Presse&#8230;“ aus dem theologischen Essay „Ein Wort über diese Zeit“ (Slovo o této době) von Oto Mádr.. Den Text hatte er 1950 im Untergrund der Tschechoslowakei verfasste. https://www.oto-madr.cz/_d/01/struct/Oto-Madr_Wie-Kirche-nicht-stirbt.pdf<br />
Oto Madr gründete 1978 die geheime Zeitschrift Teologické texty („Theologische Texte“) und war der wichtigste theologische Berater des Prager Kardinals František Tomášek.<br />
Der weltweit bekannte katholische Theologe und Philosoph Tomas Halik in Prag hat sich in seinem Buch „Die Zeit der leeren Kirchen“ (Herder &#8211; Verlag, 2021) erneut mit seinem „großen Lehrer im Glauben“ Oto Madr (S. 97) auseinandergesetzt. Halik hat die provozierende These Madrs vom „Modus moriendi der Kirche“, von der Art und Weise des Sterbens der Kirche, aufgegriffen. Tomas Halik schreibt: „Ich bin davon überzeugt, dass nur ein Glaube, der stirbt und von den Toten aufersteht, tatsächlich ein christlicher Glaube ist. Ich bin davon überzeug, dass nur eine Kirche, die stirbt und von den Toten aufersteht, tatsächlich eine christliche Kirche ist. Ich bin davon davon überzeugt, dass nur eine Theologien die stirbt und von den Toten aufersteht, tatsächlich eine christliche Theologie ist.“ (S. 96 f.).<br />
Es wäre ein interessantes theologisches Thema: die Gefängnistheologie Dietrich Bonhoeffers („Widerstand und Ergebung“) und die Theologie der sterbenden Kirche Oto Madrs zu vergleichen. Das Thema Bonhoeffer und Madr wäre sehr „spannend“, Katharina Kunter schreibt in dem genannten Buch: In den evangelischen Kirchen“fand das von dem deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906 -1945) in Fragmenten überlieferte Konzept eines religionslosen Christentums und einer weltlichen Interpretation des Evangeliums große Resonanz. Bonhoeffers Briefe wurden sogar von der von Vaclav Havel gegründeten Samsidat- Reihe „Edition Expedition, (Edie Expedite) herausgegeben.“ (S. 733).<br />
Wir können hier nur das sehr marginale Interesse in Deutschland an den vielfältigen Formen kirchlichen Überlebens unter der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei feststellen. Das gründliche „Handbuch der Religions &#8211; und Kirchengeschichte der böhmischen Länder und Tschechiens im 20.Jahrhundert“, München, 2009, bietet dazu ausführliche Informationen, die Studien sind aber eher für Spezialisten wichtig.</p>
<p>15. <em>Die einsamen Trappisten von Novy Dvur</em><br />
Angesichts der religiösen Desinteresses in weitesten Kreisen Böhmens werden christliche Minderheiten heute ihrerseits zu Ketzern gegenüber der herrschenden a &#8211; religiösen Kultur. Deutliches und sichtbares Zeichen dieser Form christlicher Ketzerei ist das Trappisten &#8211; Kloster in Novy Dvúr im Bezirk Karlovy Vary, Karlsbad. Es wurde 2011 feierlich eingeweiht: Die Trappisten sind Mitglieder des sehr strengen, absolut zurückgezogenen „Schweige &#8211; Ordens“, sie leisten keine Seelsorge in den Gemeinden, sie predigen nicht außerhalb des Klosters, ihnen ist die soziale Umgebung nicht wichtig. Von 3.15 Uhr nachts bis 19.30 abends beten die 20 Mönche alle drei bis vier Stunden in ihrer neu erbauten Kirche (Architekt: John Pawson). Zur bewussten radikalen Abgrenzung des Klosters von der Umgebung siehe Fußnote 2.<br />
Das Trappisten Kloster befindet sich im Bistum Pilsen, von den dort 117.000 sich katholisch nennenden BewohnerInnen, nehmen weniger als 10.000 Katholiken an den Sonntagsmessen teil. Der Bischof Dr. Tomas Holub nennt etwa 15 bis 18 noch lebendige Pfarreien (von insgesamt 68) im Bistum, überall scheint Kirche, vielleicht auch das Christentum, zu sterben… LINK https://bistum-regensburg.de/news/schwierig-mit-der-kluft-zwischen-glaeubigen-und-nichtglaeubigen-zu-leben-der-pilsener-bischof-dr-tom-holub-ueber-die-katholische-kirche-in-tschechien-6389</p>
<p>Unsere ketzerische Frage ist also: Wenn die 20 Trappisten &#8211; Mönche in Novy Dvur völlig abgeschottet In der Einsamkeit leben: Ist das in gewisser Hinsicht eine Ketzerei .. angesichts der Situation im Bistum Pilsen? Dort könnten ja Theologen gebraucht werden, die in einen spirituellen Dialog mit den vielen Atheisten und Agnostikern der Umgebung eintreten…</p>
<p>16.<em> Der Prager Kardinal Duka als Freund der Rechtspopulisten und Rechtsextremen</em>:</p>
<p>Noch einmal das Grundsätzliche ganz kurz: Wir betrachten Böhmen als Land der Ketzer. Und wissen: Es sind immer die Herrscher, die aufmüpfige Minderheiten zu Ketzern erklären, also zu Leuten, die der Wahrheit, der Ideologie, des Herrschaftssystems widersprechen. Das ist entscheidend: Wir betrachten aber auch die Herrscher als Ketzer, und zwar aus der Sicht der Minderheiten: Sie sehen, wie stark die Herrscher von den allgemeinen, universell geltenden humanen Prinzipen abweichen. Es sind also vernünftige Minderheiten, die auch unter den Herrschern Ketzerisches, Falsches, wahrnehmen und dies explizit sagen.<br />
Nach dieser allgemeinen Bemerkung zu einem umfassenderen Verständnis der Ketzer ein Hinweis zu aktuellen Ereignissen der katholischen Kirche in Tschechien. Darauf hat Professor Tomáš Petráček aufmerksam gemach in einem Vortrag am 5. Dezember 2023 für das „theologische Forschungskolleg“ an der Universität Erfurt. Tomáš Petráček, geboren 1972, arbeitet als katholischer Priester und Theologe am Institut für Kultur &#8211; und Religionswissenschaft an der Fakultät für Bildung der Universität Hradec Králove in Ostböhmen sowie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karls Universität in Prag. Zahlreich sind seine vielbeachteten Veröffentlichungen.<br />
Der Vortrag ist wichtig, weil er nicht nur an die heftig &#8211; konservative Orientierung der katholischen Kirche in Tschechien seit 2012 erinnert. Sondern auch, weil Tomáš Petráček zeigt: Dass der damalige Kardinal von Prag, Erzbischof Duka aus dem Dominikanerorden, eng verbunden war mit dem damaligen Staatspräsidenten Milos Zeman „mit seiner schrillen antiliberalen Rhetorik und seine Sympathie für das chinesische und russische Regime“, so Tomáš Petráček in dem genannten Vortrag. Wichtiger noch: Kardinal Duka hielt enge Beziehungen zum damaligen Premierminister Andrej Babis, dessen politische Bewegung und deren Vertreter zu verschiedenen kirchlichen Festen eingeladen wurden …Die Bischofskonferenz kooperierte mit Babis bei der Besetzung wichtiger Gremien in den öffentlichen Medien mit umstrittenen Persönlichkeiten aus dem extremistischen Spektrum. Die offiziellen Glückwünsche Kardinal Dukas (wörtlich: „wir teilen viele gemeinsame Themen“) an den Rechtsextremen Tokio Okamura, den Führer der rechts-extremistischen Partei mit einer Agenda für den Austritt aus der EU und NATO, zu seinem Erfolg bei den Parlamentswahlen fanden ein breites Echo“, so katholische Theologe Prof. Tomáš Petráček. Der Dominikanerpater Dominik Duka (geb. 1943) war Erzbischof und Kardinal von Prag von 2010-2022, er ist 2025 gestorben. Dukas explizite Nähe zu rechtsextremen Führern und Parteien wird von kritischen kritischen Theologen als ketzerisch, als Abweichung von der Wahrheit des Evangeliums gedeutet werden müssen.</p>
<p>Kardinal Duka sowie weitere Bischöfe und Prälaten in Böhmen (und Tschechien) waren und sind stark verbunden mit den „militanten konservativen katholischen Laienbewegungen“ (so Prof. Tomáš Petráček) „Bewegung für das Leben“ und „Allianz für die Familie“. „B<em>ischöfe nahmen an den Massenmärschen dieser Laien &#8211; Bewegungen teil</em>… Die Vizepräsidentin der “Bewegung für das Leben“ ist Chefredakteurin einer Zeitschrift, in der regelmäßig Texte veröffentlicht werden, die das Pontifikat von Papst Franziskus von traditionalistischen Positionen aus heftig kritisieren oder in der vor Wahlen verbreitet wird: dass ein Katholik und Patriot nur die rechts-extremistische Partei SPD (Führer: Tomio Okamura, CM) wählen soll und darf“, so Prof. Tomáš Petráček. (Der Vortrag von 2023: <a href="https://www.theologie-und-kirche.de/petraczek-kirche-tschechien.pdf">LINK</a>: https://www.theologie-und-kirche.de/petraczek-kirche-tschechien.pdf</p>
<p>In der Sicht der kritischen Theologen kann diese Bindung der Laienorganisation „Bewegung für das Leben“ an die Rechtsextremen nur als Häresie, als Ketzerei, bewertet werden, wenn man denn noch die humane Botschaft des Evangeliums Jesu von Nazareth als Maßstab anerkennt.<br />
Diese Kleriker und diese Laienbewegungen wollen die katholische Kirche ins Getto führen bzw. bei den Verhältnissen in Böhmen weiterhin im Gebot belassen. Die Zukunft dieser Getto &#8211; Kirche ist klar.<br />
Und auch das noch: Der Vorsitzende der tschechischen Bischofskonferenz gratulierte am 5.10.2025 dem rechtspopulistischen Politiker und Milliardär Babis zu seinem Sieg auch als Ministerpräsident (als solcher zum zweiten Mal) LINK: <a href="https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2025-10/tschechien-katholische-kirche-gratuliert-babis-zum-wahlsieg.html">https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2025-10/tschechien-katholische-kirche-gratuliert-babis-zum-wahlsieg.html</a>…</p>
<p>17. <em>Der demokratrische Widerstand durch Mikulas Minar </em><br />
Wir müssen bei unserem Thema auch vom jetzt wieder machtvollen rechtsradikalen Populismus in Tschechien sprechen und dabei an Mikulas Minar (geb. 1993) erinnern, an einen der wichtigen demokratischen Aktivisten mit seiner starken Organisation „Eine Million Augenblicke für Demokratie&#8220;…: Mikulas Minar sagt Nein zur Herrschaft des rechten Populismus &#8211; im Namen der Demokratie und der Menschenrechte. Von diesem normativen Standpunkt aus erscheinen diese Parteiführer als Ketzer, als Häretiker im Umgang mit den Menschenrechten… Auf der Buchmesse in Frankfurt wird Minar nicht vertreten sein (Stand 29.9.2026).</p>
<p>Die demokratische Bewegung „Eine Million Augenblicke für Demokratie“ organisiert Massen-Demonstrationen, sie setzt sich für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit der Medien und die Integration Tschechiens in Europa ein. Schon einmal, 2020, hatte Minar Massen &#8211; Proteste gegen den sehr rechten Populisten Andrej Babis organisiert. Bei den Parlamentswahlen 2025 hatte Babis und seine rechtspopulistische ANO &#8211; Partei fast 35 Prozent der Stimmen erhalten. Der bekannte, explizite rassistische Politiker Timo Okamura von der rechtsextremen Partei (SPD) wurde Parlaments-Präsident.<br />
Im Jahr 2025 gab Mikulas Minar ein Interview für eine Veröffentlichung des Goethe &#8211; Instituts in Prag: https://www.goethe.de/prj/jad/de/ges/26983 , es ging um Umfeld der damals bevorstehenden Wahlen um die Frage: Was würde es bedeuten, wenn ANO, die Partei von Babis, die Wahl gewinne: Minar antwortet u.a.:<br />
„Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist, dass der Premierminister eines Landes ein Vorbild dafür ist, was als normal gilt. Aber ich halte es nicht für normal, dass ein Land von jemandem geführt wird, der falsche Schwüre auf das Wohlergehen seiner Kinder ablegt, wiederholt lügt, seine Meinung nach Bedarf ändert und dabei seine eigene Vergangenheit als Agent der Staatssicherheit leugnet. Das vermittelt den Leuten den Eindruck, es wäre in Ordnung so; das Leben wäre ein Dschungel, wo derjenige gewinnt, der die anderen überlisten kann. Das verzerrt den Charakter der Gesamtgesellschaft und die Seele der Nation.<br />
Der zweite Punkt betrifft das System. Ich fürchte, dass Babiš wieder darum bemüht sein wird, die öffentlich-rechtlichen Medien zu kontrollieren und seinen Einfluss auf die öffentlichen Gelder zu erweitern. Es kann auch passieren, dass er erneut versuchen wird, Macht zu kumulieren und die demokratischen Institutionen zu schwächen – wie er es früher schon getan hat. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass die tschechische Zivilgesellschaft ihm das nicht erlauben wird.“ Nun regiert der rechtsextreme Milliardär Babis….</p>
<p>18.<br />
„Böhmen &#8211; das Land der Ketzer“: Wir haben gesehen: Es gibt Ketzer, die vom herrschenden politischen und kirchlichen System ausgegrenzt und verfolgt werden, weil sie für die ursprünglich einmal vorhandene Humanität dieser Systeme (etwa: das Evangelium Jesu Christi) eintreten. Und es gibt andererseits Ketzer, die mit Gewalt ihr ideologisches System durchsetzen, das bewusst und ganz offen gegen die universellen Menschenrechte gerichtet ist. Diese Leute und ihre Parteien gelten also auch als Ketzer … für Demokraten. Die Demokraten folgen für ihr Urteil der universellen Norm der Menschenrechte: Diese wahre Norm lehrt das Unterscheiden.</p>
<p><em>Fußnote 1:</em><br />
Pavel Hošek: The Gospel according to Bohumil Hrabal. Übersetzung eines Pressetextes aus dem Englischen:<br />
„Das literarische Werk von Bohumil Hrabal zählt zu den bedeutendsten Errungenschaften der tschechischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Es wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und diente als Vorlage für eine lange Reihe von Spielfilmen und Theateradaptionen. In vielen Ländern der Welt ist Hrabal der bekannteste tschechische Schriftsteller. Seine Bücher wurden aus vielen verschiedenen Blickwinkeln interpretiert, doch die spirituelle Dimension von Hrabals Denken und Werk wurde bislang noch nicht gründlich erforscht. Dabei bilden spirituelle Motive und heilige Symbole einen wichtigen Bestandteil von Hrabals literarischer Spiegelung der Welt. Kürzlich wurden Aufnahmen von Hrabals Adventspredigten in Libice nad Cidlinou entdeckt. Diese Aufnahmen werfen ein völlig neues Licht auf die spirituelle Dimension seines Denkens und Schaffens. Das Buch „Das Evangelium nach Bohumil Hrabal“ basiert auf diesen neu gefundenen Materialien und bietet eine umfassende Deutung der spirituellen Dimension des literarischen Schaffens eines der größten tschechischen Schriftsteller.“</p>
<p><em>Fußnote 2</em>:<br />
Die rigorose Abwendung von der Welt durch die Mönche eines Klosters in Böhmen: Aus der Website: https://www.novydvur.cz/de/p-167/p-332/. Gelesen am 16.9.2026:<br />
„Die Abtei Nový Dvůr ist nicht für jedermann zugänglich. Das wäre mit dem Klosterleben unvereinbar. Das Geschäft an der Pforte ist für einige Stunden pro Woche, und zwar am Wochenende, geöffnet. Die Kirche ist während der Gottesdient für alle geöffnet, die mit den Mönchen beten möchten. Mit Ausnahme des Bereichs beim Gästehaus sind die Bereiche um das Kloster den Mönchen vorbehalten. Das Kloster steht weder Touristen noch Architekturstudenten offen. Die Touristen kommen, um zu „sehen“, aber das Wesentliche unseres Lebens zählt nicht zu den Dingen, die man „sehen“ kann.<br />
„Die Klöster des kontemplativen Lebens bieten sich als »Oasen« an. […] Diese scheinbar nutzlosen Orte sind daher im Gegenteil so unentbehrlich wie die »grüne Lunge« einer Stadt: Sie tun allen gut, auch denen, die sie nicht besuchen oder nicht einmal etwas von ihrer Existenz wissen.“<br />
&#8222;Selbst wenn kein Zeuge von unserer Gegenwart Kenntnis nimmt, so dämmen die Mönche durch die Bekräftigung der Transzendenz Gottes mittels einfacher Handlungen wie dem persönlichen Gebet und dem Gottesdienst die Gleichgültigkeit und den Atheismus ein, lassen die Verfolgung verstummen, kämpfen gegen Gewalt jeder Art, bringen Frieden in die gemarterten Herzen, lassen zerrissene Familien zu neuer Einheit finden; die Liste ist endlos. Wer an die Mauern eines Klosters stößt, ohne es betreten zu dürfen, wird bisweilen beeindruckt von der Existenz dieser Mönche, die er nicht „sehen“ konnte, wieder scheiden. Er wird den Wert ihres einsamen Lebens und ihrer inneren Sammlung erahnen. Indem wir davon absehen, uns gehetzten Besuchern zu zeigen, helfen wir ihnen durch unsere bewusste Zurückhaltung mehr, als wenn wir ihre Neugier befriedigen würden. Wenn jemand sich schwertut, den Sinn dieser Überlegungen zu begreifen, der möge sich davon überzeugen, dass unsere Berufung auch für uns selbst bisweilen schwer zu verstehen und zu akzeptieren ist.&#8220;</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22747_22747_aktuelles">Böhmen &#8211; Ein Land der Ketzer: Anläßlich der Buchmesse 2026 in Frankfurt</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 16:27:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche am Ende?]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche in der Krise des sexuellen und spirituellen Missbrauchs]]></category>
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		<category><![CDATA[mehr als 200 Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich schreiben Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo besucht Frankreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier - Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Frauen und Männer, Laienm Priester und Nonnen gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.9.2026</p>
<p>1.<br />
In Frankreich haben am 7. September 2026 215 Opfer von ihrem &#8222;spirituellen Missbrauch&#8220; Papst Leo einen Brief geschrieben: Sie  fordern den Papst auf, wirksame Mittel zur Überwindung dieser Form kleriker Herrschaft  zu veranlassen.</p>
<p>2.<br />
Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier &#8211; Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>3.<br />
Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Laien, Priester und Nonnen, gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert. Die Autorin des Berichtes in „La Croix“ schreibt: „Warum gerade jetzt an den Papst schreiben? Die Initiative der Unterzeichner erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem Rom bereits im Jahr 2024 die Auseinandersetzung mit dem Thema „geistlicher Missbrauch“ in Angriff genommen hat. Seit zwei Jahren arbeitet eine kleine gemeinsame Arbeitsgruppe des `Dikasteriums für die Glaubenslehre` und des `Dikasteriums für Gesetzestexte` daran, spirituellen Missbrauch im kanonischen Recht anzuerkennen. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob ein spezifischer Straftatbestand geschaffen oder bestehende Straftatbestände präzisiert werden müssen, um diese Situationen besser zu erfassen.<br />
Gerade weil diese Überlegungen im Gange sind, wollen sich die Unterzeichner Gehör verschaffen: Soe sagen:  „In diesen Studienkreisen sind die Opfer kaum vertreten. Man betrachtet sie weiterhin als Menschen, denen man Mitgefühl entgegenbringt, aber nicht als Experten, die in der Lage sind, über das, was sie erlebt haben, nachzudenken und es zu entschlüsseln“, bedauert Fabio Barbero. Der ehemalige Ordensbruder fordert „mehr Transparenz“ und vor allem, dass die Opfer wirklich in die Arbeit einbezogen werden, „nicht nur, um eine Statistenrolle zu spielen.&#8220;  &#8230;Doch der Weg scheint lang und heikel zu sein, wie aus einem Interview hervorgeht, das Kardinal Victor Manuel Fernandez, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, im Januar 2025 der spanischen katholischen Wochenzeitung „Alfa y Omega“ gewährte.(Übersetzt durch deepl.com)</p>
<p>4.<br />
Wichtig ist auch die Veröffentlichung der Namen der der betroffenen Gemeinschaften, siehe die aus La Croix übernommene Liste in Fußnote 1.</p>
<p>Dabei ist auffällig, dass als `Täter &#8211; Organisationen` viele offiziell so genannte „neue geistliche Gemeinschaften“ vertreten sind. Diese haben durchaus befremdliche, mysteriös &#8211; fromme Titel. Aber man unterschätze nicht den Einfluß dieser Gruppen auf die französische Kirche: Diese Gemeinschaften leiten Pfarr &#8211; Gemeinden, betreuen Wallfahrsorte, haben Priesterseminare, bieten allerlei Besinnungstage für Laien an usw… Auch etliche französische Bischöfe gehören etwa zur sehr konservativen Gemeinschaft `Emmanuel`. Zum Beispiel Bischof Dominique Rey, der von Papst Franziskus wegen allzu reaktionären Regierens „seines“ Bistums als Bischof von Toulon abgesetzt wurde. Diese genannten Gruppen, in den bisher spiritueller Missbrauch bekannt wurde, sind meist sehr konservativen, sehr papsttreuen, sehr charismatisch: Sie wurden wurden &#8211; wen wundert es &#8211; von Papst Johannes Paul II. aufs höchste gelobt: Sie seine die wahren Missionare Europas, sie seien so zuverlässig katholisch usw…</p>
<p>Kardinal Joseph Ratzinger sagte 2005 ganz enthusiastisch (naiv): &#8222;Diese kirchlichen Bewegungen (die neuen geistlichen Gemeinschafte)  verheißen neue Möglichkeiten: Hier kommt ein Suchen nach der Mitte zum Vorschein, das die Diagnose vom Ende des Religiösen Lügen straft und Wege neuen Lebens aus dem Glauben anbahnt, in denen sich die unerschöpfliche Fruchtbarkeit des Glaubens erneut bewährt.&#8220; (Quelle: Joseph Ratzinger, &#8222;Theologische Prinzipienlehre&#8220;, 2005, S. 394.</p>
<p>&#8222;Gezeigt hat sich&#8220; hingegen, de facto, &#8222;die unerschöpfliche Fruchtbarkeit&#8220; sexuellen und spirituellen Missbrauchs in den meisten dieser Gemeinschaften..</p>
<p>Seit etwa 10 Jahren sind viele Fälle heftigen sexuellen Missbrauchs in diesen so hoch gelobten Gemeinschaften öffentlich bekannt. Diese Freilegung dieser Verbrechen führte zu einer tiefen Krise der (Glaubwürdigkeit der) katholischen Kirche in Frankreich.  Zum Niedergang der katholischen Kirche in Frankreich: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/16606_wenn-der-klerus-die-glaeubigen-vertreibt-der-zusammenbruch-der-katholischen-kirche-in-frankreich-heute_aktuelles</p>
<p>5.<br />
Und das alles wird öffentlich wenige Tage vor dem Besuch Papst Leos in Frankreich: Vom 25. bis 28. September 2026 wird er Lourdes, Paris und Metz besuchen: Die Anmeldungen zur Teilnahme an seinen vielen Messen und Gottesdiensten dort gehen in die vielen tausend. Auf der riesigen Place de la Concorde wird es eine Messe für die 500.000 bis 600.000 frommen Massen geben… 27 Millionen Euro wird die drei-tägige so genannte “Pilgerfahrt“ kosten.</p>
<p>Kann mit einer halben Million Teilnehmer die Eucharistie, die Erinnerung an das Abendmahl Jesu von Nazareth, gefeiert werden? Oder wird da die Eucharistie zur Demonstration der Macht und Herrschaft der katholischen Kirche in einem weltlichen (&#8222;laique&#8220;) Staat? Als Kult eines &#8222;Führers&#8220;, des Papstes?<br />
6.<br />
Ob der Papst einige Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich trifft, ist offen.<br />
Das aber steht fest: Die Freilegung des spirituellen, man sollte eher sagen seelischen Missbrauchs in diesen einst offiziell so vorbildlich gepriesenen Gemeinschaften ist eine Katastrophe nicht nur für die französische Kirche. Aber die frommen Massen, offenbar die dogmatisch stabilen „Hardliner“, lassen sich davon nicht beeindrucken. „Es menschelt halt bis zu Gott“, heißt ihre tröstende (?) Weisheit.</p>
<p>7.</p>
<p>Spiritueller, geistlicher Missbrauch ist nicht nur ein Problem der Kirche in Frankreich, im Bistum Münster wird  eine entsprechende Studie veröffentlicht: LINK: https://katholisch.de/artikel/70293-studie-zu-geistlichem-missbrauch-in-muenster-wird-vorgestellt</p>
<p>Fußnote 1: Die Betroffenen Gemeinschaften des spirituellen Missbrauchs, entnommen von la Croix am 7.9.2026:</p>
<p>Alliance des Cœurs unis, Bénédictines de Montmartre, Carmel de Simacourbe, Carmel du Reposoir, Carmel de Toulouse, Carmel,<br />
Cisterciens de Sept-Fons,<br />
Les Communautés de L’ Agneau, de l’Emmanuel, des Béatitudes, du Chemin Neuf, du Pain de vie, du Verbe de Vie,<br />
consacrées du Regnum Christi (Laien der Legionäre Christi),<br />
Communautés Saint-Jean, Communauté Saint-Martin,<br />
Communion et libération, Compagnie de Jésus province de France (Jesuiten),<br />
Famille de Marie Œuvre de Jésus Souverain Prêtre, Religieuses de l’Assomption,<br />
Famille missionnaire de Notre-Dame, Famille monastique de Bethléem, Focolari, Fondacio, Foyers de Charité, Fraternité Eucharistein, Fraternité de Marie Reine Immaculée,<br />
Fraternités monastiques de Jérusalem (St. Gervais, Paris), Fraternité Verbum Spei, Institut du Christ Roi Souverain Prêtre, Institut Notre-Dame de Vie,<br />
Légionnaires du Christ,<br />
Maria Stella Matutina,<br />
Opus Dei,<br />
Point Cœur, Sœurs Missionnaires de la Charité, Séminaire Saint-Luc d’Aix-en-Provence.</p>
<p>Quelle: https://www.la-croix.com/religion/abus-spirituels-d-anciens-membres-de-communautes-demandent-au-pape-des-reponses-fortes-20260907</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 15:57:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin, katholisch]]></category>
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		<category><![CDATA[viele Priester aus Afrika und Asien in Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Beitrag zeigt faktenreich: Die katholische Kirche in Berlin als eine heute (2026) noch etwas bedeutende gesellschaftliche Organisation wird zunehmend zur verschwindenden Minderheit in Berlin: Diese Kirche baut ab, schließt und verkauft Kirchen mit den Gemeindehäusern, also den Orten der dringend gebotenen Kommunikation: Warum? Weil die katholische Kirche nach wie vor Klerus - fixiert ist, unbeweglich an Dogmen festhält, eine esoterisch-unverständliche Sprache in der Messe praktiziert usw…<br />
Und vor allem: Die katholische Kirche hat ganz offiziell und explizit den Papst als Chef einer „absoluten Wahl - Monarchie“. Und diese Kirche ist deswegen noch stolz darauf, explizit nicht demokratisch strukturiert und explizit nicht demokratisch organisiert zu sein.<br />
Eine ihrem Wesen nach undemokratische Kirche kann auch in Berlin kaum glaubwürdig Demokratie fördern und helfen, zusammen mit demokratischen Organisationen und demokratischen Parteien, die bevorstehende Herrschaft der Rechtsextremen in Deutschland zu überwinden.<br />
Die Katholische Kirche in Berlin hat keine "Vision", keine fundamentale Zukunftsperspektive für Berlin und für die Kirche selbst. Die katholische Kirche in Berlin hat sich aufs Schrumpfen und damit letztlich aufs Verschwinden in der Bedeutungsloigkeit eingestellt; viele Kirchen und Gemeindehäuser wurden und werden verkauft und abgerissen. Lediglich Prestigeobjekte, die viele Millionenen Euro kosten, werden gepflegt, wie die St. Hedwigskathedrale oder das Bernhard Lichtenberg Haus in Berlin Mitte. Auch die intellektuelle Präsenz der katholischen Kirche in Berlin ist marginal...Die für die Katholische Kirche als vom Klerus beherrschte Kirche notwendigen Priester kommen jetzt aus asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern. Junge Priester aus dem reaktionären Neokatechumenat stören die wenigen noch kritischen Katholiken in den Gemeinden. Eine traurige Gruppe also ist, von außen betrachtet, diese Kirche in der Berliner Gesellschaft; die CARITAS, von Laien bestimmt, verdient viel Respekt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles">Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 10.9.2026</p>
<p><em>Ergänzt am 15.9.2026</em>: Die Führung der evangelischen und der katholischen Kirche in Berlin hat am 15.9.2026 einen &#8222;Aufruf&#8220; zur Wahl am 20.9. 2026 veröffentlicht: Allgemeine Floskeln: Bitte Demokratie wählen und die von Gott gegebene Menschenwürde beachten und so weiter und so weiter.</p>
<p>Über irgendwie gefährliche Parteien wird schwadroniert; aber, wie üblich, die für die Demokratie gefährlichen rechtsextremen Parteien werden nicht beim Namen genannt, also kein Wort, kein expliziter Hinweis zur AFD &#8230;Die Kirchenführung geniert sich, präzise zu werden, die Zerstörer der Demokratie beim Namen zu nennen.</p>
<p>Kein Wort zu den sehr großen Problemen der meisten Menschen in Berlin: Wohnen, Miete, Bildungsrückstand, Gewalt, multikulturelles Zusammenleben, Überwindung des Gegensatzes sehr reiche Bürger-sehr arme Bürger in einer Stadt&#8230; Floskeln also werden verbreitet; wer wird sie lesen, hören, ernst nehmen? Inspirierend ist nichts in diesem abgedroschenen Aufruf&#8230;. Der Text dieses &#8222;Aufrufs&#8220;: siehe unten, als Fußnote.</p>
<p><strong><em>Ein Vorwort</em>:</strong><br />
<em>Dieser Beitrag zeigt faktenreich</em>: Die katholische Kirche in Berlin als eine heute (2026) noch etwas bedeutende gesellschaftliche Organisation wird zunehmend zur verschwindenden Minderheit in Berlin: Diese Kirche baut ab, schließt und verkauft Kirchen mit den Gemeindehäusern, also den Orten der dringend gebotenen Kommunikation: Warum? Weil die katholische Kirche nach wie vor Klerus &#8211; fixiert ist, unbeweglich an Dogmen festhält, eine esoterisch-unverständliche Sprache in der Messe praktiziert usw…Zu den sehr belastenden Themen der BerlinerInnen hat die Kirche wenig zu sagen: Vor allem zum drängenden Problem, noch bezahlbare Mietwohnungen zu erhalten.<br />
Und vor allem: Die katholische Kirche hat ganz offiziell und explizit den Papst als Chef einer „absoluten Wahl &#8211; Monarchie“. Und diese Kirche ist deswegen noch stolz darauf, explizit nicht demokratisch strukturiert und explizit nicht demokratisch organisiert zu sein.<br />
<em>Eine ihrem Wesen nach undemokratische Kirche kann auch in Berlin kaum glaubwürdig Demokratie fördern und helfen, zusammen mit demokratischen Organisationen und demokratischen Parteien, die bevorstehende Herrschaft der Rechtsextremen in Deutschland zu überwinden</em>.</p>
<p>1.<br />
Vor der Wahl in Berlin am 20.9.2026 sprechen viele PolitikerInnen aller Parteien von (neuen ?) Perspektiven für Berlin. Manche Politiker meinen sogar, „Visionen“ für Berlin in den nächsten Jahren propagieren zu können. „Visionen“ sind der milde Begriff für jene, die das Wort Utopie scheuen. Utopie hat durchaus den Charakter, „Handlungsalternativen und Möglichkeitsspielräume zu erschließen, die über die geschichtliche Kontinuität hinausschießen.“ (Jürgen Habermas, „Die neue Unübersichtlichkeit“, Frankfurt 1985, S. 142). Utopien sind also wichtig zum Überleben. Auch die Kirche hat eine Utopie, leider wird diese Utopie („Reich Gottes“) oft verdrängt und vergessen…</p>
<p>2.<br />
Das Thema führt zu der Frage: Hat eine bestimmte gesellschaftliche Organisation, die katholische Kirche in Berlin, jetzt eine Zukunfts-Perspektive für Berlin, also ein reflektiertes Projekt für die ca. 4 Millionen BerlinerInnen und auch für die Kirche selbst in der Hauptstadt?<br />
Der Ausgangspunkt ist die Erkenntnis eines Mangels: Es gibt keine theologisch-kritischen, religionswissenschaftlichen oder religionssoziologischen Studien zu Gegenwart und Zukunft der Religionen in Berlin. Es gibt auch keine konfessionsunabhängigen, also objektiven Studien zu Gegenwart und Zukunft der katholischen Kirche in Berlin. Das Thema „Religion bzw. Kirche in der Stadt“ scheint Wissenschaftler nicht zum kritischen Studium zu inspirieren. Ein Grund: An den Universitäten in Deutschland gibt es eine Überfülle theologischer Fakultäten mit immer weniger StudenTinnen, aber sehr wenig religionssoziologische Forschung. Dies ist, nur nebenbei, ein deutlicher Unterschied etwa zu Frankreich oder den Niederlanden. Über die Zukunftsperspektiven der Evangelische Kirche, des Islam, der jüdischen Gemeinden in Berlin sollen andere forschen, spannend ist auch dieses Thema.<br />
Wir bieten hier einige nüchterne, aber auch ernüchternde Daten und Fakten, sie sind unersetzlich zum Verstehen unseres Hinweises und alles andere als „langweilig“.</p>
<p>3.<br />
Unser knapper Hinweis um Thema ist von allgemeinem Interesse: Wie eine Kirche, die sich gern „Global Player“ nennt, in dieser multikulturellen europäischen Metropole in einem säkularisierten Europa lebt bzw. überlebt, ist bedeutsam für die ganze Gesellschaft. Verschwindet langsam die katholische Kirche, denkt sie selbst &#8211; uninspiriert und theologisch armselig &#8211; nur an Abbauen, Schließen, Abreißen, Schrumpfen usw… verschwindet eine Dimension europäischer Kultur.<br />
