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	<title>Theologische Bücher Archive &#8211; Religionsphilosophischer Salon</title>
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	<description>... eine Einladung zum Mitdenken und Mitdiskutieren</description>
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		<title>Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 16:27:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
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		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche am Ende?]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreichs katholische Kirche in der Krise des sexuellen und spirituellen Missbrauchs]]></category>
		<category><![CDATA[geistlicher Missbrauch in katholischen Gemeinschaften]]></category>
		<category><![CDATA[mehr als 200 Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich schreiben Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo besucht Frankreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier - Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Frauen und Männer, Laienm Priester und Nonnen gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 12.9.2026</p>
<p>1.<br />
In Frankreich haben am 7. September 2026 215 Opfer von ihrem &#8222;spirituellen Missbrauch&#8220; Papst Leo einen Brief geschrieben: Sie  fordern den Papst auf, wirksame Mittel zur Überwindung dieser Form kleriker Herrschaft  zu veranlassen.</p>
<p>2.<br />
Spiritueller Missbrauch ist eine Instrumentalisierung Gottes durch die Herrschaft von kirchlichen Vorgesetzten. Diese meinen, förmlich an der Stelle Gottes stehend, ihre Untergebenen seelisch belasten und quälen zu dürfen und zu Gehorsam und Unterwürfigkeit zwingen zu können. Das Motto dieser spirituellen HerscherInnen“: Wer den OberInnen folgt, folgt Jesus Christus. Totaler Gehorsam also. „Dieses Verhalten zerstört fundamental die Seele der betroffenen Menschen“, sagt die Psychologin und Spezialistin für diese „Fälle“ Isabelle Chartier &#8211; Siben der Tageszeitung La Croix. Der spirituelle Missbrauch darf angesichts der vielen tausend Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nicht länger ignoriert werden, zumal der spirituelle Missbrauch oft auch in einem sexuellen Missbrauch führt, betonen die Betroffenen.</p>
<p>3.<br />
Eine erstaunlich große Anzahl: 215 Laien, Priester und Nonnen, gehen in die Öffentlichkeit: Den Brief an den Papst haben alle unterschrieben, in die große Öffentlichkeit (der französischen Presse) gehen drei Opfer: Fabio Barber, Priester der „monastischen Familie von Bethlehem“, Gabriel Laguarigue de Survilliers, ehemaliger Mönch der „Gemeinschaft Saint Jean“ sowie die Theologin Benedicte Nolte de Brauwere aus der „Kommunität des Lammes“.<br />
Die übrigen Unterzeichner des Briefes an den Papst haben nach wie vor Angst vor Repressalien seitens der Chefs ihrer Gemeinschaften, und meiden deswegen die große Öffentlichkeit, berichtet die Tageszeitung La Croix. Sie hat diesen Missbrauch am 7.9.2026 publiziert. Die Autorin des Berichtes in „La Croix“ schreibt: „Warum gerade jetzt an den Papst schreiben? Die Initiative der Unterzeichner erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem Rom bereits im Jahr 2024 die Auseinandersetzung mit dem Thema „geistlicher Missbrauch“ in Angriff genommen hat. Seit zwei Jahren arbeitet eine kleine gemeinsame Arbeitsgruppe des `Dikasteriums für die Glaubenslehre` und des `Dikasteriums für Gesetzestexte` daran, spirituellen Missbrauch im kanonischen Recht anzuerkennen. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob ein spezifischer Straftatbestand geschaffen oder bestehende Straftatbestände präzisiert werden müssen, um diese Situationen besser zu erfassen.<br />
Gerade weil diese Überlegungen im Gange sind, wollen sich die Unterzeichner Gehör verschaffen: Soe sagen:  „In diesen Studienkreisen sind die Opfer kaum vertreten. Man betrachtet sie weiterhin als Menschen, denen man Mitgefühl entgegenbringt, aber nicht als Experten, die in der Lage sind, über das, was sie erlebt haben, nachzudenken und es zu entschlüsseln“, bedauert Fabio Barbero. Der ehemalige Ordensbruder fordert „mehr Transparenz“ und vor allem, dass die Opfer wirklich in die Arbeit einbezogen werden, „nicht nur, um eine Statistenrolle zu spielen.&#8220;  &#8230;Doch der Weg scheint lang und heikel zu sein, wie aus einem Interview hervorgeht, das Kardinal Victor Manuel Fernandez, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, im Januar 2025 der spanischen katholischen Wochenzeitung „Alfa y Omega“ gewährte.(Übersetzt durch deepl.com)</p>
<p>4.<br />
Wichtig ist auch die Veröffentlichung der Namen der der betroffenen Gemeinschaften, siehe die aus La Croix übernommene Liste in Fußnote 1.</p>
<p>Dabei ist auffällig, dass als `Täter &#8211; Organisationen` viele offiziell so genannte „neue geistliche Gemeinschaften“ vertreten sind. Diese haben durchaus befremdliche, mysteriös &#8211; fromme Titel. Aber man unterschätze nicht den Einfluß dieser Gruppen auf die französische Kirche: Diese Gemeinschaften leiten Pfarr &#8211; Gemeinden, betreuen Wallfahrsorte, haben Priesterseminare, bieten allerlei Besinnungstage für Laien an usw… Auch etliche französische Bischöfe gehören etwa zur sehr konservativen Gemeinschaft `Emmanuel`. Zum Beispiel Bischof Dominique Rey, der von Papst Franziskus wegen allzu reaktionären Regierens „seines“ Bistums als Bischof von Toulon abgesetzt wurde. Diese genannten Gruppen, in den bisher spiritueller Missbrauch bekannt wurde, sind meist sehr konservativen, sehr papsttreuen, sehr charismatisch: Sie wurden wurden &#8211; wen wundert es &#8211; von Papst Johannes Paul II. aufs höchste gelobt: Sie seine die wahren Missionare Europas, sie seien so zuverlässig katholisch usw…</p>
<p>Kardinal Joseph Ratzinger sagte 2005 ganz enthusiastisch (naiv): &#8222;Diese kirchlichen Bewegungen (die neuen geistlichen Gemeinschafte)  verheißen neue Möglichkeiten: Hier kommt ein Suchen nach der Mitte zum Vorschein, das die Diagnose vom Ende des Religiösen Lügen straft und Wege neuen Lebens aus dem Glauben anbahnt, in denen sich die unerschöpfliche Fruchtbarkeit des Glaubens erneut bewährt.&#8220; (Quelle: Joseph Ratzinger, &#8222;Theologische Prinzipienlehre&#8220;, 2005, S. 394.</p>
<p>&#8222;Gezeigt hat sich&#8220; hingegen, de facto, &#8222;die unerschöpfliche Fruchtbarkeit&#8220; sexuellen und spirituellen Missbrauchs in den meisten dieser Gemeinschaften..</p>
<p>Seit etwa 10 Jahren sind viele Fälle heftigen sexuellen Missbrauchs in diesen so hoch gelobten Gemeinschaften öffentlich bekannt. Diese Freilegung dieser Verbrechen führte zu einer tiefen Krise der (Glaubwürdigkeit der) katholischen Kirche in Frankreich.  Zum Niedergang der katholischen Kirche in Frankreich: LINK https://religionsphilosophischer-salon.de/16606_wenn-der-klerus-die-glaeubigen-vertreibt-der-zusammenbruch-der-katholischen-kirche-in-frankreich-heute_aktuelles</p>
<p>5.<br />
Und das alles wird öffentlich wenige Tage vor dem Besuch Papst Leos in Frankreich: Vom 25. bis 28. September 2026 wird er Lourdes, Paris und Metz besuchen: Die Anmeldungen zur Teilnahme an seinen vielen Messen und Gottesdiensten dort gehen in die vielen tausend. Auf der riesigen Place de la Concorde wird es eine Messe für die 500.000 bis 600.000 frommen Massen geben… 27 Millionen Euro wird die drei-tägige so genannte “Pilgerfahrt“ kosten.</p>
<p>Kann mit einer halben Million Teilnehmer die Eucharistie, die Erinnerung an das Abendmahl Jesu von Nazareth, gefeiert werden? Oder wird da die Eucharistie zur Demonstration der Macht und Herrschaft der katholischen Kirche in einem weltlichen (&#8222;laique&#8220;) Staat? Als Kult eines &#8222;Führers&#8220;, des Papstes?<br />
6.<br />
Ob der Papst einige Opfer des spirituellen Missbrauchs in Frankreich trifft, ist offen.<br />
Das aber steht fest: Die Freilegung des spirituellen, man sollte eher sagen seelischen Missbrauchs in diesen einst offiziell so vorbildlich gepriesenen Gemeinschaften ist eine Katastrophe nicht nur für die französische Kirche. Aber die frommen Massen, offenbar die dogmatisch stabilen „Hardliner“, lassen sich davon nicht beeindrucken. „Es menschelt halt bis zu Gott“, heißt ihre tröstende (?) Weisheit.</p>
<p>7.</p>
<p>Spiritueller, geistlicher Missbrauch ist nicht nur ein Problem der Kirche in Frankreich, im Bistum Münster wird  eine entsprechende Studie veröffentlicht: LINK: https://katholisch.de/artikel/70293-studie-zu-geistlichem-missbrauch-in-muenster-wird-vorgestellt</p>
<p>Fußnote 1: Die Betroffenen Gemeinschaften des spirituellen Missbrauchs, entnommen von la Croix am 7.9.2026:</p>
<p>Alliance des Cœurs unis, Bénédictines de Montmartre, Carmel de Simacourbe, Carmel du Reposoir, Carmel de Toulouse, Carmel,<br />
Cisterciens de Sept-Fons,<br />
Les Communautés de L’ Agneau, de l’Emmanuel, des Béatitudes, du Chemin Neuf, du Pain de vie, du Verbe de Vie,<br />
consacrées du Regnum Christi (Laien der Legionäre Christi),<br />
Communautés Saint-Jean, Communauté Saint-Martin,<br />
Communion et libération, Compagnie de Jésus province de France (Jesuiten),<br />
Famille de Marie Œuvre de Jésus Souverain Prêtre, Religieuses de l’Assomption,<br />
Famille missionnaire de Notre-Dame, Famille monastique de Bethléem, Focolari, Fondacio, Foyers de Charité, Fraternité Eucharistein, Fraternité de Marie Reine Immaculée,<br />
Fraternités monastiques de Jérusalem (St. Gervais, Paris), Fraternité Verbum Spei, Institut du Christ Roi Souverain Prêtre, Institut Notre-Dame de Vie,<br />
Légionnaires du Christ,<br />
Maria Stella Matutina,<br />
Opus Dei,<br />
Point Cœur, Sœurs Missionnaires de la Charité, Séminaire Saint-Luc d’Aix-en-Provence.</p>
<p>Quelle: https://www.la-croix.com/religion/abus-spirituels-d-anciens-membres-de-communautes-demandent-au-pape-des-reponses-fortes-20260907</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22678_spiritueller-missbrauch-eine-neue-dimension-des-missbrauchs-durch-priester-ordensleute-in-frankreich_aktuelles">Spiritueller Missbrauch: Eine neue Dimension des Missbrauchs durch Priester, Ordensleute in Frankreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles</link>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 15:57:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunftsperspektiven für Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Beitrag zeigt faktenreich: Die katholische Kirche in Berlin als eine heute (2026) noch etwas bedeutende gesellschaftliche Organisation wird zunehmend zur verschwindenden Minderheit in Berlin: Diese Kirche baut ab, schließt und verkauft Kirchen mit den Gemeindehäusern, also den Orten der dringend gebotenen Kommunikation: Warum? Weil die katholische Kirche nach wie vor Klerus - fixiert ist, unbeweglich an Dogmen festhält, eine esoterisch-unverständliche Sprache in der Messe praktiziert usw…<br />
Und vor allem: Die katholische Kirche hat ganz offiziell und explizit den Papst als Chef einer „absoluten Wahl - Monarchie“. Und diese Kirche ist deswegen noch stolz darauf, explizit nicht demokratisch strukturiert und explizit nicht demokratisch organisiert zu sein.<br />
Eine ihrem Wesen nach undemokratische Kirche kann auch in Berlin kaum glaubwürdig Demokratie fördern und helfen, zusammen mit demokratischen Organisationen und demokratischen Parteien, die bevorstehende Herrschaft der Rechtsextremen in Deutschland zu überwinden.<br />
Die Katholische Kirche in Berlin hat keine "Vision", keine fundamentale Zukunftsperspektive für Berlin und für die Kirche selbst. Die katholische Kirche in Berlin hat sich aufs Schrumpfen und damit letztlich aufs Verschwinden in der Bedeutungsloigkeit eingestellt; viele Kirchen und Gemeindehäuser wurden und werden verkauft und abgerissen. Lediglich Prestigeobjekte, die viele Millionenen Euro kosten, werden gepflegt, wie die St. Hedwigskathedrale oder das Bernhard Lichtenberg Haus in Berlin Mitte. Auch die intellektuelle Präsenz der katholischen Kirche in Berlin ist marginal...Die für die Katholische Kirche als vom Klerus beherrschte Kirche notwendigen Priester kommen jetzt aus asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern. Junge Priester aus dem reaktionären Neokatechumenat stören die wenigen noch kritischen Katholiken in den Gemeinden. Eine traurige Gruppe also ist, von außen betrachtet, diese Kirche in der Berliner Gesellschaft; die CARITAS, von Laien bestimmt, verdient viel Respekt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles">Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 10.9.2026</p>
<p><em>Ergänzt am 15.9.2026</em>: Die Führung der evangelischen und der katholischen Kirche in Berlin hat am 15.9.2026 einen &#8222;Aufruf&#8220; zur Wahl am 20.9. 2026 veröffentlicht: Allgemeine Floskeln: Bitte Demokratie wählen und die von Gott gegebene Menschenwürde beachten und so weiter und so weiter.</p>
<p>Über irgendwie gefährliche Parteien wird schwadroniert; aber, wie üblich, die für die Demokratie gefährlichen rechtsextremen Parteien werden nicht beim Namen genannt, also kein Wort, kein expliziter Hinweis zur AFD &#8230;Die Kirchenführung geniert sich, präzise zu werden, die Zerstörer der Demokratie beim Namen zu nennen.</p>
<p>Kein Wort zu den sehr großen Problemen der meisten Menschen in Berlin: Wohnen, Miete, Bildungsrückstand, Gewalt, multikulturelles Zusammenleben, Überwindung des Gegensatzes sehr reiche Bürger-sehr arme Bürger in einer Stadt&#8230; Floskeln also werden verbreitet; wer wird sie lesen, hören, ernst nehmen? Inspirierend ist nichts in diesem abgedroschenen Aufruf&#8230;. Der Text dieses &#8222;Aufrufs&#8220;: siehe unten, als Fußnote.</p>
<p><strong><em>Ein Vorwort</em>:</strong><br />
<em>Dieser Beitrag zeigt faktenreich</em>: Die katholische Kirche in Berlin als eine heute (2026) noch etwas bedeutende gesellschaftliche Organisation wird zunehmend zur verschwindenden Minderheit in Berlin: Diese Kirche baut ab, schließt und verkauft Kirchen mit den Gemeindehäusern, also den Orten der dringend gebotenen Kommunikation: Warum? Weil die katholische Kirche nach wie vor Klerus &#8211; fixiert ist, unbeweglich an Dogmen festhält, eine esoterisch-unverständliche Sprache in der Messe praktiziert usw…Zu den sehr belastenden Themen der BerlinerInnen hat die Kirche wenig zu sagen: Vor allem zum drängenden Problem, noch bezahlbare Mietwohnungen zu erhalten.<br />
Und vor allem: Die katholische Kirche hat ganz offiziell und explizit den Papst als Chef einer „absoluten Wahl &#8211; Monarchie“. Und diese Kirche ist deswegen noch stolz darauf, explizit nicht demokratisch strukturiert und explizit nicht demokratisch organisiert zu sein.<br />
<em>Eine ihrem Wesen nach undemokratische Kirche kann auch in Berlin kaum glaubwürdig Demokratie fördern und helfen, zusammen mit demokratischen Organisationen und demokratischen Parteien, die bevorstehende Herrschaft der Rechtsextremen in Deutschland zu überwinden</em>.</p>
<p>1.<br />
Vor der Wahl in Berlin am 20.9.2026 sprechen viele PolitikerInnen aller Parteien von (neuen ?) Perspektiven für Berlin. Manche Politiker meinen sogar, „Visionen“ für Berlin in den nächsten Jahren propagieren zu können. „Visionen“ sind der milde Begriff für jene, die das Wort Utopie scheuen. Utopie hat durchaus den Charakter, „Handlungsalternativen und Möglichkeitsspielräume zu erschließen, die über die geschichtliche Kontinuität hinausschießen.“ (Jürgen Habermas, „Die neue Unübersichtlichkeit“, Frankfurt 1985, S. 142). Utopien sind also wichtig zum Überleben. Auch die Kirche hat eine Utopie, leider wird diese Utopie („Reich Gottes“) oft verdrängt und vergessen…</p>
<p>2.<br />
Das Thema führt zu der Frage: Hat eine bestimmte gesellschaftliche Organisation, die katholische Kirche in Berlin, jetzt eine Zukunfts-Perspektive für Berlin, also ein reflektiertes Projekt für die ca. 4 Millionen BerlinerInnen und auch für die Kirche selbst in der Hauptstadt?<br />
Der Ausgangspunkt ist die Erkenntnis eines Mangels: Es gibt keine theologisch-kritischen, religionswissenschaftlichen oder religionssoziologischen Studien zu Gegenwart und Zukunft der Religionen in Berlin. Es gibt auch keine konfessionsunabhängigen, also objektiven Studien zu Gegenwart und Zukunft der katholischen Kirche in Berlin. Das Thema „Religion bzw. Kirche in der Stadt“ scheint Wissenschaftler nicht zum kritischen Studium zu inspirieren. Ein Grund: An den Universitäten in Deutschland gibt es eine Überfülle theologischer Fakultäten mit immer weniger StudenTinnen, aber sehr wenig religionssoziologische Forschung. Dies ist, nur nebenbei, ein deutlicher Unterschied etwa zu Frankreich oder den Niederlanden. Über die Zukunftsperspektiven der Evangelische Kirche, des Islam, der jüdischen Gemeinden in Berlin sollen andere forschen, spannend ist auch dieses Thema.<br />
Wir bieten hier einige nüchterne, aber auch ernüchternde Daten und Fakten, sie sind unersetzlich zum Verstehen unseres Hinweises und alles andere als „langweilig“.</p>
<p>3.<br />
Unser knapper Hinweis um Thema ist von allgemeinem Interesse: Wie eine Kirche, die sich gern „Global Player“ nennt, in dieser multikulturellen europäischen Metropole in einem säkularisierten Europa lebt bzw. überlebt, ist bedeutsam für die ganze Gesellschaft. Verschwindet langsam die katholische Kirche, denkt sie selbst &#8211; uninspiriert und theologisch armselig &#8211; nur an Abbauen, Schließen, Abreißen, Schrumpfen usw… verschwindet eine Dimension europäischer Kultur.<br />
Tatsache ist: Die katholische Kirche in Berlin schrumpft vor sich hin, hat keine kreative Energie mehr für die eigene Zukunft, legt aber gleichzeitig noch allen Wert auf teure repräsentative Neu-Bauten (St. Hedwig-Kathedrale, Bernhard Lichtenberg Haus ) in Mitte, „Unter den Linden“. <em>Über das zunehmende finanzielle Vermögen der katholischen Kirche in Berlin siehe den ausführlichen Bericht von Roberto Jurkschat in RBB24:<a href="https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2025/09/berlin-erzbistum-kirchensteuer-katholische-kirche-berlin-kirchenfinanzen.html"> LINK</a></em></p>
<p>4.<br />
Globale humane Perspektiven für Berlin und ihre BewohnerInnen sind eher für die Caritas von Bedeutung. Die Caritas ist am wenigsten Klerus &#8211; bestimmt, dort arbeiten &#8211; Gott sei dank -Menschen verschiedener Spiritualitäten.<br />
Die Kirchenleitung und die von ihr abhängigen Laien-Gremien konzentrieren sich hingegen auf das innerkirchliche Leben. Unter dem Stichwort „Wo Glauben Raum gewinnt“ wird administrativ die Zukunft des Erzbistums gestaltet, also das Schrumpfen und langsame Verschwinden praktiziert: Viele kleine Pfarrgemeinden mit ihren Kirchen und Gemeindehäusern wurden amtlich bereits aufgelöst und in größere Verbände, „Großpfarreien“ genannt, überführt. Insgesamt soll es im ganzen Erzbistum noch 36 Großpfarreien geben.</p>
<p>5.<br />
Der wichtige Grund dafür: Es gibt nicht ausreichend Priester. Würden nicht polnische, indische, ghanaische, nigerianische, spanische, lateinamerikanische Priester usw. als „Gastarbeiter“ den weithin alt gewordenen „deutschstämmigen“ Klerus in Berlin ersetzen, wäre es mit der Klerus- Kirche vorbei. Aber diese genannten klerikalen „Gastarbeiter“ sorgen dafür, dass das Gesetz nach wie vor gilt: „Nur der Klerus kann Gemeinden leiten: Gibt es keinen Klerus, gibt es keine Gemeinden.“ Dies ist das oberste Prinzip überall in der Kirche, durchgesetzt vom Vatikan, vom Papst. Es geht tatsächlich um den Machterhalt der Klerus auf Kosten des Gemeindelebens. Diese Entwicklung nimmt der Klerus in Kauf. Aber man weiß: Eines Tages werden auch die „Gastarbeiter &#8211; Priester“ aus aller Welt nicht mehr nach Berlin strömen, weil sie selbst in ihren Heimatländern dringend gebraucht werden. Wenn in zwanzig Jahren auch die Gastarbeiter &#8211; Priester ausfallen, dann fällt alles aus, weil die Kirchenführung es nicht geschafft hat, Frauen und Männer zu befähigen, Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen, selbstverständlich, dass sie dann auch Eucharistie feiern…Aber das ist die gute und richtige Utopie, die der Klerus gar nicht hoch schätzt… Utopien sind für ihn gefährlich, auch wenn die Utopie von der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Gläubigen spricht…</p>
<p>6.<br />
In Berlin lebten im Jahre 2025 258.000 KatholikInnen als zahlende Mitglieder der Kirche. Im Jahr 2022 waren es noch 281.000.<br />
Aus der Kirche sind im Stadtgebiet Berlin beispielsweise zwischen 2018 und 2025 insgesamt 52.270 KatholikInnen ausgetreten. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Stadt Berlin, nicht auf Brandenburg und Vorpommern, Gebiete, die ebenfalls zum Erzbistum „gehören“.<br />
Im Jahr 2025 nahmen -laut Zählung durch die Kirche &#8211; von den 258.00 KatholikInnen in Berlin etwa 31.000 an der Sonntagsmesse teil. Wie viele von ihnen jeden Sonntag teilnehmen, wird nicht berichtet. Nebenbei: Befragungen in Frankreich differenzieren: „Teilnahme an der Messe regelmässig“, oder nur „einmal im Monat“ usw. Auch wurde in der Berliner Statistik nicht berichtet: Wie viele TeilnehmerInnen der Messe in Berlin etwa aus Polen oder den spanisch sprechenden Ländern usw. stammen. Auch vom Altersdurchschnitt der TeilnehmerInnen ist keine Rede.<br />
Wenn also nur noch 31.000 KatholikInnen durch ihre Teilnahme an der Messe ein stärkeres religiöses Interesse haben, dann überrascht doch die relative finanzielle Stabilität dieses Erzbistums Berlin: Über 171 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen konnte das Erzbistum Berlin im Jahr 2025 verfügen. Eine erstaunliche Summe trotz der vielen tausend Kirchenaustritte.</p>
<p>7.<br />
Abgesehen davon, dass die allermeisten katholischen (wie die evangelischen Kirchen sowieso) während der Woche außerhalb der seltenen Wochentags-Gottesdienste geschlossen sind: Die äußere Sichtbarkeit dieser Kirche im „Stadtbild“ verschwindet. Die als überflüssig oder als einsturzgefährdet eingeschätzten Kirchen und Gemeindehäuser stehen dann lange Zeit leer, werden irgendwann verkauft oder dann profaniert oder auch abgerissen. Alte Menschen, oft noch die einzigen, die ein sehr lebhaftes Interesse an den katholischen Messen haben, müssen weite Wege zurücklegen, um ihre „Sonntagspflicht“ zu erfüllen…Und die Gemeindehäuser, die noch bestehen, sind während der Woche &#8211; über die Sekretärinnen dort &#8211; nur ein paar Stunden geöffnet…</p>
<p>8.<br />
Aktuelle Beispiele für Schließungen, Verkäufe, Abrisse:<br />
Die Kirche St. Albertus Magnus am Kurfürstendamm, im Stadtteil Halensee, wurde 2025 entwidmet, seitdem steht sie leer und verfällt.<br />
Die Kirche im “Katharinenstift“ in der Greifswalder Str. in der Nähe des Alexander-Platzes wurde im Februar 2026 profaniert.<br />
Die Kirche und das Kloster der polnischen Kamillianer &#8211; Priester St. Kamillus in Charlottenburg wurde 2026 aufgelöst; das Gebäude soll verkauft werden, weil die offenbar bettelarmen polnischen Kamillianer Geld für die Pflege ihrer alten Ordensmitglieder brauchen. Bis jetzt (August 2026) steht dieser Gebäudekomplex am Klausener Platz leer… es gab einige ergebnislose Proteste der betroffenen Gemeindemitglieder.<br />
Von vielen weiteren Beispielen wäre zu reden, etwa vom Abriss der schönen Kirche St. Raphael in Berlin &#8211; Gatow an der Havel schon im Jahr 2005 unter der Herrschaft von Kardinal Sterzinsky. Dort gab es heftigen, aber bei der Allmacht des Klerus erfolglosen Protest gegen diesen sinnlosen Verkauf und Abriss…<br />
Vom Abriss der Kirche St. Johannes Capristran in Tempelhof nach der Profanierung im Jahr 2004 müsste gesprochen werden … inclusive der merkwürdigen Verkaufs-Details..<br />
Im Osten Berlins, in Biesdorf, wurde die Herz Jesu Kirche 2013 entwidmet und verkauft.<br />
In Moabit wurde die St.Laurentius Kirche 2007 an eine evangelikale Kirche verpachtet…<br />
In Lichtenrade wurde im Jahr 2008 die Kirche „Zu den heiligen Märtyrern von Afrika“ im Jahr 2008 aufgegeben.<br />
Viele spirituell Interessierte haben heftig bedauert den Verkauf des katholischen Meditations &#8211; Zentrums, „Exerzitien-Haus“ genannt, in Berlin &#8211; Kladow, an der Havel gelegen. Dies geschah unter der Herrschaft von Erzbischof Georg Sterzinsky:<br />
Dieser beliebte Ort der Stille und Meditation für die gestreßten BerlinerInnen lag nach dem Verkauf (der finanzielle Gewinn fürs Bistum wurde nie publiziert) Jahre lang ungenutzt brach, die Gebäude wurden 2013 schließlich abgerissen. Heute gibt es noch ein kleines, gut besuchtes Exerzitienhaus des Karmeliter-Ordens in Birkenwerder bei Berlin.</p>
<p>9.<br />
Die vielen Verkäufe von Kirchen und Gemeindehäusern in Berlin sollen die Bistumskasse füllen, also auch die beträchtlichen Gehälter der Priester und Prälaten garantieren. Das ist das Ziel. Ein katholischer Erz-Bischof in Berlin erhält die Besoldungsgruppe B 10, also mindestens das Grundgehalt, das sind ca. 16.530 Euro brutto pro Monat….<br />
Ältere Priester, so um die 50, erreichen die Besoldungsgruppe A 14, also etwa 6.000 Euro im Monat. Netto bleiben dann mindestens 4.000 Euro monatlich für diesen allein lebenden „Junggesellen“. Es ist nicht bekannt, dass diese bestens bezahlten Herren der Kirche etwa 10 Prozent ihres Gehaltes spenden etwa für eine Stiftung armer Familien oder für Flüchtlinge oder für die Opfer von rassistischer Gewalt in Berlin. Das wäre eine kleine, bescheidene Perspektive der Kirche für Berlin und BerlinerINnen…</p>
<p>10.<br />
Von den aufgegeben katholischen Kirchen im Land Brandenburg nennen wir hier nur: Die katholischen Kirchen in Buckow, Friesack, Großbeeren, Hohen Neuendorf, Seelow, Stahnsdorf usw… Dort gab es von Gemeindemitgliedern Widerstand gegen diese Entwicklung, aber er war &#8211; wie immer &#8211; vergeblich.<br />
Theologisch wichtiger: Es wurden auch keine Alternativen von der katholischen Kirchenführung vorgeschlagen: Etwa: Den wenigen Katholiken in diesen Orten, Dörfern, Städtchen, die Teilnahme an den evangelischen Sonntags-Gottesdiensten zu empfehlen. Das wäre eine Entscheidung, die endlich mal das so selten erlebte Prädikat „theologisch &#8211; kreativ“ verdient, eine bahnbrechende Entscheidung der viel besprochenen, aber nie faktisch gelebten Ökumene.<br />
Aber nein, Kreativität, Mut zum Neuen, gibt es nicht im Rahmen des theologischen Stillstands und klerikalen Prinzips: Gemäß dem offiziellen katholischen Projekt „Wo der Glaube Raum gewinnt“ wächst das Gebiet katholischer Pfarreien im Land Brandenburg manchmal ins Monströse: Etwa: Die katholische Großpartei Stralsund im Erzbistum Berlin: Diese Pfarrei mit ca. 6.400 Mitgliedern umfasst jetzt große Teile Vorpommerns, etwa Demmin und Barth, ebenfalls die Hansestadt Stralsund sowie die gesamte Insel Rügen. Die Gesamtfläche dieser Pfarrei beträgt 3.200 Quadratkilometer, diese Pfarrei ist also etwas größer als das Saarland und etwas kleiner als die Insel Mallorca. Fünf Priester müssen durch dieses Land reisen, um in den verbliebenen Kirchengebäuden der kleine Städte für die wenigen Messbesucher die Messen zu lesen.<br />
Wie schon gesagt: Kein Bischof, kein Theologe, kein Pfarrer kommt auch nur auf den Gedanken, den Katholiken in den Dörfern und Städtchen zu empfehlen: Nehmt bitte an den evangelischen Sonntagsgottesdiensten teil… (Zu Stralsunds „Groß-Pfarrei“ siehe etwa: <a href="https://katholisch.de/artikel/24363-so-leben-die-glaeubigen-in-deutschlands-flaechengroesster-pfarrei">LINK</a></p>
<p>11.<br />
Die genannten Abrisse, Leerstände der Kirchen und Gemeindehäuser in Berlin stehen in Kontrast zu den Ausgaben der Katholischen Kirchenführung, die sie für das (neben der St. Hedwigskathedrale gelegene) Prestige &#8211; Objekt „Bernhard Lichtenberg-Haus“ einsetzt. Die aktuelle Prognose der Kosten: 33,8 Millionen Euro, bei der Planung im Jahr 2017 waren 17 Millionen Euro veranschlagt. Über den 44 Millionen Euro teuern Umbau der St.Hedwigs-Kathedrale haben wir berichtet, etwa am 2.11.2024: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19099_hedwigskathedrale-neu-eroeffnet-jetzt-noch-schoener_berlin-katholisch-erinnerungen-fakten">LINK</a></p>
<p>12.<br />
In den Analysen der Finanzsituation der katholischen Kirche in Berlin wird oft vergessen, dass der Bodenbesitz des Erz &#8211; Bistum Berlin beträchtlich ist: „Der kirchliche Bodenbesitz der katholischen Kirche in Berlin beläuft sich auf rund 1206 Hektar, was etwa 1,3 Prozent der Stadtfläche ausmacht.“ LINK: Quelle: Tagesspiegel: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/wie-viel-berlin-gehoert-der-kirche/.</p>
<p>Siehe auch zur Vertiefung:<a href="ttps://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/unchristliche-immobilien-geschaefte-wie-die-katholische-kirche-mit-grundstuecken-geschaefte-macht/"> LINK</a> https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/unchristliche-immobilien-geschaefte-wie-die-katholische-kirche-mit-grundstuecken-geschaefte-macht/</p>
<p>13.<br />
In einer Kirche, für die Abbau oder Abbruch sozusagen normal, wenn nicht sogar üblich geworden ist, bleibt es überhaupt nicht verwunderlich, dass angesichts der vielen neuen Berliner Stadtviertel, etwa im Umfeld des Hauptbahnhofs, offenbar kein Gedanke auftaucht: In den neuen Stadtvierteln einen (ökumenischen) Raum der Stille, etwa eine bescheidene Ladenkirche, eine Krypta oder ähnliches zu mieten: Also „Orte des Zwecklosen“, der Ruhe, der Einkehr, des Dialogs, der Begegnung, der Transzendenz zu schaffen.<br />
Hier wollen wir nur auf den sehr lesenswerten, erstaunlich kritischen Beitrag des katholischen Theologen und Kunsthistorikers Konstantin Manthey, Berlin, hinweisen. Er spricht von „Schockstarre“ und von der Obsession der „Besitzstandswahrung“ als Leitidee dieser Berliner Kirche: Manthey schreibt: Es werden in Berlin keine neuen Kirchen oder wenigstens kleine Gemeindezentren gebaut in Berlins 23 (!) neuen Stadtquartieren mit vielen tausend Bewohnern: „Nirgendwo ist dort bisher ein kirchlicher Ort vorgesehen, ein christlicher Raum für Zusammensein und ähnliches…“ (S. 127). Siehe das Buch:„Leben statt Leere“, Hg. Klaus &#8211; Martin Bresgott u.a. vom Kulturbüro der EKD.<br />
In solchen Projekten könnte sich Ökumene endlich mal realisieren und sicher auch inter-religiöse Zusammenarbeit mit Juden und Moslems und warum nicht auch mit Buddhisten? Das sehr teure und auch architektonisch anspruchsvolle Projekt „Haus of One“ in Berlin kann hier nur erwähnt werden: Es soll ein Gotteshaus (mit getrennten Gebetsräumen!) werden, in dem wenigstens unter einem Dach ein ganz bißchen gemeinsam evangelische Christen sich versammeln sowie Mitglieder einer progressiven Gruppe des Islam und einer progressiven Gruppe im Judentum… Ob man das „House of One“ mutig im Sinne einer größeren Ökumene nennen kann, wage ich zu bezweifeln…</p>
<p>14.<br />
Aber theologischer Mut hat Berliner Katholiken und die Bischöfe dort nie ausgezeichnet. Davon hat schon der große Kritiker der Berliner Kirche in den zwanziger Jahren des 20 Jahrhunderts, Dr. Carl. Sonnenschein, gesprochen: Er urteilte über den Berliner Katholizismus des 20. Jahrhunderts: „Der Berliner Katholizismus ist verdammt kleinstädtisch“. Siehe den Beitrag über Carl Sonnenschein von Christian Modehn vom 31. 1. 1979: <a href="http://www.orientierung.ch/pdf/1979/JG%2043_HEFT%2002_DATUM%2019790131.PDF">LINK</a>:<br />
Die unmittelbar nach der Wende als Ort des Dialogs großzügig errichtete „Katholische Akademie“ in Berlin-Mitte ist angesichts ihres Angebotes seit einigen Jahren eine Nischen &#8211; Institution in der Stadtgesellschaft. Mit den in Berlin sehr zahlreichen, zum Tiel bedeutenden „weltlichen“ kulturellen Institutionen, Theater, Verlagen, Forschungszentren usw. besteht offensichtlich keine Vernetzung. Katholische Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller gibt es in Berlin ohnehin nicht. Auch das „Zentralinstitut für Katholische Theologie“ an der Humboldt &#8211; Universität mit 60 Studentinnen und sechs ProfessorInnen spielt in Berlin keine öffentlich spürbare Rolle.<br />
Nebenbei: Warum ist es in Deutschland immer noch nicht möglich eine gemeinsame christliche, theologisch &#8211; kritische Fakultät zu errichten?<br />
Auch das Forschungsinstitut einiger progressiver Dominikaner-Theologen, das „Institut Chenu“ im Stadtteil Prenzlauer Berg, hat keine für die kulturellen Debatten Berlins öffentlich wahrnehmbare Relevanz. Die kulturelle Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“ (Auflage 6.000 Exemplare) der Jesuiten hat in Berlin ihre bescheidene Redaktion. Ihr gelingt es nicht, eigene theologische, kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, übrigens fast eine Selbstverständlichkeit für christlich inspirierte oder katholische Kulturzeitschriften etwa in Frankreich, etwa Esprit oder Etudes.<br />
Auch das noch: Alle 14 Tage erscheint in Berlin, an den Kiosken gar nicht wahrnehmbar, eine katholische Wochenzeitung, Bistumsblatt genannt, mit dem nur der Tradition verpflichteten Titel „Tag des Herrn“, 7.000 Exemplare sollen in Berlin im Abonnement noch verkauft werden:Das Blatt bedient alle Bistümer m Osten Deutschlands.</p>
<p>15.<br />
Und auch das noch zum „intellektuellen katholischen in Berlin“: Es gibt im Ost &#8211; Berliner Stadtteil Biesdorf ein Priesterseminar der weltweiten neokatechumenalen Gemeinschaft. Diese klerikale Ausbildungsstätte stellt auch dem Erzbistum Berlin seit Jahren einige junge Priestern zur Verfügung, sie stammen aus aller Welt, aus Polen, Mexiko, Spanien, Dominikanische Republik usw…<br />
Die Priester, dem Geist des Neokatechumenates absolut verpflichtet, bringen ihn im Seminar eingetrichterten sehr konservativen Geist in die Gemeinden.</p>
<p>16.<br />
Die Katholische Kirche in Berlin und in ganz Deutschland wird zweifellos wegen der gleichbleibend hohen Austritte aus der Kirche eine Minderheit. Die viel besprochenen Erwachsenentaufen sind von der Anzahl her bewertet ein marginales Phänomen. Also: Über den Weg der Kirche in Berlin und in vielen anderen Metropolen Europas wird diskutiert. Und fast immer werden seit Jahren die gleichen Gründe für diese Entwicklung genannt: Säkularisierung, Verlust der Transzendenz-Erfahrung, Ende der Metaphysik, Individualismus, Streß im Alltag, Frustration über den Zustand der Welt und so weiter. Auch der sexuelle Missbrauch durch Priester hat viele Gläubige aus der Kirche getrieben, Katholiken also, die Priester allen Ernstes für „Hochwürden“ hielten und auch so anredeten und die noch lernten, Bischöfe seien „Exzellenzen“ oder gar als Kardinäle „Eminenzen“. Jetzt werden etwa in Essen Denkmäler abgerissen, einst errichtet zu Ehren Kardinal Franz Hengsbach, dem Opus Dei sehr affin und theologisch reaktionär in seinem Kamogf gegen die Befreiungstheologie als Chef des Hilfswerks „Adveniat&#8220;…. und…das Vertuschen sexuellen Missbrauchs durch Priester. Zum sexuellen Missbrauch durch Priester im Erzbistum Berlin siehe einen Beitrag aus dem Jahr 2023. <a href="https://katholisch.de/artikel/45851-betroffene-schildern-erstmals-details-zu-berliner-missbrauchsfaellen">LINK</a> https://katholisch.de/artikel/45851-betroffene-schildern-erstmals-details-zu-berliner-missbrauchsfaellen<br />
Auch der Tagesspiegel hat 2023 über heftigen sexuellen Missbrauch durch den Pfarrer der Gemeinde St. Ludwig in Wilmersdorf., Benno Fahlbusch, berichtet: <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/in-neukolln-und-wilmersdorf-priester-und-ordensschwestern-sollen-berliner-kinder-zu-sexuellen-handlungen-gezwungen-haben-9702752.html">LINK</a> https://www.tagesspiegel.de/berlin/in-neukolln-und-wilmersdorf-priester-und-ordensschwestern-sollen-berliner-kinder-zu-sexuellen-handlungen-gezwungen-haben-9702752.html. Siehe auch den Bericht von Thomas Klatt im Deutschlandfunk 2021!: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/erste-missbrauchsstudie-des-erzbistums-berlin-viel-leid-100.html">LINK</a></p>
<p>17.<br />
Ein entscheidender Grund fürs anhaltende Schrumpfen und damit langsame Verschwinden der katholische Kirche ist auch das sture Festhalten an den Dogmen und Kirchengesetzen und Kirchengeboten; auch an Glaubensbekenntnissen, die in den Messen gesprochen, gesungen werden, deren Formeln und Floskeln aus dem 5. Jahrhundert niemand versteht. Dogmen dürfen dem sturen Gesetz der katholischen Kirche entsprechend nicht korrigiert, geschweige denn aufgehoben werden, selbst wenn sie im 4. Jahrhundert unter völlig anderen Kulturellen Bedingungen formuliert wurden. Das verstörende Erbsündendogma des heiligen Augustinus wird heute von kritischen und noch objektiv denkenden TheologInnen eindeutig abgewiesen, die Kirche hält stur an diesem Erbsündenwahn fest…</p>
<p>18.<br />
So steht sich die katholische Kirche &#8211; nicht nur in Berlin &#8211; selbst im Wege. Sie wird &#8211; klerus-fixiert &#8211; keine Möglichkeit realisieren, den Weg ins Getto zu beenden. Es ist also auch die dogmatisch fixierte klerikale Welt, die die Menschen aus den Kirche treibt. Die Kirche und ihre Lehre wird zu einer fernen Welt der fernen Mythen und kaum nachvollziehbaren Geschichten, zum Ort, wo noch infantil, wenn nicht abergläubisch anmutende Kirchenliedern aus Zeiten der frühen Kindheit gesungen werden, von denen man sich bestenfalls noch am Heiligabend im Gottesdienst verführen lässt.</p>
<p>19.<br />
Damit sind wir beim Ausgangspunkt unseres Hinweises: Diese Kirche hat den Geist der Utopie verraten, er gehört absolut zentral zur Botschaft Jesu! Die Kirche, zumal ihre Führung, hat vergessen, dass sie nicht für sich selbst, schon gar zur Stärke und Macht des Klerus, geschaffen ist, sondern… Ja, warum denn? Um die Utopie des Reiches Gottes als praktische Leitlinie ihres Handels zu gestalten. Und was ist der Inhalt der Utopie des Reiches Gottes? Friede, Gerechtigkeit, wesentliche Gleichheit aller Menschen, Brüderlichkeit: Christen sind also FreundInnen der humanen Utopie: Jesus fordert von den Menschen um der Menschlichkeit willen eine Umkehr der bisherigen Machtverhältnisse … im Umgang der Menschen untereinander, zumal in den Kreisen der Frommen, also der Kirche.</p>
<p>20.<br />
Die katholische Kirche in Berlin hat &#8211; wie jede Kirche &#8211; , „das Beste der Stadt“ zu suchen und zu fördern. Das ist der Respekt vor der Utopie des Reiches Gottes… Also: Die Kirche muss sich konstruktiv in konkreten Projekten für eine gerechte Wohn/Miet-Politik einsetzen, sie sollte leerstehende Kirchen und Gemeindehäuser nur dann verkaufen, wenn Wohnungen entstehen… Es fehlt hier die Bereitschaft und auch intellektuelle Kapazität, regelmäßige Gespräche mit Menschen zu gestalten, die sich Atheisten oder Ungläubige nennen. Und wann haben von antisemitischer Gewalt bedrohte jüdische Theologen in katholischen Kirchen über ihre Lebensbedingungen, ihren Glauben, gepredigt: Auch spirituelle Gespräche mit Muslims finden nicht in den katholischen Gemeinden statt.</p>
<p>21.<br />
Die katholische Theologin Prof. Martha Zechmeister (El Salvador) sagte kürzlich auf den Salzburger Hochschulwochen: „Eine Theologie, die überall und zu jeder Zeit dasselbe wiederholt, bleibt wirklichkeitsleer und vermag Gott nicht zur Sprache zu bringen“. Eine treffende Aussage, auch gültig für die katholische Kirche in Berlin. <a href="https://www.salzburger-hochschulwochen.at/aktuelles/417/theologischer-preis-2026-an-martha-zechmeister-verliehen">LINK</a>:</p>
<p>Erst wenn Kreativität und Mut, „nicht immer dasselbe sagen“, kirchliches Überleben bestimmen, hat Kirche eine Chance, hilfreich zu sein für die Menschen.</p>
<p>22.<br />
Immerhin: Erzbischof Heiner Koch von Berlin machte in einem Interview am 3. 9. 2026 eine bemerkenswert mutige Aussage zum Umgang mit AfD Wählern innerhalb der katholischen Gemeinden:<br />
Frage: Muss Kirche das Risiko eingehen, dass sich AfD-Wähler innerhalb der Gemeinde abwenden?<br />
Koch: Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen. Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen. Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich! Es geht um Themen, die für uns als Christen nicht verhandelbar sind, wesentlich um die unveräußerliche Menschenwürde eines jeden Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Begabung oder Geschlecht. Man kann dann unterschiedlicher Meinung sein, welche Maßnahmen konkret politisch zu ergreifen sind und welche nicht. Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar. <a href="https://katholisch.de/artikel/70159-erzbischof-koch-kirche-muss-risiko-eingehen-afd-waehler-zu-verlieren">LINK</a></p>
<p>23.<br />
Immerhin: Menschenrechte und Menschenwürde sind auch beim Erstarken der rechtsextremen Partei AfD für einen katholischen Bischof &#8211; und damit für Katholiken insgesamt &#8211; nicht verhandelbar. Man wird Erzbischof Koch mit dieser Aussage hoffentlich noch oft zitieren.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.<br />
Über Christian Modehn siehe: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/stichwort/christian-modehn-ist-gruender-des-religionsphilosophischen-salon">LINK</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>FUßNOTE:</p>
<p>Der  &#8222;Aufruf&#8220; der Kirchenführungen Berlins, publiziert als Pressemitteilung am 15.9.2026:</p>
<p><em> Gemeinsamer Aufruf der Kirchen zu den Berliner Wahlen am 20. September 2026</em><br />
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,<br />
am 20. September 2026 können wir durch die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen mitbestimmen, wie die Zukunft für die Menschen in unserer Stadt gestaltet wird.<br />
Demokratie ist eine große Errungenschaft, die durch die Kraft vieler Menschen erreicht wurde. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, für sie einzustehen, wenn sie in Gefahr gerät. Demokratie bedeutet Auseinandersetzung in Sachfragen mit Respekt und Achtung voreinander, Demut vor der auf Zeit verliehenen Macht sowie Gewaltenteilung. Sie lebt von Kompromissen und der Fähigkeit, andere Meinungen auszuhalten.<br />
Wir treten für eine freie, weltoffene, vielfältige und demokratische Gesellschaft ein. Nur diese garantiert, dass wir in unserer Unterschiedlichkeit in Freiheit und in Frieden miteinander leben können. Die Stärke einer demokratischen Gesellschaft bemisst sich auch daran, dass sie Schwache und Minderheiten schützt.<br />
Bei allem Ringen um eine bessere Lösung in Sachfragen muss im Mittelpunkt immer der Mensch stehen: Menschenwürde, Menschenrechte und Religionsfreiheit sind unverzichtbar für alle Menschen. Genau das macht Berlin aus: Die Vielfalt der Menschen in dieser Stadt. Menschen, die unterschiedlich denken, glauben, leben, lieben und ihr Leben gestalten. Wir glauben, dass Gott jedem Menschen die Menschenwürde verliehen hat. Sie gilt unverbrüchlich und kann niemandem genommen werden.<br />
Gemeinsam rufen wir dazu auf: Unterstützen Sie diejenigen politischen Kräfte, die Zusammenhalt fördern, statt Menschengruppen gegeneinander auszuspielen. Geben Sie jenen Ihre Stimme, die sich uneingeschränkt zur Würde jedes und jeder Einzelnen bekennen und danach handeln. Prüfen Sie, ob und wie der Schutz von Minderheiten und Schutzbedürftigen garantiert wird.<br />
Insbesondere richten wir diesen Apell auch an die jungen Menschen, die in diesem Jahr erstmals ab 16 Jahren wahlberechtigt sind. Gestalten Sie Ihre eigene Zukunft mit!<br />
Wir, das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, suchen stets der Stadt Bestes und stehen gemeinsam ein für die Würde aller Mitmenschen und für eine friedliches Zusammenleben.<br />
„Ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“, heißt es in der Bibel. Das wünschen wir uns für unsere Stadt Berlin. Wir rufen Sie auf, unsere demokratische Gesellschaft mit Ihrer Stimme stark zu machen!</p>
<p>Im September 2026</p>
<p>Dr. Karlies Abmeier                                                    Harald Geywitz<br />
Vorsitzende des Diözesanrats                                    Präses der Landessynode der EKBO</p>
<p>Dr. Heiner Koch                                                          Dr. Christian Stäblein<br />
Erzbischof von Berlin                                                 Bischof der EKBO<br />
&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22656_wer-hat-zukunftsperspektiven-fuer-berlin-etwa-die-katholischen-kirche_aktuelles">Berlin: Hat die katholische Kirche etwa noch eine Zukunftsperspektiven ?</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 16:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika, USA]]></category>
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		<category><![CDATA[Arnd Henze Buch "Mit Gott gegen die Demokratie"]]></category>
		<category><![CDATA[fundamentalistische Christen aus der evangelikalen Szene in den USA]]></category>
		<category><![CDATA[fundamentalistsiche Christen zerstören die Demokratie in den USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arnd Henze, Journalist und USA - Spzialist, legt ein wichtiges aktuelles Buch vor:"Mit Gott gegen die Demokratie". Er zeigt, wie nationalistische reaktionäre Christen zu den engsten Mitarbeitern und Förderern Trumps gehören. Es sind die "white evangelical Christians".  Diese Leute verachten die Menschenrechte, die Demokratie, die Schwachen, Armen, Ausländer usw. Henze meint zurecht: Der Demokratie geht es gut, wenn die Religionen und auch die Kirchen das politische Leben NICHT mitbestimmen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22311_kirchen-und-religionen-sollten-nicht-die-demokratie-bestimmen-auch-nicht-in-den-usa_religionskritik">Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Mit Gott gegen die Demokratie“ &#8211; Das neue wichtige Buch von Arnd Henze über die USA<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6. 2026</p>
<p>1.<br />
Der 4. Juli 2026 ist der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Ein ganz großer Feiertag, hoffentlich dort auch ein Gedenk-Tag. Der 4. Juli ist für die Trump &#8211; Regierung und seine nationalistische MAGA-Bewegung von höchster Bedeutung. Sie werden den <em>tiefgreifenden Umbruch</em> in der Geschichte der USA feiern, also die neue antidemokratische „Ordnung“, die sie in den Jahren der Trump Herrschaft durchgesetzt haben. Seinen Sieg verdanken Trump und die Seinen vor allem auch den extrem wütenden „white evangelikal Christians“. „Sie lieben Trump nicht trotz, sondern wegen seiner tiefen Verachtung für alle Grenzen des Rechts und des Anstands“, schreibt Arnd Henze in seinem wichtigen Buch (S.10).</p>
<p>2.<br />
Es ist also nicht nur naheliegend, sondern geboten, die für Europäer kaum vorstellbar große Bedeutung des Christentums in den USA heute zur Kenntnis zu nehmen, auch die kaum zu überblickende Vielfalt der Konfessionen dort &#8211; oder der Vereine, die sich Kirchen nennen. Auch wenn die Zahl der Konfessionslosen und Atheisten sogar in den USA stetig steigt, 2026 nennen sich etwa 29 Prozent der US-Bürger „Konfessionslos“ („Nones“): Die nationalistischen Politiker brauchen auch heute den sich christlich nennenden religiösen Fundamentalismus als ideologisches Schmiermittel für ihre menschenverachtenden Politik. <em>Nur mit ihrem diffusen und jeglicher Rationalität entbehrenden christlich genannten Glauben können sie den Nebel erzeugen, den sie für ihre menschenverachtende Innen &#8211; wie Außen &#8211; und Kriegs-Politik benötigen.</em></p>
<p>3.<br />
<em>Man achte darauf, dass Präsident Trump als oberster Chef der viel gerühmten US-Demokratie von Friedensforschern heute als ein neuer Warlord, als „Kriegsherren“, eingereiht wird</em> in die lange Liste ähnlicher Machthaber, wie Putin, Netanyahu und viele Herrscher im Nahen Osten oder in Afrika. Das entsprechende „Friedensgutachten“ der Friedensforscher wurde im Juni 2026 veröffentlicht, pünktlich als wissenschaftliche Einschätzung des Krieges von Netanjahu und Trump gegen den Iran, ein Krieg, der minimale Erfolge für die USA und Israel „gebracht“ hat. Diese werden aber von Trump in seinem Größenwahn als Siege verkündet, bloß weil das Benzin wieder billiger ist. Warlords sind kriegerische Herrscher, sie inszenieren ihre Kriege, wie es ihnen gerade nach Laune in den Kram passt, um es drastisch zu sagen. Der menschliche Schaden ihrer zudem noch schlecht vorbereiteten Kriege ist ihnen egal. Warlords wie Trump sind die Zerstörer der internationalen Ordnung, ein Kommentar: .<a href="https://www.fr.de/politik/putin-trump-und-netanjahu-verhalten-sich-wie-warlords-94341847.html">LINK</a> &#8230;  Der Text der Friedensforscher: <a href="https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-8360-8/friedensgutachten-2026/">LINK </a><br />
Dieser Warlord, US &#8211; Präsident Donald Trump, wird, wie gesagt, von evangelikalen und anderen rechtsextremen Christen wie ein Heilsbringer verehrt.</p>
<p>4.<br />
Das Buch von Arnd Henze <em>„Mit Gott gegen die Demokratie“</em> zeigt nicht etwa nur ein begrenztes religionskritisches oder theologiewissenschaftliches Problem, es bewegt nicht nur Fachleute: Der Untertitel heißt: „Warum der christliche Nationalismus alle angeht“. Erschienen ist das Buch im Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage auch im Jahr 2026.<br />
Zur Ermunterung: Das Buch ist sehr gut geschrieben, sehr gut zugänglich, es hat 218 Seiten und kostet nur 20 Euro.</p>
<p>5.<br />
Arnd Henze ist ein herausragender Kenner der Kirchen in den USA, seit vielen Jahren recherchiert er regelmäßig in den Vereinigten Staaten, er ist Journalist beim WDR. Ihm liegt auch als protestantischen Theologen daran, die Welt der vielen evangelikalen Kirchen n den USA verständlich zu machen, aber er lädt die Leserinnen auch ein wahrzunehmen, dass immer noch der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Konfessionen in den USA aktiv sind &#8211; auch im Widerstand gegen das Trump -Regime.<br />
Wie meinen auch nach der Lektüre des Buches: Das Christentum ist in den USA so tief gespalten, dass die Idee einer christlichen Einheit aller Kirchen wie eine absolut ferne Utopie erscheinen muss. Diese Einheit könnte nur entstehen, wenn die Evangelikalen und ihre Netzwerke zur theologischen Vernunft kommen UND ihre reaktionäre nationalistische, und das ist immer auch egoistische Präferenz zugunsten der Menschenrechte aufgeben. <em>Es ist bei den „white evangelikal Christians“ diese Verklammerung von reaktionär &#8211; fundamentalistisch christlich mit reaktionär &#8211; nationalistisch politisch</em>, die wenig Hoffnung macht auf eine Wiederkehr der Demokratie in den USA. Dass auch etwa 60 Prozent der „white catholics“ für Trump gestimmt haben, betont Arnd Henze, aber viele von ihnen sind wohl durch ihre Bindung an die Autorität des Papstes in ihrer totalen Hingabe an Trump und CO. gebremst…</p>
<p>6.<br />
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel „Die Zeit der Rache“ wird der christlich nationalistische Glaube einiger führender Mitarbeiter im unmittelbaren Umfeld von Trump analysiert. Im 2. Kapitel wird die auch für Deutschland heute wichtige Frage gestellt „Wiederholt sich die Geschichte?“, werden also die Rechtsradikalen schon wieder siegen? Und dann das genauso wichtige dritte Kapitel: „Wie sich Demokratie retten lässt“. Da kann Arnd Henze einen gewissen Optimismus nicht verbergen, wenn denn die Midterms &#8211; Wahlen im November 2026 einen großen Aufschwung und Sieg der Demokraten bringen und der Widerstand der kritischen und demokratisch gesinnten Gemeinden nicht nachlässt… (Siehe <a href="https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html">LINK</a> https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html)</p>
<p>7.<br />
Wir können hier nicht die ausführlichen Analysen des Buches zusammenfassen. Als Inspiration zugunsten einer ausführlichen Buch &#8211; Lektüre nennen wir nur einige unserer Erkenntnisse im Werk Arnd Henzes.<br />
Im ganzen gilt: Wie ideologisch leer und erbärmlich würden diese engsten Mitarbeiter Trumps dastehen, etwa Pete Hegseth, Stephen Miller, Russel Vought: Wenn es die Bibel nicht gäbe, dieses von ihnen ideologisch mißbrauchte Buch, das in sich nur in historisch-kritischer Lektüre erschließt, von den christlichen Trump &#8211; Ergebenen aber nur als Fundgrube für einige Zitate benutzt wird, die ihre menschenverachtende Politik verzieren.</p>
<p>8.<br />
„Wir stehen auf der Seite Gottes“, sagt Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. Und zu seinen Feinden, den demokratisch Engagierten sagt er: „Ihr seid nichts. Ihr seid Bosheit. Ihr seid Hass… Wir werden die Kräfte der Finsternis und des Bösen besiegen..“ (S. 47). Stephen Miller ist allerdings kein Christ, wie alle engen Mitarbeiter in Trumps unmittelbaren Regime, er gehört zur jüdischen Gemeinschaft. Arnd Henze nennt ihn treffend. „Technokrat des Ausnahmezustandes“ (S. 43).<br />
<em>Dem Kapitel über den Verteidigungsminister Pete Hegeseth gibt Henze den treffenden Titel „ Der Posterboy des Christian Warriors“, des „Christlichen Kriegers.</em></p>
<p>9.<br />
Für Peter Thiel, dem Tech &#8211; Milliardär und Investor im Silicon Valley sowie dem Mitbegründer des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, ist kein eigenes Kapitel gewidmet. Thiel wird allerdings im Kapitel über J.D.Vance erwähnt. Freiheit und Demokratie sind für Thiel nicht kompatibel. Der Milliardär unterstützte Trump mit Millionen, für Vance spendierte der Milliardär 15 MIllionen im Wahlkampf 2022. Thiel ist auch bekannt geworden wegen seiner heftigen apokalyptischen Fantasien zu einer bevorstehenden „End-Zeit“, die durch das Auftreten des Anti &#8211; Christen bestimmt sein wird, wenn nicht Widerstand geleistet wird. In Trump sieht Thiel den entscheidenden Kämpfer gegen den Antichristen…Denn er kann die Tech-Konzerne als Organisationen des Widerstandes gegen den Antichristenn „von allen regulatorischen Hürden befreien“ (S. 54), also die Monopol &#8211; Stellung der Tech &#8211; Konzerne definitiv durchsetzen.<br />
<em>Peter Thiel und Vizepräsident J.D. Vance kennen sich seit etlichen Jahren.</em> Die entscheidende Begegnung fand 2011 statt. Thiel wurde der „berufliche, religiöse und politischer Mentor“ von Vance, betont Henze (S. 53). Vance entwickelte eine „bedingungslose Loyalität zum Tech -Milliardär“(ebd.) .<br />
Konkurrenz in der Wirtschaft lehnt Thiel ab: „Nur Monopole seien erfolgreich“(S. 54), d.h. sie bringen den gewünschten großen Gewinn fürs eigene Konto.<br />
Zur Glaubenshaltung des zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten J.D. Vance schreibt Henze: J.D. Vance glaubt an einen „Identitäten Katholizismus“. Seltsamerweise lebt er aber mit seiner Ehefrau eine gar nicht so katholisch-identitäre Ehe: Denn Usha Chilukuri Vance ist überzeugte Hinduistin… Immerhin: Die Kinder sind katholisch getauft, die klassische päpstliche Forderung in Mischehen wird also befolgt!</p>
<p><em>Ende Juni 2026 hat Vance sein neues Buch vorgelegt</em> mit dem Titel „Communion &#8211; Finding my way back to faith“ (Harper, New York). Eine Art Bekenntnisbuch, ein klein bißchen auch selbstkritisch, es erzählt von seiner Konversion, aber „man sollte das Buch weniger als Auseinandersetzung mit dem Katholizismus lesen“ statt dessen mehr als ein moralisch gefärbtes Bewerbungsschreiben um das Amt des Präsidenten verstehen, bewertet Christiane Lutz in einer ausführlichen Rezension in der Süddeutschen Zeitung (20./21. Juni 2026, S. 19) das Opus von 304 Seiten. Aber eins steht nach wie vor fest für Vance: „Das Fehlen christlicher Werte ist einer der Gründe, warum es mit der westlichen Welt bergab geht“ (Christiane Lutz). Er sorgt ja mit Trump und Seinen für diese „Werte“…<br />
Aus aktuellem Anlass nebenbei: Es gibt offensichtlich eine Verbindung des CDU Politikers Jens Spahn mit dem privaten Netzwerk von Peter Thiel siehe: Tagesspiegel, 18.Juni 2026, <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/privates-netzwerk-von-peter-thiel-jens-spahn-ist-wieder-zum-treffen-eingeladen-15724994.html">LINK</a>.</p>
<p>10.<br />
Im Kapitel über Trump ist wichtig: <em>Mit Trump geschieht die „finale Absage an den demokratischen Rechtsstaat“</em> (S.162). ..„In all dem sehe ich wesentliche Merkmale eines autoritären und faschistischen Staates“ (ebd.) . Wichtig ist: Trump und seine nationalistischen engen Mitarbeiter glauben an das „wirkungsmächtige Narrativ der religiösen rechten, dem Seven Mountains Mandat“ (S. 13). Das heißt: Die Leute meinen, in sieben Bereichen („Mountains“, Bergen) müsse das Christentum herrschen: In der Religion, der Familie, der Bildung, der Regierung, in den Medien, der Wirtschaft und in Kunst und Kultur. (S. 13) Also: In allen Bereichen sollen die Grundsätze des Christentums (so, wie es de Nationalisten verstehen) herrschen. Christus soll als der „oberste König“ über dem Staat stehen: „Ein solches totalitäres Gesellschaftsbild kann nur in einer Diktatur verwirklicht werden…dahinter steht der Ruf nach einer Theokratie als Herrschaftsinstrumentarium des 21. Jahrhunderts“ (S. 13).</p>
<p>11.<br />
Arnd Henze erinnert daran, dass der international geschätzte Historiker Timothy Snyder schon 2017 einen neuen, durchaus originellen wie treffenden Begriff für das Trump -Regime wählte, der das ganze Verstörende dieser Herrschaft &#8211; besonders in den <em>Innenpolitik &#8211; gültig und treffend zusammenfasst: Es ist der Begriff „Sadopopulismus“.</em> Das heißt: Der rechtsextreme Populismus im Trump Regime und der MAGA Bewegung ist sadistisch bestimmt: Also: Diese regierenden Herren wollen mit ihrer Politik bewusst und gezielt die Schwachen quälen: Arme, Ausländer, Eingewanderte, Farbige, die weite Gemeinschaft der Queers usw. und auch die Millionen Armen in der sogenannten Dritten Welt, die auf Befehl Trumps keine Hilfe mehr von USAID erhalten und so bewusst von Trump und den Seinen in den Hungertod geschickt werden.<br />
Die von Trump und Co. inszenierte sadistische Qual bedeutet für die Menschen in den USA: Das Regime will die genannten Armen weiter tief unten halten im Elend, am liebsten viele aus den USA mit brutaler Gewalt (siehe die Untaten der Grenzschutzbehörde ICE) rausschmeißen. Und statt de facto wird aller Reichtum für die bisher schon Reichen, die Millionäre und Milliardäre, durch eine „Steuerpolitik“ vermehrt.</p>
<p>12.<br />
Der Begriff Sadopopulismus hat &#8211; dem Tool folgend &#8211; eine perverse Nuance: Denn dieser Sadismus setzt eine Hierarchie von Grausamkeiten gegenüber den vielen Armen voraus: „Die eigenen Schmerzen werden erträglich, weil man anderen zusehen kann, die es viel heftiger trifft. Die Regierung lässt dich zwar (ökonomisch) leiden, etwa die schlecht bezahlten Arbeiter, also möchtest du sadistisch, dass andere noch mehr leiden als du“ (S. 155). Diese gezielt eingesetzten, abgestuften Leidenserfahrungen in der Gesellschaft der USA führen „zur Zerstörung jeder Vorstellung von Gesellschaft als einem sozialen Raum, und in dem es um eine bessere Zukunft für uns alle geht“ (ebd.)</p>
<p>13.<br />
<em>Einige unserer FRAGEN</em>, angestoßen durch das Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“:<br />
Wie verhalten sich evangelikale Kreise in der EKD, wie evangelikale, selbständige Kirchen in der BRD, etwa die Baptisten, zu ihren nationalistischen rechtsextremen „Mitchristen“ in den USA? Welche Distanzierungen als öffentliche Stellungnahmen liegen da schon vor?</p>
<p>Warum gibt es offenbar <em>wenig Solidarität</em> der protestantischen Gemeinden etwa in Deutschland mit den Trump &#8211; widerstehenden KirchenGemeinden und Organisationen (etwa die unterreligiöse Gruppe „Poor People´s Campaign“) in den USA?</p>
<p>Wie wird die richtige Erkenntnis von Arnd Henze in kirchlichen und theologischen Kreisen in Deutschland aufgenommen: „Religionen, auch die Kirchen, tun der Förderung und für den Bestand der Demokratien NICHT gut“? Wie äußert sich Hartmut Rosa zu dieser richtigen Erkenntnis von Arnd Henze, die er ja nicht allein vertritt, siehe etwa Horst Dreier, Prof. u.a. für Rechtsphilosophie, in seinem Buch: „Staat ohne Gott“ (2018). Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat ja dafür plädiert, dass Demokratie zum eigenen Bestand die Kirchen braucht. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15381_demokratie-braucht-religion-behauptet-hartmut-rosa_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a><br />
In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2026, Seite 16, hingegen betont Henze: „<em>Es fehlt jede empirische Evidenz dafür, dass Religion mit ihrem inhärenten Absolutheits &#8211; und Machtanspruch einer Demokratie guttut.“</em></p>
<p>Wie können demokratische Politiker in Europa, in Deutschland, den Umgang mit Trump und seinen engsten Mitarbeitern überhaupt ertragen, wenn sie wissen, was Arnd Henze ausführlich beweist: Eigentlich sind diese Trump &#8211; Leute erklärte Feinde der universell geltenden Menschenrechte? Sie sind, wie Henze treffend schreibt, „ohne moralische Maßstäbe“ (S. 161). Werden totale Selbstverleugnung und Schmeichelei gegenüber den angeblich allmächtigen Herrschern im Trump Regime zu Voraussetzungen für Menschen, die in den Demokratien Europas noch als Politiker handeln wollen? Sollten nicht auch demokratische Politiker wie Propheten der Demokratie zu Trump sagen, das was Bischöfin Mariann Edgar Budde direkt zu Trump in der „Washington National Cathedral „am 21.1.2025 betonte: „Haben Sie Erbarmen, Mr. President“ (S. 178).</p>
<p>Arnd Henze weist in seinem Buch ausführlich auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1945 von den Nazis ermordet) hin, der &#8211; nach allen Mahnungen und Warnungen gegenüber einem Unrechtsregime &#8211; die Möglichkeit empfiehlt, <em>diesem Unrechtsregime, so wörtlich, „in die Speichen zu greifen“</em>, also diese Herrschaft zum Stehen &#8211; und damit vielleicht zum Verschwinden &#8211; zu bringen?</p>
<p>Was bedeutet diese kluge Erkenntnis Dietrich Bonhoeffers auch für Europa, auch für Deutschland, wenn Rechtsextreme immer deutlicher die Macht übernehmen wollen oder Politiker der rechten, sich christlich nennenden Parteien die Forderungen der Rechtsradikalen &#8211; etwa hinsichtlich der Flüchtlingspolitik &#8211; übernehmen, und mit dieser nachweislich erfolglosen Strategie keine Stimme etwa der AfD in die eigene Partei CDU/CSU ziehen.</p>
<p>Es wird oft &#8211; zumal in Deutschland &#8211; darüber diskutiert, ob man das Trump Regime faschistisch nennen darf oder nennen sollte. Arnd Henze argumentiert in der Frage differenziert.<br />
Auch die Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ für die entstehenden Massenunterbringungen von Guantanamo Bay bis Alligator Alcatraz muss neu überdacht werden und die KZs in Nazi &#8211; Deutschland haben nicht „die Ehre“ einzigartig zu sein“, auch darauf weist Henze hin und erinnert an die zehn USA „Relocation Center&#8220; für Japaner im 2. Weltkrieg oder an die Lager in den afrikanischen Kolonien der Europäer usw…</p>
<p><em>Eine interessante Parallele: In den USA fordern und fördern die rechtsextremen evangelikalen Kreise die von ihnen geleiteten Privatschulen sowie auch den Unterricht zuhaus</em>e bei den eigenenEltern, „außerhalb staatlicher Strukuen und Kontrolle“ (S. 76). Auch mit den Millionen &#8211; Spenden &#8211; Einnahmen der evangelikalen Mega-Churches ist es gelungen, „ein Parallelimperium christlich &#8211; nationalistischer Bildungseinrichtungen zu schaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden &#8211; eine weiße `Untergrundarmee christlicher Krieger`, wie es der heutige Verteidigungs- (und Kriegs-) Minister Pete Hegseth martialisch auf den Punkt bringt“: (Arnd Henze in „Publik -Forum, Nr. 11, Juni 2026, S. 14).<br />
Die AfD in Sachsen &#8211; Anhalt fordert auch die Stärkung des Unterrichts der Kinder durch die Eltern (Mütter) zu Hause… Die AfD behauptet, öffentliche Schulen verhindern die optimale Leistungsfähigkeit. In den öffentlichen Schulen würden vor allem den Kindern “fragwürdige Lebensansichten&#8220; vermittelt. Eine Position, die sich mit den Evangelikalen und Rechtsradikalen in den USA deckt. Die AfD übernimmt bereits inhaltlich Ideologien der nationalistisch &#8211; christlichen Trump &#8211; Regierung.</p>
<p><em>Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 2026, 2. Auflage 2026, 224 Seiten, 20 €. Mit QR-Codes wird auf weiterführende audiovisuelle Quellen verwiesen!</em></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de. in Berlin.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22311_kirchen-und-religionen-sollten-nicht-die-demokratie-bestimmen-auch-nicht-in-den-usa_religionskritik">Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<item>
		<title>Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 16:34:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[8. Mai 2026 ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[am 8. Mai ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Augustinerbrauerei beim Papst]]></category>
		<category><![CDATA[die päpstliche Mode Papst Leo XIV.]]></category>
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		<category><![CDATA[Ein Jahr Papst Leo - Kritik!]]></category>
		<category><![CDATA[eine Liste der konservativen Entscheidungen Papst Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[Kardinal Marx und die Augustinerbrauerei]]></category>
		<category><![CDATA[Kritk ein Jahr Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Meier Theologe in Zürich über Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[nach außen kritisch nach Innen konservativ]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo bewirkt in Neapel ein neue Blutwunder]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ein Populist]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo empfängt ls Augustiner die Chef der Augustiner-Brauerei München]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ist kein Kirchen-Refomrer]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ist volkstümlich]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo und die Augustinerbrauerei]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo wird als Führer gewünscht]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. spielt gern die Rolle des Papstes]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Prevost (Leo XIV.) trägt Nike Sneaker]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=22026</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr Papst Leo XIV. am 8.5.2026: Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken. Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch - katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, diese Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald grundlegenden Reformationen (nicht oberflächlichen Reförmchen) zuzuführen:<br />
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung">Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich der Papstwahl am 8. Mai 2025.</p>
<p>Siehe auch eine Ergänzung am 10. Mai 2026: Siehe die Nr.3 dieses Hinweises.</p>
<p>1.<br />
Vor einem Jahr, am 8.Mai 2025, wurde der us-amerikanische Kardinal mit einem peruanischen Pass Robert Prevost aus dem Augustinerorden (OSA) zum Papst gewählt.<br />
Obwohl wir im Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin wissen, dass es sehr viel dringendere Themen gibt für die bedrohte Menschheit heute, als an einen noch relativ frisch im Amt herrschenden Papst zu erinnern: Wir wollen entgegen den meisten offiziellen Trends der Presse und der Kirchenleute, die Papst Leo XIV. als „geistlichen Führer“ oder mutigen Trump &#8211; Kritiker hinstellen, doch dringend darauf aufmerksam machen:</p>
<p>Dieser Papst mag für weltpolitische Fragen, sozusagen nach außen, gewisse Sympathien der Nachdenklichen wecken.</p>
<p>Innenpolitisch, also für die innere Gestalt der römisch &#8211; katholischen Kirche ist dieser Papst ein Konservativer, er ist überhaupt nicht interessiert, mit dieser Kirche, über die er als unfehlbarer Papst herrscht, alsbald eine grundlegende Reformation (und nicht oberflächlichen Reförmchen) zu gestalten.<br />
Die Liste der Forderungen ist lang und seit mindestens 70 Jahren permanent von sehr reflektierten Theologen vorgebracht, das alles zu wiederholen ermüdet total die kritischen Journalisten: Kurzum, mit diesem Papst ist &#8211; bis jetzt &#8211; ein weiterer Stillstand in der Kirche zu erwarten: Hinsichtlich der Anerkennung der versöhnten Verschiedenheit der getrennten Kirchen, hinsichtlich der nun auch von katholischen Bischöfen permanent geforderten Aufhebung des Pflichtzölibates für Priester, hinsichtlich der dringend (!) zu realisierenden Zulassung von Frauen zum DiakonInnen &#8211; und PriesterInnenamt. Nichts tut sich, d.h. nicht tut der Papst, er lächelt die großen Themen freundlich weg…</p>
<p>Auch dieser Papst denkt mehr an das zahlenmäßige Wachstum der Kirche in Afrika als an die noch verbliebenen nachdenklich &#8211; krischen Katholiklen etwa in Europa, die die Moderne und den katholischen Glauben endlich versöhnen wollen. Bei dem Thema wird die Frage dringend: Kann ein einziger Papst von Rom aus die katholische Kirche (1,4 Milliarden Mitglieder) regieren, d.h. beherrschen, oder bräuchte es nicht mehrere &#8222;PatriachInnen&#8220;, jeweils auf allen Kontinenten präsent. Das Ein &#8211; Mann Papsttum würde damit verschwinden&#8230; Aber solche Gedanken werden nicht öffentlich diskutiert! Vielleicht weil die klerikalen Fundamentalisten Im Vatikan und anderswo  denken: Christus hat nur den einen Petrus als Papst berufen&#8230;Also darf es nur einen Papst geben&#8230; so ticken wirklich manche Leute&#8230;</p>
<p>Aber wenn das so weitergeht mit dem Papst &#8211; Regime: Es wird bald niemanden mehr geben, der sich öffentlich noch für eine Reformation (sic) der römischen Kirche heute und jetzt sofort einsetzt. Vernünftige Katholiken haben diese Kirche längst verlassen… Aber es gilt: Katholisch-Sein und Sisyphus &#8211; Sein ist nicht identisch! Denn: Es gibt die Freiheit des Evangeliums des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth&#8230;</p>
<p>Wir haben keine Erwartungen, dass Leo zum Papst der grundlegenden katholischen Reformation wird: Siehe unseren <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21974_ein-jahr-papst-leo-theologisch-konservativ-kein-reformer-stillstand-in-der-roemischen-kirche_befreiung">LINK</a></p>
<p>Von einer bestimmtem Veränderung der Kirche als Institution spricht Leo hingegen am 5. Mai, ein kleines Zeichen der Reform-Bereitschaft? Sicher nicht, denn von einer entscheidenden Veränderung, Reform, der dogmatischen und moralischen Lehren spricht der Papst nicht, es geht ihm um Strukturen&#8230;: <a href="https://katholisch.de/artikel/68454-papst-leo-xiv-kirche-muss-klare-worte-sprechen">LINK </a></p>
<p>Siehe auch den Gastbeitrag des Theologen, Journalisten und Publizisten Michael Meier, Zürich <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22001_papst-leo-xiv-kuender-des-friedens-und-der-rueckstaendigen-moral-von-michael-meierzuerich_aktuelles">LINK</a></p>
<p>2.<br />
Hingegen wird versucht, Papst Leo in einer populistischen Ecke noch beliebter zu machen:<br />
&#8222;Das <em>Modemagazin &#8222;Vogue</em>&#8220; hatte Papst Leo XIV.  zu einer der <em>bestgekleideten Persönlichkeiten des Jahres 2025</em> gewählt. Dabei wurde der &#8222;Bruch mit dem bescheidenen Geschmack seines Vorgängers Papst Franziskus&#8220; betont. Filippo Sorcinelli ( der offen homosexuelle italienische Designer, der unter anderem auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus einkleidete) erklärte dazu (ausgerechnet der populären englischen Daily Mail), Franziskus habe eine &#8222;überraschende Einfachheit, fast schon eine evangeliumsgemäße Provokation&#8220; gewählt. Bei Benedikt XVI. sei es hingegen die Verwurzelung in der Tradition. Doch Leo XIV., so der Designer, verkörpere ein Gleichgewicht zwischen Benedikt und Franziskus.&#8220; Quelle:<a href="https://katholisch.de/artikel/68429-mass-und-ordnung-papst-designer-erklaert-stil-von-leo-xiv"> LINK</a></p>
<p>Auch aufgrund der Liebe Leo XIV. zu den alten, aber durchaus chicen Papstgewändern und den Gemächern in Castel Gandolfo wird man sagen: Leo XIV. ist gern Papst und er genießt auch die äußeren Privilegien des Stellvertreters Christi auf Erden (bitte beachten: Es heißt nicht: Des Stellvertreters Jesu von Nazareth auf Erden&#8230;Denn Christus ist der dogmatisch verkirchlichte Jesus von Nazareth)</p>
<p>3.</p>
<p><em>Ergänzung am 10.5.2026: </em>Papst Leo ist populär (populistisch): Weitere Hinweise am 10.5.2026</p>
<p>A.  <em>Ergänzung am 11.5.2026</em>: Es ist schon hoch erstaunlich (und für die verbliebenen Katholiken eigentlich peinlich), wie sehr ausführlich der offizielle Pressedienst des Papstes auf diese Begegnung von Augustiner-Papst Leo und den Chefs der Augustiner-Brauerei in München eingeht, und dabei die vermittlende Rolle von Kardinal Marx, Mpünchen, lobt! Quelle: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/papst-leo-xiv-audienz-augustiner-braeu-muenchen-interview.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE</p>
<p>Am 10.5.2026: Papst Leo empfängt die Inhaber der Augustiner-Brauerei, München. Der erste Satz der KNA Meldung vom 9.5.2026 heißt: „Vom Augustiner-Biergarten auf den Papstthron“….(Tatsächlich hatte Robert Prevost als General-Prior des Augustinerordens einst den Augustiner-Biergarten in München besucht).<br />
Diese Begegnung von Augustiner-Bräu und Augustiner-Papst bringt sicher viel Werbung, viel Segen, d.h. Gewinn für diese ohnehin beliebte Brauerei in München. Die Konkurrenz wird böse sein: Wann wird denn endlich aus dem Paulaner-Orden jemand Papst, fragt sich die „Paulaner &#8211; Brauerei“, genauso wie Franziskaner &#8211; Brauerei und so weiter.<br />
…<br />
Nebenbei: Diesen Orden Paulaner gibt es wirklich, allerdings ist er viel kleiner als der ebenfalls kleine Augustinerorden: Die Paulaner werden offiziell „Minimi“ genannt, die Geringsten, sie haben heute ca.150 Mitglieder…Sie sind zu ständigem Fasten verpflichtet, dürfen aber Bier trinken!</p>
<p>Papst Leo gab der durchaus dem Volke und der Werbung zugewandte Begegnung mit den Chefs der Augustiner- Brauerei noch eine tiefere Bedeutung: „Ich ermutige euch daher, wenn ihr nach Hause zurückkehrt, weiterhin sowohl beruflich als auch persönlich euren Beitrag zur Förderung eines gerechten und wirksamen Ansatzes für die Bewahrung der Schöpfung im Sinne des Gemeinwohls zu leisten&#8220;, sehr gut hatte sich Leo XIV. Diese hölzerne Rede aufgeschrieben, „bevor er die Audienz-Teilnehmer aus Süddeutschland segnete“, so die katholische Nachrichten Agentur KNA.<br />
Von der Gefahr des Alkoholismus &#8211; auch unter Priestern und Mönchen &#8211; sprach der Papst leider nicht, auch keine Rede davon, die Preise für alkoholfreies Bier billiger zu machen.<br />
Es ist hier wie in den folgenden zwei Beispielen immer diese Masche des Augustiner-Papstes: Zuerst sich populär geben, also den Interessen der Leute sehr nahe kommen, dann aber im zweiten Teil etwas moralisch &#8211; theologische Weisungen ranhängen. Diese Mahnungen treten aber angesichts der populären Ereignisse, Bilder und Floskeln in den Hintergrund. Also: der Populismus überwiegt…   LINK: https://katholisch.de/artikel/68509-augustiner-brauerei-zu-besuch-bei-papst-leo-xiv</p>
<p>B.<br />
Während des Besuches Papst Leos in Neapel geschieht das obskure, durchaus abergläubische Blutwunder des Heiligen Gennaro, diesmal sogar „außerhalb des üblichen Turnus“: Es gibt für dieses Wunder also einen regelmäßigen Turnus, dies passt ja nun gar nicht zur üblichen Wunder-Theologie-Ideologie…</p>
<p>LINK: https://katholisch.de/artikel/68506-waehrend-des-besuchs-von-papst-leo-xiv-blutwunder-in-neapel</p>
<p>C.<br />
Robert Prevost trägt so tolle Speaker von NIKE: So die begeisterte NIKE &#8211; Sneaker Gemeinde jetzt: “Kommentare wie &#8222;Nike wurde jetzt offiziell gesegnet&#8220; oder &#8222;Du kannst den Jungen aus Chicago holen, aber nicht die Nike-Schuhe aus dem Jungen&#8220; verbreiteten sich rasant im Netz“, so KNA…. Nike wird sich freuen und weitere Schuhe in den Apostolischen Papst schicken. Oder um die Segnung der NIKE Schuhe bitten: Solche Sachen, auch Handys, Autos, Tiere werden ja bekanntlich gern vom katholischen Klerus, auch den Bischöfen, gern gesegnet, Homosexuelle oder wiederverheiratet Geschiedene eher nicht so gern, am besten gar nicht, sind ja Sünder. In jedem Fall werden nun alleNIKE &#8211; Sneaker &#8211; Fans bald regelmäßig an der Messe teilnehmen…</p>
<p>Quelle: https://katholisch.de/artikel/68507-papst-leo-xiv-begeistert-ploetzlich-sneakerfans</p>
<p>Bald wird jemand herausfinden, welche Unterwäsche Papst Leo trägt, sicherlich ist es französische. Auf den Namen des Designers sind wir gespannt, doch wohl nicht HOM? Aber anläßlich seiner Pastoralreise im Herbst 2026 nach Frankreich könnte er seine von der Firma zu Werbezwecken geschenkte französische Unterwäsche am besten bei seinem Aufenthalt in Lourdes segnen (heiliges Wasser ist dort). Und dabei den Frauen dankt, die diese Unterwäsche in Bangladesch liebevoll nähen und nur einen Hungerlohn erhalten., leider, leider, …. diese Lieferketten…</p>
<p><em>Wie Papst Leo mit den sexuellen Missbrauchstätern umzugehen gedenkt,</em> hatte er schon 2025 angekündigt: &#8222;Papst Leo XIV. hatte im vergangenen Jahr die Erwartungen gedämpft, dass sich im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsvorwürfen grundlegend etwas ändern werde. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine »eine echte Krise«, bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung, und Beschuldigte sollten entsprechend »geschützt« werden, <a href="https://www.spiegel.de/panorama/papst-leo-will-keine-reform-der-katholischen-kirche-a-a2bf4cae-ca14-425f-9296-d1cd1414c352" data-link-flag="spon">sagte der Papst in einem Interview</a>. Den Opfern müsse die Kirche mit »großem Respekt« und »Verständnis« begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber »nicht zum zentralen Thema der Kirche werden«. Quelle: <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/katholische-kirche-markus-soeder-kritisiert-vatikan-fuer-umgang-mit-missbrauchsskandal-a-191dc428-8b5f-4690-9b4b-997878945e1b">LINK</a>.</p>
<p>D.</p>
<p>Es wird weiter im Vatikan problemlos gesegnet, bei den Homosexuellen ist die Segnung ja höchst umstritten&#8230; : Nun werden auch auch Duschmobile in ROM gesegnet: . <a href="https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-05/duschmobil-sichtbarkeit-landesgrenze-segnung-parolin.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK   </a></p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22026_22026_befreiung">Ein Jahr Papst Leo XIV.: Freundlich-lächelnd, konservativ, ängstlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar</link>
		
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		<pubDate>Tue, 05 May 2026 11:28:48 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Friedrich Wihelm von Herrmann spricht mit dem rechtsextremen Russen Alexander Dugin]]></category>
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		<category><![CDATA[Heidegger Tagung In Meßkirch Mai 2026]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anläßlich des 50. Todestages des POhilosophen Martin Heidegger am 26. Mai 2026 sollte beachtet werden: Die immer wiederkehrende, stereotype „allgemeine“ Einschätzung Heideggers als eines „Philosophen von Weltrang“ wird man  neu bestimmen müssen … und als globale „Ehrenbezeichnung“ wohl beiseite legen: Und das sind die grundlegenden Perspektiven zum 50. Todestag Martin Heideggers: Sein Werk muss weitererforscht werden, es ist aber für die vielen großen Probleme der Gegenwart irrelevant, nicht weiterführend, kurz: nicht hilfreich. Das gilt für die LeserInnen seiner Werke, es sei denn man will In der reflektieren Ablehnung Heideggers auf eigene Gedanken der Kritik kommen…Hinsichtlich der "kulturellen Wende nach rechtsextrem"in Europa heute muss genau beachtet werden, wie sich die Rechtsextremen und ihre Politiker des Werkes Heideggers bedienen. Verführerisch in Richtung rechtsextrem sind zentrale Aspekte des Werkes Heideggers allemal... </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar">Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn anläßlich des Todestages Martin Heideggers am 26. Mai 1976.</p>
<p><strong>ERSTES KAPITEL</strong>:<br />
<em>Der Ausgangspunkt</em>:<br />
Heideggers „noch frühe“ Philosophie (etwa „Sein und und Zeit“ von 1927) , vor allem sein spätes „Denken“ seit Mitte der dreißiger Jahre können keine inspirierende Orientierung bieten zu den großen Problemen unserer Gegenwart. PhilosophInnen leben und denken nicht in esoterischen, weltfernen Zirkeln. Sondern inmitten der Krisen der Welt wollen sie helfen, unsere Gegenwart „auf den Begriff zu bringen“ Und da ist bei Heidegger für die philosophisch Interessierten, die LeserInnen, nichts Weiterführendes, nichts Hilfreiches, zu entdecken: Da kann man sich bestenfalls abarbeiten an der Frage` Wie können wir seine Aussagen ganz anders denken und überwinden?<br />
Es ist schon klar, dass direkte politische Ratschläge von PhilosophInnen nicht zu erwarten sind. Aber bei Heidegger ist die Situation besonders irritierend: Hat er doch eine ausgearbeitete Ethik oder „praktische Philosophie“ nicht denken können und wollen. Aber selbst zwischen den Zeilen seiner dann &#8211; nach der Wende, Kehre seines Denkens in den dreißiger Jahren &#8211; schwer nachvollziehbaren Texte gibt es keine Perspektiven, die als Orientierung zu jetzt aktuellen Problemen zu deuten wären.</p>
<p>Zu den seit Jahrzehnten besprochenen, aber nicht gelösten Umweltkatastrophen, zur globalen Ungerechtigkeit gegenüber den Armen, zum Neoliberalismus, Neokolonialismus, zur Umverteilung des Reichtums der Milliardäre, zum Neofaschismus in allen Ländern Europas, zur Krise der Demokratie, Verachtung der Menschenrechte weltweit… und so weiter hat Heidegger nichts gesagt und heute nichts zu sagen. Wer auch nur ansatzweise die Philosophie und das Denken Heideggers kennt, muss das erkennen! Es sei denn, man zieht noch einzelne Sätze, einzelne Aspekte, aus seinem Werk heraus, etwa zu seiner Technik &#8211; Kritik oder zur „Verfallenheit“ der Menschen an das „Man“. Aber wer etwa Hölderlin oder Nietzsche als solche verstehen will, braucht nicht Heideggers absonderliche Interpretationen; wer die Geschichte der Metaphysik verstehen will, muss sich nicht auf die totale Ablehnung der (klassischen) Metaphysik durch Heidegger einlassen und nur noch die Vorsokratiker hochschätzen.</p>
<p><em>Ergänzung am 22.5.2026:</em> In dem Zusammenhang muss an Karl Jaspers erinnert werden, er äußerte sich zur <em>gesellschaftliche Relevanz der Philosophie Heideggers: &#8222;Die großen Fragen nicht berühren:</em> Geschlechtlichkeit, Freundschaft, Ehe, &#8211; Lebenspraxis &#8211; Beruf &#8211; Staat, Politik, &#8211; Erziehung usw.“ So Karl Jaspers über Martin Heidegger, in der Nr. 249 seiner Notizen, in: Karl Jaspers, „Notizen zu Martin Heidegger“, hg. von Hans Saner, Oktober 2013, Seite 381, notiert zwischen 1961 und 1964.  Weiteres zu Karl Jaspers: siehe Fußnote 1.</p>
<p>Es muss von Anfang an deutlich sein: Heideggers umfangreiches Werk liegt nun zwar vor, aber lediglich als so genannte „Gesamtausgabe“. Sie kann den Anspruch einer für wissenschaftliche Forschung übliche kritische Werkausgabe nicht erfüllen. Deswegen werden sich selbstverständlich Philosophen, Politologen, Historiker und vor allem auch Psychologen wegen seines extremen egozentrischen „Sendungsbewusstseins“ weiter Heidegger wissenschaftlich &#8211; kritisch befassen müssen. So wie es ja auch selbstverständlich ist, eine kritische wissenschaftliche Forschung zu Ernst Jünger, Carl Schmitt, Arnold Gehlen oder Céline und vielen anderen zu leisten, die sich wie Heidegger in einem rechtsextremen Denken verirrten. Der Philosoph Hans Jörg Sandkühler hat in seinem Beitrag „Kaum einer, der sich nicht angepasst hätte“ über in Deutschland verbliebenen deutschen Philosophen in der Nazi-Zeit geschrieben: Fast alle waren, wenn nicht überzeugte Nazis, so doch Mitläufer und Sympathisanten. Dieser wichtige Beitrag zeigt die Verführbarkeit der Philosophen durch rechtsextremes, antisemitisches Denken, siehe unten den Literaturhinweis.<br />
Die immer wiederkehrende, stereotype „allgemeine“ Einschätzung Heideggers als eines „Philosophen von Weltrang“ wird man also neu bestimmen müssen … und als globale „Ehrenbezeichnung“ wohl beiseite legen: <em>Das sind die grundlegenden Perspektiven zum 50. Todestag Martin Heideggers. Sein Werk muss weitererforscht werden, es ist aber für die Probleme der Gegenwart irrelevant, nicht weiterführend, kurz: nicht hilfreich. Das gilt für die LeserInnen seiner Werke, es sei denn man will In der reflektieren Ablehnung Heideggers auf eigene Gedanken der Kritik kommen…</em></p>
<p>Diese hier nur skizzierte Erkenntnis ist schmerzlich für die vielen „alten“, also ehemaligen Heidegger &#8211; Fans, Schüler Heideggers , die einen großen Teil ihrer Lebenszeit mit dem Entziffern, Hin &#8211; und Her-Wenden, dem Durchkauen und Nachbeten von Heidegger Texten verbracht haben. Sie fragen sich: Wohin hat uns unser Heidegger &#8211; Studium geführt? Ist unsere Existenz, unser Dasein, durch seine Ausführungen heller, klarer, lebendiger geworden?<br />
Im zweiten Kapitel unseres Hinweises &#8211; aus aktuellem Anlass &#8211; einige zentrale Erkenntnisse zu Leben und Werk Martin Heideggers, wieder in gebotener Kürze und in nachvollziehbarer, nicht im esoterischem Jargon des späten Heidegger. Es wird also auf elementare Erkenntnisse zu Leben und Werk Heidegger hingewiesen, so wird deutlicher, was in unseren Thesen des ersten Teils aufgezeigt wurde. Die Hinweise des Zweiten Kapitels sind bei dem umfangreichen Werk selbstverständlich kleine, fragmentarische Essays. Sie können die weitere Auseinandersetzung für „Nicht &#8211; Fach &#8211; Philosophen“ fördern. Aber: Wer darf sich schon „Fachphilosoph“ nennen, wenn man nur an die allgemeine Verführbarkeit der allermeisten in Deutschland verbliebenen Philosophen durch die Nazi &#8211; Ideologie denkt? Karl Jaspers gehört sicher zu den wenigen Aufrechten in dieser Zeit…</p>
<p><strong>ZWEITES KAPITEL</strong>:</p>
<p>1.<br />
<em>Zur Gesamtausgabe</em>:<br />
Zur sogenannten „Gesamtausgabe“ muss beachtet werden: „Es existiert kein unabhängiges wissenschaftliches Herausgeber-Gremium, sondern es ist die Familie Heideggers, die die Herausgeber bestimmt, als ersten den letzten persönlichen Assistenten Heideggers Friedrich Wilhelm von Herrmann, der dann zum &#8218;leitenden Herausgeber&#8216; aufstieg.“ Quelle: Anton M. Fischer: Späte Götterdämmerung. In: Marion Heinz, Sidonie Kellerer (Hrsg.): Martin Heideggers ‚Schwarze Hefte‘, Berlin 2016, S. 416–439. hier: S. 423.<br />