Tatsache ist: Die katholische Kirche in Berlin schrumpft vor sich hin, hat keine kreative Energie mehr für die eigene Zukunft, legt aber gleichzeitig noch allen Wert auf teure repräsentative Neu-Bauten (St. Hedwig-Kathedrale, Bernhard Lichtenberg Haus ) in Mitte, „Unter den Linden“. <em>Über das zunehmende finanzielle Vermögen der katholischen Kirche in Berlin siehe den ausführlichen Bericht von Roberto Jurkschat in RBB24:<a href="https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2025/09/berlin-erzbistum-kirchensteuer-katholische-kirche-berlin-kirchenfinanzen.html"> LINK</a></em></p>
<p>4.<br />
Globale humane Perspektiven für Berlin und ihre BewohnerInnen sind eher für die Caritas von Bedeutung. Die Caritas ist am wenigsten Klerus &#8211; bestimmt, dort arbeiten &#8211; Gott sei dank -Menschen verschiedener Spiritualitäten.<br />
Die Kirchenleitung und die von ihr abhängigen Laien-Gremien konzentrieren sich hingegen auf das innerkirchliche Leben. Unter dem Stichwort „Wo Glauben Raum gewinnt“ wird administrativ die Zukunft des Erzbistums gestaltet, also das Schrumpfen und langsame Verschwinden praktiziert: Viele kleine Pfarrgemeinden mit ihren Kirchen und Gemeindehäusern wurden amtlich bereits aufgelöst und in größere Verbände, „Großpfarreien“ genannt, überführt. Insgesamt soll es im ganzen Erzbistum noch 36 Großpfarreien geben.</p>
<p>5.<br />
Der wichtige Grund dafür: Es gibt nicht ausreichend Priester. Würden nicht polnische, indische, ghanaische, nigerianische, spanische, lateinamerikanische Priester usw. als „Gastarbeiter“ den weithin alt gewordenen „deutschstämmigen“ Klerus in Berlin ersetzen, wäre es mit der Klerus- Kirche vorbei. Aber diese genannten klerikalen „Gastarbeiter“ sorgen dafür, dass das Gesetz nach wie vor gilt: „Nur der Klerus kann Gemeinden leiten: Gibt es keinen Klerus, gibt es keine Gemeinden.“ Dies ist das oberste Prinzip überall in der Kirche, durchgesetzt vom Vatikan, vom Papst. Es geht tatsächlich um den Machterhalt der Klerus auf Kosten des Gemeindelebens. Diese Entwicklung nimmt der Klerus in Kauf. Aber man weiß: Eines Tages werden auch die „Gastarbeiter &#8211; Priester“ aus aller Welt nicht mehr nach Berlin strömen, weil sie selbst in ihren Heimatländern dringend gebraucht werden. Wenn in zwanzig Jahren auch die Gastarbeiter &#8211; Priester ausfallen, dann fällt alles aus, weil die Kirchenführung es nicht geschafft hat, Frauen und Männer zu befähigen, Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen, selbstverständlich, dass sie dann auch Eucharistie feiern…Aber das ist die gute und richtige Utopie, die der Klerus gar nicht hoch schätzt… Utopien sind für ihn gefährlich, auch wenn die Utopie von der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Gläubigen spricht…</p>
<p>6.<br />
In Berlin lebten im Jahre 2025 258.000 KatholikInnen als zahlende Mitglieder der Kirche. Im Jahr 2022 waren es noch 281.000.<br />
Aus der Kirche sind im Stadtgebiet Berlin beispielsweise zwischen 2018 und 2025 insgesamt 52.270 KatholikInnen ausgetreten. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Stadt Berlin, nicht auf Brandenburg und Vorpommern, Gebiete, die ebenfalls zum Erzbistum „gehören“.<br />
Im Jahr 2025 nahmen -laut Zählung durch die Kirche &#8211; von den 258.00 KatholikInnen in Berlin etwa 31.000 an der Sonntagsmesse teil. Wie viele von ihnen jeden Sonntag teilnehmen, wird nicht berichtet. Nebenbei: Befragungen in Frankreich differenzieren: „Teilnahme an der Messe regelmässig“, oder nur „einmal im Monat“ usw. Auch wurde in der Berliner Statistik nicht berichtet: Wie viele TeilnehmerInnen der Messe in Berlin etwa aus Polen oder den spanisch sprechenden Ländern usw. stammen. Auch vom Altersdurchschnitt der TeilnehmerInnen ist keine Rede.<br />
Wenn also nur noch 31.000 KatholikInnen durch ihre Teilnahme an der Messe ein stärkeres religiöses Interesse haben, dann überrascht doch die relative finanzielle Stabilität dieses Erzbistums Berlin: Über 171 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen konnte das Erzbistum Berlin im Jahr 2025 verfügen. Eine erstaunliche Summe trotz der vielen tausend Kirchenaustritte.</p>
<p>7.<br />
Abgesehen davon, dass die allermeisten katholischen (wie die evangelischen Kirchen sowieso) während der Woche außerhalb der seltenen Wochentags-Gottesdienste geschlossen sind: Die äußere Sichtbarkeit dieser Kirche im „Stadtbild“ verschwindet. Die als überflüssig oder als einsturzgefährdet eingeschätzten Kirchen und Gemeindehäuser stehen dann lange Zeit leer, werden irgendwann verkauft oder dann profaniert oder auch abgerissen. Alte Menschen, oft noch die einzigen, die ein sehr lebhaftes Interesse an den katholischen Messen haben, müssen weite Wege zurücklegen, um ihre „Sonntagspflicht“ zu erfüllen…Und die Gemeindehäuser, die noch bestehen, sind während der Woche &#8211; über die Sekretärinnen dort &#8211; nur ein paar Stunden geöffnet…</p>
<p>8.<br />
Aktuelle Beispiele für Schließungen, Verkäufe, Abrisse:<br />
Die Kirche St. Albertus Magnus am Kurfürstendamm, im Stadtteil Halensee, wurde 2025 entwidmet, seitdem steht sie leer und verfällt.<br />
Die Kirche im “Katharinenstift“ in der Greifswalder Str. in der Nähe des Alexander-Platzes wurde im Februar 2026 profaniert.<br />
Die Kirche und das Kloster der polnischen Kamillianer &#8211; Priester St. Kamillus in Charlottenburg wurde 2026 aufgelöst; das Gebäude soll verkauft werden, weil die offenbar bettelarmen polnischen Kamillianer Geld für die Pflege ihrer alten Ordensmitglieder brauchen. Bis jetzt (August 2026) steht dieser Gebäudekomplex am Klausener Platz leer… es gab einige ergebnislose Proteste der betroffenen Gemeindemitglieder.<br />
Von vielen weiteren Beispielen wäre zu reden, etwa vom Abriss der schönen Kirche St. Raphael in Berlin &#8211; Gatow an der Havel schon im Jahr 2005 unter der Herrschaft von Kardinal Sterzinsky. Dort gab es heftigen, aber bei der Allmacht des Klerus erfolglosen Protest gegen diesen sinnlosen Verkauf und Abriss…<br />
Vom Abriss der Kirche St. Johannes Capristran in Tempelhof nach der Profanierung im Jahr 2004 müsste gesprochen werden … inclusive der merkwürdigen Verkaufs-Details..<br />
Im Osten Berlins, in Biesdorf, wurde die Herz Jesu Kirche 2013 entwidmet und verkauft.<br />
In Moabit wurde die St.Laurentius Kirche 2007 an eine evangelikale Kirche verpachtet…<br />
In Lichtenrade wurde im Jahr 2008 die Kirche „Zu den heiligen Märtyrern von Afrika“ im Jahr 2008 aufgegeben.<br />
Viele spirituell Interessierte haben heftig bedauert den Verkauf des katholischen Meditations &#8211; Zentrums, „Exerzitien-Haus“ genannt, in Berlin &#8211; Kladow, an der Havel gelegen. Dies geschah unter der Herrschaft von Erzbischof Georg Sterzinsky:<br />
Dieser beliebte Ort der Stille und Meditation für die gestreßten BerlinerInnen lag nach dem Verkauf (der finanzielle Gewinn fürs Bistum wurde nie publiziert) Jahre lang ungenutzt brach, die Gebäude wurden 2013 schließlich abgerissen. Heute gibt es noch ein kleines, gut besuchtes Exerzitienhaus des Karmeliter-Ordens in Birkenwerder bei Berlin.</p>
<p>9.<br />
Die vielen Verkäufe von Kirchen und Gemeindehäusern in Berlin sollen die Bistumskasse füllen, also auch die beträchtlichen Gehälter der Priester und Prälaten garantieren. Das ist das Ziel. Ein katholischer Erz-Bischof in Berlin erhält die Besoldungsgruppe B 10, also mindestens das Grundgehalt, das sind ca. 16.530 Euro brutto pro Monat….<br />
Ältere Priester, so um die 50, erreichen die Besoldungsgruppe A 14, also etwa 6.000 Euro im Monat. Netto bleiben dann mindestens 4.000 Euro monatlich für diesen allein lebenden „Junggesellen“. Es ist nicht bekannt, dass diese bestens bezahlten Herren der Kirche etwa 10 Prozent ihres Gehaltes spenden etwa für eine Stiftung armer Familien oder für Flüchtlinge oder für die Opfer von rassistischer Gewalt in Berlin. Das wäre eine kleine, bescheidene Perspektive der Kirche für Berlin und BerlinerINnen…</p>
<p>10.<br />
Von den aufgegeben katholischen Kirchen im Land Brandenburg nennen wir hier nur: Die katholischen Kirchen in Buckow, Friesack, Großbeeren, Hohen Neuendorf, Seelow, Stahnsdorf usw… Dort gab es von Gemeindemitgliedern Widerstand gegen diese Entwicklung, aber er war &#8211; wie immer &#8211; vergeblich.<br />
Theologisch wichtiger: Es wurden auch keine Alternativen von der katholischen Kirchenführung vorgeschlagen: Etwa: Den wenigen Katholiken in diesen Orten, Dörfern, Städtchen, die Teilnahme an den evangelischen Sonntags-Gottesdiensten zu empfehlen. Das wäre eine Entscheidung, die endlich mal das so selten erlebte Prädikat „theologisch &#8211; kreativ“ verdient, eine bahnbrechende Entscheidung der viel besprochenen, aber nie faktisch gelebten Ökumene.<br />
Aber nein, Kreativität, Mut zum Neuen, gibt es nicht im Rahmen des theologischen Stillstands und klerikalen Prinzips: Gemäß dem offiziellen katholischen Projekt „Wo der Glaube Raum gewinnt“ wächst das Gebiet katholischer Pfarreien im Land Brandenburg manchmal ins Monströse: Etwa: Die katholische Großpartei Stralsund im Erzbistum Berlin: Diese Pfarrei mit ca. 6.400 Mitgliedern umfasst jetzt große Teile Vorpommerns, etwa Demmin und Barth, ebenfalls die Hansestadt Stralsund sowie die gesamte Insel Rügen. Die Gesamtfläche dieser Pfarrei beträgt 3.200 Quadratkilometer, diese Pfarrei ist also etwas größer als das Saarland und etwas kleiner als die Insel Mallorca. Fünf Priester müssen durch dieses Land reisen, um in den verbliebenen Kirchengebäuden der kleine Städte für die wenigen Messbesucher die Messen zu lesen.<br />
Wie schon gesagt: Kein Bischof, kein Theologe, kein Pfarrer kommt auch nur auf den Gedanken, den Katholiken in den Dörfern und Städtchen zu empfehlen: Nehmt bitte an den evangelischen Sonntagsgottesdiensten teil… (Zu Stralsunds „Groß-Pfarrei“ siehe etwa: <a href="https://katholisch.de/artikel/24363-so-leben-die-glaeubigen-in-deutschlands-flaechengroesster-pfarrei">LINK</a></p>
<p>11.<br />
Die genannten Abrisse, Leerstände der Kirchen und Gemeindehäuser in Berlin stehen in Kontrast zu den Ausgaben der Katholischen Kirchenführung, die sie für das (neben der St. Hedwigskathedrale gelegene) Prestige &#8211; Objekt „Bernhard Lichtenberg-Haus“ einsetzt. Die aktuelle Prognose der Kosten: 33,8 Millionen Euro, bei der Planung im Jahr 2017 waren 17 Millionen Euro veranschlagt. Über den 44 Millionen Euro teuern Umbau der St.Hedwigs-Kathedrale haben wir berichtet, etwa am 2.11.2024: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19099_hedwigskathedrale-neu-eroeffnet-jetzt-noch-schoener_berlin-katholisch-erinnerungen-fakten">LINK</a></p>
<p>12.<br />
In den Analysen der Finanzsituation der katholischen Kirche in Berlin wird oft vergessen, dass der Bodenbesitz des Erz &#8211; Bistum Berlin beträchtlich ist: „Der kirchliche Bodenbesitz der katholischen Kirche in Berlin beläuft sich auf rund 1206 Hektar, was etwa 1,3 Prozent der Stadtfläche ausmacht.“ LINK: Quelle: Tagesspiegel: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/wie-viel-berlin-gehoert-der-kirche/.</p>
<p>Siehe auch zur Vertiefung:<a href="ttps://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/unchristliche-immobilien-geschaefte-wie-die-katholische-kirche-mit-grundstuecken-geschaefte-macht/"> LINK</a> https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/unchristliche-immobilien-geschaefte-wie-die-katholische-kirche-mit-grundstuecken-geschaefte-macht/</p>
<p>13.<br />
In einer Kirche, für die Abbau oder Abbruch sozusagen normal, wenn nicht sogar üblich geworden ist, bleibt es überhaupt nicht verwunderlich, dass angesichts der vielen neuen Berliner Stadtviertel, etwa im Umfeld des Hauptbahnhofs, offenbar kein Gedanke auftaucht: In den neuen Stadtvierteln einen (ökumenischen) Raum der Stille, etwa eine bescheidene Ladenkirche, eine Krypta oder ähnliches zu mieten: Also „Orte des Zwecklosen“, der Ruhe, der Einkehr, des Dialogs, der Begegnung, der Transzendenz zu schaffen.<br />
Hier wollen wir nur auf den sehr lesenswerten, erstaunlich kritischen Beitrag des katholischen Theologen und Kunsthistorikers Konstantin Manthey, Berlin, hinweisen. Er spricht von „Schockstarre“ und von der Obsession der „Besitzstandswahrung“ als Leitidee dieser Berliner Kirche: Manthey schreibt: Es werden in Berlin keine neuen Kirchen oder wenigstens kleine Gemeindezentren gebaut in Berlins 23 (!) neuen Stadtquartieren mit vielen tausend Bewohnern: „Nirgendwo ist dort bisher ein kirchlicher Ort vorgesehen, ein christlicher Raum für Zusammensein und ähnliches…“ (S. 127). Siehe das Buch:„Leben statt Leere“, Hg. Klaus &#8211; Martin Bresgott u.a. vom Kulturbüro der EKD.<br />
In solchen Projekten könnte sich Ökumene endlich mal realisieren und sicher auch inter-religiöse Zusammenarbeit mit Juden und Moslems und warum nicht auch mit Buddhisten? Das sehr teure und auch architektonisch anspruchsvolle Projekt „Haus of One“ in Berlin kann hier nur erwähnt werden: Es soll ein Gotteshaus (mit getrennten Gebetsräumen!) werden, in dem wenigstens unter einem Dach ein ganz bißchen gemeinsam evangelische Christen sich versammeln sowie Mitglieder einer progressiven Gruppe des Islam und einer progressiven Gruppe im Judentum… Ob man das „House of One“ mutig im Sinne einer größeren Ökumene nennen kann, wage ich zu bezweifeln…</p>
<p>14.<br />
Aber theologischer Mut hat Berliner Katholiken und die Bischöfe dort nie ausgezeichnet. Davon hat schon der große Kritiker der Berliner Kirche in den zwanziger Jahren des 20 Jahrhunderts, Dr. Carl. Sonnenschein, gesprochen: Er urteilte über den Berliner Katholizismus des 20. Jahrhunderts: „Der Berliner Katholizismus ist verdammt kleinstädtisch“. Siehe den Beitrag über Carl Sonnenschein von Christian Modehn vom 31. 1. 1979: <a href="http://www.orientierung.ch/pdf/1979/JG%2043_HEFT%2002_DATUM%2019790131.PDF">LINK</a>:<br />
Die unmittelbar nach der Wende als Ort des Dialogs großzügig errichtete „Katholische Akademie“ in Berlin-Mitte ist angesichts ihres Angebotes seit einigen Jahren eine Nischen &#8211; Institution in der Stadtgesellschaft. Mit den in Berlin sehr zahlreichen, zum Tiel bedeutenden „weltlichen“ kulturellen Institutionen, Theater, Verlagen, Forschungszentren usw. besteht offensichtlich keine Vernetzung. Katholische Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller gibt es in Berlin ohnehin nicht. Auch das „Zentralinstitut für Katholische Theologie“ an der Humboldt &#8211; Universität mit 60 Studentinnen und sechs ProfessorInnen spielt in Berlin keine öffentlich spürbare Rolle.<br />
Nebenbei: Warum ist es in Deutschland immer noch nicht möglich eine gemeinsame christliche, theologisch &#8211; kritische Fakultät zu errichten?<br />
Auch das Forschungsinstitut einiger progressiver Dominikaner-Theologen, das „Institut Chenu“ im Stadtteil Prenzlauer Berg, hat keine für die kulturellen Debatten Berlins öffentlich wahrnehmbare Relevanz. Die kulturelle Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“ (Auflage 6.000 Exemplare) der Jesuiten hat in Berlin ihre bescheidene Redaktion. Ihr gelingt es nicht, eigene theologische, kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, übrigens fast eine Selbstverständlichkeit für christlich inspirierte oder katholische Kulturzeitschriften etwa in Frankreich, etwa Esprit oder Etudes.<br />
Auch das noch: Alle 14 Tage erscheint in Berlin, an den Kiosken gar nicht wahrnehmbar, eine katholische Wochenzeitung, Bistumsblatt genannt, mit dem nur der Tradition verpflichteten Titel „Tag des Herrn“, 7.000 Exemplare sollen in Berlin im Abonnement noch verkauft werden:Das Blatt bedient alle Bistümer m Osten Deutschlands.</p>
<p>15.<br />
Und auch das noch zum „intellektuellen katholischen in Berlin“: Es gibt im Ost &#8211; Berliner Stadtteil Biesdorf ein Priesterseminar der weltweiten neokatechumenalen Gemeinschaft. Diese klerikale Ausbildungsstätte stellt auch dem Erzbistum Berlin seit Jahren einige junge Priestern zur Verfügung, sie stammen aus aller Welt, aus Polen, Mexiko, Spanien, Dominikanische Republik usw…<br />
Die Priester, dem Geist des Neokatechumenates absolut verpflichtet, bringen ihn im Seminar eingetrichterten sehr konservativen Geist in die Gemeinden.</p>
<p>16.<br />
Die Katholische Kirche in Berlin und in ganz Deutschland wird zweifellos wegen der gleichbleibend hohen Austritte aus der Kirche eine Minderheit. Die viel besprochenen Erwachsenentaufen sind von der Anzahl her bewertet ein marginales Phänomen. Also: Über den Weg der Kirche in Berlin und in vielen anderen Metropolen Europas wird diskutiert. Und fast immer werden seit Jahren die gleichen Gründe für diese Entwicklung genannt: Säkularisierung, Verlust der Transzendenz-Erfahrung, Ende der Metaphysik, Individualismus, Streß im Alltag, Frustration über den Zustand der Welt und so weiter. Auch der sexuelle Missbrauch durch Priester hat viele Gläubige aus der Kirche getrieben, Katholiken also, die Priester allen Ernstes für „Hochwürden“ hielten und auch so anredeten und die noch lernten, Bischöfe seien „Exzellenzen“ oder gar als Kardinäle „Eminenzen“. Jetzt werden etwa in Essen Denkmäler abgerissen, einst errichtet zu Ehren Kardinal Franz Hengsbach, dem Opus Dei sehr affin und theologisch reaktionär in seinem Kamogf gegen die Befreiungstheologie als Chef des Hilfswerks „Adveniat&#8220;…. und…das Vertuschen sexuellen Missbrauchs durch Priester. Zum sexuellen Missbrauch durch Priester im Erzbistum Berlin siehe einen Beitrag aus dem Jahr 2023. <a href="https://katholisch.de/artikel/45851-betroffene-schildern-erstmals-details-zu-berliner-missbrauchsfaellen">LINK</a> https://katholisch.de/artikel/45851-betroffene-schildern-erstmals-details-zu-berliner-missbrauchsfaellen<br />
Auch der Tagesspiegel hat 2023 über heftigen sexuellen Missbrauch durch den Pfarrer der Gemeinde St. Ludwig in Wilmersdorf., Benno Fahlbusch, berichtet: <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/in-neukolln-und-wilmersdorf-priester-und-ordensschwestern-sollen-berliner-kinder-zu-sexuellen-handlungen-gezwungen-haben-9702752.html">LINK</a> https://www.tagesspiegel.de/berlin/in-neukolln-und-wilmersdorf-priester-und-ordensschwestern-sollen-berliner-kinder-zu-sexuellen-handlungen-gezwungen-haben-9702752.html. Siehe auch den Bericht von Thomas Klatt im Deutschlandfunk 2021!: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/erste-missbrauchsstudie-des-erzbistums-berlin-viel-leid-100.html">LINK</a></p>
<p>17.<br />
Ein entscheidender Grund fürs anhaltende Schrumpfen und damit langsame Verschwinden der katholische Kirche ist auch das sture Festhalten an den Dogmen und Kirchengesetzen und Kirchengeboten; auch an Glaubensbekenntnissen, die in den Messen gesprochen, gesungen werden, deren Formeln und Floskeln aus dem 5. Jahrhundert niemand versteht. Dogmen dürfen dem sturen Gesetz der katholischen Kirche entsprechend nicht korrigiert, geschweige denn aufgehoben werden, selbst wenn sie im 4. Jahrhundert unter völlig anderen Kulturellen Bedingungen formuliert wurden. Das verstörende Erbsündendogma des heiligen Augustinus wird heute von kritischen und noch objektiv denkenden TheologInnen eindeutig abgewiesen, die Kirche hält stur an diesem Erbsündenwahn fest…</p>
<p>18.<br />
So steht sich die katholische Kirche &#8211; nicht nur in Berlin &#8211; selbst im Wege. Sie wird &#8211; klerus-fixiert &#8211; keine Möglichkeit realisieren, den Weg ins Getto zu beenden. Es ist also auch die dogmatisch fixierte klerikale Welt, die die Menschen aus den Kirche treibt. Die Kirche und ihre Lehre wird zu einer fernen Welt der fernen Mythen und kaum nachvollziehbaren Geschichten, zum Ort, wo noch infantil, wenn nicht abergläubisch anmutende Kirchenliedern aus Zeiten der frühen Kindheit gesungen werden, von denen man sich bestenfalls noch am Heiligabend im Gottesdienst verführen lässt.</p>
<p>19.<br />
Damit sind wir beim Ausgangspunkt unseres Hinweises: Diese Kirche hat den Geist der Utopie verraten, er gehört absolut zentral zur Botschaft Jesu! Die Kirche, zumal ihre Führung, hat vergessen, dass sie nicht für sich selbst, schon gar zur Stärke und Macht des Klerus, geschaffen ist, sondern… Ja, warum denn? Um die Utopie des Reiches Gottes als praktische Leitlinie ihres Handels zu gestalten. Und was ist der Inhalt der Utopie des Reiches Gottes? Friede, Gerechtigkeit, wesentliche Gleichheit aller Menschen, Brüderlichkeit: Christen sind also FreundInnen der humanen Utopie: Jesus fordert von den Menschen um der Menschlichkeit willen eine Umkehr der bisherigen Machtverhältnisse … im Umgang der Menschen untereinander, zumal in den Kreisen der Frommen, also der Kirche.</p>
<p>20.<br />
Die katholische Kirche in Berlin hat &#8211; wie jede Kirche &#8211; , „das Beste der Stadt“ zu suchen und zu fördern. Das ist der Respekt vor der Utopie des Reiches Gottes… Also: Die Kirche muss sich konstruktiv in konkreten Projekten für eine gerechte Wohn/Miet-Politik einsetzen, sie sollte leerstehende Kirchen und Gemeindehäuser nur dann verkaufen, wenn Wohnungen entstehen… Es fehlt hier die Bereitschaft und auch intellektuelle Kapazität, regelmäßige Gespräche mit Menschen zu gestalten, die sich Atheisten oder Ungläubige nennen. Und wann haben von antisemitischer Gewalt bedrohte jüdische Theologen in katholischen Kirchen über ihre Lebensbedingungen, ihren Glauben, gepredigt: Auch spirituelle Gespräche mit Muslims finden nicht in den katholischen Gemeinden statt.</p>
<p>21.<br />
Die katholische Theologin Prof. Martha Zechmeister (El Salvador) sagte kürzlich auf den Salzburger Hochschulwochen: „Eine Theologie, die überall und zu jeder Zeit dasselbe wiederholt, bleibt wirklichkeitsleer und vermag Gott nicht zur Sprache zu bringen“. Eine treffende Aussage, auch gültig für die katholische Kirche in Berlin. <a href="https://www.salzburger-hochschulwochen.at/aktuelles/417/theologischer-preis-2026-an-martha-zechmeister-verliehen">LINK</a>:</p>
<p>Erst wenn Kreativität und Mut, „nicht immer dasselbe sagen“, kirchliches Überleben bestimmen, hat Kirche eine Chance, hilfreich zu sein für die Menschen.</p>
<p>22.<br />
Immerhin: Erzbischof Heiner Koch von Berlin machte in einem Interview am 3. 9. 2026 eine bemerkenswert mutige Aussage zum Umgang mit AfD Wählern innerhalb der katholischen Gemeinden:<br />
Frage: Muss Kirche das Risiko eingehen, dass sich AfD-Wähler innerhalb der Gemeinde abwenden?<br />
Koch: Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen. Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen. Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich! Es geht um Themen, die für uns als Christen nicht verhandelbar sind, wesentlich um die unveräußerliche Menschenwürde eines jeden Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Begabung oder Geschlecht. Man kann dann unterschiedlicher Meinung sein, welche Maßnahmen konkret politisch zu ergreifen sind und welche nicht. Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar. <a href="https://katholisch.de/artikel/70159-erzbischof-koch-kirche-muss-risiko-eingehen-afd-waehler-zu-verlieren">LINK</a></p>
<p>23.<br />
Immerhin: Menschenrechte und Menschenwürde sind auch beim Erstarken der rechtsextremen Partei AfD für einen katholischen Bischof &#8211; und damit für Katholiken insgesamt &#8211; nicht verhandelbar. Man wird Erzbischof Koch mit dieser Aussage hoffentlich noch oft zitieren.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.<br />
Über Christian Modehn siehe: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/stichwort/christian-modehn-ist-gruender-des-religionsphilosophischen-salon">LINK</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>FUßNOTE:</p>
<p>Der  &#8222;Aufruf&#8220; der Kirchenführungen Berlins, publiziert als Pressemitteilung am 15.9.2026:</p>
<p><em> Gemeinsamer Aufruf der Kirchen zu den Berliner Wahlen am 20. September 2026</em><br />
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,<br />
am 20. September 2026 können wir durch die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen mitbestimmen, wie die Zukunft für die Menschen in unserer Stadt gestaltet wird.<br />
Demokratie ist eine große Errungenschaft, die durch die Kraft vieler Menschen erreicht wurde. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, für sie einzustehen, wenn sie in Gefahr gerät. Demokratie bedeutet Auseinandersetzung in Sachfragen mit Respekt und Achtung voreinander, Demut vor der auf Zeit verliehenen Macht sowie Gewaltenteilung. Sie lebt von Kompromissen und der Fähigkeit, andere Meinungen auszuhalten.<br />
Wir treten für eine freie, weltoffene, vielfältige und demokratische Gesellschaft ein. Nur diese garantiert, dass wir in unserer Unterschiedlichkeit in Freiheit und in Frieden miteinander leben können. Die Stärke einer demokratischen Gesellschaft bemisst sich auch daran, dass sie Schwache und Minderheiten schützt.<br />
Bei allem Ringen um eine bessere Lösung in Sachfragen muss im Mittelpunkt immer der Mensch stehen: Menschenwürde, Menschenrechte und Religionsfreiheit sind unverzichtbar für alle Menschen. Genau das macht Berlin aus: Die Vielfalt der Menschen in dieser Stadt. Menschen, die unterschiedlich denken, glauben, leben, lieben und ihr Leben gestalten. Wir glauben, dass Gott jedem Menschen die Menschenwürde verliehen hat. Sie gilt unverbrüchlich und kann niemandem genommen werden.<br />
Gemeinsam rufen wir dazu auf: Unterstützen Sie diejenigen politischen Kräfte, die Zusammenhalt fördern, statt Menschengruppen gegeneinander auszuspielen. Geben Sie jenen Ihre Stimme, die sich uneingeschränkt zur Würde jedes und jeder Einzelnen bekennen und danach handeln. Prüfen Sie, ob und wie der Schutz von Minderheiten und Schutzbedürftigen garantiert wird.<br />
Insbesondere richten wir diesen Apell auch an die jungen Menschen, die in diesem Jahr erstmals ab 16 Jahren wahlberechtigt sind. Gestalten Sie Ihre eigene Zukunft mit!<br />
Wir, das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, suchen stets der Stadt Bestes und stehen gemeinsam ein für die Würde aller Mitmenschen und für eine friedliches Zusammenleben.<br />
„Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“, heißt es in der Bibel. Das wünschen wir uns für unsere Stadt Berlin. Wir rufen Sie auf, unsere demokratische Gesellschaft mit Ihrer Stimme stark zu machen!</p>
<p>Im September 2026</p>
<p>Dr. Karlies Abmeier                                                    Harald Geywitz<br />
Vorsitzende des Diözesanrats                                    Präses der Landessynode der EKBO</p>
<p>Dr. Heiner Koch                                                          Dr. Christian Stäblein<br />
Erzbischof von Berlin                                                 Bischof der EKBO<br />
&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles">Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Sünde kann so wertvoll sein, behauptet der Philosoph Georges Bataille</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 15:52:46 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
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		<category><![CDATA[Bataille im Dialog im März 1944 in Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Bataille plädiert für die Sünde]]></category>
		<category><![CDATA[Bataille war als junger Mann Katholik]]></category>
		<category><![CDATA[Bataille will Nietzsche leben]]></category>
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		<category><![CDATA[der Dialog Bataille in Paris 1944]]></category>
		<category><![CDATA[der theologe und Jesuit Daniélou findet vieles interessant in Batailles Werk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über eine elitäre Veranstaltung im Paris des Jahres 1944. Ein Hinweis von Christian Modehn am 1.9.2026 Einführung in ein schwieriges Thema: Dieser Hinweis gilt dem Vorschlag des Schriftstellers und Philosophen Georges Bataille (1897-1962), die Sünde als Erfahrung wie als Begriff der christlichen Welt und ihrer Dogmen zu entnehmen und Sünde sehr persönlich grundlegend neu zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Über eine elitäre Veranstaltung im Paris des Jahres 1944.<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 1.9.2026</p>
<p><em>Einführung in ein schwieriges Thema</em>:</p>
<p>Dieser Hinweis gilt dem Vorschlag des Schriftstellers und Philosophen Georges Bataille (1897-1962), die Sünde als Erfahrung wie als Begriff der christlichen Welt und ihrer Dogmen zu entnehmen und Sünde sehr persönlich grundlegend neu zu bestimmen: Als bewusst gewählte Übertretung soll sie wertvoll sein, weil sie das menschliche Leben bereichert, lehrt Bataille. Die Sünde als Vollzug, nicht als Theorie, führe, zu einem neuen Verständnis vor allem der Erotik und Sexualität. Noch mehr: Sünde als Überschreiten und Tabubruch führt sogar ins Sakrale.<br />
Die Sünde als das Übertreten der üblichen Moral ist der Abschied aus der bürgerlichen Welt und ihren Normen. Bataille geht so weit, Sünde und Mystik in Beziehung zu setzen: Auch Mystik &#8211; als exzentrische Erfahrung des Göttlichen jenseits der Dogmen &#8211; sei ein Überschreiten vorgegebener kirchlicher Üblichkeiten und Normen.<br />
Der Bataille Kenner Gerd Berfleth bringt es wohl auf den Punkt: Batailles Publikationen sind „das Werk eines Mannes, der sich in einem Maß von erotischen Obsessionen heimsuchen ließ, dass er mit seinem exzessiv gelebten Leben einsteht für sein exzessives Denken.“ (Fußnote 1).</p>
<p>Zu unseremThema ist das Buch „Die Sünde. Eine Diskussion“ im Verlag Matthes und Seitz jetzt (2026) erschienen. Einiges bleibt erstaunlich, das zeigen wir, selbst wenn der sorgsam editierte Text eher für Bataille- Fans und Bataille &#8211; Spezialisten von Bedeutung ist. Batailles vielfältige und umfangreiche Arbeiten werden von den meisten philosophisch Interessierten wohl eher mit großer Anstrengung gelesen und verstanden. Michel Foucault lobte Bataille noch „als einen der wichtigsten Schriftsteller seines Jahrhunderts“… (Fußnote 2).</p>
<p>Unser knappe Hinweis auf das Buch macht also auf einige erstaunliche sowie irritierende Aspekte dieses Buches „Die Sünde. Eine Diskussion“ aufmerksam. Und das kann vielleicht eine Einladung sein, tiefer und weiter nachzudenken über unseren etwas provozierenden Titel „Sünde kann so wertvoll sein.“ Man denke in dem Zusammenhang an die Sünde Evas und Adams im Paradies: Hätten sie nicht gesündigt, als sie vom „Baum der Erkenntnis aßen“, dann wäre sie im Paradies als Wesen geblieben, die eigentlich keine Vernunft, keine Erkenntnis haben. Diese Sünde im Paradies hat die Menschen erst zu Menschen gemacht. Wunderbar! Und wenn dann die Kirche dieses „sündige Geschehen“ im Paradies als schreckliche Erbsünde bezeichnet, an der, so Augustinus alle Menschen durch die Zeugung Anteil haben, dann will dieses Erbsünden-Dogma suggerieren: Wären die Menschen im Paradies doch bloß ohne Gebrauch ihrer Vernunft und Erkenntnis geblieben ….aber das ist diese seltsame Erbsündenlehre der Kirche, darüber habe ich schon mehrfach geschrieben: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/9438_gegen-die-erbsuende-der-beitrag-von-christian-modehn-in-publik-forum_benediktxvi">LINK</a> …</p>
<p>1.<br />
Der Philosoph und Schriftsteller Georges Bataille hat am 5. März 1944 in Paris vor einer Gruppe schon damals bekannter französischer Intellektueller einen Vortrag über seine persönliche Sicht der Sünde gehalten. Der Titel des Vortrags: „Der Gipfel und der Niedergang.“ Anschließend kommentierte der Jesuit Pater Danielou den Vortrag, dann folgte eine ausführliche Diskussion. Diese Texte sind in dem genannten Buch versammelt, zusätzlich gibt es eine ausführliche Einführung und ein ausführliches Nachwort. `<br />
Der Vortrag fand im Umfeld des damals viel beachteten Buches von Bataille „L` Expérience interieure“ („Die innere Erfahrung“) statt, es wurde im März 1943 veröffentlicht. Unter „innere Erfahrung“ versteht Bataille seelische Zustände, wie Ekstase, Angst, Erotik: Sie bewirken als Erlebnis eine Überschreitung üblicher moralisch gesetzter Grenzen, sie sind eine Erschütterung des bisherigen alltäglichen Lebens.</p>
<p>2.<br />
In dem Zusammenhang stellt Bataille sein Verständnis von Sünde vor.</p>
<p>3.<br />
Die Veranstaltung hatte Marcel MORÉ (1887 &#8211; 1969) bei sich zu Hause in Paris organisiert. Er war ab 1945 als katholischer Laie (Beruf: Finanzexperte) der Herausgeber der Zeitschrift „Dieu Vivant“ („Lebendiger Gott“), dort wurden die Vorträge und die Diskussion vom 5. März 1944 im Heft 4 des Jahres 1945 veröffentlicht. Die heute fast vergessenen Zeitschrift „Dieu Vivant“ erschien im angesehenen Verlag Editions du Seuil, Paris: Die eher dem theologisch konservativen Lager verpflichteten Autoren wollten die Schrecken des 2. Weltkrieges, die Shoah, bedenken. Zur Redaktion gehört ein pluralistischer Kreis aus katholischen Theologen (Daniélou), katholischen Philosophen (Gabriel Marcel), auch Protestanten (Pierre Bürgerin) und Orthodoxe (Vladimir Lossky) waren dabei sowie der kirchlich nicht gebundene Philosoph Jean Hyppolite.</p>
<p>4.<br />
Etwa 27 Personen nahmen an dieser durchaus Salon zu nennenden Veranstaltung am 5. März 1944 teil. Die starke Beteiligung von Theologen, vor allem katholischen, ist bemerkenswert, zumal Bataille schon damals nicht gerade als Freund des christlichen &#8211; dogmatischen Glaubens bekannt war. Pater Daniélou wurde als maßgeblicher Teilnehmer schon erwähnt, außerdem müssen die Dominikaner Patres Dubarle und Maydieu erwähnt werden, auch die Katholiken Pierre Klossowski und Louis Massignon sowie der katholische Philosoph Gabriel Marcel. Eher „linke Katholiken“, wie der Philosoph Emmanuel Mounier oder Pater Marie D. Chenu waren nicht dabei. Von „weltlicher“ Seite sollen hier nur die Philosophen Sartre und Simone de Beauvoir genannt werden, sowie Blanchot, Camus, Hyppolite, Merleau &#8211; Ponty, Leiris …</p>
<p>5.<br />
Es ist aus heutiger Sicht sehr bemerkenswert, dass es möglich war, in Paris, März 1944, eine solche konfessionell plurale Gruppe zum intensiven Gespräch zusammenzuführen. Jörg Altwegg schreibt in seinem Buch „Die Republik des Geistes“ (1986, S. 69), Angst vor der Zukunft hatten die Intellektuellen in Paris im März 1944 nicht mehr. „Mit der immer schwieriger werdenden Gegenwart kommt man offenbar ganz gut zurecht.“<br />
Und man fragt sich aus heutiger Sicht: Käme heute, 2026, eine solche sehr plurale Gesprächsrunde unter dem „Dach“ eines katholischen Veranstalters zustande, in Frankreich wie auch in Deutschland? Ich vermute eher nicht. Das liegt daran, dass es in Frankreich wie vor allem in in Deutschland so viele zum kritischen Dialog bereite katholische Intellektuelle heute nicht gibt. Das Niveau der in der Kirche verbliebenen Katholiken hat sich heute weitgehend auf ein eher (klein)bürgerliches Niveau abgesenkt, weitreichende Kritik, Skepsis, Fragen als Grundhaltung, Selbstkritik, Korrektur bisheriger Überzeugungen etc. sind in einem solchen dominanten Milieu als christliche Tugenden nicht so üblich…</p>
<p>6.<br />
<em>Erstaunlich</em> ist auch das Thema dieser philosophisch &#8211; theologischen Salon Runde im März 1944: Paris war noch von Deutschen, den Nazis, besetzt. Das nazifreundliche, von Rechtsextremen bestimmte Pétain &#8211; Regime herrschte noch, die Verfolgung der Juden war an der Tagesordnung und die Résistance versuchte, Juden zu retten. Das Sammellager für die Judentransporte in die KZs, also das Lager in Drancy, lag nur ca 10 Kilometer vom Pariser Stadtzentrum entfernt. Von dieser realen politischen Gegenwart im März 1944 ist in den Vorträgen und in den Diskussionsbeiträgen im Haus von Monsieur Moré überhaupt keine Rede. Und man fragt sich: Wie war es bei dieser Gegenwart möglich, über die hoch komplexen Ausführungen Batailles zur Sünde im allgemeinen ein paar Stunden zu debattieren? Sah man die Verbrechen, theologisch gesprochen, diese Sünde des Antisemitismus nicht, sah nicht man den sündhaften Wahn, dass sich so viele Franzosen, Katholiken zumal, dem faschistoiden Pétain -Regime hingaben? In dem Text ist davon keine Rede. Brauchten diese Intellektuellen im Paris des März 1944 vielleicht diese Flucht ins Abstrakt &#8211; Philosophische?</p>
<p>7.<br />
Georges Bataille wird heute &#8211; wegen seines äußerst umfassenden, vielfach provozierenden Werkes &#8211; als eine besondere Art, etwa als „Außenseiter-Philosoph“ betrachtet: In Deutschland ist er nicht so bekannt wie seine Zeitgenossen Sartre oder Camus. Im Leben Georges Batailles ist wohl wichtig und prägend: Eine höchst unerfreuliche, belastende Kindheit mit einem dahinsiechenden an Syphilis erkrankten Vater; dann der Tod Lauras, der viel Geliebten, im März 1938. Und sicher auch in dem Zusammenhang ein anhaltendes kritisches Interesse Batailles am Katholizismus, am Ordensleben, an der katholischen Theologie, vor allem an der Mystik, selbst noch zu Zeiten, als er sich — nach 1920 &#8211; vom katholischen Glauben &#8211; explizit lossagte und in Nietzsche seinen wichtigsten „Bezugspunkt“ fand. Schließlich wollte Bataille ausdrücklich den hoch verehrten Nietzsche „wiederholen“… und in der Veranstaltung am 5. März 1944 bezeichnete sich Bataille als „antichristlich.“ Der Philosoph Bernhard Taureck schreibt über die Nietzsche-Bindung Batailles. „Die einzig authentische Lektüre Nietzsches besteht für Bataille darin, Nietzsche zu werden. Und: Das authentische Sein Nietzsches liege in der Weigerung zu dienen, d.h. nützlich zu sein“ . (Fußnote 3).</p>
<p>8.<br />
<em>Erstaunlich </em>bleibt: Bataille hält es für wichtig, von einem explizit anti-christlichen und außer-theologischen Standpunkt aus von Sünde zu sprechen. Und diese Stellungnahmen Bataille erschließen sich nur in einer sehr geduldigen Lektüre, es sei, man gehört zu dem kleinen Kreis der Bataille &#8211; Fans und Spezialisten…Bataille will zeigen: Es gibt einen Gipfel, einen existentielle Höhepunkt, der in der Ekstase, im Tabu-Bruch, also auch im Vollzug der Sünde erreicht wird. Im Tun der Sünde kann eine Art rauschhafter Zustand erreicht werden, der das Sakrale berührt. Und immer geht es, wie bei Bataille, um das Verstehen der Sexualität als Praxis: Das Heilige meint Bataille erreichen zu können gerade durch das Sakrileg. Diese Überzeugung bestätigt Bataille noch einmal im Jahr 1945, im Rückblick auf dieses Gespräch im März 1944, in einem Brief an die Redaktion “Dieu Vivant“: „ Ich denke noch heute, dass ich das Fundament der gewohnten Moral untergraben habe, was ich ausdrücklich denen darlegen wollte, die die Last dieser Moral auf sich genommen hatten, die ihr den Sinn einer Verzweiflung gaben und deren Verzweiflung mir zufolge gegen die Moral spricht… Ich kann nicht stark genug betonen: Wir wollen, wie Nietzsche sagt, alles Christliche durch ein Überchristliches überwinden und nicht nur von uns abtun. Was Nietzsche behauptete, behaupte ich unverändert nach ihm.“ (S. 196).</p>
<p>9.<br />
Erstaunlich bleibt die Ehrlichkeit Batailles: In der Diskussion am 5. März 1944 muss Bataille zugeben, dass etliche seiner Aussagen zur Sünde noch „unausgegoren“ sind. „Es ist mir sehr schlecht gelungen, mich auszudrücken,“, bekannt Bataille im Verlauf der Diskussion (S . 169). Und noch einmal 1945 im Rückblick auf die Diskussion vom März 1944: „Ich bedaure, dass ich mich in der Diskussion ziemlich schlecht ausgedrückt habe.“ (S. 196).</p>
<p>10.<br />
Es ist erstaunlich, dass der Vortrag des J<em>esuiten &#8211; Theologen Jean Daniélou als Interpretation Batailles auch für das Christentum und die katholische Theologie positive Aspekte herausstellt</em>. Vor allem die Mystik biete eine Brücke zwischen Bataille und der katholischen Lehre. Der Jesuit deutet die Mystik als Haltung des „Risikos&#8220; (S. 101), als Überwindung einer bloß üblichen moralischen Haltung. Mystik ist „ein Appell, neuartige, umbetretene Wege zu gehen.“ Daniélou meint sogar, die Hierarchie der Werte zeige sich für Bataille nicht durch die übliche Anwendung von Gut und Böse, sondern „im Hinblick auf das Mystische und Nichtmystische.“ (S 192). Mystik ist deswegen so hochgeschützt, weil sie die üblichen dogmatisch engen Glaubensbegriffe sprengt, also einen Übertritt in die Weite &#8211; im Sinne Batailles &#8211; erlaubt. Aber Pater Daniélou bleibt dann doch bei allem Verständnis für Bataille dabei: Sünde beleidigt Gott, sie ist ein Sakrileg“: (S. 106).</p>
<p>11.<br />
<em>Man fragt sich: Was ist die aktuelle Bedeutung dieses Vortrags Bataille?</em> Warum sollten nicht nur die wenigen Bataille Fans und Bataille Kenner dieses Buch lesen? Das Buch erinnert daran, aufmerksamer zu sehen: dass christliche Begriffe (Sünde, Gnade…) in eine säkulare, auch bewusst antichristliche Ebene rücken und dabei vom ursprünglichen christlichen Inhalt das meiste verschwindet. Das ist die Freiheit des Denkens. Aber bedenklich bleibt: Universell geltende Werte von Gut und Böse läßt Bataille nicht gelten. Anstelle von Gut und Böse setzt er „Gipfel“ und „Niedergang“. De Sade war für Bataille ein durchaus akzeptabler Denker der „Entgrenzung“, also im Sande Batailles der Sünde…<br />
Kant („Kategorischer Imperativ“…) ist für Bataille obsolet, veraltet, heute ungültig. Wir betonen, das ist ein durchaus gefährliches Denken. Menschen leben mit dieser universellen Vernunft, um für das Überleben dieser Welt und der Menschheit noch etwas zu sorgen.</p>
<p>12.<br />
So ist dieses Plädoyer Batailles für die Sünde unserer Meinung nach wenig inspirierend angesichts der tiefen Krise der Moral, die nicht nur die Herrschenden, sondern sehr viele Menschen unserer Zeit bestimmt. Diese Krisen und die daraus sich entwickelnden, heute sichtbaren Katastrophen sind ja immer auch auch Krisen der Moral. Bekanntlich ist Moral Ausdruck der freien Entscheidung von Menschen. Da soll das Plädoyer Batailles für die transzendierende Kraft der Sünde als Überwindung der Kategorie des Bösen weiterhelfen?<br />
Unsere Position darf nicht des Reaktionären verdächtigt werden (weil Bataille &#8211; Kritik nichts Reaktionäres ist.)</p>
<p>Über zahlreiche kirchliche, sich christlich nennende Moral &#8211; Vorstellungen muss selbstverständlich gerade heute debattiert werden, etwa angesichts der reaktionären evangelikalen Kirchen in den USA als Teil der MAGA &#8211; Bewegung. Und für einen freien Umgang mit Erotik und die berechtigte Vielfalt der sexuellen Orientierungen müssen TheologInnen selbstverständlich deutlich eintreten.</p>
<p>Ob man für diese Debatten Batailles Sünden &#8211; Plädoyer als Überwindung von Gut und Böse braucht, wage ich zu bezweifeln. Offenbar kannten die im März 1944 in Paris mit Bataille versammelten Intellektuellen das Werk von Soren Kierkegaard nicht, speziell dessen Hinweise zur Sünde, etwa in &#8222;Philosophische Brocken&#8220; oder &#8222;Entweder -Oder&#8220;. E<em>ine Auseinandersetzung &#8222;Kierkegaard &#8211; Bataille &#8220; fände ich interessant</em>, es liegen wohl ganze &#8222;Welten&#8220; zwischen beiden Philosophen.Und gerade diese Differenz herauszuarbeiten, wäre &#8222;spannend&#8220;.</p>
<p>So bleibt das Buch „Die Sünde“  eher für die Bataille &#8211; Forschung wichtig. Es gehört zur umfassenden wissenschaftlichen Edition der Werke Batailles im Verlag Matthes und Seitz in Berlin.</p>
<p>Fußnote 1:  Gerd Bergfleth, „Bataille, Georges“ in „Metzler Philosophen Lexikon“, Stuttgart 2003, Seite 64.</p>
<p>Fußnote 2: Zit: ebd. S.60.</p>
<p>Fußnote 3: Bernhard Taureck, Französische Philosophie im 20. Jahrhundert“, Reinbek bei Hamburg, 1988, S. 196.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, ReligionsphilosophischertSalon Berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wenn Lügen Leben zerstören</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 13:34:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein kurzes Plädoyer für die Wahrhaftigkeit in Zeiten der Herrschaft der Lüge Ein Hinweis von Christian Modehn am 3.8.2026 Ein aktuelle Vorwort: Jetzt verbrennen riesige Flächen von Wäldern in Europa. Im wissenschaftlichen Vergleich: Immer öfter, immer stärker. Wasser wird in vielen Regionen sehr knapp, Flüsse trocknen aus, die Hitze tötet Tausende (alte und kranke Menschen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22509_wenn-luegen-leben-zerstoeren_denkbar">Wenn Lügen Leben zerstören</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein kurzes Plädoyer für die Wahrhaftigkeit in Zeiten der Herrschaft der Lüge<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 3.8.2026</p>
<p><em>Ein aktuelle Vorwort:</em><br />
Jetzt verbrennen riesige Flächen von Wäldern in Europa. Im wissenschaftlichen Vergleich: Immer öfter, immer stärker. Wasser wird in vielen Regionen sehr knapp, Flüsse trocknen aus, die Hitze tötet Tausende (alte und kranke Menschen sowie auch Tiere) und Pflanzen. Der CO2 Ausstoß wurde seit Jahrzehnten nicht wirksam reduziert, Politiker und die Herren der Ökonomie haben die wissenschaftlich begründete Wahrheit „Reduziert den CO2 Ausstoß“ sehr sehr oft ignoriert. Die meisten Menschen haben ihre üblichen Lebensgewohnheiten (Flugzeuge nutzen, Benzin &#8211; Autos fahren etc.) fortgesetzt. Die Wahrheit über die Rettung unserer Erde wurde also seit ca. 50 Jahren weithin ignoriert. Daraus folgt: Wer, wie etwa Mister Trump und Konsorten, die Wahrheit über den Klimawandel als eine Klimakatastrophe ignoriert, also weg &#8211; lügt, zerstört die Welt, zerstört das Zusammenleben, zerstört die Demokratie. Und ein offenbar ignoranter Kanzler Merz sprach am 15.Juli 2026 in der Bundespressekonferenz davon, er werde sich um die „Probleme des Wetters“ (sic) kümmern. Die Wahrheit der Klimakatastrophe ist Herrn Merz offenbar noch nicht vertraut. (Quelle: Etwa: ZDF, Heute Journal, 2.8.2026). Und die ganz den Interessen des Kapitals ergebene Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) meint sogar: Naturschutz sei im Zweifel als Hemmschuh für die Wirtschaft anzusehen.“ (Quelle Tagesspiegel, 3. 8.2026, Seite 5. Der vernünftige Umweltminister Carsten Schneider (SPD) betont: 25 Milliarden Euro betrage der jährliche Schaden durch die Trockenheit, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden“ (Tagesspiegel, 3.8.2026, S. 5)., Mit anderen Worten: Schon der finanzielle Schaden ist immens, wenn weiterhin die Wahrheit der Umweltkrise als Umweltkatastrophe ignoriert wird…</p>
<p><em>1. Auch Lügner beanspruchen die Wahrheit</em><br />
Denken Sie diesen Gedanken: Die universell geltende, faktisch aber selten respektierte Forderung an alle Menschen: „Du sollst nicht lügen“, „Du sollst die Wahrheit sagen“ gilt nicht mehr, diese Wahrheit ist abgeschafft worden. Dann können alle Menschen je nach Belieben lügen, z.B. heute dieses und morgen anderes als Erkenntnis der gleichen Sache behaupten. Jeder und jede erfindet also &#8211; bei der Ignoranz gegenüber der Vernunfterkenntnis oder auch der Ignoranz gegenüber der „Stimme des Gewissens“ &#8211; je nach Laune immer neue Thesen: Die aber dann doch, um Aufmerksamkeit zu finden, als Wahrheit, als „meine Wahrheit“, propagiert werden müssen. Die nicht total zu vernichtende Idee der Wahrhaftigkeit können also die Lügner nicht auslöschen. Sie müssen für sich selbst und für andere ihre lügenhaften Behauptungen als ihre Wahrheit darstellen. Schon hier zeigt sich eine unauflösbare Verbindung von Wahrhaftigkeit und Lüge.<br />
Lüge und Wahrheit bleiben selbst noch in einer umfassenden Lügen &#8211; Welt eng verbunden. Die Idee der Wahrheit lässt sich nicht kleinkriegen.</p>
<p><em>2. Richtig ist etwas anderes als wahr</em><br />
Mathematische Wahrheiten können nicht außer Kraft gesetzt werden, sie gelten immer und überall. Die Leugnung mathematischer Wahrheiten würde die gesamte technisch &#8211; industrielle Wirklichkeit zerstören und damit Wohlstand und physisches Überleben unmöglich machen. Es wäre absolut unrealistisch, eine alternative Gemeinschaft aufzubauen, die zum obersten Dogma erklärt: Eins und Eins addiert ergibt Eineinhalb. Und eine andere alternative Gemeinschaft könnte aus purer Laune behaupten: Null plus Null ergibt zusammen eins.<br />
Aber, wie gesagt: Schon aus technisch &#8211; praktischen Gründen muss mathematische Wahrheit gelten. Und wer dann in dieser mathematischen Welt korrekt, den Gesetzen entsprechend rechnet, der rechnet richtig, nicht etwa „wahr“. Richtig ist das korrekte Verhalten in einer gegebenen, in dem Fall mathematischen Wirklichkeit. Man wird im technischen Bereich niemals sagen: „Diese Autoreparatur ist nicht wahr,“ sondern: „Sie ist falsch“ oder auch: „Sie ist richtig.“</p>
<p><em>3. Faktencheck, weil so viele lügen</em><br />
Wahrheit und Wahrsein sind umfassender als technische Richtigkeit. Wahrheit ist bezogen auf die geistige Sphäre, auf die Wahrnehmung von Welt, der menschlichen Gesellschaft, der Politik. Ist aber dort die Bindung an die Wahrheit abgeschafft, gilt Wahrhaftigkeit nichts mehr, dann kann es nur noch millionenfach Lügen geben, die alle in Konkurrenz und im Kampf um Vorherrschaft zu einander stehen. Diese Erfinder ihrer jeweiligen Lügen werden Kriege gegeneinander führen. Und es wird keinen Friede, kein humanes Zusammenleben, mehr geben: Denn nur die Bindung an die Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen, kann als als Kriterium entscheiden, welche unter den vielen Thesen den Fakten entspricht und welche nicht. Dieser „Faktencheck“ ist das Eingeständnis, dass es doch Wahrheit gibt in der verwirrenden Vielfalt der Meinungen und „Wahrheiten“. Es gibt also in einer schon jetzt von der Herrschaft der Lüge vergifteten Welt das starke Bedürfnis zu wissen, was ist denn nun Wahrheit. Und die ist, wie gezeigt, mehr als rechnerisch &#8211; technisch korrekte Richtigkeit.</p>
<p><em>4. Lügen sind Nihilismus</em><br />
Lügen zerstören humanes Leben: Nihilismus ist die Vorstellung, dass nichts gilt, dass Wahrheit nicht gilt, alles gleich -gültig ist, dass Gutes vom Bösen nicht unterschieden werden kann. Nihilismus ist das Resultat einer Herrschaft der Lüge und Lügner. Vaclav Havel, der tschechische Widerstandskämpfer, Literat und nach 1989 Staatspräsident in seiner Heimat, hatte seinen Überlegungen zur Lügen &#8211; Welt des Kommunismus/Stalinismus den Titel gegeben: „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ (1978). Inmitten des Verbrecher Regimes der kommunistischen Partei hat Havel gewusst, was Wahrheit, was wahres humanes Leben ist. Havel passte sich nicht an, wurde nicht zum Mitläufer, er wählte nicht den bequemen Weg wie die meisten in diktatorischen Regimen. Der Wahrheit folgen, in der Wahrheit leben: dies ist gefährlich, manchmal lebensgefährlich, das wusste Havel. Das wissen alle, die niemals auf Wahrhaftigkeit verzichten und in den Gulag der russischen Diktatoren damals und heute ums Überleben ringen, das wissen kritische Intellektuelle in dem Regime des Herrschers Trump, das wissen die Oppositionellen in der totalen Herrschaft Netanjahus und seiner faschistischen Minister oder im Regime der Mullahs usw…</p>
<p><em>5. Die Wahrheit immer und überall sagen?</em><br />
Der Philosoph Immanuel Kant ist bei manchen Leuten in Verruf geraten, weil er in seinem Beitrag „Über ein vermeintliches Recht, aus Menschenliebe zu lügen“ (1797) sehr streng betonte: Niemals, unter keinen Umständen, ist Lügen moralisch zu rechtfertigen. Unser Zitat bezieht sich auf diesen Text (Fußnote 1): “Es ist also ein heiliges, unbedingt gebietendes, durch keine Conveniencen (Üblichkeiten) einzuschränkendes Vernunftgebot: In allen Erklärungen wahrhaft (ehrlich) zu sein.“ S. 227 f.). In seinem Beitrag will Kant nur das Eine sagen: Menschen dürfen um ihrer Menschlichkeit niemals darauf verzichten, an der Idee der Wahrheit und Wahrhaftigkeit festzuhalten. Diese Idee der Verpflichtung auf Wahrheit muss bestimmend sein, wenn die Gesellschaft, der Staat, wenn das Zusammenleben nicht durch die Herrschaft der Lüge völlig zerfallen und ausgelöscht werden soll.<br />
Der Idee der Wahrheit kann der einzelne niemals vollständig und total entsprechen, aber er braucht diese Leit-Idee, um im Leben, im Suchen, im Forschen und Fragen ein Kriterium zur Verfügung zu haben, das wahre Erkenntnis von falscher trennen kann. Diese Leit &#8211; Idee der Wahrheit steht neben den anderen ähnlich strukturierten Leit &#8211; Ideen, dem Guten und dem Schönen: Auch sie sind Kriterien für ein humanes Leben: Niemand wird jemals absolut gut sein, vollkommene Schönheit wird niemals erreichbar sein: Aber niemand wird auf die Bindung an die Idee der Schönheit oder des Gutsein verzichten: Selbst ein Mörder kann sein &#8211; zum Beispiel fundamentalistisch &#8211; religiös motiviertes- Morden für sich als Gehorsam gegenüber seinem Gott irrigerweise sogar gut und wahr finden. Und selbst ein Fan von Kitsch &#8211; Gemälden wird noch unterscheiden können zwischen dem für ihn schönen Kitsch und dem unerträglich grellem Farben &#8211; Geschmiere anders orientierter Kitsch &#8211; Freunde…</p>
<p><em>6. Lügen als Ausnahme retten Leben</em><br />
Man hat Kants Position weiter gedacht und behauptet: Er würde sogar für die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit eintreten, wenn etwa die Nazis von einem Antifaschisten wissen wollen: „Haben Sie einem Juden in ihrer Wohnung Schutz gewährt?“ Natürlich darf dieser hilfsbereite Mensch NICHT die Wahrheit sagen, er darf nicht den Gesuchten der SS ausliefern. Denn der hilfsbereite Mensch kennt eine gegenüber der formellen Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit noch größere Wahrheit und sie reicht über die Konformität mit den geltenden Gesetzen hinaus: Das Leben eines Unschuldigen in einem Verbrecher &#8211; Regime zu schützen ist die höhere Wahrheit. Der Kant &#8211; Forscher Marcus Willaschek schreibt in seinem empfehlenswerten Buch „Kant. Die Revolution des Denkens“ passend zu unserem Beispiel: Der hilfsbereite Mensch habe mit der Lüge gegenüber dem SS Mann seiner richtigen Lebens &#8211; Maxime entsprochen und die heißt: „Ich will nicht lügen, es sei denn die Lüge ist das einzige Mittel, um ein großes Unrecht zu verhindern und verletzt keine berechtigten Interessen anderer Menschen.“ (Fußnote 2).<br />
Moralisch ausschlaggebend ist in dem Beispiel, so Willlaschek, „die Verallgemeinerbarkeit dieser Maxime. Tatsächlich spricht nichts dagegen, dass diese Maxime (in unserem Beispiel die des hilfsbereiten Menschen) ein allgemeines Gesetz sein könnte.“ Und Willaschek betont: Es gibt also kein uneingeschränktes Lügenverbot.</p>
<p><em>7. Politiker als Lügner</em><br />
Lügen kann &#8211; als reflektierte Ausnahme &#8211; DAS EINZIGE MITTEL sein, „um ein größeres Unrecht zu verhindern“. Diese sehr begrenzte, stets kritisch zu reflektierende Möglichkeit zu Lügen haben die zahllosen Lügen &#8211; Politiker und die einflußreichen Tech &#8211; Milliardäre total vergessen: Sie lügen und lügen, wie es ihnen gerade passt … und finanziell Vorteile bringt. Vorbild aller Lügen &#8211; Herren ist Mister Donald Trump, dessen Lügen innerhalb seiner Amtszeit schon gar nicht mehr gezählt werden können. Trump steht in einer Reihe mit den größten Lügner &#8211; Politikern der Gegenwart in Russland, China, Nord-Korea usw…Rechtsradikale PolitikerInnen in ganz Europa sind die MeisterInnen im Lügen, Im Verfälschen der Vergangenheit, im Einsatz falscher Behauptungen zur ökonomischen und politischen Entwicklung, zur Situation der Flüchtlinge und Ausländer.</p>
<p><em>8. Verlogenheit, Heuchelei, Sich-Verstellen….</em><br />
Schwierig wird das Thema Lüge und Wahrheit, wenn man das Verschweigen der vollständigen Wahrheit betrachtet, also auch die Formen der Heuchelei, der Verstellung und der Verlogenheit. Gelegentlich kann das Verschweigen der vollständigen Wahrheit not -wendig sein, etwa im Rahmen diplomatischer Verhandlungen. Verschweigen bewegt sich in einer Art moralischen „Grauzone“, Verschweigen und Verleugnen wird ins Unmoralische abgleiten, wenn Verstellung und Verlogenheit zu einer Art Gewohnheit im Leben werden: Dann weiß der Betreffende nicht mehr, wer er selbst eigentlich ist. Auch Verlogenheit und Verstellung sind der Kritik der Leitidee Wahrhaftigkeit ausgesetzt.</p>
<p><em>9. Wissenschaftliche Wahrheiten verändern sich</em><br />
Wenn wir von Wahrheit sprechen, ist die Bindung an die Wahrhaftigkeit gemeint und, wenn Wahrheit inhaltlich gemeint ist, dann meinen wir die universell geltenden Grundsätze, etwa die Menschenrechte.<br />
Auch in Geisteswissenschaften gibt es Wahrheiten, die durch weitere Forschungen später ergänzt oder ersetzt werden. (Aber wir können uns heute nur an die inhaltlichen Wahrheiten halten, die heute wissenschaftlich plausibel sind, wir können uns natürlich nicht an die Wahrheiten halten, die nach weiteren Forschungen in 20 Jahren vielleicht gelten.</p>
<p><em>10. Wenn Religionen, wenn Kirchen lügen</em><br />
Lügen und Wahrheit sind nach wie vor dringendes Thema der Religionskritik und Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phie: Um nur bei einer der vorherrschenden Religionen, dem Katholizismus, zu bleiben: Da werden sogar noch von den heute herrschenden Klerikern bestimmte Bibelstellen gegen alle wissenschaftlich erwiesene Wahrheit fundamentalistisch gedeutet und in dogmatisch geltende Wahrheit überführt: Diese Ignoranz ist eine Form der Lüge, sie steht im Dienst der hierarchischen, angeblich von Gott höchstpersönlich gewünschten Klerus-Herrschaft. Beispiele dafür gibt es in großer Fülle: Man denke etwa an den angeblichen Befehl des historischen Jesus von Nazareth an seinen „Jünger“, den später Apostel genannten Petrus: Er sei der Fels, auf dem sich seine Kirche gründe (im Matthäus Evangelium, Kap. 16, Vers 8). Dabei weiß jeder, dass Jesus von Nazareth nicht im entferntesten daran dachte, eine Kirche zu gründen. Da wurde im Neuen Testament dem historischen Jesus eine Aussage unterschoben, die eigentlich als Lüge der Autoren des Neuen Testaments zu bewerten ist. Oder: Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt wird damit von den Päpsten und ihren Theologen so begründet: Jesus habe nur 12 Männer zu Aposteln erwählt. Dabei werden im Neuen Testament selbst schon viele Frauen als JüngerInnen Jesu genannt. Trotz aller wissenschaftlichen Forschung, die Frauen als Priesterinnen auch in der katholischen Kirche für möglich und geboten halten, wollen die Kleriker auf ihre männliche Alleinherrschaft nicht verzichten. Und die Kleriker im Vatikan sagen: Na ja, es gibt doch einige Frauen in hohen Verwaltungsposten sogar im Vatikan…<br />
Wie überhaupt der Vatikanstaat &#8211; historisch betrachtet &#8211; auf einer großen Lüge beruht: Man denke daran, dass die Päpste an die „Constantinische Schenkung“ glaubten, also an die Schenkung großer Gebiete Italiens durch den Kaiser, auch dann noch, als im 15. Jahrhundert der hoch gebildete Theologe und Historiker Lorenzo Valla nachweisen konnte, dass dieses angebliche Schenkung &#8211; Dokument Kaiser Constantins eine Fälschung aus dem 8. oder 9. Jahrhundert ist. Aber nur im Festhalten an dieser Lüge kann der Staat Vatikan überhaupt ein Existenzrecht haben. Bekanntlich war der Faschist Mussolini 1929 so freundlich, dem Papst wieder einen (winzigen) Staat zu gewähren.<br />
So kann der Papst eben auch Staatsmann sein, mit allen Privilegien, man denke an das umfassende System der Vatikan- Botschafter, der Nuntien. Sie kontrollieren die Ortskirchen und melden etwa progressive Irrtümer und „Irrlehrer“ der jeweiligen Ortskirchen den Vatikanischen Behörden…<br />
Es ist schon erstaunlich, dass eine Kirche, die, vernünftig betrachtet, auf Lügen beruht, selbst einen solchen Furor entwickelt hat und pflegt, ihre eigene Wahrheit gegenüber den „Ketzern“ auch mit Gewalt durchzusetzen…</p>
<p><em>11.Für die katholische Kirche (um nur von ihr zu sprechen) gehört die Lüge zur Ideologie, bei allem Furor der Durchsetzung der eigenen „Wahrheiten“</em></p>
<p>Es ist ein endloses, letztlich immer verstörendes Thema: Die katholische Kirche und ihre Bindung an dogmatische Lügen und politische Lügen. Aber die verbliebenen Katholiken stört das nicht so sehr, sie freuen sich, ihren Wunderglauben, auch ihren Glauben an die göttliche Erhörung ihrer Bittgebete usw… weiter pflegen zu dürfen. Wer wagt es noch, hier von praktiziertem Aberglauben in der katholischen Kirche zu sprechen? Aberglaube ist eine Lüge. Auch von der bewussten Ignoranz gegenüber Missbrauchstätern durch Bischöfe wäre zu sprechen, sie haben die Wahrheit verachtet zugunsten einer Kumpanei mit den Mitbürgern“, also ihre Kleriker als Missbrauchstäter gedeckt und verteidigt…</p>
<p><em>Fußnote 1:</em> Immanuel Kant, „Zum ewigen Frieden und andere Schriften.“ Fischer Taschenbuch, 2008, S. 225- 231).</p>
<p><em>Fußnote 2</em>: Marcus Willaschek, „Kant“. C.H. Beck Verlag, 2023, S. 106.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophisches Salon, Berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22509_wenn-luegen-leben-zerstoeren_denkbar">Wenn Lügen Leben zerstören</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Denken oder beten?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22357_denken-oder-beten_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 14:49:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhinweise]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenken an Verstorbene]]></category>
		<category><![CDATA[Ich denke an dich und ich bete für dich meinen das gleiche]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Patocka großartiges Buch "Phänomenologie des Lebens nach dem Tod"]]></category>
		<category><![CDATA[Was bedeutet Ich bete für dich]]></category>
		<category><![CDATA[Was bedeutet Ich denke an dich]]></category>
		<category><![CDATA[wie leben nach dem Tod eines geliebten Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[wie leben Verstorbene weiter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir fragen: Was macht den Unterschied aus zwischen „Ich denke an dich“ und „Ich bete für dich“? Und wir betonen: Vernünftig verstanden meinen beide Form des Gedenkens das gleiche. Wichtig ist im Zusammenhang "Denken an einen Verstorbenen": Der tschechische Philosoph Jan Patocka (1907 - 1979) hat einen bedeutenden Essay geschrieben zum ungewöhnlichen Thema: „Phänomenologie des Lebens nach dem Tod“. Er zeigt, wie im Gedenken an die besondere Bedeutugn des geliebten Verstorbenen der Verstorbene weiter-lebt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22357_denken-oder-beten_befreiung">Denken oder beten?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie wir in Gedanken andere in unser Leben rufen<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 25.6.2026</p>
<p>1.<br />
„Ich werde an dich denken“. Anläßlich einer Bestattung, einer schweren Krankheit, einer Hochzeit, einer problematischen Reise, wann auch immer…: Es ist unter christlich geprägten Menschen auch in Deutschland üblich zu sagen: „Ich denke an dich“. Als Ausdruck der Verbundenheit, vielleicht als Trost.<br />