Der us-amerikanische Philosoph und Heidegger &#8211; Spezialist Richard Wolin betont, „dass die Hüter von Heideggers Nachlass ebenso wie die Editoren systematisch pro-nazistische und antisemitische Äußerungen aus den veröffentlichten Versionen von Heideggers Texten getilgt haben. Was die oft vorgebrachte Behauptung, es handele sich um eine Ausgabe ‚letzter Hand‘, Lügen straft“. Solange es keine Kritische Ausgabe von Heideggers Werken gebe, habe man keine Gewissheit über das, was Heidegger seinerzeit geschrieben hat, betont Richard Wolin. Quelle: Richard Wolin: Heideggers „Schwarze Hefte“: Nationalsozialismus, Weltjudentum und Seinsgeschichte. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (Heft 3-2015). de Gruyter, München. Wolin hat kürzlich das grundlegende Buch veröffentlicht: „Heidegger in Ruins: Between Philosophy and Ideology“ (2022).<br />
Der Journalist Eggert Blum erklärt vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der „Schwarzen Hefte“, warum „Heideggers Judenfeindschaft“ nicht schon früher in der Gesamtausgabe sichtbar geworden sei. Blum erhebt den Vorwurf, dass Heideggers Erben über viele Jahre antisemitische Spuren „mit Eifer verwischt“ hätten, beispielsweise im Band 69 der Gesamtausgabe „Geschichte des Seyns“ den Satz mit der „Vorbestimmung der Judenschaft für das planetarische Verbrechertum“, den der junge Herausgeber Peter Trawny 1998 auf Geheiß von Friedrich-Wilhelm von Herrmann eliminiert hatte. Quelle. Eggert Blum, Schwarze Hefte, geschönte Werke, „SWR2“, 12. November 2014.</p>
<p>2. <em>Zu den „Schwarzen Heften</em>. …..<br />
Die in weiten Kreisen übliche Qualifizierung Heideggers als eines Denkers von Weltrang wurde definitiv erschüttert durch die Veröffentlichung der so genannten „Schwarzen Hefte“. Es handelt sich dabei im Original um 33 schwarze Wachstuch-Hefte, die Heidegger als seine „Denk-Tage-Bücher“ verwahrte und deren Veröffentlichung er erst post mortem gestattete. Im dritten Band dieser Hefte, im März 2014 publiziert, zeigt sich Heidegger mit antisemitischen Äußerungen und seiner Verbundenheit mit der Nazi &#8211; Ideologie. „Mit der Veröffentlichung von Heideggers „Schwarzen Heften“ im Jahr 2014 wurde deutlich, dass er eine weitaus radikalere Vision der `konservativen Revolution` vertrat, als zuvor vermutet. Wie sich herausstellt, bestand seine Unzufriedenheit mit dem Nationalsozialismus hauptsächlich darin, dass dieser nicht weit genug ging. Die Hefte zeigen, dass Heideggers Philosophie keineswegs vom Nationalsozialismus getrennt war, sondern vielmehr von ihm durchdrungen war,“ so Richard Wolin in „Heidegger in Ruins: Between Philosophy and Ideology“ 2023. In diesen persönlichen Notizen der „Schwarzen Hefte“ behauptet Heidegger, das Judentum zeichne sich durch „rechnendes Denken“ aus, zudem sei das Weltjudentum Schuld am 2.Weltkrieg.<br />
Dabei hatten kritische Heidegger Forscher schon viele Jahre zuvor Heideggers Bindung an die Ideologie des Nationalsozialismus herausgearbeitet, etwa Studien über „Philosophie und Politik bei Heidegger“ von Otto Pöggeler (1972) oder schon 1965 Alexander Schwan. Der Philosoph und Politologe Prof. Alexander Schwan betonte erneut in seinem Beitrag in dem Band „Heidegger und die praktische Philosophie“ (1989): „Heidegger bietet nichts, was zur Überwindung des Nationalsozialismus beitragen könnte.“ (S. 100). Zudem hat Heidegger, so Alexander Schwan, „das Auftreten von Rassengedanken und Rassenzüchtung als seinsgeschichtliche Notwendigkeit anerkannt.“ (ebd.) Heidegger wird also nun deutlich gesehen als politisch gebundener rechtsextremer Philosoph, der nicht nur die Demokratie verachtete und das Führer-Prinzip fördern wollte, sondern dessen „schablonenhaften Analysen zum gegenwärtigen Zeitalter und zu den politischen Vorgängen gänzlich unzureichend sind. Sie sind darüber hinaus in ihrer Apodiktik gefährlich… Das damit von Heidegger eingeschlagene philosophische Vorgehen ist unzumutbar und inakzeptabel.“ Quelle: Alexander Schwan, „Heidegger und die praktische Philosophie“, Suhrkamp, 1989, S. 105). Und der US-amerikanische Historiker und Philosoph Richard Wolin zeigt, „dass Heideggers gesamter vernunftkritischer Ansatz und seine verstörenden antisemitischen Bekundungen eng verknüpft sind“.<br />
In seiner großen Heidegger Biografie schreibt der Philosophie-Historiker Guillaume Payen : „Heideggers Volk bestand aus einheitlichem Blut , das die Juden ausschloss“ (S. 602). Und: „Seine Überzeugung ist, dass Deutschlands Heil Adolf Hitler heißt, das stand vor Januar 1933 für ihn fest“, schreibt der Philosoph Jean-Paul Bled, in Payen, S. 11.<br />
Zu dem Buch „Martin Heideggers Schwarze Hefte“ (hg. von Marion Heinz und Sidonie Kellerer, Suhrkamp 2016), schreibt Sabine Hollewedde zusammenfassend: „Bis in postmoderne Positionen hinein zieht sich das Erbe der Heideggerschen Subjekt- und Vernunftkritik sein ‚fatalistischer Kern‘, der den Menschen jede Fähigkeit zur Emanzipation abspricht und gar noch fordert, sie mögen sich in das (Seins-)Geschick fügen. Dass ein solches Denken nicht bloß Affinität zu einem faschistischen Politikverständnis besitzt, sondern diesem seinem Kern nach entspricht, macht die Lektüre der Beiträge dieses Bandes deutlich.“ (zit. in https://www.socialnet.de/rezensionen/21684.php)<br />
Direkt zum Antisemitismus Heideggers in den „Schwarzen“ Heften“, oft schwer genau zu entschlüsseln, hat der Jurist Alfred J.Noll in seiner Heidegger &#8211; Kritik Einges Wesentliche gesagt, er fasst Äußerungen Heidegger in den Schwarzen Heften, veröffentlicht in der „Gesamtausgabe&#8220; Band 96, zusammen: “Die Juden sind unfähig, und sie sind unwert &#8211; und sie werden, können und sollen in Hinkunft keine Bedeutung mehr haben“ (S. 188 in Noll). In Band 97 der „Gesamtausgabe heißt es: „ Die modernen Systeme der totalen Diktatur entstammen dem jüdisch-christlichen Monotheismus“ (S. 1189 in Noll).</p>
<p>3. <em>Die Briefe an seinen Bruder Fritz</em><br />
Auch in den Briefen Martin Heideggers an seinen Bruder Fritz aus den Jahren 1930 bis 1949 wird die Verbundenheit Martin Heideggers mit der Nazi-Ideologie und dem Antisemitismus deutlich. Oft spricht der Philosoph von der Sorge um seine „Kisten“ (also eigene Bücher- und Manuskript-Kisten), die doch bitte schön irgendwo gut versteckt und vergraben werden sollen – angesichts der Bombardements. Von den verfolgten und vernichteten Juden ist hingegen an keiner Stelle des Briefwechsels die Rede. Mitfühlende Äußerungen wurden von den Herausgebern gewiss nicht weggelassen. Denn solche Worte hätten ja wenigstens ansatzweise einen menschlichen, für die Juden und die anderen Verfolgten des Nazi-Regime mitfühlenden Heidegger gezeigt. Das war er aber nicht! Briefe sind enthüllender als Buchpublikationen eines Autors.<br />
Es wird in den Briefen auch die maßlose, durchaus in Lächerliche gehende Selbsteinschätzung Martin Heideggers dokumentiert. So schreibt er am 10. Mai 1944, er müsse „hinauf“ in die Hütte von Todtnauberg. Denn er „spüre, dass das Seyn ihm etwas zu sagen habe“: „Ich fühle das Erwachen eines Denkens, dem ich mich jetzt einfach hinhalte, umweht von einem weither kommenden Atem der Geschichte des Seyns…“ Tausende Menschen sterben, Soldaten erfrieren, Juden werden systematisch umgebracht, und Heidegger „hält sich dem Seyn hin“ und fühlt sich „umweht“…. Dann folgt die maßlose Überhöhung seiner eigenen Rolle: „Zumal ist dies: Dass durch einen einzigen Menschen das Geheimnis spricht und in mir die Kühnheit des Denkens dem entgegenkommt und es befreien darf ins klare Wort“ (S. 101). Heidegger maßt sich eine geradezu prophetische Rolle an: „Durch einen einzigen Menschen spricht das Geheimnis“, also das göttliche Geheimnis? Heidegger sieht sich als diesen „einzigen Menschen“, durch ihn wird förmlich die Erlösung vermittelt, durch die ihm gewährte Gnade der Seyns-Hörigkeit.<br />
Einige zentrale Sätze aus den „Briefen“ Martin Heidegger an seinen Bruder Fritz in Meßkirch:<br />
Am 18. Dezember 1931: „Es sieht so aus, als ob Deutschland erwacht und sein Schicksal begreift und erfasst. Ich wünsche sehr, dass du dich mit dem Hitlerbuch („Mein Kampf“) auseinandersetzt. Dass dieser Mensch einen außergewöhnlichen und sicheren politischen Instinkt hat… das darf kein Einsichtiger bestreiten. Es geht nicht um kleine Parteipolitik mehr, sondern um Rettung oder Untergang Europas und der abendländischen Kultur. Wer das auch jetzt nicht begreift, der ist wert, im Chaos zerrieben zu werden.“ (S. 21, 22)<br />
Am 27.Juli 1933, S. 29:<br />
„Ich nehme an, dass du nicht zu den Brüning Bewunderern (Brüning war Politiker der katholischen Zentrumspartei, CM) gehörst und das Zentrum den Weibern und den Juden als Zufluchtsstätte überlässt.“(S. 29). Der tiefsitzende Hass Heideggers auf alles Katholische kommt da erneut zum Ausdruck, CM.<br />
Im Brief vom 3. 4. 1933 spricht Heidegger von der „internationalen jüdischen Hochfinanz.“<br />
Am 12.2. 1945: „Vermutlich ist jetzt trotz des Elends wenig Schmerz in der Welt“.<br />
Am 23. Juli 1945, nach Kriegsende und dem Beginn der Überprüfungen der Nazi-Täter:: „ Alles ist übel und schlimmer als zur Nazizeit. (S 127).<br />
Am 23. Juli 1945: „Hier (zu Hause, In Freiburg) ist es wenig schön, wir müssen KZ-Leute in die Wohnung nehmen… (bei den „KZ-Leuten“ handelt es sich wohl nicht um KZ Aufseher, sondern um überlebende Juden, dieses irritierende Wort „KZ &#8211; Leute wird in den langen Kommentaren zu den Briefen von den Herausgebern, dem Rabbiner Walter Homolka und dem Enkel Arnulf Heidegger, nicht kommentiert!), S. 126.<br />
Am 31. Juli 1945: „Der Gesinnungsterror der (von Nazis nun etwas befreiten Fakultät) wird noch stärker als in der Zeit des Nationalsozialismus.“ (S.129).</p>
<p>4.<em> Biografische Hinweise</em><br />
Es darf nicht vergessen werden, dass Martin Heidegger als Kandidat fürs Priesteramt von 1909 bis 1911 katholische Theologie in Freiburg studierte, aus „gesundheitlichen Gründen“ dann dieses Studium aufgab zugunsten von Philosophie, Geschichte und Mathematik. (Vgl. Johannes Schaber, in Heidegger und die christliche Tradition, S.93. ). Am 30.9. 1909 war Heidegger sogar in das Noviziat der Jesuiten in Tipis bei Feldkirch eingetreten, wurde er aber schon am 13.10. 1909 wegen „schwacher physischer Konstitution“ entlassen. Daraufhin entschied er sich fürs Priesteramt in der Diözese Freiburg, dieses Projekt gab es 1911 auf, weil ihn Philosophie sehr viel mehr interessierte. (Quelle: Heidegger Handbuch, hg. Dieter Thomä, 2003, S. 517).<br />
Kein biografischer Hinweis darf die Charakterstruktur Heideggers außer Acht lassen: Heidegger wollte schon als junger Philosoph ein ganz Besonderer sein, als eine Ausnahmegestalt gelten, spätestens seit „Sein und Zeit“ bis zum Tod und darüber hinaus durch die von ihm als posthum verfügten Schriften. Nur wer diesen exzessiven Drang zum Außergewöhnlichen bei Heidegger wahrnimmt, mit einer ganz besonderen Sendung ausgestattet und damit zur Führung berufen, kann verstehen, dass Heidegger so viele Leute tatsächlich über so viele Jahre auch seit 1950 etwa als eine Art Führergestalt faszinieren konnte. Heidegger als früheres Mitglied der Nazi-Partei passte seit den 1950 Jahren genau in eine bürgerliche politische Kultur der Bundesrepublik (und Frankreichs), die schon wieder einen weisen Führer verlangte, der zwar für die meisten Hörer und Leser viel Unverständliches-Esoterisches sagte und schrieb, der sich aber als ein hochbegabter philosophischer „Führer“ selbst von persönlicher Schuld in der Nazi &#8211; Herrschaft freisprach und damit anderen Mitläufern und Partei-Mitgliedern auch die Möglichkeit eines guten Gewissens bot: Denn Heidegger lehrte: Auch die Täter und Mitläufer der Nazi-Zeit folgten einer Art Schicksal, von ihm vornehm „Schickung“ genannt, dem bzw. der sie nicht entkommen, geschweige denn Widerstand leisten konnten. Heidegger hatte keine Scheu, sich als gehorsamer Hirte des Seins bzw. Seyns zu verstehen, der nur den Winken des Seins, Seyns, hörend und gehorsam folgen musste. „Oft danke ich dem Seyn, dass es mir Triebe zum Namenlosen des unscheinbaren Denkens zugeboren und durch Herkunft und Erziehungsgang festgegründet hat.“ , (Brief an Fritz, vom 21.2. 1946, S. 134).</p>
<p>5 <em> Jugend und katholische Studentenzeit</em><br />
Die sehr umfangreiche, sehr gründliche und um Objektivität bemühte Studie des französischen Historiker Guillaume Payen, in Frankreich unter dem Titel „ Martin Heidegger. Catholicisme, Révolution, Nazisme“ im Jahr 2016 veröffentlicht, in Deutschland erst 2022 publiziert unter dem allgemeineren Titel „Heidegger. Eine Biographie“ (Übersetzung von Walther Fekl). Die deutsche Ausgabe hat 703 Seiten, davon werden der Jugend und der frühen Dozentenzeit bis 1923 ca. 150 Seiten gewidmet. Mit anderen Worten: Auch für Pschologen, die sich mit Heideggers Charakter befassen werden, ist diese Jugendzeit im erzkatholischen Messkirch für Heidegger entscheidend und prägend. Hier nur so viel: Martin Heidegger wurde von seiner Familie (der Vater war Messner) in einem „brennenden katholischen Glauben erzogen“, betont der Philosoph Jean- Paul Bled in seinem Geleitwort zu Payens Studie. „Der Katholizismus seiner Familie war konservativ geprägt und lehnte die gottlose Moderne ab. Tradition, Demut und Gehorsams gegenüber dem Schöpfer waren die alles beherrschenden Begriffe ..“ So Guillaume Payen, Seite 47. Heidegger hatte sich, wie gesagt, fürs katholische Priesteramt entschieden, studierte von 1909 -1911 katholischeTheologie, wandte sich dann aber 1917 von der Kirche ab und wurde zum heftigen Gegner der Katholischen Kirche. Heideggers Begründung: Die Bindung an die Katholische Kirche und ihre Dogmen würde seine Freiheit als Philosoph zu sehr einschränken. Seine vielseitig gebildete Frau Elfride (sic) war Protestantin und sehr früh schon überzeugte NSDAP-Sympathisantin, sie bestärkte ihren Freund, späteren Mann in der Ablehnung des Katholizismus. Diese Haltung schloß für Heideger nicht aus, sich in seiner frühen Dozentenzeit sehr für Paulus und seine Briefe sowie für den Augustinus der „Confessiones“ zu interessieren sowie auch für Luther. Immer geht es dabei Heidegger um die Freilegung der frühchristlichen Lebenshaltung, dabei spricht er viel von Paulus, aber nicht von Jesus von Nazareth. Dieses Desinteresse an Jesus von Nazareth und seiner Botschaft zieht sich bis ins Spätwerk hin, wenn es um die Frage nach Gott bzw. den Göttern und dem Seyn geht. Trotzdem ist das heftige Interesse des „frühen Heidegger“ an der urchristlichen Lebenshaltung bemerkenswert, zumal er dabei für eine christliche Theologien plädiert, die sich von allen griechischen, d.h. metaphysischen Einflüssen freihält! (Constantino Esposito, „Von der Faktizität der Religion zu Religion der Faktizitäten“,S. 54 ff.)<br />
Heidegger war seit 1927 „weltberühmt“ geworden wegen seines Buches „Sein und Zeit“, ein Versuch über die Analysen des faktisch gelebten „Daseins“ und dessen Bindung an die Zeit („Dasein“ nennt Heidegger den Menschen) die Frage nach dem Sein klären zu können. Dieses Projekt aber scheitert, trotz mancher vielfach zitierter Analysen des Daseins sieht Heidegger sein Werk „Sein und Zeit“ eher als Fragment an. Deswegen die „Kehre“ im Denken Heideggers: Da wird der Denker zum Hörer der Offenbarungen des Seins… Das umfangreiche „Sein und Zeit“ wurde als philosophische Sensation wahrgenommen und hatte Heidegger berühmt gemacht .. und er konnte glauben: Er sei als Philosoph zu Höherem berufen, so auch später zum philosophischen Führer selbst unter dem Führer Hitler…Über die Begrenztheit der Analysen des Menschen („Dasein“) in „Sein und Zeit“ gibt es zahlreiche Studien. Der Philosoph und Heidegger &#8211; Spezialist Jacques Taminiaux sagt in dem genannten Heft „Die Philosophen und der Nationalsozialismus“ (S. 67): Heidegger denke in „Sein und Zeit“ nur den radikal isolierten Menschen. „Für Heidegger dreht sich alles um die Konfrontation des einzelnen mit seiner eigenen Sterblichkeit, mit seiner endlichen Existenz… Weil er auf den Tod zuläuft, das heißt auf das Nichts. Zu keinem Zeitpunkt scheint ihm, wie der Philosoph Lévinas betont, der Tod eines anderen etwas anzugehen. Auf das Dasein eines Volkes übertragen, führt dieser Solpsismus Heidegger geradewegs in einen übersteigerten Nationalismus.“</p>
<p>6. <em>Rektorat der Universität Freiburg</em><br />
Die Diskussion um Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus bezieht sich auch auf die Zeit seines Amtes als Rektor der Universität Freiburg. Im April 1933 wurde Heidegger Rektor der Freiburger Universität. Am 1. Mai 1933 war er in die NSDAP eingetreten. Seine Antrittsrede am 27.Mai 1933 hatte den Titel „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“. Am 3. November 1933 veröffentlichte Heidegger in der Freiburger Studentenzeitung einen Artikel mit dem Titel &#8222;Deutsche Studenten!“, darin schreibt er: „Lasst nicht Theoreme und Ideen die Regeln eures Lebens sein. Der Führer selbst und er allein ist die deutsche Wirklichkeit von heute und morgen und ihr Gesetz“; er schloss seine offizielle Rede mit dem Satz des nationalsozialistischen Grußes ‚Heil Hitler‘. (Quelle: www.information-philosophie.de/heidegger-nationalsozialismus.html)<br />
Im April 1934 legte er jedoch das Amt des Rektors nieder, aber er lehrte weiter an dieser Universität. Als Rektor der Universität Freiburg will er ausdrücklich die Universität im Sinne der nationalsozialistischen Politik umgestalten. Er führt einen unerbittlichen Kampf, um zum philosophischen Vordenker der Bewegung der Nationalsozialisten zu werden, er ist so selbstbewusst, „den Führer zu führen“. Er muss erkennen, dass ihm das nicht gelingt und nennt später die Einschätzung seiner politischen Rolle seine Dummheit. Freilich sieht es Heidegger selbst nicht als Dummheit an, überhaupt Mitglied der NSDAP gewesen zu sein. Vom 1.Mai 1933 bis zum Ende des Hitler Regimes 1945 blieb er NSDAP-Parteimitglied.<br />
Die französische Militärregierung, zuständig auch für die Universität Freiburg, verfügte Ende 1946, im Rahmen des „Entnazifizierungs-Verfahrens“ ein Lehrverbot „auf Dauer“ und den Ausschluss Heideggers aus der Universität. 1949 durfte Heidegger in Deutschland aber wieder veröffentlichen, und 1949 wurde das Lehrverbot aufgehoben, Heidegger blieb zwar offiziell emeritiert, seit dem Wintersemester 1950/51 durfte er wieder an der Universität als Lehrbeauftragter lehren. (Vgl. Nachwort zu „Was heißt Denken, Stuttgart 1992, s. 73.). Im Wintersemester 1951 hielt Heidegger die Vorlesung „Was heißt Denken?“, die Hauptthese: „Wir denken (noch) nicht“. Und Heidegger dachte in dieser Vorlesungen nicht im entferntesten daran, ein Wort zu seinem „Dasein“ in der Nazi &#8211; Zeit zu sagen. Und er dachte auch nicht daran, sich von seiner berühmten Rektoratsrede von 1933 zu distanzieren. Natürlich meinte Heidegger mit Denken nicht das selbstkritische, politische Denken, sondern wie immer bei ihm: Das Denken des Seins (Seyns)…Das war sein einer und einziger Gedanke…</p>
<p>7.<em> Zur Gottesfrage</em><br />
Seit 1919 ist Heidegger ein entschiedener Feind des Katholizismus, nicht aber des Christentums, wie er in einem Brief an Engelbert Krebs vom 9.1.1919 betont. Das Christentum erforscht Heidegger in den Briefen des Apostels Paulus, dabei geht es ihm nicht um den dogmatischen Inhalt, sondern um die formale Lebenshaltung der ersten Christen in der „Urkirche“, zumal ihr Umgang mit der Zeit ist ihm wichtig, vor allem mit der Erwartung der „Endzeit“. Dabei lässt Heidegger auch die Erörterung über Jesus als Messias beiseite. Mit der Abwendung Heideggers von der für die katholische Theologie damals grundlegenden Scholastik wird Luther für ihn wichtig, wobei es auffällt, dass Heidegger dabei das zentrale Luther-Thema der Rechtfertigung aus dem Glauben ignoriert (vgl.Karl Lehmann, Heideggers Beziehung zu Luther, in „Heidegger und die christliche Tradition“, s. 161).<br />
In seiner Spätphilosophie seit Mitte der 1930 Jahre geht es Heidegger um eine Gottesfrage, die einerseits stark an die griechische Erfahrung im Sinne seines Verständnisses von Hölderlins gebunden ist, also an die Erfahrung der „Schickung“ von Einsichten durch das Sein, in gewisser Weise um privilegierte Offenbarungs- Erfahrungen für den Denker. An dieser Stelle fällt Heidegger ins esoterische Sprechen, das nur einige Erwählte verstehen können. Heidegger wehrt sich gegen das objektivierende Verfügbarmachen Gottes in der klassischen Metaphysik und Religion. „Wenn es überhaupt menschenmöglich ist, das Göttliche zu denken, dann nicht mehr als vorhandenes Etwas… Die Dimension des Göttlichen soll das Andere bleiben, das Andere des Seins, denn nur als das Andere des Seins erlangt die Dimension des Göttlichen ihre eigene Würde.“( Paola-Ludovica Coriando, in „Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers“, s. 94). Nur wenige können diesen „anderen“ Gott erfahren, es sind „die großen und verborgenen Einzelnen“, die `Reifen`, die den „Vorbeigang“ dieses Gottes würdigen können.<br />
Jürgen Habermas urteilt sehr klar über das Gottes-Denken des späten Heidegger, er zeigt, dass Heidegger „von einem Ort jenseits des Logos spricht“, also außerhalb der allgemein zugänglichen Vernunft und ihrer Begriffe. Habermas meint, Heidegger gebe sich, so wörtlich, „neuheidnischen Spekulationen über die Flucht oder Ankunft der Götter hin. Dabei gebe er sich einer Rhetorik hin, „die die Kraft des überzeugenden Arguments hinter sich gelassen hat und durch die beschwörende Selbstinszenierung der großen und verborgenen Einzelnen ersetzt. (Habermas in „Zwischen Naturalismus und Religion“, 2005, S. 256. ). Habermas weist darauf hin, dass sich der späte Heidegger eines Wortschatzes bedient, der letztlich dann doch aus der von ihm abgelehnten Herrschaft der Kirchen herkommt: Etwa: Wagnis und Sprung, Entschlossenheit und Gelassenheit, Hingabe und Geschenk, Ereignis usw.<br />
Und letztlich blieb Heidegger an die uralte katholischeWelt seiner Kindheit gebunden, als er sich in seinem ganzen Leben gegen Demokratie und liberalen Rechtsstaat stellte und so dann doch Positionen des Papstes Pius IX. akzeptiere, als dieser in seinen Enzykliken die Demokratie und die Menschenrechte ablehnte. Heidegger ist also sehr indirekt, aber wirksam-intensiv im Sinne der katholischen Theologie des 19. Jahrhunderts doch katholisch geblieben. „Heideggers erste Bestimmung, die katholische, blieb ausschlaggebend für seine politische Beziehung zur Modernität, auch in Bezug auf den Antisemitismus“, (S. 614 Payen.)<br />
Aber es ist sehr die Frage, wie dieser vom späten Heidegger letztlich im Rahmen griechischer Begriffe gedachte Gott etwas mit dem biblischen Gott zu tun hat. Man beachte, dass der junge Heidegger, vor „Sein und Zeit“, ausdrücklich das christliche Denken von der Rezeption griechischer Begriffe befreien wollte und explizit für ein nicht-griechisches, also nicht &#8211; metaphysisches Denken des christlichen Glaubens eintrat. Man denke etwa an Martin Heideggers Vorlesung Einleitung in die Phänomenologie der Religion, gehalten im WS 1920/21,.</p>
<p>8. <em>Das Sein (Seyn) Heideggers</em><br />
Dies ist die entscheidende und schwierige Frage, die aber außerhalb der esoterischen Begriffe Heideggers beantwortet werden muss! Was ist das Sein bzw. in der Spätphilosophie das Seyn?<br />
Ein Versuch des nicht esoterischen Verstehens. Das Sein ist das alles Seiende in seinem Sein Einsetzende, sozusagen die übergeordnete Macht und Kraft. Das Sein ist also durchaus dem Gott verwandt, vielleicht mit Anklang an den biblischen Schöpfer-Gott, aber Sein meint Gott sozusagen in säkularisierter Begrifflichkeit… vielleicht ist also Gott doch mit Sein, Seyn, sehr verwandt?<br />
Und wenn über Heidegger und die christliche Religion nachgedacht wird, bitte noch einmal beachten: Heideggers Gott steht nicht mit Jesus von Nazareth und seinem Evangelium in irgendeiner Verbindung. Es wäre ein Forschungsthema für Unentwegte noch einmal zu fragen: Spricht der Philosoph Heidegger von Jesus und seinem Evangelium vielleicht irgendwo „zwischen den Zeilen? Etwa von der Bergpredigt? In dem 574 Seiten umfassenden Buch „Heidegger Handbuch“ kommt im Sachregister das Stichwort Evangelium , Bibel oder gar Bergpredigt nicht vor, im Personenregister kein Hinweis auf Jesus von Nazareth, hingegen 4 Hinweise auf den Apostel Paulus und seine Briefe.<br />
Zur Beisetzung Heideggers am 28. Mai 1976 hielt der katholische Theologe und Priester sowie auch Philosoph Bernhard Welte &#8211; auch er stammte aus Meßkirch &#8211; eine Ansprache: Heidegger hatte von Welte, seinem Freund, möchte man fast sagen, ausdrücklich eine christliche Beerdigung gewünscht, eine übliche katholische Trauerliturgie fand allerdings nicht statt. Welte behauptete dabei u.a.: „Heidegger hat auch sonst seine Verbindung zur Gemeinschaft der Glaubenden nie unterbrochen. Er ist freilich seinen eigenen Weg gegangen, und er hat ihn wohl gehen müssen (sic!), seinem Geheiß (sic!) folgend und man wird diesen Weg nicht ohne weiteres einen christlichen im üblichen Sinne des Worte nennen können“. (zit. in: „Martin Heidegger &#8211; Bernhard Welte. Briefe und Begegnungen“, hg. Alfred Denker und Holger Zaborowski, Stuttgart 2003, dort S. 127). Man beachte, dass Welte damals den Lebens- und Denkweg Heideggers als Schicksal interpretierte, so , wie Heidegger es selbst tat, wenn er an seine politischen Verirrungen in der Nazizeit und danach dachte…Zur Beisetzung wurden übrigens von Heidegger ausgesuchte Verse von Hölderlin vorgetragen, ein deutlicher Hinweis: „Mein Glaube ist wesentlichen Hölderlin inspiriert.<br />
Kardinal Karl Lehmann, auch er ein Kenner der Philosophie Heideggers, schrieb anläßlich des 30. Todestages von Heidegger sehr versöhnend und sehr wohlwollend: “Wer vor dem Grab von Martin Heidegger steht, wird entdecken, dass da statt des &#8211; in Meßkircher Gegend &#8211; üblichen Kreuzes ein Stern auf dem Grabstein zu finden ist. Vielleicht hat er bei diesem `großen Suchenden` Martin Heidegger mehr mit dem Stern von Bethlehem zu tun, als viele denken mögen. Vielleicht auch mehr als er selbst.“ Über Heidegger und den „Stern von Bethlehem“ gibt es meines Wissens noch keine Doktorarbeit, aber: eine ziemlich gewagte These verbreitet da der Heidegger Versteher Kardinal Lehmann… (zit. In „Feldweg und Glockenturm“, Festschrift anläßlich des 30. Todestages von Martin Heidegger“, Gmeiner Verlag 2007, s. 28).<br />
Heidegger hatte zweifellos kein Interesse an der Jesus Gestalt, dessen Ethik hätte ihn vielleicht auf den Gedanken gebracht, selbst eine Ethik zu denken. Heidegger hielt sich in seinem Größenwahn hätte ich fast gesagt ausschließlich an die Seinsfrage oder Seynsfrage, mit der er die ihn Lesenden fesselte. Im Rahmen seiner Vorliebe für Griechenland und seine frühen Denker war er mehr am Geschick interessiert, wohl einem anderen Wort für Schicksal, als einer waltenden Macht des Seyns, der er sich hingab, auf die er gehorsam hörte als „Hirt des Seins“. So konnte er sich unschuldig fühlen in seinen Verstrickungen in der Nazi-Zeit und sein rechtsradikales Denken insgesamt. An seinen Bruder Fritz schrieb er am 3. Dezember 1944, welche Gefühle bei ihm aufkommen angesichts der zerstörten Straßen in Freiburg: “Trotz allem rührt es nicht an das Innerste und an das Vertrauen und Wissen, das sich geborgen gibt in das Unzerstörbare und im Innersten huldvolle GESCHICK:“ (S. 113, „Heidegger und der Antisemitismus). Und ein Beispiel für Heideggers esoterische „Spiritualität“, ebenfalls in einem Brief an seinen Bruder Fritz am 22.2. 1945: „In der Verdüsterung des Seienden ist das helle Licht des Seyns um mich. Ich wünsche sehr, dass du daran Anteil hast“. (S. 123).</p>
<p>9 .<em>Mit Heidegger hoffen lernen?</em><br />
Zu Beginn dieses Hinweises haben wir erklärt: Heidegger hat zu den drängenden aktuellen Fragen der Menschheit „eigentlich“ nicht viel zu sagen, z.B., elementar: wie Menschen Hoffnung entwickeln können in dieser jetzt offenbar besonders verrückten kriegerischen Welt. In einem seiner neuen Bücher „Der Geist der Hoffnung“ (Berlin 2024) hat der Philosoph Byung-Chul Han (er hat über Heidegger seines philosophische Doktorarbeit verfasst) seinen Gesamteindruck geschrieben: „Heideggers Denken besitzt keine Sensibilität für das Mögliche, für das Kommende… Er ist unterwegs zum Gewesenen, zum Wesen… Das Denken der Hoffnung orientiert sich nicht am Tod, sondern an der Geburt, nicht am In-der-Welt-Sein, sondern am In-die- Welt-Kommen… Hoffnung hofft über den Tod hinaus.“ (S. 112)… „Wer hofft, rechnet mit Unberechenbarem, mit Möglichkeiten gegen alle Wahrscheinlichkeit.“ (S. 93).</p>
<p>10. <em>Immer wieder „Sein und Zeit“: Die Tagung End Mai 2026</em><br />
Im Schloß Meßkirch findet vom 29. bis 31. Mai 2026 eine von der großen Anzahl der Referate und Arbeitsgruppen äußerst anspruchsvolle Tagung der Heidegger Gesellschaft statt, aber es geht nicht etwa um den politischen Heidegger oder gar über seine Nazi-Bindung, sondern über „Sein und Zeit“. Ist da nicht alles vielfach schon gesagt? Unter den ReferentInnen der Tagung habe ich keinen prominenten Heidegger &#8211; Kritiker entdeckt.<br />
Am Donnerstag, 28.05.2026, um 19:00 Uhr findet dort jedenfalls ein Festakt zum Gedenken an Heideggers 50. Todestag statt. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Universität Erfurt: „Warum Heidegger weltweit fasziniert &#8211; und was der uns heute noch zu sagen hat“. Prof. Zaborowski setzt sich durchaus kritisch, aber immer auch wohlwollend seit Jahren mit Heidegger auseinander, er ist jetzt Vorsitzender der Heidegger &#8211; Gesellschaft. Zaboroski hat also Prof. Harald Seubert offenbar als Vorsitzenden dieser Gesellschaftabgelöst, Seubert war vor einigen Jahren durch Publikationen und rechtsradikalen Blättern aufgefallen, siehe: https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/harald-seubert-vorsitzender-der-heidegger-gesellschaft<br />
Das esoterisch wirkende Motto der Heidegger Gesellschaft heißt: „Winke, die Zugewunkenes weiterwinken.“ Von Heidegger stammt dieses „winke Winke“ &#8211; Zitat. Vielleicht meint das Motto aber auch: Reflektiert kritisch ein Abschiednehmen von oberflächlichen, verherrlichenden Interpretationen von Heideggers Werk … also „winke Winke“…??</p>
<p>11. <em>Neue Projekte: HEIDEGGER UND DIE NEUEN RECHTSEXTREMEN IDEOLOGIEN  </em><br />
Einige kritische Historiker sollen selbstverständlich den „Ober-Hirten“ des Seins (Seyns) untersuchen. Und nach wie vor fragen: Wie geriet ein eigentlich kluger Philosoph in die Nazi &#8211; Ideologie? Das schon genannte Problem ist nur: Eine kritische (!) Gesamtausgabe inklusive aller Briefe Heideggers werden wir wohl nicht mehr erleben. So werden wir wohl noch viele deswegen immer unpräzise Heidegger Tagungen erleben. Vielleicht mal was Neues: Eine Tagung über Elfride Heidegger, die Gattin und sehr frühe und leidenschaftliche Nazi &#8211; Anhängerin.</p>
<p>Trotzdem bleibt es dringend weiter zu untersuchen, in welcher Weise Heideggers Bindungen an die Nazi -Ideologie, seine Rassenlehre usw., heute in rechtsextreme Parteien eindringen und dort rezipiert und zitiert werden. Die neuen Rechtsextremen setzen auf eine rechte „Kulturrevolution“, und da wird Heidegger als ein Meisterdenker hoch bewertet. Man studiere aufmerksam, in welcher Weise in der rechtslastigen Presse Heideggers 50. Todestag „gewürdigt“ wird. Heideggers Assistent Friedrich &#8211; Wilhelm von Herrmann hatte sich 2013 dem rechtsextremen russischen Philosophen Alexander Dugin zum mehr als einstündigen TV Gespräch zur Verfügung gestellt.<br />
Zur Nähe der „Neuen Rechten&#8220;, auch der AfD, zu Heidegger: siehe den wichtigen Beitrag von Micha Brumlik mit dem Titel: „Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft“: https://www.blaetter.de/ausgabe/2016/maerz/das-alte-denken-der-neuen-rechten</p>
<p>Micha Brumlik hat in dem Buch &#8222;Das alte Denken der neuen Rechten&#8220;,hg. vom Zentrum Liberale Moderne, 2019, eine wichtigen Beitrag über Heidegger geschriebe: &#8222;Vom wahren Sein zur Volksgemeinschaft&#8220;, dort S. 31 &#8211; 39. Brumlink befasst sich mit der Heidegger Rezeption etwa der Identitären Bewegung (Martin Sellner, Walter Spatz):&#8220;Am Ende jeder Berufung auf Heidegger steht auch bei den heutigen Rechtsintellektuellen ein mystisches Raunen, das <em>keinerlei Anschlussmöglichkeit an irgendeine Form rationaler Politik mehr aufweist.&#8220; (S. 37)</em></p>
<p>FUßNOTE 1:</p>
<p>Der Philosoph <em>Hans Saner</em> war der persönliche Assistent von Karl Jaspers, er veröffentlichte 1978 (!) dessen „nachgelassenen“ Notizen zu Heidegger, es sind spontane Einsichten, Notizen, Fragmente. Es handelt sich um ca. 300 Blätter, verfasst zwischen 1928 bis 1964, sie lagen auf dem Schreibtisch von Jaspers. Sie zeigen anfänglich eine Freundschaft zwischen Jaspers und Heidegger. Zusammenfassend schreibt Saner: „Die Notizen sind nicht zu lesen als einseitige Abrechnung mit einem Zeitgenossen, sondern als der über Jahrzehnte anhaltende Versuch, auf ein Gespräch hin das Äußerste zu wagen` alle Konzilianz und Konvention preiszugeben, um, ganz rückhaltlos, das auszusprechen, was man in Bezug auf den anderen für wahr hielt, aber doch dem Korrektiv seiner Gegenrede aussetzen wollt“. (S. 20). Im Jahr 1933, spätestens 1936 kam es dann zur Trennung, zum Ende einer Freundschaft Jaspers &#8211; Heidegger (S. 14). Jaspers ist entsetzt über Heideggers Verbindung mit der Nazi &#8211; Ideologie. Er distanziert sich von Heidegger auch, weil dieser „die philosophierenden Individuen entmächtigt und die Philosophiegeschichte anonymisiert zur `Seinsgeschichte`…Jaspers zentrale Frag an Heidegger betrifft die Sinnhaftigkeit seiner quasireligiösen Rede vom `Ereignis des Seins`“. (Dieter Thomä in „Heidegger Handbuch“, Metzler Verlag 2005, S. 341.</p>
<p><em>Man ist geneigt, angesichts der Kritik von Jaspers an Heidegger an Aristoteles zu denken:</em> &#8222;Wir philosophieren nämlich nicht, um zu erfahren, was Tugend sein, sondern um tugendhafte Menschen zu werden.“ „Nikomachische Ethik&#8220; (Buch II, Kapitel 2 / 1103b).</p>
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<p><em>Hinweise zur hier erwähnten Literatur</em>:<br />
Guillaume Payen, „Heidegger. Die Biographie“, WBG Theiss Verlag, 2022.<br />
Dieter Thomä (HG), „Heidegger Handbuch“, Metzler Verlag, 2005<br />
Walter Homolka und Arnulf Heidegger, „Heidegger und der Antisemitismus“, Mit Briefen von Martin und Fritz Heidegger, Herder Verlag, 2016.<br />
Jürgen Habermas, „Zwischen Naturalismus und Religion“, Suhrkamp Verlag, 2005<br />
Norbert Fischer und Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Heidegger und die christliche Tradition“, Hamburg 2007<br />
Dies., „Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers“, Hamburg, 2011.<br />
Richard Wolin: „Heideggers „Schwarze Hefte“: Nationalsozialismus, Weltjudentum und Seinsgeschichte“. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (Heft 3-2015)</p>
<p>Byung-Chul Han, &#8222;Der Geist der Hoffnung“, Ullstein Verlag, 2024.</p>
<p>„Heidegger und die praktische Philosophie“, Suhrkamp Verlag 1989, dort vor allem der Beitrag von Alexander Schwan, aber auch die Beiträge von Hugo Ott und Otto Pöggeler.</p>
<p>Sehr wichtig das Interview (von Catherine Newmark) mit dem Philosophen und Philosophiehistoriker Hans Jörg Sandkühler über deutsche Philosophen in der Nazi &#8211; Zeit: In der Sonderausgabe des „Philosophie -Magazin“ (2014) mit dem Titel „Die Philosophen und der Nationalsozialismus“, dort die Seiten 57 &#8211; 62, grundlegend auch die Studien zum Thema von Wolfgang Fritz Haug.</p>
<p>Micha Brumlik: „Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft“: https://www.blaetter.de/ausgabe/2016/maerz/das-alte-denken-der-neuen-rechten</p>
<p>Unter unseren zahlreichen Hinweisen auf Heidegger im Laufe der Jahre weisen wir nur hin auf „Heideggers esoterische Philosophie“: LINK : https://religionsphilosophischer-salon.de/5689_heidegger-ein-esoterischer-philosoph-hinweise-auf-ein-buch-von-peter-trawny_buchhinweise/philosophische-buecher</p>
<p>Alfred J. Noll, „Der rechte Werkmeister, Martin Heidegger nach den schwarzen Heften“, PapyRossa Verlag, Köln 2016, zu Heideggers Antisemitismus: S. 186 ff.</p>
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<p><strong>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/22021_martin-heidegger-vor-50-jahren-gestorben-und-seine-philosophie-eher-tot-als-lebendig_denkbar">Martin Heidegger vor 50 Jahren gestorben: Und seine Philosophie? Eher tot als lebendig!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ostern als Auferstehung der Menschen vernünftig verstehen.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21804_ostern-als-auferstehung-der-menschen-vernuenftig-verstehen_aktuelles</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 12:30:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Auferstehung Jesu vernünftig verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[die Botschaft von Ostern nachvollziehbar sagen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Marti Gedicht zu Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern als Fest des göttlichen Geistes im Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern verstehen]]></category>
		<category><![CDATA[Predigt zu Ostern]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=21804</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Erkenntnis heißt: Jesus, der Gekreuzigte, „lebt geistig unter uns“, traditionell gesprochen: Er ist „auferstanden“, er ist geistig unter uns lebendig. Diese Einsicht, so betonen die Freundinnen Jesu, sei für sie erstaunlich und überraschend: So ungewöhnlich, dass dieser Geist mit seiner Erkenntnis der Auferstehung nur heilig genannt werden kann. Dieser göttliche Geist ist die bestimmende Lebenskraft der Menschen seit der Schöpfung. Und es ist derselbe heilige, göttliche Geist, der auch den Menschen Jesus zu seinem außergewöhnlichen Leben der Liebe und Solidarität bewegte. In diesem Sinne kann diese Gemeinde also sagen: Der Mensch Jesus von Nazareth wurde in der Kraft des ewigen göttlichen Geistes aus dem Tod befreit. Und in eine bleibende geistige Präsenz geführt...Eine Spiritualität zu Ostern und zur Auferstehung ist nicht auf die klassischen, bekannten und meist fundamentalischen Predigten der dogmatischen Klerus-Kirchen angewiesen. Eine vernünftige Oster/Auferstehungsspiritualität kann jeder für sich entdecken: Das Neue Testament ist überall zur Lektüre verfügbar, ebenso historisch-kritische Erläuterungen zu den Erzählungen über die Auferstehung Jesu im Neuen Testament... </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21804_ostern-als-auferstehung-der-menschen-vernuenftig-verstehen_aktuelles">Ostern als Auferstehung der Menschen vernünftig verstehen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 26.3.2026</p>
<p><em>Ein Vorwort, erster Teil:</em><br />
Wir haben im religionsphilosphischen-salon.de  schon mehrfach Ostern, die Auferstehung des Menschen Jesus von Nazareth und damit die Auferstehung der Menschen insgesamt zu erklären versucht, jenseits aller üblichen Floskeln in Oster &#8211; Predigten, jenseits aller bloß gedankenlosen Zitiererei aus den Evangelien. Verstehen in Worten, in Begriffen, eben mit der Vernunft ist etwas anderes als das routinierte Predigen. „Wunderbare“ Einsichten in frohlockenden Worten gelten für uns nicht. Auch nicht esoterisches Gestammel. Wir wollen ein behutsames, vernünftiges Erklären von Ostern und der Auferstehung Jesu zeigen. Es geht bei dem Thema um eine mögliche Orientierung im Leben wie im Sterben, angesichts des Todes.</p>
<p><em>Ein Vorwort, zweiter Teil</em>:<br />
Ostern, die Auferstehung des Menschen Jesus von Nazareth beziehen sich auf existentielle Erinnerungen und Erfahrungen. Sie gehören also in eine allgemeine, eine nachvollziehbare vernünftige Sprache. Aussagen können bei dem Thema selbstverständlich keine evidenten Beweise liefern, schon gar nicht mathematische Eindeutigkeit. Was hätten Mathematik und Beweise bei diesem Thema existentieller Erfahrungen und Erinnerungen auch an Orientierung zu bieten? Hier sind nur plausible Hinweise und vernünftige Vorschläge relevant … fürs Weiterdenken, Weiterforschen und meditatives Vertiefen und für weiterführende Ergänzungen.</p>
<p>Wir haben schon mehrfach ausführlichere Hinweise zum Thema publiziert.<br />
Wegen verschiedener Nachfragen bieten wir nun noch einmal nur einige zentrale Erkenntnisse … in einer ebenso gewünschten überschaubaren Länge. <em>Wir zeigen: Eine Spiritualität zu Ostern und zur Auferstehung ist nicht auf die klassischen, bekannten und meist fundamentalischen Predigten der dogmatischen Klerus-Kirchen angewiesen. Eine vernünftige Oster/Auferstehungsspiritualität kann jeder für sich entdecken: Das Neue Testament ist überall zur Lektüre verfügbar, ebenso historisch-kritische Erläuterungen zu den Erzählungen über die Auferstehung Jesu im Neuen Testament&#8230; </em></p>
<p><strong>Bitte beachten Sie das Kapitel Nr. 10: </strong> Die Reflexionen zur Auferstehung sind alle andere als philosophische, metaphysische Überlegungen oder bloß-spirituelle Hinweise. Unsere Reflexion über ein vernünftoges Verstehen der Auferstehung  sollen unseren Widerstand stärken gegen die üblen Machthaber und Kriegsherren, gegen die Rechtsextremen alleroren, gegen die Herrscher der neoliberalen Welt- Unordnung. Ohne spirituelle Kraft ist dieser Widerstand überhaupt nicht zu leisten&#8230;</p>
<p>1.<br />
Ostern ist bis heute als Festtag und Feiertag eine ziemlich ungewöhnliche, durchaus verstörende wie überraschende Erinnerung, eine Erinnerung an die Erkenntnis einiger Freundinnen Jesu von Nazareth: „Dieser Jesus, der den Tod am Kreuz erlitt, der lebt &#8211; mit seinem Geist &#8211; weiter über den Tod hinaus, er ist geistig unter uns. Denn: Geistige Präsenz ist genauso stark und bedeutend wie körperliche Anwesenheit.</p>
<p>2.<br />
Diese Einsicht der Freundinnen Jesu heißt also „Auferstehung bzw. Auferweckung Jesu“. Die Freundinnen und Jünger Jesu waren einige Wochen und Monate nach dem Tod Jesu (etwa im Jahr 30 oder 33) sprachlos und schockiert, aber sie haben ihr Entsetzen über Jesu Tod überwinden können und in überschwänglichen Worten und Bildern später vom „auferstandenen Jesus“ in den vier Evangelien erzählt. Eine durchaus übertriebene Begeisterung, wie sie in den Auferstehungserzählungen deutlich ist, war üblich in den Erzählungen der damaligen Kultur. Die Autoren der Evangelien haben also in bilderreichen Sprache ziemlich übertrieben, etwa indem sie erzählten, der Auferstandene habe mit ihnen zusammen gespeist. Oder wenn erzählt wird, der Apostel Thomas habe dem auferstandenen Gekreuzigten in dessen Wunde gefasst… Die vier Evangelisten &#8211; im Abstand von ca. 30 &#8211; 50 Jahren nach Jesu Tod &#8211; ihre Erzählungen verfasst.</p>
<p>3.<br />
Wichtig ist: Die in den Evangelien erzählten Erlebnisse der Freundinnen Jesu mit dem auferstandenen Jesus sind keine historischen Berichte. Es lässt sich auch kein Datum der „Auferstehung“ angeben, es war kein neutraler journalistischer Beobachter dabei, der irgendwelche Ereignisse im und am Grab Jesu notierte. Die Erzählungen der Evangelien sind in existentieller Erfahrung geschriebene persönliche Bekenntnisse, und diese merkwürdigen Texte, fast 2000 Jahre alt, müssen übersetzt und neu erzählt werden in nachvollziehbarer, selbstverständlich vernünftiger Sprache. Was denn auch sonst ? Sogar Poesie wird in allgemein-zugänglichen Worten geschrieben und kann nur deswegen verstanden werden.</p>
<p>4.<br />
Jesus wurde verurteilt, weil er die Menschenfreundlichkeit Gottes lebte, eines Gottes, also &#8211; übersetzt &#8211; eines letzten bergenden Sinn-Grundes, und den sprach Jesus an als „Abba“, also sehr herzlich und intim als „lieber Vater“. Jesus kritisierte die rigorose Gesetzes-Religion der herrschenden jüdischen Eliten &#8211; um der Menschlichkeit willen und auch um die Güte Gottes, des Ewigen, zu bezeugen. Jesu JüngerInnen und Freundinnen hatten also einen außergewöhnlichen Menschen erlebt. Ein solcher Mensch darf eigentlich nicht sterben, das ist ja allgemeine Erfahrung im Erleben herausragender Menschlichkeit.</p>
<p>5.<br />
Die Erkenntnis heißt: Jesus, der Gekreuzigte, „lebt geistig unter uns“, traditionell gesprochen: Er ist „auferstanden“, er ist geistig unter uns lebendig. Diese Einsicht, so betonen die Freundinnen Jesu, sei für sie erstaunlich und überraschend: So ungewöhnlich, dass dieser Geist mit seiner Erkenntnis der Auferstehung nur heilig genannt werden kann. Dieser göttliche Geist ist die bestimmende Lebenskraft der Menschen seit der Schöpfung. Und es ist derselbe heilige, göttliche Geist, der auch den Menschen Jesus zu seinem außergewöhnlichen Leben der Liebe und Solidarität bewegte. In diesem Sinne kann diese Gemeinde also sagen: Der Mensch Jesus von Nazareth wurde in der Kraft des ewigen göttlichen Geistes aus dem Tod befreit. Und in eine bleibende geistige Präsenz geführt.</p>
<p>6.<br />
Ostern ist also das Fest, an dem Christen sich der Bedeutung des göttlichen Geistes in allen Menschen vergewissern; es ist der Geist des Ewigen, Gottes, der in der Menschheit leben will, wenn es die Menschen in ihrer Begrenztheit, in ihren Fehlern und falschen Entscheidungen ihrer Freiheit zulassen. Die Freundinnen Jesu sind frei und ohne Angst vor Repressalien der herrschenden Eliten der Einsicht ihres Geistes gefolgt. Sie erkannten: Jesus als geisterfüllter Mensch lebt &#8211; „auferstanden“- in bleibender geistiger Präsenz..</p>
<p>7.<br />
Die ersten Christen wussten: Alle Menschen haben Anteil an diesem Geist des Ewigen, am Geist Gottes. Der Apostel Paulus verfasste den zeitlich frühesten Text im Neuen Testament, im Jahre 50 schon, 20 Jahre nach Jesu Tod, es ist der 1. Brief man die Gemeinde in Thessaloniki. Im 4. Kapitel, Vers 14, spricht Paulus die schon damals erkannte universelle Bedeutung der Auferstehung Jesu aus: „Wenn Jesus gestorben ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zu Herrlichkeit führen“. Und etwas später schreibt Paulus im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth: Jesus sei als der „Erstling“ (der Erste) von den Toten auferstanden, so im 15. Kapitel, Vers 20. Die Gemeinde weiß also: Jesu Auferstehung hat universelle Bedeutung: Er ist „der Erste&#8220;, an dem die Auferstehung deutlich wird, Jesus ist also „nur“ der erste Auferstandene… alle anderen Menschen werden diese Auferstehung erfahren können.</p>
<p>8.<em>Die einzige philosophische Voraussetzung für unseren Vorschlag, die Auferstehung Jesu und der aller anderen Menschen zu verstehen:</em> Die Überzeugung von einer „Schöpfung“ durch eine göttliche schöpferische  Wirklichkeit. Der evangelische Theologe Prof. Stefan Alkier (Uni Frankfurt.M) schreibt in seinem Buch „Die Realität der Auferstehung“ (2009, Seite 238) diese entscheidenden Sätze: „Die Welt, alles Leben und auch das je meinige Leben entspringen […] nicht einem blinden Zufall, sondern der intentionalen Kreativität des sich liebevoll in Beziehung setzenden Gottes…Wer diese Hypothese nicht teilt, kann auch nicht mit den Schriften des Neuen Testaments von der Auferweckung Jesu Christi und der Hoffnung auf die Auferweckung der Toten sprechen“. Denn die schöpferische göttliche Wirklichkeit als eine selbstverständlich geistige Wirklichkeit verbindet sich mit seinen Geschöpfen, indem er ihnen an seinem Geist seinen Geschöpfen Anteil gibt. Hegel hat mit überzeugenden Gründen daraufhin gewiesen: Wenn der schöpferische Gott seine Schöpfung ohne geistige Verbindung mit ihm, sozusagen parallel, neben ihm, ohne Verbindung mit ihm gestaltet hätte, dann wäre Gott also, klassisch verstanden, nicht mehr der unversale Gott. Das sind philosophische Spekulationen, gewiss&#8230;Dass die Geschöpfe als Wesen der Freiheit erschaffen wurden, versteht sich von selbst.</p>
<p>9.<br />
Jesus ist als Mensch wie alle Menschen gestorben und seine Körper lag bis zum endgültigen Verfall im Grab. Es erscheint als albern, wenn ungebildete Theologen die Bildersprache der Evangelisten fundamentalistisch „einfach so“ übernehmen und behaupten: Jesus sei leiblich auferstanden… Aber dann hätte er noch ein zweites Mal sterben müssen oder als Alternative behaupten diese Kreise: Jesus sei leiblich in den Himmel aufgefahren: Ein hübsches Bild, in der Ikonographie seit Jahrhunderten verbreitet, aber ein Bild, das wir heute nicht mehr akzeptieren können. Jesu Grab ist nicht leer! Das ist die entscheidende Aussage zum auferstanden Menschen Jesus von Nazareth, auferstanden in eine bleibende geistige Präsenz nach dem Tod.</p>
<p>10.<br />
Dieser Hinweis konzentrierte sich bisher auf einige zentrale Aspekte eines nachvollziehbaren, vernünftigen Verständnisses der Auferstehung. Dieser Hinweis kann zur Meditation anregen, zur Kritik, zur Zustimmung, der Hinweis ist jedenfalls als Möglichkeit der Lebens-Orientierung gemeint.</p>
<p>Wird diese Lebensorientierung in der Lebenspraxis angenommen, wird die christliche „Lebens-Philosophie“ also gelebt, dann zeigen sich Konsequenzen auch inmitten des politischen Lebens. Ostern ist insofern alles andere als ein Fest, das sich nur mit dem „Weiterleben nach dem Tod“ befasst. <em>Auferstehung bedeutet immer auch Aufstand für ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden, für alle natürlich, nicht nur für einige Privilegierte&#8230;.</em><br />
Die Auferstehung Jesu und der Menschen hat politische Konsequenzen, wir nennen hier nur ein Beispiel: Ein Gedicht von Kurt Marti (1970).</p>
<p><strong><em>Kurt Marti</em></strong><br />
<strong><em>ANDERES OSTERLIED</em></strong></p>
<p>Das könnte den Herren der Welt ja so passen,<br />
wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme,<br />
erst dann die Herrschaft der Herren,<br />
erst dann die Knechtschaft der Knechte<br />
vergessen wäre für immer, vergessen wäre für immer.<br />
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,<br />
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,<br />
wenn hier die Herrschaft der Herren,<br />
wenn hier die Knechtschaft der Knechte<br />
so weiterginge wie immer, so weiterginge wie immer.<br />
Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,<br />
ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle<br />
zur Auferstehung auf Erden,<br />
zum Aufstand gegen die Herren,<br />
die mit dem Tod uns regieren, die mit dem Tod uns regieren.</p>
<p>Wir weisen noch auf unsere Publikation zu einem wichtigen Buch des katholischen Theologen Prof. Hans Kessler hin: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13445_auferstehung-zu-einem-neuen-buch-des-theologen-hans-kessler_buchhinweise/theologische-buecher">LINK</a>.</p>
<p>Und wir weisen auf unsere Publikation hin, dass sich auch Immanuel Kant mit dem Thema Ostern befasste:<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19956_an-die-auferstehung-vernuenftigerweise-glauben_denkbar"> LINK</a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21804_ostern-als-auferstehung-der-menschen-vernuenftig-verstehen_aktuelles">Ostern als Auferstehung der Menschen vernünftig verstehen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Ein christlicher Glaube, der befreit. Denn die Kirchendogmen sind relativ!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 14:31:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
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		<category><![CDATA[der katholische Peter Trummer in Graz]]></category>
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		<category><![CDATA[Herder Verlag und Peter Trummer]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus ist kein Opferlamm]]></category>
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		<category><![CDATA[Lied Nun ist das lLmm geschlachtet]]></category>
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		<category><![CDATA[neue Prdigten zu Karfreitag]]></category>
		<category><![CDATA[neue und richtige Theologie für Karfreitag]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Trummer]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Trummer neues Buch "Jesus ohen Opfer"]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist eher selten, dass ich ein Buch eines katholischen Theologen aus dem deutschsprachigen Raum sehr dringend empfehle. Peter Trümmer, em. Theologieprofessor an der Uni Graz, Spezialist für Studien des Neuen Testaments, legt ein neues Buch vor: Der Titel ist provokativ gemeint: „Jesus ohne Opfer“. Dieser Titelk als  Forderung will sagen: Katholiken und ihre klerikalen Führer und natürlich auch die Protestanten sollen Jesus nicht länger als den „Sohn Gottes“ der Trinität lehren und propagieren, der als „Opferlamm“ von einem grausamen Gott - Vater in den blutigen Kreuzestod auf Erden geschickt wird: Um so leidend und blutig die Erlösung der Menschen zu bewirken. Erlösung heizt aber offiziell: Überwindung der „Erbsünde“! Diese „Erbsünde“ ist eine auch biblisch gesehen eine abwegige, nur mit Macht und Gewalt durchgesetzte Behauptung des heiligen Augustinus. Der Witz sozusagen Die Erbsünde wird - im Unterschied zu den vielen anderen Sünden, Fehlern, Verbrechen, als solche von Menschen gar nicht erlebt und als solche erfahre</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das neue Buch des Theologen Peter Trummer<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.3.2026</p>
<p><em>Das Motto:</em> „ Religionen können ihre Qualität einzig damit ausweisen, ob und wie weit sie Menschen helfen, ihre endliche, begrenzte Existenz mit Sinn zu füllen, Mitgefühl für einander zu empfinden und Solidarität mit allen zu leben.“ (S. 21 in dem genannten Buch).</p>
<p>1.<br />
Peter Trummer zeigt in seinem Buch sehr treffend: Die entscheidende humane Basis der Religionen wird sehr oft, auch im Katholizismus, ignoriert und verraten: wegen der nicht zu überwindenden Klerusherrschaft und des Festhaltens an Dogmen, die verstaubt sind und nicht den Weisungen des Weisheitslehrers Jesus Christus entsprechen.</p>
<p>2.<br />
Es ist eher selten, dass ich ein Buch eines katholischen Theologen aus dem deutschsprachigen Raum sehr dringend empfehle. Peter Trümmer, emerit. Theologieprofessor an der Uni Graz, Spezialist für Studien des Neuen Testaments, legt ein neues Buch vor: Der Titel ist provokativ gemeint: „Jesus ohne Opfer“. Diese Forderung will sagen: Katholiken und ihre klerikalen Führer sollen Jesus nicht länger als den „Sohn Gottes“ der Trinität lehren und propagieren, der als „Opferlamm“ von einem grausamen Gott &#8211; Vater in den blutigen Kreuzestod auf Erden geschickt wird: Um so leidend und blutig die Erlösung der Menschen zu bewirken. Erlösung bedeutet aber offiziell-klerikal: Überwindung der „Erbsünde“! Diese „Erbsünde“ ist eine auch biblisch gesehen eine abwegige, nur mit Macht und Gewalt durchgesetzte Behauptung des heiligen Augustinus. Der Witz sozusagen Die Erbsünde wird &#8211; im Unterschied zu den vielen anderen Sünden, Fehlern, Verbrechen, als solche von Menschen gar nicht erlebt und als solche erfahren…</p>
<p>3.<br />
Jedenfalls steht fest: „Solange Opfer-Ideologien (sic !) den Glauben verdunkeln, kann sich keine Einsicht einstellen, dass Gott sehr viel anders ist als wir bisher dachten und gelehrt bekommen haben, er gar keine beamtete Vermittlung und rituelle Manipulationen braucht, weil alle Menschen ausnahmslos und unmittelbar seine `Töchter und Söhne` sind, um die sich Gott mit hingebungsvoller Elternliebe kümmert.“ (S. 184).</p>
<p>Zu dieser Aussage wünscht man sich nähere Differenzierungen: Ist die &#8222;hingebungsvolle Elterliebe Gottes&#8220; letztlich für die leidenden und ungerecht behandelten Menschen eine Art letzter metyphysischer Trost? Kommen eigentlich die Menschen insgesamt, auch die wohlernährten und gesunden und lange Lebenden, ohne metaphysischen Trost aus? Dabei übersetze ich  &#8222;die hingebungsvolle Elterliebe Gotttes&#8220; mit metyphysischem Trost&#8230;</p>
<p>4.<br />
Der bis heute in Predigten und Vorlesungen propagierte und auch besungene (Karfreitags-Lieder, bitte Fußnote 1 beachten) Wille Gott-Vaters zur Hinrichtung seines Sohnes hat trotz aller heiligen mittelalterlicher Kirchenlehrer nichts mit dem Neuen Testament zu tun. Das zeigt der Spezialist für ein historisch &#8211; kritisches Verstehen des Neuen Testaments sehr deutlich. Hilfreich, befreiend, zum Leben ermunternd sind allein Leben und Lehren des Weisheitslehrers Jesus von Nazareth: Jesus wird hingerichtet, weil er konsequent die unendliche Liebe Gottes zu allen lebte und predigte. Ebenso ließ Jesus nicht ab von seiner radikalen Kritik an der Übermacht des jüdischen religiösen Gesetzes, verteidigt von der Elite damals … Jesus wurde als ein religiöser Erneuerer in Zusammenarbeit mit den römischen Machthabern hingerichtet.</p>
<p>5.<br />
Der katholische Theologe Peter Trümmer versteht zurecht die herausragende und bis heute inspirierende Gestalt Jesu als WEISHEITSLEHRER. Dies ist auch der Sinn des Untertitels, den ich fast wie einen Schrei wahrnehme angesichts einer nach wie vor sturen klerikalen Dogmen &#8211; Kirche. „Glaube, der befreit“ heißt der Untertitel. Wovon befreit der hier vorgestellte christliche Glaube: Von Aberglauben, von unsinnigen, verstaubten Dogmen und auch von der Macht des Klerus: „Im traditionellen, zu überwindenden Kirchenbild geht es fast ausschließlich um die Selbstdarstellung des eigenen (Klerus-) Amtes, das sich mithilfe der Gottheit Jesu erheblich àufwertet`.“ (S. 182).</p>
<p>6.<br />
Es wird also erneut sehr energisch und mutig für einen christlichen, speziell katholischen Glauben plädiert, der auch heute für reife, vernünftige, kritische Menschen hilfreich ist. An dem Thema haben sich bekanntlich sehr viele kritische katholische Theologen schon seit vielen Jahren die Finger &#8211; erfolglos &#8211; „wundgeschrieben“.. Ich nenne nur die Kritik von Hans Küng, Hermann Häring oder Hermann Baum (dessen wichtiges Buch „Die Verfremdung Jesu“ ist leider nur antiquarisch zu haben)…Nun also reiht sich Peter Trummer in die Riege der an Sisyphus erinnernden Theologen ein…</p>
<p>7.<br />
Diese überaus anregende Buch „Jesu ohne Opfer“ aus dem Herder &#8211; Verlag stellt Jesus von Nazareth als Norm katholischen Lebens in den Mittelpunkt, als bestimmenden Maßstab für die Lehren und Theologie der (katholischen) Kirche. Aber für Peter Trümmer ist auch die universell geltende Vernunft (bekanntlich eine Schöpfung Gottes!) das zweite entscheidende Kriterium, um bisherige Kirchenlehren zu korrigieren. Ein Beispiel für den Zusammenhang des normativen Jesus &#8211; Gestalt und der universellen Vernunft: Peter Trummer deutet das “Kreuzesopfer“: „Der Abba, der liebe Vater Jesu, fordert kein Kreuzesopfer, denn ein Gott, der strafen muss (nämlich den grauenvollen Tod seines „Sohnes“ ans Kreuz will, CM), um lieben zu können, wäre ein Widerspruch in sich.“ (S. 147). Weil dieser Gott einem menschlich immer gebotenen vernünftigen Verstehen der göttlichen Wirklichkeit, die diesen Namen verdient, total widerspricht…<br />
Noch deutlicher zum selben Thema schreibt Trummer: „Würde ein irdischer Vater so abwegig handeln (also den eigenen Sohn zum grauenvollen Tod ans Kreuz schicken, CM), er könnte als Vater nur in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher landen. Für eine solche ver &#8211; rückte Glaubensdeutung können wir bei unseren Gesprächspartnerinnen wenig Verständnis erwarten, auch nicht dafür, dass wir dies mit unseren Mess-Opfern auch noch so oft feiern wollen.“ (S. 157.)<br />
Damit wird sehr richtig deutlich gesagt: Auch Gott selbst untersteht als absolute geistige Wirklichkeit dem universell geltenden Vernunft &#8211; Prinzip der Liebe und Gerechtigkeit, eine Erkenntnis, die der israelisch -deutsche Philosoph Omri Boehm für das Alte Testament beschrieben hat. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15297_auch-gott-untersteht-dem-recht-und-der-gerechtigkeit_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a>. https://religionsphilosophischer-salon.de/15297_auch-gott-untersteht-dem-recht-und-der-gerechtigkeit_buchhinweise/philosophische-buecher</p>
<p>8.<br />
Unter den viele anregenden Themen des Buches ein Hinweis: Peter Trummer kritisiert mit guten Gründen sehr treffend die bis heute üblichen, ausschließlich vom männlichen Klerus zelebrierten „Mess- Opfer &#8211; Feiern“. Den wahren und den Intentionen Jesu entsprechenden katholischen Gottesdienst sieht er eher in schlichten Mahl-feiern. Wer das Neue Testament sehr gut kennt, wie Trummer, weiß: Das Miteinanderspeisen in einer offenen, schlichten Tischgemeinschaft ,mit der Erinnerung an Jesus von Nazareth, ist das „Wesen des Christentums“, was ja schon der katholische Theologe Franz Mußner um 1970 betonte.</p>
<p>9.<br />
Peter Trummer weist mehrfach in diesem Buch auf die Mängel der ersten Einheitsübersetzung des Neuen Testaments unter Leitung der katholischen Bischöfe hin. Viele Beispiele werden genannt, dabei geht es um grundlegende Übersetzungsfehler, die sich in scheinbaren „Nuancen“ verstecken. (S. 105, 167, 183 usw..) Nur ein Beispiel: Die Übersetzung des Verses im Galaterbrief des Apostels Paulus (Gal. 1,15f.) heißt in der Ausgabe der „Einheitsübersetzung“ von 1980: „Es gefiel Gott mir seinen Sohn zu offenbaren“. Richtig heißt es in der Ausgabe von 2018: „ Es gefiel Gott… IN MIR seinen Sohn zu offenbaren“. (S. 167). Durch dieses „in mir“ wird der innere, unmittelbare Vorgang der Offenbarung betont. Welch ein wichtiger Unterschied!</p>
<p>10.<br />
Es fehlt mir in dem Buch eine ausführliche Auseinandersetzung mit der unsinnigen Erbsünden-Lehre als Dogma, sie ist direkt oder als immer präsenter Hintergrund entscheidend verantwortlich für die Irrwege der (nicht nur katholischen, sondern auch reformierten, lutherischen) Kirchenlehre und Kirchenpraxis. Die Erbsünden-Ideologie bestimmt bis heute die meisten Kirchen. Und weil ein Dogma nun einmal angeblich für ewige Zeiten umkorrigierbar besteht, so will es der diese Dogmen erfindende Klerus, gibt es also wenig Aussichten, dass sich die Kirchen von dieser Ideologie des Augustinus befreien.</p>
<p>11.<br />
Einer weiteren Klärung bedürftig finde ich Peter Trummers Aussage, der Apostel Paulus „ist … der älteste Zeuge der Ostererfahrung…“ (S. 141). Ich möchte meinen, die ältesten Zeugen der Osterfahrung sind die Apostel und JüngerInnen, die nach dem Schock des Todes Jesu nach einiger (längerer) Zeit wieder Hoffnung fanden und erkannten: Jesus liegt wie alle anderen Menschen als Körper zwar im Grab, aber sein Geist lebt, ist „auferstanden“, so wie der Geist, die Seele aller Menschen &#8211; in irgendeiner Weise &#8211; aufersteht.</p>
<p>12.<br />
Man freut sich angesichts dieses Buches, dass es die „Kirchliche Druckerlaubnis“ (meist durch „General &#8211; Vikare“ ausgesprochen) nicht mehr gibt, und auch der Index ist abgeschafft, so kann Peter Trummer seine richtigen Vorschläge unters Volk bringen. Wie viele herzliche Dankesbriefe er von katholischen Bischöfen schon erhalten hat, wird er uns in seinem nächsten Buch mittteilen, hoffen wir.</p>
<p><strong>Fußnote 1</strong>:   Ich erinnere an das grausige ideologische Karfreitags &#8211; Lied des eigentlich manchmal noch nachvollziehbaren Theologen und Poeten Paul Gerhardt, aus dem Jahr 1647:</p>
<p><em>&#8222;Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt ..“,</em> Evangelisches Gesangbuch, 1993, dort die Nr. 83).</p>
<p>Dort heißt es in den ersten drei Strophen ziemlich brutal:</p>
<p>1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget allen Freuden; es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: &#8222;Ich will’s gern leiden.&#8220;</p>
<p>2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen: &#8220;Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zur Straf und Zornesruten; die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.&#8220;</p>
<p>3. &#8222;Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dir’s tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.&#8220; O Wunderlieb, o Liebesmacht, du kannst – was nie kein Mensch gedacht – Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen…..</p>
<p>Wann wird sich die Evangelische Kirche dafür entschuldigen, dass sie diesen theologischen Schrott noch heute in den Gemeinden singen lässt, am evangelischen Hochfest, dem Karfreitag! Wann wird dieses Lied aus dem Gesangbuch verschwinden?</p>
<p><em>Auch die Katholische Kirche</em> hat zahllose Kirchen-Lieder &#8222;im Einsatz&#8220;, die Jesus als Opferlamm, als &#8222;Agnus Dei&#8220;usw. ständig ansprechen und preisen.</p>
<p>Sehr drastisch ist das Schlusslied aus der Messe von Michael Haydn, sein Schlusslied hat den Titel: <em>&#8222;Nun ist das Lamm geschlachtet, das Opfer ist vollbracht</em>&#8222;. Der katholische Priester hat förmlich &#8211; geistig, symbolisch,  real wie auch immer &#8211; am Altar in der Messe das Lamm Christus &#8222;geschlachtet und das Opfer (Christi) noch mal vollbracht&#8230;&#8220;. Welch ein Wahn eines Klerikalismus, eines  Priester-Verständnisses, das an uralte jüdische oder heidnisch &#8211; römische Priester in den jeweiligen Tempeln mit allerhand Schlachtereien erinnert&#8230;PS: Vegetarier damals sollen sich geweigert haben, diesen Unsinn zu singen&#8230;</p>
<p>Die erste Stophe:</p>
<p>Nun ist das Lamm geschlachtet,<br />
das Opfer ist vollbracht.<br />
Wir haben jetzt betrachtet,<br />
Gott, deine Lieb’ und Macht.<br />
Du bist bei uns zugegegen;<br />
aus deinem Gnadenmeer<br />
ström’ uns dein Vatersegen<br />
durch dieses Opfer hier&#8230;. (Michael Haydn).</p>
<p>.</p>
<p><em>Peter Trummer, Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit. Herder Verlag, 2026, 192 Seiten, gebundene Ausgabe 22 €, eBook 16,99 €.</em></p>
<p>In der Zeitschrift &#8222;Christ in der Gegenwart&#8220; hat sich Peter Trummer im Februar 2026 zum Thema des Buches zusammenfassend geäußert. <a href="https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2026/8-2026/jesus-ohne-opfer/">LINK </a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 15:08:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Gott in Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[das Christentum wird ersetzt durch die Religion der universalen Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac schätzt Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac und Pétain]]></category>
		<category><![CDATA[de Lubac wird vom progressiven Theologen zum vatikanischen Theologen]]></category>
		<category><![CDATA[der katholsiche Theologe Henri de Lubac und sein Buch über Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[eine neue Religion der Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit für alle ist etwas Göttliches]]></category>
		<category><![CDATA[Henri de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Henri de Lubac ein progressiver Theologie wird konservativ]]></category>
		<category><![CDATA[Proudhon ist ein Theologe sagt de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Proudhon lehrt die Gerechtigkeit als Göttliches]]></category>
		<category><![CDATA[theologische Auseinandersetzung mit Proudhon]]></category>
		<category><![CDATA[wer ist der Theologe Henri de Lubac]]></category>
		<category><![CDATA[Yves de Montcheuil]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der katholische Theologe Henri de Lubac setzt sich in seinem Buch über Proudhon (veröffentlicht 1945) objektiv, aber doch voller Wohlwollen mit dessen Lehre von der universalen Gerechtigkeit auseinander. Für Proudhon ist die Gerechtigkeit etwas Göttliches, das höchsten Respekt und Achtung unter allen Menschen verdient. Proudhon meint sogar, das kirchliche Christetum, das er ablehnt, werde durch eine neue Religion der Gerechtigkeit ersetzt. De Lubac schreibt dieses Buch während des Pétain-Regimes, er mahnt die Christen, mehr auf die Gerechtigkeit als auf die Dogmen und Riten der Kirche zu achten. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich">Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis auf ein Buch von Henri de Lubac über Proudhon<br />
Von Christian Modehn am 2.2.2026</p>
<p>„Revolution und Gerechtigkeit“: Für diese Ziele kämpft der radikale Philosoph Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) in seinem sehr umfangreichen Werk. Mit diesem rebellischen, heftig kirchenkritischen Denker beschäftigt sich objektiv, aber durchaus auch voller Sympathie der katholische Theologe Henri de Lubac in seinem Buch „Proudhon et le christianisme“.<br />
Warum ist es wichtig, daran zu erinnern? Der Theologe veröffentlicht sein Buch unmittelbar nach dem Zusammenbruch der rechtsradikalen, faschistoiden Pétain-Diktatur. Eine denkwürdige Konstellation. Der prominente katholische Theologe zeigt den (französischen) Christen nach dem Ende des Pétain &#8211; Regimes: Die meisten Katholiken haben das Regime unterstützt. Hätten sie die Gerechtigkeit für alle als etwas Göttliches angesehen, wäre der Zusammenbruch der Republik, die Verfolgung der Juden und der Linken nicht möglich geworden. Also: Hätten sie den verschmähten antiklerikalen Philosophen Proudhon gelesen, was er über die Gerechtigkeit schreibt…</p>
<p>1.<br />
Das Buch „Proudhon et le christianisme“ wird 1945 in den „Editions du Seuil“, Paris, veröffentlicht, ein Jahr nach der Überwindung der Herrschaft des Vichy-Regimes. De Gaulle ist am 26. 8.1944 in das befreite Paris einmarschiert.</p>
<p><em>Die Studie des katholischen Theologen de Lubac erscheint unmittelbar nach der Überwindung des antisemitischen, menschenfeindlichen, anti-demokratischen Pétain-Regimes. Aber die LeserInnen werden erstaunt sein, dass es nur einen einzigen winzigen Hinweis auf die Zeit dieses Nazi-ergebenen Regimes Pétain im Buch gibt: De Lubac widmet seine Studie einem Priester, einem Jesuiten, der in der Résistance aktiv war und von der Gestapo am 10.8.1944 ermordet wurde. Sein Name:  <strong>Yves de Montcheuil.</strong> Da veröffentlicht also der schon damals berühmte Theologe de Lubac ein Buch 1945 und verbindet das Thema nicht mit der politischen Aktualität. Das Buch &#8222;Proudhon et le christianisme&#8220; ist trotz dieser &#8222;politischen Abgehobenheit&#8220; wichtig. </em></p>
<p>2.<br />
Der Autor ist ein schon damals bekannter Theologe im Jesuitenorden: Henri de Lubac wurde geboren 20.2.1896, gestorben ist er am 4.9.1991. Im Jahr 1929 wurde er Professor für „Fundamentaltheologie“ an der Hochschule der Jesuiten in Lyon. 1938 hatte er das viel beachtete Buch „Catholicisme“ veröffentlicht. Darin plädiert er für ein großzügiges, weites Konzept des Katholischen in der heutigen Welt, „alles Menschliche in höchstmöglicher Liebe einschließend“, schreibt der Theologe Herbert Vorgrimler. (Quelle: FUßNOTE 1)<br />
3.<br />
Aber Liebe zu allen Menschen erfordert auch den Widerstand gegen Rechtsradikale, Antisemiten, Faschisten: De Lubac gehörte während des Vichy-Regimes des Marschall Pétain und seiner Nazi &#8211; Freunde zur Résistance in Lyon. Besonders zum „intellektuellen Widerstand“ derer, die den unmittelbar politisch Handelnden im Widerstand helfen, durch persönliche Unterstützung, auch durch theoretische Arbeiten: De Lubac war eng verbunden mit den eher kleinen Kreisen der katholischen Résistance, die sich in Lyon um die geheimen Widerstandszeitschrift „Cahiers du Témoignage Chrétien“ sammelten. Das Motto dieser &#8211; bis heute bestehenden &#8211; Zeitschrift: „Vérité et Justice quoi qu il en coute“, „Wahrheit und Gerechtigkeit, koste es, was es wolle“.<br />
4.<br />
De Lubac weiß aus eigener Erfahrung, dass nur ein kleiner Teil des Klerus und der „praktizierenden katholischen Laien“ das Vichy Regime aktiv bekämpfte. Die mehrheitlich „braven Christen“ (Mitläufer, Nazi-Freunde etc.) will er durch sein Buch daran erinnern: Der Philosoph Proudhon, zwar ein heftiger Feind der Kirche, stellt auf vorbildliche Weise das Thema der Gerechtigkeit für alle Menschen (zumal für die Menschen im Elend, in Armut) in den Mittelpunkt. Proudhon bewertet die Gerechtigkeit für alle Menschen so hoch ein, dass er ihr sehr deutlich in seinen zahlreichen Publikationen göttliche Qualitäten zuspricht. Die Christen haben also nach Meinung de Lubacs von einem antiklerikalen Gegner der Kirche zu lernen! Man möchte sagen: Trotz dieser Aussagen erhielt diese Proudhon-freundliche Studie des Jesuiten de Lubac die damals erforderliche „kirchliche Druckerlaubnis“.<br />
5.<br />
De Lubac arbeitete an seiner &#8211; übrigens leicht lesbaren &#8211; wissenschaftlichen Studie über Proudhon (316 Seiten mit zahllosen Belegen und wissenschaftlichen Verweisen) natürlich schon einige Jahre, also zu Zeiten der Herrschaft des Pétain Regimes. De Lubacs Erkenntnis ist eine Provokation für alle Katholiken, die Proudhon bisher als Feind Nr. 1, als Anarchisten, Kommunisten usw. bewerteten. Proudhon hingegen, in der Sicht de Lubacs, will die Religion keineswegs zerstören, sondern auf neue Weise retten, aber er will nicht die bestehende Kirche unterstützen: „Um die Religion wiederherzustellen, muss man die Kirche verurteilen.“ (S. 85).Und die Religion? Sie ist für Proudhon vor allem die Verehrung der göttlichen Gerechtigkeit! De Lubac schreibt ein eigenes Kapitel mit dem Titel: „Proudhon der Theologe.“ Das heißt: Er ist zwar antiklerikal, aber er verdient den Titel Theologe (S.112).<br />
6.<br />
Proudhon neu zu bewerten, ihn aus der üblichen oberflächlichen Interpretation eines „Anarchisten“ oder Atheisten und Kommunisten usw. zu befreien, ist für de Lubac eine theologische Verpflichtung. Denn durch die Hochschätzung der Gerechtigkeit für alle entsteht eine Art neue, große Ökumene: Sogenannte Antiklerikale haben eine tiefe, eine radikale Hochachtung für die Gerechtigkeit, das beweist die Résistance der Sozialisten, Kommunisten, Freidenker. Mit ihnen zusammen haben einige Christen in der Résistance gekämpft, warum sollte diese Gemeinschaft nicht weitergehen? Die „göttliche Gerechtigkeit“ verbindet doch unterschiedliche Menschen! Aber diese Gedanken wurden auch von einer auf sich selbst fixierten Kirche nach 1945 nicht weiter gedacht, schließlich waren ja nun die Kommunisten Feind Nr.1 der Kirche….<br />
7.<br />
Gerechtigkeit steht als Prinzip der Gestaltung von Welt und Gesellschaft an oberster, „göttlicher“ Stelle, betont also Proudhon. Und er zieht daraus die Konsequenz: Ein Christ, der sich nicht für die umfassende soziale Gerechtigkeit interessiert und einsetzt, handelt nicht entsprechend der Logik seines Glaubens (S. 221). De Lubac ist überzeugt: Diese Hochschätzung der Gerechtigkeit „kann man nicht anders als religiös qualifizieren“ (S.297). De Lubac meint sogar: Proudhon erlebe der Gerechtigkeit gegenüber sogar einen „Schauder des Heiligen“ (ebd.) Proudhon ist überzeugt: „Das Gerechte, das Schöne, das Wahre ist die Religion der Zukunft“ (ebd.). Letztlich will er das kirchliche Christentum in der modernen Welt durch die Idee der heiligen Gerechtigkeit ersetzen. De Lubac widmet darum ein eignes Kapitel der Bindung Proudhons an die Gerechtigkeit: „Adoration de la Justice“, „Anbetung der Gerechtigkeit“ ist der Titel (S. 294ff).<br />
8.<br />
De Lubac hat als Theologe durchaus Anfragen an dieses Konzept der göttlichen Gerechtigkeit. Etwa: Sollte nicht doch ein transzendenter Gott mit &#8211; bedacht werden, weil er diese Idee der Gerechtigkeit, die in allen Menschen letztlich lebt, „geschaffen“ hat? Denn Proudhon denkt selbst an den Schöpfer: „Gerechtigkeit als das Wesen der Menschheit ist förmlich etwas Angeborenes in der Seele der Menschen“ (S. 302). Angesichts dieser Erkenntnis muss Proudhon betonen: „Diese starke Idee der `angeborenen Gerechtigkeit im Menschen` bleibt ein Geheimnis“ (S. 313).<br />
9.<br />
Bis heute fällt auf: Katholische Autoren erwähnen NICHT in ihren Studien zu dem inzwischen offiziellen vatikanischen Theologen de Lubac dessen Buch „Proudhon et le Christianisme“: Nur ein Beispiel: <a href="https://kath-akademie-bayern.de/mediathek-eintrag/henri-de-lubac-und-die-theologie-der-gegenwart-2/">LINK</a>.<br />
Hingegen war nicht-katholische Presse unmittelbar nach Erscheinen voller Lob: LINK.  www.persee.fr/issue/r1848_1155-8792_1946_num_37_172<br />
10.<br />
Die weitere theologische Entwicklung de Lubacs kann hier nicht dargestellt werden: Er hatte sich seit 1950 zu einem progressiven theologischen Störenfried entwickelt mit entsprechenden Bestrafungen durch den Vatikan (Lehrverbot etc..). Allerdings wurde er durch Papst Johannes XXIII. als theologischer Berater in das 2. Vatikanische (Reform-) Konzil berufen. Seit der Zeit allerdings verbreitete de Lubac eher offizielle, papstfreundliche akzeptable Positionen, wobei seine Interessen etwa für den Buddhismus etwas Besonderes bleiben. Papst Benedikt XVI. auch Papst Franziskus schätzten de Lubac, im hohen Alter wurde er noch zum Kardinal durch Papst Johannes Paul II. ernannt. Heute sind es eher konservative Theologen und Bischöfe, die den nun offiziell katholischen Theologen de Lubac verehren, von Auseinandersetzungen mit Proudhon und dessen Maxime „Eigentum ist Diebstahl“ ist von diesen konservativen Theologen nichts zu hören. Darum merke: Selbst anfänglich progressive Theologen (wie de Lubac anfänglich) werden zu Vertretern des offiziellen Lehr &#8211; Systems, wenn sie von Papst und Bischöfen integriert und belohnt werden…<br />
Nun soll der Mann, der 1945 den Kirchenkritiker und Agnostiker Proudhon so sympathisch fand, auch noch „selig gesprochen“ werden, also als Fürsprecher im Himmel von Katholiken hier auf Erden angefleht werden, so beschloß es die Konferenz der französischen Bischöfe 2023. Ob dadurch auch Proudhon etwas in den Stand des Seligen gerät? Eher unwahrscheinlich!<br />
11.<br />
Posthum erschien eine Studie Proudhons über Jesus: „Jésus et les Origines du christianisme”, „Jesus und die Ursprünge des Christentums“. Darin interessiert sich der theologische Agnostiker und Kirchenfeind vor allem für die menschliche Person Jesu im historischen Umfeld. Schon seit seiner Jugend hat sich Proudhon für die Jesusgestalt interessiert. Ausführliche Darstellungen über Jesus bietet auch das Buch „De la justice dans la Révolution et dans l&#8217;Église” („Über die Gerechtigkeit in der Revolution und in der Kirche“). Die Arbeiten über Jesus zeigen Proudhon als Bibelwissenschaftler, Soziologen und Philosophen. Der Theologe Gérard Bessière hat zu dem Thema ein wichtiges Buch veröffentlicht, das leider auch &#8211; in Deutschland &#8211; wenig Beachtung fand. (Fußnote 2)<br />
12.<br />
Unsere, von de Lubac inspirierte Erinnerung an Proudhon, an dessen Hochschätzung der Gerechtigkeit, ist natürlich keine „Seligsprechung“ Proudhons.<br />
Wir wissen, dass er ein damals übliches, sehr enges Bild von Familie hatte, dass er die Homosexualität ablehnte und auch antisemitische Äußerungen in die Welt setzte.<br />
Trotz dieser Begrenztheiten: Über die göttliche Gerechtigkeit lässt sich weiter nachdenken. Der Philosoph Omri Boehm zeigt in einer Interpretation des alttestamentlichen Mythos vom Untergang Sodoms: Gott ist selbst an die Gerechtigkeit gebunden, Gott steht nicht über der Gerechtigkeit: Darauf wird im Mythos Gott selbst von Abraham belehrt (etwa: Genesis 18).<br />
In einer Besprechung des Buches „Radikaler Universalismus“ von Omri Boehm hat Christian Modehn geschrieben: „Da die Gerechtigkeit universell ist, steht sie auch über der Autorität der einen wahren Gottheit“ (zit. S. 53 in Boehms Buch). Diese über allem und allen stehende Gerechtigkeit ist entscheidender noch als Gott! Das in dieser Deutlichkeit zu sagen, ist sensationell, weil dann Gott nicht mehr der „Aller-Oberste“ ist. Es gibt eine Art „Gott über Gott“, und dies ist die universale Gerechtigkeit. Aber die zeigt sich in der Erfahrung der Menschen als eine nicht von Menschen gemachte und von Menschen verfügbare Wirklichkeit.“ Quelle: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/ueber-gott-steht-die-gerechtigkeit">LINK</a><br />
13.<br />
Proudhon und sein Interpret de Lubac (1945) hätten sich über diese Erkenntnis des (an Kants Philosophie geschulten) Philosophen Omri Boehm sehr gefreut. Wir freuen uns, dass offenbar manche Erkenntnisse der Philosophie Proudhons doch nicht ganz verschwinden und aktuell eine Bestätigung finden.</p>
<p>Fußnote 1: Orientierung, Zeitschrift der Jesuiten, Zürich, 1970, S. 107<br />
Fußnote 2: Gérard Bessière, Jésus selon Proudhon. La « messianose » et la naissance du christianisme, Paris, Éditions du Cerf, 2007, 484 p.</p>
<p>Fußnote 3: Zum Thema &#8222;Eigentum ist Diebstahl&#8220; (Proudhon) <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13911_eigentum-ist-diebstahl-proudhon-1809-1865_religionskritik">LINK</a></p>
<p>Fußnote 4: zum Thema: Superyachten &#8211; die obszönen Kapitalisten und Milliardäre, Hinweis auf ein wichtiges Buch:  <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15446_superyachten-das-obszoene-des-kapitalismus_religionskritik"><em>LINK</em></a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21536_gerechtigkeit-ist-etwas-goettliches-wenn-ein-katholischer-theologe-den-kirchenfeind-proudhon-lobt_gott-in-frankreich">Gerechtigkeit ist etwas Göttliches:  Wenn ein katholischer Theologe den Kirchenfeind Proudhon lobt.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Der christliche Glaube ist einfach &#8211; Auch das Bekenntnis ist einfach!</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21344_der-christliche-glaube-ist-einfach-auch-das-bekenntnis-ist-einfach_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Dec 2025 11:41:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Karl RAHNER]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Weiter Denken]]></category>
		<category><![CDATA[christliches Glaubensbekenntnis ist einfach]]></category>
		<category><![CDATA[das Bekenntnis von Nizäa überwinden]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben ist einfach]]></category>
		<category><![CDATA[Heiner Wilmer für ein einfaches Glaubensbekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Karl RAHNER plädiert für ein einfaches Glaubensbekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Frido Pflüger über das Wesentliche des Glaubens]]></category>
		<category><![CDATA[was ist Beten für Pater Frido Pflüger]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Gräb über das Wesen des christlichen Glaubens]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=21344</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der christliche Glaube ist keine komplizierte Theorie. Das Glaubensbekenntnis der Christen ist einfach, in wenigen Worten auszusagen. Das muss angesichts des komplizierten Glaubensbekenntnisses von Nizäa (im Jahr 325!) gesagt werden. Dazu äußern sich Karl RAHNER, der Jesuit Frido Pflüger, Pater Heiner Wilmer und der Protestant Prof Wilhelm Gräb. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21344_der-christliche-glaube-ist-einfach-auch-das-bekenntnis-ist-einfach_befreiung">Der christliche Glaube ist einfach &#8211; Auch das Bekenntnis ist einfach!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.12.2025 &#8230; nicht nur zum Weihnachtsfest aktuell&#8230;</p>
<p>1.</p>
<p>Anläßlich des Gedenkens an das Konzil von Nizäa vor 1.700 Jahren wurde viel über das dort formulierte christliche Glaubensbekenntnis gesprochen, es wurde später noch ausführlicher propagiert … gegen allerlei Ketzer … immer in einer Sprache der griechischen Philosophie: Für die meisten Menschen &#8211; zumal außerhalb Europas &#8211; sind dies eher unverständliche, existentiell nicht berührende Thesen. Aber die Kirchenführer und die ihnen ergebenen Theologen wärmen förmlich diese alten Texte immer wieder auf … um ihre klerikale Macht zu beweisen. Alte Dokumente haben bekanntlich nur Bedeutung, wenn sie zu neuen Interpretationen auffordern…</p>
<p>2.</p>
<p>In den zahlreichen Ra&shy;dio&shy;sen&shy;dungen von Christian Modehn können immer wieder wichtige Hinweise entnommen werden, die eine moderne und vernünftige christliche Spiritualität inspirieren.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>3.</p>
<p>Im März 2014 sendete der Hessische Rundfunk in seiner Reihe „Camino“ (Red. Klaus Hofmeister) das Feature von Christian Modehn mit dem Titel „Glauben ist einfach“.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wir dokumentieren einige O Töne zum Thema „Glauben ist einfach“: Gemeint ist: Der christliche Glaube lässt sich auch heute in wenigen Worten nachvollziehbar sagen, er braucht nicht das ständige Beschwören und Wiederholen der uralten Bekenntnisse vor 1.700 Jahren. Damals hatten diese Christen den Mut, in ihrer Sprache der Philosophie den Glauben zu sagen, heute haben Theologen selbstverständlich die Freiheit, auf ihre Art, in ihrer Sprache, ihre christliche Spiritualität zu sagen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>3.</p>
<p>Der katholische Theologe Karl Rahner ist sicher einer der wegweisenden Denker des Christelichen, er ist 1984 im Alter von 80 Jahren verstorben. Er legte in seinen zahlreichen Publikationen allen Nachdruck auf<span class="Apple-converted-space">  </span>den einen, entscheidenden Mittelpunkt des Glaubens:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><span class="Apple-converted-space"> </span>O TON Karl RAHNER:<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p><b>„</b>Weil wir alle Religionsunterricht gehabt haben, kann es vielleicht so aussehen, als ob das Christentum, gerade das katholisch- kirchliche Christentum, eine ungeheure Menge von Dingen sagt, einen indoktriniert und zu glauben befiehlt. In Wirklichkeit sagt das Christentum das Selbstverständlichste, das gleichzeitig unbegreiflich ist: In deinem Leben ist immer schweigend,<span class="Apple-converted-space">  </span>umfassend bergend, liebend das namenlose Geheimnis am Werk, ein Christentum, das eigentlich sehr einfach ist.<b><span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Alle subtile Theologie, alles Dogma, alles Kirchenrecht, alle Institution, alles Amt und alle seine Vollmacht; alle heiligen Liturgie und alle mutige Mission, haben nur das einzige Ziel: Glaube und Hoffnung und Liebe zu Gott und dem Menschen. Alle anderen Pläne und Taten der Kirche aber würden absurd und pervers, wollten sie sich dieser Aufgabe entziehen und allein sich selbst suchen.“</p>
<p><b>4.</b></p>
<p>Dem Projekt, auf neue Art einen einfachen, insofern armen Glauben zu formulieren, folgte etwa auch der Theologe Pater Heiner Wilmer, ihn konnten wir 2014 als Provinzial seines Ordens interviewen, inzwischen ist Wilmer Bischof von Hildesheim.</p>
<p><b>O TON, Heiner Wilmer,</b></p>
<p><b>„</b>Ich bin fest davon überzeugt, dass der Glaube der Zukunft nur ein armer Glaube sein kann in einer armen Kirche. Und arm verstehe ich hier als Selbstbescheidung, als Konzentration auf das Wesentliche, und ich verstehe darunter ein Zurückdrängen von Nebensächlichkeiten. Auch nebensächlichen Schauplätzen, auf die wir uns immer zu sehr getummelt haben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Also Glaube ist Vertrauen. Und der Gegenbegriff von Glaube ist nicht Unglaube, sondern Angst. Der gläubige Mensch ist jemand, der ein tiefes Vertrauen hat ins Leben, das Geheimnis seines eigenen Lebens. Zur Ethik:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn du dich um andere kümmerst, wirst du selbst groß. Wenn du auf andere zugehst, wächst du innerlich. Wenn du deinen eigenen Horizont sprengst und die Welt offen siehst, und auch auf Unbekanntes mutig zugehst, wirst du selbst in ungeahnter Weise wachsen und zu einer erstaunlichen Größe gelangen, die dich selbst verblüfft.</p>