Bis vor einigen Jahren sagten christlich geprägte Menschen noch, nicht nur im privaten Flüsterton: „Ich bete für dich“.</p>
<p>2.<br />
Sich offen zum Beten für andere zu bekennen, ist in einer zunehmend säkularen Gesellschaft das Wagnis, als Frommer oder Frömmler dazustehen. Also als obsolet zu gelten. Zumal gebildete Christen heute ihre Probleme haben, den Sinn des Bittgebetes zu verstehen: „Ich bitte für dich bei Gott.“</p>
<p>3.<br />
Dies ist also kein abseitiges Thema einiger spiritueller Menschen: Wir fragen: Was macht den Unterschied aus zwischen „Ich denke an dich“ und „Ich bete für dich“? Vielleicht meinen beide Zusagen, richtig verstanden, sogar das Gleiche?</p>
<p>4.<br />
Wie gesagt: „Ich bete für dich&#8220; hat man früher auch schnell gesagt, daher &#8211; geredet. .Wie eine Floskel. Heute hingegen wird das „Ich denke an dich“ ständig gesprochen in den genannten Fällen von Krisen oder auch besonders schönen Erlebnissen. Die Adressaten können die Zusage des anderen, des Freundes, er werde an mich denken, nur glauben. Und hoffen: dann hat man mich also doch nicht ganz vergessen, ich bin nicht ganz allein, man denkt an mich. Früher haben abergläubische Menschen diese Zusage angeblich „empirisch&#8220; aber hilflos überprüfen wollen, wenn sie sagten: „Mir klingt nun das rechte Ohr“.</p>
<p>5.<br />
Schauen wir auf die Zusage: „Ich bete für dich“ . Diese betende, bittende Person verspricht, sich an an Gott zu wenden und ihn zu bitten, Gott (oder Jesus Christus oder sogar Maria) möge sich um die betreffende Person, entweder leidend oder auch glücklich, vom Himmel aus „kümmern. Der Betende übergibt also sein Anliegen der göttlichen Wirklichkeit. Wer sagt: „Ich bete für dich“ entlastet sich: „Soll Gott sich doch kümmern. ER wird es in seiner Allmacht schon richten.“ „Für andere beten“ kann die Bedeutung haben: Für andere persönlich nicht eintreten, nicht handeln zu müssen. Es ist die Bequemlichkeit der Frommen…</p>
<p>6.<br />
Nebenbei: Papst Leo XIV., so berichtet der „Vatikan Newsletter“ täglich, bekennt öffentlich ständig, für andere in der weiten Welt zu beten, für einzelne oder Gruppen oder ganze Länder, für Leidende, Hungernde, Frierende, Soldaten, Friedensstifter usw. Wenn der Papst für all diese Menschen täglich mindestens ein „Vater Unser“ und ein „Ave Maria“ betet, ist der halbe Vormittag um, möchte man ironisch sagen. Aber der Papst kann durch so viel öffentlich erklärte Fürbitt &#8211; Gebete seinen Anspruch beweisen, „Heiliger Vater“ zu sein … Vielleicht hört Gott auf päpstliches Beten besonders aufmerksam?</p>
<p>7.<br />
Wer sagt „Ich denke an dich“ lebt in einer anderen Dimension, man kann sie „weltlich“ nennen: Aber wenn diese Zusage für den Sprechenden wirklich mehr ist als eine Floskel, dann führt sie in tiefere, man möchte sagen, philosophische Erfahrungen des menschlichen Lebens. Denn das „Denken an dich“ berührt den Geist, die Seele: Die andere Person wird wachgerufen, man sieht sie vor sich, fragt: Was war, was ist das Besondere dieses Menschen? Hat sie mir (noch) etwas zu sagen, bedeutet sie mir etwas? So entsteht eine Form der Kommunikation zwischen dem Denkenden und dem Menschen, dem das &#8222;Denken an…“ gilt. Man kann dies auch „Wechselseitigkeit“ (Jan Patocka) nennen. Durchaus mit dem Aufruf: Was kann ich für Dich tun, wenn ich so an dich denke. Und es kann die Erkenntnis gelingen: Wir beide haben die Voraussetzung: In unserem Geist verbunden zu sein!</p>
<p>8.<br />
Wer sagt „Ich bete für dich“ und diese Zusage wirklich ernst meint und die Tiefe der Aussage versteht, der weiß: Gott im Himmel wird nicht eingreifen und wie in einem Wunder mit heiligen Blitz genau diese eine Person, für die ich bete, dann heilen, trösten, sich mit ihr freuen usw. Sondern im (Bitt-)Gebet erschließt sich für christliche Menschen die Erkenntnis: Gott, das Göttliche, der Ewige, wie auch immer sein Name unbeholfen genannt sein mag, ist immer schon anwesend: In mir, in den anderen, in der Welt. Anwesend als die nur geheimnisvoll, niemals zu definierende schöpferische Kraft, die in allem und allen lebt. Dies ist eine bleibende Erkenntnis christlicher Mystik.<br />
Und was ist die Konsequenz? Ich stehe auf diese Weise mit dem anderen, den anderen, auch in einer Kommunikation: Ich denke also auch an den anderen, sehe ihn, frage mich: Was ist sein besonderes Profil, wo ist der andere wichtig für mich, herausfordernd, verstörend: Wo kann er/sie anregend sein für mich? Wo kann ich ihn, sie, begleiten, unterstützen…</p>
<p>9.<br />
Also: Es sind die gleichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die sich beim vernünftig nachdenkenden Beter einstellen wie bei dem, der sagt: „Ich denke an dich“. Es ist also in beiden Formen des Gedenkens die in die Praxis führende Dimension entscheidend, und wenn verantwortliche Denk &#8211; oder Gebets &#8211; Kommunikation: Dann auch mein Tun „in seinem Sinne“.</p>
<p>10.<br />
Der angesehene tschechische Philosoph Jan Patocka (1907 &#8211; 1979) <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12573_ich-denke-an-dich-denken-in-zeiten-der-krise-5-teil_denkbar">LINK</a> https://religionsphilosophischer-salon.de/12573_ich-denke-an-dich-denken-in-zeiten-der-krise-5-teil_denkbar.<br />
hat einen bedeutenden Essay geschrieben zum ungewöhnlichen Thema: „Phänomenologie des Lebens nach dem Tod“. Er reflektiert also unser Thema speziell im Hinblick auf den Tod eines geliebten Menschen.<br />
Das Buch ist 2026 im Verlag Matthes und Seitz erschienen. Darin geht er auch der Frage nach: In welcher Form lebt der geliebte Verstorbene mit mir weiter: Die von Platon stammende metaphysische Antwort eines Weiterlebens der Seele in der Ewigkeit lehnt Patocka ab. Der Herausgeber dieses Buches, der Philosoph Tobias Keiling, schreibt in seiner ausführlichen Hinführung zur These Patockas: „Auch wenn der Verstorbene `die Zukunft (mit mir) nicht mehr aktuell mitgestalten`, also nicht mehr direkt aktuell am gemeinsamen Handeln Anteil haben kann, so kann sein vergangenes Leben mein Handeln doch weiterhin beeinflussen und bereichern… Das Sein des Verstorbenen könne `für mich zum Impuls für immer Neues werden, indem ich tiefer realisiere, was seine Existenz bedeutet hat und weiterhin bedeutet.` Dies ist ein bisher noch nicht berührtes Phänomen des Lebens nach dem Tod, das meinen eigenen Lebensentwurf mit dem des Verstorbenen verbindet.“ (S. 41,42).</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22311_kirchen-und-religionen-sollten-nicht-die-demokratie-bestimmen-auch-nicht-in-den-usa_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 16:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika, USA]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhinweise]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Arnd Henze]]></category>
		<category><![CDATA[Arnd Henze Buch "Mit Gott gegen die Demokratie"]]></category>
		<category><![CDATA[fundamentalistische Christen aus der evangelikalen Szene in den USA]]></category>
		<category><![CDATA[fundamentalistsiche Christen zerstören die Demokratie in den USA]]></category>
		<category><![CDATA[Gütersloher Verlagshaus]]></category>
		<category><![CDATA[J.D. Vance]]></category>
		<category><![CDATA[Pete Hegseth]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Thiel]]></category>
		<category><![CDATA[Russel Vought]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Miller]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=22311</guid>

					<description><![CDATA[<p>Arnd Henze, Journalist und USA - Spzialist, legt ein wichtiges aktuelles Buch vor:"Mit Gott gegen die Demokratie". Er zeigt, wie nationalistische reaktionäre Christen zu den engsten Mitarbeitern und Förderern Trumps gehören. Es sind die "white evangelical Christians".  Diese Leute verachten die Menschenrechte, die Demokratie, die Schwachen, Armen, Ausländer usw. Henze meint zurecht: Der Demokratie geht es gut, wenn die Religionen und auch die Kirchen das politische Leben NICHT mitbestimmen. </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Mit Gott gegen die Demokratie“ &#8211; Das neue wichtige Buch von Arnd Henze über die USA<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6. 2026</p>
<p>1.<br />
Der 4. Juli 2026 ist der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Ein ganz großer Feiertag, hoffentlich dort auch ein Gedenk-Tag. Der 4. Juli ist für die Trump &#8211; Regierung und seine nationalistische MAGA-Bewegung von höchster Bedeutung. Sie werden den <em>tiefgreifenden Umbruch</em> in der Geschichte der USA feiern, also die neue antidemokratische „Ordnung“, die sie in den Jahren der Trump Herrschaft durchgesetzt haben. Seinen Sieg verdanken Trump und die Seinen vor allem auch den extrem wütenden „white evangelikal Christians“. „Sie lieben Trump nicht trotz, sondern wegen seiner tiefen Verachtung für alle Grenzen des Rechts und des Anstands“, schreibt Arnd Henze in seinem wichtigen Buch (S.10).</p>
<p>2.<br />
Es ist also nicht nur naheliegend, sondern geboten, die für Europäer kaum vorstellbar große Bedeutung des Christentums in den USA heute zur Kenntnis zu nehmen, auch die kaum zu überblickende Vielfalt der Konfessionen dort &#8211; oder der Vereine, die sich Kirchen nennen. Auch wenn die Zahl der Konfessionslosen und Atheisten sogar in den USA stetig steigt, 2026 nennen sich etwa 29 Prozent der US-Bürger „Konfessionslos“ („Nones“): Die nationalistischen Politiker brauchen auch heute den sich christlich nennenden religiösen Fundamentalismus als ideologisches Schmiermittel für ihre menschenverachtenden Politik. <em>Nur mit ihrem diffusen und jeglicher Rationalität entbehrenden christlich genannten Glauben können sie den Nebel erzeugen, den sie für ihre menschenverachtende Innen &#8211; wie Außen &#8211; und Kriegs-Politik benötigen.</em></p>
<p>3.<br />
<em>Man achte darauf, dass Präsident Trump als oberster Chef der viel gerühmten US-Demokratie von Friedensforschern heute als ein neuer Warlord, als „Kriegsherren“, eingereiht wird</em> in die lange Liste ähnlicher Machthaber, wie Putin, Netanyahu und viele Herrscher im Nahen Osten oder in Afrika. Das entsprechende „Friedensgutachten“ der Friedensforscher wurde im Juni 2026 veröffentlicht, pünktlich als wissenschaftliche Einschätzung des Krieges von Netanjahu und Trump gegen den Iran, ein Krieg, der minimale Erfolge für die USA und Israel „gebracht“ hat. Diese werden aber von Trump in seinem Größenwahn als Siege verkündet, bloß weil das Benzin wieder billiger ist. Warlords sind kriegerische Herrscher, sie inszenieren ihre Kriege, wie es ihnen gerade nach Laune in den Kram passt, um es drastisch zu sagen. Der menschliche Schaden ihrer zudem noch schlecht vorbereiteten Kriege ist ihnen egal. Warlords wie Trump sind die Zerstörer der internationalen Ordnung, ein Kommentar: .<a href="https://www.fr.de/politik/putin-trump-und-netanjahu-verhalten-sich-wie-warlords-94341847.html">LINK</a> &#8230;  Der Text der Friedensforscher: <a href="https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-8360-8/friedensgutachten-2026/">LINK </a><br />
Dieser Warlord, US &#8211; Präsident Donald Trump, wird, wie gesagt, von evangelikalen und anderen rechtsextremen Christen wie ein Heilsbringer verehrt.</p>
<p>4.<br />
Das Buch von Arnd Henze <em>„Mit Gott gegen die Demokratie“</em> zeigt nicht etwa nur ein begrenztes religionskritisches oder theologiewissenschaftliches Problem, es bewegt nicht nur Fachleute: Der Untertitel heißt: „Warum der christliche Nationalismus alle angeht“. Erschienen ist das Buch im Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage auch im Jahr 2026.<br />
Zur Ermunterung: Das Buch ist sehr gut geschrieben, sehr gut zugänglich, es hat 218 Seiten und kostet nur 20 Euro.</p>
<p>5.<br />
Arnd Henze ist ein herausragender Kenner der Kirchen in den USA, seit vielen Jahren recherchiert er regelmäßig in den Vereinigten Staaten, er ist Journalist beim WDR. Ihm liegt auch als protestantischen Theologen daran, die Welt der vielen evangelikalen Kirchen n den USA verständlich zu machen, aber er lädt die Leserinnen auch ein wahrzunehmen, dass immer noch der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Konfessionen in den USA aktiv sind &#8211; auch im Widerstand gegen das Trump -Regime.<br />
Wie meinen auch nach der Lektüre des Buches: Das Christentum ist in den USA so tief gespalten, dass die Idee einer christlichen Einheit aller Kirchen wie eine absolut ferne Utopie erscheinen muss. Diese Einheit könnte nur entstehen, wenn die Evangelikalen und ihre Netzwerke zur theologischen Vernunft kommen UND ihre reaktionäre nationalistische, und das ist immer auch egoistische Präferenz zugunsten der Menschenrechte aufgeben. <em>Es ist bei den „white evangelikal Christians“ diese Verklammerung von reaktionär &#8211; fundamentalistisch christlich mit reaktionär &#8211; nationalistisch politisch</em>, die wenig Hoffnung macht auf eine Wiederkehr der Demokratie in den USA. Dass auch etwa 60 Prozent der „white catholics“ für Trump gestimmt haben, betont Arnd Henze, aber viele von ihnen sind wohl durch ihre Bindung an die Autorität des Papstes in ihrer totalen Hingabe an Trump und CO. gebremst…</p>
<p>6.<br />
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel „Die Zeit der Rache“ wird der christlich nationalistische Glaube einiger führender Mitarbeiter im unmittelbaren Umfeld von Trump analysiert. Im 2. Kapitel wird die auch für Deutschland heute wichtige Frage gestellt „Wiederholt sich die Geschichte?“, werden also die Rechtsradikalen schon wieder siegen? Und dann das genauso wichtige dritte Kapitel: „Wie sich Demokratie retten lässt“. Da kann Arnd Henze einen gewissen Optimismus nicht verbergen, wenn denn die Midterms &#8211; Wahlen im November 2026 einen großen Aufschwung und Sieg der Demokraten bringen und der Widerstand der kritischen und demokratisch gesinnten Gemeinden nicht nachlässt… (Siehe <a href="https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html">LINK</a> https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html)</p>
<p>7.<br />
Wir können hier nicht die ausführlichen Analysen des Buches zusammenfassen. Als Inspiration zugunsten einer ausführlichen Buch &#8211; Lektüre nennen wir nur einige unserer Erkenntnisse im Werk Arnd Henzes.<br />
Im ganzen gilt: Wie ideologisch leer und erbärmlich würden diese engsten Mitarbeiter Trumps dastehen, etwa Pete Hegseth, Stephen Miller, Russel Vought: Wenn es die Bibel nicht gäbe, dieses von ihnen ideologisch mißbrauchte Buch, das in sich nur in historisch-kritischer Lektüre erschließt, von den christlichen Trump &#8211; Ergebenen aber nur als Fundgrube für einige Zitate benutzt wird, die ihre menschenverachtende Politik verzieren.</p>
<p>8.<br />
„Wir stehen auf der Seite Gottes“, sagt Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. Und zu seinen Feinden, den demokratisch Engagierten sagt er: „Ihr seid nichts. Ihr seid Bosheit. Ihr seid Hass… Wir werden die Kräfte der Finsternis und des Bösen besiegen..“ (S. 47). Stephen Miller ist allerdings kein Christ, wie alle engen Mitarbeiter in Trumps unmittelbaren Regime, er gehört zur jüdischen Gemeinschaft. Arnd Henze nennt ihn treffend. „Technokrat des Ausnahmezustandes“ (S. 43).<br />
<em>Dem Kapitel über den Verteidigungsminister Pete Hegeseth gibt Henze den treffenden Titel „ Der Posterboy des Christian Warriors“, des „Christlichen Kriegers.</em></p>
<p>9.<br />
Für Peter Thiel, dem Tech &#8211; Milliardär und Investor im Silicon Valley sowie dem Mitbegründer des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, ist kein eigenes Kapitel gewidmet. Thiel wird allerdings im Kapitel über J.D.Vance erwähnt. Freiheit und Demokratie sind für Thiel nicht kompatibel. Der Milliardär unterstützte Trump mit Millionen, für Vance spendierte der Milliardär 15 MIllionen im Wahlkampf 2022. Thiel ist auch bekannt geworden wegen seiner heftigen apokalyptischen Fantasien zu einer bevorstehenden „End-Zeit“, die durch das Auftreten des Anti &#8211; Christen bestimmt sein wird, wenn nicht Widerstand geleistet wird. In Trump sieht Thiel den entscheidenden Kämpfer gegen den Antichristen…Denn er kann die Tech-Konzerne als Organisationen des Widerstandes gegen den Antichristenn „von allen regulatorischen Hürden befreien“ (S. 54), also die Monopol &#8211; Stellung der Tech &#8211; Konzerne definitiv durchsetzen.<br />
<em>Peter Thiel und Vizepräsident J.D. Vance kennen sich seit etlichen Jahren.</em> Die entscheidende Begegnung fand 2011 statt. Thiel wurde der „berufliche, religiöse und politischer Mentor“ von Vance, betont Henze (S. 53). Vance entwickelte eine „bedingungslose Loyalität zum Tech -Milliardär“(ebd.) .<br />
Konkurrenz in der Wirtschaft lehnt Thiel ab: „Nur Monopole seien erfolgreich“(S. 54), d.h. sie bringen den gewünschten großen Gewinn fürs eigene Konto.<br />
Zur Glaubenshaltung des zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten J.D. Vance schreibt Henze: J.D. Vance glaubt an einen „Identitäten Katholizismus“. Seltsamerweise lebt er aber mit seiner Ehefrau eine gar nicht so katholisch-identitäre Ehe: Denn Usha Chilukuri Vance ist überzeugte Hinduistin… Immerhin: Die Kinder sind katholisch getauft, die klassische päpstliche Forderung in Mischehen wird also befolgt!</p>
<p><em>Ende Juni 2026 hat Vance sein neues Buch vorgelegt</em> mit dem Titel „Communion &#8211; Finding my way back to faith“ (Harper, New York). Eine Art Bekenntnisbuch, ein klein bißchen auch selbstkritisch, es erzählt von seiner Konversion, aber „man sollte das Buch weniger als Auseinandersetzung mit dem Katholizismus lesen“ statt dessen mehr als ein moralisch gefärbtes Bewerbungsschreiben um das Amt des Präsidenten verstehen, bewertet Christiane Lutz in einer ausführlichen Rezension in der Süddeutschen Zeitung (20./21. Juni 2026, S. 19) das Opus von 304 Seiten. Aber eins steht nach wie vor fest für Vance: „Das Fehlen christlicher Werte ist einer der Gründe, warum es mit der westlichen Welt bergab geht“ (Christiane Lutz). Er sorgt ja mit Trump und Seinen für diese „Werte“…<br />
Aus aktuellem Anlass nebenbei: Es gibt offensichtlich eine Verbindung des CDU Politikers Jens Spahn mit dem privaten Netzwerk von Peter Thiel siehe: Tagesspiegel, 18.Juni 2026, <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/privates-netzwerk-von-peter-thiel-jens-spahn-ist-wieder-zum-treffen-eingeladen-15724994.html">LINK</a>.</p>
<p>10.<br />
Im Kapitel über Trump ist wichtig: <em>Mit Trump geschieht die „finale Absage an den demokratischen Rechtsstaat“</em> (S.162). ..„In all dem sehe ich wesentliche Merkmale eines autoritären und faschistischen Staates“ (ebd.) . Wichtig ist: Trump und seine nationalistischen engen Mitarbeiter glauben an das „wirkungsmächtige Narrativ der religiösen rechten, dem Seven Mountains Mandat“ (S. 13). Das heißt: Die Leute meinen, in sieben Bereichen („Mountains“, Bergen) müsse das Christentum herrschen: In der Religion, der Familie, der Bildung, der Regierung, in den Medien, der Wirtschaft und in Kunst und Kultur. (S. 13) Also: In allen Bereichen sollen die Grundsätze des Christentums (so, wie es de Nationalisten verstehen) herrschen. Christus soll als der „oberste König“ über dem Staat stehen: „Ein solches totalitäres Gesellschaftsbild kann nur in einer Diktatur verwirklicht werden…dahinter steht der Ruf nach einer Theokratie als Herrschaftsinstrumentarium des 21. Jahrhunderts“ (S. 13).</p>
<p>11.<br />
Arnd Henze erinnert daran, dass der international geschätzte Historiker Timothy Snyder schon 2017 einen neuen, durchaus originellen wie treffenden Begriff für das Trump -Regime wählte, der das ganze Verstörende dieser Herrschaft &#8211; besonders in den <em>Innenpolitik &#8211; gültig und treffend zusammenfasst: Es ist der Begriff „Sadopopulismus“.</em> Das heißt: Der rechtsextreme Populismus im Trump Regime und der MAGA Bewegung ist sadistisch bestimmt: Also: Diese regierenden Herren wollen mit ihrer Politik bewusst und gezielt die Schwachen quälen: Arme, Ausländer, Eingewanderte, Farbige, die weite Gemeinschaft der Queers usw. und auch die Millionen Armen in der sogenannten Dritten Welt, die auf Befehl Trumps keine Hilfe mehr von USAID erhalten und so bewusst von Trump und den Seinen in den Hungertod geschickt werden.<br />
Die von Trump und Co. inszenierte sadistische Qual bedeutet für die Menschen in den USA: Das Regime will die genannten Armen weiter tief unten halten im Elend, am liebsten viele aus den USA mit brutaler Gewalt (siehe die Untaten der Grenzschutzbehörde ICE) rausschmeißen. Und statt de facto wird aller Reichtum für die bisher schon Reichen, die Millionäre und Milliardäre, durch eine „Steuerpolitik“ vermehrt.</p>
<p>12.<br />
Der Begriff Sadopopulismus hat &#8211; dem Tool folgend &#8211; eine perverse Nuance: Denn dieser Sadismus setzt eine Hierarchie von Grausamkeiten gegenüber den vielen Armen voraus: „Die eigenen Schmerzen werden erträglich, weil man anderen zusehen kann, die es viel heftiger trifft. Die Regierung lässt dich zwar (ökonomisch) leiden, etwa die schlecht bezahlten Arbeiter, also möchtest du sadistisch, dass andere noch mehr leiden als du“ (S. 155). Diese gezielt eingesetzten, abgestuften Leidenserfahrungen in der Gesellschaft der USA führen „zur Zerstörung jeder Vorstellung von Gesellschaft als einem sozialen Raum, und in dem es um eine bessere Zukunft für uns alle geht“ (ebd.)</p>
<p>13.<br />
<em>Einige unserer FRAGEN</em>, angestoßen durch das Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“:<br />
Wie verhalten sich evangelikale Kreise in der EKD, wie evangelikale, selbständige Kirchen in der BRD, etwa die Baptisten, zu ihren nationalistischen rechtsextremen „Mitchristen“ in den USA? Welche Distanzierungen als öffentliche Stellungnahmen liegen da schon vor?</p>
<p>Warum gibt es offenbar <em>wenig Solidarität</em> der protestantischen Gemeinden etwa in Deutschland mit den Trump &#8211; widerstehenden KirchenGemeinden und Organisationen (etwa die unterreligiöse Gruppe „Poor People´s Campaign“) in den USA?</p>
<p>Wie wird die richtige Erkenntnis von Arnd Henze in kirchlichen und theologischen Kreisen in Deutschland aufgenommen: „Religionen, auch die Kirchen, tun der Förderung und für den Bestand der Demokratien NICHT gut“? Wie äußert sich Hartmut Rosa zu dieser richtigen Erkenntnis von Arnd Henze, die er ja nicht allein vertritt, siehe etwa Horst Dreier, Prof. u.a. für Rechtsphilosophie, in seinem Buch: „Staat ohne Gott“ (2018). Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat ja dafür plädiert, dass Demokratie zum eigenen Bestand die Kirchen braucht. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15381_demokratie-braucht-religion-behauptet-hartmut-rosa_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a><br />
In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2026, Seite 16, hingegen betont Henze: „<em>Es fehlt jede empirische Evidenz dafür, dass Religion mit ihrem inhärenten Absolutheits &#8211; und Machtanspruch einer Demokratie guttut.“</em></p>
<p>Wie können demokratische Politiker in Europa, in Deutschland, den Umgang mit Trump und seinen engsten Mitarbeitern überhaupt ertragen, wenn sie wissen, was Arnd Henze ausführlich beweist: Eigentlich sind diese Trump &#8211; Leute erklärte Feinde der universell geltenden Menschenrechte? Sie sind, wie Henze treffend schreibt, „ohne moralische Maßstäbe“ (S. 161). Werden totale Selbstverleugnung und Schmeichelei gegenüber den angeblich allmächtigen Herrschern im Trump Regime zu Voraussetzungen für Menschen, die in den Demokratien Europas noch als Politiker handeln wollen? Sollten nicht auch demokratische Politiker wie Propheten der Demokratie zu Trump sagen, das was Bischöfin Mariann Edgar Budde direkt zu Trump in der „Washington National Cathedral „am 21.1.2025 betonte: „Haben Sie Erbarmen, Mr. President“ (S. 178).</p>
<p>Arnd Henze weist in seinem Buch ausführlich auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1945 von den Nazis ermordet) hin, der &#8211; nach allen Mahnungen und Warnungen gegenüber einem Unrechtsregime &#8211; die Möglichkeit empfiehlt, <em>diesem Unrechtsregime, so wörtlich, „in die Speichen zu greifen“</em>, also diese Herrschaft zum Stehen &#8211; und damit vielleicht zum Verschwinden &#8211; zu bringen?</p>
<p>Was bedeutet diese kluge Erkenntnis Dietrich Bonhoeffers auch für Europa, auch für Deutschland, wenn Rechtsextreme immer deutlicher die Macht übernehmen wollen oder Politiker der rechten, sich christlich nennenden Parteien die Forderungen der Rechtsradikalen &#8211; etwa hinsichtlich der Flüchtlingspolitik &#8211; übernehmen, und mit dieser nachweislich erfolglosen Strategie keine Stimme etwa der AfD in die eigene Partei CDU/CSU ziehen.</p>
<p>Es wird oft &#8211; zumal in Deutschland &#8211; darüber diskutiert, ob man das Trump Regime faschistisch nennen darf oder nennen sollte. Arnd Henze argumentiert in der Frage differenziert.<br />
Auch die Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ für die entstehenden Massenunterbringungen von Guantanamo Bay bis Alligator Alcatraz muss neu überdacht werden und die KZs in Nazi &#8211; Deutschland haben nicht „die Ehre“ einzigartig zu sein“, auch darauf weist Henze hin und erinnert an die zehn USA „Relocation Center&#8220; für Japaner im 2. Weltkrieg oder an die Lager in den afrikanischen Kolonien der Europäer usw…</p>
<p><em>Eine interessante Parallele: In den USA fordern und fördern die rechtsextremen evangelikalen Kreise die von ihnen geleiteten Privatschulen sowie auch den Unterricht zuhaus</em>e bei den eigenenEltern, „außerhalb staatlicher Strukuen und Kontrolle“ (S. 76). Auch mit den Millionen &#8211; Spenden &#8211; Einnahmen der evangelikalen Mega-Churches ist es gelungen, „ein Parallelimperium christlich &#8211; nationalistischer Bildungseinrichtungen zu schaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden &#8211; eine weiße `Untergrundarmee christlicher Krieger`, wie es der heutige Verteidigungs- (und Kriegs-) Minister Pete Hegseth martialisch auf den Punkt bringt“: (Arnd Henze in „Publik -Forum, Nr. 11, Juni 2026, S. 14).<br />
Die AfD in Sachsen &#8211; Anhalt fordert auch die Stärkung des Unterrichts der Kinder durch die Eltern (Mütter) zu Hause… Die AfD behauptet, öffentliche Schulen verhindern die optimale Leistungsfähigkeit. In den öffentlichen Schulen würden vor allem den Kindern “fragwürdige Lebensansichten&#8220; vermittelt. Eine Position, die sich mit den Evangelikalen und Rechtsradikalen in den USA deckt. Die AfD übernimmt bereits inhaltlich Ideologien der nationalistisch &#8211; christlichen Trump &#8211; Regierung.</p>
<p><em>Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 2026, 2. Auflage 2026, 224 Seiten, 20 €. Mit QR-Codes wird auf weiterführende audiovisuelle Quellen verwiesen!</em></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de. in Berlin.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22311_kirchen-und-religionen-sollten-nicht-die-demokratie-bestimmen-auch-nicht-in-den-usa_religionskritik">Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22187_zwischen-ein-wort-das-eine-philosophie-der-existenz-inspiriert_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 08:39:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Worte und Begriffe der Alltagssprache können unsere  faktisch gelebte "Philosophien unseres Lebens“ erschließen. Wir zeigen an einem Beispiel, die Vielschichtigkeit eines Wortes, selbst einer Präposition: Das „ZWISCHEN".<br />
Wer auf sein Leben reflektierend „im Ganzen“ schaut, kann nicht darauf verzichten, seine Existenz im ganzen als ein Zwischen zu verstehen. Dahin führen die hier vorgestellten, nicht vollständigen Reflexionen zu unserem Umgang mit der Vielfalt des Zwischen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22187_zwischen-ein-wort-das-eine-philosophie-der-existenz-inspiriert_denkbar">„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn, geschrieben am 29.5.2026</p>
<p><em>Der Anlass</em><br />
Freundinnen fragten mich: Wie kann ein Einstieg ins Philosophieren gelingen? Eine Möglichkeit: Beginnen wir, auf unsere Wörter und Begriffe des Alltags zu achten. Suchen wir den Inhalt, der über das oberflächliche, schnelle Sprechen hinausweist. Das ist ein erster Schritt. In unserer Sprache zeigt sich faktisch unsere Existenz:</p>
<p>Menschen leben zwischen den Räumen und zwischen den Zeiten. Dieses Zwischen zeigt: Menschen sind selten irgendwo &#8222;zu Hause&#8220;,  selten ganz &#8222;da&#8220; oder definitiv &#8222;angekommen&#8220;. Wer aber meint, einen festen Platz ohne Zwischen gefunden zu haben, irrt, wird zum Ideologen. Die Existenz im &#8222;Zwischen&#8220; ist der  &#8222;feste Platz&#8220;.</p>
<p><em>Das Motto</em><br />
Es gilt also der Vermutung nachzugehen, dass Worte und Begriffe der Alltagssprache unsere schon faktisch gelebte &#8222;Philosophien unseres Lebens“ erschließen können.<br />
Wir zeigen an einem Beispiel, die Vielschichtigkeit eines Wortes, selbst einer Präposition: Das „ZWISCHEN&#8220;.<br />
Wer auf sein Leben reflektierend „im Ganzen“ schaut, kann nicht darauf verzichten, seine Existenz im ganzen als ein Zwischen zu verstehen. Dahin führen die hier vorgestellten, nicht vollständigen Reflexionen zu unserem Umgang mit der Vielfalt des Zwischen. Was auf den ersten Blick eher schlicht &#8211; für „Fachphilosophen zumal &#8211; erscheinen mag, führt in ein tieferes, wahres Verständnis der Existenz. Weiteres dazu siehe Nr. 4 in diesem Hinweis.</p>
<p>1.<br />
<em>Der Zwischenraum</em><br />
Ich warte, gerade in einem Haus angekommen, auf den Einlass in den Behandlungsraum oder das Speisezimmer oder den Festsaal. Im Zwischenraum denke ich an zuvor Erlebtes, etwa den formellen oder freundschaftlichen Einlass ins Haus und warte auf das Zukünftige, das Ziel meines Besuches. Im Zwischenraum fällt die Konzentration und das Nachdenken über diesen Zwischenraum selbst eher schwer. Der Zwischenraum ist ein Wartezimmer, oft von Langeweile bestimmt.<br />
Im Zwischenraum gibt es etwa auch die Schwelle zu bedenken, die ich überschreiten musste, um von der Eingangstür in das Wartezimmer zu gelangen und über die nächste Schwelle dann in weitere Räume, alles Zwischenräume…<br />
Der Philosoph Dieter Thomä weist in seinem Buch „Post &#8211; Nachruf auf eine Vorsilbe“ (Berlin, 2025) auf die Schwelle hin, als dem Ort des Übergangs von einem Raum in den anderen (S. 326 ff.). „Die Schwellenlust richtet sich auf die Schwelle selbst. Die Schwelle lädt dazu ein, dass ich innehalte und eine Situation auskoste, die, so Baudelaire „transitoire und fugitive“, „vergänglich und flüchtig,“ ist. …Ich kann auf ihr nicht bleiben, aber kurz verweilen, um die Kunst des Übergangs zwischen Welt und zwischen Zeiten zu üben.“ (S. 329).</p>
<p><em>Das Zwischenarchiv</em><br />
Ein Gegenstand wird aus der Ferne zugesandt, an, aber er ist noch nicht beim eigentlichen Empfänger angekommen: Er ruht also zur Abholung im Zwischenlager, im Zwischenarchiv, etwa in Rundfunkanstalten ein üblicher Begriff. Briefkästen sind auch Zwischenlager. Ein Computer voller ungelesener e &#8211; mails ist auch ein Zwischenarchiv. Wird die Information im Gehirn gespeichert, entsteht dann schon wieder ein Zwischenarchiv, ein Wissen wird dort gelagert, das irgendwann „abgeholt“ und aktualisiert wird.</p>
<p><em>Das Zwischenlager</em><br />
Flüchtlinge, Asylsuchende &#8211; etwa aus Afrika &#8211; werden nach dem Willen der Demokraten zunächst in Zwischenlagern untergebracht, den sogenannten „Erstaufnahmeeinrichtungen“, welch ein Ungetüm von Wort des büroktatischen Ungeistes. Von diesen „ Erstaufnahmeeinrichtungen“ werden dann die Flüchtlinge wieder vorläufig auf andere Unterkünfte verteilt. Und dann beginnt eine Leben von der staatlicher Duldung bis hin zu einem deutschen Pass in ständigen existentiellen Zwischenräumen. Immer leben diese Menschen existentiell in irgendeinem „Zwischenlager“, sie sind nie angekommen, nie zu Hause, Menschenrechte gelten für sie nur eingeschränkt.. „Zu Hause sein“ &#8211; diesen Begriff reservieren sich viele in Deutschland geborene Deutsche und dieses „ihr von Fremden angeblich bedrohte Zuhause“ schotten sie ab, extremistisch-politisch (siehe AfD und die sich gut fühlende, bürgerliche Mitte…).<br />
Die Zwischen-Lager als die speziellen „Einrichtungen“ für „spezielle“ („andere“) Menschen (Flüchtlinge, Gefangene, Dissidenten, Juden ….) sind Ausdruck von Nationalismus, Rassismus, von Herrschaft, die ins Totalitäre umkippen kann. Und in jüngster Vergangenheit umgekippt ist.</p>
<p><em>Die Zwischenlandung</em><br />
Hier geht es um die nur hinzunehmende, eher unangenehme, weil zeitverzögernde Unterbrechung auf dem Weg zum Ziel. Die Zwischenlandung führt mich in einen Transitraum: Stilles und oft nervöses Warten und Hin -und Herlaufen in beengten Verhältnissen, Hoffen, dass der Weiterflug pünktlich gelingt. Im Transitraum spielt sich unser Leben wie auf einer abgeschlossenen Insel ab, einer Sonderwelt, die wir nicht verlassen dürfen.</p>
<p><em>Die Zwischenetage, auch Mezzanin genannt</em><br />
In dem Wort ist enthalten das italienische Wort „mezzo“, „halb“. Die Zwischenetage befindet sich meist zwischen Erdgeschoss und Beletage, dem ersten repräsentativen Stockwerk. Die Zwischenetage hat niedrige, kleine, eher dunkle Zimmer, sie wurden in Gründerzeiten von den Bedientesten der Beletage bewohnt. Die Herrschaften waren etabliert, sie kannten architektonisch kein „Zwischen“-, während die aus der Fremde stammenden Bedientesten des Mezzanin auch existentiell im Zwischen lebten, zwischen dem Datum ihrer Anstellung und der oft willkürlichen Entlassung.</p>
<p><em>Die Zwischengrößen</em><br />
Haben Sie eine ungewöhnliche Figur, lange Arme und kurze Beine, dicken Bauch und schmale Beine, dann brauchen Sie eine Zwischengröße. Der Kommerz der Bekleidungsindustrie denkt an alles und fördert auf seine Weise das Zwischen. Wer Zwischengrößen trägt, kann hoffen, alsbald wieder „normal“, also schlank, zu sein …oder er muss sich mit seinem Schicksal abfinden, modisch in das Normal nicht zu passen, also (da)zwischen zu sein.<br />
Zum Zwischen in der Mode-Branche gehört auch der „Übergang“, in der Form des Übergangsmantels oder der Übergangsjacke: Wenn der Sommer vorbei ist und der Winter noch keine Kälte mit sich bringt, flüchtet man sich in Übergangs-Mode. Diese ist förmlich ein „Wartezimmer“ der Bekleidung, das überbrückende Warten auf die „richtige“ und typische Jahreszeit Winter oder Sommer…</p>
<p>3.<br />
Zwischen den Zeiten<br />
Dazu gehört die übliche Floskel „zwischen den Jahren“: Weihnachten haben Leute schon fast als Jahresende erlebt, aber es steht noch das eigentliche End-Datum Silvester, bevor:<br />
Das Ende des Jahres erzeugt oft Irritationen, unbewusst auch Ängste vor dem Ende überhaupt. Diese Angst überspielen viele mit dem angeblich fröhlichen Silvesterspektakel wieder zu. Aber es gibt die fünf Tage „zwischen den Jahren“, die irgendwie ortlos sind, sie müssen ausgefüllt werden mit allerlei ablenkenden Aktivitäten, mit meditativen (Verdauungs-)Pausen, in der Gestaltung langweiliger Besuche. Es ist eine träge Zeit einer diffusen Erwartung: Neujahr!</p>
<p>Zu „Zwischen den Zeiten“ gehört auch die „Pause“ , die zu als Freiraum zu genießen bekanntlich schwerfällt: Weil man inmitten der Pause doch oft daran denken muss, dass die „Pflicht“ der Arbeit, des Lernens, des Studiums alsbald und sehr schnell wieder das Leben bestimmt. Die Pause in der Opernaufführung ist dann wieder ein ganz kurzer Moment des alltäglichen Lebens &#8211; nach der „Verzauberung“ durch Musik und mit der Vorfreude auf die weitere Musik als „Entführung in „andere Welten“. Und nach dem „Opern &#8211; Erlebnis“? Wieder der Alltag mit seinen Zwischen-Stationen.</p>
<p>Zu „Zwischen den Zeiten“ gehören auch „Ferien“, oft auch eher bürokratisch Urlaub genannt. Ferien sollten Festtage und Ruhetage sein. Sie werden aber oft nur als etwas längere Pause im Arbeitsalltag erlebt: Er hat eine solche Macht, dass die Ferien nur als Fortsetzung und Variationen des Arbeitsalltags gestaltet werden. Nicht nur in Japan soll es Menschen geben, die aus Liebe zur Arbeit auf die Ferien verzichten… Diese Menschen wollen offenbar ständig die Einförmigkeit, die Monotonie ihres Lebens, sie haben Angst vor Brüchen in ihrer zeitlichen Existenz. Das monotone Leben haben auch Menschen, die sind so arm, dass sie sich keine Ferien-Zeit leisten können. Sie leben in der Monotonie des Immer-(bettel-)arm-Seins, zu der sie die neoliberale Ökonomie getrieben hat.</p>
<p><em>Der Zwischenbescheid</em><br />
Die Behörden sind freundlich und bestätigen den Eingang des Briefes, der Beschwerde usw. und fordern uns auf, zu warten, bis der endgültige Bescheid irgendwann eintrudelt. Zwischenbescheide beruhigen eigentlich nicht. Sie suggerieren uns: Die Bürokratie in Deutschland meint es mit dir gut und sie ist noch nicht ganz tot. Und die nächsten Anträge müssen ausgefüllt und auf Zwischenbescheide gewartet werden.</p>
<p><em>Das Zwischengericht</em><br />
In guten französischen oder spanischen Restaurants wird nach dem Hors d` Oeuvre das Zwischengericht gereicht, es ist der kulinarische Abschied von der kleinen Vorspeise in Erwartung der Präsentation des großen Haupt &#8211; Gerichtes. Diese Erwartungsspannung auf das „Eigentliche“ kann vom gegenwärtigen Genuss ablenken.<br />
Nebenbei: Oft machen Zwischengerichte ihrem Namen alle Ehre, weil sie selbst von der Temperatur her „dazwischen“ sind: Weder heiß noch kalt, sondern eben lauwarm. Lau ist eine Zwischentemperatur, aber auch die charakterliche Eigenschaft von Menschen, die sich nie entscheiden können. Sollen sie nun zum Beispiel leidenschaftliche Kämpfer sein oder stille meditative Mönche: Beide Lebensformen wollen „laue Menschen“ nicht, sie erfinden ihr Lausein und sehen es als eine normale, übliche Lebensform ohne Höhen und Tiefen und Verpflichtungen.</p>
<p><em>Das Zwischenurteil</em><br />
In den Behörden der Gerichte gibt es oft die Zwischenurteile: Das Landgericht spricht ein Urteil, aber es wird die nächste Instanz eingeschaltet, vielleicht sogar dann auch das Bundesverfassungsgericht. Das Gerichtswesen mit den stets noch zu korrigierenden Urteilen ist eigentlich selbst ein Zwischen-Wesen. Gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann man nur den lieben Gott direkt &#8211; oder durch die Zwischen-Instanz Kirche ? &#8211; anrufen als den letzten und definitiven Richter.</p>
<p><em>Die Zwischenhölle</em><br />
Aber auch der liebe Gott kennt &#8211; in der katholischen Version- sein Zwischen: Es gibt die Vor- Hölle, erfunden als Ort zwischen Tod und ewiger Verdammnis in der Hölle: Es gibt auch einen speziellen Zwischen &#8211; Ort, den Limbus puerorum, die Zwischenhölle der Kinder, erdacht von katholischen Theologen. Im Limbus befinden sich die ungetauft verstorbenen Babies. Sie sind verdammt, weil sie keine Taufe erlebten, also nicht von der total für alle Wesen geltenden Erbsünde befreit werden konnten. Papst Benedikt XVI. hat allerdings eine Zwischenlösung verordnet, indem er diese Zwischenhölle der ungetauften Kinder als ein nicht mehr als zum Glauben verpflichtendes Dogma definierte. Wie reformbereit doch dieser Papst war! Aber ganz abschaffen wollte Papst Ratzinger diesen himmlisch &#8211; höllischen Zwischenraum nicht. Er nahm Rücksicht auf die vielen naiv &#8211; reaktionären Katholiken, die gern an dieser Vorhölle &#8211; als Zwischenraum vor der endgültigen Verdammnis &#8211; festhalten…</p>
<p>4.<br />
Unsere unvollständigen Hinweise zum vielfältigen alltäglichen Gebrauch des Wortes „Zwischen“ zeigen: <em>Wir sind &#8211; nicht nur sprachlich &#8211; ständig umgeben und bestimmt von „Zwischen“ .Und diese Reflexionen auf das „Zwischen“ sind alles andere als philosophische Spielereien, sie können die Existenz insgesamt erhellen: </em><br />
<em>Denn mit jedem Gebrauch des Wortes Zwischen werden wir an die Übergänge mitten in unserem Leben erinnert.</em><br />
Die Geburt ist ein entscheidender Übergang: Vom schützenden, nährenden Leib der Mutter treten wir in die sich langsam gestaltende Freiheit der individuellen Selbständigkeit ein. Aber auch der Prozess des „Erwachsenwerdens“ und das Leben als „Erwachsener“ ist immer von Übergängen bestimmt, von dem Zwischen des Abschieds von einer Lebensphase und dem Eintritt in eine neue.<br />
Für uns ist die Erkenntnis wichtig: Die menschliche Existenz selbst selbst ist ein „Zwischen“, eine ständige Bewegtheit &#8211; zwischen einem ständigen Abschied und einem ständigen „Neustart“. Jeglicher Glaube an ein definitives Angekommensein, an ein endgültiges Etabliertsein auf dieser Lebenslinie wird zurückgewiesen.<br />
Das lineare Zeitverständnis allerdings sollte aufgehoben werden von einer vertikalen Dimension, die als Transzendentes „in uns“ immer schon anwesend ist, in unserem Geist, in der Vernunft: Dieses innere Transzendieren reicht in eine größere, „ewige“ Transzendenz. Sie kann und soll die existentielle Unruhe des Lebens in den vielen Zwischenräumen zwar nicht aufheben, aber sie kann sie mit einem besonderen Sinn erfüllen.</p>
<p>5.<br />
<em>Wichtig bleibt:</em> Ein lineares Zeitverständnis mit den vielen Zwischen &#8211; Zeiten und Zwischen &#8211; Räumen in unserem Leben führt zur Frage nach der Ganzheit unserer Existenz: Wir stammen von Eltern, die selbst erzeugt wurden, alle sind Geschöpfe, die ihre schöpferische Kraft weitergeben. Wir sind also nicht von unseren Eltern „erschaffen“, weil diese ja selbst Erschaffene sind.</p>
<p>6.<br />
Um nicht nur vom Anfang unseres Lebens zu sprechen: Wir gehen auf ein definitives Ende unseres Lebens zu, das heißt auf das Verschwinden unseres Körpers …Etliche Philosophen lassen, wie es sich philosophisch gehört, diese Frage offen: Was denn „danach“ kommt für unseren Geist oder unsere Seele. Unser Körper wird in der Bestattung zu Asche verbrannt. Und einige fragen: Aber wird dabei auch Geist und Seele verbrannt? Oder sind sie als etwas Ewiges IM Menschen zu verstehen?</p>
<p>7.<br />
<em>In diesem Hinweis auf eine Philosophie anläßlich unserer Erfahrungen mit dem Zwischen fehlen noch gewisse Alltags &#8211; Sprüche, vielleicht „Weisheitssprüche“.</em><br />
Zwei Beispiele:</p>
<p>Unsere LeserInnen müssen nicht die Kunst beherrschen, „<em>zwischen den Zeilen“ zu lesen</em>: Wir wollen klar und eindeutig sprechen. Wer zum Lesen „zwischen den Zeilen“ neigt oder wegen der politischen Verhältnisse dazu gedrängt wird, weiß: Im Text selbst wird Wichtiges verschwiegen: Etwa aus Angst vor der Zensur. Zwischen den Zeilen lesen, diese kaum zu lehrende Kunst des Verstehens, entwickeln Dissidenten. Und sie schreiben auch oft „zwischen den Zeilen“, verständlich für Eingeweihte, von der dummen Zensur übersehen. Man denke an Christa Wolfs großen Roman, in der DDR verfasst, „Kassandra“. Wer nur zwischen den Zeilen schreiben darf, verschleiert auch sein eigenes Elend im Unrechtsregime. Lebst nicht gesund…Also: „Zwischen“ kann auch auf die stets gefährdete Existenz aufmerksam machen.</p>
<p>Oder: <em>Zwischen zwei Stühlen sitzen:</em> Wer eine besondere politische, kulturelle oder religiöse Meinung hat, etwa: wer links ist, aber aus guten Gründen weder zur SPD noch zur KPD neigt, der sitzt zwischen zwei Stühlen. Wird als Rebell bezeichnet etc.. Manche Literaten schreiben so ungewöhnlich, dass sie „zwischen allen Stühlen der literarischen Formen sitzen“, vielleicht gilt das für DADA oder den Surrealismus.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22187_zwischen-ein-wort-das-eine-philosophie-der-existenz-inspiriert_denkbar">„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Wie verstehen wir unsere Gegenwart?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22146_wie-definieren-wir-unsere-gegenwart-etwa-durch-bindung-an-frueheres_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 16:48:57 +0000</pubDate>
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		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=22146</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir leben in einer Welt, die unfähig ist, ihren aktuellen Zustand von Kultur, Politik, Ökonomie, Religionen mit eigenen, neuen, adäquaten Begriffen zu bestimmen.<br />
Bei dieser Schwäche, die eigene Gegenwart adäquat auf den Begriff zu bringen, setzt sich der Gebrauch der Vorsilbe POST deutlich durch: POST wird den alt-vertrauten Begriffen vorangestellt, um durch die Vorsilbe POST etwas Klarheit zu schaffen, etwa über den jetzigen Zustand des heutigen Feminismus als Post-Feminismus, der heutiger Romantik als Post - Romantik, der Moderne als Post - Moderne und so weiter. Dieses „post“, dieses „nach“ bzw. „danach“ kettet das Verstehen heutiger Erfahrungen mit Feminismus, Romantik, Moderne usw. an frühere, vergangene, überholte Inhalte: So kann ein adäquates Verstehen der Gegenwart verhindert werden. Der Philosoph Dieter Thomä hat auf dieses Thema aufmerksam gemacht. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22146_wie-definieren-wir-unsere-gegenwart-etwa-durch-bindung-an-frueheres_aktuelles">Wie verstehen wir unsere Gegenwart?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über den massiven Trend, viele Begriffe der gegenwärtigen Kultur mit „post“ = &#8222;nach&#8220;, auszustatten&#8230;</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 18. 5. 2026.</p>
<p>Zu unserem Vorschlag, angesichts der vielen Post-Identitätenauch den Begriff Post &#8211; Katholisch einzuführen, siehe Fußnote 11.</p>
<p>1.<br />
Wir leben in einer Welt, die unfähig ist, ihren aktuellen Zustand von Kultur, Politik, Ökonomie, Religionen mit eigenen, neuen, adäquaten Begriffen zu bestimmen.</p>
<p>2.<br />
Bei dieser Schwäche, die eigene Gegenwart adäquat auf den Begriff zu bringen, setzt sich der Gebrauch der Vorsilbe POST deutlich durch: POST wird den Begriffen vorangestellt, um durch die Vorsilbe POST etwas Klarheit zu schaffen, etwa über den jetzigen Zustand des heutigen Feminismus als Post-Feminismus, der heutiger Romantik als Post &#8211; Romantik, der Moderne als Post &#8211; Moderne und so weiter. Dieses „post“, dieses „nach“ bzw. „danach“ kettet das Verstehen heutiger Erfahrungen mit Feminismus, Romantik, Moderne usw. an frühere, vergangene, überholte Inhalte: So kann ein adäquates Verstehen der Gegenwart verhindert werden.</p>
<p>3.<br />
Der Philosoph Dieter Thomä (UNI St. Gallen) hat sich intensiv und kritisch mit dieser offenkundigen Schwäche des von ihm „Postismus“ genannten Phänomens auseinandergesetzt, einem Versagen, mit neuen Worten die heutige Lebenswelt, die Gesellschaft usw. auf den Begriff zu bringen: Die komplexe Lebenswelt des Feminismus in seiner Vielfalt, im Plural; oder: die Realität des Kolonialismus heute usw. lassen sich niemals mit einem einzigen „Post“- Begriff fassen. Auf diese Weise wird das Einsortieren von komplexen Wirklichkeiten in Schubladen nur gefördert.</p>
<p>4.<br />
Dieter Thomä nennt in dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Postismen“, Suhrkamp, 2026, in lexikalisch &#8211; enzyklopädischer Kürze tatsächlich 52 Postismen, auf den Seiten 336 &#8211; 393. Wer diese 52, immer mit Literaturangaben ausgestatteten, „POST“ Beiträge gelesen hat, wartet förmlich darauf, dass nun alsbald auch von „Post -EU“  oder &#8222;Pst &#8211; Nato&#8220; die Rede ist oder auch &#8211; angesichts der Distanz vom katholischen Glauben in Europa &#8211; auch von „Post &#8211; Katholizismus“ . Oder: Aangesichts der hohen Benzinpreise wird alsbald auch auch von „Post &#8211; Tourismus“ die Rede sein oder auch von &#8222;Post &#8211; Journalismus&#8220; sollte man wohl sprechen bei der geringen Bedeutung von Recherche &#8211; Journalismus heute.<br />
Nebenbei: Bei der miserablen Briefzustellung durch die Bundespost wird man sicher auch bald von der „Post-Briefzustellung“ sprechen müssen. Auf das von manchen Reformkatholiken erwartete „Post &#8211; Papsttum“ wird man allerdings noch eine Ewigkeit hoffen müssen.</p>
<p>5.<br />
Man möchte also angesichts dieser hier nur angedeuteten Post &#8211; Phantasie meinen, es war vielleicht ein bißchen voreilig, als Dieter Thomä 2025 seine Studie über das POST &#8211; Phänomen im Titel mit dem Stichwort „Nachruf auf eine Vorsilbe“ verbunden hat. Noch wird weiter ge-`postet`. Und sicher wird es bald auch einen Post —Post-Feminismus geben, und auch wenn der überwunden kommt dann ein dritte Vorsilbe post hinzu? Ist das „Posten“ also eine unendlicher Prozess?</p>
<p>6.<br />
Das Probleme bei den vielen „Postismen“ ist: Der eine Begriff, mit Post &#8211; ausgestattet, markiert etwa einen gewissen Abschied von dem ursprünglich Gemeinten, etwa „Post &#8211; Kolonialismus“. Andere „Post &#8211; Begriffe“, wie „post- säkular“  beschreiben nur den Wandel der Religiosität hin zu neuen Formen des Religiösen. Sehr viel mehr ist eigentlich dann nicht gesagt. Diesen Zwiespalt der inhaltlichen Bestimmung gilt es zu beachten!</p>
<p>7.<br />
Mit der ausufernden Verwendung des Post &#8211; Vorsilbe zeigt sich eine globale Hilflosigkeit, die heutige Lebenswelt in allen Bereichen mit eigenständigen, durchaus die Zukunft mit formulierenden Definitionen zu bestimmen. Die schon sprachlich dominante Fixierung im Postismus auf das „Nach“ und „Danach“ „bleibt im Bann dessen, an das sich die Nachzeit nun hängt“ (S. 8 in „Postismen&#8220;, Suhrkamp Verlag). Dabei wäre das Denken der Zukunft unter den heutigen Bedingungen allein hilfreich: Wer eine Zukunft der Demokratie denken will, sollte erkennen: Eine starre Parteien &#8211; Demokratie ist zu überwinden. Der Einfluss der Lobby-Gruppen muss sehr eingeschränkt werden. Eine Demokratie, die Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle tatsächlich durchsetzen will, kann nicht auf neue Formen von Steuer, etwa Reichensteuer („Milliardärs-steuer“) verzichten usw. Eine solche noch zu gestaltende demokratischere Demokratie lässt sich selbstverständlich nicht mit dem einen kurzen Begriff „Post-Demokratie“ beschreiben.</p>
<p>8.<br />
Die von Dieter Thomä angestoßene Debatte um die kleine Vorsilbe „Post“ ist von großer Bedeutung: Es wird erinnert, wie vergangenheits-bezogen heutige Lebensformen bleiben, wie sich darin sogar eine gewisse Erstarrung zeigt, durchaus als Angst vor der Zukunft zu interpretieren. Trotz aller Unsicherheiten und Gefährdungen unserer Welt heute lässt sich dringend ein Denken empfehlen, das mehr vorausschaut, also das „PRAE“ bevorzugt.</p>
<p>9.<br />
Es wird oft behauptet, Philosophieren und Philosophien hätten zur Gestaltung von Zukunft wenig oder gar nichts zu sagen. Weil die Sache der PhilosophInnen sei das Re-flektieren, also das Zurück-denken und Zurück-schauen auf das Erlebte, das der Philosoph dann, nachträglich, im zeitlichen Abstand, auf den Begriff bringt. Dieser Gedanke ist zwar richtig, ist aber unserer Meinung zu einseitig: Denn gerade in der Philosophie des Handelns, der Ethik, gibt es Erkenntnisse, sozusagen aufleuchtend unmittelbar in der Gegenwart, wo der Mensch im Ereignis selbst dann handelt: Die spontane Handlung, etwa: Hilflose durch eigenes Handeln zu retten. Oder inmitten politischer Krisen, ausgelöst durch Rechtsextreme, diese Rechtsextremen sofort einzuschränken, öffentlich zu kritisieren usw. Das spontane ethische Handeln ist dann Ausdruck einer gewissen ethischen Bildung, die sich auch durch die Erkenntnis des gültigen Kategorischen Imperativs bildet. Wird dieses ethische Handeln dann im zeitlichen Abstand reflektiert, erkennt man Chancen einer schon gegebenen ethischen, philosophischen Grundhaltung.</p>
<p>10.<br />
Es wäre eine eigene Überlegung, warum heute angesichts von neuen Erfahrungen in fast allen Lebensbereichen der Begriff POST so durchgehend verwendet wird und nicht, wie einst, die „Vorsilbe“ NEO, als Neo-Gotik, Neo-Romanik, Neo-Klassizismus. Zeigt diese „Vorsilbe“ Neo vielleicht eine größere kreative Freiheit an im Umgang mit dem Vorgegebenen als das „Post“? Wir vermuten das.</p>
<p>11.</p>
<p>Wer aufmerksam und kritisch die Entwicklung der katholischen Kirche in Frankreich heute beobachtet und dokumentiert, kann nicht darauf verzichten &#8211; bei einer &#8222;allgemeinen Tendenz, durch das `Post` die heutigen Realitäten zu identifizieren&#8220;- auch von <em>Post &#8211; Katholisch</em> zu sprechen. Der Politologe Alfred Grosser zeigte schon 2005, gut belegt und gute begründet: <strong>&#8222;</strong>Die katholische Kirche in Frankreich scheint in mancher Beziehung dem Untergang nahe.<strong>&#8222;</strong> (S. 185, in: `Wie anders ist Frankreich?`, C.H.Beck Verlag). Die französischen Bischöfe selbst sehen das in ihren offiziellen Stellungnahmen sicher anders und verweisen stolz auf einige Tausend Erwachsenen &#8211; Taufen jährlich, sie verschweigen dabei aber den rasanten Rückgang von vielen tausenden Kindertaufen pro Jahr und die Tatsache, dass der in Frankreich geborene Klerus ausstirbt und immer weniger Katholiken sonntags an der Messe teilnehmen, dass die Klöster allmählich verschwinden und so weiter. <strong>Wann werden erste theologische und religionssoziologische Studien zum Post &#8211; Katholischen in Europa erscheinen?</strong></p>
<p>Dieter Thomä, &#8222;Post &#8211; Nachruf auf eine Vorsilbe&#8220;, Suhrkamp Verlag 2025, 399 Seiten.</p>
<p>&#8222;Postismen. Vom Nutzen und Nachteil eines Denkmusters für die Wissenschaften&#8220;. Hg. von Dieter Thomä, Suhrkamp Verlag, 2026, 387 Seiten.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Über den Egoismus der Bürger und betrügerische Kaufleute in Amerika: Der Philosoph Hegel blickt auf die USA.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22046_ueber-den-egoismus-der-buerger-und-betruegerische-kaufleute-in-amerika-der-philosophen-hegel-blickt-auf-die-usa_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 13:05:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika, USA]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie fasst "die Zeit in Gedanken". Ein Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[250 Jahre Unabhängigkeitserklärung der USA]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Kaufleute betrügen durch das gültige Recht geschützt meint hegel]]></category>
		<category><![CDATA[betrügerische Kaufleute in den USA erkannte schon Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Der Philosoph Hegel erkennt 1822 das kapitalistische Wesen der USA]]></category>
		<category><![CDATA[die USA in der Sicht Hegels]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel als Geschichtsphilosopj]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel erkennt den Egoismus der Händler und Kaufleute der USA]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel ist kein abstrakter Philosoph]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel und Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel und seine "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Philosoph Hegel hat schon 1822 den wesentlichen Charakter der USA erkannt: Der „Grundcharakter der amerikanischen Republik“ besteht für Hegel „in der Richtung (Hauptinteresse) des Privatmannes auf Erwerb und Gewinn, in dem Überwiegen des partikulären Interesses, das sich dem Allgemeinen nur zum Behufe des eignen Genusses zuwendet.“ So in den "Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie".<br />
Also: Egoismus der Privatleute, Unternehmer, wird schon 1822 angesprochen, gilt bis heute<br />
Und, auch das betont Hegel, zum Respekt der Händler und Unternehmer vor den Gesetzen in Nordamerika (USA): Hegel schreibt: „Diese Rechtlichkeit ist eine Rechtlichkeit ohne (persönliche) Rechtschaffenheit, und so stehen denn die amerikanischen Kaufleute in dem üblen Rufe, durch das Recht geschützt zu betrügen.“ </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22046_ueber-den-egoismus-der-buerger-und-betruegerische-kaufleute-in-amerika-der-philosophen-hegel-blickt-auf-die-usa_befreiung">Über den Egoismus der Bürger und betrügerische Kaufleute in Amerika: Der Philosoph Hegel blickt auf die USA.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 6.5.2026</p>
<p><em>Was die Menschen in den USA, was deren  politische und religiöse Mentalität prägt und bestimmt, hat der Philosoph Hegel schon 1822 erkannt. Seine Erkenntis gilt bis heute. </em></p>
<p>1.<br />
Anläßlich der Feierlichkeiten <em>„250 Jahre Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten“ am 4. Juli 2026</em> ist es sicher interessant wahrzunehmen, wie schon wenige Jahrzehnte nach der „Unterzeichnung der Unabhängigkeits-Erklärung“ 1776 der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich HEGEL das Wesentliche und Typische dieses Amerika (USA) analysierte und bewertete.<br />
Seine „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“ hat Hegel in Berlins Universität seit 1822 insgesamt fünf mal gehalten, posthum wurden die Vorlesungen 1837 veröffentlicht. In dieser seiner Philosophie der Geschichte spricht HEGEL auch von „Nordamerika“, seine Aussagen beziehen sich, wie er sagt, auf die „nordamerikanischen Freistaaten“ (S. 111), also auf das, was wir heute USA nennen.</p>
<p>2.<br />
Hegel hat allen Wert darauf gelegt, die empirischen historischen Fakten mit seinem philosophischen Begriff der Geschichte zu verbinden, also die empirische Geschichte mit der für ihn grundlegenden Einsicht zu harmonisieren: Dass in der Geschichte die Vernunft in eine greifbare, weltliche, politische Existenz tritt. Diese Einsicht kann hier nicht vertieft werden. Hier geht es um einige Erkenntnisse zum „Wesen“ des nordamerikanischen Menschen durch Hegel.<br />
Dazu bieten wir einige Zitate aus Band 12 der „Theorie Werkausgabe“ des Suhrkamp Verlages (1970):</p>
<p>3.<br />
Puritaner und Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften „wanderten nach Nordamerika aus, um die Freiheit der Religion zu suchen“ (S. 111)</p>
<p>Sie bauten dort ein Gemeinwesen auf, „das von den Atomen (isolierten einzelnen) der Individuen ausging, so dass der Staat nur ein Äußerliches zum Schutz des Eigentums war“ (S. 112).<br />
Hegel erwähnt die republikanische Verfassung: „Allgemeiner Schutz des Eigentums und beinahe Abgabenlosigkeit sind Tatsachen, die beständig angepriesen werden“ (ebd.). „Abgabenlosigkeit“, also vergleichsweise geringe Steuern, bestimmen auch heute die USA.<br />
Wichtig auch Hegels Insistieren auf dem ganz zentralen Schutz des Privateigentums in Amerika ..<br />
Der „Grundcharakter der amerikanischen Republik“ besteht für Hegel „in der Richtung (Hauptinteresse) des Privatmannes auf Erwerb und Gewinn, in dem Überwiegen des partikulären Interesses, das sich dem Allgemeinen nur zum Behufe des eignen Genusses zuwendet.“(S. 112).<br />
Also: Egoismus der Privatleute, Unternehmer, wird schon 1822 angesprochen, gilt bis heute<br />
Und, auch das betont Hegel, zum Respekt der Händler und Unternehmer vor den Gesetzen in Nordamerika (USA): Hegel schreibt: „Diese Rechtlichkeit ist eine Rechtlichkeit ohne (persönliche) Rechtschaffenheit, und so stehen denn die amerikanischen Kaufleute in dem üblen Rufe, durch das Recht geschützt zu betrügen.“ (ebd.) Sehr treffend erkannt, bis heute gültig…</p>
<p>4.<br />
Weil für Hegel alle politische Organisation immer auch mit der Religion, bzw. hier mit dem Christentum, zu tun hat, schreibt er: „In Amerika kann jeder seine eigene Kirche haben“… „Das Zerfallen in so viele Sekten, die sich bis zum Extrem der Verrücktheit steigern und deren viele einen Gottesdienst haben, der sich in Verzückungen und mitunter in den sinnlosesten Ausgelassenheiten kundgibt…“ (S. 113). Gültige Erkenntnis bis heute, siehe die Evangelikalen, Pfingstler, die Megachurches usw…</p>
<p>5.</p>
<p>Hegel betont also: Die vielen, nicht von Vernunft bestimmten Kirchen und Sekten in den USA sind auch mitverantwortlich für die allgemeine politische Verwirrung in den USA hinsichtlich einer humanen, vernünftigen, den Menschenrechten verpflichteten Gesellschaft und Rechtsstaatlichkeit..</p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 16:34:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[8. Mai 2026 ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[am 8. Mai ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Augustinerbrauerei beim Papst]]></category>
		<category><![CDATA[die päpstliche Mode Papst Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Ein Jahr Papst Leo - Kritik!]]></category>
		<category><![CDATA[eine Liste der konservativen Entscheidungen Papst Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[Kardinal Marx und die Augustinerbrauerei]]></category>
		<category><![CDATA[Kritk ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Meier Theologe in Zürich über Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[nach außen kritisch nach Innen konservativ]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo bewirkt in Neapel ein neue Blutwunder]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ein Populist]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo empfängt ls Augustiner die Chef der Augustiner-Brauerei München]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ist kein Kirchen-Refomrer]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ist volkstümlich]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo und die Augustinerbrauerei]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo wird als Führer gewünscht]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. spielt gern die Rolle des Papstes]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Prevost (Leo XIV.) trägt Nike Sneaker]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=22026</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr Papst Leo XIV. am 8.5.2026: Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken. Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch - katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, diese Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald grundlegenden Reformationen (nicht oberflächlichen Reförmchen) zuzuführen:<br />
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung">Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich der Papstwahl am 8. Mai 2025.</p>
<p>Siehe auch eine Ergänzung am 10. Mai 2026: Siehe die Nr.3 dieses Hinweises.</p>
<p>1.<br />
Vor einem Jahr, am 8.Mai 2025, wurde der us-amerikanische Kardinal mit einem peruanischen Pass Robert Prevost aus dem Augustinerorden (OSA) zum Papst gewählt.<br />
Obwohl wir im Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin wissen, dass es sehr viel dringendere Themen gibt für die bedrohte Menschheit heute, als an einen noch relativ frisch im Amt herrschenden Papst zu erinnern: Wir wollen entgegen den meisten offiziellen Trends der Presse und der Kirchenleute, die Papst Leo XIV. als „geistlichen Führer“ oder mutigen Trump &#8211; Kritiker hinstellen, doch dringend darauf aufmerksam machen:</p>