<p>5.</p>
<p>Der protestantische Theologe Professor an der Humboldt Universität in Berlin war als „liberaler Theologe“ immer offen für neue Formulierungen des Glaubens. Er sagt uns in einem Interview 2013: Wilhelm Gräb von der Berliner Humboldt Universität betont: <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>O TON, Wilhelm Gräb:</b></p>
<p>Das Wesen des christlichen Glaubens ist, dass das Christentum die Menschwerdung Gottes behauptet, in dem Sinne, dass wir die Entgrenzung dieser Aussage verstehen: Nicht nur in dem einen Individuum des Jesus von Nazareth ist Gott Mensch geworden. Er wird es in jedem Menschen. Jedem Menschen wohnt eine göttliche Dimension inne, dass jeder Mensch in sich selbst unendlich wichtig ist, das<b> </b>ist das Wesen des Christlichen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wilhelm Gräb ist leider 2023 gestorben im <a href="http://www.religionsphilosophischer-salon.de">www.religionsphilosophischer-salon.de</a> sind zahlreiche Interviews mit Prof. Gräb nachzulesen, die Fragen stellte Christian Modehn.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>6.</p>
<p>Frido Pflüger hat als Jesuit viele Jahre in Uganda und Kenia gearbeitet. Im Rahmen des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes hat er dort für ein menschenwürdiges Leben ausgehungerter, sterbenskranker Flüchtlinge aus den benachbarten Krisengebieten gekämpft. Inzwischen leitet Pater Pflüger den Jesuitenflüchtlingsdienst in Berlin. Pater Pflüger ist 2021 an Covid in Uganda gestorben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Inmitten eines aufreibenden politischen Engagements hat Frido Pflüger das Grundlegende, das Wesentliche des christlichen Glaubens entdeckt:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>O TON</b>, <b>Frido Pflüger.<span class="Apple-converted-space"> </span></b></p>
<p>Das erste Wesentliche ist für mich in meinem eigenen Leben,<span class="Apple-converted-space">  </span>dass ich diese Grundüberzeugung habe, dass mein Leben sinnvoll ist, dass mein Leben getragen oder gegründet ist auf einen Ursprung, der hält. Und das ist das Wesentlichste am christlichen Glauben, dass ich davon auch Sicherheit für mein eigenes Leben verspüre. Das heißt, das ist die Basis dafür, dass ich auch ausgreifen kann, dass ich was tun kann, dass ich einfach keine Angst haben muss um mein Leben. Egal, was ich mache. Ich sag es mal einfach so: Ich kann mein Leben auch in die Pfanne hauen für andere. Ich mach mir auch nicht viel Gedanken über das Spätere. Ich hab einfach so große Zuversicht, dass mein Leben nicht scheitern wird, dass mir das eine große Lebensgewissheit ist und Sicherheit für jetzt gibt.<span class="Apple-converted-space">  </span>Was mir diese Sicherheit dann gibt, ist mein Glaube an die Auferstehung. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>O TON, </b>Für<b> Frido Pflüger</b> ist in dem Zusammenhang das Thema Beten wichtig:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auf der einen Seite kommt natürlich durch die Erfahrung von Leid und Not, auch Tod, andere Dimension ins Gebet. Weil das einfach Anliegen meines Gebets wird.<span class="Apple-converted-space">  </span>Dass ich die Menschen, die ich kenne und die in diesen Situationen leben, dass ich für sie bete. Das Beten heißt: Dass sie in meinem Herzen sind, in meinem Herzen mit Gott verbunden. Und auf der anderen Seite gibt das Gebet natürlich trotzdem dann auch für mich Bestärkung, meinen Weg weiterzugehen. Und den Sinn für mein Leben zu bestärken, dass ich diese Dinge zugunsten der Armen mit den Armen tun kann. Denn manchmal ist man auch einfach müde, und da brauche ich diese Kraft, dass ich mein Herz öffne für die Leute.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, <a href="http://www.religionsphilosophischer-salon.de">www.religionsphilosophischer-salon.de</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21344_der-christliche-glaube-ist-einfach-auch-das-bekenntnis-ist-einfach_befreiung">Der christliche Glaube ist einfach &#8211; Auch das Bekenntnis ist einfach!</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Papst Leo verteidigt das uralte, das veraltete Glaubensbekenntnissen des Konzils in Nizäa (325).</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21198_papst-leo-verteidigt-das-uralte-das-veraltete-glaubensbekenntnissen-des-konzils-in-nizaea-325_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2025 20:49:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekte]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA["Gemeinsame Erklärung" von Papst Leo XIV. und Patriarch von Konstantinopel]]></category>
		<category><![CDATA[apostolisches Schreiben über Ökumene von Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[das Glaubensbekenntnis von Nizäa versteht niemand mehr]]></category>
		<category><![CDATA[das Glaubensbeknntnis von Nizäa überwinden]]></category>
		<category><![CDATA[das neue Ökumene- Dokument des Papstes Leo]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinsames Dokument Papst-Patriarch von Konstantinopel lobt Nizäa]]></category>
		<category><![CDATA[Leo XIV. verteidigt das Glaubensbekenntnis von Nizäa (325)]]></category>
		<category><![CDATA[mehr ökumenischer Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Ökumene als Papierflut-Erzeugung]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo veröffentlicht ein Dokument über die Ökumene]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=21198</guid>

					<description><![CDATA[<p>Papst Leo XIV. hat am 23.11. 2025 ein "apostolisches Schreiben" zur Ökumene veröffentlicht. Anlass ist seine Reise nach Nizäa in der Türkei. Papst Leo verteidigt das bis heute übliche, aber unverständliche Glaubensbekenntnis von Nizäa, es erklärte den Menschen Jesus von Nazareth zum Gott. Von Jesus als Juden ist keine Rede mehr. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21198_papst-leo-verteidigt-das-uralte-das-veraltete-glaubensbekenntnissen-des-konzils-in-nizaea-325_befreiung">Papst Leo verteidigt das uralte, das veraltete Glaubensbekenntnissen des Konzils in Nizäa (325).</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein aktueller Hinweis von Christian Modehn, am 23.11.2025.  Über das starre und sture Festhalten des Papstes (und anderer Kirchenführer) an einem heute unverständlichen Glaubensbekenntnis.</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..</p>
<p><em>ERGÄNZT am 1. Dezember 2025:</em> Wenig überraschend ist für kritische TheologInnen die &#8222;Gemeinsame Erklärung&#8220;, die Papst Leo XIV. und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Patriarch Bartholomaios I., <em>am  Samstag, 29.11.2025,</em> in Istanbul unterzeichnet haben. Quelle:  <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-11/wortlaut-gemeinsame-erklaerung-leo-xiv-bartholomaios-istanbul.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK   </a></p>
<p>Wir weisen zu diesem Text nur darauf hin: Das Glaubensbekenntnis von Nizäa aus dem Jahr 325 wird von Papst Leo und Patriarch Bartholomaios I. selbstverständlich in höchsten Ton gelobt und als Maßstab auch für Gegenwart und Zukunft bezeichnet: Dass heute längst nicht alle christlichen Kirchen dieses Nizäa-Bekenntnis faktisch sehr hoch schätzen, wird nicht erwähnt. Hingegen wird das uralte Bekentnnis inn uralter Sprache noch einmal wiederholt &#8230; etwa:  &#8222;Wir müssen anerkennen, dass uns der Glaube verbindet, der im Glaubensbekenntnis von Nizäa zum Ausdruck kommt. Dies ist der rettende Glaube an die Person des Sohnes Gottes, wahrer Gott vom wahren Gott, homoousios (eines Wesens) mit dem Vater, der für uns und zu unserem Heil Mensch geworden ist und unter uns gewohnt hat, gekreuzigt wurde, gestorben ist und begraben wurde, am dritten Tage auferstanden ist, in den Himmel aufgefahren ist und wiederkommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten. &#8230;&#8220; Und dann noch dieser fromme Wunsch: &#8222;Mit <em>diesem</em> gemeinsamen Bekenntnis können wir uns unseren gemeinsamen Herausforderungen stellen, (suc, CM) indem wir in gegenseitigem Respekt Zeugnis ablegen für den in Nizäa zum Ausdruck gebrachten Glauben und mit echter Hoffnung gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten&#8230;.<em>Wir sind überzeugt, dass die Feier dieses bedeutenden Jubiläums zu neuen und mutigen Schritten auf dem Weg zur Einheit inspirieren kann.&#8220;</em></p>
<p>Der sich orthodox-gläubig nennende Ideologe des Putin-Regimes, Patriarch Kyrill von Moskau, hat an dem Treffen in Istanbul nicht teilgenommen, er steht mit Patriarch Bartholomaios &#8222;auf Kriegsfuß&#8220;..: Weil Bartholomaios die Verbindung Kyrills mit Putin ablehnt. Immerhin hat Bartholomaios dazu den Mut, während der &#8222;Ökumenische Rat der Kirchen&#8220; in Genf die russisch &#8211; orthodoxe Kirche mit dem Kriegstreiber Patriarch Kyrill noch immer<em> nicht</em> aus ihrem ökumenischen Rat rausgeworfen hat.</p>
<p><em>Sehr allgemein und überhaupt nicht konkret haben Leo und Bartholomaios knapp in ihrem Dokument gesagt</em>: „Insbesondere lehnen wir jede Benutzung der Religion und des Namens Gottes zur Rechtfertigung von Gewalt ab.“ Damit können fundamentalistische evangelikale Christen in den USA, fundamentralistische Muslime und fundamentalistsiche Juden, oder eben auch Patriarch Kyrill von Moskau gemeint sein. Ökumene ist halt immer noch eine Sache der frommen Worte und der allgemein gehaltenen Forderungen&#8230; Sind Kirchenführer etwa in erster Linie Diplomaten? Man hat den begründeten Eindruck&#8230;</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;. <em>Der Text, publiziert am 23.11.2025: </em></p>
<p>1.<br />
Papst Leo XIV. hat am 23.11. 2025 ein Dokument veröffentlicht, das sich mit der Einheit der getrennten Kirchen und Christen befasst.<br />
Sagen wir das Erfreuliche zuerst: Eine Rückkehr der Orthodoxen und Protestanten zur römischen „Mutterkirche“ wird es für ihn als Papst nicht mehr geben. (Siehe dazu in der Nr. 12 des Textes: &#8222;Das bedeutet <em>keine Rückkehrökumene zum Zustand vor den Spaltungen,</em> auch keine gegenseitige Anerkennung des aktuellenStatus quo der Vielheit von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, sondern vielmehr eine Zukunftsökumene der Versöhnung auf dem Weg des Dialogs, des Austauschs unserer Gaben und geistlichen Schätze&#8230;&#8220;. Ob dann Rom doch in dieser etwas undeutlichen &#8222;Zukunftsökumene&#8220; siegt, wird man sehen&#8230;</p>
<p>2.<br />
Der Anlass für diesen Text: des Papstes Reise in die Türkei, an den Ort, der einst Nizäa hieß, heute heißt er Iznik. Dort wird er auch den Orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel treffen. Er ist Ehrenprimas aller Orthodoxen.</p>
<p>3.</p>
<p>Wie zu erwarten, lobt Papst Leo in seinem Apostolischen Schreiben das vom Konzil in Nizäa vor 1.700 Jahren formulierte Glaubensbekenntnis in höchsten Tönen.</p>
<p>Der Papst lobt, wie zu erwarten ist in dieser weithin erstarrten vatikanischen Theologie, dass im Bekenntnis von Nizäa die Gottheit des Menschen Jesus von Nazareth als definitive Glaubenslehre herausgestellt wird.<br />
Er lobt also, dass in Nizäa d<em>ie Gottgleichheit Jesu</em> ausgesprochen wurde.<br />
Dabei musste selbstverständlich die griechische Sprache verwendet werden: <em>Es ist das homooúsios, das „wesensgleich“, also nicht etwa „wesensähnlich mit „Gott &#8211; Vater“,</em> Formeln, die die griechische Philosophie so fein unterscheidet.</p>
<p>4.<br />
Papst Leo erwähnt nicht, dass i<em>n dem Bekenntnis von Nizäa fast keine Rede ist von dem Mann Jesus von Nazareth, von dessen Predigten, Handlungen, Weisungen.</em><br />
Der Papst sieht offenbar gar nicht, dass das Bekenntnis von Nizäa Jesus von Nazareth zum Gott macht ohne jeglichen Respekt für die Berichte der Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas im Neuen Testament! Und: dass dieses Glaubensbekenntnis von der jüdischen Herkunft Jesu kein Wort verliert. Denn korrekt müsste es wohl heißen: Gott ist in Jesus nicht nur Mensch, Gott ist ein Jude geworden…Aber das passte nicht in das damalige Konzept, schon damals war die Kirche interessiert, aus der Jesus-Gestalt die Christusgestalt für alle, auch für die Heiden) zu machen.</p>
<p>5.<br />
Der Papst erwähnt den großen Gegenspieler dieses Konzils, den Theologen Arius: Er hatte sehr zurecht seine theologischen Probleme mit den sich selbst „rechtgläubig“ nennenden Bischöfen, die Jesus zum Gott erklärten. Arius betonte, Jesus stehe doch eher mehr auf der Seite der Menschen. Papst Leo XIV. ist in seinem Dokument immerhin so ehrlich zuzugeben, dass selbst viele Bischöfe damals die Lehre des Arius als sympathischer und treffender einschätzten. Leo erwähnt nicht, dass die Schriften des Arius von den sich orthodox nennenden Bischöfen verbrannt wurden…</p>
<p>Der Papst erwähnt auch nicht, dass das Konzil von Nizäa auch einen SEHR politischen Zweck hatte: es sollte die EINE Religion in des Kaisers Reich befördern, denn nur so lässt sich besser herrschen und regieren…</p>
<p>6.<br />
Wir wollen dieses apologetische, fromme und floskelhafte Dokument von Papst Leo XIV. nicht weiter kommentieren.</p>
<p>Wir können nur unser Bedauern äußern, dass <em>mit keinem Wort vom Papst die Aufforderung ergeht, diese  Ökumene nun durch eine neue mutige Praxis voranzubringen;</em> etwa durch Glaubensbekenntnisse (PLURAL!) heute, die diese seit langer Zeit schon unverständliche Sprache der griechischen Metaphysik von Nizäa endlich überwinden. Wer versteht heute noch dieses Glaubensbekenntnis von 325, selbst wenn es oft nachgesprochen und nachgeplappert wird.<br />
Aber diese neuen, modernen Glaubensbekenntnisse sollten doch bitte, dem Neuen Testament folgend, vor allem von dem großen Weisheitslehrer Jesus von Nazareth sprechen, von seiner Bergpredigt, von Jesus als dem MENSCHEN!</p>
<p>7.<br />
Wie schon gesagt: Worüber wir uns nun wirklich etwas freuen: Der Papst will offenbar <em>Abschied nehmen von der im Vatikan bislang üblichen „Rückkehr-Ökumene“</em>, d.h.: dass alle anderen christlichen Kirchen zu Rom zurückkehren und sozusagen römisch -katholisch werden. Das ist schon mal eine gewisse Korrektur des Früheren!</p>
<p>8.<br />
Aber genau in dem Zusammenhang ist es ärgerlich, dass Leo XIV. <em>die orthodoxen Kirchen explizit als Kirchen</em> (selbstverständlich wird die römische Papst &#8211; Kirche als Kirche vorausgesetzt) bezeichnet:<br />
Hingegen von den Kirchen der Reformation spricht er nur von „kirchlichen Gemeinschaften“. Die Protestanten (Lutheraner, Angelikaner, Reformierte, remonstarnten…) sind also für ihn keine Kirchen. Warum? Weil sie nicht in der vom Papsttum definierten (!) apostolischen Sukzession stehen. Also hat der Papst doch &#8211; versteckt &#8211; die Dominanz? Natürlich, nur nicht mehr so undiplomatisch formuliert wie zu Zeiten des polnischen Papstes…(Siehe dazu in der 12. des Schreibens von Leo XIV.: &#8222;Auch wenn uns die volle sichtbare Einheit mit den orthodoxen und altorientalischen <em>Kirchen</em> und den k<em>irchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, noch nicht geschenkt wurde,&#8220;  usw&#8230; Für Spezialisten: Es ist schon komisch, dass der Papst auch die altorientalischen Kirchen (Kopten, Äthiopier  usw.) als Kirchen bezeichnet, sind diese doch &#8222;Monophysiten&#8220;, lehnen also die Christologie der Katholiken und Orthodoxen ab&#8230;</em><br />
Nebenbei: Ich habe auch große Probleme, die us-amerikanischen oder nigerianischen Mega-Churches als Kirchen (und nicht als politisch reaktionäre kapitalistische Unternehmen) zu bezeichnen… aber sind die katholischen Fundamentalisten denn auch Kirche in ihre sektenhaften, von Zölibatären beherrschten Abgeschlossenheit?</p>
<p>9.<br />
Und wie geht also die Ökumene im Sinne des Augustiner- Papstes Leo XIV. weiter: Seine übliche und ständige hilflose Empfehlung auf den Websites des Vatikans heißt: Beten, beten, beten, beten… Empfehlungen also, die nichts Konkretes bedeuten und fordern, sondern alles im himmlischen Fürbitten &#8211; Nebel belassen.</p>
<p>10.<br />
Man könnte doch als angeblich etwas moderner Papst heute sagen: Ab sofort sollen selbstverständlich konfessionsverschiedene Paare gemeinsam zur Kommunion gehen. Und: Auch Protestanten können und sollen an der katholischen Kommunion teilnehmen. Auch Katholiken sollen bitte schün am evangelischen Abendmahl teilnehmen (es wird besser und würdevoller gefeiert als die schnelle Abspeisung der Katholiken bei der Kommunion).<br />
Und auch dies sollte der pPapst in seiner Allmacht sagen: Wir Katholiken haben von den Protestanten endlich etwas gelernt und weihen nun Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen…Und weiter: In tiefster katholischer Diaspora mögen doch bitte die wenigen auf den Dörfern verbliebenen Katholiken Freude daran haben, protestantische Gottesdienste dort zu besuchen (das gilt etwa für Brandenburg, oder für Island, Norwegen etc…).</p>
<p>11.<br />
Nach der Lektüre dieses eher doch langweiligen Papst &#8211; Textes fragt sich der kritische Theologe: Wie viele Texte werden eigentlich noch in den nächsten 100 Jahren, also noch vor dem tatsächlichen Ende der getrennten Kirchen in Europa, zur Ökumene noch veröffentlicht?</p>
<p>Einige Leute „freuen“ uns jetzt trotzdem auf die nächsten päpstlichen Papiere und Dokumente und Ermahnungen und Apostolische Schreiben und Enzykliken und „Synoden“ Beschlüsse usw. usw. Da gibt es doch vieles zu lesen, es sind Lektüren, denen keine neue, reformatorische ökumenische Praxis folgen darf!</p>
<p>Zur Verteifung siehe unseren Beitrag zum Konzil von Nizäa: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/19450_als-jesus-zum-gott-erklaert-wurde-das-bekenntnis-des-konzils-von-nizaea-325-ueberwinden_religionskritik">LINK </a></p>
<p>Der Text des Papstes zur Ökumene vom 23.11.2025:<a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-11/wortlaut-papst-leo-xiv-apostolisches-schreiben-in-unitate-fidei.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE"> LINK</a>.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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		<title>Weihnachten verstehen: Dann können wir Weihnachten besser feiern.</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21114_weihnachten-verstehen-ein-buch-von-frank-kuerschner-pelkmann_aktuelles</link>
		
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 19:29:39 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[über die Kindheit Jesu wird vielfältig berichtet]]></category>
		<category><![CDATA[was bedeutet Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten ist mehr als Konsum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Interview mit dem Autor des Buches „Die Weihnachtsgeschichte – Fakten, Legenden und tiefere Bedeutung“: Frank Kürschner-Pelkmann Die Fragen stellte Christian Modehn am 6.11.2025 Frage von Christian Modehn: Ihr neues Buch über Weihnachten (erschienen im Oktober 2025) hat 680 Seiten, die Fußnoten noch gar nicht mitgezählt. Ihr erstes Buch über Weihnachten aus dem Jahr 2012 [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21114_weihnachten-verstehen-ein-buch-von-frank-kuerschner-pelkmann_aktuelles">Weihnachten verstehen: Dann können wir Weihnachten besser feiern.</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Interview mit dem Autor des Buches <em>„Die Weihnachtsgeschichte – Fakten, Legenden und tiefere Bedeutung“: </em>Frank Kürschner-Pelkmann<br />
Die Fragen stellte Christian Modehn am 6.11.2025</p>
<p><em>Frage von Christian Modehn</em>: Ihr neues Buch über Weihnachten (erschienen im Oktober 2025) hat 680 Seiten, die Fußnoten noch gar nicht mitgezählt. Ihr erstes Buch über Weihnachten aus dem Jahr 2012 „Von Herodes bis Hoppenstedt. Auf den Spuren der Weihnachtsgeschichte“ hatte 696 Seiten. Warum sind Sie so leidenschaftlich, möchte ich fast sagen, an Weihnachten interessiert?Warum ist es Ihnen so wichtig, Aufklärung und Kenntnis zum Weihnachtsfest zu fördern?</p>
<p><em>Antwort Frank Kürschner-Pelkmann</em>: Ich bin überzeugt, dass man durch ein ernsthaftes Studium der biblischen Texte und ihres geistes- und sozialgeschichtlichen Hintergrunds zu einem tieferen Glauben gelangen kann. Das haben bereits manche Denker der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert so gesehen. Damals fehlten aber noch viele Erkenntnisse, die uns verschiedene Wissenschaften inzwischen ermöglicht haben. Um diese spannende Spurensuche zu beginnen, muss man kein Theologieprofessor oder Philosoph sein, sondern es gibt viele auch für Nicht-Experten gut verständliche Darstellungen zu diesen Themen. Ich habe eine große Zahl von theologischen und historischen Darstellungen gelesen, die für die Weihnachtsgeschichten relevant sind, ein Beispiel ist das neue Verständnis von Maria in der feministischen Theologie. Die aus dieser Studienarbeit gewonnenen Erkenntnisse sind durch Zitate und eigene Darstellungen in das Buch eingeflossen. Das hat natürlich zum Umfang des Buches beigetragen.</p>
<p>Dafür eröffnet das Buch einen Zugang nicht nur zu den Weihnachtsgeschichten, sondern – so hoffe ich jedenfalls – auch zu einem aufgeklärten Verständnis des ganzen Neuen Testaments. Die Weihnachtsgeschichten können zugleich eine Brücke zur Hebräischen Bibel bilden und sind eindeutig von Lukas und Matthäus so verfasst worden. Zugleich sind diese einleitenden Kapitel so etwas wie Ouvertüren zu den dann folgenden Evangelien. Es klingen wie in einer musikalischen Ouvertüre schon einmal die Themen an, die im übrigen Werk ausführlicher und in Variationen zu hören sind.<br />
Dazu ein kleines Beispiel. Dass es bei Lukas die Hirten sind, die zum Stall in Bethlehem kommen, also eine marginalisierte Gruppe der damaligen Gesellschaft, weist schon darauf hin, dass im Lukasevangelium immer wieder betont wird, dass den Armen das Heil verheißen wird. Diese Erkenntnis behält auch dann ihre Gültigkeit, wenn wir wahrnehmen, dass die Geschichte von den Hirten eine Legende ist. Ja, das gilt gerade dann, wenn wir dies wahrnehmen. Die Hirten haben keinen Auftritt in der Geschichte, weil sie gerade in der Nähe und nachts noch wach waren. Sie werden als Repräsentanten der Armen in die Heilsgeschichte einbezogen, wie sie Lukas erzählt. Er war kein Historiker und wollte es auch nicht sein, sondern er hat Geschichten aufgeschrieben, die Menschen zum Glauben führen und ihnen Hoffnung in einer trostlos erscheinenden Zeit geben wollte.<br />
Das hat auch Matthäus getan. Und da die Evangelisten ihre Werke parallel verfassten und die Texte des anderen nicht kannten, gibt es wie erwähnt Abweichungen in den Darstellungen. Das können wir interessiert, aber gelassen wahrnehmen. Der Kern der Botschaften dieser Evangelien (und des übrigen Neuen Testaments) sind in hohem Maße identisch.</p>
<p><em>Frage</em>: Ist denn Ihr starkes Interesse an Weihnachten auch mit Ihrer persönlichen Geschichte verbunden?</p>
<p><em>Antwort</em>: Meine Weihnachtsgottesdienst-Erinnerungen beginnen in der Schlosskirche in Ahrensburg, einem evangelischen Barockbau. Der große Weihnachtsbaum mit den vielen Lichtern (damals noch mit echten Kerzen) hat mich tief beeindruckt. Davor stand die Krippe, und weil ich schon damals kurzsichtig war, bestand ich am Ende des Gottesdienstes darauf, nach vorne zu gehen und mir die Krippenfiguren genau anzusehen. Auch in der Schul- und Konfirmandenzeit war der Besuch der Weihnachtsgottesdienste für mich immer ein Höhepunkt der Weihnachtszeit. Im Konfirmandenunterricht ist mir dann ein Verständnis des Christentums vermittelt worden, das Vernunft und religiöse Gefühle miteinander in Einklang bringen wollte. Ich habe später versucht, Frömmigkeit zu verbinden mit einem radikalen Verständnis der Bibel und des christlichen Engagements in dieser Welt.<br />
Es war und ist mir immer ein Graus, wenn biblische Verse, auch aus der Weihnachtsgeschichte, aus ihrem Zusammenhang gerissen und in die jeweilige gesellschaftspolitische Argumentation einbezogen wird. Die Bibel ist kein Steinbruch, wo man sich gerade passende Verse heraussucht und dem Gegenüber an den Kopf wirft. Dieser Versuchung sind leider immer wieder auch Kritiker der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erlegen.</p>
<p>Gerade die Weihnachtsgeschichte, kann helfen, grundlegende Einsichten darüber zu gewinnen, was die Botschaft dieses Jesus von Nazareth ist. Wir müssen diese Geschichten gründlich lesen und so zum Beispiel erkennen, was Legenden sind und welche tiefere Bedeutung sie haben. Es ist aber unbedingt zu vermeiden, die Bibeltexte so lange zu sezieren, bis wir vor einem Trümmerhaufen stehen, den wir dann mehr oder weniger resigniert verlassen. Für mich sind die Weihnachtsgeschichten zentrale Texte, um das miteinander zu verbinden, was wir wissen können und was wir glauben dürfen, wenn wir das wollen.</p>
<p><em>Frage</em>: Sie haben also die Erwartung oder wenigstens die Hoffnung, dass durch die vermehrte Kenntnis der Weihnachtsgeschichte, erzählt von den vier Evangelisten und den zahlreichen „apokryphen Erzählungen“ zur Jesus-Gestalt, Menschen wieder intensiver, auch spirituell, Weihnachten erleben und feiern können? Also jenseits des weltweit vorherrschenden „Konsumrausches“ anläßlich von Weihnachten?</p>
<p><em>Antwort</em>: Nach dem Verfassen meines Buches bin ich mehr denn je überzeugt, dass die Weihnachtsgeschichte geeignet ist, Menschen intellektuell und spirituell anzusprechen. Es gibt beim Hören und Lesen dieser Geschichten sehr viele Aha-Erlebnisse, wenn man sich auch mit den historischen und sozialgeschichtlichen Hintergrund der Geschichten beschäftigt. Man kann zum Beispiel erfahren, dass die Verfasser der Evangelien ihre Werke als Gegengeschichten zum Herrschaftsanspruch und zur Propaganda von Kaiser Augustus verfasst haben, bis hinein in ihre Wortwahl. Nicht Augustus, sondern Gott ist der wahre Herrscher der Welt, lautet die Botschaft. Diese Botschaft konnten die damaligen Menschen in Galiläa und Judäa erkennen, während sie heute nicht mehr bei einer Lektüre der Evangelien ohne ein Wissen über historische Bezüge und Zusammenhänge zu erkennen sind. Die Propaganda von Augustus, seine „guten Nachrichten“ („euangelion“, das griechische Wort für „Evangelium“) erreichten auch das letzte Dorf in Palästina. Man war also in der Lage kaiserliche Propaganda und biblische Botschaft in Beziehung zueinander zu setzen. Die Jesusbewegung hat ihre „Evangelien“ dagegengestellt und deutlich gemacht, dass die politischen Herrscher dieser Welt, allen voran Augustus, nicht die wahren Herrscher sind – eine wahrhaft kühne Botschaft einer bedrängten kleinen Jesusbewegung. Im Magnifikat singt Maria, dass Gott die Mächtigen vom Thron gestürzt hat (Luther hat diese radikale Botschaft abgemildert und übersetzt, dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzen wird).Die radikalen Aussagen in den Evangelien sind kein politisches Manifest. Sie sind tief eingebunden in eine Spiritualität, die die Menschen einlädt, aus dem Glauben heraus eine innere Freiheit zu finden, sich für eine umfassende Befreiung der Menschheit einzusetzen und mitzuarbeiten am Reich Gottes. Weihnachten ist ein guter Anlass, diese Verheißung auf lebendige Weise erfahrbar zu machen. Das wird dann geradezu zwangsläufig prägen, wie wir Weihnachten feiern. Ein „Konsumrausch“ hat dann keinen Platz in unseren Weihnachtsfeiern, wohl aber das immer neue Staunen darüber, wie mehr als 2.000 Jahre alte Geschichten uns Hoffnung und Orientierung im eigenen Leben und im Miteinander geben können.</p>
<p>Frage: Sie legen allen Wert darauf, unseren Blick auf die vielfältigen christlichen Glaubenshaltungen und Theologien außerhalb Europas &#8211; auch zum Thema Weihnachten &#8211; zu richten?</p>
<p><em>Antwort</em>: Mein Interesse an der Auslegung der Weihnachtsgeschichte in der weltweiten Ökumene hat zunächst einmal biografische Gründe. Die Beschäftigung mit theologischen Texten aus der Ökumene und besonders der Befreiungstheologie hat meinen Glauben und meine theologischen Auffassungen sehr stark beeinflusst. In dem halben Jahrhundert, in dem ich mich nun mit theologischen Fragen beschäftige, haben ökumenische theologische Beiträge immer wieder im Zentrum gestanden.<br />
Ich will aber nicht verschweigen, dass die Weihnachtsgeschichten in der weltweiten Ökumene durchaus Konfliktstoff birgt. Die meisten, vermutlich die allermeisten, Missionare haben die Bibel als Wort für Wort von Gott übermittelt dargestellt. Die Bibel ist auch heute für viele Millionen Christinnen und Christen im Süden der Welt „Gottes Wort“ in einem sehr engen Sinne. Die historisch-kritische Auslegung biblischer Texte wird besonders in Afrika von vielen Pastoren und Bischöfen abgelehnt. Die Folgen zeigen sich zum Beispiel beim Umgang mit dem Thema Homosexualität, wo eine biblizistische Auslegung einiger weniger Bibelverse zu einer kompromisslosen Ablehnung von Homosexualität veranlasst. Das hat die anglikanische Weltgemeinschaft zeitweise fast zu einer Spaltung geführt.<br />
Wir müssen solche Konflikte aushalten und wie schon die ersten Gemeinden der Jesusbewegung damit leben, dass es unterschiedliche Auffassungen in Glaubensfragen gibt. Es gibt in religiösen Fragen keinen Alleinvertretungsanspruch, wohl aber den Auftrag zu einem gemeinsamen Ringen um das richtige Verständnis. Gern zitiere ich den jüdischen Gelehrten Pinchas Lapide: „Jede Streitfrage hat, zutiefst gesehen, drei Seiten: deine Seite – meine Seite – und die richtige Seite.“</p>
<p>Es gibt auch im Süden der Welt inzwischen eine größere Zahl von Theologinnen und Theologen, die dogmatische Festlegungen infrage stellen, die auf den ersten Konzilen der entstehenden Kirche getroffen wurden. Das betrifft zum Beispiel die Frage, ob Maria eine Jungfrau war oder diese dogmatische Festlegung lediglich auf dem Hintergrund des hellenistischen Weltverständnis zu sehen sind. Müssen Diese Dogmen heute weiterhin für weltweite Christenheit verbindlich sein? Tissa Balasuriya, ein Befreiungstheologe in Sri Lanka, wurde zeitweise vom Vatikan exkommuniziert, weil er dies infrage stellte.<br />
Inzwischen gibt es auch in Afrika erfreulicherweise eigenständige feministische Theologien und auch die lateinamerikanische Befreiungstheologie kann uns weiterhin zu neuen Erkenntnissen und Einsichten verhelfen. Weltweit ist ein Aufbruch zu neuen eigenständigen Theologien zu beobachten. Sie könnten die deutschen Kirchen bereichern, wenn man sie denn auf einer breiteren Ebene wahrnehmen würde. Ich habe im Buch eine ganze Reihe wegweisender Theologinnen und Theologen aus der weltweiten Ökumene zu Wort kommen lassen.</p>
<p><em>Frage</em>: Die zahlreichen Gottesdienste vor allem am „Heiligen Abend“ sind, im Vergleich zu „üblichen Sonntagen“, geradezu überfüllt. Die FAZ beispielsweise berichtet, dass 28 Prozent der Befragten Weihnachtsgottesdienste besuchen wollen. Was zeigt sich in dieser ungewöhnlichen Begeisterung für Gottesdienste selbst bei sonst eher kirchlich desinteressierten Menschen?</p>
<p><em>Antwort</em>: Ein wichtiger Grund ist, dass besonders Lukas Weihnachtsgeschichte weiterhin viele Menschen, auch Kinder, tief bewegt. Sie hat das auch schon gleich nach der Entstehung dieses Evangeliums getan und Hoffnung in einer bedrohten Situation als kleine religiöse Gruppe im riesigen Römischen Rech geweckt. Andere jüdische Gruppen lehnten die radikalen Botschaften Jesu ab, den sie nicht als Messias anerkannten. Manche Gruppen der Jesusbewegung wurden aus Synagogen ausgewiesen. Sie verloren damit auch den begrenzten Schutz, die die Römer den Juden gewährt hatten. Diese Römer hatten den Anführer der Jesusbewegung gekreuzigt und damit begonnen, seine Anhänger zu verfolgen. In dieser Situation fand Lukas die richtigen Worte, um mit seiner Weihnachtsgeschichte den Menschen Mut zu machen und Hoffnung zu geben. Das tun diese Verse auch heute noch. Ich habe bei der Beschäftigung mit theologischen Beiträgen zur lukanischen Weihnachtsgeschichte gelernt, dass ein Grund für die Wirkung dieser Geschichte ist, dass Lukas bei seine Darstellung der Geschichte auf viele Details verzichtet hat, die in einer solchen Geschichte hätten erzählt werden können. Das eröffnet den Hörerinnen und Hörern der Geschichte die Gelegenheit, mit viel Phantasie selbst auszuschmücken und das einzufügen, was ihnen wichtig ist.</p>
<p>Ich möchte hier ein zweites, mir wichtiges Thema ansprechen. Viele der Menschen, die heute in Weihnachtsgottesdienste strömen, haben Erinnerungen an solche Gottesdienste in ihrer Kindheit. Aber viele heutige Kinder haben diese Erfahrungen nicht mehr. Und ihre Eltern können ihnen auch nicht mehr viel von dem vermitteln, was dieser Jesus später gesagt und getan hat. Es besteht also die Gefahr eines Traditionsabbruchs. Es muss deshalb gelingen, in den heutigen Weihnachtsgottesdiensten jene Begeisterung entstehen zu lassen, von der Sie in Ihrer Frage gesprochen haben.</p>
<p>W<em>ir empfehlen das Buch „Die Weihnachtsgeschichte &#8211; Fakten, Legenden und tiefere Bedeutung“ von Frank Kürschner-Pelkmann. Rediroma-Verlag, 680 Seiten, Oktober 2025, kartoniert, 26,95 €.</em></p>
<p>Weitere Informationen zu den Büchern Frank Kürschner-Pelkmanns: <a href="https://www.kuerschner-pelkmann.de/">LINK</a>.</p>
<p>Copyright: Frank Kürschner-Pelkmann und Religionsphilosophischer-Salon.de</p>
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		<title>General Franco, Spaniens faschistischer Führer, vor 50 Jahren gestorben&#8230;Und seine Ideologie wird lebendig&#8230;</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/21030_general-franco-spaniens-faschistischer-fuehrer-vor-50-jahren-gestorben_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2025 18:03:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
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		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[20. November 1975 Franco gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[50. Todestag Francisco Franco]]></category>
		<category><![CDATA[die Symbiose von katholischer Kirche und dem Faschismus Francos in Spanien]]></category>
		<category><![CDATA[Die Verbindung Franco und Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Franco der Katholik]]></category>
		<category><![CDATA[Franco vor 50 Jahren gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[in 15 katholischen Kirchen werden am 20.11.2025 Totenmessen für Franco gefeiert]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Kirche hatte Sympathien für Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[katholische Kirche Spanien viel Folklore]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche in Spanien verschwindet langsam]]></category>
		<category><![CDATA[Pius XII. empfängt den Diktator Trujillo aus der Dominikanischen Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Pius XII. gratuiliert Franco zum Sieg über die Republikaner]]></category>
		<category><![CDATA[Pius XII. hatte Sympathien für Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staatschef Franco trifft den Diktator Trujillo (Dominikansische Republik)]]></category>
		<category><![CDATA[Totenmessen für den Faschisten Franco heute]]></category>
		<category><![CDATA[Totenmessen für Franco anläßlich seines 50.Todestages]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anläßlich des 50. Todestages des Faschisten und Katholiken General Franco muss über die Zusammenarbeit von Faschisten und Katholiken (Bischöfen etc.) neu nachgedacht werden. Der neue Nationalkatholizismus in Frankreich jetzt und die Bindung von Katholiken an rechtsextreme Parteien in Spanien heute sowie das "National-Christentum" von Trump und Co. gefährden und zerstören nicht nur die Demokratie, sie zerstören auch die Möglichkeit, eine moderne katholische Kirche zu gestalten. Es sind die konservativ - bürgerlichen Kreise, die noch zu dieser Kirche halten. Werden sie bald sich den Rechtsextremen anschließen. In Frankreich und Spanien ist diese Tendenz schon sehr ausgeprägt. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als sich die Kirchenführung mit dem Faschisten, dem Regime des „Caudillo“ Franco, vereinte.<br />
Ein Hinweis von Christian Modehn am 29. Oktober 2025</p>
<p><em>Am 17.11.2025 ergänzt: In 15 Städten Spaniens wird in katholischen Kirchen am 20. November 2025, dem 50. Todestag des Faschisten General Franco, eine Totenmesse gefeiert.</em> Die Bindung vieler Katholiken Spaniens an den Faschisten ist offensichtlich. Die Bischöfe werden diese Pro-Franco -Messen sicher nicht verbieten. Bezeichnenderweise finden diese Pro-Franco-Messen nicht in Katalonien und im Baskenland statt, diese Regionen waren weithin Anti-Franco und republikanisch eingestellt&#8230; Weitere Infos: <a href="https://www.religiondigital.org/espana/ciudades-aniversario-Franco-misas-valle-caidos-rosario-ultra_0_2835016485.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=es_la_hora_del_cambio_y_de_reivindicar_a_los_pobres&amp;utm_term=2025-11-17">LINK</a>.</p>
<p><em>Einführung: Der reaktionäre „Nationalkatholizismus“ damals und heute</em><br />
Wir erinnern an den spanischen Faschisten Francisco Franco und seine katholische „Nationalkirche“. Und wir denken dabei jetzt auch an die USA unter Trump und Co., eng verbunden mit einer christlich &#8211; fundamentalistischen „National-Religion“. Sie ist Mittelpunkt us-amerikanischer „weißer“ Identität. Dieses Christentum (präsent nicht nur unter Evangelikalen, auch unter Katholiken) wird eingesetzt, um die politische und kulturelle Vorherrschaft von Trump und Co. zu zementieren. Quelle: <a href="https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-christliche-rechte-und-die-maga-bewegung-trump-wird-als-akteur-dargestellt-der-die-plane-gottes-fur-amerika-umsetzt-14596109.html">LINK</a>:<br />
In Frankreich wird aktuell wieder verstärkt von rechtsextremen Politikern (Eric Zemmour u.a.) der „Nationalkatholizismus“ propagiert, finanziert von den reaktionären Milliardären Vincent Bolloré und Pierre Eduard Sterin, siehe etwa die Auseinandersetzungen um den aktuell erfolgreichen Kinofilm „Sacre Coeur“ Quelle: L<a href="https://www.la-croix.com/a-vif/sacre-cour-ne-participons-pas-a-travers-ce-film-a-renforcer-le-lien-entre-extreme-droite-et-catholicisme-20251028">INK</a> : An diese konkreten (!) Parallele zum Faschisten Franco gilt es zu denken. Und auch: Francos Regime scheiterte, weil demokratische Kräfte nach seinem Tod 1975 stärker waren. Der klerikale Katholizismus als ideologischer Kitt des Regimes verlor seine Bedeutung und so führte die Demokratie die katholische Kirche in eine zunehmend schwächere Rolle, trotz allen Pomps, den die Herren Kardinäle und Bischöfe dort noch öffentlich, bei ihren Auftritten, an den Tag legen und so den Eindruck erwecken, als wäre alles “noch „beim alten“.</p>
<p>1.<br />
Eine Erinnerung an den faschistischen Führers Spaniens, Generalissimo Francisco Franco und seine 36 Jahre (1939-1975) dauernde Herrschaft: Geboren wurde Franco am 4. Dezember 1892, gestorben ist er am 20. November 1975: Aber ist Franco wirklich tot? Sicher nicht! Rechtsradikales, faschistisches Denken lebt noch heute in Spanien und wird immer stärker, siehe die Entwicklung der VOX-Partei. Rechtsextreme Parteien in ganz Europa sind auf dem Vormarsch und setzen sich leider durch. Dass die Herrschaft Francos durch Nationalismus, Antikommunismus, Einparteienstaat, Zensur, Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender (Linker, Demokraten…) bestimmt war, macht ihren faschistischen Charakter aus.</p>
<p>2. <em>„Klerikaler Faschismus“</em><br />
Unseren Interessen im „Re&shy;li&shy;gi&shy;ons&shy;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sch&shy;en Salon Berlin“ entsprechend, wird hier kritisch vor allem auf die entscheidende Stütze der Diktatur Francos, den Katholizismus, hingewiesen. „Tatsächlich war die katholische Kirche während der ersten zwei Jahrzehnte (also bis Ende der 1960 Jahre) der deutlichste ideologische Partner der Diktatur Francos. Sein faschistisches Regime war ein klerikaler Faschismus“, so Antonio Gomez Movellán. (Fußnote 1). &#8222;<em>Seit ewigen Zeiten war die katholische Kirche in Spanien eins mit den Mächtigen</em>. Sie nahm zwar nicht direkt an der Erhebung des Bürgerkriegs teil, stellte aber häufig logistische Unterstützung. Und dort,  wo &#8222;die Bewegung` (die Falange und die Miltärs) den Sieg davon trug, wurde das Bild von Spanien als einem Land der Inquisition von neuem Wirklichkeit&#8220;, schreibt der Spezialist, der Historiker Pierre Vilar in seiner Studie &#8222;Der spanische Bürgerkrieg&#8220;, Berlin 2005, S. 102.</p>
<p><em>Und heute?</em> Francisco Franco gilt bei vielen SpanierInnen noch immer als eine Art Erlöser seiner Nation, weil er die &#8222;Republik der Linken“ mit blutiger Gewalt überwunden hat. In Spanien sind praktizierende Katholiken traditionell bis heute mit der konservativen Partei „PP“, der Nachfolgepartei Francos, verbunden (Fußnote 2) oder jetzt mit der rechtsextremen Partei „VOX“ unter ihrem Führer Santiago Abascal. Zuvor gab es rechtsextreme Gruppen wie „Hazte Oír“, eine militante Strömung des Katholizismus. Sie wurde stark, wie üblich, mit reaktionären Positionen zu Fragen der Familie, der Abtreibung und der Feindschaft gegenüber Ausländern…<br />
Laut der jüngsten „Sigma-Dos“-Umfrage für die Tageszeitung EL MUNDO würden heute 14,8% der Wahlberechtigten für Vox stimmen. Unter diesen VOX Wählern bezeichnen sich 72 % als katholisch, 2.615.230 Menschen. Quelle: EL MUNDO, 11.8.2025, Beitrag von Paloma H. Matellano. Von den Katholiken, die sonntags an der Messe teilnehmen, also „praktizieren“, würden sogar 24,1% für VOX stimmen. Selbst wenn sich Bischöfe jetzt gegen rechtsradikale Parteien und gegen VOX aussprechen und die Menschenwürde der Ausländer und Flüchtlinge und Muslime verteidigen: Große Teile der katholischen „praktizierenden“ Basis halten sich nicht an die Weisungen der Bischöfe. In der heutigen katholischen traditionell &#8211; konservativen Mentalität lebt die strukturelle Verbindung von Katholizismus und Rechtsextremismus aus Francos Zeiten weiter: Diese Mentalität war bestimmt von der Zustimmung zur Herrschaft des EINEN Führers, des Caudillo bzw. des Einen, des „unfehlbaren Papstes“ bzw. seiner Bischöfe.</p>
<p>3. <em>Die kurze Zeit der 2. Republik</em><br />
Die Situation der Kirche vor Franco, konkret seit dem Ende der Monarchie im Jahr 1931:<br />
Zwischen 1931 bis 1936, dem Beginn des Bürgerkrieges, konnten SpanierInnen in dieser „Zweiten Republik“ die Offenheit der Demokratie erleben und Demokratie gestalten. Die liberalen Regierungen widersetzten sich der üblichen finanziellen Bevorzugung der katholischen Kirche. Die Republik führte Gesetze ein zur Ehescheidung ein, die Zivilehe wurde möglich, es gab kostenlosen Unterricht für alle… Radikale antiklerikale Kreise setzten ihre alte, angestammte Wut auf den reaktionären Klerus in Gewalt um. Heftigste Ablehnung der Republik durch die Kirchenführung ließ nicht auf sich warten: Am 3. Juni 1933 verurteilte Papst Pius XI. in seiner Enzyklika „Dilectissima Vobis“ die Republik wegen der „Unterdrückung der spanischen Kirche“ und der Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten… Schon komisch, dass sich ein Papst für bürgerliche Freiheiten endlich einmal einsetzte…Die Bischöfe waren aufseiten der Monarchie, aber wegen ihrer Privilegien und ihrer reaktionären Mentalität vor allem bei vielen Intellektuellen und gebildeten Bürgern zu recht höchst unbeliebt. Davon spricht Papst Pius XI. nicht.</p>