<p>Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken.</p>
<p>Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch &#8211; katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, mit dieser Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald eine grundlegende Reformation (und nicht oberflächlichen Reförmchen) zu gestalten.<br />
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht, das alles zu wiederholen ermüdet total die kritischen Journalisten: Kurzum, mit diesem Papst ist &#8211; bis jetzt &#8211; ein weiterer Stillstand in der Kirche zu erwarten: Hinsichtlich der Anerkennung der versöhnten Verschiedenheit der getrennten Kirchen, hinsichtlich der nun auch von katholischen Bischöfen permanent geforderten Aufhebung des Pflichtzölibates für Priester, hinsichtlich der dringend (!) zu realisierenden Zulassung von Frauen zum DiakonInnen &#8211; und PriesterInnenamt. Nichts tut sich, d.h. nicht tut der Papst, er lächelt die großen Themen freundlich weg…</p>
<p>Auch dieser Papst denkt mehr an das zahlenmäßige Wachstum der Kirche in Afrika als an die noch verbliebenen nachdenklich &#8211; krischen Katholiklen etwa in Europa, die die Moderne und den katholischen Glauben endlich versöhnen wollen. Bei dem Thema wird die Frage dringend: Kann ein einziger Papst von Rom aus die katholische Kirche (1,4 Milliarden Mitglieder) regieren, d.h. beherrschen, oder bräuchte es nicht mehrere &#8222;PatriachInnen&#8220;, jeweils auf allen Kontinenten präsent. Das Ein &#8211; Mann Papsttum würde damit verschwinden&#8230; Aber solche Gedanken werden nicht öffentlich diskutiert! Vielleicht weil die klerikalen Fundamentalisten Im Vatikan und anderswo  denken: Christus hat nur den einen Petrus als Papst berufen&#8230;Also darf es nur einen Papst geben&#8230; so ticken wirklich manche Leute&#8230;</p>
<p>Aber wenn das so weitergeht mit dem Papst &#8211; Regime: Es wird bald niemanden mehr geben, der sich öffentlich noch für eine Reformation (sic) der römischen Kirche heute und jetzt sofort einsetzt. Vernünftige Katholiken haben diese Kirche längst verlassen… Aber es gilt: Katholisch-Sein und Sisyphus &#8211; Sein ist nicht identisch! Denn: Es gibt die Freiheit des Evangeliums des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth&#8230;</p>
<p>Wir haben keine Erwartungen, dass Leo zum Papst der grundlegenden katholischen Reformation wird: Siehe unseren <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21974_ein-jahr-papst-leo-theologisch-konservativ-kein-reformer-stillstand-in-der-roemischen-kirche_befreiung">LINK</a></p>
<p>Von einer bestimmtem Veränderung der Kirche als Institution spricht Leo hingegen am 5. Mai, ein kleines Zeichen der Reform-Bereitschaft? Sicher nicht, denn von einer entscheidenden Veränderung, Reform, der dogmatischen und moralischen Lehren spricht der Papst nicht, es geht ihm um Strukturen&#8230;: <a href="https://katholisch.de/artikel/68454-papst-leo-xiv-kirche-muss-klare-worte-sprechen">LINK </a></p>
<p>Siehe auch den Gastbeitrag des Theologen, Journalisten und Publizisten Michael Meier, Zürich <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22001_papst-leo-xiv-kuender-des-friedens-und-der-rueckstaendigen-moral-von-michael-meierzuerich_aktuelles">LINK</a></p>
<p>2.<br />
Hingegen wird versucht, Papst Leo in einer populistischen Ecke noch beliebter zu machen:<br />
&#8222;Das <em>Modemagazin &#8222;Vogue</em>&#8220; hatte Papst Leo XIV.  zu einer der <em>bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025</em> gewählt. Dabei wurde der &#8222;Bruch mit dem bescheidenen Geschmack seines Vorgängers Papst Franziskus&#8220; betont. Filippo Sorcinelli ( der offen homosexuelle italienische Designer, der unter anderem auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete) erklärte dazu (ausgerechnet der populären englischen Daily Mail), Franziskus habe eine &#8222;überraschende Einfachheit, fast schon eine evangeliumsgemäße Provokation&#8220; gewählt. Bei Benedikt XVI. sei es hingegen die Verwurzelung in der Tradition. Doch Leo XIV., so der Designer, verkörpere ein Gleichgewicht zwischen Benedikt und Franziskus.&#8220; Quelle:<a href="https://katholisch.de/artikel/68429-mass-und-ordnung-papst-designer-erklaert-stil-von-leo-xiv"> LINK</a></p>
<p>Auch aufgrund der Liebe Leo XIV. zu den alten, aber durchaus chicen Papstgewändern und den Gemächern in Castel Gandolfo wird man sagen: Leo XIV. ist gern Papst und er genießt auch die äußeren Privilegien des Stellvertreters Christi auf Erden (bitte beachten: Es heißt nicht: Des Stellvertreters Jesu von Nazareth auf Erden&#8230;Denn Christus ist der dogmatisch verkirchlichte Jesus von Nazareth)</p>
<p>3.</p>
<p><em>Ergänzung am 10.5.2026: </em>Papst Leo ist populär (populistisch): Weitere Hinweise am 10.5.2026</p>
<p>A.  <em>Ergänzung am 11.5.2026</em>: Es ist schon hoch erstaunlich (und für die verbliebenen Katholiken eigentlich peinlich), wie sehr ausführlich der offizielle Pressedienst des Papstes auf diese Begegnung von Augustiner-Papst Leo und den Chefs der Augustiner-Brauerei in München eingeht, und dabei die vermittlende Rolle von Kardinal Marx, Mpünchen, lobt! Quelle: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/papst-leo-xiv-audienz-augustiner-braeu-muenchen-interview.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE</p>
<p>Am 10.5.2026: Papst Leo empfängt die Inhaber der Augustiner-Brauerei, München. Der erste Satz der KNA Meldung vom 9.5.2026 heißt: „Vom Augustiner-Biergarten auf den Papstthron“….(Tatsächlich hatte Robert Prevost als General-Prior des Augustinerordens einst den Augustiner-Biergarten in München besucht).<br />
Diese Begegnung von Augustiner-Bräu und Augustiner-Papst bringt sicher viel Werbung, viel Segen, d.h. Gewinn für diese ohnehin beliebte Brauerei in München. Die Konkurrenz wird böse sein: Wann wird denn endlich aus dem Paulaner-Orden jemand Papst, fragt sich die „Paulaner &#8211; Brauerei“, genauso wie Franziskaner &#8211; Brauerei und so weiter.<br />
…<br />
Nebenbei: Diesen Orden Paulaner gibt es wirklich, allerdings ist er viel kleiner als der ebenfalls kleine Augustinerorden: Die Paulaner werden offiziell „Minimi“ genannt, die Geringsten, sie haben heute ca.150 Mitglieder…Sie sind zu ständigem Fasten verpflichtet, dürfen aber Bier trinken!</p>
<p>Papst Leo gab der durchaus dem Volke und der Werbung zugewandte Begegnung mit den Chefs der Augustiner- Brauerei noch eine tiefere Bedeutung: „Ich ermutige euch daher, wenn ihr nach Hause zurückkehrt, weiterhin sowohl beruflich als auch persönlich euren Beitrag zur Förderung eines gerechten und wirksamen Ansatzes für die Bewahrung der Schöpfung im Sinne des Gemeinwohls zu leisten&#8220;, sehr gut hatte sich Leo XIV. Diese hölzerne Rede aufgeschrieben, „bevor er die Audienz-Teilnehmer aus Süddeutschland segnete“, so die katholische Nachrichten Agentur KNA.<br />
Von der Gefahr des Alkoholismus &#8211; auch unter Priestern und Mönchen &#8211; sprach der Papst leider nicht, auch keine Rede davon, die Preise für alkoholfreies Bier billiger zu machen.<br />
Es ist hier wie in den folgenden zwei Beispielen immer diese Masche des Augustiner-Papstes: Zuerst sich populär geben, also den Interessen der Leute sehr nahe kommen, dann aber im zweiten Teil etwas moralisch &#8211; theologische Weisungen ranhängen. Diese Mahnungen treten aber angesichts der populären Ereignisse, Bilder und Floskeln in den Hintergrund. Also: der Populismus überwiegt…   LINK: https://katholisch.de/artikel/68509-augustiner-brauerei-zu-besuch-bei-papst-leo-xiv</p>
<p>B.<br />
Während des Besuches Papst Leos in Neapel geschieht das obskure, durchaus abergläubische Blutwunder des Heiligen Gennaro, diesmal sogar „außerhalb des üblichen Turnus“: Es gibt für dieses Wunder also einen regelmäßigen Turnus, dies passt ja nun gar nicht zur üblichen Wunder-Theologie-Ideologie…</p>
<p>LINK: https://katholisch.de/artikel/68506-waehrend-des-besuchs-von-papst-leo-xiv-blutwunder-in-neapel</p>
<p>C.<br />
Robert Prevost trägt so tolle Speaker von NIKE: So die begeisterte NIKE &#8211; Sneaker Gemeinde jetzt: “Kommentare wie &#8222;Nike wurde jetzt offiziell gesegnet&#8220; oder &#8222;Du kannst den Jungen aus Chicago holen, aber nicht die Nike-Schuhe aus dem Jungen&#8220; verbreiteten sich rasant im Netz“, so KNA…. Nike wird sich freuen und weitere Schuhe in den Apostolischen Papst schicken. Oder um die Segnung der NIKE Schuhe bitten: Solche Sachen, auch Handys, Autos, Tiere werden ja bekanntlich gern vom katholischen Klerus, auch den Bischöfen, gern gesegnet, Homosexuelle oder wiederverheiratet Geschiedene eher nicht so gern, am besten gar nicht, sind ja Sünder. In jedem Fall werden nun alleNIKE &#8211; Sneaker &#8211; Fans bald regelmäßig an der Messe teilnehmen…</p>
<p>Quelle: https://katholisch.de/artikel/68507-papst-leo-xiv-begeistert-ploetzlich-sneakerfans</p>
<p>Bald wird jemand herausfinden, welche Unterwäsche Papst Leo trägt, sicherlich ist es französische. Auf den Namen des Designers sind wir gespannt, doch wohl nicht HOM? Aber anläßlich seiner Pastoralreise im Herbst 2026 nach Frankreich könnte er seine von der Firma zu Werbezwecken geschenkte französische Unterwäsche am besten bei seinem Aufenthalt in Lourdes segnen (heiliges Wasser ist dort). Und dabei den Frauen dankt, die diese Unterwäsche in Bangladesch liebevoll nähen und nur einen Hungerlohn erhalten., leider, leider, …. diese Lieferketten…</p>
<p><em>Wie Papst Leo mit den sexuellen Missbrauchstätern umzugehen gedenkt,</em> hatte er schon 2025 angekündigt: &#8222;Papst Leo XIV. hatte im vergangenen Jahr die Erwartungen gedämpft, dass sich im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen grundlegend etwas ändern werde. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine »eine echte Krise«, bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung, und Beschuldigte sollten entsprechend »geschützt« werden, <a href="https://www.spiegel.de/panorama/papst-leo-will-keine-reform-der-katholischen-kirche-a-a2bf4cae-ca14-425f-9296-d1cd1414c352" data-link-flag="spon">sagte der Papst in einem Interview</a>. Den Opfern müsse die Kirche mit »großem Respekt« und »Verständnis« begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber »nicht zum zentralen Thema der Kirche werden«. Quelle: <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/katholische-kirche-markus-soeder-kritisiert-vatikan-fuer-umgang-mit-missbrauchsskandal-a-191dc428-8b5f-4690-9b4b-997878945e1b">LINK</a>.</p>
<p>D.</p>
<p>Es wird weiter im Vatikan problemlos gesegnet, bei den Homosexuellen ist die Segnung ja höchst umstritten&#8230; : Nun werden auch auch Duschmobile in ROM gesegnet: . <a href="https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/duschmobil-sichtbarkeit-landesgrenze-segnung-parolin.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK   </a></p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung">Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 11:28:48 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Christian Modehn sieht nichts Hilfreiches im Werk Martin Heideggers]]></category>
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		<category><![CDATA[Heidegger Tagung In Meßkirch Mai 2026]]></category>
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		<category><![CDATA[Heidegger vor 50 Jahren gestorben]]></category>
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		<category><![CDATA[Heidegger wird von Rechtsextremen geschätzt]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Zaborowski]]></category>
		<category><![CDATA[ist Heideggers Werk heute noch hilfreich und relevant?]]></category>
		<category><![CDATA[Kardinal Karl Lehmann und Heidegger]]></category>
		<category><![CDATA[katholischer Priester Bernhard Welte bestattet Heidegger]]></category>
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		<category><![CDATA[Micha Brumlik über Heidegger bei den Rechtsextremen heute]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Wolin]]></category>
		<category><![CDATA[wie aktuell ist Heidegger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anläßlich des 50. Todestages des POhilosophen Martin Heidegger am 26. Mai 2026 sollte beachtet werden: Die immer wiederkehrende, stereotype „allgemeine“ Einschätzung Heideggers als eines „Philosophen von Weltrang“ wird man  neu bestimmen müssen … und als globale „Ehrenbezeichnung“ wohl beiseite legen: Und das sind die grundlegenden Perspektiven zum 50. Todestag Martin Heideggers: Sein Werk muss weitererforscht werden, es ist aber für die vielen großen Probleme der Gegenwart irrelevant, nicht weiterführend, kurz: nicht hilfreich. Das gilt für die LeserInnen seiner Werke, es sei denn man will In der reflektieren Ablehnung Heideggers auf eigene Gedanken der Kritik kommen…Hinsichtlich der "kulturellen Wende nach rechtsextrem"in Europa heute muss genau beachtet werden, wie sich die Rechtsextremen und ihre Politiker des Werkes Heideggers bedienen. Verführerisch in Richtung rechtsextrem sind zentrale Aspekte des Werkes Heideggers allemal... </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar">Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich des Todestages Martin Heideggers am 26. Mai 1976.</p>
<p><strong>ERSTES KAPITEL</strong>:<br />
<em>Der Ausgangspunkt</em>:<br />
Heideggers „noch frühe“ Philosophie (etwa „Sein und und Zeit“ von 1927) , vor allem sein spätes „Denken“ seit Mitte der dreißiger Jahre können keine inspirierende Orientierung bieten zu den großen Problemen unserer Gegenwart. PhilosophInnen leben und denken nicht in esoterischen, weltfernen Zirkeln. Sondern inmitten der Krisen der Welt wollen sie helfen, unsere Gegenwart „auf den Begriff zu bringen“ Und da ist bei Heidegger für die philosophisch Interessierten, die LeserInnen, nichts Weiterführendes, nichts Hilfreiches, zu entdecken: Da kann man sich bestenfalls abarbeiten an der Frage` Wie können wir seine Aussagen ganz anders denken und überwinden?<br />
Es ist schon klar, dass direkte politische Ratschläge von PhilosophInnen nicht zu erwarten sind. Aber bei Heidegger ist die Situation besonders irritierend: Hat er doch eine ausgearbeitete Ethik oder „praktische Philosophie“ nicht denken können und wollen. Aber selbst zwischen den Zeilen seiner dann &#8211; nach der Wende, Kehre seines Denkens in den dreißiger Jahren &#8211; schwer nachvollziehbaren Texte gibt es keine Perspektiven, die als Orientierung zu jetzt aktuellen Problemen zu deuten wären.</p>
<p>Zu den seit Jahrzehnten besprochenen, aber nicht gelösten Umweltkatastrophen, zur globalen Ungerechtigkeit gegenüber den Armen, zum Neoliberalismus, Neokolonialismus, zur Umverteilung des Reichtums der Milliardäre, zum Neofaschismus in allen Ländern Europas, zur Krise der Demokratie, Verachtung der Menschenrechte weltweit… und so weiter hat Heidegger nichts gesagt und heute nichts zu sagen. Wer auch nur ansatzweise die Philosophie und das Denken Heideggers kennt, muss das erkennen! Es sei denn, man zieht noch einzelne Sätze, einzelne Aspekte, aus seinem Werk heraus, etwa zu seiner Technik &#8211; Kritik oder zur „Verfallenheit“ der Menschen an das „Man“. Aber wer etwa Hölderlin oder Nietzsche als solche verstehen will, braucht nicht Heideggers absonderliche Interpretationen; wer die Geschichte der Metaphysik verstehen will, muss sich nicht auf die totale Ablehnung der (klassischen) Metaphysik durch Heidegger einlassen und nur noch die Vorsokratiker hochschätzen.</p>
<p><em>Ergänzung am 22.5.2026:</em> In dem Zusammenhang muss an Karl Jaspers erinnert werden, er äußerte sich zur <em>gesellschaftliche Relevanz der Philosophie Heideggers: &#8222;Die großen Fragen nicht berühren:</em> Geschlechtlichkeit, Freundschaft, Ehe, &#8211; Lebenspraxis &#8211; Beruf &#8211; Staat, Politik, &#8211; Erziehung usw.“ So Karl Jaspers über Martin Heidegger, in der Nr. 249 seiner Notizen, in: Karl Jaspers, „Notizen zu Martin Heidegger“, hg. von Hans Saner, Oktober 2013, Seite 381, notiert zwischen 1961 und 1964.  Weiteres zu Karl Jaspers: siehe Fußnote 1.</p>
<p>Es muss von Anfang an deutlich sein: Heideggers umfangreiches Werk liegt nun zwar vor, aber lediglich als so genannte „Gesamtausgabe“. Sie kann den Anspruch einer für wissenschaftliche Forschung übliche kritische Werkausgabe nicht erfüllen. Deswegen werden sich selbstverständlich Philosophen, Politologen, Historiker und vor allem auch Psychologen wegen seines extremen egozentrischen „Sendungsbewusstseins“ weiter Heidegger wissenschaftlich &#8211; kritisch befassen müssen. So wie es ja auch selbstverständlich ist, eine kritische wissenschaftliche Forschung zu Ernst Jünger, Carl Schmitt, Arnold Gehlen oder Céline und vielen anderen zu leisten, die sich wie Heidegger in einem rechtsextremen Denken verirrten. Der Philosoph Hans Jörg Sandkühler hat in seinem Beitrag „Kaum einer, der sich nicht angepasst hätte“ über in Deutschland verbliebenen deutschen Philosophen in der Nazi-Zeit geschrieben: Fast alle waren, wenn nicht überzeugte Nazis, so doch Mitläufer und Sympathisanten. Dieser wichtige Beitrag zeigt die Verführbarkeit der Philosophen durch rechtsextremes, antisemitisches Denken, siehe unten den Literaturhinweis.<br />
Die immer wiederkehrende, stereotype „allgemeine“ Einschätzung Heideggers als eines „Philosophen von Weltrang“ wird man also neu bestimmen müssen … und als globale „Ehrenbezeichnung“ wohl beiseite legen: <em>Das sind die grundlegenden Perspektiven zum 50. Todestag Martin Heideggers. Sein Werk muss weitererforscht werden, es ist aber für die Probleme der Gegenwart irrelevant, nicht weiterführend, kurz: nicht hilfreich. Das gilt für die LeserInnen seiner Werke, es sei denn man will In der reflektieren Ablehnung Heideggers auf eigene Gedanken der Kritik kommen…</em></p>
<p>Diese hier nur skizzierte Erkenntnis ist schmerzlich für die vielen „alten“, also ehemaligen Heidegger &#8211; Fans, Schüler Heideggers , die einen großen Teil ihrer Lebenszeit mit dem Entziffern, Hin &#8211; und Her-Wenden, dem Durchkauen und Nachbeten von Heidegger Texten verbracht haben. Sie fragen sich: Wohin hat uns unser Heidegger &#8211; Studium geführt? Ist unsere Existenz, unser Dasein, durch seine Ausführungen heller, klarer, lebendiger geworden?<br />
Im zweiten Kapitel unseres Hinweises &#8211; aus aktuellem Anlass &#8211; einige zentrale Erkenntnisse zu Leben und Werk Martin Heideggers, wieder in gebotener Kürze und in nachvollziehbarer, nicht im esoterischem Jargon des späten Heidegger. Es wird also auf elementare Erkenntnisse zu Leben und Werk Heidegger hingewiesen, so wird deutlicher, was in unseren Thesen des ersten Teils aufgezeigt wurde. Die Hinweise des Zweiten Kapitels sind bei dem umfangreichen Werk selbstverständlich kleine, fragmentarische Essays. Sie können die weitere Auseinandersetzung für „Nicht &#8211; Fach &#8211; Philosophen“ fördern. Aber: Wer darf sich schon „Fachphilosoph“ nennen, wenn man nur an die allgemeine Verführbarkeit der allermeisten in Deutschland verbliebenen Philosophen durch die Nazi &#8211; Ideologie denkt? Karl Jaspers gehört sicher zu den wenigen Aufrechten in dieser Zeit…</p>
<p><strong>ZWEITES KAPITEL</strong>:</p>
<p>1.<br />
<em>Zur Gesamtausgabe</em>:<br />
Zur sogenannten „Gesamtausgabe“ muss beachtet werden: „Es existiert kein unabhängiges wissenschaftliches Herausgeber-Gremium, sondern es ist die Familie Heideggers, die die Herausgeber bestimmt, als ersten den letzten persönlichen Assistenten Heideggers Friedrich Wilhelm von Herrmann, der dann zum &#8218;leitenden Herausgeber&#8216; aufstieg.“ Quelle: Anton M. Fischer: Späte Götterdämmerung. In: Marion Heinz, Sidonie Kellerer (Hrsg.): Martin Heideggers ‚Schwarze Hefte‘, Berlin 2016, S. 416–439. hier: S. 423.<br />
Der us-amerikanische Philosoph und Heidegger &#8211; Spezialist Richard Wolin betont, „dass die Hüter von Heideggers Nachlass ebenso wie die Editoren systematisch pro-nazistische und antisemitische Äußerungen aus den veröffentlichten Versionen von Heideggers Texten getilgt haben. Was die oft vorgebrachte Behauptung, es handele sich um eine Ausgabe ‚letzter Hand‘, Lügen straft“. Solange es keine Kritische Ausgabe von Heideggers Werken gebe, habe man keine Gewissheit über das, was Heidegger seinerzeit geschrieben hat, betont Richard Wolin. Quelle: Richard Wolin: Heideggers „Schwarze Hefte“: Nationalsozialismus, Weltjudentum und Seinsgeschichte. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (Heft 3-2015). de Gruyter, München. Wolin hat kürzlich das grundlegende Buch veröffentlicht: „Heidegger in Ruins: Between Philosophy and Ideology“ (2022).<br />
Der Journalist Eggert Blum erklärt vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der „Schwarzen Hefte“, warum „Heideggers Judenfeindschaft“ nicht schon früher in der Gesamtausgabe sichtbar geworden sei. Blum erhebt den Vorwurf, dass Heideggers Erben über viele Jahre antisemitische Spuren „mit Eifer verwischt“ hätten, beispielsweise im Band 69 der Gesamtausgabe „Geschichte des Seyns“ den Satz mit der „Vorbestimmung der Judenschaft für das planetarische Verbrechertum“, den der junge Herausgeber Peter Trawny 1998 auf Geheiß von Friedrich-Wilhelm von Herrmann eliminiert hatte. Quelle. Eggert Blum, Schwarze Hefte, geschönte Werke, „SWR2“, 12. November 2014.</p>
<p>2. <em>Zu den „Schwarzen Heften</em>. …..<br />
Die in weiten Kreisen übliche Qualifizierung Heideggers als eines Denkers von Weltrang wurde definitiv erschüttert durch die Veröffentlichung der so genannten „Schwarzen Hefte“. Es handelt sich dabei im Original um 33 schwarze Wachstuch-Hefte, die Heidegger als seine „Denk-Tage-Bücher“ verwahrte und deren Veröffentlichung er erst post mortem gestattete. Im dritten Band dieser Hefte, im März 2014 publiziert, zeigt sich Heidegger mit antisemitischen Äußerungen und seiner Verbundenheit mit der Nazi &#8211; Ideologie. „Mit der Veröffentlichung von Heideggers „Schwarzen Heften“ im Jahr 2014 wurde deutlich, dass er eine weitaus radikalere Vision der `konservativen Revolution` vertrat, als zuvor vermutet. Wie sich herausstellt, bestand seine Unzufriedenheit mit dem Nationalsozialismus hauptsächlich darin, dass dieser nicht weit genug ging. Die Hefte zeigen, dass Heideggers Philosophie keineswegs vom Nationalsozialismus getrennt war, sondern vielmehr von ihm durchdrungen war,“ so Richard Wolin in „Heidegger in Ruins: Between Philosophy and Ideology“ 2023. In diesen persönlichen Notizen der „Schwarzen Hefte“ behauptet Heidegger, das Judentum zeichne sich durch „rechnendes Denken“ aus, zudem sei das Weltjudentum Schuld am 2.Weltkrieg.<br />
Dabei hatten kritische Heidegger Forscher schon viele Jahre zuvor Heideggers Bindung an die Ideologie des Nationalsozialismus herausgearbeitet, etwa Studien über „Philosophie und Politik bei Heidegger“ von Otto Pöggeler (1972) oder schon 1965 Alexander Schwan. Der Philosoph und Politologe Prof. Alexander Schwan betonte erneut in seinem Beitrag in dem Band „Heidegger und die praktische Philosophie“ (1989): „Heidegger bietet nichts, was zur Überwindung des Nationalsozialismus beitragen könnte.“ (S. 100). Zudem hat Heidegger, so Alexander Schwan, „das Auftreten von Rassengedanken und Rassenzüchtung als seinsgeschichtliche Notwendigkeit anerkannt.“ (ebd.) Heidegger wird also nun deutlich gesehen als politisch gebundener rechtsextremer Philosoph, der nicht nur die Demokratie verachtete und das Führer-Prinzip fördern wollte, sondern dessen „schablonenhaften Analysen zum gegenwärtigen Zeitalter und zu den politischen Vorgängen gänzlich unzureichend sind. Sie sind darüber hinaus in ihrer Apodiktik gefährlich… Das damit von Heidegger eingeschlagene philosophische Vorgehen ist unzumutbar und inakzeptabel.“ Quelle: Alexander Schwan, „Heidegger und die praktische Philosophie“, Suhrkamp, 1989, S. 105). Und der US-amerikanische Historiker und Philosoph Richard Wolin zeigt, „dass Heideggers gesamter vernunftkritischer Ansatz und seine verstörenden antisemitischen Bekundungen eng verknüpft sind“.<br />
In seiner großen Heidegger Biografie schreibt der Philosophie-Historiker Guillaume Payen : „Heideggers Volk bestand aus einheitlichem Blut , das die Juden ausschloss“ (S. 602). Und: „Seine Überzeugung ist, dass Deutschlands Heil Adolf Hitler heißt, das stand vor Januar 1933 für ihn fest“, schreibt der Philosoph Jean-Paul Bled, in Payen, S. 11.<br />
Zu dem Buch „Martin Heideggers Schwarze Hefte“ (hg. von Marion Heinz und Sidonie Kellerer, Suhrkamp 2016), schreibt Sabine Hollewedde zusammenfassend: „Bis in postmoderne Positionen hinein zieht sich das Erbe der Heideggerschen Subjekt- und Vernunftkritik sein ‚fatalistischer Kern‘, der den Menschen jede Fähigkeit zur Emanzipation abspricht und gar noch fordert, sie mögen sich in das (Seins-)Geschick fügen. Dass ein solches Denken nicht bloß Affinität zu einem faschistischen Politikverständnis besitzt, sondern diesem seinem Kern nach entspricht, macht die Lektüre der Beiträge dieses Bandes deutlich.“ (zit. in https://www.socialnet.de/rezensionen/21684.php)<br />
Direkt zum Antisemitismus Heideggers in den „Schwarzen“ Heften“, oft schwer genau zu entschlüsseln, hat der Jurist Alfred J.Noll in seiner Heidegger &#8211; Kritik Einges Wesentliche gesagt, er fasst Äußerungen Heidegger in den Schwarzen Heften, veröffentlicht in der „Gesamtausgabe&#8220; Band 96, zusammen: “Die Juden sind unfähig, und sie sind unwert &#8211; und sie werden, können und sollen in Hinkunft keine Bedeutung mehr haben“ (S. 188 in Noll). In Band 97 der „Gesamtausgabe heißt es: „ Die modernen Systeme der totalen Diktatur entstammen dem jüdisch-christlichen Monotheismus“ (S. 1189 in Noll).</p>
<p>3. <em>Die Briefe an seinen Bruder Fritz</em><br />
Auch in den Briefen Martin Heideggers an seinen Bruder Fritz aus den Jahren 1930 bis 1949 wird die Verbundenheit Martin Heideggers mit der Nazi-Ideologie und dem Antisemitismus deutlich. Oft spricht der Philosoph von der Sorge um seine „Kisten“ (also eigene Bücher- und Manuskript-Kisten), die doch bitte schön irgendwo gut versteckt und vergraben werden sollen – angesichts der Bombardements. Von den verfolgten und vernichteten Juden ist hingegen an keiner Stelle des Briefwechsels die Rede. Mitfühlende Äußerungen wurden von den Herausgebern gewiss nicht weggelassen. Denn solche Worte hätten ja wenigstens ansatzweise einen menschlichen, für die Juden und die anderen Verfolgten des Nazi-Regime mitfühlenden Heidegger gezeigt. Das war er aber nicht! Briefe sind enthüllender als Buchpublikationen eines Autors.<br />
Es wird in den Briefen auch die maßlose, durchaus in Lächerliche gehende Selbsteinschätzung Martin Heideggers dokumentiert. So schreibt er am 10. Mai 1944, er müsse „hinauf“ in die Hütte von Todtnauberg. Denn er „spüre, dass das Seyn ihm etwas zu sagen habe“: „Ich fühle das Erwachen eines Denkens, dem ich mich jetzt einfach hinhalte, umweht von einem weither kommenden Atem der Geschichte des Seyns…“ Tausende Menschen sterben, Soldaten erfrieren, Juden werden systematisch umgebracht, und Heidegger „hält sich dem Seyn hin“ und fühlt sich „umweht“…. Dann folgt die maßlose Überhöhung seiner eigenen Rolle: „Zumal ist dies: Dass durch einen einzigen Menschen das Geheimnis spricht und in mir die Kühnheit des Denkens dem entgegenkommt und es befreien darf ins klare Wort“ (S. 101). Heidegger maßt sich eine geradezu prophetische Rolle an: „Durch einen einzigen Menschen spricht das Geheimnis“, also das göttliche Geheimnis? Heidegger sieht sich als diesen „einzigen Menschen“, durch ihn wird förmlich die Erlösung vermittelt, durch die ihm gewährte Gnade der Seyns-Hörigkeit.<br />
Einige zentrale Sätze aus den „Briefen“ Martin Heidegger an seinen Bruder Fritz in Meßkirch:<br />
Am 18. Dezember 1931: „Es sieht so aus, als ob Deutschland erwacht und sein Schicksal begreift und erfasst. Ich wünsche sehr, dass du dich mit dem Hitlerbuch („Mein Kampf“) auseinandersetzt. Dass dieser Mensch einen außergewöhnlichen und sicheren politischen Instinkt hat… das darf kein Einsichtiger bestreiten. Es geht nicht um kleine Parteipolitik mehr, sondern um Rettung oder Untergang Europas und der abendländischen Kultur. Wer das auch jetzt nicht begreift, der ist wert, im Chaos zerrieben zu werden.“ (S. 21, 22)<br />
Am 27.Juli 1933, S. 29:<br />
„Ich nehme an, dass du nicht zu den Brüning Bewunderern (Brüning war Politiker der katholischen Zentrumspartei, CM) gehörst und das Zentrum den Weibern und den Juden als Zufluchtsstätte überlässt.“(S. 29). Der tiefsitzende Hass Heideggers auf alles Katholische kommt da erneut zum Ausdruck, CM.<br />
Im Brief vom 3. 4. 1933 spricht Heidegger von der „internationalen jüdischen Hochfinanz.“<br />
Am 12.2. 1945: „Vermutlich ist jetzt trotz des Elends wenig Schmerz in der Welt“.<br />
Am 23. Juli 1945, nach Kriegsende und dem Beginn der Überprüfungen der Nazi-Täter:: „ Alles ist übel und schlimmer als zur Nazizeit. (S 127).<br />
Am 23. Juli 1945: „Hier (zu Hause, In Freiburg) ist es wenig schön, wir müssen KZ-Leute in die Wohnung nehmen… (bei den „KZ-Leuten“ handelt es sich wohl nicht um KZ Aufseher, sondern um überlebende Juden, dieses irritierende Wort „KZ &#8211; Leute wird in den langen Kommentaren zu den Briefen von den Herausgebern, dem Rabbiner Walter Homolka und dem Enkel Arnulf Heidegger, nicht kommentiert!), S. 126.<br />
Am 31. Juli 1945: „Der Gesinnungsterror der (von Nazis nun etwas befreiten Fakultät) wird noch stärker als in der Zeit des Nationalsozialismus.“ (S.129).</p>
<p>4.<em> Biografische Hinweise</em><br />
Es darf nicht vergessen werden, dass Martin Heidegger als Kandidat fürs Priesteramt von 1909 bis 1911 katholische Theologie in Freiburg studierte, aus „gesundheitlichen Gründen“ dann dieses Studium aufgab zugunsten von Philosophie, Geschichte und Mathematik. (Vgl. Johannes Schaber, in Heidegger und die christliche Tradition, S.93. ). Am 30.9. 1909 war Heidegger sogar in das Noviziat der Jesuiten in Tipis bei Feldkirch eingetreten, wurde er aber schon am 13.10. 1909 wegen „schwacher physischer Konstitution“ entlassen. Daraufhin entschied er sich fürs Priesteramt in der Diözese Freiburg, dieses Projekt gab es 1911 auf, weil ihn Philosophie sehr viel mehr interessierte. (Quelle: Heidegger Handbuch, hg. Dieter Thomä, 2003, S. 517).<br />
Kein biografischer Hinweis darf die Charakterstruktur Heideggers außer Acht lassen: Heidegger wollte schon als junger Philosoph ein ganz Besonderer sein, als eine Ausnahmegestalt gelten, spätestens seit „Sein und Zeit“ bis zum Tod und darüber hinaus durch die von ihm als posthum verfügten Schriften. Nur wer diesen exzessiven Drang zum Außergewöhnlichen bei Heidegger wahrnimmt, mit einer ganz besonderen Sendung ausgestattet und damit zur Führung berufen, kann verstehen, dass Heidegger so viele Leute tatsächlich über so viele Jahre auch seit 1950 etwa als eine Art Führergestalt faszinieren konnte. Heidegger als früheres Mitglied der Nazi-Partei passte seit den 1950 Jahren genau in eine bürgerliche politische Kultur der Bundesrepublik (und Frankreichs), die schon wieder einen weisen Führer verlangte, der zwar für die meisten Hörer und Leser viel Unverständliches-Esoterisches sagte und schrieb, der sich aber als ein hochbegabter philosophischer „Führer“ selbst von persönlicher Schuld in der Nazi &#8211; Herrschaft freisprach und damit anderen Mitläufern und Partei-Mitgliedern auch die Möglichkeit eines guten Gewissens bot: Denn Heidegger lehrte: Auch die Täter und Mitläufer der Nazi-Zeit folgten einer Art Schicksal, von ihm vornehm „Schickung“ genannt, dem bzw. der sie nicht entkommen, geschweige denn Widerstand leisten konnten. Heidegger hatte keine Scheu, sich als gehorsamer Hirte des Seins bzw. Seyns zu verstehen, der nur den Winken des Seins, Seyns, hörend und gehorsam folgen musste. „Oft danke ich dem Seyn, dass es mir Triebe zum Namenlosen des unscheinbaren Denkens zugeboren und durch Herkunft und Erziehungsgang festgegründet hat.“ , (Brief an Fritz, vom 21.2. 1946, S. 134).</p>
<p>5 <em> Jugend und katholische Studentenzeit</em><br />
Die sehr umfangreiche, sehr gründliche und um Objektivität bemühte Studie des französischen Historiker Guillaume Payen, in Frankreich unter dem Titel „ Martin Heidegger. Catholicisme, Révolution, Nazisme“ im Jahr 2016 veröffentlicht, in Deutschland erst 2022 publiziert unter dem allgemeineren Titel „Heidegger. Eine Biographie“ (Übersetzung von Walther Fekl). Die deutsche Ausgabe hat 703 Seiten, davon werden der Jugend und der frühen Dozentenzeit bis 1923 ca. 150 Seiten gewidmet. Mit anderen Worten: Auch für Pschologen, die sich mit Heideggers Charakter befassen werden, ist diese Jugendzeit im erzkatholischen Messkirch für Heidegger entscheidend und prägend. Hier nur so viel: Martin Heidegger wurde von seiner Familie (der Vater war Messner) in einem „brennenden katholischen Glauben erzogen“, betont der Philosoph Jean- Paul Bled in seinem Geleitwort zu Payens Studie. „Der Katholizismus seiner Familie war konservativ geprägt und lehnte die gottlose Moderne ab. Tradition, Demut und Gehorsams gegenüber dem Schöpfer waren die alles beherrschenden Begriffe ..“ So Guillaume Payen, Seite 47. Heidegger hatte sich, wie gesagt, fürs katholische Priesteramt entschieden, studierte von 1909 -1911 katholischeTheologie, wandte sich dann aber 1917 von der Kirche ab und wurde zum heftigen Gegner der Katholischen Kirche. Heideggers Begründung: Die Bindung an die Katholische Kirche und ihre Dogmen würde seine Freiheit als Philosoph zu sehr einschränken. Seine vielseitig gebildete Frau Elfride (sic) war Protestantin und sehr früh schon überzeugte NSDAP-Sympathisantin, sie bestärkte ihren Freund, späteren Mann in der Ablehnung des Katholizismus. Diese Haltung schloß für Heideger nicht aus, sich in seiner frühen Dozentenzeit sehr für Paulus und seine Briefe sowie für den Augustinus der „Confessiones“ zu interessieren sowie auch für Luther. Immer geht es dabei Heidegger um die Freilegung der frühchristlichen Lebenshaltung, dabei spricht er viel von Paulus, aber nicht von Jesus von Nazareth. Dieses Desinteresse an Jesus von Nazareth und seiner Botschaft zieht sich bis ins Spätwerk hin, wenn es um die Frage nach Gott bzw. den Göttern und dem Seyn geht. Trotzdem ist das heftige Interesse des „frühen Heidegger“ an der urchristlichen Lebenshaltung bemerkenswert, zumal er dabei für eine christliche Theologien plädiert, die sich von allen griechischen, d.h. metaphysischen Einflüssen freihält! (Constantino Esposito, „Von der Faktizität der Religion zu Religion der Faktizitäten“,S. 54 ff.)<br />
Heidegger war seit 1927 „weltberühmt“ geworden wegen seines Buches „Sein und Zeit“, ein Versuch über die Analysen des faktisch gelebten „Daseins“ und dessen Bindung an die Zeit („Dasein“ nennt Heidegger den Menschen) die Frage nach dem Sein klären zu können. Dieses Projekt aber scheitert, trotz mancher vielfach zitierter Analysen des Daseins sieht Heidegger sein Werk „Sein und Zeit“ eher als Fragment an. Deswegen die „Kehre“ im Denken Heideggers: Da wird der Denker zum Hörer der Offenbarungen des Seins… Das umfangreiche „Sein und Zeit“ wurde als philosophische Sensation wahrgenommen und hatte Heidegger berühmt gemacht .. und er konnte glauben: Er sei als Philosoph zu Höherem berufen, so auch später zum philosophischen Führer selbst unter dem Führer Hitler…Über die Begrenztheit der Analysen des Menschen („Dasein“) in „Sein und Zeit“ gibt es zahlreiche Studien. Der Philosoph und Heidegger &#8211; Spezialist Jacques Taminiaux sagt in dem genannten Heft „Die Philosophen und der Nationalsozialismus“ (S. 67): Heidegger denke in „Sein und Zeit“ nur den radikal isolierten Menschen. „Für Heidegger dreht sich alles um die Konfrontation des einzelnen mit seiner eigenen Sterblichkeit, mit seiner endlichen Existenz… Weil er auf den Tod zuläuft, das heißt auf das Nichts. Zu keinem Zeitpunkt scheint ihm, wie der Philosoph Lévinas betont, der Tod eines anderen etwas anzugehen. Auf das Dasein eines Volkes übertragen, führt dieser Solpsismus Heidegger geradewegs in einen übersteigerten Nationalismus.“</p>
<p>6. <em>Rektorat der Universität Freiburg</em><br />
Die Diskussion um Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus bezieht sich auch auf die Zeit seines Amtes als Rektor der Universität Freiburg. Im April 1933 wurde Heidegger Rektor der Freiburger Universität. Am 1. Mai 1933 war er in die NSDAP eingetreten. Seine Antrittsrede am 27.Mai 1933 hatte den Titel „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“. Am 3. November 1933 veröffentlichte Heidegger in der Freiburger Studentenzeitung einen Artikel mit dem Titel &#8222;Deutsche Studenten!“, darin schreibt er: „Lasst nicht Theoreme und Ideen die Regeln eures Lebens sein. Der Führer selbst und er allein ist die deutsche Wirklichkeit von heute und morgen und ihr Gesetz“; er schloss seine offizielle Rede mit dem Satz des nationalsozialistischen Grußes ‚Heil Hitler‘. (Quelle: www.information-philosophie.de/heidegger-nationalsozialismus.html)<br />
Im April 1934 legte er jedoch das Amt des Rektors nieder, aber er lehrte weiter an dieser Universität. Als Rektor der Universität Freiburg will er ausdrücklich die Universität im Sinne der nationalsozialistischen Politik umgestalten. Er führt einen unerbittlichen Kampf, um zum philosophischen Vordenker der Bewegung der Nationalsozialisten zu werden, er ist so selbstbewusst, „den Führer zu führen“. Er muss erkennen, dass ihm das nicht gelingt und nennt später die Einschätzung seiner politischen Rolle seine Dummheit. Freilich sieht es Heidegger selbst nicht als Dummheit an, überhaupt Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. Vom 1.Mai 1933 bis zum Ende des Hitler Regimes 1945 blieb er NSDAP-Parteimitglied.<br />
Die französische Militärregierung, zuständig auch für die Universität Freiburg, verfügte Ende 1946, im Rahmen des „Entnazifizierungs-Verfahrens“ ein Lehrverbot „auf Dauer“ und den Ausschluss Heideggers aus der Universität. 1949 durfte Heidegger in Deutschland aber wieder veröffentlichen, und 1949 wurde das Lehrverbot aufgehoben, Heidegger blieb zwar offiziell emeritiert, seit dem Wintersemester 1950/51 durfte er wieder an der Universität als Lehrbeauftragter lehren. (Vgl. Nachwort zu „Was heißt Denken, Stuttgart 1992, s. 73.). Im Wintersemester 1951 hielt Heidegger die Vorlesung „Was heißt Denken?“, die Hauptthese: „Wir denken (noch) nicht“. Und Heidegger dachte in dieser Vorlesungen nicht im entferntesten daran, ein Wort zu seinem „Dasein“ in der Nazi &#8211; Zeit zu sagen. Und er dachte auch nicht daran, sich von seiner berühmten Rektoratsrede von 1933 zu distanzieren. Natürlich meinte Heidegger mit Denken nicht das selbstkritische, politische Denken, sondern wie immer bei ihm: Das Denken des Seins (Seyns)…Das war sein einer und einziger Gedanke…</p>
<p>7.<em> Zur Gottesfrage</em><br />
Seit 1919 ist Heidegger ein entschiedener Feind des Katholizismus, nicht aber des Christentums, wie er in einem Brief an Engelbert Krebs vom 9.1.1919 betont. Das Christentum erforscht Heidegger in den Briefen des Apostels Paulus, dabei geht es ihm nicht um den dogmatischen Inhalt, sondern um die formale Lebenshaltung der ersten Christen in der „Urkirche“, zumal ihr Umgang mit der Zeit ist ihm wichtig, vor allem mit der Erwartung der „Endzeit“. Dabei lässt Heidegger auch die Erörterung über Jesus als Messias beiseite. Mit der Abwendung Heideggers von der für die katholische Theologie damals grundlegenden Scholastik wird Luther für ihn wichtig, wobei es auffällt, dass Heidegger dabei das zentrale Luther-Thema der Rechtfertigung aus dem Glauben ignoriert (vgl.Karl Lehmann, Heideggers Beziehung zu Luther, in „Heidegger und die christliche Tradition“, s. 161).<br />
In seiner Spätphilosophie seit Mitte der 1930 Jahre geht es Heidegger um eine Gottesfrage, die einerseits stark an die griechische Erfahrung im Sinne seines Verständnisses von Hölderlins gebunden ist, also an die Erfahrung der „Schickung“ von Einsichten durch das Sein, in gewisser Weise um privilegierte Offenbarungs- Erfahrungen für den Denker. An dieser Stelle fällt Heidegger ins esoterische Sprechen, das nur einige Erwählte verstehen können. Heidegger wehrt sich gegen das objektivierende Verfügbarmachen Gottes in der klassischen Metaphysik und Religion. „Wenn es überhaupt menschenmöglich ist, das Göttliche zu denken, dann nicht mehr als vorhandenes Etwas… Die Dimension des Göttlichen soll das Andere bleiben, das Andere des Seins, denn nur als das Andere des Seins erlangt die Dimension des Göttlichen ihre eigene Würde.“( Paola-Ludovica Coriando, in „Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers“, s. 94). Nur wenige können diesen „anderen“ Gott erfahren, es sind „die großen und verborgenen Einzelnen“, die `Reifen`, die den „Vorbeigang“ dieses Gottes würdigen können.<br />
Jürgen Habermas urteilt sehr klar über das Gottes-Denken des späten Heidegger, er zeigt, dass Heidegger „von einem Ort jenseits des Logos spricht“, also außerhalb der allgemein zugänglichen Vernunft und ihrer Begriffe. Habermas meint, Heidegger gebe sich, so wörtlich, „neuheidnischen Spekulationen über die Flucht oder Ankunft der Götter hin. Dabei gebe er sich einer Rhetorik hin, „die die Kraft des überzeugenden Arguments hinter sich gelassen hat und durch die beschwörende Selbstinszenierung der großen und verborgenen Einzelnen ersetzt. (Habermas in „Zwischen Naturalismus und Religion“, 2005, S. 256. ). Habermas weist darauf hin, dass sich der späte Heidegger eines Wortschatzes bedient, der letztlich dann doch aus der von ihm abgelehnten Herrschaft der Kirchen herkommt: Etwa: Wagnis und Sprung, Entschlossenheit und Gelassenheit, Hingabe und Geschenk, Ereignis usw.<br />
Und letztlich blieb Heidegger an die uralte katholischeWelt seiner Kindheit gebunden, als er sich in seinem ganzen Leben gegen Demokratie und liberalen Rechtsstaat stellte und so dann doch Positionen des Papstes Pius IX. akzeptiere, als dieser in seinen Enzykliken die Demokratie und die Menschenrechte ablehnte. Heidegger ist also sehr indirekt, aber wirksam-intensiv im Sinne der katholischen Theologie des 19. Jahrhunderts doch katholisch geblieben. „Heideggers erste Bestimmung, die katholische, blieb ausschlaggebend für seine politische Beziehung zur Modernität, auch in Bezug auf den Antisemitismus“, (S. 614 Payen.)<br />
Aber es ist sehr die Frage, wie dieser vom späten Heidegger letztlich im Rahmen griechischer Begriffe gedachte Gott etwas mit dem biblischen Gott zu tun hat. Man beachte, dass der junge Heidegger, vor „Sein und Zeit“, ausdrücklich das christliche Denken von der Rezeption griechischer Begriffe befreien wollte und explizit für ein nicht-griechisches, also nicht &#8211; metaphysisches Denken des christlichen Glaubens eintrat. Man denke etwa an Martin Heideggers Vorlesung Einleitung in die Phänomenologie der Religion, gehalten im WS 1920/21,.</p>
<p>8. <em>Das Sein (Seyn) Heideggers</em><br />
Dies ist die entscheidende und schwierige Frage, die aber außerhalb der esoterischen Begriffe Heideggers beantwortet werden muss! Was ist das Sein bzw. in der Spätphilosophie das Seyn?<br />
Ein Versuch des nicht esoterischen Verstehens. Das Sein ist das alles Seiende in seinem Sein Einsetzende, sozusagen die übergeordnete Macht und Kraft. Das Sein ist also durchaus dem Gott verwandt, vielleicht mit Anklang an den biblischen Schöpfer-Gott, aber Sein meint Gott sozusagen in säkularisierter Begrifflichkeit… vielleicht ist also Gott doch mit Sein, Seyn, sehr verwandt?<br />
Und wenn über Heidegger und die christliche Religion nachgedacht wird, bitte noch einmal beachten: Heideggers Gott steht nicht mit Jesus von Nazareth und seinem Evangelium in irgendeiner Verbindung. Es wäre ein Forschungsthema für Unentwegte noch einmal zu fragen: Spricht der Philosoph Heidegger von Jesus und seinem Evangelium vielleicht irgendwo „zwischen den Zeilen? Etwa von der Bergpredigt? In dem 574 Seiten umfassenden Buch „Heidegger Handbuch“ kommt im Sachregister das Stichwort Evangelium , Bibel oder gar Bergpredigt nicht vor, im Personenregister kein Hinweis auf Jesus von Nazareth, hingegen 4 Hinweise auf den Apostel Paulus und seine Briefe.<br />
Zur Beisetzung Heideggers am 28. Mai 1976 hielt der katholische Theologe und Priester sowie auch Philosoph Bernhard Welte &#8211; auch er stammte aus Meßkirch &#8211; eine Ansprache: Heidegger hatte von Welte, seinem Freund, möchte man fast sagen, ausdrücklich eine christliche Beerdigung gewünscht, eine übliche katholische Trauerliturgie fand allerdings nicht statt. Welte behauptete dabei u.a.: „Heidegger hat auch sonst seine Verbindung zur Gemeinschaft der Glaubenden nie unterbrochen. Er ist freilich seinen eigenen Weg gegangen, und er hat ihn wohl gehen müssen (sic!), seinem Geheiß (sic!) folgend und man wird diesen Weg nicht ohne weiteres einen christlichen im üblichen Sinne des Worte nennen können“. (zit. in: „Martin Heidegger &#8211; Bernhard Welte. Briefe und Begegnungen“, hg. Alfred Denker und Holger Zaborowski, Stuttgart 2003, dort S. 127). Man beachte, dass Welte damals den Lebens- und Denkweg Heideggers als Schicksal interpretierte, so , wie Heidegger es selbst tat, wenn er an seine politischen Verirrungen in der Nazizeit und danach dachte…Zur Beisetzung wurden übrigens von Heidegger ausgesuchte Verse von Hölderlin vorgetragen, ein deutlicher Hinweis: „Mein Glaube ist wesentlichen Hölderlin inspiriert.<br />
Kardinal Karl Lehmann, auch er ein Kenner der Philosophie Heideggers, schrieb anläßlich des 30. Todestages von Heidegger sehr versöhnend und sehr wohlwollend: “Wer vor dem Grab von Martin Heidegger steht, wird entdecken, dass da statt des &#8211; in Meßkircher Gegend &#8211; üblichen Kreuzes ein Stern auf dem Grabstein zu finden ist. Vielleicht hat er bei diesem `großen Suchenden` Martin Heidegger mehr mit dem Stern von Bethlehem zu tun, als viele denken mögen. Vielleicht auch mehr als er selbst.“ Über Heidegger und den „Stern von Bethlehem“ gibt es meines Wissens noch keine Doktorarbeit, aber: eine ziemlich gewagte These verbreitet da der Heidegger Versteher Kardinal Lehmann… (zit. In „Feldweg und Glockenturm“, Festschrift anläßlich des 30. Todestages von Martin Heidegger“, Gmeiner Verlag 2007, s. 28).<br />
Heidegger hatte zweifellos kein Interesse an der Jesus Gestalt, dessen Ethik hätte ihn vielleicht auf den Gedanken gebracht, selbst eine Ethik zu denken. Heidegger hielt sich in seinem Größenwahn hätte ich fast gesagt ausschließlich an die Seinsfrage oder Seynsfrage, mit der er die ihn Lesenden fesselte. Im Rahmen seiner Vorliebe für Griechenland und seine frühen Denker war er mehr am Geschick interessiert, wohl einem anderen Wort für Schicksal, als einer waltenden Macht des Seyns, der er sich hingab, auf die er gehorsam hörte als „Hirt des Seins“. So konnte er sich unschuldig fühlen in seinen Verstrickungen in der Nazi-Zeit und sein rechtsradikales Denken insgesamt. An seinen Bruder Fritz schrieb er am 3. Dezember 1944, welche Gefühle bei ihm aufkommen angesichts der zerstörten Straßen in Freiburg: “Trotz allem rührt es nicht an das Innerste und an das Vertrauen und Wissen, das sich geborgen gibt in das Unzerstörbare und im Innersten huldvolle GESCHICK:“ (S. 113, „Heidegger und der Antisemitismus). Und ein Beispiel für Heideggers esoterische „Spiritualität“, ebenfalls in einem Brief an seinen Bruder Fritz am 22.2. 1945: „In der Verdüsterung des Seienden ist das helle Licht des Seyns um mich. Ich wünsche sehr, dass du daran Anteil hast“. (S. 123).</p>
<p>9 .<em>Mit Heidegger hoffen lernen?</em><br />
Zu Beginn dieses Hinweises haben wir erklärt: Heidegger hat zu den drängenden aktuellen Fragen der Menschheit „eigentlich“ nicht viel zu sagen, z.B., elementar: wie Menschen Hoffnung entwickeln können in dieser jetzt offenbar besonders verrückten kriegerischen Welt. In einem seiner neuen Bücher „Der Geist der Hoffnung“ (Berlin 2024) hat der Philosoph Byung-Chul Han (er hat über Heidegger seines philosophische Doktorarbeit verfasst) seinen Gesamteindruck geschrieben: „Heideggers Denken besitzt keine Sensibilität für das Mögliche, für das Kommende… Er ist unterwegs zum Gewesenen, zum Wesen… Das Denken der Hoffnung orientiert sich nicht am Tod, sondern an der Geburt, nicht am In-der-Welt-Sein, sondern am In-die- Welt-Kommen… Hoffnung hofft über den Tod hinaus.“ (S. 112)… „Wer hofft, rechnet mit Unberechenbarem, mit Möglichkeiten gegen alle Wahrscheinlichkeit.“ (S. 93).</p>
<p>10. <em>Immer wieder „Sein und Zeit“: Die Tagung End Mai 2026</em><br />
Im Schloß Meßkirch findet vom 29. bis 31. Mai 2026 eine von der großen Anzahl der Referate und Arbeitsgruppen äußerst anspruchsvolle Tagung der Heidegger Gesellschaft statt, aber es geht nicht etwa um den politischen Heidegger oder gar über seine Nazi-Bindung, sondern über „Sein und Zeit“. Ist da nicht alles vielfach schon gesagt? Unter den ReferentInnen der Tagung habe ich keinen prominenten Heidegger &#8211; Kritiker entdeckt.<br />
Am Donnerstag, 28.05.2026, um 19:00 Uhr findet dort jedenfalls ein Festakt zum Gedenken an Heideggers 50. Todestag statt. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Universität Erfurt: „Warum Heidegger weltweit fasziniert &#8211; und was der uns heute noch zu sagen hat“. Prof. Zaborowski setzt sich durchaus kritisch, aber immer auch wohlwollend seit Jahren mit Heidegger auseinander, er ist jetzt Vorsitzender der Heidegger &#8211; Gesellschaft. Zaboroski hat also Prof. Harald Seubert offenbar als Vorsitzenden dieser Gesellschaftabgelöst, Seubert war vor einigen Jahren durch Publikationen und rechtsradikalen Blättern aufgefallen, siehe: https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/harald-seubert-vorsitzender-der-heidegger-gesellschaft<br />
Das esoterisch wirkende Motto der Heidegger Gesellschaft heißt: „Winke, die Zugewunkenes weiterwinken.“ Von Heidegger stammt dieses „winke Winke“ &#8211; Zitat. Vielleicht meint das Motto aber auch: Reflektiert kritisch ein Abschiednehmen von oberflächlichen, verherrlichenden Interpretationen von Heideggers Werk … also „winke Winke“…??</p>
<p>11. <em>Neue Projekte: HEIDEGGER UND DIE NEUEN RECHTSEXTREMEN IDEOLOGIEN  </em><br />
Einige kritische Historiker sollen selbstverständlich den „Ober-Hirten“ des Seins (Seyns) untersuchen. Und nach wie vor fragen: Wie geriet ein eigentlich kluger Philosoph in die Nazi &#8211; Ideologie? Das schon genannte Problem ist nur: Eine kritische (!) Gesamtausgabe inklusive aller Briefe Heideggers werden wir wohl nicht mehr erleben. So werden wir wohl noch viele deswegen immer unpräzise Heidegger Tagungen erleben. Vielleicht mal was Neues: Eine Tagung über Elfride Heidegger, die Gattin und sehr frühe und leidenschaftliche Nazi &#8211; Anhängerin.</p>
<p>Trotzdem bleibt es dringend weiter zu untersuchen, in welcher Weise Heideggers Bindungen an die Nazi -Ideologie, seine Rassenlehre usw., heute in rechtsextreme Parteien eindringen und dort rezipiert und zitiert werden. Die neuen Rechtsextremen setzen auf eine rechte „Kulturrevolution“, und da wird Heidegger als ein Meisterdenker hoch bewertet. Man studiere aufmerksam, in welcher Weise in der rechtslastigen Presse Heideggers 50. Todestag „gewürdigt“ wird. Heideggers Assistent Friedrich &#8211; Wilhelm von Herrmann hatte sich 2013 dem rechtsextremen russischen Philosophen Alexander Dugin zum mehr als einstündigen TV Gespräch zur Verfügung gestellt.<br />
Zur Nähe der „Neuen Rechten&#8220;, auch der AfD, zu Heidegger: siehe den wichtigen Beitrag von Micha Brumlik mit dem Titel: „Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft“: https://www.blaetter.de/ausgabe/2016/maerz/das-alte-denken-der-neuen-rechten</p>
<p>Micha Brumlik hat in dem Buch &#8222;Das alte Denken der neuen Rechten&#8220;,hg. vom Zentrum Liberale Moderne, 2019, eine wichtigen Beitrag über Heidegger geschriebe: &#8222;Vom wahren Sein zur Volksgemeinschaft&#8220;, dort S. 31 &#8211; 39. Brumlink befasst sich mit der Heidegger Rezeption etwa der Identitären Bewegung (Martin Sellner, Walter Spatz):&#8220;Am Ende jeder Berufung auf Heidegger steht auch bei den heutigen Rechtsintellektuellen ein mystisches Raunen, das <em>keinerlei Anschlussmöglichkeit an irgendeine Form rationaler Politik mehr aufweist.&#8220; (S. 37)</em></p>
<p>FUßNOTE 1:</p>
<p>Der Philosoph <em>Hans Saner</em> war der persönliche Assistent von Karl Jaspers, er veröffentlichte 1978 (!) dessen „nachgelassenen“ Notizen zu Heidegger, es sind spontane Einsichten, Notizen, Fragmente. Es handelt sich um ca. 300 Blätter, verfasst zwischen 1928 bis 1964, sie lagen auf dem Schreibtisch von Jaspers. Sie zeigen anfänglich eine Freundschaft zwischen Jaspers und Heidegger. Zusammenfassend schreibt Saner: „Die Notizen sind nicht zu lesen als einseitige Abrechnung mit einem Zeitgenossen, sondern als der über Jahrzehnte anhaltende Versuch, auf ein Gespräch hin das Äußerste zu wagen` alle Konzilianz und Konvention preiszugeben, um, ganz rückhaltlos, das auszusprechen, was man in Bezug auf den anderen für wahr hielt, aber doch dem Korrektiv seiner Gegenrede aussetzen wollt“. (S. 20). Im Jahr 1933, spätestens 1936 kam es dann zur Trennung, zum Ende einer Freundschaft Jaspers &#8211; Heidegger (S. 14). Jaspers ist entsetzt über Heideggers Verbindung mit der Nazi &#8211; Ideologie. Er distanziert sich von Heidegger auch, weil dieser „die philosophierenden Individuen entmächtigt und die Philosophiegeschichte anonymisiert zur `Seinsgeschichte`…Jaspers zentrale Frag an Heidegger betrifft die Sinnhaftigkeit seiner quasireligiösen Rede vom `Ereignis des Seins`“. (Dieter Thomä in „Heidegger Handbuch“, Metzler Verlag 2005, S. 341.</p>
<p><em>Man ist geneigt, angesichts der Kritik von Jaspers an Heidegger an Aristoteles zu denken:</em> &#8222;Wir philosophieren nämlich nicht, um zu erfahren, was Tugend sein, sondern um tugendhafte Menschen zu werden.“ „Nikomachische Ethik&#8220; (Buch II, Kapitel 2 / 1103b).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Hinweise zur hier erwähnten Literatur</em>:<br />
Guillaume Payen, „Heidegger. Die Biographie“, WBG Theiss Verlag, 2022.<br />
Dieter Thomä (HG), „Heidegger Handbuch“, Metzler Verlag, 2005<br />
Walter Homolka und Arnulf Heidegger, „Heidegger und der Antisemitismus“, Mit Briefen von Martin und Fritz Heidegger, Herder Verlag, 2016.<br />
Jürgen Habermas, „Zwischen Naturalismus und Religion“, Suhrkamp Verlag, 2005<br />
Norbert Fischer und Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Heidegger und die christliche Tradition“, Hamburg 2007<br />
Dies., „Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers“, Hamburg, 2011.<br />
Richard Wolin: „Heideggers „Schwarze Hefte“: Nationalsozialismus, Weltjudentum und Seinsgeschichte“. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (Heft 3-2015)</p>
<p>Byung-Chul Han, &#8222;Der Geist der Hoffnung“, Ullstein Verlag, 2024.</p>
<p>„Heidegger und die praktische Philosophie“, Suhrkamp Verlag 1989, dort vor allem der Beitrag von Alexander Schwan, aber auch die Beiträge von Hugo Ott und Otto Pöggeler.</p>
<p>Sehr wichtig das Interview (von Catherine Newmark) mit dem Philosophen und Philosophiehistoriker Hans Jörg Sandkühler über deutsche Philosophen in der Nazi &#8211; Zeit: In der Sonderausgabe des „Philosophie -Magazin“ (2014) mit dem Titel „Die Philosophen und der Nationalsozialismus“, dort die Seiten 57 &#8211; 62, grundlegend auch die Studien zum Thema von Wolfgang Fritz Haug.</p>
<p>Micha Brumlik: „Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft“: https://www.blaetter.de/ausgabe/2016/maerz/das-alte-denken-der-neuen-rechten</p>
<p>Unter unseren zahlreichen Hinweisen auf Heidegger im Laufe der Jahre weisen wir nur hin auf „Heideggers esoterische Philosophie“: LINK : https://religionsphilosophischer-salon.de/5689_heidegger-ein-esoterischer-philosoph-hinweise-auf-ein-buch-von-peter-trawny_buchhinweise/philosophische-buecher</p>
<p>Alfred J. Noll, „Der rechte Werkmeister, Martin Heidegger nach den schwarzen Heften“, PapyRossa Verlag, Köln 2016, zu Heideggers Antisemitismus: S. 186 ff.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar">Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn politische Regression unser Leben bedroht</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21901_wenn-politische-regression-unser-leben-bedroht_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 18:45:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Die große Regression]]></category>
		<category><![CDATA[Die Stunde der Raubtiere von da Empoli]]></category>
		<category><![CDATA[Fortschritt ist Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Giuliano da Empoli]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel und Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel verteidigt den Fortschritt]]></category>
		<category><![CDATA[Orban ist besiegt ein Sieg des Widerstandes]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Zeitdiagnose]]></category>
		<category><![CDATA[Rachel Jaeggi]]></category>
		<category><![CDATA[Regression ist hinter das humane Niveau zurücksinken]]></category>
		<category><![CDATA[Rückschritt und Regression]]></category>
		<category><![CDATA[was ist regression]]></category>
		<category><![CDATA[wir leben in der Regression]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=21901</guid>

					<description><![CDATA[<p>Regression ist  erstens eine krankhafte Verirrung des einzelnen Menschen: „Regression psychoanalytisch betrachtet, bezeichnet einen Vorgang, in dem ein Individuum oder eine Gruppe ein schon erreichtes psychisches Struktur - und Funktionsniveau verlässt und zu einem früheren, und /oder niedriger strukturierten Niveau des Denkens, Fühlens und Handelns zurückkehrt.“ (Rachel Jaeggi). Nebenbei: Es gibt allerdings auch gelegentlich die kurzfristige, etwa die spielerisch ausgelebte und gestaltete Regression, etwa, wenn Erwachsene ihre Kindheit nachspielen… Darum geht es hier nicht.<br />
Regression ist  auch politisch das bewusste Abdriften in unvernünftigere, längst überwundene und eher offiziell minderwertig eingeschätzte Formen der Lebensgestaltung, des Zusammenlebens, der Gesetze, der internationalen Kooperationen usw.<br />
Politiker und die ihnen folgenden Wähler handeln im Sinne der Regression, etwa in der MAGA-Bewegung der USA, für den autoritären Staat der Weißen in einem System, das nur noch den Namen Demokratie hat. Regression ist, etwa in den USA, unter den Bewohnern auch der Verzicht auf immer mühsames kritisches Nachdenken über eine bessere, gerechtere Zukunft für alle Menschen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21901_wenn-politische-regression-unser-leben-bedroht_befreiung">Wenn politische Regression unser Leben bedroht</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hinweise von Christian Modehn am 15. April 2026</p>
<p>1.<br />
Wenn Philosophieren noch die gegenwärtige Zeit auf den Begriff bringen will, ist es angebracht, diese Gegenwart als Zeit der Regression zu verstehen. Manche Soziologen sprechen auch von „Großer Regression“, allerdings in einem Buch aus dem Jahr 2015. (Fußnote 1). Die Zeitdiagnose des Politologen Giuliano da Empoli, zehn Jahre später publiziert, ist deutlich heftiger, schonungsloser: Wir leben in der „Stunde der Raubtiere“ (Fußnote 2). Wahrlich defätistisch seine Erkenntnis: „Die Weltuntergangs-Uhr in Manhattan… zeigt seit 2023 Mitternacht minus 90 Sekunden an &#8211; seit diese Uhr 1947 geschaffen wurde, waren wir dem Ende noch nie so nahe.“(S. 33).<br />
2.<br />
Die Raubtiere da Empolis können uns alle zerfetzen. Wer noch Regressionen feststellt, spricht nicht von Tieren, sondern von Menschen, also von „eigentlich“, „grundsätzlich&#8220;, „wesentlich“ doch immer noch etwas vernünftigen Menschen. Aus Gier, aus Bequemlichkeit, Nationalismus sinken sie in einen unvernünftigen Zustand zurück. Aber wer noch Regression festzustellen meint, hat immerhin noch den Begriff der Heilung, der Überwindung von Regression im Hinterkopf, also letztlich noch die Idee eines Fortschritt. Wer sich aber von Raubtieren umzingelt sieht, muss sich verstecken, aus Angst einmauern, bis dann doch die Raubiere alles zerfleischen. Wer die Übeltäter, die Kriegstreiber, noch für regressive Typen hält, kann noch handeln, versuchen, die Wende zur Demokratie, zu den Menschenrechten, zur Humanität zu probieren.<br />
3.<br />
Mit der Wahlniederlage des nationalistischen, antidemokratischen, populistischen Herrschers Viktor Orban in Ungarn, hat dort und für die EU wahrscheinlich die Demokratie wieder eine Chance. Es waren Kämpfe der noch demokratisch orientierten Bürger gegen die Allmacht Orbans, die zum Erfolg führten. Orban ist &#8211; hoffentlich &#8211; definitiv entmachtet und … er wird bestraft…<br />
4.<br />
Die Herrschaft Orbans war eine Zeit der Regression, der radikalen Rückkehr zu nationalistischer Willkür und zur Zerschlagung demokratischer Werte und Strukturen. Dieser Herrscher der Regression war eng verbunden mit anderen Herrschern der Regression, vor allem mit dem allmählich ins Wahnsinnige abirrenden Donald Trump und mit Putin sowie den nationalistischen Ministerpräsidenten der Slowakei und Tschechiens sowie mit den reaktionären erz-katholischen PiS Politikern in Polen. Vielleicht beginnt die Mauer der Regressiven in Europa nun etwas zu bröckeln.<br />
5.<br />
Es könnten andere Beispiele besprochen werden: Das entschiedene, kämpferische demokratische Handeln der Demokraten kann noch regressive Regime zu Fall bringen: An Brasilien wäre zu denken, an den Sieg des linken Demokraten Inacio Lula da Silva über den Verbrecher Bolsonaro. Oder: In den Niederlanden konnte bei den Parlamentswahlen 2025 die rechtsradikale Partei PVV von Herrn Wilders auf Position zwei &#8211; nach dessen Wahlsieg 2023 &#8211; gedrückt werden durch die linksliberale Partei D66.<br />
6.<br />
Regression ins Rechtsradikale und Rechtsextreme ist also kein Schicksal. Obwohl heute vielfach der Eindruck vorherrscht, der Aufstieg der rechtsradikalen AfD etwa in Sachsen-Anhalt sei eine Art von Schicksal. Wenn die CDU dort mit den Linken zusammenarbeiten würde und auch mit den anderen demokratischen Parteien eine Art „demokratische Front“ bilden würde, wäre die AfD erstmal stark eingeschränkt. Man erinnere sich: Die total regressive, rechtsradikale Partei „Front National“ von Le Pen konnte die Präsidentschaftswahl 2002 nicht gewinnen, weil sich alle demokratischen Parteien dort für die Wahl des konservativen Chirac im 2. Wahlgang entschieden hatten und ihm ein Wahlergebnis von 82 Prozent bescherten. Das ist gemeinsamer, überparteilicher Widerstand von Demokraten gegen regressive, rechtsradikale Politiker.<br />
7.<br />
Zum Begriff Regression. Er bezieht sich erstens auf die seelische, geistige Verfassung vieler Menschen. Und dann, im weiteren Sinne, auch auf die politische, ökonomische, soziale, kulturelle, religiöse Situation dieser Welt. Diese Regression ist immer das bewusst eingesetzte Aufgeben bisher errungener Standards demokratischen Lebens und des Respektes der Menschenrechte.<br />