<p>Es gab allerdings eine <em>„kleine katholische Minderheit“ von Demokraten</em>, Verteidigern der Republik im spanischen Katholizismus. Etwa José Manuel Gallegos Rocafull (Priester, Theologe, Philosoph, der nach Mexiko flüchtete), Angel Ossorio y Gallardo (Jurist, er starb im Exil in Argentinien) oder José Bergamin (angesehener Schriftsteller, Präsident der Allianz der Antifaschisten). Der katalanische demokratische katholische Politiker Manuel Carrasco Formiguera wurde im April 1938 auf Francos Befehl hingerichtet, weil er nicht mit den offiziellen Ansichten übereinstimmte…Tatsache ist auch: Die Republik war nicht in der Lage, ihre internen Konflikte demokratisch zu lösen. Mit dem Putsch (unter Führung General Francos) begann am 17.7.1936 der Bürgerkrieg.<br />
Deutschland unter Hitler und Italien unter Mussolini unterstützten Franco, diverse Linke aus verschiedenen europäischen Ländern &#8211; in ihrer ideologischen Vielfalt und Widersprüchlichkeit &#8211; stellten sich auf die Seite der spanischen Linken und Republikaner. Der Spanische Bürgerkrieg war sozusagen auch so etwas wie ein &#8222;europäischer Bürgerkrieg“.</p>
<p>4. <em>Der Bürgerkrieg 1936 &#8211; 1939.</em><br />
Seit Beginn des Krieges gaben Generäle den Befehl, »das spanische Volk« zu »reinigen« und alle »linken Elemente zu eliminieren«. „Dieser Terror hielt sich bis zum Herbst 1937 und wandelte sich bis weit in die Vierzigerjahre hinein zu einem Strukturelement des Unterdrückungsapparates der Diktatur Francos: Es gab Konzentrationslager, Zwangsarbeit, überfüllte Gefängnisse, Kinder wurden ihren »roten« Eltern weggenommen, und alle als »rot« verdächtigten Personen streng überwacht. Quelle: Prof. Georg Pichler, Madrid, <a href="https://www.kfsr.info/2017/10/der-schatten-des-caudillo-ueber-die-aktualitaet-des-spanischen-buergerkriegs-und-der-franco-diktatur-von-georg-pichler/.">LINK</a>:<br />
Weiteste Kreise der Kirche, die überwiegende Mehrheit der Priester, unterstützten den Putsch der Militärs und der Rechten, also den gewalttätigen Umbruch der Machtübernahme. „Der Bürgerkrieg war in dem streng kontrollierten Land im Sinne Francos der Kampf des Guten gegen das Böse.“ Quelle: LINK Quelle ebd. Und: „Im Vatikan betrachtete man Franco als einen `Retter“ … Das Regime wurde lange Zeit als Modell eines katholischen Staates behandelt“ (siehe Fußnote 1.)</p>
<p>Die Faschisten der „Falange“, die „Nationalisten“, säuberten“ das Land durch die Hinrichtung von Staatsfeienden, und das waren die Linken. Die katholische Kirche behauptete, dieses Morden der Republikaner sei nichts als eine berechtigte Reaktion auf das Morden der Linken, also der Mord an Priestern und Ordensleuten. Franco schuf ein Gesetz der „Politischen Verantwortung“, es blieb bis 1962 in Kraft und sollte seiner politischen Unterdrückung der Republikaner und der Linken einen gewissen legalen Anschein geben. Der Historiker Stanley G. Payne schätzt, dass die Zahl der Todesopfer des „Weißen Terrors“ der Faschisten während des Kriegs höher ist als die Zahl der Todesopfer des „roten terrors“: Payne, Stanley. &#8222;Chapter 26: A History of Spain and Portugal vol. 2&#8220;. Grundlegend auch:  <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/White_Terror_(Spain)">https://en.wikipedia.org/wiki/White_Terror_(Spain)</a></p>
<p>Die Führung der spanischen Kirche duldete den „Weißen Terror“ der Faschisten:<br />
Kardinal Gomá erklärte, dass „Juden und Freimaurer die nationale Seele mit absurden Lehren vergifteten“ …Wer nicht regelmäßig zur Messe ging, wurde leicht ‚roter‘ Tendenzen verdächtigt. Unternehmer verdienten viel Geld mit dem Verkauf religiöser Symbole … Quelle: Beevor, Antony (2006). The Battle for Spain; The Spanish Civil War 1936–1939. Penguin Books.<br />
Die Bischöfe Spaniens veröffentlichen am 1. Juli 1937 einen „Hirtenbrief“, mit dem Ziel: Die ganze Welt solle tatsächlich Franco unterstützen: Führend war daran beteiligt der Madrider Erzbischof Leopoldo Eijo y Garay (1878- 1963). Es ist der „Brief der spanischen Bischöfe aus Anlass des Bürgerkrieges: Siehe: &#8222;Carta colectiva de los obispos españoles con motivo de la guerra en España&#8220;.</p>
<p>&#8222;Die Präsenz des Klerus bei den Zermonien, in der Armee, in den Gefängnissen, bei den Hinrichtungen symbolisierte die Vereinigung des Politischen und des Religiösen, von Staat und Kirch in ihren härtesten Aspekten. Das persönliche Leben der Spanier (Taufe, Heirat, Führungszeugnis) hing von neuem vom kirchlichen Apparat ab,&#8220; schreibt der schon in Nr.2. erwähnte Historiker Pierre Vilar (S. 102).<br />
Juan Goytisolo, einer der bekanntesten und wichtigsten Autoren Spaniens, schreibt in seinem Buch „Spanien und die Spanier“, Suhrkamp, 1982, S. 217: „Ein spezifisch spanischer Aspekt des Bürgerkrieges ist die Gewalttätigkeit. Die enge Tradition der Intoleranz, der Verdächtigung und des Argwohns erklärt zur Genüge, wie jenes Phänomen (der Gewalttätigkeit) zum Allgemeinverhalten wurde, und zwar mit einer Heftigkeit, die alle Zeugen bestürzte. Pierre Vilar (geschätzter Historiker der spanischen Geschichte und Gegenwart) schreibt: `Es gab Priester, die zu den übelsten Massenerschießungen ihren Segen erteilten, und es gab Menschenmeuten, die alle aufspürbaren Geistlichen zu Tode jagten. Es ist der Zusammenprall einer Religion und einer Gegenreligion…“</p>
<p>An die Häuserwänden wurde Franco &#8211; Propaganda geschmiuert mit der Parole: &#8222;Franco, Führer Gottes und des Vaterlandes. Auf der Welt der erste Besieger des Bolschewismus auf den Feldern des Kampfes&#8220;. (So im genannten Buch von Pierre Vidal, siehe Nr. 2,  S. 92).</p>
<p>5. <em>Deutsche Katholiken und der Bürgerkrieg</em><br />
Wenig bekannt ist heute die Bindung von Katholiken in Nazi &#8211; Deutschland an die „freiwilligen“ Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg aufseiten Francos. Gerade unter katholischen deutschen Jugendlichen gab es eine Verehrung dieser heldenhafter katholischen Kämpfer. Der Publizist Carl Amery hat sich mit dem Thema befasst: „Der Durst nach Heldentum und heroischen Vorbildern wurde gesättigt mit francistisch &#8211; katholischen Kreuzzugs &#8211; Idolen, etwa mit dem Faschisten José Moscardo im Alcázar in Toledo (Massaker an Republikanern 1936) oder mit Werner Mölders, dem deutsch-katholischen „Fliegerhelden“ im spanischen Bürgerkrieg (Werner Mölders, geb.am 18.3.1913 Gelsenkirchen, im Kriegs-Einsatz umgekommen am 22.11.1941 bei Breslau.) Carl Amery hat sich in einem Beitrag für das Radio-Programm in WDR3 am 7. August 1989 (Kritisches Tagebuch) mit dem Thema befasst.</p>
<p>6. <em>Francos Herrschaft vom 31. März 1939 bis zum 20. November 1975</em><br />
Wie regierte Papst PIUS XII.auf den Sieg Francos? Ein Zitat aus wikipedia: <a href="https://es.wikipedia.org/wiki/Iglesia_cat%C3%B3lica_y_guerra_civil_espa%C3%B1ola">LINK</a>.  Am 1. April 1939, dem Tag, an dem General Franco seinen berühmten „letzten Bericht“ veröffentlichte, in dem er verkündete, dass „der Krieg vorbei ist“, gratulierte der neu gewählte Papst Pius XII. Franco per Telegramm zu seinem „katholischen Sieg“: „Wir erheben unser Herz zum Herrn und danken Ihnen, Exzellenz, aufrichtig für den ersehnten katholischen Sieg Spaniens. Wir wünschen uns, dass dieses geliebte Land, nachdem es den Frieden erreicht hat, mit neuer Kraft seine alten Traditionen wieder aufnimmt, die es so groß gemacht haben. Mit diesen Gefühlen senden wir Eurer Exzellenz und dem gesamten spanischen Volk unseren apostolischen Segen.“<br />
Franco antwortete ihm umgehend:<br />
„Das Telegramm Eurer Heiligkeit anlässlich des vollständigen Sieges unserer Waffen, die in einem heldenhaften Kreuzzug gegen die Feinde der Religion, des Vaterlandes und der christlichen Zivilisation gekämpft haben, hat mich zutiefst bewegt. Das spanische Volk, das so viel gelitten hat, erhebt ebenfalls mit Eurer Heiligkeit sein Herz zum Herrn, der ihm seine Gnade geschenkt hat, und bittet ihn um Schutz für sein großes Werk der Zukunft. (&#8230;)<br />
(Die Zitate sind dem Buch von Hilary Raguer. La pólvora y el incienso. La Iglesia y la Guerra Civil española (1936-1939). (Col. Gran Atalaya, 2008). Barcelona: Península.) Übersetzt mit DeepL.com</p>
<p>Seit dem 31. März 1939 ist also Spanien unter der Kontrolle von Francos Truppen. „Es beginnt dann eine Welle der Verfolgung von Franco-Gegnern mit etwa 270.000 Häftlingen und zehntausenden Toten. In den ersten Nachkriegsjahren leidet Spanien unter einer Hungersnot. Bis in die Siebzigerjahre werden zahlreiche Neugeborene aus Familien von Oppositionellen den Eltern entzogen.“(Quelle: <a href="https://www.dhm.de/lemo/biografie/francisco-franco">LINK</a><br />
Zu Beginn der Herrschaft Francos organisierten die Bischöfe am 20. Mai 1939 in der Kirche St. Barbara in Madrid einen prachtvollen Gottesdienst, um Gott zu danken für den Sieg Francos im Bürgerkrieg. Während der Messe legte Franco sein Schwert zu Füßen der Figur „Christus von Lepanto“. Bei Lepanto, im Golf von Korinth, besiegten am 7. Oktober 1571 Galeeren-Verbände des Papstes das Osmanischen Reich mit dem Untergang der muslimischen Kriegsflotte. Die Inszenierung der Verehrung Lepantos sollte eine Verbindung herstellen zur definitiven Vertreibung der Muslims aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderterts.<br />
Den Segen über den siegreichen Vernichter der Linken, also Generalissimo Franco, sprach in der St. Barbara Kirche der innige Franco &#8211; Freund Kardinal Isidro Gomá: „Gott, dem sich alle unterordnen, dem alles dient, gewähre, dass die Zeit Deines treuen Dieners, des Führers Francisco Franco, eine Zeit des Friedens und der Freude sei, damit der, den wir unter Deiner Führung an die Spitze unseres Volkes gestellt haben, Frieden und ruhmreiche Tage erlebe. Wir beten heute, Herr der Herren, dass Du vom Thron Deiner Majestät wohlwollend auf unseren Führer Francisco Franco herabblickst, dem Du ein Volk gegeben hast, das seiner Herrschaft unterworfen ist und ihm in allen Dingen nach Deinem Willen zur Seite steht.“ Quelle: <a href="https://www.elespañoldigital.com/franco-caudillo-espana-gracia-dios/">LINK</a> .</p>
<p>Nebenbei: Der Katholik Franco war eng verbunden und verbündet mit katholischen Diktatoren in Lateinamerika, etwa mit Leonidas Trujillo, dem sich Chef nennenden Diktator der Dominikanischen Republik. Vom 2. Juni 1954 besuchte Trujillo mit seiner Familie für einigeTage Franco: Trujillo wurde sehr pompös empfangen, es war förmlich ein Fest: Die Schüler hatten Extra -Ferien erhalten, die offizielle Arbeitszeit gekürzt, damit die SpanierInnen Trujillo zujubeln konnten usw.. Von Spanien aus reiste der Diktator Trujillo dann weiter nach Rom, um im Vatikan das Konkordat zu unterzeichnen. Papst Pius XII. gewährte dem Diktator Trujillo eine Privataudienz am 16. Juni 1954. Siehe das Foto dieser Begegnung: <a href="https://www.facebook.com/Trujillistaporsiempre/posts/firma-del-concordato16-de-junio-de-1954-el-papa-p%C3%ADo-xii-recibe-en-el-vaticano-al/2899197516824692/">LINK</a>. Der Religionsphilosophische Salon hat ausführlich zu diesem Thema publiziert: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1591_wenn-die-kirche-einen-tyrannen-liebt-ein-hinweis-auf-die-geschichte-der-dominikanischen-republik_religionskritik">LINK</a>.</p>
<p>Dass noch im Jahr 2007 die Diktatur Francos von konservativen Politikern falsch eingeschätzt wurde, zeigte Otto von Habsburg in einem Interview mit der Springer &#8211; Zeitung „DIE WELT“ am 28.6. 2007. Otto von Habsburg antwortete auf die Frage „Wie steht es mit der Innenpolitik Francos?“ : „Schauen Sie, für mich war der Franco ein Diktator des südamerikanischen Typus, ein Caudillo, eben nicht totalitär wie Hitler oder Stalin. Er wollte ja keine Ideologie durchsetzen.“ (Das Gespräch führten Ulli Kulke und Felix Müller für „Die WELT). Warum wollte wohl Herr von Habsburg so viel Unsinn reden?</p>
<p>7. <em>Das Konkordat vom 27.8.1953:</em><br />
Das Konkordat mit dem Vatikan ersetzte das Konkordat von 1853. Franco erwartete von der Vereinbarung mit dem Papst Pius XII. und dem Vatikan eine stärkere internationale Anerkennung. Festgelegt wurde unter anderem: Die katholische Kirche ist Staatskirche. Es gibt Privilegien für den Klerus, es gilt für sie die Befreiung von Steuern, der Staat unterstützt den Neubau von Kirchen, Katholiken müssen kirchlich heiraten, der Staatschef hat mit zu entschieden, wer Bischof wird.</p>
<p>8. <em>Das 2. Vatikanische Konzil befreit die spanische Kirche aufgrund des Drucks „von außen“</em><br />
Das Ende dieser Symbiose von Katholizismus und Franco Regime wurde durch das 2. Vatikanische Konzil beschleunigt. Eine klare Entscheidung traf die spanische Bischofskonferenz schon 1966, ein Jahr nach Ende des 2. Vatikanischen Konzils, als sie &#8211; durch die Konzilsbeschlüsse etwa zur Religionsfreiheit förmlich getrieben &#8211; grundsätzlich auf innerkirchlichen Privilegien verzichtete. Am 29. April 1968 schrieb der Papst Paul VI. einen Brief an Franco und forderte ihn auf, als katholischer Staatsmann ein gutes Beispiel zur Verwirklichung der vom Konzil erhobenen Forderungen zu geben und auf seine alten Privilegien der Mitentscheidung bei Bischofsernennungen zu verzichten. Franco aber lehnte diese Bitte des Papstes am 12. Juni 1968 ab. Er wollte auf diesen Einfluß absolut nicht verzichten. Die Bischofskonferenz forderte 1973 die Trennung von Kirche und Staat und eine Revision des Konkordats von 1953. „Nachfolgende Verhandlungen über eine solche Revision scheiterten auch, weil Franco sich weigerte, auf sein Vetorecht bei den Ernennungen von Bischöfen durch den Vatikan zu verzichten. Bis zu seinem Tod verstand Franco den (neuen) Widerstand der Kirche gegen ihn nicht. Franco beklagte sich bitter über die seiner Ansicht nach undankbare Haltung der Kirche.<a href="https://www.concordatwatch.eu/generalissimo-franco-and-the-vatican--t34521"> LINK</a></p>
<p>9. <em>Zur Verfassung von 1978:</em><br />
In der Konstitution Spaniens aus dem Jahr 1978 werden Kirche und Staat getrennt: Im Artikel. 16 heißt es.<br />
Absatz (1): „Die Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses, der Religion und des Kults wird dem einzelnen und den Gemeinschaften gewährleistet; sie wird in ihrer äußeren Darstellung lediglich durch die vom Gesetz geschützte Notwendigkeit der Wahrung der öffentlichen Ordnung beschränkt.<br />
Absatz (2) Niemand darf gezwungen werden, sich zu seiner Weltanschauung, seiner Religion oder seinem Glauben zu äußeren.<br />
(3) Es gibt keine Staatsreligion. Die öffentliche Gewalt berücksichtigt die religiösen Anschauungen der spanischen Gesellschaft und unterhält die entsprechenden kooperativen Beziehungen zur Katholischen Kirche und den sonstigen Konfessionen.<br />
Über diesen Absatz 3 und die späteren ergänzenden Abkommen von Kirche und Staat (1979) wurde und wird heftig debattiert: Sollte die katholische Kirche immer noch eine ganz besondere, privilegierte Rolle im Staat spielen?</p>
<p>Ein ergänzendes Abkommen zur Verfassung wurde mit der katholischen Kirchenführung getroffen, am 3. Januar 1979, also kurz nach Inkrafttreten der Verfassung: Diese Vereinbarung sieht bestimmte Steuerbefreiungen für die katholische Kirche vor, dies führte zu Kontroversen und Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof. Katholischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen wird als ein Wahlfach eingeführt…</p>
<p>10. <em>Massenweise Seligsprechungen</em><br />
Im Bürgerkrieg wurden viele Priester und Ordensleute von radikalen Unterstützern linker, kommunistischer, anarchistischer Parteien ermordet: Sie galten den Linken pauschal als Freunde des Militärs und der Faschisten, und sicher zutreffend als feinde der Republik und der Demokratie.<br />
Viele dieser Priester und Ordensleute wurden von den Päpsten seit den 1980 Jahren offiziell als „Selige“ anerkannt, d.h. sie können nun „an Gottes Thron für die Gläubigen eintreten.“ Papst Johannes Paul II. sprach insgesamt 471 spanische Ermordete selig und stellte am 11. März 2001, wie er selbst meinte, einen persönlichen Rekord auf, als er diese Ehre der Seligsprechung 233 Opfern, »Märtyrer« genannt, zukommen ließ. Am 13. Oktober 2013 wurden in Tarragona 522 »Märtyrer der religiösen Verfolgung des 20. Jahrhunderts in Spanien«, wie die offizielle Bezeichnung heißt, seliggesprochen. Bezeichnenderweise waren bei dieser Messe zur Seligsprechung mehrere Minister anwesend, während noch nie ein Vertreter der Regierung an einer Bestattungsfeier von republikanischen Opfern teilgenommen hat. Quelle kfsr<br />
Die Auswahl dieser durch den Vatikan zu Seligen erklärten Opfer bzw. Märtyrer erläuterte Erzbischof Edward Novack (von der Abteilung für die Seligsprechungen Vatikan) im „L&#8217;Osservatore Romano“: „Und von Fall zu Fall ist es für die Seligsprechung wichtig, dass Menschen, unter denen der Selige gelebt hat, ihren Ruf als Märtyrer bestätigen und anerkennen und dann zu dem Seligen beten und Gnaden erlangen. Es sind nicht so sehr Ideologien, die uns bei der Seligsprechung interessieren, sondern vielmehr der Glaubenssinn des Volkes Gottes, der das Verhalten der Person beurteilt.“<br />
Papst Benedikt XVI. sprach im Oktober 2007 weitere 498 spanische Märtyrer selig. Dies wurde zur größten Zeremonie einer Seligsprechung in der Geschichte der katholischen Kirche. Diese „Massenseligsprechung“ von Geistlichen, die während des Bürgerkriegs mit Franco verbündet waren und gegen die Republik eingestellt waren, wurde empört von der spanischen Linken zurückgewiesen. Der Vatikan ignorierte etwadie 16 Priester, die schon als “linke Priester“ in den ersten Kriegsjahren von der nationalistischen Seite Francos hingerichtet wurden.</p>
<p>11. <em>Das Gefängnis für Priester in Zamora</em>.<br />
Das ist sensationell: Franco errichtete ein spezielles Gefängnis für Priester in Zamora, ein einmaliges Projekt weltweit: Die Priester wurden inhaftiert, weil sie sich öffentlich gegen das Franco &#8211; Regime ausgesprochen hatten. Sie wurden im so genannte „Konkordats-Gefängnis“ in Zamora inhaftiert. Die ersten „linken Priester“ wurden 1968 eingesperrt, hundert waren es bis zur Auflösung dieses Priester-Gefängnisses im Jahr 1976. Die für ihre Priester verantwortlichen Bischöfe schützten diese ihre „linken“, kritischen Priester nicht vor dem Zugriff des rechtsextremen Franco &#8211; Regimes. Sie duldeten das Gefängnis. Alberto Gabikagogeaskoa war der erste Priester, der im Juli 1968 in diesem Flügel des Provinzgefängnisses in Zamora inhaftiert wurde. Sein Verbrechen? Er hielt eine subversive Predigt, für die er wegen illegaler Propaganda angeklagt wurde. In dieser Predigt prangerte der Priester an, dass in den Gefängnissen des Baskenlandes Gefangene gefoltert würden. Das Gericht für öffentliche Ordnung verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 10.000 Peseten.“<br />
Weitere Details bietet die website der „Abogacia espanola“, die „Spanische Anwaltschaft“. <a href="https://www.abogacia.es/de/publicaciones/blogs/blog-derecho-penitenciario/sotanas-entre-rejas-la-unica-carcel-para-curas-del-mundo-estuvo-en-espana/">LINK</a>:<br />
Das Leben einiger dieser „roten Priester“ zeigt der Dokumentarfilm von baskischen Regisseuren Ritxi Lizartza, Oier Aranzabal und David Pallarés, mit dem Titel „Apaiz Kartzela / The Priestergefängnis“, Jahr 2021. Vier dieser früheren Insassen des Priestergefängnisses, die Priester Josu Naberan, Juan Mari Zulaika, Xabier Amuriza und Eduard Fornes, drei Basken und ein Katalane reisen zum alten Gefängnis von Zamora, das heute eine Ruine ist, und erinnern sich an ihre Haft. <a href="https://pazyconvivencia.navarra.es/es/la-carcel-de-curas">LINK</a><br />
Erst nach vielen Jahren wagten es einige Priester, Insassen des Priestergefängnis des Franco &#8211; Regimes, sich öffentlich zu äußern. Die Geschichte der Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem Franco-Regime kommt selbst 45 Jahre nach Francos Tod nur mühsam ans Licht der Öffentlichkeit.</p>
<p>12. <em>Das OPUS DEI</em><br />
Ein Hinweis auf die katholische „Geheimorganisation“ Opus Dei gehört unbedingt zum Thema „Kirche in Spanien und Franco“: Das „Opus“ wurde 1928 in Spanien von José Maria Escrivá y Balaguer gegründet und schon 1941 vom Franco &#8211; Freund, dem Erzbischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay, offiziell anerkannt. Damals schon gab es Kritik durch einige Jesuiten an dieser Institution, aber der Erzbischof ignorierte Bedenken. 1950 geschah die offizielle Anerkennung auf höchster Ebene durch Papst Pius XII. Seitdem ist das Opus Dei machtvoll, aber ziemlich undurchsichtig im Katholizismus als mächtige Organisation etabliert. Das Opus hat neben vielen Hochschulen auch eine eigenenUniversität (Santa Croce) in Rom, wo auch Kleriker aus Deutschland studier(t)en, wie der Kölner Günstling Kardinal Meisners, Rainer M. Woelki. Heute ist er Kardinal in Köln. Georg Gänswein, der von Papst Benedikt hoch geschätzte Sekretär, war Dozent an der Opus Dei Universität in Rom. Man merke sich: Man muss nicht Opus &#8211; Dei &#8211; Mitglied sein, um wie das Opus zu denken und in seinem Sinne zu handeln. „Der Geist des Opus Dei hat in der Tat als wesentliches Merkmal die Tatsache, dass es jeden Menschen dazu führt, die Aufgaben und Pflichten seines eigenen Staates, seiner Sendung in der Kirche und in der Zivilgesellschaft mit größtmöglicher Vollkommenheit zu erfüllen.Dieser Geist bzw. dieses Charisma war sehr geeignet, um die materiellen Bedürfnisse des Wiederaufbaus Spaniens nach dem Ende des Bürgerkriegs in den späten 1930er Jahren zu erfüllen. Sein sozialer Nutzen war ausschlaggebend für die Unterstützung, die es von der aufstrebenden Franco-Diktatur und der Kirche erhielt, und half ihm, die während der Republik verlorenen Räume und Ideologien zurückzugewinnen. Das Werk Gottes war ein wichtiger Partner von Francos nationalem Projekt.“ Quelle: <a href="https://www.scielo.org.mx/scielo.php?script=sci_arttext&amp;pid=S1665-44202022000200048">LINK</a></p>
<p>Die Jesuiten stehen traditionell eher „links“ und Anhänger des „Opus Dei“ eher „rechts“. Beide kämpfen an ihren Eliteschulen und Universitäten um die besten Talente des Landes und ihren Einfluss. Die Wirtschaftsschulen IESE (Instituto de Estudios Superiores de la Empresa, geleitet vom „Opus Dei“) sowie ESADE (Escuela Superior de Administración y Dirección de Empresas, von Jesuiten geführt) gehören zu den besten der Welt, so die Politologin Stefanie Claudia Müller (Madrid).<br />
Opus Dei Mitglieder haben etwa am Ende der Franco -Ära und danach als Technokraten in der Regierung den Umbau des Staates zu einem eher industrialisierten Land mit dem Tourismus Schwerpunkt betrieben.</p>
<p>Ein bekanntes Mitglied des Opus Dei in Spanien ist Andres Ollero, es ist bekanntlich sehr schwer, Opus &#8211; Dei &#8211; Mitglieder als solche zu identifizieren, nur wenige machen ihre Mitgliedschaft öffentlich. „Als Mann mit konservativen Überzeugungen und Mitglied des Opus Dei verband Andres Ollero eine breite akademische Karriere mit seinem politischen Aktivismus, der 1980 mit der Unterstützung des andalusischen Vorschlags von Manuel Clavero begann. 1986 trat er der Demokratischen Volkspartei (PDP) des Christdemokraten Óscar Alzaga bei und führte die Liste der Volkskoalition (die später zur Volkspartei wurde) in Granada an. Er gewann einen Sitz als Abgeordneter und wurde wiedergewählt. Er führte die Partei ohne Unterbrechung bis 2003, als er freiwillig von seiner politischen Tätigkeit zurücktrat. Zu seinen zahlreichen Verantwortlichkeiten in dieser Funktion gehören: Vizepräsident des Ausschusses für Bildung und Kultur des Abgeordnetenhauses (1989) und nacheinander Präsident der Nationalen Kommission für wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung, des Bildungsausschusses und des Justizausschusses der Volkspartei. Er war auch Mitglied des Zentralen Wahlausschusses in der 8. Legislaturperiode und wurde vom Abgeordnetenhaus gewählt.“ (Übersetzung google) Quelle:<a href="https://es.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9s_Ollero"> LINK</a></p>
<p>13. <em>Die neuen geiustlichen Gemeinschaften &#8230; Sekten? </em><br />
Man bedenke allerdings: Aus dem katholischen Spanien stammt auch eine andere „neue geistliche Gemeinschaft“, wie man kirchenoffiziell diese eher „sektiererischen Gemeinschaften nennt: Vor allem muss dbeidie „Neokatechumenale Bewegung“ erwähnt werden, begründet von Kiko Argüellez und Carmen Hernandez: Die Neokatechumenalen haben in Spanien viele tausend militante Mitglieder und sie leiten dort 14 Priesterseminare („Redemptoris Mater“ genannt), diese dort ausgebildeten explizit sehr klerikalen konservativen Priester sollen den bekannten Mangel an Priestern ausgleichen, sehr „zur Freude“ der wenigen noch progressiv denkenden Gemeindemitglieder… Auch die ebenfalls sehr konservativen Ordens &#8211; Männer der „Legionäre Christi“ mit ihrer großen Laienbewegung Regnum Christi sind in Spanien stark vertreten, etwa in der Leitung katholischer Privatschulen: Diese beiden Gemeinschaften wurde bekanntlich von dem Sexualstraftäter Pater Marcial Mariel (geb. Mexiko) gegründet, er war in Rom ein Freund Papst Johannes Paul II. Immer wieder wurden Priester des Ordens der „Legionäre Christi“ der Sexualdelikte auch mit Minderjährigen angeklagt…Der Religionsphilosophische Salon Berlinhat seit 2009 die Verbrechen Pater Maciels und anderer &#8222;Legionöre Christi&#8220; dokumentiert. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/11263_sexueller-missbrauch-pater-marcial-maciel-sschon-seit-1943-waren-seine-untaten-im-vatikan-bekannt_befreiung">LINK</a>.<br />
Der aus Spanien stammende katholische Theologe Mariano Delgado hat in der katholischen „Herder-Korrespondenz“ 2011 erklärt: „In einigen dieser Erneuerungsbewegungen mit ihrer militanten Haltung gegenüber der säkularen Gesellschaft und der inneren Säkularisierung vieler Kirchendiener sowie mit ihrem Neu-Evangelisierungskonzept, das auf eine Heimholung der Welt in den Schoss der Kirche hinzielt, lebt gewissermassen das Gedankengut des spanischen Traditionalismus fort. Sie stellen einen „Antimodernismus mit modernen Mitteln“ dar. Andererseits kann man ihnen nicht absprechen, dass sie Menschen für die Nachfolge Jesu zu begeistern versuchen…“ Aber mit der Tendenz: das eigene kritische Denken ausschalten, wenn man denn so glaubt, wie es diese „Erneuerungsbewegungen“ propagieren…</p>
<p>14. <em>Erinnern oder Vergessen/Verdrängen?</em><br />
Franco ist 50 Jahre tot, aber seine Ideologie und die Ausstrahlung seiner „Persönlichkeit“ auf Rechte und Rechtsradikale sind noch lebendig. Dies ist auch begründet im „Pacto de olvido“ (dem Pakt des Vergessens), einer ungeschriebenen Vereinbarung, Institutionen oder Einzelpersonen für ihre Handlungen während des Regimes nicht zu verfolgen oder zu bestrafen. Der Pakt sollte den Übergang zur Demokratie nach dem Ende der Diktatur erleichtern, die Rechten meinten so, eine Amnestie zu erhalten für alle ihre Verbrechen in der Franco-Zeit, Linke dachten daran, auf diese Weise ihre Gefangenen frei zu bekommen.</p>
<p>„So wurde etwa festgestellt, dass Spanien nach Kambodscha das Land ist, in dem es die meisten Opfer des »erzwungenen Verschwindens« gibt – bis heute sind noch immer mehr als 114.000 Opfer der franquistischen Repression nicht exhumiert. Die wichtigsten Forderungen der Gedächtnisbewegung lauten »Verdad, Justicia y Reparación« – Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung“. Quelle Prof. Georg Pichler, Madrid, <a href="https://www.kfsr.info/2017/10/der-schatten-des-caudillo-ueber-die-aktualitaet-des-spanischen-buergerkriegs-und-der-franco-diktatur-von-georg-pichler/.">LINK</a></p>
<p>Immerhin konnten ich sehr langen, sehr heftigen Debatten Francos sterbliche Überreste im Jahr 2019 aus der monumentalen Basilika im „Tal der Gefallenen“ exhumiert und auf einem kleinen Friedhof bei Madrid untergebracht werden. Diese Basilika sowie die monumentale Gedenkstätte mit ihrem 150 Meter hohen Steinkreuz wurden von Franco errichtet, sie haben Jahrzehnte lang politische und gesellschaftliche Spannungen verursacht.<br />
Dieses monumentale „Gotteshaus“ im sogenannten „Tal der Gefallenen“ wird allerdings weiterhin für Gottesdienste genutzt. Auch die Benediktinergemeinschaft auf dem Gelände der Gedenkstätte wird dort in den Madrider Bergen bleiben. Darauf hätten sich die spanische Regierung und der Vatikan geeinigt, sagte Madrids Erzbischof José Cobo laut spanischer Medienberichte.  Quelle: <a href="https://www.domradio.de/artikel/francos-letzte-ruhestaette-madrid-wird-doch-nicht-entweiht">LINK </a> . Zur Abtei <a href="https://abadiasantacruz.es/">LINK</a></p>
<p>15. <em>Die Katholische Kirche in Spanien heute &#8211;  einige Statistiken</em><br />
Die Volksreligion und die eher abergläubische Volksfrömmigkeit sind noch heute lebendig, werden aber auch als Folklore verstanden und als Touristenattraktion zelebriert („Semana Santa“, Ausstellung von Reliquien und heiligen Knochen, Verehrung eines Kelches, aus dem Jesus &#8211; angeblich &#8211; getrunken hat, in Valencia, und so weiter und so weiter .. bis heute). Die Volksreligion wird auch aus kommerziellen Gründen noch am Leben gehalten und von Priestern unterstützt. Juan Goytisolo, einer der wichtigsten Autoren Spaniens, schreibt: <em>“Kirchliches Andachtswesen und Folklore durchdringen sich in Spanien zu einem unlöslich christlich &#8211; heidnischen Phänomen“</em> (in: „Spanien und die Spanier“, Suhrkamp 1982, S. 219)…Man sollte auch sagen: Hier wird Religion gegen Vernunft und Einsicht gestellt.</p>
<p><em>Das Resultat der Symbiose Franco &#8211; Kirche</em>: Der Abschied der SpanierInnen von dieser Kirche ist radikal: 1965 nannten sich 98 Prozent der Spanier katholisch. 2025 waren fast nur noch die Hälfte, nämlich 55 Prozent. Quelle: <a href="https://www.newtral.es/evolucion-catolicismo-espana/20250422/">LINK</a> https://www.newtral.es/evolucion-catolicismo-espana/20250422/<br />
Weitere wichtige Quellen zum Thema: <a href="https://cefas.ceu.es/wp-content/uploads/Informe_Demografia_Iglesia_Catolica_Observatorio_Demografico_CEU_CEFAS.pdf https://asturiaslaica.com/2024/04/30/cis-datos-sobre-creencias-y-religiosidad-en-espana-abril-2024/">LINK</a> :<br />
Auch wichtig zum Niedergang der katholischen Kirche in Spanien:  <a href="https://www.elindependiente.com/politica/2018/04/21/se-buscan-sacerdotes-mas-6-000-parroquias-sin-cura-espana/">LINK</a>: „Die katholische Kirche in Spanien steht vor einer immer offensichtlicher werdenden Herausforderung: der Überalterung des Klerus und dem Mangel an Nachwuchs. Nach aktuellen Angaben der Spanischen Bischofskonferenz liegt das Durchschnittsalter der Priester in vielen Diözesen bereits über 65 Jahren, und in einigen ländlichen Gebieten ist es nicht ungewöhnlich, dass achtzigjährige Pfarrer aufgrund fehlender Nachfolger weiterhin im Dienst sind. Der Rückgang der Priesterberufungen ist ein seit Jahrzehnten anhaltender Trend. Während in den 60er und 70er Jahren die Seminare voll waren, ist die Zahl der neuen Seminaristen heute sehr gering. Im Jahr 2024 beispielsweise gab es landesweit nur noch knapp 1.000 Seminaristen, eine Zahl, die im Gegensatz zu den mehr als 7.000 im Jahr 1990 steht.“ Quelle: <a href="https://www.msn.com/es-es/dinero/noticias/el-relevo-generacional-del-clero-en-espa%C3%B1a-en-jaque-esta-es-la-edad-media-actual/ar-AA1JYT8A">LINK</a></p>
<p><em>„Ungläubig“ oder „atheistisch“ nannten sich im Oktober 2021 39,9%, also mehr als ein Drittel der Bevölkerung.</em> 1978 waren es nur 8,5% der Bevölkerung, die sich atheistisch nannten. Das ist entscheidend: Unter den Jugendlichen bezeichneten sich 2021 nur noch 28,2% als katholisch. Und die jungen Menschen sieht man selten noch in der Sonntagsmesse… Zur Teilnahme an der Messe unter den Katholiken aller Altersgruppen: Im Jahr 2021 sagten 56,8%, niemals an der Sonntagsmesse teilzunehmen, im Jahr 1983 waren es nur 22,2%. Die Zukunft der katholischen Kirche in Spanien, wie überall in Europa, ist also düster…Und die Kirchenführung will nicht anerkennen, dass sie vor allem mit ihren uralten Dogmen und ihrer rigiden Moral die Gläubigen aus der Kirche treibt, also mitschuldig ist am zahlenmäßigen Verschwinden der Kirche, selbst wenn noch viele Klöster und Kathedralen &#8211; oft wie Museen &#8211; das Bild der Städte bestimmen. Die katholische Theologie als Wissenschaft verliert immer mehr an Bedeutung, wie überall in Europa, auch in Deutschland. Das Opus Dei leitet eine theologische Fakultät an seiner Universität in Pamplona.</p>
<p><em>Über den sexuellen Missbrauch durch Priester und Ordensleute in Spanien wäre eigens zu berichten, über die vielen Mühen, die Opfer haben, um ihr Leiden anerkannt zu wissen. Die in Spanien übliche offizielle Hochschätzung des Klerus ist nun vorbei. Der Klerus vertreibt die Gläubigen. </em></p>
<p>2025 wurde berichtet: &#8222;Die Spanische Bischofskonferenz (CEE) hat im Jahr 2024 über die Kinderschutzstellen der verschiedenen Diözesen 146 neue Zeugenaussagen von Missbrauchsopfern gesammelt. Damit steigt die Zahl der Fälle seit Einführung dieser Verfahren vor vier Jahren auf über 1.000. Die Zahl der vor der Vorlage des Tätigkeitsberichts für 2024 gesammelten Missbrauchsfälle „überstieg 1.000 Fälle”, betonte der Generalsekretär und Sprecher der CEE, Francisco César García Magán. „Zu diesen neuen Fällen kommen noch weitere hinzu, da sie noch nicht verhandelt wurden und sich in der Bewertung befinden”, was eine Zahl von fast 1.200 Anzeigen ergeben würde, präzisierte er.<br />
94 Fälle kamen aufgrund des Todes des Täters nicht vor Gericht. Von den 146 neuen Zeugenaussagen, die 2024 eingegangen sind, wurden 94 nicht vor Gericht verhandelt, weil der Täter verstorben ist oder weil die Straftat verjährt ist, berichtete García Magán auf der Pressekonferenz nach der 127. Vollversammlung der CEE, zu der sich diese Woche alle Bischöfe Spaniens in Madrid versammelt hatten&#8220;. . Quelle: <a href="https://www.rtve.es/noticias/20250404/iglesia-recoge-146-denuncias-abusos-2024-elevando-cifra-mas-1000/16522061.shtml.">LINK </a></p>
<p>Zusammenfassend.</p>
<p>Ein Kommentar der Politologin Stefanie Claudia Müller (Madrid): „Weil es während der Diktatur offensichtlich enge Verbindungen zwischen Franco, seinen Anhängern und der streng kirchlich konservativen Gemeinschaft „Opus Dei“ gab, haben sich viele Spanier von der Kirche abgewandt. Wer für die Republik ist, stellt sich heute immer noch meist gegen die Kirche. Die Zahl der Monarchie-Gegner, die im König die Fortführung der Diktatur sehen, nimmt nach jüngsten Umfragen vor allem an den Universitäten zu. Nach dem Ende der Diktatur wurde die Kirche trotz der ihr in der Verfassung zugewiesenen neutralen Rolle von verschiedenen Interessengruppen politisiert, was sie ebenfalls Mitglieder gekostet hat“. Quelle:„Herder-Korrespondenz&#8220; 2019: <a href="https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2019/6-2019/der-general-in-den-gehirnen/">LINK</a></p>
<p><strong>Unser Kommentar zum Schluss:</strong> Der Nationalkatholizismus in Frankreich jetzt und die Bindung von Katholkien an rechtsextreme Parteien in Spanien heute sowie das &#8222;National-Christentum&#8220; von Trump und Co. gefährden und zerstören nicht nur die Demokratie, sie zerstören auch die Möglichkeit, eine moderne katholische Kirche zu gestalten. Es sind die konservativ &#8211; bürgerlichen Kreise, die noch zu dieser Kirche halten. Diese Kreise werden aber in heftigen Krisenzeiten dann doch eher nach Rechtsextrem sich orientieren. Diese Kirche, wie am Beispiel Spaniens gezeigt, wird langsam, aber sicher zu einer verschwindenen Organisation, die als Sekte am Rande noch überlebt.</p>
<p>FUßNOTE 1. Antonio Gómez Modelan, La iglesia católica y otras religiones en la Espana de hoy“, Ediciones VOSA, noviembre 1999.</p>
<p>FUßNOTE 2: Der Gründer von Alianza Popular, des späteren Partido Popular (PP), ist Manuel Fraga, war während der Diktatur Informations- und Tourismusminister, sein Nachfolger an der Parteispitze ist José María Aznar, auch er familiär mit Franco verbunden. Der ehemalige Innenminister und EU-Parlamentarier Jaime Mayor Oreja, einst Sprecher des PP im Europaparlament, sagte zur Franco-Diktatur in einem Interview im November 2007: »Warum sollte ich den Franquismus verurteilen, wo doch viele Familien ihn ganz natürlich und normal erlebten? (…) Es war ein Zustand außergewöhnlichen Wohlbehagens.« Quelle: Prof. Georg Pichler, Madrid, <a href="https://www.kfsr.info/2017/10/der-schatten-des-caudillo-ueber-die-aktualitaet-des-spanischen-buergerkriegs-und-der-franco-diktatur-von-georg-pichler/.">LINK</a></p>
<p>PS: Über die sehr schwierige Situation der Protestanten, Juden und Muslims und die wenigen sich atheistisch nennenden Spanier unter Franco (!) folgen später Hinweise.</p>
<p><strong>Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21030_general-franco-spaniens-faschistischer-fuehrer-vor-50-jahren-gestorben_religionskritik">General Franco, Spaniens faschistischer Führer, vor 50 Jahren gestorben&#8230;Und seine Ideologie wird lebendig&#8230;</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Die reiche Kirche und die Armen: Papst Leo schreibt eine offizielle „Ermahnung“</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20911_die-reiche-kirche-und-die-armen-papst-leo-schreibt-eine-offizielle-ermahnung_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 13:21:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen für eine humane Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. und Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[das Motto des ersten offiziellen Schreibens von Papst Leo stammt aus der Geheimen Offenbarung des Johannes]]></category>
		<category><![CDATA[eine arme Kirche mit den Armen ist das Ziel]]></category>
		<category><![CDATA[ist die Hierarchie bereit selbst arm zu werden]]></category>
		<category><![CDATA[Luxushotels in Augustinerklöstern]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo kritisiert den Kapitalismus ohne diesen zu nennen]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo schreibt eine "apostolische Ermahung"]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo spricht von struktureller Sünde]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo tritt für die Armen ein]]></category>
		<category><![CDATA[Teile von Augustinerklöstern in Rom und Prag wurden zu Luxushotels umgebaut]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der erste offizielle Text Papst von Leo XIV., die Exhortation, die Ermahnung, gilt den Armen. Papst Leo fordert dringend die Hilfe für die Armen, er spricht wie sein Vorgänger Papst Franziskus, auch von struktureller Sünde, die Armut und Elend erzeugt und begünstigt. Aber Leo erwähnt nicht namentlich den Kapitalismus oder Neoliberalismus. Er zeigt auch nicht, wie denn die Kirchen- Hierarchie selbst den Armen beistehen will. Er spricht von einer Kirche FÜR die Armen, dabei ist die Rede von einer armen Kirche MIT den Armen die beste Haltung, auch im Sinne der Befreiungstheologie. Große Teile von Augustinerklöstern in Rom oder Prag wurden in Luxushotels umgewandelt und nicht in Sozial-Wohnungen für Arme. Sehr glaubwürdig ist das Papst - Dokument nicht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20911_die-reiche-kirche-und-die-armen-papst-leo-schreibt-eine-offizielle-ermahnung_befreiung">Die reiche Kirche und die Armen: Papst Leo schreibt eine offizielle „Ermahnung“</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Titel der „Apostolischen Exhortation“: „Dilexi te“: „Ich habe dich geliebt. Über die Liebe zu den Armen“.<br />
Hinweise von Christian Modehn am 12.10.2025</p>
<p>1.<br />
Eine päpstliche „Exhortation“ ist eine Ermahnung und Ermunterung an die katholischen LeserInnen. Sie hat keine umfassende Verbindlichkeit wie eine „Enzyklika“, sollte aber als Äußerung des obersten Lehramtes sehr ernst genommen werden. Auf dieses erste offizielle Dokument Leo XIV. haben manche gewartet.</p>
<p>2.<br />
Wir können hier nicht umfassend dieses 121 Absätze umfassende Dokument besprechen. Wir zeigen das Beachtliche des Textes auf, nennen aber auch kritisch einige Ausführungen des Papstes, die in der Öffentlichkeit bisher wenig Beachtung fanden.</p>
<p>3.<br />
Weite Teile dieser „Ermahnung“ sind bibeltheologische Erörterungen zur Armut. Es werden von Leo auch lang und breit die entsprechenden Lehren der Kirchenväter aus der Antike vorgestellt, selbstverständlich fehlen bei einem Papst als Mitglied des Augustiner-Ordens nicht längere Ausführungen zur Liebe des heiligen Augustinus zu den Armen. Wen interessiert das? Es werden dann viele Ordensgemeinschaften detailliert in ihrer Geschichte erwähnt, die alle irgendwie als Hilfe und Beistand für Arme gegründet wurden. Von der durchaus beträchtlichen aktuellen Hilfe dieser Ordensgemeinschaften für Arme ist eher wenig die Rede.</p>
<p>4.<br />
Den LeserInnen wird eingeschärft: Die Hilfe für Arme ist unverzichtbares Element christlichen Lebens. In sehr kurzen, politisch &#8211; kritischen Ausführungen folgt Papst Leo seinem in dieser Hinsicht mutigeren und radikaleren Vorgänger Papst Franziskus. So kritisiert auch Leo die „Diktatur einer Wirtschaft, die tötet“ (Nr. 92), ohne dass er dabei, soweit ich sehe, explizit den Kapitalismus und den Neoliberalismus beim Namen nennt. Leo schreibt sehr vorsichtig, offenbar um niemanden unter den Herrschern des Kapitals zu verletzen: „Obwohl es nicht an Theorien fehlt, die versuchen, den aktuellen Zustand zu rechtfertigen, oder die als Theorien erklären, dass die wirtschaftliche Vernunft von uns verlangt, darauf zu warten, dass die unsichtbaren Kräfte des Marktes alles lösen, ist die Würde eines jeden Menschen jetzt und nicht erst morgen zu respektieren. Das Elend so vieler Menschen, deren Würde negiert wird, muss ein ständiger Appell an unser Gewissen sein.“ Der Papst erwähnt die „unsichtbaren Kräfte des Marktes, denkt dabei offenbar an den radikalen Liberalismus eines F.A.Hayek, der heute in „liberalen Parteien “ und bei „libertären Politikern“ (Milei, Argentinien) seine Freunde hat. Aber wie gesagt, Namen werden vom Papst nicht genannt, man muss ja diplomatisch bleiben… Und in Nr. 94 heißt es dann leider viel zu kurz und zu knapp: „Wir müssen uns immer mehr dafür einsetzen, die strukturellen Ursachen der Armut zu beseitigen….Mangelnde Gerechtigkeit ist »die Wurzel der sozialen Übel. Denn »oft stellt man fest, dass tatsächlich die Menschenrechte nicht für alle gleich gelten«. Immerhin taucht in dieser „Ermahnung“ das Wort Menschenrechte auf. Die Päpste müssen mit der Verteidigung der grundlegenden Idee der „Menschenrechte“ bekanntlich vorsichtig umgehen, denn die Menschenrechte gelten in der Kirche explizit nicht (etwa die umfassende Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche…), genauso, wie die Kirche explizit keine demokratischen Strukturen will.</p>
<p>5.<br />