8.<br />
Regression ist also erstens eine krankhafte Verirrung des einzelnen Menschen: „Regression psychoanalytisch betrachtet, bezeichnet einen Vorgang, in dem ein Individuum oder eine Gruppe ein schon erreichtes psychisches Struktur &#8211; und Funktionsniveau verlässt und zu einem früheren, und /oder niedriger strukturierten Niveau des Denkens, Fühlens und Handelns zurückkehrt.“ (Rachel Jaeggi, „Fortschritt und Regression“, Berlin 2025, S. 215.). Nebenbei: Es gibt allerdings auch gelegentlich die kurzfristige, etwa die spielerisch ausgelebte und gestaltete Regression, etwa, wenn Erwachsene ihre Kindheit nachspielen… Darum geht es hier nicht.<br />
9.<br />
Regression ist dann auch politisch das bewusste Abdriften in unvernünftigere, längst überwundene und eher offiziell minderwertig eingeschätzte Formen der Lebensgestaltung, des Zusammenlebens, der Gesetze, der internationalen Kooperationen usw.<br />
Politiker und die ihnen folgenden Wähler handeln im Sinne der Regression, etwa in der MAGA-Bewegung der USA, für den autoritären Staat der Weißen in einem System, das nur noch den Namen Demokratie hat. Regression ist, etwa in den USA, unter den Bewohnern auch der Verzicht auf immer mühsames kritisches Nachdenken über eine bessere, gerechtere Zukunft für alle Menschen.<br />
Wir sind deswegen geneigt zu sagen: Regression ist auch das Sich &#8211; Durchsetzen von Dummheit. Wobei die Dummen zu verstehen sind als die von despotischen Herrschern und ihren Staats-Medien Dumm-Gemachten. Skepsis und Selbst-Denken werden in diesen despotischen Regimen zu Un-Werten.<br />
10.<br />
Regression ist mit Rückschritt identisch, mit der Entscheidung einzelner oder Gruppen, mit einer Leidenschaft für Nostalgie, hinter die Standards demokratischer Prinzipien der Gegenwart zurückzugehen. Rückschritt, Regression, ist ein Zurückdrehen der Zeit auf einen früheren, angeblich glorreich imaginierten Zustand. Rückschritt als Nostalgie ist Flucht aus der belastend empfundenen Gegenwart. Regression führt bei den politischen Akteuren zu seelischer Erstarrung, maßloser Polemik und Feindschaft gegen die Verteidiger des Neuen und Richtigen. Regression führt oft zum (Bürger)Krieg.<br />
11.<br />
Noch einmal: Regressive PolitikerInnen leben und handeln unter dem Niveau heutiger Menschlichkeit. Die unflätige, unverschämte Sprache etwa von Präsident Trump liefert den Beweis: Regressive Politik wird von seelisch &#8211; geistig regressiven Herrschern betrieben. Weitere Beispiele lassen sich leicht finden, in Russland, Iran, Belarus, Israel etc..<br />
12.<br />
Wer von Regression und Rückschritt spricht, muss immer auch an den schwierigen Begriff Fortschritt denken: Fortschritt verstanden als Überwindung der für den einzelnen wie für Gesellschaften tödlichen Fixierung auf überlebte, überholte Lebensmodelle. Der Philosoph G.W.F. Hegel ist bekanntlich einer der deutlichsten Verteidiger des Begriffs Fortschritts in der Philosophie der Weltgeschichte. Er behauptete nicht, dass alles im Laufe der Weltgeschichte global und überall immer besser und „fortschrittlicher“ wird. Hegel wollte lediglich darauf aufmerksam machen, dass Fortschritt zu verstehen lediglich in der bescheiden wirkenden Dimension als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“. Lediglich das Wissen der Menschen hat sich im Laufe der Geschichte ziemlich universell verbreitet: dass der Mensch wesentlich frei sein sollte. Und die geistige, im Bewusstsein nie auszulöschende Überzeugung drückt sich „materiell“ aus, wie Hegel betont, sie wird Welt, gestaltet also Gesellschaft, Staat, Kultur, Religionen. Diese Realisierungen der Freiheit sind aufgrund der Willkür der Menschen immer wieder bedroht. Aber nie mehr abzuschaffen…„Fortschritt ist Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ ist selbstverständlich überhaupt keine „europäische (`kolonialistische`) Idee“, also nur für den Ort ihres Entstehens gültig. Die Idee „Fortschritt ist Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit der Menschen“ wird nach langen Kämpfen endlich heute weltweit geschätzt, in den Diktaturen Afrikas oder Asiens mindestens von den Oppositionellen in den Gefängnissen und Lagern. Sie alle fordern nicht nur in ihrem Bewusstsein, nicht nur ihrem Denken: Freiheit. Und mit dieser Forderung meinen sie letztlich die Geltung der Menschenrechte für sich selbst und für alle. Und die Bestrafung der Herrscher, die sich Politiker nennen.<br />
13.<br />
Regression ist die Ablehnung der Menschenrechte für alle. Fortschritt die Geltung von Freiheit und Menschenrechten für alle. Die „Stunde der Raubtiere“ kann vielleicht noch im Kampf für die Demokratie etwas hinausgezögert werden. Auch wenn man nach der Lektüre dieses Buches skeptisch bleibt. Aber den Elan des Widerstandes &#8211; selbst gegen die „Raubtiere“ &#8211; erhalten wir nur in einer Philosophie der Vernunft. Und die sammelt Menschen des Widerstandes gegen die Populisten, Rechtsradikalen und Faschisten heute, nicht nur in Deutschland…</p>
<p>Fußnote 1:<br />
Die große Regression. Edition Suhrkamp, Berlin 2017.</p>
<p>Fußnote 2: Giuliano da Empoli, Die Stunde der Raubtiere. C.H.Beck Verlag 2025.</p>
<p>COPYRIGHT: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21901_wenn-politische-regression-unser-leben-bedroht_befreiung">Wenn politische Regression unser Leben bedroht</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Christliche Dogmen dürfen nicht die Wissenschaften bestimmen: Francis Bacon</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21873_christliche-dogmen-duerfen-nicht-die-wissenschaften-bestimmen_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 13:34:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[der kritische Wissenschaftler Francis Bacon als Christ]]></category>
		<category><![CDATA[der Philosoph Francis Bacon kritisiert die Atheisten]]></category>
		<category><![CDATA[der Philosoph Francis Bacon vor 400 Jahren gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[Francis Bacon vor 400 Jahren gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[wer ist Francis Bacon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Francis Bacon, Naturwissenschaftler und Philosoph, trennte die Naturwissenschaften von den christlichen Dogmen. Diese Leistung verdient bis heute höchste Beachtung. Francis Bacon hatte für sich am christlichen Glauben festgehalten. Den Atheismus kritiserte er  heftig. Vor 400 Jahren, am 9. April 1626, ist Bacon gestorben. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21873_christliche-dogmen-duerfen-nicht-die-wissenschaften-bestimmen_aktuelles">Christliche Dogmen dürfen nicht die Wissenschaften bestimmen: Francis Bacon</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Wissenschaftler und Philosophen Francis Bacon, vor 400 Jahren gestorben<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.April 2026</p>
<p>Das Motto:<br />
Es gibt noch immer fundamentalistische Christen (oft Evangelikale), auch fundamentalistische ultra-orthodoxe Juden, die die Mythen des biblischen Schöpfungsberichtes („in 6 Tagen hat Gott die Welt erschaffen“) als gültige Aussagen für die Naturwissenschaften verstehen. Man möchte sagen: Diese Leute sollten die Werke des Naturforschers und Philosophen Francis Bacon studieren, um von ihrem Wahn loszukommen. Er war, vor 400 Jahren gestorben, weiter im Denken und vernünftiger als die heutigen Fundamentalisten.</p>
<p>1.<br />
Der englische Natur-Wissenschaftler, Politiker und Philosoph Francis Bacon (geboren am 22.1.1561, gestorben am 9.4.1626) lebt in einer Zeit, die von radikalem religiösen Umbruch bestimmt ist.<br />
Wir konzentrieren uns hier auf Bacons richtiges Verständnis des Zusammenhanges von Wissen und Glauben sowie auf seine kirchlichen Bindungen und religiösen Interessen; sie werden oft nicht explizit dokumentiert und ausführlich bewertet. Wir bieten einige Hinweise.</p>
<p>2.<br />
Zunächst:<br />
Francis Bacon, vielseitig begabt, ist Jurist und Staatsmann (Lordkanzler, Generalstaatsanwalt), er erforscht die Natur, ohne dabei religiös vermittelte Weisheiten anzuwenden. Und das war neu und sensationell. Man kann durchaus sagen, in seinem wissenschaftlichen Denken, philosophisch begründet, beginnt die Neuzeit. Religiöse Weisungen haben für Bacon in der Forschung nichts zu suchen. Keine Vermischung von religiösen Lehren und wissenschaftlicher Erforschung der Welt! Das war langfristig inspirierend und orientierend, man denke an die Naturforschungen Newtons.<br />
Gott spricht für Bacon förmlich in zwei Sprachen: Durch die Bibel und die Welt, wenn man die Welt, wie Bacon, als Schöpfung versteht. Aber diese Welt selbst muss in ihren vielen Details und Aspekten wissenschaftlich, durch Experiment und empirische Erfahrung, erforscht werden. Und diese wissenschaftliche Arbeit wiederum verstand Bacon als Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen, und genau dies wiederum entspricht für ihn dem Willen Gottes.<br />
Aber immer wieder hat sich Bacon, zumal in persönlichen Lebenskrisen, explizit zu seiner eigenen christlichen Spiritualität geäußert &#8211; und dabei gezeigt, dass er sich weithin im Rahmen der englischen Staatskirche orientiert.<br />
Auch die Auseinandersetzung mit Atheisten war ihm wichtig. Er meinte, Atheisten blieben in ihrem Denken und Forschen der Vielfalt der weltlichen Wirklichkeit verhaftet. Sie fragen also nicht nach der schöpferischen Kraft von allem, Gott genannt.<br />
Diese Verbindung von naturwissenschaftlicher Forschung und dem philosophisch eingegrenzten religiösem Glauben finden wir dann auch &#8211; auf radikalere, heterodoxe &#8211; Art bei Newton.</p>
<p>3.<br />
1617 sollen in England 900.000 Atheisten gelebt haben, erwähnt Georges Minois in seiner großen Studie „Geschichte des Atheismus“, Weimar 2000, Seite 159. Auch zahlreiche Adlige, Wissenschaftler und Philosophen bekannten sich explizit zu ihrem Unglauben. Die menschliche Vernunft begrenzt sich förmlich auf ihre wissenschaftlichen , empirischen Erfahrungen mit der Welt. Nach Gott, der „Erstursache“ dieser Welt, wird nicht gefragt.<br />
Francis Bacon will als Philosoph eine vermittelnde Stellung einnehmen. Denn wenn der Forscher im Verlauf seiner Forschung, auch in die Tiefe der letzten Begründung geführt wird, kann der Mensch durchaus Gott durch die Welt als Schöpfung Gott erkennen.<br />
Diese Fragen sind dann nicht mehr Teil der religionsfreien naturwissenschaftlichen Forschung, sondern gehören in die Philosophie. Bacon war nie als Philosoph an einer Universität angestellt. Er blieb sozusagen ein unabhängiger, freier Philosoph.</p>
<p>4.<br />
Es gibt zahlreiche Stellungnahmen Francis Bacons zur Religion, zum Atheismus oder zur Bedeutung des christlichen Glaubensbekenntnisses für ihn selbst. Einige ausführliche Zitate hier sind in dem Buch „Francis Bacon, Pensées sur la religion“ in der Alicia Editions veröffentlicht. 2019 ist das Buch erschienen, ein Herausgeber oder Übersetzer aus dem Englischen wird nicht genannt; erwähnt wird lediglich, dass dieses Buch (112 Seiten) „by Amazon Distribution“ GmbH, Erfurt und „Printed in Germany“ realisiert wurde.<br />
In seinen Reflexionen zu Glaube und Atheismus bezieht sich Bacon auch auf Philosophen der Antike (Epicur, Demokratit…) oder auch auf Texte der Bibel. Das Buch versammelt oft einzelne Thesen zum Thema.</p>
<p>5.<br />
Als eine Art Motto ist dem Buch ein Zitat Francis Bacons voranstellt: „Es ist wahr, dass ein Bißchen Philosophie die Menschen zum Atheismus geneigt macht. Aber eine vertiefte Kenntnis der Natur führt die Menschen zur Religion zurück“. (Alle Übersetzungen aus dem Französischen von Christian Modehn)</p>
<p>6.<br />
In seinem Essay „Betrachtungen über den Atheismus“ schreibt Bacon: „Gott hat niemals Wunder getan, um einen Atheisten zu überzeugen…. Der Mensch, der die Zweitursachen (innerhalb der Welt) betrachtet, wie sie getrennt und ohne Ordnung sind, kann sich manchmal auf diese Betrachtung beschränken und dann nicht weiter forschen. Aber wenn der Mensch wirklich dazu kommt, die Zweitursachen so zu betrachten, wie sie verbunden und verkettet sind miteinander, dann ist der Mensch gedrängt, eine (göttliche) Vorsehung anzunehmen und eine Erstursache (von allem), um die wechselseitige Abhängigkeit und dieser bewundernswürdigen Verkettung (der Zweitursachen) zu begründen.“ (S. 1).<br />
PS: Ein Hinweis zur klassischen Metaphysik, deren Denk-Modell Francis Bacon hier respektiert: Die eine Erstursache von allem ist selbst nicht von anderem verursacht, sie ist also höchstes Prinzip, Gott… Die Zweitursachen (Plural) sind alle Dinge dieser Welt, sie verursachen im Umgang mit anderen Dingen wieder Neues, Dinghaftes etc., aber eben Endliches, das dann aber auch als Zweitursache wieder für anderes zu betrachten ist…Das gründliche., differenzierende Studium der Natur führt also zur Erkenntnis Gottes.</p>
<p>7.<br />
Für den Atheismus nennt Bacon verschiedene Ursachen. „Die vielfältigen Spaltungen innerhalb der Religion, die aus der Religion selbst hervorgehen, könnten zum Atheismus führen. Eine andere Ursache für den Atheismus, ist das skandalöse Leben der Priester. Und eine dritte Ursache ist die Gewohnheit zu scherzen und Witze zu machen über heilige Dinge. Nichts schadet so deutlich dem Respekt vor der Religion mehr als diese Gewohnheit. Leute, die die Gottheit ablehnen, zerstören das, was im Menschen am wertvollsten ist. Wenn der Mensch &#8211; wie für die Atheisten &#8211; in seiner Seele überhaupt nicht Gott ähnlich ist, dann ist er nur eine gemeine und schändliche Kreatur…“ (S. 4). Das Zitat ist entnommen dem Buch „Fideles Sermonen ethici…“, eine posthume Übersetzung (von 1644) des grundlegenden, wichtigen Buches „Essays“ von Francis Bacon, zuerst 1597 veröffentlicht.</p>
<p>8.<br />
In seinen Glaubensbekenntnissen (etwa „a confession of faith“, 1641 posthum veröffentlicht) zeigt sich Bacon als überzeugter Christ der „Church of England“. Bacon hat auch persönliche Gebete verfasst. Einen sehr persönlich, demütig gestimmten Text, verfasste Francis Bacon, während der Zeit seiner politischen „Schwierigkeiten“ und seines Machtverlusts im Jahr 1621. Sein Gebet ist eine Reflexion über sein Leben, seine Sünden, seinen Sturz aus der politischen Gunst und sein Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit.<br />
Das Gebet zeigt einen Mann, der nach dem Verlust seiner politischen Macht Trost bei Gott sucht.<br />
Auch Psalmen des Alten Testaments hat Bacon übersetzt, darin zeigt er seine poetische Begabung. Bacon hat etwa die Psalmen 1, 12, 90, 104 ins Englische übersetzt.</p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</em></p>
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		<title>Die „unsichtbare Religion“ &#8211; lebt in der säkularisierten Gesellschaft</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21827_die-unsichtbare-religion-lebt-in-der-saekularisierten-gesellschaft_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:06:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denkbar]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus als humanistischer Weisheitslehrer]]></category>
		<category><![CDATA[kant unsichtbare Kirchre]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Rahner lehrt das enfache Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[nur Gottesliebe und Nächstenliebe entscheidend]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Luckmann]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Luckmann und unsichtbare Religion]]></category>
		<category><![CDATA[unsichtbare Religion]]></category>
		<category><![CDATA[unsichtbare Religion heute]]></category>
		<category><![CDATA[was ist die unsichtbare Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Thomas Luckmann hat als Soziologe schon 1967 eine neue, ziemlich gewagte These publiziert: Eine von ihm „unsichtbar“ genannte, das heißt „außerhalb der kirchlichen Institutionen“ lebendige, nur individuell je verschieden geprägte Religion sei heute in Europa bestimmend. Wenn das Zerbrechen institutioneller religiöser Bindungen in individuelle Vielfalt gilt, wenn also sehr viele Menschen ihre je eigene Religion, ihren je eigenen „transzendenten Mittelpunkt“ und „Gott“ selber entwickeln, dann muss man an der gängigen sozialwissenschaftlichen und philosophischen These zweifeln: Unsere westliche Gesellschaft sei grundlegend „säkularisiert“, also ohne Bindungen an oberste, für göttlich gehaltene Werte. Es lohnt sich also, über diese „unsichtbare Religion“ nachzudenken… Aber auch die Grenzen dieser liberalen These zu erkennen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21827_die-unsichtbare-religion-lebt-in-der-saekularisierten-gesellschaft_befreiung">Die „unsichtbare Religion“ &#8211; lebt in der säkularisierten Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis auf ein ungewöhnliches Thema des Soziologen Thomas Luckmann<br />
Von Christian Modehn am 30.3.2026</p>
<p>Vorwort:<br />
Der Soziologe Thomas Luckmann hat den engen Begriff „Religion“ erweitert, wenn nicht gesprengt, durch seine These der „unsichtbaren Religion“. Darauf vor allem wird hier hingewiesen. Diese Öffnung des Religionsbegriffes über die engen Grenzen der religiösen, der kirchlichen Institutionen hinaus hat bereits Immanuel Kant geleistet, nicht zuletzt aber der Weisheitslehrer Jesus von Nazareth oder aktuell der große Theologe Karl Rahner. Darauf wird am Ende dieses Beitrags hingewiesen (Nr. 14 ff.)</p>
<p>1.<br />
Thomas Luckmann hat als Soziologe schon 1967 eine neue, ziemlich gewagte These publiziert: Eine von ihm „unsichtbar“ genannte, das heißt „außerhalb der kirchlichen Institutionen“ lebendige, nur individuell je verschieden geprägte Religion sei heute in Europa bestimmend. Wenn das Zerbrechen institutioneller religiöser Bindungen in individuelle Vielfalt gilt, wenn also sehr viele Menschen ihre je eigene Religion, ihren je eigenen „transzendenten Mittelpunkt“ und „Gott“ selber entwickeln, dann muss man an der gängigen sozialwissenschaftlichen und philosophischen These zweifeln: Unsere westliche Gesellschaft sei grundlegend „säkularisiert“, also ohne Bindungen an oberste, für göttlich gehaltene Werte. Es lohnt sich also, über diese „unsichtbare Religion“ nachzudenken… Aber auch die Grenzen dieser liberalen These zu erkennen.</p>
<p>2.<br />
Der vielseitig gebildete Soziologe Thomas Luckmann hat mit seiner “unsichtbaren Religion“ eine heftige Diskussion eröffnet. Er hat gezeigt, dass Religionssoziologie umfassender, durchaus auch philosophisch interessierter ist als die populäre, eher schlichte Kirchensoziologie: Sie ist seit etwa 1945, zumal in Frankreich, etwa auf Statistiken zur „religiösen Praxis“ am Sonntag fixiert oder auf die Anzahl der Priester in ländlichen Gegenden usw. Französische Religionssoziologen hatten einst dieses Hauptinteresse, sie erforschten die religiöse Welt nicht umfassend, sie meinten, angesichts der Teilnehmer &#8211; Zahlen an der Sonntagsmesse in allen Regionen Frankreichs Rückschlüsse auf die so genannte „Entchristlichung“ („Säkularisierung“) der jeweiligen Regionen bzw. Bistümer ziehen zu können. Heute ist die französische Religionssoziologie (im Unterschied zu Deutschland) sehr lebendig und viel breiter aufgestellt. Man denke etwa an die zahlreichen wegweisenden Arbeiten von Prof. Danièle Hervieu-Léger in Paris, an ihre Forschungen zur Dominanz subjektiver Religion, die sie unter dem etwas provozierenden Stichwort „Bricolage“, also „Basteln“, „Etwas selber zusammenstellen“ diskutiert. Dies ist nur ein Beispiel für die aktuelle Wirkungsgeschichte der These der „unsichtbaren Religion“ Luckmanns……</p>
<p>3.<br />
Ein Anlass unseres Hinweises ist auch der 10. Todestag Thomas Luckmanns, er ist am 10.Mai 2016 im Alter von 88 Jahren in seiner „Wahlheimat“ Kärnten gestorben, geboren wurde er in Jesenice, Slowenien, am 14.Oktober 1927. Thomas Luckmann ist einer der bedeutenden Soziologen des 20. Jahrhunderts, 1969 wurde er mit entscheidenden Studie „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (gemeinsam mit Peter L. Berger) weltbekannt.</p>
<p>4.<br />
Uns interessiert hier Luckmanns Essay „Die unsichtbare Religion“, er wurde 1967 in New York unter dem Titel „The Invisible Religion“ veröffentlicht, aber erst seit 1991 liegt eine deutsche Ausgabe vor.<br />
Wir können hier nur auf Luckmanns entscheidende Einsichten zur Entwicklung der christlichen Kirchen hinweisen. Sie zielen auf die schon genannte stark individualisierte, nicht mehr an kirchliche Institutionen gebundene Religion. Die Zitate hier beziehen sich auf die deutsche Ausgabe, erschienen im Suhrkamp Verlag. Das ausführliche Vorwort hat der Soziologe Prof. Hubert Knoblauch, Berlin, verfasst. Zentral ist also Luckmanns These: &#8222;Ich halte die Ansicht für falsch, das moderne Leben sei bar jeder Religion, sie sei im Kern areligiös“.( S. 164.) Die Religion könne gar nicht verschwunden sein, denn, so Luckmann: „Die grundlegend religiöse Verfassung des menschlichen Lebens ist nicht verloren gegangen“.( ebd.). D.h.: Zum Menschsein gehört also Religion…Diese heute lebendige, aber „unsichtbare Religion“ lebt überall dort, wo „aus dem Verhalten der Menschen moralisch beurteilbare Handlungen werden.“ (S. 165). Religion ist also ein moralisches Leben, ein Leben, das den Einsichten des Kategorischen Imperativs entspricht, dies kann man weiterführend im Sinne Kants sagen. Zu Kant siehe Nr. 14.</p>
<p>5.<br />
Hubert Knoblauch betont in seinem Vorwort, dass der Begriff „unsichtbare Religion“ lediglich im Titel des Buches genannt wird (S.11). Aber die Idee einer „unsichtbare Religion“ bestimmt das ganze Buch, ist sozusagen das entscheidende Thema. Diese unsichtbare Religion (man sollte angesichts ihrer Pluralität eher den Plural Religionen verwenden) ist faktisch eine Alternative und eine Konkurrenz zu den etablierten Kirchen geworden.</p>
<p>6.<br />
Deswegen weitere zentrale Aspekte zur „unsichtbaren Religion“ im Sinne Luckmanns: Die „unsichtbare Religion äußert sich in verschiedenen menschlichen Verhalten, immer dann, wenn inmitten des Alltags eine bestimmte Praxis zur einer Art absolutem Mittelpunkt des Lebens wird: Dieser „Mittelpunkt“ kann Sport sein, Fußball zumal, dem alle Interessen gelten; er kann auch der Beruf sein; oder können Erotik und Sexualität sein, alles kann zum absoluten Mittelpunkt im Leben werden. Viele Menschen werden sogar gleichzeitig einige Mittelpunkte in ihrem Leben haben, denen sie Zeit, Energie zuwenden, wenn nicht „opfern“.</p>
<p>7.<br />
Allgemein verbindliche, universell für alle geltende Religionen bestimmen nicht mehr das Leben der Menschen von heute, betont Luckmann: „Die traditionellen, institutionell spezialisierten Kirchen konnten ihr Monopol nicht einmal für die spezifisch religiösen Themen aufrechterhalten.“ (S 180.). „Die Kirchen sind Institutionen unter anderen geworden.“ (S. 182).<br />
Die verschiedenen Gestalten unsichtbarer, d.h. also institutionell nicht-gebundener Religion, setzen sich durch, weil „die religiöse Repräsentation durch die Kirchen zu einem System bloßer Rhetorik geworden ist.“ (S. 139). Das heißt: Die religiöse Botschaft der Kirchen ist für die meisten Menschen nicht mehr nachvollziehbar, nicht mehr glaubwürdig, sie wird nicht mehr hilfreich im individuellen Leben erlebt. Weil die Führer dieser Kirchen, die Theologen offenbar und die Prediger etc. zur bloßen „Rhetorik“ neigen. Das heißt wohl: Leere, seit Jahrhunderten identische Worthülsen dogmatischer Art verbreiten…</p>
<p>9.<br />
Thomas Luckmann hat also schon vor 60 Jahren den weitreichenden Bruch in der religiösen Praxis wahrgenommen. Der einzelne Mensch baut sich, „bastelt“ sich, wie französische Religionssoziologen sagen, sein persönliches System für ihn gültiger Werte und Orientierungen, oft vorläufig, für bestimmte Lebensphasen. Die individuelle inhaltliche Aussage dieses je von mir „gebastelten“ Glaubens kann sich im Laufe des Lebens bei immer neuen Lebenserfahrungen selbstverständlich wieder ändern. Früher gab es z.B. Konversionen vom Katholizismus zum Protestantismus, jetzt gibt es ganz andere Konversionen, etwa: Ein älterer Mann konvertiert von seiner Sport- Trainings &#8211; „Vergottung“ zur Yogapraxis und zum veganen Leben in vegan verpflichteten (dogmatischen?) Lebensgemeinschaften…</p>
<p>10.<br />
Die „unsichtbare Religion“ im Sinne Luckmanns trifft eine wesentliche Tendenz in der Veränderung dessen, was seit etlichen Jahren in Europa als Religion oder „höchstes Gut“ oder „Göttliches“ wahrgenommen und gelebt wird. Dennoch bleibt die Frage offen, ob es ein normative Kriterien dafür gibt, was man also mit guten Gründen unter den wichtigen Präferenzen im Leben Religion oder Religionen tatsächlich dann nennen sollte. Denn es kann nicht jeglicher vom einzelnen hoch geschätzter Wert als religiös bezeichnet werden.</p>
<p>11.<br />
Dann ist es auch problematisch, wenn im Sinne der totalen Individualisierung der Religion der Aspekt der Gemeinschaft eher vernachlässigt wird. Menschen brauchen immer und überall den Austausch über Lebenserfahrungen und über den Mittelpunkt im jeweiligen Leben. Sie brauchen also Gemeinschaften. Aber gibt es im Ernst etwa SportlerInnen, die sich so intensiv über Sport austauschen, dass damit auch die klassischen religiösen Themen (Sinn des Lebens, Liebens Sterbens, Todes…) zur Sprache kommen und diese Themen auch irgendwie rituell „bearbeitet“, zelebriert werden? Das müsste man empirisch untersuchen. Ich bezweifele, ob man dabei nicht die Sportgemeinschaften oder der Opernliebhaber oder der Vegetarier-Fans usw. sozusagen religiös „überfordert“.</p>
<p>12.<br />
Im ganzen habe ich den Eindruck, dass Luckmanns These der „unsichtbaren Religionen“ in eine Hochphase liberalen Denkens passt, als die Individualisierung sozusagen heilig gesprochen wurde. Bernt Schneller bezeichnet in seiner Studie „Thomas Luckmann“, (UVK, Konstanz 2006, S. 119) die Idee der „Sakralisierung des Individuums“ als eine entscheidende Leistung Luckmanns,. Schneller nennt als neue „religiöse Gemeinschaften“ im Sinne Luckmanns nach dem Ende der kirchlichen Institutionen: „ Selbsthilfegruppen, Cliquen (sic) und andere sinnstiftende Gemeinschaften.“ (S. 119). Den religiösen Aspekt von Selbsthilfegruppen oder zivilgesellschaftlichen NGOs wissenschaftlich herauszustellen, wäre tatsächlich ein interessantes Projekt. Bei den „Anonymen Alkoholikern“ hat bekanntlich ein Gottesbezug und sogar die Hochschätzung des „Vater Unser“ eine hilfreiche Bedeutung… Und: Wie die stark etwa die engagierten, oft im Einsatz gefährdeten Mitarbeiter der &#8222;Ärzte ohne Grenzen“ eine Spiritualität leben (müssen, um durchzuhalten), ist manchmal von ihnen selbst beschrieben worden.</p>
<p>13.<br />
Wahrscheinlich ist die These Luckmanns von der „unsichtbaren Religion“ heute zu ergänzen, wenn nicht zu ersetzen durch den Begriff der Vielfalt der Spiritualität, ohne die nun kein Menschen als geistiges (das heißt immer auch „spirituelles“ )Wesen zu leben vermag. Die Kirchen als Institutionen von Dogma und Klerus haben diesen Wandel in der Bindung der Menschen nicht grundlegend verstanden: Die Menschen suchen heute Spiritualität, eher nicht die von den Kirchen klassisch angebotene dogmatische Lehre.</p>
<p>14.<br />
Die „unsichtbare Kirche“ ist auch ein Begriff für die eine zentrale Erneuerung des engen dogmatischen Kirchenbegriffs durch den Philosophen Immanuel Kant in seiner Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (1793). Diese „unsichtbare Kirche“ nennt Kant „eine Idee von der Vereinigung aller Rechtschaffenden unter der göttlichen unmittelbaren (also nicht durch die Kirche vermittelten, CM), aber moralischen Weltregierung…“ (im Text Kants auf Seite B 142). Wir haben zu Kant und auch zu seinem wichtigen und aktuellen Religionsbegriff etliche Hinweise publiziert, siehe etwa: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/18087_ueber-kants-die-religion-innerhalb-der-grenzen-der-blossen-vernunft-1793_aktuelles">LINK</a></p>
<p>15.<br />
Auch der Mensch Jesus von Nazareth hat als freier, radikal &#8211; kritischer Weisheitslehrer im damaligen Judentum, in seinen Predigten (und seinem provozierenden Handeln) ausdrücklich die engen Grenzen einer Gesetzes-rigiden Religion gesprengt und dadurch ein anderes, sozusagen reformiertes Verständnis für ein gottgefälliges Leben geöffnet über die Religionsgrenzen hinaus. Man denke etwa an die Bergpredigt Jesu: Dort werden mit den Forderungen eines humanen Lebens die „Einlassbedingungen“ der Menschen für die Zugehörigkeit zum universellen „Reich Gottes“ als Reich des Friedens und der Gerechtigkeit dargelegt. Siehe dazu das Evangelium nach Matthäus, 5. Kapitel. Noch wichtiger für diese Zurückweisung enger religiöser konfessioneller Normen für ein authentisches religiöses Leben ist die Rede des Weisheitslehrers Jesus über das „Weltgericht“, Matthäus, 25. Kapitel, 31 ff. besonders ab Vers 34. Deutlicher kann die alle Grenzen der eigen Religion (der jüdischen wie der christlichen) sprengenden humanistisch &#8211; weiten Spiritualität Jesu nicht mitgeteilt werden. Wenn Matthäus diese Rede Jesu unter dem Stichwort „Weltgericht“ darstellt, dann will er nur mit den Mitteln seiner damals zur Verfügung stehenden Sprache sagen: Weltgericht bedeutet die alles entscheidende Norm für eine Praxis und Lebensorientierung der Menschen, die sich menschlich nennen darf…Aktuell &#8211; provozierend ist etwa die Aussage des Weisheitslehrers Jesus: „ Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen“, denn in den Fremden wird Jesus, wird sogar Gott repräsentiert, das ist die humane, menschliche Weisheit des Neuen Tetamentes. (Siehe Matthäus Kap. 25, Vers 35).</p>
<p>16.<br />
Auf das alle engen konfessionellen Grenzen sprengende Denken des großen katholischen Theologen Karl Rahner soll hier noch kurz hingewiesen werden. Sehr häufig hat Rahner ausführlich argumentiert: Der christliche Glaube ist eigentlich eine &#8211; vom Umfang der Lehrmeinungen her gesehen &#8211; sehr einfache, insofern „bescheidene“ Weisheitslehre. Gott (als letztlich niemals zu definierendes Geheimnis, so Rahner ) ist allen Menschen nahe, ob innerhalb der Kirche oder außerhalb. Gemeint ist der bergende, der nur unbeholfen göttlich zu nennende menschenfreundliche Sinn-Grund, auf den sich alle Menschen sbeziehen können, im Leben, Lieben, Schmerz, im Sterben. Dieser Verbindung mit Gott als dem bergende Geheimnis entspricht die menschliche Praxis der &#8211; immer auch politisch zu gestaltenden &#8211; Nächstenliebe. So einfach ist der christliche Glaube, universell verstanden als gelebte Möglichkeit für viele auch außerhalb der Kirchen: Gottesliebe und Nächstenliebe sind eins, untrennbar verbunden. Wer entsprechend zu leben versucht, fügt Rahner hinzu, gehört dann auch zur unsichtbaren Kirche… Die Idee der „unsichtbaren Kirche“ im Sinne Kants klingt wieder an…(Siehe unter vielen Beiträgen Rahners zum Thema etwa den Aufsatz „Der Glaube der Christen und die Lehre der Kirche“, 1971, in „Schriften zur Theologie, Band X., S. 262, bes. S. 283 f.)</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21827_die-unsichtbare-religion-lebt-in-der-saekularisierten-gesellschaft_befreiung">Die „unsichtbare Religion“ &#8211; lebt in der säkularisierten Gesellschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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