Die ganze „Ermahnung“ ist eher langatmig und von einer üblichen, tief erscheinenden Frömmigkeit bestimmt. Man fragt sich: Werden diesen ja doch wohl etwas politischen Text auch NGOs debattieren in ihrer Solidarität mir Armen, Hungernden, Verfolgten, Flüchtlingen, Ausgegrenzten, ungerecht Behandelten usw.? Ich vermute: Eher nicht! Der Text wirkt weithin wie eine Predigt alter Art. Es fehlen Aussagen zur Frage: Wieviel Schuld hat die Kirche in der weltweiten Ausgrenzung der Armen seit Jahrhunderten, wenn es im globalen Süden bis heute „himmelschreiende Armut“ etwa aufgrund des Kolonialismus gibt? Diese Frage hätte doch ein Papst stellen könne, der etliche Jahre im armen Peru arbeitete und der dort als Bischof mit Gummistiefeln durch die überschwemmten Elendsviertel laufen musste. Immerhin betont der Papst, die Armen hätten ihre eigene Kultur (Nr. 100), die sie pflegen sollen!</p>
<p>6.<br />
Auch das wird bisher öffentlich nicht beachtet: Der Titel „Dilexi te“, „Ich habe dich geliebt“, ist, wie der Papst ausdrücklich schreibt, dem neutestamentlichen „Buch der Offenbarung des Johannes“ entnommen (Kap. 3, Vers 9).<br />
Warum ausgerechnet das Motto? Weil es den besten Anschluss bietet an den Titel eines Schreibens von Papst Franziskus „Dilexit nos“, „Er liebt UNS.“ Nun also bei Leo: „Ich habe DICH geliebt“. Und dieser knappe Titel stammt aus einem äußerst schwierigen, bei der Lektüre nicht verständlichen Text voller Symbole, Rätselsprüchen, Geheimnistuerei und Trostsprüchen für die verfolgten christlichen Gemeinden, eben aus der „Offenbarung des Johannes“. Ein Leitwort, ein Motto, mit dem Inhalt „Ich habe dich geliebt“ hätte man auch anderswo im Neuen Testament schnell gefunden. Etwa im Johannes Evangelium, 13. Kapitel, Vers 34: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Aber „Ich habe DICH geliebt“ weist hin auf die extreme Bindung des Papstes an Augustinus, der nur in der eher privaten Ich &#8211; Du &#8211; Beziehung seinen Gott fand. In Papst Franziskus` Titel:  „Dilexit nos“, „Er liebt UNS“, wird die Gemeinschaft betont, dies ist bester Ausdruck christlicher Spiritualität.</p>
<p>7.<br />
Sehr problematisch ist das Motto der Ermahnung Leos vor allem deshalb, wenn man sich diesen Vers 9 im 3. Kapitel der „Offenbarung“ genauer anschaut. Dieser Vers steht im Kontext eines imaginären Briefes des Autors „Johannes“ an die Gemeinde in der Stadt Philadelphia, heute ist dies die türkische Stadt Alaşehir. In dem mysteriös &#8211; schwierigen Vers 9 heißt es wörtlich: „Leute aus der Synagoge des Satans, die sich als Juden ausgeben, es aber nicht sind, sondern Lügner &#8211; ich werde bewirken, dass sie kommen und sich dir (also dem Engel der Christengemeinde, CM) zu Füßen werfen und erkennen, dass ich dir meine Liebe zugewandt habe.“ Da ist also das wichtige Wörtchen: Auf Latein: „Dilexi te“. (Das Bibelzitat ist der „Einheitsübersetzung“ der katholischen Kirche Deutschlands entnommen).<br />
Schon erstaunlich, dass dieses Motto der ersten „Apostolischen Ermahnung“ Leos ausgerechnet einem Vers entnommen ist, in der die Juden im Gegenüber zu den Christen damals als „Synagoge Satans“ bewertet werden… sie werden dann, so Johannes, der Autor, bei der Wiederkunft Christi ihr Judentum aufgeben (müssen).<br />
Dies ist einer der vielen eher mysteriösen Verse aus der „Offenbarung“, die man als LeserIN niemals ohne ausführliche Interpretationshilfe verstehen kann. Die katholische Theologin Prof. Elisabeth Schüssler &#8211; Fiorenza aber behauptet in ihrer großen Studie „Das Buch der Offenbarung“, Kohlhammer Verlag, 1991, Seite 76 , die Rede von der „Synagoge Satans&#8220; „sollte nicht als Antisemitismus mißverstanden werden.“ Wir sagen nur: Na ja, die Phantasie einer Theologin ist wohl groß.</p>
<p>8.<br />
Papst Leo, so wird in der katholischen Presse behauptet, vertritt in diesem seinen Text eine Art lateinamerikanische Befreiungstheologie. Aber oft ist in dem Text die Rede von der Kirche, die für die Armen eintritt, so, als stehe die Kirche den Armen gegenüber, und tue FÜR sie &#8211; aus Barmherzigkeit &#8211; Gutes. Dabei sollte es doch wohl so sein: Die Kirche ist mit den Armen solidarisch, weil sie selbst als Kirche eine Organisation der Armen ist und als Kirche selber arm ist bzw. im Sinne Jesu sein sollte… Nicht FÜR die Armen, sondern MIT ihnen ist authentische Befreiungstheologie. Komischerweise muss man sagen, macht sich Leo am Ende seiner langen Ermahnungen dann sogar noch für die klassischen Almosen stark. SAlso für die Almosen für die Armen,  jene üblichen Spenden der reichen Christen in der reichen Welt, die einiges Hilfreiche bewirken, aber überhaupt keine adäquate Antwort sind auf die entsetzlichen Lebensbedingungen der meisten Menschen im globalen Süden etwa.</p>
<p>9.<br />
Was deutlich fehlt in dieser Ermahnung des Papstes: Nirgendwo ist die Rede davon, wie denn die Kirchenführungen, also die klerikale Hierarchie, also auch der Vatikan, also auch die gut ausgestatteten Bischöfe in ihren Palästen &#8211; den Armen praktisch beistehen sollen. Man fragt sich natürlich: Kann diese Kirche überhaupt eine arme Kirche mit den Armen werden bei diesem ihrem vorhandenen Glanz etwa in den Gebäuden des Vatikans und Roms und in anderen europäischen Zentren?<br />
Diese Zahlen kann man überall überprüfen: Der Vatikan besitzt weltweit rund 5500 Immobilien – vor allem in Italien, aber auch in der Schweiz, Frankreich und England. Es sind Wohnungen, Kirchen, Klöster, Büros und Land…Die katholische Kirche in Deutschland besitzt etwa 8.250 km² Land, was sie zum größten privaten Grundbesitzer macht…Das Erzbistum Paderborn gilt als das reichste Bistum in Deutschland mit einem Vermögen von rund 7,15 Milliarden Euro. Und so weiter…</p>
<p>10.<br />
Warum sagt der Papst als Mitglied des Bettelordens der Augustiner nichts dazu, dass Gebäude- Teile einiger jetzt viel zu groß gewordenen Augustiner &#8211; Klöster in Luxus Hotels umgewandelt wurden und eben nicht in Sozialwohnungen? Für den Augustiner Orden nur das Beispiel aus Rom <a href="https://www.residenzapaolovi.com/de/">LINK</a> oder in Prag <a href="https://www.marriott.com/de/hotels/prglc-augustine-a-luxury-collection-hotel-prague/overview/">LINK</a>.  Selbstverständlich lassen sich solche Beispiele auch von anderen Orden nennen.<br />
Ein leiser, allerdings nur auf die Vergangenheit bezogener kritischer Ton wird in Nr. 63 formuliert, wenn Leo von den Bettelorden des Mittelalters, also auch den Augustinern, schreibt: „Das Zeugnis der Bettelorden forderte sowohl <em>die klerikale Opulenz</em> als auch die Kaltherzigkeit der städtischen Gesellschaft heraus.“ Von klerikaler Opulenz heute ist jedenfalls in Leos „Ermahnung“ keine Rede…</p>
<p>11.<br />
Da setzt der Papst einen Text in die Welt gesetzt, der von der praktischen Verantwortung dieser Hierarchie (!) für die Armen wenig spricht. Man möchte gern einmal lesen: Die Bischöfe in Deutschland und in anderen reichen Ländern Europas verzichten auf 30 Prozent ihres zweifellos üppigen Gehaltes zugunsten von Projekten für die Armen. Die Bischöfe verlassen also &#8211; etwa in Köln, etwa in München &#8211; ihre Paläste und ziehen in Drei- Zimmer- Wohnungen zur Miete. Solche Ideen sind natürlich ketzerisch und selbstverständlich „eigentlich“ sinnlos.<br />
Nebenbei: Wir haben einmal &#8211; in literarischer Imagination &#8211; Jesus heute nach Rom kommen lassen, von Dostojewski inspiriert. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/15443_jesus-in-rom-der-grossinquisitor-von-dostojewski-aktuell-fuer-heute-und-morgen_religionskritik">LINK</a></p>
<p>Aber vielleicht hat die katholische Kirche in Europa und Amerika auch fast kein Geld mehr … wegen der „Entschädigung“ &#8211; Zahlungen an die vielen tausend Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester und Nonnen.</p>
<p>12.<br />
Das öffentliche und etwas gründlichere Interesse an dieser päpstlichen &#8222;Ermahnung&#8220;  ist — von ein paar Kirchenzeitungen abgesehen &#8211; bisher eher sehr sehr verhalten.</p>
<p>13.<br />
Dabei sollten die wirklich weiterführenden Teile dieser päpstlichen Ermahnung gelesen und in Praxis realisiert werden, auch von Priestern, Bischöfen, Päpsten…</p>
<p>Ich zitiere nur ein Beispiel: Nr. 114: „Wir sprechen nicht nur von Hilfe und vom notwendigen Einsatz für Gerechtigkeit. Die Gläubigen müssen sich einer weiteren Form der Inkonsequenz gegenüber den Armen bewusst werden. In Wahrheit ist »die schlimmste Diskriminierung, unter der die Armen leiden, der Mangel an geistlicher Zuwendung […]. […] Die vorrangige Option für die Armen muss sich hauptsächlich in einer außerordentlichen und vorrangigen religiösen Zuwendung zeigen.»[127] Diese geistliche Aufmerksamkeit für die Armen wird jedoch durch bestimmte Vorurteile, auch seitens der Christen, in Frage gestellt, weil wir uns ohne die Armen wohler fühlen. Manche sagen fortwährend: „Unsere Aufgabe ist es, zu beten und die wahre Lehre zu verkünden.“ Und indem sie diesen religiösen Aspekt von einer ganzheitlichen Förderung trennen, fügen sie hinzu, dass allein die Regierung sich um sie kümmern sollte oder dass es besser wäre, sie in ihrem Elend zu lassen und ihnen erst einmal das Arbeiten beizubringen. Manchmal werden auch pseudowissenschaftliche Kriterien herangezogen, wenn etwa gesagt wird, dass der freie Markt von selbst zur Lösung des Problems der Armut führen werde. Oder man optiert sogar für eine Seelsorge der sogenannten „Eliten“ und behauptet, dass man, statt Zeit mit den Armen zu verschwenden, sich besser um die Reichen, Mächtigen und Berufstätigen kümmern sollte, um durch diese zu wirkungsvolleren Lösungen zu gelangen. Die Weltlichkeit hinter diesen Auffassungen ist leicht zu erkennen: Sie verleiten uns dazu, die Wirklichkeit mit oberflächlichen Kriterien zu betrachten, bar jedes übernatürlichen Lichts, wenn wir es lieber mit Menschen zu tun zu haben, die uns ein Gefühl von Sicherheit geben, und wenn wir Privilegien suchen, die uns genehm sind.“</p>
<p>14.</p>
<p><em>Von den 130 Belegen, Quellen, für die Zitate der &#8222;Exhortatio&#8220;, verweist ein einziger Beleg auf einen &#8222;weltlichen Bereich&#8220;, </em> nämlich den &#8222;Rat der Europäischen Gemeinschaften&#8220;. Alle anderen Fußnoten beziehen sich auf<em> innerkirchliche Dokumente,</em> Enzykliken vor allem von Papst Franziskus, auf theologischen Werke antiker und mittelalterlicher Heiliger usw. Auch dieses päpstliche Dokument  kreist, wie üblich, in der eigenen &#8222;Suppe&#8220;. Dass es mindestens hundert aktuelle soziologische, psychologische, theologische, philosophische Studien zum Thema Armut und Arme gibt, scheint im Vatikan beim Autor Leo XIV. oder den Ghostwritern nicht angekommen zu sein. Dass dieser Respekt (!) für die wissenschaftlichen Forschungen eigentlich üblich sein sollte, auch für ein päpstliches, katholisches Dokument mit universellem Anspruch, sollte eigentlich heute endlich selbstverständlich sein. Man ist im Vatikan aber immer noch irgendwie selbstzufrieden mit den eigenen kirchlichen Texten. Man braucht halt die Wissenschaften nicht!</p>
<p>Der Text der &#8222;Exhortation&#8220;: <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-10/wortlaut-dilexi-te-papst-leo-xiv-armut-exhortation-glaube-kirche.html">LINK</a></p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20911_die-reiche-kirche-und-die-armen-papst-leo-schreibt-eine-offizielle-ermahnung_befreiung">Die reiche Kirche und die Armen: Papst Leo schreibt eine offizielle „Ermahnung“</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
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		<title>Wenn die Kirchen zu viele Kirchen haben</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20834_20834_befreiung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2025 16:11:05 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kirche ist an Repräsentationsgebäuden interessiert]]></category>
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		<category><![CDATA[Kirchen sollen in Moscheen umgewandelt werden]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus-Martin Bresgott]]></category>
		<category><![CDATA[Konstantin Manthey]]></category>
		<category><![CDATA[Leben statt Leere - ein Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Leona Lynen]]></category>
		<category><![CDATA[macht unbrauchbare Kirchen zu Moscheen]]></category>
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		<category><![CDATA[Paris nachts Kirchen offen]]></category>
		<category><![CDATA[St. Albertus-Magnus Kirche in Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[St. Hedwigskathedrale sehr teuer renoviert]]></category>
		<category><![CDATA[Studie des Kulturbüros der EKD über Kirchenverkauf]]></category>
		<category><![CDATA[was ist Liturgie?]]></category>
		<category><![CDATA[wer ist schuld für den Verkauf der Kirchengebäude]]></category>
		<category><![CDATA[Zu viele Kirchengebäude in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[zwei Millionen Kirchenangestellte in Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>"Leben statt Leere" heißt ein neues Buch (2025) des EKD-Kulturbüros. Es geht um die Frage: Was tun mit den vielen leerstehenden, nicht mehr verwendbaren Kirchengebäuden. Es wird für neue Nutzungen plädiert. Aber die Frage wird nicht gestellt: Wer ist in den Kirchenleitungen schuldig oder verantwortlich für diesen Niedergang kirchlicher Lebens? Es ist die urlalte, unverständliche Dogmatik der Kirchen, die die Menschen aus der Kirche treibt, sowie die veraltete, hölzerne Kirchensprache. Die vielen feststehenden Holzbänke in den Kirchen machen ein angenehmes Verweilen unmöglich. Die Kirchen setzen trotz ihrer Finanzprobleme auf große Repräsentationskirchen und geben Millionen Euro aus für den eigentlich unnötigen Umbau etwa der St. Hedwigskathedrale. Dafür ist in Berlin Geld da, aber Gemeindhäuser und Kirchen in den Wohnvierteln werden verkauft oder abgerissen. In den 23 neu entstehenden Wohnverteln Berlins sind Kirchengebäude nicht mehr vorgesehen. Dringend muss entschieden werden: Wann werden überflüssige Kirchengebäude muslimischen Vereinen zur Gestaltung von Moscheen verkauft. In Amsterdam wurde eine katholische Kirche in eine Moschee umgewandelt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20834_20834_befreiung">Wenn die Kirchen zu viele Kirchen haben</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Leben statt Leere“: Zu einem neuen Buch (2025) über den Umgang mit „überflüssigen“ Kirchengebäuden</p>
<p>Hinweise von Christian Modehn am 30.9.2025</p>
<p>1.<br />
Seit 1990 wurden in Deutschland 514 evangelische Kirchengebäude aufgegeben, davon wurden 128 abgerissen; bei den Katholiken wurden 603 „Gotteshäuser“ seit 1990 aufgegeben, davon 173 abgerissen. Quelle:„Plus- Minus“, Magazin der ARD/Das Erste am 24.9.2025.<br />
Gerade der Abriss von Kirchengebäuden kann als Symbol verstanden werden für das stetige Verschwinden der Kirchen in Deutschland und Europa. Ob damit auch der christliche Glaube langsam aber „sicher“ verschwindet, ist eine andere Frage. Und: An irgendeinen Gott (vielleicht Götzen) glauben wohl die meisten, weil sie Menschen sind und immer irgendwie „gläubig“ sind, aber das ist Philosophie…</p>
<p>2.<em> Immer weniger Kirchenmitglieder</em><br />
Weil immer mehr Kirchenmitglieder in Deutschland aus der Kirche austreten, haben die Gemeinden und Landeskirchen bzw. die Bistümer wegen der ausbleibenden Kirchensteuern kein Geld (und kein bezahltes Personal) für den Erhalt ihrer vielen Kirchengebäude. 23.000 Kirchengebäude (oft mit Gemeinderäumen und Wohnungen) besitzt die Evangelische Kirche noch in Deutschland, 24.000 Kirchengebäude (oft mit Gemeinderäumen und Wohnungen) die katholische Kirche. Zu den großen Kirchen gehören (2024) 39 Millionen Mitglieder, für das Jahr 2060 werden schätzungsweise noch 23 Millionen Bewohner Deutschlands Kirchenmitglieder sein. Dass die Bewohner Deutschlands mehrheitlich in Zukunft wieder Kirchenmitglieder werden: Daran glauben wohl selbst die frömmsten Bischöfe nicht. Da ist also Eile angesagt, wollen die Kirchen Schließung, Verkauf, „Mischnutzung“ oder Abriss von Gotteshäusern mit den jeweiligen Kommunen sinnvoll und das heißt immer auch mit finanziellem Gewinn gestalten. PS: Über die vielen, z. T.&#8220;überflüssigen&#8220;, z.T. hübsch renovierten Dorfkirchen in Brandenburg habe ich 2020 einen provozierenden Beitrag verfasst. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12144_theodor-fontanes-und-seine-unsere-dorfkirchen-in-der-mark-brandenburg_denkbar">LINK</a></p>
<p>3. <em>Könnten Kardinäle, Bischöfe, Pfarrer auf einen kleinen Teil ihres Gehaltes verzichten?</em><br />
Man könnte denken: Zur Finanzierung des Erhalts wenigstens einiger, von den Gläubigen als sehr wichtiger angesehener bestehender Kirchen &#8211; Gebäude könnten auch die Kürzungen der Gehälter von Pfarrern, Oberkirchenräten, Erzpriestern und Bischöfen und Kardinälen beitragen, dies wäre ein schlichter solidarischer, aber öffentlich wirksamer Effekt. Kardinal Marx von München hat immerhin Ende Dezember 2020 tatsächlich 500.000 Euro aus seinem Privatvermögen (sic!) für „Betroffene des sexuellen Missbrauchs“ in seine Stiftung eingezahlt. Quelle: <a href="https://www.domradio.de/artikel/einsicht-diese-wahrheit-hat-lange-gebraucht-kardinal-marx-stiftet-500000-euro-fuer">LINK</a><br />
Kardinal Marx erhält &#8211; aus Staatsleistungen Bayerns &#8211; ein Monatsgehalt von etwa 13.600 €. Kardinal Woelki in Köln erhält ein Monatsgehalt von 13.800 €, ziemlich unbescheiden, wenn man bedenkt, dass sein Verhalten im Zusammenhang von sexuellem Missbrauch ein Hauptgrund war und ist für die große Austritts-„Welle“ im Erzbistum Köln…Quelle: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/woelki-bekommt-wahrend-seiner-auszeit-das-volle-gehalt-4283305.html">LINK</a><br />
Ein evangelischer Pfarrer verdient in Deutschland heute durchschnittlich 5.300€ brutto im Monat. Ähnliche Gehälter erhalten katholische Pfarrer, auch bei ihnen gilt: Oft mit freier Dienstwohnung…</p>
<p>4. <em>Kirchen verkaufen und umwandeln: Alles andere als ein Nebenthema</em><br />
Der vielfältige mögliche Umgang mit „überflüssig“ gewordenen, also nicht mehr klassisch für Gottesdienste/Messen zu nutzenden Kirchen bzw. Gotteshäusern ist alles andere als ein kulturelles „Nebenthema“. Diese Frage gehört ins Zentrum der Debatten über die Umbrüche der Religionen und Kirchen in Europa heute. Man beachte immer dabei: Für Protestanten sind Kirchengebäude eben nur Gebäude genutzt für Gottesdienste usw., aber eben nicht wie bei Katholiken eher verehrungswürdige „Gotteshäuser“…<br />
Über eine umfangreiche Foto &#8211; Dokumentation von verfallenen, allmählich nur noch als Ruinen wahrnehmbaren Kirchengebäuden in einigen Ländern Europas habe ich im Jahr 2020 eine Rezension geschrieben. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/13119_verlassene-kirchen-aufgegeben-verfallen-christentum-im-uebergang_buchhinweise/philosophische-buecher">LINK</a><br />
Dabei wird deutlich: In Frankreich wurden schon im 19.Jahrhundert viele Gotteshäuser von der Kirche aufgegeben, weil einfach die Gläubigen nicht mehr gläubig waren und die Messe nicht mehr besuchten, man sehe sich dazu etwa im Département Yonne oder in anderen Gegenden Burgunds oder des Limousin (Guéret!) um…</p>
<p>5. <em>Ästhetisches &#8211; religiöses Erleben angesichts von (umgewandelten) Kirchen</em><br />
Heute gilt in Deutschland die allgemeine ästhetische Überzeugung: Kirchengebäude in unseren Städten und Dörfern als Ruinen wahrzunehmen, ist nicht förderlich für einen guten Gesamteindruck und nicht inspirierend für einen letzten Rest spirituell &#8211; christlicher Stimmung unter den Bürgern. Ein schönes Kirchengebäude in einer grauen Stadtlandschaft oder in einem sonst langweiligen Dorf in Brandenburg empfinden selbst Atheisten noch als ästhetische Bereicherung. Und selbst die Kirchenleitungen sind überzeugt: Wenn bei umgewandelten Kirchengebäuden wenigstens nach außen hin eine „christliche Aura“ durch die erhaltenen Kirchen &#8211; Fassaden, Außenmauern, bunten Fenster und den Glockenturm (mit noch immer läutenden Glocken), dann sind solche Umwandlungen ein Erfolg. Der protestantische Theologen und EKD &#8211; Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen definiert den klassischen Begriff für Gottesdienst, und dies ist der Begriff Liturgie, in einem sehr weiten Sinne: Er meint, Liturgie sei als Dienst auch im allgemeinen Menschlichen zu verstehen, nicht nur als explizite Gottes &#8211; Dienst &#8211; Veranstaltung (richtig „klassisch“). So kann seiner Meinung nach eine umgewandelte Kirche, etwa als Bibliothek, noch einen guten humanen Dienst leisten, also irgendwie dem Begriff Liturgie gerecht werden (Seite 118ff.) Claussen meint zudem sehr gewagt: „Wer an dem Kirchenbau vorbeigeht, entwickelt nicht selten so etwas wie alltägliche Liturgie. Man schaut hoch auf den Turm und seine Uhr, nimmt einen Glockenschlag wahr, lässt die Architektur für einen Augenblick auf sich wirken, erinnert sich kurz an hier Erlebtes, es kann sich dabei so etwas wie eine `Religion der Religionslosen?(Robert Musil) ereignen.“ (Seite 119). Ob sich dieses weltliche punktuelle und kurzfristige irgendwie spirituelle Liturgie &#8211; Erlebnis auch im Angesicht einer umgebauten Kirche sich ereignet, ist eine offene Frage: Zudem: Dieses kurze, irgendwie noch christlich geprägte Erleben angesichts eines umgewandelten Kirchengebäudes gilt sicher nur für Menschen, die diese Kirche einst von innen gesehen haben und vielleicht an einem Gottesdienst teilgenommen haben, aber diese alten Menschen sterben leider aus…</p>
<p>6. Z<em>um Gottesdienst eine umgewandelte Kirche mieten</em><br />
Das ziemlich umfangreiche neue Buch mit dem sehr provozierenden Titel „Leben statt Leere. Überlegungen und Anregungen zum Umgang mit unseren Kirchen“ ist auch deswegen wichtig, weil zu den AutorInnen keineswegs nur TheologInnen gehören, sondern vor allem SpezialistInnen für Baukultur und Stadtentwicklung, für Baudenkmäler, Fachleute fürs Stiftungswesen oder Gedenkstätten usw. Die 28 Essays handeln also von rechtlichen Problemen bei der „Nutzungserweiterung“ der Kirchen, beschreiben die Vielfalt neuer „Nutzungen“ der einst nur religiösen Kirchengebäude. Die gemeinsame Nutzung durch eine Kirchengemeinde wie auch durch „weltliche“ neue Nutzer scheint mir besonders wichtig zu sein. Nebenbei: In Amsterdam etwa mieten arm gewordene Kirchengemeinden am Sonntag ihre einstige Kirche für zwei Stunden, die sonst in ein Museum bzw. ein Kulturzentrum ist. In dem genannten Buch ist vor allem der Beitrag von Leona Lynen sehr inspirierend, wenn man konkrete, schon realisierte, vielleicht erfolgreiche Projekte kennenlernen will.</p>
<p>7. <em>Die noch aktiven Kirchen sind meist leer</em><br />
Der Titel des Buches „Leben statt Leere“ ist sehr provokativ: Er kann nämlich suggerieren: Einst, als die Kirchengebäude noch für Gottesdienste/Messen genutzt wurden, herrschte eigentlich Leere: Das ist sogar richtig, wenn man sich die Statistiken der Teilnahme am evangelischen Gottesdienst in einigen Städten und Dörfern anschaut: Da sitzen sonntags um 10 Uhr in vielen Gemeinden Berlins, Leipzigs, Hamburgs usw. nur einige wenige, ziemlich weit voneinander, in den Bänken. 3,3% der Protestanten in Deutschland setzen sich sonntags um 10 in die Kirche. Es gibt in Brandenburgs Dörfern beheizbare „Winterkirchen“ innerhalb der großen Kirchen. „Winterkirchen“ sind die Zimmerchen gleich am Eingang: Die dort aufgestellten 20 Stühle sind treffender Ausdruck der erwarteten TeilnehmerInnen von „Sonntags um 10 oder 11“. An der katholischen Sonntags &#8211; Messe nehmen im Erzbistum Berlin etwa noch etwa 8,5 % der Gläubigen teil. Aber auch hier gilt, zumindest in Berlin: Nach den Gottesdiensten werden die Kirchen verschlossen, weil auch kein „Freiwilliger“ mehr da ist, der „aufpasst“ und mögliche Diebe vertreibt. So stehen die großen Kirchen während der Woche also leer herum, die tatsächliche „Nutzungszeit&#8220; beträgt wahrscheinlich nur etwa 4 Stunden pro Woche, wenn man Orgelkonzerte, Taufen oder Trauungen zu den Gottesdiensten mitzählt. Gäbe es nicht die immer noch sehr gut „besuchten“ Heilig &#8211; Abend Gottesdienste, sähe die Jahres &#8211; Statistik zum Gottesdienstbesuch sehr düster aus.<br />
Darum ist der Titel „Leben statt Leer“ treffend: Die vorhandenen Kirchengebäude stehen wirklich fast immer leer herum. Und selbst tagsüber offen gehaltene Kirchen stehen zu Zeiten leer, wo sie eigentlich genutzt werden könnten: Hier in Berlin &#8211; Schöneberg, wo ich lebe, sitzen sehr viele junge Leute an jedem Sommerabend auf Grünanlagen vor der Apostel -Paulus &#8211; Kirche, sie trinken und plaudern und lachen, eine Art kleine Oase. Die Kirche, schließt um 18 Uhr. Aber dann beginnt erst das turbulente Leben im unmittelbaren Umfeld der Kirche… In Paris habe ich einst so genannte „Nacht-Kirchen“ &#8211; offen meist am langen Wochenende- kennengelernt und für die ARD dokumentiert, wie die Kirchen St. Gervais, St. Severin, St.Leu usw… Sie waren bis über Mitternacht hinaus offen. Heute zwingt der „Vandalismus“ in den Kirchen zu früher Schließung… Vielleicht sind die Kirchen sogar ein ganz kleines Bißchen froh, weil sie heute keine ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, „Aufsicht“, mehr haben. Damals waren die Gemeindepfarrer in ihren Nachtkirchen anwesend.</p>
<p>8. <em>Viele schöne Fotos umgewandelter Kirchen</em><br />
Das Buch „Leben statt Leere. Überlegungen und Anregungen zum Umgang mit alten Kirchen“ enthält auf 240 Seiten 28 Essays. Genauso wichtig aber ist: Das neue „Leben“ der Kirchen wird auf mindestens 60 ganzseitigen Farbfotos so anmutig und so schön präsentiert, dass man eigentlich denken kann: Prima, dass diese Kirchen nun keine expliziten Gotteshäuser mehr sind. Die umgebauten Kirchen sind jetzt sehr lebendige Häuser, etwa prächtige Buchhandlungen oder angenehme Kindergärten oder hübsche Theater oder gar nicht so bescheidene Kleiderkammern für Arme, auch die Jugendherbergen sind beachtlich, erstaunlich, dass einige Kirchenfenster und dezent erhaltenen Kreuze den Früstücksraum schmücken. Man möchte also meinen: Endlich haben diese einst grauen, selbst sonntags fast leeren und während der Woche fast immer verschlossenen Kirchen/Gotteshäuser eine sympathische, so menschliche, durchaus progressive Ausstattung erhalten… Und man wird Theologen fragen, ob sie diese Entwicklung ebenfalls sympathisch und entzückend finden können und &#8211; normativ betrachtet &#8211; finden dürfen.</p>
<p>9. <em>Wer oder was ist schuld an den Kirchenschließungen?</em><br />
Wer stellt eigentlich noch in kirchlichen und theologischen Kreisen die provozierende, aber sehr berechtigte Frage: Wer oder was ist eigentlich schuld daran, dass so viele Kirchen „überflüssig“ geworden sind? Soweit ich sehe, wird dieses Thema in dem Buch bedauerlicherweise nicht bearbeitet. Wer nach einer Antwort sucht: Man wird doch theologisch nicht im allgemeinen „die“ Säkularisierung oder „die“ Moderne dafür verantwortlich machen, dass nun so viele Kirchengebäude für die Kirchen selbst überflüssig geworden sind. Denn Tatsache ist: Beide Kirchen hatten und haben immer Jahresetats von vielen Milliarden Euro aus Kirchensteuereinnahmen. Der katholische Theologe Konstantin Manthey nennt in seinem Beitrag die Zahl von „fast zwei Millionen Kirchenangestellten“ heute (S. 125). Darf man fragen, was haben diese meist gut bezahlten Damen und Herren falsch gemacht, dass es zu einem solchen stetigen Kirchenaustritt von Millionen getaufter Christen kommen konnte und kann?</p>
<p>10. <em>Die alte Dogmenwelt und die unverständlichen Gebete/Gesänge</em><br />
Was würde ein sehr großes Wirtschaftsunternehmen tun, wenn es einen so miserablen „Erfolg“ erzielen würde wie die Kirchen, die Millionen Mitglieder verlieren, obwohl die finanzielle Ausstattung wirklich bestens war (und bis jetzt noch immer ist)? Aber der Rücktritt von Bischöfen oder EKD &#8211; Synodalen würde in dem Zusammenhang nicht mehr als richtiges Symbol eines „Schuldbekenntnisses“ sein. Aber die eigentliche „Schuld“ an der Misere der Kirchen ins Deutschland und Europa weist auf anderes, über das öffentlich, auch in der Theologie, kaum gesprochen wird: Es ist die nicht anders als aufgeblasen zu nennende uralte dogmatische Glaubenswelt der Kirchen; es sind die meist sehr altertümlichen Kirchen &#8211; Lieder und &#8211; Gesänge: Bezeichnenderweise haben die Katholische Bischöfe der Niederlande und Deutschlands fast all Lieder des niederländischen Theologen Huub Oosterhuis als Mess-Gesänge verboten. Diese Lieder sind aber wohl die einzigem, die ein denkender Christ heute noch singen kann.. Schuld sind auch die intellektuell kaum nachvollziehbaren Gebete und Fürbitten; die erstarrten Liturgien/Messen oder das „Trallala“ mancher Kindergottesdienste, all das hat den Abschied so vieler hundert tausend kritischer und denkender Menschen aus den Kirchen beschleunigt.<br />
Wer hat als Teilnehmer der Messe nicht schon oft den Eindruck gehabt: Das ist doch alles immer der selbe Ritus, dieses reglementierte Auf und Ab von Hinknien, Aufstehen, Sitzen, standardisiert antworten auf standardisierte Aufforderungen und Gebete des Priesters. Und dann auch dies noch: Das Sprechen eher sinnloser Texte: Etwa vor dem Empfang der Kommunion (!) müssen die Gläubigen diese Worte sprechen: „Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach“… Wo bitte ist denn „mein Dach“, unter dem ich die Kommunion nun erhalte und verzehre…. Antiquierte Redeweisen in den Messen bis heute: „Der Herr sei mit euch.“ „Und mit deinem Geiste…“ Wer sagt denn so was, muss Kirchensprache derart aus der Zeit fallen? Das ertragen die Leute einfach nicht mehr. Tausend Beispiele wären möglich, aber schon diese Hinweise zeigen: Sie haben sehr wohl mit den leeren Kirchen zu tun, mit den sich ständig leerenden Kirchen besser gesagt.<br />
Das fehlt leider in dem Buch „Leben statt Leere“: Die ausgearbeitete selbstkritische Erkenntnis: Die Kirchen sind selbst schuld, dass sie jetzt auf ihren vielen überflüssig gewordenen Kirchengebäuden sitzen und diese dann abstoßen müssen.</p>
<p>11. <em>Die fixierten Holzbänke aus den Kirchen endlich entfernen!</em><br />
Ein weiterer Grund für die Leere der Kirchen, für die Abweisung kirchlicher Angeboten den alten Gotteshäusern: Diese Kirchen sind als Treffpunkte der Gemeinde schon von der Anordnung der Sitzgelegenheiten eine Katastrophe: Alle schauen nach vorn, meist auch nach oben, zum Altar, zu den unersetzlichen Priestern oder dem evangelischen Pfarrer, der manchmal noch in die Höhen der Kanzel zur 30 Minuten Predigt klettert. Und „alle“ schauen in die Höhe der Wahrheit … Noch wichtiger: Es sind diese wirklich widerlichen, fest verankerten Holzbänke, die nicht das geringste Gefühl von Kommunikation oder Wohlfühlen aufkommen lassen. Ich wage die These: Hätten die Gemeinden spätestens vor 50 Jahren die fest verankerten Holzbänke aus den Kirchen rausgeworfen und durch Stühle bzw. Sessel oder Polster oder bequeme Sofas ersetzt, Sachen also, die man auch in einen Kreis hätte stellen können zum Gottesdienst, dann hätte sich Kirche als sympathischer, einladender freundlicher Raum einer Gemeinde, einer „großen Familie“, bewiesen. Warum soll man das für die Menschen oft ungemütliche, weil kritisch &#8211; störende Evangelium Jesu von Nazareth nicht auf gemütlichen Stühlen verstehen können?</p>
<p>12. <em>Die Kirchenführung zerstört die Idee „Kirchengemeinde in der Nachbarschaft“</em><br />
Wenn sich die Kirchen jetzt und in naher Zukunft von vielen Kirchengebäuden trennen müssen, dann wird für die noch Interessierten &#8211; und das sind oft ältere Menschen &#8211; die bequeme Erreichbarkeit von Kirchen und Gemeindezentren fast unmöglich gemacht, es sei denn man nimmt lange Busfahrten in Kauf, um noch eine Kirche zu finden, in der die Messe gefeiert wird. Die gute und bequeme Erreichbarkeit von Kirchen und Gemeindezentren ist HEUTE um so dringender, wenn man an die vielfach dokumentierte Einsamkeit sehr vieler Menschen gerade in den großen Städten denkt: Wenn es denn offene, d.h.freundliche, wenig dogmatische Gemeinden gäbe, dann wären diese Gemeinden von hohem Wert gerade für „das seelisch wie politisch Beste einer Stadt“, nämlich die Pflege des Miteinanders. Aber alles wird gerade jetzt von den Kirchen selbst zerstört: Im Erzbistum Berlin etwa gilt das Konzept mit dem höchst fragwürdigen Motto: „Wo der Glaube Raum gewinnt“: Das bedeutet in Wahrheit: „Liebe (ältere, einsame) Gläubige gewöhnt euch an große weite Räume, wenn ihr noch eine katholische Kirche oder ein Gemeindehaus sucht. Kirchliche Nachbarschaft ist ab sofort ausgeschlossen.“<br />
So sehr man auch in umgewandelten Kirchen und deren Bücherstuben oder Cafés oder Kleiderkammern über den Sinn des Lebens beiläufig reden kann: Eigentlich sollten Kirchengemeinden Orte der qualifizierten, freien und offenen Sinnsuche sein, der Frage nach dem Sinn des Lebens, Liebens und Arbeitens, der ungerechten Gesellschaft und der Klimakatastrophe, der Frage nach dem Sinn von Leiden, Sterben und Tod. Sicher haben die Kirchengemeinden gar nicht mehr dieses qualifizierte Person für Gespräche über diese auch therapeutischen Fragen… , insofern ist wohl realistisch, wenn die Kirchen mangels qualifizierten Personals ihre Kirchen verkaufen und „umwandeln“.</p>
<p>13.<br />
Obwohl die vielfältigen Formen der Umwandlung von „überflüssigen“ Kirchen beide großen Konfessionen betrifft, beziehen sich in dem Buch, soweit ich sehe, nur drei katholische AutorInnen auf entsprechende Erfahrungen und Einsichten ihrer Kirche. Dabei ist klar: An einer ökumenischen Zusammenarbeit bei Verkauf und Umwandlung der Kirchen via Internet oder Ebay mangelt es immer noch, berichtete kürzlich (September 2025) das genannte „Plus- Minus“ Magazin der ARD.</p>
<p>14. <em>Erzbischöfe in Berlin setzen auf teure Repräsentativ -Kirchen.</em><br />
Wir wollen hier nur auf den Beitrag des katholischen Theologen und Kunsthistorikers Konstantin Manthey, Berlin, hinweisen. Er spricht erstaunlich kritisch über das Verhalten der Kirchen, also auch der katholischen Kirche, zu unserem Thema, er spricht von „Schockstarre“ und von der Obsession der „Besitzstandswahrung“.<br />
Sehr wichtig ist der Hinweis Mantheys: Es werden in Berlin keine neuen Kirchen oder wenigstens kleine Gemeindezentren gebaut in Berlins 23 (sic) neuen Stadtquartieren mit vielen tausend Bewohnern: „Nirgendwo ist dort bisher ein kirchlicher Ort vorgesehen, ein christlicher Raum für Zusammensein und ähnliches…“ (S. 127).</p>
<p>15.<br />
Ist wirklich kein Geld da, um wenigstens einige kleine religiöse oder theologische Salons anzumieten als Treffpunkte für religiös Interessierte, die es ja sicher auch in den neuen Stadtquartieren geben wird?<br />
Tatsache ist: Geld haben die Kirchen heute noch sehr reichlich, das lässt sich etwa am Beispiel des Erzbistums Berlin: Das wird allerdings von Konstantin Manthey <em>nicht</em> dokumentiert: Die Rede muss also sein über die vielen Millionen Euro, die für die &#8211; eigentlich unnötige &#8211; Total- Renovierung der St. Hedwigskathedrale ausgegeben wurden: „Mit 44,2 Millionen Euro wurden die 2016 prognostizierten Gesamtkosten für den Umbau der Bischofskirche nur um rund 4 Millionen Euro überschritten“, heißt es im Erzbistum. Konkret: Zwölf Millionen Euro kamen vom Bund und acht Millionen Euro vom Land Berlin für den Umbau der Kathedrale, 28 Millionen Euro muss also die Kirche selbst bezahlen. Und zum Neubau des Bischofshauses und eines Kirchenzentrums, direkt neben der Kathedrale, „Bernhard Lichtenberg Haus“ genannt: „Hier waren zu Beginn 17 Millionen Euro veranschlagt worden, inzwischen rechnet das Erzbistum jedoch mit nahezu verdoppelten Kosten von 33,8 Millionen Euro – für die das Hauptstadtbistum zudem allein aufkommen muss.“ Quelle: <a href="https://www.katholisch.de/artikel/57611-loch-zu-tueren-auf-berlins-hedwigs-kathedrale-wird-wiedereroeffnet">LINK</a>.</p>
<p>Schon 2024 hatte der &#8222;Tagesspiegel&#8220;  nachgewiesen: <em>In Berlin ist der Bodenbesitz aller religiösen Gemeinschaften laut Liegenschaftsplan  mit 1.206 Hektar anzugeben. Das sind 1,3% der Stadtfläche</em>, der evangelischen und katholischen Kirche gehört der größte Teil der Liegenschaften, wie der &#8222;Tagesspiegel&#8220; erneut am 1.10.2025, Seite 4 im Berlin &#8211; Heft berichtet. <em>1.206 Hektar sind etwa 12 Quadratkilometer im Besitz der Religionen, der Kirchen.</em> Der Vatikan-Staaat hat 0,44 Quadratkilometer Fläche, der Berliner Bezirk Schöneberg 12,2 Quadtratkilometer.</p>
<p>16. <em>In den Wohnbezirken verschwinden katholische Gemeinden</em><br />
Die angeblich arme katholische Kirche Berlin setzt also auf Repräsentativ-Bauten in der Innenstadt, interessant für Touristen vor allem, die „Unter den Linden“ flankieren oder zum Humboldt &#8211; Forum eilen… Um an das nötige Geld zu kommen, werden von den Erzbischöfen Berlins Gemeindezentren und Kirchen in den dicht bewohnten Bezirken aufgegeben oder verkauft, wie etwa nun die Gemeinde mit großer Kirche im „Katharinenstft&#8220; (mit einem Kloster der Herz &#8211; Jesu &#8211; Priester) in Prenzlauer Berg.Über den Verkauf des Katharinenstiftes, auf einem „Filetgrundstück“, hat der Journalist Patrick Pohl am 14.7.2025 auf seiner website berichtet. Oder: Die St. Albertus Magnus Kirche im bevölkerungsreichen Wilmersdorf: „Die 61 Jahre alte St. Albertus-Magnus Kirche in Wilmersdorf/Halensee wurde schon im November 2023 geschlossen, von einer neuen Nutzung ist noch immer nichts zu sehen, Quelle: „Tagesspiegel“ am 8.9.2025. Alsbald wird wohl die St. Kamillus Kirche in Charlottenburg mit einem integrierten „Altenheim“ verkauft.<br />
Mit anderen Worten: Die Kirchenleitung nimmt den Menschen die nahe Erreichbarkeit ihrer altvertrauten Gotteshäuser und Gemeindezentren zugunsten von Millionen teuren Renovierungen und Neubauten von Repräsentativgebäuden. Die Kirche will offenbar noch groß und mächtig und modern nach außen erscheinen…<br />
Wie viele Kirchen ließen Berlins katholische Bischöfe schon abreißen oder verkaufen? Wir nennen nur: St. Raphael in Gatow, Bezirk Spandau), St. Agnes in Kreuzberg., St. Johannes Capistran Tempelhof. Erstaunlich, dass der in der Katholischen Akademie Berlin angestellte Theologe Konstantin Manthey von all den genannten Zusammenhängen keine Silbe verliert.</p>
<p>Auch im Bistum Dresden &#8211; Meißen setzen die Kirchenoberen auf repräsentative Bauten: Ca. 19.000 Katholiken sind zwischen 2014 und 2024 dort aus der Kirche ausgetreten, die Zahl der Katholiken im Bistum Sachsens beträgt noch 128.000. Trotzdem die Kirchenführung baut für 49 Millionen Euro einen riesigen kirchlichen Verwaltungsneubau in Dresden, Eröffnung 2025. <a href="https://friese-journal.de/letzte-haussegnung-vor-dem-umzug/">LINK </a></p>
<p>Nebenbei: Es gibt inzwischen bei wikipedia einen eigenen Beitrag über die vielen „profanierten Kirchen“ im Erzbistum Berlin: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_profanierter_Kirchen_im_Erzbistum_Berlin">LINK</a></p>
<p>17. <em>Wann werden in Deutschland Kirchen in Moscheen umgewandelt?</em><br />
Eine eigentlich dringende Frage wird überhaupt nicht öffentlich erörtert, weder in dem genannten Buch noch in anderen Publikationen oder etwa in Akademieveranstaltungen. Die Frage ist: Warum werden leerstehende Kirchen nicht muslimischen Vereinen zum Umbau als Moschee angeboten? Man könnte auch denken. Warum nicht auch jüdischen Gemeinden zum Umbau in eine Synagoge. Aber für Neubauten von Synagogen ist ja gut gesorgt.<br />
Warum also keine zu Moscheen umgewandelten Kirchen? Man muss als Antwort nicht lange spekulieren: Weil Muslime in Deutschland immer noch unter einem ungerechten Generalverdacht des Radikalen stehen. Weil „der Islam nicht zu Deutschland gehört&#8220;, wie einzelne CSU Politiker (wie Horst Seehofer, 2018 und zuvor schon der CDU Ministerpräsident Sachsens Stanislaw Tillich schon im Januar 2015 in einem Interview mit „Die Welt“) sagten: <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/6160_der-islam-gehoert-nicht-zu-deutschland-wenn-das-logische-denken-versagt_denkbar">LINK</a> https://religionsphilosophischer-salon.de/6160_der-islam-gehoert-nicht-zu-deutschland-wenn-das-logische-denken-versagt_denkbar<br />
Diese pauschalen und dummen Sprüche „Der Islam gehört nicht zu Europa“ war und ist wohl die beste Werbung einiger CDU CSU Politiker für die AFD…</p>
<p>18. <em>In Amsterdam: Von der St. Ignatius Kirche zur Moschee</em><br />
Ich kenne nur ein Beispiel dafür, dass tatsächlich einmal eine katholische Kirche in eine Moschee verwandelt wurde. Das hat sich im toleranten Amsterdam ereignet: 1971 haben die Jesuiten an der Rozengracht 150, ganz in der Nähe des Anne &#8211; Frank &#8211; Hauses, ihre St. Ignatiuskirche aufgegeben müssen: Dann geschah ein interessantes Intermezzo: Die Kirche wurde kurzfristig in einen Teppich-Laden umgewandelt und erst danach, im Jahr 1981, von der Islamischen Stiftung Fatih (Islamitische Stichting Nederland Fatih Amsterdam) erworben und als Moschee eingerichtet. Ein unmittelbarer Übergang von Kirche zu Moschee war selbst in Holland wohl „zu viel des Guten“. Dabei reden doch viele christliche Theologen eigentlich ständig von der Gemeinschaft der drei monotheistischen Religionen, aber man belässt es lieber im unverbindlichen akademischen Milieu. Seit 1981 trägt die auch von außen noch wahrnehmbar ehemalige Kirche also offiziell den Namen „Fatih-Moschee“. Die Leistung der Moschee dort hat mir selbstverständlich Filmaufnahmen für meine Dokumentation fürs Erste über die Religionen in Amsterdam gestattet. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fatih-Moschee_(Amsterdam)">LINK</a></p>
<p>19. <em>Kirchen werden den Buddhisten oder Humanisten überlassen.</em><br />
Wenn es den Kirchen ernst ist mit einem umfassenden ökumenischen und interreligiösen Dialog: Warum bieten sie ihre überflüssigen Gotteshäuser nicht auch Buddhisten an, warum nicht auch dem „Humanistischen Verband“, der ja bekanntlich gute Sozialarbeit leistet? Aber schon diese unsere Frage werden „kirchenleitende Herrschaften“ als utopisch zurückweisen. Nebenbei: Wie viele Kirchen wurden an fundamentalistische „freie charismatische Gemeinden“ verkauft? Diese sind bekanntlich in ihrer Lehre gefährlich, &#8222;nur&#8220; für die seelische Gesundheit der &#8222;Gläubigen&#8220;??? Man schaue sich heute diese machtvollen, z. T gewalttätigen fundamentalistisch &#8211; evangelikalen Kreise in den USA des Mister Trump an&#8230;.</p>
<p>Zur weiteren Information siehe auch die website Aktion Kirchenabriss: https://www.moderne-regional.de/listing-category/hashtag-kirchenabriss/</p>
<p>Das genannte Buch „Leben statt Leere. Überlegungen und Anregungen zum Umgang mit unseren Kirchen“ wurde u.a von Klaus -Martin Bresgott und Johann Hinrich Claussen herausgegeben. Das Buch ist über Kulturbüro der EKD zu beziehen: Kulturbüro des Rates der EKD, Auguststraße 80, D-10117 Berlin, https://ekd-kultur.de/. kultur@ekd.de</p>
<p><em>Copyright: Christian Modehn, www.religionsphilosophischer-salon.de</em></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20834_20834_befreiung">Wenn die Kirchen zu viele Kirchen haben</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Papst Leo XIV. &#8211; problematische Entscheidungen des Allein-Entscheiders</title>
		<link>https://religionsphilosophischer-salon.de/20748_papst-leo-xiv-neueste-entscheidungen-des-allein-entscheiders_religionskritik</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CM]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Sep 2025 10:44:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Befreiung]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. und Augustinus]]></category>
		<category><![CDATA[Religionskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Theologische Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof Kohlgraf und Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof Kohlgraf von Mainz kritisiert Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Modehn über Papst Leo XIV.]]></category>
		<category><![CDATA[der Augustinerorden hat keine modernen Theologen]]></category>
		<category><![CDATA[der konservative Papst Leo XIV. als Augustiner]]></category>
		<category><![CDATA[Die Äußerung Leo XIV. "Demokratie ist nicht unbedingt die beste Staatsform" muss eine Schande genannt werden]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Joachim Sander kritisiert den Papst; der katholische Theologe Hans-Joachim Sander kritisiert Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[ist Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles" sagt Papst leo XIV.]]></category>
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		<category><![CDATA[Kardinal Marx kritisiert Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[Kardinal Merry del Val]]></category>
		<category><![CDATA[Leo XIV. verkündet eine neue Deutung der Unfehlbarkeit des Papstes]]></category>
		<category><![CDATA[Leo XIV. will die Unfehlbarkeit des Papstes]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ein konservativer Papst]]></category>
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		<category><![CDATA[Papst Leo empfiehlt Rosenkranzgebet als Beitrag für den Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo für Teufelsaustreibungen]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo ist kein moderner Theologe]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo lobt den reaktionären Kardinal del Val]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo will Segnung von Homosexuellen neu gestalten]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo will US Präsidenten nicht kritisieren]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV ist ängstlich]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV ist konservativ]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. erlaubt lateinische Messe im Petersdom]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. für den Exorzismus]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. gegen Demokratien]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. gegen Diakonat für Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. gibt sich als Allein-Entscheider]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Leo XIV. ist zu stark an Augustinus gebunden]]></category>
		<category><![CDATA[Papst will alte Messe wieder fördern]]></category>
		<category><![CDATA[Pater Stefan Kiechle kritisiert Papst Leo]]></category>
		<category><![CDATA[rechtsxtreme Politiker Europas werden vomn Papst Leo empfangen]]></category>
		<category><![CDATA[wie Leo auf dem Papstthron sitzt-als Herrscher]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://religionsphilosophischer-salon.de/?p=20748</guid>

					<description><![CDATA[<p>Papst Leo XIV. zeigt im September 2025 sein wahres theologisches Gesicht: Er sagt NEIN zum Diakonat für Frauen, obwohl theologisch gar nichts dagegen spricht. Er will neu über die sehr bescheidenen Segnungsfeiern von Homosexuellen "nachdenken". Damit folgt er den reaktionären Bischöfen Afrikas. Er will die Feier der alten lateinischen Messe (der Traditionalisten) wieder stärker fördern.  Einige Theologen wissen schon jetzt: Mit diesem Papst aus dem sehr behutsamen, theologisch konservativen Augustinerorden ist keine Kirchenreform zu machen, schon gar nicht eine Reformation. Und einige Theologen sagen wohl auch: Eigentlich ist dieser Papst Leo XIV.  eine Fehlbesetzung. Vielleicht aber ist das Papsttum (Alleinherrscher, anti-demokratisch....) ohnehin schon aus der Zeit gefallen und theologisch überholt. Die Äußerung des Papstes Leo XIV. in seinem Interiewbuch: "Demokratie ist nicht unbedingt die beste Staatsform" muss eine Schande genannt werden. Papst Leo XIV., Mitglied des Augstinerordens,  hat die starke Tendenz, als konservativer Papst zu agieren, vielleicht aus Mangel an umfassendem theologischen Wissen. Papst Franziskus hatte immerhin einige kluge Jesuiten an seiner Seite. Aber... wie ist es bei den Augustinern?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20748_papst-leo-xiv-neueste-entscheidungen-des-allein-entscheiders_religionskritik">Papst Leo XIV. &#8211; problematische Entscheidungen des Allein-Entscheiders</a> erschien zuerst auf <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de">Religionsphilosophischer Salon</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die offiziellen Äußerungen des Papstes sind alles andere als „zukunftsweisend“. Es wird immer deutlicher: Dieser Papst ist ein konservativer, den alten dogmatischen Floskeln verpflichteter Papst (am 25. 3. 2026)</p>
<p>Papst Leo verteidigt am 25.3. 2026 die hierarchische klerikale Struktur der katholischen Kirche allen Ernstes als göttliche Stiftung. <a href="https://katholisch.de/artikel/67838-papst-leo-hierarchische-ordnung-der-kirche-ist-nicht-menschengemacht">LINK</a>.</p>
<p>Wir haben 2011 in einem Beitrag für den WDR mit vielen gebildeten und kritischen Theologen nachgewiesen: Es ist ein Wahn, die klerikale Hierarchie des Katholizismus heute noch als göttlichen Willen zu propagieren.  <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/1870_die-hierarchie-des-lieben-gottes_benediktxvi">LINK</a>.   Es ist typisch: Die Päpste ignorieren die theologische Forschung. Diese Ignoranz von &#8222;Führungskräften&#8220; würde im weltlichen Bereich der Politik, Wirtschaft, Medizin usw., in Demokratien niemals geduldet. Nur diese Päpste können machen und behaupten und schwadronieren,  was ihnen so alles zum Machterhalt einfällt  &#8230; und noch folgen gehorsame KatholikInnen diesen &#8222;Führern&#8220;&#8230;</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn am 19.9.2025</p>
<p><strong>Unser Motto: Man denke bloß nicht, Papst Leo XIV. sei ein progressiver Theologe. Und ein kämpferischer Prophet ist er als Papst gegenüber dem &#8222;Gott&#8220; Trump schon gar nicht.  </strong></p>
<p><strong>Wir beginnen die konservativen Stellungnahmen Papst Leo XIV. zu dokumentieren: </strong>Sie machen öffentlich das theologische Schwanken Papst Leos, hin und her, zwischen etwas Wohlwollen für &#8222;Progressives&#8220; und viel Verständnis, durchaus auch Sympathie für Uraltes, Überholtes, bloß Volkstümliches und politisch Gefährliches im Katholizismus. Das alles versteht Leo XIV. wohl als Suche nach &#8222;Einheit&#8220; im Sinne seines ständig zitierten &#8222;Ordensvaters&#8220; Augustinus aus Zeiten der Antike.</p>
<p><strong><em>Am 23.9.2025</em></strong>:</p>
<p><em>Heute also beginnen wir mit des Papstes Plädoyer und Verständnis für die immer noch weltweit üblichen Teufelsaustreibungen, Exorzismen genannt</em>,  anläßlich eines Treffens von EXORZISTEN aus aller Welt kürzlich in Rom&#8230; Dass &#8222;das Böse&#8220; vor allem auch aus dem Klerus (sexueller Missbrauch etc.) ausgetrieben werden müsste, wird vom Papst nicht gesagt&#8230; <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-09/papst-leo-xiv-botschaft-exorzisten-heikler-dienst-des-trostes.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK</a>:</p>
<p><strong><em>Am 24.9.2025 </em></strong>:</p>
<p>Papst Leo XIV. ruft die Katholiken auf, im Okober täglich den Rosenkranz zu beten. <em>Maria als Mittlerin an Gottes Thron soll gleichsam Gott bestürmen, für Frieden zu sorgen.</em> <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-09/papst-ladt-zu-rosenkranzgebet-am-11-oktober.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK    </a>Welcher Frieden soll denn erbetet werden? Was soll Gott bloß tun, wenn die Russisch &#8211; Orthodoxen auch ihren Gott um Frieden in ihrem Sinn bitten? Hintergrund für diese spirituelle &#8222;Friedensinitiative&#8220; des Papstes ist die tradionelle Gottesvorstellung, die auch Papst Leo teilt: Gott im Himmel lässt sich durch Maria im Himmel bewegen, als Gott &#8211; Vater Frieden auf Erden zu schaffen&#8230;Oder soll das Rosenkranzgebet doch nur eine Art seelischer Beruhigung sein? .Wir haben auf den Missbrauch von Marienliedern im Krieg hingewiesen:<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/soldaten-singen-marienlieder-im-krieg"> LINK</a>.</p>
<p><strong><em>Am 26.9.2025 </em></strong>:</p>
<p>Im kürzlich erschienenen Interview-Buch mit Ann Allen (USA) (auf Spanisch erschienen: “Leo XIV.: Ciudadano del mundo, misionero del siglo XXI&#8220;) sagt Papst Leo XIV., wie KNA berichtet: Es entspreche nicht dem Auftrag der Kirche und dem, was die Welt von ihr erwarte, sich <em>ausschließlich auf das Thema sexualisierter Gewalt zu konzentrieren.</em> Außerdem habe der Papst davor gewarnt, sich vom Missbrauchsskandal &#8222;vollständig in Beschlag nehmen zu lassen“.</p>
<p>Am 25. 9.2025 k<em>ritisierte der Mainzer Bischof Kohlgraf auf einer Podiumsveranstaltung im Mainzer Landtag diese Aussage des Papstes.</em> „Der Mainzer Bischof Kohlgraf sagte in einem vorab verbreiteten Redemanuskript, einige Menschen hätten den Papst so verstanden, als wolle er die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt relativieren. `Auch ich kann an die Aussagen des Papstes zum Auftrag der Kirche und des Evangeliums zumindest ein Fragezeichen setzen`, erklärte der Bischof. “Sexualisierte Gewalt ist ein Verbrechen am Menschen und ein Verrat am Evangelium.” Denn der Auftrag des Evangeliums sei es, die Menschen zu stärken und sie entsprechend ihrer Würde zu behandeln: “Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns im Sinne dieses Auftrags nicht zurücklehnen werden und dass es auch weiterhin unser Fokus sein wird, Verantwortung für das Versagen der Kirche auf verschiedenen Ebenen zu übernehmen.”<br />
Die Verantwortung dürfe nicht enden, und der Weg zu einem Mentalitäts- und Haltungswechsel im System Kirche sei nicht abgeschlossen, so Kohlgraf laut Manuskript weiter. Leitend müsse dabei immer die Perspektive der Betroffenen sein. Dabei sei weiter zu schauen, wo es “blinde Flecken” gebe: “Wo wird vielleicht immer noch verharmlost, geschwiegen oder vertuscht? Dabei darf es keine Rolle spielen, ob dieser Blick unbequem ist oder fest Etabliertes hinterfragt.”<br />
<a href="https://evangelische-zeitung.de/mainzer-bischof-stellt-papst-aussagen-zu-sexuellem-missbrauch-infrage">LINK.   </a>Sogar katholisch.de berichtete über die Papst &#8211; Kritik durch Bischof Kohlgraf.<a href="https://www.katholisch.de/artikel/64595-bischof-kohlgraf-stellt-papst-aussagen-zu-sexuellem-missbrauch-infrage"> LINK</a></p>
<p><strong><em>Am 27.9.2025</em></strong>: <em>Nun geht es um die Unfehlbarkeit des Papstes!</em></p>
<p>Jetzt wird es heftig: Papst Leo XIV. verteidigt am 27.9, erst knapp 4 Monate im Amt, die Unfehlbarkeit des Papstes. Aber auf eine sehr ungewohnte Weise: Er erklärt zunächst alle Katholiken, das ganze Volk Gottes, für unfehlbar. Aber weil für ihn diese 1,4 Milliarden Katholiken nicht mit einer einzigen Stimme sprechen können, kann diese eine wahre Stimme nur dem Papst gehören. Er ist dann sozusagen stellvertretend für alle  Kathioliken (die angeblich alle dasselbe Glauben) unfehlbar.<br />
PS: Im Kommunismus sagte man: Der Parteiführer weiß, was die Masse der Proletarier will, er tut, was die Masse der Parteimitglieder will&#8230;</p>
<p>Also noch einmal, für alle, die diese sehr gewagte Äußerung des Papstes schnell als banal übersehen wollen: &#8222;Die „Unfehlbarkeit des Gottesvolkes in Glaubensdingen“ finde ihren Ausdruck in der Unfehlbarkeit des Papstes, erklärte der Papst Heilig-Jahr-Pilgern bei der Generalaudienz an diesem Samstag (27.9.2025) in Rom&#8230;. Und jetzt wird es fast komisch: Diese Unfehlbarkeit des Volkes Gottes (gemeint ist nur die katholische Kirche) sei, wo wörtlich, so etwas wie ein `Sechster Sinn`, aber gerade den sechsten Sinn hätten vor allem die einfachen, gemeint sind die ungebildeten Leute: „Gelehrte Menschen hören meist nicht auf ihr Gespür (= sechster Sinn), weil sie glauben, ohnehin schon alles zu wissen“, sagte Leo XIV. wörtlich weiter.<br />
Also bitte: Einfach dumm bleiben, auch theologisch dumm, dann kann man dieser verworrenen Rede folgen. Die typische Verachtung des alten Augustin für die Vernunft klingt da sehr deutlich an&#8230; (Die Vernunft wurde bekanntlich für Augustin durch die Erbsünde verdorben)</p>
<p>Nebenbei: Papst Leo XIV. schwadronierte am 27.9. erneut, wie bei ihm immer üblich, mangels Kenntnis moderner Theologen, von den Zeiten seines „Vaters Augustinus“ im Altertum, vor allem über dessen großes Vorbild, den heiligen Ambrosius. <a href="https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-09/papst-heiliges-jahr-macht-uns-zu-pilgern-der-hoffnung.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK</a></p>
<p>Bitte beachten Sie auf dem Foto, siehe den genannten LINK,  die nicht gerade unbescheidene Sitz &#8211; Haltung Papst Leos auf seinem Thron bei Verkündigung dieser seiner Weisheit zur eigenen Unfehlbarkeit. Verkündet Leo XIV. bald ein neues Dogma &#8222;ex cathera&#8220;?</p>
<p><em>Inzwischen</em> wurden 100 Sprüche von Leo XIV. veröffentlicht und sehr treffend als &#8222;mittelmäßig&#8220; bewertet. Zum Kommentar dazu: Fußnote 1&#8230;&#8230;..</p>
<p><em>Inzwischen</em> haben (pensionierte) katholische Theologieprofessoren den Mut, Papst Leo XIV. und seinen theologischen Kurs öffentlich heftig, aber treffend zu kritisieren; komischerweise weisen sie nicht auf die extreme Augustinus-Bindung und ständige Augustinus-Zitiererei durch den Papst  hin; ist der &#8222;Religionsphilosophische Salon Berlin&#8220; der einzige, der das tut? Siehe trotzdem die Stellungnahme von Prof.em. Hans-Joachim Sander, Salzburg, vom 29.9.2025, Fußnote 2.</p>
<p><strong>Am 8. Okober 2025</strong>: Selbst katholische Medien, von den Bischöfen abhängig, kritisieren die schwache, ängstliche Haltung Papst Leos gegenüber dem Regime von Donald Trump. Der US-Amerikaner Papst Leo XIV. aus Chicago habe bisher nicht grundlegend und deutlich und scharf die unsägliche Politik Trumps kritisiert, schreibt  kath.de am 8.10.2027:  &#8222;Umso bedrückender ist das Verhalten der katholischen Kirche. Von den US-Bischöfen kam bislang kaum öffentlicher Widerspruch gegen diese Entwicklung (hin zur Diktatur in den USA) , und auch aus dem Vatikan hört man nur verhaltene Töne&#8230; Zwar habe Papst Leo in allgemeinen Wort die so unmenschliche Behandlung von Einwanderern in den USA kritisiert.. .Aber:  <em>&#8222;Direkte Kritik an der Regierung seines Heimatlandes war von ihm bislang  nicht zu hören&#8230;Es reicht nicht, allgemeine Appelle zur Nächstenliebe zu wiederholen.&#8220; </em> Quelle: <a href="https://www.katholisch.de/artikel/64868-die-kirche-muss-endlich-laut-ihre-stimme-gegen-trump-erheben">LINK </a></p>
<p><strong>Am 12. Oktober 2025</strong>: <em>Papst Leo weiht die ganze Welt (!) der Jungfrau Maria,</em> und deswegen hat er auch die Statue des Marienwallfahrtsortes Fatima in Portugal nach Rom bringen lassen. Fatima ist unter denkenden TheologInnen der umstrittenste Marien-Wallfahrtsort, viele nennen die Ereignisse dort im Jahr 1917 schlicht und einfach obskur, abergläubisch  und konstruiert. Auf dieser Spur fährt Leo also weiter, wie seine Vorgänger, die Päpste können nicht auf diesen &#8222;Volksglauben&#8220; verzichten, d.h. auf den Aberglauben, d.h. : Maria erscheint höchst persönlich mit einem Rosenkranz aus dem Himmel herunter in Fatima etc&#8230;) zu verzichten&#8230; <a href="http://Weihe an Maria: Das Gebet des Papstes Lesen Sie hier in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan den Wortlaut des Gebets, mit dem Papst Leo XIV. am Ende der Messe zur Heilig-Jahr-Feier der marianischen Spiritualität die Welt und die gesamte Menschheit dem Unbefleckten Herzen Marias anempfohlen hat. Lesen Sie auch Wortlaut: Papst Leo XIV. beim Rosenkranz für den Frieden 11/10/2025 Wortlaut: Papst Leo XIV. beim Rosenkranz für den Frieden Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt Ein besonders herausragendes Ereignis der Heilig-Jahr-Feier der marianischen Spiritualiät war die Präsenz der Original-Statue Unserer Lieben Frau von Fatima dieses Wochenende auf dem Petersplatz. Die Marienstatue wurde – auf einen noch von Papst Franziskus geäußerten Wunsch hin – eigens für diese beiden Tage nach Rom gebracht. Noch am 12. Oktober wird sie wieder nach Portugal zurückkehren. Die Marienerscheinungen von Fatima gegen Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1917 werden traditionell mit dem Gebet um den Weltfrieden in Verbindung gebracht. Die Botschaft von Fatima ist daher auch eng verbunden mit der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens. Die Orginal-Statue Unserer Lieben Frau von Fatima wird vor der Gebetsvigil mit Papst Leo am 11. Oktober auf den Petersplatz gebracht Die Orginal-Statue Unserer Lieben Frau von Fatima wird vor der Gebetsvigil mit Papst Leo am 11. Oktober auf den Petersplatz gebracht (AFP or licensors) Im Jahr 1942 weihte Papst Pius XII. die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens. Diese Weihe wurde am 25. März 1984 von Papst Johannes Paul II. in Rom feierlich erneuert. Der Papst aus Polen setzte sich mit großem Engagement dafür ein, die prophetische Botschaft von Fatima innerhalb der Kirche bekannt zu machen und zu fördern. In den Jahren nach der Weihe von 1984 kam es zum Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in den Ländern des Ostblocks. „Deinem Unbefleckten Herzen vertrauen wir die ganze Welt und die gesamte Menschheit an, besonders deine Kinder, die unter der Geißel des Krieges leiden“ Auch Papst Leo XIV. war es ein Anliegen, am Ende der Messe zur Heilig-Jahr-Feier der marianischen Spiritualität die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens anzuempfehlen. Lesen Sie hier das Gebet des Papstes im Wortlaut: Selige Jungfrau, Mutter Christi, unsere Hoffnung, deine fürsorgliche Gegenwart begleitet und tröstet uns in diesem Jahr der Gnade. In den Nächten der Geschichte schenkst du uns die Gewissheit, dass in Christus das Böse besiegt wurde und jeder Mensch durch seine Liebe erlöst ist. Vollkommene Jüngerin des Herrn, Du hast alle Dinge Gottes in deinem Herzen bewahrt. Lehre uns, auf das Wort zu hören und es in unserem Innersten zu verstehen, damit wir sicher auf dem Weg der Heiligkeit wandeln. Deinem Unbefleckten Herzen vertrauen wir die ganze Welt und die gesamte Menschheit an, besonders deine Kinder, die unter der Geißel des Krieges leiden. Fürsprecherin der Gnade, weise uns den Weg der Versöhnung und der Vergebung, stehe uns bei in Freud und Leid, und erwirke uns das Geschenk des Friedens, das wir so sehr erflehen. Mutter der Kirche, sei uns gnädig zugewandt, damit wir unter deinem Mantel Zuflucht finden und in den Prüfungen des Lebens deine mütterliche Hilfe erfahren. Mit dir, unbefleckte Jungfrau, preisen wir den Herrn und erkennen in jedem Augenblick die großen Werke seiner Liebe. Allerseligste Jungfrau, in den Himmel aufgenommene Mutter, Königin des Friedens, Frau des Unbefleckten Herzen, bitte für uns! Statue reist zum vierten Mal nach Rom Zum vierten Mal hat die Marienstatue das Heiligtum von Fatima verlassen, um nach Rom zu reisen. Das erste Mal am 25. März 1984, als Papst Johannes Paul II. darum bat, dass die Skulptur im Heiligen Jahr der Erlösung in den Vatikan gebracht werde, damit die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens erneuert werden könne. Nach diesem Weiheakt, der auf dem Petersplatz vorgenommen wurde, ließ Papst Johannes Paul II. in die Krone der Muttergottes die Kugel einarbeiten, die ihn bei dem Anschlag getroffen hatte, der am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz auf ihn verübt worden war. Das zweite Mal reiste die Statue im Heiligen Jahr 2000 nach Rom - vom 6. bis 9. Oktober. Damals, am Beginn des dritten Jahrtausends, vertraute Johannes Paul II. beim Abschluss der Heilig-Jahr-Feier der Bischöfe die Welt und die Zukunft der Menschheit der Gottesmutter an. Der Weiheakt fand vor der Statue der Gottesmutter aus Fatima statt, die zu diesem Anlass in einer feierlichen Prozession über den Petersplatz getragen wurde. Das dritte Mal wurde die Statue auf Wunsch von Papst Franziskus 2013 nach Rom gebracht, wo Franziskus die Menschheit am 13. Oktober – an dem im Vatikan der Marianische Tag gefeiert wurde – der Muttergottes weihte. Unsere Liebe Frau von Fatima Die etwas mehr als einen Meter hohe Skulptur aus brasilianischem Zedernholz ist ein Werk des portugiesischen Künstlers José Ferreira Thedim. Sie wurde 1920 nach der Beschreibung von Schwester Lucia angefertigt. Die Statue befindet sich normalerweise in der Erscheinungskapelle im Heiligtum von Fatima, wo die Jungfrau Maria 1917 den drei Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta erschien. Sie wurde am 13. Mai 1946 feierlich gekrönt. Die Kugel, die Papst Johannes Paul II. bei dem 1981 auf ihn verübten Attentat getroffen hatte, wurde später in ihre Krone eingelassen.">LINK  </a></p>
<p><strong>Am 12. Oktober 2025</strong> lässt Papst Franziskus einen B<em>ußgottesdienst im Petersdom feiern, weil ein Mann in aller Öffentlichkeit gegen den Hauptaltar  gepinkelt hat.</em> Und katholische Kirchen sind Gotteshäuser, und Gotteshäuser müssen unbefleckt &#8211; sauber sein, denkt die katholische Theologie, so denkt auch Papst Leo XIV. Dass Sexualstraftäter unter den Priestern, die munter die Messe feier(t)en, die Kirchen viel mehr beflecken, entgeht den Herren im Vatikan.</p>
<p><strong>Am 13. Oktober 2025</strong>: Papst Leo lobt den reaktionären, anti-modernistischen und antijudaistischen spanischen Kardinal Merry del Val (1865-1930)&#8230;Warum? Dieser Kardinal sei so bescheiden gewesen. Ein ziemlicher gefährlicher Blödsinn, was Papst Leo da sagt und tut, berichten denkende Theologen in Rom. <a href="https://www.katholisch.de/artikel/64993-papst-leo-xiv-haelt-lobrede-auf-katholischen-hardliner-merry-del-val">LINK</a>.   Aus dem Grußwort Leos an die Familie del Val: &#8222;<span class="Y2IQFc" lang="de">Der Papst schloss seine Ansprache mit der Aufforderung an die Familie Merry del Val und alle Anwesenden, <em>sich von dieser Persönlichkeit inspirieren zu lassen,</em> insbesondere diejenigen, die im diplomatischen Bereich mit dem Nachfolger Petri zusammenarbeiten. Abschließend vertraute er diese Mission der Fürsprache der Jungfrau Maria an, der der Kardinal seine tiefe Verehrung bekundete.Quelle: <a href="https://www.vidanuevadigital.com/2025/10/13/leon-xiv-anima-a-los-diplomaticos-de-la-santa-sede-a-unir-servicio-y-humildad-en-su-labor/">LINK </a></span><em>  Kardinal del Val wird von den traditionalistischen Pius-Brüdern hoch verhert. Weiß das Papst Leo? </em></p>
<p><em>Wenn man (am 13.10.2025) in Google sucht nach dem Stichwort &#8222;Freunde von Kardinal del Vals in Spanien heute&#8220; erhält man diese Antwort:  </em><span class="HwtZe" lang="de"><span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb">&#8222;Kardinal Rafael Merry del Vals „Freunde“ in Spanien zählten vor allem zu den konservativen und traditionalistischen Kreisen der katholischen Kirche und der spanischen Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts, die seine monarchistischen, konservativen Ideale und seinen starken Antikommunismus teilten.</span></span> <span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb">Es gibt keine konkreten Informationen über ein formelles Netzwerk von „Freunden“ im modernen Sinne, doch seine engen Vertrauten zählten zu den hohen Geistlichen, Aristokraten und Politikern der Zeit, die seine politischen und religiösen Überzeugungen teilten.</span></span><span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb"> Konservative und katholische Kreise: Merry del Val war als Staatssekretär von Papst Pius X. eine prominente Persönlichkeit der katholischen Kirche. Zu seinen Freunden in Spanien zählten Mitglieder der kirchlichen Hierarchie und konservative katholische Laien, die seine Politik unterstützten.</span></span><span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb"> Gemeinsame Ideologie: Diese Affinität basierte auf seiner entschiedenen Verteidigung der Monarchie, seinem starken Antikommunismus und seinem katholischen Traditionalismus.</span></span> <span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb">Diese Ideen waren in den konservativeren Teilen der spanischen Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreitet.</span></span><span class="jCAhz ChMk0b"><span class="ryNqvb"> Politische und kirchliche Beziehungen: Wahrscheinlich gehörten seine Freunde zu den Bischöfen, Priestern und politischen Führern, die dieselben Werte vertraten und sich den liberalen und republikanischen Bewegungen der Zeit widersetzten.&#8220;</span></span></span></p>
<p><strong>Am 26. Oktober 2025</strong>: Den reaktionären Katholiken hatte Papst Leo XIV. die Feier der Messe im alten lateinischen Ritus sogar im Petersdom erlaubt: Am 25. Oktober 2025 feiern sie also diese Messe dort mit sehr großer Anteilnahme der Gläubigen. Papst Leo ist sichtlich bemüht, diese reaktionären Katholiken wieder stärker in die übrige, auch nicht gerade progressive Kirche einzubinden. Das nennt der Papst dann, wie üblich schon, die augustinische Suche nach Einheit&#8230; Zur Messe im Petersdom. <a href="https://www.katholisch.de/artikel/65248-grosser-andrang-bei-alter-messe-im-petersdom">LINK </a></p>
<div class="lRu31" dir="ltr">
<div class="OvtS8d">Die spanische Publikation www.religiondigital.org.  hat zu dieser Messe im alten Stil einen ausführlichen kritischen Kommentar publiziert: „Die Geste von Leo XIV., Kardinal Raymond Burke zu erlauben, die Tridentinische Messe in Sankt Peter zu feiern, scheint e<em>ine Wunde zu öffnen, die niemals verheilen wird.</em>“ Leo XIV. und die Nostalgie des Weihrauchs: Wenn die Liturgie das Volk vergisst&#8220;:<a href="https://www.religiondigital.org/dios_en_la_frontera/Leon-XIV-nostalgia-incienso-liturgia-misa-latin-Vidal_7_2829387037.html"> LINK.</a></div>
<div>Siehe auch den Beitrag der FAZ, dort besonders das &#8222;hübsche&#8220; Foto mit Kardinal Burke: Reaktionäre Katholiken wie die Kardinäle Burke, Müller, Sarah usw. halten theatralische Inszenierungen (auf Latein!) in alten Gewändern für Gottesdienste, in denen diese gutbetuchten Herren Kleriker &#8222;das letzte Abendmahl Jesu auf unblutige Weise wiederholen&#8220;, wie die offizielle katholische Lehre noch immer behauptet&#8230; welch ein Wahn.   <a href="https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/vatikan-papst-leo-xiv-erlaubt-alte-messe-im-petersdom-accg-110750489.html?share=Twitter&amp;gift&amp;premium=0x7f352453bef2fb26ce3a4db2d05f5fc647e1cc25316a2385762d3930def6f675">LINK   </a></div>
</div>
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<div><strong>Am 8. Dezember 2025</strong> veröffentlicht Papst Leo ein &#8222;Apostolisches Schreiben&#8220; über die Priester. Aber es enthält eine Theologie von vorgestern. <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21388_papst-leo-xiv-beschwoert-das-profil-des-katholischen-priesters-von-vorgestern-fuer-heute_befreiung">LINK </a></div>
<div class="lRu31" dir="ltr">
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<div><strong>Am 11. Dezember 2025</strong>: Papst Leo trifft im Vatikan rechtslastige, rechtsextreme Politiker:<a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/21278_papst-leo-trifft-im-vatikan-sehr-rechtslastige-rechtsradikale-politiker-aus-ganz-europa_religionskritik">LINK </a></div>
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<p><em><strong>Am 9. Januar 2026</strong>:</em> Zur Neujahrsansprache Leos vor Diplomaten. Sogar Kardinal Reinhard Marx kritisiert die Allgemeinheit und geringe Präzision dieser Papst &#8211; Rede. Kardinal Marx: &#8222;Mit Vorsicht kommentierte Marx eine Äußerung von Papst Leo zum Thema Meinungsfreiheit. Er hätte sich gewünscht, dass der Papst hier konkreter geworden wäre, sagte Marx. In seiner ersten Neujahrsansprache an die beim Vatikan akkreditierten Diplomaten hatte Leo XIV. eine zunehmende Einschränkung der Meinungs- und Gewissensfreiheit in der westlichen Welt beklagt. <em>Aus seiner Sicht, so Marx, wäre es besser gewesen, der Papst hätte hier konkretere Beispiele genannt.&#8220; (Quelle: <a href="https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2026-01/deutschland-kirche-politik-demokratie-kardinal-marx.html?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=NewsletterVN-DE">LINK </a></em></p>
<p><strong>Am 13. Januar 2026</strong>:  Über das &#8222;Konsistorium&#8220; aller Kardinäle in Rom am 7. Jan.2026 schreibt der Jesuit Stefan Kiechle noch sehr vorsichtig, aber deutlich seine treffende Kritik, die sogar im offiziellen katholisch.de  veröffentlicht wurde: &#8222;Wäre dafür nicht ein Gremium geeigneter, das die Breite des Gottesvolkes besser abbildet? Mit allen Geschlechtern, Lebens- und Berufsständen, Altersgruppen, Kulturen? In synodalen Prozessen gibt es diese Gremien ja, zumindest ansatzweise. Wären die Beratungen dann nicht weniger klerikal und altersweise, dafür lebendiger, realitätsnäher, geschwisterlicher? Alle sind wir als Christgläubige eins in Christus …&#8220;.  weiterlesen: <a href="https://katholisch.de/artikel/66757-eineinhalb-tage-konsistorium-wie-sinnvoll-kann-so-ein-treffen-sein">LINK</a></p>
<p><strong>Fortsetzung folgt&#8230; </strong></p>
<div class="lRu31" dir="ltr">
<div></div>
<div class="OvtS8d"><strong>Der Beitrag vom 19.9.2026:</strong></div>
<div class="NQSJo">1.</div>
</div>
<p>Eigentlich gibt es in dieser verrückten Welt(politik) sehr viel dringendere Themen, als sich mit dem christlichen „Allein-Entscheider“, dem Papst, zu befassen. Aber weil Leo XIV. nun einmal in den vergangenen Tagen des Septembers gleich dreimal hintereinander seine sehr konservative Theologie öffentlich dokumentiert hat, dieser Hinweis. Er könnte allen, die noch der Idee eines progressiven Leo XIV. anhangen, doch helfen, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und die eigene Lebenszeit besser nicht mit illusorischem Hoffen angesichts des Papsttums und des Papstes etc. zu verbringen,  zu vergeuden, hätte ich fast gesagt.</p>
<p><em>Papst Leo passt sich bestens ein in die herrschenden Mentalitäten der konservativen Wende weltweit</em>.</p>
<p>In seinem ersten Interview (Buch) sagte Papst Leo gegen Ende des übermittelten Ausschnittes von kath.de: &#8222;<strong>Wenn wir uns viele Länder auf der Welt heute ansehen, ist Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles.&#8220;,</strong> behauptet Leo XIV. Er wehrte kurz zuvor die Vorstellung ab, auch für die katholische Kirche sei Demokratie etwas Gutes. Das ist altbekannter klerikaler Machtanspruch. Aber dieser hier schwarz markierte Satz : &#8222;<strong>Wenn wir uns viele Länder auf der Welt heute ansehen, ist Demokratie nicht unbedingt die perfekte Lösung für alles&#8220; </strong>ist in dieser Allgemeinheit schon sehr sehr verstörend, man könnte meinen, der US Amerikaner Robert Prevost/Leo XIV. verstehe etwa die Zerstörung der Demokratie durch Trump doch als eine annehmbare &#8222;Lösung&#8220;?  <a href="https://www.katholisch.de/artikel/64468-wichtige-passagen-aus-dem-ersten-interview-mit-papst-leo-xiv">LINK</a></p>
<p>Wenn Demokratie nicht die &#8222;perfekte Lösung&#8220; ist, dann etwa die Autokratie, die Diktatur, die Ein-Mann-Herrschaft oder was? Welchen Unsinn redet da ein Papst. Demokraten haben nie behauptet, die &#8222;perfekte Lösung&#8220; zu haben, aber eine bessere, weil stets reformierbare Regierungsform gibt es nicht. Demokratie muss ein Autokrat, und das ist ein Papst, natürlich abwehren. Die katholische Kirche ist ja stolz darauf, keine Demokratie zu sein. <strong>Die Äußerung Leo XIV. &#8222;Demokratie ist nicht unbedingt die beste Staatsform&#8220; muss eine Schande genannt werden. </strong>Einen solchen Satz hätten auch die Päpste Gregor XVI., Pius IX. usw. sagen können, also Päpste des 19. Jahrhunderts.</p>
<p>Uns ist natürlich deutlich: Papst Leo spricht angesichts seiner Entscheidungen immer auch von &#8222;Beratungen&#8220;. Dabei weiß jeder: Beratungen und Diskussionen, synodale Beratungen manchmal genannt, gibt es in der katholischen Kirche, sie werden als Ausdruck &#8222;katholischer Moderne&#8220; gelobt. Aber TATSÄCHLICH entscheidet allein der Papst nach allen diesen so genannten Beratungen. Von daher ist es sehr legitim, ihn und jeden Papst einen &#8222;Allein-Entscheider&#8220; zu nennen.</p>
<p>2.<br />
Die unter Nr. 3 ff. hier nur kurz erläuterten und dokumentierten jüngsten Stellungnahmen Leos bestätigen, ganz nebenbei, aber nicht ohne ein gewisses Selbstbewusstsein gesagt, was wir schon seit dem 8.Mai 2025 (Tag der Wahl eines Augustiners zum Papst) mehrfach geschrieben haben <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/20630_papst-leo-xiv-kritisch-wahrnehmen-bisher-nur-ein-frommer-wunsch_religionskritik">LINK</a>: Wer als Papst mit der Theologie &#8211; und Ideologie (= Erbsündenwahn des Augustinus) &#8211; des heiligen Augustinus aus der Zeit der Antike sozusagen total verbunden ist, kann keine zeitgemäße Kirche, kann keine evangeliumsgerechte Kirche gestalten und reformieren und endlich einer Reformation zuführen.. Und: Der Augustinerorden (OSA) ist bekanntlich und nachgewiesen wahrlich keine Avantgarde (modernen) theologischen Denkens. Wenn die Augustiner Theologie betreiben, dann studieren sie in eigenen Instituten immer wieder die Werke ihres „Vaters“ Augustin…Sonst … leiten die Augustiner weltweit Pfarrgemeinden &#8211; wie die Weltpriester &#8211; oder betreuen Wallfahrtstorte. Zur Theologie der Befreiung in Lateinamerika haben sich Augustiner weder in Peru noch in Brasilien noch in Mexiko usw. geäußert. Sie sind einfach ängstlich, wollen es sich nicht mit den Hierarchien verderben. Ich freue mich auf Belege zu entsprechenden progressiven Veröffentlichungen aus dem Augustinerorden.</p>
<p>3.<br />
Hier nur Hinweise auf die jüngsten Äußerungen von Papst Leo XIV.. Seine Worte zeigen, wie deutlich er die klassische Rolle eines alleinherrschenden Papstes angenommen hat, etwa wenn er sagt: „Ich werde überlegen, ich werde entscheiden“ etc., selbst wenn freundlicherweise auch das Hören auf andere behauptet wird. Warum hört er dann nicht auf die evidenten theologischen Erkenntnisse zu den von ihm geäußerten Themen?</p>
<p>4.<br />
Frauen können ihre Hoffnungen bzw. Illusionen auslöschen: Das Diakonat für Frauen wird es nach den Worten des „Alleinentscheiders“ Leo nicht geben, das ist um so bemerkenswerter, weil gegen das Diakonat der Frauen absolut gar nichts theologisch -und menschlich !!! &#8211; spricht, man lese auch mal das Neue Testament zum Thema. Aber: Der uralten katholischen Dogmatik entsprechend gehören Diakone schon zum Klerus, DiakonInnen würden als Frauen dann in den Herrschaftsbereich des männlichen Klerus eintreten und — das wäre in der Sicht der geistlichen Herren ja nun wirklich furchtbar, ein Machtverlust etc. So wird also aus „Macho &#8211; Gründen“ möchte man sagen vom Alleinentscheider Papst das Diakonat aufs theologische Eis gelegt…Wie sich das mit der päpstlichen Rederei von „synodalen Wegen“ etc. verhält, steht in den vatikanischen Sternen… Und viele katholische Frauen werden wohl so klug (frustriert) sein, nun ihre Spiritualität auf neue Art zu leben &#8211; außerhalb dieses Männervereins Katholizismus.<br />
<a href="https://www.katholisch.de/artikel/64451-papst-leo-xiv-derzeit-gegen-oeffnung-des-diakonats-fuer-frauen">LINK</a></p>
<p>5.<br />
Papst Leo will unbedingt die reaktionären Kräfte in der katholischen Kirche halten, das versteht er wohl mit seiner ständigem Rede von „Einheit“. Den Traditionalisten will er jetzt entgegen kommen, so dass sie doch wieder ihre uralte lateinische Messe „guten Gewissens“ offenbar überall zelebrieren dürfen. Es ist hundertmal nachgewiesen worden: Wer die uralte Messe als Traditionalist verteidigt, der verteidigt eine ganz andere, antimoderne Theologie, anti-ökumenisch, mit starker Tendenz zu sehr rechten und rechtsextremen politischen Positionen. Das haben wir für Frankreich mehrfach nachgewiesen. Insofern folgt Papst Leo hier seinem deutschen Vorgänger im Amt, dem Joseph Ratzinger/Benedikt XIV. Er hat dafür gesorgt, dass politisch und theologische traditionalistische Kloster wie „Le Barroux“ in Süd- Frankreich sich wieder mit dem Papst versöhnten, einzige Bedingung Ratzingers war: Anerkennung des Papstes. Alles andere auch politisch rechtslastige Traditionalistische durften sie bewahren…<br />
Und nun lieben auch so viele konservative junge KatholikInnen die lateinische Messe &#8211; etwa in Frankreich &#8211; sie lieben das Mysterium als das Mysteriöse, denn die lateinische Sprache der Messe werden sie wohl nicht so präzise verstehen. Zur päpstlichen Liebe zur alten Messe <a href="https://www.katholisch.de/artikel/64442-papst-leo-xiv-will-ueber-alte-messe-neu-beraten">LINK</a></p>
<p>6.<br />
Der reaktionäre Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea ist einer der heftigsten Feinde der Rechte von Homosexuellen und &#8211; wie die allermeisten anderen Bischöfe Afrikas &#8211; ein Feind der von Papst Franziskus möglich gemachten Segnungsfeiern von homosexuellen Paaren, diese Segnung ist absolut und total überhaupt NICHT mit einer Eheschließung zu verwechseln, wo käme der Vatikan denn dahin? Tatsache ist auch: Wer Segnungen von Homosexuellen in Afrika verteidigen würde, müsste die Menschenrechte von Homosexuellen in Afrika verteidigen, müßte sich dafür einsetzen, dass sie &#8211; wie in Uganda, Kenia, Nigeria usw. nicht länger verfolgt und diskriminiert und getötet werden. Insofern sind die feindlichen anti &#8211; gay- Äußerungen von Kardinal Sarah und Co. politisch und ethisch hoch gefährlich. Die Kirchengebote sind wie so oft wichtiger als Menschenrechte für den Klerus &#8230; das ist ein altes Thema.<br />
Nun hat also Papst Leo in seiner großen „augustinischen“ (?) Behutsamkeit verlauten lassen, er wolle über diese doch bescheidenen Segnungsfeiern von Homosexuellen „neu nachdenken“. Sie also korrigieren… Das irritiert, hatte er doch zuvor eher die Fortsetzung der von Papst Franziskus vorgegebenen Weisungen bestätigt, etwa in Andeutungen im Gespräch mit dem Jesuiten James Martin aus den USA, der die Rechte der Homosexuellen verteidigt.</p>
<p>Die Stellungnahme des Papstes zur Segnungsfeier von Homosexuellen: <a href="https://www.katholisch.de/artikel/64430-papst-leo-xiv-kritisiert-segensfeiern-fuer-gleichgeschlechtliche-paare">LINK </a></p>
<p>7.<br />
Welchen Schluss können kritische theologische BeobachterInnen aus diesen jüngsten drei Stellungnahmen Leo XIV. ziehen? Es gibt keine Kirchenreform, die den Namen verdient, mit diesem Papst. Leo ist ängstlich, hat keinen modernen theologischen Schwung, keine eigenen vorwärts weisenden theologischen Ideen.<br />
In den nächsten Wochen könnten sicher weitere Stellungnahmen folgen: Wir ahnen schon die Themen:„Das Zölibatsgesetz werde ich als Papst nicht abschaffen“. „Die Ökumene als versöhnte Verschiedenheit der Kirchen kommt für mich nicht in Frage“. „Die Zulassung zur Kommunion von wiederverheiratet Geschiedenen kommt für mich als Papst nicht in Frage“. „Offen homosexuelle Männer dürfen nicht zu Priestern geweiht werden“ (obwohl in den Klöstern wahrscheinlich die Mehrheit homosexuell lebt…).Und auch dies: „Die Regierung von Trump in meiner Heimat, den USA, werde ich nicht offen kritisieren“ und … dadurch die All-Macht des Diktators Trump weiter wachsen sehen..</p>
<p>8.<br />
Allmählich ahnen wohl einige theologisch munter Gebliebene, warum die Kardinäle ausgerechnet den milden, behutsamen, konservativen, theologisch nun eher ungebildeten Augustiner Kardinal Prevost zum Papst gewählt haben. Wann werden Beobachter sagen &#8211; dieser Papst ist eigentlich … eine Fehlbesetzung angesichts der heftigsten Probleme dieser Welt und der Kirchen…Aber das werden nur sehr wenige katholische Theologen in dieser Deutlichkeit öffentlich &#8211; bestenfalls post mortem des Papstes &#8211; sagen, katholische Theologen und Ordensleute sind nämlich in den allermeisten „Fällen“ auch —- ängstlich, sie wollen ihre Karriere nicht behindern…</p>
<p>&#8230;&#8230;.<strong>Fußnote 1</strong>:</p>
<p>Jetzt liegt bereits eine Sammlung von 100 Zitaten des Papstes Leo XIV. vor: <em>„Der Friede sei mit euch allen“</em> ist der Titel, zusammengestellt hat das Büchlein (Verlag Neue Stadt, München, 2025) der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz! Diese Publikation ist der Versuch, nicht vorhandene theologische Publikationen des Papstes Leo ein wenig durch eine Sprüche-Sammlung zu kaschieren. Man könnte auch die Frage stellen: Was hat Robert Prevost eigentlich als Bischof in Chiclayo, Peru, gesagt und publiziert, war er dort etwa ein Befreiungstheologe? Und: Welche Reformimpulse gab er seinem bekanntermaßen eher verschlafenen Augustinerorden als Generalprior? Nichts bekannt.</p>
<p>Die Journalistin Christina Rietz hat das Büchlein der Zitate gelesen und nennt einige Weisheiten Leos: „Gott liebt uns, Gott liebt euch alle, und das Böse wird nicht siegen, hört auf euer Herz.“<br />
Christina Rietz meint sehr treffend dazu: „Das ist alles liebenswürdig, aber erschreckend naiv und weltfremd.“ Sie sieht in diesen Sprüchen zurecht „das Scheitern des christlichen Idealismus in der Welt… und eine große Hilflosigkeit“. Sie<br />
entdeckt in den Zitaten einen Papst als Autor, der ein „Mann der Mäßigung ist, emphatisch und sachlich zugleich … und auch ein bißchen mittelmäßig““ (Christ und Welt, Beilage der „ZEIT&#8220;, vom 11.9.2025, Seite 15.) <em>Mittelmäßig ist wohl die treffende Bewertung.</em> Vielleicht wollten die Kardinäle gerade einen „mittelmäßigen“ Kardinal zum Papst wählen. Einen, der in der totalen Klerusherrschaft, eben moderat, nicht durchgreift, schon gar nicht einen, der gar eine Reformation des Katholizismus will (wie Leos „Mitbruder“ im Augustinerorden Martin Luther).<br />
Man kann also nur hoffen, dass Leo wenigstens mittelmäßig bleibt und nicht allzu sehr ins Konservative abrutscht…Dass Leos Theologie eher schlicht gestrickt ist, zeigt das Büchlein: „Christliche Phrasendrescherei“, sei es, schreibt Christina Rietz. Mit alten Sprüchen wird man wohl in einer Welt, von Diktatoren umzingelt und beherrscht, um nur Trump oder Putin zu nennen, nicht einen Frieden bewirken, der mehr ist als ein “Seelenfrieden“, der sich freut auf die bloß himmlische Erlösung und Befreiung. Der Papst und mit ihm die katholische Kirche muss endlich sehr aufpassen, dass sie mit ihren nur metaphysischen Trost &#8211; Ergüssen nicht Opium fürs Volk verteilt…</p>
<p><strong>&#8230;&#8230;&#8230;Fußnote 2: </strong>Auf der website von &#8222;feinschwarz&#8220; schrieb Prof. Sander, Salzburg.:https://www.feinschwarz.net/leo-xiv-ein-leichtmatrose-auf-schlingerndem-kirchenschiff/</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin</p>
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